Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 26: Rāma Sītā Anuśāsanam Rāma kehrt heim, offenbart Sītā sein Schicksal und weist sie an, in Ayodhyā zu bleiben, dem König und Bharata treu ergeben

abhivādya tu kausalyām rāmaḥ samprasthitaḥ vanam | kṛta-svastyayano mātrā dharmiṣṭhe vartmani sthitaḥ ||

Nachdem er Kausalyā verehrt hatte, machte sich Rāma auf den Weg in den Wald; von seiner Mutter mit den Segensriten versehen, stand er fest auf dem Pfad des Dharma.

Wort für Wort
abhivādya tu kausalyām
nachdem er Kausalyā verehrt hatte
rāmaḥ samprasthitaḥ vanam
machte sich Rāma auf den Weg in den Wald
kṛta-svastyayano mātrā
von der Mutter mit den Segensriten versehen
dharmiṣṭhe vartmani sthitaḥ
stand er fest auf dem Pfad des Dharma

virājayan rāja-sutaḥ rāja-mārgam naraiḥ vṛtam | hṛdayāni āmamantha iva janasya guṇavattayā ||

Der Königssohn, der die von Menschen erfüllte Königsstraße erstrahlen ließ, durchdrang gleichsam mit seiner Vortrefflichkeit die Herzen der Leute.

Wort für Wort
virājayan rāja-sutaḥ
der Königssohn, erstrahlen lassend
rāja-mārgam naraiḥ vṛtam
die von Menschen erfüllte Königsstraße
hṛdayāni āmamantha iva
durchdrang gleichsam die Herzen
janasya guṇavattayā
der Leute mit seiner Vortrefflichkeit

vaidehī ca api tat sarvam na śuśrāva tapasvinī | tad eva hṛdi tasyāḥ ca yauva-rājya-abhiṣecanam ||

Vaidehī aber, die Bemitleidenswerte, hatte von alledem nichts gehört; in ihrem Herzen war noch immer nur die Weihe zum Thronfolger.

Wort für Wort
vaidehī ca api tat sarvam
Vaidehī aber, all das
na śuśrāva tapasvinī
hatte nicht gehört, die Bemitleidenswerte
tad eva hṛdi tasyāḥ ca
eben dies allein war in ihrem Herzen
yauva-rājya-abhiṣecanam
die Weihe zum Thronfolger

deva-kāryam sma sā kṛtvā kṛta-jñā hṛṣṭa-cetanā | abhijñā rāja-dharmāṇām rāja-putram pratīkṣate ||

Nachdem sie, dankbar und frohen Gemüts, das Götteropfer vollzogen hatte, wartete sie, kundig der Regeln des Königtums, auf den Königssohn.

Wort für Wort
deva-kāryam sma sā kṛtvā
nachdem sie das Götteropfer vollzogen hatte
kṛta-jñā hṛṣṭa-cetanā
dankbar und frohen Gemüts
abhijñā rāja-dharmāṇām
kundig der Regeln des Königtums
rāja-putram pratīkṣate
wartete sie auf den Königssohn

praviveśa atha rāmaḥ tu sva-veśma su-vibhūṣitam | prahṛṣṭa-jana-sampūrṇam hriyā kiṃcit avān-mukhaḥ ||

Da betrat Rāma sein eigenes, prächtig geschmücktes, von frohen Menschen erfülltes Haus, das Gesicht aus Scham ein wenig gesenkt.

Wort für Wort
praviveśa atha rāmaḥ tu
da betrat Rāma
sva-veśma su-vibhūṣitam
sein eigenes prächtig geschmücktes Haus
prahṛṣṭa-jana-sampūrṇam
das von frohen Menschen erfüllte
hriyā kiṃcit avān-mukhaḥ
das Gesicht aus Scham ein wenig gesenkt

atha sītā samutpatya vepamānā ca tam patim | apaśyat śoka-samtaptam cintā-vyākulita-indriyam ||

Da sprang Sītā auf, zitternd, und erblickte ihren Gatten, vom Kummer versengt, die Sinne von Sorge aufgewühlt.

Wort für Wort
atha sītā samutpatya
da sprang Sītā auf
vepamānā ca tam patim
zitternd, und jenen Gatten
apaśyat śoka-samtaptam
sah ihn vom Kummer versengt
cintā-vyākulita-indriyam
die Sinne von Sorge aufgewühlt

tām dṛṣṭvā sa hi dharmātmā na śaśāka manogatam | tam śokam rāghavaḥ soḍhum tato vivṛtatām gataḥ ||

Als er sie sah, vermochte der Dharma-Gesinnte, der Rāghava, jenen im Herzen verborgenen Kummer nicht länger zu verbergen, und er wurde offenkundig.

Wort für Wort
tām dṛṣṭvā sa hi dharmātmā
als er sie sah, der Dharma-Gesinnte
na śaśāka manogatam
vermochte er den im Herzen befindlichen
tam śokam rāghavaḥ soḍhum
jenen Kummer zu ertragen, der Rāghava
tato vivṛtatām gataḥ
darauf wurde er offenkundig

vivarṇa-vadanam dṛṣṭvā tam prasvinnam amarṣaṇam | āha duḥkha-abhisamtaptā kim idānīm idam prabho ||

Als sie ihn mit blassem Gesicht, schweißbedeckt und unwillig sah, sprach sie, vom Schmerz überwältigt: „Was ist dies nun, mein Gebieter?

Wort für Wort
vivarṇa-vadanam dṛṣṭvā
als sie ihn mit blassem Gesicht sah
tam prasvinnam amarṣaṇam
ihn, schweißbedeckt und unwillig
āha duḥkha-abhisamtaptā
sprach sie, vom Schmerz überwältigt
kim idānīm idam prabho
was ist dies nun, mein Gebieter

adya bārhaspataḥ śrīmān yuktaḥ puṣyo na rāghava | procyate brāhmaṇaiḥ prājñaiḥ kena tvam asi durmanāḥ ||

Heute ist doch der glückverheißende, mit Bṛhaspati verbundene Puṣya-Stern, wie die weisen Brahmanen sagen, o Rāghava – warum bist du so bedrückt?

Wort für Wort
adya bārhaspataḥ śrīmān
heute ist doch der glückverheißende, mit Bṛhaspati (verbundene)
yuktaḥ puṣyo na rāghava
Puṣya-Stern, o Rāghava, nicht wahr
procyate brāhmaṇaiḥ prājñaiḥ
wird von den weisen Brahmanen gesagt
kena tvam asi durmanāḥ
warum bist du so bedrückt

na te śata-śalākena jala-phena-nibhena ca | āvṛtam vadanam valgu chatreṇa abhivirājate ||

Dein liebliches Gesicht erstrahlt nicht mehr, überdeckt von dem hundertspeichigen Schirm, der dem Schaum des Wassers gleicht.

Wort für Wort
na te śata-śalākena
nicht dein, mit hundert Speichen
jala-phena-nibhena ca
und dem Schaum des Wassers gleichenden
āvṛtam vadanam valgu
dein liebliches, bedecktes Gesicht
chatreṇa abhivirājate
erstrahlt mit dem Schirm (nicht)

vyajanābhyām ca mukhyābhyām śata-patra-nibha-īkṣaṇam | candra-haṃsa-prakāśābhyām vījyate na tava ānanam ||

Dein Antlitz mit den lotusblattgleichen Augen wird nicht mehr mit den beiden vortrefflichen Fächern gefächelt, die wie Mond und Schwan glänzen.

Wort für Wort
vyajanābhyām ca mukhyābhyām
mit den beiden vortrefflichen Fächern
śata-patra-nibha-īkṣaṇam
dein Antlitz mit den lotusblattgleichen Augen
candra-haṃsa-prakāśābhyām
die wie Mond und Schwan glänzenden
vījyate na tava ānanam
wird dein Antlitz nicht gefächelt

vāgmino bandinaḥ ca api prahṛṣṭāḥ tvam nara-ṛṣabha | stuvantaḥ na adya dṛśyante maṅgalaiḥ sūta-māgadhāḥ ||

Die redegewandten, frohen Barden und Sänger sind heute nicht zu sehen, wie sie dich, o Stier unter den Männern, mit Segensworten preisen.

Wort für Wort
vāgmino bandinaḥ ca api
die redegewandten Barden auch
prahṛṣṭāḥ tvam nara-ṛṣabha
froh, dich, o Stier unter den Männern
stuvantaḥ na adya dṛśyante
preisend werden heute nicht gesehen
maṅgalaiḥ sūta-māgadhāḥ
mit Segensworten die Sūtas und Māgadhas

na te kṣaudram ca dadhi ca brāhmaṇā veda-pāragāḥ | mūrdhni mūrdha-avasiktasya dadhati sma vidhānataḥ ||

Die im Veda bewanderten Brahmanen legen dir, dem zum Königtum Geweihten, nicht Honig und Quark, wie es vorgeschrieben ist, auf das Haupt.

Wort für Wort
na te kṣaudram ca dadhi ca
nicht dir Honig und Quark
brāhmaṇā veda-pāragāḥ
die im Veda bewanderten Brahmanen
mūrdhni mūrdha-avasiktasya
auf das Haupt des zum Herrscher Geweihten
dadhati sma vidhānataḥ
legen sie vorschriftsgemäß

na tvām prakṛtayaḥ sarvā śreṇī-mukhyāḥ ca bhūṣitāḥ | anuvrajitum icchanti paura-jānapadāḥ tathā ||

Weder alle Untertanen noch die geschmückten Häupter der Zünfte, noch die Bürger und Landbewohner wünschen dir heute zu folgen.

Wort für Wort
na tvām prakṛtayaḥ sarvā
nicht dir alle Untertanen
śreṇī-mukhyāḥ ca bhūṣitāḥ
und die geschmückten Häupter der Zünfte
anuvrajitum icchanti
wünschen zu folgen
paura-jānapadāḥ tathā
und ebenso die Bürger und Landbewohner

caturbhir vega-sampannaiḥ hayaiḥ kāñcana-bhūṣaṇaiḥ | mukhyaḥ puṣya-ratho yuktaḥ kim na gacchati te agrataḥ ||

Warum fährt nicht dein vorzüglicher, mit vier schnellen, goldgeschmückten Pferden bespannter Puṣya-Wagen vor dir her?

Wort für Wort
caturbhir vega-sampannaiḥ
mit vier schnellen
hayaiḥ kāñcana-bhūṣaṇaiḥ
goldgeschmückten Pferden
mukhyaḥ puṣya-ratho yuktaḥ
der vorzügliche, bespannte Puṣya-Wagen
kim na gacchati te agrataḥ
warum fährt er nicht vor dir her

na hastī ca agrataḥ śrīmāṃs tava lakṣaṇa-pūjitaḥ | prayāṇe lakṣyate vīra kṛṣṇa-megha-giri-prabhaḥ ||

Auch der prächtige, mit Glückszeichen ausgezeichnete Elefant, der schwarzen Wolken oder Bergen gleicht, ist bei deinem Auszug nicht vor dir zu sehen, o Held.

Wort für Wort
na hastī ca agrataḥ śrīmāṃs
nicht der prächtige Elefant voran
tava lakṣaṇa-pūjitaḥ
der mit Glückszeichen ausgezeichnete deine
prayāṇe lakṣyate vīra
wird beim Auszug gesehen, o Held
kṛṣṇa-megha-giri-prabhaḥ
der wie eine schwarze Wolke oder ein Berg glänzt

na ca kāñcanam citram te paśyāmi priya-darśana | bhadra-āsanam puraḥ kṛtya yāntam vīra puraḥsaram ||

Auch sehe ich nicht deinen prachtvoll goldverzierten Ehrensitz vorangetragen, während du, o Held, lieblich anzuschauen, dahinschreitest, ihm voran.

Wort für Wort
na ca kāñcanam citram te
auch nicht deinen goldverzierten prachtvollen
paśyāmi priya-darśana
sehe ich, o lieblich Anzuschauender
bhadra-āsanam puraḥ kṛtya
den Ehrensitz vorangetragen
yāntam vīra puraḥsaram
während du, Held, vorangehst

abhiṣeko yadā sajjaḥ kim idānīm idam tava | apūrvo mukha-varṇaḥ ca na praharṣaḥ ca lakṣyate ||

Da doch die Weihe bereitsteht – was ist dies nun mit dir? Eine ungewohnte Gesichtsfarbe zeigt sich, und keine Freude ist zu erkennen.“

Wort für Wort
abhiṣeko yadā sajjaḥ
da die Weihe bereitsteht
kim idānīm idam tava
was ist dies nun mit dir
apūrvo mukha-varṇaḥ ca
eine ungewohnte Gesichtsfarbe
na praharṣaḥ ca lakṣyate
und keine Freude ist zu erkennen

iti iva vilapantīm tām provāca raghu-nandanaḥ | sīte tatra bhavāṃs tāta pravrājayati mām vanam ||

Zu ihr, die so klagte, sprach der Freudenbringer der Raghus: „Sītā, mein Vater verbannt mich in den Wald.

Wort für Wort
iti iva vilapantīm tām
zu ihr, die so klagte
provāca raghu-nandanaḥ
sprach der Freudenbringer der Raghus
sīte tatra bhavāṃs tāta
Sītā, mein Vater dort
pravrājayati mām vanam
verbannt mich in den Wald

kule mahati sambhūte dharma-jñe dharma-cāriṇi | śṛṇu jānaki yena idam krameṇa abhyāgatam mama ||

Höre, Jānakī, die du aus großem Geschlecht entstammst, dem Dharma kundig bist und ihn übst, wie mir dies der Reihe nach widerfahren ist.

Wort für Wort
kule mahati sambhūte
aus großem Geschlecht entstammt
dharma-jñe dharma-cāriṇi
dem Dharma kundig und ihn übend
śṛṇu jānaki
höre, Jānakī
yena idam krameṇa abhyāgatam mama
wie mir dies der Reihe nach widerfahren ist

rājñā satya-pratijñena pitrā daśarathena me | kaikeyyai prīta-manasā purā dattau mahā-varau ||

Vom König, meinem Vater Daśaratha, dem der Wahrhaftigkeit Verpflichteten, wurden einst, frohen Herzens, der Kaikeyī zwei große Gunstgewährungen gewährt.

Wort für Wort
rājñā satya-pratijñena
vom König, dem der Wahrhaftigkeit Verpflichteten
pitrā daśarathena me
von meinem Vater Daśaratha
kaikeyyai prīta-manasā
der Kaikeyī, frohen Herzens
purā dattau mahā-varau
wurden einst zwei große Gunstgewährungen gegeben

tayā adya mama sajje asmin abhiṣeke nṛpa-udyate | pracoditaḥ sa samayo dharmeṇa pratinirjitaḥ ||

Heute, da meine Weihe bereitsteht und der König sie in Gang gesetzt hat, wurde von ihr jener Anspruch geltend gemacht, dem sich der Dharma gemäß beugen musste.

Wort für Wort
tayā adya mama sajje
von ihr heute, da meine bereitstehende
asmin abhiṣeke nṛpa-udyate
diese Weihe vom König in Gang gesetzt
pracoditaḥ sa samayo
wurde jener Anspruch geltend gemacht
dharmeṇa pratinirjitaḥ
dem gemäß dem Dharma entschieden werden musste

caturdaśa hi varṣāṇi vastavyam daṇḍake mayā | pitrā me bharataḥ ca api yauva-rājye niyojitaḥ ||

Vierzehn Jahre lang muss ich im Daṇḍaka-Wald wohnen, und mein Vater hat auch Bharata mit der Thronfolge betraut.

Wort für Wort
caturdaśa hi varṣāṇi
vierzehn Jahre lang
vastavyam daṇḍake mayā
muss von mir im Daṇḍaka gewohnt werden
pitrā me bharataḥ ca api
und mein Vater hat auch Bharata
yauva-rājye niyojitaḥ
mit der Thronfolge betraut

so.aham tvām āgataḥ draṣṭum prasthitaḥ vijanam vanam | bharatasya samīpe te na aham kathyaḥ kadācana ||

So bin ich gekommen, dich zu sehen, bevor ich mich auf den Weg in den menschenleeren Wald mache; von mir sollst du niemals in Bharatas Gegenwart sprechen.

Wort für Wort
so.aham tvām āgataḥ draṣṭum
so bin ich gekommen, dich zu sehen
prasthitaḥ vijanam vanam
aufgebrochen zum menschenleeren Wald
bharatasya samīpe te
in Bharatas Gegenwart sollst du
na aham kathyaḥ kadācana
niemals von mir sprechen

ṛddhi-yuktā hi puruṣā na sahante para-stavam | tasmān na te guṇāḥ kathyā bharatasya agrataḥ mama ||

Denn Menschen, die in Macht und Fülle stehen, ertragen nicht das Lob eines anderen; darum sollen meine Vorzüge nicht in Bharatas Gegenwart genannt werden.

Wort für Wort
ṛddhi-yuktā hi puruṣā
Menschen, die in Macht und Fülle stehen
na sahante para-stavam
ertragen nicht das Lob eines anderen
tasmān na te guṇāḥ kathyā
darum sollen meine Vorzüge nicht genannt werden
bharatasya agrataḥ mama
in Bharatas Gegenwart

na api tvam tena bhartavyā viśeṣeṇa kadācana | anukūlatayā śakyam samīpe tasya vartitum ||

Auch sollst du niemals in besonderer Weise von ihm unterhalten werden; nur durch Wohlgesinntheit ist es möglich, in seiner Nähe zu bestehen.

Wort für Wort
na api tvam tena bhartavyā
auch sollst du nicht von ihm unterhalten werden
viśeṣeṇa kadācana
jemals in besonderer Weise
anukūlatayā śakyam
nur durch Wohlgesinntheit ist es möglich
samīpe tasya vartitum
in seiner Nähe zu bestehen

tasmai dattam nṛpa-patinā yauva-rājyam sanātanam | sa prasādyaḥ tvayā sīte nṛpatiḥ ca viśeṣataḥ ||

Ihm wurde vom Herrscherfürsten die althergebrachte Thronfolge übertragen; ihn sollst du, Sītā, wie auch den König, besonders zu Wohlwollen stimmen.

Wort für Wort
tasmai dattam nṛpa-patinā
ihm wurde vom Herrscherfürsten gegeben
yauva-rājyam sanātanam
die althergebrachte Thronfolge
sa prasādyaḥ tvayā sīte
ihn sollst du, Sītā, zu Wohlwollen stimmen
nṛpatiḥ ca viśeṣataḥ
und den König besonders

aham ca api pratijñām tām guroḥ samanupālayan | vanam adya eva yāsyāmi sthirā bhava manasvini ||

Auch ich, dieses Versprechen meines Vaters wahrend, werde noch heute in den Wald gehen; sei standhaft, du Besonnene.

Wort für Wort
aham ca api pratijñām tām
auch ich, jenes Versprechen
guroḥ samanupālayan
das des Vaters wahrend
vanam adya eva yāsyāmi
werde noch heute in den Wald gehen
sthirā bhava manasvini
sei standhaft, du Besonnene

yāte ca mayi kalyāṇi vanam muni-niṣevitam | vrata-upavāsa-ratayā bhavitavyam tvayā anaghe ||

Wenn ich, Glückverheißende, in den von Asketen bewohnten Wald gegangen bin, sollst du, Makellose, dich Gelübden und Fasten hingeben.

Wort für Wort
yāte ca mayi kalyāṇi
wenn ich gegangen bin, Glückverheißende
vanam muni-niṣevitam
in den von Asketen bewohnten Wald
vrata-upavāsa-ratayā
den Gelübden und dem Fasten hingegeben
bhavitavyam tvayā anaghe
sollst du sein, Makellose

kālyam utthāya devānām kṛtvā pūjām yathā-vidhi | vanditavyo daśarathaḥ pitā mama nara-īśvaraḥ ||

Nach dem morgendlichen Erwachen und der vorschriftsmäßigen Verehrung der Götter soll Daśaratha, mein Vater, der Herr der Menschen, verehrt werden.

Wort für Wort
kālyam utthāya
nach dem morgendlichen Erwachen
devānām kṛtvā pūjām yathā-vidhi
nach vorschriftsmäßiger Verehrung der Götter
vanditavyo daśarathaḥ
soll Daśaratha verehrt werden
pitā mama nara-īśvaraḥ
mein Vater, der Herr der Menschen

mātā ca mama kausalyā vṛddhā saṃtāpa-karśitā | dharmam eva agrataḥ kṛtvā tvattaḥ sammānam arhati ||

Und meine Mutter Kausalyā, alt und vom Kummer ausgezehrt, verdient, dass du den Dharma voranstellst und ihr Ehrerbietung erweist.

Wort für Wort
mātā ca mama kausalyā
und meine Mutter Kausalyā
vṛddhā saṃtāpa-karśitā
alt, vom Kummer ausgezehrt
dharmam eva agrataḥ kṛtvā
indem du den Dharma voranstellst
tvattaḥ sammānam arhati
verdient sie von dir Ehrerbietung

vanditavyāḥ ca te nityam yāḥ śeṣā mama mātaraḥ | sneha-praṇaya-sambhogaiḥ samā hi mama mātaraḥ ||

Auch die übrigen meiner Mütter sollen von dir stets verehrt werden; denn durch Zuneigung, Liebe und Fürsorge sind sie mir alle gleich Mütter.

Wort für Wort
vanditavyāḥ ca te nityam
und sie sollen von dir stets verehrt werden
yāḥ śeṣā mama mātaraḥ
die übrigen meiner Mütter
sneha-praṇaya-sambhogaiḥ
durch Zuneigung, Liebe und Fürsorge
samā hi mama mātaraḥ
sind sie mir alle gleich Mütter

bhrātṛ-putra-samau ca api draṣṭavyau ca viśeṣataḥ | tvayā lakṣmaṇa-śatrughnau prāṇaiḥ priyatarau mama ||

Lakṣmaṇa und Śatrughna, die mir teurer sind als das eigene Leben, sollst du besonders wie einen Bruder und einen Sohn zugleich betrachten.

Wort für Wort
bhrātṛ-putra-samau ca api
einem Bruder und einem Sohn gleich
draṣṭavyau ca viśeṣataḥ
sollen sie besonders betrachtet werden
tvayā lakṣmaṇa-śatrughnau
von dir, Lakṣmaṇa und Śatrughna
prāṇaiḥ priyatarau mama
die mir teurer sind als das Leben

vipriyam na ca kartavyam bharatasya kadācana | sa hi rājā prabhuḥ caiva deśasya ca kulasya ca ||

Niemals soll Bharata etwas Unliebsames zugefügt werden; denn er ist der König und Herr sowohl des Landes als auch des Geschlechts.

Wort für Wort
vipriyam na ca kartavyam
nichts Unliebsames soll getan werden
bharatasya kadācana
Bharata jemals
sa hi rājā prabhuḥ caiva
denn er ist der König und Herr
deśasya ca kulasya ca
sowohl des Landes als auch des Geschlechts

ārādhitā hi śīlena prayatnaiḥ ca upasevitāḥ | rājānaḥ samprasīdanti prakupyanti viparyaye ||

Wenn Könige durch gutes Verhalten und eifrigen Dienst zufriedengestellt werden, sind sie wohlgesinnt; im Gegenteil aber werden sie zornig.

Wort für Wort
ārādhitā hi śīlena
durch gutes Verhalten zufriedengestellt
prayatnaiḥ ca upasevitāḥ
und durch eifrigen Dienst umsorgt
rājānaḥ samprasīdanti
sind Könige wohlgesinnt
prakupyanti viparyaye
im Gegenteil werden sie zornig

aurasān api putrān hi tyajanti ahita-kāriṇaḥ | samarthān sampragṛhṇanti janān api nara-adhipāḥ ||

Selbst leibliche Söhne, die ihnen schaden, verstoßen die Herrscher der Menschen, und auch fähige fremde Männer nehmen sie in Gunst auf.

Wort für Wort
aurasān api putrān hi
selbst leibliche Söhne
tyajanti ahita-kāriṇaḥ
verstoßen sie, die ihnen schaden
samarthān sampragṛhṇanti
fähige nehmen sie in Gunst auf
janān api nara-adhipāḥ
auch fremde Leute, die Herrscher der Menschen

sā tvam vasa iha kalyāṇi rājñaḥ samanuvartinī | bharatasya ratā dharme satya-vrata-parāyaṇā ||

So bleibe du hier, Glückverheißende, dem König gehorsam, dem Dharma zugetan und dem Gelübde der Wahrhaftigkeit ergeben, in Bharatas Nähe.

Wort für Wort
sā tvam vasa iha kalyāṇi
so bleibe du hier, Glückverheißende
rājñaḥ samanuvartinī
dem König gehorsam
bharatasya ratā dharme
Bharata zugetan, im Dharma
satya-vrata-parāyaṇā
dem Gelübde der Wahrhaftigkeit ergeben

aham gamiṣyāmi mahā-vanam priye | tvayā hi vastavyam iha eva bhāmini | yathā vyalīkam kuruṣe na kasyacit | tathā tvayā kāryam idam vaco mama ||

Ich werde in den großen Wald gehen, meine Liebe; du aber musst hier bleiben, du Schöne; und so, dass du niemandem etwas Unliebsames tust, sollst du dieses mein Wort befolgen.“

Wort für Wort
aham gamiṣyāmi mahā-vanam priye
ich werde in den großen Wald gehen, meine Liebe
tvayā hi vastavyam iha eva bhāmini
du aber musst hier bleiben, du Schöne
yathā vyalīkam kuruṣe na kasyacit
so dass du niemandem etwas Unliebsames tust
tathā tvayā kāryam idam vaco mama
so sollst du dieses mein Wort befolgen

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