Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 110: dvādaśamāsadvitīyāvratanirūpaṇam Darlegung der Dvitīyā-Gelübde der zwölf Monate

Titel rekonstruiert aus dem Kolophon, der (quellenbedingt versetzt) am Kopf der Datei src_kap111_raw.txt erscheint („...dvādaśamāsadvitīyāvratanirūpaṇaṃ nāmaikādaśādhikaśatatamo 'dhyāyaḥ“) und inhaltlich eindeutig Kapitel 110 zuzuordnen ist; vgl. Anmerkung zu Kapitel 109.

sanātana uvāca / śṛṇu vipra pravakṣyāmi dvitīyāyā vratāni te / yāni kṛtvā naro bhaktyā brahmaloke mahīyate

Sanātana sprach: Höre, Brahmane, ich werde dir die Gelübde des zweiten Mondtags (Dvitīyā) verkünden, durch deren hingebungsvolle Ausführung der Mensch in der Welt Brahmās geehrt wird.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
śṛṇu vipra pravakṣyāmi
höre, Brahmane, ich werde verkünden
dvitīyāyā vratāni te
dir die Gelübde des zweiten Mondtags
yāni kṛtvā naro bhaktyā brahmaloke mahīyate
durch deren hingebungsvolle Ausführung der Mensch in der Welt Brahmās geehrt wird

Der eigentliche Kolophon des VORANGEHENDEN Kapitels (109, Pratipad-Vrata, hier fälschlich als „daśottaraśatatamo 'dhyāyaḥ“ = 110. Kapitel bezeichnet) steht in der Quelldatei irrtümlich vor dieser Verszeile (durchgängiges Verschiebungsmuster in diesem Textkorpus) und wurde nicht mitübersetzt.

caitraśukladvitīyāyāṃ brahmaṇaṃ ca saśaktikam / haviṣyānnena gandhādyaiḥ stoṣya sarvakratūdbhavam

Am zweiten Tag der hellen Hälfte des Caitra soll man Brahmā, zusammen mit seiner Śakti, mit geweihter Speise, Duftstoffen und dergleichen preisen, ihn, aus dem alle Opferriten entstanden sind,

Wort für Wort
caitraśukladvitīyāyāṃ
am zweiten Tag der hellen Hälfte des Caitra
brahmaṇaṃ ca saśaktikam
Brahmā, zusammen mit seiner Śakti
haviṣyānnena gandhādyaiḥ
mit geweihter Speise, Duftstoffen und dergleichen
stoṣya sarvakratūdbhavam
soll man preisen, ihn, aus dem alle Opferriten entstanden sind

phalaṃ labdhvākhilānkāmānante brahmapadaṃ labhet / asminneva dine vipra bālendumuditaṃ pare

so erlangt man, nachdem man die Frucht aller Wünsche erhalten hat, am Ende den Zustand Brahmās. An eben diesem Tag, o Brahmane, soll man den aufgegangenen jungen Mond, im höchsten Sinne,

Wort für Wort
phalaṃ labdhvākhilānkāmān
nachdem man die Frucht aller Wünsche erhalten hat
ante brahmapadaṃ labhet
erlangt man am Ende den Zustand Brahmās
asminneva dine vipra
an eben diesem Tag, o Brahmane
bālendumuditaṃ pare
den aufgegangenen jungen Mond, im höchsten Sinne

samabhyarcya niśāraṃbhe bhuktimuktiphalaṃ bhavet / atha vāsmindine bhaktyā dasrāvabhyarcya yatnataḥ

verehren, zu Beginn der Nacht; so entsteht die Frucht von Genuss und Erlösung. Oder aber, an diesem Tag, nachdem man mit Hingabe und Bemühen die beiden Aśvins (Dasrau) verehrt hat,

Wort für Wort
samabhyarcya niśāraṃbhe
verehren, zu Beginn der Nacht
bhuktimuktiphalaṃ bhavet
so entsteht die Frucht von Genuss und Erlösung
atha vāsmindine bhaktyā
oder aber an diesem Tag mit Hingabe
dasrāvabhyarcya yatnataḥ
nachdem man die beiden Aśvins mit Bemühen verehrt hat

suvarṇarajate netre pradadyācca dvijātaye / pūrṇayātrāvrate hyasmindadhnā vāpi ghṛtena ca

soll man dem Zweifachgeborenen ein Paar Augen aus Gold und Silber schenken. Bei diesem Gelübde der 'vollen Fahrt' (Pūrṇayātrā) (verehrt man) mit Quark oder auch mit Ghee,

Wort für Wort
suvarṇarajate netre
ein Paar Augen aus Gold und Silber
pradadyācca dvijātaye
soll man dem Zweifachgeborenen schenken
pūrṇayātrāvrate hyasmin
bei diesem Gelübde der 'vollen Fahrt'
dadhnā vāpi ghṛtena ca
mit Quark oder auch mit Ghee

netravrataṃ dvādaśa vatsarānvai kṛtyā bhavedbhūmipatirdvijendra / surūparūpo 'rigaṇapratāpī dharmābhirāmo nṛpavargamukhyaḥ

nachdem man das Augen-Gelübde zwölf Jahre lang vollzogen hat, wird man, o Fürst der Zweifachgeborenen, ein Herrscher der Erde – von schöner Gestalt, machtvoll gegenüber der Schar der Feinde, dem Dharma zugetan, der Erste unter den Königen.

Wort für Wort
netravrataṃ dvādaśa vatsarānvai kṛtyā
nachdem man das Augen-Gelübde zwölf Jahre lang vollzogen hat
bhavedbhūmipatirdvijendra
wird man ein Herrscher der Erde, o Fürst der Zweifachgeborenen
surūparūpo 'rigaṇapratāpī
von schöner Gestalt, machtvoll gegenüber der Schar der Feinde
dharmābhirāmo nṛpavargamukhyaḥ
dem Dharma zugetan, der Erste unter den Königen

rādhaśukladvitīyāyāṃ brahmaṇaṃ viṣṇurūpiṇam / samarcya saptadhānyānyāḍhyakuṃbhopari vidhānataḥ

Am zweiten Tag der hellen Hälfte des Rādha [?] soll man Brahmā in Viṣṇu-Gestalt verehren, nachdem man die sieben Getreidearten nach Vorschrift auf einem gefüllten Wassertopf (dargebracht hat),

Wort für Wort
rādhaśukladvitīyāyāṃ [?]
am zweiten Tag der hellen Hälfte des Rādha [?]
brahmaṇaṃ viṣṇurūpiṇam
Brahmā in Viṣṇu-Gestalt
samarcya saptadhānyāni
soll man verehren, (nachdem man) die sieben Getreidearten
āḍhyakuṃbhopari vidhānataḥ
auf einem gefüllten Wassertopf, nach Vorschrift (dargebracht hat)

„Rādha“ als Monatsname ist unklar; möglicherweise Nebenname für Vaiśākha oder eine Verschreibung; mit [?] markiert.

viṣṇulokamavāpnoti bhuktvā bhogānmanoramān / jyeṣṭhaśukladvitīyāyāṃ bhāskaraṃ bhuvanādhipam

erlangt man die Welt Viṣṇus, nachdem man entzückende Genüsse genossen hat. Am zweiten Tag der hellen Hälfte des Jyeṣṭha (soll man) Bhāskara (die Sonne), den Herrn der Welt,

Wort für Wort
viṣṇulokamavāpnoti
erlangt man die Welt Viṣṇus
bhuktvā bhogānmanoramān
nachdem man entzückende Genüsse genossen hat
jyeṣṭhaśukladvitīyāyāṃ
am zweiten Tag der hellen Hälfte des Jyeṣṭha
bhāskaraṃ bhuvanādhipam
Bhāskara, den Herrn der Welt

catuvaktrasvarūpaṃ ca samabhyarcya vidhānataḥ / bhojayitvā dvijān bhaktyā bhāskaraṃ lokamāpnuyāt

der die Wesensform mit vier Gesichtern [?] hat, nach Vorschrift verehren; nachdem man Brahmanen mit Hingabe gespeist hat, erlangt man die Welt der Sonne (Bhāskara).

Wort für Wort
catuvaktrasvarūpaṃ ca [?]
der die Wesensform mit vier Gesichtern [?] hat
samabhyarcya vidhānataḥ
soll man nach Vorschrift verehren
bhojayitvā dvijān bhaktyā
nachdem man Brahmanen mit Hingabe gespeist hat
bhāskaraṃ lokamāpnuyāt
erlangt man die Welt der Sonne

catuvaktrasvarūpam („vierantlitzig“) ist als Epitheton für Sūrya ungewöhnlich (sonst Beiname Brahmās); möglicherweise Textverderbnis; mit [?] markiert.

āṣāḍhasya site pakṣe dvitīyā puṇyasaṃyutā / tasyāṃ rathaṃ samāropya rāmaṃ saha subhadrayā

In der hellen Hälfte des Āṣāḍha ist der zweite Tag heilbringend; an diesem Tag soll man (die Gottheit) mit Rāma (Balarāma), zusammen mit Subhadrā, auf einen Wagen setzen,

Wort für Wort
āṣāḍhasya site pakṣe
in der hellen Hälfte des Āṣāḍha
dvitīyā puṇyasaṃyutā
ist der zweite Tag heilbringend
tasyāṃ rathaṃ samāropya
an diesem (Tag), nachdem man auf einen Wagen gesetzt hat
rāmaṃ saha subhadrayā
(die Gottheit) mit Rāma, zusammen mit Subhadrā

dvijādibhirvratī sārdhaṃ parikramya purādikam / jalāśayāntikaṃ gatvā kārayecca mahotsavam

und zusammen mit den Zweifachgeborenen und anderen soll der Gelübdehaltende um die Stadt und dergleichen herumziehen, und, nachdem man zum Ufer eines Wasserbeckens gegangen ist, ein großes Fest veranstalten.

Wort für Wort
dvijādibhirvratī sārdhaṃ
zusammen mit den Zweifachgeborenen und anderen soll der Gelübdehaltende
parikramya purādikam
um die Stadt und dergleichen herumziehen
jalāśayāntikaṃ gatvā
nachdem man zum Ufer eines Wasserbeckens gegangen ist
kārayecca mahotsavam
soll man ein großes Fest veranstalten

tadante devabhavane niveśya ca yathāvidhi / brāhmaṇānbhojayeccaiva vratasyāsya prapūrtaye

Am Ende dessen soll man (die Gottheit) im Götterhaus nach Vorschrift einsetzen lassen und Brahmanen speisen, zur Vollendung dieses Gelübdes.

Wort für Wort
tadante devabhavane
am Ende dessen, im Götterhaus
niveśya ca yathāvidhi
nachdem man (sie) nach Vorschrift eingesetzt hat
brāhmaṇānbhojayeccaiva
und Brahmanen speisen soll
vratasyāsya prapūrtaye
zur Vollendung dieses Gelübdes

nabhaḥ śukladvitīyāyāṃ viśvakarmā prajāpatiḥ / svapitīti tithiḥ puṇyā hyaśokaśayanāhvayā

Am zweiten Tag der hellen Hälfte des Nabhas (Śrāvaṇa) schläft Viśvakarman, der Herr der Geschöpfe (Prajāpati) – so heißt es; dieser heilbringende Tithi wird 'Aśokaśayana' (das kummerlose Ruhelager) genannt.

Wort für Wort
nabhaḥ śukladvitīyāyāṃ
am zweiten Tag der hellen Hälfte des Nabhas
viśvakarmā prajāpatiḥ svapiti iti
Viśvakarman, der Herr der Geschöpfe, schläft – so heißt es
tithiḥ puṇyā hi
dieser Tithi ist heilbringend
aśokaśayanāhvayā
er wird 'Aśokaśayana' genannt

saśaktika tu śayyāsthaṃ pūjayitvā caturmukham / imamuccārayenmantraṃ praṇamya jagatāṃ patim

Nachdem man den Vierantlitzigen (Brahmā), zusammen mit seiner Śakti, auf dem Lager liegend, verehrt hat, soll man, sich vor dem Herrn der Welten verneigend, folgenden Mantra aussprechen:

Wort für Wort
saśaktika tu śayyāsthaṃ
zusammen mit seiner Śakti, auf dem Lager liegend
pūjayitvā caturmukham
nachdem man den Vierantlitzigen verehrt hat
imamuccārayenmantraṃ
soll man folgenden Mantra aussprechen
praṇamya jagatāṃ patim
sich vor dem Herrn der Welten verneigend

śrīvatsadhāriñchrīkānta śrīvāsa śrīpate prabho / gārhasthyaṃ mā praṇāśaṃ me yātu dharmārthakāmada

'Oh Träger des Śrīvatsa-Zeichens, Geliebter der Śrī, Wohnstatt der Śrī, Herr der Śrī, o Gebieter – möge mein Hausstand nicht dem Untergang verfallen, o Gewährer von Dharma, Artha und Kāma!'

Wort für Wort
śrīvatsadhāriñchrīkānta
oh Träger des Śrīvatsa-Zeichens, Geliebter der Śrī
śrīvāsa śrīpate prabho
Wohnstatt der Śrī, Herr der Śrī, o Gebieter
gārhasthyaṃ mā praṇāśaṃ me yātu
möge mein Hausstand nicht dem Untergang verfallen
dharmārthakāmada
o Gewährer von Dharma, Artha und Kāma

Die hier angesprochenen Epitheta (Śrīvatsadhārin, Śrīkānta, Śrīvāsa, Śrīpate) sind Beinamen Viṣṇus, während V14 den zuvor gelagerten Gott als 'caturmukham' (den Vierantlitzigen, gewöhnlich Brahmā) bezeichnet – ein Widerspruch bzw. eine Gleichsetzung, die im Quelltext unaufgelöst bleibt.

candrārddhadānamatroktaṃ sarvasiddhividhāyakam / bhādraśukladvitīyāyāṃ śakrarūpaṃ jagadvidhim

Hierbei wird die Gabe eines Halbmond(-förmigen Gegenstands) gelehrt, die alle Vollkommenheit bewirkt. Am zweiten Tag der hellen Hälfte des Bhādra (soll man) den Weltenordner in Indra-Gestalt,

Wort für Wort
candrārddhadānamatroktaṃ
hierbei wird die Gabe eines Halbmond(-förmigen Gegenstands) gelehrt
sarvasiddhividhāyakam
die alle Vollkommenheit bewirkt
bhādraśukladvitīyāyāṃ
am zweiten Tag der hellen Hälfte des Bhādra
śakrarūpaṃ jagadvidhim
den Weltenordner in Indra-Gestalt

pūjayitvā vidhānenana [?] sarvakratuphalaṃ labhet / āśvine māsi vai puṇyā dvitīyā śuklapakṣagā

nach Vorschrift verehren; so erlangt man die Frucht aller Opferriten. Im Monat Āśvina ist der zweite Tag der hellen Monatshälfte heilbringend.

Wort für Wort
pūjayitvā vidhānena [?]
nachdem man nach Vorschrift verehrt hat
sarvakratuphalaṃ labhet
erlangt man die Frucht aller Opferriten
āśvine māsi vai puṇyā
im Monat Āśvina ist heilbringend
dvitīyā śuklapakṣagā
der zweite Tag der hellen Monatshälfte

vidhānenana enthält eine überzählige Silbe; wohl für vidhānena; mit [?] markiert.

dānaṃ pradattametasyāmanantaphalamucyate / ūrjjaśukladvitīyāyāṃ yamo yamunayā purā

Eine an diesem Tag gegebene Gabe, so heißt es, trägt unendliche Frucht. Am zweiten Tag der hellen Hälfte des Ūrja (Kārtika) wurde einst Yama von Yamunā,

Wort für Wort
dānaṃ pradattametasyām
eine Gabe, gegeben an diesem (Tag)
anantaphalamucyate
trägt, so heißt es, unendliche Frucht
ūrjjaśukladvitīyāyāṃ
am zweiten Tag der hellen Hälfte des Ūrja
yamo yamunayā purā
Yama von Yamunā einst

bhojitaḥ svagṛhe tena dvitīyaiṣā yamāhvayā / puṣṭipravarddhanaṃ cātra bhaginyā bhojanaṃ gṛhe

in ihrem Haus gespeist; deshalb heißt dieser zweite Tag 'Yamā' (Yama-Tag). Das Speisen im Haus der Schwester bewirkt dabei Gedeihen und Mehrung.

Wort für Wort
bhojitaḥ svagṛhe tena
in ihrem Haus gespeist; deshalb
dvitīyaiṣā yamāhvayā
heißt dieser zweite Tag 'Yamā'
puṣṭipravarddhanaṃ cātra
Gedeihen und Mehrung dabei
bhaginyā bhojanaṃ gṛhe
durch Speisen im Haus der Schwester

vastrālaṅkārapūrvaṃ tu tasmai deyamataḥ param

Ihr (der Schwester) soll man danach, voran mit Gewand und Schmuck (beginnend), eine Gabe geben.

Wort für Wort
vastrālaṅkārapūrvaṃ tu
voran mit Gewand und Schmuck
tasmai deyamataḥ param
soll ihr danach eine Gabe gegeben werden

Im Quelltext ist V20 (im Unterschied zu den übrigen Versen) nur mit einer einzigen Halbzeile überliefert; der zweite Halbvers fehlt bzw. wurde offenbar nicht mit aufgenommen.

yasyāṃ tithau yamunayā yamarājadevaḥ saṃbhojito nijakarātsvasṛsauhṛdena / tasyāṃ svasuḥ karatalādiha yo bhunakti prāpnoti ratnadhanadhānyamanuttamaṃ saḥ

An dem Tithi, an dem der Gott Yamarāja von Yamunā aus deren eigener Hand, aus Liebe zur Schwester, gespeist wurde – wer an diesem Tag aus der Handfläche seiner Schwester isst, der erlangt unübertreffliche Juwelen, Reichtum und Getreide.

Wort für Wort
yasyāṃ tithau yamunayā
an dem Tithi, an dem von Yamunā
yamarājadevaḥ saṃbhojito nijakarātsvasṛsauhṛdena
der Gott Yamarāja aus deren eigener Hand, aus Liebe zur Schwester, gespeist wurde
tasyāṃ svasuḥ karatalādiha yo bhunakti
wer an diesem Tag aus der Handfläche seiner Schwester isst
prāpnoti ratnadhanadhānyamanuttamaṃ saḥ
der erlangt unübertreffliche Juwelen, Reichtum und Getreide

mārgaśukladvitīyāyāṃ śrāddhena pitṛpūjanam / ārogyaṃ labhate cāpi putrapautrasamanvayaḥ

Am zweiten Tag der hellen Hälfte des Mārga(śīrṣa) bewirkt die Verehrung der Ahnen durch das Śrāddha-Opfer, dass man auch Gesundheit erlangt, verbunden mit Söhnen und Enkeln.

Wort für Wort
mārgaśukladvitīyāyāṃ
am zweiten Tag der hellen Hälfte des Mārga
śrāddhena pitṛpūjanam
die Verehrung der Ahnen durch das Śrāddha-Opfer
ārogyaṃ labhate cāpi
man erlangt auch Gesundheit
putrapautrasamanvayaḥ
verbunden mit Söhnen und Enkeln

pauṣaśukladvitīyāyāṃ gośṛṅgodakamārjanam / sarvakāmapradaṃ nṝṇāmāste bālendudarśanam

Am zweiten Tag der hellen Hälfte des Pauṣa gibt es das Abwischen mit Wasser vom Horn der Kuh, das allen Menschen alle Wünsche gewährt, zusammen mit der Betrachtung des jungen Mondes.

Wort für Wort
pauṣaśukladvitīyāyāṃ
am zweiten Tag der hellen Hälfte des Pauṣa
gośṛṅgodakamārjanam
das Abwischen mit Wasser vom Horn der Kuh
sarvakāmapradaṃ nṝṇām
das allen Menschen alle Wünsche gewährt
āste bālendudarśanam
zusammen mit der Betrachtung des jungen Mondes

yor'ghyadānena bālenduṃ haviṣyāśī jitendriyaḥ / pūjayetsājyasumanedharmakāmārthasiddhaye

Wer, geweihte Speise essend und die Sinne beherrschend, dem jungen Mond durch das Geben von Ehrenwasser, zusammen mit Ghee und Blumen, huldigt, der erlangt die Erfüllung von Dharma, Kāma und Artha.

Wort für Wort
yo 'rghyadānena bālenduṃ
wer durch das Geben von Ehrenwasser dem jungen Mond
haviṣyāśī jitendriyaḥ
geweihte Speise essend und die Sinne beherrschend
pūjayetsājyasumane
verehrt, zusammen mit Ghee und Blumen
dharmakāmārthasiddhaye
(der erlangt) die Erfüllung von Dharma, Kāma und Artha

māghaśukladvitīyāyāṃ bhānurūpaṃ prajāpatim / samabhyarcya yathānyāyaṃ pūjayedraktapuṣpakaiḥ

Am zweiten Tag der hellen Hälfte des Māgha soll man den Herrn der Geschöpfe in Sonnengestalt der Regel gemäß verehren, mit roten Blumen huldigen,

Wort für Wort
māghaśukladvitīyāyāṃ
am zweiten Tag der hellen Hälfte des Māgha
bhānurūpaṃ prajāpatim
den Herrn der Geschöpfe in Sonnengestalt
samabhyarcya yathānyāyaṃ
soll man der Regel gemäß verehren
pūjayedraktapuṣpakaiḥ
soll man mit roten Blumen huldigen

raktairgaṃvaistathā svarṇamūrtiṃ nirmāya śaktitaḥ [?] / tataḥ pūrṇaṃ tāmrapātraṃ gāghṛmairvāpitaṇḍulaiḥ [?]

mit roten (Gaben) [?], und nachdem man nach Kraft ein goldenes Abbild angefertigt hat, danach ein volles Kupfergefäß mit Kuh-Ghee [?] oder mit Reiskörnern (füllen),

Wort für Wort
raktairgaṃvaistathā [?]
mit roten (Gaben) [?] ebenso
svarṇamūrtiṃ nirmāya śaktitaḥ
nachdem man nach Kraft ein goldenes Abbild angefertigt hat
tataḥ pūrṇaṃ tāmrapātraṃ
danach ein volles Kupfergefäß
gāghṛmairvāpitaṇḍulaiḥ [?]
mit Kuh-Ghee [?] oder mit Reiskörnern (füllen)

raktairgaṃvaiḥ und gāghṛmaiḥ sind unklare bzw. verderbte Lesarten (evtl. sarvair gandhaiḥ bzw. gāghṛtair o.ä.); mit [?] markiert.

samarpya deve bhaktyaiva sa mūrtiṃ pradadeddvije / evaṃ kṛte vrate vipra sākṣātsūrya ivoditaḥ

nachdem man es dem Gott mit Hingabe dargebracht hat, soll man das Abbild dem Brahmanen übergeben. Wenn das Gelübde so vollzogen wurde, o Brahmane, (wird der Gelübdehaltende) wie die leibhaftig aufgegangene Sonne,

Wort für Wort
samarpya deve bhaktyaiva
nachdem man es dem Gott mit Hingabe dargebracht hat
sa mūrtiṃ pradadeddvije
soll man das Abbild dem Brahmanen übergeben
evaṃ kṛte vrate vipra
wenn das Gelübde so vollzogen wurde, o Brahmane
sākṣātsūrya ivoditaḥ
wie die leibhaftig aufgegangene Sonne

durāsado durādharṣo jāyate bhuvimānavaḥ / iha kāmānvarāmbhuktvā yātyante brahmaṇaḥ padam

unnahbar und unbezwingbar, wird man als Mensch auf Erden geboren. Nachdem man hier die vorzüglichsten Genüsse genossen hat, gelangt man am Ende zum Zustand Brahmās,

Wort für Wort
durāsado durādharṣo
unnahbar und unbezwingbar
jāyate bhuvimānavaḥ
wird man als Mensch auf Erden geboren
iha kāmānvarāmbhuktvā
nachdem man hier die vorzüglichsten Genüsse genossen hat
yātyante brahmaṇaḥ padam
gelangt man am Ende zum Zustand Brahmās

sarvadevastuto 'bhīkṣṇaṃ vimānavaramāsthitaḥ / atha phaālgunaśuklāyā dvitīyāyāṃ dvijottamaḥ

stets von allen Göttern gepriesen, auf einem vorzüglichen Himmelswagen thronend. Nun, am zweiten Tag der hellen Hälfte des Phālguna, soll der beste der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
sarvadevastuto 'bhīkṣṇaṃ
stets von allen Göttern gepriesen
vimānavaramāsthitaḥ
auf einem vorzüglichen Himmelswagen thronend
atha phaālgunaśuklāyā dvitīyāyāṃ
nun, am zweiten Tag der hellen Hälfte des Phālguna
dvijottamaḥ
der beste der Zweifachgeborenen

puṣpaiḥ śivaṃ samabhyarcya suśvetaiśca sugandhibhaḥ / puṣpairvitānakaṃ kṛtvā puṣpālaṅkaraṇaiḥ śubhaiḥ

nachdem er Śiva mit Blumen, schneeweißen und wohlduftenden, verehrt hat, mit Blumen einen Baldachin gemacht haben, mit heilvollem Blumenschmuck,

Wort für Wort
puṣpaiḥ śivaṃ samabhyarcya
nachdem er Śiva mit Blumen verehrt hat
suśvetaiśca sugandhibhaḥ
schneeweißen und wohlduftenden
puṣpairvitānakaṃ kṛtvā
nachdem er mit Blumen einen Baldachin gemacht hat
puṣpālaṅkaraṇaiḥ śubhaiḥ
mit heilvollem Blumenschmuck

naivedyairvividhairdhūpairdīparnīrājanādibhiḥ / prasādya praṇameccaiva sāṣṭāṅgaṃ patito bhuvi

mit vielfältigen Speiseopfergaben, Räucherwerk, Lichtern, Lichterschwenken (Nīrājana) und dergleichen; nachdem er den Gott gnädig gestimmt hat, soll er sich verneigen, mit acht Gliedern zu Boden fallend.

Wort für Wort
naivedyairvividhairdhūpaiḥ
mit vielfältigen Speiseopfergaben, Räucherwerk
dīparnīrājanādibhiḥ
Lichtern, Lichterschwenken und dergleichen
prasādya praṇameccaiva
nachdem er (den Gott) gnädig gestimmt hat, soll er sich verneigen
sāṣṭāṅgaṃ patito bhuvi
mit acht Gliedern zu Boden fallend

evamabhyarcya deveśaṃ martyo vyādhivivarjitaḥ / dhanadhānyasamāyukto jīvedvirṣaśataṃ dhruvam

Wenn er so den Herrn der Götter verehrt hat, wird der Sterbliche frei von Krankheit; ausgestattet mit Reichtum und Getreide, lebt er sicher hundert Jahre.

Wort für Wort
evamabhyarcya deveśaṃ
wenn er so den Herrn der Götter verehrt hat
martyo vyādhivivarjitaḥ
wird der Sterbliche frei von Krankheit
dhanadhānyasamāyukto
ausgestattet mit Reichtum und Getreide
jīvedvarṣaśataṃ dhruvam
lebt er sicher hundert Jahre

yadvidhānaṃ dvitīyāsu śuklapakṣagatāsu vā / proktaṃ tadeva kṛṣṇāsu karttavyaṃ vidhikovidaiḥ

Welche Vorschrift für die zweiten Tage der hellen Monatshälfte verkündet wurde, eben diese soll von den der Regel Kundigen auch bei den zweiten Tagen der dunklen Hälfte befolgt werden.

Wort für Wort
yadvidhānaṃ dvitīyāsu
welche Vorschrift für die zweiten Tage
śuklapakṣagatāsu vā
der hellen Monatshälfte
proktaṃ tadeva kṛṣṇāsu
verkündet wurde, eben diese auch bei den (Tagen) der dunklen (Hälfte)
karttavyaṃ vidhikovidaiḥ
soll von den der Regel Kundigen befolgt werden

vahnireva pṛthaṅmāḥsu [?] nānārūpavapurddharaḥ / pūjyate hi dvitīyāsu brahmacaryyādi pūrvavat

Denn Agni allein, der in den verschiedenen Monaten [?] verschiedene Gestalten trägt, wird an den zweiten Tagen verehrt; Keuschheit und dergleichen gilt wie zuvor.

Wort für Wort
vahnireva pṛthaṅmāsu [?]
denn Agni allein, in den verschiedenen Monaten [?]
nānārūpavapurddharaḥ
der verschiedene Gestalten trägt
pūjyate hi dvitīyāsu
wird an den zweiten Tagen verehrt
brahmacaryyādi pūrvavat
Keuschheit und dergleichen gilt wie zuvor

pṛthaṅmāḥsu ist wohl verlesen für pṛthaṅmāsu („in verschiedenen Monaten“); die zusammenfassende Aussage, es werde stets Agni verehrt, steht in gewissem Spannungsverhältnis zu den vorangehend genannten Einzelgottheiten (Brahmā, Viṣṇu, Sūrya, Śiva usw.), wird hier aber wörtlich wiedergegeben.

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