Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 12: Daśaratha Vilāpaḥ Daśaratha bricht zusammen, fleht Kaikeyī vergeblich an und klagt über sein selbstverschuldetes Verderben

tataḥ śrutvā mahārājaḥ kaikeyyā dāruṇam vacaḥ / cintāmabhisamāpede muhūrtam pratatāpa ca

Als er darauf das harte Wort Kaikeyīs gehört hatte, verfiel der Großkönig in Grübeln und war einen Augenblick von Schmerz gequält.

Wort für Wort
tataḥ śrutvā mahārājaḥ
darauf hörend, der Großkönig
kaikeyyā dāruṇam vacaḥ
Kaikeyīs hartes Wort
cintām abhisamāpede
verfiel in Grübeln
muhūrtam pratatāpa ca
und war einen Augenblick gequält

kim nu me yadi vā svapnaścittamohoo.api vāmama / anubhūtopasargo vā manaso vāpyupadravaḥ

'Ist dies ein Traum, oder eine Verwirrung meines Geistes, oder ein erlebtes Unheilszeichen, oder eine Störung meines Sinnes?'

Wort für Wort
kim nu me yadi vā svapnaḥ
ist dies etwa ein Traum
citta-mohaḥ api vā mama
oder eine Verwirrung meines Geistes
anubhūta-upasargaḥ vā
oder ein erlebtes Unheilszeichen
manasaḥ vā api upadravaḥ
oder eine Störung des Sinnes

iti saṃcintya tadrājā nādhyagaccha ttadā sukham / pratilabhya cirātsamjñām kaikeyīvākyatāḍitaḥ

So überlegend, fand der König damals kein Glück; erst nach langer Zeit erlangte er, von Kaikeyīs Wort getroffen, sein Bewusstsein wieder.

Wort für Wort
iti saṃcintya tat rājā
so überlegend, jener König
na adhyagacchat tadā sukham
fand damals kein Glück
pratilabhya cirāt saṃjñām
erst nach langer Zeit das Bewusstsein wiedererlangend
kaikeyī-vākya-tāḍitaḥ
von Kaikeyīs Wort getroffen

vyathito viklabaśacaiva vyāghrīm dṛṣṭvā yathā mṛgaḥ / asamvṛtāyāmāsīno jagatyām dīrghamucchvasan

Erschüttert und bestürzt, wie ein Reh, das eine Tigerin erblickt, saß er auf dem nackten Boden und seufzte lang.

Wort für Wort
vyathitaḥ viklabaḥ ca eva
erschüttert und bestürzt
vyāghrīm dṛṣṭvā yathā mṛgaḥ
wie ein Reh, das eine Tigerin erblickt
asaṃvṛtāyām āsīnaḥ jagatyām
auf dem nackten Boden sitzend
dīrgham ucchvasan
lang seufzend

maṇḍle pannago ruddho mantrairiva mahāviṣaḥ / ahodhigiti sāmarṣo vācamuktvā narādhipaḥ

Wie eine große Giftschlange, die durch Zaubersprüche in einem Kreis gebannt ist, stieß der Herrscher der Menschen zornerfüllt das Wort 'Ach, verflucht!' aus.

Wort für Wort
maṇḍale pannagaḥ ruddhaḥ
eine im Kreis gebannte Schlange
mantraiḥ iva mahā-viṣaḥ
durch Zaubersprüche, die große Giftige
aho dhik iti sa-amarṣaḥ
'ach, verflucht' zornerfüllt
vācam uktvā narādhipaḥ
das Wort ausstoßend, der Menschenherrscher

cireṇa tu nṛpaḥ samjñām pratilabhya suduḥkhitaḥ / kaikeyīmabravītkruddhaḥ pradahanniva cakṣuṣā

Nach langer Zeit aber, sein Bewusstsein wiedererlangend, überaus bekümmert, sprach der König zornig zu Kaikeyī, sie gleichsam mit den Augen verbrennend:

Wort für Wort
cireṇa tu nṛpaḥ saṃjñām
nach langer Zeit aber der König das Bewusstsein
pratilabhya su-duḥkhitaḥ
wiedererlangend, überaus bekümmert
kaikeyīm abravīt kruddhaḥ
sprach zornig zu Kaikeyī
pradahan iva cakṣuṣā
gleichsam mit den Augen verbrennend

nṛśaṃse duṣṭacāritre kulasyāsya vināśini / kim kṛtam tava rāmeṇa pāpaṃ pāpe mayāpi vā

'Du Grausame, von bösem Wandel, Verderberin dieses Geschlechts – was hat dir Rāma Böses angetan, oder auch ich, du Böse?'

Wort für Wort
nṛśaṃse duṣṭa-cāritre
du Grausame, von bösem Wandel
kulasya asya vināśini
Verderberin dieses Geschlechts
kim kṛtam tava rāmeṇa pāpam
was hat dir Rāma Böses angetan
pāpe mayā api vā
du Böse, oder auch ich

yadā te jananītulyām vṛttim vahati rāghavaḥ / tasyaiva tvamanarthāya kim nimittamihodyatā

'Wo doch Rāghava dir gegenüber ein Verhalten wie einer Mutter erweist – warum bist du gerade ihm zum Verderben hier bereit, aus welchem Grund?'

Wort für Wort
yadā te jananī-tulyām vṛttim
da er dir wie einer Mutter ein Verhalten
vahati rāghavaḥ
erweist, Rāghava
tasya eva tvam anarthāya
bist du gerade zu dessen Verderben
kim nimittam iha udyatā
aus welchem Grund hier bereit

tvaṃ mamātmavināśārtham bhavanam svaṃ praveśitā / avijñānānnṛpasutā vyāldī tīkṣṇaviṣā yathā

'Zu meinem eigenen Verderben bist du in mein Haus aufgenommen worden, ohne dass ich es wusste, du Königstochter, wie eine scharfgiftige Schlange.'

Wort für Wort
tvam mama ātma-vināśa-artham
du zu meinem eigenen Verderben
bhavanam svam praveśitā
bist in mein eigenes Haus aufgenommen worden
avijñānāt nṛpa-sutā
ohne mein Wissen, Königstochter
vyāldī tīkṣṇa-viṣā yathā
wie eine scharfgiftige Schlange

jīvaloko yadā sarvo rāmasyāha guṇastavam / aparādham kamuddiśya tyakṣyāmīṣṭamaham sutam

'Wo doch die ganze lebende Welt Rāmas Tugenden preist – welches Vergehen soll ich anführen, um meinen geliebten Sohn zu verstoßen?'

Wort für Wort
jīva-lokaḥ yadā sarvaḥ
da die ganze lebende Welt
rāmasya āha guṇa-stavam
Rāmas Tugenden preist
aparādham kam uddiśya
welches Vergehen anführend
tyakṣyāmi iṣṭam aham sutam
soll ich den geliebten Sohn verstoßen

kausalyām vā sumitrām vā tyajeyamapi vā śriyam / jīvitam vātmano rāmam na tveva pitṛvatsalam

'Kausalyā oder Sumitrā könnte ich verlassen, oder sogar meinen Königsglanz, oder mein eigenes Leben – nicht aber Rāma, der seinem Vater so zugetan ist.'

Wort für Wort
kausalyām vā sumitrām vā
Kausalyā oder Sumitrā
tyajeyam api vā śriyam
könnte ich verlassen, oder den Glanz
jīvitam vā ātmanaḥ
oder mein eigenes Leben
rāmam na tu eva pitṛ-vatsalam
nicht aber Rāma, den seinem Vater Zugetanen

parā bhavati me prītirdhṛṣṭvā tanayamagrajam / apaśyatastu me rāmam naṣṭā bhavati cetanā

'Höchste Freude erfasst mich, wenn ich meinen ältesten Sohn sehe; sehe ich Rāma aber nicht, so schwindet mir die Besinnung.'

Wort für Wort
parā bhavati me prītiḥ
höchste Freude erfasst mich
dṛṣṭvā tanayam agrajam
wenn ich den ältesten Sohn sehe
apaśyataḥ tu me rāmam
wenn ich aber Rāma nicht sehe
naṣṭā bhavati cetanā
schwindet die Besinnung

tiṣṭhelloko vinā sūryam sasyam vā salilam vinā / na tu rāmam vinā dehe tiṣṭhettu mama jīvitam

'Die Welt mag ohne Sonne bestehen, die Saat ohne Wasser – doch ohne Rāma wird mein Leben nicht im Leib bestehen bleiben.'

Wort für Wort
tiṣṭhet lokaḥ vinā sūryam
die Welt möge ohne Sonne bestehen
sasyam vā salilam vinā
oder die Saat ohne Wasser
na tu rāmam vinā dehe
aber ohne Rāma im Leib
tiṣṭhet tu mama jīvitam
wird mein Leben bestehen bleiben

tadalam tyajyatāmeṣa niścayaḥ pāpaniścaye / api te caraṇau mūrdhnā spṛśāmyeṣa prasīda me

'Darum genug, lass ab von diesem Entschluss, du Böse; ich berühre mit meinem Haupt deine Füße – sei mir gnädig!'

Wort für Wort
tat alam tyajyatām eṣaḥ
darum genug, lass ab von diesem
niścayaḥ pāpa-niścaye
Entschluss, du mit bösem Entschluss
api te caraṇau mūrdhnā
auch deine Füße mit dem Haupt
spṛśāmi eṣaḥ prasīda me
berühre ich, sei mir gnädig

kimidam cintitam pāpe tvayā paramadāruṇam / atha jījñāsase mām tvam bharatasya priyāpriye

'Was ist das für ein überaus schreckliches Vorhaben, das du erdacht hast, Böse? Oder willst du mich prüfen, du, der Bharatas Wohl und Wehe am Herzen liegt?'

Wort für Wort
kim idam cintitam pāpe
was ist das erdachte, Böse
tvayā parama-dāruṇam
von dir, überaus schrecklich
atha jījñāsase mām tvam
oder willst du mich prüfen
bharatasya priya-apriye
du, der Bharatas Wohl und Wehe

astu yattattvayāpūrvam vyāhṛtam rāghavam prati / sa me jyeṣṭhaḥ sutaḥ śrīmān dharmajyeṣṭha itīva me

'Mag sein, dass das, was du eben über Rāghava gesagt hast, nur eine Prüfung war – er ist mein ältester, glanzvoller Sohn, mir gleichsam der Erste an Pflichttreue.'

Wort für Wort
astu yat tat tvayā pūrvam
mag sein, was du eben
vyāhṛtam rāghavam prati
über Rāghava gesagt hast
sa me jyeṣṭhaḥ sutaḥ śrīmān
er ist mein ältester glanzvoller Sohn
dharma-jyeṣṭhaḥ iti iva me
mir gleichsam der Erste an Pflichttreue

tattvayā priyavādinyā sevārtham kathitam bhavet

'Das mag von dir, die du sonst so freundlich redest, nur zum Zweck des Dienstes an mir gesagt worden sein.'

Wort für Wort
tat tvayā priya-vādinyā
das von dir, die du freundlich redest
sevā-artham kathitam bhavet
mag zum Zweck des Dienstes gesagt sein

tacchrutvā śokasamtaptā samtāpayasi mām bhṛśam / āviṣṭāsi gṛham śūnyam sā tvam paravaśam gatā

'Dies hörend, von Kummer versengt, quälst du mich heftig; du hast das leere Haus betreten, ganz einer fremden Macht verfallen.'

Wort für Wort
tat śrutvā śoka-saṃtaptā
dies hörend, von Kummer versengt
saṃtāpayasi mām bhṛśam
quälst du mich heftig
āviṣṭā asi gṛham śūnyam
du hast das leere Haus betreten
sā tvam paravaśam gatā
du bist einer fremden Macht verfallen

ikṣvākūṇām kule devi samprāptaḥ sumahānayam / anayo nayasampanne yatra te vikṛtā matiḥ

'In das Geschlecht der Ikṣvākus, o Herrin, ist ein gewaltiges Unrecht gekommen – ein Unrecht, du sonst so Klugbegabte, wo doch dein Sinn nun verkehrt ist.'

Wort für Wort
ikṣvākūṇām kule devi
in das Geschlecht der Ikṣvākus, o Herrin
samprāptaḥ su-mahān ayam
ist ein gewaltiges [Unrecht] gekommen
anayaḥ naya-sampanne
ein Unrecht, du Klugbegabte
yatra te vikṛtā matiḥ
wo dein Sinn verkehrt ist

na hi kiṃcidayuktam vā vipriyam vā purā mama / akarostvam viśālākṣi tena na śraddadhāmyaham

'Denn nie zuvor hast du mir etwas Unschickliches oder Unerfreuliches angetan, du Großäugige; darum kann ich es nicht glauben.'

Wort für Wort
na hi kiñcit ayuktam vā
denn nichts Unschickliches
vipriyam vā purā mama
oder Unerfreuliches mir zuvor
akaroḥ tvam viśāla-akṣi
hast du getan, Großäugige
tena na śraddadhāmi aham
darum glaube ich es nicht

nanu te rāghavastulyo bharatena mahātmanā / bahuśo hi sma bāle tvam kathayase mama

'Ist dir nicht Rāghava dem großherzigen Bharata gleich? Oftmals hast du doch, meine Liebe, mir das gesagt.'

Wort für Wort
nanu te rāghavaḥ tulyaḥ
ist dir nicht Rāghava gleich
bharatena mahātmanā
dem großherzigen Bharata
bahuśaḥ hi sma bāle
oftmals doch, meine Liebe
tvam kathayase mama
hast du mir gesagt

tasya dharmātmano devi vanavāsam yaśasvinaḥ / katham rocayase bhīru nava varṣāṇi pañca ca

'Wie kannst du, Herrin, den Waldaufenthalt jenes gerechten, ruhmreichen Sohnes für neun und fünf Jahre wünschen, du Furchtsame?'

Wort für Wort
tasya dharma-ātmanaḥ devi
jenes gerechten, o Herrin
vana-vāsam yaśasvinaḥ
den Waldaufenthalt des Ruhmreichen
katham rocayase bhīru
wie kannst du wünschen, Furchtsame
nava varṣāṇi pañca ca
neun und fünf Jahre

atyantasukumārasya tasya dharme dhṛtātmanaḥ / katham rocayase vāsamaraṇye bhṛśadāruṇe

'Wie kannst du für ihn, den überaus zarten, in der Pflicht gefestigten Sohn, den Aufenthalt im überaus schrecklichen Wald wünschen?'

Wort für Wort
atyanta-sukumārasya
für den überaus zarten
tasya dharme dhṛta-ātmanaḥ
ihn, in der Pflicht gefestigten
katham rocayase vāsam
wie kannst du den Aufenthalt wünschen
araṇye bhṛśa-dāruṇe
im überaus schrecklichen Wald

rocayasyabhirāmasya rāmasya śubhalocane / tava śuśrūṣamāṇasya kimartham vipravāsanam

'Warum wünschst du, o du mit den schönen Augen, die Verbannung Rāmas, des Erfreulichen, der dir stets zu Diensten steht?'

Wort für Wort
rocayasi abhirāmasya
du wünschst für den Erfreulichen
rāmasya śubha-locane
für Rāma, du Schönäugige
tava śuśrūṣamāṇasya
der dir zu Diensten steht
kim-artham vipravāsanam
wozu die Verbannung

rāmo hi bharatādbhūyastava śuśrūṣte sadā / viśeṣam tvayi tasmāttu bharatasya na lakṣaye

'Denn Rāma dient dir sogar mehr als Bharata stets; einen Unterschied zugunsten Bharatas sehe ich darin nicht.'

Wort für Wort
rāmaḥ hi bharatāt bhūyaḥ
Rāma denn mehr als Bharata
tava śuśrūṣate sadā
dient dir stets
viśeṣam tvayi tasmāt tu
einen Unterschied dir gegenüber daher
bharatasya na lakṣaye
Bharatas sehe ich nicht

śuśrūṣām gauravam caiva pramāṇam vacanakriyām / kaste bhūyastaram kuryādanyatra manujarṣabhāt

'Wer sonst als dieser Stier unter den Menschen könnte dir mehr Dienst, Ehrerbietung, Autorität und Wortfolgsamkeit erweisen?'

Wort für Wort
śuśrūṣām gauravam ca eva
Dienst und Ehrerbietung
pramāṇam vacana-kriyām
Autorität, Wortfolgsamkeit
kaḥ te bhūyastaram kuryāt
wer könnte dir mehr erweisen
anyatra manuja-ṛṣabhāt
außer diesem Stier der Menschen

parivādo.apavādo vā rāghave nopapadyate / sāntvayan sarvabhūtāni rāmaḥ śuddhena cetasā

'Weder Tadel noch Vorwurf trifft auf Rāghava zu; alle Wesen besänftigend, handelt Rāma mit reinem Herzen.'

Wort für Wort
parivādaḥ apavādaḥ vā
Tadel oder Vorwurf
rāghave na upapadyate
trifft auf Rāghava nicht zu
sāntvayan sarva-bhūtāni
alle Wesen besänftigend
rāmaḥ śuddhena cetasā
Rāma mit reinem Herzen

gṛhṇāti manujavyāgraḥ priyairviṣayavāsinaḥ

'Der Tiger unter den Menschen gewinnt durch Freundlichkeit die Bewohner des Landes für sich.'

Wort für Wort
gṛhṇāti manuja-vyāghraḥ
gewinnt der Tiger der Menschen
priyaiḥ viṣaya-vāsinaḥ
durch Freundlichkeit die Landbewohner

satyena lokān jayati dīnān dānena rāghavaḥ / gurūn śuśrūṣayā vīro dhanuśā yudhi śātravān

'Durch Wahrhaftigkeit gewinnt Rāghava die Welt, die Bedürftigen durch Freigebigkeit, die Lehrer durch Dienst, der Held im Kampf die Feinde durch seinen Bogen.'

Wort für Wort
satyena lokān jayati
durch Wahrheit gewinnt er die Welt
dīnān dānena rāghavaḥ
die Bedürftigen durch Freigebigkeit, Rāghava
gurūn śuśrūṣayā vīraḥ
die Lehrer durch Dienst, der Held
dhanuśā yudhi śātravān
im Kampf die Feinde durch den Bogen

satyam dānam tapastyago vratatā śaucamārjavam / vidyā ca guruśuśrūṣā dhruvāṇyetāni rāghave

'Wahrhaftigkeit, Freigebigkeit, Askese, Entsagung, Gelübdetreue, Reinheit, Rechtschaffenheit, Wissen und Dienst am Lehrer – all dies ist in Rāghava fest verankert.'

Wort für Wort
satyam dānam tapaḥ tyāgaḥ
Wahrheit, Freigebigkeit, Askese, Entsagung
vratatā śaucam ārjavam
Gelübdetreue, Reinheit, Rechtschaffenheit
vidyā ca guru-śuśrūṣā
Wissen und Dienst am Lehrer
dhruvāṇi etāni rāghave
all dies ist fest in Rāghava verankert

tasminnārjavasampanne devi devopame katham / pāpamāśaṃsase rāme maharṣisamatejasi

'Wie kannst du, o Herrin, Böses für Rāma wünschen, der voll Rechtschaffenheit, den Göttern gleich und den großen Sehern an Glanz ebenbürtig ist?'

Wort für Wort
tasmin ārjava-sampanne
für ihn, voll Rechtschaffenheit
devi deva-upame katham
o Herrin, wie für den Göttergleichen
pāpam āśaṃsase rāme
wünschst du Böses für Rāma
mahā-ṛṣi-sama-tejasi
der den großen Sehern an Glanz gleicht

na smarāmyapriyam vākyam lokasya priyavādinaḥ / sa katham tvatkṛte rāmam vakṣyāmi priyamapriyam

'Ich erinnere mich an kein unfreundliches Wort von ihm, der zur Welt stets freundlich redet – wie sollte ich dann Rāma um deinetwillen etwas Unerfreuliches sagen?'

Wort für Wort
na smarāmi apriyam vākyam
ich erinnere mich an kein unfreundliches Wort
lokasya priya-vādinaḥ
von ihm, der zur Welt freundlich redet
sa katham tvat-kṛte rāmam
wie sollte ich Rāma deinetwegen
vakṣyāmi priyam apriyam
etwas ihm Unerfreuliches sagen

kṣamā yasmin damastyāgaḥ satyam dharmaḥ kṛtajñatā / apyahiṃsā ca bhūtānām tamṛte kā gatirmama

'In ihm sind Geduld, Selbstbeherrschung, Entsagung, Wahrheit, Pflicht, Dankbarkeit und Gewaltlosigkeit gegen alle Wesen – ohne ihn, welche Zuflucht bliebe mir?'

Wort für Wort
kṣamā yasmin damaḥ tyāgaḥ
in dem Geduld, Selbstbeherrschung, Entsagung
satyam dharmaḥ kṛtajñatā
Wahrheit, Pflicht, Dankbarkeit
api ahiṃsā ca bhūtānām
auch Gewaltlosigkeit gegen die Wesen
tam ṛte kā gatiḥ mama
ohne ihn, welche Zuflucht bliebe mir

mama vṛddhasya kaikeyi gatāntasya tapasvinaḥ / dīnam lālapyamānasya kāruṇyam kartumarhasi

'Mit mir, dem Alten, Kaikeyī, dessen Ende naht, dem Elenden, der so kläglich klagt, solltest du Mitleid haben.'

Wort für Wort
mama vṛddhasya kaikeyi
mit mir, dem Alten, Kaikeyī
gata-antasya tapasvinaḥ
dessen Ende naht, dem Elenden
dīnam lālapyamānasya
der kläglich klagt
kāruṇyam kartum arhasi
solltest du Mitleid haben

pṛthivyām sāgarāntāyām yatkiñcaidadhigamyate / tatsarvam tava dāsyāmi mā ca tvām manyurāviśet

'Was immer auf der bis zum Meer reichenden Erde zu erlangen ist, das alles will ich dir geben – lass nicht Zorn von dir Besitz ergreifen!'

Wort für Wort
pṛthivyām sāgara-antāyām
auf der bis zum Meer reichenden Erde
yat kiñcit adhigamyate
was immer zu erlangen ist
tat sarvam tava dāsyāmi
das alles will ich dir geben
mā ca tvām manyuḥ āviśet
und Zorn möge nicht von dir Besitz ergreifen

añjalim kurmi kaikeyi pādau cāpi spṛśāmi te / śaraṇam bhava rāmasya mā.adharmo māmiha spṛśet

'Ich falte die Hände, Kaikeyī, und berühre auch deine Füße; sei Rāmas Zuflucht – möge das Unrecht mich hier nicht treffen!'

Wort für Wort
añjalim kurmi kaikeyi
ich falte die Hände, Kaikeyī
pādau ca api spṛśāmi te
und berühre auch deine Füße
śaraṇam bhava rāmasya
sei Rāmas Zuflucht
mā adharmaḥ mām iha spṛśet
möge das Unrecht mich hier nicht treffen

iti duḥkhābhisantaptam vilapantamacetanam / ghūrṇamānam mahārājam śokena samabhiplutam

So den von Schmerz versengten, klagenden, fast besinnungslosen, taumelnden Großkönig, ganz von Kummer überflutet,

Wort für Wort
iti duḥkha-abhisantaptam
so den von Schmerz versengten
vilapantam acetanam
klagenden, fast besinnungslosen
ghūrṇamānam mahārājam
taumelnden Großkönig
śokena samabhiplutam
ganz von Kummer überflutet

pāram śokārṇavasyāśu prārthayantam punaḥ punaḥ / pratyuvācātha kaikeyī raudrā raudrātaram vacaḥ

der immer wieder rasch das andere Ufer des Meeres seines Kummers zu erreichen suchte – ihm erwiderte Kaikeyī, die Grausame, ein noch grausameres Wort:

Wort für Wort
pāram śoka-arṇavasya āśu
das andere Ufer des Kummermeeres rasch
prārthayantam punaḥ punaḥ
immer wieder suchend
pratyuvāca atha kaikeyī raudrā
erwiderte da die grausame Kaikeyī
raudra-taram vacaḥ
ein noch grausameres Wort

yadi datvā varau rājan punaḥ pratyanutapyase / dhārmikatvam katham vīra pṛthivyām kathayiṣyasi

'Wenn du, o König, nachdem du die Wünsche gewährt hast, es nun bereust, wie wirst du dann, o Held, auf Erden noch als tugendhaft gelten?'

Wort für Wort
yadi datvā varau rājan
wenn du, o König, die Wünsche gewährt hast
punaḥ pratyanutapyase
und es nun bereust
dhārmikatvam katham vīra
wie wirst du, o Held, als tugendhaft
pṛthivyām kathayiṣyasi
auf Erden gelten

yadā sametā bahavastvayā rājarṣayassaha / kathayiṣyanti dharmajña tatra kim prativakṣyasi

'Wenn sich viele königliche Seher mit dir versammeln und davon erzählen, o Pflichtkundiger, was wirst du dann erwidern?'

Wort für Wort
yadā sametāḥ bahavaḥ
wenn viele versammelt
tvayā rāja-ṛṣayaḥ saha
königliche Seher mit dir
kathayiṣyanti dharma-jña
erzählen werden, o Pflichtkundiger
tatra kim prativakṣyasi
was wirst du dann erwidern

yasyāḥ prasāde jīvāmi yā ca māmabhyapālayat / tasyāḥ kṛtam mayā mithyā kaikeyyā iti vakṣyasi

'Wirst du sagen: Durch deren Gnade ich lebe, die mich beschützte, dieser Kaikeyī gegenüber habe ich mein Wort gebrochen?'

Wort für Wort
yasyāḥ prasāde jīvāmi
durch deren Gnade ich lebe
yā ca mām abhyapālayat
und die mich beschützte
tasyāḥ kṛtam mayā mithyā
der gegenüber ich mein Wort gebrochen habe
kaikeyyāḥ iti vakṣyasi
der Kaikeyī, so wirst du sagen

kilbiṣam narendhrāṇām kariṣyasi narādhipa / yo dattvā varamadyaiva punaranyāni bhāṣase

'Du wirst eine Schuld unter den Herrschern der Menschen auf dich laden, o Menschenherr, wenn du, nachdem du eben erst den Wunsch gewährt hast, nun anderes redest.'

Wort für Wort
kilbiṣam nara-indrāṇām
eine Schuld unter den Menschenherrschern
kariṣyasi narādhipa
wirst du auf dich laden, Menschenherr
yaḥ dattvā varam adya eva
wenn du, nachdem du eben erst den Wunsch gewährt hast
punaḥ anyāni bhāṣase
nun anderes redest

śaibyaḥ śyenakapotīye svamāṃsaṃ pakṣite dadau / alarkaścakṣuṣī datvā jagāma gatimuttamām

'Śaibya gab in der Geschichte von Falke und Taube sein eigenes Fleisch dem Vogel; Alarka, nachdem er seine Augen gegeben hatte, erlangte den höchsten Zustand.'

Wort für Wort
śaibyaḥ śyena-kapotīye
Śaibya in der Falke-Taube-Geschichte
svamāṃsam pakṣite dadau
gab sein eigenes Fleisch dem Vogel
alarkaḥ cakṣuṣī datvā
Alarka, nachdem er seine Augen gegeben hatte
jagāma gatim uttamām
erlangte den höchsten Zustand

sāgaraḥ samayam kṛtvāna velāmativartate / samayam mā.anṛtam kārṣīḥ purvavṛttamanusmaran

'Der Ozean, einen Vertrag geschlossen habend, überschreitet nie seine Küstenlinie; brich also nicht deinen Vertrag, eingedenk der früheren Geschehnisse!'

Wort für Wort
sāgaraḥ samayam kṛtvā
der Ozean, einen Vertrag geschlossen habend
na velām ativartate
überschreitet nicht die Küstenlinie
samayam mā anṛtam kārṣīḥ
brich nicht deinen Vertrag
pūrva-vṛttam anusmaran
eingedenk der früheren Geschehnisse

sa tvam dharmam parityajya rāmam rājye.abhiṣicyaca / saha kaulasyayā nityam rantumicchasi durmate

'Du also, die Pflicht verlassend, willst Rāma im Königtum weihen und dich für immer mit Kausalyā vergnügen, du Übelgesinnter!'

Wort für Wort
sa tvam dharmam parityajya
du also, die Pflicht verlassend
rāmam rājye abhiṣicya ca
und Rāma im Königtum weihend
saha kausalyayā nityam
für immer mit Kausalyā
rantum icchasi durmate
willst du dich vergnügen, Übelgesinnter

bhavatvadharmo dharmo vā satyam vā yadi vānṛtam / yattvayā saṃśrutam mahyam tasya nāsti vyatikramaḥ

'Mag es Unrecht sein oder Recht, Wahrheit oder Unwahrheit – was du mir zugesagt hast, davon gibt es kein Abweichen.'

Wort für Wort
bhavatu adharmaḥ dharmaḥ vā
mag es Unrecht sein oder Recht
satyam vā yadi vā anṛtam
Wahrheit oder Unwahrheit
yat tvayā saṃśrutam mahyam
was du mir zugesagt hast
tasya na asti vyatikramaḥ
davon gibt es kein Abweichen

aham hi viṣamadyaiva pītvā bahu tavāgrataḥ / paśyataste mariṣyāmi rāmo yadyabhiṣicyate

'Ich werde noch heute, viel Gift trinkend, vor deinen Augen sterben, während du zusiehst, wenn Rāma geweiht wird.'

Wort für Wort
aham hi viṣam adya eva
ich werde noch heute Gift
pītvā bahu tava agrataḥ
viel trinkend, vor dir
paśyataḥ te mariṣyāmi
während du zusiehst, sterben
rāmaḥ yadi abhiṣicyate
wenn Rāma geweiht wird

ekāhamapi paśyeyam yadyaham rāmamātaram / añjalim pratigṛhṇantīm śreyo nanu mṛtirmama

'Müsste ich auch nur einen Tag sehen, wie Rāmas Mutter meine Ehrerbietung entgegennimmt, wäre mir wahrlich der Tod besser.'

Wort für Wort
eka-aham api paśyeyam
müsste ich auch nur einen Tag sehen
yadi aham rāma-mātaram
wenn ich Rāmas Mutter
añjalim pratigṛhṇantīm
meine Ehrerbietung entgegennehmend
śreyaḥ nanu mṛtiḥ mama
wäre mir wahrlich der Tod besser

bharatenātmanā cāham śape te manujādhipa / yathā nānyena tuṣyeyamṛte rāmavivāsanāt

'Bei Bharata und bei mir selbst schwöre ich dir, Herrscher der Menschen: durch nichts anderes werde ich zufrieden sein als durch Rāmas Verbannung.'

Wort für Wort
bharatena ātmanā ca aham
bei Bharata und bei mir selbst
śape te manuja-adhipa
schwöre ich dir, Herrscher der Menschen
yathā na anyena tuṣyeyam
dass ich durch nichts anderes zufrieden werde
ṛte rāma-vivāsanāt
außer durch Rāmas Verbannung

etāvaduktvā vacanam kaikeyī virarāma ha / vilapantam ca rājānam na prativyājahāra sā

Nachdem sie so viel gesprochen hatte, verstummte Kaikeyī; und dem klagenden König erwiderte sie nichts mehr.

Wort für Wort
etāvat uktvā vacanam
nachdem sie so viel gesprochen hatte
kaikeyī virarāma ha
verstummte Kaikeyī
vilapantam ca rājānam
und dem klagenden König
na prativyājahāra sā
erwiderte sie nichts mehr

śrutvā tu rājā kaikeyyā vṛtam paramaśobhanam / rāmasya ca vane vāsamaiśvaryam bharatasya ca

Als der König aber von Kaikeyī den überaus [für sie] herrlichen Wunsch gehört hatte, Rāmas Waldaufenthalt und Bharatas Herrschaft,

Wort für Wort
śrutvā tu rājā kaikeyyā
als der König aber von Kaikeyī gehört hatte
vṛtam parama-śobhanam
den überaus herrlichen [Wunsch]
rāmasya ca vane vāsam
Rāmas Aufenthalt im Wald
aiśvaryam bharatasya ca
und Bharatas Herrschaft

nābhyabhāṣata kaikeyyim muhūrtam vyākulendriyaḥ / praikṣatānimiṣo devīm priyāmapriyavādinīm

sprach er einen Augenblick nicht zu Kaikeyī, seine Sinne verwirrt; unverwandt blickte er die Herrin an, seine Geliebte, die nun Unerfreuliches redete.

Wort für Wort
na abhyabhāṣata kaikeyīm
sprach nicht zu Kaikeyī
muhūrtam vyākula-indriyaḥ
einen Augenblick, seine Sinne verwirrt
praikṣata animiṣaḥ devīm
blickte unverwandt die Herrin an
priyām apriya-vādinīm
seine Geliebte, die Unerfreuliches redete

tām hi vajrasamām vācamākarṇya hṛdayā priyām / duḥkhaśokamayīm ghorām rājā na sukhito.abhavat

Jenes blitzgleiche, schmerz- und kummervolle, schreckliche Wort seiner Herzensgeliebten vernehmend, war der König nicht glücklich.

Wort für Wort
tām hi vajra-samām vācam
jenes dem Blitz gleiche Wort
ākarṇya hṛdayā priyām
der Herzensgeliebten vernehmend
duḥkha-śoka-mayīm ghorām
schmerz- und kummervoll, schrecklich
rājā na sukhitaḥ abhavat
war der König nicht glücklich

sa devyā vyavasāyam ca ghoram ca śapatham kṛtam / dhyātvā rāmeti niśśvasya chinnastarurivāpatat

Er, über der Herrin Entschluss und den schrecklichen Schwur nachdenkend, seufzte 'Rāma!' und fiel um wie ein gefällter Baum.

Wort für Wort
sa devyā vyavasāyam ca
er, über der Herrin Entschluss
ghoram ca śapatham kṛtam
und den schrecklichen geleisteten Schwur
dhyātvā rāma iti niḥśvasya
nachdenkend, 'Rāma' seufzend
chinnaḥ taruḥ iva āpatat
fiel er wie ein gefällter Baum

naṣṭacitto yathonmatto viparīto yathāturaḥ / hṛtatejā yathā sarpo babhūva jagatīpatiḥ

Wie von Sinnen, wie von Verstand verlassen, wie krank, wie eine ihrer Kraft beraubte Schlange wurde der Herrscher der Welt.

Wort für Wort
naṣṭa-cittaḥ yathā unmattaḥ
wie von Sinnen, wie von Verstand verlassen
viparītaḥ yathā āturaḥ
verkehrt, wie krank
hṛta-tejāḥ yathā sarpaḥ
wie eine ihrer Kraft beraubte Schlange
babhūva jagatī-patiḥ
wurde der Herrscher der Welt

dīnayā tu girā rājā iti hovāca kaikayim / anarthamimamarthābham kena tvamupadarśitā

Mit kläglicher Stimme aber sprach der König so zu Kaikeyī: 'Wer hat dir dieses Unheil in der Gestalt eines Vorteils gezeigt?'

Wort für Wort
dīnayā tu girā rājā
mit kläglicher Stimme aber der König
iti ha uvāca kaikeyīm
sprach so zu Kaikeyī
anartham imam artha-ābham
dieses Unheil in Gestalt des Vorteils
kena tvam upadarśitā
wer hat dir gezeigt

bhūtopahatacitteva bruvantī mām na lajjase / śīlavyasanametatte nābhijānāmyaham purā

'Wie eine von einem Geist Besessene sprichst du und schämst dich vor mir nicht; diesen Fehler in deinem Charakter kannte ich früher nicht.'

Wort für Wort
bhūta-upahata-cittā iva
wie eine von einem Geist Besessene
bruvantī mām na lajjase
sprichst du und schämst dich vor mir nicht
śīla-vyasanam etat te
diesen Fehler in deinem Charakter
na abhijānāmi aham purā
kannte ich früher nicht

balāyāstattvidānīm te lakṣaye viparītavat / kuto vā te bhayam jātam yā tvamevamvidam varam

'Deine einstige Kraft erkenne ich jetzt als verkehrt; woher ist dir denn diese Furcht gekommen, dass du einen solchen Wunsch erbittest?'

Wort für Wort
balāyāḥ tat tu idānīm te
deine damalige Kraft nun jetzt
lakṣaye viparītavat
erkenne ich als verkehrt
kutaḥ vā te bhayam jātam
woher ist dir Furcht gekommen
yā tvam evaṃvidam varam
dass du einen solchen Wunsch

rāṣṭre bharatamāsīnam vṛṇīṣe rāghavam vane / viramaitena bhāvena tvametenānṛtena vā

'Du wählst, dass Bharata im Reich throne, Rāghava aber im Wald sei; lass ab von dieser Gesinnung, oder von dieser Unwahrheit!'

Wort für Wort
rāṣṭre bharatam āsīnam
dass Bharata im Reich throne
vṛṇīṣe rāghavam vane
wählst du, Rāghava im Wald
virama etena bhāvena
lass ab von dieser Gesinnung
tvam etena anṛtena vā
du, oder von dieser Unwahrheit

yadi bhartuḥ priyam kāryam lokasya bharatasya ca / nṛśaṃse pāpasamkalpe kṣudre duṣkṛtakāriṇi

'Wenn dir das Wohl deines Gemahls, des Volkes und Bharatas am Herzen liegt – du Grausame, mit bösem Vorhaben, Niederträchtige, Übeltäterin –'

Wort für Wort
yadi bhartuḥ priyam kāryam
wenn das Wohl des Gemahls dir am Herzen liegt
lokasya bharatasya ca
des Volkes und Bharatas
nṛśaṃse pāpa-saṃkalpe
du Grausame, mit bösem Vorhaben
kṣudre duṣkṛta-kāriṇi
Niederträchtige, Übeltäterin

kim nu duḥkhamaldīkam vā mayi rāme ca paśyasi / na kathaṃci dṛte rāmādbharato rājyamāvaset

'welches Leid oder welchen Fehler siehst du denn an mir oder an Rāma? Keinesfalls könnte Bharata ohne Rāma im Königtum wohnen.'

Wort für Wort
kim nu duḥkham alīkam vā
welches Leid oder welchen Fehler
mayi rāme ca paśyasi
siehst du an mir und Rāma
na kathaṃcit ṛte rāmāt
keinesfalls ohne Rāma
bharataḥ rājyam āvaset
könnte Bharata im Königtum wohnen

rāmādapi hi tam manye dharmato balavattaram / katham drakṣyāmi rāmasya vanam gaccheti bhāṣite

'Ich halte ihn sogar für pflichtbewusster als Rāma selbst. Wie könnte ich es ertragen, wenn zu Rāma gesagt wird: Geh in den Wald!'

Wort für Wort
rāmāt api hi tam manye
ich halte ihn sogar für
dharmataḥ balavattaram
pflichtbewusster als Rāma
katham drakṣyāmi rāmasya
wie könnte ich sehen, dass zu Rāma
vanam gaccha iti bhāṣite
'geh in den Wald' gesagt wird

mukhavarṇam vivarṇam tam yathaivendumupaplutam / tām hi me sukṛtām buddhim suhṛdbhiḥ saha niścitām

'Sein Gesicht bleich sehen, wie den vom Rāhu verschlungenen Mond? Diese meine wohlerwogene, mit Freunden gemeinsam gefasste Entscheidung –'

Wort für Wort
mukha-varṇam vivarṇam tam
sein Gesicht bleich
yathā eva indum upaplutam
wie den verschlungenen Mond
tām hi me sukṛtām buddhim
diese meine wohlerwogene Entscheidung
suhṛdbhiḥ saha niścitām
mit Freunden gemeinsam gefasst

katham drakṣyāmyapāvṛttām parairiva hatām camūm / kim mām vakṣyanti rājāno nānādigbhyaḥ samāgatāh

'wie soll ich sie umgestoßen sehen, wie ein von Feinden geschlagenes Heer? Was werden die aus allen Himmelsrichtungen versammelten Könige zu mir sagen?'

Wort für Wort
katham drakṣyāmi apāvṛttām
wie soll ich umgestoßen sehen
paraiḥ iva hatām camūm
wie ein von Feinden geschlagenes Heer
kim mām vakṣyanti rājānaḥ
was werden die Könige zu mir sagen
nānā-digbhyaḥ samāgatāḥ
aus allen Richtungen versammelt

bālo batāya maikṣvākaściram rājyamakārayat / yadā tu bahavo vṛddhā guṇavanto bahuśrutāh

'"Kindisch fürwahr hat dieser Ikṣvāku lange geherrscht" – wenn dann viele Alte, Tugendhafte, Vielgelehrte'

Wort für Wort
bālaḥ bata ayam aikṣvākaḥ
'kindisch fürwahr, dieser Ikṣvāku'
ciram rājyam akārayat
hat lange geherrscht
yadā tu bahavaḥ vṛddhāḥ
wenn dann viele Alte
guṇavantaḥ bahuśrutāḥ
Tugendhafte, Vielgelehrte

pariprakṣyanti kākutthsam vakṣyāmi kimmahām tadā / kaikeyyā kliśyamānena rāmaḥ pravrājito mayā

'den Kākutstha [Bharata] befragen werden, was soll ich dann Großes sagen? "Von Kaikeyī gequält, habe ich Rāma verbannt" –'

Wort für Wort
pariprakṣyanti kākutthsam
den Kākutstha befragen werden
vakṣyāmi kim mahām tadā
was soll ich dann Großes sagen
kaikeyyā kliśyamānena
von Kaikeyī gequält
rāmaḥ pravrājitaḥ mayā
habe ich Rāma verbannt

yadi satyam bravīmyetattadasatyam bhaviṣyati / kim mām vakṣyati kausalyā rāghave vanamāsthite

'wenn ich dies als Wahrheit sage, wird es dennoch wie Unwahrheit klingen. Was wird Kausalyā zu mir sagen, wenn Rāghava im Wald weilt?'

Wort für Wort
yadi satyam bravīmi etat
wenn ich dies als Wahrheit sage
tat asatyam bhaviṣyati
wird es wie Unwahrheit sein
kim mām vakṣyati kausalyā
was wird Kausalyā zu mir sagen
rāghave vanam āsthite
wenn Rāghava im Wald weilt

kim cainām prativakṣyāmi kṛtvā cāpriyamīdṛśam / yadā yadā hī kausalyā dāsīvacca sakhīva ca

'Und was soll ich ihr erwidern, nachdem ich ihr solches Leid angetan habe? Ihr, Kausalyā, die mir immer wieder wie eine Dienerin, wie eine Freundin,'

Wort für Wort
kim ca enām prativakṣyāmi
und was soll ich ihr erwidern
kṛtvā ca apriyam īdṛśam
nachdem ich solches Unerfreuliches getan habe
yadā yadā hi kausalyā
ihr, Kausalyā, die immer wieder
dāsī-vat ca sakhī-vat ca
wie eine Dienerin und wie eine Freundin

bhāryāvadbhaginīvacca mātṛvaccopatiṣṭhati / satatam priyakāmā me priyaputrā priyamvadā

'wie eine Gattin, wie eine Schwester, wie eine Mutter zu Diensten steht, die stets nach meinem Wohl trachtet, deren Sohn mir teuer ist, die freundlich redet –'

Wort für Wort
bhāryā-vat bhaginī-vat ca
wie eine Gattin, wie eine Schwester
mātṛ-vat ca upatiṣṭhati
und wie eine Mutter zu Diensten steht
satatam priya-kāmā me
stets nach meinem Wohl trachtend
priya-putrā priyaṃvadā
deren Sohn mir teuer ist, freundlich redend

na mayā satkṛtā devi satkārārhā kṛte tava / idānīm tattapati mām yanmayā sukṛtam tvayi

'sie, die Ehre verdient, habe ich nicht geehrt, deinetwegen, o Herrin; jetzt quält mich, was ich dir Gutes getan habe.'

Wort für Wort
na mayā satkṛtā devi
nicht von mir geehrt, o Herrin
satkāra-arhā kṛte tava
sie, die Ehre verdient, deinetwegen
idānīm tat tapati mām
jetzt quält mich das
yat mayā sukṛtam tvayi
was ich dir Gutes getan habe

avathyavyañjanonopetam bhuktamannamivāturam / viprakāram ca rāmasya samprayāṇam vanasya ca

'Wie ein Kranker, der Speise ohne die richtige Würze gegessen hat, quält mich die Misshandlung Rāmas und sein Aufbruch in den Wald.'

Wort für Wort
avathya-vyañjana-anupetam
ohne die richtige Würze
bhuktam annam iva āturam
wie ein Kranker, der Speise gegessen hat
viprakāram ca rāmasya
und die Misshandlung Rāmas
samprayāṇam vanasya ca
und seinen Aufbruch in den Wald

sumitrā prekṣyavai bhītā katham me viśvasiṣyati / kṛpaṇam bata vaidehī śroṣyati dvayamapriyam

'Wie wird Sumitrā, dies sehend, erschrocken mir noch vertrauen? Ach, elend wird die Vaidehī zweifaches Unerfreuliches hören:'

Wort für Wort
sumitrā prekṣya vai bhītā
Sumitrā, dies sehend, erschrocken
katham me viśvasiṣyati
wie wird sie mir vertrauen
kṛpaṇam bata vaidehī
elend, fürwahr, die Vaidehī
śroṣyati dvayam apriyam
wird zweifaches Unerfreuliches hören

mām ca pañcatvamāpannam rāmam ca vanamāśritam / vaidehī bata me prāṇān śocantī kṣapayiṣyati

'dass ich gestorben bin und Rāma in den Wald gegangen ist. Die Vaidehī wird, um mein Leben trauernd, vergehen.'

Wort für Wort
mām ca pañcatvam āpannam
dass ich gestorben bin
rāmam ca vanam āśritam
und Rāma in den Wald gegangen ist
vaidehī bata me prāṇān
die Vaidehī fürwahr um mein Leben
śocantī kṣapayiṣyati
trauernd wird sie vergehen

hīnā himavataḥ pārśvae kinnareṇena kinnarā / na hi rāmamaham dṛṣṭva pravasantam mahāvane

'Wie eine Kinnarī, die am Hang des Himālaya ihres Kinnara-Gatten beraubt ist. Denn wenn ich sehe, dass Rāma im großen Wald verweilt,'

Wort für Wort
hīnā himavataḥ pārśve
beraubt am Hang des Himālaya
kinnareṇa iva kinnarā
wie eine Kinnarī ihres Gatten
na hi rāmam aham dṛṣṭvā
denn wenn ich Rāma sehe
pravasantam mahā-vane
im großen Wald verweilend

ciram jīvitumāśaṃse rudatīm cāpi maithilīm / sā nūnam vidhavā rājyam saputrā kārayiṣyasi

'hoffe ich nicht, noch lange zu leben, noch die weinende Maithilī zu ertragen. Du wirst dann gewiss verwitwet, mit deinem Sohn, das Königtum ausüben.'

Wort für Wort
ciram jīvitum āśaṃse
hoffe ich, lange zu leben
rudatīm ca api maithilīm
noch die weinende Maithilī
sā nūnam vidhavā rājyam
du wirst gewiss verwitwet das Königtum
saputrā kārayiṣyasi
mit deinem Sohn ausüben

na hi pravājite rāme devi jīvitumutsahe / satīm tvāmahamatyantam vyavasyāmyasatīm satīm

'Denn wenn Rāma verbannt ist, kann ich, o Herrin, nicht am Leben bleiben. Dich, die ich für tugendhaft hielt, erkenne ich nun gänzlich als eine Untugendhafte unter dem Schein der Tugend.'

Wort für Wort
na hi pravājite rāme
denn wenn Rāma verbannt ist
devi jīvitum utsahe
kann ich, o Herrin, nicht am Leben bleiben
satīm tvām aham atyantam
dich, die ich für tugendhaft hielt, gänzlich
vyavasyāmi asatīm satīm
erkenne ich als Untugendhafte unter Tugendschein

rūpiṇīm viṣasamyuktām pītveva madirām narah / anṛtairbahu mām sānvaiḥsā ntvayantī sma bhāṣase

'Wie ein Mann, der schönen, doch mit Gift vermischten Wein getrunken hat – so hast du mich mit vielen falschen Tröstungen beschwichtigt und angesprochen.'

Wort für Wort
rūpiṇīm viṣa-saṃyuktām
schön aussehenden, mit Gift vermischten
pītvā iva madirām naraḥ
wie ein Mann, der Wein getrunken hat
anṛtaiḥ bahu mām sāntvaiḥ
mit vielen falschen Tröstungen mich
sāntvayantī sma bhāṣase
hast du beschwichtigend angesprochen

gītaśabdena samrudhya lubdho mṛgamivāvadhīḥ / anārya iti māmāryāḥ putravikrāyikam dhruvam

'Wie ein Jäger, der durch Lockgesang das Wild betäubt, hast du mich getötet. Als "unedel" werden mich die Edlen bezeichnen, als einen, der gewiss seinen Sohn verkauft hat.'

Wort für Wort
gīta-śabdena saṃrudhya
durch Lockgesang betäubend
lubdhaḥ mṛgam iva avadhīḥ
wie ein Jäger das Wild, hast du getötet
anāryaḥ iti mām āryāḥ
'unedel' werden mich die Edlen
putra-vikrāyikam dhruvam
gewiss als Sohnverkäufer nennen

dhikkariṣyanti rathyāsu surāpam brāhmaṇam yathā / aho duḥkhamaho kṛcchram yatra vācaḥ kṣame tava

'Sie werden mich auf den Straßen verachten, wie einen weintrinkenden Brahmanen. Ach welches Leid, ach welche Not, dass ich hier deine Worte ertragen muss!'

Wort für Wort
dhik kariṣyanti rathyāsu
werden verachten auf den Straßen
surāpam brāhmaṇam yathā
wie einen weintrinkenden Brahmanen
aho duḥkham aho kṛcchram
ach welches Leid, ach welche Not
yatra vācaḥ kṣame tava
dass ich hier deine Worte ertragen muss

duḥkhamevamvidham prāptam purākṛtamivāśubham / ciram khalu mayā pāpe tvam pāpenābhirakṣitā

'Solches Leid habe ich erlangt, wie eine einst begangene Untat. Lange fürwahr, du Böse, habe ich dich, die Böse, in meiner Obhut gehalten,'

Wort für Wort
duḥkham evaṃ-vidham prāptam
solches Leid habe ich erlangt
purā-kṛtam iva aśubham
wie eine einst begangene üble Tat
ciram khalu mayā pāpe
lange fürwahr habe ich, Böse
tvam pāpena abhirakṣitā
dich, du Böse, in Obhut gehalten

ajñānādupasampannā rajjurudbaṃdhinī yathā / ramamāṇastvayā sārdham mṛtyum tvā nābhilakṣaye

'in Unwissenheit an mich genommen, wie ein Strick, der zum Erhängen dient. Mich mit dir vergnügend, erkannte ich in dir nicht den Tod.'

Wort für Wort
ajñānāt upasampannā
in Unwissenheit an mich genommen
rajjuḥ udbandhinī yathā
wie ein Strick zum Erhängen
ramamāṇaḥ tvayā sārdham
mich mit dir vergnügend
mṛtyum tvā na abhilakṣaye
erkannte ich in dir nicht den Tod

bālo rahasi hastena kṛṣṇasarpamivāspṛśam / mayā hyapitṛkaḥ putraḥsa mahātmā durātmanā

'Wie ein Kind, das im Geheimen mit der Hand eine schwarze Schlange berührt – so habe ich dich berührt. Denn durch mich, den Bösgesinnten, wird jener großherzige Sohn vaterlos werden.'

Wort für Wort
bālaḥ rahasi hastena
wie ein Kind im Geheimen mit der Hand
kṛṣṇa-sarpam iva aspṛśam
eine schwarze Schlange berührend, so habe ich [dich] berührt
mayā hi apitṛkaḥ putraḥ
denn durch mich wird der Sohn vaterlos
sa mahātmā durātmanā
er, der Großherzige, durch mich Bösgesinnten

tam tu mām jīvaloko.ayam nūnamākroṣṭumarhati / bāliśo bata kāmātmā rājā daśaratho bhṛśam

'Mich aber wird diese lebende Welt gewiss verfluchen dürfen: "Töricht fürwahr und ganz von Begierde beherrscht ist der König Daśaratha,'

Wort für Wort
tam tu mām jīva-lokaḥ ayam
mich aber wird diese lebende Welt
nūnam ākroṣṭum arhati
gewiss verfluchen dürfen
bāliśaḥ bata kāma-ātmā
'töricht fürwahr, von Begierde beherrscht'
rājā daśarathaḥ bhṛśam
der König Daśaratha, überaus'

yaḥ strīkṛte priyam putram vanam prasthāpayiṣyati / vrataiśca brahmacaryaiśca gurubhiścapakarśitaḥ

der um einer Frau willen seinen geliebten Sohn in den Wald schicken wird, ihn, der durch Gelübde, Keuschheit und Lehrer wohlerzogen und dennoch abgemagert ist.'

Wort für Wort
yaḥ strī-kṛte priyam putram
der um einer Frau willen den geliebten Sohn
vanam prasthāpayiṣyati
in den Wald schicken wird
vrataiḥ ca brahmacaryaiḥ ca
durch Gelübde und Keuschheit
gurubhiḥ ca apakarśitaḥ
und von den Lehrern abgemagert

bhogakāle mahatkṛcchram punareva prapatsyate / nālam dvitīyam vacanam putro mām prati bhāṣitum

'Gerade zur Zeit des Genusses gerät er nun wieder in große Not.' Nicht wird mein Sohn ein zweites Wort zu mir sprechen, um sich zu widersetzen –

Wort für Wort
bhoga-kāle mahat kṛcchram
zur Zeit des Genusses große Not
punaḥ eva prapatsyate
wird er wieder erlangen
na alam dvitīyam vacanam
nicht wird ein zweites Wort
putraḥ mām prati bhāṣitum
mein Sohn zu mir sprechen

sa vanam pravrajetyukto bāḍhamityeva vakṣyati / yadi me rāghavaḥ kuryādvanam gacceti coditaḥ

wenn er, 'geh in den Wald', angesprochen, nur 'Gewiss' sagen wird. Wenn Rāghava mir, aufgefordert 'geh in den Wald', gehorchte,

Wort für Wort
sa vanam pravraja iti uktaḥ
er, 'geh in den Wald' angesprochen
bāḍham iti eva vakṣyati
wird nur 'gewiss' sagen
yadi me rāghavaḥ kuryāt
wenn Rāghava mir gehorchte
vanam gaccha iti coditaḥ
aufgefordert 'geh in den Wald'

pratikūlam priyam me syānna tu vatsaḥ kariṣyati / śuddhibhāvo hi bhāvam me na tu jñāsyati rāghavaḥ

wäre mir das Widrige lieb – doch mein Kind wird das nicht tun; sein reiner Sinn wird meine heimliche Gesinnung nicht erkennen, Rāghava.

Wort für Wort
pratikūlam priyam me syāt
das Widrige wäre mir lieb
na tu vatsaḥ kariṣyati
doch mein Kind wird es nicht tun
śuddhi-bhāvaḥ hi bhāvam me
denn sein reiner Sinn meine Gesinnung
na tu jñāsyati rāghavaḥ
wird Rāghava nicht erkennen

sa vanam pravraje tyuktobāḍha vityeva vakṣyati / rāghave hi vanam prāpte sarvalokasya dhikkṛtam

Er wird, 'geh in den Wald' angesprochen, nur 'Gewiss' sagen. Denn wenn Rāghava in den Wald gegangen ist, wird alle Welt mich verachten,

Wort für Wort
sa vanam pravraja iti uktaḥ
er, 'geh in den Wald' angesprochen
bāḍham iti eva vakṣyati
wird nur 'gewiss' sagen
rāghave hi vanam prāpte
denn wenn Rāghava im Wald angelangt ist
sarva-lokasya dhikkṛtam
wird [mich] alle Welt verachten

mṛtyurakṣamaṇīyam mām nayiṣyati yamakṣayam / mṛte mayi gate rāme vanam manujapuṅgave

wird der unerbittliche Tod mich zu Yamas Reich führen. Wenn ich gestorben und Rāma, der Stier unter den Menschen, in den Wald gegangen ist,

Wort für Wort
mṛtyuḥ akṣamaṇīyam mām
der unerbittliche Tod wird mich
nayiṣyati yama-kṣayam
zu Yamas Reich führen
mṛte mayi gate rāme
wenn ich gestorben, Rāma gegangen ist
vanam manuja-puṅgave
in den Wald, der Stier der Menschen

iṣṭe mama jane śeṣe kim pāpam prativatsyase / kausalyā mām ca rāmam ca putrau ca yadi hāsyati

was für ein Unrecht wirst du dann, bei meinem übrig gebliebenen geliebten Volk, weiter begehen? Wenn Kausalyā mich und Rāma und ihre beiden Söhne verliert,

Wort für Wort
iṣṭe mama jane śeṣe
bei meinem übrig gebliebenen geliebten Volk
kim pāpam prativatsyase
was für ein Unrecht wirst du weiter begehen
kausalyā mām ca rāmam ca
wenn Kausalyā mich und Rāma
putrau ca yadi hāsyati
und die beiden Söhne verliert

duḥkhānyasahatī devī māmevānumariṣyati / kausalyām ca sumitrām ca mām ca putraistribhiḥ saha

wird die Herrin, das Leid nicht ertragend, mir im Tod folgen. Kausalyā und Sumitrā und mich, samt den drei Söhnen,

Wort für Wort
duḥkhāni asahatī devī
die Herrin, das Leid nicht ertragend
mām eva anumariṣyati
wird mir im Tod folgen
kausalyām ca sumitrām ca
Kausalyā und Sumitrā
mām ca putraiḥ tribhiḥ saha
und mich, samt den drei Söhnen

prakṣivya narake sā tvam kaikeyi sukhitā bhava / mayā rāmeṇa ca tyaktam śāśvatam satkṛtam guṇaiḥ

in die Hölle stürzend, sei du, Kaikeyī, glücklich! Was von mir und Rāma verlassen wird – das ewige, durch Tugenden geehrte

Wort für Wort
prakṣivya narake
in die Hölle stürzend
sā tvam kaikeyi sukhitā bhava
sei du, Kaikeyī, glücklich
mayā rāmeṇa ca tyaktam
von mir und Rāma verlassen
śāśvatam satkṛtam guṇaiḥ
das ewige, durch Tugenden geehrte

ikṣvākukulamakṣobhyamākulam pālayiṣyasi / priyam cedbharatasyaitadrāmapravrājanam bhavet

unerschütterliche Ikṣvāku-Geschlecht, wirst du dann in Verwirrung regieren. Wenn dies, Rāmas Verbannung, Bharata wirklich lieb wäre –

Wort für Wort
ikṣvāku-kulam akṣobhyam
das unerschütterliche Ikṣvāku-Geschlecht
ākulam pālayiṣyasi
wirst du in Verwirrung regieren
priyam cet bharatasya etat
wenn dies Bharata lieb wäre
rāma-pravrājanam bhavet
nämlich Rāmas Verbannung

mā sma me bharataḥ kārṣīt pretakṛtyam gatāyuṣaḥ / hantānārye mamāmitre sakāmā bhava kaikayi

dann möge Bharata mir, dem Verstorbenen, nicht die Totenriten vollziehen! Wohlan, du Unedle, meine Feindin, sei nach deinem Wunsch zufrieden, Kaikeyī!

Wort für Wort
mā sma me bharataḥ kārṣīt
möge Bharata mir nicht vollziehen
preta-kṛtyam gata-āyuṣaḥ
die Totenriten, dem Verstorbenen
hanta anārye mama amitre
wohlan, du Unedle, meine Feindin
sakāmā bhava kaikeyi
sei nach deinem Wunsch zufrieden, Kaikeyī

mṛte mayi gate rāme vanam puruṣapuṅgave / sedānīm vidhavā rājyam saputrā kārayiṣyasi

Wenn ich tot bin und Rāma, der Stier unter den Männern, in den Wald gegangen ist, wirst du dann, verwitwet, mit deinem Sohn, das Königtum ausüben.

Wort für Wort
mṛte mayi gate rāme
wenn ich gestorben, Rāma gegangen ist
vanam puruṣa-puṅgave
in den Wald, der Stier der Männer
sā idānīm vidhavā rājyam
du wirst dann, verwitwet, das Königtum
saputrā kārayiṣyasi
mit deinem Sohn ausüben

tvam rājaputrīvādena nyavaso mama veśmani / akīrtiścātulā loke dhruvaḥ paribhavaśca me

Du hast, unter dem Namen einer Königstochter, in meinem Haus gewohnt; unvergleichliche Schande und gewisse Schmach werden mir nun in der Welt zuteil.

Wort für Wort
tvam rāja-putrī-vādena
du, unter dem Namen einer Königstochter
nyavasaḥ mama veśmani
hast in meinem Haus gewohnt
akīrtiḥ ca atulā loke
und unvergleichliche Schande in der Welt
dhruvaḥ paribhavaḥ ca me
und gewisse Schmach wird mir zuteil

sarvabhūteṣu cāvajñā yathā pāpakṛtastathā / katham rathairvibhurgatvā gajāśvaiśca muhurmuhuḥ

Und Verachtung von allen Wesen, wie einem Übeltäter. Wie soll er, der einst mit Wagen, Elefanten und Pferden immer wieder fuhr, mächtig,

Wort für Wort
sarva-bhūteṣu ca avajñā
und Verachtung bei allen Wesen
yathā pāpa-kṛtaḥ tathā
wie bei einem Übeltäter, so
katham rathaiḥ vibhuḥ gatvā
wie [wird] er, mächtig, mit Wagen gefahren
gaja-aśvaiḥ ca muhuḥ muhuḥ
und mit Elefanten und Pferden immer wieder

padbhyām rāmo mahāraṇye vatso me vicariṣyati / yasya tvāhārasamaye sūdāḥ kuṇḍaladhāriṇaḥ

mein Kind Rāma nun zu Fuß im großen Wald umherwandern? Er, für den zur Essenszeit die Köche, mit Ohrringen geschmückt,

Wort für Wort
padbhyām rāmaḥ mahā-araṇye
zu Fuß Rāma im großen Wald
vatsaḥ me vicariṣyati
mein Kind wird umherwandern
yasya tu āhāra-samaye
für den zur Essenszeit
sūdāḥ kuṇḍala-dhāriṇaḥ
die Köche, mit Ohrringen geschmückt

ahampurvāḥ pacanti sma praśastam pānabhojanam / sa kathannu kaṣāyāṇi tiktāni kaṭukāni ca

als erste vorzügliche Speisen und Getränke bereiteten – wie soll er nun herbe, bittere und scharfe

Wort für Wort
aham-pūrvāḥ pacanti sma
als erste bereiteten
praśastam pāna-bhojanam
vorzügliche Speisen und Getränke
sa katham nu kaṣāyāṇi
wie soll er nun herbe
tiktāni kaṭukāni ca
bittere und scharfe

bhakṣayanvanyamāhāram suto me vartayiṣyati / mahārhavastrasamvīto bhūtvā cirasukhoṣitaḥ

wilde Nahrung essen, mein Sohn, sein Leben fristen? Er, der einst in kostbare Gewänder gehüllt, lange im Glück gelebt hat –

Wort für Wort
bhakṣayan vanyam āhāram
wilde Nahrung essend
sutaḥ me vartayiṣyati
wird mein Sohn sein Leben fristen
mahārha-vastra-saṃvītaḥ bhūtvā
in kostbare Gewänder gehüllt gewesen
cira-sukha-uṣitaḥ
lange im Glück gelebt habend

kāśāyaparidhānastu katham bhūmau nivatsyati / kasyaitaddhāruṇam vākyamevam vidhamacintitam

wie wird er, nun in ockerfarbenes Gewand gekleidet, auf dem bloßen Boden nächtigen? Wessen Werk ist dieses schreckliche, so unvorstellbare Wort?

Wort für Wort
kāṣāya-paridhānaḥ tu
in ockerfarbenes Gewand gekleidet
katham bhūmau nivatsyati
wie wird er auf dem Boden nächtigen
kasya etat dāruṇam vākyam
wessen ist dieses schreckliche Wort
evaṃ-vidham acintitam
dieser Art, unvorstellbar

rāmasyāraṇyagavanam bharatasyaiva mātaram / dhigastu yoṣito nāma śaṭhāḥ svārthaparāssadā

Rāmas Verbannung in den Wald – von Bharatas eigener Mutter! Verwünscht seien die Frauen, hinterlistig und stets nur auf den eigenen Vorteil bedacht!

Wort für Wort
rāmasya araṇya-gavanam
Rāmas Verbannung in den Wald
bharatasya eva mātaram
von Bharatas eigener Mutter [ausgehend]
dhik astu yoṣitaḥ nāma
verwünscht seien die Frauen
śaṭhāḥ svārtha-parāḥ sadā
hinterlistig, stets auf eigenen Vorteil bedacht

na bravīmi striyaḥ sarvā bharatasyaiva mātaram / anarthabhāve.arthapare nṛśaṃse

'Ich rede nicht von allen Frauen schlecht – nur von Bharatas eigener Mutter, die im Unheil ihren Vorteil sucht, du Grausame,'

Wort für Wort
na bravīmi striyaḥ sarvāḥ
ich rede nicht schlecht von allen Frauen
bharatasya eva mātaram
nur von Bharatas eigener Mutter
anartha-bhāve artha-pare
die im Unheil ihren Vorteil sucht
nṛśaṃse
du Grausame

mamānutāpāya niviṣṭabhāve / kimapriyam paśyasi mannimittam / hitānukāriṇyathavāpi rāme / parityajeyuḥ pitaro hi putrān / bhāryāḥ vatīṃścāpi kṛtānurāgāḥ / kṛtsnam hi sarvam kupitam jagatsyāt

'die auf meine Reue aus ist – was für Unerfreuliches siehst du denn meinetwegen, oder als vermeintliches Wohl für Rāma? Väter mögen ihre Söhne verlassen, Gattinnen ihre einst geliebten Männer – die ganze Welt geriete in Aufruhr, sähe sie dies.'

Wort für Wort
mama anutāpāya niviṣṭa-bhāve
du, auf meine Reue aus
kim apriyam paśyasi mat-nimittam
was Unerfreuliches siehst du meinetwegen
hita-anukāriṇi athavā api rāme
oder als vermeintliches Wohl für Rāma
parityajeyuḥ pitaraḥ hi putrān
Väter mögen ihre Söhne verlassen
bhāryāḥ patīn ca api kṛta-anurāgāḥ
Gattinnen ihre einst geliebten Gatten
kṛtsnam hi sarvam kupitam jagat syāt
die ganze Welt geriete in Aufruhr

aham punardevakumārarūpam / tam sutamāvrajantam / nandāmi paśyannapi darśanena / bhavāmi dṛṣṭvā ca punaryuveva

'Sehe ich aber jenen Sohn von göttergleicher Gestalt herankommen, so freue ich mich schon beim bloßen Anblick, und sehe ich ihn, werde ich gleichsam wieder jung.'

Wort für Wort
aham punaḥ deva-kumāra-rūpam
ich aber, seine göttergleiche Gestalt
tam sutam āvrajantam
jenen Sohn herankommend
nandāmi paśyan api darśanena
freue ich mich schon beim bloßen Anblick
bhavāmi dṛṣṭvā ca punaḥ yuvā iva
und werde, ihn sehend, gleichsam wieder jung

vināpi sūryeṇa bhavetpravṛtti / ravarṣtā vajradhareṇa vāpi / rāmam tu gacchantamitaḥ samīkṣya / jīvenna kaścittviti cetanā me

'Auch ohne Sonne könnte es Bewegung geben, oder Regen ohne den Blitzträger Indra – doch dass jemand lebt, nachdem er Rāma von hier fortgehen gesehen hat, das, meine ich, könnte niemand.'

Wort für Wort
vinā api sūryeṇa bhavet pravṛttiḥ
auch ohne Sonne könnte es Bewegung geben
varṣatā vajra-dhareṇa vā api
oder Regen durch den Blitzträger
rāmam tu gacchantam itaḥ samīkṣya
doch Rāma von hier fortgehen sehend
jīvet na kaścit iti cetanā me
könnte niemand leben, so meine ich

vināśakāmāmahitāmamitrā / māvāsayam mṛtyumivātmanastvam / ciram batāṅkena dhṛtāsi sarpī / mahāviṣa tena hato.asmi mohāt

'Dich, die Verderben Wünschende, Unheilvolle, Feindin, habe ich, wie meinen eigenen Tod, bei mir wohnen lassen. Lange fürwahr habe ich dich, eine Schlange, an meinem Schoß gehegt – von ihrem starken Gift bin ich nun aus Torheit vergiftet.'

Wort für Wort
vināśa-kāmām ahitām amitrām
dich, die Verderben Wünschende, Unheilvolle, Feindin
mā avāsayam mṛtyum iva ātmanaḥ tvam
habe ich, wie meinen eigenen Tod, bei mir wohnen lassen
ciram bata aṅkena dhṛtā asi sarpī
lange fürwahr am Schoß gehegt, eine Schlange
mahā-viṣa tena hataḥ asmi mohāt
von ihrem starken Gift bin ich aus Torheit vergiftet

mayā ca rāmeṇa salakṣmaṇena / praśāstu hīno bharatastvayā saha / puram ca rāṣṭram ca nihatya bāndhavān / mamāhitānām ca bhavābhiharṣiṇī

'Beraubt meiner selbst und Rāmas samt Lakṣmaṇa, mag Bharata zusammen mit dir herrschen, nachdem er Stadt, Reich und Verwandte vernichtet hat – du, die sich an meinem Unheil erfreut!'

Wort für Wort
mayā ca rāmeṇa sa-lakṣmaṇena
meiner selbst und Rāmas samt Lakṣmaṇa
praśāstu hīnaḥ bharataḥ tvayā saha
beraubt, mag Bharata mit dir herrschen
puram ca rāṣṭram ca nihatya bāndhavān
nachdem er Stadt, Reich und Verwandte vernichtet hat
mama ahitānām ca bhava-abhiharṣiṇī
du, die sich an meinem Unheil erfreut

nṛśaṃsavṛtte vyasanaprahāriṇi / prasahya vākyam yadihādya bhāṣase / na nāma te kena mukhātpatantyadho / viśīryamāṇā daśanā ssahasradhā

'Du Grausame, die du mit Unglück zuschlägst – dass du hier heute mit solcher Gewalt sprichst, wie kommt es, dass dir da nicht die Zähne aus dem Mund fallen, tausendfach zersplitternd?'

Wort für Wort
nṛśaṃsa-vṛtte vyasana-prahāriṇi
du Grausame, die mit Unglück zuschlägt
prasahya vākyam yat iha adya bhāṣase
dass du hier heute mit Gewalt sprichst
na nāma te kena mukhāt patanti adhaḥ
wie fallen dir da nicht aus dem Mund
viśīryamāṇāḥ daśanāḥ sahasradhā
die Zähne, tausendfach zersplitternd

na kiṃcidāhāhitamapriyam vaco / na vetti rāmaḥ paruśāṇi bhāṣitum / kathannu rāme hyabhirāmavādini / bravīṣi doṣān guṇanityasammate

'Nichts Unheilvolles oder Unerfreuliches hat er je gesagt; Rāma weiß nicht, harte Worte zu sprechen. Wie kannst du nur von Rāma, dem freundlich Redenden, Fehler behaupten – von ihm, der stets im Einklang mit der Tugend steht?'

Wort für Wort
na kiñcit āha ahitam apriyam vacaḥ
nichts Unheilvolles oder Unerfreuliches hat er gesagt
na vetti rāmaḥ paruṣāṇi bhāṣitum
Rāma weiß nicht, harte Worte zu sprechen
katham nu rāme hi abhirāma-vādini
wie nur von Rāma, dem freundlich Redenden
bravīṣi doṣān guṇa-nitya-sammate
behauptest du Fehler, von ihm, der stets tugendhaft ist

pratāmya vā prajvala vā praṇaśya vā / sahasraśo vā sphuṭitā mahīm vraja / na te kariṣyami vacaḥ sudāruṇam / mamāhitam kekayarājapāṃsani

'Verzehre dich, oder entflamme, oder vergehe, oder zerspringe tausendfach und fahre in die Erde – dein überaus schreckliches, mir schädliches Wort werde ich nicht erfüllen, du Schande des Kekaya-Königsgeschlechts!'

Wort für Wort
pratāmya vā prajvala vā
verzehre dich oder entflamme
praṇaśya vā sahasraśaḥ vā
oder vergehe, oder tausendfach
sphuṭitā mahīm vraja
zerspringend fahre in die Erde
na te kariṣyāmi vacaḥ su-dāruṇam mama ahitam kekaya-rāja-pāṃsani
dein überaus schreckliches, mir schädliches Wort werde ich nicht erfüllen, du Schande des Kekaya-Königsgeschlechts

kṣuropamām nityamasatpriyamvadām / praduṣṭabhāvām svakulopaghātinīm / na jīvitum tvām viṣahe.amanoramām / didhakṣamāṇām hṛdayam sabandhanam

'Dich, dem Rasiermesser gleich, stets falsch und doch süß redend, von verderbter Gesinnung, deinem eigenen Geschlecht zum Verderben – dich, die Unliebliche, die mein Herz samt seiner Bindung verbrennen will, ertrage ich nicht mehr am Leben zu sehen.'

Wort für Wort
kṣura-upamām nityam asat-priyaṃvadām
dem Rasiermesser gleich, stets falsch und süß redend
praduṣṭa-bhāvām sva-kula-upaghātinīm
von verderbter Gesinnung, dem eigenen Geschlecht zum Verderben
na jīvitum tvām viṣahe amanoramām
ertrage ich nicht mehr, dich Unliebliche, am Leben zu sehen
didhakṣamāṇām hṛdayam sa-bandhanam
die mein Herz samt seiner Bindung verbrennen will

na jīvitam me.asti punaḥ kutaḥ sukham / vinātmajenātmavataḥ kuto ratiḥ / mamāhitam devi na kartumarhasi / spṛśāmi pādāvapi te prasīda me

'Kein Leben ist mir mehr, geschweige denn Glück; ohne den Sohn, welche Freude bliebe dem Selbstbeherrschten? Tu mir, o Herrin, nichts Schädliches an – ich berühre sogar deine Füße, sei mir gnädig!'

Wort für Wort
na jīvitam me asti punaḥ kutaḥ sukham
kein Leben ist mir mehr, geschweige denn Glück
vinā ātmajena ātmavataḥ kutaḥ ratiḥ
ohne den Sohn, welche Freude bliebe dem Selbstbeherrschten
mama ahitam devi na kartum arhasi
tu mir, o Herrin, nichts Schädliches an
spṛśāmi pādau api te prasīda me
ich berühre sogar deine Füße, sei mir gnädig

sa bhūmipalo vilapannanāthavat / strīyā gṛhīto hṛdaye.atimātrayā / papāta devyāścaraṇau prasāritā / pubhāvasamprāpya yathāturastathā

So klagend, wie ohne Beschützer, von der Frau übermäßig im Herzen ergriffen, fiel der Erdenherrscher vor die ausgestreckten Füße der Herrin nieder, wie ein Kranker, der die Fassung verloren hat.

Wort für Wort
sa bhūmipālaḥ vilapan anāthavat
so klagend, wie ohne Beschützer, der Erdenherrscher
striyā gṛhītaḥ hṛdaye atimātrayā
von der Frau übermäßig im Herzen ergriffen
papāta devyāḥ caraṇau prasāritā
fiel vor die ausgestreckten Füße der Herrin
prabhāvam saṃprāpya yathā āturaḥ tathā
wie ein Kranker, der die Fassung verloren hat

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