Quellen der Menschheit

Rāmāyaṇa · Ayodhyākāṇḍa

Sarga 76: Daśaratha Antyeṣṭi Karma Auf Vasiṣṭhas Mahnung lässt Bharata die letzten Riten für seinen Vater vollziehen; die feierliche Verbrennung am Ufer der Sarayū und die zehntägige Trauer der Königsfrauen und Minister

tam evaṃ śokasaṃtaptaṃ bharataṃ kekayī sutam | uvāca vadatāṃ śreṣṭho vasiṣṭhaḥ śreṣṭhavāgṛṣiḥ ||

Zu jenem so vom Kummer verbrannten Bharata, dem Sohn der Kekayī, sprach Vasiṣṭha, der Beste der Redenden, der Weise von vortrefflicher Rede:

Wort für Wort
tam evam śokasaṃtaptam
zu jenem so vom Kummer verbrannten
bharatam kekayī sutam
Bharata, dem Sohn der Kekayī
uvāca vadatām śreṣṭhaḥ
sprach der Beste der Redenden
vasiṣṭhaḥ śreṣṭhavāgṛṣiḥ
Vasiṣṭha, der Weise von vortrefflicher Rede

alaṃ śokena bhadraṃ te rājaputra mahāyaśaḥ | prāptakālaṃ narapateḥ kuru saṃyānamuttaram ||

'Genug des Kummers, Heil dir, hochberühmter Königssohn; vollziehe die letzte Fahrt für den Herrn der Menschen, da die Zeit gekommen ist.

Wort für Wort
alam śokena bhadram te
genug des Kummers, Heil dir
rājaputra mahāyaśaḥ
hochberühmter Königssohn
prāptakālam narapateḥ
für den Herrn der Menschen, da die Zeit gekommen ist
kuru saṃyānam uttaram
vollziehe die letzte Fahrt

vasiṣṭhasya vacaḥ śrutvā bharataḥ dhāraṇāṃ gataḥ | pretakāryāṇi sarvāṇi kārayāmāsa dharmavit ||

Nachdem er Vasiṣṭhas Wort gehört hatte, gefasst geworden, ließ Bharata, der Rechtschaffenheit kundig, alle Totenriten vollziehen.

Wort für Wort
vasiṣṭhasya vacaḥ śrutvā
nachdem er Vasiṣṭhas Wort gehört hatte
bharataḥ dhāraṇām gataḥ
Bharata, gefasst geworden
pretakāryāṇi sarvāṇi
alle Totenriten
kārayāmāsa dharmavit
ließ er vollziehen, der Rechtschaffenheit kundig

uddhṛtaṃ tailasaṃkledāt sa tu bhūmau niveśitam | āpītavarṇavadanaṃ prasuptamiva bhūmipam ||

Er, aus dem Ölbad gehoben, wurde auf die Erde gebettet, sein Antlitz gelblich verfärbt, der Herrscher der Erde, wie schlafend.

Wort für Wort
uddhṛtam tailasaṃkledāt
aus dem Ölbad gehoben
saḥ tu bhūmau niveśitam
er wurde auf die Erde gebettet
āpītavarṇavadanam
sein Antlitz gelblich verfärbt
prasuptam iva bhūmipam
wie schlafend, der Herrscher der Erde

saṃveśya śayane ca agrye nānāratnapariṣkṛte | tataḥ daśarathaṃ putraḥ vilalāpa suduḥkhitaḥ ||

Nachdem er ihn auf ein vortreffliches, mit mancherlei Juwelen geschmücktes Lager gebettet hatte, klagte der Sohn dann um Daśaratha, überaus betrübt:

Wort für Wort
saṃveśya śayane ca agrye
nachdem er ihn auf ein vortreffliches Lager gebettet hatte
nānāratnapariṣkṛte
mit mancherlei Juwelen geschmückt
tataḥ daśaratham putraḥ
dann [um] Daśaratha, der Sohn
vilalāpa suduḥkhitaḥ
klagte, überaus betrübt

kiṃ te vyavasitaṃ rājan proṣite mayyanāgate | vivāsya rāmaṃ dharmajñaṃ lakṣmaṇaṃ ca mahābalam ||

'Was hast du beschlossen, o König, während ich abwesend war, noch nicht zurückgekehrt - den rechtschaffenen Rāma und den mächtigen Lakṣmaṇa zu verbannen?

Wort für Wort
kim te vyavasitam rājan
was hast du beschlossen, o König
proṣite mayi anāgate
während ich abwesend, noch nicht zurückgekehrt war
vivāsya rāmam dharmajñam
den rechtschaffenen Rāma zu verbannen
lakṣmaṇam ca mahābalam
und den mächtigen Lakṣmaṇa

kva yāsyasi mahārāja hitvedaṃ duḥkhitaṃ janam | hīnaṃ puruṣasiṃhena rāmeṇākliṣṭakarmaṇā ||

Wohin gehst du, großer König, dieses betrübte Volk verlassend, das des Löwen unter den Männern, Rāma von unermüdlichem Wirken, beraubt ist?

Wort für Wort
kva yāsyasi mahārāja
wohin gehst du, großer König
hitvā idam duḥkhitam janam
dieses betrübte Volk verlassend
hīnam puruṣasiṃhena
beraubt des Löwen unter den Männern
rāmeṇa akliṣṭakarmaṇā
Rāma, von unermüdlichem Wirken

yogakṣemaṃ tu te rājan ko 'smin kalpayitā pure | tvayi prayāte svastāta rāme ca vanamāśrite ||

Wer wird nun, o König, in dieser Stadt für Erwerb und Sicherheit sorgen, wenn du davongegangen bist, Vater, und Rāma im Wald Zuflucht genommen hat?

Wort für Wort
yogakṣemam tu te rājan
für Erwerb und Sicherheit aber, o König
kaḥ asmin kalpayitā pure
wer wird in dieser Stadt sorgen
tvayi prayāte svastāta
wenn du davongegangen bist, Vater
rāme ca vanam āśrite
und Rāma im Wald Zuflucht genommen hat

vidhavā pṛthivī rājaṃstvayā hīnā na rājate | hīnacandreva rajanī nagarī pratibhāti mām ||

Verwitwet, deiner beraubt, erstrahlt die Erde nicht mehr, o König; die Stadt erscheint mir wie eine Nacht ohne den Mond.

Wort für Wort
vidhavā pṛthivī rājan
verwitwet, die Erde, o König
tvayā hīnā na rājate
deiner beraubt, erstrahlt sie nicht mehr
hīnacandrā iva rajanī
wie eine Nacht ohne den Mond
nagarī pratibhāti mām
erscheint mir die Stadt

evaṃ vilapamānaṃ taṃ bharataṃ dīnamānasam | abravīdvacanaṃ bhūyo vasiṣṭhaḥ tu mahānṛṣiḥ ||

Zu jenem so klagenden Bharata, seines Sinnes bekümmert, sprach der große Weise Vasiṣṭha abermals dieses Wort:

Wort für Wort
evam vilapamānam tam
zu jenem so klagenden
bharatam dīnamānasam
Bharata, seines Sinnes bekümmert
abravīt vacanam bhūyaḥ
sprach abermals dieses Wort
vasiṣṭhaḥ tu mahānṛṣiḥ
der große Weise Vasiṣṭha aber

pretakāryāṇi yānyasya kartavyāni viśāṃpateḥ | tāni avyagraṃ mahābāho kriyatāmavicāritam ||

'Welche Totenriten für diesen Herrn der Völker zu vollziehen sind, jene mögen, o Starkarmiger, ohne Zaudern und ohne weiteres Bedenken vollzogen werden.'

Wort für Wort
pretakāryāṇi yāni asya
welche Totenriten für diesen
kartavyāni viśāṃpateḥ
zu vollziehen sind, des Herrn der Völker
tāni avyagram mahābāho
jene, ohne Zaudern, o Starkarmiger
kriyatām avicāritam
mögen ohne weiteres Bedenken vollzogen werden

tathā iti bharataḥ vākyaṃ vasiṣṭhasyābhipūjya tat | ṛtvikpurohitācāryāṃstvarayāmāsa sarvaśaḥ ||

'So sei es', [sprach] Bharata, jenes Wort Vasiṣṭhas ehrend, und drängte die Opferpriester, den Hauspriester und die Lehrer von allen Seiten [zur Eile].

Wort für Wort
tathā iti bharataḥ vākyam
'so sei es', [sprach] Bharata, [zu diesem] Wort
vasiṣṭhasya abhipūjya tat
Vasiṣṭhas, es ehrend
ṛtvikpurohitācāryān
die Opferpriester, den Hauspriester, die Lehrer
tvarayāmāsa sarvaśaḥ
drängte er von allen Seiten [zur Eile]

ye tu agrataḥ narendrasyāgnyagārātbahiṣkṛtāḥ | ṛtvigbhiryājakaiścaiva te hriyante yathāvidhi ||

Jene [Opferfeuer], die aus dem Feuerhaus des Königs herausgetragen wurden, wurden von den Opferpriestern und Opferern nach Vorschrift [vorangetragen].

Wort für Wort
ye tu agrataḥ narendrasya
jene [Feuer] aber, vor dem König
agnyagārāt bahiṣkṛtāḥ
aus dem Feuerhaus herausgetragen
ṛtvigbhiḥ yājakaiḥ ca eva
von den Opferpriestern und Opferern
te hriyante yathāvidhi
wurden sie nach Vorschrift [vorangetragen]

śibikāyāmatha āropya rājānaṃ gatacetanam | bāṣpakaṇṭhā vimanasaḥ tamūhuḥ paricārakāḥ ||

Nachdem sie den leblosen König auf eine Sänfte gehoben hatten, trugen die Diener ihn, ihre Kehle tränenerstickt, den Sinn zerstreut.

Wort für Wort
śibikāyām atha āropya
auf eine Sänfte gehoben
rājānam gatacetanam
den leblosen König
bāṣpakaṇṭhā vimanasaḥ
ihre Kehle tränenerstickt, den Sinn zerstreut
tam ūhuḥ paricārakāḥ
trugen ihn die Diener

hiraṇyaṃ ca suvarṇaṃ ca vāsāṃsi vividhāni ca | prakirantaḥ janā mārgaṃ nṛpaterāgrataḥ yayuḥ ||

Silber und Gold und mancherlei Gewänder auf dem Weg verstreuend, zogen die Leute vor dem König her.

Wort für Wort
hiraṇyam ca suvarṇam ca
Silber und Gold
vāsāṃsi vividhāni ca
und mancherlei Gewänder
prakirantaḥ janā mārgam
auf dem Weg verstreuend, die Leute
nṛpateḥ āgrataḥ yayuḥ
zogen vor dem König her

candanāgurunryāsānsaralaṃ padmakaṃ tathā | devadārūṇi cāhṛtya citāṃ cakrustathāpare ||

Sandelholz, Aloe-Harz, Kiefernharz, ebenso Padmaka-Holz und Zederholz herbeischaffend, errichteten andere den Scheiterhaufen.

Wort für Wort
candanāgurunryāsān
Sandelholz, Aloe-Harz
saralam padmakam tathā
Kiefernharz, ebenso Padmaka-Holz
devadārūṇi ca āhṛtya
und Zederholz herbeischaffend
citām cakruḥ tathā apare
errichteten so andere den Scheiterhaufen

gandhānuccāvacāṃśca anyāṃstatra dattvātha bhūmipam | tataḥ saṃveśayāmāsuḥ citāmadhye tam ṛtvijaḥ ||

Nachdem sie dort mancherlei Wohlgerüche, hohe und geringe, und andere [Gaben] dargebracht hatten, betteten die Opferpriester dann den Herrscher der Erde in die Mitte des Scheiterhaufens.

Wort für Wort
gandhān uccāvacān ca anyān
mancherlei Wohlgerüche, hohe und geringe, und andere
tatra dattvā atha bhūmipam
dort dargebracht habend, dann den Herrscher der Erde
tataḥ saṃveśayāmāsuḥ
betteten dann
citāmadhye tam ṛtvijaḥ
in die Mitte des Scheiterhaufens, die Opferpriester

tathā hutāśanaṃ hutvā jepustasya tadā ṛtvijaḥ | jaguśca te yathāśāstraṃ tatra sāmāni sāmagāḥ ||

Nachdem sie so das Feuer gespeist hatten, murmelten die Opferpriester dann für ihn [heilige Formeln], und die Sāma-Sänger sangen dort nach Vorschrift die Sāma-Verse.

Wort für Wort
tathā hutāśanam hutvā
nachdem sie so das Feuer gespeist hatten
jepuḥ tasya tadā ṛtvijaḥ
murmelten die Opferpriester dann für ihn [heilige Formeln]
jaguḥ ca te yathāśāstram
und sie sangen nach Vorschrift
tatra sāmāni sāmagāḥ
dort die Sāma-Verse, die Sāma-Sänger

śibikābhiśca yānaiśca yathārhaṃ tasya yoṣitaḥ | nagarānniryayustatra vṛddhaiḥ parivṛtāḥ tadā ||

Auf Sänften und Wagen, wie es sich gebührte, zogen seine Frauen dort dann aus der Stadt hinaus, von den Alten umgeben.

Wort für Wort
śibikābhiḥ ca yānaiḥ ca
auf Sänften und Wagen
yathārham tasya yoṣitaḥ
wie es sich gebührte, seine Frauen
nagarāt niryayuḥ tatra
zogen dort aus der Stadt hinaus
vṛddhaiḥ parivṛtāḥ tadā
von den Alten umgeben, dann

prasavyaṃ ca api taṃ cakruḥ ṛtvijo agnicitaṃ nṛpam | striyaśca śokasaṃtaptāḥ kausalyāpramukhāḥ tadā ||

Und die Opferpriester umschritten den [nun] dem Feuer übergebenen König gegen den Uhrzeigersinn, und ebenso die vom Kummer verbrannten Frauen, mit Kausalyā an der Spitze.

Wort für Wort
prasavyam ca api tam cakruḥ
und sie umschritten ihn gegen den Uhrzeigersinn
ṛtvijaḥ agnicitam nṛpam
die Opferpriester, den dem Feuer übergebenen König
striyaḥ ca śokasaṃtaptāḥ
und die vom Kummer verbrannten Frauen
kausalyāpramukhāḥ tadā
mit Kausalyā an der Spitze, dann

krauñcīnāmiva nārīṇāṃ ninādastatra śuśruve | ārtānāṃ karuṇaṃ kāle krośantīnāṃ sahasraśaḥ ||

Ein Klagen, gleich dem der Kraniche, war dort zu hören, von den leidenden Frauen, die in dieser Stunde zu Tausenden kläglich schrien.

Wort für Wort
krauñcīnām iva nārīṇām
gleich [dem] der Kranich-Weibchen, der Frauen
ninādaḥ tatra śuśruve
war dort ein Klagen zu hören
ārtānām karuṇam kāle
der leidenden, kläglich, in dieser Stunde
krośantīnām sahasraśaḥ
die zu Tausenden schrien

tataḥ rudantyo vivaśā vilapya ca punaḥ punaḥ | yānebhyaḥ sarayūtīramavateruḥ varāṅganāḥ ||

Da stiegen die weinenden, überwältigten, immer wieder klagenden edlen Frauen von ihren Wagen an das Ufer der Sarayū herab.

Wort für Wort
tataḥ rudantyaḥ vivaśāḥ
da die weinenden, überwältigten
vilapya ca punaḥ punaḥ
und immer wieder klagend
yānebhyaḥ sarayūtīram
von den Wagen an das Ufer der Sarayū
avateruḥ varāṅganāḥ
stiegen die edlen Frauen herab

kṛtodakāste bharatena sārdham | nṛpāṅganā mantripurohitāśca | puraṃ praviśyāśruparītanetrā | bhūmau daśāhaṃ vyanayanta duḥkham ||

Nachdem sie zusammen mit Bharata die Wasserspende vollzogen hatten, verbrachten die Frauen des Königs, die Minister und die Priester, in die Stadt zurückkehrend, ihre Augen von Tränen erfüllt, zehn Tage in Trauer auf dem Boden.

Wort für Wort
kṛtodakāḥ te bharatena sārdham
nachdem sie zusammen mit Bharata die Wasserspende vollzogen hatten
nṛpāṅganā mantripurohitāḥ ca
die Frauen des Königs, die Minister und die Priester
puram praviśya aśruparītanetrā
in die Stadt zurückkehrend, ihre Augen von Tränen erfüllt
bhūmau daśāham vyanayanta duḥkham
verbrachten sie zehn Tage in Trauer auf dem Boden

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