Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 34: Daśaratha Rāma Saṃvādaḥ Mūrchā Rāma tritt vor den zusammenbrechenden Daśaratha; nach schmerzlichem Ringen erlaubt der König den Aufbruch, überträgt das Reich an Bharata und fällt, von Kummer überwältigt, in Ohnmacht, während die Königinnen und Sumantra laut aufweinen

tataḥ kamalapatrākṣaḥ śyāmo nirupamo mahān | uvāca rāmastaṃ sūtaṃ piturākhyāhi māmiti ||

Da sprach der lotusäugige, dunkelfarbene, unvergleichliche, hochgewachsene Rāma zu jenem Wagenlenker: Melde mich dem Vater.

Wort für Wort
tataḥ kamalapatrākṣaḥ
da der lotusblattäugige
śyāmaḥ nirupamaḥ mahān
der dunkelfarbene, unvergleichliche, hochgewachsene
uvāca rāmaḥ tam sūtam
sprach Rāma zu jenem Wagenlenker
pitur ākhyāhi mām iti
melde mich dem Vater, so (sprach er)

sa rāmapreṣitaḥ kṣipraṃ saṃtāpakaluṣendriyaḥ | praviśya nṛpatiṃ sūtaḥ niḥśvasantaṃ dadarśa ha ||

Der von Rāma Entsandte, eilends, mit von Kummer getrübten Sinnen, trat ein und sah den König tief seufzend.

Wort für Wort
sa rāma-preṣitaḥ kṣipram
er, von Rāma entsandt, eilends
saṃtāpa-kaluṣa-indriyaḥ
mit von Kummer getrübten Sinnen
praviśya nṛpatim sūtaḥ
der Wagenlenker eintretend zum König
niḥśvasantam dadarśa ha
sah ihn seufzend

uparaktamivādityaṃ bhasmacchannamivānalam | taṭākamiva nistoyamapaśyajjagatīpatim ||

Wie eine verfinsterte Sonne, wie ein von Asche bedecktes Feuer, wie einen wasserlosen Teich erblickte er den Herrn der Erde.

Wort für Wort
uparaktam iva ādityam
wie eine verfinsterte Sonne
bhasma-channam iva analam
wie ein von Asche bedecktes Feuer
taṭākam iva nistoyam
wie ein wasserloser Teich
apaśyat jagatīpatim
erblickte er den Herrn der Erde

ālokya tu mahāprājñaḥ paramākulacetasam | rāmameva anuśocantaṃ sūtaḥ prāñjaliḥ āsadat ||

Als der hochweise Wagenlenker ihn erblickte, dessen Sinn zutiefst verwirrt war, den nur um Rāma trauernden, trat er mit gefalteten Händen zu ihm.

Wort für Wort
ālokya tu mahāprājñaḥ
als der hochweise (Wagenlenker) erblickte
paramākula-cetasam
dessen Sinn zutiefst verwirrt war
rāmam eva anuśocantam
der nur um Rāma trauerte
sūtaḥ prāñjaliḥ āsadat
der Wagenlenker trat mit gefalteten Händen hinzu

taṃ vardhayitvā rājānaṃ sūtaḥ pūrvaṃ jayāśiṣā | bhayaviklabayā vācā mandayā ślakṣṇamabravīt ||

Nachdem der Wagenlenker den König zuerst mit einem Segensspruch des Sieges begrüßt hatte, sprach er mit von Furcht gebrochener, leiser, sanfter Stimme.

Wort für Wort
tam vardhayitvā rājānam
nachdem er den König begrüßt hatte
sūtaḥ pūrvam jayāśiṣā
der Wagenlenker zuvor mit einem Siegessegen
bhaya-viklabayā vācā
mit von Furcht gebrochener Stimme
mandayā ślakṣṇam abravīt
leise und sanft sprach er

ayaṃ sa puruṣavyāghra dvāri tiṣṭhati te sutaḥ | brāhmaṇebhyo dhanaṃ dattvā sarvaṃ caiva upajīvinām ||

Dieser dein Sohn, Tiger unter den Männern, steht an der Tür, nachdem er den Brahmanen und auch all seinen Dienern Reichtum gegeben hat.

Wort für Wort
ayam sa puruṣavyāghra
dieser, o Tiger unter den Männern
dvāri tiṣṭhati te sutaḥ
dein Sohn steht an der Tür
brāhmaṇebhyaḥ dhanam dattvā
den Brahmanen Reichtum gegeben habend
sarvam ca eva upajīvinām
und auch allen Dienern (gegeben habend)

sa tvā paśyatu bhadraṃ te rāmaḥ satyaparākramaḥ | sarvān suhṛdaḥ āpṛcchya tvāmidānīṃ didṛkṣate ||

Er möge dich sehen, Heil sei dir; Rāma, dessen Tapferkeit in der Wahrheit besteht, wünscht dich jetzt zu sehen, nachdem er von allen Freunden Abschied genommen hat.

Wort für Wort
sa tvā paśyatu bhadram te
er möge dich sehen, Heil dir
rāmaḥ satya-parākramaḥ
Rāma, dessen Tapferkeit Wahrheit ist
sarvān suhṛdaḥ āpṛcchya
nachdem er von allen Freunden Abschied genommen hat
tvām idānīm didṛkṣate
wünscht er dich jetzt zu sehen

gamiṣyati mahāraṇyaṃ taṃ paśya jagatīpate | vṛtaṃ rājaguṇaiḥ sarvaiḥ ādityamiva raśmibhiḥ ||

Er wird in den großen Wald gehen; sieh ihn, Herr der Erde, umgeben von allen königlichen Tugenden, wie die Sonne von ihren Strahlen.

Wort für Wort
gamiṣyati mahāraṇyam
er wird in den großen Wald gehen
tam paśya jagatīpate
sieh ihn, Herr der Erde
vṛtam rāja-guṇaiḥ sarvaiḥ
umgeben von allen königlichen Tugenden
ādityam iva raśmibhiḥ
wie die Sonne von ihren Strahlen

sa satyavādī dharmātmā gāmbhīryātsāgaropamaḥ | ākāśa iva niṣpaṅko narendraḥ pratyuvāca tam ||

Er, der wahrhaft Redende, der Rechtschaffene, an Tiefe dem Ozean gleich, der Fürst der Männer, makellos wie der Himmel, erwiderte ihm.

Wort für Wort
sa satyavādī dharmātmā
er, der wahrhaft Redende, der Rechtschaffene
gāmbhīryāt sāgara-upamaḥ
an Tiefe dem Ozean gleich
ākāśaḥ iva niṣpaṅkaḥ
makellos wie der Himmel
narendraḥ pratyuvāca tam
der Fürst der Männer erwiderte ihm

sumantrānaya me dārān ye kecidiha māmakāḥ | dāraiḥ parivṛtaḥ sarvaiḥ draṣṭumicchāmi rāghavam ||

Sumantra, bringe mir meine Frauen, welche auch immer hier die meinen sind; von allen Frauen umgeben will ich Rāghava sehen.

Wort für Wort
sumantra ānaya me dārān
Sumantra, bringe mir meine Frauen
ye kecit iha māmakāḥ
welche auch immer hier die meinen sind
dāraiḥ parivṛtaḥ sarvaiḥ
von allen Frauen umgeben
draṣṭum icchāmi rāghavam
will ich Rāghava sehen

so.antaḥpuramatītyaiva striyastā vākyamabravīt | āryo hvayati vo rājā gamyatāṃ tatra māciram ||

Er, nachdem er in das Frauengemach eingetreten war, sprach zu jenen Frauen das Wort: Der edle König ruft euch, geht dorthin ohne Verzug.

Wort für Wort
saḥ antaḥpuram atītya eva
er, in das Frauengemach eingetreten
striyaḥ tāḥ vākyam abravīt
sprach zu jenen Frauen das Wort
āryaḥ hvayati vaḥ rājā
der edle König ruft euch
gamyatām tatra mā ciram
geht dorthin, ohne Verzug

evamuktāḥ striyaḥ sarvāḥ sumantreṇa nṛpājñayā | pracakramustad bhavanaṃ bhartur ājñāya śāsanam ||

So von Sumantra auf des Königs Geheiß angesprochen, machten sich alle Frauen, den Befehl des Gatten vernommen habend, zu jenem Haus auf.

Wort für Wort
evam uktāḥ striyaḥ sarvāḥ
so angesprochen alle Frauen
sumantreṇa nṛpājñayā
von Sumantra, auf Geheiß des Königs
pracakramuḥ tat bhavanam
machten sie sich zu jenem Haus auf
bhartuḥ ājñāya śāsanam
den Befehl des Gatten vernommen habend

ardhasaptaśatāstāstu pramadāstāmralocanāḥ | kausalyāṃ parivāryātha śanaiḥ jagmurdhṛtavratāḥ ||

Jene dreihundertfünfzig Frauen mit kupferroten Augen umringten Kausalyā und gingen dann langsam, ihre Gelübde haltend.

Wort für Wort
ardha-sapta-śatāḥ tāḥ tu pramadāḥ
jene dreihundertfünfzig Frauen
tāmra-locanāḥ
mit kupferroten Augen
kausalyām parivārya atha
Kausalyā dann umringend
śanaiḥ jagmuḥ dhṛta-vratāḥ
gingen sie langsam, ihre Gelübde haltend

āgateṣu ca dāreṣu samavekṣya mahīpatiḥ | uvāca rājā taṃ sūtaṃ sumantrānaya me sutam ||

Als der Herr der Erde die angekommenen Frauen erblickt hatte, sprach der König zu jenem Wagenlenker: Sumantra, bringe mir meinen Sohn.

Wort für Wort
āgateṣu ca dāreṣu
als die Frauen angekommen waren
samavekṣya mahīpatiḥ
erblickt habend, der Herr der Erde
uvāca rājā tam sūtam
sprach der König zu jenem Wagenlenker
sumantra ānaya me sutam
Sumantra, bringe mir meinen Sohn

sa sūtaḥ rāmamādāya lakṣmaṇaṃ maithilīṃ tadā | jagāmābhimukhaṃ tūrṇaṃ sakāśaṃ jagatīpateḥ ||

Der Wagenlenker eilte, Rāma, Lakṣmaṇa und die Maithilī geleitend, rasch zum Herrn der Erde.

Wort für Wort
sa sūtaḥ rāmam ādāya
der Wagenlenker, Rāma mit sich nehmend
lakṣmaṇam maithilīm tadā
Lakṣmaṇa und die Maithilī dazu
jagāma abhimukham tūrṇam
eilte geradewegs rasch
sakāśam jagatīpateḥ
zum Herrn der Erde hin

sa rājā putramāyāntaṃ dṛṣṭvā dūrātkṛtāñjalim | utpapātāsanāt tūrṇamārtaḥ strījanasaṃvṛtaḥ ||

Der König, als er von fern seinen mit gefalteten Händen herankommenden Sohn erblickte, sprang, von Schmerz erfüllt, von seinem Sitz auf, umgeben von den Frauen.

Wort für Wort
sa rājā putram āyāntam
der König, den herankommenden Sohn
dṛṣṭvā dūrāt kṛtāñjalim
von fern erblickend, mit gefalteten Händen
utpapāta āsanāt tūrṇam
sprang rasch von seinem Sitz auf
ārtaḥ strī-jana-saṃvṛtaḥ
von Schmerz erfüllt, umgeben von der Frauenschar

so.abhidudrāva vegena rāmaṃ dṛṣṭvā viśāṃ patiḥ | tamasamprāpya duḥkhārtaḥ papāta bhuvi mūrchitaḥ ||

Der Herr der Untertanen lief, als er Rāma erblickte, mit Ungestüm auf ihn zu; doch bevor er ihn erreichte, fiel er, von Schmerz überwältigt, ohnmächtig zu Boden.

Wort für Wort
saḥ abhidudrāva vegena
er lief mit Ungestüm hin
rāmam dṛṣṭvā viśām patiḥ
als er Rāma erblickte, der Herr der Untertanen
tam asamprāpya duḥkhārtaḥ
ihn nicht erreichend, von Schmerz erfüllt
papāta bhuvi mūrchitaḥ
fiel er ohnmächtig zu Boden

taṃ rāmaḥ abhyapātat kṣipraṃ lakṣmaṇaśca mahārathaḥ | visaṃjñamiva duḥkhena saśokaṃ nṛpatiṃ tadā ||

Rāma eilte rasch zu ihm hin, und auch Lakṣmaṇa, der große Wagenkämpfer, zu jenem König, der vor Kummer wie besinnungslos, von Schmerz erfüllt war.

Wort für Wort
tam rāmaḥ abhyapātat kṣipram
zu ihm eilte Rāma rasch hin
lakṣmaṇaḥ ca mahārathaḥ
und auch Lakṣmaṇa, der große Wagenkämpfer
visaṃjñam iva duḥkhena
der vor Kummer wie besinnungslos war
saśokam nṛpatim tadā
zu jenem kummervollen König da

strīsahasraninādaśca saṃjajñe rājaveśmani | hāhā rāma iti sahasā bhūṣaṇadhvanimūrchitaḥ ||

Und ein Aufschrei von tausend Frauen erhob sich plötzlich im Königshaus, Weh, Rāma!, vermischt mit dem Klirren des Schmucks.

Wort für Wort
strī-sahasra-ninādaḥ ca
und ein Aufschrei von tausend Frauen
saṃjajñe rājaveśmani
erhob sich im Königshaus
hāhā rāma iti sahasā
plötzlich, Weh, Rāma! so
bhūṣaṇa-dhvani-mūrchitaḥ
vermischt mit dem Klang des Schmucks

taṃ pariṣvajya bāhubhyāṃ tāvubhau rāmalakṣmaṇau | paryaṅke sītayā sārdhaṃ rudantaḥ samaveśayan ||

Die beiden, Rāma und Lakṣmaṇa, umarmten ihn mit ihren Armen und legten ihn, zusammen mit Sītā weinend, auf das Ruhelager.

Wort für Wort
tam pariṣvajya bāhubhyām
ihn mit den Armen umarmend
tau ubhau rāma-lakṣmaṇau
die beiden, Rāma und Lakṣmaṇa
paryaṅke sītayā sārdham
auf das Ruhelager, zusammen mit Sītā
rudantaḥ samaveśayan
weinend legten sie ihn nieder

atha rāmaḥ muhūrtena labdhasaṃjñaṃ mahīpatim | uvāca prāñjaliḥ bhūtvā śokārṇavapariplutam ||

Dann, als der Herr der Erde nach einer Weile wieder zu Bewusstsein gekommen war, sprach Rāma, mit gefalteten Händen, zu ihm, der im Ozean des Kummers versunken war.

Wort für Wort
atha rāmaḥ muhūrtena
dann Rāma nach einer Weile
labdhasaṃjñam mahīpatim
zu dem wieder zu Bewusstsein gekommenen Herrn der Erde
uvāca prāñjaliḥ bhūtvā
sprach, mit gefalteten Händen
śoka-arṇava-pariplutam
zu dem im Ozean des Kummers Versunkenen

āpṛcche tvāṃ mahārāja sarveṣāmīśvaro.asi naḥ | prasthitaṃ daṇḍakāraṇyaṃ paśya tvaṃ kuśalena mām ||

Ich nehme Abschied von dir, großer König, du bist der Herr über uns alle; sieh mich, wie ich zum Daṇḍaka-Wald aufbreche, mit Wohlwollen.

Wort für Wort
āpṛcche tvām mahārāja
ich nehme Abschied von dir, großer König
sarveṣām īśvaraḥ asi naḥ
du bist der Herr über uns alle
prasthitam daṇḍaka-araṇyam
aufgebrochen zum Daṇḍaka-Wald
paśya tvam kuśalena mām
sieh mich mit Wohlwollen

lakṣmaṇaṃ cānujānīhi sītā cānveti māṃ vanam | kāraṇaiḥ bahubhistathyaiḥ vāryamāṇau na cecchataḥ ||

Erlaube auch Lakṣmaṇa den Aufbruch, und Sītā folgt mir in den Wald; obwohl beide mit vielen zutreffenden Gründen zurückgehalten wurden, wollten sie nicht darauf hören.

Wort für Wort
lakṣmaṇam ca anujānīhi
erlaube auch Lakṣmaṇa
sītā ca anveti mām vanam
und Sītā folgt mir in den Wald
kāraṇaiḥ bahubhiḥ tathyaiḥ
mit vielen zutreffenden Gründen
vāryamāṇau na icchataḥ
obwohl zurückgehalten, wollten die beiden nicht (darauf hören)

anujānīhi sarvān naḥ śokamutsṛjya mānada | lakṣmaṇaṃ mām ca sītāṃ ca prajāpatiriva prajāḥ ||

Entlasse uns alle, Ehrenspender, den Kummer ablegend, Lakṣmaṇa, mich und Sītā, wie der Schöpfer seine Geschöpfe entlässt.

Wort für Wort
anujānīhi sarvān naḥ
entlasse uns alle
śokam utsṛjya mānada
den Kummer ablegend, o Ehrenspender
lakṣmaṇam mām ca sītām ca
Lakṣmaṇa, mich und Sītā
prajāpatiḥ iva prajāḥ
wie der Schöpfer die Geschöpfe (entlässt)

pratīkṣamāṇamavyagramanujñāṃ jagatīpateḥ | uvāca rājā samprekṣya vanavāsāya rāghavam ||

Als der König Rāghava erblickte, der gelassen auf die Erlaubnis des Herrn der Erde wartete, sprach er zu ihm im Hinblick auf den Waldaufenthalt.

Wort für Wort
pratīkṣamāṇam avyagram
auf den gelassen Wartenden
anujñām jagatīpateḥ
auf die Erlaubnis des Herrn der Erde
uvāca rājā samprekṣya
sprach der König, erblickt habend
vanavāsāya rāghavam
zu Rāghava, im Hinblick auf den Waldaufenthalt

ahaṃ rāghava kaikeyyā varadānena mohitaḥ | ayodhyāyāstvamevādya bhava rājā nigṛhya mām ||

Ich, Rāghava, bin durch die Gewährung eines Wunsches an Kaikeyī verblendet worden; werde du selbst noch heute König von Ayodhyā, indem du mich festhältst.

Wort für Wort
aham rāghava kaikeyyā
ich, Rāghava, durch Kaikeyī
varadānena mohitaḥ
durch die Gewährung einer Gabe verblendet
ayodhyāyāḥ tvam eva adya
du selbst über Ayodhyā noch heute
bhava rājā nigṛhya mām
werde König, indem du mich festhältst

evamuktaḥ nṛpatinā rāmaḥ dharmabhṛtāṃ varaḥ | pratyuvācāñjaliṃ kṛtvā pitaraṃ vākyakovidaḥ ||

So vom König angesprochen, erwiderte Rāma, der Beste derer, die die Pflicht bewahren, mit gefalteten Händen dem Vater, der Redekundige.

Wort für Wort
evam uktaḥ nṛpatinā
so vom König angesprochen
rāmaḥ dharmabhṛtām varaḥ
Rāma, der Beste der Pflichtbewahrer
pratyuvāca añjalim kṛtvā
erwiderte, mit gefalteten Händen
pitaram vākyakovidaḥ
dem Vater, der Redekundige

bhavān varṣasahasrāya pṛthivyā nṛpate patiḥ | ahaṃ tu araṇye vatsyāmi na me kāryaṃ tvayānṛtam ||

Mögest du, Herrscher, für tausend Jahre Herr der Erde bleiben; ich aber werde im Wald leben – ich will nicht, dass du zum Lügner wirst.

Wort für Wort
bhavān varṣasahasrāya
mögest du für tausend Jahre
pṛthivyā nṛpate patiḥ
Herr der Erde sein, o Herrscher
aham tu araṇye vatsyāmi
ich aber werde im Wald leben
na me kāryam tvayā anṛtam
ich will nicht, dass durch mich Unwahrheit bei dir entstehe

navapañca ca varṣāṇi vanavāse vihṛtya te | punaḥ pādau grahīṣyāmi pratijñānte narādhipa ||

Nachdem ich vierzehn Jahre im Waldaufenthalt verbracht habe, werde ich, o Herrscher der Menschen, am Ende des Gelübdes wieder deine Füße ergreifen.

Wort für Wort
nava-pañca ca varṣāṇi
und vierzehn (neun und fünf) Jahre
vanavāse vihṛtya te
im Waldaufenthalt verbracht habend
punaḥ pādau grahīṣyāmi
werde ich wieder die Füße ergreifen
pratijñānte narādhipa
am Ende des Gelübdes, o Herrscher der Menschen

rudannāha priyaṃ putraṃ satyapāśena saṃyataḥ | kaikeyyā codyamānastu mitho rājā tamabravīt ||

Weinend sprach der von der Fessel der Wahrheit gebundene König, von Kaikeyī heimlich angetrieben, zu seinem lieben Sohn.

Wort für Wort
rudan āha priyam putram
weinend sprach er zum lieben Sohn
satya-pāśena saṃyataḥ
von der Fessel der Wahrheit gebunden
kaikeyyā codyamānaḥ tu
von Kaikeyī angetrieben aber
mithaḥ rājā tam abravīt
heimlich sprach der König zu ihm

śreyase vṛddhaye tāta punarāgamanāya ca | gaccha svariṣṭamavyagraḥ panthānamakutobhayam ||

Zu deinem Heil, deinem Gedeihen und zu deiner Rückkehr, mein Sohn — geh, ungestört, auf einem heilvollen, von nirgendwoher Gefahr drohenden Weg.

Wort für Wort
śreyase vṛddhaye tāta
zu deinem Heil, deinem Gedeihen, mein Sohn
punarāgamanāya ca
und zu deiner Rückkehr
gaccha svariṣṭam avyagraḥ
geh, ungestört, auf heilvollem (Weg)
panthānam akutobhayam
auf einem Weg ohne Gefahr von irgendwoher

na hi satyātmanastāta dharmābhimanasastava | vinivartayituṃ buddhiḥ śakyate raghunandana ||

Denn deinen Entschluss, mein Sohn, dessen Sinn wahrhaftig und der Pflicht zugewandt ist, o Nachkomme Raghus, kann man nicht mehr rückgängig machen.

Wort für Wort
na hi satyātmanaḥ tāta
denn nicht des wahrhaftigen (Sinnes), mein Sohn
dharma-abhimanasaḥ tava
deines der Pflicht zugewandten (Sinnes)
vinivartayitum buddhiḥ
der Entschluss zurückzuwenden
śakyate raghunandana
kann getan werden, o Nachkomme Raghus

adya tvidānīṃ rajanīṃ putra mā gaccha sarvathā | mātaraṃ mām ca sampaśyan vasemāmadya śarvarīm ||

Doch heute Nacht wenigstens geh auf keinen Fall, mein Sohn; verbringe, deine Mutter und mich noch anschauend, diese Nacht hier.

Wort für Wort
adya tu idānīm rajanīm
aber heute diese Nacht
putra mā gaccha sarvathā
mein Sohn, geh auf keinen Fall
mātaram mām ca sampaśyan
deine Mutter und mich anschauend
vasa imām adya śarvarīm
verbringe heute diese Nacht (hier)

mātaraṃ mām ca sampaśyan vasemāmadya śarvarīm | tarpitaḥ sarvakāmaistvaṃ svaḥ kāle sādhayiṣyasi ||

Deine Mutter und mich noch anschauend, verbringe heute diese Nacht; mit allen Wünschen zufriedengestellt, wirst du morgen zur rechten Zeit aufbrechen.

Wort für Wort
mātaram mām ca sampaśyan
deine Mutter und mich anschauend
vasa imām adya śarvarīm
verbringe heute diese Nacht
tarpitaḥ sarva-kāmaiḥ tvam
zufriedengestellt mit allen Wünschen
svaḥ kāle sādhayiṣyasi
wirst du morgen zur rechten Zeit aufbrechen

duṣkaraṃ kriyate putra sarvathā rāghava tayā | matpriyārthaṃ priyāṃstyaktvā yadyāsi vijanaṃ vanam ||

Schweres wird mir angetan, mein Sohn Rāghava, auf jede Weise durch sie, wenn du, mir zuliebe die Lieben verlassend, in den menschenleeren Wald gehst.

Wort für Wort
duṣkaram kriyate putra
Schweres wird getan, mein Sohn
sarvathā rāghava tayā
auf jede Weise, Rāghava, durch sie
matpriyārtham priyān tyaktvā
mir zuliebe, die Lieben verlassend
yadi āsi vijanam vanam
wenn du in den menschenleeren Wald gehst

na caitanme priyaṃ putra śape satyena rāghava | channayā chalitastvasmi strayā channāgnikalpayā ||

Und dies ist mir nicht lieb, mein Sohn; ich schwöre bei der Wahrheit, Rāghava: ich bin von ihr, die wie ein verdecktes Feuer war, listig getäuscht worden.

Wort für Wort
na ca etat me priyam putra
und dies ist mir nicht lieb, mein Sohn
śape satyena rāghava
ich schwöre bei der Wahrheit, Rāghava
channayā chalitaḥ tu asmi
von der Verdeckten bin ich getäuscht worden
striyā channa-agni-kalpayā
von der Frau, die einem verdeckten Feuer glich

pañcanādyā tu labdhā me tāṃ tvaṃ nistartumicchasi | anayā vṛttasādinyā kaikeyyābhipracoditaḥ ||

Erst heute erkenne ich, was mir da widerfahren ist; du aber willst mich davon erlösen, du, der von dieser auf üble Weise handelnden Kaikeyī angetrieben wurde.

Wort für Wort
pañcanādyā tu labdhā me
erst heute erkenne ich, was mir widerfahren ist
tām tvam nistartum icchasi
du aber willst mich davon erlösen
anayā vṛttasādinyā
von dieser übel Handelnden
kaikeyyā abhipracoditaḥ
von Kaikeyī angetrieben

na caitadāścaryatamaṃ yattajjyeṣṭho suto mama | apānṛtakathaṃ putra pitaraṃ kartumicchasi ||

Und dies ist nicht das Erstaunlichste, dass du, mein ältester Sohn, wie könntest du, mein Sohn, deinen Vater der Lüge entheben wollen?

Wort für Wort
na ca etat āścaryatamam
und dies ist nicht das Erstaunlichste
yat tat jyeṣṭhaḥ sutaḥ mama
dass jener mein ältester Sohn
apa-anṛtakatham putra
wie, mein Sohn, von der Unwahrheit befreiend
pitaram kartum icchasi
den Vater machen willst

atha rāmastathā śrutvā pituḥ ārtasya bhāṣitam | lakṣmaṇena saha bhrātrā dīno vacanamabravīt ||

Als Rāma so die Worte des schmerzerfüllten Vaters gehört hatte, sprach er, betrübt, zusammen mit seinem Bruder Lakṣmaṇa, dieses Wort:

Wort für Wort
atha rāmaḥ tathā śrutvā
dann Rāma, so gehört habend
pituḥ ārtasya bhāṣitam
die Rede des schmerzerfüllten Vaters
lakṣmaṇena saha bhrātrā
zusammen mit dem Bruder Lakṣmaṇa
dīnaḥ vacanam abravīt
betrübt sprach er das Wort

prāpsyāmi yānadya guṇān ko me śvastān pradāsyati | apakramaṇameva ataḥ sarvakāmaiḥ ahaṃ vṛṇe ||

Welche Vorteile ich heute erlangen würde, wer wird sie mir morgen noch geben können? Darum wähle ich den Verzicht mehr als alle Wünsche.

Wort für Wort
prāpsyāmi yān adya guṇān
welche Vorteile ich heute erlangen würde
kaḥ me śvaḥ tān pradāsyati
wer wird sie mir morgen geben
apakramaṇam eva ataḥ
den Verzicht eben darum
sarva-kāmaiḥ aham vṛṇe
wähle ich mehr als alle Wünsche

iyaṃ sarāṣṭrā sajanā dhanadhānyasamākulā | mayā visṛṣṭā vasudhā bharatāya pradīyatām ||

Diese Erde, samt Reich und Volk, reich an Gut und Getreide, von mir aufgegeben, möge Bharata gegeben werden.

Wort für Wort
iyam sarāṣṭrā sajanā
diese, samt Reich und Volk
dhana-dhānya-samākulā
reich an Gut und Getreide
mayā visṛṣṭā vasudhā
die von mir aufgegebene Erde
bharatāya pradīyatām
möge Bharata gegeben werden

vanavāsakṛtā buddhirna ca me.adya caliṣyati | yastuṣṭena varo dattaḥ kaikeyyai varada tvayā ||

Mein Entschluss zum Leben im Wald wird sich heute nicht mehr ändern; die Gabe, die du, Gabenspender, aus Zufriedenheit der Kaikeyī gewährt hast,

Wort für Wort
vanavāsakṛtā buddhiḥ
der zum Waldleben gefasste Entschluss
na ca me adya caliṣyati
wird sich bei mir heute nicht wandeln
yaḥ tuṣṭena varaḥ dattaḥ
die Gabe, die aus Zufriedenheit gegeben wurde
kaikeyyai varada tvayā
der Kaikeyī, von dir, o Gabenspender

dīyatāṃ nikhilenaiva satyastvaṃ bhava pārthiva | ahaṃ nideśaṃ bhavato yathoktamanupālayan ||

möge vollständig gewährt werden — bleibe du, Herrscher, wahrhaftig. Ich, deiner Anweisung, so wie sie gesprochen wurde, gehorchend,

Wort für Wort
dīyatām nikhilena eva
möge vollständig gewährt werden
satyaḥ tvam bhava pārthiva
bleibe wahrhaftig, o Herrscher
aham nideśam bhavataḥ
ich, deine Anweisung
yathoktam anupālayan
so wie gesprochen, befolgend

caturdaśa samā vatsye vane vanacaraiḥ saha | mā vimarśo vasumatī bharatāya pradīyatām ||

werde vierzehn Jahre im Wald zusammen mit den Waldbewohnern leben. Zögere nicht: die Erde möge Bharata gegeben werden.

Wort für Wort
caturdaśa samā vatsye
werde vierzehn Jahre leben
vane vanacaraiḥ saha
im Wald zusammen mit den Waldbewohnern
mā vimarśaḥ
zögere nicht
vasumatī bharatāya pradīyatām
die Erde möge Bharata gegeben werden

na hi me kāṅkṣitaṃ rājyaṃ sukhamātmani vā priyam | yathā nideśaṃ kartuṃ vai tavaiva raghunandana ||

Denn weder verlange ich so sehr nach der Königsherrschaft noch nach Glück oder eigenem Vorteil, wie danach, deine Anweisung zu erfüllen, o Nachkomme Raghus.

Wort für Wort
na hi me kāṅkṣitam rājyam
denn nicht so sehr verlange ich nach der Königsherrschaft
sukham ātmani vā priyam
noch nach Glück oder dem eigenen Vorteil
yathā nideśam kartum vai
wie danach, die Anweisung zu erfüllen
tava eva raghunandana
die deine, o Nachkomme Raghus

apagacchatu te duḥkhaṃ mā bhūr bāṣpapariplutaḥ | na hi kṣubhyati durdharṣaḥ samudraḥ saritāṃ patiḥ ||

Möge dein Kummer weichen, sei nicht von Tränen überströmt; denn der unbezwingbare Ozean, der Herr der Flüsse, gerät nicht in Aufruhr.

Wort für Wort
apagacchatu te duḥkham
möge dein Kummer weichen
mā bhūḥ bāṣpapariplutaḥ
sei nicht von Tränen überströmt
na hi kṣubhyati durdharṣaḥ
denn nicht gerät in Aufruhr der Unbezwingbare
samudraḥ saritām patiḥ
der Ozean, der Herr der Flüsse

naivāhaṃ rājyamicchāmi na sukhaṃ na ca maithilīm | tvāmahaṃ satyamicchāmi nānṛtaṃ puruṣarṣabha ||

Ich begehre weder die Königsherrschaft noch Glück noch die Maithilī; dich allein begehre ich in Wahrheit, nicht die Unwahrheit, o Stier unter den Männern.

Wort für Wort
na eva aham rājyam icchāmi
ich begehre nicht die Königsherrschaft
na sukham na ca maithilīm
nicht Glück und nicht die Maithilī
tvām aham satyam icchāmi
dich begehre ich in Wahrheit
na anṛtam puruṣarṣabha
nicht die Unwahrheit, o Stier unter den Männern

tvāmahaṃ satyamicchāmi nānṛtaṃ puruṣarṣabha | pratyakṣaṃ tava satyena sukṛtena ca te śape ||

Dich begehre ich in Wahrheit, nicht die Unwahrheit, o Stier unter den Männern; vor deinen Augen schwöre ich bei der Wahrheit und bei deinen guten Taten.

Wort für Wort
tvām aham satyam icchāmi
dich begehre ich in Wahrheit
na anṛtam puruṣarṣabha
nicht die Unwahrheit, o Stier unter den Männern
pratyakṣam tava satyena
vor deinen Augen, bei der Wahrheit
sukṛtena ca te śape
und bei deinen guten Taten schwöre ich

na ca śakyaṃ mayā tāta sthātuṃ kṣaṇamapi prabho | sa śokaṃ dhārayasvemaṃ na hi me.asti viparyayaḥ ||

Auch kann ich, Vater, nicht einmal einen Augenblick verweilen, o Herr; bewahre diesen Kummer nicht länger, denn für mich gibt es kein Zurück.

Wort für Wort
na ca śakyam mayā tāta
und nicht kann ich, Vater
sthātum kṣaṇam api prabho
auch nur einen Augenblick verweilen, o Herr
sa śokam dhārayasva imam
bewahre diesen Kummer
na hi me asti viparyayaḥ
denn für mich gibt es kein Zurück

arthito hyasmi kaikeyyā vanaṃ gaccheti rāghava | mayā coktaṃ prajāmīti tatsatyamanupālaye ||

Denn ich wurde von Kaikeyī gebeten: Geh in den Wald, Rāghava; und ich habe gesagt: Ich gehe – diese Wahrheit halte ich ein.

Wort für Wort
arthitaḥ hi asmi kaikeyyā
denn ich wurde von Kaikeyī gebeten
vanam gaccha iti rāghava
geh in den Wald, Rāghava, so
mayā ca uktam prajāmi iti
und von mir gesagt: ich werde gehen
tat satyam anupālaye
diese Wahrheit halte ich ein

mā cotkaṇṭhāṃ kṛthā deva vane raṃsyāmahe vayam | praśāntahariṇākīrṇe nānāśakuninādite ||

Sei nicht bekümmert, Herr; wir werden uns im Wald erfreuen, der von ruhigen Hirschen bevölkert und vom Ruf mancherlei Vögel erfüllt ist.

Wort für Wort
mā ca utkaṇṭhām kṛthāḥ deva
sei nicht bekümmert, Herr
vane raṃsyāmahe vayam
wir werden uns im Wald erfreuen
praśānta-hariṇa-ākīrṇe
der von ruhigen Hirschen bevölkert ist
nānā-śakuni-nādite
vom Ruf mancherlei Vögel erfüllt

pitā hi daivataṃ tāta devatānāmapi smṛtam | tasmāddaivatamityeva kariṣyāmi piturvacaḥ ||

Denn der Vater gilt, Vater, sogar als Gottheit der Gottheiten; deshalb werde ich das Wort des Vaters wie das einer Gottheit erfüllen.

Wort für Wort
pitā hi daivatam tāta
denn der Vater ist eine Gottheit, Vater
devatānām api smṛtam
sogar als (Gottheit) der Gottheiten überliefert
tasmāt daivatam iti eva
deshalb wie eine Gottheit
kariṣyāmi pitur vacaḥ
werde ich das Wort des Vaters erfüllen

caturdaśasu varṣeṣu gateṣu narasattama | punardrakṣyasi māṃ prāptaṃ santāpo.ayaṃ vimucyatām ||

Wenn vierzehn Jahre vergangen sind, o Bester der Männer, wirst du mich zurückgekehrt wiedersehen; lass diesen Kummer fahren.

Wort für Wort
caturdaśasu varṣeṣu gateṣu
wenn vierzehn Jahre vergangen sind
narasattama
o Bester der Männer
punaḥ drakṣyasi mām prāptam
wirst du mich zurückgekehrt wiedersehen
santāpaḥ ayam vimucyatām
lass diesen Kummer los

yena saṃstambhanīyo.ayaṃ sarvo bāṣpagalado janaḥ | sa tvaṃ puruṣaśārdūla kimarthaṃ vikriyāṃ gataḥ ||

Du, durch den all dies in Tränen zerfließende Volk aufgerichtet werden sollte – du, Tiger unter den Männern, warum bist du in solche Erschütterung geraten?

Wort für Wort
yena saṃstambhanīyaḥ ayam
durch den dieses aufgerichtet werden sollte
sarvaḥ bāṣpagalado janaḥ
das ganze in Tränen zerfließende Volk
sa tvam puruṣaśārdūla
du, Tiger unter den Männern
kimartham vikriyām gataḥ
warum bist du in Erschütterung geraten

puraṃ ca rāṣṭraṃ ca mahī ca kevalā | mayā nisṛṣṭā bharatāya dīyatām | ahaṃ nideśaṃ bhavataḥ anupālayan | vanaṃ gamiṣyāmi cirāya sevitum ||

Stadt, Reich und die ganze Erde, von mir aufgegeben, mögen Bharata gegeben werden; ich, deiner Anweisung gehorchend, werde für lange Zeit in den Wald gehen, um dort zu leben.

Wort für Wort
puram ca rāṣṭram ca mahī ca kevalā
Stadt, Reich und die Erde ganz
mayā nisṛṣṭā bharatāya dīyatām
von mir aufgegeben, mögen Bharata gegeben werden
aham nideśam bhavataḥ anupālayan
ich, deiner Anweisung gehorchend
vanam gamiṣyāmi cirāya sevitum
werde ich für lange Zeit in den Wald gehen, um dort zu leben

mayā nisṛṣṭāṃ bharataḥ mahīmimāṃ | saśailakhaṇḍāṃ sapurāṃ sakānanām | śivāṃ susīmāṃ anuśāstu kevalam | tvayā yaduktaṃ nṛpate yathāstu tat ||

Über diese von mir aufgegebene Erde, mit ihren Bergen und Landstrichen, ihren Städten und Wäldern, heilvoll und mit guten Grenzen, möge Bharata allein herrschen; was du gesagt hast, o Herrscher, so soll es geschehen.

Wort für Wort
mayā nisṛṣṭām bharataḥ mahīm imām
über diese von mir aufgegebene Erde möge Bharata (herrschen)
saśaila-khaṇḍām sapurām sakānanām
mit Bergen und Landstrichen, mit Städten und Wäldern
śivām susīmām anuśāstu kevalam
heilvoll, mit guten Grenzen, möge er allein regieren
tvayā yat uktam nṛpate yathā astu tat
was du gesagt hast, o Herrscher, so geschehe es

na me tathā pārthiva dhīyate mano | mahatsu kāmeṣu na cātmanaḥ priye | yathā nideśe tava śiṣṭasammate | vyapaitu duḥkhaṃ tava matkṛte.anagha ||

Nicht so sehr, o Herrscher, ist mein Sinn auf große Genüsse oder auf das eigene Wohl gerichtet, wie auf deine von den Weisen gebilligte Anweisung; möge dein Kummer meinetwegen weichen, du Makelloser.

Wort für Wort
na me tathā pārthiva dhīyate manaḥ
nicht so sehr, o Herrscher, ist mein Sinn gerichtet
mahatsu kāmeṣu na ca ātmanaḥ priye
auf große Genüsse noch auf das eigene Wohl
yathā nideśe tava śiṣṭasammate
wie auf deine von den Weisen gebilligte Anweisung
vyapaitu duḥkham tava matkṛte anagha
möge dein Kummer meinetwegen weichen, du Makelloser

tadadya naivānagha rājyamavyayam | na sarvakāmān na sukhaṃ na maithilīm | na jīvitaṃ tvāmanṛtena yojayan | vṛṇīya satyaṃ vratamastu te tathā ||

Darum will ich heute, Makelloser, weder das unvergängliche Königreich, noch alle Genüsse, noch Glück, noch die Maithilī, noch das Leben wählen, wenn ich dich damit der Unwahrheit unterwerfen würde; die Wahrheit will ich wählen — so sei dein Gelübde.

Wort für Wort
tat adya na eva anagha
darum heute nicht, Makelloser
rājyam avyayam
das unvergängliche Königreich
na sarva-kāmān na sukham na maithilīm na jīvitam
nicht alle Genüsse, nicht Glück, nicht die Maithilī, nicht das Leben
tvām anṛtena yojayan vṛṇīya satyam vratam astu te tathā
wenn ich dich mit Unwahrheit verbände, wähle ich (stattdessen) die Wahrheit, so sei dein Gelübde

phalāni mūlāni ca bhakṣayan vane | girīṃśca paśyan saritaḥ sarāṃsi ca | vanaṃ praviśyaiva vicitrapādapaṃ | sukhī bhaviṣyāmi tavāstu nirvṛtiḥ ||

Früchte und Wurzeln im Wald essend, Berge, Flüsse und Seen betrachtend, werde ich, sobald ich den Wald mit seinen mannigfaltigen Bäumen betreten habe, glücklich sein — möge dir Frieden zuteilwerden.

Wort für Wort
phalāni mūlāni ca bhakṣayan vane
Früchte und Wurzeln im Wald essend
girīn ca paśyan saritaḥ sarāṃsi ca
Berge, Flüsse und Seen betrachtend
vanam praviśya eva vicitra-pādapam
sobald ich den Wald mit seinen mannigfaltigen Bäumen betreten habe
sukhī bhaviṣyāmi tava astu nirvṛtiḥ
werde ich glücklich sein, möge dir Frieden zuteilwerden

evaṃ sa rājā vyasanābhipannaḥ | śokena duḥkhena ca tāmyamānaḥ | āliṅgya putraṃ suvinaṣṭasaṃjño | mohaṃ gato naiva ciceṣṭa kiñcit ||

So, von diesem Unglück heimgesucht, von Kummer und Schmerz gepeinigt, umarmte der König seinen Sohn, gänzlich seiner Sinne beraubt; in Ohnmacht gefallen, regte er sich lange Zeit überhaupt nicht.

Wort für Wort
evam sa rājā vyasanābhipannaḥ
so von diesem Unglück heimgesucht, jener König
śokena duḥkhena ca tāmyamānaḥ
von Kummer und Schmerz gepeinigt
āliṅgya putram suvinaṣṭasaṃjñaḥ
seinen Sohn umarmend, gänzlich seiner Sinne beraubt
moham gataḥ na eva ciceṣṭa kiñcit
in Ohnmacht gefallen, regte er sich überhaupt nicht

devyastataḥ samruruduḥ sametā | stāṃ varjayitvā naradevapatnīm | rudan sumantro.api jagāma mūrchāṃ | hāhākṛtaṃ tatra babhūva sarvam ||

Da weinten alle versammelten Königinnen zusammen auf, nur jene eine Gattin des Königs ausgenommen; auch Sumantra, weinend, verfiel in Ohnmacht — ein einziger Klageschrei erhob sich dort allenthalben.

Wort für Wort
devyaḥ tataḥ samruruduḥ sametāḥ
die Königinnen weinten da alle versammelt zusammen auf
tām varjayitvā naradevapatnīm
jene eine Gattin des Menschenfürsten ausgenommen
rudan sumantraḥ api jagāma mūrchām
auch Sumantra, weinend, verfiel in Ohnmacht
hāhākṛtam tatra babhūva sarvam
ein einziger Klageschrei erhob sich dort überall

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks