Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 4: Rāma Niyoga Vratopavāsaḥ Daśaratha beschließt die Weihe für den nächsten Tag; Rāma und Sītā beginnen das Fasten

gateṣvatha nṛpo bhūyaḥ paureṣu saha mantribhiḥ / mantrayitvā tataścakre niścayajñaḥ sa niścayam

Nachdem die Stadtbewohner gegangen waren, beriet sich der König sodann abermals mit den Ministern, und er, kundig in der Entscheidung, traf einen Entschluss.

Wort für Wort
gateṣu atha paureṣu
nachdem die Stadtbewohner gegangen waren
nṛpaḥ bhūyaḥ
der König abermals
saha mantribhiḥ mantrayitvā
mit den Ministern beratend
tataḥ cakre niścayam
traf sodann einen Entschluss
niścaya-jñaḥ saḥ
er, kundig in der Entscheidung

śva eva puṣyo bhavitā śvo.abhiṣecyastu me sutaḥ / rāmo rājīvatāmrākṣo yauvarājya iti prabhuḥ

'Schon morgen wird Puṣya sein, und morgen soll mein Sohn Rāma, mit den lotusroten Augen, zum Kronprinzenamt geweiht werden' – so [sprach] der Herr.

Wort für Wort
śvaḥ eva puṣyaḥ bhavitā
schon morgen wird Puṣya sein
śvaḥ abhiṣecyaḥ tu me sutaḥ
morgen soll mein Sohn geweiht werden
rāmaḥ rājīva-tāmra-akṣaḥ
Rāma mit den lotusroten Augen
yauvarājye iti prabhuḥ
zum Kronprinzenamt, so der Herr

athāntargṛhamāsādya rājā daśarathastadā / sūtamāmantrayāmāsa rāmaṃ punarihānaya

Dann, in das innere Gemach eintretend, wandte sich König Daśaratha an den Wagenlenker: 'Bring Rāma noch einmal hierher.'

Wort für Wort
atha antargṛham āsādya
dann das innere Gemach erreichend
rājā daśarathaḥ tadā
König Daśaratha da
sūtam āmantrayāmāsa
wandte sich an den Wagenlenker
rāmam punaḥ iha ānaya
bring Rāma abermals hierher

pratigṛhya sa tadvākyaṃ sūtaḥ punarupāyayau / rāmasya bhavanaṃ śīghraṃ rāmamānayituṃ punaḥ

Dieses Wort annehmend, eilte der Wagenlenker abermals schnell zu Rāmas Wohnung, um Rāma wiederum herzuholen.

Wort für Wort
pratigṛhya tat vākyam
dieses Wort annehmend
sūtaḥ punaḥ upāyayau
eilte der Wagenlenker abermals hin
rāmasya bhavanam śīghram
schnell zu Rāmas Wohnung
rāmam ānayitum punaḥ
um Rāma abermals herzuholen

dvāḥsthairāveditaṃ tasya rāmāyāgamanaṃ punaḥ / śrutvaiva cāpi rāmastaṃ prāptaṃ śaṅkānvito.abhavat

Von den Türhütern wurde Rāma die abermalige Ankunft [des Boten] gemeldet; und sobald Rāma vernahm, dass jener angekommen war, wurde er von Sorge erfüllt.

Wort für Wort
dvāḥsthaiḥ āveditam
von den Türhütern gemeldet
tasya rāmāya āgamanam punaḥ
ihm, dem Rāma, das abermalige Kommen
śrutvā eva ca api rāmaḥ
und sobald Rāma es hörte
tam prāptam śaṅkā-anvitaḥ abhavat
wurde er, da jener angekommen war, von Sorge erfüllt

praveśya cainaṃ tvaritaṃ rāmo vacana mabravīt / yadāgamanakṛtyaṃ te bhūyastadbrūhyaśeṣataḥ

Er ließ ihn eilends eintreten, und Rāma sprach das Wort: 'Was auch immer der Grund deines abermaligen Kommens ist, das sage mir vollständig.'

Wort für Wort
praveśya ca enam tvaritam
und ihn eilends eintreten lassend
rāmaḥ vacanam abravīt
sprach Rāma das Wort
yat āgamana-kṛtyam te bhūyaḥ
was der Grund deines abermaligen Kommens ist
tat brūhi aśeṣataḥ
das sage vollständig

tamuvāca tataḥ sūto rājā tvāṃ draṣṭu micchati / śrutvā pramāṇamatra tvaṃ gamanāyetarāya vā

Da sprach der Wagenlenker zu ihm: 'Der König wünscht dich zu sehen. Hast du das gehört, bist du hier die Richtschnur, ob zum Gehen oder zu anderem.'

Wort für Wort
tam uvāca tataḥ sūtaḥ
zu ihm sprach da der Wagenlenker
rājā tvām draṣṭum icchati
der König wünscht dich zu sehen
śrutvā pramāṇam atra tvam
nachdem du gehört hast, bist du hier maßgebend
gamanāya itarāya vā
zum Gehen oder zu anderem

iti sūtavacaḥ śrutvā rāmo.atha tvarayānvitaḥ / prayayau rājabhavanaṃ punardraṣṭuṃ nareśvaram

Dieses Wort des Wagenlenkers vernehmend, eilte Rāma sogleich zum Königspalast, um abermals den Herrn der Menschen zu sehen.

Wort für Wort
iti sūta-vacaḥ śrutvā
dieses Wort des Wagenlenkers vernehmend
rāmaḥ atha tvarayā anvitaḥ
Rāma sogleich von Eile erfüllt
prayayau rāja-bhavanam
eilte zum Königspalast
punaḥ draṣṭum nara-īśvaram
um abermals den Herrn der Menschen zu sehen

taṃ śrutvā samanuprāptaṃ rāmaṃ daśaratho nṛpaḥ / praveśyāmāsa gṛhaṃ vivakṣuḥ priyamuttamam

Als er hörte, dass Rāma angekommen war, ließ König Daśaratha ihn eintreten, begierig, ihm die höchste erfreuliche Botschaft zu verkünden.

Wort für Wort
tam śrutvā samanuprāptam rāmam
als er hörte, dass Rāma angekommen war
daśarathaḥ nṛpaḥ
König Daśaratha
praveśyāmāsa gṛham
ließ ihn ins Haus eintreten
vivakṣuḥ priyam uttamam
begierig, das höchste Erfreuliche zu sagen

praviśannneva ca śrīmān rāghavo bhavanaṃ pituḥ / dadarśa pitaraṃ dūrāt praṇipatya kṛtāñjaliḥ

Und eben in das Haus des Vaters eintretend erblickte der glanzvolle Rāghava von ferne den Vater; er verneigte sich mit gefalteten Händen tief.

Wort für Wort
praviśan eva ca
und eben eintretend
śrīmān rāghavaḥ bhavanam pituḥ
der glanzvolle Rāghava in das Haus des Vaters
dadarśa pitaram dūrāt
erblickte den Vater von ferne
praṇipatya kṛtāñjaliḥ
sich verneigend, mit gefalteten Händen

praṇamantaṃ samutthāpya taṃ pariṣvajya bhūmipaḥ / pradiśya cāsmai ruciramāsanaṃ punarabravīt

Der Erdenherr richtete ihn, der sich verneigte, auf, umarmte ihn, und, nachdem er ihm einen prächtigen Sitz gewiesen hatte, sprach er abermals:

Wort für Wort
praṇamantam samutthāpya
den sich Verneigenden aufrichtend
tam pariṣvajya bhūmipaḥ
ihn umarmend, der Erdenherr
pradiśya ca asmai ruciram āsanam
und ihm einen prächtigen Sitz weisend
punaḥ abravīt
sprach abermals

rāma vṛddho.asmi dīrghāyurbhuktā bhogā mayepsitāḥ / annvadbhiḥ kratubhistatheṣṭaṃ bhūridakṣiṇaiḥ

'Rāma, ich bin alt, langlebig; die von mir gewünschten Genüsse habe ich genossen. Durch ordnungsgemäße Opfer, ebenso mit reichlichen Ehrengaben, habe ich geopfert.

Wort für Wort
rāma vṛddhaḥ asmi dīrghāyuḥ
Rāma, ich bin alt, langlebig
bhuktāḥ bhogāḥ mayā īpsitāḥ
genossen sind die von mir gewünschten Genüsse
anvadbhiḥ kratubhiḥ tathā iṣṭam
durch ordnungsgemäße Opfer ebenso geopfert
bhūri-dakṣiṇaiḥ
mit reichlichen Ehrengaben

jātamiṣṭamapatyaṃ me tvamadyānupamaṃ bhuvi / dattamiṣṭamadhītaṃ ca mayā puruṣasattama

Ein gewünschtes Kind, unvergleichlich auf Erden, bist du mir heute geboren, o Bester der Männer; gegeben, geopfert und studiert habe ich.'

Wort für Wort
jātam iṣṭam apatyam me
geboren ist mir das gewünschte Kind
tvam adya anupamam bhuvi
du, heute unvergleichlich auf Erden
dattam iṣṭam adhītam ca mayā
gegeben, geopfert und studiert habe ich
puruṣa-sattama
o Bester der Männer

anubhūtāni ceṣṭāni mayā vīra sukhānyapi / devarṣipitṛviprāṇāmanṛṇo.asmi tathātmanaḥ

'Und erwünschte Freuden habe ich genossen, o Held; den Göttern, Sehern, Ahnen und Brahmanen gegenüber bin ich schuldenfrei, ebenso mir selbst gegenüber.'

Wort für Wort
anubhūtāni ca iṣṭāni
und erwünschte genossen
mayā vīra sukhāni api
von mir, o Held, auch die Freuden
deva-ṛṣi-pitṛ-viprāṇām anṛṇaḥ asmi
den Göttern, Sehern, Ahnen, Brahmanen gegenüber bin ich schuldenfrei
tathā ātmanaḥ
ebenso mir selbst gegenüber

na kiñcinme kartavyaṃ tavānyatrābhiṣecanāt / ato yattvāmahaṃ brūyāṃ tanme tvaṃ kartumarhasi

'Nichts bleibt mir zu tun außer deiner Weihe. Darum, was ich dir sage, das mögest du für mich tun.'

Wort für Wort
na kiñcit me kartavyam
nichts ist mir zu tun
tava anyatra abhiṣecanāt
außer deiner Weihe
ataḥ yat tvām aham brūyām
darum, was ich dir sagen mag
tat me tvam kartum arhasi
das mögest du für mich tun

adya prakṛtayaḥ sarvāstvāmicchanti narādhipam / atastvāṃ yuvarājānamabhiṣekṣyāmi putraka

'Heute wünschen sich alle Untertanen dich als Herrscher der Menschen; darum werde ich dich, mein Söhnchen, zum Kronprinzen weihen.'

Wort für Wort
adya prakṛtayaḥ sarvāḥ
heute alle Untertanen
tvām icchanti nara-adhipam
wünschen dich als Herrscher der Menschen
ataḥ tvām yuvarājānam
darum dich als Kronprinzen
abhiṣekṣyāmi putraka
werde ich weihen, mein Söhnchen

api cādyāśubhān rāma svapne paśyāmi dāruṇān / sanirghātā divolkā ca patantīha mahāsvanā

'Auch sehe ich heute, Rāma, im Traum unheilvolle, schreckliche Zeichen: mit Donnerschlägen begleitete Himmelsfeuer fallen hier mit gewaltigem Getöse nieder.'

Wort für Wort
api ca adya aśubhān rāma
auch heute, Rāma, unheilvolle
svapne paśyāmi dāruṇān
sehe ich im Traum schreckliche [Zeichen]
sa-nirghātāḥ diva-ulkāḥ ca
mit Donnerschlägen begleitete Himmelsfeuer
patanti iha mahā-svanāḥ
fallen hier mit gewaltigem Getöse

avaṣṭabdhaṃ ca me rāma nakṣatraṃ dāruṇairgrahaiḥ / āvedayanti daivajñāḥ sūryāṅgārakarāhubhiḥ

'Und mein Geburtsgestirn, Rāma, ist von schrecklichen Planeten bedrängt – Sonne, Mars und Rāhu –, so melden es die Sterndeuter.'

Wort für Wort
avaṣṭabdham ca me rāma
und bedrängt ist, Rāma, mein
nakṣatram dāruṇaiḥ grahaiḥ
Geburtsgestirn von schrecklichen Planeten
āvedayanti daivajñāḥ
so melden die Sterndeuter
sūrya-aṅgāraka-rāhubhiḥ
durch Sonne, Mars und Rāhu

prāyeṇa hi nimittānāmīdṛśānāṃ samudbhave / rājā hi mṛtyumāpnoti ghoraṃ vāpadamṛcchati

'Denn meist, wenn solche Vorzeichen sich erheben, erlangt der König den Tod oder gerät in ein schreckliches Unglück.'

Wort für Wort
prāyeṇa hi nimittānām
denn meist bei Vorzeichen
īdṛśānām samudbhave
solcher Art beim Entstehen
rājā hi mṛtyum āpnoti
erlangt der König den Tod
ghoram vā āpadam ṛcchati
oder gerät in schreckliches Unglück

tadyāvadeva me ceto na vimuñcati rāghava / tāvadevābhiṣiñcasva calā hi prāṇināṃ matiḥ

'Darum, solange mein Geist noch nicht [den klaren Sinn] verlässt, o Rāghava, so lange lass dich weihen; denn wandelbar ist der Sinn der Lebewesen.'

Wort für Wort
tat yāvat eva me cetaḥ
darum solange mein Geist
na vimuñcati rāghava
nicht verlässt, o Rāghava
tāvat eva abhiṣiñcasva
so lange lass dich weihen
calā hi prāṇinām matiḥ
denn wandelbar ist der Sinn der Wesen

adya candrobhyupagataḥ puṣyātpūrvaṃ punarvasū / śvaḥ puṣyayogaṃ niyataṃ vakṣyante daivacintakāḥ

'Heute steht der Mond, dem Puṣya vorausgehend, noch bei Punarvasū; morgen, so werden die Sterndeuter sicher sagen, ist die Verbindung mit Puṣya.'

Wort für Wort
adya candraḥ abhyupagataḥ
heute steht der Mond
puṣyāt pūrvam punarvasū
vor Puṣya bei Punarvasū
śvaḥ puṣya-yogam niyatam
morgen die Puṣya-Verbindung gewiss
vakṣyante daiva-cintakāḥ
werden die Sterndeuter sagen

tataḥ puṣye.abhiṣiñcasva manastvarayatīva mām / śvastvāhamabhiṣekṣyāmi yauvarājye paraṃtapa

'Darum lass dich unter Puṣya weihen; mein Herz drängt mich gleichsam. Morgen werde ich dich zum Kronprinzenamt weihen, o Bezwinger der Feinde.'

Wort für Wort
tataḥ puṣye abhiṣiñcasva
darum unter Puṣya lass dich weihen
manaḥ tvarayati iva mām
mein Herz drängt mich gleichsam
śvaḥ tu aham abhiṣekṣyāmi
morgen werde ich weihen
yauvarājye paraṃtapa
zum Kronprinzenamt, Bezwinger der Feinde

tasmāttvayādyaprabhṛti niśeyaṃ niyatātmanā / saha vadhvopavastavyā darbhaprastaraśāyinā

'Darum sollst du von heute an, mit gebändigtem Sinn, zusammen mit deiner Gattin diese Nacht fasten, auf einem Kuśagras-Lager schlafend.'

Wort für Wort
tasmāt tvayā adya-prabhṛti
darum von dir, von heute an
niśā iyam niyata-ātmanā
diese Nacht, mit gebändigtem Sinn
saha vadhvā upavastavyā
zusammen mit der Gattin zu fasten
darbha-prastara-śāyinā
auf Kuśagras-Lager schlafend

suhṛdaścāpramattāstvāṃ rakṣantvadya samantataḥ / bhavanti bahuvighnāni kāryāṇyevaṃvidhāni hi

'Und deine Freunde mögen dich heute wachsam von allen Seiten beschützen; denn bei solchen Unternehmungen entstehen viele Hindernisse.'

Wort für Wort
suhṛdaḥ ca apramattāḥ
und die Freunde, wachsam
tvām rakṣantu adya samantataḥ
mögen dich heute von allen Seiten schützen
bhavanti bahu-vighnāni
es entstehen viele Hindernisse
kāryāṇi evaṃ-vidhāni hi
bei solcherart Unternehmungen

viproṣitaśca bharato yāvadeva purāditaḥ / tāvadevābhiṣekste prāptakālo mato mama

'Und solange Bharata noch fern von der Stadt weilt, ebenso lange, scheint mir, ist für deine Weihe die rechte Zeit gekommen.'

Wort für Wort
viproṣitaḥ ca bharataḥ
und Bharata, abwesend
yāvat eva purāt itaḥ
solange fern von der Stadt
tāvat eva abhiṣekaḥ te
so lange ist deine Weihe
prāpta-kālaḥ mataḥ mama
für die rechte Zeit gekommen erachte ich

kāmaṃ khalu satāṃ vṛtte bhrātā te bharataḥ sthitaḥ / jyeṣṭhānuvartī dharmātmā sānukrośo jitendriyaḥ

'Gewiss ist dein Bruder Bharata im Verhalten der Guten fest, dem Älteren ergeben, gerechten Sinnes, mitleidvoll und Herr seiner Sinne –

Wort für Wort
kāmam khalu satām vṛtte
gewiss im Verhalten der Guten
bhrātā te bharataḥ sthitaḥ
dein Bruder Bharata steht fest
jyeṣṭha-anuvartī dharma-ātmā
dem Älteren folgend, gerechten Sinnes
sa-anukrośaḥ jita-indriyaḥ
mitleidvoll, Herr der Sinne

kintu cittaṃ manuṣyāṇāmanityamiti me matiḥ / satāṃ ca dharmanityānāṃ kṛtaśobhi ca rāghava

doch der Sinn der Menschen ist unbeständig, das ist meine Meinung – auch bei den Guten, die stets der Pflicht ergeben sind, o Rāghava, zeigt sich das Werk erst schön, wenn es vollbracht ist.'

Wort für Wort
kintu cittam manuṣyāṇām
doch der Sinn der Menschen
anityam iti me matiḥ
ist unbeständig, so meine Meinung
satām ca dharma-nityānām
auch bei den Guten, der Pflicht stets ergebenen
kṛta-śobhi ca rāghava
zeigt sich schön erst im Vollbrachten, o Rāghava

ityuktaḥ soo.abhyanujñātaḥ śvobhāvinyabhiṣecane / vrajeti rāmaḥ pitaramabhivādyābhyayādgṛham

So angesprochen und für die morgen bevorstehende Weihe entlassen mit den Worten 'Geh!', verneigte sich Rāma vor dem Vater und kehrte heim.

Wort für Wort
iti uktaḥ saḥ abhyanujñātaḥ
so angesprochen, er entlassen
śvaḥ bhāvini abhiṣecane
für die morgen bevorstehende Weihe
vraja iti
'geh!' so [sprechend]
rāmaḥ pitaram abhivādya abhyayāt gṛham
verneigte sich Rāma vor dem Vater und kehrte heim

praviśya cātmano veśma rājñoddiṣṭe.abhiṣecane / tatkṣaṇena ca nirgamya mātuḥrantaḥpuraṃ yayau

Und in sein eigenes Haus eintretend, da der König die Weihe [für morgen] bestimmt hatte, verließ er es im selben Augenblick wieder und begab sich zum Frauengemach der Mutter.

Wort für Wort
praviśya ca ātmanaḥ veśma
und in sein eigenes Haus eintretend
rājñā uddiṣṭe abhiṣecane
da vom König die Weihe bestimmt war
tat-kṣaṇena ca nirgamya
und im selben Augenblick wieder hinausgehend
mātuḥ antaḥpuram yayau
begab er sich zum Frauengemach der Mutter

tatra tāṃ pravaṇāmeva mātaraṃ kṣaumavāsinīm / vāgyatāṃ devatāgāre dadarśāyācatīṃ śriyam

Dort sah er seine Mutter, ganz demütig hingewandt, in Leinengewand, schweigend im Götterhaus, wie sie um Glück (Śrī) bat.

Wort für Wort
tatra tām pravaṇām eva
dort sie, ganz hingewandt
mātaram kṣauma-vāsinīm
die Mutter, in Leinengewand
vāgyatām deva-tāgāre
schweigend im Götterhaus
dadarśa āyācatīm śriyam
sah er, wie sie um Glück bat

prāgeva cāgatā tatra sumitrā lakṣmaṇastadā / sītā cānāyitā śrutvā priyaṃ rāmābhiṣecanam

Schon zuvor waren dort Sumitrā, Lakṣmaṇa und, herbeigeholt, auch Sītā eingetroffen, nachdem sie von der freudigen Weihe Rāmas gehört hatten.

Wort für Wort
prāk eva ca āgatā tatra
schon zuvor waren dort angekommen
sumitrā lakṣmaṇaḥ tadā
Sumitrā, Lakṣmaṇa damals
sītā ca ānāyitā
und Sītā, herbeigeholt
śrutvā priyam rāma-abhiṣecanam
nachdem sie von der freudigen Weihe Rāmas gehört hatten

tasmin kāle hi kausalyā tasthāvāmīlitekṣaṇā / sumitrayānvāsyamānā sītayā lakṣmaṇena ca

Zu jener Zeit nämlich verharrte Kausalyā mit halbgeschlossenen Augen, während Sumitrā, Sītā und Lakṣmaṇa bei ihr saßen,

Wort für Wort
tasmin kāle hi kausalyā
zu jener Zeit nämlich Kausalyā
tasthau āmīlita-īkṣaṇā
verharrte mit halbgeschlossenen Augen
sumitrayā anvāsyamānā
von Sumitrā begleitet sitzend
sītayā lakṣmaṇena ca
mit Sītā und Lakṣmaṇa

śrutvā puṣyeṇa putrasya yauvarājyābhiṣecanam / prāṇāyāmena puruṣaṃ dhyāyamānā janārdanam

nachdem sie von der unter Puṣya bevorstehenden Kronprinzenweihe ihres Sohnes gehört hatte, mit angehaltenem Atem den höchsten Geist, Janārdana, meditierend.

Wort für Wort
śrutvā puṣyeṇa putrasya
nachdem sie von der Puṣya-Weihe des Sohnes gehört hatte
yauvarājya-abhiṣecanam
der Kronprinzenweihe
prāṇāyāmena puruṣam
mit angehaltenem Atem den [höchsten] Geist
dhyāyamānā janārdanam
meditierend, Janārdana

tathā saniyamāmeva so.abhigamyābhivādya ca / uvāca vacanaṃ rāmo harṣayaṃstāmidaṃ tadā

Zu ihr, die so in Andacht versunken war, trat er heran, verneigte sich, und Rāma sprach zu ihr, sie erfreuend, damals dieses Wort:

Wort für Wort
tathā sa-niyamām eva
zu ihr, die so in Andacht versunken war
saḥ abhigamya abhivādya ca
er, herantretend und sich verneigend
uvāca vacanam rāmaḥ
sprach Rāma das Wort
harṣayan tām idam tadā
sie damals erfreuend, dieses

amba pitrā niyukto.asmi prajāpālanakarmaṇi / bhavitā śvo.abhiṣeko me yathā mama śāsanaṃ pituḥ

'Mutter, vom Vater bin ich mit der Aufgabe betraut worden, das Volk zu beschützen; morgen wird meine Weihe sein, wie es des Vaters Befehl ist.'

Wort für Wort
amba pitrā niyuktaḥ asmi
Mutter, vom Vater bin ich betraut worden
prajā-pālana-karmaṇi
mit der Aufgabe des Volksschutzes
bhavitā śvaḥ abhiṣekaḥ me
morgen wird meine Weihe sein
yathā mama śāsanam pituḥ
wie es der Befehl meines Vaters ist

sītayāpyupavastavyā rajanīyaṃ mayā saha / evamṛtvigupādhyāyaissaha māmuktavān pitā

'Auch Sītā soll zusammen mit mir diese Nacht fasten; so hat mein Vater mich, zusammen mit den Opferpriestern und Lehrern, angewiesen.'

Wort für Wort
sītayā api upavastavyā
auch von Sītā ist zu fasten
rajanī iyam mayā saha
diese Nacht zusammen mit mir
evam ṛtvik-upādhyāyaiḥ saha
so, zusammen mit den Opferpriestern und Lehrern
mām uktavān pitā
hat mich der Vater angewiesen

yāni yānyatra yogyāni śvo bhāvinyabhiṣecane / tāni me maṅgalāny adya vaidehyāścaiva kāraya

'Was immer für die morgen bevorstehende Weihe erforderlich ist, das lass mir und ebenso der Vaidehī heute als Segensriten ausführen.'

Wort für Wort
yāni yāni atra yogyāni
was immer hierfür erforderlich ist
śvaḥ bhāvini abhiṣecane
für die morgen bevorstehende Weihe
tāni me maṅgalāni adya
das lass mir heute als Segensriten
vaidehyāḥ ca eva kāraya
und ebenso der Vaidehī ausführen

etacchrutvā tu kausalyā cirakālābhikāṅkṣitam / harṣabāṣpakalaṃ vākyamidaṃ rāmamabhāṣata

Dies vernehmend, sprach Kausalyā, die lange danach verlangt hatte, mit vor Freudentränen stockender Stimme dieses Wort zu Rāma:

Wort für Wort
etat śrutvā tu kausalyā
dies vernehmend aber Kausalyā
cira-kāla-abhikāṅkṣitam
die lange danach verlangt hatte
harṣa-bāṣpa-kalam vākyam idam
dieses Wort, von Freudentränen stockend
rāmam abhāṣata
sprach sie zu Rāma

vatsa rāma ciraṃ jīva hatāste paripanthinaḥ / jñātīnme tvaṃ śriyāyuktaḥ sumitrāyāśca nandaya

'Mein Kind Rāma, lebe lange! Vernichtet seien deine Widersacher! Erfreue meine Verwandten und die der Sumitrā, mit Glanz vereint!'

Wort für Wort
vatsa rāma ciram jīva
mein Kind Rāma, lebe lange
hatāḥ te paripanthinaḥ
vernichtet seien deine Widersacher
jñātīn me tvam śriyā yuktaḥ
meine Verwandten, du, mit Glanz vereint
sumitrāyāḥ ca nandaya
und die der Sumitrā erfreue

kalyāṇe bata nakṣatre mayi jāto.asi putraka / yena tvayā daśaratho guṇairārādhitaḥ pitā

'Unter einem glückverheißenden Gestirn bist du mir geboren, mein Söhnchen, wodurch du durch deine Tugenden den Vater Daśaratha erfreut hast.'

Wort für Wort
kalyāṇe bata nakṣatre
unter einem glückverheißenden Gestirn
mayi jātaḥ asi putraka
bist du mir geboren, mein Söhnchen
yena tvayā daśarathaḥ
wodurch du Daśaratha
guṇaiḥ ārādhitaḥ pitā
durch Tugenden erfreut hast, den Vater

amoghaṃ bata me kṣāntaṃ puruṣe puṣkarekṣaṇe / yeyamikṣvākurājyaśrīḥ putra tvāṃ saṃśrayiṣyati

'Nicht vergeblich war meine Geduld, o du mit den lotusgleichen Augen – diese Königsherrlichkeit der Ikṣvākus, mein Sohn, wird sich nun auf dich stützen.'

Wort für Wort
amogham bata me kṣāntam
nicht vergeblich war meine Geduld
puruṣe puṣkara-īkṣaṇe
bei dir, dem Mann mit lotusgleichen Augen
yā iyam ikṣvāku-rājya-śrīḥ
diese Königsherrlichkeit der Ikṣvākus
putra tvām saṃśrayiṣyati
mein Sohn, wird sich auf dich stützen

ityevamukto mātredaṃ rāmo bhrātaramabravīt / prāñjaliṃ prahvamāsīnamabhivīkṣya smayanniva

So von der Mutter angesprochen, wandte sich Rāma an den Bruder, der mit gefalteten Händen ehrerbietig dasaß, ihn gleichsam lächelnd betrachtend:

Wort für Wort
iti evam uktaḥ mātrā
so von der Mutter angesprochen
idam rāmaḥ bhrātaram abravīt
sprach Rāma dieses zum Bruder
prāñjalim prahvam āsīnam
der mit gefalteten Händen ehrerbietig dasaß
abhivīkṣya smayan iva
ihn betrachtend, gleichsam lächelnd

lakṣmaṇemāṃ mayā sārdhaṃ praśādhi tvaṃ vasundharām / dvitīyaṃ me.antarātmānaṃ tvāmiyaṃ śrīrupasthitā

'Lakṣmaṇa, herrsche du zusammen mit mir über diese Erde! Du bist mein zweites inneres Selbst; auf dich stützt sich diese Königsherrlichkeit ebenso.'

Wort für Wort
lakṣmaṇa imām mayā sārdham
Lakṣmaṇa, diese, zusammen mit mir
praśādhi tvam vasundharām
beherrsche du die Erde
dvitīyam me antarātmānam
mein zweites inneres Selbst
tvām iyam śrīḥ upasthitā
auf dich stützt sich diese Herrlichkeit

saumitre bhuṅkṣva bhogāṃstvamiṣṭān rājyaphalāni ca / jīvitaṃ ca hi rājyaṃ ca tvadarthamabhikāmaye

'Sohn der Sumitrā, genieße du die gewünschten Genüsse und die Früchte des Königtums; denn Leben und Königtum begehre ich um deinetwillen.'

Wort für Wort
saumitre bhuṅkṣva bhogān
Sohn der Sumitrā, genieße die Genüsse
tvam iṣṭān rājya-phalāni ca
die gewünschten und die Früchte des Königtums
jīvitam ca hi rājyam ca
denn Leben und Königtum
tvad-artham abhikāmaye
begehre ich um deinetwillen

ityuktvā lakṣmaṇaṃ rāmo mātarāvabhivādya ca / abhyanujñāpya sītāṃ ca jagāma svaṃ niveśanam

So zu Lakṣmaṇa sprechend, verneigte sich Rāma vor beiden Müttern, verabschiedete sich von Sītā und ging zu seiner eigenen Wohnung.

Wort für Wort
iti uktvā lakṣmaṇam rāmaḥ
so zu Lakṣmaṇa sprechend, Rāma
mātarau abhivādya ca
und sich vor beiden Müttern verneigend
abhyanujñāpya sītām ca
und sich von Sītā verabschiedend
jagāma svam niveśanam
ging er zu seiner eigenen Wohnung

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