Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa
Sarga 18: Rāma Vana Gamana Ājñā
Kaikeyī offenbart Rāma die zwei alten Wunschgewährungen: Bharatas Krönung und Rāmas vierzehnjährige Verbannung
sa dadarśa āsane rāmaḥ niṣaṇṇam pitaram śubhe / kaikeyī-sahitam dīnam mukhena pariśuṣyatā
Rāma erblickte den Vater, auf einem prächtigen Sitz weilend, zusammen mit Kaikeyī, elend, mit welkem Antlitz.
Wort für Wort sa dadarśa āsane rāmaḥ Rāma erblickte auf dem Sitz niṣaṇṇam pitaram śubhe den Vater weilend, auf dem prächtigen kaikeyī-sahitam dīnam zusammen mit Kaikeyī, elend mukhena pariśuṣyatā mit welkem Antlitz sa pituḥ caraṇau pūrvam abhivādya vinīta-vat / tataḥ vavande caraṇau kaikeyyāḥ su-samāhitaḥ
Er verehrte zuerst demütig die Füße des Vaters, dann verehrte er, ganz gefasst, die Füße Kaikeyīs.
Wort für Wort sa pituḥ caraṇau pūrvam er die Füße des Vaters zuerst abhivādya vinīta-vat demütig verehrend tataḥ vavande caraṇau dann verehrte er die Füße kaikeyyāḥ su-samāhitaḥ Kaikeyīs, ganz gefasst rāma iti uktvā ca vacanam vāṣpa-paryākula-īkṣaṇaḥ / śaśāka nṛpatiḥ dīnaḥ na īkṣitum na abhibhāṣitum
Nachdem der König 'Rāma' gesagt hatte, mit von Tränen verwirrten Augen, vermochte der elende Herrscher weder ihn anzusehen noch weiter zu sprechen.
Wort für Wort rāma iti uktvā ca vacanam nachdem er das Wort 'Rāma' gesagt hatte vāṣpa-paryākula-īkṣaṇaḥ mit von Tränen verwirrten Augen śaśāka nṛpatiḥ dīnaḥ vermochte der elende Herrscher na īkṣitum na abhibhāṣitum weder anzusehen noch zu sprechen tat apūrvam nara-pateḥ dṛṣṭvā rūpam bhaya-āvaham / rāmaḥ api bhayam āpannaḥ padā spṛṣṭvā iva pannagam
Als Rāma jenen nie zuvor gesehenen, furchterregenden Anblick des Herrschers der Menschen erblickte, geriet auch er in Furcht, wie einer, der mit dem Fuß eine Schlange berührt hat.
Wort für Wort tat apūrvam nara-pateḥ jenen nie zuvor gesehenen Anblick des Herrschers der Menschen dṛṣṭvā rūpam bhaya-āvaham erblickend, den furchterregenden Anblick rāmaḥ api bhayam āpannaḥ geriet auch Rāma in Furcht padā spṛṣṭvā iva pannagam wie einer, der mit dem Fuß eine Schlange berührt hat indriyaiḥ aprahṛṣṭaiḥ tam śoka-saṃtāpa-karśitam / niḥśvasantam mahā-rājam vyathita-ākula-cetasam
Er sah den großen König mit unfrohen Sinnen, von Kummer und Qual abgezehrt, aufseufzend, verstörten, verwirrten Geistes,
Wort für Wort indriyaiḥ aprahṛṣṭaiḥ tam ihn, mit unfrohen Sinnen śoka-saṃtāpa-karśitam von Kummer und Qual abgezehrt niḥśvasantam mahā-rājam den großen König aufseufzend vyathita-ākula-cetasam verstörten, verwirrten Geistes ūrmi-mālinam akṣobhyam kṣubhyantam iva sāgaram / upaplutam iva ādityam ukta-anṛtam ṛṣim yathā
gleich dem sonst unerschütterlichen, wellenumkränzten Ozean, der dennoch in Aufruhr geraten war, gleich der verfinsterten Sonne, gleich einem Seher, der eine Unwahrheit gesprochen hat.
Wort für Wort ūrmi-mālinam akṣobhyam dem wellenumkränzten, unerschütterlichen kṣubhyantam iva sāgaram wie dem in Aufruhr geratenen Ozean upaplutam iva ādityam wie der verfinsterten Sonne ukta-anṛtam ṛṣim yathā wie einem Seher, der eine Unwahrheit gesprochen hat acintya-kalpam hi pituḥ tam śokam upadhārayan / babhūva samrabdha-taraḥ samudraḥ iva parvaṇi
Diesen unfassbaren Kummer des Vaters wahrnehmend, wurde er immer erregter, wie das Meer am Tag des Vollmonds.
Wort für Wort acintya-kalpam hi pituḥ fürwahr diesen unfassbaren Kummer des Vaters tam śokam upadhārayan diesen Kummer wahrnehmend babhūva samrabdha-taraḥ wurde er immer erregter samudraḥ iva parvaṇi wie das Meer am Vollmondtag cintayām āsa ca tadā rāmaḥ pitṛ-hite rataḥ / kiṃsvid adya eva nṛpatiḥ na mām pratyabhinandati
Rāma, dem Wohl des Vaters ergeben, überlegte da: 'Was mag es nur sein, dass der Herrscher mich heute nicht freundlich begrüßt?'
Wort für Wort cintayām āsa ca tadā rāmaḥ Rāma überlegte da pitṛ-hite rataḥ dem Wohl des Vaters ergeben kiṃsvid adya eva nṛpatiḥ was mag es nur sein, dass der Herrscher heute na mām pratyabhinandati mich nicht freundlich begrüßt anyadā mām pitā dṛṣṭvā kupitaḥ api prasīdati / tasya mām adya samprekṣya kim āyāsaḥ pravartate
'Sonst wird mein Vater, wenn er mich sieht, selbst im Zorn heiter; was für eine Bedrängnis erhebt sich nun bei ihm, da er mich heute erblickt?'
Wort für Wort anyadā mām pitā dṛṣṭvā sonst wird mein Vater, mich sehend kupitaḥ api prasīdati auch im Zorn heiter tasya mām adya samprekṣya bei ihm, mich heute erblickend kim āyāsaḥ pravartate welche Bedrängnis erhebt sich sa dīnaḥ eva śoka-ārtaḥ viṣaṇṇa-vadana-dyutiḥ / kaikeyīm abhivādya eva rāmaḥ vacanam abravīt
Er, elend, von Kummer geplagt, mit betrübtem, glanzlosem Antlitz, sprach, nachdem er Kaikeyī gegrüßt hatte, dieses Wort:
Wort für Wort sa dīnaḥ eva śoka-ārtaḥ er, elend, von Kummer geplagt viṣaṇṇa-vadana-dyutiḥ mit betrübtem, glanzlosem Antlitz kaikeyīm abhivādya eva nachdem er Kaikeyī gegrüßt hatte rāmaḥ vacanam abravīt sprach Rāma dieses Wort kaccit mayā na aparādham ajñānāt yena me pitā / kupitaḥ tat mama ācakṣva tvam ca eva enam prasādaya
'Habe ich nicht unwissentlich ein Vergehen begangen, weswegen mein Vater zornig ist? Sage es mir, und besänftige du selbst ihn.'
Wort für Wort kaccit mayā na aparādham habe ich etwa nicht ein Vergehen ajñānāt yena me pitā unwissentlich begangen, weswegen mein Vater kupitaḥ tat mama ācakṣva zornig ist – sage mir dies tvam ca eva enam prasādaya und besänftige du selbst ihn aprasanna-manāḥ kim nu sadā mām prati vatsalaḥ / vivarṇa-vadanaḥ dīnaḥ na hi mām abhibhāṣate
'Warum nur ist er, der mir sonst stets so zugetan ist, so übler Stimmung? Mit bleichem Antlitz, elend, spricht er nicht zu mir.'
Wort für Wort aprasanna-manāḥ kim nu warum nur ist er übler Stimmung sadā mām prati vatsalaḥ er, der mir sonst stets zugetan ist vivarṇa-vadanaḥ dīnaḥ mit bleichem Antlitz, elend na hi mām abhibhāṣate spricht er nicht zu mir śārīraḥ mānasaḥ vā api kaccit enam na bādhate / saṃtāpaḥ vā abhitāpaḥ vā durlabham hi sadā sukham
'Bedrängt ihn nicht etwa ein körperliches oder seelisches Leiden, ein Kummer oder eine Qual? Glück ist ja stets schwer zu erlangen.'
Wort für Wort śārīraḥ mānasaḥ vā api ein körperliches oder auch seelisches kaccit enam na bādhate bedrängt ihn nicht etwa saṃtāpaḥ vā abhitāpaḥ vā ein Kummer oder eine Qual durlabham hi sadā sukham Glück ist ja stets schwer zu erlangen kaccit na kiṃcit bharate kumāre priya-darśane / śatrughne vā mahā-sattve mātṝṇām vā mama aśubham
'Ist nicht etwa dem Bharata, dem lieblich anzuschauenden Prinzen, oder Śatrughna, dem hochherzigen, oder einer meiner Mütter Unheil widerfahren?'
Wort für Wort kaccit na kiṃcit bharate kumāre ist nicht etwa dem Prinzen Bharata priya-darśane dem lieblich anzuschauenden śatrughne vā mahā-sattve oder Śatrughna, dem hochherzigen mātṝṇām vā mama aśubham oder einer meiner Mütter Unheil widerfahren a-toṣayan mahā-rājam akurvan vā pituḥ vacaḥ / muhūrtam api na icceyam jīvitum kupite nṛpe
'Sollte ich den großen König nicht zufriedengestellt oder das Wort des Vaters nicht befolgt haben, so wollte ich nicht einmal einen Augenblick leben, während der König zürnt.'
Wort für Wort a-toṣayan mahā-rājam den großen König nicht zufriedenstellend akurvan vā pituḥ vacaḥ oder das Wort des Vaters nicht befolgend muhūrtam api na icceyam jīvitum wollte ich nicht einmal einen Augenblick leben kupite nṛpe während der König zürnt yataḥ mūlam naraḥ paśyet prādur-bhāvam iha ātmanaḥ / katham tasmin na varteta pratyakṣe sati daivate
'Denjenigen, in dem ein Mensch die Wurzel seines eigenen Daseins hier erblickt – wie könnte er sich diesem gegenüber nicht ergeben verhalten, da er ja eine sichtbare Gottheit ist?'
Wort für Wort yataḥ mūlam naraḥ paśyet denjenigen, in dem ein Mensch die Wurzel erblickt prādur-bhāvam iha ātmanaḥ seines eigenen Daseins hier katham tasmin na varteta wie könnte er sich ihm gegenüber nicht ergeben verhalten pratyakṣe sati daivate da er eine sichtbare Gottheit ist kaccit te paruṣam kiṃcit abhimānāt pitā mama / uktaḥ bhavatyā kopena yatra asya lulitam manaḥ
'Habe ich, mein Vater, dir etwa aus Stolz ein hartes Wort gesagt, worüber du im Zorn bist und wodurch sein Geist verstört ist?'
Wort für Wort kaccit te paruṣam kiṃcit habe ich dir etwa etwas Hartes abhimānāt pitā mama aus Stolz, mein Vater uktaḥ bhavatyā kopena gesagt, worüber du im Zorn bist yatra asya lulitam manaḥ wodurch sein Geist verstört ist etat ācakṣva me devi tattvena paripṛcchataḥ / kim nimittam apūrvaḥ ayam vikāraḥ manuja-adhipe
'Sage mir dies, o Herrin, der ich dich der Wahrheit gemäß frage: was ist der Grund für diese nie zuvor gesehene Veränderung beim Herrscher der Menschen?'
Wort für Wort etat ācakṣva me devi sage mir dies, o Herrin tattvena paripṛcchataḥ dem ich der Wahrheit gemäß frage kim nimittam apūrvaḥ ayam vikāraḥ was ist der Grund für diese nie zuvor gesehene Veränderung manuja-adhipe beim Herrscher der Menschen evam-uktā tu kaikeyī rāghaveṇa mahā-ātmanā / uvāca idam su-nirlajjā dhṛṣṭam ātma-hitam vacaḥ
So von dem hochgesinnten Rāghava angesprochen, sprach Kaikeyī, ganz ohne Scham, dieses dreiste, ihrem eigenen Vorteil dienende Wort:
Wort für Wort evam-uktā tu kaikeyī so aber angesprochen, Kaikeyī rāghaveṇa mahā-ātmanā von dem hochgesinnten Rāghava uvāca idam su-nirlajjā sprach sie, ganz ohne Scham, dies dhṛṣṭam ātma-hitam vacaḥ dreistes, ihrem eigenen Vorteil dienendes Wort na rājā kupitaḥ rāma vyasanam na asya kiṃcana / kiṃcit mano-gatam tu asya tvat-bhayāt na abhibhāṣate
'Nicht ist der König zornig, Rāma, kein Unglück hat ihn getroffen; nur ein gewisses Anliegen liegt ihm im Sinn, das er aus Furcht vor dir nicht ausspricht.'
Wort für Wort na rājā kupitaḥ rāma nicht ist der König zornig, Rāma vyasanam na asya kiṃcana kein Unglück ist ihm widerfahren kiṃcit mano-gatam tu asya nur ein gewisses Anliegen ist ihm im Sinn tvat-bhayāt na abhibhāṣate aus Furcht vor dir spricht er es nicht priyam tvām apriyam vaktum vāṇī na asya upapadyate / tat avaśyam tvayā kāryam yat anena āśrutam mama
'Dir, dem Lieben, Unliebes zu sagen, dazu findet seine Stimme sich nicht bereit. Doch das musst du unbedingt tun, was er mir zugesagt hat.'
Wort für Wort priyam tvām apriyam vaktum dir, dem Lieben, Unliebes zu sagen vāṇī na asya upapadyate dazu findet seine Stimme sich nicht tat avaśyam tvayā kāryam dies musst du unbedingt tun yat anena āśrutam mama was mir von ihm zugesagt wurde eṣaḥ mahyam varam dattvā purā mām abhipūjya ca / sa paścāt tapyate rājā yathā anyaḥ prākṛtaḥ tathā
'Dieser hier, der mir einst eine Gabe gewährt und mich geehrt hat, grämt sich jetzt nachträglich, der König, wie irgendein gewöhnlicher Mensch.'
Wort für Wort eṣaḥ mahyam varam dattvā dieser, mir eine Gabe gewährt habend purā mām abhipūjya ca und mich einst geehrt habend sa paścāt tapyate rājā grämt er sich jetzt, der König yathā anyaḥ prākṛtaḥ tathā wie irgendein gewöhnlicher Mensch atisṛjya dadāni iti varam mama viśāmpatiḥ / sa nirartham gata-jale setum bandhitum icchati
'Nachdem der Herr der Untertanen mir versprochen hatte: "Ich gewähre dir eine Gabe", will er nun vergeblich einen Damm bauen, wo das Wasser schon entwichen ist.'
Wort für Wort atisṛjya dadāni iti varam nachdem er versprochen hatte, 'ich gewähre die Gabe' mama viśāmpatiḥ mir, der Herr der Untertanen sa nirartham gata-jale er will nun vergeblich, wo das Wasser entwichen ist setum bandhitum icchati einen Damm bauen dharma-mūlam idam rāma viditam ca satām api / tat satyam na tyajet rājā kupitaḥ tvat-kṛte yathā
'Dies hier ist in der Pflicht verwurzelt, Rāma, und den Rechtschaffenen wohlbekannt: der König sollte diese Wahrheit nicht aufgeben, so zornig er auch deinetwegen ist.'
Wort für Wort dharma-mūlam idam rāma dies hier ist in der Pflicht verwurzelt, Rāma viditam ca satām api und den Rechtschaffenen wohlbekannt tat satyam na tyajet rājā der König sollte diese Wahrheit nicht aufgeben kupitaḥ tvat-kṛte yathā so zornig er auch deinetwegen ist yadi tat vakṣyate rājā śubham vā yadi vā aśubham / kariṣyasi tataḥ sarvam ākhyāmi punaḥ tu aham
'Wenn du – ob es der König nun Gutes oder Übles sagen wird – alles ausführen wirst, dann will ich es dir noch einmal verkünden.'
Wort für Wort yadi tat vakṣyate rājā wenn dies der König sagen wird śubham vā yadi vā aśubham sei es Gutes oder sei es Übles kariṣyasi tataḥ sarvam wirst du dann alles ausführen ākhyāmi punaḥ tu aham so will ich es dir noch einmal verkünden yadi tu abhihitam rājñā tvayi tat na vipatsyate / tataḥ aham abhidhāsyāmi na hi eṣaḥ tvayi vakṣyati
'Wenn aber das, was der König gesagt hat, an dir nicht scheitern wird, dann werde ich es dir sagen; denn dieser wird es dir nicht sagen.'
Wort für Wort yadi tu abhihitam rājñā wenn aber das vom König Gesagte tvayi tat na vipatsyate an dir nicht scheitern wird tataḥ aham abhidhāsyāmi dann werde ich es sagen na hi eṣaḥ tvayi vakṣyati denn dieser wird es dir nicht sagen etat tu vacanam śrutvā kaikeyyā samudāhṛtam / uvāca vyathitaḥ rāmaḥ tām devīm nṛpa-sannidhau
Als er dieses von Kaikeyī gesprochene Wort gehört hatte, sprach der bestürzte Rāma in Gegenwart des Königs zu jener Herrin:
Wort für Wort etat tu vacanam śrutvā dieses Wort aber gehört habend kaikeyyā samudāhṛtam das von Kaikeyī gesprochen wurde uvāca vyathitaḥ rāmaḥ sprach der bestürzte Rāma tām devīm nṛpa-sannidhau zu jener Herrin, in Gegenwart des Königs aho dhik na arhase devi paktum mām īdṛśam vacaḥ / aham hi vacanāt rājñaḥ pateyam api pāvake
'Ach, wehe, o Herrin, du solltest mich nicht mit solchen Worten quälen! Denn auf das Wort des Königs hin würde ich sogar ins Feuer stürzen.'
Wort für Wort aho dhik na arhase devi ach wehe, du solltest nicht, o Herrin paktum mām īdṛśam vacaḥ mich mit solchen Worten quälen aham hi vacanāt rājñaḥ denn ich, auf das Wort des Königs hin pateyam api pāvake würde sogar ins Feuer stürzen bhakṣayeyam viṣam tīkṣṇam majjeyam api ca arṇave / niyuktaḥ guruṇā pitrā nṛpeṇa ca hitena ca
'Ich würde scharfes Gift verzehren, ich würde sogar im Ozean versinken, wenn ich dazu von meinem Lehrer, dem Vater, dem mir wohlgesinnten König, aufgefordert würde.'
Wort für Wort bhakṣayeyam viṣam tīkṣṇam ich würde scharfes Gift verzehren majjeyam api ca arṇave ich würde sogar im Ozean versinken niyuktaḥ guruṇā pitrā dazu aufgefordert vom Lehrer, dem Vater nṛpeṇa ca hitena ca und vom mir wohlgesinnten König tat brūhi vacanam devi rājñaḥ yat abhikāṅkṣitam / kariṣye pratijāne ca rāmaḥ dviḥ na abhibhāṣate
'So sage mir, o Herrin, das Wort, das der König wünscht – ich werde es tun, und ich verspreche es: Rāma spricht nicht zweimal.'
Wort für Wort tat brūhi vacanam devi so sage das Wort, o Herrin rājñaḥ yat abhikāṅkṣitam das der König wünscht kariṣye pratijāne ca ich werde es tun, und ich verspreche es rāmaḥ dviḥ na abhibhāṣate Rāma spricht nicht zweimal tam ārjava-samāyuktam anāryā satya-vādinam / uvāca rāmam kaikeyī vacanam bhṛśa-dāruṇam
Zu ihm, der ganz von Aufrichtigkeit erfüllt war, dem Wahrhaftigen, sprach die Unedle, Kaikeyī, dieses äußerst grausame Wort zu Rāma:
Wort für Wort tam ārjava-samāyuktam zu ihm, der ganz von Aufrichtigkeit erfüllt war anāryā satya-vādinam zu dem Wahrhaftigen, die Unedle uvāca rāmam kaikeyī sprach Kaikeyī zu Rāma vacanam bhṛśa-dāruṇam dieses äußerst grausame Wort purā deva-asure yuddhe pitrā te mama rāghava / rakṣitena varau dattau sa-śalyena mahā-raṇe
'Einst, im Krieg zwischen Göttern und Dämonen, o Rāghava, wurden mir von deinem Vater, als er, mit einem Pfeil im Leib, in der großen Schlacht gerettet worden war, zwei Gaben gewährt.'
Wort für Wort purā deva-asure yuddhe einst im Krieg zwischen Göttern und Dämonen pitrā te mama rāghava von deinem Vater mir, o Rāghava rakṣitena varau dattau gewährt, als er gerettet worden war, zwei Gaben sa-śalyena mahā-raṇe mit einem Pfeil im Leib, in der großen Schlacht tatra me yācitaḥ rājā bharatasya abhiṣecanam / gamanam daṇḍaka-araṇye tava ca adya eva rāghava
'Da habe ich vom König erbeten: die Weihe des Bharata und deinen Gang, o Rāghava, in den Daṇḍaka-Wald, gerade jetzt heute.'
Wort für Wort tatra me yācitaḥ rājā da habe ich vom König erbeten bharatasya abhiṣecanam die Weihe des Bharata gamanam daṇḍaka-araṇye den Gang in den Daṇḍaka-Wald tava ca adya eva rāghava und deinen, o Rāghava, gerade heute yadi satya-pratijñam tvam pitaram kartum icchasi / ātmānam ca nara-śreṣṭha mama vākyam idam śṛṇu
'Wenn du willst, dass dein Vater und du selbst wahrhaftig eurem Versprechen treu bleibt, o Bester der Männer, so höre dieses mein Wort.'
Wort für Wort yadi satya-pratijñam tvam wenn du wahrhaftig dem Versprechen treu pitaram kartum icchasi deinen Vater machen willst ātmānam ca nara-śreṣṭha und dich selbst, o Bester der Männer mama vākyam idam śṛṇu so höre dieses mein Wort sa nideśe pituḥ tiṣṭha yathā tena pratiśrutam / tvayā araṇyam praveṣṭavyam nava varṣāṇi pañca ca
'Bleibe im Gehorsam gegen den Befehl deines Vaters, wie er es versprochen hat: du sollst in den Wald eintreten, für neun und fünf Jahre.'
Wort für Wort sa nideśe pituḥ tiṣṭha bleibe im Gehorsam gegen den Befehl des Vaters yathā tena pratiśrutam wie von ihm versprochen tvayā araṇyam praveṣṭavyam du sollst in den Wald eintreten nava varṣāṇi pañca ca für neun und fünf Jahre bharataḥ tu abhiṣicyeta yat etat abhiṣecanam / tvat-arthe vihitam rājñā tena sarveṇa rāghava
'Bharata aber soll geweiht werden mit eben jener Weihe, die vom König für dich, o Rāghava, mit allem Zubehör angeordnet worden war.'
Wort für Wort bharataḥ tu abhiṣicyeta Bharata aber soll geweiht werden yat etat abhiṣecanam mit eben jener Weihe tvat-arthe vihitam rājñā die vom König für dich angeordnet wurde tena sarveṇa rāghava mit allem dazugehörigen, o Rāghava sapta sapta ca varṣāṇi daṇḍaka-araṇyam āśritaḥ / abhiṣekam imam tyaktvā jaṭā-cīra-dharaḥ vasa
'Vierzehn Jahre lang sollst du, in den Daṇḍaka-Wald geflüchtet, diese Weihe aufgebend, mit verfilztem Haar und Rindenkleidung wohnen.'
Wort für Wort sapta sapta ca varṣāṇi sieben und sieben Jahre daṇḍaka-araṇyam āśritaḥ in den Daṇḍaka-Wald geflüchtet abhiṣekam imam tyaktvā diese Weihe aufgebend jaṭā-cīra-dharaḥ vasa mit verfilztem Haar und Rindenkleidung wohne bharataḥ kosala-pure praśāstu vasudhām imām / nānā-ratna-samākīrṇam sa-vāji-ratha-kuñjarām
'Bharata soll in der Stadt Kosala über diese Erde herrschen, die reich an mancherlei Edelsteinen ist, mit Rossen, Wagen und Elefanten.'
Wort für Wort bharataḥ kosala-pure praśāstu Bharata soll in der Stadt Kosala herrschen vasudhām imām über diese Erde nānā-ratna-samākīrṇam reich an mancherlei Edelsteinen sa-vāji-ratha-kuñjarām mit Rossen, Wagen und Elefanten etena tvām narendraḥ ayam kāruṇyena samāplutaḥ / śoka-saṃkliṣṭa-vadanaḥ na śaknoti nirīkṣitum
'Von diesem Mitleid mit dir ganz überwältigt, vermag dieser Herrscher der Menschen, sein Antlitz von Kummer gequält, dich nicht anzusehen.'
Wort für Wort etena tvām narendraḥ ayam von diesem Mitleid mit dir, dieser Herrscher der Menschen kāruṇyena samāplutaḥ ganz vom Mitleid überwältigt śoka-saṃkliṣṭa-vadanaḥ sein Antlitz von Kummer gequält na śaknoti nirīkṣitum vermag er dich nicht anzusehen etat kuru narendrasya vacanam raghu-nandana / satyena mahatā rāma tāraya sva nara-īśvaram
'Erfülle dies, das Wort des Herrschers der Menschen, o Freude des Raghu-Geschlechts; durch große Wahrhaftigkeit, Rāma, erlöse deinen Herrscher der Menschen.'
Wort für Wort etat kuru narendrasya vacanam erfülle dies, das Wort des Herrschers der Menschen raghu-nandana o Freude des Raghu-Geschlechts satyena mahatā rāma durch große Wahrhaftigkeit, Rāma tāraya sva nara-īśvaram erlöse deinen Herrscher der Menschen iti iva tasyām paruṣam vadantyām / na ca eva rāmaḥ praviveśa śokam / pravivyadhe ca api mahā-anubhāvaḥ / rājā tu putra-vyasana-abhitaptaḥ
Während sie so harte Worte sprach, geriet Rāma keineswegs in Kummer; wohl aber wurde der Hochherzige innerlich getroffen – der König jedoch war vom Leid um den Sohn ganz durchglüht.
Wort für Wort iti iva tasyām paruṣam vadantyām während sie so harte Worte sprach na ca eva rāmaḥ praviveśa śokam geriet Rāma keineswegs in Kummer pravivyadhe ca api mahā-anubhāvaḥ doch wurde der Hochherzige innerlich getroffen rājā tu putra-vyasana-abhitaptaḥ der König aber war vom Leid um den Sohn ganz durchglüht
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