Sarga 66: Kausalyā Vilāpaḥ Rāja Śarīra Taila Droṇī Sthāpanam
Kausalyā klagt über den toten König und Kaikeyīs Schuld; die Minister betten den Leichnam in einen Öltrog und warten auf Bharatas Rückkehr, während die trauernde Stadt keine Ruhe findet
Als sie den zum Himmel gegangenen Herrscher der Erde erblickten, gleich einem erloschenen Feuer, gleich einem wasserlosen Meer, gleich einer glanzlos gewordenen Sonne,
Wort für Wort
taṃ agnim iva śāntam
jenen, gleich einem erloschenen Feuer
ambuhīnam iva arṇavam
gleich einem wasserlosen Meer
hataprabham iva ādityam
gleich einer glanzlos gewordenen Sonne
svargatam prekṣya bhūmipam
den zum Himmel gegangenen Herrscher der Erde erblickend
'Erfüllt sei dein Wunsch, o Kaikeyī, genieße nun das Reich, frei von Dornen, da du einzig darauf bedacht den König verlassen hast, o Grausame von böser Handlungsweise!
Wort für Wort
sakāmā bhava kaikeyi
erfüllt sei dein Wunsch, o Kaikeyī
bhuṅkṣva rājyam akaṇṭakam
genieße das Reich, frei von Dornen
tyaktvā rājānam ekāgrā
da du einzig darauf bedacht, den König verlassen hast
vihāya māṃ gataḥ rāmaḥ bhartā ca svargataḥ mama |
vipathe sārthahīnā iva nāhaṃ jīvitumutsahe ||
Rāma ist von mir gegangen, und mein Gemahl ist zum Himmel gegangen; wie eine [Reisende], die auf falschem Weg der Karawane beraubt ist, vermag ich nicht mehr zu leben.
Welche Frau, außer der die Gerechtigkeit verlassenden Kaikeyī, würde wünschen weiterzuleben, nachdem sie jenen Gemahl, der ihre eigene Gottheit war, verloren hat?
Wort für Wort
bhartāram tam parityajya
nachdem sie jenen Gemahl verloren hat
kā strī daivatam ātmanaḥ
welche Frau, [für die er] ihre eigene Gottheit war
Der Gierige erkennt keine Fehler, gleich einem, der Gift isst, [ohne es zu merken]; wegen einer Buckligen ist durch Kaikeyī das Haus der Rāghavas vernichtet worden.
Wenn Janaka hört, dass Rāma samt seiner Gattin von dem zu einer unrechten Verpflichtung gezwungenen König verbannt wurde, wird auch er niederstürzen, wie ich es tue.
Wort für Wort
aniyoge niyuktena rājñā
von dem zu einer unrechten Verpflichtung gezwungenen König
Jener rechtschaffene Rāma, lotusblattäugig, weiß heute nicht, dass ich eine schutzlose Witwe [geworden] bin - er ist von hier fort in den Verlust meines Lebens gegangen.
Wort für Wort
saḥ rāmaḥ kamalapatrākṣaḥ
jener Rāma, lotusblattäugig
dhārmikaḥ na adya jānāti
der Rechtschaffene weiß heute nicht
mām anāthām vidhavām
dass ich eine schutzlose Witwe [bin]
jīvanāśam itaḥ gataḥ
er ist von hier in den Verlust des Lebens gegangen
Und jener [Janaka], alt und mit wenigen Söhnen [gesegnet], stets an Vaidehī denkend - auch er wird gewiss, vom Kummer überwältigt, sein Leben aufgeben.
Dann, nachdem die Minister den Herrn der Erde in einen Trog voll Öl gebettet hatten, verrichteten sie, so angewiesen, danach alle Verrichtungen für den König.
na tu saṃkalanaṃ rājño vinā putreṇa mantriṇaḥ |
sarvajñāḥ kartumīṣuste tato rakṣanti bhūmipam ||
Die allwissenden Minister aber wollten die Verbrennung des Königs nicht ohne [dessen] Sohn vollziehen; daher bewahrten sie [den Leichnam] des Herrschers der Erde.
Wort für Wort
na tu saṃkalanam rājñaḥ
nicht aber die Verbrennung des Königs
vinā putreṇa mantriṇaḥ
ohne den Sohn, die Minister
sarvajñāḥ kartum īṣuḥ te
die allwissenden [Minister] wollten [sie] vollziehen
sa hi nāthaḥ sadāsmākaṃ tava ca prabhurātmavān |
vanaṃ rāmo gataḥ śrīmān vihāya nṛpatiśriyam ||
Denn er, der stets unser Beschützer und, selbstbeherrscht, auch dein Herr war - der glanzvolle Rāma - ist, die königliche Herrlichkeit aufgebend, in den Wald gegangen.
Ihre Menschen von Tränen überwältigt, ihre edlen Frauen ein einziges Wehklagen, ihre Plätze und Häuserinneren verödet, erstrahlte [die Stadt] nicht wie [sonst] eine Stadt.
Gleich dem Himmel, der ohne die Sonne seines Glanzes beraubt ist, gleich einer Nacht, aus der die Schar der Sterne gewichen ist - plötzlich endete der Lauf der Sonne, und sie ging dahin, während die Nacht, ihren Lauf beginnend, herantrat.
Wort für Wort
gataprabhā dyauḥ iva bhāskaram vinā
gleich dem Himmel, ohne die Sonne seines Glanzes beraubt
'Ohne den Sohn missfällt den versammelten Freunden die Verbrennung des Herrschers der Erde' - so bedenkend, betteten sie den König von unfasslichem Anblick auf jenes Lager [im Öltrog].
Wort für Wort
ṛte tu putrāt dahanam mahīpateḥ
ohne den Sohn aber die Verbrennung des Herrschers der Erde
Gleich dem Himmel, der ohne die Sonne seines Glanzes beraubt ist, gleich einer Nacht, aus der die Schar der Sterne gewichen ist, erstrahlte die Stadt nicht, des Großherzigen beraubt, ihre Wege und Plätze verwirrt von tränenerstickten Kehlen.
Wort für Wort
gataprabhā dyauḥ iva bhāskaram vinā
gleich dem Himmel, ohne die Sonne seines Glanzes beraubt
vyapetanakṣatragaṇā iva śarvarī
gleich einer Nacht, der Sternenschar entwichen
purī babhāse rahitā mahātmanā
[so] erstrahlte die Stadt, des Großherzigen beraubt, [nicht]
na ca asrakaṇṭhākulamārgacatvarā
und [ihre] Wege und Plätze, von tränenerstickten Kehlen verwirrt
narāśca nāryaśca sametya saṃghaśo |
vigarhamāṇā bharatasya mātaram |
tadā nagaryāṃ naradevasaṃkṣaye |
babhūvurārtā na ca śarma lebhire ||
Männer und Frauen, in Scharen zusammenkommend, Bharatas Mutter verwünschend, waren damals, beim Untergang des Gottes unter den Menschen, in der Stadt von Schmerz erfüllt und fanden keine Ruhe.
Wort für Wort
narāḥ ca nāryaḥ ca sametya saṃghaśaḥ
Männer und Frauen, in Scharen zusammenkommend
vigarhamāṇāḥ bharatasya mātaram
Bharatas Mutter verwünschend
tadā nagaryām naradevasaṃkṣaye
damals in der Stadt, beim Untergang des Gottes unter den Menschen
babhūvuḥ ārtāḥ na ca śarma lebhire
waren sie von Schmerz erfüllt und fanden keine Ruhe