Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 54: Bharadvāja Āśrama Praveśaḥ Citrakūṭa Nirdeśaḥ Rāma, Sītā und Lakṣmaṇa erreichen den Āśrama des Weisen Bharadvāja am Zusammenfluss von Gaṅgā und Yamunā, verbringen dort die Nacht, und Bharadvāja weist ihnen den Berg Citrakūṭa als Wohnort zu

te tu tasmin mahāvṛkṣa uṣitvā rajanīṃ śivām | vimale abhyudite sūrye tasmād deśāt pratasthire ||

Nachdem sie jene segensreiche Nacht unter jenem großen Baum verbracht hatten, brachen sie, als die Sonne klar aufgegangen war, von jenem Ort auf.

Wort für Wort
te tu tasmin mahāvṛkṣe
sie aber unter jenem großen Baum
uṣitvā rajanīṃ śivām
nachdem sie die segensreiche Nacht verbracht hatten
vimale abhyudite sūrye
als die Sonne rein aufgegangen war
tasmād deśāt pratasthire
brachen sie von jenem Ort auf

yatra bhāgīrathī gaṅgā yamunām abhivartate | jagmus taṃ deśam uddiśya vigāhya sumahad vanam ||

Dorthin, wo die Bhāgīrathī-Gaṅgā auf die Yamunā trifft, zogen sie, jenen Ort anstrebend, tief in den gewaltigen Wald eindringend.

Wort für Wort
yatra bhāgīrathī gaṅgā
wo die Bhāgīrathī-Gaṅgā
yamunām abhivartate
auf die Yamunā trifft
jagmus taṃ deśam uddiśya
zogen sie, jenen Ort anstrebend
vigāhya sumahad vanam
in den gewaltigen Wald eindringend

te bhūmim āgamya vividhān deśāṃś cāpi manoramān | adṛṣṭapūrvān paśyantas tatra tatra yaśasvinaḥ ||

Die Ruhmreichen betraten das Land und sahen dort und da mancherlei liebliche, nie zuvor gesehene Gegenden.

Wort für Wort
te bhūmim āgamya
sie, das Land betretend
vividhān deśāṃś cāpi manoramān
und auch mancherlei liebliche Gegenden
adṛṣṭapūrvān paśyantaḥ
betrachtend, die zuvor nie gesehen worden waren
tatra tatra yaśasvinaḥ
dort und da, die Ruhmreichen

yathā kṣemeṇa gacchaṃś ca paśyaṃś ca vividhān drumān | nivṛttamātre divase rāmaḥ saumitrim abravīt ||

Während er so sicher dahinzog und mancherlei Bäume betrachtete, sprach Rāma, kaum dass sich der Tag neigte, zu dem Sohn der Sumitrā:

Wort für Wort
yathā kṣemeṇa gacchaṃś ca
während er so sicher dahinzog
paśyaṃś ca vividhān drumān
und mancherlei Bäume betrachtete
nivṛttamātre divase
kaum dass sich der Tag neigte
rāmaḥ saumitrim abravīt
sprach Rāma zum Sohn der Sumitrā

prayāgam abhitaḥ paśya saumitre dhūmam unnatam | agner bhagavataḥ ketuṃ manye saṃnihitaḥ muniḥ ||

Sieh, Sohn der Sumitrā, nahe bei Prayāga steigt Rauch empor - ich denke, das ist das Zeichen des heiligen Feuers; ein Weiser muss in der Nähe sein.

Wort für Wort
prayāgam abhitaḥ paśya
sieh, nahe bei Prayāga
saumitre dhūmam unnatam
Sohn der Sumitrā, den aufsteigenden Rauch
agner bhagavataḥ ketum manye
ich halte ihn für das Zeichen des heiligen Feuers
saṃnihitaḥ muniḥ
ein Weiser ist in der Nähe

nūnaṃ prāptāḥ sma saṃbhedaṃ gaṅgāyamunayor vayam | tathā hi śrūyate śabdo vāriṇā vāri ghaṭṭitaḥ ||

Gewiss sind wir am Zusammenfluss von Gaṅgā und Yamunā angelangt; denn so hört man das Geräusch, das entsteht, wenn Wasser auf Wasser trifft.

Wort für Wort
nūnaṃ prāptāḥ sma saṃbhedam
gewiss haben wir den Zusammenfluss erreicht
gaṅgāyamunayor vayam
von Gaṅgā und Yamunā, wir
tathā hi śrūyate śabdaḥ
denn so wird ein Geräusch gehört
vāriṇā vāri ghaṭṭitaḥ
das entsteht, wenn Wasser mit Wasser zusammenstößt

dārūṇi paribhinnāni vanajair upajīvibhiḥ | bharadvājāśrame cete dṛśyante vividhā drumāḥ ||

Gespaltenes Holz, [gefällt] von denen, die vom Wald leben, [liegt umher]; und im Āśrama des Bharadvāja sind hier mancherlei Bäume zu sehen.

Wort für Wort
dārūṇi paribhinnāni
gespaltenes Holz
vanajair upajīvibhiḥ
von den vom Wald Lebenden
bharadvājāśrame ca ete
und im Āśrama des Bharadvāja diese
dṛśyante vividhā drumāḥ
werden mancherlei Bäume gesehen

dhanvinau tau sukhaṃ gatvā lambamāne divākare | gaṅgāyamunayoḥ saṃdhau prāpatur nilayaṃ muneḥ ||

Die beiden Bogenträger, glücklich dahingezogen, erreichten, als die Sonne sich schon neigte, am Zusammenfluss von Gaṅgā und Yamunā die Wohnstatt des Weisen.

Wort für Wort
dhanvinau tau sukhaṃ gatvā
die beiden Bogenträger, glücklich dahingezogen
lambamāne divākare
als die Sonne sich neigte
gaṅgāyamunayoḥ saṃdhau
am Zusammenfluss von Gaṅgā und Yamunā
prāpatur nilayaṃ muneḥ
erreichten sie die Wohnstatt des Weisen

rāmas tu āśramam āsādya trāsayan mṛgapakṣiṇaḥ | gatvā muhūrtam adhvānam bharadvājam upāgamat ||

Rāma aber, nachdem er den Āśrama erreicht hatte und dabei Wild und Vögel aufscheuchte, ging noch eine kurze Weile weiter und trat vor Bharadvāja.

Wort für Wort
rāmas tu āśramam āsādya
Rāma aber, den Āśrama erreichend
trāsayan mṛgapakṣiṇaḥ
Wild und Vögel aufscheuchend
gatvā muhūrtam adhvānam
nachdem er noch eine kurze Weile den Weg gegangen war
bharadvājam upāgamat
trat er vor Bharadvāja

tatas tu āśramam āsādya munerdarśanakāṅkṣiṇau | sītayānugatau vīrau dūrād eva avatasthatuḥ ||

Dann, den Āśrama erreicht habend, verharrten die beiden Helden, von Sītā begleitet, die den Anblick des Weisen ersehnten, noch aus der Ferne.

Wort für Wort
tatas tu āśramam āsādya
dann, den Āśrama erreichend
munerdarśanakāṅkṣiṇau
die beiden, den Anblick des Weisen ersehnend
sītayānugatau vīrau
die beiden Helden, von Sītā begleitet
dūrād eva avatasthatuḥ
verharrten schon aus der Ferne

sa praviśya mahātmānam ṛṣiṃ śiṣyagaṇair vṛtam | saṃśitavratam ekāgraṃ tapasā labdhacakṣuṣam ||

Dann trat er ein zu jenem hochgesinnten Seher, der von seiner Schülerschar umgeben, streng in seinen Gelübden, gesammelten Geistes und durch Askese hellsichtig geworden war.

Wort für Wort
sa praviśya mahātmānam ṛṣim
er, eintretend zu dem hochgesinnten Seher
śiṣyagaṇair vṛtam
umgeben von seiner Schülerschar
saṃśitavratam ekāgram
von strengem Gelübde, gesammelten Geistes
tapasā labdhacakṣuṣam
durch Askese hellsichtig geworden

hutāgnihotraṃ dṛṣṭvaiva mahābhāgaṃ kṛtāñjaliḥ | rāmaḥ saumitriṇā sārdhaṃ sītayā cābhyavādayat ||

Sobald er sah, dass das Feueropfer dargebracht war, grüßte Rāma den Hochgesegneten mit gefalteten Händen, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā und mit Sītā.

Wort für Wort
hutāgnihotraṃ dṛṣṭvaiva
sobald er sah, dass das Feueropfer dargebracht war
mahābhāgaṃ kṛtāñjaliḥ
mit gefalteten Händen den Hochgesegneten [grüßend]
rāmaḥ saumitriṇā sārdham
Rāma zusammen mit dem Sohn der Sumitrā
sītayā cābhyavādayat
und mit Sītā begrüßte er ihn

nyavedayata cātmānaṃ tasmai lakṣmaṇapūrvajaḥ | putrau daśarathasyāvāṃ bhagavan rāmalakṣmaṇau ||

Und der ältere Bruder Lakṣmaṇas stellte sich ihm vor: 'Wir beide, Rāma und Lakṣmaṇa, sind die Söhne Daśarathas, o Herr.'

Wort für Wort
nyavedayata cātmānam
und er stellte sich selbst vor
tasmai lakṣmaṇapūrvajaḥ
ihm, der ältere Bruder Lakṣmaṇas
putrau daśarathasyāvām
wir beide sind Söhne Daśarathas
bhagavan rāmalakṣmaṇau
o Herr, Rāma und Lakṣmaṇa

bhāryā mama iyaṃ vaidehī kalyāṇī janakātmajā | māṃ cānuyātā vijanaṃ tapovanam aninditā ||

Dies ist meine Gattin Vaidehī, die vortreffliche Tochter Janakas, die Untadelige, die mir in den einsamen Büßerwald gefolgt ist.

Wort für Wort
bhāryā mama iyaṃ vaidehī
dies ist meine Gattin Vaidehī
kalyāṇī janakātmajā
die vortreffliche Tochter Janakas
māṃ cānuyātā vijanam
und mir gefolgt, in den einsamen [Wald]
tapovanam aninditā
in den Büßerwald, die Untadelige

pitrā pravrājyamānaṃ māṃ saumitrir anujaḥ priyaḥ | ayam anvagamad bhrātā vanam eva dṛḍhavrataḥ ||

Mir, der ich vom Vater verbannt wurde, ist dieser mein geliebter jüngerer Bruder, der Sohn der Sumitrā, standhaften Gelübdes, in den Wald gefolgt.

Wort für Wort
pitrā pravrājyamānaṃ mām
mir, der ich vom Vater verbannt wurde
saumitrir anujaḥ priyaḥ
der Sohn der Sumitrā, der liebe jüngere Bruder
ayam anvagamad bhrātā
dieser Bruder ist gefolgt
vanam eva dṛḍhavrataḥ
eben in den Wald, standhaften Gelübdes

pitrā niyuktā bhagavan praveṣyāmas tapovanam | dharmam evācariṣyāmas tatra mūlaphalāśanāḥ ||

Vom Vater dazu bestimmt, o Herr, werden wir den Büßerwald betreten und dort, von Wurzeln und Früchten lebend, allein dem Recht folgen.

Wort für Wort
pitrā niyuktā bhagavan
vom Vater bestimmt, o Herr
praveṣyāmas tapovanam
werden wir den Büßerwald betreten
dharmam evācariṣyāmaḥ
wir werden allein dem Recht folgen
tatra mūlaphalāśanāḥ
dort, von Wurzeln und Früchten lebend

tasya tad vacanaṃ śrutvā rājaputrasya dhīmataḥ | upānayata dharmātmā gām arghyam udakaṃ tataḥ ||

Als er diese Worte des klugen Königssohnes gehört hatte, brachte der dem Recht Ergebene sogleich eine Kuh, das Ehrengeschenk und Wasser herbei.

Wort für Wort
tasya tad vacanaṃ śrutvā
als er diese Worte gehört hatte
rājaputrasya dhīmataḥ
des klugen Königssohnes
upānayata dharmātmā
brachte der dem Recht Ergebene herbei
gām arghyam udakaṃ tataḥ
eine Kuh, das Ehrengeschenk und Wasser, darauf

nānāvidhān annarasān vanyamūlaphalāśrayān | tebhyo dadau taptatapā vāsaṃ caivābhyakalpayat ||

Der in strenger Askese Lebende gab ihnen mancherlei Speisen und Säfte, die auf wilden Wurzeln und Früchten beruhten, und bereitete ihnen eine Unterkunft.

Wort für Wort
nānāvidhān annarasān
mancherlei Speisen und Säfte
vanyamūlaphalāśrayān
die auf wilden Wurzeln und Früchten beruhten
tebhyo dadau taptatapā
gab ihnen der in strenger Askese Lebende
vāsaṃ caivābhyakalpayat
und bereitete auch eine Unterkunft

mṛgapakṣibhir āsīno munibhiś ca samantataḥ | rāmam āgatam abhyarcya svāgatenāha taṃ muniḥ ||

Umgeben von Wild und Vögeln und von Weisen ringsum sitzend, ehrte der Weise den angekommenen Rāma und hieß ihn mit einem Willkommensgruß.

Wort für Wort
mṛgapakṣibhir āsīnaḥ
umgeben von Wild und Vögeln sitzend
munibhiś ca samantataḥ
und von Weisen ringsum
rāmam āgatam abhyarcya
den angekommenen Rāma ehrend
svāgatenāha taṃ muniḥ
hieß ihn der Weise mit einem Willkommensgruß

pratigṛhya ca tām arcāṃ upaviṣṭaṃ sa rāghavam | bharadvājo 'bravīd vākyaṃ dharmayuktam idaṃ tadā ||

Nachdem der Sohn des Raghu die Ehrengabe angenommen hatte und Platz genommen hatte, sprach Bharadvāja zu ihm diese dem Recht gemäßen Worte:

Wort für Wort
pratigṛhya ca tām arcām
und nachdem er jene Ehrengabe angenommen hatte
upaviṣṭaṃ sa rāghavam
er, der Sohn des Raghu, der Platz genommen hatte
bharadvājo 'bravīd vākyam
sprach Bharadvāja die Worte
dharmayuktam idaṃ tadā
diese dem Recht gemäßen, damals

cirasya khalu kākutstha paśyāmi tvām ihāgatam | śrutaṃ tava mayā caidaṃ vivāsanam akāraṇam ||

Nach langer Zeit fürwahr sehe ich dich, Nachkomme des Kakutstha, hierher gekommen; und ich habe von deiner grundlosen Verbannung gehört.

Wort für Wort
cirasya khalu kākutstha
nach langer Zeit fürwahr, Nachkomme des Kakutstha
paśyāmi tvām ihāgatam
sehe ich dich hierher gekommen
śrutaṃ tava mayā ca idam
und dies habe ich von dir gehört
vivāsanam akāraṇam
die grundlose Verbannung

avakāśo viviktaḥ ayaṃ mahānadyoḥ samāgame | puṇyaś ca ramaṇīyaś ca vasatv iha bhavān sukham ||

Dieser abgeschiedene Ort am Zusammenfluss der beiden großen Ströme ist heilig und lieblich; mögest du hier glücklich verweilen.

Wort für Wort
avakāśo viviktaḥ ayam
dieser abgeschiedene Ort
mahānadyoḥ samāgame
am Zusammenfluss der beiden großen Ströme
puṇyaś ca ramaṇīyaś ca
heilig und lieblich
vasatv iha bhavān sukham
möge Herr hier glücklich verweilen

evam uktas tu vacanaṃ bharadvājena rāghavaḥ | pratyuvāca śubhaṃ vākyaṃ rāmaḥ sarvahite rataḥ ||

So von Bharadvāja angesprochen, erwiderte Rāma, der am Wohl aller Freude hat, diese freundlichen Worte:

Wort für Wort
evam uktas tu vacanam
so aber angesprochen mit diesen Worten
bharadvājena rāghavaḥ
von Bharadvāja, der Sohn des Raghu
pratyuvāca śubhaṃ vākyam
erwiderte freundliche Worte
rāmaḥ sarvahite rataḥ
Rāma, der am Wohl aller Freude hat

bhagavann iha āsannaḥ paurajānapado janaḥ | sulabhaṃ mām iha prekṣya manye 'ham imam āśramam ||

O Herr, weil hier das Volk aus Stadt und Land in der Nähe wohnt und mich hier leicht erblicken kann, so denke ich

Wort für Wort
bhagavann iha āsannaḥ
o Herr, hier in der Nähe [wohnt]
paurajānapado janaḥ
das Volk aus Stadt und Land
sulabhaṃ mām iha prekṣya
da es mich hier leicht erblicken kann
manye 'ham imam āśramam
denke ich über diesen Āśrama

āgamiṣyati vaidehīṃ māṃ cāpi prekṣakojanaḥ | anena kāraṇenāhaṃ iha vāsaṃ na rocaye ||

dass neugierige Leute hierherkommen werden, um Vaidehī und auch mich zu betrachten; aus diesem Grund gefällt mir ein Aufenthalt hier nicht.

Wort für Wort
āgamiṣyati vaidehīm
es werden kommen, um Vaidehī
māṃ cāpi prekṣakojanaḥ
und auch mich zu sehen, neugierige Leute
anena kāraṇenāham
aus diesem Grund
iha vāsaṃ na rocaye
gefällt mir ein Aufenthalt hier nicht

ekānte paśya bhagavann āśramasthānam uttamam | ramate yatra vaidehī sukhārhā janakātmajā ||

Sieh doch, o Herr, nach einem abgelegenen, vortrefflichen Ort für einen Āśrama, wo Vaidehī, die des Glücks würdige Tochter Janakas, sich wohlfühlen kann.

Wort für Wort
ekānte paśya bhagavan
sieh, o Herr, an einem abgelegenen [Ort]
āśramasthānam uttamam
nach einem vortrefflichen Āśrama-Platz
ramate yatra vaidehī
wo Vaidehī sich erfreuen kann
sukhārhā janakātmajā
die des Glücks würdige Tochter Janakas

etac chrutvā śubhaṃ vākyaṃ bharadvājo mahāmuniḥ | rāghavasya tataḥ vākyam arthagrāhakam abravīt ||

Nachdem der große Weise Bharadvāja diese freundlichen Worte gehört hatte, sprach er darauf zu dem Sohn des Raghu diese sinnreichen Worte:

Wort für Wort
etac chrutvā śubhaṃ vākyam
nachdem er diese freundlichen Worte gehört hatte
bharadvājo mahāmuniḥ
Bharadvāja, der große Weise
rāghavasya tataḥ vākyam
darauf zu dem Sohn des Raghu die Worte
arthagrāhakam abravīt
sprach er, die sinnreichen

daśakrośe 'sti tāta girir yasmin nivatsyasi | maharṣisevitaḥ puṇyaḥ sarvataḥ sukhadarśanaḥ ||

Zehn Krośa von hier, mein Sohn, liegt ein Berg, auf dem du wohnen kannst - heilig, von großen Sehern aufgesucht, von allen Seiten schön anzuschauen.

Wort für Wort
daśakrośe 'sti tāta giriḥ
zehn Krośa entfernt gibt es, mein Sohn, einen Berg
yasmin nivatsyasi
auf dem du wohnen wirst
maharṣisevitaḥ puṇyaḥ
heilig, von großen Sehern aufgesucht
sarvataḥ sukhadarśanaḥ
von allen Seiten schön anzuschauen

golāṅgūlānucaritaḥ vānararkṣaniṣevitaḥ | citrakūṭa iti khyātaḥ gandhamādanasaṃnibhaḥ ||

Begangen von Languren, aufgesucht von Affen und Bären, unter dem Namen Citrakūṭa bekannt, dem Gandhamādana-Berg gleich.

Wort für Wort
golāṅgūlānucaritaḥ
begangen von Languren
vānararkṣaniṣevitaḥ
aufgesucht von Affen und Bären
citrakūṭa iti khyātaḥ
unter dem Namen Citrakūṭa bekannt
gandhamādanasaṃnibhaḥ
dem Gandhamādana-Berg gleich

yāvatā citrakūṭasya naraḥ śṛṅgāṇy avekṣate | kalyāṇāni samādhatte na pāpe kurute manaḥ ||

Solange ein Mensch die Gipfel des Citrakūṭa betrachtet, sammelt er Heilsames an und richtet seinen Sinn nicht auf Böses.

Wort für Wort
yāvatā citrakūṭasya
solange des Citrakūṭa
naraḥ śṛṅgāṇy avekṣate
ein Mensch die Gipfel betrachtet
kalyāṇāni samādhatte
sammelt er Heilsames an
na pāpe kurute manaḥ
richtet er den Sinn nicht auf Böses

ṛṣayas tatra bahavo vihṛtya śaradāṃ śatam | tapasā divam ārūḍhāḥ kapālaśirasā saha ||

Viele Seher haben dort, nachdem sie hundert Jahre verweilt hatten, durch Askese den Himmel erstiegen, mitsamt ihrem [sterblichen] Schädel.

Wort für Wort
ṛṣayas tatra bahavaḥ
viele Seher dort
vihṛtya śaradāṃ śatam
nachdem sie hundert Jahre verweilt hatten
tapasā divam ārūḍhāḥ
sind durch Askese zum Himmel aufgestiegen
kapālaśirasā saha
mitsamt ihrem Schädel

praviviktam ahaṃ manye taṃ vāsaṃ bhavataḥ sukham | iha vā vanavāsāya vasa rāma mayā saha ||

Jenen abgeschiedenen Aufenthalt halte ich für dich angenehm; oder verweile, Rāma, für dein Waldleben hier bei mir.

Wort für Wort
praviviktam ahaṃ manye
abgeschieden, so denke ich
taṃ vāsaṃ bhavataḥ sukham
sei jener Aufenthalt für dich angenehm
iha vā vanavāsāya
oder hier für das Waldleben
vasa rāma mayā saha
verweile, Rāma, zusammen mit mir

sa rāmaṃ sarvakāmais taṃ bharadvājaḥ priyātithim | sabhāryaṃ saha ca bhrātrā pratijagrāha dharmavit ||

So empfing Bharadvāja, der das Recht kennt, den Rāma, seinen lieben Gast, samt seiner Gattin und seinem Bruder, mit allem, was dieser wünschen konnte.

Wort für Wort
sa rāmaṃ sarvakāmais tam
er, den Rāma, mit allem Gewünschten
bharadvājaḥ priyātithim
Bharadvāja, seinen lieben Gast
sabhāryaṃ saha ca bhrātrā
samt seiner Gattin und seinem Bruder
pratijagrāha dharmavit
empfing, der das Recht kennt

tasya prayāge rāmasya taṃ maharṣim upeyuṣaḥ | prapannā rajanī puṇyā citrāḥ kathayataḥ kathāḥ ||

Während Rāma in Prayāga bei jenem großen Weisen verweilte und mancherlei Geschichten erzählt wurden, brach die heilige Nacht herein.

Wort für Wort
tasya prayāge rāmasya
während dieser Rāma in Prayāga
taṃ maharṣim upeyuṣaḥ
zu jenem großen Weisen gekommen war
prapannā rajanī puṇyā
brach die heilige Nacht herein
citrāḥ kathayataḥ kathāḥ
während mancherlei Geschichten erzählt wurden

sītātṛtīyaḥ kākutsthaḥ pariśrāntaḥ sukhocitaḥ | bharadvājāśrame ramye tāṃ rātrim avasat sukham ||

Der Nachkomme des Kakutstha, mit Sītā als Drittem, ermüdet, doch an Behagen gewöhnt, verbrachte jene Nacht glücklich im lieblichen Āśrama des Bharadvāja.

Wort für Wort
sītātṛtīyaḥ kākutsthaḥ
der Nachkomme des Kakutstha, mit Sītā als Drittem
pariśrāntaḥ sukhocitaḥ
ermüdet, doch an Behagen gewöhnt
bharadvājāśrame ramye
im lieblichen Āśrama des Bharadvāja
tāṃ rātrim avasat sukham
verbrachte er jene Nacht glücklich

prabhātāyāṃ rajanyāṃ tu bharadvājam upāgamat | uvāca naraśārdūlo munim jvalitatejasam ||

Als aber die Nacht sich zum Morgen wandte, trat der Tiger unter den Männern zu Bharadvāja und sprach zu dem Weisen von leuchtender Kraft:

Wort für Wort
prabhātāyāṃ rajanyāṃ tu
als aber die Nacht zum Morgen wurde
bharadvājam upāgamat
trat er zu Bharadvāja
uvāca naraśārdūlaḥ
es sprach der Tiger unter den Männern
munim jvalitatejasam
zu dem Weisen von leuchtender Kraft

śarvarīṃ bhavatā adya satyaśīla tavāśrame | uṣitāḥ sma iha vasatiṃ anujānātu no bhavān ||

Wir haben heute, o Wahrhaftiger, die Nacht hier in deinem Āśrama verbracht; möge Herr uns nun den Aufbruch gestatten.

Wort für Wort
śarvarīṃ bhavatā adya
die Nacht heute, durch dich
satyaśīla tava āśrame
o Wahrhaftiger, in deinem Āśrama
uṣitāḥ sma iha vasatim
haben wir hier den Aufenthalt verbracht
anujānātu no bhavān
möge Herr uns [den Aufbruch] gestatten

rātryāṃ tu tasyāṃ vyuṣṭāyāṃ bharadvājo 'bravīd idam | madhumūlaphalopetaṃ citrakūṭaṃ vrajeti ha ||

Als jene Nacht verstrichen war, sprach Bharadvāja diese Worte: 'Geh zum Citrakūṭa, der reich an Honig, Wurzeln und Früchten ist.'

Wort für Wort
rātryāṃ tu tasyāṃ vyuṣṭāyām
als aber jene Nacht verstrichen war
bharadvājo 'bravīd idam
sprach Bharadvāja dies
madhumūlaphalopetam
reich an Honig, Wurzeln und Früchten
citrakūṭaṃ vrajeti ha
geh zum Citrakūṭa, so [sprach er]

vāsam aupayikaṃ manye tava rāma mahābala | nānānagagaṇopetaṃ kinnaroragasevitam ||

Ich halte diesen Aufenthalt für dich geeignet, starker Rāma - reich an mancherlei Bergen, von Kinnaras und Schlangenwesen aufgesucht.

Wort für Wort
vāsam aupayikaṃ manye
ich halte den Aufenthalt für geeignet
tava rāma mahābala
für dich, Rāma, du Starker
nānānagagaṇopetam
reich an mancherlei Bergketten
kinnaroragasevitam
von Kinnaras und Schlangenwesen aufgesucht

mayūranādābhirutaṃ gajarājaniṣevitam | gamyatāṃ bhavatā śailaś citrakūṭaḥ sa viśrutaḥ ||

Widerhallend vom Ruf der Pfauen, von königlichen Elefanten aufgesucht - dorthin sollst du gehen, zu jenem berühmten Berg Citrakūṭa.

Wort für Wort
mayūranādābhirutam
widerhallend vom Ruf der Pfauen
gajarājaniṣevitam
von königlichen Elefanten aufgesucht
gamyatāṃ bhavatā śailaḥ
zu jenem Berg sollst du gehen
citrakūṭaḥ sa viśrutaḥ
jenem berühmten Citrakūṭa

tatra kuñjarayūthāni mṛgayūthāni cābhitaḥ | vicaranti vanānteṣu tāni drakṣyasi rāghava ||

Dort wandern Herden von Elefanten und Herden von Wild ringsum an den Waldrändern - die wirst du sehen, Sohn des Raghu.

Wort für Wort
tatra kuñjarayūthāni
dort Herden von Elefanten
mṛgayūthāni cābhitaḥ
und Herden von Wild ringsum
vicaranti vanānteṣu
wandern sie an den Waldrändern
tāni drakṣyasi rāghava
diese wirst du sehen, Sohn des Raghu

saritprasravaṇaprasthān darīkandharanirjharān | carataḥ sītayā sārdhaṃ nandiṣyati manas tava ||

Wenn du mit Sītā durch Flüsse, Quellen, Hochebenen, Höhlen, Schluchten und Wasserfälle wanderst, wird dein Herz sich erfreuen.

Wort für Wort
saritprasravaṇaprasthān
Flüsse, Quellen, Hochebenen
darīkandharanirjharān
Höhlen, Schluchten, Wasserfälle
carataḥ sītayā sārdham
während du mit Sītā wanderst
nandiṣyati manas tava
wird dein Herz sich erfreuen

prahṛṣṭakoyaṣṭikakokilasvanair vinaditaṃ taṃ vasudhādharaṃ śivam | mṛgaiś ca mattair bahubhiś ca kuñjaraiḥ suramyam āsādya samāvasāśramam ||

Erreiche jenen segensreichen Berg, der vom Ruf der freudig erregten Koyaṣṭika-Vögel und Kokilas widerhallt, und lebe dort, in dem von berauschten Wildtieren und zahlreichen Elefanten so lieblichen Āśrama.

Wort für Wort
prahṛṣṭakoyaṣṭikakokilasvanair vinaditam
widerhallend vom Ruf freudig erregter Koyaṣṭikas und Kokilas
taṃ vasudhādharaṃ śivam
jenen segensreichen Berg
mṛgaiś ca mattair bahubhiś ca kuñjaraiḥ
und mit vielen berauschten Wildtieren und Elefanten
suramyam āsādya samāvasa āśramam
erreiche den sehr lieblichen [Ort] und bewohne den Āśrama

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