Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 69: Bharata Duḥsvapna Darśanam In derselben Nacht, in der die Boten Girivraja erreichen, hat Bharata einen furchtbaren, vieldeutigen Traum vom Verfall seines Vaters und ahnt drohendes Unheil

yāmeva rātriṃ te dūtāḥ praviśanti sma tāṃ purīm | bharatenāpi tāṃ rātrim svapno dṛṣṭo 'yamapriyaḥ ||

In eben jener Nacht, in der jene Boten in jene Stadt eintraten, hatte auch Bharata in derselben Nacht diesen unheilvollen Traum gesehen.

Wort für Wort
yām eva rātrim te dūtāḥ
in eben jener Nacht, [in der] jene Boten
praviśanti sma tām purīm
in jene Stadt eintraten
bharatena api tām rātrim
auch von Bharata in derselben Nacht
svapnaḥ dṛṣṭaḥ ayam apriyaḥ
wurde dieser unheilvolle Traum gesehen

vyuṣṭāmeva tu tāṃ rātriṃ dṛṣṭvā taṃ svapnamapriyam | putro rājādhirājasya subhṛśaṃ paryatapyata ||

Als jene Nacht vergangen war, war der Sohn des Königs der Könige, nachdem er jenen unheilvollen Traum gesehen hatte, überaus gequält.

Wort für Wort
vyuṣṭām eva tu tām rātrim
als jene Nacht aber vergangen war
dṛṣṭvā tam svapnam apriyam
nachdem er jenen unheilvollen Traum gesehen hatte
putraḥ rājādhirājasya
der Sohn des Königs der Könige
subhṛśam paryatapyata
war überaus gequält

tapyamānaṃ samājñāya vayasyāḥ priyavādinaḥ | āyāsaṃ hi vineṣyantaḥ sabhāyāṃ cakrire kathāḥ ||

Als seine freundlich sprechenden Gefährten erkannten, dass er gequält war, erzählten sie in der Versammlung Geschichten, um seinen Kummer zu vertreiben.

Wort für Wort
tapyamānam samājñāya
erkennend, dass er gequält war
vayasyāḥ priyavādinaḥ
die freundlich sprechenden Gefährten
āyāsam hi vineṣyantaḥ
um den Kummer zu vertreiben
sabhāyām cakrire kathāḥ
erzählten sie in der Versammlung Geschichten

vādayanti tathā śāntiṃ lāsayanti api ca apare | nāṭakāni apare prāhurhāsyāni vividhāni ca ||

Manche spielten [Musik] zur Beruhigung, andere tanzten, wieder andere führten Schauspiele und mancherlei Lustspiele auf.

Wort für Wort
vādayanti tathā śāntim
manche spielten [Musik] zur Beruhigung
lāsayanti api ca apare
andere tanzten
nāṭakāni apare prāhuḥ
wieder andere führten Schauspiele auf
hāsyāni vividhāni ca
und mancherlei Lustspiele

sa taiḥ mahātmā bharataḥ sakhibhiḥ priyavādibhiḥ | goṣṭhīhāsyāni kurvadbhirna prāhṛṣyata rāghavaḥ ||

Doch jener großherzige Bharata, der Rāghava, wurde von diesen freundlich sprechenden Gefährten, die geselliges Lachen veranstalteten, nicht erfreut.

Wort für Wort
saḥ taiḥ mahātmā bharataḥ
doch jener großherzige Bharata
sakhibhiḥ priyavādibhiḥ
von den freundlich sprechenden Gefährten
goṣṭhīhāsyāni kurvadbhiḥ
die geselliges Lachen veranstalteten
na prāhṛṣyata rāghavaḥ
wurde der Rāghava nicht erfreut

tamabravīt priyasakho bharataṃ sakhibhirvṛtam | suhṛdbhiḥ paryupāsīnaḥ kiṃ sakhe nānumodase ||

Ein lieber Freund, unter den ihn umgebenden Gefährten sitzend, sprach zu jenem von Freunden umringten Bharata: 'Was, Freund, findest du keine Freude [daran]?'

Wort für Wort
tam abravīt priyasakhaḥ
zu ihm sprach ein lieber Freund
bharatam sakhibhiḥ vṛtam
zu Bharata, von Gefährten umringt
suhṛdbhiḥ paryupāsīnaḥ
unter den Freunden sitzend
kim sakhe na anumodase
was, Freund, freust du dich nicht

evaṃ bruvāṇaṃ suhṛdaṃ bharataḥ pratyuvāca ha | śṛṇu tvaṃ yannimittaṃ me dainyametadupāgatam ||

Dem so sprechenden Freund antwortete Bharata: 'Höre du, aus welchem Grund mich diese Niedergeschlagenheit befallen hat.

Wort für Wort
evam bruvāṇam suhṛdam
dem so sprechenden Freund
bharataḥ pratyuvāca ha
antwortete Bharata
śṛṇu tvam yannimittam
höre du, aus welchem Grund
me dainyam etat upāgatam
mich diese Niedergeschlagenheit befallen hat

svapne pitaramadrākṣaṃ malinaṃ muktamūrdhajam | patantamadriśikharāt kaluṣe gomayahrade ||

Im Traum sah ich den Vater, besudelt, mit gelöstem Haar, von einem Berggipfel in einen trüben Teich von Kuhmist stürzen.

Wort für Wort
svapne pitaram adrākṣam
im Traum sah ich den Vater
malinam muktamūrdhajam
besudelt, mit gelöstem Haar
patantam adriśikharāt
von einem Berggipfel stürzend
kaluṣe gomayahrade
in einen trüben Teich von Kuhmist

plavamānaśca me dṛṣṭaḥ sa tasmin gomayahrade | pibannañjalinā tailaṃ hasanniva muhurmuhuḥ ||

Und ich sah ihn in jenem Teich von Kuhmist treibend, mit hohler Hand Öl trinkend, wie lachend, immer wieder.

Wort für Wort
plavamānaḥ ca me dṛṣṭaḥ
und treibend sah ich ihn
saḥ tasmin gomayahrade
ihn in jenem Teich von Kuhmist
pibann añjalinā tailam
mit hohler Hand Öl trinkend
hasan iva muhurmuhuḥ
wie lachend, immer wieder

tataḥ tilodanaṃ bhuktvā punaḥ punaradhaḥśirāḥ | tailenābhyaktasarvāṅgastailameva avagāhata ||

Dann, nachdem er Sesamreis gegessen hatte, tauchte er, immer wieder das Haupt gesenkt, seinen ganzen Leib mit Öl bestrichen, in eben jenes Öl ein.

Wort für Wort
tataḥ tilodanam bhuktvā
dann, nachdem er Sesamreis gegessen hatte
punaḥ punaḥ adhaḥśirāḥ
immer wieder das Haupt gesenkt
tailena abhyaktasarvāṅgaḥ
seinen ganzen Leib mit Öl bestrichen
tailam eva avagāhata
tauchte er in eben jenes Öl ein

svapne api sāgaraṃ śuṣkaṃ candraṃ ca patitaṃ bhuvi | sahasā cāpi saṃśāntaṃ jvalitaṃ jātavedasam ||

Im Traum [sah ich] auch das Meer ausgetrocknet, und den Mond zu Boden gefallen, und das lodernde Feuer plötzlich erloschen.

Wort für Wort
svapne api sāgaram śuṣkam
im Traum auch das ausgetrocknete Meer
candram ca patitam bhuvi
und den zu Boden gefallenen Mond
sahasā ca api saṃśāntam
und plötzlich erloschen
jvalitam jātavedasam
das lodernde Feuer

aupavāhyasya nāgasya viṣāṇaṃ śakalīkṛtam | sahasā cāpi saṃśāntaṃ jvalitaṃ jātavedasam ||

[Ich sah] den Stoßzahn des königlichen Reitelefanten in Stücke zersplittert, und wiederum das lodernde Feuer plötzlich erloschen.

Wort für Wort
aupavāhyasya nāgasya
des königlichen Reitelefanten
viṣāṇam śakalīkṛtam
den Stoßzahn in Stücke zersplittert
sahasā ca api saṃśāntam
und wiederum plötzlich erloschen
jvalitam jātavedasam
das lodernde Feuer

avadīrṇāṃ ca pṛthivīṃ śuṣkāṃśca vividhān drumān | ahaṃ paśyāmi vidhvastān sadhūmāṃścaiva parvatān ||

Ich sehe die aufgerissene Erde, und mancherlei vertrocknete Bäume, und verwüstete, rauchende Berge.

Wort für Wort
avadīrṇām ca pṛthivīm
und die aufgerissene Erde
śuṣkān ca vividhān drumān
und mancherlei vertrocknete Bäume
aham paśyāmi vidhvastān
ich sehe verwüstete
sadhūmān ca eva parvatān
und rauchende Berge

pīṭhe kārṣṇāyase caivaṃ niṣaṇṇaṃ kṛṣṇavāsasam | prahasanti sma rājānaṃ pramadāḥ kṛṣṇapiṅgalāḥ ||

[Ich sah], wie schwarzgelbe Frauen den auf einem Sitz aus schwarzem Eisen sitzenden, schwarz gekleideten König verlachten.

Wort für Wort
pīṭhe kārṣṇāyase ca evam
auf einem Sitz aus schwarzem Eisen so
niṣaṇṇam kṛṣṇavāsasam
den schwarz gekleideten Sitzenden
prahasanti sma rājānam
verlachten den König
pramadāḥ kṛṣṇapiṅgalāḥ
schwarzgelbe Frauen

tvaramāṇaśca dharmātmā raktamālyānulepanaḥ | rathena kharayuktena prayātaḥ dakṣiṇāmukhaḥ ||

Und der rechtschaffene [König], eilend, mit roten Girlanden und rotem Salböl geschmückt, fuhr auf einem mit Eseln bespannten Wagen nach Süden gewandt davon.

Wort für Wort
tvaramāṇaḥ ca dharmātmā
und der eilende, rechtschaffene [König]
raktamālyānulepanaḥ
mit roten Girlanden und rotem Salböl geschmückt
rathena kharayuktena
auf einem mit Eseln bespannten Wagen
prayātaḥ dakṣiṇāmukhaḥ
fuhr er nach Süden gewandt davon

prahasantīva rājānaṃ pramadā raktavāsinī | prakarṣantī mayā dṛṣṭā rākṣasī vikṛtānanā ||

Ich sah eine Rākṣasī in rotem Gewand, von entstelltem Antlitz, den König gleichsam verlachend und fortschleppend.

Wort für Wort
prahasantī iva rājānam
den König gleichsam verlachend
pramadā raktavāsinī
die Frau in rotem Gewand
prakarṣantī mayā dṛṣṭā
fortschleppend, von mir gesehen
rākṣasī vikṛtānanā
die Rākṣasī von entstelltem Antlitz

evametanmayā dṛṣṭamimāṃ rātriṃ bhayāvahām | ahaṃ rāmo 'tha vā rājā lakṣmaṇo vā mariṣyati ||

So habe ich dies in dieser furchtbringenden Nacht gesehen: entweder ich, oder Rāma, oder der König, oder Lakṣmaṇa wird sterben.

Wort für Wort
evam etat mayā dṛṣṭam
so habe ich dies gesehen
imām rātrim bhayāvahām
in dieser furchtbringenden Nacht
aham rāmaḥ atha vā rājā
ich, oder Rāma, oder der König
lakṣmaṇaḥ vā mariṣyati
oder Lakṣmaṇa wird sterben

naro yānena yaḥ svapne kharayuktena yāti hi | acirāttasya dhūmāgraṃ citāyāṃ sampradṛśyate ||

Denn ein Mann, der im Traum auf einem mit Eseln bespannten Gefährt dahinfährt, dessen Rauchfahne wird bald auf dem Scheiterhaufen sichtbar.

Wort für Wort
naraḥ yānena yaḥ svapne
ein Mann, der im Traum auf einem Gefährt
kharayuktena yāti hi
mit Eseln bespannt, dahinfährt
acirāt tasya dhūmāgram
dessen Rauchfahne bald
citāyām sampradṛśyate
wird auf dem Scheiterhaufen sichtbar

etannimittaṃ dīno 'haṃ tanna vaḥ pratipūjaye | śuṣyatīva ca me kaṇṭho na svasthamiva me manaḥ ||

Aus diesem Grund bin ich niedergeschlagen und kann eure [Unterhaltung] daher nicht würdigen; meine Kehle scheint wie ausgetrocknet, und mein Sinn ist mir nicht wohl.

Wort für Wort
etannimittam dīnaḥ aham
aus diesem Grund bin ich niedergeschlagen
tat na vaḥ pratipūjaye
und kann euch daher nicht würdigen
śuṣyati iva ca me kaṇṭhaḥ
und meine Kehle scheint wie ausgetrocknet
na svastham iva me manaḥ
und mein Sinn ist mir nicht wohl

na paśyāmi bhayasthānaṃ bhayaṃ caivopadhāraye | bhraṣṭaśca svarayogo me chāyā copahatā mama ||

Ich sehe keinen [äußeren] Grund zur Furcht, und doch nehme ich Furcht wahr; die rechte Stimmlage ist mir entglitten, und mein Erscheinungsbild ist getrübt.

Wort für Wort
na paśyāmi bhayasthānam
ich sehe keinen Grund zur Furcht
bhayam ca eva upadhāraye
und doch nehme ich Furcht wahr
bhraṣṭaḥ ca svarayogaḥ me
und die rechte Stimmlage ist mir entglitten
chāyā ca upahatā mama
und mein Erscheinungsbild ist getrübt

imāṃ hi duḥsvapnagatiṃ niśāmya tāmanekarūpāmavitarkitāṃ purā | bhayaṃ mahattaddhṛdayānna yāti me vicintya rājānamacintyadarśanam ||

Denn seit ich diesen Gang des bösen Traumes wahrgenommen habe, vielgestaltig und zuvor nie geahnt, weicht jene große Furcht nicht aus meinem Herzen, während ich über den König von unfasslichem Anblick nachsinne.'

Wort für Wort
imām hi duḥsvapnagatim
denn diesen Gang des bösen Traumes
niśāmya tām anekarūpām avitarkitām purā
wahrnehmend, vielgestaltig, zuvor nie geahnt
bhayam mahat tat hṛdayāt na yāti me
weicht jene große Furcht nicht aus meinem Herzen
vicintya rājānam acintyadarśanam
während ich über den König von unfasslichem Anblick nachsinne

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