Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 3: Abhiṣeka Sambhāra Prastāvaḥ Vasiṣṭha ordnet die Weihe-Vorbereitungen an, und Daśaratha erteilt Rāma väterlichen Rat

teṣāmañjalipadmāni pragṛhītāni sarvaśaḥ / pratigṛhyābravīdrājā tebhyaḥ priyahitaṃ vacaḥ

Ihre lotusgleichen, gefalteten Hände nahm er von allen Seiten entgegen; nachdem der König sie empfangen hatte, sprach er zu ihnen ein liebes und heilsames Wort.

Wort für Wort
teṣām
ihre
añjali-padmāni
lotusgleiche gefaltete Hände
pragṛhītāni
entgegengenommen
sarvaśaḥ
von allen Seiten
pratigṛhya
nachdem er empfangen hatte
abravīt
sprach
rājā
der König
tebhyaḥ
zu ihnen
priya-hitam
liebes und heilsames
vacaḥ
Wort

aho.asmi paramaprītaḥ prabhāvaścātulo mama / yanme jyeṣṭhaṃ priyaṃ putraṃ yauvarājyastha micchatha

Ach, ich bin überaus erfreut, und unvergleichlich ist mein Glück, dass ihr meinen ältesten, geliebten Sohn zum Amt des Kronprinzen wünscht.

Wort für Wort
aho
ach
asmi
ich bin
parama-prītaḥ
überaus erfreut
prabhāvaḥ ca
und Glück/Macht
atulaḥ
unvergleichlich
mama
mein
yat
dass
me
mein
jyeṣṭham
ältesten
priyam
geliebten
putram
Sohn
yauvarājyastham
im Amt des Kronprinzen
icchatha
ihr wünscht

iti pratyarcya tān rājā brāhmaṇānida mabravīt / vasiṣṭhaṃ vāmadevaṃ ca teṣāmevopaśṛṇvatām

So die Brahmanen ehrend, sprach der König dieses zu ihnen – zu Vasiṣṭha und Vāmadeva – während eben jene zuhörten.

Wort für Wort
iti
so
pratyarcya
nachdem er geehrt hatte
tān brāhmaṇān
jene Brahmanen
rājā
der König
idam abravīt
sprach dieses
vasiṣṭham vāmadevam ca
zu Vasiṣṭha und Vāmadeva
teṣām eva upaśṛṇvatām
während eben jene zuhörten

caitraḥ śrīmānayaṃ māsaḥ puṇyaḥ puṣpitakānanaḥ / yauvarājyāya rāmasya sarvamevopakalpyatām

'Dieser glanzvolle Monat Caitra ist heilig, die Wälder stehen in Blüte – für Rāmas Weihe zum Kronprinzen soll alles bereitet werden.'

Wort für Wort
caitraḥ
Caitra (Frühlingsmonat)
śrīmān ayam māsaḥ
dieser glanzvolle Monat
puṇyaḥ
heilig
puṣpita-kānanaḥ
mit blühenden Wäldern
yauvarājyāya rāmasya
für Rāmas Kronprinzenweihe
sarvam eva
alles eben
upakalpyatām
soll bereitet werden

śanaistasmin praśānte ca janaghoṣe janādhipaḥ / vasiṣṭhaṃ muniśārdūlaṃ rājā vacanamabravīt

Als sich sodann allmählich der Lärm der Menge gelegt hatte, sprach der Herr des Volkes, der König, zu Vasiṣṭha, dem Tiger unter den Weisen, dieses Wort:

Wort für Wort
śanaiḥ
allmählich
tasmin praśānte
als jener sich gelegt hatte
jana-ghoṣe
Lärm der Menge
janādhipaḥ
der Herr des Volkes
vasiṣṭham muniśārdūlam
zu Vasiṣṭha, dem Tiger der Weisen
rājā vacanam abravīt
sprach der König das Wort

abhiṣekāya rāmasya yatkarma saparicchadam / tadadya bhagavan sarvamājñāpayitu marhasi

'Was immer an Vorbereitung mit allem Zubehör für Rāmas Weihe nötig ist, das mögest du, Ehrwürdiger, heute vollständig anordnen.'

Wort für Wort
abhiṣekāya rāmasya
für Rāmas Weihe
yat karma
welches Werk
sa-paricchadam
mit Zubehör
tat adya
das heute
bhagavan
Ehrwürdiger
sarvam ājñāpayitum
alles anzuordnen
arhasi
du mögest würdig sein

tacchrutvā bhūmipālasya vasiṣṭho dvijasattamaḥ / ādideśāgrato rājñaḥ sthitān yuktān kṛtāñjalīn

Dies vom Herrn der Erde vernehmend, wies Vasiṣṭha, der Beste der Zweifachgeborenen, die vor dem König stehenden, bereiten, mit gefalteten Händen wartenden Diener an:

Wort für Wort
tat śrutvā
dies vernehmend
bhūmipālasya
des Erdenherrn
vasiṣṭhaḥ dvijasattamaḥ
Vasiṣṭha, der Beste der Zweifachgeborenen
ādideśa
wies an
agrataḥ rājñaḥ
vor dem König
sthitān yuktān
die stehenden, bereiten
kṛtāñjalīn
die mit gefalteten Händen

suvarṇādīni ratnāni balīn sarvauṣadhīrapi / śuklamālyāṃśca lājāṃśca pṛthakca madhusarpiṣī

'Gold und andere Kostbarkeiten, Opfergaben, auch alle Heilkräuter, weiße Blumengirlanden und geröstetes Korn, und gesondert Honig und geklärte Butter,

Wort für Wort
suvarṇa-ādīni ratnāni
Gold und andere Kostbarkeiten
balīn
Opfergaben
sarva-auṣadhīḥ api
auch alle Heilkräuter
śukla-mālyān ca
und weiße Girlanden
lājān ca
und geröstetes Korn
pṛthak ca madhu-sarpiṣī
und gesondert Honig und Ghī

ahatāni ca vāsāṃsi rathaṃ sarvāyudhānyapi / caturaṅgabalaṃ caiva gajaṃ ca śubhalakṣaṇam

ungetragene Gewänder und einen Wagen, auch alle Waffen, das vierteilige Heer und einen Elefanten von glückverheißenden Merkmalen,

Wort für Wort
ahatāni vāsāṃsi
ungetragene Gewänder
ratham
Wagen
sarva-āyudhāni api
auch alle Waffen
catur-aṅga-balam ca eva
und eben das vierteilige Heer
gajam ca
und Elefant
śubha-lakṣaṇam
von glückverheißenden Merkmalen

cāmaravyajane śvete dhvajaṃ chatraṃ ca pāṇḍuram / śataṃ ca śātakumbhānāṃ kumbhānāmagnivarcasām

zwei weiße Yakschweif-Wedel, eine Standarte und einen weißen Schirm, und hundert goldene, feuerglänzende Krüge,

Wort für Wort
cāmara-vyajane śvete
zwei weiße Yakschweif-Wedel
dhvajam chatram ca pāṇḍuram
Standarte und weißen Schirm
śatam ca
und hundert
śāta-kumbhānām kumbhānām
goldene Krüge
agni-varcasām
feuerglänzend

hiraṇyaśṛṅgamṛṣabhaṃ samagraṃ vyāghracarma ca / upasthāpayata prātaragnyagāraṃ mahīpateḥ

einen Stier mit goldenen Hörnern, ein vollständiges Tigerfell – das alles bringt morgen früh zum Feuerhaus des Erdenherrn.'

Wort für Wort
hiraṇya-śṛṅgam ṛṣabham
einen Stier mit goldenen Hörnern
samagram vyāghra-carma ca
und ein vollständiges Tigerfell
upasthāpayata
bringt herbei
prātaḥ
morgens früh
agni-agāram mahīpateḥ
zum Feuerhaus des Erdenherrn

yaccānyatkiñcideṣṭavyaṃ tatsarvamupakalpyatām / astaḥpurasya dvārāṇi sarvasya nagarasya ca

'Und was sonst noch wünschenswert ist, das alles soll bereitet werden. Auch die Tore des inneren Frauengemachs und der ganzen Stadt

Wort für Wort
yat ca anyat kiñcit
und was sonst irgendetwas
eṣṭavyam
wünschenswert
tat sarvam upakalpyatām
das alles soll bereitet werden
antaḥpurasya dvārāṇi
die Tore des Frauengemachs
sarvasya nagarasya ca
und der ganzen Stadt

candanasragbhirarcyantāṃ dhūpaiśca ghrāṇahāribhiḥ

sollen mit Sandelgirlanden und mit die Sinne bezauberndem Räucherwerk geschmückt werden.

Wort für Wort
candana-sragbhiḥ
mit Sandelgirlanden
arcyantām
sollen geschmückt werden
dhūpaiḥ ca
und mit Räucherwerk
ghrāṇa-hāribhiḥ
das den Geruchssinn bezaubert

praśastamannaṃ guṇavaddhadhikṣīropasecanam / dvijānāṃ śatasāhasre yatprakāmamalaṃ bhavet

Vortreffliche, mit Dickmilch und Milch beträufelte Speise soll für hunderttausend Brahmanen bereitet werden, so viel, dass sie nach Belieben genug haben.

Wort für Wort
praśastam annam
vortreffliche Speise
guṇavat
mit guten Eigenschaften
dadhi-kṣīra-upasecanam
mit Dickmilch und Milch beträufelt
dvijānām śata-sāhasre
für hunderttausend Brahmanen
yat prakāmam alam bhavet
so dass es nach Belieben genug sei

satkṛtya dvijamukhyānāṃ śvaḥ prabhāte pradīyatām / ghṛtaṃ dadhi ca lājāśca dakṣiṇāścāpi puṣkalāḥ

Nachdem man die vorzüglichsten Brahmanen geehrt hat, sollen ihnen morgen früh geklärte Butter, Dickmilch, geröstetes Korn und auch reichliche Geschenke gegeben werden.

Wort für Wort
satkṛtya
nachdem geehrt
dvija-mukhyānām
der vorzüglichsten Brahmanen
śvaḥ prabhāte
morgen früh
pradīyatām
soll gegeben werden
ghṛtam dadhi ca lājāḥ ca
Ghī, Dickmilch und geröstetes Korn
dakṣiṇāḥ ca api puṣkalāḥ
und auch reichliche Geschenke

sūrye.abhyuditamātre śvo bhavitā svastivācanam / brāhmaṇāśca nimantryantāṃ kalpyantāmāsanāni ca

Sobald morgen die Sonne aufgegangen ist, soll das Segenswort gesprochen werden; die Brahmanen sollen eingeladen und Sitze bereitet werden.

Wort für Wort
sūrye abhyudita-mātre
sobald die Sonne aufgegangen ist
śvaḥ bhavitā
morgen wird sein
svasti-vācanam
das Segenswort
brāhmaṇāḥ ca nimantryantām
und die Brahmanen sollen eingeladen werden
kalpyantām āsanāni ca
und Sitze sollen bereitet werden

ābadhyantāṃ patākāśca rājamārgaśca sicyatām / sarve ca tāldāvacarā gaṇikāśca svalaṃkṛtāḥ

Fahnen sollen aufgehängt und die Königsstraße besprengt werden; alle Tänzer und Kurtisanen sollen schön geschmückt sein.

Wort für Wort
ābadhyantām patākāḥ ca
Fahnen sollen aufgehängt werden
rāja-mārgaḥ ca sicyatām
und die Königsstraße besprengt werden
sarve ca tāṇḍava-carāḥ
und alle Tänzer
gaṇikāḥ ca su-alaṃkṛtāḥ
und Kurtisanen schön geschmückt

kakṣyāṃ dvitīyāmāsādya tiṣṭhantu nṛpaveśmanaḥ / devāyatanacaityeṣu sānnabhakṣāḥ sadakṣiṇāḥ

Sie sollen sich beim zweiten Torhof des Königspalastes einfinden und dort verweilen; an den Gotteshäusern und heiligen Stätten soll es Speiseopfer und Geschenke geben.

Wort für Wort
kakṣyām dvitīyām āsādya
den zweiten Torhof erreichend
tiṣṭhantu
sollen verweilen
nṛpa-veśmanaḥ
des Königspalastes
deva-āyatana-caityeṣu
an Gotteshäusern und heiligen Stätten
sa-anna-bhakṣāḥ sa-dakṣiṇāḥ
mit Speiseopfern und Geschenken

upāsthāpayitavyāḥ syurmālyayogyāḥ pṛthak pṛthak / dīrghāsibaddhā yodhāśca sannaddhā mṛṣṭavāsasaḥ

Sie sollen, jede für sich mit geeigneten Girlanden geschmückt, bereitstehen; auch die mit langen Schwertern gegürteten, gerüsteten Krieger in reinen Gewändern.

Wort für Wort
upāsthāpayitavyāḥ syuḥ
sie sollen bereitgestellt sein
mālya-yogyāḥ pṛthak pṛthak
mit passenden Girlanden, je einzeln
dīrgha-asi-baddhāḥ yodhāḥ ca
und die mit langen Schwertern gegürteten Krieger
sannaddhāḥ mṛṣṭa-vāsasaḥ
gerüstet, in reinen Gewändern

mahārājāṅgaṇaṃ sarve praviśantu mahodayam / evaṃ vyādiśya viprau tau kriyāstatra suniṣṭhitau

Alle sollen den großen, glückverheißenden Hof des Königs betreten.' So die beiden Brahmanen anordnend, waren jene fest auf die Handlungen dort versessen,

Wort für Wort
mahārāja-aṅgaṇam sarve
den Hof des Großkönigs alle
praviśantu mahodayam
sollen den glückverheißenden betreten
evam vyādiśya
so anordnend
viprau tau
jene beiden Brahmanen
kriyāsu tatra su-niṣṭhitau
dort fest auf die Handlungen versessen

cakratuścaiva yaccheṣaṃ pārthivāya nivedya ca / kṛtamityeva cābrūtāmabhigamya jagatpatim

und führten aus, was noch übrig war, und meldeten dem König, indem sie zum Herrn der Welt traten: 'Es ist getan.'

Wort für Wort
cakratuḥ ca eva
und die beiden vollzogen
yat śeṣam
was übrig war
pārthivāya nivedya ca
und dem König meldend
kṛtam iti eva ca abrūtām
und sprachen: es ist getan
abhigamya jagat-patim
nachdem sie zum Herrn der Welt getreten waren

yathoktavacanaṃ prītau harṣayuktau dvijarṣabhau / tataḥ sumantraṃ dyutimān rājā vacanamabravīt

die beiden Stiere der Zweifachgeborenen, erfreut und voller Freude, sprachen das genannte Wort. Darauf sprach der glanzvolle König zu Sumantra dieses Wort:

Wort für Wort
yathā-ukta-vacanam
das wie gesagte Wort
prītau harṣa-yuktau
die beiden erfreuten, voller Freude
dvija-ṛṣabhau
Stiere der Zweifachgeborenen
tataḥ sumantram
darauf zu Sumantra
dyutimān rājā vacanam abravīt
sprach der glanzvolle König das Wort

rāmaḥ kṛtātmā bhavatā śīghramānīyatāmiti / sa tatheti pratijñāya sumantro rājaśāsanāt

'Rāma, der Gefasste, soll von dir eilends hergebracht werden!' Und Sumantra, 'so sei es' zusagend, auf Befehl des Königs

Wort für Wort
rāmaḥ kṛta-ātmā
Rāma, der Gefasste
bhavatā śīghram ānīyatām iti
soll von dir eilends hergebracht werden
saḥ tathā iti pratijñāya
er, 'so sei es' zusagend
sumantraḥ rāja-śāsanāt
Sumantra auf Befehl des Königs

rāmaṃ tatrānayāṃcakre rathena rathināṃ varam / atha tatra samāsīnāstadā daśarathaṃ nṛpam

brachte Rāma, den Besten der Wagenkämpfer, dorthin mit dem Wagen. Nun saßen dort damals versammelt beim König Daśaratha –

Wort für Wort
rāmam tatra anayāṃcakre
brachte Rāma dorthin
rathena rathinām varam
mit dem Wagen, den Besten der Wagenkämpfer
atha tatra samāsīnāḥ
nun dort versammelt sitzend
tadā daśaratham nṛpam
damals beim König Daśaratha

prācyodīcyāḥ pratīcyāśca dākṣiṇātyāśca bhūmipāḥ / mlecchāścāryāśca ye cānye vane śailāntavāsinaḥ

die Fürsten des Ostens, des Nordens, des Westens und des Südens, Mlecchas und Āryas, und welche anderen auch in Wäldern und an Bergrändern wohnten,

Wort für Wort
prācyāḥ udīcyāḥ pratīcyāḥ ca
die östlichen, nördlichen, westlichen
dākṣiṇātyāḥ ca bhūmipāḥ
und die südlichen Fürsten
mlecchāḥ ca āryāḥ ca
Mlecchas und Āryas
ye ca anye
und welche anderen
vane śaila-anta-vāsinaḥ
im Wald und an Bergrändern wohnend

upāsāñcakrire sarve taṃ devā iva vāsavam / teṣāṃ madhye sa rājarṣirmarutāmiva vāsavaḥ

alle warteten ihm auf, wie die Götter dem Vāsava. In ihrer Mitte war jener königliche Seher wie Vāsava unter den Maruts.

Wort für Wort
upāsāñcakrire sarve
alle warteten auf
tam devāḥ iva vāsavam
ihm wie die Götter dem Vāsava
teṣām madhye
in ihrer Mitte
saḥ rāja-ṛṣiḥ
jener königliche Seher
marutām iva vāsavaḥ
wie Vāsava unter den Maruts

prāsādastho rathagataṃ dadarśāyānta mātmajam / gandharvarājapratimaṃ loke vikhyātapauruṣam

Auf dem Palast stehend, sah er seinen im Wagen herannahenden Sohn, dem König der Gandharven gleich, dessen Mannesmut in der Welt berühmt war,

Wort für Wort
prāsāda-sthaḥ
auf dem Palast stehend
ratha-gatam dadarśa āyāntam
sah den im Wagen herankommenden
ātmajam
seinen Sohn
gandharva-rāja-pratimam
dem König der Gandharven gleich
loke vikhyāta-pauruṣam
dessen Mannesmut in der Welt berühmt war

dīrgha bāhuṃ mahasattvaṃ mattamātaṅgagāminam / candrakāntānanaṃ rāmamatīva priyadarśanam

Rāma mit den langen Armen, von großer Kraft, mit dem Gang eines brünstigen Elefanten, mit mondgleich lieblichem Antlitz, überaus lieblich anzuschauen.

Wort für Wort
dīrgha-bāhum
mit langen Armen
mahā-sattvam
von großer Kraft
matta-mātaṅga-gāminam
mit dem Gang eines brünstigen Elefanten
candra-kānta-ānanam rāmam
Rāma mit mondgleich lieblichem Antlitz
atīva priya-darśanam
überaus lieblich anzuschauen

rūpaudāryaguṇaiḥ puṃsāṃ dṛṣṭicittāpahāriṇam / gharmābhitaptāḥ parjanyaṃ hlādayantamiva prajāḥ

der durch Schönheit, Adel und Tugenden Auge und Herz der Menschen gefangen nahm, wie eine Regenwolke die von der Hitze gequälten Geschöpfe erquickt.

Wort für Wort
rūpa-audārya-guṇaiḥ
durch Schönheit, Adel und Tugenden
puṃsām dṛṣṭi-citta-apahāriṇam
der Auge und Herz der Menschen raubte
gharma-abhitaptāḥ prajāḥ
die von der Hitze gequälten Geschöpfe
parjanyam hlādayantam iva
wie eine Regenwolke erquickend

na tatarpa samāyāntaṃ paśyamāno narādhipaḥ / avatārya sumantrastaṃ rāghavaṃ syandanottamāt

Der Herrscher der Menschen ward nicht satt, ihn herankommen zu sehen. Sumantra ließ Rāghava von dem vorzüglichsten Wagen herabsteigen

Wort für Wort
na tatarpa
wurde nicht satt
samāyāntam paśyamānaḥ
ihn herankommend sehend
nara-adhipaḥ
der Herrscher der Menschen
avatārya
herabsteigen lassend
sumantraḥ tam rāghavam syandana-uttamāt
Sumantra jenen Rāghava vom vorzüglichsten Wagen

pituḥ samīpaṃ gacchantaṃ prāñjaliḥ pṛṣṭhato.anvagāt / sa taṃ kailāsaśṛṅgābhaṃ prāsādaṃ narapuṅgavaḥ

und folgte ihm, während er sich mit gefalteten Händen dem Vater näherte, von hinten nach. Jener Stier unter den Männern [bestieg] den Palast, gleich einem Kailāsa-Gipfel,

Wort für Wort
pituḥ samīpam gacchantam
der sich dem Vater näherte
prāñjaliḥ
mit gefalteten Händen
pṛṣṭhataḥ anvagāt
folgte von hinten
saḥ narapuṅgavaḥ
jener Stier unter den Männern
tam kailāsa-śṛṅga-ābham prāsādam
jenen Palast, einem Kailāsa-Gipfel gleich

āruroha nṛpaṃ draṣṭuṃ saha sūtena rāghavaḥ / sa prāñjalirabhipretya praṇataḥ piturantike

bestieg Rāghava zusammen mit dem Wagenlenker, um den König zu sehen. Er, mit gefalteten Händen herantretend, verneigte sich in der Nähe des Vaters.

Wort für Wort
āruroha
bestieg
nṛpam draṣṭum
um den König zu sehen
saha sūtena rāghavaḥ
Rāghava zusammen mit dem Wagenlenker
saḥ prāñjaliḥ abhipretya
er, mit gefalteten Händen herantretend
praṇataḥ pituḥ antike
sich verneigend in der Nähe des Vaters

nāma svaṃ śrāvayan rāmo vavandhe caraṇau pituḥ / taṃ dṛṣṭvā praṇataṃ pārśve kṛtāñjalipuṭaṃ nṛpaḥ

Rāma, seinen eigenen Namen nennend, verehrte die Füße des Vaters. Als der König ihn an seiner Seite verneigt, mit gefalteten Händen, sah,

Wort für Wort
nāma svam śrāvayan
seinen eigenen Namen verkündend
rāmaḥ vavandhe
Rāma verehrte
caraṇau pituḥ
die Füße des Vaters
tam dṛṣṭvā
ihn sehend
praṇatam pārśve kṛta-añjali-puṭam nṛpaḥ
der König den sich verneigenden, mit gefalteten Händen an seiner Seite

gṛhyāñjalau samākṛṣya sasvaje priyamātmajam / tasmai cābhyuditaṃ divyaṃ maṇikāñcanabhūṣitaṃ

ergriff er die gefalteten Hände, zog ihn heran und umarmte seinen geliebten Sohn. Und ihm wies er einen erhabenen, göttlichen, mit Juwelen und Gold geschmückten

Wort für Wort
gṛhya añjalau
die gefalteten Hände ergreifend
samākṛṣya sasvaje
heranziehend umarmte er
priyam ātmajam
den geliebten Sohn
tasmai ca abhyuditam divyam
und ihm den erhabenen, göttlichen
maṇi-kāñcana-bhūṣitam
mit Juwelen und Gold geschmückten

dideśa rājā ruciraṃ rāmāya paramāsanam / tadāsanavaraṃ prāpya vyadīpayata rāghavaḥ

herrlichen Ehrensitz dem Rāma zu. Nachdem er diesen vorzüglichen Sitz erlangt hatte, erstrahlte Rāghava

Wort für Wort
dideśa rājā
der König wies zu
ruciram rāmāya parama-āsanam
dem Rāma den herrlichen höchsten Sitz
tat āsana-varam prāpya
jenen vorzüglichen Sitz erlangend
vyadīpayata rāghavaḥ
erstrahlte Rāghava

svayeva prabhayā merumudaye vimalo raviḥ / tena vibhrājatā tatra sā sabhābhivyarocata

wie mit eigenem Glanz die makellose Sonne über dem Meru-Aufgang. Durch ihn, den erstrahlenden, erglänzte jene Versammlung dort umso mehr,

Wort für Wort
svayā iva prabhayā
wie mit eigenem Glanz
merau udaye vimalaḥ raviḥ
die makellose Sonne beim Meru-Aufgang
tena vibhrājatā tatra
durch ihn, den dort erstrahlenden
sā sabhā abhivyarocata
erglänzte jene Versammlung

vimalagrahanakṣatrā śāradī dyaurivendunā / taṃ paśyamāno nṛpati stutooṣa priyamātmajam

wie der herbstliche Himmel mit klaren Planeten und Sternen durch den Mond. Ihn erblickend, freute sich der König über den geliebten Sohn,

Wort für Wort
vimala-graha-nakṣatrā śāradī dyauḥ
der herbstliche Himmel mit klaren Planeten und Sternen
iva indunā
wie durch den Mond
tam paśyamānaḥ nṛpatiḥ
ihn erblickend der König
tutoṣa priyam ātmajam
freute sich über den geliebten Sohn

alaṅkṛtamivātmānamādarśatalasaṃsthitam / sa taṃ sasmitamābhāṣya putraṃ putravatāṃ varaḥ

wie man sich selbst geschmückt im Spiegelbild betrachtet. Er, der Beste der Väter, redete ihn, den Sohn, lächelnd an:

Wort für Wort
alaṅkṛtam iva ātmānam
wie sich selbst geschmückt
ādarśa-tala-saṃsthitam
im Spiegelbild befindlich
saḥ tam sasmitam ābhāṣya
er, ihn lächelnd anredend
putram putravatām varaḥ
der Sohn, der Beste der Väter

uvācedaṃ vaco rājā devendramiva kāśyapaḥ / jyeṣṭhāyāmasi me patnyāṃ sadṛśyāṃ sadṛśaḥ sutaḥ

Der König sprach dieses Wort, wie Kaśyapa zu Devendra: 'Du bist mir in meiner ältesten, dir ebenbürtigen Gattin ein ebenbürtiger Sohn geboren.'

Wort für Wort
uvāca idam vacaḥ
sprach dieses Wort
rājā deva-indram iva kāśyapaḥ
der König, wie Kaśyapa zu Devendra
jyeṣṭhāyām me patnyām
in meiner ältesten Gattin
sadṛśyām sadṛśaḥ sutaḥ asi
bist du ein der Ebenbürtigen ebenbürtiger Sohn

utpannastvaṃ guṇaśreṣṭho mama rāmātmajaḥ priyaḥ / yatastvayā prajāścemāḥ svaguṇairanurañjitāḥ

'Du bist geboren, der Beste an Tugend, mein geliebter Sohn Rāma, da du durch deine eigenen Tugenden diese Untertanen erfreut hast.

Wort für Wort
utpannaḥ tvam guṇa-śreṣṭhaḥ
du bist geboren, der Beste an Tugend
mama rāma ātmajaḥ priyaḥ
mein geliebter Sohn Rāma
yataḥ tvayā
da durch dich
prajāḥ ca imāḥ sva-guṇaiḥ anurañjitāḥ
diese Untertanen durch eigene Tugenden erfreut

tasmāttvaṃ puṣyayogena yauvarājyamavāpnuhi / kāmatastvaṃ prakṛtyaiva vinīto guṇavānasi

Darum erlange du im Puṣya-Sternzeichen die Würde des Kronprinzen. Aus eigenem Willen, von Natur aus schon bist du bescheiden und tugendhaft;

Wort für Wort
tasmāt tvam
darum du
puṣya-yogena yauvarājyam avāpnuhi
erlange durch die Puṣya-Verbindung die Kronprinzenwürde
kāmataḥ tvam prakṛtyā eva
aus freiem Willen, von Natur schon
vinītaḥ guṇavān asi
bist du bescheiden und tugendhaft

guṇavatyapi tu snehātputra vakṣyāmi te hitam / bhūyo vinayamāsthāya bhava nityaṃ jitendriyaḥ

doch obwohl du tugendhaft bist, will ich dir, mein Sohn, aus Liebe dennoch Heilsames sagen: Übe noch mehr Bescheidenheit und sei stets Herr deiner Sinne.

Wort für Wort
guṇavati api tu
obwohl tugendhaft, doch
snehāt putra vakṣyāmi te hitam
aus Liebe, Sohn, will ich dir Heilsames sagen
bhūyaḥ vinayam āsthāya
noch mehr Bescheidenheit übend
bhava nityam jita-indriyaḥ
sei stets Herr der Sinne

kāmakrodhasamutthāni tyajethā vyasanāni ca / parokṣayā vartamāno vṛttyā pratyakṣayā tathā

Meide die Laster, die aus Begierde und Zorn entstehen, ob du dich verborgen oder ebenso offen verhältst.

Wort für Wort
kāma-krodha-samutthāni
aus Begierde und Zorn entstandene
tyajethāḥ vyasanāni ca
meide die Laster
parokṣayā vartamānaḥ vṛttyā
im Verborgenen dich verhaltend
pratyakṣayā tathā
ebenso offen

amātyaprabhṛtīḥ sarvāḥ prakṛtīścānurañjaya / koṣṭhāgārāyudhāgāraiḥ kṛtvā sanni cayān bahūn

Erfreue alle Untertanen, angefangen bei den Ministern, und lege, indem du Kornspeicher und Waffenkammern anlegst, reiche Vorräte an.

Wort für Wort
amātya-prabhṛtīḥ sarvāḥ prakṛtīḥ ca
alle Untertanen, angefangen bei den Ministern
anurañjaya
erfreue
koṣṭha-agāra-āyudha-agāraiḥ kṛtvā
indem du Kornspeicher und Waffenkammern anlegst
sannicayān bahūn
reiche Vorräte

tuṣṭānuraktaprakṛtiryaḥ pālayati medinīm / tasya nandanti mitrāṇi labdhvā.amṛtamivā.amarāḥ

Wer, während seine Untertanen zufrieden und ergeben sind, die Erde beschützt – über dessen Herrschaft freuen sich die Freunde, wie die Unsterblichen, wenn sie Amṛta erlangt haben.

Wort für Wort
tuṣṭa-anurakta-prakṛtiḥ yaḥ
wessen Untertanen zufrieden und ergeben sind, wer
pālayati medinīm
die Erde beschützt
tasya nandanti mitrāṇi
über dessen freuen sich die Freunde
labdhvā amṛtam iva amarāḥ
wie die Unsterblichen, wenn sie Amṛta erlangt haben

tasmāttvamapi cātmānaṃ niyamyaivaṃ samācara / tacchrutvā suhṛdastasya rāmasya priyakāriṇaḥ

Darum bezähme auch du dich selbst und handle so.' Dies vernehmend, eilten die Freunde jenes Rāma, die ihm Liebes erweisen wollten,

Wort für Wort
tasmāt tvam api ca ātmānam
darum auch du dich selbst
niyamya evam samācara
bezähmend handle so
tat śrutvā
dies vernehmend
suhṛdaḥ tasya rāmasya priya-kāriṇaḥ
die Freunde jenes Rāma, die Liebes erweisen wollten

tvaritāḥ śīghramabhyetya kausalyāyai nyavedayan / sā hiraṇyaṃ ca gāścaiva ratnāni vividhāni ca

eilig herbei und meldeten es Kausalyā. Sie gab Gold, Kühe und mancherlei Juwelen

Wort für Wort
tvaritāḥ śīghram abhyetya
eilig herbeikommend
kausalyāyai nyavedayan
meldeten es Kausalyā
sā hiraṇyam ca gāḥ ca eva
sie Gold und Kühe
ratnāni vividhāni ca
und mancherlei Juwelen

vyādideśa priyākhyebhyaḥ kausalyā pramadottamā / athābhivādya rājānaṃ rathamāruhya rāghavaḥ

den Überbringern der guten Nachricht – die freudige Kausalyā ließ sie ihnen überreichen. Dann, nachdem er den König gegrüßt hatte, bestieg Rāghava seinen Wagen

Wort für Wort
vyādideśa priya-ākhyebhyaḥ
ließ den Überbringern der guten Nachricht überreichen
kausalyā pramada-uttamā
die vorzüglichste Kausalyā
atha abhivādya rājānam
dann, den König grüßend
ratham āruhya rāghavaḥ
Rāghava, den Wagen besteigend

yayau svaṃ dyutimadveśma janaughaiḥ pratipūjitaḥ / te cāpi paurā nṛpatervacastac chrutvā tadā lābhamiveṣṭamāśu / narendramāmantrya gṛhāṇi gatvā devān samānarcuratiprahṛṣṭāḥ

und fuhr, von den Volksmengen verehrt, zu seinem glanzvollen Haus. Und auch die Stadtbewohner, dieses Wort des Königs vernehmend wie einen ersehnten Gewinn, verabschiedeten sich eilends vom Herrn der Menschen, gingen zu ihren Häusern und verehrten hocherfreut die Götter.

Wort für Wort
yayau svam dyutimat veśma
fuhr zu seinem glanzvollen Haus
jana-oghaiḥ pratipūjitaḥ
von Volksmengen verehrt
te ca api paurāḥ
und auch die Stadtbewohner
nṛpateḥ vacaḥ tat śrutvā
dieses Wort des Königs vernehmend
tadā lābham iva iṣṭam āśu
dann eilends wie einen ersehnten Gewinn
narendram āmantrya
sich vom Herrn der Menschen verabschiedend
gṛhāṇi gatvā
zu den Häusern gehend
devān samānarcuḥ atiprahṛṣṭāḥ
verehrten hocherfreut die Götter

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