Sarga 73: Bharata Kaikeyī Garhaṇam
Bharata, von Kummer und Zorn überwältigt, wirft Kaikeyī ihre schändliche Tat vor, verweigert ihr die Erfüllung ihres Wunsches und schwört, Rāma aus dem Wald zurückzuholen und ihm als Diener zu dienen
duḥkhe me duḥkhamakaro vraṇe kṣāramivādadhāḥ |
rājānaṃ pretabhāvasthaṃ kṛtvā rāmaṃ ca tāpasam ||
Du hast meinem Kummer noch Kummer hinzugefügt, gleich Salz in eine Wunde streuend, indem du den König in den Zustand des Todes und Rāma zum Asketen gemacht hast.
Wort für Wort
duḥkhe me duḥkham akaraḥ
meinem Kummer fügtest du Kummer hinzu
vraṇe kṣāram iva ādadhāḥ
gleich Salz in eine Wunde streuend
rājānam pretabhāvastham kṛtvā
indem du den König in den Zustand des Todes versetzt hast
kulasya tvamabhāvāya kālarātririvāgatā |
aṅgāramupagūhya sma pitā me nāvabuddhavān ||
Du bist, wie die Nacht des Untergangs selbst, zur Vernichtung [unseres] Geschlechts gekommen; mein Vater umarmte eine glühende Kohle, ohne zu erkennen [was er tat].
Von dir, o Übelgesinnte, wurde mein Vater, der König, in den Tod getrieben; durch Torheit ist das Glück aus diesem Geschlecht vertrieben worden, o Schänderin [unseres] Geschlechts.
Wort für Wort
mṛtyum āpāditaḥ rājā
in den Tod getrieben wurde der König
tvayā me pāpadarśini
von dir, o Übelgesinnte, mein [Vater]
sukham parihṛtam mohāt
das Glück ist durch Torheit vertrieben worden
kule asmin kulapāṃsani
aus diesem Geschlecht, o Schänderin des Geschlechts
tvāṃ prāpya hi pitā me 'dya satyasaṃdho mahāyaśāḥ |
tīvraduḥkhābhisaṃtapto vṛtto daśaratho nṛpaḥ ||
Denn nachdem er dich [zur Gemahlin] erlangt hatte, ist mein Vater, König Daśaratha, seinem Wort treu, hochberühmt, von heftigem Schmerz verbrannt, heute dahingeschieden.
Wort für Wort
tvām prāpya hi pitā me adya
denn nachdem er dich erlangt hatte, mein Vater heute
kausalyā ca sumitrā ca putraśokābhipīḍite |
duṣkaraṃ yadi jīvetāṃ prāpya tvāṃ jananīṃ mama ||
Es wäre schwer erträglich, wenn Kausalyā und Sumitrā, vom Kummer um ihre Söhne bedrängt, weiterleben müssten, dich, meine [Stief-]Mutter, [als Gefährtin] habend.
Zeigte dir nicht auch jener edle, rechtschaffene [Rāma], der die [rechte] Haltung gegenüber den Älteren kannte, das vortrefflichste Verhalten, wie er es gegenüber der [leiblichen] Mutter zeigt?
Wort für Wort
nanu tu āryaḥ api dharmātmā
zeigte nicht auch der edle, rechtschaffene
tvayi vṛttim anuttamām
dir gegenüber das vortrefflichste Verhalten
vartate guruvṛttijñaḥ
er, der die [rechte] Haltung gegenüber den Älteren kannte
lubdhāyā viditaḥ manye na te 'haṃ rāghavaṃ prati |
tathā hi anartho rājyārthaṃ tvayā nītomahānayam ||
Ich glaube, dir, der Gierigen, bin ich, was meine Liebe zu Rāghava betrifft, unbekannt geblieben; denn dieses große Unheil wurde von dir um des Reiches willen herbeigeführt.
Wie sollte ich, gleich einem ungezähmten Zugtier, das ein für ein großes Zugtier bestimmtes Joch übernommen hat, mit welcher Kraft diese schwere Bürde tragen?
Wort für Wort
saḥ aham katham imam bhāram
wie sollte ich diese Bürde
mahādhuryasamudyatam
die für ein großes Zugtier bestimmte
damyaḥ dhuram iva āsādya
gleich einem ungezähmten [Tier], das Joch übernommen habend
atha vā me bhavecchaktiryogairbuddhibalena vā |
sakāmāṃ na kariṣyāmi tvāmahaṃ putragardhinīm ||
Oder selbst wenn ich Macht besäße, sei es durch [magische] Mittel oder durch Kraft des Verstandes - ich werde dich, die du nach [der Erhöhung deines] Sohnes gierst, nicht befriedigen.
Wort für Wort
atha vā me bhavet śaktiḥ
oder selbst wenn ich Macht besäße
yogaiḥ buddhibalena vā
sei es durch [magische] Mittel oder durch Verstandeskraft
sakāmām na kariṣyāmi
werde ich [dich] nicht [in deinem] Wunsch erfüllen
asmin kule hi sarveṣāṃ jyeṣṭho rājye 'bhiṣicyate |
apare bhrātarastasmin pravartante samāhitāḥ ||
Denn in diesem Geschlecht wird von allen [Brüdern] der Älteste zum König geweiht, [während] die übrigen Brüder ihm gegenüber in Eintracht ergeben bleiben.
Denn stets ist es die Sitte der Könige, dass der Älteste zum König geweiht wird; dies gilt gleichermaßen für alle Könige, besonders aber für die Ikṣvākus.
Bei jenen, die allein die Rechtschaffenheit hüten, dem Wandel des Geschlechts verbunden - hier hat sich, dich erlangend, jene Vortrefflichkeit des Wandels abgewendet.
Auch deine Vorfahren, die Herrscher der Menschen deines Geschlechts, waren höchst edel - wie nur ist dieser verwerfliche Irrtum des Verstandes in dir entstanden?
Wort für Wort
tava api sumahābhāgāḥ
auch deine [Vorfahren], höchst edel
janendrāḥ kulapūrvagāḥ
die Herrscher der Menschen, deines Geschlechts Vorangehende
So sprechend, verwundete der großherzige Bharata sie mit diesen unerfreulichen Worten, und, vom Kummer gequält, brüllte er abermals auf, gleich einem Löwen in einer Bergesschlucht.