Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 109: Rāma Satya Vākyam Jābāli Prasādanam Rāma widerlegt Jābālis Lehre mit einer Lobrede auf die Wahrheit; Jābāli erklärt, seine Rede sei nur ein Versuch gewesen, Rāma zurückzuholen

jābāleḥ tu vacaḥ śrutvā rāmaḥ satya ātmanām varaḥ | uvāca parayā yuktyā sva buddhyā ca avipannayā ||

Nachdem er Jābālis Worte gehört hatte, sprach Rāma, der Beste der Wahrhaftigen, mit vorzüglicher Beweisführung und mit eigener, ungetrübter Einsicht:

Wort für Wort
jābāleḥ tu vacaḥ śrutvā
nachdem er Jābālis Worte gehört hatte
rāmaḥ satya ātmanām varaḥ
Rāma, der Beste der Wahrhaftigen
uvāca parayā yuktyā
sprach er mit vorzüglicher Beweisführung
sva buddhyā ca avipannayā
und mit eigener, ungetrübter Einsicht

bhavān me priya kāma artham vacanam yad iha uktavān | akāryam kārya samkāśam apathyam pathya sammitam ||

Das Wort, das du hier gesprochen hast, um mir zu gefallen - es ist Unrechtes, das wie Rechtes aussieht, Schädliches, das wie Heilsames erscheint.

Wort für Wort
bhavān me priya kāma artham
du, mir zu gefallen
vacanam yad iha uktavān
das Wort, das du hier gesprochen hast
akāryam kārya samkāśam
Unrechtes, das wie Rechtes aussieht
apathyam pathya sammitam
Schädliches, das wie Heilsames erscheint

nirmaryādaḥ tu puruṣaḥ pāpa ācāra samanvitaḥ | mānam na labhate satsu bhinna cāritra darśanaḥ ||

Ein Mensch ohne Grenzen der Sitte, von sündigem Verhalten begleitet, dessen Charakter als zwiespältig erkannt wird, erhält bei den Rechtschaffenen keine Achtung.

Wort für Wort
nirmaryādaḥ tu puruṣaḥ
ein Mensch ohne Grenzen (der Sitte)
pāpa ācāra samanvitaḥ
von sündigem Verhalten begleitet
mānam na labhate satsu
erhält bei den Rechtschaffenen keine Achtung
bhinna cāritra darśanaḥ
dessen Charakter als zwiespältig erkannt wird

kulīnam akulīnam vā vīram puruṣa māninam | cāritram eva vyākhyāti śucim vā yadi vā aśucim ||

Ob wohlgeboren oder nicht wohlgeboren, ob heldenhaft oder sich selbst für bedeutend haltend - allein der Charakter erklärt, ob ein Mensch rein ist oder unrein.

Wort für Wort
kulīnam akulīnam vā
ob wohlgeboren oder nicht wohlgeboren
vīram puruṣa māninam
ob heldenhaft oder sich selbst für bedeutend haltend
cāritram eva vyākhyāti
allein der Charakter erklärt
śucim vā yadi vā aśucim
ob (er) rein ist oder unrein

anāryaḥ tu ārya samkāśaḥ śaucāt hīnaḥ tathā śuciḥ | lakṣaṇyavat alakṣaṇyaḥ duḥśīlaḥ śīlavān iva ||

Ein Unedler kann edel erscheinen, ein der Reinheit Entbehrender kann als rein gelten, ein Merkmalloser kann wie mit guten Merkmalen erscheinen, ein von schlechtem Charakter wie von gutem Charakter.

Wort für Wort
anāryaḥ tu ārya samkāśaḥ
ein Unedler kann edel erscheinen
śaucāt hīnaḥ tathā śuciḥ
ein der Reinheit Entbehrender ebenso als rein
lakṣaṇyavat alakṣaṇyaḥ
ein Merkmalloser wie mit guten Merkmalen
duḥśīlaḥ śīlavān iva
ein von schlechtem Charakter wie von gutem

adharmam dharma veṣeṇa yadi imam loka samkaram | abhipatsye śubham hitvā kriyā vidhi vivarjitam ||

Wenn ich das Unrecht, im Gewand des Dharma, dieses Vermischen der Welt, das Glückverheißende aufgebend, das der rituellen Ordnung Entbehrende, annehmen würde -

Wort für Wort
adharmam dharma veṣeṇa
das Unrecht im Gewand des Dharma
yadi imam loka samkaram
wenn diese Vermischung der Welt
abhipatsye śubham hitvā
ich annehmen würde, das Glückverheißende aufgebend
kriyā vidhi vivarjitam
das der rituellen Ordnung Entbehrende

kaḥ cetayānaḥ puruṣaḥ kārya akārya vicakṣaṇaḥ | bahu maṃsyati mām loke durvṛttam loka dūṣaṇam ||

welcher besonnene, im Rechten und Unrechten kundige Mensch würde mich dann in der Welt nicht für einen üblen Menschen halten, der die Welt verdirbt?

Wort für Wort
kaḥ cetayānaḥ puruṣaḥ
welcher besonnene Mensch
kārya akārya vicakṣaṇaḥ
im Rechten und Unrechten kundig
bahu maṃsyati mām loke
würde mich in der Welt (nicht) sehr achten
durvṛttam loka dūṣaṇam
als üblen, die Welt verderbenden (Menschen)

kasya yāsyāmi aham vṛttam kena vā svargam āpnuyām | anayā vartamānaḥ aham vṛttyā hīna pratijñayā ||

Wessen Verhalten würde ich dann folgen, wodurch könnte ich den Himmel erlangen, wenn ich mich nach dieser Lebensweise richte, gebrochenem Versprechen?

Wort für Wort
kasya yāsyāmi aham vṛttam
wessen Verhalten würde ich folgen
kena vā svargam āpnuyām
wodurch könnte ich den Himmel erlangen
anayā vartamānaḥ aham
mich nach dieser richtend
vṛttyā hīna pratijñayā
nach dieser Lebensweise, gebrochenem Versprechen

kāma vṛttaḥ tu ayam lokaḥ kṛtsnaḥ samupavartate | yad vṛttāḥ santi rājānaḥ tad vṛttāḥ santi hi prajāḥ ||

Diese ganze Welt richtet sich nach Belieben; wie sich die Könige verhalten, so verhalten sich auch die Untertanen.

Wort für Wort
kāma vṛttaḥ tu ayam lokaḥ
diese Welt aber richtet sich nach Belieben
kṛtsnaḥ samupavartate
die ganze richtet sich (danach)
yad vṛttāḥ santi rājānaḥ
wie sich die Könige verhalten
tad vṛttāḥ santi hi prajāḥ
so verhalten sich auch die Untertanen

satyam eva ānṛśaṃsyam ca rāja vṛttam sanātanam | tasmāt satya ātmakam rājyam satye lokaḥ pratiṣṭhitaḥ ||

Wahrheit und Mitgefühl sind das ewige Verhalten des Königs; deshalb ist das Königreich auf Wahrheit gegründet, und die Welt beruht auf Wahrheit.

Wort für Wort
satyam eva ānṛśaṃsyam ca
Wahrheit und Mitgefühl
rāja vṛttam sanātanam
sind das ewige Verhalten des Königs
tasmāt satya ātmakam rājyam
deshalb ist das Königreich auf Wahrheit gegründet
satye lokaḥ pratiṣṭhitaḥ
auf Wahrheit beruht die Welt

ṛṣayaḥ ca eva devāḥ ca satyam eva hi menire | satya vādī hi loke asmin paramam gacchati kṣayam ||

Die Weisen und auch die Götter haben stets die Wahrheit geschätzt; wer in dieser Welt die Wahrheit spricht, gelangt zur höchsten Wohnstatt.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ ca eva devāḥ ca
die Weisen und auch die Götter
satyam eva hi menire
haben stets die Wahrheit geschätzt
satya vādī hi loke asmin
der Wahrheitsredner in dieser Welt
paramam gacchati kṣayam
gelangt zur höchsten Wohnstatt

udvijante yathā sarpāt narāt anṛta vādinaḥ | dharmaḥ satyam paraḥ loke mūlam svargasya ca ucyate ||

Wie man vor einer Schlange erschrickt, so erschrickt man vor einem lügenden Menschen; die Wahrheit heißt der höchste Dharma in der Welt und wird als Wurzel des Himmels bezeichnet.

Wort für Wort
udvijante yathā sarpāt
wie man vor einer Schlange erschrickt
narāt anṛta vādinaḥ
vor einem lügenden Menschen
dharmaḥ satyam paraḥ loke
die Wahrheit ist der höchste Dharma in der Welt
mūlam svargasya ca ucyate
und wird als Wurzel des Himmels bezeichnet

satyam eva īśvaraḥ loke satyam padmā samāśritā | satya mūlāni sarvāṇi satyāt na asti param padam ||

Die Wahrheit allein ist Herrscher in der Welt, auf Wahrheit stützt sich die Glücksgöttin Padmā; alle Dinge haben die Wahrheit als Wurzel, es gibt keinen höheren Zustand als die Wahrheit.

Wort für Wort
satyam eva īśvaraḥ loke
die Wahrheit allein ist Herrscher in der Welt
satyam padmā samāśritā
auf Wahrheit stützt sich Padmā
satya mūlāni sarvāṇi
alle Dinge haben die Wahrheit als Wurzel
satyāt na asti param padam
es gibt keinen höheren Zustand als die Wahrheit

dattam iṣṭam hutam ca eva taptāni ca tapāṃsi ca | vedāḥ satya pratiṣṭhānāḥ tasmāt satya paraḥ bhavet ||

Gaben, Opfer, Feueropfer und vollzogene Askesen, die Veden - sie alle gründen auf der Wahrheit; deshalb sollte man die Wahrheit als höchstes ansehen.

Wort für Wort
dattam iṣṭam hutam ca eva
Gaben, Opfer und Feueropfer
taptāni ca tapāṃsi ca
und vollzogene Askesen
vedāḥ satya pratiṣṭhānāḥ
die Veden gründen auf der Wahrheit
tasmāt satya paraḥ bhavet
deshalb sollte man die Wahrheit als höchstes ansehen

ekaḥ pālayate lokam ekaḥ pālayate kulam | majjati eko hi nirayaḥ ekaḥ svarge mahīyate ||

Der eine beschützt die Welt, der eine beschützt das Geschlecht; der eine versinkt in der Hölle, der andere wird im Himmel verherrlicht.

Wort für Wort
ekaḥ pālayate lokam
der eine beschützt die Welt
ekaḥ pālayate kulam
der eine beschützt das Geschlecht
majjati eko hi nirayaḥ
der eine versinkt in der Hölle
ekaḥ svarge mahīyate
der andere wird im Himmel verherrlicht

sa aham pituḥ nideśam tu kim artham na anupālaye | satya pratiśravaḥ satyam satyena samayī kṛtaḥ ||

Warum sollte ich dann nicht dem Gebot des Vaters folgen, der Wahrheit ergeben, der ich durch die Wahrheit an das Versprechen gebunden bin?

Wort für Wort
sa aham pituḥ nideśam tu
warum sollte ich dann das Gebot des Vaters
kim artham na anupālaye
nicht befolgen
satya pratiśravaḥ satyam
der Wahrheit ergeben, wahrhaftig
satyena samayī kṛtaḥ
durch die Wahrheit an das Versprechen gebunden

na eva lobhāt na mohāt vā na ca ajñānāt tamaḥ anvitaḥ | setum satyasya bhetsyāmi guroḥ satya pratiśravaḥ ||

Weder aus Habgier noch aus Verblendung, noch aus Unwissenheit, von Finsternis umfangen, werde ich den Damm der Wahrheit brechen - ich, dem Vater durch Wahrheit verpflichtet.

Wort für Wort
na eva lobhāt na mohāt vā
weder aus Habgier noch aus Verblendung
na ca ajñānāt tamaḥ anvitaḥ
noch aus Unwissenheit, von Finsternis umfangen
setum satyasya bhetsyāmi
werde ich den Damm der Wahrheit brechen
guroḥ satya pratiśravaḥ
dem Vater durch Wahrheit verpflichtet

asatya saṃdhasya sataḥ calasya asthira cetasaḥ | na eva devāḥ na pitaraḥ pratīcchanti iti naḥ śrutam ||

Von einem, der im Versprechen unwahr ist, unbeständig, wankelmütigen Sinnes - weder die Götter noch die Ahnen nehmen dessen Opfer an, so haben wir gehört.

Wort für Wort
asatya saṃdhasya sataḥ
von einem, der im Versprechen unwahr ist
calasya asthira cetasaḥ
unbeständig, wankelmütigen Sinnes
na eva devāḥ na pitaraḥ
weder die Götter noch die Ahnen
pratīcchanti iti naḥ śrutam
nehmen (dessen Opfer) an, so haben wir gehört

pratyag ātmam imam dharmam satyam paśyāmi aham svayam | bhāraḥ sat puruṣa ācīrṇaḥ tad artham abhinandyate ||

Diesen dem eigenen Selbst zugewandten Dharma, die Wahrheit, sehe ich selbst; die von den Rechtschaffenen ausgeübte Last der Wahrheit wird um ihrer selbst willen gepriesen.

Wort für Wort
pratyag ātmam imam dharmam
diesen dem eigenen Selbst zugewandten Dharma
satyam paśyāmi aham svayam
die Wahrheit sehe ich selbst
bhāraḥ sat puruṣa ācīrṇaḥ
die von den Rechtschaffenen ausgeübte Last
tad artham abhinandyate
wird um ihrer selbst willen gepriesen

kṣātram dharmam aham tyakṣye hi adharmam dharma saṃhitam | kṣudraiḥ nṛśaṃsaiḥ lubdhaiḥ ca sevitam pāpa karmabhiḥ ||

Ich werde die kriegerische Pflicht verlassen, jenes Unrecht, das mit dem Dharma vermengt ist, von niederträchtigen, grausamen, habgierigen, sündigen Menschen gepflegt wird.

Wort für Wort
kṣātram dharmam aham tyakṣye
ich werde die kriegerische Pflicht verlassen
hi adharmam dharma saṃhitam
jenes Unrecht, mit dem Dharma vermengt
kṣudraiḥ nṛśaṃsaiḥ lubdhaiḥ ca
von niederträchtigen, grausamen, habgierigen
sevitam pāpa karmabhiḥ
gepflegt von sündigen Menschen

kāyena kurute pāpam manasā sampradhārya ca | anṛtam jihvayā ca āha trividham karma pātakam ||

Mit dem Körper begeht man Sünde, mit dem Geist plant man sie, und mit der Zunge spricht man Unwahrheit - dreifach ist die sündige Tat.

Wort für Wort
kāyena kurute pāpam
mit dem Körper begeht man Sünde
manasā sampradhārya ca
und mit dem Geist plant man sie
anṛtam jihvayā ca āha
und mit der Zunge spricht man Unwahrheit
trividham karma pātakam
dreifach ist die sündige Tat

bhūmiḥ kīrtiḥ yaśaḥ lakṣmīḥ puruṣam prārthayanti hi | svargastham ca anubadhnanti satyam eva bhajeta tat ||

Erde, Ehre, Ruhm und Glück streben zu dem wahrhaftigen Menschen, und sie folgen ihm sogar bis in den Himmel; man sollte eben diese Wahrheit pflegen.

Wort für Wort
bhūmiḥ kīrtiḥ yaśaḥ lakṣmīḥ
Erde, Ehre, Ruhm und Glück
puruṣam prārthayanti hi
streben zu dem (wahrhaftigen) Menschen
svargastham ca anubadhnanti
und folgen ihm bis in den Himmel
satyam eva bhajeta tat
man sollte eben diese Wahrheit pflegen

śreṣṭham hi anāryam eva syāt yat bhavān avadhārya mām | āha yukti karaiḥ vākyaiḥ idam bhadram kuruṣva ha ||

Es wäre wahrlich das Beste an Unedlem, wenn ich, mich darauf verlassend, was du mir mit scheinbar überzeugenden Worten sagst - 'Tu dies Gute!' -, handelte.

Wort für Wort
śreṣṭham hi anāryam eva syāt
es wäre wahrlich das Beste an Unedlem
yat bhavān avadhārya mām
was du, mich (davon überzeugend)
āha yukti karaiḥ vākyaiḥ
mit scheinbar überzeugenden Worten sagst
idam bhadram kuruṣva ha
'tu dies Gute'

katham hi aham pratijñāya vana vāsam imam guroḥ | bharatasya kariṣyāmi vacaḥ hitvā guroḥ vacaḥ ||

Wie könnte ich, nachdem ich diesen Waldaufenthalt dem Vater versprochen habe, Bharatas Wort erfüllen, das Wort des Vaters aufgebend?

Wort für Wort
katham hi aham pratijñāya
wie könnte ich, versprochen habend
vana vāsam imam guroḥ
diesen Waldaufenthalt dem Vater
bharatasya kariṣyāmi vacaḥ
Bharatas Wort erfüllen
hitvā guroḥ vacaḥ
das Wort des Vaters aufgebend

sthirā mayā pratijñātā pratijñā guru saṃnidhau | prahṛṣṭa mānasā devī kaikeyī ca abhavat tadā ||

Fest habe ich das Versprechen in Gegenwart des Vaters gegeben, und die Königin Kaikeyī war damals frohen Herzens.

Wort für Wort
sthirā mayā pratijñātā
fest habe ich versprochen
pratijñā guru saṃnidhau
das Versprechen in Gegenwart des Vaters
prahṛṣṭa mānasā devī
frohen Herzens, die Königin
kaikeyī ca abhavat tadā
und Kaikeyī war damals

vana vāsam vasan evam śuciḥ niyata bhojanaḥ | mūlaiḥ puṣpaiḥ phalaiḥ puṇyaiḥ pitṝn devān ca tarpayan ||

So den Waldaufenthalt lebend, rein, mit geregelter Nahrung, mit Wurzeln, Blüten und heiligen Früchten die Ahnen und Götter erfreuend,

Wort für Wort
vana vāsam vasan evam
so den Waldaufenthalt lebend
śuciḥ niyata bhojanaḥ
rein, mit geregelter Nahrung
mūlaiḥ puṣpaiḥ phalaiḥ puṇyaiḥ
mit Wurzeln, Blüten und heiligen Früchten
pitṝn devān ca tarpayan
die Ahnen und Götter erfreuend

saṃtuṣṭa pañca vargaḥ aham loka yātrām pravartaye | akuhaḥ śraddadhānaḥ san kārya akārya vicakṣaṇaḥ ||

zufrieden mit den fünf Sinnen, führe ich meinen Lebenswandel weiter, ohne Falschheit, vertrauensvoll, das Rechte und Unrechte unterscheidend.

Wort für Wort
saṃtuṣṭa pañca vargaḥ aham
ich, zufrieden mit den fünf (Sinnen)
loka yātrām pravartaye
führe ich meinen Lebenswandel weiter
akuhaḥ śraddadhānaḥ san
ohne Falschheit, vertrauensvoll
kārya akārya vicakṣaṇaḥ
das Rechte und Unrechte unterscheidend

karma bhūmim imām prāpya kartavyam karma yat śubham | agniḥ vāyuḥ ca somaḥ ca karmaṇām phala bhāginaḥ ||

Nachdem man diese Erde des Handelns erreicht hat, sollte man die Tat vollbringen, die glückverheißend ist; Agni, Vāyu und Soma sind Teilhaber an den Früchten der Taten.

Wort für Wort
karma bhūmim imām prāpya
nachdem man diese Erde des Handelns erreicht hat
kartavyam karma yat śubham
sollte man die Tat vollbringen, die glückverheißend ist
agniḥ vāyuḥ ca somaḥ ca
Agni, Vāyu und Soma
karmaṇām phala bhāginaḥ
sind Teilhaber an den Früchten der Taten

śatam kratūnām āhṛtya deva rāṭ tridivam gataḥ | tapāṃsi ugrāṇi ca āsthāya divam yātā maharṣayaḥ ||

Nachdem er hundert Opfer vollbracht hatte, ging der König der Götter in den dritten Himmel ein; durch strenge Askese gelangten auch die großen Weisen in den Himmel.

Wort für Wort
śatam kratūnām āhṛtya
hundert Opfer vollbracht habend
deva rāṭ tridivam gataḥ
ging der König der Götter in den dritten Himmel
tapāṃsi ugrāṇi ca āsthāya
und durch strenge Askese
divam yātā maharṣayaḥ
gelangten die großen Weisen in den Himmel

amṛṣyamāṇaḥ punaḥ ugra tejāḥ | niśamya tam nāstika vāka hetum | atha abravīt tam nṛpateḥ tanūjaḥ | vigarhamāṇo vacanāni tasya ||

Es nicht ertragend, der von gewaltigem Glanz, nachdem er jene Begründung der gottlosen Rede vernommen hatte, sprach da der Sohn des Königs zu ihm, dessen Worte tadelnd:

Wort für Wort
amṛṣyamāṇaḥ punaḥ ugra tejāḥ
es nicht ertragend, der von gewaltigem Glanz
niśamya tam nāstika vāka hetum
jene Begründung der gottlosen Rede vernommen habend
atha abravīt tam nṛpateḥ tanūjaḥ
da sprach der Sohn des Königs zu ihm
vigarhamāṇo vacanāni tasya
dessen Worte tadelnd

satyam ca dharmam ca parākramam ca | bhūta anukampām priya vāditām ca | dvijāti deva atithi pūjanam ca | panthānam āhuḥ tridivasya santaḥ ||

Wahrheit, Dharma und Tapferkeit, Mitgefühl mit den Geschöpfen und freundliche Rede, Verehrung der Zweifachgeborenen, der Götter und Gäste - dies nennen die Rechtschaffenen den Weg zum dritten Himmel.

Wort für Wort
satyam ca dharmam ca parākramam ca
Wahrheit, Dharma und Tapferkeit
bhūta anukampām priya vāditām ca
Mitgefühl mit den Geschöpfen und freundliche Rede
dvijāti deva atithi pūjanam ca
Verehrung der Zweifachgeborenen, der Götter und Gäste
panthānam āhuḥ tridivasya santaḥ
dies nennen die Rechtschaffenen den Weg zum dritten Himmel

tena eva ājñāya yathāvat artham | ekodayam saṃpratipadya viprāḥ | dharmam carantaḥ sakalam yathāvat | kāṅkṣanti loka āgamam apramattāḥ ||

Eben dies erkennend, gebührend, den einen gemeinsamen Zweck erfassend, üben die Brahmanen, umsichtig, den ganzen Dharma gebührend aus und ersehnen das Erreichen der himmlischen Welt.

Wort für Wort
tena eva ājñāya yathāvat artham
eben dies gebührend erkennend
ekodayam saṃpratipadya viprāḥ
den einen (gemeinsamen) Zweck erfassend, die Brahmanen
dharmam carantaḥ sakalam yathāvat
den ganzen Dharma gebührend ausübend
kāṅkṣanti loka āgamam apramattāḥ
ersehnen sie, umsichtig, das Erreichen der (himmlischen) Welt

nindāmi aham karma pituḥ kṛtam te | tvā yat agṛhṇāt viṣama stha buddhim | buddhyā anayā evam vidhayā carantam | su nāstikam dharma pathāt apetam ||

Ich tadle die Tat, die dein Vater begangen hat, dass er dich, dessen Denken auf Abwege geraten ist, aufnahm, dich, der mit solcher Gesinnung wandelt, einen ausgesprochenen Ungläubigen, vom Pfad des Dharma abgewichen.

Wort für Wort
nindāmi aham karma pituḥ kṛtam te
ich tadle die Tat, die dein Vater begangen hat
tvā yat agṛhṇāt viṣama stha buddhim
dass er dich aufnahm, dessen Denken auf Abwege geraten ist
buddhyā anayā evam vidhayā carantam
der mit solcher Gesinnung wandelt
su nāstikam dharma pathāt apetam
einen ausgesprochenen Ungläubigen, vom Pfad des Dharma abgewichen

yathā hi coraḥ sa tathā hi buddhaḥ | tathāgataṃ nāstikam atra vidhi | tasmāt hi yaḥ śaṅkyatamaḥ prajānām | na nāsti kena abhimukho budhaḥ syāt ||

Denn wie ein Dieb, so gilt auch, wer solcherart lehrt; als Ungläubiger gilt hier ein solcher nach der Überlieferung. Deshalb sollte ein Weiser sich niemandem zuwenden, der bei den Menschen höchst verdächtig ist.

Wort für Wort
yathā hi coraḥ sa tathā hi buddhaḥ
denn wie ein Dieb, so gilt auch, wer solcherart lehrt
tathāgataṃ nāstikam atra vidhi
als Ungläubiger gilt hier ein solcher, nach der Überlieferung
tasmāt hi yaḥ śaṅkyatamaḥ prajānām
deshalb, wer bei den Menschen höchst verdächtig ist
na nāsti kena abhimukho budhaḥ syāt
dem sollte sich ein Weiser nicht zuwenden

tvattaḥ janāḥ pūrvatare varāḥ ca | śubhāni karmāṇi bahūni cakruḥ | citvā sat imam ca param ca lokam | tasmāt dvijāḥ svasti hutam kṛtam ca ||

Frühere und bessere Menschen als du vollbrachten viele glückverheißende Taten, indem sie sowohl diese als auch die jenseitige Welt bedachten; deshalb, Brahmane, sind Opfer und gute Werke heilsam.

Wort für Wort
tvattaḥ janāḥ pūrvatare varāḥ ca
frühere und bessere Menschen als du
śubhāni karmāṇi bahūni cakruḥ
vollbrachten viele glückverheißende Taten
citvā sat imam ca param ca lokam
indem sie sowohl diese als auch die jenseitige Welt bedachten
tasmāt dvijāḥ svasti hutam kṛtam ca
deshalb, Brahmane, sind Opfer und gute Werke heilsam

dharme ratāḥ sat puruṣaiḥ sametāḥ | tejasvino dāna guṇa pradhānāḥ | ahiṃsakāḥ vīta malāḥ ca loke | bhavanti pūjyāḥ munayaḥ pradhānāḥ ||

Dem Dharma zugetan, mit den Rechtschaffenen vereint, glanzvoll, ausgezeichnet in der Tugend des Gebens, gewaltlos und frei von Makel - solche vorzüglichen Weisen werden in der Welt verehrt.

Wort für Wort
dharme ratāḥ sat puruṣaiḥ sametāḥ
dem Dharma zugetan, mit den Rechtschaffenen vereint
tejasvino dāna guṇa pradhānāḥ
glanzvoll, ausgezeichnet in der Tugend des Gebens
ahiṃsakāḥ vīta malāḥ ca loke
gewaltlos und frei von Makel in der Welt
bhavanti pūjyāḥ munayaḥ pradhānāḥ
werden solche vorzüglichen Weisen verehrt

iti bruvantam vacanam sa roṣam | rāmam mahātmānam adīna sattvam | uvāca pathyam punaḥ āstikam ca | satyam vacaḥ sa anunayam ca vipraḥ ||

Als der Brahmane den so mit Zorn sprechenden, hochgesinnten, unerschütterlichen Rāma hörte, sprach er wiederum ein heilsames, gläubiges, wahres, versöhnliches Wort:

Wort für Wort
iti bruvantam vacanam sa roṣam
zu dem so mit Zorn sprechenden
rāmam mahātmānam adīna sattvam
Rāma, dem hochgesinnten, unerschütterlichen
uvāca pathyam punaḥ āstikam ca
sprach er wiederum ein heilsames, gläubiges
satyam vacaḥ sa anunayam ca vipraḥ
wahres, versöhnliches Wort, der Brahmane

na nāstikānām vacanam bravīmi aham | na nāstiko aham na ca nāsti kiñcana | samīkṣya kālam punaḥ āstikaḥ abhavam | bhaveya kāle punaḥ eva nāstikaḥ ||

Ich spreche nicht das Wort der Ungläubigen; ich selbst bin kein Ungläubiger, und es gibt nichts, was nicht existiert. Die Zeit erwägend, wurde ich wieder gläubig; zu seiner Zeit werde ich auch wieder wie ein Ungläubiger sein.

Wort für Wort
na nāstikānām vacanam bravīmi aham
ich spreche nicht das Wort der Ungläubigen
na nāstiko aham na ca nāsti kiñcana
ich bin kein Ungläubiger, und es gibt nichts, was nicht existiert
samīkṣya kālam punaḥ āstikaḥ abhavam
die Zeit erwägend, wurde ich wieder gläubig
bhaveya kāle punaḥ eva nāstikaḥ
zu seiner Zeit werde ich auch wieder wie ein Ungläubiger sein

sa ca api kālaḥ ayam upāgataḥ śanaiḥ | yathā mayā nāstika vāk udīritā | nivartana artham tava rāma kāraṇāt | prasādana artham ca mayā etat īritam ||

Und eben diese Zeit ist nun allmählich gekommen, in der ich die gottlose Rede aussprach; um deinetwillen, Rāma, zu deiner Umkehr, und um dich zu besänftigen, habe ich dies gesagt.

Wort für Wort
sa ca api kālaḥ ayam upāgataḥ śanaiḥ
und eben diese Zeit ist nun allmählich gekommen
yathā mayā nāstika vāk udīritā
in der ich die gottlose Rede aussprach
nivartana artham tava rāma kāraṇāt
um deinetwillen, Rāma, zu deiner Umkehr
prasādana artham ca mayā etat īritam
und um dich zu besänftigen, habe ich dies gesagt

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