Sarga 75: Bharata Satyaśapatha Kathanam
Kausalyā beklagt Bharata bitter für die vermeintlich errungene Herrschaft; Bharata schwört eine gewaltige Reihe von Selbstverfluchungen, um seine Unschuld an der Verbannung Rāmas zu beteuern, und Kausalyā tröstet ihn schließlich
So zu Sumitrā gesprochen habend, machte sie sich, entfärbt, in besudeltem Gewand, zitternd, ihrer Sinne fast beraubt, auf den Weg dorthin, wo Bharata war.
Da umarmten Śatrughna und Bharata, betrübt, die kummergequälte, hingesunkene, ihrer Sinne beraubte Kausalyā, weinend die Weinende, an die edle, hochgesinnte Herrin herantretend.
Nie sei mein Denken den Schriften gemäß gebildet gewesen, wenn es mit meinem Wissen war, dass der Edle - jener seinem Wort Treue, der Beste der Guten - fortgegangen ist.
Wort für Wort
kṛtā śāstrānugā buddhiḥ
gebildetes, den Schriften gemäßes Denken
mā bhūt tasya kadācana
sei nie das meine gewesen
satyasaṃdhaḥ satāṃ śreṣṭhaḥ
der seinem Wort Treue, der Beste der Guten
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
praiṣyaṃ pāpīyasāṃ yātu sūryaṃ ca prati mehatu |
hantu pādena gāṃ suptāṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||
Ich werde zum Diener der Übelsten werden, ich werde gegen die Sonne mein Wasser lassen, ich werde eine schlafende Kuh mit dem Fuß treten, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
praiṣyam pāpīyasām yātu
möge ich zum Diener der Übelsten werden
sūryam ca prati mehatu
und möge ich gegen die Sonne [mein Wasser] lassen
hantu pādena gām suptām
möge ich eine schlafende Kuh mit dem Fuß treten
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
saṃśrutya ca tapasvibhyaḥ satre vai yajñadakṣiṇām |
tāṃ vipralapatāṃ pāpaṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||
Das Unrecht dessen, der, nachdem er Asketen bei einer Opferveranstaltung eine Opfergabe zugesagt hat, davon abweicht, sei meines, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
saṃśrutya ca tapasvibhyaḥ
nachdem er Asketen zugesagt hat
satre vai yajñadakṣiṇām
bei einer Opferveranstaltung eine Opfergabe
tām vipralapatām pāpam
das Unrecht dessen, der davon abweicht
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Nie möge ich in einer von Elefanten, Pferden und Wagen gedrängten, von Waffen erfüllten Schlacht die Pflicht der Tapferen erfüllen, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
hastyaśvarathasaṃbādhe
in einer von Elefanten, Pferden, Wagen gedrängten
yuddhe śastrasamākule
Schlacht, von Waffen erfüllt
mā sma kārṣīt satām dharmam
nie möge ich die Pflicht der Tapferen erfüllen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Niemals möge ich jenen von breiten Schultern und Armen, vom Glanz des Mondes und der Sonne, im Reich sitzend und weilend, erblicken, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
mā ca tam pīḍhabāhvaṃsam
niemals ihn, von breiten Schultern und Armen
candrārkasaṃtejasam
vom Glanz des Mondes und der Sonne
drākṣīt rājyastham āsīnam
möge ich erblicken, im Reich sitzend
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
pāyasaṃ kṛsaraṃ cāgraṃ vṛthā so 'śnātu nirghṛṇaḥ |
gurūṃśca api avajānātu yasyāryo 'numate gataḥ ||
Möge jener Erbarmungslose feinste Milchreis- und Sesamspeise vergeblich essen, und möge er auch seine Älteren missachten, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
pāyasam kṛsaram ca agram
feinste Milchreis- und Sesamspeise
vṛthā saḥ aśnātu nirghṛṇaḥ
möge jener Erbarmungslose vergeblich essen
gurūn ca api avajānātu
und möge er auch die Älteren missachten
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Möge er, betrübt, seine eigene Nachkommenschaft von seinen eigenen Frauen nicht erblicken, ohne ein volles Lebensalter zu erlangen, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
mā ātmanaḥ saṃtatim drākṣīt
möge er seine eigene Nachkommenschaft nicht erblicken
sveṣu dāreṣu duḥkhitaḥ
von seinen eigenen Frauen, betrübt
āyuḥ samagram aprāpya
ohne ein volles Lebensalter zu erlangen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
rājastrībālavṛddhānāṃ vadhe yatpāpamucyate |
bhṛtyatyāge ca yatpāpaṃ tatpāpaṃ pratipadyatām ||
Das Unrecht, das bei der Tötung der Frauen, Kinder und Alten eines Königs genannt wird, und das Unrecht bei der Verlassung eines Dieners - jenes Unrecht möge er auf sich nehmen.
Wort für Wort
rājastrībālavṛddhānām vadhe
bei der Tötung der Frauen, Kinder und Alten eines Königs
lākṣayā madhumāṃsena lohena ca viṣeṇa ca |
sadaiva bibhṛyādbhṛtyān yasyāryo 'sumate gataḥ ||
Möge er seine Diener stets mit Lack, Honig und Fleisch, mit Eisen und mit Gift 'versorgen' [d.h. sie hinterlistig schädigen], wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
lākṣayā madhumāṃsena
mit Lack, Honig und Fleisch
lohena ca viṣeṇa ca
mit Eisen und mit Gift
sadā eva bibhṛyāt bhṛtyān
möge er stets seine Diener 'versorgen' [hinterlistig schädigen]
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Möge er, wenn die Schlacht sich entfacht hat, fliehend erschlagen werden, [er,] der der feindlichen Seite Furcht einflößte, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
saṃgrāme samupoḍhe
wenn die Schlacht sich entfacht hat
saḥ śatrupakṣabhayaṃkare
er, der der feindlichen Seite Furcht einflößte
palāyamānaḥ vadhyeta
möge er fliehend erschlagen werden
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
yasya dharme mano bhūyādadharmaṃ sa niṣevatām |
apātravarṣī bhavatu yasyāryo 'numate gataḥ ||
Möge er, dessen Sinn der Rechtschaffenheit zugetan sein sollte, stattdessen dem Unrecht folgen, und möge er [seine Gaben] an Unwürdige verschwenden, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
yasya dharme manaḥ bhūyāt
dessen Sinn der Rechtschaffenheit zugetan sein sollte
adharmam saḥ niṣevatām
möge er dem Unrecht folgen
apātravarṣī bhavatu
möge er [Gaben] an Unwürdige verschwenden
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Das Unrecht des Brandstifters, das Unrecht dessen, der das Lager des Lehrers schändet, und das Unrecht des Freundesverräters - jenes Unrecht möge er auf sich nehmen.
Wort für Wort
yat agnidāyake pāpam
das Unrecht des Brandstifters
yatpāpam gurutalpage
und das Unrecht dessen, der das Lager des Lehrers schändet
Möge er sogleich, noch heute, aus der Welt der Guten, aus dem Ruhm der Guten, und ebenso aus dem von den Guten geübten Tun herabfallen, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
satām lokāt satām kīrtyāḥ
aus der Welt der Guten, aus dem Ruhm der Guten
satsevitāt karmaṇaḥ tathā
und ebenso aus dem von den Guten geübten Tun
bhraśyatu kṣipram adya eva
möge er sogleich, noch heute, herabfallen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Möge er die Hoffnung der Gleichgestellten, der Elenden, die [hoffnungsvoll] emporblicken, und der Bittsteller vereiteln, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
āśām āśam samānānām
die Hoffnung der Gleichgestellten
dīnānām ūrdhvacakṣuṣām
der Elenden, die emporblicken
ārthinām vitathām kuryāt
möge er die der Bittsteller vereiteln
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Möge jener Tor, seine rechtmäßige Gattin verlassend, die Frauen anderer aufsuchen, in der Aufgabe der Rechtschaffenheit seine Freude findend, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
dharmadārān parityajya
die rechtmäßige Gattin verlassend
paradārān niṣevatām
möge er die Frauen anderer aufsuchen
tyaktadharmaratiḥ mūḍhaḥ
in der Aufgabe der Rechtschaffenheit seine Freude findend, der Tor
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Das Unrecht, das einem Brahmanen zukommt, dessen Nachkommenschaft [gewaltsam] vernichtet wurde - eben dieses möge er auf sich nehmen, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
vipraluptaprajātasya
dessen Nachkommenschaft [gewaltsam] vernichtet wurde
duṣkṛtam brāhmaṇasya yat
das Unrecht, das einem Brahmanen [zukommt]
tat eva pratipadyeta
eben dieses möge er auf sich nehmen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Möge er, von getrübten Sinnen, die einem Brahmanen erwiesene Ehrung zunichtemachen, und eine Kuh mit jungem Kalb melken, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
brāhmaṇāya udyatām pūjām
die einem Brahmanen erwiesene Ehrung
vihantu kaluṣendriyaḥ
möge er zunichtemachen, von getrübten Sinnen
bālavatsām ca gām dogdhu
und eine Kuh mit jungem Kalb möge er melken
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Möge er das Unrecht dessen empfangen, der einen von Durst Geplagten, obwohl Wasser vorhanden ist, mit Täuschung hinhält, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
tṛṣṇārtam sati pānīye
einen von Durst Geplagten, obwohl Wasser vorhanden ist
vipralambhena yojayet
möge er mit Täuschung hinhalten
labheta tasya yatpāpam
möge er dessen Unrecht empfangen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
Möge er mit dem Unrecht dessen behaftet sein, der, an einem Weg verweilend, unter dem Vorwand der Anhänglichkeit den Streitenden [heuchlerisch] zusieht, wenn es mit meinem Wissen war.
Wort für Wort
bhaktyā vivadamāneṣu
unter dem Vorwand der Anhänglichkeit, unter den Streitenden
mārgam āśritya paśyataḥ
an einem Weg verweilend, [heuchlerisch] Zusehenden
tasya pāpena yujyeta
möge er mit dessen Unrecht behaftet sein
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist
diṣṭyā na calitaḥ dharmāt ātmā te saha lakṣmaṇaḥ |
vatsa satyapratijño me satāṃ lokānavāpsyasi ||
Zum Glück ist dein Sinn, zusammen mit Lakṣmaṇa, nicht von der Rechtschaffenheit gewichen; mein Kind, deinem Gelübde treu, wirst du die Welten der Guten erlangen.'
Wort für Wort
diṣṭyā na calitaḥ dharmāt
zum Glück ist [er] nicht von der Rechtschaffenheit gewichen