Sarga 34: Daśaratha Rāma Saṃvādaḥ Mūrchā
Rāma tritt vor den zusammenbrechenden Daśaratha; nach schmerzlichem Ringen erlaubt der König den Aufbruch, überträgt das Reich an Bharata und fällt, von Kummer überwältigt, in Ohnmacht, während die Königinnen und Sumantra laut aufweinen
Nachdem der Wagenlenker den König zuerst mit einem Segensspruch des Sieges begrüßt hatte, sprach er mit von Furcht gebrochener, leiser, sanfter Stimme.
sa tvā paśyatu bhadraṃ te rāmaḥ satyaparākramaḥ | sarvān suhṛdaḥ āpṛcchya tvāmidānīṃ didṛkṣate ||
Er möge dich sehen, Heil sei dir; Rāma, dessen Tapferkeit in der Wahrheit besteht, wünscht dich jetzt zu sehen, nachdem er von allen Freunden Abschied genommen hat.
Wort für Wort
sa tvā paśyatu bhadram te
er möge dich sehen, Heil dir
rāmaḥ satya-parākramaḥ
Rāma, dessen Tapferkeit Wahrheit ist
sarvān suhṛdaḥ āpṛcchya
nachdem er von allen Freunden Abschied genommen hat
sa rājā putramāyāntaṃ dṛṣṭvā dūrātkṛtāñjalim | utpapātāsanāt tūrṇamārtaḥ strījanasaṃvṛtaḥ ||
Der König, als er von fern seinen mit gefalteten Händen herankommenden Sohn erblickte, sprang, von Schmerz erfüllt, von seinem Sitz auf, umgeben von den Frauen.
Der Herr der Untertanen lief, als er Rāma erblickte, mit Ungestüm auf ihn zu; doch bevor er ihn erreichte, fiel er, von Schmerz überwältigt, ohnmächtig zu Boden.
Dann, als der Herr der Erde nach einer Weile wieder zu Bewusstsein gekommen war, sprach Rāma, mit gefalteten Händen, zu ihm, der im Ozean des Kummers versunken war.
Wort für Wort
atha rāmaḥ muhūrtena
dann Rāma nach einer Weile
labdhasaṃjñam mahīpatim
zu dem wieder zu Bewusstsein gekommenen Herrn der Erde
Erlaube auch Lakṣmaṇa den Aufbruch, und Sītā folgt mir in den Wald; obwohl beide mit vielen zutreffenden Gründen zurückgehalten wurden, wollten sie nicht darauf hören.
Wort für Wort
lakṣmaṇam ca anujānīhi
erlaube auch Lakṣmaṇa
sītā ca anveti mām vanam
und Sītā folgt mir in den Wald
kāraṇaiḥ bahubhiḥ tathyaiḥ
mit vielen zutreffenden Gründen
vāryamāṇau na icchataḥ
obwohl zurückgehalten, wollten die beiden nicht (darauf hören)
Ich, Rāghava, bin durch die Gewährung eines Wunsches an Kaikeyī verblendet worden; werde du selbst noch heute König von Ayodhyā, indem du mich festhältst.
na caitanme priyaṃ putra śape satyena rāghava | channayā chalitastvasmi strayā channāgnikalpayā ||
Und dies ist mir nicht lieb, mein Sohn; ich schwöre bei der Wahrheit, Rāghava: ich bin von ihr, die wie ein verdecktes Feuer war, listig getäuscht worden.
pañcanādyā tu labdhā me tāṃ tvaṃ nistartumicchasi | anayā vṛttasādinyā kaikeyyābhipracoditaḥ ||
Erst heute erkenne ich, was mir da widerfahren ist; du aber willst mich davon erlösen, du, der von dieser auf üble Weise handelnden Kaikeyī angetrieben wurde.
na hi me kāṅkṣitaṃ rājyaṃ sukhamātmani vā priyam | yathā nideśaṃ kartuṃ vai tavaiva raghunandana ||
Denn weder verlange ich so sehr nach der Königsherrschaft noch nach Glück oder eigenem Vorteil, wie danach, deine Anweisung zu erfüllen, o Nachkomme Raghus.
Wort für Wort
na hi me kāṅkṣitam rājyam
denn nicht so sehr verlange ich nach der Königsherrschaft
naivāhaṃ rājyamicchāmi na sukhaṃ na ca maithilīm | tvāmahaṃ satyamicchāmi nānṛtaṃ puruṣarṣabha ||
Ich begehre weder die Königsherrschaft noch Glück noch die Maithilī; dich allein begehre ich in Wahrheit, nicht die Unwahrheit, o Stier unter den Männern.
tvāmahaṃ satyamicchāmi nānṛtaṃ puruṣarṣabha | pratyakṣaṃ tava satyena sukṛtena ca te śape ||
Dich begehre ich in Wahrheit, nicht die Unwahrheit, o Stier unter den Männern; vor deinen Augen schwöre ich bei der Wahrheit und bei deinen guten Taten.
Du, durch den all dies in Tränen zerfließende Volk aufgerichtet werden sollte – du, Tiger unter den Männern, warum bist du in solche Erschütterung geraten?
puraṃ ca rāṣṭraṃ ca mahī ca kevalā | mayā nisṛṣṭā bharatāya dīyatām | ahaṃ nideśaṃ bhavataḥ anupālayan | vanaṃ gamiṣyāmi cirāya sevitum ||
Stadt, Reich und die ganze Erde, von mir aufgegeben, mögen Bharata gegeben werden; ich, deiner Anweisung gehorchend, werde für lange Zeit in den Wald gehen, um dort zu leben.
Wort für Wort
puram ca rāṣṭram ca mahī ca kevalā
Stadt, Reich und die Erde ganz
mayā nisṛṣṭā bharatāya dīyatām
von mir aufgegeben, mögen Bharata gegeben werden
aham nideśam bhavataḥ anupālayan
ich, deiner Anweisung gehorchend
vanam gamiṣyāmi cirāya sevitum
werde ich für lange Zeit in den Wald gehen, um dort zu leben
Über diese von mir aufgegebene Erde, mit ihren Bergen und Landstrichen, ihren Städten und Wäldern, heilvoll und mit guten Grenzen, möge Bharata allein herrschen; was du gesagt hast, o Herrscher, so soll es geschehen.
Wort für Wort
mayā nisṛṣṭām bharataḥ mahīm imām
über diese von mir aufgegebene Erde möge Bharata (herrschen)
saśaila-khaṇḍām sapurām sakānanām
mit Bergen und Landstrichen, mit Städten und Wäldern
śivām susīmām anuśāstu kevalam
heilvoll, mit guten Grenzen, möge er allein regieren
na me tathā pārthiva dhīyate mano | mahatsu kāmeṣu na cātmanaḥ priye | yathā nideśe tava śiṣṭasammate | vyapaitu duḥkhaṃ tava matkṛte.anagha ||
Nicht so sehr, o Herrscher, ist mein Sinn auf große Genüsse oder auf das eigene Wohl gerichtet, wie auf deine von den Weisen gebilligte Anweisung; möge dein Kummer meinetwegen weichen, du Makelloser.
Wort für Wort
na me tathā pārthiva dhīyate manaḥ
nicht so sehr, o Herrscher, ist mein Sinn gerichtet
mahatsu kāmeṣu na ca ātmanaḥ priye
auf große Genüsse noch auf das eigene Wohl
yathā nideśe tava śiṣṭasammate
wie auf deine von den Weisen gebilligte Anweisung
vyapaitu duḥkham tava matkṛte anagha
möge dein Kummer meinetwegen weichen, du Makelloser
tadadya naivānagha rājyamavyayam | na sarvakāmān na sukhaṃ na maithilīm | na jīvitaṃ tvāmanṛtena yojayan | vṛṇīya satyaṃ vratamastu te tathā ||
Darum will ich heute, Makelloser, weder das unvergängliche Königreich, noch alle Genüsse, noch Glück, noch die Maithilī, noch das Leben wählen, wenn ich dich damit der Unwahrheit unterwerfen würde; die Wahrheit will ich wählen — so sei dein Gelübde.
Wort für Wort
tat adya na eva anagha
darum heute nicht, Makelloser
rājyam avyayam
das unvergängliche Königreich
na sarva-kāmān na sukham na maithilīm na jīvitam
nicht alle Genüsse, nicht Glück, nicht die Maithilī, nicht das Leben
tvām anṛtena yojayan vṛṇīya satyam vratam astu te tathā
wenn ich dich mit Unwahrheit verbände, wähle ich (stattdessen) die Wahrheit, so sei dein Gelübde
Früchte und Wurzeln im Wald essend, Berge, Flüsse und Seen betrachtend, werde ich, sobald ich den Wald mit seinen mannigfaltigen Bäumen betreten habe, glücklich sein — möge dir Frieden zuteilwerden.
Wort für Wort
phalāni mūlāni ca bhakṣayan vane
Früchte und Wurzeln im Wald essend
girīn ca paśyan saritaḥ sarāṃsi ca
Berge, Flüsse und Seen betrachtend
vanam praviśya eva vicitra-pādapam
sobald ich den Wald mit seinen mannigfaltigen Bäumen betreten habe
sukhī bhaviṣyāmi tava astu nirvṛtiḥ
werde ich glücklich sein, möge dir Frieden zuteilwerden
evaṃ sa rājā vyasanābhipannaḥ | śokena duḥkhena ca tāmyamānaḥ | āliṅgya putraṃ suvinaṣṭasaṃjño | mohaṃ gato naiva ciceṣṭa kiñcit ||
So, von diesem Unglück heimgesucht, von Kummer und Schmerz gepeinigt, umarmte der König seinen Sohn, gänzlich seiner Sinne beraubt; in Ohnmacht gefallen, regte er sich lange Zeit überhaupt nicht.
Wort für Wort
evam sa rājā vyasanābhipannaḥ
so von diesem Unglück heimgesucht, jener König
śokena duḥkhena ca tāmyamānaḥ
von Kummer und Schmerz gepeinigt
āliṅgya putram suvinaṣṭasaṃjñaḥ
seinen Sohn umarmend, gänzlich seiner Sinne beraubt
moham gataḥ na eva ciceṣṭa kiñcit
in Ohnmacht gefallen, regte er sich überhaupt nicht
Da weinten alle versammelten Königinnen zusammen auf, nur jene eine Gattin des Königs ausgenommen; auch Sumantra, weinend, verfiel in Ohnmacht — ein einziger Klageschrei erhob sich dort allenthalben.
Wort für Wort
devyaḥ tataḥ samruruduḥ sametāḥ
die Königinnen weinten da alle versammelt zusammen auf