Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 67: Arājaka Doṣa Varṇanam Vasiṣṭha Prārthanam Die versammelten Brahmanen und Minister schildern Vasiṣṭha die Schrecken eines königlosen Landes und bitten ihn, sogleich einen König aus dem Hause der Ikṣvākus einzusetzen

ākranditanirānandā sāsrakaṇṭhajanākulā | ayodhyāyāmatiratā sā vyatīyāya śarvarī ||

Jene Nacht, erfüllt von Wehklagen und Freudlosigkeit, ihre Menschen mit tränenerstickter Kehle verwirrt, verging schwer lastend über Ayodhyā.

Wort für Wort
ākranditanirānandā
erfüllt von Wehklagen und Freudlosigkeit
sāsrakaṇṭhajanākulā
ihre Menschen mit tränenerstickter Kehle verwirrt
ayodhyāyām atiratā sā śarvarī
jene schwer lastende Nacht über Ayodhyā
vyatīyāya
verging

vyatītāyāṃ tu śarvaryām ādityasyodaye tataḥ | sametya rājakartāraḥ sabhāmīyurdvijātayaḥ ||

Als jene Nacht aber vergangen war, versammelten sich dann bei Sonnenaufgang die zweifach Geborenen, die Königsmacher, und gingen zur Ratsversammlung.

Wort für Wort
vyatītāyām tu śarvaryām
als aber jene Nacht vergangen war
ādityasya udaye tataḥ
dann bei Sonnenaufgang
sametya rājakartāraḥ
die Königsmacher, sich versammelnd
sabhām īyuḥ dvijātayaḥ
gingen die zweifach Geborenen zur Versammlung

mārkaṇḍeyo 'tha maudgalyo vāmadevaśca kāśyapaḥ |

Mārkaṇḍeya, und Maudgalya, Vāmadeva und Kāśyapa,

Wort für Wort
mārkaṇḍeyaḥ atha maudgalyaḥ
Mārkaṇḍeya und Maudgalya
vāmadevaḥ ca kāśyapaḥ
und Vāmadeva und Kāśyapa

kātyāyano gautamaśca jābāliśca mahāyaśāḥ | ete dvijāḥ saha amātyaiḥ pṛthagvācamudīrayan | vasiṣṭhameva abhimukhāḥ śreṣṭhaṃ rājapurohitam ||

Kātyāyana, und Gautama, und der überaus ruhmreiche Jābāli - diese zweifach Geborenen erhoben, zusammen mit den Ministern, jeder für sich ihre Stimme, dem besten der königlichen Hauspriester, Vasiṣṭha, zugewandt.

Wort für Wort
kātyāyanaḥ gautamaḥ ca
Kātyāyana und Gautama
jābāliḥ ca mahāyaśāḥ
und der ruhmreiche Jābāli
ete dvijāḥ saha amātyaiḥ
diese zweifach Geborenen, zusammen mit den Ministern
pṛthak vācam udīrayan
erhoben jeder für sich [ihre] Stimme
vasiṣṭham eva abhimukhāḥ
Vasiṣṭha zugewandt
śreṣṭham rājapurohitam
dem besten der königlichen Hauspriester

atītā śarvarī duḥkhaṃ yā no varṣaśatopamā | asmin pañcatvamāpanne putraśokena pārthive ||

Vergangen ist jene leidvolle Nacht, die uns wie hundert Jahre erschien, da nun der König durch den Kummer um den Sohn seines Endes teilhaftig geworden ist.

Wort für Wort
atītā śarvarī duḥkham
vergangen ist die leidvolle Nacht
yā naḥ varṣaśatopamā
die uns wie hundert Jahre [erschien]
asmin pañcatvam āpanne
nun da [er] seines Endes teilhaftig geworden ist
putraśokena pārthive
der König, durch Kummer um den Sohn

svargataśca mahārājo rāmaśca araṇyamāśritaḥ | lakṣmaṇaścāpi tejasvī rāmeṇaiva gataḥ saha ||

Der große König ist zum Himmel gegangen, und Rāma hat im Wald Zuflucht genommen, und auch der glanzvolle Lakṣmaṇa ist zusammen mit Rāma allein gegangen.

Wort für Wort
svargataḥ ca mahārājaḥ
zum Himmel gegangen ist der große König
rāmaḥ ca araṇyam āśritaḥ
und Rāma hat im Wald Zuflucht genommen
lakṣmaṇaḥ ca api tejasvī
und auch der glanzvolle Lakṣmaṇa
rāmeṇa eva gataḥ saha
ist zusammen mit Rāma allein gegangen

ubhau bharataśatrughnau kekayeṣu paraṃtapau | pure rājagṛhe ramye mātāmahaniveśane ||

Beide, Bharata und Śatrughna, Bezwinger der Feinde, [weilen] bei den Kekayas, in der schönen Königsstadt, im Hause des Großvaters mütterlicherseits.

Wort für Wort
ubhau bharataśatrughnau
beide, Bharata und Śatrughna
paraṃtapau kekayeṣu
die Feindbezwinger, bei den Kekayas
pure rājagṛhe ramye
in der schönen Königsstadt
mātāmahaniveśane
im Hause des mütterlichen Großvaters

ikṣvākūṇāmihādyaiva kaścidrājā vidhīyatām | arājakaṃ hi no rāṣṭraṃ na vināśamavāpnuyāt ||

So möge noch heute hier ein König aus dem Geschlecht der Ikṣvākus eingesetzt werden; denn unser Reich, wäre es ohne König, dürfte nicht dem Untergang verfallen.

Wort für Wort
ikṣvākūṇām iha adya eva
aus den Ikṣvākus hier noch heute
kaścit rājā vidhīyatām
möge irgendein König eingesetzt werden
arājakam hi naḥ rāṣṭram
denn unser Reich, ohne König
na vināśam avāpnuyāt
dürfte nicht dem Untergang verfallen

nārājake janapade vidyunmālī mahāsvanaḥ | abhivarṣati parjanyo mahīṃ divyena vāriṇā ||

In einem königlosen Land lässt die blitzbekränzte, laut donnernde Regenwolke die Erde nicht mit himmlischem Wasser überströmen.

Wort für Wort
na arājake janapade
in einem nicht-königlosen [Land nicht -] in einem königlosen Land nicht
vidyunmālī mahāsvanaḥ parjanyaḥ
die blitzbekränzte, laut donnernde Regenwolke
abhivarṣati mahīm
überströmt die Erde
divyena vāriṇā
mit himmlischem Wasser

nārājake janapade bījamuṣṭiḥ prakīryate | nārājake pituḥ putro bhāryā vā vartate vaśe ||

In einem königlosen Land wird keine Handvoll Samen ausgestreut; in einem königlosen [Land] bleibt weder der Sohn dem Vater noch die Gattin [dem Gatten] gehorsam.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
bījamuṣṭiḥ prakīryate
wird eine Handvoll Samen ausgestreut
na arājake pituḥ putraḥ
nicht in einem königlosen [Land] der Sohn dem Vater
bhāryā vā vartate vaśe
oder die Gattin [dem Gatten] gehorsam

arājake dhanaṃ nāsti nāsti bhāryāpyarājake | idamatyāhitaṃ cānyat kutaḥ satyamarājake ||

In einem königlosen [Land] gibt es keinen Reichtum, und es gibt auch keine [treue] Gattin in einem königlosen [Land]; dies ist [nur] das größte Unheil - wie sollte es in einem königlosen [Land] gar Wahrheit geben?

Wort für Wort
arājake dhanam na asti
in einem königlosen [Land] gibt es keinen Reichtum
na asti bhāryā api arājake
es gibt auch keine [treue] Gattin in einem königlosen [Land]
idam atyāhitam ca anyat
dies ist [nur] das größte Unheil, und anderes [mehr]
kutaḥ satyam arājake
woher [gar] Wahrheit in einem königlosen [Land]

nārājake janapade kārayanti sabhāṃ narāḥ | udyānāni ca ramyāṇi hṛṣṭāḥ puṇyagṛhāṇi ca ||

In einem königlosen Land errichten die Menschen nicht freudig Versammlungshallen, noch schöne Gärten, noch heilige Häuser.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
kārayanti sabhām narāḥ
errichten die Menschen eine Versammlungshalle
udyānāni ca ramyāṇi
und schöne Gärten
hṛṣṭāḥ puṇyagṛhāṇi ca
freudig, und heilige Häuser

nārājake janapade yajñaśīlā dvijātayaḥ | satrāṇyanvāsate dāntā brāhmaṇāḥ saṃśitavratāḥ ||

In einem königlosen Land nehmen die dem Opfer zugetanen, selbstbeherrschten Brahmanen von strengen Gelübden nicht an den Opfersitzungen teil.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
yajñaśīlā dvijātayaḥ
die dem Opfer zugetanen zweifach Geborenen
satrāṇi anvāsate
nehmen an den Opfersitzungen teil
dāntā brāhmaṇāḥ saṃśitavratāḥ
die selbstbeherrschten Brahmanen von strengen Gelübden

nārājake janapade mahāyajñeṣu yajvanaḥ | brāhmaṇā vasusampannā visṛjantyāptadakṣiṇāḥ ||

In einem königlosen Land verteilen die Opfernden, mit Reichtum ausgestatteten Brahmanen bei den großen Opfern nicht die reichlich zugemessenen Opfergaben.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
mahāyajñeṣu yajvanaḥ
bei den großen Opfern die Opfernden
brāhmaṇāḥ vasusampannāḥ
die mit Reichtum ausgestatteten Brahmanen
visṛjanti āptadakṣiṇāḥ
verteilen die reichlich zugemessenen Opfergaben

nārājake janapade prabhūtanaṭanartakāḥ | utsavāśca samājāśca vardhante rāṣṭravardhanāḥ ||

In einem königlosen Land gedeihen nicht Feste und Versammlungen, die das Reich fördern, mit ihrer Fülle an Schauspielern und Tänzern.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
prabhūtanaṭanartakāḥ
mit einer Fülle an Schauspielern und Tänzern
utsavāḥ ca samājāḥ ca
Feste und Versammlungen
vardhante rāṣṭravardhanāḥ
gedeihen, die das Reich fördernden

nārājake janapade siddhārthā vyavahāriṇaḥ | kathābhiranurajyante kathāśīlāḥ kathāpriyaiḥ ||

In einem königlosen Land erfreuen sich die Geschäftsleute, deren Anliegen sich erfüllt haben, dem Erzählen zugetan, nicht an den Erzählungen derer, die gerne erzählen.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
siddhārthā vyavahāriṇaḥ
die Geschäftsleute, deren Anliegen erfüllt sind
kathābhiḥ anurajyante
erfreuen sich an Erzählungen
kathāśīlāḥ kathāpriyaiḥ
dem Erzählen zugetan, durch [solche], die gerne erzählen

nārājake janapade udyānāni samāgatāḥ | sāyāhne krīḍituṃ yānti kumāryo hemabhūṣitāḥ ||

In einem königlosen Land gehen mit Gold geschmückte Mädchen nicht, versammelt, am Abend zum Spielen in die Gärten.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
udyānāni samāgatāḥ
versammelt, zu den Gärten
sāyāhne krīḍitum yānti
gehen zum Spielen am Abend
kumāryaḥ hemabhūṣitāḥ
die mit Gold geschmückten Mädchen

nārājake janapade vāhanaiḥ śīghragāmibhiḥ | narā niryāntyaraṇyāni nāribhiḥ saha kāminaḥ ||

In einem königlosen Land ziehen liebeslustige Männer nicht mit Frauen zusammen auf schnellen Gefährten in die Wälder hinaus.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
vāhanaiḥ śīghragāmibhiḥ
auf schnell fahrenden Gefährten
narāḥ niryānti araṇyāni
ziehen die Männer in die Wälder hinaus
nāribhiḥ saha kāminaḥ
die Liebeslustigen, zusammen mit Frauen

nārājake janapade dhanavantaḥ surakṣitāḥ | śerate vivṛtadvārāḥ kṛṣigorakṣajīvinaḥ ||

In einem königlosen Land schlafen die wohlbehüteten Reichen sowie die vom Ackerbau und der Rinderzucht Lebenden nicht mit offenstehenden Türen.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
dhanavantaḥ surakṣitāḥ
die wohlbehüteten Reichen
śerate vivṛtadvārāḥ
schlafen mit offenstehenden Türen
kṛṣigorakṣajīvinaḥ
die vom Ackerbau und der Rinderzucht Lebenden

nārājake janapade baddhaghaṇṭā viṣāṇinaḥ | āṭanti rājamārgeṣu kuñjarāḥ ṣaṣṭihāyanāḥ ||

In einem königlosen Land durchstreifen keine sechzigjährigen, stoßzahntragenden Elefanten mit umgebundenen Glöckchen die Königsstraßen.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
baddhaghaṇṭā viṣāṇinaḥ
mit umgebundenen Glöckchen, die Stoßzahntragenden
āṭanti rājamārgeṣu
durchstreifen die Königsstraßen
kuñjarāḥ ṣaṣṭihāyanāḥ
sechzigjährige Elefanten

nārājake janapade śarān saṃtatamasyatām | śrūyate talanirghoṣa iṣvastrāṇāmupāsane ||

In einem königlosen Land ist bei der Übung des Bogenschießens nicht der Klang des Handschlags derer zu hören, die fortwährend Pfeile abschießen.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
śarān saṃtatam asyatām
derer, die fortwährend Pfeile abschießen
śrūyate talanirghoṣaḥ
ist der Klang des Handschlags zu hören
iṣvastrāṇām upāsane
bei der Übung des Bogenschießens

nārājake janapade vaṇijo dūragāminaḥ | gacchanti kṣemamadhvānaṃ bahupuṇyasamācitāḥ ||

In einem königlosen Land ziehen weithin reisende, mit vielen guten Waren beladene Kaufleute nicht sicher ihres Weges.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
vaṇijaḥ dūragāminaḥ
die weithin reisenden Kaufleute
gacchanti kṣemam adhvānam
ziehen sicher ihres Weges
bahupuṇyasamācitāḥ
mit vielen guten [Waren] beladen

nārājake janapade carati ekacaro vaśī | bhāvayannātmanātmānaṃ yatra sāyaṃ gṛho muniḥ ||

In einem königlosen Land wandert kein selbstbeherrschter, allein wandelnder Weiser umher, der mit dem Selbst über das Selbst meditiert, für den, wo immer er am Abend [weilt], das Haus ist.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
carati ekacaraḥ vaśī
wandert der allein wandelnde, selbstbeherrschte [Weise]
bhāvayan ātmanā ātmānam
mit dem Selbst über das Selbst meditierend
yatra sāyam gṛhaḥ muniḥ
für den, wo [immer] am Abend [ist], das Haus [ist], der Weise

nārājake janapade yogakṣemaṃ pravartate | na cāpyarājake senā śatrūn viṣahate yudhi ||

In einem königlosen Land gedeiht kein Erwerb noch Bewahrung [von Gut]; und auch kein Heer besteht in einem königlosen [Land] gegen die Feinde in der Schlacht.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
yogakṣemam pravartate
gedeiht Erwerb und Bewahrung
na ca api arājake senā
und auch kein Heer, in einem königlosen [Land]
śatrūn viṣahate yudhi
besteht gegen die Feinde in der Schlacht

nārājake janapade hṛṣṭaiḥ paramavājibhiḥ | narāḥ saṃyānti sahasā rathaiśca parimaṇḍitāḥ ||

In einem königlosen Land ziehen geschmückte Männer nicht rasch aus auf freudigen, edlen Rossen und Wagen.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
hṛṣṭaiḥ paramavājibhiḥ
auf freudigen, edlen Rossen
narāḥ saṃyānti sahasā
ziehen die Männer rasch aus
rathaiḥ ca parimaṇḍitāḥ
und auf Wagen, geschmückt

nārājake janapade narāḥ śāstraviśāradāḥ | saṃpadyante nāvatiṣṭhante vaneṣūpavaneṣu ca ||

In einem königlosen Land bleiben die in den heiligen Schriften kundigen Männer nicht [gedeihlich] in den Wäldern und Hainen.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
narāḥ śāstraviśāradāḥ
die in den Schriften kundigen Männer
saṃpadyante na avatiṣṭhante
gedeihen [und] verweilen nicht
vaneṣu upavaneṣu ca
in Wäldern und Hainen

nārājake janapade mālyamodakadakṣiṇāḥ | devatābhyarcanārthāya kalpyante niyatairjanaiḥ ||

In einem königlosen Land werden Blumengirlanden, Süßspeisen und Opfergaben von den in Zucht lebenden Menschen nicht zur Verehrung der Götter bereitet.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
mālyamodakadakṣiṇāḥ
Blumengirlanden, Süßspeisen und Opfergaben
devatābhyarcanārthāya
zum Zweck der Götterverehrung
kalpyante niyataiḥ janaiḥ
werden von in Zucht lebenden Menschen bereitet

nārājake janapade candanāgururūṣitāḥ | rājaputrā virājante vasanta iva śākhinaḥ ||

In einem königlosen Land erstrahlen keine mit Sandel und Aloe gesalbten Königssöhne, gleich Bäumen im Frühling.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
candanāgururūṣitāḥ
mit Sandel und Aloe gesalbt
rājaputrāḥ virājante
erstrahlen die Königssöhne
vasante iva śākhinaḥ
gleich Bäumen im Frühling

yathā hyanudakā nadyo yathā vāpyatṛṇaṃ vanam | agopālā yathā gāvastathā rāṣṭramarājakam ||

Wie Flüsse ohne Wasser, wie ein Wald ohne Gras, wie Rinder ohne Hirten - so ist ein Reich ohne König.

Wort für Wort
yathā hi anudakā nadyaḥ
wie Flüsse ohne Wasser
yathā vā api atṛṇam vanam
oder wie ein grasloser Wald
agopālā yathā gāvaḥ
wie hirtenlose Rinder
tathā rāṣṭram arājakam
so ist ein Reich ohne König

dhvajo rathasya prajñānaṃ dhūmo jñānaṃ vibhāvasoḥ | teṣāṃ yo no dhvajo rājā sa devatvamito gataḥ ||

Das Banner ist das Erkennungszeichen des Wagens, der Rauch das Kennzeichen des Feuers; er, der unser Banner unter ihnen war, der König, ist von hier zur Göttlichkeit gegangen.

Wort für Wort
dhvajaḥ rathasya prajñānam
das Banner ist das Erkennungszeichen des Wagens
dhūmaḥ jñānam vibhāvasoḥ
der Rauch das Kennzeichen des Feuers
teṣām yaḥ naḥ dhvajaḥ rājā
er, der unser Banner unter ihnen war, der König
saḥ devatvam itaḥ gataḥ
er ist von hier zur Göttlichkeit gegangen

nārājake janapade svakaṃ bhavati kasyacit | matsyā iva narā nityaṃ bhakṣayanti parasparam ||

In einem königlosen Land gehört nichts irgendjemandem als Eigen; wie Fische verzehren die Menschen einander beständig.

Wort für Wort
na arājake janapade
nicht in einem königlosen Land
svakam bhavati kasyacit
gehört [etwas] irgendjemandem als Eigen
matsyāḥ iva narāḥ nityam
wie Fische die Menschen beständig
bhakṣayanti parasparam
verzehren einander

ye hi sambhinnamaryādā nāstikāścinnasaṃśayāḥ | te 'pi bhāvāya kalpante rājadaṇḍanipīḍitāḥ ||

Selbst jene, deren Schranken zerbrochen sind, die Ungläubigen, frei von Zweifel [am Unrecht], werden, vom Stab des Königs bedrängt, zum [rechten] Sein tauglich.

Wort für Wort
ye hi sambhinnamaryādāḥ
jene, deren Schranken zerbrochen sind
nāstikāḥ cinnasaṃśayāḥ
die Ungläubigen, frei von Zweifel
te api bhāvāya kalpante
auch sie werden zum [rechten] Sein tauglich
rājadaṇḍanipīḍitāḥ
vom Stab des Königs bedrängt

yathā dṛṣṭiḥ śarīrasya nityamevapravartate | tathā narendro rāṣṭrasya prabhavaḥ satyadharmayoḥ ||

Wie das Sehvermögen stets für den Leib wirkt, so ist der Herr der Menschen für das Reich der Ursprung von Wahrheit und Rechtschaffenheit.

Wort für Wort
yathā dṛṣṭiḥ śarīrasya
wie das Sehvermögen für den Leib
nityam eva pravartate
stets wirkt
tathā narendraḥ rāṣṭrasya
so [ist] der Herr der Menschen für das Reich
prabhavaḥ satyadharmayoḥ
der Ursprung von Wahrheit und Rechtschaffenheit

rājā satyaṃ ca dharmaśca rājā kulavatāṃ kulam | rājā mātā pitā caiva rājā hitakaro nṛṇām ||

Der König ist Wahrheit und Rechtschaffenheit, der König ist das Geschlecht der Wohlgeborenen, der König ist Mutter und Vater, der König ist der Wohltäter der Menschen.

Wort für Wort
rājā satyam ca dharmaḥ ca
der König ist Wahrheit und Rechtschaffenheit
rājā kulavatām kulam
der König ist das Geschlecht der Wohlgeborenen
rājā mātā pitā ca eva
der König ist Mutter und Vater
rājā hitakaraḥ nṛṇām
der König ist der Wohltäter der Menschen

yamo vaiśravaṇaḥ śakro varuṇaśca mahābalaḥ | viśeṣyante narendreṇa vṛttena mahatā tataḥ ||

Yama, Vaiśravaṇa, Śakra und der mächtige Varuṇa - durch sein großes Handeln übertrifft der Herr der Menschen dann sogar diese.

Wort für Wort
yamaḥ vaiśravaṇaḥ śakraḥ
Yama, Vaiśravaṇa, Śakra
varuṇaḥ ca mahābalaḥ
und der mächtige Varuṇa
viśeṣyante narendreṇa
werden übertroffen vom Herrn der Menschen
vṛttena mahatā tataḥ
durch [sein] großes Handeln, sodann

aho tama eva idaṃ syānna prajñāyeta kiṃcana | rājā cenna bhaveloke vibhajan sādhvasādhunī ||

Ach, dies alles würde reine Finsternis werden, gar nichts würde mehr erkannt werden, wenn es in der Welt keinen König gäbe, der Gutes und Böses unterscheidet.

Wort für Wort
aho tamaḥ eva idam syāt
ach, dies würde reine Finsternis werden
na prajñāyeta kiṃcana
nichts würde mehr erkannt werden
rājā cet na bhavet loke
wenn es in der Welt keinen König gäbe
vibhajan sādhu asādhunī
der Gutes und Böses unterscheidet

jīvatyapi mahārāje tavaiva vacanaṃ vayam | nātikrāmāmahe sarve velāṃ prāptamiva sāgaraḥ ||

Schon während der große König lebte, überschritten wir alle niemals dein Wort, gleich dem Meer, das die erreichte Küste [nicht überschreitet].

Wort für Wort
jīvati api mahārāje
schon während der große König lebte
tava eva vacanam vayam
dein Wort haben wir
na atikrāmāmahe sarve
niemals alle überschritten
velām prāptam iva sāgaraḥ
gleich dem Meer [gegenüber] der erreichten Küste

sa naḥ samīkṣya dvijavarya vṛttaṃ | nṛpaṃ vinā rājyamaraṇyabhūtam | kumāramikṣvākusutaṃ vadānyaṃ | tvameva rājānamihābhiṣiñca ||

So erwäge, o Bester der zweifach Geborenen, unsere Lage: das Reich, ohne König, ist zur Wildnis geworden - weihe du selbst hier den jungen, freigebigen Sohn der Ikṣvākus zum König.

Wort für Wort
saḥ naḥ samīkṣya dvijavarya vṛttam
so unsere Lage erwägend, o Bester der zweifach Geborenen
nṛpam vinā rājyam araṇyabhūtam
das Reich, ohne König, zur Wildnis geworden
kumāram ikṣvākusutam vadānyam
den jungen, freigebigen Sohn der Ikṣvākus
tvam eva rājānam iha abhiṣiñca
weihe du selbst hier zum König

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