Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa
Sarga 85: Bharata Guha Samvādaḥ Bharata Śokaḥ
Bharata erklärt Guha seine wahre Absicht, Rāma zurückzuholen; Guha, versöhnt und bewundernd, tröstet den von tiefem Kummer überwältigten Bharata in der Nacht am Gaṅgā-Ufer
evam uktaḥ tu bharataḥ niṣāda-adhipatim guham | pratyuvāca mahā-prājño vākyam hetu-artha-saṃhitam ||
So angesprochen, erwiderte Bharata, überaus weise, Guha, dem Herrscher der Niṣādas, mit einem Wort voller Gründe und Bedeutung.
Wort für Wort evam uktaḥ tu bharataḥ so angesprochen erwiderte Bharata niṣāda-adhipatim guham dem Guha, dem Herrscher der Niṣādas pratyuvāca mahā-prājño überaus weise, erwiderte er vākyam hetu-artha-saṃhitam ein Wort voller Gründe und Bedeutung ūrjitaḥ khalu te kāmaḥ kṛtaḥ mama guroḥ sakhe | yaḥ me tvam īdṛśīm senām ekaḥ abhyarcitum icchasi ||
'Gewaltig ist wahrlich dein Wunsch, den du mir schon erfüllt hast, o Freund meines Vaters, da du allein ein solches Heer von mir ehren willst.
Wort für Wort ūrjitaḥ khalu te kāmaḥ gewaltig ist wahrlich dein Wunsch kṛtaḥ mama guroḥ sakhe den du mir erfüllt hast, o Freund meines Vaters yaḥ me tvam īdṛśīm senām da du ein solches Heer von mir ekaḥ abhyarcitum icchasi allein ehren willst iti uktvā tu mahā-tejāḥ guham vacanam uttamam | abravīt bharataḥ śrīmān niṣāda-adhipatim punaḥ ||
Nachdem er dieses treffliche Wort gesagt hatte, sprach der glanzvolle, glorreiche Bharata erneut zu Guha, dem Herrscher der Niṣādas:
Wort für Wort iti uktvā tu mahā-tejāḥ nachdem der überaus glanzvolle so gesagt hatte guham vacanam uttamam zu Guha dieses treffliche Wort abravīt bharataḥ śrīmān sprach der glorreiche Bharata niṣāda-adhipatim punaḥ erneut zu dem Herrscher der Niṣādas katareṇa gamiṣyāmi bharadvāja-āśramam guha | gahanaḥ ayam bhṛśam deśaḥ gaṅgā-anūpaḥ duratyayaḥ ||
'Auf welchem Weg werde ich zur Einsiedelei des Bharadvāja gelangen, Guha? Diese Gegend ist überaus dicht bewachsen, das sumpfige Gaṅgā-Land, schwer zu durchqueren.'
Wort für Wort katareṇa gamiṣyāmi auf welchem Weg werde ich gelangen bharadvāja-āśramam guha zur Einsiedelei des Bharadvāja, Guha gahanaḥ ayam bhṛśam deśaḥ diese Gegend ist überaus dicht gaṅgā-anūpaḥ duratyayaḥ das sumpfige Gaṅgā-Land, schwer zu durchqueren tasya tat vacanam śrutvā rāja-putrasya dhīmataḥ | abravīt prāñjaliḥ vākyam guhaḥ gahana-gocaraḥ ||
Als er dieses Wort des weisen Königssohnes gehört hatte, sprach Guha, kundig der Wildnis, mit gefalteten Händen:
Wort für Wort tasya tat vacanam śrutvā als er dessen Wort gehört hatte rāja-putrasya dhīmataḥ des weisen Königssohnes abravīt prāñjaliḥ vākyam sprach er mit gefalteten Händen das Wort guhaḥ gahana-gocaraḥ Guha, kundig der Wildnis dāśāḥ tu anugamiṣyanti dhanvinaḥ su-samāhitāḥ | aham ca anugamiṣyāmi rāja-putra mahā-yaśaḥ ||
'Fährleute, Bogenschützen, wohlgerüstet, werden dich begleiten; und auch ich werde dich begleiten, o hochberühmter Königssohn.'
Wort für Wort dāśāḥ tu anugamiṣyanti die Fährleute werden begleiten dhanvinaḥ su-samāhitāḥ die Bogenschützen, wohlgerüstet aham ca anugamiṣyāmi und auch ich werde begleiten rāja-putra mahā-yaśaḥ o hochberühmter Königssohn kaccit na duṣṭaḥ vrajasi rāmasya akliṣṭa-karmaṇaḥ | iyam te mahatī senā śaṅkām janayati iva me ||
'Ziehst du wohl nicht in böser Absicht gegen Rāma, den unermüdlich Tätigen? Dieses dein gewaltiges Heer erweckt mir gleichsam Argwohn.'
Wort für Wort kaccit na duṣṭaḥ vrajasi ziehst du wohl nicht in böser Absicht rāmasya akliṣṭa-karmaṇaḥ gegen Rāma, den unermüdlich Tätigen iyam te mahatī senā dieses dein gewaltiges Heer śaṅkām janayati iva me erweckt mir gleichsam Argwohn tam evam abhibhāṣantam ākāśa-iva nirmalam | bharataḥ ślakṣṇayā vācā guham vacanam abravīt ||
Zu ihm, der so sprach, so klar wie der Himmel, sprach Bharata mit sanfter Stimme zu Guha das Wort:
Wort für Wort tam evam abhibhāṣantam zu ihm, der so sprach ākāśa-iva nirmalam so klar wie der Himmel bharataḥ ślakṣṇayā vācā Bharata mit sanfter Stimme guham vacanam abravīt sprach zu Guha das Wort mā bhūt sa kālaḥ yat kaṣṭam mām śaṅkitum arhasi | rāghavaḥ sa hi me bhrātā jyeṣṭhaḥ pitṛ-samaḥ mama ||
'Möge jene Zeit nie kommen, in der du berechtigten Grund hättest, mich eines so schlimmen Dings zu verdächtigen! Denn der Rāghava ist mein älterer Bruder, mir dem Vater gleich.'
Wort für Wort mā bhūt sa kālaḥ möge jene Zeit nie kommen yat kaṣṭam mām śaṅkitum arhasi in der du berechtigten Grund hättest, mich Schlimmes zu verdächtigen rāghavaḥ sa hi me bhrātā jyeṣṭhaḥ denn der Rāghava ist ja mein älterer Bruder pitṛ-samaḥ mama mir dem Vater gleich tam nivartayitum yāmi kākutstham vana-vāsinam | buddhiḥ anyā na te kāryā guha satyam bravīmi te ||
'Ich gehe, um jenen Kākutstha, der im Wald wohnt, zurückzuholen; du sollst keinen anderen Gedanken hegen, Guha, ich sage dir die Wahrheit.'
Wort für Wort tam nivartayitum yāmi ich gehe, um jenen zurückzuholen kākutstham vana-vāsinam den Kākutstha, der im Wald wohnt buddhiḥ anyā na te kāryā du sollst keinen anderen Gedanken hegen guha satyam bravīmi te Guha, ich sage dir die Wahrheit sa tu saṃhṛṣṭa-vadanaḥ śrutvā bharata-bhāṣitam | punaḥ eva abravīt vākyam bharatam prati harṣitaḥ ||
Er aber, sein Antlitz von Freude erhellt, als er Bharatas Worte gehört hatte, sprach, hocherfreut, erneut zu Bharata dieses Wort:
Wort für Wort sa tu saṃhṛṣṭa-vadanaḥ er aber, sein Antlitz von Freude erhellt śrutvā bharata-bhāṣitam als er Bharatas Worte gehört hatte punaḥ eva abravīt vākyam sprach er erneut das Wort bharatam prati harṣitaḥ zu Bharata, hocherfreut dhanyaḥ tvam na tvayā tulyam paśyāmi jagatī-tale | ayatnāt āgatam rājyam yaḥ tvam tyaktum iha icchasi ||
'Gesegnet bist du! Ich sehe auf der ganzen Erde niemanden dir Gleichen, da du willens bist, ein dir ohne Mühe zugefallenes Königreich hier aufzugeben.
Wort für Wort dhanyaḥ tvam gesegnet bist du na tvayā tulyam paśyāmi jagatī-tale ich sehe niemanden dir Gleichen auf der Erde ayatnāt āgatam rājyam ein ohne Mühe zugefallenes Königreich yaḥ tvam tyaktum iha icchasi da du es hier aufzugeben willens bist śāśvatī khalu te kīrtiḥ lokān anucariṣyati | yaḥ tvam kṛcchra-gatam rāmam pratyānayitum icchasi ||
Wahrhaftig, ewiger Ruhm wird dir durch die Welten folgen, da du den in Not geratenen Rāma zurückzuführen willens bist.'
Wort für Wort śāśvatī khalu te kīrtiḥ wahrhaftig, ewiger Ruhm dir lokān anucariṣyati wird durch die Welten folgen yaḥ tvam kṛcchra-gatam rāmam da du den in Not geratenen Rāma pratyānayitum icchasi zurückzuführen willens bist evam saṃbhāṣamāṇasya guhasya bharatam tadā | babhau naṣṭa-prabhaḥ sūryaḥ rajanī ca abhyavartata ||
Während Guha so mit Bharata sprach, erlosch das Licht der Sonne, und die Nacht brach herein.
Wort für Wort evam saṃbhāṣamāṇasya guhasya während Guha so sprach bharatam tadā mit Bharata, da babhau naṣṭa-prabhaḥ sūryaḥ erlosch das Licht der Sonne rajanī ca abhyavartata und die Nacht brach herein saṃniveśya sa tām senām guhena paritoṣitaḥ | śatrughnena saha śrīmān śayanam punaḥ āgamat ||
Nachdem er jenes Heer hatte aufschlagen lassen und von Guha gastlich versorgt worden war, begab sich der glorreiche Bharata mit Śatrughna wieder zu seinem Lager.
Wort für Wort saṃniveśya sa tām senām nachdem er jenes Heer hatte aufschlagen lassen guhena paritoṣitaḥ von Guha gastlich versorgt śatrughnena saha śrīmān der glorreiche mit Śatrughna śayanam punaḥ āgamat begab sich wieder zu seinem Lager rāma-cintāmayaḥ śokaḥ bharatasya mahātmanaḥ | upasthitaḥ hi anarhasya dharma-prekṣasya tādṛśaḥ ||
Denn solch ein aus Gedanken an Rāma gewobener Kummer war über den hochgesinnten, dies nicht verdienenden, stets nach Recht blickenden Bharata gekommen —
Wort für Wort rāma-cintāmayaḥ śokaḥ der aus Gedanken an Rāma gewobene Kummer bharatasya mahātmanaḥ über den hochgesinnten Bharata upasthitaḥ hi anarhasya war ja gekommen, über den, der es nicht verdiente dharma-prekṣasya tādṛśaḥ der stets nach Recht blickte, solch ein Kummer antar-dāhena dahanaḥ saṃtāpayati rāghavam | vana-dāha-abhisaṃtaptam gūḍhaḥ agniḥ iva pādapam ||
ein inneres Brennen quälte den Rāghava, wie ein verborgenes Feuer einen bereits vom Waldbrand versengten Baum quält.
Wort für Wort antar-dāhena dahanaḥ ein inneres Brennen, ein Feuer saṃtāpayati rāghavam quälte den Rāghava vana-dāha-abhisaṃtaptam einen vom Waldbrand versengten gūḍhaḥ agniḥ iva pādapam wie ein verborgenes Feuer einen Baum [quält] prasrutaḥ sarva-gātrebhyaḥ svedaḥ śoka-agni-sambhavaḥ | yathā sūrya-aṃśu-saṃtaptaḥ himavān prasrutaḥ himam ||
Schweiß, entstanden aus dem Feuer des Kummers, rann von all seinen Gliedern, wie der von den Sonnenstrahlen erhitzte Himālaya schmelzenden Schnee vergießt.
Wort für Wort prasrutaḥ sarva-gātrebhyaḥ es rann von all seinen Gliedern svedaḥ śoka-agni-sambhavaḥ der Schweiß, entstanden aus dem Feuer des Kummers yathā sūrya-aṃśu-saṃtaptaḥ wie der von Sonnenstrahlen erhitzte himavān prasrutaḥ himam Himālaya schmelzenden Schnee vergießt dhyāna-nirdara-śailena viniḥśvasita-dhātunā | dainya-pādapa-saṃghena śoka-āyāsa-adhiśṛṅgiṇā ||
[Sein Kummer glich] einem Berg mit Höhlen der Versunkenheit, mit Seufzern als seinem Erz, mit einer Menge von Bäumen des Elends, gekrönt von Gipfeln des Grams und der Erschöpfung,
Wort für Wort dhyāna-nirdara-śailena einem Berg mit Höhlen der Versunkenheit viniḥśvasita-dhātunā mit Seufzern als seinem Erz dainya-pādapa-saṃghena mit einer Menge von Bäumen des Elends śoka-āyāsa-adhiśṛṅgiṇā gekrönt von Gipfeln des Grams und der Erschöpfung pramoha-ananta-sattvena saṃtāpa-oṣadhi-veṇunā | ākrāntaḥ duḥkha-śailena mahatā kaikayī-sutaḥ ||
mit endloser Verwirrung als seinen Geschöpfen, mit den Kräutern und Bambussen der Qual — von diesem gewaltigen Berg des Leids ward der Sohn der Kaikeyī überwältigt.
Wort für Wort pramoha-ananta-sattvena mit endloser Verwirrung als Geschöpfen saṃtāpa-oṣadhi-veṇunā mit den Kräutern und Bambussen der Qual ākrāntaḥ duḥkha-śailena mahatā überwältigt von diesem gewaltigen Berg des Leids kaikayī-sutaḥ der Sohn der Kaikeyī viniḥśvasan vaibhṛśa-durmanāḥ tataḥ | pramūḍha-saṃjñaḥ param āpadam gataḥ | śamam na lebhe hṛdaya-jvara-arditaḥ | nara-rṣabhaḥ yūtha-hataḥ yathā ṛṣabhaḥ ||
Seufzend, überaus niedergeschlagen, seines Bewusstseins beraubt, in äußerste Not geraten, fand der von Herzensfieber gequälte Stier unter den Männern keine Ruhe — wie ein aus der Herde vertriebener Stier.
Wort für Wort viniḥśvasan vaibhṛśa-durmanāḥ tataḥ seufzend, überaus niedergeschlagen, da pramūḍha-saṃjñaḥ param āpadam gataḥ seines Bewusstseins beraubt, in äußerste Not geraten śamam na lebhe hṛdaya-jvara-arditaḥ fand keine Ruhe, gequält vom Herzensfieber nara-rṣabhaḥ yūtha-hataḥ yathā ṛṣabhaḥ der Stier unter den Männern, wie ein aus der Herde vertriebener Stier guhena sārdham bharataḥ samāgataḥ | mahā-anubhāvaḥ sa-janaḥ samāhitaḥ | su-durmanāḥ tam bharatam tadā punaḥ | guhaḥ samāśvāsayat agrajam prati ||
Bharata, hochgesinnt, samt seinen Leuten, gefasst, war mit Guha zusammengekommen; und Guha tröstete den zutiefst niedergeschlagenen Bharata da erneut hinsichtlich seines älteren Bruders.
Wort für Wort guhena sārdham bharataḥ samāgataḥ Bharata war mit Guha zusammengekommen mahā-anubhāvaḥ sa-janaḥ samāhitaḥ hochgesinnt, samt seinen Leuten, gefasst su-durmanāḥ tam bharatam tadā punaḥ den zutiefst niedergeschlagenen Bharata da erneut guhaḥ samāśvāsayat agrajam prati tröstete Guha hinsichtlich seines älteren Bruders
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