Sarga 109: Rāma Satya Vākyam Jābāli Prasādanam
Rāma widerlegt Jābālis Lehre mit einer Lobrede auf die Wahrheit; Jābāli erklärt, seine Rede sei nur ein Versuch gewesen, Rāma zurückzuholen
nirmaryādaḥ tu puruṣaḥ pāpa ācāra samanvitaḥ |
mānam na labhate satsu bhinna cāritra darśanaḥ ||
Ein Mensch ohne Grenzen der Sitte, von sündigem Verhalten begleitet, dessen Charakter als zwiespältig erkannt wird, erhält bei den Rechtschaffenen keine Achtung.
Ob wohlgeboren oder nicht wohlgeboren, ob heldenhaft oder sich selbst für bedeutend haltend - allein der Charakter erklärt, ob ein Mensch rein ist oder unrein.
Wort für Wort
kulīnam akulīnam vā
ob wohlgeboren oder nicht wohlgeboren
vīram puruṣa māninam
ob heldenhaft oder sich selbst für bedeutend haltend
Ein Unedler kann edel erscheinen, ein der Reinheit Entbehrender kann als rein gelten, ein Merkmalloser kann wie mit guten Merkmalen erscheinen, ein von schlechtem Charakter wie von gutem Charakter.
Wenn ich das Unrecht, im Gewand des Dharma, dieses Vermischen der Welt, das Glückverheißende aufgebend, das der rituellen Ordnung Entbehrende, annehmen würde -
Wort für Wort
adharmam dharma veṣeṇa
das Unrecht im Gewand des Dharma
yadi imam loka samkaram
wenn diese Vermischung der Welt
abhipatsye śubham hitvā
ich annehmen würde, das Glückverheißende aufgebend
Wie man vor einer Schlange erschrickt, so erschrickt man vor einem lügenden Menschen; die Wahrheit heißt der höchste Dharma in der Welt und wird als Wurzel des Himmels bezeichnet.
satyam eva īśvaraḥ loke satyam padmā samāśritā |
satya mūlāni sarvāṇi satyāt na asti param padam ||
Die Wahrheit allein ist Herrscher in der Welt, auf Wahrheit stützt sich die Glücksgöttin Padmā; alle Dinge haben die Wahrheit als Wurzel, es gibt keinen höheren Zustand als die Wahrheit.
na eva lobhāt na mohāt vā na ca ajñānāt tamaḥ anvitaḥ |
setum satyasya bhetsyāmi guroḥ satya pratiśravaḥ ||
Weder aus Habgier noch aus Verblendung, noch aus Unwissenheit, von Finsternis umfangen, werde ich den Damm der Wahrheit brechen - ich, dem Vater durch Wahrheit verpflichtet.
asatya saṃdhasya sataḥ calasya asthira cetasaḥ |
na eva devāḥ na pitaraḥ pratīcchanti iti naḥ śrutam ||
Von einem, der im Versprechen unwahr ist, unbeständig, wankelmütigen Sinnes - weder die Götter noch die Ahnen nehmen dessen Opfer an, so haben wir gehört.
pratyag ātmam imam dharmam satyam paśyāmi aham svayam |
bhāraḥ sat puruṣa ācīrṇaḥ tad artham abhinandyate ||
Diesen dem eigenen Selbst zugewandten Dharma, die Wahrheit, sehe ich selbst; die von den Rechtschaffenen ausgeübte Last der Wahrheit wird um ihrer selbst willen gepriesen.
kṣātram dharmam aham tyakṣye hi adharmam dharma saṃhitam |
kṣudraiḥ nṛśaṃsaiḥ lubdhaiḥ ca sevitam pāpa karmabhiḥ ||
Ich werde die kriegerische Pflicht verlassen, jenes Unrecht, das mit dem Dharma vermengt ist, von niederträchtigen, grausamen, habgierigen, sündigen Menschen gepflegt wird.
śreṣṭham hi anāryam eva syāt yat bhavān avadhārya mām |
āha yukti karaiḥ vākyaiḥ idam bhadram kuruṣva ha ||
Es wäre wahrlich das Beste an Unedlem, wenn ich, mich darauf verlassend, was du mir mit scheinbar überzeugenden Worten sagst - 'Tu dies Gute!' -, handelte.
karma bhūmim imām prāpya kartavyam karma yat śubham |
agniḥ vāyuḥ ca somaḥ ca karmaṇām phala bhāginaḥ ||
Nachdem man diese Erde des Handelns erreicht hat, sollte man die Tat vollbringen, die glückverheißend ist; Agni, Vāyu und Soma sind Teilhaber an den Früchten der Taten.
Wort für Wort
karma bhūmim imām prāpya
nachdem man diese Erde des Handelns erreicht hat
kartavyam karma yat śubham
sollte man die Tat vollbringen, die glückverheißend ist
śatam kratūnām āhṛtya deva rāṭ tridivam gataḥ |
tapāṃsi ugrāṇi ca āsthāya divam yātā maharṣayaḥ ||
Nachdem er hundert Opfer vollbracht hatte, ging der König der Götter in den dritten Himmel ein; durch strenge Askese gelangten auch die großen Weisen in den Himmel.
Es nicht ertragend, der von gewaltigem Glanz, nachdem er jene Begründung der gottlosen Rede vernommen hatte, sprach da der Sohn des Königs zu ihm, dessen Worte tadelnd:
Wort für Wort
amṛṣyamāṇaḥ punaḥ ugra tejāḥ
es nicht ertragend, der von gewaltigem Glanz
niśamya tam nāstika vāka hetum
jene Begründung der gottlosen Rede vernommen habend
satyam ca dharmam ca parākramam ca |
bhūta anukampām priya vāditām ca |
dvijāti deva atithi pūjanam ca |
panthānam āhuḥ tridivasya santaḥ ||
Wahrheit, Dharma und Tapferkeit, Mitgefühl mit den Geschöpfen und freundliche Rede, Verehrung der Zweifachgeborenen, der Götter und Gäste - dies nennen die Rechtschaffenen den Weg zum dritten Himmel.
Wort für Wort
satyam ca dharmam ca parākramam ca
Wahrheit, Dharma und Tapferkeit
bhūta anukampām priya vāditām ca
Mitgefühl mit den Geschöpfen und freundliche Rede
dvijāti deva atithi pūjanam ca
Verehrung der Zweifachgeborenen, der Götter und Gäste
panthānam āhuḥ tridivasya santaḥ
dies nennen die Rechtschaffenen den Weg zum dritten Himmel
tena eva ājñāya yathāvat artham |
ekodayam saṃpratipadya viprāḥ |
dharmam carantaḥ sakalam yathāvat |
kāṅkṣanti loka āgamam apramattāḥ ||
Eben dies erkennend, gebührend, den einen gemeinsamen Zweck erfassend, üben die Brahmanen, umsichtig, den ganzen Dharma gebührend aus und ersehnen das Erreichen der himmlischen Welt.
Wort für Wort
tena eva ājñāya yathāvat artham
eben dies gebührend erkennend
ekodayam saṃpratipadya viprāḥ
den einen (gemeinsamen) Zweck erfassend, die Brahmanen
dharmam carantaḥ sakalam yathāvat
den ganzen Dharma gebührend ausübend
kāṅkṣanti loka āgamam apramattāḥ
ersehnen sie, umsichtig, das Erreichen der (himmlischen) Welt
Ich tadle die Tat, die dein Vater begangen hat, dass er dich, dessen Denken auf Abwege geraten ist, aufnahm, dich, der mit solcher Gesinnung wandelt, einen ausgesprochenen Ungläubigen, vom Pfad des Dharma abgewichen.
Wort für Wort
nindāmi aham karma pituḥ kṛtam te
ich tadle die Tat, die dein Vater begangen hat
tvā yat agṛhṇāt viṣama stha buddhim
dass er dich aufnahm, dessen Denken auf Abwege geraten ist
buddhyā anayā evam vidhayā carantam
der mit solcher Gesinnung wandelt
su nāstikam dharma pathāt apetam
einen ausgesprochenen Ungläubigen, vom Pfad des Dharma abgewichen
yathā hi coraḥ sa tathā hi buddhaḥ |
tathāgataṃ nāstikam atra vidhi |
tasmāt hi yaḥ śaṅkyatamaḥ prajānām |
na nāsti kena abhimukho budhaḥ syāt ||
Denn wie ein Dieb, so gilt auch, wer solcherart lehrt; als Ungläubiger gilt hier ein solcher nach der Überlieferung. Deshalb sollte ein Weiser sich niemandem zuwenden, der bei den Menschen höchst verdächtig ist.
Wort für Wort
yathā hi coraḥ sa tathā hi buddhaḥ
denn wie ein Dieb, so gilt auch, wer solcherart lehrt
tathāgataṃ nāstikam atra vidhi
als Ungläubiger gilt hier ein solcher, nach der Überlieferung
tasmāt hi yaḥ śaṅkyatamaḥ prajānām
deshalb, wer bei den Menschen höchst verdächtig ist
tvattaḥ janāḥ pūrvatare varāḥ ca |
śubhāni karmāṇi bahūni cakruḥ |
citvā sat imam ca param ca lokam |
tasmāt dvijāḥ svasti hutam kṛtam ca ||
Frühere und bessere Menschen als du vollbrachten viele glückverheißende Taten, indem sie sowohl diese als auch die jenseitige Welt bedachten; deshalb, Brahmane, sind Opfer und gute Werke heilsam.
Wort für Wort
tvattaḥ janāḥ pūrvatare varāḥ ca
frühere und bessere Menschen als du
śubhāni karmāṇi bahūni cakruḥ
vollbrachten viele glückverheißende Taten
citvā sat imam ca param ca lokam
indem sie sowohl diese als auch die jenseitige Welt bedachten
tasmāt dvijāḥ svasti hutam kṛtam ca
deshalb, Brahmane, sind Opfer und gute Werke heilsam
Dem Dharma zugetan, mit den Rechtschaffenen vereint, glanzvoll, ausgezeichnet in der Tugend des Gebens, gewaltlos und frei von Makel - solche vorzüglichen Weisen werden in der Welt verehrt.
Wort für Wort
dharme ratāḥ sat puruṣaiḥ sametāḥ
dem Dharma zugetan, mit den Rechtschaffenen vereint
iti bruvantam vacanam sa roṣam |
rāmam mahātmānam adīna sattvam |
uvāca pathyam punaḥ āstikam ca |
satyam vacaḥ sa anunayam ca vipraḥ ||
Als der Brahmane den so mit Zorn sprechenden, hochgesinnten, unerschütterlichen Rāma hörte, sprach er wiederum ein heilsames, gläubiges, wahres, versöhnliches Wort:
na nāstikānām vacanam bravīmi aham |
na nāstiko aham na ca nāsti kiñcana |
samīkṣya kālam punaḥ āstikaḥ abhavam |
bhaveya kāle punaḥ eva nāstikaḥ ||
Ich spreche nicht das Wort der Ungläubigen; ich selbst bin kein Ungläubiger, und es gibt nichts, was nicht existiert. Die Zeit erwägend, wurde ich wieder gläubig; zu seiner Zeit werde ich auch wieder wie ein Ungläubiger sein.
Wort für Wort
na nāstikānām vacanam bravīmi aham
ich spreche nicht das Wort der Ungläubigen
na nāstiko aham na ca nāsti kiñcana
ich bin kein Ungläubiger, und es gibt nichts, was nicht existiert
samīkṣya kālam punaḥ āstikaḥ abhavam
die Zeit erwägend, wurde ich wieder gläubig
bhaveya kāle punaḥ eva nāstikaḥ
zu seiner Zeit werde ich auch wieder wie ein Ungläubiger sein
sa ca api kālaḥ ayam upāgataḥ śanaiḥ |
yathā mayā nāstika vāk udīritā |
nivartana artham tava rāma kāraṇāt |
prasādana artham ca mayā etat īritam ||
Und eben diese Zeit ist nun allmählich gekommen, in der ich die gottlose Rede aussprach; um deinetwillen, Rāma, zu deiner Umkehr, und um dich zu besänftigen, habe ich dies gesagt.