Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 112: Pāduka Pratyarpaṇam Bharata Nandigrāma Gamanam Rāma übergibt Bharata seine Sandalen als Symbol der Regentschaft; Abschied der Brüder

tam apratima tejobhyām bhrātṛbhyām roma harṣaṇam | vismitāḥ samgamam prekṣya samavetā maharṣayaḥ || 2-112-1

Beim Anblick dieses haarsträubenden Wiedersehens der beiden Brüder von unvergleichlichem Glanz waren die versammelten großen Weisen erstaunt.

Wort für Wort
tam apratima tejobhyām bhrātṛbhyām
der beiden Brüder von unvergleichlichem Glanz
roma harṣaṇam
das haarsträubende [Wiedersehen]
vismitāḥ samgamam prekṣya
erstaunt, das Wiedersehen betrachtend
samavetā maharṣayaḥ
die versammelten großen Weisen

antar hitāḥ tu ṛṣi gaṇāḥ siddhāḥ ca parama ṛṣayaḥ | tau bhrātarau mahātmānau kākutsthau praśaśaṃsire || 2-112-2

Die unsichtbaren Scharen der Seher, die Siddhas und die höchsten Weisen priesen die beiden hochherzigen Kākutstha-Brüder.

Wort für Wort
antar hitāḥ tu ṛṣi gaṇāḥ
die unsichtbaren Scharen der Seher
siddhāḥ ca parama ṛṣayaḥ
und die Siddhas und höchsten Weisen
tau bhrātarau mahātmānau
die beiden hochherzigen Brüder
kākutsthau praśaśaṃsire
die Kākutsthas priesen sie

sa dhanyo yasya putrau dvau dharmajnau dharma vikramau | śrutvā vayam hi sambhāṣām ubhayoḥ spṛhayāmahe || 2-112-3

Glücklich ist der, dessen zwei Söhne beide dharmakundig und in Tapferkeit dem Dharma treu sind; nachdem wir das Gespräch von beiden gehört haben, beneiden wir ihn darum.

Wort für Wort
sa dhanyo yasya putrau dvau
glücklich ist der, dessen zwei Söhne
dharmajnau dharma vikramau
beide dharmakundig, an Dharma tapfer
śrutvā vayam hi sambhāṣām
nachdem wir das Gespräch gehört haben
ubhayoḥ spṛhayāmahe
beneiden wir [den Vater] darum

tataḥ tu ṛṣi gaṇāḥ kṣipram daśagrīva vadha eṣiṇaḥ | bharatam rāja śārdūlam ity ūcuḥ samgatā vacaḥ || 2-112-4

Da sprachen die Scharen der Weisen, die schnell den Tod des Zehnhalsigen herbeiwünschten, gemeinsam zu Bharata, dem Tiger unter den Königen, folgendes Wort.

Wort für Wort
tataḥ tu ṛṣi gaṇāḥ
da sprachen die Scharen der Weisen
kṣipram daśagrīva vadha eṣiṇaḥ
die schnell den Tod des Zehnhalsigen [Rāvaṇa] herbeiwünschten
bharatam rāja śārdūlam
zu Bharata, dem Tiger unter den Königen
ity ūcuḥ samgatā vacaḥ
so sprachen sie gemeinsam ein Wort

kule jāta mahā prājna mahā vṛtta mahā yaśaḥ | grāhyam rāmasya vākyam te pitaram yady avekṣase || 2-112-5

O in edlem Geschlecht Geborener, Hochweiser, von großem Wandel, Hochberühmter - das Wort Rāmas sollst du annehmen, wenn du auf deinen Vater achtest.

Wort für Wort
kule jāta mahā prājna
o in edlem Geschlecht geborener Hochweiser
mahā vṛtta mahā yaśaḥ
von großem Wandel, hochberühmt
grāhyam rāmasya vākyam te
das Wort Rāmas sollst du annehmen
pitaram yady avekṣase
wenn du auf deinen Vater achtest

sadā anṛṇam imam rāmam vayam igcchāmahe pituḥ | anṛṇatvāc ca kaikeyyāḥ svargam daśaratho gataḥ || 2-112-6

Wir wünschen, dass dieser Rāma stets frei von der Schuld gegenüber dem Vater sei; und durch das Freisein von Schuld gegenüber Kaikeyī ist Daśaratha zum Himmel gegangen.

Wort für Wort
sadā anṛṇam imam rāmam
dass dieser Rāma stets schuldfrei sei
vayam igcchāmahe pituḥ
das wünschen wir gegenüber dem Vater
anṛṇatvāc ca kaikeyyāḥ
und durch das Schuldfreisein gegenüber Kaikeyī
svargam daśaratho gataḥ
ist Daśaratha zum Himmel gegangen

etāvad uktvā vacanam gandharvāḥ samaharṣayaḥ | rāja ṛṣayaḥ caiva tathā sarve svām svām gatim gatāḥ || 2-112-7

Nachdem sie so viel gesagt hatten, gingen die Gandharvas mit den großen Sehern und ebenso die königlichen Seher alle zu ihrem jeweiligen Ort.

Wort für Wort
etāvad uktvā vacanam
nachdem sie so viel Wort gesagt hatten
gandharvāḥ samaharṣayaḥ
die Gandharvas mit den großen Sehern
rāja ṛṣayaḥ caiva tathā
und ebenso die königlichen Seher
sarve svām svām gatim gatāḥ
gingen alle zu ihrem jeweiligen Ort

hlāditaḥ tena vākyena śubhena śubha darśanaḥ | rāmaḥ samhṛṣṭa vadanaḥ tān ṛṣīn abhyapūjayat || 2-112-8

Erfreut durch dieses heilvolle Wort, verehrte Rāma von schönem Aussehen, mit freudigem Antlitz, jene Seher.

Wort für Wort
hlāditaḥ tena vākyena śubhena
erfreut durch dieses heilvolle Wort
śubha darśanaḥ
von schönem Aussehen
rāmaḥ samhṛṣṭa vadanaḥ
Rāma, mit freudigem Antlitz
tān ṛṣīn abhyapūjayat
verehrte jene Seher

srasta gātraḥ tu bharataḥ sa vācā sajjamānayā | kṛta anjalir idam vākyam rāghavam punar abravīt || 2-112-9

Bharata aber, mit erschlafften Gliedern, sprach mit stockender Stimme, die Hände zum Anjali gefaltet, nochmals dieses Wort zum Rāghava.

Wort für Wort
srasta gātraḥ tu bharataḥ
Bharata aber, mit erschlafften Gliedern
sa vācā sajjamānayā
mit stockender Stimme
kṛta anjalir idam vākyam
die Hände gefaltet, dieses Wort
rāghavam punar abravīt
sprach er nochmals zum Rāghava

rāja dharmam anuprekṣya kula dharma anusamtatim | kartum arhasi kākutstha mama mātuḥ ca yācanām || 2-112-10

In Anbetracht des Königsdharma und der Fortführung des Familienbrauchs, o Kākutstha, solltest du auch die Bitte meiner Mutter erfüllen.

Wort für Wort
rāja dharmam anuprekṣya
in Anbetracht des Königsdharma
kula dharma anusamtatim
der Fortführung des Familienbrauchs
kartum arhasi kākutstha
solltest du erfüllen, o Kākutstha
mama mātuḥ ca yācanām
auch die Bitte meiner Mutter

rakṣitum sumahad rājyam aham ekaḥ tu na utsahe | paura jānapadāmḥ ca api raktān ranjayitum tathā || 2-112-11

Ich allein wage nicht, das überaus große Reich zu beschützen, noch die ergebenen Stadt- und Landbewohner zufriedenzustellen.

Wort für Wort
rakṣitum sumahad rājyam
das überaus große Reich zu beschützen
aham ekaḥ tu na utsahe
dazu wage ich allein nicht
paura jānapadāmḥ ca api raktān
auch die ergebenen Stadt- und Landbewohner
ranjayitum tathā
und ebenso zufriedenzustellen

jnātayaḥ ca hi yodhāḥ ca mitrāṇi suhṛdaḥ ca naḥ | tvām eva pratikānkṣante parjanyam iva karṣakāḥ || 2-112-12

Denn unsere Verwandten, Krieger, Freunde und Wohlgesinnten erwarten nur dich, wie die Ackerbauern die Regenwolke.

Wort für Wort
jnātayaḥ ca hi yodhāḥ ca
denn Verwandte und Krieger
mitrāṇi suhṛdaḥ ca naḥ
Freunde und Wohlgesinnte von uns
tvām eva pratikānkṣante
erwarten nur dich
parjanyam iva karṣakāḥ
wie die Ackerbauern die Regenwolke

idam rājyam mahā prājna sthāpaya pratipadya hi | śaktimān asi kākutstha lokasya paripālane || 2-112-13

Dieses Reich, o Hochweiser, festige, indem du es übernimmst; du bist fähig, o Kākutstha, die Welt zu beschützen.

Wort für Wort
idam rājyam mahā prājna
dieses Reich, o Hochweiser
sthāpaya pratipadya hi
festige, indem du es übernimmst
śaktimān asi kākutstha
du bist fähig, o Kākutstha
lokasya paripālane
zum Beschützen der Welt

ity uktvā nyapatad bhrātuḥ pādayor bharataḥ tadā | bhṛśam samprārthayām āsa rāmam evam priyam vadaḥ || 2-112-14

So sprechend, fiel Bharata da zu Füßen seines Bruders und bat den freundlich redenden Rāma inständig darum.

Wort für Wort
ity uktvā nyapatad bhrātuḥ
so sprechend fiel er des Bruders
pādayor bharataḥ tadā
Bharata da zu Füßen
bhṛśam samprārthayām āsa
er bat inständig darum
rāmam evam priyam vadaḥ
Rāma, den so freundlich Redenden

tam anke bhrātaram kṛtvā rāmo vacanam abravīt | śyāmam nalina patra akṣam matta haṃsa svaraḥ svayam || 2-112-15

Rāma, der dunkle, lotosblattäugige, mit der Stimme wie ein brünstiger Schwan, nahm den Bruder auf den Schoß und sprach selbst dieses Wort.

Wort für Wort
tam anke bhrātaram kṛtvā
den Bruder auf den Schoß nehmend
rāmo vacanam abravīt
sprach Rāma das Wort
śyāmam nalina patra akṣam
der Dunkle, mit Augen wie Lotosblätter
matta haṃsa svaraḥ svayam
selbst mit Stimme wie ein brünstiger Schwan

āgatā tvām iyam buddhiḥ svajā vainayikī ca yā | bhṛśam utsahase tāta rakṣitum pṛthivīm api || 2-112-16

Diese Einsicht, die dir gekommen ist, ist dir eigen und der Erziehung entsprungen; du bist, mein Sohn, wohl fähig, sogar die Erde zu beschützen.

Wort für Wort
āgatā tvām iyam buddhiḥ
diese Einsicht, die dir gekommen ist
svajā vainayikī ca yā
die dir eigen und aus Erziehung ist
bhṛśam utsahase tāta
du bist sehr wohl fähig, mein Sohn
rakṣitum pṛthivīm api
sogar die Erde zu beschützen

amātyaiḥ ca suhṛdbhiḥ ca buddhimadbhiḥ ca mantribhiḥ | sarva kāryāṇi sammantrya sumahānty api kāraya || 2-112-17

Mit den Ministern, den Freunden und den klugen Räten - berate alle Angelegenheiten, auch die überaus großen, und führe sie aus.

Wort für Wort
amātyaiḥ ca suhṛdbhiḥ ca
mit Ministern und Freunden
buddhimadbhiḥ ca mantribhiḥ
und den klugen Räten
sarva kāryāṇi sammantrya
alle Angelegenheiten beratend
sumahānty api kāraya
führe auch die überaus großen aus

lakṣmīḥ candrād apeyād vā himavān vā himam tyajet | atīyāt sāgaro velām na pratijnām aham pituḥ || 2-112-18

Eher möge der Glanz vom Mond weichen, oder der Himālaya seinen Schnee aufgeben, oder das Meer sein Ufer überschreiten, als dass ich das Versprechen an meinen Vater breche.

Wort für Wort
lakṣmīḥ candrād apeyād vā
eher möge der Glanz vom Mond weichen
himavān vā himam tyajet
oder der Himālaya seinen Schnee aufgeben
atīyāt sāgaro velām
oder das Meer sein Ufer überschreiten
na pratijnām aham pituḥ
[eher als dass] ich das Versprechen an meinen Vater [breche]

kāmād vā tāta lobhād vā mātrā tubhyam idam kṛtam | na tan manasi kartavyam vartitavyam ca mātṛvat || 2-112-19

Ob aus Wunsch oder aus Gier, mein Sohn, dies von der Mutter dir angetan wurde - das sollst du dir nicht zu Herzen nehmen, und du sollst dich ihr gegenüber wie einer Mutter gegenüber verhalten.

Wort für Wort
kāmād vā tāta lobhād vā
ob aus Wunsch oder aus Gier, mein Sohn
mātrā tubhyam idam kṛtam
dies dir von der Mutter angetan wurde
na tan manasi kartavyam
das sollst du dir nicht zu Herzen nehmen
vartitavyam ca mātṛvat
und dich wie einer Mutter gegenüber verhalten

evam bruvāṇam bharataḥ kausalyā sutam abravīt | tejasā āditya samkāśam pratipac candra darśanam || 2-112-20

Zu dem so sprechenden Sohn der Kausalyā, der an Glanz der Sonne glich, im Aussehen dem Mond am ersten Tag glich, sprach Bharata.

Wort für Wort
evam bruvāṇam bharataḥ
zu dem so sprechenden sprach Bharata
kausalyā sutam abravīt
zum Sohn der Kausalyā sprach er
tejasā āditya samkāśam
an Glanz der Sonne gleich
pratipac candra darśanam
im Aussehen dem Mond am ersten Tag gleich

adhiroha ārya pādābhyām pāduke hema bhūṣite | ete hi sarva lokasya yoga kṣemam vidhāsyataḥ || 2-112-21

Besteige, Edler, mit deinen Füßen die goldgeschmückten Sandalen; denn diese werden für das Wohl und den Schutz der ganzen Welt sorgen.

Wort für Wort
adhiroha ārya pādābhyām
besteige, Edler, mit deinen Füßen
pāduke hema bhūṣite
die goldgeschmückten Sandalen
ete hi sarva lokasya
denn diese werden der ganzen Welt
yoga kṣemam vidhāsyataḥ
Wohl und Schutz gewähren

so adhiruhya nara vyāghraḥ pāduke hy avaruhya ca | prāyagcchat sumahā tejā bharatāya mahātmane || 2-112-22

Der Tiger unter den Männern, der Hochglanzvolle, bestieg die Sandalen, stieg dann wieder herab und übergab sie dem hochherzigen Bharata.

Wort für Wort
so adhiruhya nara vyāghraḥ
er, der Tiger unter den Männern, bestieg sie
pāduke hy avaruhya ca
die Sandalen, und stieg dann herab
prāyagcchat sumahā tejā
der Hochglanzvolle übergab sie
bharatāya mahātmane
dem hochherzigen Bharata

sa pāduke sampraṇamya rāmaṃ vacanam abravīt | caturdaśa hi varṣāṇi jaṭā cīra dharo hy aham || 2-112-23

Nachdem er die Sandalen ehrerbietig gegrüßt hatte, sprach er zu Rāma: 'Vierzehn Jahre lang, mit Jaṭā-Haar und Baumrindenkleid,'

Wort für Wort
sa pāduke sampraṇamya
er, die Sandalen ehrerbietig grüßend
rāmaṃ vacanam abravīt
sprach er zu Rāma das Wort
caturdaśa hi varṣāṇi
vierzehn Jahre lang
jaṭā cīra dharo hy aham
werde ich mit Jaṭā-Haar und Baumrindenkleid sein

phala mūla āśano vīra bhaveyam raghu nandana | tava āgamanam ākāṅkṣan vasan vai nagarād bahiḥ || 2-112-24

werde ich mich von Früchten und Wurzeln ernähren, o Held, o Freude der Raghus, außerhalb der Stadt wohnend, deine Rückkehr ersehnend.

Wort für Wort
phala mūla āśano vīra
von Früchten und Wurzeln lebend, o Held
bhaveyam raghu nandana
werde ich sein, o Freude der Raghus
tava āgamanam ākāṅkṣan
deine Rückkehr ersehnend
vasan vai nagarād bahiḥ
außerhalb der Stadt wohnend

tava pādukayor nyasta rājya tantraḥ param tapa | caturdaśe tu sampūrṇe varṣe ahāni raghūttama || 2-112-25 na drakṣyāmi yadi tvāṃ tu pravekṣyāmi hutāśanam |

Die Regierungsgeschäfte auf deine Sandalen niedergelegt, o großer Büßer; wenn ich dich aber nach Ablauf des vierzehnten Jahres, o Bester der Raghus, nicht sehe, werde ich in das Feuer eingehen.

Wort für Wort
tava pādukayor nyasta rājya tantraḥ
die Regierungsgeschäfte auf deine Sandalen niedergelegt
param tapa
o großer Büßer
caturdaśe tu sampūrṇe varṣe ahāni raghūttama
wenn das vierzehnte Jahr vollendet ist, o Bester der Raghus
na drakṣyāmi yadi tvāṃ tu
wenn ich dich aber nicht sehe
pravekṣyāmi hutāśanam
werde ich in das Feuer eingehen

tathā iti ca pratijñāya tam pariṣvajya sādaram | śatrughnam ca pariṣvajya bharatam ca idam abravīt | 2-112-26

'So sei es', versprach er und umarmte ihn ehrerbietig; und nachdem er auch Śatrughna umarmt hatte, sprach er zu Bharata dies.

Wort für Wort
tathā iti ca pratijñāya
'so sei es', versprechend
tam pariṣvajya sādaram
ihn ehrerbietig umarmend
śatrughnam ca pariṣvajya
und Śatrughna umarmend
bharatam ca idam abravīt
sprach er zu Bharata dies

mātaram rakṣa kaikeyīm mā roṣam kuru tāṃ prati || 2-112-27

Beschütze die Mutter Kaikeyī, hege keinen Zorn gegen sie.

Wort für Wort
mātaram rakṣa kaikeyīm
beschütze die Mutter Kaikeyī
mā roṣam kuru tāṃ prati
hege keinen Zorn gegen sie

mayā ca sītayā caiva śapto asi raghu sattama | iti uktvā aśru parīta akṣo bhrātaram visasarja ha || 2-112-28

Von mir und ebenso von Sītā bist du beschworen, o Bester der Raghus. So sprechend, mit tränenüberströmten Augen, entließ er den Bruder.

Wort für Wort
mayā ca sītayā caiva
von mir und ebenso von Sītā
śapto asi raghu sattama
bist du beschworen, o Bester der Raghus
iti uktvā aśru parīta akṣo
so sprechend, mit tränenüberströmten Augen
bhrātaram visasarja ha
entließ er den Bruder

sa pāduke te bharataḥ pratāpavān | su alamkṛte samparigṛhya dharmavit | pradakṣiṇam caiva cakāra rāghavam | cakāra caiva uttama nāga mūrdhani || 2-112-29

Der machtvolle, dharmakundige Bharata nahm jene beiden wohlgeschmückten Sandalen entgegen, umschritt den Rāghava rechts herum und setzte sie auf den Kopf des vorzüglichen Elefanten.

Wort für Wort
sa pāduke te bharataḥ pratāpavān
der machtvolle Bharata jene Sandalen
su alamkṛte samparigṛhya dharmavit
die wohlgeschmückten entgegennehmend, der Dharmakundige
pradakṣiṇam caiva cakāra rāghavam
und umschritt den Rāghava rechts herum
cakāra caiva uttama nāga mūrdhani
und setzte sie auf den Kopf des vorzüglichen Elefanten

atha ānupūrvyāt pratipūjya tam janam | gurūn ca mantri prakṛtīḥ tathā anujau | vyasarjayad rāghava vaṃśa vardhanaḥ | sthitaḥ sva dharme himavān iva acalaḥ || 2-112-30

Dann, nachdem er der Reihe nach jene Leute geehrt hatte - die Lehrer, die Minister, die Untertanen und ebenso die beiden jüngeren Brüder - entließ sie der Mehrer des Rāghava-Geschlechts, fest in seinem eigenen Dharma stehend wie der unbewegliche Himālaya.

Wort für Wort
atha ānupūrvyāt pratipūjya tam janam
dann, der Reihe nach jene Leute ehrend
gurūn ca mantri prakṛtīḥ tathā anujau
die Lehrer, Minister, Untertanen und die beiden jüngeren Brüder
vyasarjayad rāghava vaṃśa vardhanaḥ
entließ sie der Mehrer des Rāghava-Geschlechts
sthitaḥ sva dharme himavān iva acalaḥ
fest im eigenen Dharma stehend wie der unbewegliche Himālaya

tam mātaro bāṣpa gṛhīta kaṇṭho | duḥkhena na āmantrayitum hi śekuḥ | sa tu eva mātṛr abhivādya sarvā | rudan kuṭīm svām praviveśa rāmaḥ || 2-112-31

Die Mütter, deren Kehle von Tränen erstickt war, vermochten ihn vor Schmerz nicht zu verabschieden; er aber, alle Mütter ehrerbietig grüßend, ging weinend in seine eigene Hütte.

Wort für Wort
tam mātaro bāṣpa gṛhīta kaṇṭho
die Mütter, deren Kehle von Tränen erstickt
duḥkhena na āmantrayitum hi śekuḥ
vermochten ihn vor Schmerz nicht zu verabschieden
sa tu eva mātṛr abhivādya sarvā
er aber, alle Mütter ehrerbietig grüßend
rudan kuṭīm svām praviveśa rāmaḥ
ging Rāma weinend in seine eigene Hütte

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