Sarga 25: Kausalyā Svastyayanam
Kausalyā vollzieht die Segensriten für Rāma, ruft alle Götter und Naturmächte zu seinem Schutz an und entlässt ihn schließlich mit ihrem Segen
pitṛ-śuśrūṣayā putra mātṛ-śuśrūṣayā tathā | satyena ca mahābāho ciram jīva abhirakṣitaḥ ||
Durch den Dienst am Vater, mein Sohn, ebenso durch den Dienst an der Mutter und durch Wahrhaftigkeit, o Starkarmiger, mögest du lange leben, beschützt.
samit-kuśa-pavitrāṇi vedyaḥ ca āyatanāni ca | sthaṇḍilāni vicitrāṇi śailā vṛkṣāḥ kuśuphā hradāḥ || pataṅgāḥ pannagāḥ siṃhās tvām rakṣantu narottama |
Brennholz, Kuśagras und Reinigungsgeräte, Altäre und Heiligtümer, mannigfaltige Opferplätze, Berge, Bäume, Kuśa-Büschel und Weiher, Vögel, Schlangen und Löwen – sie alle mögen dich beschützen, o Bester der Männer.
svasti dhātā vidhātā ca svasti pūṣā bhago aryamā | ṛtavaḥ caiva pakṣāḥ ca māsāḥ saṃvatsarāḥ kṣapāḥ ||
Heil mögen Dhātṛ und Vidhātṛ, Heil Pūṣan, Bhaga und Aryaman gewähren, ebenso die Jahreszeiten, die Monatshälften, die Monate, die Jahre und die Nächte.
smṛtir dhṛtiḥ ca dharmaḥ ca pāntu tvām putra sarvataḥ | skandaḥ ca bhagavān devaḥ somaḥ ca sa-bṛhaspatiḥ || sapta-ṛṣayo nāradaḥ ca te tvām rakṣantu sarvataḥ ||
Erinnerung, Standhaftigkeit und Dharma mögen dich, mein Sohn, von allen Seiten beschützen; der erhabene Gott Skanda, Soma zusammen mit Bṛhaspati, die sieben Seher und Nārada – sie mögen dich von allen Seiten beschützen.
Wort für Wort
smṛtir dhṛtiḥ ca dharmaḥ ca
Erinnerung, Standhaftigkeit und Dharma
pāntu tvām putra sarvataḥ
mögen dich, mein Sohn, von allen Seiten beschützen
yāś ca api sarvataḥ siddhā diśaḥ ca sa-digīśvarāḥ || stutā mayā vane tasmin pāntu tvām putra nityaśaḥ ||
Und alle vollkommenen Wesen ringsum, die Himmelsrichtungen samt ihren Herrschern, von mir angerufen – sie mögen dich in jenem Wald stets beschützen, mein Sohn.
dyauḥ antarikṣam pṛthivī nadyaḥ sarvāḥ tathaiva ca | nakṣatrāṇi ca sarvāṇi grahāḥ ca saha-devatāḥ || ahorātre tathā sandhye pāntu tvām vanam āśritam |
Der Himmel, der Luftraum, die Erde und ebenso alle Flüsse, alle Sternbilder und die Planeten samt ihren Gottheiten, Tag und Nacht sowie die Dämmerungen – sie mögen dich beschützen, der du im Wald Zuflucht genommen hast.
Wort für Wort
dyauḥ antarikṣam pṛthivī
der Himmel, der Luftraum, die Erde
nadyaḥ sarvāḥ tathaiva ca
und ebenso alle Flüsse
nakṣatrāṇi ca sarvāṇi
und alle Sternbilder
grahāḥ ca saha-devatāḥ
und die Planeten samt ihren Gottheiten
ahorātre tathā sandhye
Tag und Nacht sowie die Dämmerungen
pāntu tvām vanam āśritam
mögen dich beschützen, der du im Wald Zuflucht genommen hast
rākṣasānām piśācānām raudrāṇām krūra-karmaṇām || kravyādānām ca sarveṣām mā bhūt putraka te bhayam ||
Vor den Rākṣasas, den Piśācas, den Furchtbaren, den Grausamtätigen, und vor allen fleischfressenden Wesen möge dir, mein Söhnchen, keine Furcht entstehen.
nṛ-māṃsa-bhojanā raudrā ye ca anye sattva-jātayaḥ || mā ca tvām hiṃsiṣuḥ putra mayā sampūjitāḥ tu iha ||
Die wilden, Menschenfleisch fressenden Wesen und was es sonst noch an Geschöpfen gibt – sie mögen dir kein Leid zufügen, mein Sohn, da sie von mir hier verehrt wurden.
svasti te astu antarikṣebhyaḥ pārthivebhyaḥ punaḥ punaḥ || sarvebhyaḥ caiva devebhyo ye ca te paripanthinaḥ ||
Heil sei dir immer wieder vor den Wesen des Luftraums und den irdischen Wesen, und vor allen Göttern und vor jenen, die dir feindlich entgegenstehen könnten.
Wort für Wort
svasti te astu antarikṣebhyaḥ
Heil sei dir vor den Wesen des Luftraums
pārthivebhyaḥ punaḥ punaḥ
und den irdischen Wesen, immer wieder
sarvebhyaḥ caiva devebhyo
und vor allen Göttern
ye ca te paripanthinaḥ
und vor denen, die dir feindlich entgegenstehen könnten
Agni, Vāyu, ebenso der Opferrauch und die aus dem Munde der Seher entströmten Mantras – sie mögen dich zur Zeit der rituellen Berührung des Wassers beschützen, o Freude der Raghus.
sarva-loka-prabhur brahmā bhūta-bhartā tathā ṛṣayaḥ || ye ca śeṣāḥ surāḥ te tvām rakṣantu vana-vāsinam ||
Brahmā, der Herr aller Welten, der Erhalter der Geschöpfe, sowie die Seher und alle übrigen Götter – sie mögen dich beschützen, während du im Wald weilst.
Nachdem sie das Feuer entzündet hatte, ließ sie es durch einen hochgesinnten Brahmanen nach der vorgeschriebenen Weise speisen, um Rāmas Wohlergehen willen.
Der Hauspriester, nachdem er nach der Vorschrift das Opfer für Frieden und Unversehrtheit dargebracht hatte, bereitete mit dem Rest der geopferten Gaben das äußere Speiseopfer.
Wort für Wort
upādhyāyaḥ sa vidhinā
der Hauspriester, nach der Vorschrift
hutvā śāntim anāmayam
nachdem er das Opfer für Frieden und Unversehrtheit dargebracht hatte
Mit Honig, Quark, ungeschältem Reis und Ghee ließ sie sodann die Brahmanen die Segensworte sprechen und die Segensriten für Rāmas Wald(-aufenthalt) vollziehen.
Wort für Wort
madhu dadhi akṣata-ghṛtaiḥ
mit Honig, Quark, ungeschältem Reis und Ghee
svasti vācya dvijāḥ tataḥ
ließ sie sodann die Brahmanen die Segensworte sprechen
yan maṅgalam sahasra-akṣe sarva-deva-namaḥ-kṛte || vṛtra-nāśe samabhavat tat te bhavatu maṅgalam ||
Welches Heil dem Tausendäugigen (Indra), dem von allen Göttern Verehrten, bei der Vernichtung Vṛtras zuteilwurde – dieses Heil möge auch dir zuteilwerden.
Die Jahreszeiten, die Meere, die Weltinseln, die Veden, die Welten und die Himmelsrichtungen, alle Träger von Glückszeichen, mögen dir, Starkarmiger, Segen gewähren.
gandhān ca api samālabhya rāma-māyata-locanā | oṣadhīm ca api siddha-arthām viśalya-karaṇīm śubhām || cakāra rakṣām kausalyā mantraiḥ abhijajāpa ca |
und nachdem sie auch wohlriechende Salben aufgetragen hatte, dem großäugigen Rāma, und das wirksame, segensreiche Kraut Viśalyakaraṇī angelegt hatte, vollzog Kausalyā den Schutzritus und murmelte dazu die Mantras.
Wort für Wort
gandhān ca api samālabhya
und nachdem sie auch wohlriechende Salben aufgetragen hatte
bhadra-āsana-gatam rāma vana-vāsāt iha āgatam | drakṣyāmi ca punaḥ tvām tu tīrṇa-vantam pitur vacaḥ ||
Ich werde dich, Rāma, auf dem Ehrensitz Platz genommen sehen, hierher aus dem Waldaufenthalt zurückgekehrt, dich, der du das Wort deines Vaters erfüllt hast.
maṅgalaiḥ upasampanno vana-vāsāt iha āgataḥ | padvā mama ca nityam tvam kāmān saṃvardhya yāhi bhoḥ ||
Mit Segenszeichen ausgestattet, hierher aus dem Waldaufenthalt zurückgekehrt – geh nun, meinen Fußspuren stets folgend, nachdem du meine Wünsche erfüllt hast.
Wort für Wort
maṅgalaiḥ upasampanno
mit Segenszeichen ausgestattet
vana-vāsāt iha āgataḥ
hierher aus dem Waldaufenthalt zurückgekehrt
padvā mama ca nityam tvam
stets meinen Fußspuren folgend
kāmān saṃvardhya yāhi bhoḥ
nachdem du meine Wünsche erfüllt hast, geh nun wohl
mayā arcitā deva-gaṇāḥ śiva-ādayo | maharṣayo bhūta-mahā-asura-uragāḥ | abhiprayātasya vanam cirāya te | hitāni kāṅkṣantu diśaḥ ca rāghava ||
Die von mir verehrten Götterscharen, angeführt von Śiva, die großen Seher, die Geister, die großen Asuras und die Schlangenwesen sowie die Himmelsrichtungen – sie mögen dir, der du auf lange Zeit in den Wald aufgebrochen bist, Rāghava, Wohlergehen erwünschen.
Wort für Wort
mayā arcitā deva-gaṇāḥ śiva-ādayo
die von mir verehrten Götterscharen, angeführt von Śiva
maharṣayo bhūta-mahā-asura-uragāḥ
die großen Seher, die Geister, die großen Asuras und die Schlangenwesen
abhiprayātasya vanam cirāya te
dir, der du auf lange Zeit in den Wald aufgebrochen bist
hitāni kāṅkṣantu diśaḥ ca rāghava
mögen dir Wohlergehen erwünschen, samt den Himmelsrichtungen, o Rāghava
iti iva ca aśru-pratipūrṇa-locanā | samāpya ca svastyayanam yathā-vidhi | pradakṣiṇam caiva cakāra rāghavam | punaḥ punaḥ ca api nipīḍya sasvaje ||
So sprach sie, die Augen tränenüberströmt, und nachdem sie die Segensriten vorschriftsmäßig vollendet hatte, umschritt sie den Rāghava von rechts und umarmte ihn wieder und wieder fest.
Wort für Wort
iti iva ca aśru-pratipūrṇa-locanā
so, mit tränenüberströmten Augen
samāpya ca svastyayanam yathā-vidhi
und nachdem sie die Segensriten vorschriftsmäßig vollendet hatte
tathā tu devyā sa kṛta-pradakṣiṇo | nipīḍya mātuḥ caraṇau punaḥ punaḥ | jagāma sītā-nilayam mahā-yaśāḥ | sa rāghavaḥ prajvalitaḥ svayā śriyā ||
So von der Fürstin umschritten, berührte er wieder und wieder die Füße der Mutter und begab sich, der hochberühmte Rāghava, strahlend in eigenem Glanz, zu Sītās Gemach.