Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 52: Gaṅgā Taraṇam Jaṭā Dhāraṇam Rāma entlässt Sumantra trotz dessen inständiger Bitten zurück nach Ayodhyā, flicht mit Lakṣmaṇa Asketenlocken, überquert mit Guhas Boot die Gaṅgā, während Sītā den Fluss um Rāmas glückliche Rückkehr anfleht, und die drei ziehen weiter in den unbewohnten Wald

prabhātāyāṃ tu śarvaryāṃ pṛthuvṛkṣā mahāyaśāḥ | uvāca rāmaḥ saumitrim lakṣmaṇaṃ śubhalakṣaṇam ||

Als die Nacht zur Morgendämmerung wurde, sprach Rāma, unter dem breiten Baum, der Hochberühmte, zu Saumitri, zu Lakṣmaṇa, dem von heilvollen Zeichen Gezeichneten:

Wort für Wort
prabhātāyām tu śarvaryām
als die Nacht zur Morgendämmerung wurde
pṛthuvṛkṣā mahāyaśāḥ
unter dem breiten Baum, der Hochberühmte
uvāca rāmaḥ saumitrim
sprach Rāma zu Saumitri
lakṣmaṇam śubhalakṣaṇam
zu Lakṣmaṇa, dem von heilvollen Zeichen Gezeichneten

bhāskarodayakālo 'yaṃ gatā bhagavatī niśā | asau sukṛṣṇo vihagaḥ kokilaḥ tāta kūjati ||

„Dies ist die Zeit des Sonnenaufgangs, die erhabene Nacht ist vergangen; sieh, jener tiefschwarze Vogel, der Kuckuck, singt, mein Sohn.“

Wort für Wort
bhāskarodayakālaḥ ayam
dies ist die Zeit des Sonnenaufgangs
gatā bhagavatī niśā
vergangen ist die erhabene Nacht
asau sukṛṣṇaḥ vihagaḥ
jener tiefschwarze Vogel
kokilaḥ tāta kūjati
der Kuckuck singt, mein Sohn

barhiṇānāṃ ca nirghoṣaḥ śrūyate nadatāṃ vane | tarāma jāhnavīṃ saumya śīghragāṃ sāgaraṃgamām ||

„Und das Rufen der Pfauen, die im Wald schreien, ist zu hören; lass uns, du Sanfter, die Jāhnavī durchqueren, die schnellfließende, zum Meer strömende.“

Wort für Wort
barhiṇānām ca nirghoṣaḥ
und das Rufen der Pfauen
śrūyate nadatām vane
ist zu hören, die im Wald schreien
tarāma jāhnavīm saumya
lass uns die Jāhnavī durchqueren, du Sanfter
śīghragām sāgaraṃgamām
die schnellfließende, zum Meer strömende

vijñāya rāmasya vacaḥ saumitrir mitranandanaḥ | guham āmantrya sūtaṃ ca so 'tiṣṭhad bhrātur agrataḥ ||

Als er Rāmas Wort vernommen hatte, verabschiedete sich der Sohn der Sumitrā, die Freude der Freunde, von Guha und dem Wagenlenker und stellte sich vor seinen Bruder.

Wort für Wort
vijñāya rāmasya vacaḥ
als er Rāmas Wort vernommen hatte
saumitriḥ mitranandanaḥ
der Sohn der Sumitrā, die Freude der Freunde
guham āmantrya sūtam ca
von Guha und dem Wagenlenker sich verabschiedend
saḥ atiṣṭhat bhrātuḥ agrataḥ
stellte er sich vor seinen Bruder

sa tu rāmasya vacanaṃ niśamya pratigṛhya ca | sthapatis tūrṇam āhūya sacivān idam abravīt ||

Er aber, Rāmas Wort vernehmend und annehmend, der Fürst, rief eilends seine Minister herbei und sprach dieses Wort:

Wort für Wort
sa tu rāmasya vacanam
er aber Rāmas Wort
niśamya pratigṛhya ca
vernehmend und annehmend
sthapatiḥ tūrṇam āhūya
der Fürst, eilends herbeirufend
sacivān idam abravīt
sprach zu den Ministern dieses Wort

asya vāhanasaṃyuktāṃ karṇagrāhavatīṃ śubhām | supratārāṃ dṛḍhāṃ tīrthe śīghraṃ nāvam upāhara ||

„Bring rasch an dieser Furt ein Boot herbei, mit Rudern versehen, mit einem Steuermann, gut zum Übersetzen geeignet, stabil und heilvoll.“

Wort für Wort
asya vāhanasaṃyuktām
mit Rudern versehen
karṇagrāhavatīm śubhām
mit einem Steuermann, heilvoll
supratārām dṛḍhām tīrthe
gut zum Übersetzen geeignet, stabil, an dieser Furt
śīghram nāvam upāhara
bring rasch ein Boot herbei

taṃ niśamya samādeśaṃ guhāmātyagaṇo mahān | upohya rucirāṃ nāvaṃ guhāya pratyavedayat ||

Diesen Befehl vernehmend, brachte die große Schar von Guhas Ministern ein prächtiges Boot herbei und meldete es Guha.

Wort für Wort
tam niśamya samādeśam
diesen Befehl vernehmend
guhāmātyagaṇaḥ mahān
die große Schar von Guhas Ministern
upohya rucirām nāvam
ein prächtiges Boot herbeibringend
guhāya pratyavedayat
meldete es Guha

tataḥ saprāñjalir bhūtvā guho rāghavam abravīt | upasthiteyaṃ naur deva bhūyaḥ kiṃ karavāṇi te ||

Da sprach Guha, mit gefalteten Händen, zu Rāghava: „Hier ist das Boot bereit, Herr; was soll ich weiter für dich tun?“

Wort für Wort
tataḥ saprāñjaliḥ bhūtvā
da, mit gefalteten Händen
guhaḥ rāghavam abravīt
sprach Guha zu Rāghava
upasthitā iyam nauḥ deva
hier ist das Boot bereit, Herr
bhūyaḥ kim karavāṇi te
was soll ich weiter für dich tun

tavāmarasutaprakhya tartuṃ sāgaragāṃ nadīm | naur iyaṃ puruṣavyāghra tāṃ tvam āroha suvrata ||

„Für dich, dem Sohn der Unsterblichen Gleichenden, um den zum Meer strömenden Fluss zu durchqueren – dies ist das Boot, o Tiger unter den Männern; besteige es, du treu Gelobter.“

Wort für Wort
tava amarasutaprakhya
für dich, dem Sohn der Unsterblichen Gleichenden
tartum sāgaragām nadīm
um den zum Meer strömenden Fluss zu durchqueren
nauḥ iyam puruṣavyāghra
dies ist das Boot, o Tiger unter den Männern
tām tvam āroha suvrata
besteige es, du treu Gelobter

athovāca mahātejā rāmo guham idaṃ vacaḥ | kṛtakāmo 'smi bhavatā śīghram āropyatām iti ||

Da sprach der Hochglänzende Rāma zu Guha dieses Wort: „Mein Wunsch ist von dir erfüllt worden; lass es rasch beladen werden.“

Wort für Wort
atha uvāca mahātejāḥ
da sprach der Hochglänzende
rāmaḥ guham idam vacaḥ
Rāma zu Guha dieses Wort
kṛtakāmaḥ asmi bhavatā
mein Wunsch ist von dir erfüllt worden
śīghram āropyatām iti
lass es rasch beladen werden

tataḥ kalāpān saṃnahya khaḍgau baddhvā ca dhanvinau | jagmatur yena tau gaṅgāṃ sītayā saha rāghavau ||

Dann, ihre Köcher anlegend, ihre Schwerter gürtend, die beiden Bogenträger, die Rāghava-Brüder, gingen mit Sītā zu jener Gaṅgā.

Wort für Wort
tataḥ kalāpān saṃnahya
dann, die Köcher anlegend
khaḍgau baddhvā ca dhanvinau
die Schwerter gürtend, die beiden Bogenträger
jagmatuḥ yena tau gaṅgām
gingen sie beide zu jener Gaṅgā
sītayā saha rāghavau
mit Sītā, die beiden Rāghavas

rāmam eva tu dharmajñam upagamya vinītavat | kim ahaṃ karavāṇi iti sūtaḥ prāñjalir abravīt ||

Zu Rāma, dem Rechtskundigen, tretend, ehrerbietig, sprach der Wagenlenker mit gefalteten Händen: „Was soll ich tun?“

Wort für Wort
rāmam eva tu dharmajñam
zu Rāma, dem Rechtskundigen
upagamya vinītavat
tretend, ehrerbietig
kim aham karavāṇi iti
was soll ich tun, so
sūtaḥ prāñjaliḥ abravīt
sprach der Wagenlenker mit gefalteten Händen

tato 'bravīd dāśarathiḥ sumantram spṛśan kareṇottamadakṣiṇena | sumantra śīghraṃ punar eva yāhi rājñaḥ sakāśe bhava cāpramattaḥ ||

Da sprach der Sohn des Daśaratha zu Sumantra, ihn mit seiner vortrefflichen rechten Hand berührend: „Sumantra, kehre rasch wieder zurück, und sei wachsam in der Nähe des Königs.“

Wort für Wort
tataḥ abravīt dāśarathiḥ sumantram
da sprach der Sohn des Daśaratha zu Sumantra
spṛśan kareṇa uttamadakṣiṇena
ihn mit seiner vortrefflichen rechten Hand berührend
sumantra śīghram punaḥ eva yāhi
Sumantra, kehre rasch wieder zurück
rājñaḥ sakāśe bhava ca apramattaḥ
sei wachsam in der Nähe des Königs

nivartasveti uvācainaṃ etāvaddhi kṛtaṃ mama | rathaṃ vihāya padbhyāṃ tu gamiṣyāmi mahāvanam ||

„Kehre um“, sprach er zu ihm, „denn dies ist alles, was von mir zu tun war; den Wagen zurücklassend, werde ich zu Fuß in den großen Wald gehen.“

Wort für Wort
nivartasva iti uvāca enam
kehre um, sprach er zu ihm
etāvat hi kṛtam mama
denn dies ist alles, was von mir zu tun war
ratham vihāya padbhyām tu
den Wagen zurücklassend, zu Fuß
gamiṣyāmi mahāvanam
werde ich in den großen Wald gehen

ātmānaṃ tv abhyanujñātam avekṣya ārtaḥ sa sārathiḥ | sumantraḥ puruṣavyāghram aikṣvākam idam abravīt ||

Sich selbst so entlassen sehend, sprach der betrübte Wagenlenker Sumantra zu dem Tiger unter den Männern, dem Sproß der Ikṣvāku, dies:

Wort für Wort
ātmānam tu abhyanujñātam
sich selbst so entlassen
avekṣya ārtaḥ sa sārathiḥ
sehend, der betrübte Wagenlenker
sumantraḥ puruṣavyāghram
Sumantra zu dem Tiger unter den Männern
aikṣvākam idam abravīt
sprach zu dem Sproß der Ikṣvāku dies

nātikrāntam idaṃ loke puruṣeṇeha kenacit | tava sabhrātṛbhāryasya vāsaḥ prākṛtavad vane ||

„Niemals zuvor ist dies in der Welt von irgendeinem Menschen erlebt worden – dass du, mit deinem Bruder und deiner Gattin, wie ein gewöhnlicher Mensch im Wald wohnst.“

Wort für Wort
na atikrāntam idam loke
niemals zuvor ist dies in der Welt geschehen
puruṣeṇa iha kenacit
von irgendeinem Menschen
tava sabhrātṛbhāryasya
dass du, mit Bruder und Gattin
vāsaḥ prākṛtavat vane
wie ein Gewöhnlicher im Wald wohnst

na manye brahmacarye 'sti svadhīte vā phalodayaḥ | mārdavārjavayor vāpi tvāṃ ced vyasanam āgatam ||

„Ich glaube nicht, dass Keuschheit oder Studium irgendeine Frucht tragen, oder Sanftmut und Aufrichtigkeit, wenn dich dennoch ein solches Unglück ereilt hat.“

Wort für Wort
na manye brahmacarye asti
ich glaube nicht, dass Keuschheit
svadhīte vā phalodayaḥ
oder Studium Frucht trägt
mārdavārjavayoḥ vā api
oder Sanftmut und Aufrichtigkeit
tvām cet vyasanam āgatam
wenn dich dennoch Unglück ereilt hat

saha rāghava vaidehyā bhrātrā caiva vane vasan | tvaṃ gatiṃ prāpsyase vīra trīml lokāṃs tu jayann iva ||

„Rāghava, indem du zusammen mit der Vaidehī und deinem Bruder im Wald wohnst, wirst du, Held, ein Ziel erlangen, als hättest du die drei Welten erobert.“

Wort für Wort
saha rāghava vaidehyā
zusammen, Rāghava, mit der Vaidehī
bhrātrā ca eva vane vasan
und mit deinem Bruder im Wald wohnend
tvam gatim prāpsyase vīra
wirst du, Held, ein Ziel erlangen
trīn lokān tu jayan iva
als hättest du die drei Welten erobert

vayaṃ khalu hatā rāma ye tayāpy upavañcitāḥ | kaikeyyā vaśam eṣyāmaḥ pāpāyā duḥkhabhāginaḥ ||

„Wir aber, Rāma, sind wahrlich vernichtet, wir, die auch von ihr betrogen wurden; wir werden der Herrschaft der sündigen Kaikeyī unterworfen sein, Anteil an ihrem Leid habend.“

Wort für Wort
vayam khalu hatāḥ rāma
wir aber sind wahrlich vernichtet, Rāma
ye tayā api upavañcitāḥ
wir, die auch von ihr betrogen wurden
kaikeyyā vaśam eṣyāmaḥ
wir werden Kaikeyīs Herrschaft unterworfen sein
pāpāyā duḥkhabhāginaḥ
der sündigen, Anteil an ihrem Leid habend

iti bruvann ātmasamaṃ sumantraḥ sārathis tadā | dṛṣṭvā duragataṃ rāmaṃ duḥkhārtaḥ rurude ciram ||

So sprechend, den ihm gleich lieben Rāma nun fern von sich sehend, weinte der Wagenlenker Sumantra lange, von Schmerz gequält.

Wort für Wort
iti bruvan ātmasamam
so sprechend, den ihm selbst gleichen
sumantraḥ sārathiḥ tadā
Sumantra, der Wagenlenker, da
dṛṣṭvā duragatam rāmam
Rāma fern von sich sehend
duḥkhārtaḥ rurude ciram
weinte lange, von Schmerz gequält

tataḥ tu vigate bāṣpe sūtaṃ spṛṣṭodakaṃ śucim | rāmas tu madhuraṃ vākyaṃ punaḥ punar uvāca tam ||

Nachdem seine Tränen versiegt waren, sprach Rāma zu dem Wagenlenker, der reines Wasser berührt hatte, immer wieder süße Worte:

Wort für Wort
tataḥ tu vigate bāṣpe
nachdem die Tränen versiegt waren
sūtam spṛṣṭodakam śucim
zu dem Wagenlenker, der reines Wasser berührt hatte
rāmaḥ tu madhuram vākyam
Rāma aber süße Worte
punaḥ punaḥ uvāca tam
sprach immer wieder zu ihm

ikṣvākūṇāṃ tvayā tulyaṃ suhṛdaṃ nopalakṣaye | yathā daśaratho rājā māṃ na śocet tathā kuru ||

„Ich kenne unter den Ikṣvāku-Angehörigen keinen dir gleichkommenden Freund; handle so, dass König Daśaratha nicht um mich trauert.“

Wort für Wort
ikṣvākūṇām tvayā tulyam
unter den Ikṣvāku dir gleichkommend
suhṛdam na upalakṣaye
kenne ich keinen Freund
yathā daśarathaḥ rājā
so, dass König Daśaratha
mām na śocet tathā kuru
nicht um mich trauert, so handle

śokopahatacetāś ca vṛddhaś ca jagatīpatiḥ | kāmabhārāvasannaś ca tasmād etad bravīmi te ||

„Der Herr der Erde ist von Kummer gelähmten Sinnes, alt und von der Last der Leidenschaft niedergedrückt; darum sage ich dir dies:“

Wort für Wort
śokopahatacetāḥ ca
von Kummer gelähmten Sinnes
vṛddhaḥ ca jagatīpatiḥ
alt, der Herr der Erde
kāmabhārāvasannaḥ ca
und von der Last der Leidenschaft niedergedrückt
tasmāt etat bravīmi te
darum sage ich dir dies

yad yad ājñāpayet kiṃcit sa mahātmā mahīpatiḥ | kaikeyyāḥ priyakāmārthaṃ kāryaṃ tad avikāṅkṣayā ||

„Was immer der großmütige Herr der Erde befiehlt, um Kaikeyī zu Willen zu sein, das ist ohne Widerstreben auszuführen.“

Wort für Wort
yat yat ājñāpayet kiñcit
was immer er befiehlt
sa mahātmā mahīpatiḥ
der großmütige Herr der Erde
kaikeyyāḥ priyakāmārtham
um Kaikeyī zu Willen zu sein
kāryam tat avikāṅkṣayā
das ist ohne Widerstreben auszuführen

etadartham hi rājyāni praśāsati nareśvarāḥ | yad eṣāṃ sarvakṛtyeṣu mano na pratihanyate ||

„Denn zu diesem Zweck herrschen Fürsten über Reiche, damit ihr Sinn bei all ihrem Tun nicht behindert wird.“

Wort für Wort
etadartham hi rājyāni
denn zu diesem Zweck über Reiche
praśāsati nareśvarāḥ
herrschen die Fürsten
yat eṣām sarvakṛtyeṣu
damit ihnen bei all ihrem Tun
manaḥ na pratihanyate
der Sinn nicht behindert wird

yad yathā sa mahārājo nālīkam adhigacchati | na ca tāmyati duḥkhena sumantra kuru tat tathā ||

„Sorge du, Sumantra, dafür, dass jener Großkönig keinen Kummer erleidet und nicht von Leid gequält wird, so gut du kannst.“

Wort für Wort
yat yathā sa mahārājaḥ
dass jener Großkönig
na alīkam adhigacchati
keinen Kummer erleidet
na ca tāmyati duḥkhena
und nicht von Leid gequält wird
sumantra kuru tat tathā
Sumantra, sorge dafür, so

adṛṣṭaduḥkhaṃ rājānaṃ vṛddham āryaṃ jitendriyam | brūyās tvam abhivādyaiva mama hetor idaṃ vacaḥ ||

„Dem Leid unbekannten, alten, edlen, sinnbeherrschten König sollst du, ihn ehrerbietig grüßend, um meinetwillen dieses Wort sagen:“

Wort für Wort
adṛṣṭaduḥkham rājānam
dem Leid unbekannten König
vṛddham āryam jitendriyam
dem alten, edlen, sinnbeherrschten
brūyāḥ tvam abhivādya eva
sollst du, ihn grüßend
mama hetoḥ idam vacaḥ
um meinetwillen dieses Wort sagen

naivāhaṃ anuśocāmi lakṣmaṇo na ca maithilī | ayodhyāyāś cyutāś ceti vane vatsyāmahe iti vā ||

„„Weder ich noch Lakṣmaṇa noch die Maithilī trauern darüber, dass wir von Ayodhyā vertrieben wurden und nun im Wald leben werden.““

Wort für Wort
na eva aham anuśocāmi
weder trauere ich
lakṣmaṇaḥ na ca maithilī
noch Lakṣmaṇa noch die Maithilī
ayodhyāyāḥ cyutāḥ ca iti
dass wir von Ayodhyā vertrieben wurden
vane vatsyāmahe iti vā
und im Wald leben werden

caturdaśasu varṣeṣu nivṛtteṣu punaḥ punaḥ | lakṣmaṇaṃ māṃ ca sītāṃ ca drakṣyasi kṣipram āgatān ||

„„Wenn die vierzehn Jahre vergangen sind, wirst du Lakṣmaṇa, mich und Sītā bald wieder zurückgekehrt sehen.““

Wort für Wort
caturdaśasu varṣeṣu
wenn die vierzehn Jahre
nivṛtteṣu punaḥ punaḥ
vergangen sind, immer wieder
lakṣmaṇam mām ca sītām ca
Lakṣmaṇa, mich und Sītā
drakṣyasi kṣipram āgatān
wirst du bald zurückgekehrt sehen

evam uktvā tu rājānaṃ mātaraṃ ca sumantra me | anyāś ca devīḥ sahitāḥ kaikeyīṃ ca punaḥ punaḥ ||

„Sprich so, Sumantra, zum König und zu meiner Mutter, und zu den anderen Königinnen zusammen sowie immer wieder zu Kaikeyī –“

Wort für Wort
evam uktvā tu rājānam
so sprich zum König
mātaram ca sumantra me
und zu meiner Mutter, Sumantra
anyāḥ ca devīḥ sahitāḥ
und zu den anderen Königinnen zusammen
kaikeyīm ca punaḥ punaḥ
und immer wieder zu Kaikeyī

ārogyaṃ brūhi kausalyām atha pādābhivandanam | sītāyā mama cāryasya vacanāl lakṣmaṇasya ca ||

„– bringe Kausalyā meinen Gruß auf Wohlergehen, sowie die Ehrerbietung zu ihren Füßen, im Namen Sītās, meinem eigenen und dem des edlen Lakṣmaṇa.“

Wort für Wort
ārogyam brūhi kausalyām
bringe Kausalyā den Gruß auf Wohlergehen
atha pādābhivandanam
sowie die Ehrerbietung zu den Füßen
sītāyāḥ mama ca āryasya
im Namen Sītās, meinem und des Edlen
vacanāt lakṣmaṇasya ca
und im Namen Lakṣmaṇas

brūyāś ca hi mahārājaṃ bharataṃ kṣipram ānaya | āgataś cāpi bharataḥ sthāpyo nṛpamate pade ||

„Und sprich zum Großkönig: Rufe rasch Bharata; und ist Bharata gekommen, so soll er, nach des Königs Willen, auf den Thron gesetzt werden.“

Wort für Wort
brūyāḥ ca hi mahārājam
und sprich zum Großkönig
bharatam kṣipram ānaya
rufe rasch Bharata
āgataḥ ca api bharataḥ
und ist Bharata gekommen
sthāpyaḥ nṛpamate pade
soll er nach des Königs Willen auf den Thron gesetzt werden

bharataṃ ca pariṣvajya yauvarājye 'bhiṣicya ca | asmatsaṃtāpajaṃ duḥkhaṃ na tvām abhibhaviṣyati ||

„Wenn du Bharata umarmt und ihn zum Kronprinzen gesalbt hast, wird das aus unserem Kummer entstandene Leid dich nicht mehr überwältigen.“

Wort für Wort
bharatam ca pariṣvajya
Bharata umarmend
yauvarājye abhiṣicya ca
und ihn zum Kronprinzen salbend
asmatsaṃtāpajam duḥkham
das aus unserem Kummer entstandene Leid
na tvām abhibhaviṣyati
wird dich nicht überwältigen

bharataś cāpi vaktavyo yathā rājani vartase | tathā mātṛṣu vartethāḥ sarvāsv eva aviśeṣataḥ ||

„Und zu Bharata soll gesagt werden: So wie du dich dem König gegenüber verhältst, so sollst du dich gegenüber all deinen Müttern verhalten, ohne Unterschied.“

Wort für Wort
bharataḥ ca api vaktavyaḥ
und zu Bharata soll gesagt werden
yathā rājani vartase
wie du dich dem König gegenüber verhältst
tathā mātṛṣu vartethāḥ
so sollst du dich den Müttern gegenüber verhalten
sarvāsu eva aviśeṣataḥ
allen gegenüber, ohne Unterschied

yathā ca tava kaikeyī sumitrā cāviśeṣataḥ | tathaiva devī kausalyā mama mātā viśeṣataḥ ||

„Und wie dir Kaikeyī und Sumitrā ohne Unterschied sind, so soll dir die Göttin Kausalyā, meine Mutter, in besonderem Maße sein.“

Wort für Wort
yathā ca tava kaikeyī
und wie dir Kaikeyī
sumitrā ca aviśeṣataḥ
und Sumitrā ohne Unterschied sind
tathā eva devī kausalyā
so soll die Göttin Kausalyā
mama mātā viśeṣataḥ
meine Mutter, in besonderem Maße (sein)

tātasya priyakāmena yauvarājyam apekṣatā | lokayor ubhayoḥ śakyaṃ tvayā yat sukham edhitum ||

„Indem du, dem Wunsch unseres Vaters zuliebe, die Kronprinzenschaft annimmst, kannst du dir Glück in beiden Welten mehren.“

Wort für Wort
tātasya priyakāmena
dem Wunsch des Vaters zuliebe
yauvarājyam apekṣatā
der die Kronprinzenschaft annimmt
lokayoḥ ubhayoḥ śakyam
in beiden Welten kann
tvayā yat sukham edhitum
von dir Glück gemehrt werden

nivartyamāno rāmeṇa sumantraḥ śokakarśitaḥ | tat sarvaṃ vacanaṃ śrutvā snehāt kākutstham abravīt ||

Sumantra, von Rāma zur Umkehr aufgefordert, von Kummer abgezehrt, sprach, nachdem er all diese Worte gehört hatte, aus Zuneigung zu dem Kākutstha-Sproß:

Wort für Wort
nivartyamānaḥ rāmeṇa
von Rāma zur Umkehr aufgefordert
sumantraḥ śokakarśitaḥ
Sumantra, von Kummer abgezehrt
tat sarvam vacanam śrutvā
nachdem er all diese Worte gehört hatte
snehāt kākutstham abravīt
sprach er aus Zuneigung zum Kākutstha-Sproß

yad ahaṃ nopacāreṇa brūyāṃ snehād aviklavaḥ | bhaktimān iti tat tāvad vākyaṃ tvaṃ kṣantum arhasi ||

„Was ich nun, nicht aus bloßer Höflichkeit, sondern aus unerschütterlicher Zuneigung und Ergebenheit sage – dieses Wort mögest du mir verzeihen.“

Wort für Wort
yat aham na upacāreṇa
was ich nicht aus bloßer Höflichkeit
brūyām snehāt aviklavaḥ
sage, aus unerschütterlicher Zuneigung
bhaktimān iti tat tāvat
ergeben, dies zumindest
vākyam tvam kṣantum arhasi
dieses Wort mögest du verzeihen

kathaṃ hi tvadvihīno 'haṃ pratiyāsyāmi tāṃ purīm | tava tāta viyogena putraśokākulām iva ||

„Wie könnte ich, deiner beraubt, in jene Stadt zurückkehren, die, durch die Trennung von dir, mein Sohn, wie von Sohnesleid überwältigt sein wird?“

Wort für Wort
katham hi tvadvihīnaḥ aham
wie könnte ich, deiner beraubt
pratiyāsyāmi tām purīm
in jene Stadt zurückkehren
tava tāta viyogena
durch die Trennung von dir, mein Sohn
putraśokākulām iva
wie von Sohnesleid überwältigt

sarāmam api tāvan me rathaṃ dṛṣṭvā tadā janaḥ | vinā rāmaṃ rathaṃ dṛṣṭvā vidīryeta 'pi sā purī ||

„Sähe das Volk auch nur meinen Wagen mit Rāma – aber sähe es den Wagen ohne Rāma, würde jene Stadt gewiss zerbersten.“

Wort für Wort
sarāmam api tāvat me
auch nur meinen Wagen mit Rāma
ratham dṛṣṭvā tadā janaḥ
sähe das Volk da
vinā rāmam ratham dṛṣṭvā
sähe es den Wagen ohne Rāma
vidīryeta api sā purī
so würde jene Stadt zerbersten

dainyaṃ hi nagarī gacchet dṛṣṭvā śūnyam imaṃ ratham | sūtāvaśeṣaṃ svaṃ sainyaṃ hatavīram ivāhave ||

„Denn die Stadt würde in Elend verfallen, sähe sie diesen leeren Wagen, wie ihr eigenes Heer, dessen Helden im Kampf gefallen sind und von dem nur der Wagenlenker übrig blieb.“

Wort für Wort
dainyam hi nagarī gacchet
in Elend würde die Stadt verfallen
dṛṣṭvā śūnyam imam ratham
sähe sie diesen leeren Wagen
sūtāvaśeṣam svam sainyam
ihr eigenes Heer, nur der Wagenlenker übrig
hatavīram iva āhave
wie im Kampf mit gefallenen Helden

dūre 'pi nivasantaṃ tvāṃ mānasena agrataḥ sthitam | cintayantyo 'dya nūnaṃ tvāṃ nirāhārāḥ kṛtāḥ prajāḥ ||

„Dich, der du fern weilst, doch im Geiste ihnen gegenwärtig, an dich denkend, werden die Untertanen heute gewiss ohne Nahrung sein.“

Wort für Wort
dūre api nivasantam tvām
dich, der du fern weilst
mānasena agrataḥ sthitam
im Geiste ihnen gegenwärtig
cintayantyaḥ adya nūnam tvām
an dich denkend, heute gewiss
nirāhārāḥ kṛtāḥ prajāḥ
werden die Untertanen ohne Nahrung sein

dṛṣṭaṃ tad dhi tvayā rāma yādṛśaṃ tvatpravāsane | prajānāṃ saṃkulaṃ vṛttaṃ tvacchokaklāntacetasām ||

„Du hast ja selbst gesehen, Rāma, wie es bei deinem Aufbruch war – das Getümmel des Volkes, dessen Sinn von Kummer um dich ermattet war.“

Wort für Wort
dṛṣṭam tat hi tvayā rāma
du hast das ja selbst gesehen, Rāma
yādṛśam tvatpravāsane
wie es bei deinem Aufbruch war
prajānām saṃkulam vṛttam
das Getümmel des Volkes
tvacchokaklāntacetasām
dessen Sinn von Kummer um dich ermattet war

ārtanādo hi yaḥ pauraiḥ muktas tad vipravāsane | rathasthaṃ māṃ niśāmyaiva kuryuḥ śataguṇaṃ tataḥ ||

„Der Klageschrei, den die Stadtbewohner damals beim Aufbruch ausstießen – wenn sie mich nun auf dem Wagen erblicken, werden sie ihn hundertfach verstärken.“

Wort für Wort
ārtanādaḥ hi yaḥ pauraiḥ
der Klageschrei, den die Stadtbewohner
muktaḥ tat vipravāsane
ausstießen, bei jenem Aufbruch
rathastham mām niśāmya eva
mich auf dem Wagen erblickend
kuryuḥ śataguṇam tataḥ
werden sie ihn hundertfach machen

ahaṃ kiṃ ca api vakṣyāmi devīṃ tava sutaḥ mayā | nītaḥ asau mātulakulaṃ saṃtāpaṃ mā kṛthā iti ||

„Und was soll ich der Königin sagen? Etwa: „Dein Sohn ist von mir zum Haus seines Onkels gebracht worden, gräme dich nicht“?

Wort für Wort
aham kim ca api vakṣyāmi
und was soll ich sagen
devīm tava sutaḥ mayā
zur Königin: dein Sohn ist von mir
nītaḥ asau mātulakulam
zum Haus seines Onkels gebracht worden
saṃtāpam mā kṛthāḥ iti
gräme dich nicht, so

asatyam api naivāhaṃ brūyāṃ vacanam īdṛśam | kathaṃ apriyam eva ahaṃ brūyāṃ satyam idaṃ vacaḥ ||

„Selbst eine solche Unwahrheit könnte ich nicht aussprechen; wie sollte ich dann die unerfreuliche Wahrheit sagen?“

Wort für Wort
asatyam api na eva aham
selbst eine Unwahrheit könnte ich nicht
brūyām vacanam īdṛśam
ein solches Wort sagen
katham apriyam eva aham
wie sollte ich dann das Unerfreuliche
brūyām satyam idam vacaḥ
sagen, dieses wahre Wort

mama tāvan niyogasthāḥ tvad bandhu jana vāhinaḥ | katham ratham tvayā hīnam pravakṣyanti hayottamāḥ ||

„Wie sollen die vortrefflichen Rosse, die mir anvertraut sind, die dein Geschlecht getragen haben, den Wagen ziehen, wenn du fehlst?“

Wort für Wort
mama tāvat niyogasthāḥ
die mir zumindest anvertrauten
tvad bandhu jana vāhinaḥ
die dein Geschlecht getragen haben
katham ratham tvayā hīnam
wie den Wagen, dir beraubt
pravakṣyanti hayottamāḥ
werden die vortrefflichen Rosse ziehen

tan na śakṣyāmy ahaṃ gantum ayodhyāṃ tvadṛte 'nagha | vanavāsānuyānāya mām anujñātum arhasi ||

„Darum vermag ich nicht, ohne dich, o Makelloser, nach Ayodhyā zu gehen; erlaube mir, dir ins Waldleben zu folgen.“

Wort für Wort
tat na śakṣyāmi aham gantum
darum vermag ich nicht zu gehen
ayodhyām tvadṛte anagha
nach Ayodhyā, ohne dich, o Makelloser
vanavāsānuyānāya
um dir ins Waldleben zu folgen
mām anujñātum arhasi
erlaube mir

yadi me yācamānasya tyāgam eva kariṣyasi | saratho 'gniṃ pravekṣyāmi tyaktamātraiha tvayā ||

„Wenn du mich, den Bittenden, dennoch verstoßen willst, so werde ich, sobald du mich verlassen hast, samt dem Wagen ins Feuer gehen.“

Wort für Wort
yadi me yācamānasya
wenn du mich, den Bittenden
tyāgam eva kariṣyasi
dennoch verstoßen willst
saratho agnim pravekṣyāmi
so werde ich samt dem Wagen ins Feuer gehen
tyaktamātraḥ iha tvayā
sobald du mich hier verlassen hast

bhaviṣyanti vane yāni tapovighnakarāṇi te | rathena pratibādhiṣye tāni sattvāni rāghava ||

„Welche Wesen im Wald deiner Buße hinderlich sein werden, jene werde ich mit dem Wagen abwehren, Rāghava.“

Wort für Wort
bhaviṣyanti vane yāni
welche Wesen im Wald sein werden
tapovighnakarāṇi te
deiner Buße hinderlich
rathena pratibādhiṣye
werde ich mit dem Wagen abwehren
tāni sattvāni rāghava
jene Wesen, Rāghava

tat kṛtena mayā prāptaṃ rathacaryākṛtaṃ sukham | āśaṃse tvatkṛtenāhaṃ vanavāsakṛtaṃ sukham ||

„Durch dieses [dir zuliebe] Getane habe ich das Glück des Wagenlenkens erlangt; ich erhoffe mir nun, durch dich, auch das Glück des Waldlebens.“

Wort für Wort
tat kṛtena mayā prāptam
durch dieses Getane von mir erlangt
rathacaryākṛtam sukham
das durch das Wagenlenken bewirkte Glück
āśaṃse tvatkṛtena aham
ich erhoffe mir, durch dich
vanavāsakṛtam sukham
das durch das Waldleben bewirkte Glück

prasīda icchāmi te araṇye bhavituṃ pratyanantaraḥ | prītyābhihitam icchāmi bhava me patyanantaraḥ ||

„Sei mir gnädig – ich wünsche, dir im Wald stets zur Seite zu sein; ich bitte dies aus Zuneigung – sei du danach mein Herr.“

Wort für Wort
prasīda icchāmi te araṇye
sei mir gnädig, ich wünsche im Wald
bhavitum pratyanantaraḥ
dir stets zur Seite zu sein
prītyā abhihitam icchāmi
ich bitte dies aus Zuneigung
bhava me patyanantaraḥ
sei du danach mein Herr

ime cāpi hayā vīra yadi te vanavāsinaḥ | paricaryāṃ kariṣyanti prāpsyanti paramāṃ gatim ||

„Und auch diese Rosse, Held, werden, wenn sie dir im Waldleben dienen dürfen, das höchste Ziel erlangen.“

Wort für Wort
ime ca api hayāḥ vīra
und auch diese Rosse, Held
yadi te vanavāsinaḥ
wenn sie dir im Waldleben
paricaryām kariṣyanti
dienen werden
prāpsyanti paramām gatim
werden sie das höchste Ziel erlangen

tava śuśrūṣaṇaṃ mūrdhnā kariṣyāmi vane vasan | ayodhyāṃ devalokaṃ vā sarvathā prajahāmy aham ||

„Dir zu dienen mit gesenktem Haupt werde ich im Wald leben; Ayodhyā wie auch die Götterwelt gebe ich in jedem Fall auf.“

Wort für Wort
tava śuśrūṣaṇam mūrdhnā
dir zu dienen mit gesenktem Haupt
kariṣyāmi vane vasan
werde ich, im Wald wohnend
ayodhyām devalokam vā
Ayodhyā oder die Götterwelt
sarvathā prajahāmi aham
gebe ich in jedem Fall auf

na hi śakyā praveṣṭuṃ sā mayāyodhyā tvayā vinā | rājadhānī mahendrasya yathā duṣkṛtakarmaṇā ||

„Denn ich, ein Übeltäter, könnte jene Stadt Ayodhyā ohne dich nicht mehr betreten, so wenig wie die Hauptstadt des großen Indra.“

Wort für Wort
na hi śakyā praveṣṭum sā
denn nicht könnte betreten werden jene
mayā ayodhyā tvayā vinā
von mir, Ayodhyā, ohne dich
rājadhānī mahendrasya
die Hauptstadt des großen Indra
yathā duṣkṛtakarmaṇā
so wenig wie von einem Übeltäter

vanavāse kṣayaṃ prāpte mama eṣa hi manoratho | yad anena ratheneva tvāṃ vaheyaṃ purīṃ punaḥ ||

„Wenn das Waldleben zu Ende gegangen ist, ist dies mein Herzenswunsch: dass ich dich mit eben diesem Wagen wieder zur Stadt zurückführen darf.“

Wort für Wort
vanavāse kṣayam prāpte
wenn das Waldleben zu Ende ist
mama eṣa hi manorathaḥ
ist dies mein Herzenswunsch
yat anena rathena eva
dass ich mit eben diesem Wagen
tvām vaheyam purīm punaḥ
dich wieder zur Stadt führen darf

caturdaśa hi varṣāṇi sahitasya tvayā vane | kṣaṇabhūtāni yāsyanti śataśas tu tato 'nyathā ||

„Denn wenn ich vierzehn Jahre mit dir im Wald verbringe, werden sie wie Augenblicke vergehen; andernfalls würden sie wie hundertmal so lang erscheinen.“

Wort für Wort
caturdaśa hi varṣāṇi
denn vierzehn Jahre
sahitasya tvayā vane
wenn ich mit dir im Wald verbunden bin
kṣaṇabhūtāni yāsyanti
werden sie wie Augenblicke vergehen
śataśaḥ tu tataḥ anyathā
andernfalls hundertfach länger

bhṛtyavatsala tiṣṭhantaṃ bhartṛputragate pathi | bhaktaṃ bhṛtyaṃ sthitaṃ sthityāṃ tvaṃ na māṃ hātum arhasi ||

„O du, der du deine Diener liebst – mich, der ich, auf dem Weg des Sohnes meines Herrn zurückbleibend, ergeben und beständig hier stehe, solltest du nicht verlassen.“

Wort für Wort
bhṛtyavatsala tiṣṭhantam
o du, der du deine Diener liebst, mich, der ich stehe
bhartṛputragate pathi
auf dem Weg des Sohnes meines Herrn
bhaktam bhṛtyam sthitam sthityām
den ergebenen, beständigen Diener
tvam na mām hātum arhasi
solltest du nicht verlassen

evaṃ bahuvidhaṃ dīnaṃ yācamānaṃ punaḥ punaḥ | rāmo bhṛtyānukampī tu sumantram idam abravīt ||

Zu ihm, der auf mancherlei Weise, kläglich, immer wieder bat, sprach Rāma, der mit seinen Dienern Mitgefühl hatte, dieses Wort:

Wort für Wort
evam bahuvidham dīnam
so auf mancherlei Weise kläglich
yācamānam punaḥ punaḥ
immer wieder bittend
rāmaḥ bhṛtyānukampī tu
Rāma aber, mit seinen Dienern Mitgefühl habend
sumantram idam abravīt
sprach zu Sumantra dieses Wort

jānāmi paramāṃ bhaktim mayi te bhartṛvatsala | śṛṇu cāpi yadarthaṃ tvāṃ preṣayāmi purīm itaḥ ||

„Ich kenne deine höchste Ergebenheit mir gegenüber, du, der du deinen Herrn liebst; höre nun, warum ich dich von hier in die Stadt zurücksende.“

Wort für Wort
jānāmi paramām bhaktim
ich kenne die höchste Ergebenheit
mayi te bhartṛvatsala
mir gegenüber, du, der seinen Herrn liebt
śṛṇu ca api yadartham
höre auch, warum
tvām preṣayāmi purīm itaḥ
ich dich von hier in die Stadt sende

nagarīṃ tvāṃ gataṃ dṛṣṭvā jananī me yavīyasī | kaikeyī pratyayaṃ gacchediti rāmo vanaṃ gataḥ ||

„Wenn meine jüngere Mutter Kaikeyī dich in die Stadt zurückgekehrt sieht, wird sie überzeugt sein, dass Rāma wirklich in den Wald gegangen ist.“

Wort für Wort
nagarīm tvām gatam dṛṣṭvā
dich in die Stadt zurückgekehrt sehend
jananī me yavīyasī
meine jüngere Mutter
kaikeyī pratyayam gacchet
Kaikeyī wird überzeugt werden
iti rāmaḥ vanam gataḥ
dass Rāma in den Wald gegangen ist

parituṣṭā hi sā devi vanavāsaṃ gate mayi | rājānaṃ nātiśaṅketa mithyāvādīti dhārmikam ||

„Denn zufrieden über meinen Waldgang wird jene Göttin dann den rechtschaffenen König nicht mehr des Wortbruchs verdächtigen.“

Wort für Wort
parituṣṭā hi sā devi
denn zufrieden jene Göttin
vanavāsam gate mayi
über meinen Waldgang
rājānam na atiśaṅketa
wird den König nicht verdächtigen
mithyāvādī iti dhārmikam
des Wortbruchs, den Rechtschaffenen

eṣa me prathamaḥ kalpo yad ambā me yavīyasī | bharatārakṣitaṃ sphītaṃ putrarājyam avāpnuyāt ||

„Dies ist mein erster Wunsch, dass meine jüngere Mutter erlebt, wie ihr Sohn Bharata das blühende Königreich, von ihm behütet, erlangt.“

Wort für Wort
eṣa me prathamaḥ kalpaḥ
dies ist mein erster Wunsch
yat ambā me yavīyasī
dass meine jüngere Mutter
bharatārakṣitam sphītam
das von Bharata behütete, blühende
putrarājyam avāpnuyāt
Königreich für den Sohn erlange

mama priyārtham rājñaś ca sārathe tvaṃ purīṃ vraja | saṃdiṣṭaś cāsi yānarthāṃs tāṃs tān brūyās tathā tathā ||

„Mir zuliebe und dem König zuliebe, geh, Wagenlenker, zur Stadt; und was dir aufgetragen wurde, das sollst du jeweils so verkünden.“

Wort für Wort
mama priyārtham rājñaḥ ca
mir zuliebe und dem König zuliebe
sārathe tvam purīm vraja
geh, Wagenlenker, zur Stadt
saṃdiṣṭaḥ ca asi yān arthān
und was dir aufgetragen wurde
tān tān brūyāḥ tathā tathā
das sollst du jeweils so verkünden

ity uktvā vacanaṃ sūtaṃ sāntvayitvā punaḥ punaḥ | guhaṃ vacanam aklībaṃ rāmo hetumad abravīt ||

Nachdem er so gesprochen und den Wagenlenker immer wieder getröstet hatte, sprach Rāma zu Guha ein tapferes, wohlbegründetes Wort:

Wort für Wort
iti uktvā vacanam sūtam
so sprechend zu dem Wagenlenker
sāntvayitvā punaḥ punaḥ
immer wieder tröstend
guham vacanam aklībam
zu Guha ein tapferes Wort
rāmaḥ hetumat abravīt
sprach Rāma, wohlbegründet

nedānīṃ guha yogyo 'yaṃ vaso me sajane vane | avaśyaṃ hy āśrame vāsaḥ kartavyas tadgato vidhiḥ ||

„Nicht mehr geziemt es sich nun, Guha, dass ich in einem von Menschen bewohnten Wald verweile; notwendig muss ich in einer Einsiedelei wohnen – so ist die Vorschrift dafür.“

Wort für Wort
na idānīm guha yogyaḥ ayam
nicht mehr geziemt sich jetzt, Guha, dies
vasaḥ me sajane vane
mein Verweilen in bewohntem Wald
avaśyam hi āśrame vāsaḥ
notwendig ist das Wohnen in einer Einsiedelei
kartavyaḥ tadgataḥ vidhiḥ
das ist die dafür geltende Vorschrift

so 'haṃ gṛhītvā niyamaṃ tapasvijanabhūṣaṇam | hitakāmaḥ pitur bhūyaḥ sītāyā lakṣmaṇasya ca ||

„So werde ich nun das Gelübde annehmen, das die Zierde der Büßer ist, um dem Wohl meines Vaters, der Sītā und des Lakṣmaṇa zu dienen.“

Wort für Wort
saḥ aham gṛhītvā niyamam
so werde ich das Gelübde annehmen
tapasvijanabhūṣaṇam
das die Zierde der Büßer ist
hitakāmaḥ pituḥ bhūyaḥ
dem Wohl meines Vaters dienend
sītāyāḥ lakṣmaṇasya ca
und der Sītā und des Lakṣmaṇa

jaṭāḥ kṛtvā gamiṣyāmi nyagrodhakṣīram ānaya | tat kṣīraṃ rājaputrāya guhaḥ kṣipram upāharat ||

„Mit geflochtenen Haarlocken werde ich weiterziehen; bring den Milchsaft des Banyanbaums.“ Diesen Saft brachte Guha rasch dem Königssohn.

Wort für Wort
jaṭāḥ kṛtvā gamiṣyāmi
mit geflochtenen Haarlocken werde ich weiterziehen
nyagrodhakṣīram ānaya
bring den Milchsaft des Banyanbaums
tat kṣīram rājaputrāya
diesen Saft dem Königssohn
guhaḥ kṣipram upāharat
brachte Guha rasch

lakṣmaṇasyātmanaś caiva rāmas tenākarojjaṭāḥ | dīrghabāhur naravyāghro jaṭilatvam adhārayat ||

Mit diesem Saft flocht Rāma Lakṣmaṇas Haar und sein eigenes zu Locken; der langarmige Tiger unter den Männern nahm die Gestalt eines Asketen an.

Wort für Wort
lakṣmaṇasya ātmanaḥ ca eva
des Lakṣmaṇa und seiner selbst
rāmaḥ tena akarot jaṭāḥ
flocht Rāma damit Haarlocken
dīrghabāhuḥ naravyāghraḥ
der langarmige Tiger unter den Männern
jaṭilatvam adhārayat
nahm die Gestalt eines Asketen an

tau tadā cīravasanau jaṭāmaṇḍaladhāriṇau | aśobhetām ṛṣisamau bhrātarau rāmalakṣmaṇau ||

Da erstrahlten die beiden Brüder, Rāma und Lakṣmaṇa, in Rindenkleidern, mit ihren Haarlockenkränzen, wie zwei Weise.

Wort für Wort
tau tadā cīravasanau
die beiden, da, in Rindenkleidern
jaṭāmaṇḍaladhāriṇau
mit ihren Haarlockenkränzen
aśobhetām ṛṣisamau
erstrahlten, den Weisen gleich
bhrātarau rāmalakṣmaṇau
die Brüder Rāma und Lakṣmaṇa

tataḥ vaikhānasaṃ mārgam āsthitaḥ saha lakṣmaṇaḥ | vratam ādiṣṭavān rāmaḥ sahāyaṃ guham abravīt ||

Dann, den Weg der Waldeinsiedler (Vaikhānasa) einschlagend, zusammen mit Lakṣmaṇa, sprach Rāma, das Gelübde erklärend, zu seinem Gefährten Guha:

Wort für Wort
tataḥ vaikhānasam mārgam
dann den Weg der Waldeinsiedler
āsthitaḥ saha lakṣmaṇaḥ
einschlagend, zusammen mit Lakṣmaṇa
vratam ādiṣṭavān rāmaḥ
das Gelübde erklärend, Rāma
sahāyam guham abravīt
sprach zu seinem Gefährten Guha

apramattaḥ bale kośe durge janapade tathā | bhavethā guha rājyaṃ hi durārakṣatamaṃ matam ||

„Sei wachsam, Guha, hinsichtlich deiner Streitmacht, deiner Schatzkammer, deiner Festungen und deines Landvolkes; denn ein Königreich gilt als überaus schwer zu bewahren.“

Wort für Wort
apramattaḥ bale kośe
wachsam hinsichtlich Streitmacht und Schatzkammer
durge janapade tathā
hinsichtlich Festungen und Landvolk ebenso
bhavethāḥ guha rājyam hi
sei du, Guha, denn ein Königreich
durārakṣatamam matam
gilt als überaus schwer zu bewahren

tataḥ taṃ samanujñāya guham ikṣvākunandanaḥ | jagāma tūrṇam avyagraḥ sabhāryaḥ saha lakṣmaṇaḥ ||

Nachdem er sich von Guha verabschiedet hatte, zog der Sproß der Ikṣvāku rasch, ungestört, mit seiner Gattin und mit Lakṣmaṇa weiter.

Wort für Wort
tataḥ tam samanujñāya guham
nachdem er sich von Guha verabschiedet hatte
ikṣvākunandanaḥ
der Sproß der Ikṣvāku
jagāma tūrṇam avyagraḥ
zog rasch, ungestört weiter
sabhāryaḥ saha lakṣmaṇaḥ
mit seiner Gattin und mit Lakṣmaṇa

sa tu dṛṣṭvā nadītīre nāvam ikṣvākunandanaḥ | titīrṣuḥ śīghragāṃ gaṅgām idaṃ lakṣmaṇam abravīt ||

Als der Sproß der Ikṣvāku am Flussufer das Boot sah und die schnellfließende Gaṅgā überqueren wollte, sprach er zu Lakṣmaṇa:

Wort für Wort
sa tu dṛṣṭvā nadītīre
er aber, am Flussufer sehend
nāvam ikṣvākunandanaḥ
das Boot, der Sproß der Ikṣvāku
titīrṣuḥ śīghragām gaṅgām
überqueren wollend die schnellfließende Gaṅgā
idam lakṣmaṇam abravīt
sprach dies zu Lakṣmaṇa

āroha tvaṃ naravyāghra sthitāṃ nāvam imāṃ śanaiḥ | sītāṃ cāropayānvakṣam parigṛhya manasvinīm ||

„Besteige du, Tiger unter den Männern, langsam dieses bereitstehende Boot, und hilf der besonnenen Sītā gleich danach beim Einsteigen, sie stützend.“

Wort für Wort
āroha tvam naravyāghra
besteige du, Tiger unter den Männern
sthitām nāvam imām śanaiḥ
langsam dieses bereitstehende Boot
sītām ca āropaya anvakṣam
und hilf Sītā gleich danach beim Einsteigen
parigṛhya manasvinīm
die besonnene, sie stützend

sa bhrātuḥ śāsanaṃ śrutvā sarvam apratikūlayan | āropya maithilīṃ pūrvam āruroha ātmavāṃs tataḥ ||

Er, dem Befehl seines Bruders folgend, ohne ihm in irgendetwas zu widersprechen, half zuerst der Maithilī beim Einsteigen und bestieg dann selbst, beherrscht, das Boot.

Wort für Wort
sa bhrātuḥ śāsanam śrutvā
er, den Befehl des Bruders vernehmend
sarvam apratikūlayan
ohne in irgendetwas zu widersprechen
āropya maithilīm pūrvam
zuerst der Maithilī beim Einsteigen helfend
āruroha ātmavān tataḥ
bestieg er dann selbst, beherrscht

athāruroha tejasvī svayaṃ lakṣmaṇapūrvajaḥ | tataḥ niṣādādhipatir guho jñātīn acodayat ||

Dann bestieg der glanzvolle ältere Bruder Lakṣmaṇas selbst das Boot; da trieb der Fürst der Niṣādas, Guha, seine Verwandten an.

Wort für Wort
atha āruroha tejasvī
dann bestieg der Glanzvolle
svayam lakṣmaṇapūrvajaḥ
selbst der ältere Bruder Lakṣmaṇas
tataḥ niṣādādhipatiḥ
dann der Fürst der Niṣādas
guhaḥ jñātīn acodayat
Guha trieb seine Verwandten an

rāghavo 'pi mahātejā nāvam āruhya tāṃ tataḥ | brahmavat kṣatravac caiva japtahitam ātmanaḥ ||

Auch der hochglänzende Rāghava, nachdem er jenes Boot bestiegen hatte, murmelte, sowohl brahmanisch als auch kriegerisch, was ihm zum Heil war.

Wort für Wort
rāghavaḥ api mahātejāḥ
auch der hochglänzende Rāghava
nāvam āruhya tām tataḥ
jenes Boot besteigend, dann
brahmavat kṣatravat ca eva
sowohl brahmanisch als auch kriegerisch
japtahitam ātmanaḥ
murmelte er, was ihm zum Heil war

ācamya ca yathāśāstraṃ nadīṃ tāṃ saha sītayā | prāṇamat prītisaṃhṛṣṭo lakṣmaṇaś cāmitaprabhaḥ ||

Und nachdem er, den Regeln gemäß, Wasser berührt hatte, verneigte er sich zusammen mit Sītā vor jenem Fluss; und auch Lakṣmaṇa, von unbegrenztem Glanz, freudig erregt, verneigte sich.

Wort für Wort
ācamya ca yathāśāstram
und nachdem er, den Regeln gemäß, Wasser berührt hatte
nadīm tām saha sītayā
vor jenem Fluss, zusammen mit Sītā
prāṇamat prītisaṃhṛṣṭaḥ
verneigte er sich, freudig erregt
lakṣmaṇaḥ ca amitaprabhaḥ
und auch Lakṣmaṇa, von unbegrenztem Glanz

anujñāya sumantraṃ ca sabalaṃ caiva taṃ guham | āsthāya nāvaṃ rāmas tu codayām āsa nāvikān ||

Nachdem er Sumantra und Guha mit seiner Streitmacht entlassen hatte, bestieg Rāma das Boot und trieb die Bootsleute zur Abfahrt an.

Wort für Wort
anujñāya sumantram ca
nachdem er Sumantra entlassen hatte
sabalam ca eva tam guham
und auch Guha mit seiner Streitmacht
āsthāya nāvam rāmaḥ tu
das Boot besteigend, Rāma aber
codayām āsa nāvikān
trieb er die Bootsleute an

tataḥ taiḥ coditā sā nauḥ karṇadhārasamāhitā | śubhasphyavegābhihatā śīghraṃ salilam atyagāt ||

Da, von ihnen angetrieben, geleitet vom aufmerksamen Steuermann, von den kraftvollen Rudern der schönen Ruderblätter getroffen, durchquerte das Boot rasch das Wasser.

Wort für Wort
tataḥ taiḥ coditā sā nauḥ
da, von ihnen angetrieben, jenes Boot
karṇadhārasamāhitā
geleitet vom aufmerksamen Steuermann
śubhasphyavegābhihatā
von der Kraft der schönen Ruderblätter getroffen
śīghram salilam atyagāt
durchquerte rasch das Wasser

madhyaṃ tu samanuprāpya bhāgīrathyās tv aninditā | vaidehī prāñjalir bhūtvā tāṃ nadīm idam abravīt ||

Als sie die Mitte der Bhāgīrathī erreicht hatten, sprach die makellose Vaidehī, mit gefalteten Händen, zu jenem Fluss dies:

Wort für Wort
madhyam tu samanuprāpya
als sie die Mitte erreicht hatten
bhāgīrathyāḥ tu aninditā
der Bhāgīrathī, die Makellose
vaidehī prāñjaliḥ bhūtvā
Vaidehī, mit gefalteten Händen
tām nadīm idam abravīt
sprach zu jenem Fluss dies

putro daśarathasyāyaṃ mahārājasya dhīmataḥ | nideśaṃ pālayatv enaṃ gaṅge tvad abhirakṣitaḥ ||

„Dieser ist der Sohn des Großkönigs Daśaratha, des Weisen; möge er, von dir beschützt, o Gaṅgā, den Befehl seines Vaters erfüllen.“

Wort für Wort
putraḥ daśarathasya ayam
dieser ist der Sohn des Daśaratha
mahārājasya dhīmataḥ
des weisen Großkönigs
nideśam pālayatu enam
möge er den Befehl erfüllen
gaṅge tvad abhirakṣitaḥ
o Gaṅgā, von dir beschützt

caturdaśa hi varṣāṇi samagrāṇy uṣya kānane | bhrātrā saha mayā caiva punaḥ pratyāgamiṣyati ||

„Nachdem er vierzehn volle Jahre im Wald verbracht hat, wird er zusammen mit seinem Bruder und mit mir wieder zurückkehren.“

Wort für Wort
caturdaśa hi varṣāṇi
vierzehn volle Jahre
samagrāṇi uṣya kānane
im Wald verbracht habend
bhrātrā saha mayā ca eva
zusammen mit seinem Bruder und mit mir
punaḥ pratyāgamiṣyati
wird er wieder zurückkehren

tataḥ tvāṃ devi subhage kṣemeṇa punar āgatā | yakṣye pramuditā gaṅge sarvakāmasamṛddhaye ||

„Dann, o Göttin, du Holdselige, wenn ich wohlbehalten wiedergekehrt bin, werde ich dir, Gaṅgā, freudig opfern, damit alle Wünsche gedeihen.“

Wort für Wort
tataḥ tvām devi subhage
dann dir, Göttin, du Holdselige
kṣemeṇa punaḥ āgatā
wohlbehalten wiedergekehrt
yakṣye pramuditā gaṅge
werde ich freudig opfern, Gaṅgā
sarvakāmasamṛddhaye
damit alle Wünsche gedeihen

tvaṃ hi tripathagā devi brahmalokaṃ samīkṣase | bhāryā codadhirājasya loke 'smin sampradṛśyase ||

„Denn du, Göttin, die du in drei Bahnen fließt, schaust die Brahma-Welt; und in dieser Welt erscheinst du als Gattin des Meereskönigs.“

Wort für Wort
tvam hi tripathagā devi
denn du, Göttin, die in drei Bahnen fließt
brahmalokam samīkṣase
schaust die Brahma-Welt
bhāryā ca udadhirājasya
und als Gattin des Meereskönigs
loke asmin sampradṛśyase
erscheinst du in dieser Welt

sā tvāṃ devi namasyāmi praśaṃsāmi ca śobhane | prāptarājye naravyāghra śivena punar āgate ||

„Dich, Göttin, verehre ich und preise dich, du Herrliche, wenn der Tiger unter den Männern das Königreich glückverheißend wieder erlangt hat.“

Wort für Wort
sā tvām devi namasyāmi
dich, Göttin, verehre ich
praśaṃsāmi ca śobhane
und preise dich, du Herrliche
prāptarājye naravyāghra
wenn der Tiger unter den Männern das Königreich erlangt hat
śivena punaḥ āgate
glückverheißend wieder zurückgekehrt

gavāṃ śatasahasrāṇi vastrāṇi annaṃ ca peśalam | brāhmaṇebhyaḥ pradāsyāmi tava priyacikīrṣayā ||

„Hunderttausend Kühe, Kleider und feine Speise werde ich den Brahmanen schenken, um dir eine Freude zu bereiten.“

Wort für Wort
gavām śatasahasrāṇi
hunderttausend Kühe
vastrāṇi annam ca peśalam
Kleider und feine Speise
brāhmaṇebhyaḥ pradāsyāmi
werde ich den Brahmanen schenken
tava priyacikīrṣayā
um dir eine Freude zu bereiten

surāghaṭasahasreṇa māṃsabhūtaudanena ca | yakṣye tvāṃ prayatā devi purīṃ punar upāgatā ||

„Mit tausend Krügen Wein und mit Fleisch- und Reisspeisen werde ich dir opfern, geläutert, o Göttin, wenn ich wieder zur Stadt zurückgekehrt bin.“

Wort für Wort
surāghaṭasahasreṇa
mit tausend Krügen Wein
māṃsabhūtaudanena ca
und mit Fleisch- und Reisspeisen
yakṣye tvām prayatā devi
werde ich dir opfern, geläutert, Göttin
purīm punaḥ upāgatā
wenn ich zur Stadt zurückgekehrt bin

yāni tvattīravāsīni daivatāni ca santi hi | tāni sarvāṇi yakṣyāmi tīrthāny āyatanāni ca ||

„Allen Gottheiten, die an deinem Ufer wohnen, werde ich opfern, ebenso allen heiligen Badeplätzen und Heiligtümern.“

Wort für Wort
yāni tvattīravāsīni
die an deinem Ufer wohnenden
daivatāni ca santi hi
Gottheiten, die es gibt
tāni sarvāṇi yakṣyāmi
allen diesen werde ich opfern
tīrthāni āyatanāni ca
den Badeplätzen und Heiligtümern

punar eva mahābāhur mayā bhrātrā ca saṃgataḥ | ayodhyāṃ vanavāsāt tu praviśatv anagho 'naghe ||

„Möge der Langarmige, mit mir und meinem Schwager wieder vereint, nach dem Waldleben unversehrt in Ayodhyā einziehen, o Makellose.“

Wort für Wort
punaḥ eva mahābāhuḥ
möge der Langarmige wieder
mayā bhrātrā ca saṃgataḥ
mit mir und dem Bruder vereint
ayodhyām vanavāsāt tu
nach dem Waldleben, Ayodhyā
praviśatu anaghaḥ anaghe
möge er unversehrt einziehen, o Makellose

tathā saṃbhāṣamāṇā sā sītā gaṅgām aninditā | dakṣiṇā dakṣiṇaṃ tīraṃ kṣipram evābhyupāgamat ||

So sprechend zu der Gaṅgā, gelangte die makellose Sītā, die Rechtschaffene, rasch zum südlichen Ufer.

Wort für Wort
tathā saṃbhāṣamāṇā sā
so sprechend, sie
sītā gaṅgām aninditā
Sītā, die Makellose, zur Gaṅgā
dakṣiṇā dakṣiṇam tīram
die Rechtschaffene, zum südlichen Ufer
kṣipram eva abhyupāgamat
gelangte rasch

tīraṃ tu samanuprāpya nāvaṃ hitvā nararṣabhaḥ | prātiṣṭhata saha bhrātrā vaidehyā ca paraṃtapaḥ ||

Als der Stier unter den Männern, der Feindebezwinger, das Ufer erreicht und das Boot verlassen hatte, machte er sich mit seinem Bruder und der Vaidehī auf den Weg.

Wort für Wort
tīram tu samanuprāpya
als er das Ufer erreicht hatte
nāvam hitvā nararṣabhaḥ
das Boot verlassend, der Stier unter den Männern
prātiṣṭhata saha bhrātrā
machte er sich auf den Weg mit dem Bruder
vaidehyā ca paraṃtapaḥ
und mit der Vaidehī, der Feindebezwinger

athābravīn mahābāhuḥ saumitrim ānandavardhanam | bhava saṃrakṣaṇārthāya sajane vijane 'pi vā ||

Da sprach der Langarmige zu dem Sohn der Sumitrā, seiner Freude Mehrer: „Sei zum Schutz bereit, sei es in bewohnter oder unbewohnter Gegend.“

Wort für Wort
atha abravīt mahābāhuḥ
da sprach der Langarmige
saumitrim ānandavardhanam
zu dem Sohn der Sumitrā, seiner Freude Mehrer
bhava saṃrakṣaṇārthāya
sei zum Schutz bereit
sajane vijane api vā
in bewohnter oder unbewohnter Gegend

avaśyaṃ rakṣaṇaṃ kāryam adṛṣṭe vijane vane | agrataḥ gaccha saumitre sītā tvām anugacchatu ||

„Notwendig ist Schutz zu gewähren im unbekannten, unbewohnten Wald; geh du voran, Saumitri, Sītā soll dir folgen.“

Wort für Wort
avaśyam rakṣaṇam kāryam
notwendig ist Schutz zu gewähren
adṛṣṭe vijane vane
im unbekannten, unbewohnten Wald
agrataḥ gaccha saumitre
geh voran, Saumitri
sītā tvām anugacchatu
Sītā soll dir folgen

pṛṣṭhataḥ ahaṃ gamiṣyāmi tvāṃ ca sītāṃ ca pālayan | adya duḥkhaṃ tu vaidehī vanavāsasya vetsyati ||

„Ich werde hinter euch gehen, dich und Sītā beschützend; heute wird Vaidehī das Leid des Waldlebens kennenlernen.“

Wort für Wort
pṛṣṭhataḥ aham gamiṣyāmi
ich werde von hinten gehen
tvām ca sītām ca pālayan
dich und Sītā beschützend
adya duḥkham tu vaidehī
heute wird Vaidehī das Leid
vanavāsasya vetsyati
des Waldlebens kennenlernen

na hi tāvad atikrāntā sukarā kācana kriyā | adya duḥkhaṃ tu vaidehī vanavāsasya vetsyati ||

„Denn noch ist keine leicht auszuführende Handlung vergangen; heute wird Vaidehī das Leid des Waldlebens kennenlernen.“

Wort für Wort
na hi tāvat atikrāntā
denn noch ist nicht vergangen
sukarā kācana kriyā
irgendeine leicht auszuführende Handlung
adya duḥkham tu vaidehī
heute wird Vaidehī das Leid
vanavāsasya vetsyati
des Waldlebens kennenlernen (Wiederholung im Quelltext)

praṇaṣṭajanasaṃbādhaṃ kṣetrārāmavivarjitam | viṣamaṃ ca prapātaṃ ca vanam adya pravekṣyati ||

„Sie wird heute in einen Wald eintreten, der frei von Menschenmengen ist, ohne Felder und Gärten, uneben und voller Abgründe.“

Wort für Wort
praṇaṣṭajanasaṃbādham
frei von Menschenmengen
kṣetrārāmavivarjitam
ohne Felder und Gärten
viṣamam ca prapātam ca
uneben und voller Abgründe
vanam adya pravekṣyati
wird sie heute in den Wald eintreten

śrutvā rāmasya vacanaṃ pratasthe lakṣmaṇo 'grataḥ | anantaraṃ ca sītāyā rāghavo raghunandanaḥ ||

Nachdem er Rāmas Wort gehört hatte, ging Lakṣmaṇa voran; gleich hinter Sītā folgte Rāghava, die Freude der Raghus.

Wort für Wort
śrutvā rāmasya vacanam
nachdem er Rāmas Wort gehört hatte
pratasthe lakṣmaṇaḥ agrataḥ
ging Lakṣmaṇa voran
anantaram ca sītāyāḥ
und gleich hinter Sītā
rāghavaḥ raghunandanaḥ
Rāghava, die Freude der Raghus

gataṃ tu gaṅgāḥ parapāram āśu rāmaṃ sumantraḥ pratataṃ nirīkṣya | adhvaprakarṣād vinivṛttadṛṣṭir mumoca bāṣpaṃ vyathitas tapasvī ||

Als Sumantra sah, wie Rāma rasch das andere Ufer der Gaṅgā erreicht hatte, und ihm lange nachschaute, bis sein Blick, durch die Entfernung des Weges gehindert, zurückkehrte, vergoss der betrübte Wagenlenker Tränen.

Wort für Wort
gatam tu gaṅgāḥ parapāram āśu
der rasch das andere Ufer der Gaṅgā erreicht hatte
rāmam sumantraḥ pratatam nirīkṣya
Rāma, Sumantra, ihn lange betrachtend
adhvaprakarṣāt vinivṛttadṛṣṭiḥ
bis sein Blick durch die Entfernung des Weges zurückkehrte
mumoca bāṣpam vyathitaḥ tapasvī
vergoss Tränen, der betrübte Wagenlenker

sa lokapālapratimaprabhāvān tīrtvā mahātmā varado mahānadīm | tataḥ samṛddhān śubhasasyamālinaḥ krameṇa vatsān muditān upāgamat ||

Er, der Großmütige, dessen Macht der eines Weltenhüters glich, der Gabenspender, durchquerte den großen Fluss und erreichte dann Schritt für Schritt das blühende, mit heilvollen Kornfeldern geschmückte, freudige Land der Vatsas.

Wort für Wort
sa lokapālapratimaprabhāvān
er, dessen Macht der eines Weltenhüters glich
tīrtvā mahātmā varadaḥ mahānadīm
der Großmütige, der Gabenspender, den großen Fluss durchquerend
tataḥ samṛddhān śubhasasyamālinaḥ
dann das blühende, mit heilvollen Kornfeldern geschmückte
krameṇa vatsān muditān upāgamat
erreichte er Schritt für Schritt das freudige Land der Vatsas

tau tatra hatvā caturo mahāmṛgān varāham ṛśyam pṛṣatam mahārurum | ādāya medhyaṃ tvaritaṃ bubhukṣitau vāsāya kāle yayatur vanaspatim ||

Dort erlegten die beiden hungrig gewordenen, vier große Wildtiere – einen Eber, eine Ṛśya-Antilope, einen gefleckten Hirsch und einen großen Ruru-Hirsch – und zogen, rasch das reine Fleisch nehmend, bei Einbruch der Zeit zu einem großen Baum, um dort zu übernachten.

Wort für Wort
tau tatra hatvā caturaḥ mahāmṛgān
die beiden, dort vier große Wildtiere erlegend
varāham ṛśyam pṛṣatam mahārurum
einen Eber, eine Ṛśya-Antilope, einen gefleckten Hirsch, einen großen Ruru-Hirsch
ādāya medhyam tvaritam bubhukṣitau
rasch das reine Fleisch nehmend, hungrig geworden
vāsāya kāle yayatuḥ vanaspatim
zogen sie bei Einbruch der Zeit zu einem großen Baum

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