Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 59: Sumantra Ayodhyā Śoka Varṇanam Rājña Mūrchā Dvitīyā Sumantra schildert Daśaratha das trauernde, freudlose Ayodhyā, und der König, von unstillbarem Verlangen nach Rāma ergriffen, vergleicht seinen Kummer einem unüberwindlichen Ozean und sinkt erneut ohnmächtig zu Boden

mama tu aśvā nivṛttasya na prāvartanta vartmani | uṣṇam aśru vimuñcantaḥ rāme samprasthite vanam ||

Mir aber, dem Zurückkehrenden, wollten meine Pferde nicht mehr auf dem Weg vorwärtsgehen, heiße Tränen vergießend, als Rāma in den Wald aufgebrochen war.

Wort für Wort
mama tu aśvā nivṛttasya
mir aber, dem Zurückkehrenden, die Pferde
na prāvartanta vartmani
wollten nicht auf dem Weg vorwärtsgehen
uṣṇam aśru vimuñcantaḥ
heiße Tränen vergießend
rāme samprasthite vanam
als Rāma in den Wald aufgebrochen war

ubhābhyāṃ rājaputrābhyām atha kṛtvāham añjalim | prasthitaḥ ratham āsthāya tad duḥkham api dhārayan ||

Nachdem ich vor den beiden Königssöhnen die Hände gefaltet hatte, brach ich, den Wagen besteigend, auf, jenen Kummer ertragend.

Wort für Wort
ubhābhyāṃ rājaputrābhyām
vor den beiden Königssöhnen
atha kṛtvāham añjalim
dann, die Hände faltend
prasthitaḥ ratham āsthāya
aufbrechend, den Wagen besteigend
tad duḥkham api dhārayan
jenen Kummer ertragend

guhena sārdhaṃ tatraiva sthito 'smi divasān bahūn | āśayā yadi māṃ rāmaḥ punaḥ śabdāpayed iti ||

Zusammen mit Guha blieb ich noch viele Tage eben dort, in der Hoffnung, dass Rāma mich vielleicht wieder rufen lassen würde.

Wort für Wort
guhena sārdhaṃ tatraiva
zusammen mit Guha eben dort
sthito 'smi divasān bahūn
blieb ich viele Tage
āśayā yadi māṃ rāmaḥ
in der Hoffnung, ob Rāma mich
punaḥ śabdāpayed iti
wieder rufen lassen würde

viṣaye te mahārāja mama vyasanakarśitāḥ | api vṛkṣāḥ parimlānāḥ sapuṣpāṅkurakorakāḥ ||

In deinem Reich, o großer König, sind selbst die Bäume, wie von meinem Unglück ausgezehrt, verwelkt, samt ihren Blüten, Trieben und Knospen.

Wort für Wort
viṣaye te mahārāja
in deinem Reich, o großer König
mama vyasanakarśitāḥ
von meinem Unglück ausgezehrt
api vṛkṣāḥ parimlānāḥ
sind selbst die Bäume verwelkt
sapuṣpāṅkurakorakāḥ
samt Blüten, Trieben und Knospen

upataptodakā nadyaḥ palvalāni sarāṃsi ca | pariśuṣkapalāśāni vanāny upavanāni ca ||

Die Flüsse haben erhitztes Wasser, ebenso die Tümpel und Seen; die Wälder und Haine haben vertrocknetes Laub.

Wort für Wort
upataptodakā nadyaḥ
die Flüsse haben erhitztes Wasser
palvalāni sarāṃsi ca
ebenso die Tümpel und Seen
pariśuṣkapalāśāni
mit vertrocknetem Laub
vanāny upavanāni ca
die Wälder und Haine

na ca sarpanti sattvāni vyālā na prasaranti ca | rāmaśokābhibhūtaṃ tan niṣkūjam abhavad vanam ||

Weder kriechen die Tiere umher, noch schweifen die wilden Bestien; von Kummer um Rāma überwältigt, ist jener Wald verstummt.

Wort für Wort
na ca sarpanti sattvāni
weder kriechen die Tiere
vyālā na prasaranti ca
noch schweifen die wilden Bestien
rāmaśokābhibhūtam
von Kummer um Rāma überwältigt
tan niṣkūjam abhavad vanam
ist jener Wald verstummt geworden

līnapuṣkarapatrāś ca narendra kaluṣodakāḥ | saṃtaptapadmāḥ padminyo līnamīnavihaṃgamāḥ ||

Mit welken Lotusblättern, o Herrscher der Menschen, mit trübem Wasser, mit verbrannten Lotusblumen sind die Lotusteiche, mit verborgenen Fischen und Vögeln.

Wort für Wort
līnapuṣkarapatrāś ca
mit welken Lotusblättern
narendra kaluṣodakāḥ
o Herrscher der Menschen, mit trübem Wasser
saṃtaptapadmāḥ padminyaḥ
die Lotusteiche mit verbrannten Lotusblumen
līnamīnavihaṃgamāḥ
mit verborgenen Fischen und Vögeln

jalajāni ca puṣpāṇi mālyāni sthalajāni ca | nādya bhānty alpagandhīni phalāni ca yathā puram ||

Weder die Wasserblumen noch die Girlanden aus Landblumen glänzen heute, ihr Duft ist schwach, und auch die Früchte nicht mehr wie einst in der Stadt.

Wort für Wort
jalajāni ca puṣpāṇi
weder die Wasserblumen
mālyāni sthalajāni ca
noch die Girlanden aus Landblumen
nādya bhānty alpagandhīni
glänzen heute, ihr Duft ist schwach
phalāni ca yathā puram
und auch die Früchte nicht wie einst in der Stadt

atrodyānāni śūnyāni pralīnavihagāni ca | na cābhirāmān ārāmān paśyāmi manujarṣabha ||

Die Gärten hier sind verödet, ihre Vögel verschwunden; und ich sehe keine erfreulichen Anlagen mehr, o Stier unter den Menschen.

Wort für Wort
atrodyānāni śūnyāni
die Gärten hier sind verödet
pralīnavihagāni ca
und ihre Vögel verschwunden
na cābhirāmān ārāmān
und keine erfreulichen Anlagen
paśyāmi manujarṣabha
sehe ich, o Stier unter den Menschen

praviśantam ayodhyāṃ māṃ na kaścid abhinandati | narā rāmam apaśyantaḥ niḥśvasanti muhur muhuḥ ||

Als ich in Ayodhyā einzog, begrüßte mich niemand freudig; die Menschen, Rāma nicht erblickend, seufzten immer wieder.

Wort für Wort
praviśantam ayodhyāṃ mām
mich, der ich in Ayodhyā einzog
na kaścid abhinandati
begrüßte niemand freudig
narā rāmam apaśyantaḥ
die Menschen, Rāma nicht erblickend
niḥśvasanti muhur muhuḥ
seufzten immer wieder

deva rājarathaṃ dṛṣṭvā vinā rāmam ihāgatam | duḥkhād aśrumukhaḥ sarvo rājamārgagato janaḥ ||

O Herr, als sie den königlichen Wagen sahen, der ohne Rāma hierher zurückgekehrt war, hatten alle Menschen auf der Königsstraße vor Schmerz tränenüberströmte Gesichter.

Wort für Wort
deva rājarathaṃ dṛṣṭvā
o Herr, den königlichen Wagen sehend
vinā rāmam ihāgatam
der ohne Rāma hierher gekommen war
duḥkhād aśrumukhaḥ sarvaḥ
vor Schmerz tränenüberströmt, alle
rājamārgagato janaḥ
die Menschen auf der Königsstraße

harmyair vimānaiḥ prāsādair avekṣya ratham āgatam | hāhākārakṛtā nāryo rāmādarśanakarśitāḥ ||

Von den Terrassen, Söllern und Palästen aus, den angekommenen Wagen erblickend, erhoben die Frauen, abgezehrt davon, Rāma nicht zu sehen, ein Wehgeschrei.

Wort für Wort
harmyair vimānaiḥ prāsādaiḥ
von Terrassen, Söllern und Palästen aus
avekṣya ratham āgatam
den angekommenen Wagen erblickend
hāhākārakṛtā nāryaḥ
erhoben die Frauen ein Wehgeschrei
rāmādarśanakarśitāḥ
abgezehrt davon, Rāma nicht zu sehen

āyatair vimalair netrair aśruvegapariplutaiḥ | anyonyam abhivīkṣante vyaktam ārtatarāḥ striyaḥ ||

Mit ihren großen, klaren Augen, überströmt vom Andrang der Tränen, blickten die noch stärker gequälten Frauen einander deutlich an.

Wort für Wort
āyatair vimalair netraiḥ
mit großen, klaren Augen
aśruvegapariplutaiḥ
überströmt vom Andrang der Tränen
anyonyam abhivīkṣante vyaktam
blickten sie einander deutlich an
ārtatarāḥ striyaḥ
die noch stärker gequälten Frauen

nāmitrāṇāṃ na mitrāṇāṃ udāsīnajanasya ca | ahamārtatayā kaṃcid viśeṣaṃ na upalakṣaye ||

Weder bei Feinden noch bei Freunden noch bei Gleichgültigen erkenne ich, vor Schmerz, irgendeinen Unterschied.

Wort für Wort
nāmitrāṇāṃ na mitrāṇām
weder bei Feinden noch bei Freunden
udāsīnajanasya ca
und bei den Gleichgültigen
aham ārtatayā
ich, vor Schmerz
kaṃcid viśeṣaṃ na upalakṣaye
erkenne keinerlei Unterschied

aprahṛṣṭamanuṣyā ca dīnanāgaturaṃgamā | ārtasvaraparimlānā vinihśvasitaniḥsvanā ||

Die Stadt, deren Menschen unfroh, deren Elefanten und Pferde elend sind, verwelkt von klagenden Stimmen, widerhallend von Seufzern -

Wort für Wort
aprahṛṣṭamanuṣyā ca
deren Menschen unfroh
dīnanāgaturaṃgamā
deren Elefanten und Pferde elend
ārtasvaraparimlānā
verwelkt von klagenden Stimmen
vinihśvasitaniḥsvanā
widerhallend von Seufzern

nirānandā mahārāja rāmapravrājanāturā | kausalyāputrahīnevāyodhyā pratibhāti mām ||

- freudlos, o großer König, betrübt durch Rāmas Verbannung, erscheint mir Ayodhyā wie Kausalyā, ihres Sohnes beraubt.

Wort für Wort
nirānandā mahārāja
freudlos, o großer König
rāmapravrājanāturā
betrübt durch Rāmas Verbannung
kausalyāputrahīnā iva
wie Kausalyā, ihres Sohnes beraubt
ayodhyā pratibhāti mām
so erscheint mir Ayodhyā

sūtasya vacanaṃ śrutvā vācā paramadīnayā | bāṣpopahatayā rājā taṃ sūtam idam abravīt ||

Nachdem er die Worte des Wagenlenkers gehört hatte, sprach der König mit äußerst kläglicher, von Tränen erstickter Stimme zu jenem Wagenlenker:

Wort für Wort
sūtasya vacanaṃ śrutvā
die Worte des Wagenlenkers hörend
vācā paramadīnayā
mit äußerst kläglicher Stimme
bāṣpopahatayā rājā
von Tränen erstickter, der König
taṃ sūtam idam abravīt
sprach zu jenem Wagenlenker dies

kaikeyyā viniyuktena pāpābhijanabhāvayā | mayā na mantrakuśalair vṛddhaiḥ saha samarthitam ||

'Von Kaikeyī, deren Herkunft nach böse ist, dazu gebracht, habe ich mich nicht mit den ratkundigen Alten beraten.'

Wort für Wort
kaikeyyā viniyuktena
von Kaikeyī dazu gebracht
pāpābhijanabhāvayā
deren Herkunft nach böse ist
mayā na mantrakuśalaiḥ
habe ich nicht mit den ratkundigen
vṛddhaiḥ saha samarthitam
Alten mich beraten

na suhṛdbhir na cāmātyair mantrayitvā na naigamaiḥ | mayāyam arthaḥ saṃmohāt strīhetoḥ sahasā kṛtaḥ ||

'Weder mit Freunden noch mit Ministern noch mit den Bürgern habe ich mich beraten - aus Verblendung, um einer Frau willen, habe ich diese Sache überstürzt getan.'

Wort für Wort
na suhṛdbhir na cāmātyaiḥ
weder mit Freunden noch mit Ministern
mantrayitvā na naigamaiḥ
noch mit den Bürgern beraten
mayāyam arthaḥ saṃmohāt
habe ich diese Sache aus Verblendung
strīhetoḥ sahasā kṛtaḥ
um einer Frau willen überstürzt getan

bhavitavyatayā nūnam idaṃ vā vyasanaṃ mahat | kulasyāsya vināśāya prāptaṃ sūta yadṛcchayā ||

'Durch Schicksalsfügung gewiss ist dieses große Unglück, zum Verderben dieses Geschlechts, wohl von selbst über uns gekommen, Wagenlenker.'

Wort für Wort
bhavitavyatayā nūnam
durch Schicksalsfügung gewiss
idaṃ vā vyasanaṃ mahat
dieses große Unglück
kulasyāsya vināśāya
zum Verderben dieses Geschlechts
prāptaṃ sūta yadṛcchayā
ist von selbst gekommen, Wagenlenker

sūta yady asti te kiṃcin mayāpi sukṛtaṃ kṛtam | tvaṃ prāpayāśu māṃ rāmaṃ prāṇāḥ saṃtvarayanti mām ||

'Wagenlenker, wenn ich je etwas Gutes getan habe, so bring mich rasch zu Rāma - mein Leben drängt mich zur Eile.'

Wort für Wort
sūta yady asti te kiṃcit
Wagenlenker, wenn irgendetwas ist
mayāpi sukṛtaṃ kṛtam
von mir auch Gutes getan
tvaṃ prāpayāśu māṃ rāmam
bring mich rasch zu Rāma
prāṇāḥ saṃtvarayanti mām
mein Leben drängt mich zur Eile

yadṛcchayāpi mamaivājñā nivartayatu rāghavam | na śakṣyāmi vinā rāmaṃ muhūrtam api jīvitum ||

'Wenn es sein Wille ist, so soll mein Befehl den Sohn des Raghu zurückbringen - ich werde ohne Rāma nicht einmal einen Augenblick leben können.'

Wort für Wort
yadṛcchayāpi mamaivājñā
wenn es sein Wille ist, so mein Befehl
nivartayatu rāghavam
soll den Sohn des Raghu zurückbringen
na śakṣyāmi vinā rāmam
ich werde ohne Rāma nicht können
muhūrtam api jīvitum
auch nur einen Augenblick leben

athavā mahābāhur gato dūraṃ bhaviṣyati | mām eva ratham āropya śīghraṃ rāmāya darśaya ||

'Oder aber, der Starkarmige wird schon weit fort sein - so bring mich selbst auf den Wagen und zeig mich rasch dem Rāma.'

Wort für Wort
athavā mahābāhuḥ
oder aber der Starkarmige
gato dūraṃ bhaviṣyati
wird wohl schon weit fort sein
mām eva ratham āropya
bring mich selbst auf den Wagen
śīghraṃ rāmāya darśaya
und zeig mich rasch dem Rāma

vṛttadaṃṣṭro mahekṣvāsaḥ kvāsau lakṣmaṇapūrvajaḥ | yadi jīvāmi sādhv enaṃ paśyeyaṃ saha sītayā ||

'Wo ist er, der mit runden Zähnen, der große Bogenschütze, der ältere Bruder Lakṣmaṇas? Wenn ich noch lebe, möchte ich ihn wohl mit Sītā sehen.'

Wort für Wort
vṛttadaṃṣṭro mahekṣvāsaḥ
der mit runden Zähnen, der große Bogenschütze
kvāsau lakṣmaṇapūrvajaḥ
wo ist er, der ältere Bruder Lakṣmaṇas
yadi jīvāmi sādhv enam
wenn ich noch lebe, ihn wohl
paśyeyaṃ saha sītayā
möchte ich mit Sītā sehen

lohitākṣaṃ mahābāhum āmuktamaṇikuṇḍalam | rāmaṃ yadi na paśyāmi gamiṣyāmi yamakṣayam ||

'Wenn ich Rāma nicht sehe, den Rotäugigen, den Starkarmigen, mit den herabhängenden Juwelenohrringen, werde ich zur Wohnstatt Yamas eingehen.'

Wort für Wort
lohitākṣaṃ mahābāhum
den Rotäugigen, den Starkarmigen
āmuktamaṇikuṇḍalam
mit den herabhängenden Juwelenohrringen
rāmaṃ yadi na paśyāmi
wenn ich Rāma nicht sehe
gamiṣyāmi yamakṣayam
werde ich zur Wohnstatt Yamas eingehen

ataḥ nu kiṃ duḥkhataraṃ yo 'ham ikṣvākunandanam | imām avasthām āpanno neha paśyāmi rāghavam ||

'Was könnte schmerzlicher sein, als dass ich, in diesen Zustand geraten, den Freudenbringer des Ikṣvāku-Geschlechts, den Sohn des Raghu, hier nicht sehe?'

Wort für Wort
ataḥ nu kiṃ duḥkhataram
was könnte schmerzlicher sein als dies
yo 'ham ikṣvākunandanam
dass ich den Freudenbringer des Ikṣvāku-Geschlechts
imām avasthām āpannaḥ
in diesen Zustand geraten
neha paśyāmi rāghavam
hier nicht sehe, den Sohn des Raghu

hā rāma rāmānuja hā hā vaidehi tapasvinī | na māṃ jānīta duḥkhena mriyamāṇam anāthavat ||

'Ach Rāma! Bruder Rāmas! Ach, ach, elende Vaidehī! Ihr wisst nicht, dass ich vor Schmerz sterbe, wie ein Schutzloser!'

Wort für Wort
hā rāma rāmānuja
ach Rāma, Bruder Rāmas
hā hā vaidehi tapasvinī
ach, ach, elende Vaidehī
na māṃ jānīta duḥkhena
ihr wisst nicht, dass ich vor Schmerz
mriyamāṇam anāthavat
sterbe, wie ein Schutzloser

sa tena rājā duḥkhena bhṛśam arpitacetanaḥ | avagāḍhaḥ suduṣpāraṃ śokasāgaram abravīt ||

So sprach der König, durch jenen Schmerz seines Sinnes ganz beraubt, versunken in den überaus schwer zu durchquerenden Ozean des Kummers:

Wort für Wort
sa tena rājā duḥkhena
er, der König, durch jenen Schmerz
bhṛśam arpitacetanaḥ
seines Sinnes ganz beraubt
avagāḍhaḥ suduṣpāram
versunken in den überaus schwer zu durchquerenden
śokasāgaram abravīt
sprach er über den Ozean des Kummers

rāmaśokamahābhogaḥ sītāvirahapāragaḥ | śvasitormimahāvarto bāṣpaphenajalāvilaḥ ||

'Jenen Ozean, dessen große Windung der Kummer um Rāma ist, dessen Ufer die Trennung von Sītā, dessen gewaltiger Strudel das Seufzen, dessen trübes Wasser der Schaum der Tränen -'

Wort für Wort
rāmaśokamahābhogaḥ
dessen große Windung der Kummer um Rāma ist
sītāvirahapāragaḥ
dessen [jenseitiges] Ufer die Trennung von Sītā ist
śvasitormimahāvartaḥ
dessen gewaltiger Strudel das Seufzen [und die Wellen] ist
bāṣpaphenajalāvilaḥ
dessen trübes Wasser der Schaum der Tränen ist

bāhuvikṣepamīnaugho vikranditamahāsvanaḥ | prakīrṇakeśaśaivālaḥ kaikeyībaḍabāmukhaḥ ||

'- dessen Fischschwärme das Werfen der Arme, dessen gewaltiger Ton das laute Wehklagen, dessen Algen das aufgelöste Haar, dessen Unterwasserfeuer Kaikeyī -'

Wort für Wort
bāhuvikṣepamīnaughaḥ
dessen Fischschwärme das Werfen der Arme sind
vikranditamahāsvanaḥ
dessen gewaltiger Ton das laute Wehklagen ist
prakīrṇakeśaśaivālaḥ
dessen Algen das aufgelöste Haar sind
kaikeyībaḍabāmukhaḥ
dessen Unterwasserfeuer Kaikeyī ist

mamāśruvegaprabhavaḥ kubjāvākyamahāgrahaḥ | varavelo nṛśaṃsāyā rāmapravrājanāyataḥ ||

'- der aus dem Andrang meiner Tränen entsteht, dessen gewaltiges Krokodil die Worte der Buckligen sind, dessen Ufergrenze das Gunstversprechen der Grausamen ist, ausgedehnt durch Rāmas Verbannung -'

Wort für Wort
mamāśruvegaprabhavaḥ
der aus dem Andrang meiner Tränen entsteht
kubjāvākyamahāgrahaḥ
dessen gewaltiges Krokodil die Worte der Buckligen sind
varavelo nṛśaṃsāyāḥ
dessen Ufergrenze das [Gunst-]Versprechen der Grausamen ist
rāmapravrājanāyataḥ
ausgedehnt durch Rāmas Verbannung

yasmin bata nimagno 'haṃ kausalye rāghavaṃ vinā | dustaraḥ jīvatā devi mayāyaṃ śokasāgaraḥ ||

'- in diesen, ach, bin ich versunken, Kausalyā, ohne den Sohn des Raghu; unüberwindlich ist mir, der ich noch lebe, o Herrin, dieser Ozean des Kummers.'

Wort für Wort
yasmin bata nimagno 'ham
in den, ach, bin ich versunken
kausalye rāghavaṃ vinā
Kausalyā, ohne den Sohn des Raghu
dustaraḥ jīvatā devi
unüberwindlich für mich, der ich noch lebe, o Herrin
mayāyaṃ śokasāgaraḥ
dieser Ozean des Kummers

aśobhanaṃ yo 'ham ihādya rāghavaṃ didṛkṣamāṇo na labhe salakṣmaṇam | iti iva rājā vilapan mahāyaśāḥ papāta tūrṇaṃ śayane sa mūrchitaḥ ||

'Übel ist es, dass ich, der ich heute hier den Sohn des Raghu samt Lakṣmaṇa zu sehen begehre, ihn nicht finde' - so klagend sank der ruhmreiche König rasch ohnmächtig auf sein Lager.

Wort für Wort
aśobhanaṃ yo 'ham ihādya
übel ist es, dass ich heute hier
rāghavaṃ didṛkṣamāṇo na labhe salakṣmaṇam
den Sohn des Raghu samt Lakṣmaṇa zu sehen begehre, aber nicht finde
iti iva rājā vilapan mahāyaśāḥ
so klagend, der ruhmreiche König
papāta tūrṇaṃ śayane sa mūrchitaḥ
sank er rasch ohnmächtig auf sein Lager

iti vilapati pārthive praṇaṣṭe karuṇataraṃ dviguṇaṃ ca rāmahetoḥ | vacanam anuniśamya tasya devī bhayam agamat punar eva rāmamātā ||

Als der König so klagte und die Besinnung verlor, und als sie seine noch klägerere, zweifach gesteigerte Klage um Rāma vernahm, geriet die Königin, Rāmas Mutter, aufs Neue in Angst.

Wort für Wort
iti vilapati pārthive praṇaṣṭe
als der König so klagte und die Besinnung verlor
karuṇataraṃ dviguṇaṃ ca rāmahetoḥ
noch klägerer, zweifach gesteigert, um Rāmas willen
vacanam anuniśamya tasya devī
dessen Worte vernehmend, die Königin
bhayam agamat punar eva rāmamātā
geriet Rāmas Mutter aufs Neue in Angst

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