Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 64: Daśaratha Prāṇa Tyāgaḥ Daśaratha vollendet Kausalyā gegenüber die Erzählung vom sterbenden Śravaṇa und dessen Fluch, erkennt darin sein eigenes Schicksal und stirbt, klagend um Rāma, in der Mitternacht in Gegenwart von Kausalyā und Sumitrā

vadham apratirūpaṃ tu maharṣes tasya rāghavaḥ | vilapann eva dharmātmā kausalyāṃ punar abravīt ||

Über den ungehörigen Tod jenes großen Weisen weiter klagend, sprach der dem Recht ergebene Daśaratha nochmals zu Kausalyā:

Wort für Wort
vadham apratirūpaṃ tu
über den ungehörigen Tod aber
maharṣes tasya rāghavaḥ
jenes großen Weisen, der Sohn des Raghu
vilapann eva dharmātmā
klagend, der dem Recht Ergebene
kausalyāṃ punar abravīt
sprach er nochmals zu Kausalyā

tad ajñānān mahat pāpaṃ kṛtvā saṃkulitendriyaḥ | ekas tv acintayaṃ buddhyā kathaṃ nu sukṛtaṃ bhavet ||

'Nachdem ich jene große Sünde in Unwissenheit begangen hatte, meiner Sinne verwirrt, überlegte ich allein bei mir, wie doch eine gute Tat daraus werden könnte.'

Wort für Wort
tad ajñānān mahat pāpam
jene große Sünde in Unwissenheit
kṛtvā saṃkulitendriyaḥ
begehend, meiner Sinne verwirrt
ekas tv acintayaṃ buddhyā
überlegte ich allein bei mir
kathaṃ nu sukṛtaṃ bhavet
wie doch eine gute Tat daraus werden könnte

tataḥ taṃ ghaṭam ādāya pūrṇaṃ paramavāriṇā | āśramaṃ tam ahaṃ prāpya yathākhyātapathaṃ gataḥ ||

'Dann nahm ich jenen mit reinstem Wasser gefüllten Krug und ging auf dem mir gewiesenen Weg, bis ich jenen Āśrama erreichte.'

Wort für Wort
tataḥ taṃ ghaṭam ādāya
dann jenen Krug nehmend
pūrṇaṃ paramavāriṇā
gefüllt mit reinstem Wasser
āśramaṃ tam ahaṃ prāpya
jenen Āśrama erreichend
yathākhyātapathaṃ gataḥ
auf dem gewiesenen Weg gehend

tatrāhaṃ durbalāv andhau vṛddhāv apariṇāyakau | apaśyaṃ tasya pitarau lūnapakṣāv iva dvijau ||

'Dort sah ich seine Eltern, schwach, blind, alt, ohne Führer, wie zwei Vögel mit gestutzten Flügeln.'

Wort für Wort
tatrāhaṃ durbalāv andhau
dort ich, die beiden schwachen, blinden
vṛddhāv apariṇāyakau
die beiden alten, ohne Führer
apaśyaṃ tasya pitarau
sah ich seine Eltern
lūnapakṣāv iva dvijau
wie zwei Vögel mit gestutzten Flügeln

tannimittābhir āsīnau kathābhir aparikramau | tām āśāṃ matkṛte hīnāv udāsīnāv anāthavat ||

'Sitzend, von ihm sprechend, unfähig sich zu bewegen, jener Hoffnung durch mich beraubt, saßen sie da, teilnahmslos, wie Schutzlose.'

Wort für Wort
tannimittābhir āsīnau
sitzend, seinetwegen sprechend
kathābhir aparikramau
unfähig sich zu bewegen
tām āśāṃ matkṛte hīnau
jener Hoffnung durch mich beraubt
udāsīnāv anāthavat
teilnahmslos, wie Schutzlose

śokopahatacittaś ca bhayasaṃtrastacetanaḥ | tac cāśramapadaṃ gatvā bhūyaḥ śokam ahaṃ gataḥ ||

'Meines Herzens vom Kummer überwältigt, meines Sinnes von Furcht erschreckt, geriet ich, jenen Āśrama betretend, noch tiefer in Kummer.'

Wort für Wort
śokopahatacittaś ca
meines Herzens vom Kummer überwältigt
bhayasaṃtrastacetanaḥ
meines Sinnes von Furcht erschreckt
tac cāśramapadaṃ gatvā
jenen Āśrama betretend
bhūyaḥ śokam ahaṃ gataḥ
geriet ich noch tiefer in Kummer

padaśabdaṃ tu me śrutvā munir vākyam abhāṣata | kiṃ cirāyasi me putra pānīyaṃ kṣipraṃ ānaya ||

'Als der Weise das Geräusch meiner Schritte hörte, sprach er die Worte: Warum säumst du, mein Sohn? Bring rasch das Wasser her.'

Wort für Wort
padaśabdaṃ tu me śrutvā
meiner Schritte Geräusch hörend
munir vākyam abhāṣata
sprach der Weise die Worte
kiṃ cirāyasi me putra
warum säumst du, mein Sohn
pānīyaṃ kṣipraṃ ānaya
bring das Wasser rasch her

yannimittam idaṃ tāta salile krīḍitaṃ tvayā | utkaṇṭhitā te mātā iyaṃ praviśa kṣipram āśramam ||

'Weswegen hast du dich, mein Sohn, so im Wasser vergnügt? Deine Mutter hier ist besorgt - komm rasch in den Āśrama.'

Wort für Wort
yannimittam idaṃ tāta
weswegen, mein Sohn, dies
salile krīḍitaṃ tvayā
dass du dich im Wasser vergnügt hast
utkaṇṭhitā te mātā iyam
deine Mutter hier ist besorgt
praviśa kṣipram āśramam
komm rasch in den Āśrama

yad vyalīkaṃ kṛtaṃ putra mātrā te yadi vā mayā | na tan manasi kartavyaṃ tvayā tāta tapasvinā ||

'Wenn deine Mutter oder ich dir etwas zuleide getan haben, mein Sohn, so sollst du, o Sohn, das nicht in deinem Herzen tragen, du Asket.'

Wort für Wort
yad vyalīkaṃ kṛtaṃ putra
wenn etwas Zuleide getan wurde, mein Sohn
mātrā te yadi vā mayā
von deiner Mutter oder von mir
na tan manasi kartavyam
das sollst du nicht im Herzen tragen
tvayā tāta tapasvinā
von dir, Sohn, du Asket

tvaṃ gatis tu agatīnāṃ ca cakṣus tvaṃ hīnacakṣuṣām | samāsaktāḥ tvayi prāṇāḥ kiṃcin nau nābhibhāṣase ||

'Du bist die Zuflucht der Zufluchtslosen, du bist das Auge der Augenlosen; unser Leben hängt ganz an dir - warum sprichst du kein Wort zu uns?'

Wort für Wort
tvaṃ gatis tu agatīnāṃ ca
du bist die Zuflucht der Zufluchtslosen
cakṣus tvaṃ hīnacakṣuṣām
du bist das Auge der Augenlosen
samāsaktāḥ tvayi prāṇāḥ
unser Leben hängt an dir
kiṃcin nau nābhibhāṣase
warum sprichst du kein Wort zu uns

munim avyaktayā vācā tam ahaṃ sajjamānayā | hīnavyañjanayā prekṣya bhītaḥ bhīta iva abruvam ||

Ihn, den Weisen, erblickend, sprach ich mit undeutlicher, stockender, der Artikulation beraubter Stimme, erschrocken, wie ein Erschrockener:

Wort für Wort
munim avyaktayā vācā
zu dem Weisen mit undeutlicher Stimme
tam ahaṃ sajjamānayā
ich, mit stockender [Stimme]
hīnavyañjanayā prekṣya
erblickend, der Artikulation beraubt
bhītaḥ bhīta iva abruvam
sprach ich, erschrocken, wie ein Erschrockener

manasaḥ karmaceṣṭābhir abhisaṃstabhya vāgbalam | ācacakṣe tu ahaṃ tasmai putravyasanajaṃ bhayam ||

Mit den Bemühungen meines Geistes meine Sprachkraft zusammenraffend, berichtete ich ihm von der aus dem Unglück seines Sohnes entstandenen Furcht:

Wort für Wort
manasaḥ karmaceṣṭābhiḥ
mit den Bemühungen des Geistes
abhisaṃstabhya vāgbalam
meine Sprachkraft zusammenraffend
ācacakṣe tu ahaṃ tasmai
berichtete ich ihm
putravyasanajaṃ bhayam
die aus dem Unglück des Sohnes entstandene Furcht

kṣatriyo 'haṃ daśaratho nāhaṃ putro mahātmanaḥ | sajjanāvamataṃ duḥkham idaṃ prāptaṃ svakarmajam ||

'Ich bin der Kṣatriya Daśaratha, nicht der Sohn des Hochgesinnten; dieses von Rechtschaffenen verachtete Leid habe ich mir durch meine eigene Tat zugezogen.'

Wort für Wort
kṣatriyo 'haṃ daśarathaḥ
ich bin der Kṣatriya Daśaratha
nāhaṃ putro mahātmanaḥ
nicht bin ich der Sohn des Hochgesinnten
sajjanāvamataṃ duḥkham
dieses von Rechtschaffenen verachtete Leid
idaṃ prāptaṃ svakarmajam
habe ich mir durch meine eigene Tat zugezogen

bhagavaṃś cāpahastaḥ ahaṃ sarayūtīram āgataḥ | jighāṃsuḥ śvāpadaṃ kiṃcin nipāne vāgataṃ gajam ||

'O Herr, den Bogen in der Hand, kam ich ans Ufer der Sarayū, in der Absicht, ein wildes Tier oder einen zur Tränke gekommenen Elefanten zu töten.'

Wort für Wort
bhagavaṃś cāpahastaḥ aham
o Herr, den Bogen in der Hand, ich
sarayūtīram āgataḥ
kam ans Ufer der Sarayū
jighāṃsuḥ śvāpadaṃ kiṃcit
in der Absicht, ein wildes Tier zu töten
nipāne vāgataṃ gajam
oder einen zur Tränke gekommenen Elefanten

tataḥ śrutaḥ mayā śabdo jale kumbhasya pūryataḥ | dvipo 'yam iti matvā hi bāṇenābhihataḥ mayā ||

'Da hörte ich das Geräusch eines sich im Wasser füllenden Kruges; in der Meinung, dies sei ein Elefant, traf ich ihn mit einem Pfeil.'

Wort für Wort
tataḥ śrutaḥ mayā śabdaḥ
da hörte ich ein Geräusch
jale kumbhasya pūryataḥ
eines im Wasser sich füllenden Kruges
dvipo 'yam iti matvā hi
in der Meinung, dies sei ein Elefant
bāṇenābhihataḥ mayā
traf ich ihn mit einem Pfeil

gatvā nadyāḥ tataḥ tīram apaśyam iṣuṇā hṛdi | vinirbhinnaṃ gataprāṇaṃ śayānaṃ bhuvi tāpasam ||

'Zum Flussufer gehend, sah ich dann den Asketen, an der Brust vom Pfeil durchbohrt, seines Lebens beraubt, am Boden liegen.'

Wort für Wort
gatvā nadyāḥ tataḥ tīram
zum Ufer des Flusses gehend
apaśyam iṣuṇā hṛdi
sah ich, an der Brust vom Pfeil
vinirbhinnaṃ gataprāṇam
durchbohrt, seines Lebens beraubt
śayānaṃ bhuvi tāpasam
am Boden liegend, den Asketen

bhagavan śabdam ālakṣya mayā gajajighāṃsunā | visṛṣṭaḥ ambhasi nārācaḥ tena te nihataḥ sutaḥ ||

'O Herr, auf das Geräusch zielend, da ich einen Elefanten töten wollte, entließ ich einen Pfeil ins Wasser; dadurch wurde dein Sohn getötet.'

Wort für Wort
bhagavan śabdam ālakṣya
o Herr, auf das Geräusch zielend
mayā gajajighāṃsunā
von mir, der ich einen Elefanten töten wollte
visṛṣṭaḥ ambhasi nārācaḥ
wurde ein Pfeil ins Wasser entlassen
tena te nihataḥ sutaḥ
dadurch wurde dein Sohn getötet

tatas tasyaiva vacanād upetya paritapyataḥ | sa mayā sahasā bāṇa uddhṛto marmatas tadā ||

'Auf seine eigenen Worte hin, herantretend, in Qual, zog ich damals rasch den Pfeil aus seiner lebenswichtigen Stelle heraus.'

Wort für Wort
tatas tasyaiva vacanāt
dann auf seine eigenen Worte hin
upetya paritapyataḥ
herantretend, in Qual
sa mayā sahasā bāṇaḥ
der Pfeil wurde von mir rasch
uddhṛto marmatas tadā
damals aus der lebenswichtigen Stelle herausgezogen

sa ca uddhṛtena bāṇena tatraiva svargam āsthitaḥ | bhagavantāv ubhau śocann andhāv iti vilapya ca ||

'Und er, sobald der Pfeil herausgezogen war, ging eben dort zum Himmel ein, nachdem er um euch beide blinde Herren geklagt hatte.'

Wort für Wort
sa ca uddhṛtena bāṇena
und er, sobald der Pfeil herausgezogen war
tatraiva svargam āsthitaḥ
ging eben dort zum Himmel ein
bhagavantāv ubhau śocann
um euch beide Herren klagend
andhāv iti vilapya ca
um die beiden Blinden, so klagend

ajñānāt bhavataḥ putraḥ sahasā abhihataḥ mayā | śeṣaṃ evaṃ gate yat syāt tat prasīdatu me muniḥ ||

'Unwissend habe ich euren Sohn plötzlich getroffen; was auch immer nun, da dies geschehen ist, noch zu tun übrig bleibt - möge der Weise mir gnädig sein.'

Wort für Wort
ajñānāt bhavataḥ putraḥ
unwissend, euer Sohn
sahasā abhihataḥ mayā
wurde plötzlich von mir getroffen
śeṣaṃ evaṃ gate yat syāt
was auch, da dies geschehen ist, übrig bleibt
tat prasīdatu me muniḥ
dabei möge der Weise mir gnädig sein

sa tac chrutvā vacaḥ krūraṃ niḥśvasan śokakarśitaḥ | nāśakat tīvram āyāsam akartuṃ bhagavān ṛṣiḥ ||

Als der ehrwürdige Seher diese harten Worte gehört hatte, seufzend, vom Kummer ausgezehrt, konnte er nicht umhin, heftige Klage zu üben.

Wort für Wort
sa tac chrutvā vacaḥ krūram
er, diese harten Worte hörend
niḥśvasan śokakarśitaḥ
seufzend, vom Kummer ausgezehrt
nāśakat tīvram āyāsam
konnte nicht heftige Anstrengung
akartuṃ bhagavān ṛṣiḥ
unterlassen, der ehrwürdige Seher

sabāṣpapūrṇavadano niḥśvasan śokakarśitaḥ | mām uvāca mahātejāḥ kṛtāñjaliṃ upasthitam ||

Sein Gesicht von Tränen erfüllt, seufzend, vom Kummer ausgezehrt, sprach der Machtvolle zu mir, der ich mit gefalteten Händen vor ihm stand:

Wort für Wort
sabāṣpapūrṇavadanaḥ
sein Gesicht von Tränen erfüllt
niḥśvasan śokakarśitaḥ
seufzend, vom Kummer ausgezehrt
mām uvāca mahātejāḥ
sprach der Machtvolle zu mir
kṛtāñjaliṃ upasthitam
der ich mit gefalteten Händen dastand

yady etad aśubhaṃ karma na sma me kathayeḥ svayam | phalen mūrdhā sma te rājan sadyaḥ śatasahasradhā ||

'Hättest du diese unheilvolle Tat mir nicht selbst berichtet, so wäre dein Haupt, o König, augenblicklich in hunderttausend Stücke zersprungen.'

Wort für Wort
yady etad aśubhaṃ karma
hättest du diese unheilvolle Tat
na sma me kathayeḥ svayam
mir nicht selbst berichtet
phalen mūrdhā sma te rājan
so wäre dein Haupt zersprungen, o König
sadyaḥ śatasahasradhā
augenblicklich in hunderttausend Stücke

kṣatriyeṇa vadho rājan vānaprasthe viśeṣataḥ | jñānapūrvaṃ kṛtaḥ sthānāc cyāvayed api vajriṇam ||

'Eine von einem Kṣatriya bewusst begangene Tötung, zumal an einem im Wald lebenden Asketen, o König, könnte selbst den Träger des Blitzes von seinem Rang stürzen.'

Wort für Wort
kṣatriyeṇa vadho rājan
eine Tötung durch einen Kṣatriya, o König
vānaprasthe viśeṣataḥ
zumal an einem im Wald Lebenden
jñānapūrvaṃ kṛtaḥ sthānāt
wissentlich begangen, könnte von seinem Rang
cyāvayed api vajriṇam
selbst den Träger des Blitzes stürzen

saptadhā tu phalen mūrdhā munau tapasi tiṣṭhati | jñānād visṛjataḥ śastraṃ tādṛśe brahmacāriṇi ||

'In sieben Teile würde das Haupt dessen zerspringen, der wissentlich eine Waffe gegen einen solchen, im Studium und in Askese stehenden Brahmanenschüler entlässt.'

Wort für Wort
saptadhā tu phalen mūrdhā
in sieben Teile würde das Haupt zerspringen
munau tapasi tiṣṭhati
gegen einen in Askese stehenden Weisen
jñānād visṛjataḥ śastram
der wissentlich eine Waffe entlässt
tādṛśe brahmacāriṇi
gegen einen solchen Brahmanenschüler

ajñānād dhi kṛtaṃ yasmāt idaṃ tenaiva jīvasi | api hy adya kulaṃ naśyed rāghavāṇāṃ kutaḥ bhavān ||

'Weil du dies aber unwissentlich getan hast, deswegen eben lebst du noch; sonst wäre heute das ganze Geschlecht der Raghavas untergegangen, wieviel mehr du selbst.'

Wort für Wort
ajñānād dhi kṛtaṃ yasmāt
weil du es aber unwissentlich getan hast
idaṃ tenaiva jīvasi
deswegen eben lebst du
api hy adya kulaṃ naśyet
sonst würde heute das Geschlecht untergehen
rāghavāṇāṃ kutaḥ bhavān
der Raghavas, wieviel mehr du

naya nau nṛpa taṃ deśaṃ iti mām ca abhyabhāṣata | adya taṃ draṣṭum icchāvaḥ putraṃ paścimadarśanam ||

'Führe uns, o König, an jenen Ort' - so sprach er zu mir - 'heute wollen wir unseren Sohn sehen, ein letztes Mal.'

Wort für Wort
naya nau nṛpa taṃ deśam
führe uns, o König, an jenen Ort
iti mām ca abhyabhāṣata
so sprach er zu mir
adya taṃ draṣṭum icchāvaḥ
heute wollen wir ihn sehen
putraṃ paścimadarśanam
unseren Sohn, ein letztes Mal

rudhireṇāvasitāṅgaṃ prakīrṇājinavāsasam | śayānaṃ bhuvi niḥsaṃjñaṃ dharmarājavaśaṃ gatam ||

Ihren Sohn, dessen Körper vom Blut befleckt war, dessen Fell- und Rindenkleidung verstreut lag, bewusstlos am Boden liegend, in die Gewalt des Totengottes gegangen -

Wort für Wort
rudhireṇāvasitāṅgam
dessen Körper vom Blut befleckt war
prakīrṇājinavāsasam
dessen Fell- und Rindenkleidung verstreut lag
śayānaṃ bhuvi niḥsaṃjñam
bewusstlos am Boden liegend
dharmarājavaśaṃ gatam
in die Gewalt des Totengottes gegangen

atha ahaṃ ekaḥ taṃ deśaṃ nītvā tau bhṛśaduḥkhitau | asparśayam ahaṃ putraṃ taṃ munim saha bhāryayā ||

- dorthin führte ich sie beide, tief bekümmert, allein, und ließ sie, den Weisen samt seiner Gattin, ihren Sohn berühren.

Wort für Wort
atha ahaṃ ekaḥ taṃ deśam
dann ich allein, an jenen Ort
nītvā tau bhṛśaduḥkhitau
sie beide führend, tief bekümmert
asparśayam ahaṃ putram
ließ ich [ihn], den Sohn, berühren
taṃ munim saha bhāryayā
den Weisen samt seiner Gattin

tau putram ātmanaḥ spṛṣṭvā tam āsādya tapasvinau | nipetatuḥ śarīre asya pitā ca asya idam abravīt ||

Die beiden Asketen, ihren eigenen Sohn erreichend und berührend, sanken auf seinen Körper, und der Vater sprach dieses:

Wort für Wort
tau putram ātmanaḥ spṛṣṭvā
die beiden, ihren eigenen Sohn berührend
tam āsādya tapasvinau
ihn erreichend, die beiden Asketen
nipetatuḥ śarīre asya
sanken auf seinen Körper
pitā ca asya idam abravīt
und der Vater sprach dieses

na nv ahaṃ te priyaḥ putra mātaraṃ paśya dhārmika | kiṃ nu nāliṅgase putra sukumāra vaco vada ||

'Bin ich dir denn nicht lieb, mein Sohn? Sieh deine Mutter an, du Rechtschaffener; warum umarmst du mich nicht, mein Sohn? Sprich zarte Worte!'

Wort für Wort
na nv ahaṃ te priyaḥ putra
bin ich dir denn nicht lieb, mein Sohn
mātaraṃ paśya dhārmika
sieh deine Mutter an, du Rechtschaffener
kiṃ nu nāliṅgase putra
warum umarmst du mich nicht, mein Sohn
sukumāra vaco vada
du Zarter, sprich Worte

na tvahaṃ te priyaḥ putra mātaraṃ paśya dhārmika | kiṃ nu nāliṅgase putra sukumāra vaco vada ||

'Bin ich dir denn nicht lieb, mein Sohn? Sieh deine Mutter an, du Rechtschaffener; warum umarmst du mich nicht, mein Sohn? Sprich zarte Worte!'

Wort für Wort
na tvahaṃ te priyaḥ putra
bin ich dir denn nicht lieb, mein Sohn
mātaraṃ paśya dhārmika
sieh deine Mutter an, du Rechtschaffener
kiṃ nu nāliṅgase putra
warum umarmst du mich nicht, mein Sohn
sukumāra vaco vada
du Zarter, sprich Worte

kasya vā apararātre 'haṃ śroṣyāmi hṛdayaṃgamam | adhīyānasya madhuraṃ śāstraṃ vānyad viśeṣataḥ ||

'Von wem werde ich nun in den späten Nachtstunden die herzerfreuende, süße Rezitation der Schriften hören, oder anderes Besonderes?'

Wort für Wort
kasya vā apararātre 'ham
von wem werde ich in den späten Nachtstunden
śroṣyāmi hṛdayaṃgamam
die herzerfreuende [Rezitation] hören
adhīyānasya madhuram
die süße, eines Rezitierenden
śāstraṃ vānyad viśeṣataḥ
der Schrift, oder anderes Besonderes

ko māṃ saṃdhyām upāsyaiva snātvā hutahutāśanaḥ | ślāghayiṣyati upāsīnaḥ putraśokabhayārditam ||

'Wer wird, nachdem er die Abenddämmerung verehrt, gebadet und dem Feuer geopfert hat, sich zu mir setzen und mich, von Kummer und Furcht um den Sohn gequält, trösten?'

Wort für Wort
ko māṃ saṃdhyām upāsyaiva
wer wird, die Abenddämmerung verehrend
snātvā hutahutāśanaḥ
gebadet, dem Feuer geopfert habend
ślāghayiṣyati upāsīnaḥ
sich zu mir setzend, trösten
putraśokabhayārditam
mich, von Kummer und Furcht um den Sohn Gequälten

kandamūlaphalaṃ hṛtvā ko māṃ priyam ivātithim | bhojayiṣyaty akarmaṇyam apragraham anāyakam ||

'Wer wird, Knollen, Wurzeln und Früchte herbeibringend, mich wie einen lieben Gast bewirten, mich, den Untätigen, Führungslosen, Ohne-Leiter?'

Wort für Wort
kandamūlaphalaṃ hṛtvā
Knollen, Wurzeln und Früchte herbeibringend
ko māṃ priyam ivātithim
wer wird mich wie einen lieben Gast
bhojayiṣyaty akarmaṇyam
bewirten, mich, den Untätigen
apragraham anāyakam
den Führungslosen, Ohne-Leiter

imām andhāṃ ca vṛddhāṃ ca mātaraṃ te tapasvinīm | kathaṃ putra bhariṣyāmi kṛpaṇāṃ putragṛddhinīm ||

'Wie werde ich diese blinde, alte, elende Mutter von dir ernähren, die Bemitleidenswerte, die nach ihrem Sohn verlangt?'

Wort für Wort
imām andhāṃ ca vṛddhāṃ ca
diese blinde und alte
mātaraṃ te tapasvinīm
deine elende Mutter
kathaṃ putra bhariṣyāmi
wie werde ich, mein Sohn, ernähren
kṛpaṇāṃ putragṛddhinīm
die Bemitleidenswerte, die nach dem Sohn verlangt

tiṣṭha mā mā gamaḥ putra yamasya sadanaṃ prati | śvo mayā saha gantāsi jananyā ca samedhitaḥ ||

'Bleib, geh nicht, mein Sohn, zur Wohnstatt Yamas; morgen wirst du mit mir zusammen gehen, und mit deiner Mutter vereint.'

Wort für Wort
tiṣṭha mā mā gamaḥ putra
bleib, geh nicht, mein Sohn
yamasya sadanaṃ prati
zur Wohnstatt Yamas
śvo mayā saha gantāsi
morgen wirst du mit mir gehen
jananyā ca samedhitaḥ
und mit der Mutter vereint

ubhāv api ca śokārtāv anāthau kṛpaṇau vane | kṣipram eva gamiṣyāvaḥ tvayā hīnau yamakṣayam ||

'Wir beide, vom Kummer gequält, schutzlos, elend im Wald, werden rasch, ohne dich, zur Wohnstatt Yamas eingehen.'

Wort für Wort
ubhāv api ca śokārtau
wir beide, vom Kummer gequält
anāthau kṛpaṇau vane
schutzlos, elend, im Wald
kṣipram eva gamiṣyāvaḥ
werden wir rasch gehen
tvayā hīnau yamakṣayam
ohne dich, zur Wohnstatt Yamas

tataḥ vaivasvataṃ dṛṣṭvā taṃ pravakṣyāmi bhāratīm | kṣamatāṃ dharmarājo me bibhṛyāt pitarāv ayam ||

'Dann, wenn ich den Sohn des Vivasvat sehe, werde ich zu ihm diese Worte sprechen: Möge der Rechtskönig mir vergeben und diesem meinem Sohn erlauben, seine Eltern weiter zu ernähren.'

Wort für Wort
tataḥ vaivasvataṃ dṛṣṭvā
dann, den Sohn des Vivasvat sehend
taṃ pravakṣyāmi bhāratīm
werde ich zu ihm diese Worte sprechen
kṣamatāṃ dharmarājo me
möge der Rechtskönig mir vergeben
bibhṛyāt pitarāv ayam
möge dieser [mein Sohn] die Eltern ernähren

dātum arhati dharmātmā lokapālo mahāyaśāḥ | īdṛśasya mamākṣayyām ekām abhayadakṣiṇām ||

'Der dem Recht ergebene, ruhmreiche Weltenhüter möge geruhen, einem wie mir eine einzige unvergängliche Gabe der Furchtlosigkeit zu gewähren.'

Wort für Wort
dātum arhati dharmātmā
möge geruhen zu gewähren, der dem Recht Ergebene
lokapālo mahāyaśāḥ
der Weltenhüter, der Ruhmreiche
īdṛśasya mamākṣayyām
einem wie mir, eine unvergängliche
ekām abhayadakṣiṇām
einzige Gabe der Furchtlosigkeit

apāpo 'si yathā putra nihataḥ pāpakarmaṇā | tena satyena gaccāśu ye lokāḥ śastrayodhinām ||

'So wie du sündlos bist, mein Sohn, obwohl du von einem, der eine Sündentat beging, getötet wurdest - durch diese Wahrheit gehe rasch zu den Welten der mit Waffen Kämpfenden.'

Wort für Wort
apāpo 'si yathā putra
so wie du sündlos bist, mein Sohn
nihataḥ pāpakarmaṇā
getötet von einem, der eine Sündentat beging
tena satyena gaccāśu
durch diese Wahrheit gehe rasch
ye lokāḥ śastrayodhinām
zu den Welten der mit Waffen Kämpfenden

yānti śūrā gatiṃ yāṃ ca saṃgrāmeṣv anivartinaḥ | hatās tv abhimukhāḥ putra gatiṃ tāṃ paramāṃ vraja ||

'Die Zuflucht, zu der Helden gehen, die in Schlachten nicht zurückweichen, wenn sie, dem Feind zugewandt, gefallen sind - zu dieser höchsten Zuflucht geh, mein Sohn.'

Wort für Wort
yānti śūrā gatiṃ yāṃ ca
zu welcher Zuflucht die Helden gehen
saṃgrāmeṣv anivartinaḥ
die in Schlachten nicht zurückweichen
hatās tv abhimukhāḥ putra
gefallen, dem Feind zugewandt, mein Sohn
gatiṃ tāṃ paramāṃ vraja
geh zu dieser höchsten Zuflucht

yāṃ gatiṃ sagaraḥ śaibyo dilīpo janamejayaḥ | nahuṣo dhundhumāraś ca prāptāḥ tāṃ gaccha putraka ||

'Zu der Zuflucht, die Sagara, Śaibya, Dilīpa, Janamejaya, Nahuṣa und Dhundhumāra erlangten, geh, mein Söhnchen.'

Wort für Wort
yāṃ gatiṃ sagaraḥ śaibyaḥ
zu welcher Zuflucht Sagara, Śaibya
dilīpo janamejayaḥ
Dilīpa, Janamejaya
nahuṣo dhundhumāraś ca
Nahuṣa und Dhundhumāra
prāptāḥ tāṃ gaccha putraka
gelangten, zu dieser geh, mein Söhnchen

yā gatiḥ sarvasādhūnāṃ svādhyāyāt patatāṃ ca yā | bhūmidasyāhitāgneś caikapatnīvratasya ca ||

'Die Zuflucht, die allen Rechtschaffenen zuteil wird, die durch die Vedenrezitation fallen, die einem Landspender, dem, der sein Feuer eingesetzt hat, und dem, der das Gelübde der einen Gattin hält, zuteil wird,'

Wort für Wort
yā gatiḥ sarvasādhūnām
die Zuflucht, die allen Rechtschaffenen [zuteil wird]
svādhyāyāt patatāṃ ca yā
die denen, die durch Vedenrezitation fallen
bhūmidasyāhitāgneḥ
einem Landspender, dem, der das Feuer eingesetzt hat
caikapatnīvratasya ca
und dem mit dem Gelübde der einen Gattin

gosahasrapradātṝṇāṃ yā yā gurubhṛtām api | dehanyāsakṛtāṃ yā ca tāṃ gatiṃ gaccha putraka ||

'die den Gebern von tausend Kühen und den Dienern ihrer Lehrer und denen, die freiwillig ihren Körper aufgeben, zuteil wird - zu dieser Zuflucht geh, mein Söhnchen.'

Wort für Wort
gosahasrapradātṝṇām
den Gebern von tausend Kühen
yā yā gurubhṛtām api
und die den Dienern der Lehrer
dehanyāsakṛtāṃ yā ca
und die denen, die den Körper aufgeben
tāṃ gatiṃ gaccha putraka
zu dieser Zuflucht geh, mein Söhnchen

na hi tv asmin kule jātaḥ gacchati akuśalāṃ gatim | sa tu yāsyati yena tvaṃ nihato mama bāndhavaḥ ||

'Denn wer in diesem Geschlecht geboren ist, geht nicht zu einem üblen Ziel; jener aber, durch den du getötet wurdest, mein Freund, wird dorthin gehen.'

Wort für Wort
na hi tv asmin kule jātaḥ
denn wer in diesem Geschlecht geboren ist
gacchati akuśalāṃ gatim
geht nicht zu einem üblen Ziel
sa tu yāsyati yena
jener aber wird gehen, durch den
tvaṃ nihato mama bāndhavaḥ
du getötet wurdest, mein Freund

evaṃ sa kṛpaṇaṃ tatra paryadevayad asakṛt | tataḥ asmai kartum udakaṃ pravṛttaḥ saha bhāryayā ||

So klagte er dort wiederholt kläglich; dann machte er sich, samt seiner Gattin, daran, ihm das Wasseropfer darzubringen.

Wort für Wort
evaṃ sa kṛpaṇaṃ tatra
so er kläglich dort
paryadevayad asakṛt
klagte wiederholt
tataḥ asmai kartum udakam
dann, um ihm das Wasseropfer darzubringen
pravṛttaḥ saha bhāryayā
machte er sich daran, samt seiner Gattin

sa tu divyena rūpeṇa muniputraḥ svakarmabhiḥ | svargam ādhyāruhat kṣipraṃ śakreṇa saha kharmavit ||

Der Sohn des Weisen aber stieg durch seine eigenen guten Taten in himmlischer Gestalt rasch zum Himmel auf, zusammen mit Indra.

Wort für Wort
sa tu divyena rūpeṇa
er aber, in himmlischer Gestalt
muniputraḥ svakarmabhiḥ
der Sohn des Weisen, durch seine eigenen Taten
svargam ādhyāruhat kṣipram
stieg rasch zum Himmel auf
śakreṇa saha kharmavit
zusammen mit Indra

ābabhāṣe ca vṛddhau tau saha śakreṇa tāpasaḥ | āśvāsya ca muhūrtaṃ tu pitarau vākyam abravīt ||

Der Asket sprach mit den beiden Alten, zusammen mit Indra, und, sie einen Augenblick tröstend, sprach er zu seinen Eltern die Worte:

Wort für Wort
ābabhāṣe ca vṛddhau tau
er sprach mit den beiden Alten
saha śakreṇa tāpasaḥ
zusammen mit Indra, der Asket
āśvāsya ca muhūrtaṃ tu
und, sie einen Augenblick tröstend
pitarau vākyam abravīt
sprach er zu den Eltern die Worte

sthānam asmi mahat prāptaḥ bhavatoḥ paricāraṇāt | bhavantāv api ca kṣipraṃ mama mūlam upaiṣyataḥ ||

'Einen großen Rang habe ich erlangt durch den Dienst an euch beiden; auch ihr beide werdet bald zu mir gelangen.'

Wort für Wort
sthānam asmi mahat prāptaḥ
einen großen Rang habe ich erlangt
bhavatoḥ paricāraṇāt
durch den Dienst an euch beiden
bhavantāv api ca kṣipram
auch ihr beide werdet bald
mama mūlam upaiṣyataḥ
zu mir gelangen

evam uktvā tu divyena vimānena vapuṣmatā | āruroha divaṃ kṣipraṃ muniputro jitendriyaḥ ||

So sprechend, bestieg der Sohn des Weisen, seine Sinne beherrschend, rasch in einem herrlichen, himmlischen Wagen den Himmel.

Wort für Wort
evam uktvā tu divyena
so sprechend, mit einem himmlischen
vimānena vapuṣmatā
herrlichen Wagen
āruroha divaṃ kṣipram
bestieg er rasch den Himmel
muniputro jitendriyaḥ
der Sohn des Weisen, seine Sinne beherrschend

sa kṛtvā tu udakaṃ tūrṇaṃ tāpasaḥ saha bhāryayā | mām uvāca mahātejāḥ kṛtāñjaliṃ upasthitam ||

Nachdem der Asket rasch, samt seiner Gattin, das Wasseropfer vollzogen hatte, sprach der Machtvolle zu mir, der ich mit gefalteten Händen vor ihm stand:

Wort für Wort
sa kṛtvā tu udakaṃ tūrṇam
er, rasch das Wasseropfer vollziehend
tāpasaḥ saha bhāryayā
der Asket, samt seiner Gattin
mām uvāca mahātejāḥ
sprach der Machtvolle zu mir
kṛtāñjaliṃ upasthitam
der ich mit gefalteten Händen dastand

adyaiva jahi māṃ rājan maraṇe nāsti me vyathā | yac chareṇaikaputraṃ māṃ tvam akārṣīr aputrakam ||

'Töte mich jetzt gleich, o König - im Sterben liegt für mich kein Schmerz; denn du hast mich, den Vater eines einzigen Sohnes, mit einem Pfeil kinderlos gemacht.'

Wort für Wort
adyaiva jahi māṃ rājan
töte mich jetzt gleich, o König
maraṇe nāsti me vyathā
im Sterben liegt für mich kein Schmerz
yac chareṇaikaputram mām
denn mich, den Vater eines einzigen Sohnes, mit einem Pfeil
tvam akārṣīr aputrakam
hast du kinderlos gemacht

tvayā tu yad avijñānān nihataḥ me sutaḥ śuciḥ | tena tvām abhiśapsyāmi suduḥkham atidāruṇam ||

'Weil du aber in Unwissenheit meinen reinen Sohn getötet hast, werde ich dich mit einem höchst schmerzlichen, überaus grausamen Fluch belegen:'

Wort für Wort
tvayā tu yad avijñānāt
weil du aber in Unwissenheit
nihataḥ me sutaḥ śuciḥ
meinen reinen Sohn getötet hast
tena tvām abhiśapsyāmi
deshalb werde ich dich belegen
suduḥkham atidāruṇam
mit einem höchst schmerzlichen, grausamen [Fluch]

putravyasanajaṃ duḥkhaṃ yad etan mama sāmpratam | evaṃ tvaṃ putraśokena rājan kālaṃ kariṣyasi ||

'Wie dieser Schmerz, entstanden aus dem Unglück meines Sohnes, jetzt der meine ist - so wirst auch du, o König, durch den Kummer um deinen Sohn dein Ende finden.'

Wort für Wort
putravyasanajaṃ duḥkham
der aus dem Unglück des Sohnes entstandene Schmerz
yad etan mama sāmpratam
der jetzt der meine ist
evaṃ tvaṃ putraśokena
so wirst du durch den Kummer um den Sohn
rājan kālaṃ kariṣyasi
o König, dein Ende finden

ajñānāt tu hato yasmāt kṣatriyeṇa tvayā muniḥ | tasmāt tvāṃ nāviśaty āśu brahmahatyā narādhipa ||

'Weil aber der Weise von dir, dem Kṣatriya, unwissentlich getötet wurde, deshalb wird dich die Sünde des Brahmanenmordes nicht sofort befallen, o Herrscher der Menschen.'

Wort für Wort
ajñānāt tu hato yasmāt
weil aber unwissentlich getötet wurde
kṣatriyeṇa tvayā muniḥ
von dir, dem Kṣatriya, der Weise
tasmāt tvāṃ nāviśaty āśu
deshalb wird dich nicht sofort befallen
brahmahatyā narādhipa
die Sünde des Brahmanenmordes, o Herrscher der Menschen

tvām apy etādṛśo bhāvaḥ kṣiprameva gamiṣyati | jīvitāntakaro ghoro dātāram iva dakṣiṇā ||

'Doch auch dich wird ein solches Schicksal bald ereilen, das schreckliche, lebensbeendende, wie eine Opfergabe unweigerlich zu ihrem Geber gelangt.'

Wort für Wort
tvām apy etādṛśo bhāvaḥ
auch dich wird ein solches Schicksal
kṣiprameva gamiṣyati
bald ereilen
jīvitāntakaro ghoraḥ
das schreckliche, lebensbeendende
dātāram iva dakṣiṇā
wie die Opfergabe zu ihrem Geber [gelangt]

evaṃ śāpaṃ mayi nyasya vilapya karuṇaṃ bahu | citām āropya dehaṃ tan mithunaṃ svargam abhyayāt ||

So, den Fluch über mich verhängend und vielfach klagend, legten die beiden den Leib ihres Sohnes auf den Scheiterhaufen, und das Paar ging zum Himmel ein.

Wort für Wort
evaṃ śāpaṃ mayi nyasya
so den Fluch über mich verhängend
vilapya karuṇaṃ bahu
vielfach kläglich klagend
citām āropya deham
den Leib auf den Scheiterhaufen legend
tan mithunaṃ svargam abhyayāt
ging jenes Paar zum Himmel ein

tad etac cintayānena smṛtaṃ pāpaṃ mayā svayam | tadā bālyāt kṛtaṃ devi śabdavedhyanukarṣiṇā ||

Darüber nachdenkend, erinnerte ich mich selbst an jene Sünde, o Herrin, die ich damals aus Kindlichkeit beging, dem Klangschießen nachjagend.

Wort für Wort
tad etac cintayānena
darüber nachdenkend
smṛtaṃ pāpaṃ mayā svayam
erinnerte ich mich selbst an die Sünde
tadā bālyāt kṛtaṃ devi
die damals aus Kindlichkeit begangen wurde, o Herrin
śabdavedhyanukarṣiṇā
von mir, dem Klangschießen Nachjagenden

tasyāyaṃ karmaṇo devi vipākaḥ samupasthitaḥ | apathyaiḥ saha saṃbhukte vyādhir annarase yathā ||

Dies ist nun, o Herrin, die reife Frucht jener Tat, eingetreten, wie eine Krankheit, ausgelöst, wenn man ungesunde Speisen mit der eigentlichen Nahrung zusammen isst.

Wort für Wort
tasyāyaṃ karmaṇo devi
dies ist nun, o Herrin, jener Tat
vipākaḥ samupasthitaḥ
reife Frucht, eingetreten
apathyaiḥ saha saṃbhukte
wenn ungesunde [Speisen] zusammen gegessen werden
vyādhir annarase yathā
wie eine Krankheit, mit der Nahrung

tasmān māṃ āgataṃ bhadre tasyodārasya tad vacaḥ | yad ahaṃ putraśokena saṃtyakṣyāmy adya jīvitam ||

Deshalb ist über mich, o Gute, jenes Wort des Edlen gekommen: dass ich heute durch den Kummer um meinen Sohn mein Leben lassen werde.

Wort für Wort
tasmān māṃ āgataṃ bhadre
deshalb ist über mich gekommen, o Gute
tasyodārasya tad vacaḥ
jenes Wort des Edlen
yad ahaṃ putraśokena
dass ich durch den Kummer um den Sohn
saṃtyakṣyāmy adya jīvitam
heute mein Leben lassen werde

cakṣurbhyāṃ tvāṃ na paśyāmi kausalye sādhu māṃ spṛśa | ity uktvā sa rudaṃs trasto bhāryām āha ca bhūmipaḥ ||

'Mit meinen Augen sehe ich dich nicht mehr, Kausalyā; berühre mich, ich bitte dich!' - so sprechend, weinend, erschrocken, sagte der Herrscher der Erde zu seiner Gattin:

Wort für Wort
cakṣurbhyāṃ tvāṃ na paśyāmi
mit meinen Augen sehe ich dich nicht mehr
kausalye sādhu māṃ spṛśa
Kausalyā, berühre mich, ich bitte dich
ity uktvā sa rudaṃs trastaḥ
so sprechend, weinend, erschrocken
bhāryām āha ca bhūmipaḥ
sagte der Herrscher der Erde zu seiner Gattin

etan me sadṛśaṃ devi yan mayā rāghave kṛtam | sadṛśaṃ tat tu tasyaiva yad anena kṛtaṃ mayi ||

'Dies, o Herrin, entspricht dem, was ich an Rāghava getan habe; und ebenso entspricht es dem, was jener Weise mir angetan hat.'

Wort für Wort
etan me sadṛśaṃ devi
dies entspricht mir, o Herrin
yan mayā rāghave kṛtam
was ich an Rāghava getan habe
sadṛśaṃ tat tu tasyaiva
entsprechend ist auch das, was jener
yad anena kṛtaṃ mayi
was er mir angetan hat

durvṛttam api kaḥ putraṃ tyajed bhuvi vicakṣaṇaḥ | kaś ca pravrājyamāno vā nāsūyet pitaraṃ sutaḥ ||

'Welcher Kluge auf Erden würde seinen Sohn verstoßen, selbst wenn er sich schlecht verhalten hätte? Und welcher verbannte Sohn würde seinem Vater nicht grollen?'

Wort für Wort
durvṛttam api kaḥ putram
welcher, selbst einen schlecht handelnden Sohn
tyajed bhuvi vicakṣaṇaḥ
würde verstoßen auf Erden, ein Kluger
kaś ca pravrājyamāno vā
und welcher verbannte
nāsūyet pitaraṃ sutaḥ
Sohn würde dem Vater nicht grollen

yadi māṃ saṃspṛśed rāmaḥ sakṛd adya labheta vā | yamakṣayam anuprāptā drakṣyanti na hi mānavāḥ ||

'Wenn Rāma mich [jetzt] berühren, wenn ich ihn heute nur einmal erlangen könnte! Doch die Menschen, die zur Wohnstatt Yamas gelangt sind, können ihn nicht mehr sehen.'

Wort für Wort
yadi māṃ saṃspṛśed rāmaḥ
wenn Rāma mich berühren würde
sakṛd adya labheta vā
oder ich ihn heute einmal erlangen könnte
yamakṣayam anuprāptā
die zur Wohnstatt Yamas gelangt sind
drakṣyanti na hi mānavāḥ
die Menschen können nicht mehr sehen

cakṣuṣā tvāṃ na paśyāmi smṛtir mama vilupyate | dūtā vaivasvatasya ete kausalye tvarayanti mām ||

'Mit meinen Augen sehe ich dich nicht mehr, meine Erinnerung schwindet - die Boten des Sohnes des Vivasvat drängen mich, Kausalyā.'

Wort für Wort
cakṣuṣā tvāṃ na paśyāmi
mit den Augen sehe ich dich nicht mehr
smṛtir mama vilupyate
meine Erinnerung schwindet
dūtā vaivasvatasya ete
diese Boten des Sohnes des Vivasvat
kausalye tvarayanti mām
drängen mich, Kausalyā

ataḥ tu kiṃ duḥkhataraṃ yad ahaṃ jīvitakṣaye | na hi paśyāmi dharmajñaṃ rāmaṃ satyaparākramam ||

'Was könnte schmerzlicher sein, als dass ich, am Ende meines Lebens, den dem Recht kundigen, wahrhaft tapferen Rāma nicht mehr sehe?'

Wort für Wort
ataḥ tu kiṃ duḥkhataram
was könnte schmerzlicher sein als dies
yad ahaṃ jīvitakṣaye
dass ich am Ende meines Lebens
na hi paśyāmi dharmajñam
nicht mehr sehe den Rechtskundigen
rāmaṃ satyaparākramam
Rāma, den wahrhaft Tapferen

tasyādarśanajaḥ śokaḥ sutasyāpratikarmaṇaḥ | uccoṣayati me prāṇān vāri stokam ivātapaḥ ||

'Der aus dem Nicht-Sehen meines untadeligen Sohnes entstehende Kummer trocknet mein Leben aus, wie die Hitze ein wenig Wasser.'

Wort für Wort
tasyādarśanajaḥ śokaḥ
der aus dem Nicht-Sehen entstehende Kummer
sutasyāpratikarmaṇaḥ
meines untadeligen Sohnes
uccoṣayati me prāṇān
trocknet mein Leben aus
vāri stokam ivātapaḥ
wie die Hitze ein wenig Wasser

na te manuṣyā devās te ye cāru śubhakuṇḍalam | mukhaṃ drakṣyanti rāmasya varṣe pañcadaśe punaḥ ||

'Nicht Menschen, Götter sind sie, die im fünfzehnten Jahr wieder Rāmas liebliches, mit schönen Ohrringen geschmücktes Antlitz sehen werden.'

Wort für Wort
na te manuṣyā devās te
nicht Menschen, Götter sind sie
ye cāru śubhakuṇḍalam
die das liebliche, mit schönen Ohrringen [geschmückte]
mukhaṃ drakṣyanti rāmasya
Antlitz Rāmas sehen werden
varṣe pañcadaśe punaḥ
im fünfzehnten Jahr wieder

padmapatrekṣaṇaṃ subhru sudaṃṣṭraṃ cārunāsikam | dhanyā drakṣyanti rāmasya tārādhipanibhaṃ mukham ||

'Glücklich sind jene, die Rāmas Antlitz sehen werden, mit Augen wie Lotusblätter, schönen Brauen, schönen Zähnen, feiner Nase, dem Herrn der Sterne gleich.'

Wort für Wort
padmapatrekṣaṇaṃ subhru
mit Augen wie Lotusblätter, schönen Brauen
sudaṃṣṭraṃ cārunāsikam
schönen Zähnen, feiner Nase
dhanyā drakṣyanti rāmasya
glücklich sind, die Rāmas [Antlitz] sehen werden
tārādhipanibhaṃ mukham
das dem Herrn der Sterne gleiche Antlitz

sadṛśaṃ śāradasya indoḥ phullasya kamalasya ca | sugandhi mama nāthasya dhanyā drakṣyanti tan mukham ||

'Jenem herbstlichen Mond und der aufgeblühten Lotusblume gleich, duftend - glücklich sind, die das Antlitz meines Herrn sehen werden.'

Wort für Wort
sadṛśaṃ śāradasya indoḥ
gleich dem herbstlichen Mond
phullasya kamalasya ca
und der aufgeblühten Lotusblume
sugandhi mama nāthasya
duftend, meines Herrn
dhanyā drakṣyanti tan mukham
glücklich sind, die jenes Antlitz sehen werden

nivṛttavanavāsaṃ taṃ ayodhyāṃ punar āgatam | drakṣyanti sukhino rāmaṃ śukraṃ mārgagataṃ yathā ||

'Glücklich werden sie Rāma sehen, wenn er, vom Waldaufenthalt zurückgekehrt, wieder nach Ayodhyā kommt, wie man sich freut, wenn Venus wieder seine Bahn zieht.'

Wort für Wort
nivṛttavanavāsaṃ tam
ihn, vom Waldaufenthalt zurückgekehrt
ayodhyāṃ punar āgatam
wieder nach Ayodhyā gekommen
drakṣyanti sukhino rāmam
glücklich werden sie Rāma sehen
śukraṃ mārgagataṃ yathā
wie Venus, die seine Bahn zieht

kausalye cittamohena hṛdayaṃ sīdatīva me | vedaye na ca samuktān śabdasparśarasān aham ||

'Kausalyā, durch die Verwirrung meines Geistes sinkt mein Herz gleichsam hin; ich nehme weder Töne, Berührungen noch Geschmäcker mehr zusammen wahr.'

Wort für Wort
kausalye cittamohena
Kausalyā, durch die Verwirrung des Geistes
hṛdayaṃ sīdatīva me
sinkt mein Herz gleichsam hin
vedaye na ca samuktān
ich nehme nicht zusammen wahr
śabdasparśarasān aham
Töne, Berührungen und Geschmäcker, ich

cittanāśād vipadyante sarvāṇy evendriyāṇi me | kṣīṇasnehasya dīpasya saṃsaktā raśmayo yathā ||

'Durch den Verlust meines Bewusstseins vergehen alle meine Sinne, wie die Strahlen einer Lampe, deren Öl versiegt ist.'

Wort für Wort
cittanāśād vipadyante
durch den Verlust des Bewusstseins vergehen
sarvāṇy evendriyāṇi me
alle meine Sinne
kṣīṇasnehasya dīpasya
einer Lampe, deren Öl versiegt ist
saṃsaktā raśmayo yathā
wie die zusammensinkenden Strahlen

ayam ātmabhavaḥ śoko mām anātham acetanam | saṃsādayati vegena yathā kūlaṃ nadīrayaḥ ||

'Dieser aus mir selbst entstandene Kummer zermalmt mich, den Schutzlosen, Besinnungslosen, mit solcher Wucht, wie der Ansturm eines Flusses ein Ufer.'

Wort für Wort
ayam ātmabhavaḥ śokaḥ
dieser aus mir selbst entstandene Kummer
mām anātham acetanam
mich, den Schutzlosen, Besinnungslosen
saṃsādayati vegena
zermalmt mit solcher Wucht
yathā kūlaṃ nadīrayaḥ
wie der Ansturm eines Flusses ein Ufer

hā rāghava mahābāho hā mama āyāsanāśana | hā pitṛpriya me nātha hādya kvāsi gataḥ suta ||

'Ach, Sohn des Raghu, Starkarmiger! Ach, du, der meine Mühen vertreibt! Ach, meinem Vater lieber Herr - wohin bist du heute gegangen, mein Sohn?'

Wort für Wort
hā rāghava mahābāho
ach, Sohn des Raghu, Starkarmiger
hā mama āyāsanāśana
ach, du, der meine Mühen vertreibt
hā pitṛpriya me nātha
ach, meinem Vater lieber Herr
hādya kvāsi gataḥ suta
ach, wohin bist du heute gegangen, mein Sohn

hā kausalye naśiṣyāmi hā sumitre tapasvini | hā nṛśaṃse mamāmitre kaikeyi kulapāṃsani ||

'Ach, Kausalyā, ich vergehe! Ach, elende Sumitrā! Ach, du grausame Feindin, Kaikeyī, Schande des Geschlechts!'

Wort für Wort
hā kausalye naśiṣyāmi
ach, Kausalyā, ich vergehe
hā sumitre tapasvini
ach, elende Sumitrā
hā nṛśaṃse mamāmitre
ach, du grausame Feindin
kaikeyi kulapāṃsani
Kaikeyī, Schande des Geschlechts

iti rāmasya mātuś ca sumitrāyāś ca sannidhau | rājā daśarathaḥ śocan jīvitāntam upāgamat ||

So klagend, in Gegenwart von Rāmas Mutter und der Sumitrā, erreichte König Daśaratha das Ende seines Lebens.

Wort für Wort
iti rāmasya mātuś ca
so, in Gegenwart der Mutter Rāmas
sumitrāyāś ca sannidhau
und der Sumitrā
rājā daśarathaḥ śocan
König Daśaratha, klagend
jīvitāntam upāgamat
erreichte das Ende seines Lebens

yathā tu dīnaṃ kathayan narādhipaḥ | priyasya putrasya vivāsanāturaḥ | gate 'rdharātre bhṛśaduḥkhapīḍitaḥ | tadā jahau prāṇam udāradarśanaḥ ||

So klagend, elend, gequält von der Verbannung seines geliebten Sohnes, gab der Herrscher der Menschen, von edlem Aussehen, als die Mitternacht verstrichen war, überaus schmerzgepeinigt, seinen Lebensatem auf.

Wort für Wort
yathā tu dīnaṃ kathayan
so klagend, elend
priyasya putrasya vivāsanāturaḥ
gequält von der Verbannung seines geliebten Sohnes
gate 'rdharātre bhṛśaduḥkhapīḍitaḥ
als die Mitternacht verstrichen war, überaus schmerzgepeinigt
tadā jahau prāṇam udāradarśanaḥ
gab er, von edlem Aussehen, den Lebensatem auf

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