Sarga 106: Bharata Punaḥ Yācanā Rāma Sthairyam
Bharata fleht Rāma erneut an, das Königreich zu übernehmen; Rāma bleibt fest bei seinem Entschluss, dem Wort des Vaters zu folgen
Nachdem Rāma so gesprochen hatte und mit dem sinnvollen Wort geendet hatte, sprach dort am Ufer der Mandākinī Bharata, der Rechtschaffene, zu dem seine Untertanen liebenden Rāma erstaunliche, rechtschaffene Worte:
Wort für Wort
evam uktvā tu virate rāme
nachdem Rāma so gesprochen hatte und geendet hatte
proṣite mayi yat pāpam mātrā mat kāraṇāt kṛtam |
kṣudrayā tat aniṣṭam me prasīdatu bhavān mama ||
Was für eine Sünde während meiner Abwesenheit von meiner Mutter meinetwegen begangen wurde, jenes Unheil, von der Niederträchtigen - möge mir gegenüber gnädig sein.
dharma bandhena baddhaḥ asmi tena imām na iha mātaram |
hanmi tīvreṇa daṇḍena daṇḍa arhām pāpa kāriṇīm ||
Von der Fessel des Dharma bin ich gebunden; deshalb töte ich diese meine Mutter, die des Sündentuns Schuldige, die Strafe verdiente, nicht mit strenger Strafe.
Wie könnte ich, von Daśaratha geboren, von reiner Abkunft und reinen Taten, den Dharma kennend, eine höchst unrechte, verabscheuungswürdige Tat begehen?
Wort für Wort
katham daśarathāt jātaḥ
wie könnte ich, von Daśaratha geboren
śuddha abhijana karmaṇaḥ
von reiner Abkunft und reinen Taten
jānan dharmam adharmiṣṭham
den Dharma kennend, höchst unrecht
kuryām karma jugupsitam
(wie) könnte ich eine verabscheuungswürdige Tat begehen
guruḥ kriyāvān vṛddhaḥ ca rājā pretaḥ pitā iti ca |
tātam na parigarheyam daivatam ca iti saṃsadi ||
'Er war ein Lehrer, ein Handelnder, ein Alter, ein König, nun verstorben, mein Vater' - so würde ich den Vater nicht tadeln, wie eine Gottheit, in der Versammlung.
'Zur Zeit des Endes verwirren sich die Wesen' - so lautet eine alte Überlieferung; durch den so handelnden König wurde diese Überlieferung in der Welt zur sichtbaren Wahrheit gemacht.
Wort für Wort
anta kāle hi bhūtāni muhyanti
zur Zeit des Endes verwirren sich die Wesen
iti purā śrutiḥ
so lautet eine alte Überlieferung
rājñā evam kurvatā loke
durch den so handelnden König in der Welt
pratyakṣā sā śrutiḥ kṛtā
wurde diese Überlieferung zur sichtbaren Wahrheit gemacht
Wer, ein Angehöriger des Kṣatriya-Geschlechts, würde das Sichtbare aufgeben und einem ungewissen, in der Zukunft liegenden, unbestimmten Dharma folgen?
Wort für Wort
kaḥ ca pratyakṣam utsṛjya
wer, das Sichtbare aufgebend
saṃśaya stham alakṣaṇam
das im Zweifel stehende, ungewisse
āyati stham caret dharmam
würde einem in der Zukunft liegenden Dharma folgen
kṣatra bandhuḥ aniścitam
ein Angehöriger des Kṣatriya-Geschlechts, dem unbestimmten
caturṇām āśramāṇām hi gārhasthyam śreṣṭham āśramam |
āhuḥ dharma jña dharma jñāḥ tam katham tyaktum arhasi ||
Von den vier Lebensstufen nennen die Dharmakundigen den Haushälterstand die vorzüglichste Stufe - wie könntest du, der du den Dharma kennst, diese aufgeben?
idam nikhilam avyagram pitryam rājyam akaṇṭakam |
anuśādhi svadharmeṇa dharmajña saha bāndhavaiḥ ||
Dieses ganze, ungetrübte, väterliche Königreich, frei von Widersachern, regiere du gemäß deinem eigenen Dharma, du Dharmakundiger, zusammen mit den Verwandten.
tathā api rāmo bharatena tāmyata |
prasādyamānaḥ śirasā mahī patiḥ |
na ca eva cakre gamanāya sattva vān |
matim pituḥ tat vacane pratiṣṭhitaḥ ||
Dennoch, obwohl der Herr der Erde von dem sich abmühenden Bharata mit gebeugtem Haupt um Gnade angefleht wurde, fasste der Standhafte nicht den Entschluss zu gehen, in dem Wort des Vaters fest gegründet.
Wort für Wort
tathā api rāmo bharatena tāmyata
dennoch Rāma, von dem sich abmühenden Bharata
prasādyamānaḥ śirasā mahī patiḥ
um Gnade angefleht, mit gebeugtem Haupt, der Herr der Erde
na ca eva cakre gamanāya sattva vān
fasste der Standhafte nicht den Entschluss zu gehen
matim pituḥ tat vacane pratiṣṭhitaḥ
in dem Wort des Vaters mit seinem Sinn fest gegründet
Als das Volk diese erstaunliche Standhaftigkeit bei Rāghava sah, empfand es zugleich Freude und Kummer - Kummer, weil er nicht nach Ayodhyā ging, Freude, seine feste Entschlossenheit sehend.
Wort für Wort
tat adbhutam sthairyam avekṣya rāghave
diese erstaunliche Standhaftigkeit bei Rāghava sehend
tam ṛtvijaḥ naigama yūtha vallabhāḥ |
tathā visaṃjñāḥ aśru kalāḥ ca mātaraḥ |
tathā bruvāṇam bharatam pratuṣṭuvuḥ |
praṇamya rāmam ca yayācire saha ||
Die Opferpriester, die Vorsteher der Kaufmannszünfte, ebenso die von Sinnen geratenen, tränenerfüllten Mütter priesen den so sprechenden Bharata, und, sich vor Rāma verneigend, flehten sie zusammen mit ihm.
Wort für Wort
tam ṛtvijaḥ naigama yūtha vallabhāḥ
die Opferpriester, die Vorsteher der Kaufmannszünfte
tathā visaṃjñāḥ aśru kalāḥ ca mātaraḥ
ebenso die von Sinnen geratenen, tränenerfüllten Mütter
tathā bruvāṇam bharatam pratuṣṭuvuḥ
priesen den so sprechenden Bharata
praṇamya rāmam ca yayācire saha
und, sich vor Rāma verneigend, flehten sie zusammen