Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 37: Sītā Cīra Vasanam Vasiṣṭha Nivāraṇam Rāma legt die Rindengewänder an, die ihm Kaikeyī schamlos reicht; Sītā, unkundig im Umgang mit solcher Kleidung, wird von Rāma selbst eingekleidet, während die Frauen weinen; der Lehrer Vasiṣṭha aber tadelt Kaikeyī scharf und verwehrt Sītā das Rindengewand, da ihr als Rāmas Gattin der königliche Rang zusteht

mahāmātravacaḥ śrutvā rāmo daśarathaṃ tadā | anvabhāṣata vākyaṃ tu vinayajño vinītavat ||

Nachdem er die Worte des Ministers gehört hatte, sprach Rāma da, der die Bescheidenheit kennt, bescheiden zu Daśaratha dieses Wort:

Wort für Wort
mahāmātra-vacaḥ śrutvā
die Worte des Ministers gehört habend
rāmaḥ daśaratham tadā
Rāma da zu Daśaratha
anvabhāṣata vākyam tu
sprach dieses Wort
vinayajñaḥ vinītavat
der die Bescheidenheit kennt, bescheiden

tyaktabhogasya me rājan vane vanyena jīvataḥ | kiṃ kāryamanuyātreṇa tyaktasaṅgasya sarvataḥ ||

Mir, o König, der ich alle Genüsse aufgegeben habe und im Wald von Waldkost leben werde, der ich mich völlig von allem Anhang losgesagt habe, was nützt mir ein Gefolge?

Wort für Wort
tyaktabhogasya me rājan
mir, der ich alle Genüsse aufgegeben habe, o König
vane vanyena jīvataḥ
im Wald, von Waldkost lebend
kim kāryam anuyātreṇa
was ist der Nutzen eines Gefolges
tyaktasaṅgasya sarvataḥ
mir, der ich mich völlig losgesagt habe

yo hi dattvā dvipaśreṣṭhaṃ kakṣyāyāṃ kurute manaḥ | rajjusnehena kiṃ tasya tyajataḥ kuñjarottamam ||

Wer, nachdem er den besten Elefanten hergegeben hat, seinen Sinn noch an den Sattelgurt hängt — was nützt jenem die Zuneigung zum Strick, wenn er doch den vortrefflichen Elefanten aufgibt?

Wort für Wort
yaḥ hi dattvā dvipaśreṣṭham
wer, nachdem er den besten Elefanten gegeben hat
kakṣyāyām kurute manaḥ
seinen Sinn auf den Sattelgurt richtet
rajjusnehena kim tasya
welchen Nutzen hat für ihn die Zuneigung zum Strick
tyajataḥ kuñjarottamam
der doch den vortrefflichen Elefanten aufgibt

tathā mama satāṃ śreṣṭha kiṃ dhvajinyā jagatpate | sarvāṇyeva anujānāmi cīrāṇyeva ānayantu me ||

Ebenso, o Bester der Guten, Herr der Erde, was nützt mir ein Heer? Ich entlasse alle; man bringe mir nur Baumrindengewänder.

Wort für Wort
tathā mama satām śreṣṭha
ebenso mir, o Bester der Guten
kim dhvajinyā jagatpate
was nützt mir ein Heer, o Herr der Erde
sarvāṇi eva anujānāmi
ich entlasse alle
cīrāṇi eva ānayantu me
man bringe mir nur Baumrindengewänder

khanitrapiṭake ca ubhe mama ānayata gacchataḥ | caturdaśa vane vāsaṃ varṣāṇi vasato mama ||

Bringt mir beide, Grabstock und Korb, mir, der ich fortgehe, um vierzehn Jahre im Wald zu verbringen.

Wort für Wort
khanitra-piṭake ca ubhe
Grabstock und Korb, beide
mama ānayata gacchataḥ
bringt mir, dem Fortgehenden
caturdaśa vane vāsam
den vierzehnjährigen Waldaufenthalt
varṣāṇi vasataḥ mama
die Jahre, die ich verbringen werde

atha cīrāṇi kaikeyī svayamāhṛtya rāghavam | uvāca paridhatsveti janaughe nirapatrapā ||

Da brachte Kaikeyī selbst die Rindengewänder herbei und sprach, ohne Scham, inmitten der Volksmenge zu Rāghava: Ziehe sie an.

Wort für Wort
atha cīrāṇi kaikeyī
da die Rindengewänder Kaikeyī
svayam āhṛtya rāghavam
selbst herbeigebracht habend, zu Rāghava
uvāca paridhatsva iti
sprach: ziehe an, so
janaughe nirapatrapā
ohne Scham, inmitten der Volksmenge

sa cīre puruṣavyāghraḥ kaikeyyāḥ pratigṛhya te | sūkṣmavastramavakṣipya munivastrāṇyavāsta ha ||

Er, der Tiger unter den Männern, nahm jene beiden Rindengewänder von Kaikeyī entgegen, warf sein feines Gewand ab und legte die Asketengewänder an.

Wort für Wort
sa cīre puruṣavyāghraḥ
er, die beiden Rindengewänder, der Tiger unter den Männern
kaikeyyāḥ pratigṛhya te
von Kaikeyī entgegennehmend, jene
sūkṣmavastram avakṣipya
das feine Gewand abwerfend
munivastrāṇi avāsta ha
legte er die Asketengewänder an

lakṣmaṇaśca api tatraiva vihāya vasane śubhe | tāpasācchādane caiva jagrāha pituragrataḥ ||

Und auch Lakṣmaṇa, dort ebenso seine beiden schönen Gewänder ablegend, ergriff vor dem Vater die Asketenkleidung.

Wort für Wort
lakṣmaṇaḥ ca api tatra eva
und auch Lakṣmaṇa, ebendort
vihāya vasane śubhe
die beiden schönen Gewänder ablegend
tāpasa-ācchādane ca eva
und die Asketenkleidung
jagrāha pituḥ agrataḥ
ergriff er vor dem Vater

atha ātmaparidhānārthaṃ sītā kauśeyavāsinī | samīkṣya cīraṃ saṃtrastā pṛṣatī vāgurāmiva ||

Dann aber, als Sītā, die in Seide Gekleidete, das Rindengewand für sich selbst anzulegen erblickte, erschrak sie wie eine Hirschkuh vor dem Fangnetz.

Wort für Wort
atha ātmaparidhāna-artham
dann aber, zum Zweck des eigenen Anlegens
sītā kauśeya-vāsinī
Sītā, die in Seide Gekleidete
samīkṣya cīram saṃtrastā
das Rindengewand erblickend, erschrocken
pṛṣatī vāgurām iva
wie eine Hirschkuh vor dem Fangnetz

sā vyapatrapamāṇeva pratigṛhya ca durmanāḥ | gandharvarājapratimaṃ bhartāramidamabravīt ||

Sie, gleichsam beschämt, es entgegennehmend, mit betrübtem Sinn, sprach zu ihrem Gatten, der einem Gandharvenkönig glich, dieses:

Wort für Wort
sā vyapatrapamāṇā iva
sie, gleichsam beschämt
pratigṛhya ca durmanāḥ
es entgegennehmend, mit betrübtem Sinn
gandharvarāja-pratimam bhartāram
zu ihrem Gatten, der einem Gandharvenkönig glich
idam abravīt
sprach sie dieses

aśrusaṃpūrṇanetrā ca dharmajñā dharmadarśinī | gandharvarājapratimaṃ bhartāramidamabravīt ||

Mit tränenerfüllten Augen, die Pflicht kennend, die Pflicht erkennend, sprach sie zu ihrem Gatten, der einem Gandharvenkönig glich, dieses:

Wort für Wort
aśru-saṃpūrṇa-netrā ca
und mit tränenerfüllten Augen
dharmajñā dharmadarśinī
die Pflicht kennend, die Pflicht erkennend
gandharvarāja-pratimam bhartāram
zu ihrem Gatten, der einem Gandharvenkönig glich
idam abravīt
sprach sie dieses

kathaṃ nu cīraṃ badhnanti munayo vanavāsinaḥ | iti hyakuśalā sītā sāmumoha muhurmuhuḥ ||

Wie nur binden die im Wald lebenden Asketen das Rindengewand? So, unkundig, geriet Sītā immer wieder in Verwirrung.

Wort für Wort
katham nu cīram badhnanti
wie nur binden sie das Rindengewand
munayaḥ vanavāsinaḥ
die im Wald lebenden Asketen
iti hi akuśalā sītā
so, unkundig, Sītā
sā mumoha muhurmuhuḥ
sie geriet immer wieder in Verwirrung

kṛtvā kaṇṭhe ca sā cīramekamādāya pāṇinā | tasthau hyakuśalā tatra vrīḍitā janakātmajā ||

Nachdem sie es sich um den Hals gelegt hatte, hielt sie mit der Hand das eine Rindengewand fest und stand dort, unkundig und beschämt, die Tochter Janakas.

Wort für Wort
kṛtvā kaṇṭhe ca sā cīram
es sich um den Hals gelegt habend, sie das Rindengewand
ekam ādāya pāṇinā
das eine mit der Hand haltend
tasthau hi akuśalā tatra
stand sie dort, unkundig
vrīḍitā janakātmajā
beschämt, die Tochter Janakas

tasyāstat kṣipramāgamya rāmo dharmabhṛtāṃ varaḥ | cīraṃ babandha sītāyāḥ kauśeyasyopari svayam ||

Rasch zu ihr herantretend, band Rāma, der Beste der Pflichtbewahrer, selbst das Rindengewand über Sītās Seidengewand.

Wort für Wort
tasyāḥ tat kṣipram āgamya
zu ihr rasch herantretend
rāmaḥ dharmabhṛtām varaḥ
Rāma, der Beste der Pflichtbewahrer
cīram babandha sītāyāḥ
band das Rindengewand der Sītā
kauśeyasya upari svayam
selbst über das Seidengewand

rāmaṃ prekṣya tu sītāyāḥ badhnantaṃ cīramuttamam | antaḥpuragatā nāryo mumucurvāri netrajam ||

Als sie sahen, wie Rāma Sītā das vortreffliche Rindengewand anlegte, vergossen die Frauen des Frauengemachs Tränen aus ihren Augen.

Wort für Wort
rāmam prekṣya tu sītāyāḥ
Rāma erblickend aber, für Sītā
badhnantam cīram uttamam
wie er das vortreffliche Rindengewand band
antaḥpuragatā nāryaḥ
die Frauen des Frauengemachs
mumucuḥ vāri netrajam
vergossen Tränen aus den Augen

ūcuśca paramāyastā rāmaṃ jvalitatejasam | vatsa naivaṃ niyukteyaṃ vanavāse manasvinī ||

Und die aufs höchste Bekümmerten sprachen zu Rāma, dem von brennendem Glanz Erfüllten: Kind, so ist diese besonnene Frau nicht zum Waldleben bestimmt.

Wort für Wort
ūcuḥ ca paramāyastā
und sprachen, die aufs höchste Bekümmerten
rāmam jvalitatejasam
zu Rāma, dem von brennendem Glanz Erfüllten
vatsa na evam niyuktā iyam
Kind, nicht so ist diese bestimmt
vanavāse manasvinī
zum Waldaufenthalt, die Besonnene

piturvākyānurodhena gatasya vijanaṃ vanam | tāvaddarśanamasyā naḥ saphalaṃ bhavatu prabho ||

Für uns, die wir, während du auf Geheiß des Vaters in den menschenleeren Wald gehst, sie so lange sehen dürfen — möge dieser Anblick von ihr für uns fruchtbar sein, Herr.

Wort für Wort
pitur vākya-anurodhena
auf Geheiß des Vaters
gatasya vijanam vanam
für dich, der du in den menschenleeren Wald gehst
tāvat darśanam asyāḥ naḥ
solange der Anblick von ihr für uns
saphalam bhavatu prabho
möge fruchtbar sein, Herr

lakṣmaṇena sahāyena vanaṃ gacchasva putraka | neyamarhati kalyāṇī vastuṃ tāpasavadvane ||

Mit Lakṣmaṇa als Begleiter geh in den Wald, mein Kind; doch sie, die Heilvolle, verdient es nicht, wie eine Asketin im Wald zu leben.

Wort für Wort
lakṣmaṇena sahāyena
mit Lakṣmaṇa als Begleiter
vanam gaccha sva putraka
geh in den Wald, mein Kind
na iyam arhati kalyāṇī
nicht verdient diese, die Heilvolle
vastum tāpasavat vane
wie eine Asketin im Wald zu wohnen

kuru no yācanāṃ putra sītā tiṣṭhatu bhāminī | dharmanityaḥ svayaṃ sthātuṃ na hīdānīṃ tvamicchasi ||

Erfülle unsere Bitte, mein Sohn: Sītā, die Schöne, soll hierbleiben; du selbst aber, stets der Pflicht ergeben, willst dies jetzt wohl nicht zugeben.

Wort für Wort
kuru naḥ yācanām putra
erfülle unsere Bitte, Sohn
sītā tiṣṭhatu bhāminī
Sītā, die Schöne, soll bleiben
dharmanityaḥ svayam sthātum
der Pflicht stets ergeben, selbst zu bleiben
na hi idānīm tvam icchasi
willst du ja jetzt nicht zugeben

tāsāmevaṃvidhā vācaḥ śṛṇvan daśarathātmajaḥ | babandhaiva tadā cīraṃ sītayā tulyaśīlayā ||

Der Sohn des Daśaratha, obwohl er solcherlei Worte von ihnen hörte, band dennoch das Rindengewand an, zusammen mit Sītā, die ihm im Wesen gleich war.

Wort für Wort
tāsām evaṃvidhāḥ vācaḥ śṛṇvan
solcherlei Worte von ihnen hörend
daśarathātmajaḥ
der Sohn des Daśaratha
babandha eva tadā cīram
band dennoch da das Rindengewand
sītayā tulyaśīlayā
zusammen mit Sītā, die ihm im Wesen gleich war

cīre gṛhīte tu tayā samīkṣya nṛpaterguruḥ | nivārya sītāṃ kaikeyīṃ vasiṣṭho vākyamabravīt ||

Als aber Vasiṣṭha, der Lehrer des Königs, sah, wie sie das Rindengewand angenommen hatte, hielt er Sītā zurück und sprach dieses Wort zu Kaikeyī:

Wort für Wort
cīre gṛhīte tu tayā
als aber von ihr das Rindengewand angenommen worden war
samīkṣya nṛpateḥ guruḥ
erblickend, der Lehrer des Königs
nivārya sītām kaikeyīm
Sītā zurückhaltend, zu Kaikeyī
vasiṣṭhaḥ vākyam abravīt
sprach Vasiṣṭha das Wort

atipravṛtte durmedhe kaikeyi kulapāṃsani | vañcayitvā ca rājānaṃ na pramāṇe.avatiṣṭhase ||

Du, die zu weit Gegangene, Unkluge, Kaikeyī, Schande deiner Sippe — nachdem du den König betrogen hast, hältst du dich nicht mehr an das rechte Maß.

Wort für Wort
atipravṛtte durmedhe
du, die zu weit Gegangene, Unkluge
kaikeyi kulapāṃsani
Kaikeyī, Schande der Sippe
vañcayitvā ca rājānam
nachdem du den König betrogen hast
na pramāṇe avatiṣṭhase
hältst du dich nicht ans rechte Maß

na gantavyaṃ vanaṃ devyā sītayā śīlavarjite | anuṣṭhāsyati rāmasya sītā prakṛtamāsanam ||

Nicht soll die Königin Sītā in den Wald gehen müssen, du der Sittsamkeit Beraubte; Sītā wird den angestammten Thron Rāmas innehaben.

Wort für Wort
na gantavyam vanam devyā
nicht soll die Königin in den Wald gehen müssen
sītayā śīlavarjite
die Sītā, du der Sittsamkeit Beraubte
anuṣṭhāsyati rāmasya
wird innehaben, Rāmas
sītā prakṛtam āsanam
Sītā den angestammten Sitz

ātmā hi dārāḥ sarveṣāṃ dārasaṃgrahavartinām | ātmeyamiti rāmasya pālayiṣyati medinīm ||

Denn die Gattin ist für alle, die die Ehe eingehen, gleichsam ihr eigenes Selbst; als sein eigenes Selbst wird diese die Erde für Rāma verwalten.

Wort für Wort
ātmā hi dārāḥ sarveṣām
denn die Gattin ist das eigene Selbst für alle
dārasaṃgraha-vartinām
die die Ehe eingegangen sind
ātmā iyam iti rāmasya
als sein eigenes Selbst diese, für Rāma
pālayiṣyati medinīm
wird sie die Erde verwalten

atha yāsyati vaidehī vanaṃ rāmeṇa saṃgatā | vayamapyanuyāsyāmaḥ puraṃ cedaṃ gamiṣyati ||

Sollte die Vaidehī jedoch, mit Rāma vereint, in den Wald gehen, so werden auch wir ihr folgen; und diese Stadt selbst wird mit ihr gehen.

Wort für Wort
atha yāsyati vaidehī
sollte aber die Vaidehī gehen
vanam rāmeṇa saṃgatā
in den Wald, mit Rāma vereint
vayam api anuyāsyāmaḥ
so werden auch wir folgen
puram ca idam gamiṣyati
und diese Stadt selbst wird gehen

antaḥpālāśca yāsyanti sadāro yatra rāghavaḥ | sahopajīvyaṃ rāṣṭraṃ ca puraṃ ca saparicchadam ||

Auch die Grenzwächter werden dorthin gehen, samt ihren Frauen, wohin Rāghava geht; das Reich mit seinem Lebensunterhalt und die Stadt samt ihrem Zubehör werden mit ihm gehen.

Wort für Wort
antaḥpālāḥ ca yāsyanti
auch die Grenzwächter werden gehen
sadāraḥ yatra rāghavaḥ
mit ihren Frauen, wohin Rāghava geht
saha-upajīvyam rāṣṭram ca
und das Reich, mit seinem Lebensunterhalt
puram ca saparicchadam
und die Stadt mit ihrem Zubehör

bharataśca saśatrughnaścīravāsā vanecaraḥ | vane vasantaṃ kākutsthamanuvatsyati pūrvajam ||

Und Bharata wird zusammen mit Śatrughna, in Rindengewänder gekleidet, als Waldbewohner, dem im Wald weilenden erstgeborenen Kākutstha nachfolgen.

Wort für Wort
bharataḥ ca saśatrughnaḥ
und Bharata zusammen mit Śatrughna
cīravāsā vanecaraḥ
in Rindengewänder gekleidet, als Waldbewohner
vane vasantam kākutstham
dem im Wald weilenden Kākutstha
anuvatsyati pūrvajam
wird nachfolgen, dem Erstgeborenen

tataḥ śūnyāṃ gatajanāṃ vasudhāṃ pādapaiḥ saha | tvamekā śādhi durvṛttā prajānāmahite sthitā ||

Dann herrsche du allein, üble Handelnde, dem Wohl der Untertanen Feindliche, über die leere, menschenleere Erde, samt den Bäumen.

Wort für Wort
tataḥ śūnyām gatajanām vasudhām
dann über die leere, menschenleere Erde
pādapaiḥ saha
samt den Bäumen
tvam ekā śādhi durvṛttā
herrsche du allein, üble Handelnde
prajānām ahite sthitā
die dem Wohl der Untertanen feindlich gesinnt ist

na hi tadbhavitā rāṣṭraṃ yatra rāmo na bhūpatiḥ | tadvanaṃ bhavitā rāṣṭraṃ yatra rāmo nivatsyati ||

Denn dort wird kein Reich sein, wo Rāma nicht Herr der Erde ist; jener Wald aber, in dem Rāma wohnen wird, wird das Reich sein.

Wort für Wort
na hi tat bhavitā rāṣṭram
denn dies wird nicht ein Reich sein
yatra rāmaḥ na bhūpatiḥ
wo Rāma nicht Herr der Erde ist
tat vanam bhavitā rāṣṭram
jener Wald wird das Reich sein
yatra rāmaḥ nivatsyati
wo Rāma wohnen wird

na hyadattāṃ mahīṃ pitrā bharataḥ śāstumarhati | tvayi vā putravadvastuṃ yadi jāto mahīpateḥ ||

Denn Bharata, wenn er wirklich der Sohn des Herrn der Erde ist, wird das ihm nicht vom Vater gegebene Land nicht regieren dürfen, noch bei dir wie ein Sohn wohnen wollen.

Wort für Wort
na hi adattām mahīm pitrā
denn nicht das vom Vater nicht gegebene Land
bharataḥ śāstum arhati
wird Bharata regieren dürfen
tvayi vā putravat vastum
oder bei dir wie ein Sohn zu wohnen
yadi jātaḥ mahīpateḥ
wenn er wirklich Sohn des Herrn der Erde ist

yadyapi tvaṃ kṣititalādgaganaṃ cotpatiṣyasi | piturvaṃśacaritrajñaḥ so.anyathā na kariṣyati ||

Selbst wenn du von der Erdoberfläche zum Himmel auffliegen würdest — er, der die Sitten des väterlichen Geschlechts kennt, wird nicht anders handeln.

Wort für Wort
yadi api tvam kṣititalāt
selbst wenn du von der Erdoberfläche
gaganam ca utpatiṣyasi
auch zum Himmel auffliegen würdest
pitur vaṃśa-caritrajñaḥ
der die Sitten des väterlichen Geschlechts kennt
saḥ anyathā na kariṣyati
er wird nicht anders handeln

tattvayā putragardhinyā putrasya kṛtamapriyam | loke hi sa na vidyeta yo na rāmamanuvrataḥ ||

So hast du also, in deiner Gier nach der Herrschaft für deinen Sohn, deinem Sohn selbst Unliebes zugefügt; denn es gibt in der Welt niemanden, der nicht Rāma ergeben wäre.

Wort für Wort
tat tvayā putragardhinyā
das hast du also, in deiner Gier nach dem Sohn
putrasya kṛtam apriyam
deinem Sohn Unliebes zugefügt
loke hi sa na vidyeta
denn in der Welt gibt es keinen
yaḥ na rāmam anuvrataḥ
der nicht Rāma ergeben ist

drakṣyasyadyaiva kaikeyi paśuvyāladamṛgadvijān | gacchataḥ saha rāmeṇa pādapāṃśca tadunmukhān ||

Du wirst noch heute sehen, Kaikeyī, wie Vieh, Raubtiere, Wildtiere und Vögel, und selbst die Bäume, sich zu Rāma hinwenden, wenn er geht.

Wort für Wort
drakṣyasi adya eva kaikeyi
du wirst noch heute sehen, Kaikeyī
paśu-vyāla-mṛga-dvijān
Vieh, Raubtiere, Wildtiere und Vögel
gacchataḥ saha rāmeṇa
die mit Rāma, wenn er geht
pādapān ca tadunmukhān
und die Bäume, sich ihm zuwendend

athottamānyābharaṇāni devi | dehi snuṣāyai vyapanīya cīram | na cīramasyāḥ pravidhīyateti | nyavārayat tadvasanaṃ vasiṣṭhaḥ ||

Gib nun deiner Schwiegertochter, Königin, vortreffliche Schmuckstücke, das Rindengewand ihr abnehmend; nicht soll ihr ein Rindengewand zukommen — so verwehrte Vasiṣṭha ihr jenes Gewand.

Wort für Wort
atha uttamāni ābharaṇāni devi
nun vortreffliche Schmuckstücke, Königin
dehi snuṣāyai vyapanīya cīram
gib der Schwiegertochter, das Rindengewand entfernend
na cīram asyāḥ pravidhīyate iti
nicht soll ihr das Rindengewand zukommen, so
nyavārayat tat vasanam vasiṣṭhaḥ
verwehrte Vasiṣṭha jenes Gewand

ekasya rāmasya vane nivāsa | stvayā vṛtaḥ kekayarājaputri | vibhūṣiteyaṃ pratikarmanityā | vasatvaraṇye saha rāghaveṇa ||

Allein für Rāma hast du, Tochter des Kekaya-Königs, den Aufenthalt im Wald gewählt; sie aber, geschmückt und stets ihrer Körperpflege ergeben, möge zusammen mit Rāghava im Wald leben.

Wort für Wort
ekasya rāmasya vane nivāsaḥ
allein für Rāma der Aufenthalt im Wald
tvayā vṛtaḥ kekayarājaputri
von dir gewählt, Tochter des Kekaya-Königs
vibhūṣitā iyam pratikarma-nityā
sie, geschmückt, stets ihrer Körperpflege ergeben
vasatu araṇye saha rāghaveṇa
möge im Wald leben zusammen mit Rāghava

yānaiśca mukhyaiḥ paricārakaiśca | susaṃvṛtā gacchatu rājaputrī | vastraiśca sarvaiḥ sahitairvidhānai | rneyaṃ vṛtā te varasampradāne ||

Von vorzüglichen Fahrzeugen und Dienern wohlbehütet, möge die Königstochter reisen; mit allen Gewändern und gebührenden Vorkehrungen versehen — sie ist nicht in deine gewährte Gabe der Verstoßung einbezogen.

Wort für Wort
yānaiḥ ca mukhyaiḥ paricārakaiḥ ca
von vorzüglichen Fahrzeugen und Dienern
susaṃvṛtā gacchatu rājaputrī
wohlbehütet möge die Königstochter reisen
vastraiḥ ca sarvaiḥ sahitaiḥ vidhānaiḥ
mit allen Gewändern und den gebührenden Vorkehrungen
na iyam vṛtā te varasampradāne
sie ist nicht einbezogen in deine gewährte Gabe

tasmiṃstathā jalpati vipramukhye | gurau nṛpasyāpratimaprabhāve | naiva sma sītā vinivṛttabhāvā | priyasya bhartuḥ pratikārakāmā ||

Während so jener Vorzüglichste unter den Brahmanen, der Lehrer des Königs von unvergleichlichem Glanz, sprach, wandte sich Sītā keineswegs von ihrem Entschluss ab, im Wunsch, ihrem geliebten Gatten dienlich zu sein.

Wort für Wort
tasmin tathā jalpati vipramukhye
während so jener Vorzüglichste unter den Brahmanen sprach
gurau nṛpasya apratimaprabhāve
der Lehrer des Königs, von unvergleichlichem Glanz
na eva sma sītā vinivṛttabhāvā
keineswegs wandte sich Sītā von ihrem Entschluss ab
priyasya bhartuḥ pratikārakāmā
im Wunsch, ihrem geliebten Gatten dienlich zu sein

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