Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 1: Rāma Yauvarājya Abhiṣeka Saṃkalpaḥ Daśaratha beschließt, Rāma zum Kronprinzen zu weihen

gacchatā mātulakulaṃ bharatena tadā anaghaḥ | śatrughno nityaśatrughno nītaḥ prītipuraskṛtaḥ || 2-1-1

Als Bharata, der Makellose, damals zum Haus seines Onkels mütterlicherseits zog, wurde Śatrughna, der stets seine Feinde bezwang, mitgenommen, von Liebe geleitet.

Wort für Wort
gacchatā mātulakulaṃ
zum Haus des Onkels mütterlicherseits ziehend
bharatena tadā anaghaḥ
von Bharata, dem Makellosen, damals
śatrughno nityaśatrughno
Śatrughna, der stets seine Feinde bezwang
nītaḥ prītipuraskṛtaḥ
mitgenommen, von Liebe geleitet

sa tatra nyavasat bhrātrā saha satkārasatkṛtaḥ | mātulena aśvapatinā putrasnehena lālitaḥ || 2-1-2

Er weilte dort zusammen mit seinem Bruder, wohl bewirtet, von seinem Onkel Aśvapati mit väterlicher Zuneigung verhätschelt.

Wort für Wort
sa tatra nyavasat bhrātrā saha
er weilte dort zusammen mit dem Bruder
satkāra satkṛtaḥ
wohl bewirtet, geehrt
mātulena aśvapatinā
von seinem Onkel Aśvapati
putrasnehena lālitaḥ
mit väterlicher Zuneigung verhätschelt

tatrāpi nivasantau tau tarpyamāṇau cha kāmataḥ | bhrātarau smaratāṃ vīrau vṛddhaṃ daśarathaṃ nṛpam || 2-1-3

Doch auch dort weilend, nach Herzenslust erquickt, gedachten die beiden heldenhaften Brüder des greisen Königs Daśaratha.

Wort für Wort
tatrāpi nivasantau tau
auch dort weilend, die beiden
tarpyamāṇau cha kāmataḥ
nach Herzenslust erquickt
bhrātarau smaratāṃ vīrau
die beiden heldenhaften Brüder gedachten
vṛddhaṃ daśarathaṃ nṛpam
des greisen Königs Daśaratha

rājā api tau mahātejāḥ sasmāra proṣitau sutau | ubhau bharataśatrughnau mahendravaruṇopamau || 2-1-4

Auch der König, der Hochgewaltige, gedachte seiner beiden abwesenden Söhne, Bharata und Śatrughna, Mahendra und Varuṇa gleich.

Wort für Wort
rājā api tau mahātejāḥ
auch der König, der Hochgewaltige
sasmāra proṣitau sutau
gedachte der beiden abwesenden Söhne
ubhau bharataśatrughnau
beide, Bharata und Śatrughna
mahendravaruṇopamau
Mahendra und Varuṇa gleich

sarve eva tu tasya iṣṭāḥ chatvāraḥ puruṣarṣabhāḥ | svaśarīrāt vinirvṛttāḥ chatvāra iva bāhavaḥ || 2-1-5

Alle vier waren ihm gleichermaßen lieb, die Stiere unter den Männern, wie vier aus dem eigenen Leib hervorgegangene Arme.

Wort für Wort
sarve eva tu tasya iṣṭāḥ
alle vier waren ihm gleichermaßen lieb
chatvāraḥ puruṣarṣabhāḥ
die vier Stiere unter den Männern
svaśarīrāt vinirvṛttāḥ
aus dem eigenen Leib hervorgegangen
chatvāra iva bāhavaḥ
wie vier Arme

teṣām api mahātejā rāmo ratikaraḥ pituḥ | svayambhūḥ iva bhūtānāṃ babhūva guṇavattaraḥ || 2-1-6

Von diesen aber war der hochgewaltige Rāma, die Freude seines Vaters, wie der Selbstentstandene unter den Wesen, der Tugendreichere.

Wort für Wort
teṣām api mahātejā rāmo
von diesen aber der hochgewaltige Rāma
ratikaraḥ pituḥ
die Freude des Vaters
svayambhūḥ iva bhūtānāṃ
wie der Selbstentstandene unter den Wesen
babhūva guṇavattaraḥ
ward er der Tugendreichere

sa hi devaiḥ udīrṇasya rāvaṇasya vadhārthibhiḥ | arthito mānuṣe loke jajñe viṣṇuḥ sanātanaḥ || 2-1-7

Denn er, von den Göttern, die den Tod des überheblichen Rāvaṇa herbeisehnten, gebeten, ward in der Welt der Menschen als der ewige Viṣṇu geboren.

Wort für Wort
sa hi devaiḥ
denn er, von den Göttern
udīrṇasya rāvaṇasya vadhārthibhiḥ
die den Tod des übermächtigen Rāvaṇa wünschten
arthito mānuṣe loke
gebeten, in der Welt der Menschen
jajñe viṣṇuḥ sanātanaḥ
ward geboren der ewige Viṣṇu

kausalyā śuśubhe putreṇa amitatejasā | yathā vareṇa devānām aditiḥ vajrapāṇinā || 2-1-8

Kausalyā erstrahlte durch ihren Sohn von unermesslichem Glanz, wie Aditi durch den Besten der Götter, den Blitzträger.

Wort für Wort
kausalyā śuśubhe putreṇa amitatejasā
Kausalyā erstrahlte durch den Sohn von unermesslichem Glanz
yathā vareṇa devānām
wie durch den Besten der Götter
aditiḥ vajrapāṇinā
Aditi durch den Blitzträger

sa hi rūpa upapannaḥ cha vīryavān anasūyakaḥ | bhūmau anupamaḥ sūnuḥ guṇaiḥ daśaratha upamaḥ || 2-1-9

Denn er, mit Schönheit begabt, heldenhaft, frei von Missgunst, auf Erden unvergleichlich, war der Sohn, an Eigenschaften Daśaratha gleich.

Wort für Wort
sa hi rūpa upapannaḥ cha
denn er, mit Schönheit begabt
vīryavān anasūyakaḥ
heldenhaft, frei von Missgunst
bhūmau anupamaḥ sūnuḥ
auf Erden unvergleichlicher Sohn
guṇaiḥ daśaratha upamaḥ
an Eigenschaften Daśaratha gleich

sa cha nityaṃ praśāntātmā mṛdupūrvaṃ tu bhāṣate | ucyamānaḥ api paruṣaṃ na uttaraṃ pratipadyate || 2-1-10

Und er, stets besänftigten Gemüts, sprach zuerst milde; auch wenn er hart angesprochen wurde, erwiderte er keine harte Antwort.

Wort für Wort
sa cha nityaṃ praśāntātmā
und er, stets besänftigten Gemüts
mṛdupūrvaṃ tu bhāṣate
sprach zuerst milde
ucyamānaḥ api paruṣaṃ
auch wenn er hart angesprochen wurde
na uttaraṃ pratipadyate
erwiderte er keine harte Antwort

kathaṃchit upakāreṇa kṛtena eka kena tuṣyati | na smarati apakārāṇāṃ śatam api ātmavattayā || 2-1-11

Durch irgendeine, auch nur geringe, erwiesene Wohltat war er zufrieden; und selbst hundert erlittener Unbill gedachte er nicht, aus Selbstbeherrschung.

Wort für Wort
kathaṃchit upakāreṇa
durch irgendeine Wohltat
kṛtena eka kena tuṣyati
durch eine einzige erwiesene ist er zufrieden
na smarati apakārāṇāṃ śatam api
und selbst hundert Unbill gedenkt er nicht
ātmavattayā
aus Selbstbeherrschung

śīlavṛddhaiḥ jñānavṛddhaiḥ vayovṛddhaiḥ cha sajjanaiḥ | kathayan āsta vai nityam mantrayogyāntareṣu api || 2-1-12

Mit den an Charakter Gereiften, an Wissen Gereiften und an Alter Gereiften, den Rechtschaffenen, weilte er stets im Gespräch, auch in den für Beratung geeigneten Zwischenzeiten.

Wort für Wort
śīlavṛddhaiḥ jñānavṛddhaiḥ
mit den an Charakter Gereiften, an Wissen Gereiften
vayovṛddhaiḥ cha sajjanaiḥ
und an Alter Gereiften, den Rechtschaffenen
kathayan āsta vai nityam
weilte er stets im Gespräch
mantrayogyāntareṣu api
auch in den für Beratung geeigneten Zwischenzeiten

buddhimān madhurābhāṣī pūrvabhāṣī priyaṃvadaḥ | vīryavān na cha vīryeṇa mahatā svena vismitaḥ || 2-1-13

Klug, mit süßer Rede, der zuerst das Wort ergriff, freundlich sprechend; heldenhaft, doch von seiner eigenen großen Heldenkraft nicht überheblich.

Wort für Wort
buddhimān madhurābhāṣī
klug, mit süßer Rede
pūrvabhāṣī priyaṃvadaḥ
der zuerst sprach, freundlich redend
vīryavān na cha vīryeṇa
heldenhaft, doch nicht durch seine Heldenkraft
mahatā svena vismitaḥ
durch seine eigene große Heldenkraft überheblich

na cha anṛta kathaḥ vidvān vṛddhānāṃ pratipūjakaḥ | anuraktaḥ prajābhiḥ cha prajāḥ cha api anurajyate || 2-1-14

Nicht der Lüge zugetan, gelehrt, ein Verehrer der Alten; von seinen Untertanen geliebt, und auch er liebte seine Untertanen.

Wort für Wort
na cha anṛta kathaḥ vidvān
nicht der Lüge zugetan, gelehrt
vṛddhānāṃ pratipūjakaḥ
ein Verehrer der Alten
anuraktaḥ prajābhiḥ cha
von den Untertanen geliebt
prajāḥ cha api anurajyate
und auch er liebte die Untertanen

sa anukrośo jitakrodho brāhmaṇapratipūjakaḥ | dīnānukampī dharmajñaḥ nityaṃ pragrahavān śuciḥ || 2-1-15

Mitleidvoll, den Zorn bezwungen habend, ein Verehrer der Brahmanen; mit den Elenden mitfühlend, Kenner des Rechts, stets beherrscht, rein.

Wort für Wort
sa anukrośo jitakrodho
mitleidvoll, den Zorn bezwungen
brāhmaṇapratipūjakaḥ
ein Verehrer der Brahmanen
dīnānukampī dharmajñaḥ
mit den Elenden mitfühlend, Kenner des Rechts
nityaṃ pragrahavān śuciḥ
stets beherrscht, rein

kula ucita matiḥ kṣātraṃ dharmaṃ svaṃ bahu manyate | manyate parayā kīrtya mahat svargaphalaṃ tataḥ || 2-1-16

Seinem Geschlecht gemäß gesinnt, schätzte er seine eigene Kriegerpflicht hoch; er erachtete, dass daraus mit höchstem Ruhm die große Frucht des Himmels erwachse.

Wort für Wort
kula ucita matiḥ
seinem Geschlecht gemäß gesinnt
kṣātraṃ dharmaṃ svaṃ bahu manyate
er schätzte seine eigene Kriegerpflicht hoch
manyate parayā kīrtya
er erachtete, mit höchstem Ruhm
mahat svargaphalaṃ tataḥ
die große Frucht des Himmels daraus

na aśreyasi rataḥ vidvān na viruddhakathāruciḥ | uttarottarayuktau cha vaktā vācaspatiḥ yathā || 2-1-17

Nicht dem Unheilsamen zugetan, gelehrt, nicht Freude an widersprüchlicher Rede findend; ein Redner, in immer feinerer Rede geübt, wie Vācaspati.

Wort für Wort
na aśreyasi rataḥ vidvān
nicht dem Unheilsamen zugetan, gelehrt
na viruddhakathāruciḥ
keine Freude an widersprüchlicher Rede
uttarottarayuktau cha vaktā
ein Redner, in immer feinerer Argumentation geübt
vācaspatiḥ yathā
wie Vācaspati

arogaḥ taruṇaḥ vāgmī vapuṣmān deśakālavit | loke puruṣasārajñaḥ sādhuḥ ekaḥ vinirmitaḥ || 2-1-18

Gesund, jung, redegewandt, von schönem Körper, Kenner von Ort und Zeit; in der Welt ein Kenner des Wesentlichen unter den Menschen, ein einzigartig Trefflicher, wie eigens geschaffen.

Wort für Wort
arogaḥ taruṇaḥ vāgmī
gesund, jung, redegewandt
vapuṣmān deśakālavit
von schönem Körper, Kenner von Ort und Zeit
loke puruṣasārajñaḥ
in der Welt Kenner des Wesentlichen unter den Menschen
sādhuḥ ekaḥ vinirmitaḥ
ein einzigartig Trefflicher, wie eigens geschaffen

sa tu śreṣṭhaiḥ guṇaiḥ yuktaḥ prajānāṃ pārthivātmajaḥ | bahiścaraḥ iva prāṇo babhūva guṇataḥ priyaḥ || 2-1-19

Er aber, mit den vorzüglichsten Eigenschaften begabt, der Königssohn, ward den Untertanen lieb durch seine Tugenden, wie ihr nach außen wandelnder Lebensatem.

Wort für Wort
sa tu śreṣṭhaiḥ guṇaiḥ yuktaḥ
er aber, mit den vorzüglichsten Eigenschaften begabt
prajānāṃ pārthivātmajaḥ
der Königssohn der Untertanen
bahiścaraḥ iva prāṇo
wie ein nach außen wandelnder Lebensatem
babhūva guṇataḥ priyaḥ
ward er durch seine Tugenden lieb

samyak vidyā vrata snātaḥ yathāvat sāṅgavedavit | iṣvastre cha pituḥ śreṣṭho babhūva bharatāgrajaḥ || 2-1-20

Vollständig im Wissen und Gelübde gebadet, ein Kenner der Veden mit ihren Hilfswissenschaften, wie es sich gebührt, und im Bogenschießen dem Vater überlegen ward Bharatas älterer Bruder.

Wort für Wort
samyak vidyā vrata snātaḥ
vollständig im Wissen und Gelübde gebadet
yathāvat sāṅgavedavit
wie es sich gebührt, Kenner der Veden mit Hilfswissenschaften
iṣvastre cha pituḥ śreṣṭho
und im Bogenschießen dem Vater überlegen
babhūva bharatāgrajaḥ
ward Bharatas älterer Bruder

kalyāṇa abhijanaḥ sādhuḥ adīnaḥ satyavāk ṛjuḥ | vṛddhaiḥ abhivinītaḥ cha dvijaiḥ dharmārthadarśibhiḥ || 2-1-21

Von edler Herkunft, trefflich, nicht kleinmütig, wahrhaftig redend, aufrichtig; von den Alten, den Rechtes und Nutzens kundigen Brahmanen wohlunterwiesen.

Wort für Wort
kalyāṇa abhijanaḥ sādhuḥ
von edler Herkunft, trefflich
adīnaḥ satyavāk ṛjuḥ
nicht kleinmütig, wahrhaftig redend, aufrichtig
vṛddhaiḥ abhivinītaḥ cha
und von den Alten wohlunterwiesen
dvijaiḥ dharmārthadarśibhiḥ
von den Brahmanen, die Recht und Nutzen kundig sind

dharma kāma artha tattvajñaḥ smṛtimān pratibhānavān | laukike samayācāre kṛtakalpo viśāradaḥ || 2-1-22

Kenner der Wahrheit von Recht, Lust und Nutzen, gedächtnisstark, geistvoll; in weltlichem Brauch und Sitte geübt, kundig.

Wort für Wort
dharma kāma artha tattvajñaḥ
Kenner der Wahrheit von Recht, Lust und Nutzen
smṛtimān pratibhānavān
gedächtnisstark, geistvoll
laukike samayācāre
in weltlichem Brauch und Sitte
kṛtakalpo viśāradaḥ
geübt, kundig

nibhṛtaḥ saṃvṛta ākāraḥ gupta mantraḥ sahāyavān | amogha krodha harṣaḥ cha tyāga saṃyama kālavit || 2-1-23

Still, sein Wesen verbergend, sein Ratschluss geheim, von Gefährten begleitet; sein Zorn und seine Freude nie wirkungslos, Kenner der rechten Zeit für Freigebigkeit und Zurückhaltung.

Wort für Wort
nibhṛtaḥ saṃvṛta ākāraḥ
still, sein Wesen verbergend
gupta mantraḥ sahāyavān
sein Ratschluss geheim, von Gefährten begleitet
amogha krodha harṣaḥ cha
sein Zorn und seine Freude nie wirkungslos
tyāga saṃyama kālavit
Kenner der rechten Zeit für Freigebigkeit und Zurückhaltung

dṛḍha bhaktiḥ sthira prajñaḥ na asat grāhī na durvacāḥ | nistandriḥ apramattaḥ cha svadoṣa paradoṣavit || 2-1-24

Von fester Ergebenheit, standhafter Einsicht, nicht Unwahres annehmend, nicht übel redend; frei von Trägheit, unachtsam nie, Kenner der eigenen und fremden Fehler.

Wort für Wort
dṛḍha bhaktiḥ sthira prajñaḥ
von fester Ergebenheit, standhafter Einsicht
na asat grāhī na durvacāḥ
nicht Unwahres annehmend, nicht übel redend
nistandriḥ apramattaḥ cha
frei von Trägheit, unachtsam nie
svadoṣa paradoṣavit
Kenner der eigenen und fremden Fehler

śāstrajñaḥ cha kṛtajñaḥ cha puruṣāntara kovidaḥ | yaḥ pragrahānugrahayoḥ yathānyāyaṃ vicakṣaṇaḥ || 2-1-25

Kenner der Lehrschriften und der erwiesenen Wohltaten eingedenk, kundig der Unterschiede zwischen Menschen; der bei Zügelung und Gunsterweisung, wie es dem Recht entspricht, scharfsichtig war.

Wort für Wort
śāstrajñaḥ cha kṛtajñaḥ cha
Kenner der Lehrschriften und der erwiesenen Wohltaten eingedenk
puruṣāntara kovidaḥ
kundig der Unterschiede zwischen Menschen
yaḥ pragrahānugrahayoḥ
der bei Zügelung und Gunsterweisung
yathānyāyaṃ vicakṣaṇaḥ
wie es dem Recht entspricht, scharfsichtig

sat saṃgraha pragrahaṇe sthānavit nigrahasya cha | āyakarmaṇi upāyajñaḥ saṃdṛṣṭa vyayakarmavit || 2-1-26

Beim Zusammenhalten und Fördern der Rechtschaffenen, wie auch beim rechten Ort der Zurechtweisung kundig; in Einkommensangelegenheiten der Mittel kundig, in Ausgabenangelegenheiten wohlerfahren.

Wort für Wort
sat saṃgraha pragrahaṇe
beim Zusammenhalten und Fördern der Rechtschaffenen
sthānavit nigrahasya cha
und kundig des rechten Ortes der Zurechtweisung
āyakarmaṇi upāyajñaḥ
in Einkommensangelegenheiten der Mittel kundig
saṃdṛṣṭa vyayakarmavit
in Ausgabenangelegenheiten wohlerfahren

śraiṣṭhyaṃ śāstra samūheṣu prāptaḥ vyāmiśrakeṣu cha | arthadharmau cha saṃgṛhya sukhatantraḥ na cha alasaḥ || 2-1-27

Vorzüglichkeit in den Lehrschriften erlangt, auch in den vermischten Wissensgebieten; Nutzen und Recht miteinander verbindend, dem Wohlergehen zugetan, doch niemals träge.

Wort für Wort
śraiṣṭhyaṃ śāstra samūheṣu prāptaḥ
Vorzüglichkeit in den Lehrschriften erlangt
vyāmiśrakeṣu cha
auch in den vermischten Wissensgebieten
arthadharmau cha saṃgṛhya
Nutzen und Recht miteinander verbindend
sukhatantraḥ na cha alasaḥ
dem Wohlergehen zugetan, doch nicht träge

vaihārikāṇāṃ śilpānāṃ vijñāta artha vibhāgavit | ārohe vinaye cha eva yuktaḥ vāraṇavājinām || 2-1-28

Kenner der zur Unterhaltung dienenden Künste und ihrer Bedeutungen und Unterteilungen; geübt sowohl im Besteigen wie in der Lenkung von Elefanten und Rossen.

Wort für Wort
vaihārikāṇāṃ śilpānāṃ
der zur Unterhaltung dienenden Künste
vijñāta artha vibhāgavit
Kenner ihrer Bedeutungen und Unterteilungen
ārohe vinaye cha eva
im Besteigen und in der Lenkung ebenso
yuktaḥ vāraṇavājinām
geübt, von Elefanten und Rossen

dhanurveda vidāṃ śreṣṭho loke atiratha saṃmataḥ | abhiyātā prahartā cha senānaya viśāradaḥ || 2-1-29

Der vorzüglichste unter den Kennern der Bogenschusskunst, in der Welt als überragender Wagenkämpfer anerkannt; ein Angreifer und Zuschlagender, kundig in der Heeresführung.

Wort für Wort
dhanurveda vidāṃ śreṣṭho
der vorzüglichste unter den Kennern der Bogenschusskunst
loke atiratha saṃmataḥ
in der Welt als überragender Wagenkämpfer anerkannt
abhiyātā prahartā cha
ein Angreifer und Zuschlagender
senānaya viśāradaḥ
kundig in der Heeresführung

apradhṛṣyaḥ cha saṃgrāme kruddhaiḥ api surāsuraiḥ | anasūyo jitakrodho na dṛpto na cha matsarī | na cha avamantā bhūtānāṃ na cha kālavaśānugaḥ || 2-1-30

Unangreifbar in der Schlacht selbst von zornigen Göttern und Dämonen; frei von Missgunst, den Zorn bezwungen, nicht überheblich und nicht neidisch; kein Verächter der Geschöpfe, und nicht der Laune der Zeit unterworfen.

Wort für Wort
apradhṛṣyaḥ cha saṃgrāme
und unangreifbar in der Schlacht
kruddhaiḥ api surāsuraiḥ
selbst von zornigen Göttern und Dämonen
anasūyo jitakrodho
frei von Missgunst, den Zorn bezwungen
na dṛpto na cha matsarī
nicht überheblich und nicht neidisch
na cha avamantā bhūtānāṃ
kein Verächter der Geschöpfe
na cha kālavaśānugaḥ
und nicht der Laune der Zeit unterworfen

evaṃ śreṣṭha guṇaiḥ yuktaḥ prajānāṃ pārthivātmajaḥ | saṃmataḥ triṣu lokeṣu vasudhāyāḥ kṣamāguṇaiḥ | buddhyā bṛhaspateḥ tulyo vīryeṇa api śacīpateḥ || 2-1-31

So mit den vorzüglichsten Eigenschaften begabt, der Königssohn der Untertanen, in den drei Welten anerkannt durch die Tugend der Geduld, gleich der Erde; an Klugheit Bṛhaspati gleich, an Tapferkeit auch dem Gemahl der Śacī gleich.

Wort für Wort
evaṃ śreṣṭha guṇaiḥ yuktaḥ
so mit den vorzüglichsten Eigenschaften begabt
prajānāṃ pārthivātmajaḥ
der Königssohn der Untertanen
saṃmataḥ triṣu lokeṣu
anerkannt in den drei Welten
vasudhāyāḥ kṣamāguṇaiḥ
durch die Tugend der Geduld, gleich der Erde
buddhyā bṛhaspateḥ tulyo
an Klugheit Bṛhaspati gleich
vīryeṇa api śacīpateḥ
an Tapferkeit auch dem Gemahl der Śacī gleich

tathā sarva prajā kāntaiḥ prīti saṃjananaiḥ pituḥ | guṇaiḥ viruruche rāmo dīptaḥ sūryaḥ iva aṃśubhiḥ || 2-1-32

So erstrahlte Rāma durch die Tugenden seines Vaters, die allen Untertanen lieb waren, Freude erzeugend, leuchtend wie die Sonne mit ihren Strahlen.

Wort für Wort
tathā sarva prajā kāntaiḥ
so, allen Untertanen lieb
prīti saṃjananaiḥ pituḥ
Freude erzeugend, des Vaters
guṇaiḥ viruruche rāmo
durch die Tugenden erstrahlte Rāma
dīptaḥ sūryaḥ iva aṃśubhiḥ
leuchtend wie die Sonne mit ihren Strahlen

tam evaṃ vrata saṃpannam apradhṛṣya parākramam | lokapāla upamaṃ nātham akāmayata medinī || 2-1-33

Ihn, so mit Gelübden ausgestattet, von unangreifbarer Tapferkeit, den Weltenhütern gleich, begehrte die Erde als ihren Herrn.

Wort für Wort
tam evaṃ vrata saṃpannam
ihn, so mit Gelübden ausgestattet
apradhṛṣya parākramam
von unangreifbarer Tapferkeit
lokapāla upamaṃ nātham
den Weltenhütern gleichen Herrn
akāmayata medinī
begehrte die Erde

etaiḥ tu bahubhiḥ yuktaṃ guṇaiḥ anupamaiḥ sutam | dṛṣṭvā daśaratho rājā chakre chintāṃ paraṃtapaḥ || 2-1-34

Als er seinen Sohn, mit diesen zahlreichen, unvergleichlichen Tugenden ausgestattet, sah, fasste König Daśaratha, der Bezwinger der Feinde, einen Gedanken.

Wort für Wort
etaiḥ tu bahubhiḥ yuktaṃ
mit diesen zahlreichen ausgestattet
guṇaiḥ anupamaiḥ sutam
mit unvergleichlichen Tugenden, den Sohn
dṛṣṭvā daśaratho rājā
als er sah, König Daśaratha
chakre chintāṃ paraṃtapaḥ
fasste er einen Gedanken, der Bezwinger der Feinde

atha rājño babhūva evaṃ vṛddhasya chirajīvinaḥ | prītiḥ eṣā kathaṃ rāmo rājā syāt mayi jīvati || 2-1-35

Da entstand im greisen, langlebigen König so dieser Gedanke: 'Wie könnte Rāma noch bei meinen Lebzeiten König werden?'

Wort für Wort
atha rājño babhūva evaṃ
da entstand im König so
vṛddhasya chirajīvinaḥ
des greisen, langlebigen
prītiḥ eṣā
dieser Wunsch
kathaṃ rāmo rājā syāt mayi jīvati
wie könnte Rāma König werden, während ich noch lebe

eṣā hi asya parā prītiḥ hṛdi saṃparivartate | kadā nāma sutaṃ drakṣyāmi abhiṣiktam ahaṃ priyam || 2-1-36

Denn dies war sein höchster Wunsch, der in seinem Herzen umherging: 'Wann werde ich wohl meinen lieben Sohn geweiht sehen?'

Wort für Wort
eṣā hi asya parā prītiḥ
denn dies war sein höchster Wunsch
hṛdi saṃparivartate
der im Herzen umherging
kadā nāma sutaṃ drakṣyāmi
wann werde ich wohl den Sohn sehen
abhiṣiktam ahaṃ priyam
geweiht, meinen lieben

vṛddhikāmo hi lokasya sarvabhūtānukampanaḥ | mattaḥ priyataro loke parjanya iva vṛṣṭimān || 2-1-37

Denn nach dem Wohlergehen der Welt begehrend, mit allen Wesen mitfühlend, war er der Welt lieber als ich selbst, wie der regenspendende Parjanya.

Wort für Wort
vṛddhikāmo hi lokasya
denn nach dem Wohlergehen der Welt begehrend
sarvabhūtānukampanaḥ
mit allen Wesen mitfühlend
mattaḥ priyataro loke
der Welt lieber als ich
parjanya iva vṛṣṭimān
wie der regenspendende Parjanya

yama śakra samo vīrye bṛhaspati samo matau | mahīdhara samo dhṛtyāṃ mattaḥ cha guṇavattaraḥ || 2-1-38

An Tapferkeit Yama und Śakra gleich, an Klugheit Bṛhaspati gleich, an Standhaftigkeit dem Berg gleich, und mir an Tugend überlegen.

Wort für Wort
yama śakra samo vīrye
an Tapferkeit Yama und Śakra gleich
bṛhaspati samo matau
an Klugheit Bṛhaspati gleich
mahīdhara samo dhṛtyāṃ
an Standhaftigkeit dem Berg gleich
mattaḥ cha guṇavattaraḥ
und mir an Tugend überlegen

mahīm aham imāṃ kṛtsnām adhitiṣṭhantam ātmajam | anena vayasā dṛṣṭvā yathā svargam avāpnuyām || 2-1-39

Wenn ich meinen Sohn diese ganze Erde beherrschend sähe, noch in diesem Alter, dann wäre es, als hätte ich den Himmel erlangt.

Wort für Wort
mahīm aham imāṃ kṛtsnām
diese ganze Erde
adhitiṣṭhantam ātmajam
meinen Sohn, sie beherrschend
anena vayasā dṛṣṭvā
in diesem Alter gesehen habend
yathā svargam avāpnuyām
als hätte ich den Himmel erlangt

iti etaiḥ vividhaiḥ taiḥ taiḥ anya pārthiva durlabhaiḥ | śiṣṭaiḥ aparimeyaiḥ cha loke lokottaraiḥ guṇaiḥ || 2-1-40

So dachte er, durch diese mannigfachen, für andere Könige unerreichbaren, wohlerzogenen, unermesslichen, weltüberragenden Eigenschaften.

Wort für Wort
iti etaiḥ vividhaiḥ taiḥ taiḥ
so, durch diese mannigfachen
anya pārthiva durlabhaiḥ
für andere Könige unerreichbaren
śiṣṭaiḥ aparimeyaiḥ cha
wohlerzogenen und unermesslichen
loke lokottaraiḥ guṇaiḥ
weltüberragenden Eigenschaften in der Welt

taṃ samīkṣya mahārājo yuktaṃ samuditaiḥ śubhaiḥ | niśchitya sachivaiḥ sārdhaṃ yuvarājam amanyata || 2-1-41

Ihn betrachtend, mit den zusammengekommenen glückverheißenden Eigenschaften ausgestattet, beschloss der Großkönig, zusammen mit seinen Ministern, ihn zum Kronprinzen zu machen.

Wort für Wort
taṃ samīkṣya mahārājo
ihn betrachtend, der Großkönig
yuktaṃ samuditaiḥ śubhaiḥ
ausgestattet mit den zusammengekommenen glückverheißenden Eigenschaften
niśchitya sachivaiḥ sārdhaṃ
beschließend, zusammen mit den Ministern
yuvarājam amanyata
erwog er ihn zum Kronprinzen

divi antarikṣe bhūmau cha ghoram utpātajaṃ bhayam | saṃchachakṣe atha medhāvī śarīre cha ātmano jarām || 2-1-42

Am Himmel, im Luftraum und auf der Erde nahm der Kluge die schreckliche, durch Vorzeichen entstandene Gefahr wahr, und auch das Alter im eigenen Körper.

Wort für Wort
divi antarikṣe bhūmau cha
am Himmel, im Luftraum und auf der Erde
ghoram utpātajaṃ bhayam
die schreckliche, durch Vorzeichen entstandene Gefahr
saṃchachakṣe atha medhāvī
nahm der Kluge wahr
śarīre cha ātmano jarām
und das Alter im eigenen Körper

pūrṇa chandra ānanasya atha śoka apanudam ātmanaḥ | loke rāmasya bubudhe saṃpriyatvaṃ mahātmanaḥ || 2-1-43

Da erkannte er die Beliebtheit des hochgesinnten Rāma, dessen Antlitz dem Vollmond glich, in der Welt, der eigenes Leid vertreibt.

Wort für Wort
pūrṇa chandra ānanasya
dessen Antlitz dem Vollmond gleicht
atha śoka apanudam ātmanaḥ
der eigenes Leid vertreibt
loke rāmasya bubudhe
erkannte er in der Welt von Rāma
saṃpriyatvaṃ mahātmanaḥ
die Beliebtheit des Hochgesinnten

ātmanaḥ cha prajānāṃ cha śreyase cha priyeṇa cha | prāptakālena dharmātmā bhaktyā tvaritavān nṛpaḥ || 2-1-44

Zum Wohl seiner selbst und der Untertanen, aus Zuneigung und weil die Zeit gekommen war, beeilte sich der rechtschaffene König, aus Liebe.

Wort für Wort
ātmanaḥ cha prajānāṃ cha
für sich selbst und für die Untertanen
śreyase cha priyeṇa cha
zum Heil und aus Zuneigung
prāptakālena dharmātmā
weil die Zeit gekommen war, der rechtschaffene
bhaktyā tvaritavān nṛpaḥ
aus Liebe beeilte sich der König

nānā nagara vāstavyān pṛthak jānapadān api | samānināya medinyāḥ pradhānān pṛthivīpatīn || 2-1-45

Er ließ die in verschiedenen Städten Wohnenden und auch die einzelnen Landbewohner, die führenden Herrscher der Erde, zusammenkommen.

Wort für Wort
nānā nagara vāstavyān
die in verschiedenen Städten Wohnenden
pṛthak jānapadān api
und auch die einzelnen Landbewohner
samānināya medinyāḥ
ließ er zusammenkommen, der Erde
pradhānān pṛthivīpatīn
die führenden Herrscher

na tu kekaya rājānaṃ janakaṃ vā narādhipaḥ | tvarayā cha anayāmāsa paśchāt tau śroṣyataḥ priyam || 2-1-46

Doch weder den König von Kekaya noch Janaka ließ der Herrscher der Menschen eilends herbeibringen; erst später sollten die beiden von der frohen Botschaft hören.

Wort für Wort
na tu kekaya rājānaṃ janakaṃ vā
doch weder den König von Kekaya noch Janaka
narādhipaḥ tvarayā cha anayāmāsa
ließ der Herrscher der Menschen eilends herbeibringen
paśchāt tau śroṣyataḥ priyam
erst später sollten die beiden die frohe Botschaft hören

tān veśmanā ābharaṇaiḥ yathārhaṃ pratipūjitān | dadarśa alaṃkṛto rājā prajāpatiḥ iva prajāḥ || 2-1-47

Sie, mit Wohnungen und mancherlei Schmuckstücken, wie es sich gebührte, geehrt, betrachtete der geschmückte König, wie Prajāpati seine Geschöpfe.

Wort für Wort
tān veśmanā ābharaṇaiḥ
sie, mit Wohnung und Schmuckstücken
yathārhaṃ pratipūjitān
wie es sich gebührte, geehrt
dadarśa alaṃkṛto rājā
betrachtete der geschmückte König
prajāpatiḥ iva prajāḥ
wie Prajāpati seine Geschöpfe

atha upaviṣṭe nṛpatau tasmin parabalārdane | tataḥ praviviśuḥ śeṣa rājāno lokasammatāḥ || 2-1-48

Als jener Herrscher, der Bezwinger feindlicher Heere, sich niedergesetzt hatte, traten dann die übrigen, in der Welt anerkannten Könige ein.

Wort für Wort
atha upaviṣṭe nṛpatau tasmin
als jener Herrscher sich niedergesetzt hatte
parabalārdane
der Bezwinger feindlicher Heere
tataḥ praviviśuḥ śeṣa rājāno
dann traten die übrigen Könige ein
lokasammatāḥ
in der Welt anerkannt

atha rāja vitīrṇeṣu vividheṣu āsaneṣu cha | rājānam eva abhimukhā niṣeduḥ niyatā nṛpāḥ || 2-1-49

Da setzten sich die Könige, in den vom König zugewiesenen mancherlei Sitzen, wohlgeordnet, dem König zugewandt.

Wort für Wort
atha rāja vitīrṇeṣu
da, in den vom König zugewiesenen
vividheṣu āsaneṣu cha
mancherlei Sitzen
rājānam eva abhimukhā
dem König zugewandt
niṣeduḥ niyatā nṛpāḥ
setzten sich die Könige, wohlgeordnet

sa labdhamānaiḥ vinaya anvitaiḥ nṛpaiḥ | purālayaiḥ jānapadaiḥ cha mānavaiḥ | upopaviṣṭaiḥ nṛtaḥ babhau | sahasrachakṣuḥ bhagavān iva amaraiḥ || 2-1-50

Er erstrahlte, umgeben von den geehrten, in Bescheidenheit gefestigten Königen, von den Stadt- und Landbewohnern, den nahesitzenden Menschen, wie der erhabene Tausendäugige, umgeben von den Unsterblichen.

Wort für Wort
sa labdhamānaiḥ vinaya anvitaiḥ nṛpaiḥ
er, umgeben von den geehrten, in Bescheidenheit gefestigten Königen
purālayaiḥ jānapadaiḥ cha mānavaiḥ
von Stadt- und Landbewohnern, den Menschen
upopaviṣṭaiḥ nṛtaḥ babhau
nahesitzend, erstrahlte er, umgeben
sahasrachakṣuḥ bhagavān iva amaraiḥ
wie der erhabene Tausendäugige, umgeben von den Unsterblichen

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