Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 105: Rāma Upadeśaḥ Anityatā Bodhanam Rāma lehnt erneut ab und tröstet Bharata mit einer Rede über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unausweichlichkeit des Todes

tataḥ puruṣa siṃhānām vṛtānām taiḥ suhṛd gaṇaiḥ | śocatām eva rajanī duḥkhena vyatyavartata ||

Dann verging die Nacht mühsam für jene Tiger unter den Männern, umgeben von ihren Freundesscharen, während sie trauerten.

Wort für Wort
tataḥ puruṣa siṃhānām
dann jener Tiger unter den Männern
vṛtānām taiḥ suhṛd gaṇaiḥ
umgeben von ihren Freundesscharen
śocatām eva rajanī
während sie trauerten, die Nacht
duḥkhena vyatyavartata
verging mühsam

rajanyām suprabhātāyām bhrātaraḥ te suhṛd vṛtāḥ | mandākinyām hutam japyam kṛtvā rāmam upāgaman ||

Als die Nacht schön angebrochen war, kamen jene Brüder, von Freunden umgeben, nachdem sie an der Mandākinī das Feueropfer und die stille Rezitation vollzogen hatten, zu Rāma.

Wort für Wort
rajanyām suprabhātāyām
als die Nacht schön angebrochen war
bhrātaraḥ te suhṛd vṛtāḥ
jene Brüder, von Freunden umgeben
mandākinyām hutam japyam kṛtvā
an der Mandākinī Feueropfer und Rezitation vollzogen habend
rāmam upāgaman
kamen sie zu Rāma

tūṣṇīm te samupāsīnā na kaścit kiṃcid abravīt | bharataḥ tu suhṛn madhye rāma vacanam abravīt ||

Schweigend saßen sie beisammen, keiner sagte etwas; Bharata aber sprach inmitten der Freunde zu Rāma die Worte:

Wort für Wort
tūṣṇīm te samupāsīnā
schweigend saßen sie beisammen
na kaścit kiṃcid abravīt
keiner sagte etwas
bharataḥ tu suhṛn madhye
Bharata aber inmitten der Freunde
rāma vacanam abravīt
sprach zu Rāma die Worte

sāntvitā māmikā mātā dattam rājyam idam mama | tat dadāmi tava eva aham bhunkṣva rājyam akaṇṭakam ||

Meine Mutter wurde besänftigt, dieses Königreich mir gegeben; dieses gebe ich nun dir selbst - genieße das Königreich, frei von Widersachern.

Wort für Wort
sāntvitā māmikā mātā
meine Mutter wurde besänftigt
dattam rājyam idam mama
dieses Königreich mir gegeben
tat dadāmi tava eva aham
dieses gebe ich nun dir
bhunkṣva rājyam akaṇṭakam
genieße das Königreich, frei von Widersachern

mahatā iva ambu vegena bhinnaḥ setur jala āgame | durāvāram tvad anyena rājya khaṇḍam idam mahat ||

Wie ein von gewaltiger Wasserflut bei Hochwasser durchbrochener Damm, so ist dieses große Bruchstück des Königreichs von einem anderen als dir kaum zu bewahren.

Wort für Wort
mahatā iva ambu vegena
wie durch gewaltige Wasserflut
bhinnaḥ setur jala āgame
ein durchbrochener Damm bei Hochwasser
durāvāram tvad anyena
kaum zu bewahren von einem anderen als dir
rājya khaṇḍam idam mahat
dieses große Bruchstück des Königreichs

gatim khara iva aśvasya tārkṣyasya iva patatriṇaḥ | anugantum na śaktir me gatim tava mahī pate ||

Wie dem Wildesel der Lauf des Pferdes, wie dem gewöhnlichen Vogel der Flug des Garuḍa - so vermag ich nicht, dir im Gang zu folgen, o Herrscher der Erde.

Wort für Wort
gatim khara iva aśvasya
wie dem Wildesel der Lauf des Pferdes
tārkṣyasya iva patatriṇaḥ
wie dem (gewöhnlichen) Vogel der Flug des Garuḍa
anugantum na śaktir me
vermag ich nicht zu folgen
gatim tava mahī pate
deinem Gang, o Herrscher der Erde

sujīvam nityaśaḥ tasya yaḥ paraiḥ upajīvyate | rāma tena tu durjīvam yaḥ parān upajīvati ||

Leicht ist das Leben stets für den, von dem andere leben; schwer aber, Rāma, für den, der von anderen lebt.

Wort für Wort
sujīvam nityaśaḥ tasya
leicht ist das Leben stets für den
yaḥ paraiḥ upajīvyate
von dem andere leben
rāma tena tu durjīvam
schwer aber, Rāma, für den
yaḥ parān upajīvati
der von anderen lebt

yathā tu ropito vṛkṣaḥ puruṣeṇa vivardhitaḥ | hrasvakena durāroho rūḍha skandho mahā drumaḥ ||

So wie ein Baum, von einem Menschen gepflanzt und großgezogen, für den Kleingewachsenen unersteigbar wird, ein großer Baum mit gewachsenem Stamm -

Wort für Wort
yathā tu ropito vṛkṣaḥ
so wie ein gepflanzter Baum
puruṣeṇa vivardhitaḥ
von einem Menschen großgezogen
hrasvakena durāroho
für den Kleingewachsenen unersteigbar
rūḍha skandho mahā drumaḥ
ein großer Baum mit gewachsenem Stamm

sa yadā puṣpito bhūtvā phalāni na vidarśayet | sa tām na anubhavet prītim yasya hetoḥ prabhāvitaḥ ||

wenn er, geblüht habend, keine Früchte zeigen würde, so würde der, um dessentwillen er großgezogen wurde, nicht jene Freude erfahren.

Wort für Wort
sa yadā puṣpito bhūtvā
wenn er, geblüht habend
phalāni na vidarśayet
keine Früchte zeigen würde
sa tām na anubhavet prītim
so würde er jene Freude nicht erfahren
yasya hetoḥ prabhāvitaḥ
um dessentwillen er großgezogen wurde

eṣā upamā mahā bāho tvam artham vettum arhasi | yadi tvam asmān ṛṣabhaḥ bhartā bhṛtyān na śādhi hi ||

Dieses Gleichnis, du Großarmiger, solltest du seinem Sinn nach verstehen: wenn du, der Stier unter uns, der Gebieter, uns Diener nicht anleitest -

Wort für Wort
eṣā upamā mahā bāho
dieses Gleichnis, du Großarmiger
tvam artham vettum arhasi
solltest du seinem Sinn nach verstehen
yadi tvam asmān ṛṣabhaḥ
wenn du, der Stier unter uns
bhartā bhṛtyān na śādhi hi
als Gebieter uns Diener nicht anleitest

śreṇayaḥ tvām mahā rāja paśyantu agryāḥ ca sarvaśaḥ | pratapantam iva ādityam rājye sthitam arim damam ||

Mögen die Zünfte dich, großer König, und alle Vornehmen dich sehen, wie du, im Königreich weilend, wie die glühende Sonne strahlst, du Feindebezwinger.

Wort für Wort
śreṇayaḥ tvām mahā rāja
die Zünfte dich, großer König
paśyantu agryāḥ ca sarvaśaḥ
mögen sehen, und alle Vornehmen
pratapantam iva ādityam
wie die glühende Sonne
rājye sthitam arim damam
im Königreich weilend, du Feindebezwinger

tava anuyāne kākutstha mattā nardantu kuñjarāḥ | antaḥ pura gatā nāryo nandantu susamāhitāḥ ||

Mögen bei deinem Gefolgezug, Kākutstha, brünstige Elefanten trompeten, mögen die Frauen im Frauengemach sich freuen, wohlgesammelt.

Wort für Wort
tava anuyāne kākutstha
bei deinem Gefolgezug, Kākutstha
mattā nardantu kuñjarāḥ
mögen brünstige Elefanten trompeten
antaḥ pura gatā nāryo
die Frauen im Frauengemach
nandantu susamāhitāḥ
mögen sie sich freuen, wohlgesammelt

tasya sādhu iti amanyanta nāgarā vividhā janāḥ | bharatasya vacaḥ śrutvā rāmam pratyanuyācataḥ ||

'Gut so!' meinten die verschiedenen Stadtbewohner, als sie Bharatas Worte hörten, der Rāma anflehte.

Wort für Wort
tasya sādhu iti amanyanta
'gut so' meinten sie über ihn
nāgarā vividhā janāḥ
die verschiedenen Stadtbewohner
bharatasya vacaḥ śrutvā
Bharatas Worte gehört habend
rāmam pratyanuyācataḥ
der Rāma anflehte

tam evam duḥkhitam prekṣya vilapantam yaśasvinam | rāmaḥ kṛta ātmā bharatam samāśvāsayad ātmavān ||

Als er ihn so betrübt sah, den ruhmreichen, klagenden, tröstete Rāma, der Selbstbeherrschte, mit gefasstem Sinn, Bharata.

Wort für Wort
tam evam duḥkhitam prekṣya
als er ihn so betrübt sah
vilapantam yaśasvinam
den klagenden, ruhmreichen
rāmaḥ kṛta ātmā bharatam
Rāma, mit gefasstem Sinn, Bharata
samāśvāsayad ātmavān
tröstete der Selbstbeherrschte

na ātmanaḥ kāma kāro asti puruṣo ayam anīśvaraḥ | itaḥ ca itarataḥ ca enam kṛta antaḥ parikarṣati ||

Der Mensch ist nicht Herr über sich selbst, ohnmächtig ist dieser; von hier und dorther zieht ihn das Schicksal hin und her.

Wort für Wort
na ātmanaḥ kāma kāro asti
nicht Herr über sich selbst ist
puruṣo ayam anīśvaraḥ
dieser Mensch, machtlos
itaḥ ca itarataḥ ca enam
von hier und von dorther ihn
kṛta antaḥ parikarṣati
zieht das Schicksal hin und her

sarve kṣaya antāḥ nicayāḥ patana antāḥ samucchrayāḥ | saṃyogā viprayoga antāḥ maraṇa antam ca jīvitam ||

Alle Ansammlungen enden im Schwund, alle Erhebungen enden im Fall, alle Vereinigungen enden in Trennung, und das Leben endet im Tod.

Wort für Wort
sarve kṣaya antāḥ nicayāḥ
alle Ansammlungen enden im Schwund
patana antāḥ samucchrayāḥ
alle Erhebungen enden im Fall
saṃyogā viprayoga antāḥ
alle Vereinigungen enden in Trennung
maraṇa antam ca jīvitam
und das Leben endet im Tod

yathā phalānām pakvānām na anyatra patanād bhayam | evam narasya jātasya na anyatra maraṇād bhayam ||

Wie reife Früchte keine andere Furcht kennen als die vor dem Fallen, so kennt der geborene Mensch keine andere Furcht als die vor dem Tod.

Wort für Wort
yathā phalānām pakvānām
wie bei reifen Früchten
na anyatra patanād bhayam
keine andere Furcht als vor dem Fallen
evam narasya jātasya
so beim geborenen Menschen
na anyatra maraṇād bhayam
keine andere Furcht als vor dem Tod

yathā agāram dṛḍha sthūṇam jīrṇam bhūtvā avasīdati | tathā avasīdanti narā jarā mṛtyu vaśam gatāḥ ||

Wie ein Haus mit festen Pfeilern, alt geworden, verfällt, so verfallen die Menschen, der Macht von Alter und Tod verfallen.

Wort für Wort
yathā agāram dṛḍha sthūṇam
wie ein Haus mit festen Pfeilern
jīrṇam bhūtvā avasīdati
alt geworden, verfällt
tathā avasīdanti narā
so verfallen die Menschen
jarā mṛtyu vaśam gatāḥ
der Macht von Alter und Tod verfallen

atyeti rajanī yā tu sā na pratinivartate | yāty eva yamunā pūrṇā samudram udaka ākulam ||

Die Nacht, die vergeht, kehrt nicht zurück; sie fließt dahin, wie die volle Yamunā zum wasserreichen Ozean fließt.

Wort für Wort
atyeti rajanī yā tu
die Nacht, die vergeht
sā na pratinivartate
kehrt nicht zurück
yāty eva yamunā pūrṇā
sie fließt, wie die volle Yamunā
samudram udaka ākulam
zum wasserreichen Ozean

aho rātrāṇi gacchanti sarveṣām prāṇinām iha | āyūṃṣi kṣapayanti āśu grīṣme jalam iva aṃśavaḥ ||

Ach, die Tage und Nächte vergehen für alle Lebewesen hier und verzehren rasch ihre Lebenszeiten, wie im Sommer die Sonnenstrahlen das Wasser.

Wort für Wort
aho rātrāṇi gacchanti
ach, die Tage und Nächte vergehen
sarveṣām prāṇinām iha
für alle Lebewesen hier
āyūṃṣi kṣapayanti āśu
sie verzehren rasch die Lebenszeiten
grīṣme jalam iva aṃśavaḥ
wie im Sommer die Sonnenstrahlen das Wasser

ātmānam anuśoca tvam kim anyam anuśocasi | āyuḥ te hīyate yasya sthitasya ca gatasya ca ||

Beklage dich selbst - warum beklagst du einen anderen? Deine eigene Lebenszeit schwindet, ob du stehst oder gehst.

Wort für Wort
ātmānam anuśoca tvam
beklage dich selbst
kim anyam anuśocasi
warum beklagst du einen anderen
āyuḥ te hīyate yasya
deine Lebenszeit schwindet, dessen
sthitasya ca gatasya ca
ob stehend oder gehend

saha eva mṛtyuḥ vrajati saha mṛtyuḥ niṣīdati | gatvā sudīrgham adhvānam saha mṛtyuḥ nivartate ||

Zusammen mit dir geht der Tod, zusammen mit dir setzt er sich; nachdem er einen überaus langen Weg gegangen ist, kehrt er zusammen mit dir zurück.

Wort für Wort
saha eva mṛtyuḥ vrajati
zusammen (mit dir) geht der Tod
saha mṛtyuḥ niṣīdati
zusammen setzt sich der Tod
gatvā sudīrgham adhvānam
einen überaus langen Weg gegangen
saha mṛtyuḥ nivartate
kehrt zusammen der Tod zurück

gātreṣu valayaḥ prāptāḥ śvetāḥ ca eva śiroruhāḥ | jarayā puruṣo jīrṇaḥ kim hi kṛtvā prabhāvayet ||

Falten an den Gliedern erscheinen und die Haare werden weiß; welchen Nutzen könnte der vom Alter Gebeugte durch irgendeine Tat noch erwirken?

Wort für Wort
gātreṣu valayaḥ prāptāḥ
Falten an den Gliedern erscheinen
śvetāḥ ca eva śiroruhāḥ
und die Haare werden weiß
jarayā puruṣo jīrṇaḥ
der vom Alter gebeugte Mensch
kim hi kṛtvā prabhāvayet
welchen Nutzen könnte er noch erwirken

nandanti udita āditye nandanti astam ite ravau | ātmano na avabudhyante manuṣyā jīvita kṣayam ||

Sie freuen sich, wenn die Sonne aufgeht, sie freuen sich, wenn die Sonne untergeht; die Menschen bemerken nicht den Schwund ihres eigenen Lebens.

Wort für Wort
nandanti udita āditye
sie freuen sich, wenn die Sonne aufgeht
nandanti astam ite ravau
sie freuen sich, wenn die Sonne untergeht
ātmano na avabudhyante
sie bemerken nicht ihren eigenen
manuṣyā jīvita kṣayam
die Menschen, den Schwund des Lebens

hṛṣyanti ṛtu mukham dṛṣṭvā navam navam iha āgatam | ṛtūnām parivartena prāṇinām prāṇa saṃkṣayaḥ ||

Sie freuen sich, wenn sie den Beginn einer immer wieder neu hereinbrechenden Jahreszeit sehen; durch den Wechsel der Jahreszeiten schwindet das Leben der Lebewesen.

Wort für Wort
hṛṣyanti ṛtu mukham dṛṣṭvā
sie freuen sich, den Beginn der Jahreszeit sehend
navam navam iha āgatam
immer wieder neu hereingebrochen
ṛtūnām parivartena
durch den Wechsel der Jahreszeiten
prāṇinām prāṇa saṃkṣayaḥ
schwindet das Leben der Lebewesen

yathā kāṣṭham ca kāṣṭham ca sameyātām mahā arṇave | sametya ca vyapeyātām kālam āsādya kaṃcana ||

Wie zwei Holzstücke im großen Ozean zusammenkommen und, nachdem sie eine gewisse Zeit zusammen waren, sich wieder trennen -

Wort für Wort
yathā kāṣṭham ca kāṣṭham ca
wie zwei Holzstücke
sameyātām mahā arṇave
im großen Ozean zusammenkommen
sametya ca vyapeyātām
und, zusammengekommen, sich wieder trennen
kālam āsādya kaṃcana
nach einer gewissen Zeit

evam bhāryāḥ ca putrāḥ ca jñātayaḥ ca vasūni ca | sametya vyavadhāvanti dhruvo hy eṣām vinā bhavaḥ ||

so kommen Ehefrauen, Söhne, Verwandte und Besitztümer zusammen und trennen sich wieder; ihr Getrenntwerden ist gewiss.

Wort für Wort
evam bhāryāḥ ca putrāḥ ca
so Ehefrauen und Söhne
jñātayaḥ ca vasūni ca
und Verwandte und Besitztümer
sametya vyavadhāvanti
kommen sie zusammen und trennen sich wieder
dhruvo hy eṣām vinā bhavaḥ
ihr Getrenntwerden ist gewiss

na atra kaścid yathā bhāvam prāṇī samabhivartate | tena tasmin na sāmarthyam pretasya asti anuśocataḥ ||

Kein Lebewesen kann hier nach Belieben den Lauf der Dinge beeinflussen; darum gibt es keine Wirksamkeit darin, um einen Verstorbenen zu trauern.

Wort für Wort
na atra kaścid yathā bhāvam
kein hier nach Belieben
prāṇī samabhivartate
Lebewesen kann (den Lauf der Dinge) beeinflussen
tena tasmin na sāmarthyam
darum gibt es keine Wirksamkeit darin
pretasya asti anuśocataḥ
um einen Verstorbenen zu trauern

yathā hi sārtham gacchantam brūyāt kaścit pathi sthitaḥ | aham api āgamiṣyāmi pṛṣṭhataḥ bhavatām iti ||

Wie jemand, der am Weg steht, zu einer vorüberziehenden Karawane sagen könnte: 'Auch ich werde hinter euch herkommen' -

Wort für Wort
yathā hi sārtham gacchantam
wie zu einer vorüberziehenden Karawane
brūyāt kaścit pathi sthitaḥ
jemand, der am Weg steht, sagen könnte
aham api āgamiṣyāmi
auch ich werde kommen
pṛṣṭhataḥ bhavatām iti
hinter euch her

evam pūrvaiḥ gataḥ mārgaḥ pitṛ paitāmahaḥ dhruvaḥ | tam āpannaḥ katham śoced yasya na asti vyatikramaḥ ||

so ist der von den Vorfahren gegangene Weg, der väterliche und großväterliche, gewiss für alle; wie könnte man klagen, wenn man auf diesen Weg gerät, dem niemand entrinnen kann?

Wort für Wort
evam pūrvaiḥ gataḥ mārgaḥ
so ist der von den Vorfahren gegangene Weg
pitṛ paitāmahaḥ dhruvaḥ
der väterliche und großväterliche, gewiss
tam āpannaḥ katham śoced
wie könnte man, auf diesen geraten, klagen
yasya na asti vyatikramaḥ
dem niemand entrinnen kann

vayasaḥ patamānasya srotasaḥ vā anivartinaḥ | ātmā sukhe niyoktavyaḥ sukha bhājaḥ prajāḥ smṛtāḥ ||

Wie bei einem fallenden Alter oder einem nicht umkehrenden Strom sollte man sich selbst dem Glück widmen; als glückliche Wesen gelten die weisen Geschöpfe.

Wort für Wort
vayasaḥ patamānasya
bei einem fallenden Alter
srotasaḥ vā anivartinaḥ
oder einem nicht umkehrenden Strom
ātmā sukhe niyoktavyaḥ
sollte man sich selbst dem Glück widmen
sukha bhājaḥ prajāḥ smṛtāḥ
als glückliche Wesen gelten die (weisen) Geschöpfe

dharma ātmā sa śubhaiḥ kṛtsnaiḥ kratubhiḥ ca āpta dakṣiṇaiḥ | dhūta pāpaḥ gataḥ svargam pitā naḥ pṛthivī patiḥ ||

Der gerechtgesinnte, durch all die glückverheißenden Opfer mit reichen Gaben von aller Sünde gereinigte, unser Vater, der Herrscher der Erde, ist in den Himmel gegangen.

Wort für Wort
dharma ātmā sa śubhaiḥ kṛtsnaiḥ
der gerechtgesinnte, durch all die glückverheißenden
kratubhiḥ ca āpta dakṣiṇaiḥ
Opfer mit reichen Gaben
dhūta pāpaḥ gataḥ svargam
von Sünde gereinigt, in den Himmel gegangen
pitā naḥ pṛthivī patiḥ
unser Vater, der Herrscher der Erde

bhṛtyānām bharaṇāt samyak prajānām paripālanāt | artha ādānāt ca dharmeṇa pitā naḥ tridivam gataḥ ||

Durch die rechte Versorgung der Diener, den Schutz der Untertanen und die rechtmäßige Erhebung von Abgaben ist unser Vater in den dritten Himmel gegangen.

Wort für Wort
bhṛtyānām bharaṇāt samyak
durch die rechte Versorgung der Diener
prajānām paripālanāt
durch den Schutz der Untertanen
artha ādānāt ca dharmeṇa
und durch die rechtmäßige Erhebung von Abgaben
pitā naḥ tridivam gataḥ
ist unser Vater in den dritten Himmel gegangen

karmabhiḥ tu śubhaiḥ iṣṭaiḥ kratubhiḥ ca āpta dakṣiṇaiḥ | svargaṃ daśarathaḥ prāptaḥ pitā naḥ pṛthivī patiḥ ||

Durch glückverheißende Taten und Opfer mit reichen Gaben hat Daśaratha, unser Vater, der Herrscher der Erde, den Himmel erlangt.

Wort für Wort
karmabhiḥ tu śubhaiḥ iṣṭaiḥ
durch glückverheißende, geopferte Taten
kratubhiḥ ca āpta dakṣiṇaiḥ
und Opfer mit reichen Gaben
svargaṃ daśarathaḥ prāptaḥ
hat Daśaratha den Himmel erlangt
pitā naḥ pṛthivī patiḥ
unser Vater, der Herrscher der Erde

iṣṭvā bahu vidhaiḥ yajñaiḥ bhogān ca avāpya puṣkalān | uttamam ca āyuḥ āsādya svaḥ gataḥ pṛthivī patiḥ ||

Nachdem er mit mancherlei Opfern geopfert, reichliche Genüsse erlangt und ein höchstes Lebensalter erreicht hatte, ist der Herrscher der Erde in den Himmel gegangen.

Wort für Wort
iṣṭvā bahu vidhaiḥ yajñaiḥ
mit mancherlei Opfern geopfert habend
bhogān ca avāpya puṣkalān
und reichliche Genüsse erlangt habend
uttamam ca āyuḥ āsādya
und ein höchstes Lebensalter erreicht habend
svaḥ gataḥ pṛthivī patiḥ
ist der Herrscher der Erde in den Himmel gegangen

āyuḥ uttamam āsādya bhogān api ca rāghavaḥ | sa na śocyaḥ pitā tāta svargataḥ satkṛtaḥ satām ||

Ein höchstes Lebensalter und auch reichliche Genüsse erreicht habend, Rāghava - er, der Vater, ist nicht zu beklagen, mein Lieber, in den Himmel gegangen, geehrt von den Rechtschaffenen.

Wort für Wort
āyuḥ uttamam āsādya
ein höchstes Lebensalter erreicht habend
bhogān api ca rāghavaḥ
und auch Genüsse, Rāghava
sa na śocyaḥ pitā tāta
er, der Vater, ist nicht zu beklagen, mein Lieber
svargataḥ satkṛtaḥ satām
in den Himmel gegangen, geehrt von den Rechtschaffenen

sa jīrṇam mānuṣam deham parityajya pitā hi naḥ | daivīm ṛddhim anuprāptaḥ brahma loka vihāriṇīm ||

Nachdem er den gealterten menschlichen Körper abgelegt hat, hat unser Vater göttlichen Wohlstand erlangt, der sich in der Brahma-Welt ergeht.

Wort für Wort
sa jīrṇam mānuṣam deham
er, den gealterten menschlichen Körper
parityajya pitā hi naḥ
abgelegt habend, unser Vater
daivīm ṛddhim anuprāptaḥ
hat göttlichen Wohlstand erlangt
brahma loka vihāriṇīm
der sich in der Brahma-Welt ergeht

tam tu na evam vidhaḥ kaścit prājñaḥ śocitum arhati | tvad vidhaḥ yad vidhaḥ ca api śrutavān buddhimattaraḥ ||

Um einen solchen sollte kein Weiser trauern, sei er von deiner Art oder noch gelehrter und klüger.

Wort für Wort
tam tu na evam vidhaḥ
um einen solchen sollte nicht
kaścit prājñaḥ śocitum arhati
irgendein Weiser trauern
tvad vidhaḥ yad vidhaḥ ca api
sei er von deiner Art oder
śrutavān buddhimattaraḥ
gelehrter und klüger

ete bahu vidhāḥ śokāḥ vilāpa rudite tathā | varjanīyā hi dhīreṇa sarva avasthāsu dhīmatā ||

Diese mancherlei Formen von Kummer, Wehklage und Weinen sind vom Standhaften, dem Weisen, in allen Zuständen zu meiden.

Wort für Wort
ete bahu vidhāḥ śokāḥ
diese mancherlei Formen von Kummer
vilāpa rudite tathā
und ebenso Wehklage und Weinen
varjanīyā hi dhīreṇa
sind zu meiden vom Standhaften
sarva avasthāsu dhīmatā
in allen Zuständen, vom Weisen

sa svasthaḥ bhava mā śocaḥ yātvā ca āvasa tām purīm | tathā pitrā niyuktaḥ asi vaśinā vadatām vara ||

Sei gefasst, trauere nicht, geh und bewohne jene Stadt; so wurdest du vom selbstbeherrschten Vater beauftragt, du Bester der Redner.

Wort für Wort
sa svasthaḥ bhava mā śocaḥ
sei gefasst, trauere nicht
yātvā ca āvasa tām purīm
geh und bewohne jene Stadt
tathā pitrā niyuktaḥ asi
so wurdest du vom Vater beauftragt
vaśinā vadatām vara
vom selbstbeherrschten, du Bester der Redner

yatra aham api tena eva niyuktaḥ puṇya karmaṇā | tatra eva aham kariṣyāmi pituḥ āryasya śāsanam ||

Wo auch ich von eben demselben Verdienstvollen beauftragt wurde, eben dort werde ich den Befehl des edlen Vaters ausführen.

Wort für Wort
yatra aham api tena eva
wo auch ich von eben demselben
niyuktaḥ puṇya karmaṇā
beauftragt, dem Verdienstvollen
tatra eva aham kariṣyāmi
eben dort werde ich ausführen
pituḥ āryasya śāsanam
den Befehl des edlen Vaters

na mayā śāsanam tasya tyaktum nyāyyam arim dama | tat tvayā api sadā mānyam sa vai bandhuḥ sa naḥ pitā ||

Es ist mir nicht recht, seinen Befehl aufzugeben, Feindebezwinger; auch von dir sollte er stets geachtet werden - er ist ja unser Verwandter, unser Vater.

Wort für Wort
na mayā śāsanam tasya
nicht von mir seinen Befehl
tyaktum nyāyyam arim dama
aufzugeben ist recht, Feindebezwinger
tat tvayā api sadā mānyam
das sollte auch von dir stets geachtet werden
sa vai bandhuḥ sa naḥ pitā
er ist ja unser Verwandter, unser Vater

tat vacaḥ pituḥ eva aham sammatam dharma cāriṇaḥ | karmaṇā pālayiṣyāmi vana vāsena rāghava ||

Jenes Wort des rechtschaffen wandelnden Vaters selbst, das gebilligte, werde ich durch die Tat, durch den Waldaufenthalt, befolgen, Rāghava.

Wort für Wort
tat vacaḥ pituḥ eva aham
jenes Wort des Vaters selbst, ich
sammatam dharma cāriṇaḥ
das gebilligte, des rechtschaffen wandelnden
karmaṇā pālayiṣyāmi
werde ich durch die Tat befolgen
vana vāsena rāghava
durch den Waldaufenthalt, Rāghava

dhārmikeṇa anṛśaṃsena nareṇa guru vartinā | bhavitavyam nara vyāghram para lokam jigīṣatā ||

Ein rechtschaffener, mitfühlender Mensch, der den Älteren gehorcht, sollte, du Tiger unter den Männern, danach streben, die jenseitige Welt zu gewinnen.

Wort für Wort
dhārmikeṇa anṛśaṃsena
rechtschaffen, mitfühlend
nareṇa guru vartinā
als Mensch, der den Älteren gehorcht
bhavitavyam nara vyāghram
sollte man sein, du Tiger unter den Männern
para lokam jigīṣatā
der die jenseitige Welt zu gewinnen sucht

ātmānam anutiṣṭha tvam sva bhāvena nararṣabha | niśāmya tu śubham vṛttam pituḥ daśarathasya naḥ ||

Richte dich selbst nach deiner eigenen Wesensart, du Stier unter den Männern, doch beachte das tugendhafte Verhalten unseres Vaters Daśaratha.

Wort für Wort
ātmānam anutiṣṭha tvam
richte dich selbst
sva bhāvena nararṣabha
nach deiner eigenen Wesensart, du Stier unter den Männern
niśāmya tu śubham vṛttam
doch das tugendhafte Verhalten beachtend
pituḥ daśarathasya naḥ
unseres Vaters Daśaratha

iti evam uktvā vacanam mahātmā | pituḥ nideśa pratipālana artham | yaviyasam bhrātaram artha vat ca | prabhuḥ muhūrtāt virarāma rāmaḥ ||

So dieses Wort gesprochen habend, zur Erfüllung des väterlichen Gebots, zu dem jüngeren, sinnvoll redenden Bruder, hielt der mächtige Rāma nach einer Weile inne.

Wort für Wort
iti evam uktvā vacanam mahātmā
so dieses Wort gesprochen habend, der Hochgesinnte
pituḥ nideśa pratipālana artham
zur Erfüllung des väterlichen Gebots
yaviyasam bhrātaram artha vat ca
zu dem jüngeren Bruder, sinnvoll
prabhuḥ muhūrtāt virarāma rāmaḥ
hielt der mächtige Rāma nach einer Weile inne

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