Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa
Sarga 39: Sītā Kausalyā Saṃvādaḥ Rāma Mātṛ Vidāya
Daśaratha bricht beim Anblick der Verbannten zusammen und lässt den Wagen bereitstellen; Kausalyā ermahnt Sītā über Gattinnenpflicht, worauf Sītā ihre unwandelbare Treue bekundet; Rāma tröstet seine Mutter und nimmt von den dreihundertfünfzig Müttern des Königs bewegt Abschied
rāmasya tu vacaḥ śrutvā muniveṣadharaṃ ca tam | samīkṣya saha bhāryayā rājā vigatacetanaḥ ||
Als er Rāmas Worte gehört und ihn, in Asketentracht gekleidet, zusammen mit seiner Gattin erblickt hatte, verlor der König die Besinnung.
Wort für Wort rāmasya tu vacaḥ śrutvā Rāmas Worte aber gehört habend muniveṣadharam ca tam und ihn, der die Asketentracht trug samīkṣya saha bhāryayā erblickt habend, zusammen mit der Gattin rājā vigatacetanaḥ der König, seiner Besinnung beraubt nainaṃ duḥkhena saṃtaptaḥ pratyavaikṣata rāghavam | na cainamabhisamprekṣya pratyabhāṣata durmanāḥ ||
Von Kummer versengt, konnte er Rāghava nicht anblicken; und obwohl er ihn ansah, konnte er, betrübten Sinnes, ihm nicht antworten.
Wort für Wort na enam duḥkhena saṃtaptaḥ nicht ihn, von Kummer versengt pratyavaikṣata rāghavam konnte er anblicken, Rāghava na ca enam abhisamprekṣya und obwohl er ihn ansah pratyabhāṣata durmanāḥ konnte er, betrübten Sinnes, nicht erwidern sa muhūrtamivāsaṃjño duḥkhitaśca mahīpatiḥ | vilalāpa mahābāhū rāmameva anucintayan ||
Der Herr der Erde, gleichsam für einen Augenblick besinnungslos und betrübt, klagte, an Rāma, den Starkarmigen, denkend.
Wort für Wort sa muhūrtam iva asaṃjñaḥ er, für einen Augenblick gleichsam besinnungslos duḥkhitaḥ ca mahīpatiḥ und betrübt, der Herr der Erde vilalāpa mahābāhu klagte, den Starkarmigen rāmam eva anucintayan an eben Rāma denkend manye khalu mayā pūrvaṃ vivatsā bahavaḥ kṛtāḥ | prāṇino hiṃsitā vāpi tasmādidamupasthitam ||
Ich denke wohl, dass ich früher viele Muttertiere von ihren Jungen getrennt oder auch Lebewesen verletzt habe; deshalb ist mir dies nun widerfahren.
Wort für Wort manye khalu mayā pūrvam ich denke wohl, von mir einst vivatsā bahavaḥ kṛtāḥ wurden viele ihrer Jungen beraubt gemacht prāṇinaḥ hiṃsitāḥ vā api oder auch Lebewesen verletzt tasmāt idam upasthitam deshalb ist dies jetzt eingetreten na tvevānāgate kāle dehāccyavati jīvitam | kaikeyyā kliśyamānasya mṛtyurmama na vidyate ||
Doch bevor die Zeit gekommen ist, weicht das Leben nicht vom Körper; obwohl ich von Kaikeyī gequält werde, gibt es für mich keinen Tod.
Wort für Wort na tu eva anāgate kāle doch nicht bevor die Zeit gekommen ist dehāt cyavati jīvitam weicht das Leben vom Körper kaikeyyā kliśyamānasya obwohl ich von Kaikeyī gequält werde mṛtyuḥ mama na vidyate gibt es für mich keinen Tod mohaṃ pāvakasaṃkāśaṃ paśyāmi purataḥ sthitam | vihāya vasane sūkṣme tāpasācchādamātmajam ||
Ich sehe, wie mein Sohn, feuergleich, vor mir steht, nachdem er seine feinen Gewänder abgelegt und die Asketenkleidung angezogen hat.
Wort für Wort moham pāvakasaṃkāśam feuergleich paśyāmi purataḥ sthitam ich sehe vor mir stehen vihāya vasane sūkṣme die feinen Gewänder abgelegt habend tāpasācchādam ātmajam den Sohn in Asketenkleidung ekasyāḥ khalu kaikeyyāḥ kṛte ayaṃ kliśyate janaḥ | svārthe prayatamānāyāḥ saṃśritya nikṛtiṃ tvimām ||
Einzig um der Kaikeyī willen leidet dieses Volk nun, ihretwegen, die um ihren eigenen Vorteil bemüht ist und zu diesem Betrug ihre Zuflucht genommen hat.
Wort für Wort ekasyāḥ khalu kaikeyyāḥ kṛte einzig um der Kaikeyī willen ayam kliśyate janaḥ leidet dieses Volk svārthe prayatamānāyāḥ die um ihren eigenen Vorteil bemüht ist saṃśritya nikṛtim tu imām die zu diesem Betrug ihre Zuflucht genommen hat evamuktvā tu vacanaṃ bāṣpeṇa pihitekṣaṇaḥ | rāmeti sakṛdevoktvā vyāhartuṃ na śaśāka ha ||
Nachdem er so gesprochen hatte, mit von Tränen verschleierten Augen, konnte er, nur einmal 'Rāma' gesagt habend, nicht mehr weitersprechen.
Wort für Wort evam uktvā tu vacanam nachdem er so das Wort gesprochen hatte bāṣpeṇa pihitekṣaṇaḥ mit von Tränen verschleierten Augen rāma iti sakṛt eva uktvā nur einmal 'Rāma' gesagt habend vyāhartum na śaśāka ha konnte er nicht mehr weitersprechen saṃjñāṃ tu pratilabhyaiva muhūrtātsa mahīpatiḥ | netrābhyāmaśrupūrṇābhyāṃ sumantramidamabravīt ||
Nachdem der Herr der Erde nach einer Weile wieder zu Bewusstsein gekommen war, sprach er, mit tränenerfüllten Augen, dieses zu Sumantra:
Wort für Wort saṃjñām tu pratilabhya eva nachdem er wieder zu Bewusstsein gekommen war muhūrtāt sa mahīpatiḥ nach einer Weile, jener Herr der Erde netrābhyām aśrupūrṇābhyām mit den beiden tränenerfüllten Augen sumantram idam abravīt sprach er dies zu Sumantra aupavāhyaṃ rathaṃ yuktvā tvamāyāhi hayottamaiḥ | prāpayainaṃ mahābhāgamitaḥ janapadātparam ||
Nachdem du den Prunkwagen mit den vortrefflichsten Pferden angespannt hast, komm her; bringe diesen Hochgesegneten von hier bis über die Grenze des Reichs hinaus.
Wort für Wort aupavāhyam ratham yuktvā den Prunkwagen angespannt habend tvam āyāhi hayottamaiḥ komm her mit den vortrefflichsten Pferden prāpaya enam mahābhāgam bringe diesen Hochgesegneten itaḥ janapadāt param von hier über das Land hinaus evaṃ manye guṇavatāṃ guṇānāṃ phalamucyate | pitrā mātrā ca yatsādhurvīro nirvāsyate vanam ||
So, meine ich, wird von den Tugenden der Tugendhaften die Frucht offenbar, wenn ein solcher Rechtschaffener, ein Held, von Vater und Mutter in den Wald verbannt wird.
Wort für Wort evam manye guṇavatām so, meine ich, der Tugendhaften guṇānām phalam ucyate wird die Frucht der Tugenden genannt pitrā mātrā ca yat sādhuḥ wenn von Vater und Mutter der Rechtschaffene vīraḥ nirvāsyate vanam der Held in den Wald verbannt wird rājño vacanamājñāya sumantraḥ śīghravikramaḥ | yojayitvāyayau tatra rathamaśvairalaṃkṛtam ||
Sumantra, von raschem Schritt, den Befehl des Königs vernommen habend, kam, nachdem er den mit Pferden geschmückten Wagen angespannt hatte, dorthin.
Wort für Wort rājñaḥ vacanam ājñāya den Befehl des Königs vernommen habend sumantraḥ śīghravikramaḥ Sumantra, von raschem Schritt yojayitvā āyayau tatra nachdem er angespannt hatte, kam er dorthin ratham aśvaiḥ alaṃkṛtam den mit Pferden geschmückten Wagen taṃ rathaṃ rājaputrāya sūtaḥ kanakabhūṣitam | ācacakṣe añjaliṃ kṛtvā yuktaṃ paramavājibhiḥ ||
Diesen mit Gold geschmückten Wagen, angespannt mit vorzüglichsten Rossen, zeigte der Wagenlenker, mit gefalteten Händen, dem Königssohn an.
Wort für Wort tam ratham rājaputrāya jenen Wagen dem Königssohn sūtaḥ kanakabhūṣitam der Wagenlenker, den mit Gold geschmückten ācacakṣe añjalim kṛtvā zeigte an, mit gefalteten Händen yuktam paramavājibhiḥ angespannt mit vorzüglichsten Rossen rājā satvaramāhūya vyāpṛtaṃ vittasaṃcaye | uvāca deśakālajño niścitaṃ sarvataḥ śuci ||
Der König, rasch den mit der Verwaltung des Schatzes Beauftragten herbeirufend, sprach, Ort und Zeit kennend, entschlossen und in jeder Hinsicht rein:
Wort für Wort rājā satvaram āhūya der König, rasch herbeirufend vyāpṛtam vittasaṃcaye den mit der Vermögensverwaltung Beauftragten uvāca deśakālajñaḥ sprach, Ort und Zeit kennend niścitam sarvataḥ śuci entschlossen, in jeder Hinsicht rein vāsāṃsi ca mahārhāṇi bhūṣaṇāni varāṇi ca | varṣāṇyetāni saṃkhyāya vaidehyāḥ kṣipramānaya ||
Sehr kostbare Gewänder und vorzügliche Schmuckstücke, für all diese Jahre berechnet, bringe rasch für die Vaidehī.
Wort für Wort vāsāṃsi ca mahārhāṇi sehr kostbare Gewänder bhūṣaṇāni varāṇi ca und vorzügliche Schmuckstücke varṣāṇi etāni saṃkhyāya für all diese Jahre berechnet vaidehyāḥ kṣipram ānaya bringe rasch für die Vaidehī narendreṇaivamuktastu gatvā kośagṛhaṃ tataḥ | prāyacchat sarvamāhṛtya sītāyai kṣiprameva tat ||
So vom Fürsten der Menschen angesprochen, ging er zum Schatzhaus und brachte alles rasch für Sītā herbei und übergab es ihr.
Wort für Wort narendreṇa evam uktaḥ tu so vom Fürsten der Menschen angesprochen gatvā kośagṛham tataḥ zum Schatzhaus gegangen, dann prāyacchat sarvam āhṛtya übergab er alles, herbeigebracht habend sītāyai kṣipram eva tat das rasch der Sītā sā sujātā sujātāni vaidehī prasthitā vanam | bhūṣayāmāsa gātrāṇi taiḥ vicitrairvibhūṣaṇaiḥ ||
Sie, die wohlgeborene Vaidehī, im Begriff, in den Wald aufzubrechen, schmückte ihre wohlgeformten Glieder mit jenen mannigfaltigen Schmuckstücken.
Wort für Wort sā sujātā sujātāni sie, die wohlgeborene, die wohlgeformten vaidehī prasthitā vanam die Vaidehī, im Begriff in den Wald aufzubrechen bhūṣayāmāsa gātrāṇi schmückte ihre Glieder taiḥ vicitraiḥ vibhūṣaṇaiḥ mit jenen mannigfaltigen Schmuckstücken vyarājayata vaidehī veśma tatsuvibhūṣitā | udyataṃśumataḥ kāle khaṃ prabheva vivasvataḥ ||
Herrlich geschmückt, erstrahlte die Vaidehī in jenem Gemach, wie der Glanz der aufgehenden Sonne den Himmel erstrahlen lässt.
Wort für Wort vyarājayata vaidehī es erstrahlte die Vaidehī veśma tat suvibhūṣitā jenes Gemach, herrlich geschmückt udyata-aṃśumataḥ kāle zur Zeit der aufgehenden Sonne kham prabhā iva vivasvataḥ wie der Glanz der Sonne den Himmel tāṃ bhujābhyāṃ pariṣvajya śvaśrūrvacanamabravīt | anācarantīṃ kṛpaṇaṃ mūrdhnyupāghrāya maithilīm ||
Die Schwiegermutter umarmte sie mit beiden Armen und sprach das Wort, ihr Haupt küssend, zur Maithilī, die sich nicht kläglich benahm:
Wort für Wort tām bhujābhyām pariṣvajya sie mit beiden Armen umarmend śvaśruḥ vacanam abravīt sprach die Schwiegermutter das Wort anācarantīm kṛpaṇam die sich nicht kläglich benahm mūrdhni upāghrāya maithilīm das Haupt küssend, zur Maithilī asatyaḥ sarvaloke.asmin satataṃ satkṛtāḥ priyaiḥ | bhartāraṃ nānumanyante vinipātagataṃ striyaḥ ||
Untreu sind in dieser ganzen Welt jene Frauen, die, obwohl beständig von ihren Lieben geehrt, ihrem Gatten nicht mehr beistehen, wenn er ins Unglück gerät.
Wort für Wort asatyaḥ sarvaloke asmin untreu sind in dieser ganzen Welt satatam satkṛtāḥ priyaiḥ beständig von ihren Lieben geehrt bhartāram na anumanyante die ihrem Gatten nicht mehr beistehen vinipātagatam striyaḥ wenn er ins Unglück gerät, solche Frauen eṣa svabhāvo nārīṇāmanubhūya purā sukham | alpāmapyāpadaṃ prāpya duṣyanti prajahatyapi ||
Dies ist die Natur der Frauen: nachdem sie zuvor Glück genossen haben, werden sie, selbst wenn nur ein kleines Unglück eintritt, treulos und verlassen ihn sogar.
Wort für Wort eṣaḥ svabhāvaḥ nārīṇām dies ist die Natur der Frauen anubhūya purā sukham nachdem sie zuvor Glück genossen haben alpām api āpadam prāpya selbst wenn nur ein kleines Unglück eintritt duṣyanti prajahati api werden sie treulos und verlassen ihn sogar asatyaśīlā vikṛtā durgrāhyahṛdayāstathā | yuvatyaḥ pāpasaṃkalpāḥ kṣaṇamātrādvirāgiṇaḥ ||
Von unwahrhaftem Wesen, wankelmütig, mit schwer zu ergründendem Herzen sind die jungen Frauen, von bösen Absichten, in einem Augenblick der Zuneigung beraubt.
Wort für Wort asatyaśīlā vikṛtā von unwahrhaftem Wesen, wankelmütig durgrāhya-hṛdayāḥ tathā und mit schwer zu ergründendem Herzen yuvatyaḥ pāpasaṃkalpāḥ die jungen Frauen, von bösen Absichten kṣaṇamātrāt virāgiṇaḥ in einem Augenblick ihrer Zuneigung beraubt na kulaṃ na kṛtaṃ vidyā na dattaṃ nāpi saṃgrahaḥ | strīṇāṃ gṛhṇāti hṛdayamanityahṛdayā hi tāḥ ||
Weder Herkunft, noch Gelehrsamkeit, noch Geschenke, noch liebevolle Fürsorge gewinnen das Herz der Frauen; denn ihr Herz ist unbeständig.
Wort für Wort na kulam na kṛtam vidyā weder Herkunft, noch erworbene Gelehrsamkeit na dattam na api saṃgrahaḥ noch Geschenk, noch auch Fürsorge strīṇām gṛhṇāti hṛdayam gewinnt das Herz der Frauen anityahṛdayā hi tāḥ denn unbeständigen Herzens sind sie sādhvīnāṃ hi sthitānāṃ tu śīle satye śrute śame | strīṇāṃ pavitraṃ paramaṃ patireko viśiṣyate ||
Doch für die tugendhaften Frauen, die in gutem Charakter, Wahrhaftigkeit, Gelehrsamkeit und Gelassenheit feststehen, ist einzig der Gatte das höchste Reinigungsmittel, das sich auszeichnet.
Wort für Wort sādhvīnām hi sthitānām tu doch für die tugendhaften, feststehenden śīle satye śrute śame in gutem Charakter, Wahrhaftigkeit, Gelehrsamkeit, Gelassenheit strīṇām pavitram paramam für die Frauen das höchste Reinigungsmittel patiḥ ekaḥ viśiṣyate zeichnet sich einzig der Gatte aus sa tvayā nāvamantavyaḥ putraḥ pravrājito mama | tava daivatamastveṣa nirdhanaḥ sadhano.api vā ||
Diesen meinen verbannten Sohn sollst du nicht verachten; er sei dir eine Gottheit, ob mittellos oder wohlhabend.
Wort für Wort sa tvayā na avamantavyaḥ er soll von dir nicht verachtet werden putraḥ pravrājitaḥ mama mein verbannter Sohn tava daivatam astu eṣaḥ er sei dir eine Gottheit nirdhanaḥ sadhanaḥ api vā ob mittellos oder auch wohlhabend vijñāya vacanaṃ tasyā dharmārthasaṃhitaṃ | kṛtāñjalirūvācedaṃ śvaśrūmabhimukhe sthitā ||
Nachdem sie die Worte jener, die Pflicht und Nutzen verbanden, verstanden hatte, sprach Sītā, mit gefalteten Händen, der Schwiegermutter zugewandt, dieses:
Wort für Wort vijñāya vacanam tasyāḥ die Worte jener verstanden habend dharma-artha-saṃhitam die Pflicht und Nutzen verbanden kṛtāñjaliḥ uvāca idam mit gefalteten Händen sprach sie dies śvaśrūm abhimukhe sthitā der Schwiegermutter zugewandt stehend kariṣye sarvameva ahamāryā yadanuśāsti mām | abhijñāsmi yathā bhartur vartitavyaṃ śrutaṃ ca me ||
Ich werde alles genau tun, edle Frau, was du mich lehrst; ich bin mir bewusst, wie einem Gatten gegenüber gehandelt werden soll, und ich habe es auch gehört.
Wort für Wort kariṣye sarvam eva aham ich werde alles genau tun āryā yat anuśāsti mām was du, edle Frau, mich lehrst abhijñā asmi yathā bhartuḥ ich bin mir bewusst, wie gegenüber dem Gatten vartitavyam śrutam ca me gehandelt werden soll, und ich habe es gehört na māmasajjanenāryā samānayitumarhati | dharmādvicalituṃ naitadalaṃ candrādiva prabhā ||
Nicht kann mich, edle Frau, jemand mit übler Gesellschaft gleichsetzen; von der Pflicht abzuweichen, dazu bin ich nicht fähig — ebenso wenig wie das Licht sich vom Mond trennen kann.
Wort für Wort na mām asajjanena āryā nicht kann mich, edle Frau, mit übler Gesellschaft samānayitum arhati gleichsetzen dharmāt vicalitum na etat alam von der Pflicht abzuweichen, dazu bin ich nicht fähig candrāt iva prabhā wie das Licht nicht abweichen kann vom Mond nātantrī vādyate vīṇā nācakro vartate rathaḥ | napatiḥ sukhamedhate yā syādapi śatātmajā ||
Nicht ohne Saiten wird eine Vīṇā gespielt, nicht ohne Räder rollt ein Wagen; auch eine Frau mit hundert Söhnen gedeiht nicht glücklich ohne Gatten.
Wort für Wort na atantrī vādyate vīṇā nicht ohne Saiten wird eine Vīṇā gespielt na acakraḥ vartate rathaḥ nicht ohne Räder rollt ein Wagen na apatiḥ sukham edhate nicht ohne Gatten gedeiht sie glücklich yā syāt api śatātmajā auch wenn sie hundert Söhne hätte mitaṃ dadāti hi pitā mitaṃ mātā mitaṃ sutaḥ | amitasya hi dātāraṃ bhartāraṃ kā na pūjayet ||
Denn Begrenztes gibt der Vater, Begrenztes die Mutter, Begrenztes der Sohn; wer aber würde den Gatten nicht ehren, der Unbegrenztes gibt?
Wort für Wort mitam dadāti hi pitā denn Begrenztes gibt der Vater mitam mātā mitam sutaḥ Begrenztes die Mutter, Begrenztes der Sohn amitasya hi dātāram den Geber von Unbegrenztem aber bhartāram kā na pūjayet welche Frau würde den Gatten nicht ehren sāhamevaṃ gatā śreṣṭhā śrutadharmaparāvarā | ārye kimavamanyeyaṃ strīṇāṃ bhartā hi daivatam ||
Ich also, die ich so gestellt bin, die höchste und niedrigste Pflicht der Überlieferung kennend, wie sollte ich, edle Frau, ihn missachten? Denn für Frauen ist der Gatte eine Gottheit.
Wort für Wort sā aham evaṃ gatā śreṣṭhā ich also, die ich so gestellt bin, die Vorzüglichste śrutadharmaparāvarā die höchste und niedrigste Pflicht der Überlieferung kennend ārye kim avamanyeyam edle Frau, wie sollte ich ihn missachten strīṇāṃ bhartā hi daivatam denn für Frauen ist der Gatte eine Gottheit sītāyā vacanaṃ śrutvā kausalyā hṛdayaṃgamam | śuddhasattvā mumocāśru sahasā duḥkhaharṣajam ||
Als sie Sītās Worte, die zu Herzen gingen, gehört hatte, vergoss Kausalyā, von reinem Wesen, plötzlich Tränen, die zugleich aus Schmerz und Freude entstanden.
Wort für Wort sītāyāḥ vacanam śrutvā Sītās Worte gehört habend kausalyā hṛdayaṃgamam Kausalyā, die zu Herzen gingen śuddhasattvā mumoca aśru von reinem Wesen, vergoss sie Tränen sahasā duḥkhaharṣajam plötzlich, aus Schmerz und Freude entstanden tāṃ prāñjalirabhikramya mātṛmadhye.atisatkṛtām | rāmaḥ paramadharmajño mātaraṃ vākyamabravīt ||
Rāma, der die höchste Pflicht Kennende, mit gefalteten Händen zu ihr, die inmitten der Mütter höchst geehrt wurde, hintretend, sprach zu seiner Mutter dieses Wort:
Wort für Wort tām prāñjaliḥ abhikramya zu ihr, mit gefalteten Händen hintretend mātṛmadhye atisatkṛtām die inmitten der Mütter höchst geehrt wurde rāmaḥ paramadharmajñaḥ Rāma, der die höchste Pflicht Kennende mātaram vākyam abravīt sprach zur Mutter das Wort amba mā duḥkhitā bhūstvaṃ paśya tvaṃ pitaraṃ mama | kṣayo hi vanavāsasya kṣiprameva bhaviṣyati ||
Mutter, sei nicht bekümmert; achte du auf meinen Vater; denn das Ende meines Waldaufenthalts wird sehr rasch kommen.
Wort für Wort amba mā duḥkhitā bhūḥ tvam Mutter, sei nicht bekümmert du paśya tvam pitaram mama achte du auf meinen Vater kṣayaḥ hi vanavāsasya denn das Ende des Waldaufenthalts kṣipram eva bhaviṣyati wird sehr rasch eintreten suptāyāste gamiṣyanti navavarṣāṇi pañca ca | sā samagramihaprāptaṃ māṃ drakṣyasi suhṛdvṛtam ||
Während du wie im Schlaf verweilst, werden dir die vierzehn Jahre vergehen; dann wirst du mich hier vollständig zurückgekehrt sehen, umgeben von Freunden.
Wort für Wort suptāyāḥ te gamiṣyanti während du wie schlafend verweilst, werden dir vergehen navavarṣāṇi pañca ca vierzehn Jahre sā samagram iha prāptam du wirst vollständig hier angekommen mām drakṣyasi suhṛdvṛtam mich sehen, von Freunden umgeben etāvadabhinītārthamuktvā sa jananīṃ vacaḥ | trayaḥśataśatārdhā hi dadarśāvekṣya mātaraḥ ||
Nachdem er dieses so wohlbedachte Wort zur Mutter gesprochen hatte, blickte er umher und erblickte die dreihundertfünfzig Mütter.
Wort für Wort etāvat abhinītārtham uktvā nachdem er dieses so wohlbedachte Wort gesprochen hatte sa jananīm vacaḥ er zur Mutter das Wort trayaḥ-śata-śatārdhāḥ hi die dreihundertfünfzig nämlich dadarśa avekṣya mātaraḥ erblickte er, umherblickend, die Mütter tāścāpi sa tathaivārtā mātṝrdaśarathātmajaḥ | dharmayuktamidaṃ vākyaṃ nijagāda kṛtāñjaliḥ ||
Und auch jenen ebenso betrübten Müttern sprach der Sohn des Daśaratha, mit gefalteten Händen, dieses pflichtgemäße Wort:
Wort für Wort tāḥ ca api sa tathā eva ārtāḥ und auch jenen ebenso betrübten mātṝḥ daśarathātmajaḥ Müttern der Sohn des Daśaratha dharmayuktam idaṃ vākyam dieses pflichtgemäße Wort nijagāda kṛtāñjaliḥ sprach er, mit gefalteten Händen saṃvāsātparuṣaṃ kiñcidajñānādvāpi yatkṛtam | tanme samanujānīta sarvāśca āmantrayāmi vaḥ ||
Was auch immer ich aus dem Zusammenleben heraus Grobes, oder auch aus Unwissenheit getan habe — das verzeiht mir; und von euch allen nehme ich Abschied.
Wort für Wort saṃvāsāt paruṣam kiñcit etwas Grobes aus dem Zusammenleben ajñānāt vā api yat kṛtam oder auch, was aus Unwissenheit getan wurde tat me samanujānīta das verzeiht mir sarvāḥ ca āmantrayāmi vaḥ und von euch allen nehme ich Abschied vacanaṃ rāghavasyaitaddharmayuktaṃ samāhitam | śuśruvustāḥ striyaḥ sarvāḥ śokopahatacetasaḥ ||
Dieses pflichtgemäße, wohlbedachte Wort Rāghavas hörten alle jene Frauen, deren Sinn vom Kummer erschüttert war.
Wort für Wort vacanam rāghavasya etat dieses Wort Rāghavas dharmayuktam samāhitam pflichtgemäß, wohlbedacht śuśruvuḥ tāḥ striyaḥ sarvāḥ hörten alle jene Frauen śokopahatacetasaḥ deren Sinn vom Kummer erschüttert war jajñe.atha tāsāṃ saṃnādaḥ krauñcīnāmiva niḥsvanaḥ | mānavendrasya bhāryāṇāmevaṃ vadati rāghave ||
Da erhob sich unter ihnen ein Aufschrei wie das Klagen der Kraunca-Vögel, unter den Gattinnen des Fürsten der Menschen, als Rāghava so sprach.
Wort für Wort jajñe atha tāsām saṃnādaḥ da erhob sich unter ihnen ein Aufschrei krauñcīnām iva niḥsvanaḥ wie das Klagen der Kraunca-Vögel mānavendrasya bhāryāṇām unter den Gattinnen des Fürsten der Menschen evam vadati rāghave als Rāghava so sprach murajapaṇavameghaghoṣavad | daśarathaveśma babhūva yatpurā | vilapitaparidevanākulaṃ | vyasanagataṃ tadabhūt suduḥkhitam ||
Das Haus des Daśaratha, das einst vom Klang der Trommeln, Pauken und Wolken widerhallte, wurde nun von Wehklagen und Jammern erfüllt, ins Unglück versunken, aufs höchste betrübt.
Wort für Wort muraja-paṇava-megha-ghoṣavat das vom Klang von Trommeln, Pauken und Wolken widerhallte daśaratha-veśma babhūva yat purā das Haus des Daśaratha, das einst war vilapita-paridevana-ākulam von Wehklagen und Jammern erfüllt vyasanagatam tat abhūt suduḥkhitam das ins Unglück Geratene wurde aufs höchste betrübt
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