Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 47: Paura Śokaḥ Ayodhyā Pratyāgamanam Die Bürger erwachen und finden Rāma verschwunden; verzweifelt und ihrer Spur beraubt kehren sie klagend in die trostlose Stadt Ayodhyā zurück

prabhātāyāṃ tu śarvaryāṃ paurās te rāghavo vinā | śokopahataniśceṣṭā babhūvur hatacetasaḥ ||

Als die Nacht zur Morgendämmerung wurde, waren jene Stadtbewohner, ohne Rāghava, von Kummer gelähmt und wie betäubten Sinnes.

Wort für Wort
prabhātāyām tu śarvaryām
als die Nacht zur Morgendämmerung wurde
paurāḥ te rāghavaḥ vinā
jene Stadtbewohner, ohne Rāghava
śokopahataniśceṣṭāḥ
von Kummer gelähmt, regungslos
babhūvuḥ hatacetasaḥ
wurden sie wie betäubten Sinnes

śokajāśrupradīnā vīkṣamāṇāḥ tatas tataḥ | ālokam api rāmasya na paśyanti sma duḥkhitāḥ ||

Von kummergeborenen Tränen erschöpft, spähten sie hierhin und dorthin, doch die Betrübten konnten nicht einmal einen Blick auf Rāma erhaschen.

Wort für Wort
śokajāśrupradīnāḥ
von kummergeborenen Tränen erschöpft
vīkṣamāṇāḥ tataḥ tataḥ
hierhin und dorthin spähend
ālokam api rāmasya
auch nur einen Blick auf Rāma
na paśyanti sma duḥkhitāḥ
konnten die Betrübten nicht erhaschen

te viṣādārtavadanā rahitās tena dhīmatā | kṛpaṇāḥ karuṇā vāco vadanti sma manasvinaḥ ||

Mit von Kummer gequälten Gesichtern, von dem Weisen verlassen, sprachen jene besonnenen Menschen elende, mitleiderregende Worte.

Wort für Wort
te viṣādārtavadanāḥ
sie mit von Kummer gequälten Gesichtern
rahitāḥ tena dhīmatā
von jenem Weisen verlassen
kṛpaṇāḥ karuṇā vācaḥ
elende, mitleiderregende Worte
vadanti sma manasvinaḥ
sprachen die besonnenen Menschen

dhig astu khalu nidrāṃ tāṃ yayāpahṛtacetasaḥ | nādya paśyāmahe rāmaṃ pṛthūraskaṃ mahābhujam ||

Verwünscht sei doch jener Schlaf, durch den unser Sinn geraubt wurde, so dass wir heute Rāma, den Breitbrüstigen, den Großarmigen, nicht mehr sehen!

Wort für Wort
dhik astu khalu nidrām tām
verwünscht sei doch jener Schlaf
yayā apahṛtacetasaḥ
durch den unser Sinn geraubt wurde
na adya paśyāmahe rāmam
so dass wir heute Rāma nicht sehen
pṛthūraskam mahābhujam
den Breitbrüstigen, den Großarmigen

kathaṃ nāma mahābāhuḥ sa tathāvitathakriyaḥ | bhaktaṃ janaṃ parityajya pravāsaṃ rāghavo gataḥ ||

Wie konnte nur der Langarmige, dessen Taten stets der Wahrheit entsprechen, sein ergebenes Volk verlassend, Rāghava, in die Verbannung ziehen?

Wort für Wort
katham nāma mahābāhuḥ
wie konnte nur der Langarmige
saḥ tathā avitathakriyaḥ
er, dessen Taten stets der Wahrheit entsprechen
bhaktam janam parityajya
sein ergebenes Volk verlassend
pravāsam rāghavaḥ gataḥ
in die Verbannung Rāghava ziehen

yo naḥ sadā pālayati pitā putrān ivaurasān | kathaṃ raghūṇāṃ sa śreṣṭhas tyaktvā no vipinaṃ gataḥ ||

Er, der uns stets beschützt wie ein Vater seine leiblichen Söhne – wie konnte der Vortrefflichste der Raghus uns verlassen und in die Wildnis ziehen?

Wort für Wort
yaḥ naḥ sadā pālayati
der uns stets beschützt
pitā putrān iva aurasān
wie ein Vater seine leiblichen Söhne
katham raghūṇām sa śreṣṭhaḥ
wie konnte er, der Vortrefflichste der Raghus
tyaktvā naḥ vipinam gataḥ
uns verlassend in die Wildnis ziehen

ihaiva nidhanaṃ yāmo mahāprasthānam eva vā | rāmeṇa rahitānāṃ hi kimartham jīvitaṃ hi naḥ ||

Lasst uns hier sterben oder die große Reise in den Tod antreten; denn wozu dient uns, die wir Rāmas beraubt sind, noch das Leben?

Wort für Wort
iha eva nidhanam yāmaḥ
lasst uns hier sterben
mahāprasthānam eva vā
oder die große Reise in den Tod antreten
rāmeṇa rahitānām hi
denn für uns, die wir Rāmas beraubt sind
kimartham jīvitam hi naḥ
wozu dient uns noch das Leben

santi śuṣkāṇi kāṣṭhāni prabhūtāni mahānti ca | taiḥ prajvālya citāṃ sarve praviśāmo 'tha pāvakam ||

Es gibt trockenes Holz, reichlich und in Mengen; lasst uns damit einen Scheiterhaufen entzünden und alle ins Feuer gehen.

Wort für Wort
santi śuṣkāṇi kāṣṭhāni
es gibt trockenes Holz
prabhūtāni mahānti ca
reichlich und in Mengen
taiḥ prajvālya citām sarve
damit alle einen Scheiterhaufen entzündend
praviśāmaḥ atha pāvakam
lasst uns dann ins Feuer gehen

kiṃ vakṣyāmo mahābāhum anasūyaṃ priyaṃvadam | nītaḥ sa rāghavo 'smābhir iti vaktuṃ kathaṃ kṣamam ||

Was sollen wir sagen? Wie könnten wir es ertragen zu sagen, dass wir jenen Langarmigen, den Neidlosen, freundlich Redenden, Rāghava, im Stich gelassen haben?

Wort für Wort
kim vakṣyāmaḥ mahābāhum
was sollen wir sagen über den Langarmigen
anasūyam priyaṃvadam
den Neidlosen, freundlich Redenden
nītaḥ saḥ rāghavaḥ asmābhiḥ
jener Rāghava, von uns (im Stich gelassen)
iti vaktum katham kṣamam
wie könnten wir es ertragen, dies zu sagen

sā nūnaṃ nagarī dīnā dṛṣṭvāsmān rāghavaṃ vinā | bhaviṣyati nirānandā sastrībālavayodhikā ||

Jene elende Stadt wird gewiss, wenn sie uns ohne Rāghava erblickt, freudlos werden, mit ihren Frauen, Kindern und Alten.

Wort für Wort
sā nūnam nagarī dīnā
jene elende Stadt wird gewiss
dṛṣṭvā asmān rāghavam vinā
wenn sie uns ohne Rāghava erblickt
bhaviṣyati nirānandā
wird freudlos werden
sastrībālavayodhikā
mit ihren Frauen, Kindern und Alten

niryātās tena vīreṇa saha nityaṃ jitātmanā | vihīnās tena ca punaḥ kathaṃ paśyāma tāṃ purīm ||

Wir, die wir mit jenem Helden, dem stets Selbstbeherrschten, ausgezogen sind – wie sollen wir, nun seiner beraubt, jene Stadt wiedersehen?

Wort für Wort
niryātāḥ tena vīreṇa
die wir mit jenem Helden ausgezogen sind
saha nityam jitātmanā
mit dem stets Selbstbeherrschten
vihīnāḥ tena ca punaḥ
nun aber seiner beraubt
katham paśyāma tām purīm
wie sollen wir jene Stadt wiedersehen

itīva bahudhā vāco bāhum udyamya te janāḥ | vilapanti sma duḥkhārtā vivatsā iva dhenavaḥ ||

So klagten jene Menschen auf mancherlei Weise, die Arme erhebend, von Schmerz gequält, gleich Kühen, die ihrer Kälber beraubt sind.

Wort für Wort
iti iva bahudhā vācaḥ
so auf mancherlei Weise Worte
bāhum udyamya te janāḥ
die Arme erhebend, jene Menschen
vilapanti sma duḥkhārtāḥ
klagten, von Schmerz gequält
vivatsāḥ iva dhenavaḥ
gleich Kühen, ihrer Kälber beraubt

tato mārgānusāreṇa gatvā kiṃcit kṣaṇaṃ punaḥ | mārganāśāt viṣādena mahatā samabhiplutaḥ ||

Dann, nachdem sie eine Weile der Spur des Weges gefolgt waren, wurden sie, als sich die Spur verlor, von großer Verzweiflung überwältigt.

Wort für Wort
tataḥ mārgānusāreṇa
dann, der Spur des Weges folgend
gatvā kiñcit kṣaṇam punaḥ
nachdem sie eine Weile gegangen waren
mārganāśāt viṣādena
durch die Verzweiflung wegen des Verlusts der Spur
mahatā samabhiplutaḥ
wurden sie von großer überwältigt

rathasya mārganāśena nyavartanta manasvinaḥ | kim idaṃ kiṃ kariṣyāmo daivenopahatā iti ||

Als sich die Spur des Wagens verlor, kehrten die besonnenen Menschen um und sprachen: „Was ist dies? Was sollen wir tun, wir, vom Schicksal Geschlagenen?“

Wort für Wort
rathasya mārganāśena
durch den Verlust der Wagenspur
nyavartanta manasvinaḥ
kehrten die besonnenen Menschen um
kim idam kim kariṣyāmaḥ
was ist dies, was sollen wir tun
daivena upahatāḥ iti
vom Schicksal Geschlagene, so sprachen sie

tato yathāgatenaiva mārgeṇa klāntacetasaḥ | ayodhyām agaman sarve purīṃ vyathitasajjanām ||

Da kehrten sie alle, ermatteten Sinnes, auf demselben Weg, den sie gekommen waren, nach Ayodhyā zurück, jener Stadt, in der die guten Menschen betrübt waren.

Wort für Wort
tataḥ yathāgatena eva mārgeṇa
dann, auf demselben Weg, den sie gekommen waren
klāntacetasaḥ
ermatteten Sinnes
ayodhyām agaman sarve
kehrten alle nach Ayodhyā zurück
purīm vyathitasajjanām
der Stadt, in der die guten Menschen betrübt waren

ālokya nagarīṃ tāṃ ca kṣayavyākulamānasāḥ | āvartayaṃta cāśrūṇi nayanaiḥ śokapīḍitaiḥ ||

Als sie jene Stadt erblickten, deren Verfall ihre Sinne verwirrte, vergossen sie Tränen aus ihren von Kummer gequälten Augen.

Wort für Wort
ālokya nagarīm tām ca
als sie jene Stadt erblickten
kṣayavyākulamānasāḥ
deren Verfall ihre Sinne verwirrte
āvartayanta ca aśrūṇi
vergossen sie Tränen
nayanaiḥ śokapīḍitaiḥ
aus ihren von Kummer gequälten Augen

eṣā rāmeṇa nagarī rahitā nātiśobhate | āpagā garuḍeneva hradād uddhṛtapannagā ||

Diese Stadt, Rāmas beraubt, glänzt nicht mehr wie zuvor, gleich einem Fluss, dem Garuḍa die Schlange aus dem See geraubt hat.

Wort für Wort
eṣā rāmeṇa nagarī
diese Stadt, Rāmas beraubt
rahitā na atiśobhate
beraubt, glänzt sie nicht mehr sehr
āpagā garuḍena iva
wie ein Fluss durch Garuḍa
hradāt uddhṛtapannagā
dem die Schlange aus dem See geraubt wurde

candrahīnam ivākāśaṃ toyahīnam ivārṇavam | apaśyann ihatānandaṃ nagaraṃ te vicetasaḥ ||

Sie, außer sich, erblickten die Stadt, ihrer Freude beraubt, wie den Himmel ohne Mond, wie das Meer ohne Wasser.

Wort für Wort
candrahīnam iva ākāśam
wie den Himmel ohne Mond
toyahīnam iva arṇavam
wie das Meer ohne Wasser
apaśyan ihatānandam
sahen sie, ihrer Freude beraubt
nagaram te vicetasaḥ
die Stadt, sie, außer sich

te tāni veśmāni mahādhanāni duḥkhena duḥkhopahatā viśantaḥ | naiva prajajñuḥ svajanaṃ janaṃ vā nirīkṣamāṇāḥ praviṇaṣṭaharṣāḥ ||

Sie, von Schmerz Geschlagene, die mit Schmerz jene reich ausgestatteten Häuser betraten, erkannten, hinschauend, weder die eigenen Leute noch fremde Menschen, ihrer Freude gänzlich beraubt.

Wort für Wort
te tāni veśmāni mahādhanāni
sie jene reich ausgestatteten Häuser
duḥkhena duḥkhopahatā viśantaḥ
mit Schmerz betretend, von Schmerz Geschlagene
na eva prajajñuḥ svajanam janam vā
erkannten weder die eigenen Leute noch fremde
nirīkṣamāṇāḥ praviṇaṣṭaharṣāḥ
hinschauend, ihrer Freude gänzlich beraubt

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