Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 19: Rāma Pratijñā Vanavāsaḥ Rāma verspricht ohne Zögern die Verbannung, tröstet den ohnmächtigen Vater und tritt gefasst zu seiner Mutter

tat apriyam amitraghnaḥ vacanam maraṇa-upamam / śrutvā na vivyathe rāmaḥ kaikeyīm ca idam abravīt

Nachdem der Feindevernichter jenes unliebe, dem Tode gleichende Wort gehört hatte, geriet Rāma nicht in Erschütterung und sprach zu Kaikeyī dies:

Wort für Wort
tat apriyam amitraghnaḥ
der Feindevernichter, jenes unliebe
vacanam maraṇa-upamam
Wort, dem Tode gleichend
śrutvā na vivyathe rāmaḥ
gehört habend, geriet Rāma nicht in Erschütterung
kaikeyīm ca idam abravīt
und sprach zu Kaikeyī dies

evam astu gamiṣyāmi vanam vastum aham tu ataḥ / jaṭā-cīra-dharaḥ rājñaḥ pratijñām anupālayan

'So sei es. Ich werde von hier in den Wald gehen, um dort zu wohnen, mit verfilztem Haar und Rindenkleidung, das Versprechen des Königs erfüllend.'

Wort für Wort
evam astu gamiṣyāmi vanam
so sei es, ich werde in den Wald gehen
vastum aham tu ataḥ
um dort zu wohnen, von hier
jaṭā-cīra-dharaḥ rājñaḥ
mit verfilztem Haar und Rindenkleidung, des Königs
pratijñām anupālayan
das Versprechen erfüllend

idam tu jñātum icchāmi kim artham mām mahī-patiḥ / na abhinandati durdharṣaḥ yathā puram arim-damaḥ

'Doch dies möchte ich wissen: warum begrüßt mich der unbezwingbare Herrscher der Erde nicht freundlich, wie sonst der Feindebezwinger mich begrüßt?'

Wort für Wort
idam tu jñātum icchāmi
dies aber möchte ich wissen
kim artham mām mahī-patiḥ
warum mich der Herrscher der Erde
na abhinandati durdharṣaḥ
nicht freundlich begrüßt, der Unbezwingbare
yathā puram arim-damaḥ
wie sonst der Feindebezwinger

manyuḥ na ca tvayā kāryaḥ devi brūhi tava agrataḥ / yāsyāmi bhava suprītā vanam cīra-jaṭā-dharaḥ

'Und du sollst keinen Zorn hegen, o Herrin; sprich vor mir – ich werde gehen. Sei froh: ich werde, mit Rindenkleidung und verfilztem Haar, in den Wald gehen.'

Wort für Wort
manyuḥ na ca tvayā kāryaḥ
und du sollst keinen Zorn hegen
devi brūhi tava agrataḥ
o Herrin, sprich vor mir
yāsyāmi bhava suprītā
ich werde gehen, sei froh
vanam cīra-jaṭā-dharaḥ
in den Wald, mit Rindenkleidung und verfilztem Haar

hitena guruṇā pitrā kṛta-jñena nṛpeṇa ca / niyujyamānaḥ viśrabdham kim na kuryāt aham priyam

'Von dem mir wohlgesinnten Lehrer, dem Vater, dem dankbaren König beauftragt – was sollte ich ihm nicht vertrauensvoll zuliebe tun?'

Wort für Wort
hitena guruṇā pitrā
vom wohlgesinnten Lehrer, dem Vater
kṛta-jñena nṛpeṇa ca
und vom dankbaren König
niyujyamānaḥ viśrabdham
beauftragt, vertrauensvoll
kim na kuryāt aham priyam
was sollte ich ihm nicht zuliebe tun

alīkam mānasam tu ekam hṛdayam dahati iva me / svayam yat na āha mām rājā bharatasya abhiṣecanam

'Nur eines quält mein Herz wie ein Feuer, das mich trügerisch verbrennt: dass der König mir nicht selbst von Bharatas Weihe erzählt hat.'

Wort für Wort
alīkam mānasam tu ekam
nur eines, ein trügerisches Gefühl
hṛdayam dahati iva me
verbrennt mein Herz gleichsam
svayam yat na āha mām rājā
dass der König mir nicht selbst gesagt hat
bharatasya abhiṣecanam
von Bharatas Weihe

aham hi sītām rājyam ca prāṇān iṣṭān dhanāni ca / hṛṣṭaḥ bhrātre svayam dadyām bharatāya apracoditaḥ

'Denn ich würde Sītā, das Königreich, mein liebes Leben und meine Güter meinem Bruder Bharata freudig aus eigenem Antrieb geben, ohne Aufforderung.'

Wort für Wort
aham hi sītām rājyam ca
denn ich Sītā und das Königreich
prāṇān iṣṭān dhanāni ca
mein liebes Leben und meine Güter
hṛṣṭaḥ bhrātre svayam dadyām
würde ich freudig meinem Bruder selbst geben
bharatāya apracoditaḥ
dem Bharata, ohne Aufforderung

kim punaḥ manuja-indreṇa svayam pitrā pracoditaḥ / tava ca priya-kāma-artham pratijñām anupālayan

'Wie viel mehr würde ich es tun, wenn ich vom Herrscher der Menschen, dem Vater selbst, aufgefordert werde, und um deines Wunsches willen sein Versprechen einlöse!'

Wort für Wort
kim punaḥ manuja-indreṇa
wie viel mehr vom Herrscher der Menschen
svayam pitrā pracoditaḥ
vom Vater selbst aufgefordert
tava ca priya-kāma-artham
und um deines Wunsches willen
pratijñām anupālayan
sein Versprechen einlösend

tat āśvāsaya hi imam tvam kim nu idam yat mahī-patiḥ / vasudhā-āsakta-nayanaḥ mandam aśrūṇi muñcati

'So tröste ihn doch! Was soll das denn heißen, dass der Herrscher der Erde, die Augen zu Boden geheftet, langsam Tränen vergießt?'

Wort für Wort
tat āśvāsaya hi imam tvam
so tröste ihn doch, du
kim nu idam yat mahī-patiḥ
was soll das denn heißen, dass der Herrscher der Erde
vasudhā-āsakta-nayanaḥ
die Augen zur Erde geheftet
mandam aśrūṇi muñcati
langsam Tränen vergießt

gacchantu ca eva ānayitum dūtāḥ śīghra-javaiḥ hayaiḥ / bharatam mātula-kulāt adya eva nṛpa-śāsanāt

'Und sollen doch auf des Königs Befehl noch heute Boten mit schnellfüßigen Rossen aufbrechen, um Bharata aus dem Hause seines Onkels zu holen.'

Wort für Wort
gacchantu ca eva ānayitum dūtāḥ
und sollen Boten aufbrechen, um zu holen
śīghra-javaiḥ hayaiḥ
mit schnellfüßigen Rossen
bharatam mātula-kulāt
Bharata aus dem Hause des Onkels
adya eva nṛpa-śāsanāt
noch heute, auf des Königs Befehl

daṇḍaka-araṇyam eṣaḥ aham itaḥ gacchāmi satvaraḥ / avicārya pituḥ vākyam samāḥ vastum catur-daśa

'In den Daṇḍaka-Wald werde ich von hier eilends gehen, ohne des Vaters Wort in Frage zu stellen, um dort vierzehn Jahre zu wohnen.'

Wort für Wort
daṇḍaka-araṇyam eṣaḥ aham
in den Daṇḍaka-Wald, ich hier
itaḥ gacchāmi satvaraḥ
gehe von hier eilends
avicārya pituḥ vākyam
ohne des Vaters Wort in Frage zu stellen
samāḥ vastum catur-daśa
um vierzehn Jahre zu wohnen

sā hṛṣṭā tasya tat vākyam śrutvā rāmasya kaikayī / prasthānam śraddadhānā hi tvarayām āsa rāghavam

Sie, Kaikeyī, hocherfreut, nachdem sie jenes Wort Rāmas gehört hatte, dem Aufbruch fürwahr voll vertrauend, drängte den Rāghava zur Eile.

Wort für Wort
sā hṛṣṭā tasya tat vākyam
sie, hocherfreut, jenes Wort
śrutvā rāmasya kaikayī
gehört habend, Rāmas, Kaikeyī
prasthānam śraddadhānā hi
dem Aufbruch fürwahr vertrauend
tvarayām āsa rāghavam
drängte sie den Rāghava zur Eile

evam bhavatu yāsyanti dūtāḥ śīghra-javaiḥ hayaiḥ / bharatam mātula-kulāt upāvartayitum narāḥ

'So sei es! Die Boten, Männer mit schnellfüßigen Rossen, werden aufbrechen, um Bharata aus dem Hause seines Onkels zurückzuholen.'

Wort für Wort
evam bhavatu
so sei es
yāsyanti dūtāḥ śīghra-javaiḥ hayaiḥ
die Boten werden mit schnellfüßigen Rossen aufbrechen
bharatam mātula-kulāt
Bharata aus dem Hause des Onkels
upāvartayitum narāḥ
um ihn zurückzuholen, die Männer

tava tu aham kṣamam manye na utsukasya vilambanam / rāma tasmāt itaḥ śīghram vanam tvam gantum arhasi

'Doch ich halte für dich, der du so ungeduldig bist, ein Zögern nicht für angemessen. Darum, Rāma, solltest du eilends von hier in den Wald gehen.'

Wort für Wort
tava tu aham kṣamam manye
doch für dich halte ich für angemessen
na utsukasya vilambanam
kein Zögern, für den Ungeduldigen
rāma tasmāt itaḥ śīghram
darum, Rāma, eilends von hier
vanam tvam gantum arhasi
solltest du in den Wald gehen

vrīḍā-anvitaḥ svayam yat ca nṛpaḥ tvām na abhibhāṣate / na etat kiṃcin nara-śreṣṭha manyuḥ eṣaḥ apanīyatām

'Und dass der König, von Scham erfüllt, selbst nicht zu dir spricht – das ist nichts von Bedeutung, Bester der Männer; dieser Kummer soll von dir entfernt werden.'

Wort für Wort
vrīḍā-anvitaḥ svayam yat ca nṛpaḥ
und dass der König, von Scham erfüllt, selbst
tvām na abhibhāṣate
nicht zu dir spricht
na etat kiṃcin nara-śreṣṭha
das ist nichts, Bester der Männer
manyuḥ eṣaḥ apanīyatām
dieser Kummer soll entfernt werden

yāvat tvam na vanam yātaḥ purāt asmāt abhitvaran / pitā tāvat na te rāma snāsyate bhokṣyate api vā

'Solange du nicht eilends aus dieser Stadt in den Wald gegangen bist, wird dein Vater, Rāma, weder baden noch essen.'

Wort für Wort
yāvat tvam na vanam yātaḥ
solange du nicht in den Wald gegangen bist
purāt asmāt abhitvaran
aus dieser Stadt eilend
pitā tāvat na te rāma
wird dein Vater, Rāma, solange nicht
snāsyate bhokṣyate api vā
baden noch essen

dhik kaṣṭam iti niḥśvasya rājā śoka-pariplutaḥ / mūrchitaḥ nyapatat tasmin paryaṅke hema-bhūṣite

'Wehe, welches Elend!' – so aufseufzend, sank der König, ganz von Kummer überflutet, ohnmächtig auf jenes goldgeschmückte Bett nieder.

Wort für Wort
dhik kaṣṭam iti niḥśvasya
'wehe, welches Elend!' so aufseufzend
rājā śoka-pariplutaḥ
der König, ganz von Kummer überflutet
mūrchitaḥ nyapatat tasmin
sank ohnmächtig auf jenes
paryaṅke hema-bhūṣite
goldgeschmückte Bett

rāmaḥ api utthāpya rājānam kaikeyyā abhipracoditaḥ / kaśayā iva āhataḥ vājī vanam gantum kṛta-tvaraḥ

Rāma, den König aufgerichtet habend, von Kaikeyī angetrieben, wie ein von der Peitsche getroffenes Ross, eilte, um in den Wald zu gehen.

Wort für Wort
rāmaḥ api utthāpya rājānam
Rāma, den König aufgerichtet habend
kaikeyyā abhipracoditaḥ
von Kaikeyī angetrieben
kaśayā iva āhataḥ vājī
wie ein von der Peitsche getroffenes Ross
vanam gantum kṛta-tvaraḥ
eilte, um in den Wald zu gehen

tat apriyam anāryāyā vacanam dāruṇa-udaram / śrutvā gata-vyathaḥ rāmaḥ kaikeyīm vākyam abravīt

Nachdem er jenes unliebe Wort der Unedlen gehört hatte, das in seinem Innern grausam war, sprach Rāma, ohne jede Erschütterung, dieses Wort zu Kaikeyī:

Wort für Wort
tat apriyam anāryāyā vacanam
jenes unliebe Wort der Unedlen
dāruṇa-udaram
das in seinem Innern grausam war
śrutvā gata-vyathaḥ rāmaḥ
gehört habend, ohne jede Erschütterung, Rāma
kaikeyīm vākyam abravīt
sprach zu Kaikeyī dieses Wort

na aham artha-paraḥ devi lokam āvastum utsahe / viddhi mām ṛṣibhiḥ tulyam kevalam dharmam āsthitam

'Nicht bin ich, o Herrin, auf Reichtum bedacht, um in dieser Welt zu bleiben; wisse, dass ich den Sehern gleich, einzig auf die Pflicht gegründet bin.'

Wort für Wort
na aham artha-paraḥ devi
nicht bin ich, o Herrin, auf Reichtum bedacht
lokam āvastum utsahe
um in dieser Welt zu bleiben
viddhi mām ṛṣibhiḥ tulyam
wisse, dass ich den Sehern gleich bin
kevalam dharmam āsthitam
einzig auf die Pflicht gegründet

yat atrabhavataḥ kiṃcit śakyam kartum priyam mayā / prāṇān api parityajya sarvathā kṛtam eva tat

'Was auch immer dem verehrten Vater von mir zuliebe getan werden kann, das ist, selbst unter Aufgabe des Lebens, auf jeden Fall bereits als getan zu betrachten.'

Wort für Wort
yat atrabhavataḥ kiṃcit
was auch immer dem verehrten Vater
śakyam kartum priyam mayā
von mir zuliebe getan werden kann
prāṇān api parityajya
selbst unter Aufgabe des Lebens
sarvathā kṛtam eva tat
ist das auf jeden Fall bereits getan

na hi ataḥ dharma-caraṇam kiṃcit asti mahattaram / yathā pitari śuśrūṣā tasya vā vacana-kriyā

'Denn es gibt keine größere Ausübung der Pflicht als den Dienst am Vater oder die Ausführung seines Wortes.'

Wort für Wort
na hi ataḥ dharma-caraṇam
denn es gibt keine Ausübung der Pflicht
kiṃcit asti mahattaram
die größer wäre
yathā pitari śuśrūṣā
als der Dienst am Vater
tasya vā vacana-kriyā
oder die Ausführung seines Wortes

anuktaḥ api atrabhavatā bhavatyāḥ vacanāt aham / vane vatsyāmi vijane varṣāṇi iha catur-daśa

'Auch ohne dass es der Verehrte selbst gesagt hat, werde ich, auf dein Wort hin, vierzehn Jahre im einsamen Wald wohnen.'

Wort für Wort
anuktaḥ api atrabhavatā
auch ohne dass es der Verehrte gesagt hat
bhavatyāḥ vacanāt aham
auf dein Wort hin, ich
vane vatsyāmi vijane
werde ich im einsamen Wald wohnen
varṣāṇi iha catur-daśa
hier vierzehn Jahre

na nūnam mayi kaikeyi kiṃcit āśaṃsase guṇam / yat rājānam avocaḥ tvam mama īśvara-tarā satī

'Gewiss traust du mir, Kaikeyī, keine Tugend zu, da du, obwohl du mehr Macht über mich hast, selbst zum König gesprochen hast, statt es mir direkt zu sagen.'

Wort für Wort
na nūnam mayi kaikeyi
gewiss nicht mir, Kaikeyī
kiṃcit āśaṃsase guṇam
traust du irgendeine Tugend zu
yat rājānam avocaḥ tvam
dass du zum König gesprochen hast
mama īśvara-tarā satī
obwohl du mehr Macht über mich hast

yāvat mātaram āpṛcche sītām ca anunayāmi aham / tataḥ adya eva gamiṣyāmi daṇḍakānām mahat vanam

'Sobald ich von meiner Mutter Abschied genommen und Sītā davon überzeugt habe, werde ich noch heute in den großen Wald der Daṇḍakas gehen.'

Wort für Wort
yāvat mātaram āpṛcche
sobald ich von der Mutter Abschied genommen habe
sītām ca anunayāmi aham
und ich Sītā überzeugt habe
tataḥ adya eva gamiṣyāmi
dann werde ich noch heute gehen
daṇḍakānām mahat vanam
in den großen Wald der Daṇḍakas

bharataḥ pālayet rājyam śuśrūṣet ca pituḥ yathā / tathā bhavatyā kartavyam sa hi dharmaḥ sanātanaḥ

'Dass Bharata das Königreich hüte und dem Vater diene, wie es sich gebührt – dies musst du bewirken, denn das ist die ewige Pflicht.'

Wort für Wort
bharataḥ pālayet rājyam
Bharata soll das Königreich hüten
śuśrūṣet ca pituḥ yathā
und dem Vater dienen, wie es sich gebührt
tathā bhavatyā kartavyam
dies musst du bewirken
sa hi dharmaḥ sanātanaḥ
denn das ist die ewige Pflicht

sa rāmasya vacaḥ śrutvā bhṛśam duḥkha-hataḥ pitā / śokāt aśaknuvan bāṣpam praruroda mahā-svanam

Als er Rāmas Worte gehört hatte, brach der Vater, heftig vom Schmerz getroffen, unfähig, die Tränen aus Kummer zurückzuhalten, in lautes Weinen aus.

Wort für Wort
sa rāmasya vacaḥ śrutvā
er, Rāmas Worte gehört habend
bhṛśam duḥkha-hataḥ pitā
der Vater, heftig vom Schmerz getroffen
śokāt aśaknuvan bāṣpam
unfähig, aus Kummer die Tränen zurückzuhalten
praruroda mahā-svanam
brach er in lautes Weinen aus

vanditvā caraṇau rāmaḥ visaṃjñasya pituḥ tadā / kaikeyyāḥ ca api anāryāyā niṣpapāta mahā-dyutiḥ

Rāma, der Glanzvolle, verehrte da die Füße seines bewusstlosen Vaters, und auch die der unedlen Kaikeyī, und trat hinaus.

Wort für Wort
vanditvā caraṇau rāmaḥ
Rāma, die Füße verehrt habend
visaṃjñasya pituḥ tadā
des da bewusstlosen Vaters
kaikeyyāḥ ca api anāryāyā
und auch die der unedlen Kaikeyī
niṣpapāta mahā-dyutiḥ
trat der Glanzvolle hinaus

sa rāmaḥ pitaram kṛtvā kaikeyīm ca pradakṣiṇam / niṣkramya antaḥ-purāt tasmāt svam dadarśa suhṛt-janam

Jener Rāma, nachdem er den Vater und Kaikeyī rechts umschritten hatte, erblickte, aus jenem inneren Palast heraustretend, seine eigenen Freunde.

Wort für Wort
sa rāmaḥ pitaram kṛtvā
jener Rāma, den Vater umschritten habend
kaikeyīm ca pradakṣiṇam
und Kaikeyī rechts umschreitend
niṣkramya antaḥ-purāt tasmāt
aus jenem inneren Palast heraustretend
svam dadarśa suhṛt-janam
erblickte er seine eigenen Freunde

tam bāṣpa-paripūrṇa-akṣaḥ pṛṣṭhataḥ anujagāma ha / lakṣmaṇaḥ parama-kruddhaḥ sumitra-ānanda-vardhanaḥ

Ihm folgte, mit tränenerfüllten Augen, von hinten Lakṣmaṇa, aufs höchste erzürnt, die Freude Sumitrās mehrend.

Wort für Wort
tam bāṣpa-paripūrṇa-akṣaḥ
ihm, mit tränenerfüllten Augen
pṛṣṭhataḥ anujagāma ha
folgte von hinten
lakṣmaṇaḥ parama-kruddhaḥ
Lakṣmaṇa, aufs höchste erzürnt
sumitra-ānanda-vardhanaḥ
die Freude Sumitrās mehrend

ābhiṣecanikam bhāṇḍam kṛtvā rāmaḥ pradakṣiṇam / śanaiḥ jagāma sāpekṣaḥ dṛṣṭim tatra avicālayan

Rāma, das Weihegerät rechts umschreitend, ging langsam, wehmütig zurückblickend, seinen Blick nicht davon abwendend.

Wort für Wort
ābhiṣecanikam bhāṇḍam
das Weihegerät
kṛtvā rāmaḥ pradakṣiṇam
rechts umschreitend, Rāma
śanaiḥ jagāma sāpekṣaḥ
ging langsam, wehmütig
dṛṣṭim tatra avicālayan
seinen Blick davon nicht abwendend

na ca asya mahatīm lakṣmīm rājya-nāśaḥ apakarṣati / loka-kāntasya kāntatvam śīta-raśmeḥ iva kṣapā

Und der Verlust des Königreichs minderte nicht seinen großen Glanz, so wie die Nacht nicht die Anmut des Kühlstrahligen, des Geliebten der Welt, mindert.

Wort für Wort
na ca asya mahatīm lakṣmīm
und seinen großen Glanz
rājya-nāśaḥ apakarṣati
mindert der Verlust des Königreichs nicht
loka-kāntasya kāntatvam
die Anmut des von der Welt Geliebten
śīta-raśmeḥ iva kṣapā
wie die Nacht die des Kühlstrahligen nicht

na vanam gantu-kāmasya tyajataḥ ca vasuṃdharām / sarva-loka-atigasya iva lakṣyate citta-vikriyā

Bei ihm, der in den Wald zu gehen wünschte und die Erde aufgab, war keine Erregung des Geistes zu bemerken, wie bei einem, der über alle Welt erhaben ist.

Wort für Wort
na vanam gantu-kāmasya
bei ihm, der in den Wald zu gehen wünschte
tyajataḥ ca vasuṃdharām
und der die Erde aufgab
sarva-loka-atigasya iva
wie bei einem, der über alle Welt erhaben ist
lakṣyate citta-vikriyā
war eine Erregung des Geistes zu bemerken

pratiṣiddhya śubham chatram vyajane ca sva-alaṃkṛte / visarjayitvā svajanam ratham paurān tathā janān

Nachdem er den prächtigen Sonnenschirm und die beiden wohlgeschmückten Fächer abgelehnt hatte, und die eigenen Leute, den Wagen sowie die Stadtbewohner und das Volk entlassen hatte,

Wort für Wort
pratiṣiddhya śubham chatram
nachdem er den prächtigen Sonnenschirm abgelehnt hatte
vyajane ca sva-alaṃkṛte
und die beiden wohlgeschmückten Fächer
visarjayitvā svajanam
nachdem er die eigenen Leute entlassen hatte
ratham paurān tathā janān
den Wagen sowie die Stadtbewohner und das Volk

dhārayan manasā duḥkham indriyāṇi nigṛhya ca / praviveśa ātma-vān veśma mātuḥ priya-śaṃsivān

trug er im Geiste seinen Schmerz, seine Sinne bezähmend, und trat, seiner selbst mächtig, Freudiges verkündend, in das Gemach seiner Mutter ein.

Wort für Wort
dhārayan manasā duḥkham
im Geiste seinen Schmerz tragend
indriyāṇi nigṛhya ca
und seine Sinne bezähmend
praviveśa ātma-vān veśma
trat er, seiner selbst mächtig, in das Gemach ein
mātuḥ priya-śaṃsivān
der Mutter, Freudiges verkündend

sarvaḥ hi abhijanaḥ śrīmān śrīmataḥ satya-vādinaḥ / na alakṣayat rāmasya kiṃcit ākāram ānane

Denn niemand aus seinem ganzen glanzvollen Gefolge bemerkte im Antlitz des glanzvollen, wahrhaftigen Rāma irgendeine Veränderung.

Wort für Wort
sarvaḥ hi abhijanaḥ śrīmān
denn das ganze glanzvolle Gefolge
śrīmataḥ satya-vādinaḥ
des glanzvollen, wahrhaftigen
na alakṣayat rāmasya
bemerkte an Rāma nicht
kiṃcit ākāram ānane
irgendeine Veränderung im Antlitz

ucitam ca mahā-bāhuḥ na jahau harṣam ātmanaḥ / śāradaḥ samudīrṇa-aṃśuḥ candraḥ teja iva ātmajam

Und der Starkarmige gab seine gewohnte innere Heiterkeit nicht auf, wie der herbstliche, mit hellen Strahlen aufgehende Mond seinen Glanz nicht gegenüber seinem Sohn aufgibt.

Wort für Wort
ucitam ca mahā-bāhuḥ
und der Starkarmige, die gewohnte
na jahau harṣam ātmanaḥ
gab seine innere Heiterkeit nicht auf
śāradaḥ samudīrṇa-aṃśuḥ
der herbstliche, mit hellen Strahlen aufgehende
candraḥ teja iva ātmajam
der Mond seinen Glanz, wie gegenüber seinem Sohn

vācā madhurayā rāmaḥ sarvam sammānayan janam / mātuḥ samīpam dhīra-ātmā praviveśa mahā-yaśāḥ

Rāma, mit süßer Stimme allen Menschen seine Achtung erweisend, der Standhafte, von großem Ruhm, trat in die Nähe seiner Mutter.

Wort für Wort
vācā madhurayā rāmaḥ
Rāma, mit süßer Stimme
sarvam sammānayan janam
allen Menschen seine Achtung erweisend
mātuḥ samīpam dhīra-ātmā
in die Nähe der Mutter, der Standhafte
praviveśa mahā-yaśāḥ
trat er, von großem Ruhm

tam guṇaiḥ samatām prāptaḥ bhrātā vipula-vikramaḥ / saumitriḥ anuvavrāja dhārayan duḥkham ātmajam

Ihm folgte der Bruder, der Sohn der Sumitrā, von gewaltiger Kraft, der ihm an Tugenden gleichkam, seinen eigenen Schmerz zurückhaltend.

Wort für Wort
tam guṇaiḥ samatām prāptaḥ
ihm, an Tugenden gleichkommend
bhrātā vipula-vikramaḥ
der Bruder, von gewaltiger Kraft
saumitriḥ anuvavrāja
der Sohn der Sumitrā folgte
dhārayan duḥkham ātmajam
seinen eigenen Schmerz zurückhaltend

praviśya veśma atibhṛśam mudā anvitam / samīkṣya tām ca artha-vipattim āgatām / na ca eva rāmaḥ atra jagāma vikriyām / suhṛt-janasya ātma-vipatti-śaṅkayā

Als er das Gemach betrat, das übermäßig von Freude erfüllt war, und dieses zum Unheil gewordene Ereignis betrachtete, geriet Rāma dennoch in keine Erregung, aus Sorge, das Unglück der eigenen Person könnte auf seine Freunde übergreifen.

Wort für Wort
praviśya veśma atibhṛśam
das Gemach betretend, das übermäßig
mudā anvitam
von Freude erfüllt war
samīkṣya tām ca artha-vipattim āgatām
und dieses zum Unheil gewordene Ereignis betrachtend
na ca eva rāmaḥ atra jagāma vikriyām
geriet Rāma dennoch in keine Erregung
suhṛt-janasya ātma-vipatti-śaṅkayā
aus Sorge um das Unglück, das den Freunden durch ihn widerfahren könnte

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