Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 74: Bharata Kaikeyī Punargarhaṇam Surabhi Vṛttānta Kathanam Bharata verflucht Kaikeyī als Kindsmörderin und Zerstörerin des Geschlechts, erzählt das Gleichnis von der weinenden Kuh Surabhi um ihre erschöpften Söhne, schwört, Rāma zurückzuholen, und sinkt erschöpft zu Boden

tāṃ tathā garhayitvā tu mātaraṃ bharataḥ tadā | roṣeṇa mahatā āviṣṭaḥ punareva abravīd vacaḥ ||

Nachdem er so seine Mutter gescholten hatte, sprach Bharata dann, von gewaltigem Zorn ergriffen, abermals dieses Wort:

Wort für Wort
tām tathā garhayitvā tu
nachdem er sie so gescholten hatte
mātaram bharataḥ tadā
die Mutter, Bharata, dann
roṣeṇa mahatā āviṣṭaḥ
von gewaltigem Zorn ergriffen
punaḥ eva abravīt vacaḥ
sprach er abermals dieses Wort

rājyādbhraṃśasva kaikeyi nṛśaṃse duṣṭacāriṇi | parityaktā ca dharmeṇa mā mṛtaṃ rudatī bhava ||

'Falle vom Reich, o Kaikeyī, du Grausame von böser Handlungsweise; von der Rechtschaffenheit verlassen, wage es nicht, um den Toten zu weinen.

Wort für Wort
rājyāt bhraṃśasva kaikeyi
falle vom Reich, o Kaikeyī
nṛśaṃse duṣṭacāriṇi
du Grausame von böser Handlungsweise
parityaktā ca dharmeṇa
von der Rechtschaffenheit verlassen
mā mṛtam rudatī bhava
wage es nicht, um den Toten zu weinen

kiṃ nu te 'dūṣayad rājā rāmo vā bhṛśadhārmikaḥ | yayormṛtyurvivāsaśca tvatkṛte tulyamāgatau ||

Was nur haben dir der König oder der überaus rechtschaffene Rāma zuleide getan, dass Tod und Verbannung, beide zugleich, deinetwegen über sie gekommen sind?

Wort für Wort
kim nu te adūṣayat rājā
was nur hat dir der König zuleide getan
rāmaḥ vā bhṛśadhārmikaḥ
oder der überaus rechtschaffene Rāma
yayoḥ mṛtyuḥ vivāsaḥ ca
denen Tod und Verbannung
tvatkṛte tulyam āgatau
deinetwegen gleichermaßen widerfahren sind

bhrūṇahatyāmasi prāptā kulasyāsya vināśanāt | kaikeyi narakaṃ gaccha mā ca bhartuḥ salokatām ||

Du hast durch die Vernichtung dieses Geschlechts die Sünde des Kindsmordes auf dich geladen; geh, o Kaikeyī, zur Hölle, nicht aber in dieselbe Welt wie dein Gemahl.

Wort für Wort
bhrūṇahatyām asi prāptā
du hast die Sünde des Kindsmordes erlangt
kulasya asya vināśanāt
durch die Vernichtung dieses Geschlechts
kaikeyi narakam gaccha
geh, Kaikeyī, zur Hölle
mā ca bhartuḥ salokatām
nicht aber in dieselbe Welt wie dein Gemahl

yattvayā hīdṛśaṃ pāpaṃ kṛtaṃ ghoreṇa karmaṇā | sarvalokapriyaṃ hitvā mamāpyāpāditaṃ bhayam ||

Denn von dir wurde durch diese furchtbare Tat solches Unrecht begangen: den allen lieben [Bruder] verstoßend, hast du auch mir Gefahr bereitet.

Wort für Wort
yat tvayā hi īdṛśam pāpam
denn von dir wurde solches Unrecht
kṛtam ghoreṇa karmaṇā
durch diese furchtbare Tat begangen
sarvalokapriyam hitvā
den allen lieben [Bruder] verstoßend
mama api āpāditam bhayam
hast du auch mir Gefahr bereitet

tvatkṛte me pitā vṛttaḥ rāmaśca araṇyamāśritaḥ | ayaśo jīvaloke ca tvayā ahaṃ pratipāditaḥ ||

Deinetwegen ist mein Vater gestorben, und Rāma hat im Wald Zuflucht genommen; und durch dich bin ich zur Schande in der Welt der Lebenden gemacht worden.

Wort für Wort
tvatkṛte me pitā vṛttaḥ
deinetwegen ist mein Vater gestorben
rāmaḥ ca araṇyam āśritaḥ
und Rāma hat im Wald Zuflucht genommen
ayaśaḥ jīvaloke ca
und zur Schande in der Welt der Lebenden
tvayā aham pratipāditaḥ
bin ich durch dich gemacht worden

mātṛrūpe mama amitre nṛśaṃse rājyakāmuke | na te ahamabhibhāṣyo 'smi durvṛtte patighātini ||

O du, die du die Gestalt einer Mutter trägst, doch meine Feindin bist, grausam, nach dem Reich gierend - ich bin nicht mehr dazu bestimmt, mit dir zu sprechen, o Übelhandelnde, Gattenmörderin.

Wort für Wort
mātṛrūpe mama amitre
o du, in Mutterngestalt, doch meine Feindin
nṛśaṃse rājyakāmuke
grausam, nach dem Reich gierend
na te aham abhibhāṣyaḥ asmi
ich bin nicht [mehr] dazu bestimmt, mit dir zu sprechen
durvṛtte patighātini
o Übelhandelnde, Gattenmörderin

kausalyā ca sumitrā ca yāśca anyā mama mātaraḥ | duḥkhena mahatā āviṣṭāḥ tvāṃ prāpya kuladūṣiṇīm ||

Kausalyā und Sumitrā, und die anderen, die meine Mütter sind, sind von großem Kummer erfasst, da sie dich, die Schänderin des Geschlechts, [unter sich] haben.

Wort für Wort
kausalyā ca sumitrā ca
Kausalyā und Sumitrā
yāḥ ca anyā mama mātaraḥ
und die anderen, die meine Mütter sind
duḥkhena mahatā āviṣṭāḥ
sind von großem Kummer erfasst
tvām prāpya kuladūṣiṇīm
da sie dich, die Schänderin des Geschlechts, [unter sich] haben

na tvamaśvapateḥ kanyā dharmarājasya dhīmataḥ | rākṣasī tatra jātāsi kulapradhvaṃsinī pituḥ ||

Du bist nicht die Tochter des weisen, rechtschaffenen Königs Aśvapati; als Rākṣasī bist du dort geboren, als Zerstörerin des väterlichen Geschlechts.

Wort für Wort
na tvam aśvapateḥ kanyā
du bist nicht die Tochter Aśvapatis
dharmarājasya dhīmataḥ
des weisen, rechtschaffenen Königs
rākṣasī tatra jātā asi
als Rākṣasī bist du dort geboren
kulapradhvaṃsinī pituḥ
als Zerstörerin des väterlichen Geschlechts

yattvayā dhārmiko rāmo nityaṃ satyaparāyaṇaḥ | vanaṃ prasthāpitaḥ duḥkhāt pitā ca tridivaṃ gataḥ ||

Von dir wurde der rechtschaffene Rāma, stets der Wahrheit ergeben, in den Wald geschickt, und der Vater ist aus Kummer zum Himmel gegangen.

Wort für Wort
yat tvayā dhārmikaḥ rāmaḥ
dass von dir der rechtschaffene Rāma
nityam satyaparāyaṇaḥ
stets der Wahrheit ergeben
vanam prasthāpitaḥ duḥkhāt
in den Wald geschickt wurde, aus Kummer
pitā ca tridivam gataḥ
und der Vater zum Himmel gegangen ist

yatpradhānāsi tatpāpaṃ mayi pitrā vinā kṛte | bhrātṛbhyāṃ ca parityakte sarvalokasya ca apriye ||

Jenes Unrecht, dessen Urheberin du bist, wurde an mir begangen, der ich nun ohne Vater bin, von beiden Brüdern verlassen und der ganzen Welt unlieb.

Wort für Wort
yatpradhānā asi tat pāpam
jenes Unrecht, dessen Urheberin du bist
mayi pitrā vinā kṛte
an mir begangen, der ich ohne Vater bin
bhrātṛbhyām ca parityakte
und von beiden Brüdern verlassen
sarvalokasya ca apriye
und der ganzen Welt unlieb

kausalyāṃ dharmasaṃyuktāṃ viyuktāṃ pāpaniścaye | kṛtvā kaṃ prāpsyase tvadya lokaṃ nirayagāminī ||

Nachdem du Kausalyā, mit der Rechtschaffenheit verbunden, [von ihrem Sohn] getrennt hast, o du von böser Entschlossenheit, welche Welt wirst du nun erlangen, du zur Hölle Gehende?

Wort für Wort
kausalyām dharmasaṃyuktām
Kausalyā, mit der Rechtschaffenheit verbunden
viyuktām pāpaniścaye
getrennt [von ihrem Sohn], o du von böser Entschlossenheit
kṛtvā kam prāpsyase tu adya
nachdem du [dies] getan hast, welche Welt wirst du nun erlangen
lokam nirayagāminī
du zur Hölle Gehende

kiṃ nāvabudhyase krūre niyataṃ bandhusaṃśrayam | jyeṣṭhaṃ pitṛsamaṃ rāmaṃ kausalyāyā ātmasaṃbhavam ||

Warum, o Grausame, erkennst du nicht die gebotene Zuflucht bei den Verwandten - Rāma, den Ältesten, dem Vater gleich, aus Kausalyās eigenem Leibe entsprossen?

Wort für Wort
kim na avabudhyase krūre
warum erkennst du nicht, o Grausame
niyatam bandhusaṃśrayam
die gebotene Zuflucht bei den Verwandten
jyeṣṭham pitṛsamam rāmam
Rāma, den Ältesten, dem Vater gleich
kausalyāyā ātmasaṃbhavam
aus Kausalyās eigenem Leibe entsprossen

aṅgapratyaṅgajaḥ putro hṛdayāccāpi jāyate | tasmātpriyataro mātuḥ priyatvānna tu bāndhavaḥ ||

Ein Sohn wird aus Glied um Glied, ja aus dem Herzen selbst geboren; deshalb ist er der Mutter aus [natürlicher] Zuneigung teurer als ein bloßer Verwandter.

Wort für Wort
aṅgapratyaṅgajaḥ putraḥ
der Sohn, aus Glied um Glied geboren
hṛdayāt ca api jāyate
und auch aus dem Herzen geboren
tasmāt priyataraḥ mātuḥ
deshalb der Mutter teurer
priyatvāt na tu bāndhavaḥ
aus Zuneigung, nicht aber [nur] ein Verwandter

anyadā kila dharmajñā surabhiḥ surasaṃmatā | vahamānau dadarśorvyāṃ putrau vigatacetasau ||

Einst, so heißt es, erblickte die rechtschaffene, von den Göttern verehrte [Kuh] Surabhi ihre beiden Söhne auf der Erde, [beim Pflügen] ziehend, ihrer Sinne fast beraubt.

Wort für Wort
anyadā kila dharmajñā
einst, so heißt es, die rechtschaffene
surabhiḥ surasaṃmatā
Surabhi, von den Göttern verehrt
vahamānau dadarśa urvyām
erblickte [ihre beiden] ziehenden [Söhne] auf der Erde
putrau vigatacetasau
die beiden Söhne, ihrer Sinne fast beraubt

tāvardhadivase śrāntau dṛṣṭvā putrau mahītale | ruroda putraśokena bāṣpaparyākulekṣaṇā ||

Als sie ihre beiden Söhne, am Mittag erschöpft, auf dem Erdboden sah, weinte sie aus Kummer um die Söhne, ihre Augen von Tränen umflort.

Wort für Wort
tau ardhadivase śrāntau
die beiden, am Mittag erschöpft
dṛṣṭvā putrau mahītale
die Söhne auf dem Erdboden sehend
ruroda putraśokena
weinte sie aus Kummer um die Söhne
bāṣpaparyākulekṣaṇā
ihre Augen von Tränen umflort

adhastādvrajatastasyāḥ surarājño mahātmanaḥ | bindavaḥ patitā gātre sūkṣmāḥ surabhigandhinaḥ ||

Als der großherzige König der Götter unter ihr vorüberzog, fielen feine, nach Surabhi duftende Tropfen auf seinen Leib.

Wort für Wort
adhastāt vrajataḥ tasyāḥ
unter ihr vorüberziehend
surarājñaḥ mahātmanaḥ
des großherzigen Königs der Götter
bindavaḥ patitā gātre
fielen Tropfen auf [seinen] Leib
sūkṣmāḥ surabhigandhinaḥ
feine, nach Surabhi duftende

indro 'pyaśrunipātaṃ taṃ svagātre puṇyagandhinam | surabhiṃ manyate dṛṣṭvā bhūyasīṃ tāṃ sureśvaraḥ ||

Auch Indra, jenen Fall von Tränen auf seinem eigenen Leib, von heiligem Duft, spürend, hielt sie, als er sie sah, für eine noch größere Surabhi, der Herr der Götter.

Wort für Wort
indraḥ api aśrunipātam tam
auch Indra jenen Tränenfall
svagātre puṇyagandhinam
auf seinem eigenen Leib, von heiligem Duft
surabhim manyate dṛṣṭvā
hielt sie, als er sie sah, für Surabhi
bhūyasīm tām sureśvaraḥ
für eine noch größere, der Herr der Götter

nirīkṣamāṇaḥ śakrastāṃ dadarśa surabhiṃ sthitām | ākāśe viṣṭhitāṃ dīnāṃ rudatīṃ bhṛśaduḥkhitām ||

Umherblickend erblickte Śakra jene Surabhi, dort stehend, am Himmel verweilend, elend, weinend, tief bekümmert.

Wort für Wort
nirīkṣamāṇaḥ śakraḥ tām
umherblickend, Śakra, sie
dadarśa surabhim sthitām
erblickte Surabhi, dort stehend
ākāśe viṣṭhitām dīnām
am Himmel verweilend, elend
rudatīm bhṛśaduḥkhitām
weinend, tief bekümmert

tāṃ dṛṣṭvā śokasaṃtaptāṃ vajrapāṇiryaśasvinīm | indraḥ prāñjalirudvignaḥ surarājo 'bravīdvacaḥ ||

Sie, vom Kummer verbrannt, die Ruhmreiche, erblickend, sprach der Träger des Donnerkeils, Indra, der König der Götter, mit gefalteten Händen, bestürzt, dieses Wort:

Wort für Wort
tām dṛṣṭvā śokasaṃtaptām
sie, vom Kummer verbrannt, sehend
vajrapāṇiḥ yaśasvinīm
der Träger des Donnerkeils, die Ruhmreiche
indraḥ prāñjaliḥ udvignaḥ
Indra, mit gefalteten Händen, bestürzt
surarājaḥ abravīt vacaḥ
der König der Götter sprach dieses Wort

bhayaṃ kaccinna ca asmāsu kutaścidvidyate mahat | kutonimittaḥ śokaste brūhi sarvahitaiṣiṇi ||

'Droht wohl von irgendwoher keine große Gefahr über uns? Woher rührt dein Kummer? Sage es, o du, die du allen wohlwill.'

Wort für Wort
bhayam kaccit na ca asmāsu
droht wohl keine [Gefahr] über uns
kutaścit vidyate mahat
von irgendwoher eine große
kutonimittaḥ śokaḥ te
woher rührt dein Kummer
brūhi sarvahitaiṣiṇi
sage es, o du, die allen wohlwill

evamuktā tu surabhiḥ surarājena dhīmatā | pratyuvāca tataḥ dhīrā vākyaṃ vākyaviśāradā ||

So von dem weisen König der Götter angesprochen, antwortete Surabhi, standhaft und der Rede kundig, dann mit diesem Wort:

Wort für Wort
evam uktā tu surabhiḥ
so angesprochen, Surabhi
surarājena dhīmatā
von dem weisen König der Götter
pratyuvāca tataḥ dhīrā
antwortete dann, standhaft
vākyam vākyaviśāradā
mit diesem Wort, der Rede kundig

śāntaṃ pāpaṃ na vaḥ kiṃcit kutaścidamarādhipa | ahaṃ tu magnau śocāmi svaputrau viṣame sthitau ||

'Fern sei jedes Unheil - nichts droht euch von irgendwoher, o Herr der Unsterblichen; ich aber grämte mich um meine beiden Söhne, die erschöpft in Not stehen.

Wort für Wort
śāntam pāpam na vaḥ kiṃcit
fern sei jedes Unheil, nichts droht euch
kutaścit amarādhipa
von irgendwoher, o Herr der Unsterblichen
aham tu magnau śocāmi
ich aber gräme mich um die erschöpften
svaputrau viṣame sthitau
meine beiden Söhne, die in Not stehen

etau dṛṣṭvā kṛśau dīnau sūryaraśmipratāpinau | ardhyamānau balīvardau karṣakeṇa surādhipa ||

Diese beiden Zugochsen sehend, abgezehrt, elend, von den Sonnenstrahlen versengt, vom Bauern angetrieben, o Herr der Götter -

Wort für Wort
etau dṛṣṭvā kṛśau dīnau
diese beiden sehend, abgezehrt, elend
sūryaraśmipratāpinau
von den Sonnenstrahlen versengt
ardhyamānau balīvardau
angetrieben, die beiden Zugochsen
karṣakeṇa surādhipa
vom Bauern, o Herr der Götter

mama kāyātprasūtau hi duḥkhitau bhārapīḍitau | yau dṛṣṭvā paritapye 'haṃ nāsti putrasamaḥ priyaḥ ||

aus meinem eigenen Leib geboren, leidend, von der Last bedrückt - sie sehend, quäle ich mich; nichts ist so lieb wie ein Sohn.'

Wort für Wort
mama kāyāt prasūtau hi
denn aus meinem Leib geboren
duḥkhitau bhārapīḍitau
leidend, von der Last bedrückt
yau dṛṣṭvā paritapye aham
sie sehend, quäle ich mich
na asti putrasamaḥ priyaḥ
nichts ist so lieb wie ein Sohn

yasyāḥ putrasahasraistu kṛtsnaṃ vyāptamidaṃ jagat | tāṃ dṛṣṭvā rudatīṃ śakro na sutānmanyate param ||

Sie, durch deren tausend Söhne diese ganze Welt erfüllt ist - sie weinend sehend, erkannte Śakra, dass nichts größer ist als [die Liebe zu den] Söhnen.

Wort für Wort
yasyāḥ putrasahasraiḥ tu
durch deren tausend Söhne
kṛtsnam vyāptam idam jagat
diese ganze Welt erfüllt ist
tām dṛṣṭvā rudatīm śakraḥ
sie weinend sehend, Śakra
na sutān manyate param
erkannte, nichts sei größer als die Söhne

sadā 'pratimavṛttāyā lokadhāraṇakāmyayā | śrīmatyā guṇanityāyāḥ svabhāvapariceṣṭayā ||

[Sie,] von stets unvergleichlichem Wandel, aus Wunsch, die Welt zu erhalten, glanzvoll, stets von Tugend, in ihrem eigenen Wesen handelnd -

Wort für Wort
sadā apratimavṛttāyāḥ
von stets unvergleichlichem Wandel
lokadhāraṇakāmyayā
aus Wunsch, die Welt zu erhalten
śrīmatyā guṇanityāyāḥ
glanzvoll, stets von Tugend
svabhāvapariceṣṭayā
in ihrem eigenen Wesen handelnd

yasyāḥ putrasahasrāṇi sāpi śocati kāmadhuk | kiṃ punaryā vinā rāmaṃ kausalyā vartayiṣyati ||

selbst sie, die Wunscherfüllende, mit tausend Söhnen, grämt sich - wie viel mehr wird da Kausalyā, ohne Rāma, [ihr Leben] fristen können?

Wort für Wort
yasyāḥ putrasahasrāṇi
die tausend Söhne hat
sā api śocati kāmadhuk
selbst sie, die Wunscherfüllende, grämt sich
kim punaḥ yā vinā rāmam
wie viel mehr [wird] sie, die ohne Rāma
kausalyā vartayiṣyati
Kausalyā, [ihr Leben] fristen können

ekaputrā ca sādhvī ca vivatsā iyaṃ tvayā kṛtā | tasmāttvaṃ satataṃ duḥkhaṃ pretya ca iha ca lapsyase ||

Sie, mit nur einem Sohn, die Tugendhafte, ist von dir ihres Kalbes beraubt worden; deshalb wirst du stets Kummer erlangen, sowohl im Jenseits als auch hier.

Wort für Wort
ekaputrā ca sādhvī ca
mit nur einem Sohn, die Tugendhafte
vivatsā iyam tvayā kṛtā
ist von dir ihres Kalbes beraubt worden
tasmāt tvam satatam duḥkham
deshalb wirst du stets Kummer
pretya ca iha ca lapsyase
im Jenseits und hier erlangen

ahaṃ hi apacitiṃ bhrātuḥ pituśca sakalāmimām | vardhanaṃ yaśasaśca api kariṣyāmi na saṃśayaḥ ||

Ich werde diesem [meinem] Bruder und dem Vater diese vollständige Ehrerbietung erweisen, und ich werde auch [seinen] Ruhm mehren, daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
aham hi apacitim bhrātuḥ
ich werde dem Bruder Ehrerbietung
pituḥ ca sakalām imām
und dem Vater diese vollständige
vardhanam yaśasaḥ ca api
und auch die Mehrung des Ruhmes
kariṣyāmi na saṃśayaḥ
werde ich vollbringen, daran ist kein Zweifel

ānāyayitvā tanayaṃ kausalyāyā mahādyutim | svayameva pravekṣyāmi vanaṃ muniniṣevitam ||

Nachdem ich den überaus glanzvollen Sohn Kausalyās zurückgeholt habe, werde ich selbst in den von Weisen bewohnten Wald eintreten.

Wort für Wort
ānāyayitvā tanayam
nachdem ich den Sohn zurückgeholt habe
kausalyāyā mahādyutim
den überaus glanzvollen Sohn Kausalyās
svayam eva pravekṣyāmi
werde ich selbst eintreten
vanam muniniṣevitam
in den von Weisen bewohnten Wald

na hyahaṃ pāpasaṃkalpe pāpe pāpaṃ tvayā kṛtam | śakto dhārayituṃ paurairaśrukaṇṭhairnirīkṣitaḥ ||

Denn ich vermag es nicht, o Böse von böser Entschlossenheit, das von dir verübte Unrecht zu ertragen, von den Bürgern mit tränenerstickter Kehle betrachtet.

Wort für Wort
na hi aham pāpasaṃkalpe pāpe
denn ich vermag nicht, o Böse von böser Entschlossenheit
pāpam tvayā kṛtam
das von dir verübte Unrecht
śaktaḥ dhārayitum
zu ertragen
pauraiḥ aśrukaṇṭhaiḥ nirīkṣitaḥ
von den Bürgern mit tränenerstickter Kehle betrachtet

sā tvamagniṃ praviśa vā svayaṃ vā daṇḍakānviśa | rajjuṃ badhāna vā kaṇṭhe na hi te 'nyatparāyaṇam ||

So geh entweder ins Feuer, oder ziehe selbst nach Daṇḍaka, oder binde dir einen Strick um den Hals - denn eine andere Zuflucht gibt es für dich nicht.

Wort für Wort
sā tvam agnim praviśa vā
so geh entweder ins Feuer
svayam vā daṇḍakān viśa
oder ziehe selbst nach Daṇḍaka
rajjum badhāna vā kaṇṭhe
oder binde dir einen Strick um den Hals
na hi te anyat parāyaṇam
denn es gibt keine andere Zuflucht für dich

ahamapyavanīṃ prāpte rāme satyaparākrame | kṛtakṛtyo bhaviṣyāmi vipravāsitakalmaṣaḥ ||

Auch ich werde, sobald Rāma von wahrhafter Tapferkeit das Reich erlangt hat, mein Werk als vollbracht ansehen, meine Sünde verbannt.

Wort für Wort
aham api avanīm prāpte
auch ich, sobald das Reich erlangt hat
rāme satyaparākrame
Rāma, von wahrhafter Tapferkeit
kṛtakṛtyaḥ bhaviṣyāmi
werde ich [mein Werk] als vollbracht ansehen
vipravāsitakalmaṣaḥ
meine Sünde verbannt

iti nāga iva araṇye tomarāṅkuśacoditaḥ | papāta bhuvi saṃkruddho niḥśvasanniva pannagaḥ ||

So sprechend, fiel er, wie ein von Lanze und Stachel getriebener Elefant im Wald, zornentbrannt zu Boden, zischend wie eine Schlange.

Wort für Wort
iti nāgaḥ iva araṇye
so, wie ein Elefant im Wald
tomarāṅkuśacoditaḥ
von Lanze und Stachel getrieben
papāta bhuvi saṃkruddhaḥ
fiel er zornentbrannt zu Boden
niḥśvasan iva pannagaḥ
zischend wie eine Schlange

saṃraktanetraḥ śithilāmbaraḥ tadā | vidhūtasarvābharaṇaḥ paraṃtapaḥ | babhūva bhūmau patitaḥ nṛpātmajaḥ | śacīpateḥ ketuḥ iva utsavakṣaye ||

Mit geröteten Augen, gelöstem Gewand, all seines Schmuckes entblößt, lag jener Feindebezwinger, der Königssohn, am Boden, gleich dem Banner Indras nach Ende eines Festes.

Wort für Wort
saṃraktanetraḥ śithilāmbaraḥ tadā
mit geröteten Augen, gelöstem Gewand, da
vidhūtasarvābharaṇaḥ paraṃtapaḥ
all seines Schmuckes entblößt, der Feindebezwinger
babhūva bhūmau patitaḥ nṛpātmajaḥ
lag der Königssohn am Boden
śacīpateḥ ketuḥ iva utsavakṣaye
gleich dem Banner Indras nach Ende eines Festes

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