Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 49: Vedaśruti Gomatī Syandikā Taraṇam Rāma zieht durch Kosala, hört das klagende Volk Kaikeyī verfluchen, durchquert die Flüsse Vedaśruti, Gomatī und Syandikā und spricht wehmütig mit Sumantra über künftige Jagden an der Sarayū

rāmo 'pi rātriśeṣeṇa tenaiva mahad antaram | jagāma puruṣavyāghraḥ pitur ājñām anusmaran ||

Rāma aber legte, an das Gebot seines Vaters denkend, in dem restlichen Teil jener Nacht, der Tiger unter den Männern, eine große Entfernung zurück.

Wort für Wort
rāmaḥ api rātriśeṣeṇa tena eva
Rāma aber in dem restlichen Teil jener Nacht
mahat antaram jagāma
legte eine große Entfernung zurück
puruṣavyāghraḥ
der Tiger unter den Männern
pituḥ ājñām anusmaran
an das Gebot des Vaters denkend

tathaiva gacchatas tasya vyapāyād rajanī śivā | upāsya sa śivāṃ saṃdhyāṃ viṣayāntaṃ vyagāhata ||

Während er so weiterzog, verging die heilvolle Nacht; und nachdem er die heilvolle Morgendämmerung verehrt hatte, drang er zum Rand seines Vaterlandes vor.

Wort für Wort
tathā eva gacchataḥ tasya
während er so weiterzog
vyapāyāt rajanī śivā
verging die heilvolle Nacht
upāsya sa śivām saṃdhyām
nachdem er die heilvolle Morgendämmerung verehrt hatte
viṣayāntam vyagāhata
drang er zum Rand des Landes vor

grāmān vikṛṣṭasīmāṃs tān puṣpitāni vanāni ca | paśyann atiyayau śīghraṃ śaraiḥ iva hayottamaiḥ ||

Jene Dörfer mit ihren weiten Grenzen und die blühenden Wälder erblickend, eilte er rasch voran, mit seinen vortrefflichen Rossen wie mit Pfeilen dahinschießend.

Wort für Wort
grāmān vikṛṣṭasīmān tān
jene Dörfer mit ihren weiten Grenzen
puṣpitāni vanāni ca
und die blühenden Wälder
paśyan atiyayau śīghram
erblickend, eilte er rasch voran
śaraiḥ iva hayottamaiḥ
mit seinen vortrefflichen Rossen wie mit Pfeilen

śṛṇvan vāco manuṣyāṇāṃ grāmasaṃvāsavāsinām | rājānaṃ dhig daśaratham kāmasya vaśam āgatam ||

Er hörte die Worte der Menschen, die in den Dörfern wohnten: „Verwünscht sei König Daśaratha, der der Leidenschaft verfallen ist!“

Wort für Wort
śṛṇvan vācaḥ manuṣyāṇām
die Worte der Menschen hörend
grāmasaṃvāsavāsinām
die in den Dörfern wohnenden
rājānam dhik daśaratham
verwünscht sei König Daśaratha
kāmasya vaśam āgatam
der der Leidenschaft verfallen ist

hā nṛśaṃsa adya kaikeyī pāpā pāpānubandhinī | tīkṣṇā sambhinnamaryādā tīkṣṇe karmaṇi vartate ||

„Ach, wie grausam ist heute Kaikeyī, die Sündige, dem Bösen Verhaftete; schroff, alle Grenzen überschreitend, verharrt sie in grausamer Tat.“

Wort für Wort
hā nṛśaṃsā adya kaikeyī
ach, wie grausam ist heute Kaikeyī
pāpā pāpānubandhinī
die Sündige, dem Bösen Verhaftete
tīkṣṇā sambhinnamaryādā
schroff, alle Grenzen überschreitend
tīkṣṇe karmaṇi vartate
verharrt sie in grausamer Tat

yā putram īdṛśaṃ rājñaḥ pravāsayati dhārmikam | vanavāse mahāprājñaṃ sānukrośam atandritam ||

„Sie, die einen solchen Sohn des Königs, den Rechtschaffenen, den Hochweisen, den Mitfühlenden, den Unermüdlichen, ins Waldleben verbannt.“

Wort für Wort
yā putram īdṛśam rājñaḥ
die einen solchen Sohn des Königs
pravāsayati dhārmikam
verbannt, den Rechtschaffenen
vanavāse mahāprājñam
ins Waldleben, den Hochweisen
sānukrośam atandritam
den Mitfühlenden, den Unermüdlichen

kathaṃ nāma mahābhāgā sītā janakanandinī | sadā sukheṣv abhiratā duḥkhāny anubhaviṣyati ||

„Wie wird nur die hochgesegnete Sītā, die Freude Janakas, die stets an Glück gewöhnt war, nun Leiden erdulden müssen?“

Wort für Wort
katham nāma mahābhāgā
wie wird nur die hochgesegnete
sītā janakanandinī
Sītā, die Freude Janakas
sadā sukheṣu abhiratā
die stets an Glück gewöhnt war
duḥkhāni anubhaviṣyati
wird nun Leiden erdulden müssen

aho daśaratho rājā nisnehaḥ svasutapriyam | prajānām anagham rāmam parityaktum ihecchati ||

„Ach, wie lieblos ist König Daśaratha, dass er Rāma, seinen eigenen geliebten, makellosen, den Untertanen teuren Sohn, verlassen will!“

Wort für Wort
aho daśarathaḥ rājā
ach, König Daśaratha
nisnehaḥ svasutapriyam
lieblos gegenüber seinem geliebten Sohn
prajānām anagham rāmam
dem Untertanen teuren, makellosen Rāma
parityaktum iha icchati
will er verlassen

etā vāco manuṣyāṇāṃ grāmasaṃvāsavāsinām | śṛṇvann atiyayau vīraḥ kosalān kosaleśvaraḥ ||

Diese Worte der in den Dörfern wohnenden Menschen hörend, zog der Held, der Herr von Kosala, weiter durch das Land Kosala.

Wort für Wort
etāḥ vācaḥ manuṣyāṇām
diese Worte der Menschen
grāmasaṃvāsavāsinām
die in den Dörfern wohnten
śṛṇvan atiyayau vīraḥ
hörend, zog der Held weiter
kosalān kosaleśvaraḥ
durch Kosala, der Herr von Kosala

tataḥ vedaśrutiṃ nāma śivavāri vahāṃ nadīm | uttīryābhimukhaḥ prāyād agastyādhyuṣitāṃ diśam ||

Dann, den Fluss namens Vedaśruti, der heilvolles Wasser führte, durchquerend, wandte er sich der Himmelsrichtung zu, in der Agastya wohnte.

Wort für Wort
tataḥ vedaśrutim nāma
dann den Fluss namens Vedaśruti
śivavārivahām nadīm
der heilvolles Wasser führte
uttīrya abhimukhaḥ prāyāt
durchquerend, wandte er sich zu
agastyādhyuṣitām diśam
der Himmelsrichtung, in der Agastya wohnte

gatvā tu suciraṃ kālaṃ tataḥ śītajalāṃ nadīm | gomatīṃ goyutānūpām atarat sāgaraṃgamām ||

Nachdem er lange Zeit gereist war, durchquerte er dann den kühlen, wasserreichen Fluss Gomatī, dessen Ufer voll von Kuhherden waren und der zum Meer strömte.

Wort für Wort
gatvā tu suciram kālam
nachdem er lange Zeit gereist war
tataḥ śītajalām nadīm
dann den Fluss mit kühlem Wasser
gomatīm goyutānūpām
die Gomatī, deren Ufer voll Kuhherden waren
atarat sāgaraṃgamām
durchquerte er, die zum Meer strömte

gomatīṃ cāpi atikramya rāghavaḥ śīghragair hayaiḥ | mayūrahaṃsābhirutāṃ tatāra syandikāṃ nadīm ||

Und nachdem Rāghava mit seinen schnellen Rossen auch die Gomatī überquert hatte, durchquerte er den Fluss Syandikā, der vom Rufen der Pfauen und Schwäne widerhallte.

Wort für Wort
gomatīm ca api atikramya
und nachdem er auch die Gomatī überquert hatte
rāghavaḥ śīghragaiḥ hayaiḥ
Rāghava, mit seinen schnellen Rossen
mayūrahaṃsābhirutām
der vom Rufen der Pfauen und Schwäne widerhallte
tatāra syandikām nadīm
durchquerte er den Fluss Syandikā

sa mahīṃ manunā rājñā dattām ikṣvākave purā | sphītāṃ rāṣṭrāvṛtāṃ rāmo vaidehīm anvadarśayat ||

Er zeigte der Vaidehī das Land, das einst der König Manu dem Ikṣvāku gegeben hatte, das blühende, von Provinzen umgebene Land.

Wort für Wort
sa mahīm manunā rājñā
das Land, das der König Manu
dattām ikṣvākave purā
einst dem Ikṣvāku gegeben hatte
sphītām rāṣṭrāvṛtām
das blühende, von Provinzen umgebene
rāmaḥ vaidehīm anvadarśayat
zeigte Rāma der Vaidehī

sūtety eva cābhāṣya sārathiṃ tam abhīkṣṇaśaḥ | haṃsamattasvaraḥ śrīmān uvāca puruṣarṣabhaḥ ||

Immer wieder den Wagenlenker mit „Sūta!“ anredend, sprach der glanzvolle Stier unter den Männern mit einer Stimme, süß wie die eines Schwans:

Wort für Wort
sūta iti eva ca ābhāṣya
mit „Sūta!“ anredend
sārathim tam abhīkṣṇaśaḥ
jenen Wagenlenker immer wieder
haṃsamattasvaraḥ śrīmān
der Glanzvolle mit einer Stimme süß wie die eines Schwans
uvāca puruṣarṣabhaḥ
sprach der Stier unter den Männern

kadāhaṃ punar āgamya sarayvāḥ puṣpite vane | mṛgayāṃ paryaṭiṣyāmi mātrā pitrā ca saṃgataḥ ||

„Wann werde ich wohl, zurückgekehrt, im blühenden Wald an der Sarayū wieder auf die Jagd gehen, mit meiner Mutter und meinem Vater vereint?“

Wort für Wort
kadā aham punaḥ āgamya
wann werde ich, zurückgekehrt
sarayvāḥ puṣpite vane
im blühenden Wald an der Sarayū
mṛgayām paryaṭiṣyāmi
wieder auf die Jagd gehen
mātrā pitrā ca saṃgataḥ
mit Mutter und Vater vereint

nātyartham abhikāṅkṣāmi mṛgayāṃ sarayūvane | ratir hi eṣā atulā loke rājarṣigaṇasammatā ||

„Nicht allzu sehr begehre ich die Jagd im Wald an der Sarayū; doch diese Freude ist unvergleichlich, von der Schar königlicher Weiser in der Welt geschätzt.“

Wort für Wort
na atyartham abhikāṅkṣāmi
nicht allzu sehr begehre ich
mṛgayām sarayūvane
die Jagd im Wald an der Sarayū
ratiḥ hi eṣā atulā loke
doch diese Freude ist unvergleichlich in der Welt
rājarṣigaṇasammatā
von der Schar königlicher Weiser geschätzt

rājarṣīṇāṃ hi loke 'smin ratyarthaṃ mṛgayā vane | kāle kṛtāṃ tāṃ manujair dhanvinām abhikāṅkṣitām ||

„Denn die Jagd im Wald, zur rechten Zeit von den königlichen Weisen dieser Welt um der Freude willen betrieben, wird von den Bogenschützen unter den Menschen begehrt.“

Wort für Wort
rājarṣīṇām hi loke asmin
denn der königlichen Weisen in dieser Welt
ratyartham mṛgayā vane
die Jagd im Wald um der Freude willen
kāle kṛtām tām manujaiḥ
zur rechten Zeit von den Menschen betrieben
dhanvinām abhikāṅkṣitām
von den Bogenschützen begehrt

sa tam adhvānam aikṣvākaḥ sūtaṃ madhurayā girā | taṃ tam artham abhipretya yayau vākyam udīrayan ||

So zog der Ikṣvāku-Sproß jenen Weg entlang, mit süßer Stimme dies und jenes bedenkend, Worte äußernd zu dem Wagenlenker.

Wort für Wort
sa tam adhvānam aikṣvākaḥ
so zog der Ikṣvāku-Sproß jenen Weg entlang
sūtam madhurayā girā
zum Wagenlenker mit süßer Stimme
tam tam artham abhipretya
dies und jenes bedenkend
yayau vākyam udīrayan
zog er dahin, Worte äußernd

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