Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 23: Lakṣmaṇa Kruddha Vākyam Der zornige Lakṣmaṇa will mit Waffengewalt gegen jeden vorgehen, der Rāmas Weihe verhindert, doch Rāma besänftigt ihn und weist ihm den rechten Weg

iti bruvati rāme tu lakṣmaṇo adhaḥ-śirā muhuḥ | śrutvā madhyam jagāma iva manasā duḥkha-harṣayoḥ ||

Während Rāma so sprach, geriet Lakṣmaṇa, das Haupt wiederholt gesenkt, beim Zuhören mit seinem Gemüt gleichsam zwischen Kummer und Freude.

Wort für Wort
iti bruvati rāme tu
während Rāma so sprach
lakṣmaṇo adhaḥ-śirā muhuḥ
Lakṣmaṇa, das Haupt wiederholt gesenkt
śrutvā
nachdem er zugehört hatte
madhyam jagāma iva manasā duḥkha-harṣayoḥ
geriet gleichsam mit seinem Gemüt in die Mitte zwischen Kummer und Freude

tadā tu baddhvā bhrukuṭīm bhruvor madhye nara-ṛṣabha | niśaśvāsa mahā-sarpo bilasyaiva roṣitaḥ ||

Da zog er, o Stier unter den Männern, die Stirn zwischen den Brauen in Falten und schnaubte wie eine erzürnte große Schlange an ihrem Loch.

Wort für Wort
tadā tu baddhvā bhrukuṭīm
da, nachdem er die Stirn gerunzelt hatte
bhruvor madhye nara-ṛṣabha
zwischen den Brauen, o Stier unter den Männern
niśaśvāsa mahā-sarpo
schnaubte er wie eine große Schlange
bilasyaiva roṣitaḥ
erzürnt an ihrem Loch

tasya duṣprativīkṣyam tat bhrukuṭī-sahitam tadā | babhau kruddhasya siṃhasya mukhasya sadṛśam mukham ||

Sein damals kaum zu ertragendes, von gerunzelter Stirn begleitetes Gesicht glich dem Antlitz eines erzürnten Löwen.

Wort für Wort
tasya duṣprativīkṣyam tat
sein kaum zu ertragendes
bhrukuṭī-sahitam tadā
damals von gerunzelter Stirn begleitetes
babhau kruddhasya siṃhasya
glich dem eines erzürnten Löwen
mukhasya sadṛśam mukham
sein Gesicht dem Antlitz

agrahaḥ tam vidhunvan tu hastī hastam iva ātmanaḥ | tiryag ūrdhvam śarīre ca pātayitvā śiraḥ dharām ||

Wie ein Elefant, den man nicht zu fassen bekommt, seinen eigenen Rüssel schwingend, ließ er den Körper schräg und aufgerichtet bewegen und senkte das Haupt zur Erde.

Wort für Wort
agrahaḥ tam vidhunvan tu
der Ungezähmte, ihn (den Rüssel) schwingend
hastī hastam iva ātmanaḥ
wie ein Elefant seinen eigenen Rüssel
tiryag ūrdhvam śarīre ca
den Körper schräg und aufgerichtet
pātayitvā śiraḥ dharām
das Haupt zur Erde senkend

agra-akṣṇā vīkṣamāṇaḥ tu tiryag bhrātaram abravīt | asthāne sambhramaḥ yasya jātaḥ vai su-mahān ayam ||

Mit dem Augenwinkel schräg blickend, sprach er zu seinem Bruder: „Diese überaus große Verwirrung, die entstanden ist, ist ganz unangebracht.

Wort für Wort
agra-akṣṇā vīkṣamāṇaḥ tu tiryag
mit dem Augenwinkel schräg blickend
bhrātaram abravīt
sprach er zum Bruder
asthāne sambhramaḥ yasya jātaḥ
an unrechter Stelle ist die Verwirrung entstanden, die
vai su-mahān ayam
wahrlich sehr groß ist

dharma-doṣa-prasaṅgena lokasya anatiśaṅkayā | katham hi etat asambhrāntaḥ tvad-vidho vaktum arhati ||

Wie könnte, ohne allzu große Bedenken hinsichtlich eines Fehlers gegen den Dharma vor der Welt zu haben, jemand deinesgleichen, ohne selbst in Verwirrung zu geraten, dies aussprechen?

Wort für Wort
dharma-doṣa-prasaṅgena
aus Anlass eines Fehlers gegen den Dharma
lokasya anatiśaṅkayā
ohne allzu große Bedenken vor der Welt
katham hi etat asambhrāntaḥ
wie könnte, ohne in Verwirrung zu geraten
tvad-vidho vaktum arhati
jemand deinesgleichen dies aussprechen

yathā daivam aśauṇḍīram śauṇḍīraḥ kṣatriya-ṛṣabhaḥ | kim nāma kṛpaṇam daivam aśaktam abhiśaṃsati ||

Warum nur rühmt ein tapferer Stier der Kṣatriyas das machtlose Schicksal, als wäre das kraftlose Schicksal ihm überlegen?

Wort für Wort
yathā daivam aśauṇḍīram
wie das kraftlose Schicksal
śauṇḍīraḥ kṣatriya-ṛṣabhaḥ
ein tapferer Stier der Kṣatriyas
kim nāma kṛpaṇam daivam
warum nur das erbärmliche Schicksal
aśaktam abhiśaṃsati
das machtlose preist

pāpayos tu katham nāma tayoḥ śaṅkā na vidyate | santi dharma-upadhāḥ ślakṣṇā dharmātman kim na budhyase ||

Wie kommt es, dass gegenüber diesen beiden Bösen gar kein Verdacht besteht? Es gibt glatte Vorwände des Dharma – warum, du Dharma-Gesinnter, erkennst du das nicht?

Wort für Wort
pāpayos tu katham nāma
wie kommt es denn bei diesen beiden Bösen
tayoḥ śaṅkā na vidyate
dass kein Verdacht gegen sie besteht
santi dharma-upadhāḥ ślakṣṇā
es gibt glatte Vorwände des Dharma
dharmātman kim na budhyase
warum erkennst du das nicht, du Dharma-Gesinnter

tayoḥ sucaritam svārtham śāṭhyāt parijihīrṣatoḥ | yadi naivam vyavasitam syād dhi prāg eva rāghava | tayoḥ prāg eva dattaḥ ca syād varaḥ prakṛtaḥ ca saḥ ||

Ihre scheinbar edle, in Wahrheit dem eigenen Vorteil dienende Tat, mit der sie beide aus Arglist etwas erschleichen wollten – wäre dies nicht schon vorher so beschlossen gewesen, o Rāghava, so wäre jene Gunst ihr nicht schon im Voraus gewährt und vorbereitet worden.

Wort für Wort
tayoḥ sucaritam svārtham śāṭhyāt parijihīrṣatoḥ
ihre scheinbar edle, dem Eigennutz dienende Tat der beiden, die aus Arglist erschleichen wollten
yadi naivam vyavasitam syād dhi prāg eva rāghava
wenn dies nicht schon vorher so beschlossen gewesen wäre, o Rāghava
tayoḥ prāg eva dattaḥ ca syād varaḥ prakṛtaḥ ca saḥ
wäre jene Gunst ihr nicht schon im Voraus gewährt und vorbereitet worden

loka-vidviṣṭam ārabdham tvad-anyasya abhiṣecanam | notsahe sahitum vīra tatra me kṣantum arhasi ||

Die vom Volk verabscheute Weihe eines anderen als dir wurde begonnen – das ertrage ich nicht, o Held; du musst mir das verzeihen.

Wort für Wort
loka-vidviṣṭam ārabdham
die vom Volk verabscheute, begonnene
tvad-anyasya abhiṣecanam
die Weihe eines anderen als dir
notsahe sahitum vīra
ich ertrage es nicht, o Held
tatra me kṣantum arhasi
du musst mir dies verzeihen

yena iyam āgatā dvaidham tava buddhir mahī-pate | sa hi dharmaḥ mama dveṣyaḥ prasaṅgāt yasya muhyasi ||

Wodurch dein Sinn, o Herrscher der Erde, in Zwiespalt geraten ist – eben dieser Dharma ist mir verhasst, durch dessen Zutun du in Verblendung gerätst.

Wort für Wort
yena iyam āgatā dvaidham
wodurch dieser in Zwiespalt geraten ist
tava buddhir mahī-pate
dein Sinn, o Herrscher der Erde
sa hi dharmaḥ mama dveṣyaḥ
eben dieser Dharma ist mir verhasst
prasaṅgāt yasya muhyasi
durch dessen Zutun du in Verblendung gerätst

katham tvam karmaṇā śaktaḥ kaikeyī-vaśavartinaḥ | kariṣyasi pitur vākyam adharmiṣṭham vigarhitam ||

Wie kannst du, obwohl fähig zu handeln, das dem Unrecht verfallene, verwerfliche Wort deines der Kaikeyī hörigen Vaters befolgen?

Wort für Wort
katham tvam karmaṇā śaktaḥ
wie kannst du, fähig zu handeln
kaikeyī-vaśavartinaḥ
deines der Kaikeyī hörigen Vaters
kariṣyasi pitur vākyam
das Wort des Vaters befolgen
adharmiṣṭham vigarhitam
das dem Unrecht verfallene, verwerfliche

yady api pratipattis te daivī ca api tayoḥ matam | tathā api upekṣaṇīyam te na me tat api rocate ||

Auch wenn du der Ansicht bist, dies sei vom Schicksal bestimmt und deren Absicht nur Ausdruck des Verhängnisses, so gefällt mir doch nicht, dass du dies auf sich beruhen lässt.

Wort für Wort
yady api pratipattis te
auch wenn deine Ansicht ist
daivī ca api tayoḥ matam
dass es vom Schicksal bestimmt sei, ihre Absicht
tathā api upekṣaṇīyam te
dass es dennoch von dir zu übergehen sei
na me tat api rocate
das gefällt mir nicht

manasā api katham kāmam kuryāḥ tvam kāma-vṛttayoḥ | tayos tv ahitayor nityam śatrvoḥ pitṛ-abhidhānayoḥ ||

Wie könntest du auch nur in Gedanken dem Wunsch der beiden willfahren, die, obwohl unter dem Namen von Vater und Mutter, in Wahrheit stets deine feindseligen, von Begierde geleiteten Widersacher sind?

Wort für Wort
manasā api katham kāmam kuryāḥ tvam
wie könntest du auch nur in Gedanken dem Wunsch willfahren
kāma-vṛttayoḥ
der beiden, die von Begierde geleitet sind
tayos tv ahitayor nityam śatrvoḥ
die beiden stets feindseligen Widersacher
pitṛ-abhidhānayoḥ
die unter dem Namen von Vater (und Mutter) gehen

yadyapi pratipattis te daivī cāpi tayor matam | tathāpy upekṣaṇīyam te na me tadapi rocate ||

Auch wenn du der Ansicht bist, dies sei vom Schicksal bestimmt und deren Absicht, so gefällt mir doch nicht, dass du dies auf sich beruhen lässt.

Wort für Wort
yadyapi pratipattis te
auch wenn deine Ansicht ist
daivī cāpi tayor matam
dass es vom Schicksal bestimmt sei, ihre Absicht
tathāpy upekṣaṇīyam te
dass es dennoch von dir zu übergehen sei
na me tadapi rocate
das gefällt mir nicht

viklavo vīrya-hīno yaḥ sa daivam anuvartate | vīrāḥ sambhāvita-ātmāno na daivam paryupāsate ||

Wer kraftlos und verzagt ist, der fügt sich dem Schicksal; Helden aber, die sich selbst vertrauen, unterwerfen sich nicht dem Schicksal.

Wort für Wort
viklavo vīrya-hīno yaḥ
wer verzagt und kraftlos ist
sa daivam anuvartate
der fügt sich dem Schicksal
vīrāḥ sambhāvita-ātmāno
Helden, die von sich selbst überzeugt sind
na daivam paryupāsate
verehren nicht das Schicksal

daivam puruṣa-kāreṇa yaḥ samarthaḥ prabādhitum | na daivena vipanna-arthaḥ puruṣaḥ so.avasīdati ||

Wer fähig ist, das Schicksal durch menschliches Handeln zu überwinden, jener Mensch verzweifelt nicht, auch wenn sein Vorhaben durch Schicksal misslingt.

Wort für Wort
daivam puruṣa-kāreṇa
das Schicksal durch menschliches Handeln
yaḥ samarthaḥ prabādhitum
wer fähig ist, zu überwinden
na daivena vipanna-arthaḥ puruṣaḥ
jener Mensch, dessen Vorhaben durch das Schicksal misslungen ist, nicht
so.avasīdati
jener verzweifelt

drakṣyanti tu adya daivasya pauruṣam puruṣasya ca | daiva-mānuṣayoḥ adya vyaktā vyaktir bhaviṣyati ||

Heute werden sie das Schicksal und die Tatkraft des Menschen sehen; heute wird der offenkundige Unterschied zwischen Schicksal und Menschenwerk offenbar werden.

Wort für Wort
drakṣyanti tu adya
heute werden sie sehen
daivasya pauruṣam puruṣasya ca
das Schicksal und die Tatkraft des Menschen
daiva-mānuṣayoḥ adya
zwischen Schicksal und Menschenwerk heute
vyaktā vyaktir bhaviṣyati
wird der offenkundige Unterschied sichtbar werden

adya mat-pauruṣa-hatam daivam drakṣyanti vai janāḥ | yad daivāt āhatam te adya dṛṣṭam rājya-abhiṣecanam ||

Heute werden die Menschen sehen, wie das Schicksal durch meine Tatkraft überwunden wird; was heute durch das Schicksal an deiner Königsweihe zunichtegemacht wurde, wird man gesehen haben.

Wort für Wort
adya mat-pauruṣa-hatam daivam
heute das durch meine Tatkraft überwundene Schicksal
drakṣyanti vai janāḥ
werden die Menschen wahrlich sehen
yad daivāt āhatam te
was durch das Schicksal an dir zunichtegemacht wurde
adya dṛṣṭam rājya-abhiṣecanam
heute gesehen, die Königsweihe

atyaṅkuśam iva uddāmam gajam mada-bala-uddhatam | pradhāvitam aham daivam pauruṣeṇa nivartaye ||

Wie einen zügellosen, vom Rausch der Kraft übermütigen Elefanten, der sich dem Stachel widersetzt und davonstürmt, so werde ich das vorwärtsdrängende Schicksal durch meine Tatkraft zurückhalten.

Wort für Wort
atyaṅkuśam iva uddāmam gajam
wie einen zügellosen, dem Stachel widersetzenden Elefanten
mada-bala-uddhatam
vom Rausch der Kraft übermütig
pradhāvitam aham daivam
das dahinstürmende Schicksal ich
pauruṣeṇa nivartaye
werde ich durch Tatkraft zurückhalten

loka-pālāḥ samastāḥ te na adya rāma-abhiṣecanam | na ca kṛtsnāḥ trayo lokāḥ vihanyuḥ kim punaḥ pitā ||

Nicht einmal alle Weltenhüter zusammen, nicht einmal die drei Welten insgesamt könnten heute Rāmas Weihe verhindern – wie viel weniger dein Vater allein!

Wort für Wort
loka-pālāḥ samastāḥ te
alle Weltenhüter zusammen
na adya rāma-abhiṣecanam
könnten heute Rāmas Weihe nicht (verhindern)
na ca kṛtsnāḥ trayo lokāḥ vihanyuḥ
und auch nicht die drei Welten insgesamt könnten sie vereiteln
kim punaḥ pitā
wie viel weniger dein Vater

yaiḥ vivāsaḥ tava araṇye mitho rājan samarthitaḥ | araṇye tu vivatsyanti catur-daśa samāḥ tathā ||

Die beiden, die im Geheimen deine Verbannung in den Wald, o Königssohn, beschlossen haben – sie sollen es sein, die vierzehn Jahre lang im Wald leben müssen!

Wort für Wort
yaiḥ vivāsaḥ tava araṇye
von denen deine Verbannung in den Wald
mitho rājan samarthitaḥ
heimlich beschlossen wurde, o Königssohn
araṇye tu vivatsyanti
im Wald sollen sie leben
catur-daśa samāḥ tathā
vierzehn Jahre lang

aham tadā āśām chetsyāmi pitus tasyāḥ ca yā tava | abhiṣeka-vighātena putra-rājyāya vartate ||

Dann werde ich die Hoffnung deines Vaters und die ihre zunichtemachen, die darauf gerichtet ist, durch die Vereitelung deiner Weihe ihrem Sohn das Königtum zu verschaffen.

Wort für Wort
aham tadā āśām chetsyāmi
dann werde ich die Hoffnung zunichtemachen
pitus tasyāḥ ca yā tava
deines Vaters und die ihre, die auf dich gerichtet war
abhiṣeka-vighātena
durch die Vereitelung der Weihe
putra-rājyāya vartate
auf das Königtum für ihren Sohn gerichtet ist

mad-balena viruddhāya na syāt daiva-balam tathā | prabhaviṣyati duḥkhāya yathā ugram pauruṣam mama ||

Gegen meine Kraft gestellt wird die Kraft des Schicksals nicht so vermögend sein, Leid zu bewirken, wie meine gewaltige Tatkraft es vermag.

Wort für Wort
mad-balena viruddhāya
gegen meine Kraft gestellt
na syāt daiva-balam tathā
wird die Kraft des Schicksals nicht so sein
prabhaviṣyati duḥkhāya
dass sie Leid zu bewirken vermöchte
yathā ugram pauruṣam mama
wie meine gewaltige Tatkraft es vermag

ūrdhvam varṣa-sahasra-ante prajā-pālyam anantaram | ārya-putrāḥ kariṣyanti vana-vāsam gate tvayi ||

Danach, nach Ablauf von tausend Jahren, werden die edlen Söhne, sobald du in den Wald gegangen bist, ununterbrochen die Fürsorge für das Volk übernehmen.

Wort für Wort
ūrdhvam varṣa-sahasra-ante
danach, nach Ablauf von tausend Jahren
prajā-pālyam anantaram
die anschließende Fürsorge für das Volk
ārya-putrāḥ kariṣyanti
werden die edlen Söhne übernehmen
vana-vāsam gate tvayi
sobald du in den Wald gegangen bist

pūrva-rāja-ṛṣi-vṛttyā hi vana-vāso vidhīyate | prajā nikṣipya putreṣu putravat paripālane ||

Nach der Sitte der früheren königlichen Seher wird der Waldaufenthalt vorgeschrieben, nachdem man das Volk den Söhnen anvertraut hat, damit sie es wie eigene Söhne beschützen.

Wort für Wort
pūrva-rāja-ṛṣi-vṛttyā hi
nach der Sitte der früheren königlichen Seher
vana-vāso vidhīyate
wird der Waldaufenthalt vorgeschrieben
prajā nikṣipya putreṣu
nachdem das Volk den Söhnen anvertraut wurde
putravat paripālane
zur Fürsorge wie für eigene Söhne

sa ced rājani aneka-agre rājya-vibhrama-śaṅkayā | na evam icchasi dharmātman rājyam rāma tvam ātmani ||

Wenn du, o Rāma, aus Sorge vor einer Verwirrung des Königtums bei mehreren Erben an der Spitze das Königtum nicht auf diese Weise für dich selbst willst, o Dharma-Gesinnter,

Wort für Wort
sa ced rājani aneka-agre
wenn dies, bei mehreren an der Spitze des Königtums
rājya-vibhrama-śaṅkayā
aus Sorge vor einer Verwirrung des Königtums
na evam icchasi dharmātman
du nicht so willst, o Dharma-Gesinnter
rājyam rāma tvam ātmani
das Königtum, Rāma, für dich selbst

pratijāne ca te vīra mā bhūvam vīra-loka-bhāk | rājyam ca tava rakṣeyam aham velā iva sāgaram ||

so gelobe ich dir, o Held: möge mir die Welt der Helden versagt bleiben, wenn ich nicht dein Königreich beschütze, wie der Strand das Meer.

Wort für Wort
pratijāne ca te vīra
so gelobe ich dir, o Held
mā bhūvam vīra-loka-bhāk
möge mir die Welt der Helden nicht zuteilwerden (wenn ich es nicht tue)
rājyam ca tava rakṣeyam aham
und ich werde dein Königreich beschützen
velā iva sāgaram
wie der Strand das Meer

maṅgalaiḥ abhiṣiñcasva tatra tvam vyāpṛtaḥ bhava | aham eko mahī-pālān alam vārayitum balāt ||

Lass dich mit den Segensriten weihen, sei du dafür besorgt; ich allein bin imstande, alle Herrscher der Erde mit Gewalt zurückzuhalten.

Wort für Wort
maṅgalaiḥ abhiṣiñcasva
lass dich mit den Segensriten weihen
tatra tvam vyāpṛtaḥ bhava
sei du dafür besorgt
aham eko mahī-pālān
ich allein alle Herrscher der Erde
alam vārayitum balāt
bin imstande, mit Gewalt zurückzuhalten

na śobha-arthāv imau bāhū na dhanur bhūṣaṇāya me | na asirā bandhana-arthāya na śarāḥ stambha-hetavaḥ ||

Nicht zum Schmuck dienen mir diese beiden Arme, nicht der Bogen zur Zierde, nicht das Schwert zum bloßen Umgürten, nicht die Pfeile, um sie nur aufzustellen.

Wort für Wort
na śobha-arthāv imau bāhū
nicht zum Schmuck dienen diese beiden Arme
na dhanur bhūṣaṇāya me
nicht der Bogen zur Zierde für mich
na asirā bandhana-arthāya
nicht das Schwert zum Umgürten
na śarāḥ stambha-hetavaḥ
nicht die Pfeile als Grund zum Aufstellen

amitra-damana-artham me sarvam etac catuṣṭayam | na ca aham kāmaye atyartham yaḥ syāt śatrur mataḥ mama ||

All dies, dieses Viergespann, dient mir zur Bezwingung der Feinde; doch ich begehre nicht übermäßig danach, dass es einen gäbe, der als mein Feind gälte.

Wort für Wort
amitra-damana-artham me
zur Bezwingung der Feinde für mich
sarvam etac catuṣṭayam
all dieses Viergespann
na ca aham kāmaye atyartham
und ich begehre nicht übermäßig
yaḥ syāt śatrur mataḥ mama
dass es einen gäbe, der als mein Feind gälte

asinā tīkṣṇa-dhāreṇa vidyuc-calita-varcasā | pragṛhītena vai śatrum vajriṇam vā na kalpaye ||

Mit dem scharf geschliffenen Schwert in der Hand, dessen Glanz wie Blitz aufflammt, erachte ich selbst Indra, den Träger des Donnerkeils, nicht als meinen gefährlichen Feind.

Wort für Wort
asinā tīkṣṇa-dhāreṇa
mit dem scharf geschliffenen Schwert
vidyuc-calita-varcasā
dessen Glanz wie Blitz aufflammt
pragṛhītena vai
das ich wahrlich in der Hand halte
śatrum vajriṇam vā na kalpaye
erachte ich selbst den Träger des Donnerkeils nicht als (gefährlichen) Feind

khaḍga-niṣpeṣa-niṣpiṣṭaiḥ gahanā duścarā ca me | hasti-aśva-nara-hasta-ūru-śirobhir bhavitā mahī ||

Von den durch mein Schwert zermalmten Rüsseln, Rossen, Männern, Armen, Schenkeln und Häuptern wird die Erde dicht bedeckt und unwegsam werden.

Wort für Wort
khaḍga-niṣpeṣa-niṣpiṣṭaiḥ
von den durch das Schwert zermalmten
gahanā duścarā ca me
dicht und unwegsam wird durch mich
hasti-aśva-nara-hasta-ūru-śirobhir
mit den Rüsseln der Elefanten, den Rossen, den Armen, Schenkeln und Häuptern der Männer
bhavitā mahī
wird die Erde werden

khaḍga-dhārā-hatā me adya dīpyamānā iva adrayaḥ | patiṣyanti dvipā bhūmau meghā iva savidyutaḥ ||

Von meiner Schwertschneide getroffen, werden die Elefanten heute wie lodernde Berge zu Boden stürzen, wie Gewitterwolken mit ihren Blitzen.

Wort für Wort
khaḍga-dhārā-hatā me adya
von meiner Schwertschneide heute getroffen
dīpyamānā iva adrayaḥ
wie lodernde Berge
patiṣyanti dvipā bhūmau
werden die Elefanten zu Boden fallen
meghā iva savidyutaḥ
wie Gewitterwolken samt ihren Blitzen

baddha-godhā-aṅguli-trāṇe pragṛhīta-śara-āsane | katham puruṣa-mānī syāt puruṣāṇām mayi sthite ||

Wenn ich den Fingerschutz aus Eidechsenleder angelegt habe und Pfeil und Bogen ergriffen habe, wie könnte sich dann noch irgendein Mensch für einen wahren Mann halten, solange ich dastehe?

Wort für Wort
baddha-godhā-aṅguli-trāṇe
nachdem der Fingerschutz aus Eidechsenleder angelegt ist
pragṛhīta-śara-āsane
Pfeil und Bogen ergriffen
katham puruṣa-mānī syāt puruṣāṇām
wie könnte sich einer der Männer für einen wahren Mann halten
mayi sthite
solange ich dastehe

bahubhiḥ ca ekam atyasyann ekena ca bahūn janān | viniyokṣyāmy aham bāṇān nṛ-vāji-gaja-marmasu ||

Bald einen Einzelnen mit vielen Pfeilen überschüttend, bald mit einem einzigen Pfeil viele Menschen zugleich, werde ich meine Pfeile in die verwundbaren Stellen von Männern, Rossen und Elefanten senden.

Wort für Wort
bahubhiḥ ca ekam atyasyann
bald einen Einzelnen mit vielen (Pfeilen) überschüttend
ekena ca bahūn janān
bald mit einem einzigen viele Menschen
viniyokṣyāmy aham bāṇān
werde ich meine Pfeile entsenden
nṛ-vāji-gaja-marmasu
in die verwundbaren Stellen von Männern, Rossen und Elefanten

adya me astra-prabhāvasya prabhāvaḥ prabhaviṣyati | rājñaḥ ca aprabhutām kartum prabhutvam ca tava prabho ||

Heute wird die Macht meiner Waffenkraft ihre Wirkung entfalten, um dem König die Herrschaft zu nehmen und dir, o Herr, die Herrschaft zu verschaffen.

Wort für Wort
adya me astra-prabhāvasya
heute meiner Waffenmacht
prabhāvaḥ prabhaviṣyati
wird die Wirkung sich entfalten
rājñaḥ ca aprabhutām kartum
um dem König die Herrschaft zu nehmen
prabhutvam ca tava prabho
und dir, o Herr, die Herrschaft zu geben

adya candana-sārasya keyūra-mokṣaṇasya ca | vasūnām ca vimokṣasya suhṛdām pālanasya ca ||

Heute wird es an der Zeit sein für das Verschenken von Sandelholzkernen und Armreifen, für das Freigeben von Reichtümern und für die Fürsorge um die Freunde,

Wort für Wort
adya candana-sārasya
heute des Sandelholzkerns
keyūra-mokṣaṇasya ca
und des Ablegens der Armreifen
vasūnām ca vimokṣasya
und des Freigebens der Reichtümer
suhṛdām pālanasya ca
und der Fürsorge für die Freunde

anurūpāv imau bāhū rāma-karma kariṣyataḥ | abhiṣecana-vighnasya kartṝṇām te nivāraṇe ||

denn diesen beiden Armen angemessen wird die Tat sein, die sie, Rāma dienend, vollbringen werden: die Abwehr derer, die das Hindernis deiner Weihe verursacht haben.

Wort für Wort
anurūpāv imau bāhū
diesen beiden angemessenen Armen
rāma-karma kariṣyataḥ
werden die Tat für Rāma vollbringen
abhiṣecana-vighnasya kartṝṇām te
derer, die das Hindernis deiner Weihe verursacht haben
nivāraṇe
in der Abwehr

bravīhi ko.adya eva mayā viyujyatām | tava asuhṛd-prāṇa-yaśaḥ suhṛj-janaiḥ | yathā tava iyam vasudhā vaśe bhavet | tathā eva mām śādhi tava asmi kiṃkaraḥ ||

Sag mir nur, wer noch heute von seinem Leben, seinem Ruhm und seinen Freunden getrennt werden soll, wer dir feindlich gesinnt ist! Gebiete mir nur, wie diese Erde in deine Macht gelangen soll – ich bin dein Diener.

Wort für Wort
bravīhi ko.adya eva
sag mir, wer noch heute
mayā viyujyatām
von mir getrennt werden soll
tava asuhṛd-prāṇa-yaśaḥ suhṛj-janaiḥ
wer dir feindlich gesinnt ist, von Leben, Ruhm und Freunden
yathā tava iyam vasudhā vaśe bhavet
auf dass diese Erde in deine Macht gelange
tathā eva mām śādhi
so gebiete mir
tava asmi kiṃkaraḥ
ich bin dein Diener

vimṛjya bāṣpam parisāntvya ca asakṛt | sa lakṣmaṇam rāghava-vaṃśa-vardhanaḥ | uvāca pitrye vacane vyavasthitam | nibodha mām eṣa hi saumya sat-pathaḥ ||

Nachdem er ihm die Tränen abgewischt und ihn wieder und wieder besänftigt hatte, sprach der Mehrer des Rāghava-Geschlechts zu Lakṣmaṇa, der fest im väterlichen Wort verharrte: „Erkenne mich so, o Sanftmütiger – dies ist der rechte Weg.“

Wort für Wort
vimṛjya bāṣpam
nachdem er die Tränen abgewischt hatte
parisāntvya ca asakṛt
und ihn wieder und wieder besänftigt hatte
sa lakṣmaṇam rāghava-vaṃśa-vardhanaḥ
er, der Mehrer des Rāghava-Geschlechts, zu Lakṣmaṇa
uvāca pitrye vacane vyavasthitam
sprach zu dem, der fest im väterlichen Wort verharrte
nibodha mām eṣa hi saumya sat-pathaḥ
erkenne mich so, o Sanftmütiger, dies ist der rechte Weg

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