Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 10: balikṛtadevaparājayavarṇanaṃ vāmanāvatāraśca Die von Bali bewirkte Niederlage der Götter und der Vāmana-Avatāra

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde gaṅgātpattau balikṛtadevaparājayavarṇanannāma daśamo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ nārada uvāca aho hyatyadbhutaṃ proktaṃ tvayā bhrātaridaṃ mama / sa vahniraditiṃ muktvā kathaṃ tānadahatkṣaṇāt

Nārada sprach: Oh, dies wahrlich überaus Wunderbare hast du mir gesagt, Bruder – wie verbrannte jenes Feuer, Aditi ausgenommen, jene Daityas im Nu?

Wort für Wort
aho hyatyadbhutaṃ proktaṃ
oh, dies überaus Wunderbare wurde gesagt
tvayā bhrātaridaṃ mama
von dir mir, Bruder
sa vahniraditiṃ muktvā
jenes Feuer, Aditi ausgenommen
kathaṃ tānadahatkṣaṇāt
wie verbrannte es jene im Nu

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden Kapitels vorangestellt ('iti śrībṛhannāradīyapurāṇe... daśamo 'dhyāyaḥ' = 'So endet... das zehnte Kapitel' [Quellenzählung], mit dem Untertitel 'Schilderung der von Bali bewirkten Niederlage der Götter'), gefolgt von einer Trennlinie – ein reines Gliederungselement, im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen.]

vadāditermahāsattvaṃ viśeṣāścaryakāraṇam / paropadeśaniratāḥ sajjanā hi munīśvarāḥ

Sag mir Aditis große Wesenskraft, die Ursache dieses besonderen Wunders – denn die edlen Weisenfürsten sind ja dem Belehren anderer hingegeben.

Wort für Wort
vadāditermahāsattvaṃ
sag mir Aditis große Wesenskraft
viśeṣāścaryakāraṇam
die Ursache des besonderen Wunders
paropadeśaniratāḥ
dem Belehren anderer hingegeben
sajjanā hi munīśvarāḥ
denn die guten Weisenfürsten sind es

sanaka uvāca śṛṇu nārada māhātmyaṃ haribhaktiratātmanām / haridhyānaparānsādhūnkaḥ samarthaḥ prabādhitum

Sanaka sprach: Höre, Nārada, die Größe derer, deren Sinn der Hingabe an Hari zugetan ist. Wer vermöchte die Frommen, die dem Gedenken an Hari hingegeben sind, zu bedrängen?

Wort für Wort
śṛṇu nārada māhātmyaṃ
höre, Nārada, die Größe
haribhaktiratātmanām
derer, deren Sinn der Hingabe an Hari zugetan ist
haridhyānaparānsādhūn
die dem Gedenken an Hari hingegebenen Frommen
kaḥ samarthaḥ prabādhitum
wer vermöchte zu bedrängen

haribhaktiparo yatra tatra brahmā hariḥ śivaḥ / devāḥ siddhā munīśvāśca nityaṃ tiṣṭanti sattamāḥ

Wo einer der Hingabe an Hari ergeben ist, dort weilen Brahmā, Hari, Śiva, die Götter, die Siddhas und die besten Weisenfürsten beständig.

Wort für Wort
haribhaktiparo yatra
wo einer der Hingabe an Hari ergeben ist
tatra brahmā hariḥ śivaḥ
dort Brahmā, Hari, Śiva
devāḥ siddhā munīśvāśca
die Götter, Siddhas und Weisenfürsten
nityaṃ tiṣṭanti sattamāḥ
weilen beständig, die Besten

harirāste mahābhāga hṛdaye śāntacetasām / harināmaparāṇāṃ ca kimu dhyānaratātmanām

Hari weilt, o Hochbeglückter, im Herzen der Friedvollen und derer, die dem Namen Haris ergeben sind – wieviel mehr im Herzen derer, deren Sinn der Meditation hingegeben ist!

Wort für Wort
harirāste mahābhāga
Hari weilt, o Hochbeglückter
hṛdaye śāntacetasām
im Herzen der Friedvollen
harināmaparāṇāṃ ca
und derer, die dem Namen Haris ergeben sind
kimu dhyānaratātmanām
wieviel mehr derer, deren Sinn der Meditation hingegeben ist

śivapūjārato vāpi viṣṇupūjāparo 'pi vā / yatra tiṣṭati tatraiva lakṣmīḥ sarvāśca devatāḥ

Sei es einer, der der Śiva-Verehrung, oder einer, der der Viṣṇu-Verehrung ergeben ist – wo ein solcher weilt, dort eben weilen Lakṣmī und alle Gottheiten.

Wort für Wort
śivapūjārato vāpi
sei es einer, der der Śiva-Verehrung ergeben ist
viṣṇupūjāparo 'pi vā
oder einer, der der Viṣṇu-Verehrung ergeben ist
yatra tiṣṭati tatraiva
wo ein solcher weilt, dort eben
lakṣmīḥ sarvāśca devatāḥ
Lakṣmī und alle Gottheiten

yatra pūjāparo viṣṇorvahnistatra na bādhate / rājā vā taskaro vāpi vyādhayaśca na santi hi

Wo einer der Verehrung Viṣṇus ergeben ist, dort schadet das Feuer nicht; weder ein König noch ein Dieb, noch Krankheiten gibt es dort.

Wort für Wort
yatra pūjāparo viṣṇor
wo einer der Verehrung Viṣṇus ergeben ist
vahnistatra na bādhate
dort schadet das Feuer nicht
rājā vā taskaro vāpi
weder König noch Dieb
vyādhayaśca na santi hi
noch Krankheiten gibt es fürwahr

pretāḥ piśācāḥ kūṣmāṇḍagrahā bālagrahāstathā / ḍākinyo rākṣasāścaiva na bādhante 'cyutārcakam

Gespenster, Piśācas, die Kūṣmāṇḍa-Planetengeister, ebenso die Kindsdämonen, Ḍākinīs und Rākṣasas schaden dem Verehrer des Unvergänglichen nicht.

Wort für Wort
pretāḥ piśācāḥ
Gespenster, Piśācas
kūṣmāṇḍagrahā bālagrahāstathā
die Kūṣmāṇḍa-Planetengeister, ebenso die Kindsdämonen
ḍākinyo rākṣasāścaiva
Ḍākinīs und Rākṣasas
na bādhante 'cyutārcakam
schaden dem Verehrer des Unvergänglichen nicht

parapīḍāratā ye tu bhūtavetālakādayaḥ / naśyanti yatra sadbhakto harilakṣmyarcane rataḥ

Diejenigen, die anderen Schaden zufügen wollen – Bhūtas, Vetālas und dergleichen – schwinden dahin, wo ein wahrer Verehrer der Verehrung von Hari und Lakṣmī hingegeben ist.

Wort für Wort
parapīḍāratā ye tu
diejenigen aber, die anderen Schaden zufügen wollen
bhūtavetālakādayaḥ
Bhūtas, Vetālas und dergleichen
naśyanti yatra sadbhakto
schwinden dahin, wo ein wahrer Verehrer
harilakṣmyarcane rataḥ
der Verehrung von Hari und Lakṣmī hingegeben ist

jitendriyaḥ sarvahito dharmakarmaparāyaṇaḥ / yatra tiṣṭati tatraiva sarvatīrthāni devatāḥ

Wo ein Sinnenbezwungener, allen Wohlgesonnener, dem Wirken des Dharma Ergebener weilt, dort eben sind alle Pilgerstätten und Gottheiten zugegen.

Wort für Wort
jitendriyaḥ sarvahito
der Sinnenbezwungene, allen Wohlgesonnene
dharmakarmaparāyaṇaḥ
dem Wirken des Dharma ergeben
yatra tiṣṭati tatraiva
wo er weilt, dort eben
sarvatīrthāni devatāḥ
alle Pilgerstätten und Gottheiten

[Anm.: Dem Vers geht im Quelltext die isolierte Silbe 'ṭa' voran, offenbar ein Fragment oder Druckfehler ohne erkennbaren Sinn; sie wurde nicht übersetzt.]

nimiṣaṃ nimiṣārddhaṃ vā yatra tiṣṭanti yoginaḥ / tatraiva sarvaśreyāṃsi tattīrthaṃ tattapovanam

Für einen Augenblick oder auch nur einen halben Augenblick, wo die Yogins weilen, dort eben sind alle Segnungen, das ist eine Pilgerstätte, das ist ein Büßerhain.

Wort für Wort
nimiṣaṃ nimiṣārddhaṃ vā
für einen Augenblick oder einen halben Augenblick
yatra tiṣṭanti yoginaḥ
wo die Yogins weilen
tatraiva sarvaśreyāṃsi
dort eben sind alle Segnungen
tattīrthaṃ tattapovanam
das ist eine Pilgerstätte, das ist ein Büßerhain

yannāmoccāraṇādeva sarve naśyantyupadravāḥ / stotrairvāpyarhaṇābhirvā kimu dhyānena kathyate

Allein durch das Aussprechen von dessen Namen schwinden alle Übel; durch Lobpreisungen oder Verehrungsriten ebenso – wieviel mehr durch Meditation, wozu es noch zu sagen wäre?

Wort für Wort
yannāmoccāraṇādeva
allein durch das Aussprechen von dessen Namen
sarve naśyantyupadravāḥ
schwinden alle Übel
stotrairvāpyarhaṇābhirvā
durch Lobpreisungen oder Verehrungsriten
kimu dhyānena kathyate
wieviel mehr durch Meditation, wozu es zu sagen wäre

evaṃ tenāgninā vipra dagdhaṃ sāsurakānanam / sāditirnaiva dagdhābhūdviṣṇucakrābhira kṣitā

So wurde, o Brahmane, durch jenes Feuer der von den Asuras bevölkerte Wald verbrannt; jene Aditi aber wurde nicht verbrannt, durch Viṣṇus Diskus beschützt.

Wort für Wort
evaṃ tenāgninā vipra
so durch jenes Feuer, o Brahmane
dagdhaṃ sāsurakānanam
wurde der von den Asuras bevölkerte Wald verbrannt
sāditirnaiva dagdhābhūt
jene Aditi aber wurde nicht verbrannt
viṣṇucakrābhirakṣitā
durch Viṣṇus Diskus beschützt

[?] rakṣitā: im Quelltext getrennt als 'kṣitā' erscheinend.

tataḥ prasannavadanaḥ pahmapatrāyatekṣaṇaḥ / prādurāsītsamīpe 'syāḥ śaṅkhacakragadādharaḥ

Darauf erschien, mit heiterem Antlitz, mit Augen lang wie Lotosblätter, in ihrer Nähe der Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule.

Wort für Wort
tataḥ prasannavadanaḥ
darauf, mit heiterem Antlitz
pahmapatrāyatekṣaṇaḥ
mit Augen lang wie Lotosblätter
prādurāsītsamīpe 'syāḥ
erschien in ihrer Nähe
śaṅkhacakragadādharaḥ
der Träger von Muschelhorn, Diskus und Keule

[?] pahmapatrāyatekṣaṇaḥ: wohl padmapatrāyatekṣaṇaḥ.

īṣadvāsyasphuraddantaprabhābhāṣitadiṅmukhaḥ / spṛśankareṇa puṇyena prāha kaśyapavallabhām

Mit dem Glanz seiner beim leichten Lächeln aufblitzenden Zähne die Himmelsrichtungen erhellend, berührte er mit heilbringender Hand Kaśyapas Geliebte und sprach:

Wort für Wort
īṣadvāsyasphuraddantaprabhā
mit dem Glanz seiner beim leichten Lächeln aufblitzenden Zähne
bhāṣitadiṅmukhaḥ
die Himmelsrichtungen erhellend
spṛśankareṇa puṇyena
mit heilbringender Hand berührend
prāha kaśyapavallabhām
sprach er zu Kaśyapas Geliebter

śrībhagavānanuvāca devamātaḥ prasanno 'smi tapasārādhitastvayā / ciraṃ śrāntāsi bhadraṃ te bhaviśaṣyati na saṃśayaḥ

Der erhabene Herr sprach: O Göttermutter, ich bin zufrieden, durch Askese von dir verehrt. Lange bist du ermüdet gewesen – Heil wird dir widerfahren, daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
devamātaḥ prasanno 'smi
o Göttermutter, ich bin zufrieden
tapasārādhitastvayā
durch Askese von dir verehrt
ciraṃ śrāntāsi bhadraṃ te
lange bist du ermüdet gewesen, Heil sei dir
bhaviśaṣyati na saṃśayaḥ
es wird geschehen, daran ist kein Zweifel

[?] bhaviśaṣyati: wohl bhaviṣyati.

varaṃ varaya dāsyāmi yatte manasi rocate / mā bhairbhadre mahābhāge dhruvaṃ śreyo bhaviṣyati

Erbitte eine Gunst, ich werde geben, was dir im Sinn gefällt. Fürchte dich nicht, Holdselige, Hochbeglückte – gewiss wird Heil geschehen.

Wort für Wort
varaṃ varaya dāsyāmi
erbitte eine Gunst, ich werde geben
yatte manasi rocate
was dir im Sinn gefällt
mā bhairbhadre mahābhāge
fürchte dich nicht, Holdselige, Hochbeglückte
dhruvaṃ śreyo bhaviṣyati
gewiss wird Heil geschehen

ityuktādevamātā sā devadevena cakriṇā / tuṣṭāva praṇipatyainaṃ sarvalokasukhāvaham

So von dem Diskusträger, dem Gott der Götter, angesprochen, pries jene Göttermutter, sich vor ihm verneigend, den, der allen Welten Glück bringt.

Wort für Wort
ityuktādevamātā sā
so angesprochen, jene Göttermutter
devadevena cakriṇā
von dem Gott der Götter, dem Diskusträger
tuṣṭāva praṇipatyainaṃ
pries ihn, sich verneigend
sarvalokasukhāvaham
der allen Welten Glück bringt

aditiruvāca namaste devadeveśa sarvavyāpiñjanārdanā / sattvādiguṇabhedena lokavyāpārakāraṇa

Aditi sprach: Verehrung dir, Herr der Götter der Götter, Allesdurchdringender, Janārdana, der du durch die Unterscheidung der Guṇas Sattva und der anderen die Ursache des Wirkens der Welt bist.

Wort für Wort
namaste devadeveśa
Verehrung dir, Herr der Götter der Götter
sarvavyāpiñjanārdanā
Allesdurchdringender, Janārdana
sattvādiguṇabhedena
durch die Unterscheidung der Guṇas Sattva und der anderen
lokavyāpārakāraṇa
Ursache des Wirkens der Welt

namaste bahuparupāyārupāya ca mahātmane / sarvaikaruparupāya nirguṇāya guṇātmane

Verehrung dir, dem Vielgestaltigen und dem Gestaltlosen, dem Hochgesinnten, dem in Allem Einen und Vielgestaltigen, dem Eigenschaftslosen, dessen Wesen doch die Eigenschaften sind.

Wort für Wort
namaste bahuparupāya
Verehrung dir, dem Vielgestaltigen
arupāya ca mahātmane
und dem Gestaltlosen, dem Hochgesinnten
sarvaikaruparupāya
dem in Allem Einen und Vielgestaltigen
nirguṇāya guṇātmane
dem Eigenschaftslosen, dessen Wesen die Eigenschaften sind

namaste lokanāthāya paramajñānarupiṇe / sadbhaktajanavātsalyaśāline maṅgalātmane

Verehrung dir, dem Herrn der Welten, dessen Gestalt das höchste Wissen ist, dem, der Zärtlichkeit für seine wahren Verehrer besitzt, dem Heilvollen.

Wort für Wort
namaste lokanāthāya
Verehrung dir, dem Herrn der Welten
paramajñānarupiṇe
dessen Gestalt das höchste Wissen ist
sadbhaktajanavātsalyaśāline
dem, der Zärtlichkeit für seine wahren Verehrer besitzt
maṅgalātmane
dem Heilvollen

yasyāvatārarupāṇi hyarcayanti munīśvarāḥ / tamādipuruṣaṃ devaṃ namāmi hyarthasiddhaye

Dessen Avatāra-Gestalten die Weisenfürsten verehren, jenen Urmenschen, den Gott, verehre ich, auf dass mein Anliegen gelinge.

Wort für Wort
yasyāvatārarupāṇi
dessen Avatāra-Gestalten
hyarcayanti munīśvarāḥ
verehren die Weisenfürsten
tamādipuruṣaṃ devaṃ
jenen Urmenschen, den Gott
namāmi hyarthasiddhaye
verehre ich, auf dass mein Anliegen gelinge

śrutayo yaṃ na jānanti na jānanti ca sūrayaḥ / taṃ namāmi jagaddhetuṃ samāyaṃ cāpyamāyinam

Den weder die heiligen Schriften kennen noch die Weisen kennen, ihn, die Ursache der Welt, den mit Māyā Begabten und doch Māyā-losen, verehre ich.

Wort für Wort
śrutayo yaṃ na jānanti
den die heiligen Schriften nicht kennen
na jānanti ca sūrayaḥ
und den auch die Weisen nicht kennen
taṃ namāmi jagaddhetuṃ
ihn verehre ich, die Ursache der Welt
samāyaṃ cāpyamāyinam
den mit Māyā und doch ohne Māyā

yasyāvalokanaṃ citraṃ māyopadravakāraṇam / jagadrūpaṃ jagaddhetuṃ taṃ vandeṃ sarvavanditam

Ihn, dessen Anblick wunderbar ist, die Ursache des Wirkens der Māyā, die Gestalt der Welt, die Ursache der Welt, ihn verehre ich, den von allen Verehrten.

Wort für Wort
yasyāvalokanaṃ citraṃ
dessen Anblick wunderbar ist
māyopadravakāraṇam
die Ursache des Wirkens der Māyā
jagadrūpaṃ jagaddhetuṃ
die Gestalt der Welt, die Ursache der Welt
taṃ vande sarvavanditam
ihn verehre ich, den von allen Verehrten

yatpādāmbujakiñjalkasevārakṣitamastakāḥ / avāpuḥ paramāṃ siddhiṃ taṃ vande kamalādhavam

Ihn, durch dessen Verehrung des Blütenstaubs seiner Lotosfüße die Häupter der Weisen beschützt sind und die höchste Vollendung erlangten, ihn, den Gemahl der Lotosgöttin, verehre ich.

Wort für Wort
yatpādāmbujakiñjalkasevā
die Verehrung des Blütenstaubs seiner Lotosfüße
rakṣitamastakāḥ
deren Häupter dadurch beschützt sind
avāpuḥ paramāṃ siddhiṃ
erlangten die höchste Vollendung
taṃ vande kamalādhavam
ihn verehre ich, den Gemahl der Lotosgöttin

yasya brahmādayo devā mahimānaṃ na vai viduḥ / atyāsannaṃ ca bhaktānāṃ taṃ vande bhaktasaṃginam

Dessen Größe selbst Brahmā und die anderen Götter fürwahr nicht kennen, und der seinen Verehrern ganz nahe ist, ihn, den Gefährten der Hingebungsvollen, verehre ich.

Wort für Wort
yasya brahmādayo devā
dessen Größe Brahmā und die anderen Götter
mahimānaṃ na vai viduḥ
fürwahr nicht kennen
atyāsannaṃ ca bhaktānāṃ
und der seinen Verehrern ganz nahe ist
taṃ vande bhaktasaṃginam
ihn verehre ich, den Gefährten der Hingebungsvollen

yo devastyaktasaṅgānāṃ śāntānaṃ karuṇārṇavaḥ / karoti hyātmanaḥ saṅgaṃ taṃ devaṃ saṅgavarjitam

Der Gott, der Ozean des Mitleids, der denen, die alle Bindung aufgegeben haben, den Friedvollen, Verbindung mit sich selbst gewährt, ihn, den von Bindung freien Gott, verehre ich.

Wort für Wort
yo devastyaktasaṅgānāṃ
der Gott, der denen, die Bindung aufgegeben haben
śāntānaṃ karuṇārṇavaḥ
den Friedvollen, der Ozean des Mitleids
karoti hyātmanaḥ saṅgaṃ
gewährt Verbindung mit sich selbst
taṃ devaṃ saṅgavarjitam
ihn, den von Bindung freien Gott

yajñeśvaraṃ yajñakarmasu niṣṭitam / namāmi yajñaphaladaṃ yajñakarmaprabodhakam

Den Herrn des Opfers, im Opferwerk fest gegründet, verehre ich, den Geber der Opferfrucht, den Erwecker des Opferwerks.

Wort für Wort
yajñeśvaraṃ
den Herrn des Opfers
yajñakarmasu niṣṭitam
im Opferwerk fest gegründet
namāmi yajñaphaladaṃ
verehre ich, den Geber der Opferfrucht
yajñakarmaprabodhakam
den Erwecker des Opferwerks

[Anm.: Der Vers wirkt metrisch/strukturell unvollständig gegenüber den sonst üblichen zwei vollen Pādas pro Zeile; möglicherweise fehlt im Quelltext ein Textteil.]

ajāmilo 'pi pāpātmā yannāmoccāraṇādanu / prātpavānparamaṃ dhāma taṃ vande lokasākṣiṇam

Selbst der sündige Ajāmila erlangte, allein durch das Aussprechen von dessen Namen, den höchsten Wohnort; ihn, den Zeugen der Welt, verehre ich.

Wort für Wort
ajāmilo 'pi pāpātmā
selbst der sündige Ajāmila
yannāmoccāraṇādanu
allein durch das Aussprechen von dessen Namen
prātpavānparamaṃ dhāma
erlangte den höchsten Wohnort
taṃ vande lokasākṣiṇam
ihn verehre ich, den Zeugen der Welt

harirupī mahādevaḥ śivarupī janārdanaḥ / iti lokasya netā yastaṃ namāmi jagadgurum

Er, der in Hari-Gestalt der große Gott ist, und in Śiva-Gestalt Janārdana ist – so ist er der Führer der Welt; ihn, den Weltenlehrer, verehre ich.

Wort für Wort
harirupī mahādevaḥ
in Hari-Gestalt der große Gott
śivarupī janārdanaḥ
in Śiva-Gestalt Janārdana
iti lokasya netā yas
so ist er der Führer der Welt
taṃ namāmi jagadgurum
ihn verehre ich, den Weltenlehrer

brahmādyā api deveśā yanmāyāpāśayantritāḥ / na jānanti paraṃ bhāvaṃ taṃ vande sarvanāyakam

Selbst Brahmā und die anderen Götterherren, gefesselt an das Netz seiner Māyā, kennen sein höchstes Wesen nicht; ihn, den Führer aller, verehre ich.

Wort für Wort
brahmādyā api deveśā
selbst Brahmā und die anderen Götterherren
yanmāyāpāśayantritāḥ
gefesselt an das Netz seiner Māyā
na jānanti paraṃ bhāvaṃ
kennen sein höchstes Wesen nicht
taṃ vande sarvanāyakam
ihn verehre ich, den Führer aller

hyatpahmastho 'piñyogyānāṃ dūrastha iva bhāsate / pramāṇātītasadbhāvastaṃ vande jñānasākṣiṇam

Der, obwohl im Herzenslotos weilend, den Unwürdigen wie fernstehend erscheint, dessen wahres Sein jenseits aller Erkenntnismittel ist – ihn, den Zeugen des Wissens, verehre ich.

Wort für Wort
hyatpahmastho 'pi
der, obwohl im Herzenslotos weilend
ayogyānāṃ dūrastha iva bhāsate
den Unwürdigen wie fernstehend erscheint
pramāṇātītasadbhāvas
dessen wahres Sein jenseits aller Erkenntnismittel ist
taṃ vande jñānasākṣiṇam
ihn verehre ich, den Zeugen des Wissens

[?] hyatpahmastho: wohl yat padmastho ('der im [Herzens-]Lotos weilende').

yanmukhaḥ drvāhyaṇo jāto bāhubhyāṃ kṣatriyo 'jani / ūrvorvaiśyaḥ samutpannaḥ padyāṃ śūdro 'bhyajāyata

Aus dessen Mund der Brahmane entstand, aus seinen Armen der Kṣatriya entstand, aus seinen Schenkeln der Vaiśya entstand, aus seinen Füßen der Śūdra geboren wurde –

Wort für Wort
yanmukhaḥ brāhyaṇo jāto
aus dessen Mund der Brahmane entstand
bāhubhyāṃ kṣatriyo 'jani
aus den Armen entstand der Kṣatriya
ūrvorvaiśyaḥ samutpannaḥ
aus den Schenkeln entstand der Vaiśya
padbhyāṃ śūdro 'bhyajāyata
aus den Füßen wurde der Śūdra geboren

[?] drvāhyaṇo: wohl brāhmaṇo; padyāṃ: wohl padbhyāṃ. [Anm.: Anspielung auf den Puruṣasūkta-Mythos (Ṛgveda 10.90) von der Entstehung der vier Stände aus dem Urwesen.]

manasaścandramā jāto jātaḥ sūryaśca cakṣuṣaḥ / mukhādagnistarthendraśca prāṇādvāyurajāyata

– aus dem Geist entstand der Mond, aus dem Auge entstand die Sonne, aus dem Mund entstand das Feuer und ebenso Indra, aus dem Atem wurde der Wind geboren.

Wort für Wort
manasaścandramā jāto
aus dem Geist entstand der Mond
jātaḥ sūryaśca cakṣuṣaḥ
und aus dem Auge entstand die Sonne
mukhādagnistathendraśca
aus dem Mund das Feuer und ebenso Indra
prāṇādvāyurajāyata
aus dem Atem wurde der Wind geboren

[Anm.: Fortsetzung des Puruṣasūkta-Motivs; vgl. Ṛgveda 10.90.13.]

ṛgyajuḥsāmarupāya satyasvaragatātmane / ṣaḍaṅgarupiṇe tubhyaṃ bhūyobhūyo namo namaḥ

Dir, dessen Gestalt Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda sind, dessen Wesen im wahren Klang des Veda gegründet ist, dessen Gestalt die sechs Veda-Glieder sind – immer wieder Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
ṛgyajuḥsāmarupāya
dem, dessen Gestalt Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda sind
satyasvaragatātmane
dessen Wesen im wahren Klang gegründet ist
ṣaḍaṅgarupiṇe tubhyaṃ
dir, dessen Gestalt die sechs Veda-Glieder sind
bhūyobhūyo namo namaḥ
immer wieder Verehrung, Verehrung

tvamindraḥ pavanaḥ somastvamīśānastvamantakaḥ / tvamagnirnirṛtiścaiva varuṇastvaṃ divākaraḥ

Du bist Indra, der Wind, Soma; du bist Īśāna, du bist der Todesgott; du bist Agni und ebenso Nirṛti, Varuṇa, du bist die Sonne.

Wort für Wort
tvamindraḥ pavanaḥ somas
du bist Indra, der Wind, Soma
tvamīśānastvamantakaḥ
du bist Īśāna, du bist der Todesgott
tvamagnirnirṛtiścaiva
du bist Agni und ebenso Nirṛti
varuṇastvaṃ divākaraḥ
Varuṇa, du bist die Sonne

devāśca sthāvarāścaiva piśācāścaiva rākṣasāḥ / girayaḥ siddhagandharvānadyo bhūmiśca sāgarāḥ

Du bist die Götter und ebenso die unbeweglichen Wesen, die Piśācas und die Rākṣasas, die Berge, Siddhas und Gandharvas, die Flüsse, die Erde und die Ozeane.

Wort für Wort
devāśca sthāvarāścaiva
die Götter und die unbeweglichen Wesen
piśācāścaiva rākṣasāḥ
die Piśācas und die Rākṣasas
girayaḥ siddhagandharvā
die Berge, Siddhas und Gandharvas
nadyo bhūmiśca sāgarāḥ
die Flüsse, die Erde und die Ozeane

tvameva jagatāmīśo yatrāsi tvaṃ parātparaḥ / tvadrūpamakhilaṃ deva tasmānnityaṃ namo 'stu te

Du allein bist der Herr der Welten, wo du bist, dort bist du der Höchste über dem Höchsten; deine Gestalt ist das Ganze, o Gott – deshalb sei dir immerdar Verehrung!

Wort für Wort
tvameva jagatāmīśo
du allein bist der Herr der Welten
yatrāsi tvaṃ parātparaḥ
wo du bist, dort bist du der Höchste über dem Höchsten
tvadrūpamakhilaṃ deva
deine Gestalt ist das Ganze, o Gott
tasmānnityaṃ namo 'stu te
deshalb sei dir immerdar Verehrung

anāthānātha sarvajña bhūtadevendravigraha / daiteyairbādhitānputrānmama pāhi janārdana

O Zuflucht der Herrenlosen, Allwissender, dessen Wesen Wesen, Götter und Indra umfasst, beschütze meine von den Daityas bedrängten Söhne, Janārdana!

Wort für Wort
anāthānātha sarvajña
o Zuflucht der Herrenlosen, Allwissender
bhūtadevendravigraha
dessen Wesen Wesen, Götter und Indra umfasst
daiteyairbādhitānputrān
meine von den Daityas bedrängten Söhne
mama pāhi janārdana
beschütze, Janārdana

[?] anāthānātha: hier als 'Zuflucht/Herr der Herrenlosen' gedeutet; bhūtadevendravigraha: Sinn unsicher.

iti stutvā devamātā devaṃ natvā punaḥ punaḥ / uvāca prāñjalirbhūtvā harṣāśrukṣālitastanī

So den Gott lobpreisend, immer wieder sich verneigend, sprach die Göttermutter, die Hände gefaltet, ihre Brust von Freudentränen benetzt:

Wort für Wort
iti stutvā devamātā
so den Gott lobpreisend, die Göttermutter
devaṃ natvā punaḥ punaḥ
sich immer wieder vor dem Gott verneigend
uvāca prāñjalirbhūtvā
sprach sie, die Hände gefaltet
harṣāśrukṣālitastanī
ihre Brust von Freudentränen benetzt

anugrāhyāsmi deveṃśa tvayā sarvādikāraṇa / akaṇṭakāṃ śriyāṃ dehi matsutānāṃ divaukasām

'Ich bin deiner Gnade würdig, Herr der Götter, Ursache von allem! Gib meinen Söhnen, den Himmelsbewohnern, ungestörte Herrschaft.'

Wort für Wort
anugrāhyāsmi deveṃśa
ich bin deiner Gnade würdig, Herr der Götter
tvayā sarvādikāraṇa
durch dich, Ursache von allem
akaṇṭakāṃ śriyāṃ dehi
gib ungestörte Herrschaft
matsutānāṃ divaukasām
meinen Söhnen, den Himmelsbewohnern

antaryyāmiñjagadrūpa sarvajñā parameśvara / ajñātaṃ kiṃ tava śrīśa kiṃ māmīhayasi prabho

'O innerer Lenker, dessen Gestalt die Welt ist, Allwissender, höchster Herr – was ist dir, Herr der Śrī, unbekannt? Warum lässt du mich erst noch bitten, o Herr?'

Wort für Wort
antaryyāmiñjagadrūpa
o innerer Lenker, dessen Gestalt die Welt ist
sarvajñā parameśvara
Allwissender, höchster Herr
ajñātaṃ kiṃ tava śrīśa
was ist dir, Herr der Śrī, unbekannt
kiṃ māmīhayasi prabho
warum lässt du mich [erst noch] bitten, Herr

tathāpi tava vakṣyāmi yanme manasi rocate / vṛthāputrāsmi deveśa daiteyaiḥ paripīḍitā

'Dennoch will ich dir sagen, was mir im Sinn gefällt: Vergeblich habe ich Söhne, Herr der Götter, da sie von den Daityas bedrängt sind.'

Wort für Wort
tathāpi tava vakṣyāmi
dennoch will ich dir sagen
yanme manasi rocate
was mir im Sinn gefällt
vṛthāputrāsmi deveśa
vergeblich habe ich Söhne, Herr der Götter
daiteyaiḥ paripīḍitā
da sie von den Daityas bedrängt sind

[?] vṛthāputrāsmi: sinngemäß 'vergeblich bin ich mit Söhnen [gesegnet]'.

tānna hiṃsitumicchāmi yataste 'pi sutā mama / tānahatvā śriyaṃ dehi matsutebhyaḥ sureśvara

'Sie zu vernichten wünsche ich nicht, denn auch sie sind meine Söhne. Ohne sie zu töten, gib meinen Söhnen die Herrschaft, o Götterherr.'

Wort für Wort
tānna hiṃsitumicchāmi
sie zu vernichten wünsche ich nicht
yataste 'pi sutā mama
denn auch sie sind meine Söhne
tānahatvā śriyaṃ dehi
ohne sie zu töten, gib die Herrschaft
matsutebhyaḥ sureśvara
meinen Söhnen, o Götterherr

ityukto devedeveśaḥ punaḥ prītimupāgataḥ / uvāca harṣayanvipra devamātaramādarāt

So angesprochen, wiederum von Freude erfüllt, sprach der Gott der Götter, o Brahmane, die Göttermutter erheiternd, mit Ehrerbietung:

Wort für Wort
ityukto devedeveśaḥ
so angesprochen, der Gott der Götter
punaḥ prītimupāgataḥ
wiederum von Freude erfüllt
uvāca harṣayanvipra
sprach, erheiternd, o Brahmane
devamātaramādarāt
die Göttermutter, mit Ehrerbietung

śrībhagavānuvāca prīto 'smi devi bhadraṃ te bhaviṣyāmi suto hyaham / yataḥ sapantiputreṣu vātsalyaṃ devi durlabham

Der erhabene Herr sprach: 'Ich bin zufrieden, Göttin, Heil sei dir – ich werde fürwahr dein Sohn sein, denn Zärtlichkeit für alle Söhne gleichermaßen ist selten, o Göttin.'

Wort für Wort
prīto 'smi devi bhadraṃ te
ich bin zufrieden, Göttin, Heil sei dir
bhaviṣyāmi suto hyaham
ich werde fürwahr dein Sohn sein
yataḥ sapantiputreṣu
denn für die Söhne aller [Lesung unsicher]
vātsalyaṃ devi durlabham
ist Zärtlichkeit selten, o Göttin

[?] sapantiputreṣu: Lesung unsicher, etwa 'für die Söhne aller [Gattinnen] gleichermaßen'.

tvayā tu yatkṛtaṃ stotraṃ tatpaṭhānti narāstu ye / teṣāṃ saṃpadvarā putrā na hīyante kadācana

'Diejenigen Menschen aber, die die von dir verfasste Lobpreisung rezitieren, deren Wohlstand und vortreffliche Söhne schwinden niemals dahin.'

Wort für Wort
tvayā tu yatkṛtaṃ stotraṃ
die von dir verfasste Lobpreisung aber
tatpaṭhānti narāstu ye
diejenigen Menschen, die sie rezitieren
teṣāṃ saṃpadvarā putrā
deren Wohlstand und vortreffliche Söhne
na hīyante kadācana
schwinden niemals dahin

tvātmaje vānyaputre vā yaḥ samatvena vartate / na tasya putraśokaḥ syādeṣa dharmaḥ sanātanaḥ

'Wer sich zum eigenen Sohn wie zum Sohn eines anderen gleichmütig verhält, dem widerfährt kein Kummer um Söhne – das ist der ewige Dharma.'

Wort für Wort
tvātmaje vānyaputre vā
zum eigenen Sohn oder zum Sohn eines anderen
yaḥ samatvena vartate
wer sich gleichmütig verhält
na tasya putraśokaḥ syād
dem widerfährt kein Kummer um Söhne
eṣa dharmaḥ sanātanaḥ
das ist der ewige Dharma

aditiruvāca tāha voḍhuṃ kṣamā deva tvāmādyapuruṣaṃ param / asaṃkhyātāṇḍaromāṇaṃ sarveśaṃ sarvakāraṇam

Aditi sprach: 'Wie vermöchte ich fürwahr dich zu tragen, o Gott, den höchsten Urmenschen, an dessen Körperhaaren unzählige Welteneier hängen, den Herrn von allem, die Ursache von allem?'

Wort für Wort
tāha voḍhuṃ kṣamā deva
wie vermöchte ich [dich] zu tragen, o Gott
tvāmādyapuruṣaṃ param
dich, den höchsten Urmenschen
asaṃkhyātāṇḍaromāṇaṃ
an dessen Haaren unzählige Welteneier [hängen]
sarveśaṃ sarvakāraṇam
den Herrn von allem, die Ursache von allem

[?] tāha: wohl kathaṃ ('wie').

yatprabhāvaṃ na jānanti śrutayaḥ sarvadevatāḥ / tamahaṃ devadeveśaṃ dhārayāma kithaṃ prabho

'Dessen Macht weder die heiligen Schriften noch alle Götter kennen, wie sollte ich dich, den Gott der Götter, tragen können, o Herr?'

Wort für Wort
yatprabhāvaṃ na jānanti
dessen Macht nicht kennen
śrutayaḥ sarvadevatāḥ
die heiligen Schriften, alle Götter
tamahaṃ devadeveśaṃ
ihn, den Gott der Götter, ich
dhārayāma kithaṃ prabho
wie sollte ich tragen, Herr

[?] kithaṃ: wohl kathaṃ.

aṇoraṇīyāṃsamajaṃ parātparataraṃ prabhum / dhārayāmi kathaṃ deva tvāmahaṃ puruṣottamam

'Wie sollte ich dich tragen, o Gott, den feiner als das Feinste, den Ungeborenen, den noch höher als der Höchste Stehenden, den höchsten Menschen?'

Wort für Wort
aṇoraṇīyāṃsamajaṃ
den feiner als das Feinste, den Ungeborenen
parātparataraṃ prabhum
den noch höher als der Höchste Stehenden Herrn
dhārayāmi kathaṃ deva
wie sollte ich tragen, o Gott
tvāmahaṃ puruṣottamam
dich, den höchsten Menschen

mahāyātakayukto 'pi yannāmasmṛtimātrataḥ / mucyate sa kathaṃ devogrāmyeṣu janimarhati

'Selbst der mit großen Sünden Behaftete wird allein durch das Gedenken an deinen Namen befreit – wie sollte da ein solcher Gott es verdienen, unter gewöhnlichen Wesen geboren zu werden?'

Wort für Wort
mahāyātakayukto 'pi
selbst der mit großen Sünden Behaftete
yannāmasmṛtimātrataḥ
allein durch das Gedenken an dessen Namen
mucyate sa kathaṃ devo
wird befreit; wie sollte da ein solcher Gott
grāmyeṣu janimarhati
unter gewöhnlichen Wesen Geburt verdienen

[?] mahāyātakayukto: wohl mahāpātakayukto.

yathā śūkaramatsyādyā avatārāstava prabho / tathāyamapi ko veda tava viśveśa ceṣṭitam

'Wie deine Avatāras als Eber, Fisch und die anderen waren, o Herr, so ist es auch mit diesem jetzigen – wer kennt dein Wirken, o Herr des Alls?'

Wort für Wort
yathā śūkaramatsyādyā
wie [die als] Eber, Fisch und die anderen
avatārāstava prabho
deine Avatāras, o Herr
tathāyamapi ko veda
so auch dieser; wer kennt
tava viśveśa ceṣṭitam
dein Wirken, o Herr des Alls

tvatpādapahmapraṇatātvannāmasmṛtitatparā / tvāmeva cintaye deva yathecchāsi tathā kuru

'Vor deinen Lotosfüßen mich verneigend, auf das Gedenken deines Namens bedacht, denke ich allein an dich, o Gott – wie du willst, so handle.'

Wort für Wort
tvatpādapahmapraṇatā
vor deinen Lotosfüßen mich verneigend
tvannāmasmṛtitatparā
auf das Gedenken deines Namens bedacht
tvāmeva cintaye deva
denke ich allein an dich, o Gott
yathecchāsi tathā kuru
wie du willst, so handle

[?] pahmapraṇatā: wohl padmapraṇatā.

sanaka uvāca tayoktaṃ vacanaṃ śrutvā devadevo janārdanaḥ / dattvābhayaṃ devamāturidaṃ vacanamabravīt

Sanaka sprach: Als er die von ihr gesprochenen Worte gehört hatte, sprach der Gott der Götter, Janārdana, der Göttermutter Schutz gewährend, dieses Wort:

Wort für Wort
tayoktaṃ vacanaṃ śrutvā
die von ihr gesprochenen Worte gehört habend
devadevo janārdanaḥ
der Gott der Götter, Janārdana
dattvābhayaṃ devamātur
der Göttermutter Schutz gewährend
idaṃ vacanamabravīt
sprach er dieses Wort

śrībhagavānuvāca satyamuktaṃ mahābhāge tvayā nāstyatra saṃśayaḥ / tathāpi śṛṇu vakṣyāmi guhyādguhyataraṃ śubhe

Der erhabene Herr sprach: 'Wahr ist, was du gesagt hast, Hochbeglückte, daran besteht kein Zweifel. Dennoch höre, ich will dir etwas Geheimeres als das Geheimste verkünden, o Heilvolle.'

Wort für Wort
satyamuktaṃ mahābhāge
wahr ist, was gesagt wurde, Hochbeglückte
tvayā nāstyatra saṃśayaḥ
von dir, daran besteht kein Zweifel
tathāpi śṛṇu vakṣyāmi
dennoch höre, ich will verkünden
guhyādguhyataraṃ śubhe
Geheimeres als das Geheimste, o Heilvolle

rāgadveṣavihīnā ye madbhaktā matparāyaṇāḥ / vaṃhati satataṃ teṃ māṃ gatāsūyā adāmbhikāḥ

'Diejenigen meiner Verehrer, die frei von Leidenschaft und Hass, mir ergeben, frei von Missgunst und ohne Heuchelei sind, die tragen mich beständig in sich.'

Wort für Wort
rāgadveṣavihīnā ye
diejenigen, die frei von Leidenschaft und Hass sind
madbhaktā matparāyaṇāḥ
meine Verehrer, mir ergeben
vaṃhati satataṃ teṃ māṃ
die tragen mich beständig
gatāsūyā adāmbhikāḥ
frei von Missgunst, ohne Heuchelei

[?] vaṃhati: wohl vahanti.

paropatāpavimukhāḥ śivabhaktiparāyaṇaḥ / matkathāśravaṇāsaktā vahanti satataṃ hi mām

'Diejenigen, die sich abwenden, anderen Schmerz zuzufügen, die der Śiva-Hingabe ergeben sind, die dem Hören von Erzählungen über mich zugetan sind, die tragen mich fürwahr beständig.'

Wort für Wort
paropatāpavimukhāḥ
die sich abwenden, anderen Schmerz zuzufügen
śivabhaktiparāyaṇaḥ
die der Śiva-Hingabe ergeben sind
matkathāśravaṇāsaktā
die dem Hören von Erzählungen über mich zugetan sind
vahanti satataṃ hi mām
die tragen mich fürwahr beständig

pativratāḥ pariprāṇāḥ patibhaktiparāyaṇāḥ / vahanti satataṃ devi striyo 'pi tyaktapratsarāḥ

'Auch Frauen, die dem Gatten treu ergeben sind, ihn wie ihr eigenes Leben lieben, der Hingabe an den Gatten ergeben sind und Neid abgelegt haben, tragen mich, Göttin, beständig.'

Wort für Wort
pativratāḥ pariprāṇāḥ
dem Gatten treu ergeben, ihn wie ihr eigenes Leben liebend
patibhaktiparāyaṇāḥ
der Hingabe an den Gatten ergeben
vahanti satataṃ devi
tragen beständig, Göttin
striyo 'pi tyaktapratsarāḥ
auch Frauen, die Neid abgelegt haben

[?] tyaktapratsarāḥ: wohl tyaktamatsarāḥ.

mātāpitrośca śuśrūṣurgurubhakto 'tithipriyaḥ / hitakṛdvāhyaṇānāṃ yaḥ sa māṃ vahati sarvadā

'Wer Vater und Mutter dient, dem Guru ergeben, dem Gast zugetan ist und den Brahmanen wohltut, der trägt mich stets.'

Wort für Wort
mātāpitrośca śuśrūṣur
und wer Vater und Mutter dient
gurubhakto 'tithipriyaḥ
dem Guru ergeben, dem Gast zugetan
hitakṛdvāhyaṇānāṃ yaḥ
wer den Brahmanen wohltut
sa māṃ vahati sarvadā
der trägt mich stets

[?] vāhyaṇānāṃ: wohl brāhmaṇānāṃ.

puṇyatīrtharatā nityaṃ satsaṅganiratāstathā / lokānugrahaśīlāśca satataṃ te vahanti mām

'Diejenigen, die stets den heiligen Pilgerstätten zugetan sind, ebenso der Gemeinschaft der Guten hingegeben, und deren Wesen darin besteht, der Welt Gutes zu tun, die tragen mich beständig.'

Wort für Wort
puṇyatīrtharatā nityaṃ
stets den heiligen Pilgerstätten zugetan
satsaṅganiratāstathā
ebenso der Gemeinschaft der Guten hingegeben
lokānugrahaśīlāśca
und deren Wesen darin besteht, der Welt Gutes zu tun
satataṃ te vahanti mām
die tragen mich beständig

paropakāraviratāḥ paradravyaparāṅmukhāḥ / naṣuṃsakāḥ parastrīṣu te vahanti ca māṃ sadā

'Diejenigen, die sich der Hilfeleistung für andere widmen, die sich vom Eigentum anderer abwenden, die gegenüber fremden Frauen wie machtlos sind, die tragen mich auch stets.'

Wort für Wort
paropakāraviratāḥ
die sich der Hilfeleistung für andere widmen
paradravyaparāṅmukhāḥ
die sich vom Eigentum anderer abwenden
naṣuṃsakāḥ parastrīṣu
die gegenüber fremden Frauen wie machtlos sind
te vahanti ca māṃ sadā
die tragen mich auch stets

[?] naṣuṃsakāḥ: wohl napuṃsakāḥ, hier im übertragenen Sinn von 'enthaltsam' verstanden.

tulasyupāsanaratāḥ sadā nāmaparāyaṇāḥ / gorakṣaṇaparā ye ca satataṃ māṃ vahanti te

'Diejenigen, die der Tulasī-Verehrung zugetan sind, stets dem Gottesnamen ergeben, und die dem Schutz der Kühe zugetan sind, die tragen mich beständig.'

Wort für Wort
tulasyupāsanaratāḥ
die der Tulasī-Verehrung zugetan sind
sadā nāmaparāyaṇāḥ
stets dem [Gottes-]Namen ergeben
gorakṣaṇaparā ye ca
und die dem Schutz der Kühe zugetan sind
satataṃ māṃ vahanti te
die tragen mich beständig

pratigrahanivṛttā ye parānnavimukhāstathā / annodakapradātāro vahṝnti satataṃ hi mām

'Diejenigen, die vom unrechtmäßigen Annehmen von Geschenken abgelassen haben und die sich von fremder Speise abwenden, die Speise und Wasser spenden, die tragen mich fürwahr beständig.'

Wort für Wort
pratigrahanivṛttā ye
diejenigen, die vom Annehmen von Geschenken abgelassen haben
parānnavimukhāstathā
und die sich von fremder Speise abwenden
annodakapradātāro
die Speise und Wasser spenden
vahṝnti satataṃ hi mām
die tragen mich fürwahr beständig

tvaṃ tu devi patiprāṇā sādhvī bhūtahite ratā / saṃprāpya putrabhāvaṃ te sādhayiṣye manoratham

'Du aber, Göttin, dem Gatten wie dem eigenen Leben ergeben, tugendhaft, dem Wohl der Wesen zugetan, dir werde ich, nachdem ich die Sohnschaft erlangt habe, deinen Herzenswunsch erfüllen.'

Wort für Wort
tvaṃ tu devi patiprāṇā
du aber, Göttin, dem Gatten wie dem eigenen Leben ergeben
sādhvī bhūtahite ratā
tugendhaft, dem Wohl der Wesen zugetan
saṃprāpya putrabhāvaṃ
nachdem ich die Sohnschaft erlangt habe
te sādhayiṣye manoratham
werde ich deinen Herzenswunsch erfüllen

ityuktvā devedevaśo hyaditiṃ devamātaram / dattvā kaṇṭhagatāṃ mālāmabhayaṃ ca tirodadhe

So zu Aditi, der Göttermutter, gesprochen habend, gab ihr der Gott der Götter seine um den Hals getragene Girlande und Schutz vor Furcht und verschwand.

Wort für Wort
ityuktvā devedevaśo
so gesprochen habend, der Gott der Götter
hyaditiṃ devamātaram
zu Aditi, der Göttermutter
dattvā kaṇṭhagatāṃ mālām
ihr die um den Hals getragene Girlande gebend
abhayaṃ ca tirodadhe
und Schutz vor Furcht, verschwand er

sā tu saṃhṛṣṭamanasā devasīrdakṣanandinī / praṇamya kamalākāntaṃ punaḥ svasthaānamāvrajat

Sie aber, hocherfreuten Sinnes, die Göttermutter, Dakṣas Tochter, verneigte sich vor dem Gemahl der Lotosgöttin und kehrte wieder an ihren eigenen Ort zurück.

Wort für Wort
sā tu saṃhṛṣṭamanasā
sie aber, hocherfreuten Sinnes
devasīrdakṣanandinī
die Göttermutter, Dakṣas Tochter
praṇamya kamalākāntaṃ
den Gemahl der Lotosgöttin verehrend
punaḥ svasthaānamāvrajat
kehrte sie wieder an ihren eigenen Ort zurück

[?] devasīr: wohl devamātā.

tato 'ditirmahābhāgā suprītā lokavanditā / asūta samaye putraṃ sarvalokanamaskṛtam

Darauf gebar Aditi, die Hochbeglückte, sehr erfreute, von der Welt Verehrte, zur rechten Zeit einen Sohn, der von aller Welt verehrt wurde.

Wort für Wort
tato 'ditirmahābhāgā
darauf Aditi, die Hochbeglückte
suprītā lokavanditā
sehr erfreute, von der Welt Verehrte
asūta samaye putraṃ
gebar zur rechten Zeit einen Sohn
sarvalokanamaskṛtam
der von aller Welt verehrt wurde

śaṅgacakradharaṃ śāntaṃ candramaṇḍalamadhyagam / sudhākalaśadadhyannakaraṃ vāmanasaṃjñitam

Den Muschelhorn- und Diskusträger, friedvoll, strahlend wie inmitten der Mondscheibe, mit einem Krug voll Amṛta und Nahrung in der Hand, mit Namen Vāmana.

Wort für Wort
śaṅgacakradharaṃ śāntaṃ
den Muschelhorn- und Diskusträger, friedvoll
candramaṇḍalamadhyagam
inmitten der Mondscheibe [strahlend]
sudhākalaśadadhyannakaraṃ
mit einem Krug voll Amṛta und Nahrung in der Hand
vāmanasaṃjñitam
mit Namen Vāmana

[?] śaṅgacakradharaṃ: wohl śaṅkhacakradharaṃ. Die Zusammensetzung 'sudhākalaśadadhyannakaraṃ' bleibt in ihrer genauen Auflösung unsicher.

sahasrādityasaṃkāśaṃ vyākośakamalekṣaṇam / sarvābharaṇaṃsaṃyuktaṃ pītāmbaradharaṃ harim

Ihn, dem Glanz von tausend Sonnen gleich, mit Augen wie ein sich öffnender Lotos, mit allem Schmuck geschmückt, gelbe Gewänder tragend, Hari.

Wort für Wort
sahasrādityasaṃkāśaṃ
dem Glanz von tausend Sonnen gleich
vyākośakamalekṣaṇam
mit Augen wie ein sich öffnender Lotos
sarvābharaṇaṃsaṃyuktaṃ
mit allem Schmuck geschmückt
pītāmbaradharaṃ harim
gelbe Gewänder tragend, Hari

stutyaṃ munigaṇairyuktaṃ sarvalokaikanāyakam / āvirbhūtaṃ hariṃ jñātvā kaśyapo harṣavihvalaḥ / praṇamya prañjalirbhūtva stotuṃ samupacakrame

Als Kaśyapa erkannte, dass Hari, würdig des Lobpreises der Scharen der Weisen, der einzige Führer aller Welten, erschienen war, begann er, sich verneigend, die Hände gefaltet, überwältigt von Freude, ihn zu preisen.

Wort für Wort
stutyaṃ munigaṇairyuktaṃ
würdig des Lobpreises der Scharen der Weisen
sarvalokaikanāyakam
der einzige Führer aller Welten
āvirbhūtaṃ hariṃ jñātvā
als er erkannte, dass Hari erschienen war
kaśyapo harṣavihvalaḥ
Kaśyapa, überwältigt von Freude
praṇamya prañjalirbhūtva
sich verneigend, die Hände gefaltet
stotuṃ samupacakrame
begann er zu preisen

[Anm.: Der Vers umfasst im Quelltext drei Pādas statt der üblichen zwei.]

kaśyapa uvāca namonamaste 'khilakāraṇāya namonamaste 'khailapālakāya / namonamaste 'maranāyakāya namonamo daiteyavināśanāya

Kaśyapa sprach: Verehrung, Verehrung dir, der Ursache von allem; Verehrung, Verehrung dir, dem Beschützer des Ganzen; Verehrung, Verehrung dir, dem Führer der Unsterblichen; Verehrung, Verehrung dem Vernichter der Daityas.

Wort für Wort
namonamaste 'khilakāraṇāya
Verehrung, Verehrung dir, der Ursache von allem
namonamaste 'khailapālakāya
Verehrung, Verehrung dir, dem Beschützer des Ganzen
namonamaste 'maranāyakāya
Verehrung, Verehrung dir, dem Führer der Unsterblichen
namonamo daiteyavināśanāya
Verehrung, Verehrung dem Vernichter der Daityas

namonamo bhaktajanapriyāya namonamaḥ sajjanarañjitāya / namonamo durjananāśanāya namo 'stu tasmai jagadīśvarāya

Verehrung, Verehrung dem, der seinen Verehrern lieb ist; Verehrung, Verehrung dem, der von den Guten erfreut wird; Verehrung, Verehrung dem Vernichter der Bösen; Verehrung sei jenem, dem Herrn der Welt.

Wort für Wort
namonamo bhaktajanapriyāya
Verehrung, Verehrung dem, der seinen Verehrern lieb ist
namonamaḥ sajjanarañjitāya
Verehrung, Verehrung dem, der von den Guten erfreut wird
namonamo durjananāśanāya
Verehrung, Verehrung dem Vernichter der Bösen
namo 'stu tasmai jagadīśvarāya
Verehrung sei jenem, dem Herrn der Welt

namonamaḥ kāraṇavāmanāya nārāyaṇāyāmitavikramāya / saśārṅgacakrāsigadādhārāya namo 'stu tasmai puruṣottamāya

Verehrung, Verehrung dem aus einem Grund heraus Zwerggestaltigen, Nārāyaṇa, dem von unermesslicher Kraft, dem Träger von Bogen, Diskus, Schwert und Keule; Verehrung sei jenem, dem höchsten Menschen.

Wort für Wort
namonamaḥ kāraṇavāmanāya
Verehrung, Verehrung dem aus einem Grund heraus Zwerggestaltigen
nārāyaṇāyāmitavikramāya
Nārāyaṇa, dem von unermesslicher Kraft
saśārṅgacakrāsigadādhārāya
dem Träger von Bogen, Diskus, Schwert und Keule
namo 'stu tasmai puruṣottamāya
Verehrung sei jenem, dem höchsten Menschen

namaḥ payorāśinivāsanāya namo 'stu saddhṛtkamalasthitāya / namo 'stu sūryādyamitaprabhāya namonamaḥ puṇyakathāgatāya

Verehrung dem, der im Milchozean wohnt; Verehrung dem, der im Lotos des Herzens der Guten weilt; Verehrung dem, dessen Glanz unermesslich ist wie Sonne und Sterne; Verehrung, Verehrung dem, der in heiligen Erzählungen gegenwärtig ist.

Wort für Wort
namaḥ payorāśinivāsanāya
Verehrung dem, der im Milchozean wohnt
namo 'stu saddhṛtkamalasthitāya
Verehrung dem, der im Lotos des Herzens der Guten weilt
namo 'stu sūryādyamitaprabhāya
Verehrung dem, dessen Glanz unermesslich ist wie Sonne und Sterne
namonamaḥ puṇyakathāgatāya
Verehrung, Verehrung dem, der in heiligen Erzählungen gegenwärtig ist

namonamor'kenduvilocanāya namo 'stu te yajñaphalapradāya / namo 'stu yajñāṅgavirājitāya namo 'stu te sajjanavallabhāya

Verehrung, Verehrung dem, dessen Augen Sonne und Mond sind; Verehrung dir, dem Geber der Opferfrucht; Verehrung dem, der von den Opfergliedern geschmückt wird; Verehrung dir, dem Geliebten der Guten.

Wort für Wort
namonamor'kenduvilocanāya
Verehrung, Verehrung dem, dessen Augen Sonne und Mond sind
namo 'stu te yajñaphalapradāya
Verehrung dir, dem Geber der Opferfrucht
namo 'stu yajñāṅgavirājitāya
Verehrung dem, der von den Opfergliedern geschmückt wird
namo 'stu te sajjanavallabhāya
Verehrung dir, dem Geliebten der Guten

namo jagatkāraṇakāraṇāya namo 'stu śabdādivivarjitāya / namo 'stu te divyasukhapradāya namo namo bhaktamanogatāya

Verehrung der Ursache der Ursache der Welt; Verehrung dem, der frei ist von Klang und den anderen Sinnesqualitäten; Verehrung dir, dem Geber göttlichen Glücks; Verehrung, Verehrung dem, der in den Sinn der Verehrer eingeht.

Wort für Wort
namo jagatkāraṇakāraṇāya
Verehrung der Ursache der Ursache der Welt
namo 'stu śabdādivivarjitāya
Verehrung dem, der frei ist von Klang und den anderen [Sinnesqualitäten]
namo 'stu te divyasukhapradāya
Verehrung dir, dem Geber göttlichen Glücks
namo namo bhaktamanogatāya
Verehrung, Verehrung dem, der in den Sinn der Verehrer eingeht

namo 'stu te dhvāntavināśakāya namo 'stu śabdādivivarjitāya / namo 'stu te dhvāntavināśakāya mandaradhārakāya / namo 'stu te yajñavarāhanāmne namo hiraṇyākṣavidārakāya

Verehrung dir, dem Vertreiber der Finsternis; Verehrung dem, der frei ist von Klang und den anderen Sinnesqualitäten; Verehrung dir, dem Vertreiber der Finsternis, dem Träger des Mandara-Berges; Verehrung dir, dessen Name der Opfer-Eber ist, Verehrung dem Zerreißer des Hiraṇyākṣa.

Wort für Wort
namo 'stu te dhvāntavināśakāya
Verehrung dir, dem Vertreiber der Finsternis
namo 'stu śabdādivivarjitāya
Verehrung dem, der frei von Klang und dergleichen ist [Wiederholung aus V.77]
namo 'stu te dhvāntavināśakāya mandaradhārakāya
Verehrung dir, dem Vertreiber der Finsternis, dem Träger des Mandara-Berges
namo 'stu te yajñavarāhanāmne
Verehrung dir, dessen Name der Opfer-Eber ist
namo hiraṇyākṣavidārakāya
Verehrung dem Zerreißer des Hiraṇyākṣa

[Anm.: Der Vers ist im Quelltext ungewöhnlich lang (drei Pādas statt zwei) und enthält eine wörtliche Wiederholung der Wendung 'namo 'stu śabdādivivarjitāya' aus V.77 sowie eine Doppelung von 'namo 'stu te dhvāntavināśakāya'; vermutlich eine Schreiber-Dittographie. Beide Vorkommen wurden im sa-Feld dokumentiert, in der Übersetzung ohne weitere Kürzung wiedergegeben.]

namo 'stu te vāmanarupabhāje namo 'stu te kṣatrakulāntakāya / namo 'stu te rāvaṇamardanāya namo 'stu te nandasutāgrajāya

Verehrung dir, der die Vāmana-Gestalt angenommen hat; Verehrung dir, dem Vernichter des Kṣatriya-Geschlechts; Verehrung dir, dem Zermalmer Rāvaṇas; Verehrung dir, dem älteren Bruder des Sohnes Nandas.

Wort für Wort
namo 'stu te vāmanarupabhāje
Verehrung dir, der die Vāmana-Gestalt angenommen hat
namo 'stu te kṣatrakulāntakāya
Verehrung dir, dem Vernichter des Kṣatriya-Geschlechts
namo 'stu te rāvaṇamardanāya
Verehrung dir, dem Zermalmer Rāvaṇas
namo 'stu te nandasutāgrajāya
Verehrung dir, dem älteren Bruder des Sohnes Nandas

[Anm.: Die Anrufung reiht mehrere Avatāra-Gestalten Viṣṇus aneinander: Vāmana, Paraśurāma ('Vernichter des Kṣatriya-Geschlechts'), Rāma ('Zermalmer Rāvaṇas') und Balarāma/Kṛṣṇa (bezogen auf Nandas Sohn Kṛṣṇa).]

namaste kamalākānta namaste sukhadāyine / smṛtārtināśine tubhyaṃ bhūyo bhūyo namonamaḥ

Verehrung dir, Gemahl der Lotosgöttin, Verehrung dir, dem Geber des Glücks; dir, der die Not dessen vernichtet, der deiner gedenkt, immer wieder Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
namaste kamalākānta
Verehrung dir, Gemahl der Lotosgöttin
namaste sukhadāyine
Verehrung dir, dem Geber des Glücks
smṛtārtināśine tubhyaṃ
dir, der die Not dessen vernichtet, der deiner gedenkt
bhūyo bhūyo namonamaḥ
immer wieder Verehrung, Verehrung

yajñeśa yajñavinyāsa yajñavinghavināśana / yajñarupa yajadrūpa yajñāṅgaṃ tvāṃ yajāmyaham

O Herr des Opfers, der du das Opfer anordnest, Vernichter der Opferhindernisse, Opfergestaltiger, du, dessen eigenes Wesen das Opfer ist – dich, das Opferglied, verehre ich mit einem Opfer.

Wort für Wort
yajñeśa yajñavinyāsa
o Herr des Opfers, der du das Opfer anordnest
yajñavinghavināśana
Vernichter der Opferhindernisse
yajñarupa yajadrūpa
Opfergestaltiger, [dessen Wesen] das Opfer[nde] ist
yajñāṅgaṃ tvāṃ yajāmyaham
dich, das Opferglied, verehre ich mit einem Opfer

[?] yajadrūpa: Lesung/Sinn unsicher.

iti stutaḥ sa deveśo vāmano lokapāvanaḥ // uvāca prahasanharṣaṃ vardhdayankaśyapasya saḥ

So gepriesen, sprach jener Götterherr, Vāmana, der Reiniger der Welt, lächelnd, Kaśyapas Freude mehrend:

Wort für Wort
iti stutaḥ sa deveśo
so gepriesen, jener Götterherr
vāmano lokapāvanaḥ
Vāmana, der Reiniger der Welt
uvāca prahasanharṣaṃ
sprach, lächelnd, [seine] Freude
vardhdayankaśyapasya saḥ
mehrend, [die] Kaśyapas

śrībhagavānuvāca tāta tuṣṭo 'smi bhadraṃ te bhaviṣyati surārcitā / acirātsādhayiṣyāmi nikhilaṃ tvanmanoratham

Der erhabene Herr sprach: 'Vater, ich bin zufrieden, Heil sei dir – von den Göttern verehrt wirst du sein; bald werde ich deinen ganzen Herzenswunsch erfüllen.'

Wort für Wort
tāta tuṣṭo 'smi bhadraṃ te
Vater, ich bin zufrieden, Heil sei dir
bhaviṣyati surārcitā
von den Göttern verehrt wirst du sein
acirātsādhayiṣyāmi
bald werde ich erfüllen
nikhilaṃ tvanmanoratham
deinen ganzen Herzenswunsch

[?] surārcitā: grammatische Form (Femininum) unpassend zum männlichen Adressaten Kaśyapa; sinngemäß übertragen.

ahaṃ janmadvaye tvevaṃ yuvayoḥ putraghatāṃ gataḥ / asmiñjanmanyapi tathā sādayāmyuttamaṃ sukham

'Ich bin nun in zwei Geburten so zu eurer beider Sohnschaft gelangt; auch in dieser Geburt werde ich euch ebenso höchstes Glück verschaffen.'

Wort für Wort
ahaṃ janmadvaye tvevaṃ
ich bin nun in zwei Geburten so
yuvayoḥ putraghatāṃ gataḥ
zu eurer beider Sohnschaft gelangt
asmiñjanmanyapi tathā
auch in dieser Geburt ebenso
sādayāmyuttamaṃ sukham
werde ich höchstes Glück verschaffen

[?] putraghatāṃ: wohl putratāṃ. [Anm.: Anspielung auf frühere Geburten Kaśyapas und Aditis als Eltern früherer Viṣṇu-Avatāras.]

atrāntare balirdaityo dīrghasatraṃ mahāmakham / ārebhe guruṇā yuktaḥ kāvyena ca munīśvaraiḥ

Währenddessen begann der Daitya Bali, zusammen mit seinem Guru Kāvya und den Weisenfürsten, ein langdauerndes, großes Opfer.

Wort für Wort
atrāntare balirdaityo
währenddessen der Daitya Bali
dīrghasatraṃ mahāmakham
ein langdauerndes Sattra-Opfer, ein großes Opfer
ārebhe guruṇā yuktaḥ
begann, zusammen mit seinem Guru
kāvyena ca munīśvaraiḥ
Kāvya, und mit den Weisenfürsten

tasminmakhe samāhūto viṣṇurlakṣmīsamanvitaḥ / haviḥ svīkaraṇārthāya ṛṣibhirbrahmavādibhiḥ

Bei jenem Opfer wurde Viṣṇu, mit Lakṣmī vereint, von den Weisen, den Verkündern des Brahman, eingeladen, um das Opferschmalz entgegenzunehmen.

Wort für Wort
tasminmakhe samāhūto
bei jenem Opfer wurde eingeladen
viṣṇurlakṣmīsamanvitaḥ
Viṣṇu, mit Lakṣmī vereint
haviḥ svīkaraṇārthāya
zum Zweck, das Opferschmalz entgegenzunehmen
ṛṣibhirbrahmavādibhiḥ
von den Weisen, den Verkündern des Brahman

pravṛddhaiśvaryardaityasya varttamāne mahākratau / āmantrya mātāpitarau sa baṭurvāmano yayau

Während das große Opfer des an Herrschermacht gewachsenen Daitya stattfand, bat jener Vāmana, in Gestalt eines Brahmanenschülers, Vater und Mutter um Erlaubnis und zog los.

Wort für Wort
pravṛddhaiśvaryardaityasya
des Daitya von gewachsener Herrschermacht
varttamāne mahākratau
während das große Opfer stattfand
āmantrya mātāpitarau
Vater und Mutter um Erlaubnis bittend
sa baṭurvāmano yayau
jener Vāmana, als Brahmanenschüler, zog los

smitena mohayaṃllokaṃ vāmano bhaktavatsalaḥ / havirbhoktumivāyāto baleḥ pratyakṣato hariḥ

Mit seinem Lächeln die Welt bezaubernd, Vāmana, den Verehrern zärtlich zugetan, kam Hari, als wollte er das Opferschmalz genießen, vor Balis Augen.

Wort für Wort
smitena mohayaṃllokaṃ
mit seinem Lächeln die Welt bezaubernd
vāmano bhaktavatsalaḥ
Vāmana, den Verehrern zärtlich zugetan
havirbhoktumivāyāto
als wollte er das Opferschmalz genießen, so kam er
baleḥ pratyakṣato hariḥ
vor Balis Augen, Hari

durvṛtto vā suvṛtto vā jaḍo vāyaṃ hito 'pi vā / yo bhaktiyuktastasyāntaḥ sadā saṃnihito hariḥ

Sei er von schlechtem oder gutem Wandel, sei er einfältig oder wohlgesonnen – wer der Hingabe verbunden ist, in dessen Innerem weilt Hari stets nahe gegenwärtig.

Wort für Wort
durvṛtto vā suvṛtto vā
sei er von schlechtem oder gutem Wandel
jaḍo vāyaṃ hito 'pi vā
sei er einfältig oder wohlgesonnen
yo bhaktiyuktastasyāntaḥ
wer der Hingabe verbunden ist, in dessen Innerem
sadā saṃnihito hariḥ
weilt Hari stets nahe gegenwärtig

āyāntaṃ vāmanaṃ dṛṣṭvā ṛṣayo jñānacakṣauṣaḥ / jñātvā nārāyaṇaṃ devamudyayuḥ sabhyasaṃyutāḥ

Als die Weisen, die mit dem Auge der Erkenntnis begabt waren, den herankommenden Vāmana erblickten und erkannten, dass es der Gott Nārāyaṇa war, erhoben sie sich, zusammen mit den Versammelten.

Wort für Wort
āyāntaṃ vāmanaṃ dṛṣṭvā
den herankommenden Vāmana erblickend
ṛṣayo jñānacakṣauṣaḥ
die Weisen, mit dem Auge der Erkenntnis begabt
jñātvā nārāyaṇaṃ devam
erkennend, dass es der Gott Nārāyaṇa war
udyayuḥ sabhyasaṃyutāḥ
erhoben sie sich, zusammen mit den Versammelten

[?] jñānacakṣauṣaḥ: wohl jñānacakṣuṣaḥ.

etajjñātvā daityagururekānte balimabravīt / svasāramavicāryaiva khalāḥ kāryāṇi kurvate

Dies erkennend, sprach der Guru der Daityas im Geheimen zu Bali: 'Ohne das Wesentliche zu bedenken handeln die Toren in ihren Angelegenheiten.'

Wort für Wort
etajjñātvā daityagururekānte
dies erkennend, der Guru der Daityas im Geheimen
balimabravīt
sprach er zu Bali
svasāramavicāryaiva
ohne das Wesentliche zu bedenken
khalāḥ kāryāṇi kurvate
handeln die Toren in ihren Angelegenheiten

śukra uvāca bho bho daityapate saumya hyapahartā tava śriyam / viṣṇurvāmanarupeṇa hyaditeḥ putrātāṃ gataḥ

Śukra sprach: 'Oh, oh Herr der Daityas, Gütiger, der Rauber deiner Herrschermacht ist es fürwahr, der als Sohn der Aditi geboren, in Vāmana-Gestalt, Viṣṇu.'

Wort für Wort
bho bho daityapate saumya
oh, oh Herr der Daityas, Gütiger
hyapahartā tava śriyam
der Rauber deiner Herrschermacht
viṣṇurvāmanarupeṇa
Viṣṇu, in Vāmana-Gestalt
hyaditeḥ putrātāṃ gataḥ
als Sohn der Aditi geboren

[?] putrātāṃ: wohl putratāṃ.

tavādhvaraṃ sa āyāti tvayā tasyāsureśvara / na kiñcidapi dātavyaṃ manmataṃ śṛṇu paṇḍita

'Zu deinem Opfer kommt er; ihm, o Herr der Asuras, soll von dir nichts gegeben werden – höre meine Meinung, o Gelehrter.'

Wort für Wort
tavādhvaraṃ sa āyāti
zu deinem Opfer kommt er
tvayā tasyāsureśvara
von dir ihm, o Herr der Asuras
na kiñcidapi dātavyaṃ
soll nichts gegeben werden
manmataṃ śṛṇu paṇḍita
höre meine Meinung, o Gelehrter

ātmabuddhiḥ sukhakarī gurubuddhirviśeṣataḥ / parabuddhirvināśāya strībudhdiḥ pralayaṅkarī

'Die eigene Einsicht bringt Glück, die Einsicht des Guru ganz besonders; die Einsicht eines Fremden führt zum Verderben, die Einsicht einer Frau bringt den Untergang.'

Wort für Wort
ātmabuddhiḥ sukhakarī
die eigene Einsicht bringt Glück
gurubuddhirviśeṣataḥ
die Einsicht des Guru besonders
parabuddhirvināśāya
die Einsicht eines Fremden führt zum Verderben
strībudhdiḥ pralayaṅkarī
die Einsicht einer Frau bringt den Untergang

śatrūṇāṃ hitakṛtadyastu sa hantavyo viśeṣataḥ

'Wer aber den Feinden Gutes tut, der ist ganz besonders zu töten.'

Wort für Wort
śatrūṇāṃ hitakṛtadyastu
wer aber den Feinden Gutes tut
sa hantavyo viśeṣataḥ
der ist ganz besonders zu töten

[Anm.: Im Quelltext ist zu V.95 nur eine Halbzeile (ein Pāda) überliefert.] [?] hitakṛtadyastu: wohl hitakṛd yastu.

baliruvāca evaṃ guro na vaktavyaṃ dharmamārgavirodhataḥ / yadādatte svayaṃ viṣṇuḥ kimasmādadhikaṃ varam

Bali sprach: 'So sollst du nicht sprechen, Guru, das wäre dem Pfad des Dharma zuwider. Was könnte höher sein als die Gunst, dass Viṣṇu selbst annimmt?'

Wort für Wort
evaṃ guro na vaktavyaṃ
so sollst du nicht sprechen, Guru
dharmamārgavirodhataḥ
das wäre dem Pfad des Dharma zuwider
yadādatte svayaṃ viṣṇuḥ
dass Viṣṇu selbst annimmt
kimasmādadhikaṃ varam
was könnte höher sein als diese Gunst

kurvanti viduṣo yajñānviṣṇuprīṇanakāraṇāt / sa cetsākṣāddhavirbhogī mattaḥ ko 'bhyadhiko bhuvī

'Die Weisen vollziehen Opfer aus dem Grund, Viṣṇu zu erfreuen; wenn er nun selbst leibhaftig der Genießer des Opferschmalzes wird, wer wäre dann mehr gesegnet als ich auf Erden?'

Wort für Wort
kurvanti viduṣo yajñān
die Weisen vollziehen Opfer
viṣṇuprīṇanakāraṇāt
aus dem Grund, Viṣṇu zu erfreuen
sa cetsākṣāddhavirbhogī
wenn er selbst leibhaftig der Genießer des Opferschmalzes wird
mattaḥ ko 'bhyadhiko bhuvī
wer wäre dann mehr [gesegnet] als ich auf Erden

daridreṇāpi yatkiñciddīyate viṣṇave guro / tadeva paramaṃ dānaṃ dattaṃ bhavati cākṣayam

'Was auch immer, und sei es von einem Armen, Viṣṇu gegeben wird, o Guru, eben das ist die höchste Gabe, und das Gegebene wird unvergänglich.'

Wort für Wort
daridreṇāpi yatkiñcid
was auch immer, selbst von einem Armen
dīyate viṣṇave guro
Viṣṇu gegeben wird, o Guru
tadeva paramaṃ dānaṃ
eben das ist die höchste Gabe
dattaṃ bhavati cākṣayam
und das Gegebene wird unvergänglich

smṛto 'pi parayā bhaktyā punāti puruṣottamaḥ / yena kenāpyarcitaśveddadāti paramāṃ gatim

'Selbst nur mit höchster Hingabe gedacht, läutert der höchste Mensch; wenn er von irgendwem verehrt wird, gewährt er den höchsten Zustand.'

Wort für Wort
smṛto 'pi parayā bhaktyā
selbst nur gedacht, mit höchster Hingabe
punāti puruṣottamaḥ
läutert der höchste Mensch
yena kenāpyarcitaśveddadāti
wenn er von irgendwem verehrt wird, gewährt er
paramāṃ gatim
den höchsten Zustand

harirharati pāpāniduṣṭacittairapi smṛtaḥ / anicchayāpi saṃspṛṣṭo dahatyeva hi pāvakaḥ

'Hari nimmt die Sünden hinweg, selbst wenn er von übelgesinntem Geist gedacht wird; selbst unabsichtlich berührt, verbrennt das Feuer eben doch.'

Wort für Wort
harirharati pāpāni
Hari nimmt die Sünden hinweg
duṣṭacittairapi smṛtaḥ
selbst wenn er von übelgesinntem Geist gedacht wird
anicchayāpi saṃspṛṣṭo
selbst unabsichtlich berührt
dahatyeva hi pāvakaḥ
verbrennt das Feuer eben doch fürwahr

jihvāgre vasate yasya hari rityakṣaradvayam / sa viṣṇulokamānpoti punarāvṛttidurlabham

'Auf wessen Zungenspitze die beiden Silben „Ha-ri“ weilen, der erlangt die Welt Viṣṇus, aus der es keine Rückkehr gibt.'

Wort für Wort
jihvāgre vasate yasya
auf wessen Zungenspitze weilt
hari rityakṣaradvayam
die zwei Silben 'Ha-ri'
sa viṣṇulokamānpoti
der erlangt die Welt Viṣṇus
punarāvṛttidurlabham
die, aus der es keine Rückkehr gibt

govindeti sadā dhyāyedyastu rāgādivarjitaḥ / sa yāti viṣṇubhavanamiti prāhurmanīṣiṇaḥ

'Wer stets „Govinda“ meditiert, frei von Leidenschaft und dergleichen, der geht ein in Viṣṇus Wohnstatt – so sagen die Weisen.'

Wort für Wort
govindeti sadā dhyāyed
wer stets 'Govinda' meditiert
yastu rāgādivarjitaḥ
frei von Leidenschaft und dergleichen
sa yāti viṣṇubhavanam
der geht ein in Viṣṇus Wohnstatt
iti prāhurmanīṣiṇaḥ
so sagen die Weisen

agnau vā brahmaṇe vāpihūyate yadvavirguro / haribhaktyā mahābhāga tena viṣṇuḥ prasīdati

'Was auch immer dem Feuer oder einem Brahmanen als Opferschmalz dargebracht wird, o Guru, mit Hingabe an Hari, o Hochbeglückter, dadurch wird Viṣṇu zufrieden.'

Wort für Wort
agnau vā brahmaṇe vāpi
dem Feuer oder auch einem Brahmanen
hūyate yadvavirguro
was auch immer als Opferschmalz dargebracht wird, o Guru
haribhaktyā mahābhāga
mit Hingabe an Hari, o Hochbeglückter
tena viṣṇuḥ prasīdati
dadurch wird Viṣṇu zufrieden

ahaṃ tu harituṣyyarthaṃ karomyadhvaramuttamam / svayamāyāti cedviṣṇuḥ kṛtārtho 'smi na saṃśayaḥ

'Ich aber vollziehe, um Hari zu erfreuen, das vorzüglichste Opfer; wenn Viṣṇu selbst kommt, bin ich am Ziel angelangt, daran ist kein Zweifel.'

Wort für Wort
ahaṃ tu harituṣyyarthaṃ
ich aber, um Hari zu erfreuen
karomyadhvaramuttamam
vollziehe das vorzüglichste Opfer
svayamāyāti cedviṣṇuḥ
wenn Viṣṇu selbst kommt
kṛtārtho 'smi na saṃśayaḥ
bin ich am Ziel angelangt, daran ist kein Zweifel

evaṃ vadati daityandre viṣṇurvāmanarupadhṛk / praviveśādhvarasthānaṃ hutavahnimanoramam

Während der Daityenkönig so sprach, trat Viṣṇu, die Vāmana-Gestalt tragend, in den Opferplatz ein, der durch das geopferte Feuer reizvoll war.

Wort für Wort
evaṃ vadati daityandre
während der Daityenkönig so sprach
viṣṇurvāmanarupadhṛk
Viṣṇu, die Vāmana-Gestalt tragend
praviveśādhvarasthānaṃ
trat er in den Opferplatz ein
hutavahnimanoramam
den durch das geopferte Feuer reizvollen [Ort]

taṃ dṛṣṭvā koṭisūryābhaṃ yogyāvayavasundaram / vāmanaṃ sahasotthāya pratyagṛhṇātkṛtāñjaliḥ

Als er ihn erblickte, dem Glanz von zehn Millionen Sonnen gleich, mit wohlgeformten, schönen Gliedern, erhob sich Bali sogleich und empfing Vāmana mit gefalteten Händen.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā koṭisūryābhaṃ
ihn erblickend, dem Glanz von zehn Millionen Sonnen gleich
yogyāvayavasundaram
mit wohlgeformten, schönen Gliedern
vāmanaṃ sahasotthāya
Vāmana, sogleich sich erhebend
pratyagṛhṇātkṛtāñjaliḥ
empfing er ihn, die Hände gefaltet

dattvāsanaṃ ca prakṣālya pādau vāmanarupiṇam / sakuṭuṃbo vahanmūrdhnā paramāṃ mudamātpavān

Er gab ihm, dem in Vāmana-Gestalt Erschienenen, einen Sitz und wusch ihm die Füße; mitsamt seiner Familie, das geweihte Wasser auf dem Haupt tragend, erlangte er höchste Freude.

Wort für Wort
dattvāsanaṃ ca prakṣālya pādau
einen Sitz gebend und die Füße waschend
vāmanarupiṇam
dem in Vāmana-Gestalt Erschienenen
sakuṭuṃbo vahanmūrdhnā
mitsamt seiner Familie, auf dem Haupt tragend
paramāṃ mudamātpavān
erlangte er höchste Freude

viṣṇave 'smai jagaddhānme dattvārghyaṃ vidhivadūliḥ / romāñcitatanurbhūtvā harṣāśrunayano 'bravīt

Nachdem Bali diesem Viṣṇu, dem Wohnort der Welt, gebührend Ehrenwasser dargebracht hatte, sprach er, mit vor Rührung gesträubten Körperhärchen, mit Freudentränen in den Augen:

Wort für Wort
viṣṇave 'smai jagaddhānme
diesem Viṣṇu, dem Wohnort der Welt
dattvārghyaṃ vidhivadūliḥ
nachdem Bali gebührend Ehrenwasser dargebracht hatte
romāñcitatanurbhūtvā
mit vor Rührung gesträubten Körperhärchen
harṣāśrunayano 'bravīt
mit Freudentränen in den Augen sprach er

[?] jagaddhānme: wohl jagaddhāmne; ūliḥ: wohl baliḥ.

baliruvāca adya me saphalaṃ janma adya me saphalo maravaḥ / jīvitaṃ saphalaṃ me 'dya kṛtārtho 'smi na saṃśayaḥ

Bali sprach: 'Heute ist meine Geburt fruchtbringend, heute ist mein ganzes Streben fruchtbringend, heute ist mein Leben fruchtbringend – ich bin am Ziel angelangt, daran ist kein Zweifel.'

Wort für Wort
adya me saphalaṃ janma
heute ist meine Geburt fruchtbringend
adya me saphalo maravaḥ
heute ist mein Streben fruchtbringend
jīvitaṃ saphalaṃ me 'dya
heute ist mein Leben fruchtbringend
kṛtārtho 'smi na saṃśayaḥ
ich bin am Ziel angelangt, daran ist kein Zweifel

[?] maravaḥ: Sinn/Lesung unsicher, sinngemäß als 'Streben' wiedergegeben.

amoghāmṛtavṛṣṭirme samāyātātidurlabhā / tvadāgamanamātreṇa hyanāyāso mahotsavaḥ

'Ein unfehlbarer Regen von Amṛta, überaus schwer zu erlangen, ist zu mir gekommen; allein durch dein Kommen ist ein mühelos erlangtes großes Fest angebrochen.'

Wort für Wort
amoghāmṛtavṛṣṭirme
ein unfehlbarer Regen von Amṛta ist zu mir
samāyātātidurlabhā
gekommen, überaus schwer zu erlangen
tvadāgamanamātreṇa
allein durch dein Kommen
hyanāyāso mahotsavaḥ
ist ein mühelos erlangtes großes Fest [gekommen]

ete ca ṛṣayaḥ sarve kṛtārthāṃ nātra saṃśayaḥ / yaiḥ pūrvaṃ hi tapastaptaṃ tadadya saphalaṃ prabho

'Und alle diese Weisen sind am Ziel angelangt, daran ist kein Zweifel; die Askese, die sie zuvor geübt haben, ist heute fruchtbringend geworden, o Herr.'

Wort für Wort
ete ca ṛṣayaḥ sarve
und alle diese Weisen
kṛtārthāṃ nātra saṃśayaḥ
sind am Ziel angelangt, daran ist kein Zweifel
yaiḥ pūrvaṃ hi tapastaptaṃ
die zuvor Askese geübt haben
tadadya saphalaṃ prabho
das ist heute fruchtbringend, o Herr

[?] kṛtārthāṃ: wohl kṛtārthāḥ.

kṛtārtho 'smi kṛtārtho 'smi kṛtārtho 'smi na saṃśayaḥ / tasmāttubhyaṃ namastubhyaṃ namastubhyaṃ namastubhyaṃ namonamaḥ

'Ich bin am Ziel angelangt, ich bin am Ziel angelangt, ich bin am Ziel angelangt, daran ist kein Zweifel; deshalb sei dir Verehrung, dir Verehrung, dir Verehrung, dir Verehrung, Verehrung!'

Wort für Wort
kṛtārtho 'smi (dreifach)
ich bin am Ziel angelangt (dreifach wiederholt)
na saṃśayaḥ
daran ist kein Zweifel
tasmāttubhyaṃ namastubhyaṃ (mehrfach)
deshalb sei dir Verehrung (mehrfach wiederholt)
namonamaḥ
Verehrung, Verehrung

tvadājñayā tvanniyogaṃ sādhayāmīti manmanaḥ / atyutsāhasamāyuktaṃ samājñāpaya māṃ prabho

'Auf deinen Befehl will ich deinen Auftrag erfüllen – so steht mein Sinn, von überaus großem Eifer erfüllt; befiehl mir, o Herr.'

Wort für Wort
tvadājñayā tvanniyogaṃ
auf deinen Befehl deinen Auftrag
sādhayāmīti manmanaḥ
will ich erfüllen, so [steht] mein Sinn
atyutsāhasamāyuktaṃ
von überaus großem Eifer erfüllt
samājñāpaya māṃ prabho
befiehl mir, o Herr

evamurke dīkṣitena prahasanvāmano 'bravīt / dehi me tapasi sthātuṃ bhūmiṃ tripadasaṃmitām

So von dem Geweihten Bali gesprochen, sprach Vāmana lächelnd: 'Gib mir, um in Askese zu verweilen, ein Stück Land, bemessen mit drei Schritten.'

Wort für Wort
evamurke dīkṣitena
so von dem Geweihten gesprochen
prahasanvāmano 'bravīt
lächelnd sprach Vāmana
dehi me tapasi sthātuṃ
gib mir, um in Askese zu verweilen
bhūmiṃ tripadasaṃmitām
ein Stück Land, bemessen mit drei Schritten

[?] evamurke: wohl evamukte.

etacchṛātvā baliḥ prāha rājyaṃ yācitavānnahi / grāmaṃ vā nagaraṃ cāpi dhanaṃ vā kiṃ kṛtaṃ tvayā

Dies gehört habend, sprach Bali: 'Du hast nicht um ein Königreich gebeten, weder um ein Dorf noch um eine Stadt noch um Reichtum – was hast du da eigentlich getan?'

Wort für Wort
etacchṛātvā baliḥ prāha
dies gehört habend, sprach Bali
rājyaṃ yācitavānnahi
du hast nicht um ein Königreich gebeten
grāmaṃ vā nagaraṃ cāpi
weder um ein Dorf noch um eine Stadt
dhanaṃ vā kiṃ kṛtaṃ tvayā
noch um Reichtum; was hast du getan

tanniśamya baliṃ prāha viṣṇuḥ sarvaśarīrabhṛt / āsannabhraṣṭarājyasya vairāgyaṃ janamannivā

Dies vernehmend, sprach Viṣṇu, der Träger aller Körper, zu Bali, dessen Königreich zu entgleiten im Begriff war, gleichsam Entsagung in ihm erzeugend:

Wort für Wort
tanniśamya baliṃ prāha
dies vernehmend, sprach zu Bali
viṣṇuḥ sarvaśarīrabhṛt
Viṣṇu, der Träger aller Körper
āsannabhraṣṭarājyasya
dessen Königreich zu entgleiten im Begriff war
vairāgyaṃ janamannivā
gleichsam Entsagung erzeugend

[?] janamannivā: wohl janayanniva.

śrībhagavānuvāca śṛṇu daityandra vakṣyāmi guhyādguhyatamaṃ param / sarvasaṃgavihīnānāṃ kimarthaiḥ sādhyatevada

Der erhabene Herr sprach: 'Höre, Fürst der Daityas, ich will dir etwas Geheimeres als das Allergeheimste verkünden: Wozu bedarf es für die, die frei von aller Anhaftung sind, äußerer Mittel? Sag mir das.'

Wort für Wort
śṛṇu daityandra vakṣyāmi
höre, Fürst der Daityas, ich will verkünden
guhyādguhyatamaṃ param
etwas Geheimeres als das Allergeheimste
sarvasaṃgavihīnānāṃ
für die, die frei von aller Anhaftung sind
kimarthaiḥ sādhyatevada
wozu bedarf es der Mittel, sag mir das

ahaṃ tu sarvabhūtānāmantaryāmīti bhāvaya / mayi sarvamidaṃ daitya kimanyaiḥ sādhyate vada

'Ich aber bin der innere Lenker aller Wesen – so erkenne es. In mir ist dieses Ganze, o Daitya; was soll durch anderes Mittel erlangt werden – sag mir das.'

Wort für Wort
ahaṃ tu sarvabhūtānām
ich aber aller Wesen
antaryāmīti bhāvaya
bin der innere Lenker, so erkenne es
mayi sarvamidaṃ daitya
in mir ist dieses Ganze, o Daitya
kimanyaiḥ sādhyate vada
was soll durch anderes erlangt werden, sag mir das

rāgadveṣavihīnānāṃ śāntānāṃ tyaktamāyinām / nityānandasvarupāṇāṃ kimanyaiḥ sādhyate dhanaiḥ

'Für die, die frei von Leidenschaft und Hass, friedvoll, die die Māyā abgelegt haben, deren Wesen ewige Wonne ist – was soll für sie durch anderen Reichtum erlangt werden?'

Wort für Wort
rāgadveṣavihīnānāṃ śāntānāṃ
für die, die frei von Leidenschaft und Hass, friedvoll sind
tyaktamāyinām
die die Māyā abgelegt haben
nityānandasvarupāṇāṃ
deren Wesen ewige Wonne ist
kimanyaiḥ sādhyate dhanaiḥ
was soll durch anderen Reichtum erlangt werden

ātmavatsarvabhūtāni paśyatāṃ śāntacetasām / abhinnamātmanaḥ sarvaṃ ko dātā dīyate ca kim

'Für die Friedvollen, die alle Wesen wie sich selbst betrachten, für die alles vom eigenen Selbst ununterschieden ist – wer ist da noch Geber, und was wird da noch gegeben?'

Wort für Wort
ātmavatsarvabhūtāni
alle Wesen wie sich selbst
paśyatāṃ śāntacetasām
für die Friedvollen, die [sie so] betrachten
abhinnamātmanaḥ sarvaṃ
alles vom eigenen Selbst ununterschieden
ko dātā dīyate ca kim
wer ist Geber, und was wird gegeben

pṛthvīyaṃ kṣatriyavaśā iti śāstreṣu niścitam / tadājñāyāṃ sthitāḥ sarve labhante paramaṃ sukham

'Diese Erde untersteht der Macht des Kṣatriya, so ist es in den Lehrschriften festgelegt; alle, die sich seinem Befehl unterstellen, erlangen höchstes Glück.'

Wort für Wort
pṛthvīyaṃ kṣatriyavaśā
diese Erde untersteht der Macht des Kṣatriya
iti śāstreṣu niścitam
so ist es in den Lehrschriften festgelegt
tadājñāyāṃ sthitāḥ sarve
alle, die sich unter dessen Befehl stellen
labhante paramaṃ sukham
erlangen höchstes Glück

dātavyo munibhiścāpi ṣaṣṭāṃśo bhūbhuje bale / mahīyaṃ brāhmaṇānāṃ tu dātavyā sarva yatnataḥ

'Auch von den Weisen ist ein Sechstel dem Herrscher der Erde zu geben, o Bali; diese Erde aber ist den Brahmanen gänzlich zu geben, mit allem Bemühen.'

Wort für Wort
dātavyo munibhiścāpi
zu geben ist auch von den Weisen
ṣaṣṭāṃśo bhūbhuje bale
ein Sechstel dem Herrscher der Erde, o Bali
mahīyaṃ brāhmaṇānāṃ tu
diese Erde aber den Brahmanen
dātavyā sarva yatnataḥ
ist gänzlich zu geben, mit allem Bemühen

bhūmidānasya māhātmyaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati / paraṃ nirvāṇamānpoti bhūmido nātra saṃśayaḥ

'Die Größe der Landschenkung ist so weder gewesen noch wird sie je wieder sein; der Geber von Land erlangt höchste Erlösung, daran ist kein Zweifel.'

Wort für Wort
bhūmidānasya māhātmyaṃ
die Größe der Landschenkung
na bhūtaṃ na bhaviṣyati
ist weder gewesen noch wird sie sein
paraṃ nirvāṇamānpoti
erlangt höchste Erlösung
bhūmido nātra saṃśayaḥ
der Geber von Land, daran ist kein Zweifel

svalpāmapi mahīṃ dattvā śrotriyāyāhitāgnaye / brahmalokamavāpnoti punarāvṛttidurlabham

'Wer selbst nur ein winziges Stück Land einem Śrotriya, der das heilige Feuer errichtet hat, gibt, erlangt die Welt Brahmās, aus der eine Rückkehr selten ist.'

Wort für Wort
svalpāmapi mahīṃ dattvā
selbst nur ein winziges Stück Land gebend
śrotriyāyāhitāgnaye
einem Śrotriya, der das heilige Feuer errichtet hat
brahmalokamavāpnoti
erlangt man die Welt Brahmās
punarāvṛttidurlabham
aus der eine Rückkehr selten ist

bhūmidaḥ sarvadaḥ prokto bhūmido mokṣabhāgbhavet / atidānaṃ tu tajjñeyaṃ sarvapāpapraṇāśanam

'Der Landspender wird „der alles Spendende“ genannt, der Landspender wird Anteil an der Erlösung erlangen; als die überragende Gabe aber ist dies zu erkennen, die alle Sünden völlig vernichtet.'

Wort für Wort
bhūmidaḥ sarvadaḥ prokto
der Landspender wird 'der alles Spendende' genannt
bhūmido mokṣabhāgbhavet
der Landspender wird Anteil an der Erlösung erlangen
atidānaṃ tu tajjñeyaṃ
als überragende Gabe aber ist dies zu erkennen
sarvapāpapraṇāśanam
die alle Sünden völlig vernichtet

mahāpātakayukto vā yukto vā sarvapātakaiḥ / daśahastāṃ mahīṃ dattvā sarvapāpaiḥ pramucyate

'Sei einer mit einer Großsünde behaftet oder mit allen Sünden behaftet, wenn er zehn Handspannen Land gibt, wird er von allen Sünden befreit.'

Wort für Wort
mahāpātakayukto vā
sei er mit einer Großsünde behaftet
yukto vā sarvapātakaiḥ
oder mit allen Sünden behaftet
daśahastāṃ mahīṃ dattvā
zehn Handspannen Land gebend
sarvapāpaiḥ pramucyate
wird er von allen Sünden befreit

satpātre bhūmidātā yaḥ sarvadānaphalaṃ labhet / bhūmidānasamaṃ nānyatriṣu lokeṣu vidyate

'Wer einem würdigen Empfänger Land gibt, erlangt die Frucht aller anderen Gaben; der Landschenkung gleich gibt es nichts anderes in den drei Welten.'

Wort für Wort
satpātre bhūmidātā yaḥ
wer einem würdigen Empfänger Land gibt
sarvadānaphalaṃ labhet
erlangt die Frucht aller Gaben
bhūmidānasamaṃ nānyat
der Landschenkung gleich gibt es nichts anderes
triṣu lokeṣu vidyate
in den drei Welten

dvijāya vṛttihīnāya yaḥ pradadyānmahīṃ bale / tasya puṇyaphalaṃ vaktuṃ na kṣamo 'bdaśatairaham

'Wer einem Zweifachgeborenen ohne Lebensgrundlage Land gibt, o Bali, dessen verdienstvolle Frucht zu benennen bin ich selbst mit hundert Jahren nicht imstande.'

Wort für Wort
dvijāya vṛttihīnāya
einem Zweifachgeborenen ohne Lebensgrundlage
yaḥ pradadyānmahīṃ bale
wer Land gibt, o Bali
tasya puṇyaphalaṃ vaktuṃ
dessen Verdienstfrucht zu benennen
na kṣamo 'bdaśatairaham
bin ich selbst mit hundert Jahren nicht imstande

saktāya devapūjāsu vṛttihīnāya daityapa / svalpāmapi mahīṃ dadyādyaḥ sa viṣṇurna saṃśayaḥ

'Wer einem, der der Götterverehrung zugetan, doch ohne Lebensgrundlage ist, o Herr der Daityas, selbst nur ein winziges Stück Land gibt, der ist gleichsam selbst Viṣṇu, daran ist kein Zweifel.'

Wort für Wort
saktāya devapūjāsu
einem, der der Götterverehrung zugetan ist
vṛttihīnāya daityapa
doch ohne Lebensgrundlage, o Herr der Daityas
svalpāmapi mahīṃ dadyādyaḥ
wer auch nur ein winziges Stück Land gibt
sa viṣṇurna saṃśayaḥ
der ist Viṣṇu, daran ist kein Zweifel

ikṣugodhūma tuvarīpūgavṛkṣādisaṃyutā / pṛthvī pradīyate yena sa viṣṇurnātra saṃśayaḥ

'Wer eine mit Zuckerrohr, Weizen, Bohnen, Betelnusspalmen und dergleichen bestandene Erde verschenkt, der ist Viṣṇu, daran ist kein Zweifel.'

Wort für Wort
ikṣugodhūma tuvarīpūgavṛkṣādisaṃyutā
mit Zuckerrohr, Weizen, Bohnen, Betelnusspalmen und dergleichen bestanden
pṛthvī pradīyate yena
wer diese Erde verschenkt
sa viṣṇurnātra saṃśayaḥ
der ist Viṣṇu, daran ist kein Zweifel

vṛttihīnāya viprāya daridrāya kuṭumbine / svalpāmapi mahīndattvā viṣṇusāyujyamānpuyāt

'Einem Brahmanen ohne Lebensgrundlage, einem Armen mit Familie, gibt man selbst nur ein winziges Stück Land, so erlangt man Vereinigung mit Viṣṇu.'

Wort für Wort
vṛttihīnāya viprāya
einem Brahmanen ohne Lebensgrundlage
daridrāya kuṭumbine
einem Armen mit Familie
svalpāmapi mahīndattvā
selbst nur ein winziges Stück Land gebend
viṣṇusāyujyamānpuyāt
erlangt man Vereinigung mit Viṣṇu

saktāya devapūjāsu viprāyāḍhakikāṃ mahīm / dattvā labheta gaṅgāyāṃ trirātrasnānajaṃ phalam

'Gibt man einem der Götterverehrung zugetanen Brahmanen ein Āḍhaka großes Stück Land, so erlangt man die Frucht eines dreinächtigen Bades in der Gaṅgā.'

Wort für Wort
saktāya devapūjāsu
einem der Götterverehrung zugetanen
viprāyāḍhakikāṃ mahīm
Brahmanen ein Āḍhaka großes Stück Land
dattvā labheta gaṅgāyāṃ
gebend erlangt man in der Gaṅgā
trirātrasnānajaṃ phalam
die Frucht eines dreinächtigen Bades

viprāya vṛttihīnāya sadācāraratāya ca / droṇikāṃ pṛthivīṃ dattvā yatphalaṃ labhate śṛṇu

'Einem Brahmanen ohne Lebensgrundlage, der gutem Wandel zugetan ist, gibt man eine Droṇikā Erde – welche Frucht man dadurch erlangt, höre.'

Wort für Wort
viprāya vṛttihīnāya
einem Brahmanen ohne Lebensgrundlage
sadācāraratāya ca
der gutem Wandel zugetan ist
droṇikāṃ pṛthivīṃ dattvā
eine Droṇikā Erde gebend
yatphalaṃ labhate śṛṇu
welche Frucht man erlangt, höre

gaṅgātīrthāśvamedhānāṃ śatāni vidhivannaraḥ / kṛtvā yatphalamānpoti tadāpnoti sa puṣkalam

'Die Frucht, die ein Mensch erlangt, wenn er vorschriftsmäßig hundert Roßopfer an den Pilgerstätten der Gaṅgā vollzieht, eben die erlangt er reichlich allein durch diese Landgabe.'

Wort für Wort
gaṅgātīrthāśvamedhānāṃ śatāni
hundert Roßopfer an den Pilgerstätten der Gaṅgā
vidhivannaraḥ kṛtvā
wenn ein Mensch sie vorschriftsmäßig vollzieht
yatphalamānpoti
welche Frucht er erlangt
tadāpnoti sa puṣkalam
eben die erlangt er reichlich

dadāti khārikāṃ bhūmiṃ daridrāya dvijāya yaḥ / tasya puṇyaṃ pravakṣyāmi vadato me niśāmaya

'Wer einem armen Brahmanen eine Khārikā Land gibt, dessen Verdienst will ich verkünden – höre mir aufmerksam zu.'

Wort für Wort
dadāti khārikāṃ bhūmiṃ
wer eine Khārikā Land gibt
daridrāya dvijāya yaḥ
einem armen Zweifachgeborenen
tasya puṇyaṃ pravakṣyāmi
dessen Verdienst will ich verkünden
vadato me niśāmaya
höre mir, der ich dies sage, aufmerksam zu

aśvamedhasahasrāṇi vājapeyaśatāni ca / vidhāya jāhnavītīre patphalaṃ tallabheddhuvam

'Die Frucht von tausend Roßopfern und hundert Vājapeya-Opfern, am Ufer der Gaṅgā vollzogen, eben diese erlangt er gewiss.'

Wort für Wort
aśvamedhasahasrāṇi
tausend Roßopfer
vājapeyaśatāni ca
und hundert Vājapeya-Opfer
vidhāya jāhnavītīre
am Ufer der Gaṅgā vollzogen
patphalaṃ tallabheddhuvam
eben diese Frucht erlangt er gewiss

[?] patphalaṃ: wohl tatphalaṃ.

bhūmidānaṃ mahādānamatidānaṃ prakīrttitam / sarvapāpapraśamanamapavargaphalapradam

'Die Landschenkung wird als große Gabe, als überragende Gabe gepriesen, die alle Sünden besänftigt und die Frucht der Erlösung schenkt.'

Wort für Wort
bhūmidānaṃ mahādānam
die Landschenkung als große Gabe
atidānaṃ prakīrttitam
als überragende Gabe gepriesen
sarvapāpapraśamanam
die alle Sünden besänftigt
apavargaphalapradam
die die Frucht der Erlösung schenkt

atrotihāsaṃ vakṣyāmi śṛṇu daityakuleśvara / yacchutvā śraddhayā yukto bhūmidānaphalaṃ labhet

'Hierzu will ich eine alte Geschichte erzählen, höre, Herr des Daitya-Geschlechts – wer sie mit Glauben hört, erlangt die Frucht der Landschenkung.'

Wort für Wort
atrotihāsaṃ vakṣyāmi
hierzu will ich eine alte Geschichte erzählen
śṛṇu daityakuleśvara
höre, Herr des Daitya-Geschlechts
yacchutvā śraddhayā yukto
wer sie mit Glauben hört
bhūmidānaphalaṃ labhet
erlangt die Frucht der Landschenkung

āsītpurā dvijavaro brāhmakalpe mahāmatiḥ / daridro vṛttihīnaśca nāmnā bhadramatirbale

'Es gab einst, im Brahmā-Kalpa, einen vorzüglichen, hochgesinnten Zweifachgeborenen, arm und ohne Lebensgrundlage, mit Namen Bhadramati, o Bali.'

Wort für Wort
āsītpurā dvijavaro
es gab einst einen vorzüglichen Zweifachgeborenen
brāhmakalpe mahāmatiḥ
im Brahmā-Kalpa, hochgesinnt
daridro vṛttihīnaśca
arm und ohne Lebensgrundlage
nāmnā bhadramatirbale
mit Namen Bhadramati, o Bali

śrutāni sarvaśāstrāṇi tena vedadivāniśam / śrutāni ca purāṇāni dharmaśāstrāṇi sarvaśaḥ

'Von ihm waren alle Lehrschriften gehört worden, Tag und Nacht der Veda, und gehört waren auch die Purāṇas und die Dharmaśāstras gänzlich.'

Wort für Wort
śrutāni sarvaśāstrāṇi tena
von ihm waren alle Lehrschriften gehört worden
vedadivāniśam
Tag und Nacht der Veda
śrutāni ca purāṇāni
und gehört waren auch die Purāṇas
dharmaśāstrāṇi sarvaśaḥ
die Dharmaśāstras gänzlich

abhavaṃstasya ṣaṭpatnyaḥ śrutiḥ sindhuryaśovatī / kāminī mālinī caiva śobhā ceti prakīrtitāḥ

'Er hatte sechs Gattinnen, mit Namen Śruti, Sindhu, Yaśovatī, Kāminī, Mālinī und Śobhā, so genannt.'

Wort für Wort
abhavaṃstasya ṣaṭpatnyaḥ
er hatte sechs Gattinnen
śrutiḥ sindhuryaśovatī
Śruti, Sindhu, Yaśovatī
kāminī mālinī caiva
Kāminī, Mālinī
śobhā ceti prakīrtitāḥ
und Śobhā, so genannt

āsu pantīṣu tasyāsañcatvariṃśacchatadvayam / putrāṇāmasuraśreṣṭha sarve nityaṃ bubhukṣitāḥ

'Von diesen Gattinnen hatte er zweihundertvierzig Söhne, o bester der Asuras, alle stets hungrig.'

Wort für Wort
āsu pantīṣu tasyāsan
bei diesen Gattinnen hatte er
catvariṃśacchatadvayam putrāṇām
zweihundertvierzig Söhne
asuraśreṣṭha
o bester der Asuras
sarve nityaṃ bubhukṣitāḥ
alle stets hungrig

akiñcano bhadramatiḥ kṣudhārttānātmajānpriyāḥ / paśyansvayaṃ kṣudhārttaśca vilalāpākulendriyaḥ

Der mittellose Bhadramati, seine geliebten, vom Hunger geplagten Söhne sehend und selbst vom Hunger geplagt, jammerte, verstört in seinen Sinnen:

Wort für Wort
akiñcano bhadramatiḥ
der mittellose Bhadramati
kṣudhārttānātmajānpriyāḥ
seine geliebten, vom Hunger geplagten Söhne
paśyansvayaṃ kṣudhārttaśca
sehend und selbst vom Hunger geplagt
vilalāpākulendriyaḥ
jammerte, verstört in seinen Sinnen

dhigjanma bhāgyarahitaṃ dhigjanma dhanavarjitam / dhigjanma dharmarahitaṃ dhigjanma khyātivarjitam

'Pfui über eine Geburt ohne Glück, pfui über eine Geburt ohne Reichtum, pfui über eine Geburt ohne Dharma, pfui über eine Geburt ohne Ansehen!'

Wort für Wort
dhigjanma bhāgyarahitaṃ
pfui über eine Geburt ohne Glück
dhigjanma dhanavarjitam
pfui über eine Geburt ohne Reichtum
dhigjanma dharmarahitaṃ
pfui über eine Geburt ohne Dharma
dhigjanma khyātivarjitam
pfui über eine Geburt ohne Ansehen

narasya bahvapatyasya dhigjanmaiśvaryavārjitam / aho guṇāḥ saumyatā ca vidvattā janma satkule

'Pfui über die Geburt eines Mannes mit vielen Nachkommen, wenn sie ohne Wohlstand ist! Ach, Tugenden, Sanftmut, Gelehrsamkeit, Geburt in edler Familie –'

Wort für Wort
narasya bahvapatyasya
eines Mannes mit vielen Nachkommen
dhigjanmaiśvaryavārjitam
pfui über die Geburt, wenn sie ohne Wohlstand ist
aho guṇāḥ saumyatā ca
ach, die Tugenden und die Sanftmut
vidvattā janma satkule
die Gelehrsamkeit, die Geburt in edler Familie

dāridyāmbudhimagnasya sarvametanna śobhate / priyāḥ putrāścapautrāśca bāndhavā bhrātarastathā

'– das alles glänzt nicht für den, der im Ozean der Armut versunken ist – geliebte Söhne und Enkel, Verwandte und ebenso Brüder,'

Wort für Wort
dāridyāmbudhimagnasya
für den, der im Ozean der Armut versunken ist
sarvametanna śobhate
das alles glänzt nicht
priyāḥ putrāścapautrāśca
geliebte Söhne und Enkel
bāndhavā bhrātarastathā
Verwandte und ebenso Brüder

śiṣyāśca sarvamanujāstyajantyaiśvaryavārjitam / cāṇḍālo vā dvijo vāpi bhāgyavāneva pūjyate

'– Schüler und alle Menschen verlassen den, der ohne Wohlstand ist; sei es ein Caṇḍāla oder ein Brahmane, nur wer vom Glück begünstigt ist, wird verehrt.'

Wort für Wort
śiṣyāśca sarvamanujāstyajanti
Schüler und alle Menschen verlassen
aiśvaryavārjitam
den, der ohne Wohlstand ist
cāṇḍālo vā dvijo vāpi
sei es ein Caṇḍāla oder ein Zweifachgeborener
bhāgyavāneva pūjyate
nur der vom Glück Begünstigte wird verehrt

daridraḥ puruṣo loke śavavallokaninditaḥ / aho saṃpatsaṃmāyukto niṣṭuro vāpyaniṣṭhuraḥ

'Ein armer Mensch wird in der Welt wie eine Leiche von den Leuten verachtet; ach, wer aber mit Reichtum ausgestattet ist, sei er hartherzig oder nicht hartherzig –'

Wort für Wort
daridraḥ puruṣo loke
ein armer Mensch in der Welt
śavavallokaninditaḥ
wird wie eine Leiche von den Leuten verachtet
aho saṃpatsaṃmāyukto
ach, wer mit Reichtum ausgestattet ist
niṣṭuro vāpyaniṣṭhuraḥ
sei er hartherzig oder nicht hartherzig

guṇahīno 'pi guṇavānmūrkho vāpyatha paṇḍitaḥ / aiśvaryaguṇayuktaścetpūjya eva na saṃśayaḥ

'– ob ohne Tugend oder tugendhaft, töricht oder gelehrt: wenn er mit der Eigenschaft des Wohlstands ausgestattet ist, wird er eben verehrt, daran ist kein Zweifel.'

Wort für Wort
guṇahīno 'pi guṇavān
ohne Tugend oder tugendhaft
mūrkho vāpyatha paṇḍitaḥ
töricht oder auch gelehrt
aiśvaryaguṇayuktaścet
wenn er mit der Eigenschaft des Wohlstands ausgestattet ist
pūjya eva na saṃśayaḥ
wird er eben verehrt, daran ist kein Zweifel

aho daridratā duḥkhaṃ tatrāpyāśātiduḥkhadā / āśābhibhūtāḥ puruṣā duḥkhamaśnuvate 'kṣayam

'Ach, die Armut ist Leid, und darin bringt die Hoffnung noch mehr Leid; von Hoffnung überwältigte Menschen erfahren unvergängliches Leid.'

Wort für Wort
aho daridratā duḥkhaṃ
ach, die Armut ist Leid
tatrāpyāśātiduḥkhadā
und darin bringt die Hoffnung noch mehr Leid
āśābhibhūtāḥ puruṣā
von Hoffnung überwältigte Menschen
duḥkhamaśnuvate 'kṣayam
erfahren unvergängliches Leid

āśayādāsā ye dāsāste sarvalokasya / āśā dāsī yeṣāṃ teṣāṃ dāsāyate lokaḥ

'Diejenigen, die durch Hoffnung zu Sklaven werden, sind Sklaven der ganzen Welt; wessen Sklavin aber die Hoffnung selbst ist, deren Sklave wird die Welt.'

Wort für Wort
āśayādāsā ye
diejenigen, die durch Hoffnung zu Sklaven werden
dāsāste sarvalokasya
sind Sklaven der ganzen Welt
āśā dāsī yeṣāṃ
wessen Sklavin die Hoffnung ist
teṣāṃ dāsāyate lokaḥ
deren Sklave wird die Welt

[Anm.: Pāda-Grenzen und genauer Wortlaut dieses Verses sind im Quelltext unklar/verkürzt überliefert; sinngemäß wiedergegeben.]

māno hi mahatāṃ loke dhanamakṣayamucyate / tasminnāśākhyaripuṇā māne naṣṭe daridratā

'Die Ehre der Großen in der Welt wird fürwahr unvergänglicher Reichtum genannt; wenn durch jenen Feind namens Hoffnung die Ehre zunichtegemacht ist, herrscht Armut.'

Wort für Wort
māno hi mahatāṃ loke
die Ehre der Großen in der Welt fürwahr
dhanamakṣayamucyate
wird unvergänglicher Reichtum genannt
tasminnāśākhyaripuṇā
durch jenen Feind namens Hoffnung
māne naṣṭe daridratā
wenn die Ehre zunichtegemacht ist, [herrscht] Armut

sarvaśāstrārthavettāpi daridro bhāti mūrkhavat / naiṣkiñcanyamahāgrāhagrastānāṃ ko vimocacakaḥ

'Selbst der Kenner des Sinns aller Lehrschriften erscheint, wenn er arm ist, wie ein Tor; wer ist der Befreier für die, die vom großen Krokodil der Mittellosigkeit verschlungen sind?'

Wort für Wort
sarvaśāstrārthavettāpi
selbst der Kenner des Sinns aller Lehrschriften
daridro bhāti mūrkhavat
erscheint, wenn arm, wie ein Tor
naiṣkiñcanyamahāgrāhagrastānāṃ
für die, die vom großen Krokodil der Mittellosigkeit verschlungen sind
ko vimocacakaḥ
wer ist der Befreier

[?] vimocacakaḥ: wohl vimocakaḥ.

aho duḥkhamaho duḥkhamaho duḥkhaṃ daridratā / tatrāpi putrabhāryāṇāṃ bāhulyamatiduḥkhadam

'Ach, Leid, ach, Leid, ach, Leid ist die Armut; und darin bringt die Menge an Söhnen und Gattinnen noch mehr Leid.'

Wort für Wort
aho duḥkhamaho duḥkhamaho duḥkhaṃ
ach, Leid, ach, Leid, ach, Leid
daridratā
ist die Armut
tatrāpi putrabhāryāṇāṃ
und darin von Söhnen und Gattinnen
bāhulyamatiduḥkhadam
bringt die Menge noch mehr Leid

evamuktvā bhadramatiḥ sarvaśāstrārthapāragaḥ / anyamaiśvaryadaṃ dharmaṃ manasācintayattadā

So gesprochen habend, sann Bhadramati, der Kenner des Sinns aller Lehrschriften, darauf im Geiste über einen anderen, wohlstandsspendenden Dharma nach.

Wort für Wort
evamuktvā bhadramatiḥ
so gesprochen habend, Bhadramati
sarvaśāstrārthapāragaḥ
der Kenner des Sinns aller Lehrschriften
anyamaiśvaryadaṃ dharmaṃ
über einen anderen, wohlstandsspendenden Dharma
manasācintayattadā
sann er da im Geiste nach

bhūmidānaṃ viniścitya sarvadānottamottamam / dānena yo 'numantāti sa eva kṛtavānpurā

Die Landschenkung als die vorzüglichste unter allen Gaben erkennend – wer durch eine Gabe Verdienst mehrt, der hat eben dies schon früher getan.

Wort für Wort
bhūmidānaṃ viniścitya
die Landschenkung erkennend
sarvadānottamottamam
als die vorzüglichste unter allen Gaben
dānena yo 'numantāti
wer durch eine Gabe [Verdienst mehrt, Lesung unsicher]
sa eva kṛtavānpurā
der hat eben dies schon früher getan

[Anm.: Pāda b (dānena yo 'numantāti) ist unklar überliefert; Sinn nicht sicher rekonstruierbar, sinngemäß wiedergegeben.]

prāpakaṃ paramaṃ dharmaṃ sarvakāmaphalapradam / dānānāmuttamaṃ dānaṃ bhūdānaṃ parikīrtitam

– die zum höchsten Dharma führende, die die Frucht aller Wünsche gewährende, die vorzüglichste Gabe unter den Gaben wird die Landschenkung genannt.

Wort für Wort
prāpakaṃ paramaṃ dharmaṃ
die zum höchsten Dharma führende
sarvakāmaphalapradam
die die Frucht aller Wünsche gewährende
dānānāmuttamaṃ dānaṃ
die vorzüglichste Gabe unter den Gaben
bhūdānaṃ parikīrtitam
wird die Landschenkung genannt

yaddattvā samavānpoti yadyadiṣṭatamaṃ naraḥ / iti niścatya matimāndhīro bhadramatirbale

– durch deren Gabe man erlangt, was auch immer ein Mensch am meisten begehrt. So entschlossen, der verständige, besonnene Bhadramati, o Bali,

Wort für Wort
yaddattvā samavānpoti
durch deren Gabe man erlangt
yadyadiṣṭatamaṃ naraḥ
was auch immer ein Mensch am meisten begehrt
iti niścatya matimān
so entschlossen, der Verständige
dhīro bhadramatirbale
der Besonnene, Bhadramati, o Bali

[?] niścatya: wohl niścitya.

kauśāmbīṃnāma nagarīṃ kalatrāpatyayugyayau / sughoṣanāmaviprendraṃ sarvaiśvaryasamanvalitam

– zog er, zusammen mit Gattin und Kindern, zur Stadt mit Namen Kauśāmbī, zu dem Brahmanenfürsten mit Namen Sughoṣa, der mit allem Wohlstand ausgestattet war.

Wort für Wort
kauśāmbīṃnāma nagarīṃ
zur Stadt mit Namen Kauśāmbī
kalatrāpatyayugyayau
zog er, zusammen mit Gattin und Kindern
sughoṣanāmaviprendraṃ
zu dem Brahmanenfürsten mit Namen Sughoṣa
sarvaiśvaryasamanvalitam
der mit allem Wohlstand ausgestattet war

gatvā yācitavānbhūmiṃ pañcahastāyatāṃ bale / sughoṣo dharmaniratastaṃ nirīkṣya kuṭumbikram

Dorthin gegangen, bat er um ein Stück Land, fünf Handspannen groß, o Bali. Sughoṣa, dem Dharma zugetan, erblickte ihn, wie er kam mitsamt seiner Familie,

Wort für Wort
gatvā yācitavānbhūmiṃ
dorthin gegangen, bat er um Land
pañcahastāyatāṃ bale
fünf Handspannen groß, o Bali
sughoṣo dharmaniratastaṃ nirīkṣya
Sughoṣa, dem Dharma zugetan, ihn erblickend
kuṭumbikram
mitsamt der Familie [?]

[?] kuṭumbikram: Lesung unsicher, sinngemäß als 'mit Familie' wiedergegeben.

manasā prīyamāṇena samabhyarcyedamabravīt / kṛtārtho 'haṃ bhadramate saphalaṃ mama janma ca

und sprach, mit erfreutem Herzen ihn verehrend, dies: 'Ich bin am Ziel angelangt, o Bhadramati, und fruchtbringend ist meine Geburt.'

Wort für Wort
manasā prīyamāṇena
mit erfreutem Herzen
samabhyarcyedamabravīt
ihn verehrend, sprach er dies
kṛtārtho 'haṃ bhadramate
ich bin am Ziel angelangt, o Bhadramati
saphalaṃ mama janma ca
und fruchtbringend ist meine Geburt

matkula pāvanaṃ jātaṃ tvadanugrahato dvija / ityuktvā taṃ samabhyarcya sughoṣo dharmatatparaḥ

'Mein Geschlecht ist durch deine Gnade geläutert worden, o Zweifachgeborener.' So gesprochen habend, ihn verehrend, Sughoṣa, dem Dharma ergeben,

Wort für Wort
matkula pāvanaṃ jātaṃ
mein Geschlecht ist geläutert worden
tvadanugrahato dvija
durch deine Gnade, o Zweifachgeborener
ityuktvā taṃ samabhyarcya
so gesprochen habend, ihn verehrend
sughoṣo dharmatatparaḥ
Sughoṣa, dem Dharma ergeben

pañcahastamitāṃ bhūmiṃ dadau tasmai mahāmatiḥ / pṛthivī vaiṣṇavī puṇyā pṛthivīṃ viṣṇupālitā

gab jenem, der Hochgesinnte, ein fünf Handspannen bemessenes Stück Land – die heilige, Viṣṇu gehörige Erde, die von Viṣṇu behütete Erde.

Wort für Wort
pañcahastamitāṃ bhūmiṃ
ein fünf Handspannen bemessenes Stück Land
dadau tasmai mahāmatiḥ
gab er jenem, der Hochgesinnte
pṛthivī vaiṣṇavī puṇyā
die heilige, Viṣṇu gehörige Erde
pṛthivīṃ viṣṇupālitā
die von Viṣṇu behütete Erde

[Anm.: Die zweite Vershälfte wirkt syntaktisch angehängt/elliptisch, mit zwei parallelen Umschreibungen der 'Erde' ohne eigenes Verb; sinngemäß als Apposition wiedergegeben.]

pṛthivyāstu pradānena prīyatāṃ me janārdanaḥ / mantreṇānena daityendra sughoṣastaṃ dvijottamam

'Durch die Gabe der Erde möge Janārdana mir zufrieden sein' – mit diesem Spruch, o Fürst der Daityas, wandte sich Sughoṣa jenem besten der Zweifachgeborenen zu,

Wort für Wort
pṛthivyāstu pradānena
durch die Gabe der Erde aber
prīyatāṃ me janārdanaḥ
möge Janārdana mir zufrieden sein
mantreṇānena daityendra
mit diesem Spruch, o Fürst der Daityas
sughoṣastaṃ dvijottamam
Sughoṣa jenem besten der Zweifachgeborenen

viṣṇubuddhyā samabhyarcya tāvatīṃ pṛthivīṃ dadau / so 'pi bhadramatirvipro dhīmatā yācitāṃ bhuvam

– ihn mit dem Gedanken an Viṣṇu verehrend, gab er jenes Stück Erde. Auch jener Brahmane Bhadramati, nachdem er das von dem Verständigen erbetene Land erhalten hatte,

Wort für Wort
viṣṇubuddhyā samabhyarcya
ihn mit dem Gedanken an Viṣṇu verehrend
tāvatīṃ pṛthivīṃ dadau
gab er jenes Stück Erde
so 'pi bhadramatirvipro
auch jener Brahmane Bhadramati
dhīmatā yācitāṃ bhuvam
das von dem Verständigen erbetene Land

dattavānharibhaktāya śrotriyāya kuṭumbine / sughoṣo bhūmidānena koṭivaṃśasamanvitaḥ

– jenes Land gab Bhadramati seinerseits einem Hari ergebenen, vedakundigen [Brahmanen] mit Familie weiter. Sughoṣa [seinerseits gelangte] durch seine Landschenkung, mitsamt Millionen seiner Geschlechtsangehörigen,

Wort für Wort
dattavānharibhaktāya
gegeben habend einem Hari-Verehrer
śrotriyāya kuṭumbine
einem vedakundigen [Brahmanen] mit Familie
sughoṣo bhūmidānena
Sughoṣa, durch die Landschenkung
koṭivaṃśasamanvitaḥ
mitsamt Millionen seiner Geschlechtsangehörigen

[Anm.: Die Bezüge zwischen Bhadramati und Sughoṣa sind in V.166-168 im Quelltext nicht eindeutig aufgelöst (Subjektwechsel ohne klare Kennzeichnung); die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Lesart, wonach Bhadramati das erhaltene Land an einen weiteren Hari-Verehrer weiterschenkt und dadurch auch dem ursprünglichen Geber Sughoṣa Verdienst zufließt.]

prapede viṣṇubhavanaṃ yatra gatvā na śocati / bale bhadramatiścāpi yataḥ prārthitavāñchriyam

– gelangte zu Viṣṇus Wohnstatt, wohin gegangen man nicht mehr trauert. Und auch Bhadramati, o Bali, da er [nur] um dieses [Land als] Wohlstand gebeten hatte,

Wort für Wort
prapede viṣṇubhavanaṃ
gelangte zu Viṣṇus Wohnstatt
yatra gatvā na śocati
wohin gegangen man nicht mehr trauert
bale bhadramatiścāpi
und auch Bhadramati, o Bali
yataḥ prārthitavāñchriyam
da er um diesen Wohlstand gebeten hatte

[?] prārthitavāñchriyam: Lesung/Sinn unsicher, sinngemäß als 'da er [nur] um diesen [bescheidenen] Wohlstand gebeten hatte' wiedergegeben.

sthitavānviṣṇubhavane sakuṭumbo yugāyutam / tathaiva brahmasadane sthitvā koṭiyugāyutam

– weilte, mitsamt seiner Familie, für zehntausend Zeitalter in Viṣṇus Wohnstatt; ebenso weilte er in der Wohnstatt Brahmās für zehn Millionen mal zehntausend Zeitalter.

Wort für Wort
sthitavānviṣṇubhavane
weilte in Viṣṇus Wohnstatt
sakuṭumbo yugāyutam
mitsamt seiner Familie für zehntausend Zeitalter
tathaiva brahmasadane
ebenso in der Wohnstatt Brahmās
sthitvā koṭiyugāyutam
weilend für zehn Millionen mal zehntausend Zeitalter

aindraṃ padaṃ samāsādya sthitavānkalpapañcakam / tato bhuvaṃ samāsādya sarvaiśvaryasamanvitaḥ

Nachdem er den Rang Indras erlangt hatte, weilte er dort für fünf Weltalter; darauf, zur Erde gelangend, mit allem Wohlstand ausgestattet,

Wort für Wort
aindraṃ padaṃ samāsādya
den Rang Indras erlangend
sthitavānkalpapañcakam
weilte er für fünf Weltalter
tato bhuvaṃ samāsādya
darauf, zur Erde gelangend
sarvaiśvaryasamanvitaḥ
mit allem Wohlstand ausgestattet

jātismaro mahābhāgo bubhuje bhogamuttamam / tato bhadramatirdaitya niṣkāmo viṣṇutatparaḥ

– genoss der Hochbeglückte, sich an frühere Geburten erinnernd, den vorzüglichsten Genuss. Darauf, o Daitya, frei von Begierde, Viṣṇu ergeben, Bhadramati

Wort für Wort
jātismaro mahābhāgo
sich an frühere Geburten erinnernd, der Hochbeglückte
bubhuje bhogamuttamam
genoss er den vorzüglichsten Genuss
tato bhadramatirdaitya
darauf Bhadramati, o Daitya
niṣkāmo viṣṇutatparaḥ
frei von Begierde, Viṣṇu ergeben

pṛthivīṃ vṛttihīnebhyo brahmaṇebhyaḥ pradattavān / tasya viṣṇuḥ prasannātmā tattvaiśaavaryamanuttamam

– gab die Erde den Brahmanen ohne Lebensgrundlage. Ihm gewährte Viṣṇu, zufriedenen Sinnes, jenes höchste, unübertreffliche Wohl,

Wort für Wort
pṛthivīṃ vṛttihīnebhyo
die Erde den [Brahmanen] ohne Lebensgrundlage
brahmaṇebhyaḥ pradattavān
gab er den Brahmanen
tasya viṣṇuḥ prasannātmā
ihm gewährte Viṣṇu, zufriedenen Sinnes
tattvaiśaavaryamanuttamam
jenes höchste, unübertreffliche Wohl

[?] tattvaiśaavaryamanuttamam: Zusammensetzung/Lesung unsicher.

koṭivaṃśasametasya dadau mokṣamanuttamam / tasmāddaityapate mahyaṃ sarvadharmaparāyaṇa

– gewährte er, dem mit Millionen seiner Geschlechtsangehörigen vereint war, die unübertreffliche Erlösung. Deshalb, Herr der Daityas, mir, dem ganzen Dharma Ergebenen,

Wort für Wort
koṭivaṃśasametasya
dem mit Millionen seiner Geschlechtsangehörigen vereint war
dadau mokṣamanuttamam
gewährte er die unübertreffliche Erlösung
tasmāddaityapate mahyaṃ
deshalb, Herr der Daityas, mir
sarvadharmaparāyaṇa
dem ganzen Dharma Ergebenen

[Anm.: Ab hier kehrt die Rede zur Rahmenerzählung zurück: Vāmana, der Bali diese ganze Geschichte von Bhadramati erzählt hat, wendet die Lehre nun auf die eigene, gegenwärtige Bitte um Land an.]

tapaścariṣyemokṣāya dehi me tripadāṃ mahīm / vairocanistato dṛṣṭaḥ kalaśaṃ jalapūritam

'– ich werde Askese üben, zur Erlösung; gib mir ein mit drei Schritten bemessenes Stück Erde.' Darauf ergriff der Sohn Virocanas einen mit Wasser gefüllten Krug,

Wort für Wort
tapaścariṣyemokṣāya
ich werde Askese üben, zur Erlösung
dehi me tripadāṃ mahīm
gib mir ein mit drei Schritten bemessenes Stück Erde
vairocanistato dṛṣṭaḥ
darauf der Sohn Virocanas
kalaśaṃ jalapūritam
einen mit Wasser gefüllten Krug [ergriff er]

[?] dṛṣṭaḥ: Sinn sinngemäß als 'ergriff' wiedergegeben (vgl. V.174 'ādade').

ādade pṛthivīṃ dātuṃ varṇine vāmanāya / viṣṇuḥ sarvagatojñātvā jaladhārāvarodhinam

– er ergriff ihn, um dem Brahmanenschüler Vāmana die Erde zu geben. Viṣṇu, der Allesdurchdringende, erkannte den, der den Wasserstrahl versperrte,

Wort für Wort
ādade pṛthivīṃ dātuṃ
er ergriff [den Krug], um die Erde zu geben
varṇine vāmanāya
dem Brahmanenschüler Vāmana
viṣṇuḥ sarvagatojñātvā
Viṣṇu, der Allesdurchdringende, erkennend
jaladhārāvarodhinam
den, der den Wasserstrahl versperrte

kāvyaṃ hastasthadarbhāgraṃ tacchare saṃnyaveśayat / darbhāgre 'bhūnmahāśāstraṃ koṭisūryasamaprabham

– und ließ etwas in die Spitze des Darbha-Grashalms eindringen, der sich in Kāvyas Hand befand; an der Spitze des Darbha-Halms entstand eine große Waffe, dem Glanz von zehn Millionen Sonnen gleich.

Wort für Wort
kāvyaṃ hastasthadarbhāgraṃ
Kāvya, mit der Spitze eines Darbha-Grashalms in der Hand
tacchare saṃnyaveśayat
ließ [Viṣṇu etwas] in jenen [Halm] eindringen
darbhāgre 'bhūnmahāśāstraṃ
an der Spitze des Darbha-Halms entstand eine große Waffe
koṭisūryasamaprabham
dem Glanz von zehn Millionen Sonnen gleich

[Anm.: Anspielung auf die bekannte Episode, in der Śukra (Kāvya) sich in subtiler Gestalt in die Tülle des Wasserkrugs begibt, um den Wasserfluss – und damit die rechtsgültige Schenkung – zu blockieren; Viṣṇu durchbohrt daraufhin mit einem Kuśa-Grashalm die Tülle und verletzt dabei Śukras Auge.]

amodhaṃ brahmamatyugraṃ kāvyākṣigrāsalolupam / āyāya bhārgavasurānasurānekacakṣuṣā

Die unfehlbare, überaus schreckliche Brahman-Waffe, begierig, Kāvyas Auge zu verschlingen, traf ihn – der Bhārgava näherte sich darauf einäugig den Göttern und Asuras.

Wort für Wort
amodhaṃ brahmamatyugraṃ
die unfehlbare, überaus schreckliche Brahman-Waffe
kāvyākṣigrāsalolupam
begierig, Kāvyas Auge zu verschlingen
āyāya bhārgavasurānasurān
der Bhārgava näherte sich den Göttern und Asuras
ekacakṣuṣā
einäugig

[Anm.: Der Vers ist im Quelltext syntaktisch stark verkürzt/schwer auflösbar; die Übersetzung folgt dem bekannten Mythos (Śukras Verlust eines Auges) sinngemäß.]

paśyeti vāndideśe ca darbhāgraṃ śastrasannibham / balirdadau mahāviṣṇormahīṃ tripadasaṃmitām

'Sieh!' – so wies er, auf die Darbha-Spitze, einer Waffe gleich, hindeutend, ihn an. Bali gab dem großen Viṣṇu die mit drei Schritten bemessene Erde.

Wort für Wort
paśyeti vāndideśe ca
'Sieh!' - so wies er an
darbhāgraṃ śastrasannibham
die Darbha-Spitze, einer Waffe gleich
balirdadau mahāviṣṇor
Bali gab dem großen Viṣṇu
mahīṃ tripadasaṃmitām
die mit drei Schritten bemessene Erde

vavṛdhe so 'pi viśvātmā ābrahmabhuvanaṃ tadā / amimīta mahīṃ dvābhyāṃ padbhyāṃ viśvatanurhariḥ

Da wuchs jener, die Weltseele, bis zur Welt Brahmās; mit zwei Füßen durchmaß Hari, dessen Leib das Universum ist, die Erde.

Wort für Wort
vavṛdhe so 'pi viśvātmā
da wuchs jener, die Weltseele
ābrahmabhuvanaṃ tadā
bis zur Welt Brahmās
amimīta mahīṃ dvābhyāṃ padbhyāṃ
er durchmaß die Erde mit zwei Füßen
viśvatanurhariḥ
Hari, dessen Leib das Universum ist

sa ābrahmakaṭāhāntapadānyetāni saprabhaḥ / pādāṅkuṣṭāgranirbhinnaṃ brahmāṇḍaṃ vibhide dvidhā

Er, dessen Schritte, leuchtend, bis zum Rand der Brahmā-Schale reichten – von der Spitze seiner Fußzehe durchbohrt, spaltete sich das Weltenei entzwei.

Wort für Wort
sa ābrahmakaṭāhāntapadānyetāni saprabhaḥ
er, dessen leuchtende Schritte bis zum Rand der Brahmā-Schale reichten
pādāṅkuṣṭāgranirbhinnaṃ
von der Spitze seiner Fußzehe durchbohrt
brahmāṇḍaṃ vibhide dvidhā
spaltete sich das Weltenei entzwei

taddārā bāhyasalilaṃ bahudhāraṃ samāgatam / dhautaviṣṇupadaṃ toyaṃ nirmalaṃ lokapāvanam

Durch jene Öffnung kam das äußere Wasser des kosmischen Ozeans in vielen Strömen herbei – das Wasser, das Viṣṇus Fuß gewaschen hatte, rein, die Welt reinigend.

Wort für Wort
taddārā bāhyasalilaṃ
durch jene Öffnung das äußere Wasser
bahudhāraṃ samāgatam
in vielen Strömen herbeikommend
dhautaviṣṇupadaṃ toyaṃ
das Wasser, das Viṣṇus Fuß gewaschen hatte
nirmalaṃ lokapāvanam
rein, die Welt reinigend

[?] taddārā: wohl taddvārā.

ajāṇḍabāhyanilayaṃ dhārārupamavarttata / tajjalaṃ pāvanaṃ śreṣṭhaṃ brahmādīnpāvayatsurān

Außerhalb des Weltenei-Wohnorts nahm es die Gestalt eines Wasserstroms an; jenes Wasser, das vorzüglichste Reinigungsmittel, reinigte die Götter, Brahmā und die anderen.

Wort für Wort
ajāṇḍabāhyanilayaṃ
außerhalb des Weltenei-Wohnorts
dhārārupamavarttata
nahm es die Gestalt eines Wasserstroms an
tajjalaṃ pāvanaṃ śreṣṭhaṃ
jenes Wasser, das vorzüglichste Reinigungsmittel
brahmādīnpāvayatsurān
reinigte die Götter, Brahmā und die anderen

satparṣisevitaṃ caiva nyapatanmerumūrddhani

– und, von den wahren Weisen verehrt, fiel es auf den Gipfel des Meru.

Wort für Wort
satparṣisevitaṃ caiva
und von den wahren Weisen verehrt
nyapatanmerumūrddhani
fiel es auf den Gipfel des Meru

[Anm.: Im Quelltext ist zu V.182 nur eine Halbzeile (ein Pāda) überliefert.] [?] satparṣisevitaṃ: wohl satparṣisevitaṃ = satpuruṣasevitaṃ / satparṣi für 'satṛṣi'.

etaddaṣṭvādbhutaṃ karma brahmādyā devatāgaṇāḥ / ṛṣayo manavaścaiva hyastuvanharṣavihvalāḥ

Dies wunderbare Werk erblickend, priesen die Scharen der Götter mit Brahmā an der Spitze, die Weisen und ebenso die Manus, überwältigt von Freude:

Wort für Wort
etaddaṣṭvādbhutaṃ karma
dies wunderbare Werk erblickend
brahmādyā devatāgaṇāḥ
die Scharen der Götter mit Brahmā an der Spitze
ṛṣayo manavaścaiva
die Weisen und ebenso die Manus
hyastuvanharṣavihvalāḥ
priesen fürwahr, überwältigt von Freude

[?] daṣṭvā: wohl dṛṣṭvā.

devā ūcuḥ namaḥ pareśāya parātmarupiṇe parātparāyāpararupadhāriṇe / brahmātmane brahmaratātmabuddhaye namo 'stu te 'vyāhatakarmaśīline

Die Götter sprachen: Verehrung dem höchsten Herrn, dessen Gestalt das höchste Selbst ist, dem noch Höheren als der Höchste, dem Träger der niederen Gestalt; dem, dessen Wesen das Brahman ist, dessen Einsicht dem Brahman zugetan ist – Verehrung sei dir, dessen Wirken ungehindert ist.

Wort für Wort
namaḥ pareśāya parātmarupiṇe
Verehrung dem höchsten Herrn, dessen Gestalt das höchste Selbst ist
parātparāyāpararupadhāriṇe
dem noch Höheren als der Höchste, dem Träger der niederen Gestalt
brahmātmane brahmaratātmabuddhaye
dem, dessen Wesen das Brahman ist, dessen Einsicht dem Brahman zugetan ist
namo 'stu te 'vyāhatakarmaśīline
Verehrung sei dir, dessen Wirken ungehindert ist

pareśa paramānanda paramātmanparātpara / sarvātmane jaganmūrtte pramāṇātīta te namaḥ

O höchster Herr, höchste Wonne, höchste Seele, Höherer als der Höchste; dem Selbst von allem, dessen Gestalt die Welt ist, dem jenseits aller Erkenntnismittel Stehenden sei Verehrung dir.

Wort für Wort
pareśa paramānanda
o höchster Herr, höchste Wonne
paramātmanparātpara
höchste Seele, Höherer als der Höchste
sarvātmane jaganmūrtte
dem Selbst von allem, dessen Gestalt die Welt ist
pramāṇātīta te namaḥ
dem jenseits aller Erkenntnismittel Stehenden sei Verehrung dir

viśvataśvakṣuṣe tubhyaṃ viśvato bāhave namaḥ / viśvataḥ śirase caiva viśvato gataye namaḥ

Dir, dessen Auge nach allen Seiten gerichtet ist, Verehrung; dessen Arm nach allen Seiten reicht; dessen Haupt nach allen Seiten ist, und dessen Gang nach allen Seiten führt, Verehrung.

Wort für Wort
viśvataśvakṣuṣe tubhyaṃ
dir, dessen Auge nach allen Seiten gerichtet ist
viśvato bāhave namaḥ
Verehrung [dir], dessen Arm nach allen Seiten reicht
viśvataḥ śirase caiva
und dessen Haupt nach allen Seiten ist
viśvato gataye namaḥ
Verehrung [dir], dessen Gang nach allen Seiten führt

[Anm.: Anklang an das Puruṣasūkta (Ṛgveda 10.90.1) bzw. an die Beschreibung des viśvatomukha/viśvarūpa.]

evaṃra stuto mahāviṣṇurbrahmādyaiḥ svarddavaukasām / dattvābhayaṃ ca mumude devadevaḥ sanātanaḥ

So von Brahmā und den anderen Himmelsbewohnern gepriesen, gewährte der große Viṣṇu, der ewige Gott der Götter, Schutz und freute sich.

Wort für Wort
evaṃra stuto mahāviṣṇur
so gepriesen, der große Viṣṇu
brahmādyaiḥ svarddavaukasām
von Brahmā und den anderen Himmelsbewohnern
dattvābhayaṃ ca mumude
Schutz gewährend, freute er sich
devadevaḥ sanātanaḥ
der ewige Gott der Götter

[?] evaṃra: wohl evaṃ; svarddavaukasām: wohl svardivaukasām.

virocanātmajaṃ daityaṃ padaikārthaṃ babandha ha / tataḥ prapannaṃ tu baliṃ jñātvā cāsmai rasātalam / dadau tadvārapālaśca bhaktavaśyo babhūva ha

Den Daitya, den Sohn Virocanas, band er, um den dritten Schritt zu vollenden; als er darauf erkannte, dass Bali sich ihm ergeben hatte, gab er ihm die Unterwelt Rasātala und wurde fürwahr dessen Torwächter, den Verehrern gehorsam.

Wort für Wort
virocanātmajaṃ daityaṃ
den Daitya, den Sohn Virocanas
padaikārthaṃ babandha ha
band er, um den [dritten] Schritt zu vollenden
tataḥ prapannaṃ tu baliṃ jñātvā
als er erkannte, dass sich Bali ergeben hatte
cāsmai rasātalam dadau
gab er ihm die Unterwelt Rasātala
tadvārapālaśca bhaktavaśyo babhūva ha
und wurde dessen Torwächter, den Verehrern gehorsam

[Anm.: Der Vers umfasst im Quelltext drei Pādas statt der üblichen zwei.]

nārada uvāca rasātale mahāviṣṇurvirocanasutasya vai / kiṃ bhojyaṃ kalpayāmāsa ghore sarpabhayākule

Nārada sprach: 'Was für eine Speise bereitete der große Viṣṇu für den Sohn Virocanas in Rasātala, das furchtbar, von Schlangengefahr erfüllt ist?'

Wort für Wort
rasātale mahāviṣṇur
in Rasātala der große Viṣṇu
virocanasutasya vai
für den Sohn Virocanas fürwahr
kiṃ bhojyaṃ kalpayāmāsa
was für eine Speise bereitete er
ghore sarpabhayākule
in dem furchtbaren, von Schlangengefahr erfüllten [Ort]

sanaka uvāca amantritaṃ haviryattu hūyate jātavedasi / apātre dīyate yacca taddhoraṃ bhogasādhanam

Sanaka sprach: 'Was für Opferschmalz, ohne dass es dazu eingeladen wurde, dem Feuer geopfert wird, und was einem unwürdigen Empfänger gegeben wird, das ist ein furchtbares Mittel des Genusses.'

Wort für Wort
amantritaṃ havir
das nicht eingeladene Opferschmalz
yattu hūyate jātavedasi
das dem Feuer geopfert wird
apātre dīyate yacca
und was einem unwürdigen Empfänger gegeben wird
taddhoraṃ bhogasādhanam
das ist ein furchtbares Mittel des Genusses

hutaṃ haviraśucinā dṛttaṃ satkarma yatkṛtam / tatsarvaṃ tatra bhogārhamadhaḥ pātaphalapradam

'Das von einem Unreinen geopferte Opferschmalz, die Gabe, das gute Werk, das unrein vollzogen wurde – das alles wird dort zum Genussgegenstand für die, deren Frucht der Sturz in die Tiefe war.'

Wort für Wort
hutaṃ haviraśucinā
das von einem Unreinen geopferte Opferschmalz
dṛttaṃ satkarma yatkṛtam
die gegebene Gabe, das unrein vollzogene gute Werk
tatsarvaṃ tatra bhogārham
das alles wird dort zum Genussgegenstand
adhaḥ pātaphalapradam
für die, deren Frucht der Sturz in die Tiefe war

[Anm.: Erklärt, dass Bali in Rasātala von den 'verunreinigten' Opfergaben der Menschenwelt genährt wird.] [?] dṛttaṃ: wohl dattaṃ.

evaṃ rasātalaṃ viṣṇurbalaye sāsurāya tu / dattvābhayaṃ ca sarveṣāṃ surāṇāṃ tridivaṃ dadau

So gab Viṣṇu dem Bali, dem Herrn der Asuras, die Unterwelt Rasātala, gewährte Schutz und gab allen Göttern wieder den dreifachen Himmel.

Wort für Wort
evaṃ rasātalaṃ viṣṇur
so [gab] Viṣṇu die Unterwelt Rasātala
balaye sāsurāya tu
dem Bali, dem Herrn der Asuras
dattvābhayaṃ ca sarveṣāṃ
und Schutz gewährend allen
surāṇāṃ tridivaṃ dadau
gab er den Göttern den dreifachen Himmel

pūjyamāno 'maragaṇaiḥ stūyamāno maharṣibhiḥ / gandharvairgīyamānaśca punarvāmanatāṃ gataḥ

Von den Scharen der Unsterblichen verehrt, von den großen Weisen gepriesen, von den Gandharvas besungen, kehrte er wieder in seine Vāmana-Gestalt zurück.

Wort für Wort
pūjyamāno 'maragaṇaiḥ
von den Scharen der Unsterblichen verehrt
stūyamāno maharṣibhiḥ
von den großen Weisen gepriesen
gandharvairgīyamānaśca
und von den Gandharvas besungen
punarvāmanatāṃ gataḥ
kehrte er wieder in seine Vāmana-Gestalt zurück

etaddṛṣṭvā mahatkarmamuno brahmavādinaḥ / paraspare smitamukhāḥ praṇebhuḥ puruṣottamam

Dies große Werk erblickend, verneigten sich die Weisen, die Verkünder des Brahman, einander mit lächelndem Antlitz ansehend, vor dem höchsten Menschen.

Wort für Wort
etaddṛṣṭvā mahatkarma
dies große Werk erblickend
muno brahmavādinaḥ
die Weisen, Verkünder des Brahman
paraspare smitamukhāḥ
einander mit lächelndem Antlitz [ansehend]
praṇebhuḥ puruṣottamam
verneigten sie sich vor dem höchsten Menschen

[?] muno: wohl munayo.

sarvabhūtatmako viṣṇurvāmanatvamupāgataḥ / mohayannikhilaṃ lokaṃ prapede tapase vanam

Viṣṇu, dessen Selbst alle Wesen sind, zur Vāmana-Gestalt zurückgekehrt, die ganze Welt bezaubernd, begab sich zur Askese in den Wald.

Wort für Wort
sarvabhūtatmako viṣṇur
Viṣṇu, dessen Selbst alle Wesen sind
vāmanatvamupāgataḥ
zur Vāmana-Gestalt zurückgekehrt
mohayannikhilaṃ lokaṃ
die ganze Welt bezaubernd
prapede tapase vanam
begab er sich zur Askese in den Wald

evaṃ prabhāvā sā devī gaṅgā viṣṇupadodbhavā / yasyāḥ smaraṇamātreṇa mucyate sarvapātakaiḥ

So ist von solcher Macht jene Göttin Gaṅgā, die aus Viṣṇus Fuß entsprungen ist; allein durch das Gedenken an sie wird man von allen Sünden befreit.

Wort für Wort
evaṃ prabhāvā sā devī
so von solcher Macht ist jene Göttin
gaṅgā viṣṇupadodbhavā
Gaṅgā, die aus Viṣṇus Fuß entsprungen ist
yasyāḥ smaraṇamātreṇa
allein durch das Gedenken an sie
mucyate sarvapātakaiḥ
wird man von allen Sünden befreit

idaṃ tu gaṅgāmāhātmyaṃ yaḥ paṭhe cchṛṇuyādapi / devālaye nadītīre so 'śvamedhaphalaṃ labhet

Diese Größe der Gaṅgā aber – wer sie liest oder auch nur hört, im Tempel oder am Flussufer, der erlangt die Frucht eines Roßopfers.

Wort für Wort
idaṃ tu gaṅgāmāhātmyaṃ
diese Größe der Gaṅgā aber
yaḥ paṭhe cchṛṇuyādapi
wer sie liest oder auch nur hört
devālaye nadītīre
im Tempel, am Flussufer
so 'śvamedhaphalaṃ labhet
der erlangt die Frucht eines Roßopfers

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