Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 75: Bharata Satyaśapatha Kathanam Kausalyā beklagt Bharata bitter für die vermeintlich errungene Herrschaft; Bharata schwört eine gewaltige Reihe von Selbstverfluchungen, um seine Unschuld an der Verbannung Rāmas zu beteuern, und Kausalyā tröstet ihn schließlich

dīrghakālātsamutthāya saṃjñāṃ labdhvā ca vīryavān | netrābhyāmaśrupūrṇābhyāṃ dīnāmudvīkṣya mātaram ||

Nach langer Zeit sich erhebend und das Bewusstsein wiedererlangend, sah der Tatkräftige mit tränenerfüllten Augen seine elende Mutter an,

Wort für Wort
dīrghakālāt samutthāya
nach langer Zeit sich erhebend
saṃjñām labdhvā ca vīryavān
und das Bewusstsein wiedererlangend, der Tatkräftige
netrābhyām aśrupūrṇābhyām
mit tränenerfüllten Augen
dīnām udvīkṣya mātaram
seine elende Mutter ansehend

rājyaṃ na kāmaye jātu mantraye nāpi mātaram ||

[und sprach:] 'Niemals begehre ich das Reich, noch berate ich mich mit meiner [Stief-]Mutter.'

Wort für Wort
rājyam na kāmaye jātu
niemals begehre ich das Reich
mantraye na api mātaram
noch berate ich mich mit der Mutter

abhiṣekaṃ na jānāmi yo 'bhūdrajñā samīkṣitaḥ | viprakṛṣṭe hyahaṃ deśe śatrughnasahito 'vasam ||

'Von der Weihe, die vom König erwogen wurde, weiß ich nichts; denn ich weilte in einem fernen Land, zusammen mit Śatrughna.

Wort für Wort
abhiṣekam na jānāmi
von der Weihe weiß ich nichts
yaḥ abhūt rajñā samīkṣitaḥ
die vom König erwogen wurde
viprakṛṣṭe hi aham deśe
denn ich [weilte] in einem fernen Land
śatrughnasahitaḥ avasam
zusammen mit Śatrughna weilte ich

vanavāsaṃ na jānāmi rāmasyāhaṃ mahātmanaḥ | vivāsanaṃ vā saumitreḥ sītāyāśca yathābhavat ||

Vom Waldaufenthalt des großherzigen Rāma weiß ich nichts, noch [weiß ich], wie die Verbannung des Sohnes der Sumitrā und der Sītā geschah.'

Wort für Wort
vanavāsam na jānāmi
vom Waldaufenthalt weiß ich nichts
rāmasya aham mahātmanaḥ
des großherzigen Rāma
vivāsanam vā saumitreḥ
noch von der Verbannung des Sohnes der Sumitrā
sītāyāḥ ca yathā abhavat
und der Sītā, wie sie geschah

tathaiva krośatastasya bharatasya mahātmanaḥ | kausalyā śabdamājñāya sumitrāmidamabravīt ||

Während jener großherzige Bharata so klagend rief, erkannte Kausalyā den Klang und sprach zu Sumitrā dieses:

Wort für Wort
tathā eva krośataḥ tasya
während jener klagend rief
bharatasya mahātmanaḥ
jenes großherzigen Bharata
kausalyā śabdam ājñāya
Kausalyā, den Klang erkennend
sumitrām idam abravīt
sprach zu Sumitrā dieses

āgataḥ krūrakāryāyāḥ kaikeyyā bharataḥ sutaḥ | tamahaṃ draṣṭumicchāmi bharataṃ dīrghadarśinam ||

'Bharata, der Sohn der grausam handelnden Kaikeyī, ist angekommen; ich möchte jenen weitblickenden Bharata sehen.'

Wort für Wort
āgataḥ krūrakāryāyāḥ
angekommen ist [der Sohn] der grausam handelnden
kaikeyyā bharataḥ sutaḥ
der Kaikeyī, Bharata, der Sohn
tam aham draṣṭum icchāmi
ihn möchte ich sehen
bharatam dīrghadarśinam
den weitblickenden Bharata

evamuktvā sumitrāṃ sā vivarṇā malinā ambarā | pratasthe bharataḥ yatra vepamānā vicetanā ||

So zu Sumitrā gesprochen habend, machte sie sich, entfärbt, in besudeltem Gewand, zitternd, ihrer Sinne fast beraubt, auf den Weg dorthin, wo Bharata war.

Wort für Wort
evam uktvā sumitrām sā
so zu Sumitrā gesprochen habend, sie
vivarṇā malinā ambarā
entfärbt, in besudeltem Gewand
pratasthe bharataḥ yatra
machte sie sich auf den Weg, wo Bharata [war]
vepamānā vicetanā
zitternd, ihrer Sinne fast beraubt

sa tu rāmānujaśca api śatrughnasahitaḥ tadā | pratasthe bharataḥ yatra kausalyāyā niveśanam ||

Er aber, der jüngere Bruder Rāmas, machte sich damals zusammen mit Śatrughna ebenfalls auf den Weg zu Kausalyās Wohnung.

Wort für Wort
saḥ tu rāmānujaḥ ca api
er aber, der jüngere Bruder Rāmas, auch
śatrughnasahitaḥ tadā
zusammen mit Śatrughna damals
pratasthe bharataḥ yatra
machte sich Bharata auf den Weg, wo
kausalyāyā niveśanam
Kausalyās Wohnung [war]

tataḥ śatrughnabharatau kausalyāṃ prekṣya duḥkhitau | paryaṣvajetāṃ duḥkhārtāṃ patitāṃ naṣṭacetanām | rudantau rudatīṃ duḥkhātsametyāryāṃ manasvinīm ||

Da umarmten Śatrughna und Bharata, betrübt, die kummergequälte, hingesunkene, ihrer Sinne beraubte Kausalyā, weinend die Weinende, an die edle, hochgesinnte Herrin herantretend.

Wort für Wort
tataḥ śatrughnabharatau
da Śatrughna und Bharata
kausalyām prekṣya duḥkhitau
Kausalyā erblickend, betrübt
paryaṣvajetām duḥkhārtām
umarmten sie die kummergequälte
patitām naṣṭacetanām
die hingesunkene, ihrer Sinne beraubte
rudantau rudatīm duḥkhāt
weinend, die aus Kummer Weinende
sametya āryām manasvinīm
an die edle, hochgesinnte [Herrin] herantretend

bharataṃ pratyuvācedaṃ kausalyā bhṛśaduḥkhitā |

Kausalyā, überaus betrübt, antwortete Bharata dieses:

Wort für Wort
bharatam pratyuvāca idam
antwortete Bharata dieses
kausalyā bhṛśaduḥkhitā
Kausalyā, überaus betrübt

idaṃ te rājyakāmasya rājyaṃ prāptamakaṇṭakam | samprāptaṃ bata kaikeyyā śīghraṃ krūreṇa karmaṇā ||

'Hier ist, für dich, der du das Reich begehrst, das Reich erlangt, frei von Dornen - rasch erlangt, ach, durch Kaikeyīs grausame Tat.

Wort für Wort
idam te rājyakāmasya
hier ist für dich, der du das Reich begehrst
rājyam prāptam akaṇṭakam
das Reich erlangt, frei von Dornen
samprāptam bata kaikeyyā
erlangt, ach, durch Kaikeyī
śīghram krūreṇa karmaṇā
rasch, durch [ihre] grausame Tat

prasthāpya cīravasanaṃ putraṃ me vanavāsinam | kaikeyī kaṃ guṇaṃ tatra paśyati krūradarśinī ||

Nachdem sie meinen in Rinde gekleideten Sohn in den Waldaufenthalt geschickt hat - welchen Vorteil sieht Kaikeyī, die grausam Blickende, darin?

Wort für Wort
prasthāpya cīravasanam
nachdem sie in Rinde gekleidet geschickt hat
putram me vanavāsinam
meinen Sohn, in den Waldaufenthalt
kaikeyī kam guṇam tatra
welchen Vorteil Kaikeyī darin
paśyati krūradarśinī
sieht, die grausam Blickende

kṣipraṃ māmapi kaikeyī prasthāpayitumarhati | hiraṇyanābho yatrāste sutaḥ me sumahāyaśāḥ ||

Auch mich sollte Kaikeyī rasch dorthin schicken, wo mein überaus ruhmreicher Sohn weilt.

Wort für Wort
kṣipram mām api kaikeyī
auch mich sollte Kaikeyī rasch
prasthāpayitum arhati
dorthin schicken
hiraṇyanābhaḥ yatra āste
wo [er] weilt
sutaḥ me sumahāyaśāḥ
mein überaus ruhmreicher Sohn

athavā svayameva ahaṃ sumitrānucarā sukham | agnihotraṃ puraḥkṛtya prasthāsye yatra rāghavaḥ ||

Oder ich selbst, von Sumitrā gerne begleitet, werde, das Opferfeuer voranstellend, dorthin aufbrechen, wo der Rāghava ist.

Wort für Wort
athavā svayam eva aham
oder ich selbst
sumitrānucarā sukham
von Sumitrā gerne begleitet
agnihotram puraḥkṛtya
das Opferfeuer voranstellend
prasthāsye yatra rāghavaḥ
werde ich aufbrechen, wo der Rāghava [ist]

kāmaṃ vā svayameva adya tatra māṃ netumarhasi | yatrāsau puruṣavyāghraḥ tapyate me tapaḥ sutaḥ ||

Oder wenn du willst, führe du selbst mich noch heute dorthin, wo jener Tiger unter den Männern, mein Sohn, seine Buße vollbringt.

Wort für Wort
kāmam vā svayam eva adya
oder wenn du willst, du selbst heute
tatra mām netum arhasi
solltest du mich dorthin führen
yatra asau puruṣavyāghraḥ
wo jener Tiger unter den Männern
tapyate me tapaḥ sutaḥ
meine Buße vollbringt, der Sohn

idaṃ hi tava vistīrṇaṃ dhanadhānyasamācitam | hastyaśvarathasampūrṇaṃ rājyaṃ niryātitaṃ tayā ||

Denn dieses weite, mit Reichtum und Getreide gefüllte, mit Elefanten, Pferden und Wagen erfüllte Reich wurde dir von ihr überliefert.'

Wort für Wort
idam hi tava vistīrṇam
denn dieses weite [Reich], dir
dhanadhānyasamācitam
mit Reichtum und Getreide gefüllt
hastyaśvarathasampūrṇam
mit Elefanten, Pferden und Wagen erfüllt
rājyam niryātitam tayā
das Reich wurde von ihr überliefert

ityādibahubhirvākyaiḥ krūraiḥ saṃbharstito 'naghaḥ | vivyathe bharataḥ tīvraṃ vraṇe tudyeva sūcinā ||

Durch diese und viele solche grausame Worte getadelt, litt der schuldlose Bharata heftig, wie mit einer Nadel in eine Wunde gestochen.

Wort für Wort
iti ādi bahubhiḥ vākyaiḥ krūraiḥ
durch diese und viele solche grausame Worte
saṃbharstitaḥ anaghaḥ
getadelt, der Schuldlose
vivyathe bharataḥ tīvram
litt Bharata heftig
vraṇe tudya iva sūcinā
wie mit einer Nadel in eine Wunde gestochen

papāta caraṇau tasyāstadā saṃbhrāntacetanaḥ | vilapya bahudhāsaṃjño labdhasaṃjñastataḥ sthitaḥ ||

Er fiel dann, seines Sinnes verwirrt, zu ihren Füßen, klagte vielfach, fast besinnungslos, und stand dann, wieder zu sich gekommen, auf.

Wort für Wort
papāta caraṇau tasyāḥ
er fiel zu ihren Füßen
tadā saṃbhrāntacetanaḥ
dann, seines Sinnes verwirrt
vilapya bahudhā asaṃjñaḥ
vielfach klagend, fast besinnungslos
labdhasaṃjñaḥ tataḥ sthitaḥ
wieder zu sich gekommen, stand er dann

evaṃ vilapamānāṃ tāṃ bharataḥ prāñjaliḥ tadā | kausalyāṃ pratyuvācedaṃ śokairbahubhirāvṛtām ||

Zu jener so klagenden Kausalyā, die von vielem Kummer umschlossen war, sprach Bharata dann, mit gefalteten Händen, dieses:

Wort für Wort
evam vilapamānām tām
zu jener so klagenden
bharataḥ prāñjaliḥ tadā
Bharata, mit gefalteten Händen, dann
kausalyām pratyuvāca idam
antwortete Kausalyā dieses
śokaiḥ bahubhiḥ āvṛtām
die von vielem Kummer umschlossen war

ārye kasmādajānantaṃ garhase māmakilbiṣam | vipulāṃ ca mama prītiṃ sthirāṃ jānāsi rāghave ||

'Edle, warum tadelst du mich, den Unwissenden, Schuldlosen, da du doch meine tiefe und feste Liebe zum Rāghava kennst?

Wort für Wort
ārye kasmāt ajānantam
edle, warum den Unwissenden
garhase mām akilbiṣam
tadelst du mich, den Schuldlosen
vipulām ca mama prītim
und meine tiefe Liebe
sthirām jānāsi rāghave
kennst du fest, zum Rāghava

kṛtā śāstrānugā buddhirmā bhūttasya kadācana | satyasaṃdhaḥ satāṃ śreṣṭho yasyāryo 'numate gataḥ ||

Nie sei mein Denken den Schriften gemäß gebildet gewesen, wenn es mit meinem Wissen war, dass der Edle - jener seinem Wort Treue, der Beste der Guten - fortgegangen ist.

Wort für Wort
kṛtā śāstrānugā buddhiḥ
gebildetes, den Schriften gemäßes Denken
mā bhūt tasya kadācana
sei nie das meine gewesen
satyasaṃdhaḥ satāṃ śreṣṭhaḥ
der seinem Wort Treue, der Beste der Guten
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

praiṣyaṃ pāpīyasāṃ yātu sūryaṃ ca prati mehatu | hantu pādena gāṃ suptāṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Ich werde zum Diener der Übelsten werden, ich werde gegen die Sonne mein Wasser lassen, ich werde eine schlafende Kuh mit dem Fuß treten, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
praiṣyam pāpīyasām yātu
möge ich zum Diener der Übelsten werden
sūryam ca prati mehatu
und möge ich gegen die Sonne [mein Wasser] lassen
hantu pādena gām suptām
möge ich eine schlafende Kuh mit dem Fuß treten
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

kārayitvā mahatkarma bhartā bhṛtyamanarthakam | adharmo yo 'sya so 'syāstu yasyāryo 'numate gataḥ ||

Das Unrecht dessen, der, nachdem er von seinem Diener eine große Tat vollbringen ließ, ihn ohne Lohn lässt, sei meines, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
kārayitvā mahat karma
nachdem er eine große Tat vollbringen ließ
bhartā bhṛtyam anarthakam
der Herr, den Diener, ohne Lohn
adharmaḥ yaḥ asya saḥ asya astu
das Unrecht, das dessen [ist], sei seines/meines
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

paripālayamānasya rājño bhūtāni putravat | tataḥ tu druhyatāṃ pāpaṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Das Unrecht dessen, der einen König verrät, der [seine] Untertanen wie Kinder beschützt, sei meines, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
paripālayamānasya rājñaḥ
eines Königs, der [seine Untertanen] beschützt
bhūtāni putravat
die Wesen wie Kinder
tataḥ tu druhyatām pāpam
das Unrecht dessen, der [ihn] verrät
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

baliṣaḍbhāgamuddhṛtya nṛpasyārakṣataḥ prajāḥ | adharmo yo 'sya so 'syāstu yasyāryo 'numate gataḥ ||

Das Unrecht eines Königs, der den sechsten Teil als Steuer erhebt, ohne die Untertanen zu beschützen, sei meines, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
baliṣaḍbhāgam uddhṛtya
den sechsten Teil als Steuer erhebend
nṛpasya arakṣataḥ prajāḥ
eines Königs, der die Untertanen nicht beschützt
adharmaḥ yaḥ asya saḥ asya astu
das Unrecht, das dessen [ist], sei meines
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

saṃśrutya ca tapasvibhyaḥ satre vai yajñadakṣiṇām | tāṃ vipralapatāṃ pāpaṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Das Unrecht dessen, der, nachdem er Asketen bei einer Opferveranstaltung eine Opfergabe zugesagt hat, davon abweicht, sei meines, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
saṃśrutya ca tapasvibhyaḥ
nachdem er Asketen zugesagt hat
satre vai yajñadakṣiṇām
bei einer Opferveranstaltung eine Opfergabe
tām vipralapatām pāpam
das Unrecht dessen, der davon abweicht
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

hastyaśvarathasaṃbādhe yuddhe śastrasamākule | mā sma kārṣītsatāṃ dharmaṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Nie möge ich in einer von Elefanten, Pferden und Wagen gedrängten, von Waffen erfüllten Schlacht die Pflicht der Tapferen erfüllen, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
hastyaśvarathasaṃbādhe
in einer von Elefanten, Pferden, Wagen gedrängten
yuddhe śastrasamākule
Schlacht, von Waffen erfüllt
mā sma kārṣīt satām dharmam
nie möge ich die Pflicht der Tapferen erfüllen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

upadiṣṭaṃ susūkṣmārthaṃ śāstraṃ yatnena dhīmatā | sa nāśayatu duṣṭātmā yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge jene böse Seele die von den Weisen mit Mühe gelehrte, überaus feinsinnige Wissenschaft zunichtemachen, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
upadiṣṭam susūkṣmārtham
die gelehrte, überaus feinsinnige
śāstram yatnena dhīmatā
Wissenschaft, mit Mühe von den Weisen
saḥ nāśayatu duṣṭātmā
möge jene böse Seele zunichtemachen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

mā ca taṃ pīḍhabāhvaṃsaṃ candrārkasaṃtejasam | drākṣīdrājyasthamāsīnaṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Niemals möge ich jenen von breiten Schultern und Armen, vom Glanz des Mondes und der Sonne, im Reich sitzend und weilend, erblicken, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
mā ca tam pīḍhabāhvaṃsam
niemals ihn, von breiten Schultern und Armen
candrārkasaṃtejasam
vom Glanz des Mondes und der Sonne
drākṣīt rājyastham āsīnam
möge ich erblicken, im Reich sitzend
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

pāyasaṃ kṛsaraṃ cāgraṃ vṛthā so 'śnātu nirghṛṇaḥ | gurūṃśca api avajānātu yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge jener Erbarmungslose feinste Milchreis- und Sesamspeise vergeblich essen, und möge er auch seine Älteren missachten, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
pāyasam kṛsaram ca agram
feinste Milchreis- und Sesamspeise
vṛthā saḥ aśnātu nirghṛṇaḥ
möge jener Erbarmungslose vergeblich essen
gurūn ca api avajānātu
und möge er auch die Älteren missachten
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

gāśca spṛśatu pādena gurūn parivadetsvayam | mitre druhyeta so 'tyantaṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er Kühe mit dem Fuß berühren, möge er selbst seine Älteren schmähen, möge er einem Freund gänzlich Böses zufügen, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
gāḥ ca spṛśatu pādena
möge er Kühe mit dem Fuß berühren
gurūn parivadet svayam
möge er selbst die Älteren schmähen
mitre druhyeta saḥ atyantam
möge er einem Freund gänzlich Böses zufügen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

viśvāsātkathitaṃ kiṃcitparivādaṃ mithaḥ kvacit | vivṛṇotu sa duṣṭātmā yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge jene böse Seele etwas im Vertrauen Gesagtes oder irgendeine gegenseitige Verleumdung offenbaren, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
viśvāsāt kathitam kiṃcit
etwas im Vertrauen Gesagtes
parivādam mithaḥ kvacit
oder irgendeine gegenseitige Verleumdung
vivṛṇotu saḥ duṣṭātmā
möge jene böse Seele offenbaren
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

akartā hyakṛtajñaśca tyaktātmā nirapatrapaḥ | loke bhavatu vidveṣyo yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er ein Pflichtversäumer, ein Undankbarer, ein Selbstverlassener, ein Schamloser sein, in der Welt verhasst, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
akartā hi akṛtajñaḥ ca
ein Pflichtversäumer und ein Undankbarer
tyaktātmā nirapatrapaḥ
ein Selbstverlassener, ein Schamloser
loke bhavatu vidveṣyaḥ
möge er in der Welt verhasst sein
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

putraiḥ dāraiḥ ca bhṛtyaiḥ ca svagṛhe parivāritaḥ | sa eko mṛṣṭamaśnātu yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er, umgeben von Söhnen, Gattin und Dienern im eigenen Haus, allein köstliche Speise essen, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
putraiḥ dāraiḥ ca bhṛtyaiḥ ca
von Söhnen, Gattin und Dienern
svagṛhe parivāritaḥ
im eigenen Haus umgeben
saḥ ekaḥ mṛṣṭam aśnātu
möge er allein köstliche Speise essen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

aprāpya sadṛśāndārānanapatyaḥ pramīyatām | anavāpya kriyāṃ dharmyāṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er, ohne eine passende Gattin zu erlangen, kinderlos sterben, ohne die rechtmäßigen Riten erlangt zu haben, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
aprāpya sadṛśān dārān
ohne eine passende Gattin zu erlangen
anapatyaḥ pramīyatām
möge er kinderlos sterben
anavāpya kriyām dharmyām
ohne die rechtmäßigen Riten erlangt zu haben
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

mātmanaḥ saṃtatiṃ drākṣītsveṣu dāreṣu duḥkhitaḥ | āyuḥ samagramaprāpya yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er, betrübt, seine eigene Nachkommenschaft von seinen eigenen Frauen nicht erblicken, ohne ein volles Lebensalter zu erlangen, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
mā ātmanaḥ saṃtatim drākṣīt
möge er seine eigene Nachkommenschaft nicht erblicken
sveṣu dāreṣu duḥkhitaḥ
von seinen eigenen Frauen, betrübt
āyuḥ samagram aprāpya
ohne ein volles Lebensalter zu erlangen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

rājastrībālavṛddhānāṃ vadhe yatpāpamucyate | bhṛtyatyāge ca yatpāpaṃ tatpāpaṃ pratipadyatām ||

Das Unrecht, das bei der Tötung der Frauen, Kinder und Alten eines Königs genannt wird, und das Unrecht bei der Verlassung eines Dieners - jenes Unrecht möge er auf sich nehmen.

Wort für Wort
rājastrībālavṛddhānām vadhe
bei der Tötung der Frauen, Kinder und Alten eines Königs
yatpāpam ucyate
das Unrecht, das genannt wird
bhṛtyatyāge ca yatpāpam
und das Unrecht bei der Verlassung eines Dieners
tatpāpam pratipadyatām
jenes Unrecht möge er auf sich nehmen

lākṣayā madhumāṃsena lohena ca viṣeṇa ca | sadaiva bibhṛyādbhṛtyān yasyāryo 'sumate gataḥ ||

Möge er seine Diener stets mit Lack, Honig und Fleisch, mit Eisen und mit Gift 'versorgen' [d.h. sie hinterlistig schädigen], wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
lākṣayā madhumāṃsena
mit Lack, Honig und Fleisch
lohena ca viṣeṇa ca
mit Eisen und mit Gift
sadā eva bibhṛyāt bhṛtyān
möge er stets seine Diener 'versorgen' [hinterlistig schädigen]
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

saṃgrāme samupoḍhe sa śatrupakṣabhayaṃkare | palāyamāno vadhyeta yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er, wenn die Schlacht sich entfacht hat, fliehend erschlagen werden, [er,] der der feindlichen Seite Furcht einflößte, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
saṃgrāme samupoḍhe
wenn die Schlacht sich entfacht hat
saḥ śatrupakṣabhayaṃkare
er, der der feindlichen Seite Furcht einflößte
palāyamānaḥ vadhyeta
möge er fliehend erschlagen werden
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

kapālapāṇiḥ pṛthivīmaṭatāṃ cīrasaṃvṛtaḥ | bhikṣamāṇo yathonmatto yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er, in Lumpen gehüllt, die Schädelschale in der Hand, wie ein Wahnsinniger bettelnd, über die Erde wandern, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
kapālapāṇiḥ pṛthivīm aṭatām
möge er, die Schädelschale in der Hand, über die Erde wandern
cīrasaṃvṛtaḥ
in Lumpen gehüllt
bhikṣamāṇaḥ yathā unmattaḥ
bettelnd, wie ein Wahnsinniger
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

pāne prasakto bhavatu strīṣvakṣeṣu ca nityaśaḥ | kāmakrodhābhibhūtastu yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er ewig dem Trunk, den Frauen und dem Würfelspiel verfallen sein, von Begierde und Zorn überwältigt, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
pāne prasaktaḥ bhavatu
möge er dem Trunk verfallen sein
strīṣu akṣeṣu ca nityaśaḥ
den Frauen und dem Würfelspiel, für immer
kāmakrodhābhibhūtaḥ tu
von Begierde und Zorn überwältigt aber
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

yasya dharme mano bhūyādadharmaṃ sa niṣevatām | apātravarṣī bhavatu yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er, dessen Sinn der Rechtschaffenheit zugetan sein sollte, stattdessen dem Unrecht folgen, und möge er [seine Gaben] an Unwürdige verschwenden, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
yasya dharme manaḥ bhūyāt
dessen Sinn der Rechtschaffenheit zugetan sein sollte
adharmam saḥ niṣevatām
möge er dem Unrecht folgen
apātravarṣī bhavatu
möge er [Gaben] an Unwürdige verschwenden
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

saṃcitānyasya vittāni vividhāni sahasraśaḥ | dasyubhirvipralupyantāṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Mögen seine angesammelten Reichtümer mancherlei Art, zu Tausenden, von Räubern geplündert werden, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
saṃcitāni asya vittāni
seine angesammelten Reichtümer
vividhāni sahasraśaḥ
mancherlei Art, zu Tausenden
dasyubhiḥ vipralupyantām
mögen von Räubern geplündert werden
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

ubhe saṃdhye śayānasya yatpāpaṃ parikalpyate | tacca pāpaṃ bhavettasya yasyāryo 'numate gataḥ ||

Das Unrecht, das für den erdacht wird, der zu beiden Dämmerungen schläft, jenes Unrecht möge sein eigenes sein, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
ubhe saṃdhye śayānasya
für den, der zu beiden Dämmerungen schläft
yatpāpam parikalpyate
das Unrecht, das erdacht wird
tat ca pāpam bhavet tasya
jenes Unrecht möge sein eigenes sein
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

yadagnidāyake pāpaṃ yatpāpaṃ gurutalpage | mitradrohe ca yatpāpaṃ tatpāpaṃ pratipadyatām ||

Das Unrecht des Brandstifters, das Unrecht dessen, der das Lager des Lehrers schändet, und das Unrecht des Freundesverräters - jenes Unrecht möge er auf sich nehmen.

Wort für Wort
yat agnidāyake pāpam
das Unrecht des Brandstifters
yatpāpam gurutalpage
und das Unrecht dessen, der das Lager des Lehrers schändet
mitradrohe ca yatpāpam
und das Unrecht des Freundesverräters
tatpāpam pratipadyatām
jenes Unrecht möge er auf sich nehmen

devatānāṃ pitṝṇāṃ ca mātāpitrostathaiva ca | mā sma kārṣītsa śuśrūṣāṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Nie möge er den Göttern, den Ahnen und ebenso Vater und Mutter Dienst erweisen, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
devatānām pitṝṇām ca
den Göttern, den Ahnen
mātāpitroḥ tathā eva ca
und ebenso Vater und Mutter
mā sma kārṣīt saḥ śuśrūṣām
nie möge er Dienst erweisen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

satāṃ lokātsatāṃ kīrtyāḥ satsevitātkarmaṇastathā | bhraśyatu kṣipramadyaiva yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er sogleich, noch heute, aus der Welt der Guten, aus dem Ruhm der Guten, und ebenso aus dem von den Guten geübten Tun herabfallen, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
satām lokāt satām kīrtyāḥ
aus der Welt der Guten, aus dem Ruhm der Guten
satsevitāt karmaṇaḥ tathā
und ebenso aus dem von den Guten geübten Tun
bhraśyatu kṣipram adya eva
möge er sogleich, noch heute, herabfallen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

apāsya mātṛśuśrūṣāmanarthe so 'vatiṣṭhatām | dīrghabāhurmahāvakṣā yasyāryo 'sumate gataḥ ||

Er, den Dienst an der Mutter verwerfend, möge im Verderben verharren - er, von langen Armen und breiter Brust -, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
apāsya mātṛśuśrūṣām
den Dienst an der Mutter verwerfend
anarthe saḥ avatiṣṭhatām
möge er im Verderben verharren
dīrghabāhuḥ mahāvakṣāḥ
er, von langen Armen und breiter Brust
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

bahuputro daridraśca jvararogasamanvitaḥ | sa bhūyātsatatakleśī yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er, mit vielen Söhnen, doch arm, von Fieber und Krankheit befallen, stets im Elend leben, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
bahuputraḥ daridraḥ ca
mit vielen Söhnen, doch arm
jvararogasamanvitaḥ
von Fieber und Krankheit befallen
saḥ bhūyāt satatakleśī
möge er stets im Elend leben
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

āśāmāśaṃ samānānāṃ dīnānāmūrdhvacakṣuṣām | ārthināṃ vitathāṃ kuryādyasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er die Hoffnung der Gleichgestellten, der Elenden, die [hoffnungsvoll] emporblicken, und der Bittsteller vereiteln, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
āśām āśam samānānām
die Hoffnung der Gleichgestellten
dīnānām ūrdhvacakṣuṣām
der Elenden, die emporblicken
ārthinām vitathām kuryāt
möge er die der Bittsteller vereiteln
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

māyayā ramatāṃ nityaṃ paruṣaḥ piśuno 'śuciḥ | rājño bhītastvadharmātmā yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er stets an Trug seine Freude finden, roh, verleumderisch, unrein, den König fürchtend, unrechtschaffenen Sinnes, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
māyayā ramatām nityam
möge er stets an Trug Freude finden
paruṣaḥ piśunaḥ aśuciḥ
roh, verleumderisch, unrein
rājñaḥ bhītaḥ tu adharmātmā
den König fürchtend, unrechtschaffenen Sinnes
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

ṛtusnātāṃ satīṃ bhāryāmṛtukālānurodhinīm | ativarteta duṣṭātmā yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge jene böse Seele die tugendhafte, nach der Reinigungsbadung, dem rechten Zeitpunkt gemäß bereite Gattin missachten, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
ṛtusnātām satīm bhāryām
die nach der Reinigungsbadung, tugendhafte Gattin
ṛtukālānurodhinīm
dem rechten Zeitpunkt gemäß bereite
ativarteta duṣṭātmā
möge jene böse Seele missachten
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

dharmadārān parityajya paradārānniṣevatām | tyaktadharmaratirmūḍho yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge jener Tor, seine rechtmäßige Gattin verlassend, die Frauen anderer aufsuchen, in der Aufgabe der Rechtschaffenheit seine Freude findend, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
dharmadārān parityajya
die rechtmäßige Gattin verlassend
paradārān niṣevatām
möge er die Frauen anderer aufsuchen
tyaktadharmaratiḥ mūḍhaḥ
in der Aufgabe der Rechtschaffenheit seine Freude findend, der Tor
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

vipraluptaprajātasya duṣkṛtaṃ brāhmaṇasya yat | tadeva pratipadyeta yasyāryo 'numate gataḥ ||

Das Unrecht, das einem Brahmanen zukommt, dessen Nachkommenschaft [gewaltsam] vernichtet wurde - eben dieses möge er auf sich nehmen, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
vipraluptaprajātasya
dessen Nachkommenschaft [gewaltsam] vernichtet wurde
duṣkṛtam brāhmaṇasya yat
das Unrecht, das einem Brahmanen [zukommt]
tat eva pratipadyeta
eben dieses möge er auf sich nehmen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

pānīyadūṣake pāpaṃ tathaiva viṣadāyake | yattadekaḥ sa labhatāṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Das Unrecht dessen, der Wasser vergiftet, und ebenso dessen, der Gift verabreicht - jenes möge er allein empfangen, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
pānīyadūṣake pāpam
das Unrecht dessen, der Wasser vergiftet
tathā eva viṣadāyake
und ebenso dessen, der Gift verabreicht
yattadekaḥ saḥ labhatām
jenes möge er allein empfangen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

brāhmaṇāyodyatāṃ pūjāṃ vihantu kaluṣendriyaḥ | bālavatsāṃ ca gāṃ dogdhu yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er, von getrübten Sinnen, die einem Brahmanen erwiesene Ehrung zunichtemachen, und eine Kuh mit jungem Kalb melken, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
brāhmaṇāya udyatām pūjām
die einem Brahmanen erwiesene Ehrung
vihantu kaluṣendriyaḥ
möge er zunichtemachen, von getrübten Sinnen
bālavatsām ca gām dogdhu
und eine Kuh mit jungem Kalb möge er melken
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

tṛṣṇārtaṃ sati pānīye vipralambhena yojayet | labheta tasya yatpāpaṃ yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er das Unrecht dessen empfangen, der einen von Durst Geplagten, obwohl Wasser vorhanden ist, mit Täuschung hinhält, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
tṛṣṇārtam sati pānīye
einen von Durst Geplagten, obwohl Wasser vorhanden ist
vipralambhena yojayet
möge er mit Täuschung hinhalten
labheta tasya yatpāpam
möge er dessen Unrecht empfangen
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

bhaktyā vivadamāneṣu mārgamāśritya paśyataḥ | tasya pāpena yujyeta yasyāryo 'numate gataḥ ||

Möge er mit dem Unrecht dessen behaftet sein, der, an einem Weg verweilend, unter dem Vorwand der Anhänglichkeit den Streitenden [heuchlerisch] zusieht, wenn es mit meinem Wissen war.

Wort für Wort
bhaktyā vivadamāneṣu
unter dem Vorwand der Anhänglichkeit, unter den Streitenden
mārgam āśritya paśyataḥ
an einem Weg verweilend, [heuchlerisch] Zusehenden
tasya pāpena yujyeta
möge er mit dessen Unrecht behaftet sein
yasya āryaḥ anumate gataḥ
wenn der Edle mit [meinem] Wissen fortgegangen ist

vihīnāṃ patiputrābhyāṃ kausalyāṃ pārthivātmajaḥ | evamāśvāsayanneva duḥkhārtaḥ nipapāta ha ||

So die des Gatten und des Sohnes beraubte Kausalyā tröstend, sank der Königssohn, vom Kummer gequält, nieder.

Wort für Wort
vihīnām patiputrābhyām
die des Gatten und des Sohnes Beraubte
kausalyām pārthivātmajaḥ
Kausalyā, der Königssohn
evam āśvāsayan eva
so eben tröstend
duḥkhārtaḥ nipapāta ha
vom Kummer gequält, sank er nieder

tathā tu śapathaiḥ kaṣṭaiḥ śapamānamacetanam | bharataṃ śokasaṃtaptaṃ kausalyā vākyamabravīt ||

Zu jenem so mit schweren Eidesschwüren schwörenden, besinnungslosen, vom Kummer verbrannten Bharata sprach Kausalyā dieses Wort:

Wort für Wort
tathā tu śapathaiḥ kaṣṭaiḥ
so aber mit schweren Eidesschwüren
śapamānam acetanam
dem schwörenden, besinnungslosen
bharatam śokasaṃtaptam
dem vom Kummer verbrannten Bharata
kausalyā vākyam abravīt
sprach Kausalyā [dieses] Wort

mama duḥkhamidaṃ putra bhūyaḥ samupajāyate | śapathaiḥ śapamāno hi prāṇānuparuṇatsi me ||

'Mein Kummer, mein Sohn, wird dadurch nur größer; denn indem du solche Eide schwörst, beengst du mir den Lebensatem selbst.

Wort für Wort
mama duḥkham idam putra
mein Kummer, mein Sohn, dieser
bhūyaḥ samupajāyate
wird noch größer
śapathaiḥ śapamānaḥ hi
denn indem du solche Eide schwörst
prāṇān uparuṇatsi me
beengst du mir den Lebensatem

diṣṭyā na calitaḥ dharmāt ātmā te saha lakṣmaṇaḥ | vatsa satyapratijño me satāṃ lokānavāpsyasi ||

Zum Glück ist dein Sinn, zusammen mit Lakṣmaṇa, nicht von der Rechtschaffenheit gewichen; mein Kind, deinem Gelübde treu, wirst du die Welten der Guten erlangen.'

Wort für Wort
diṣṭyā na calitaḥ dharmāt
zum Glück ist [er] nicht von der Rechtschaffenheit gewichen
ātmā te saha lakṣmaṇaḥ
dein Sinn, zusammen mit Lakṣmaṇa
vatsa satyapratijño me
mein Kind, deinem Gelübde treu
satām lokān avāpsyasi
wirst du die Welten der Guten erlangen

ityuktvā cāṅkamānīya bharataṃ bhrātṛvatsalam | pariṣvajya mahābāhuṃ ruroda bhṛśaduḥkhitā ||

So gesprochen habend, zog sie den seinem Bruder zugetanen Bharata auf ihren Schoß, umarmte den mächtig-armigen und weinte, überaus betrübt.

Wort für Wort
iti uktvā ca aṅkam ānīya
so gesprochen habend, auf den Schoß ziehend
bharatam bhrātṛvatsalam
den seinem Bruder zugetanen Bharata
pariṣvajya mahābāhum
den mächtig-armigen umarmend
ruroda bhṛśaduḥkhitā
weinte sie, überaus betrübt

evaṃ vilapamānasya duḥkhārtasya mahātmanaḥ | mohācca śokasaṃrodhāt babhūva lulitaṃ manaḥ ||

Während jener großherzige, kummergequälte so klagte, wurde sein Geist, durch Verwirrung und die Erdrückung des Kummers, aufgewühlt.

Wort für Wort
evam vilapamānasya
während er so klagte
duḥkhārtasya mahātmanaḥ
des kummergequälten Großherzigen
mohāt ca śokasaṃrodhāt
durch Verwirrung und die Erdrückung des Kummers
babhūva lulitam manaḥ
wurde sein Geist aufgewühlt

lālapyamānasya vicetanasya | pranaṣṭabuddheḥ patitasya bhūmau | muhurmuhurniḥśvasataśca dīrgham | sā tasya śokena jagāma rātriḥ ||

Während er so klagte, besinnungslos, seines Verstandes beraubt, zu Boden gesunken, immer wieder tief seufzend, verging für ihn jene Nacht in Kummer.

Wort für Wort
lālapyamānasya vicetanasya
während er so klagte, besinnungslos
pranaṣṭabuddheḥ patitasya bhūmau
seines Verstandes beraubt, zu Boden gesunken
muhurmuhuḥ niḥśvasataḥ ca dīrgham
immer wieder tief seufzend
sā tasya śokena jagāma rātriḥ
verging für ihn jene Nacht in Kummer

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