Sanatkumāra sprach: Nun will ich die geheimnisvolle Lampen-Ritualvorschrift (Dīpavidhi) des Hanūmat verkünden, durch deren bloße Kenntnis der Übende (Sādhaka) vollkommen (siddha) wird.
Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
atha dīpavidhiṃ vakṣye sarahasyaṃ hanūmataḥ
nun will ich die geheimnisvolle Lampen-Ritualvorschrift des Hanūmat verkünden
yasya vijñānamātreṇa siddho bhavati sādhakaḥ
durch deren bloße Kenntnis der Übende vollkommen wird
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 geht im Quelltext die Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne sanatkumāravibhāge tṛtīyapāde hanumanmantrakathanaṃ nāma catuḥsaptatitamo 'dhyāyaḥ" samt Trennlinie voraus – erkennbar der versehentlich hierher verschleppte Schlusskolophon des vorangehenden (traditionell 74. gezählten) Kapitels „Erzählung des Hanumat-Mantra". Diese Zeile wurde nicht in den Vers-Text (sa) übernommen. Die für das vorliegende, projektintern als Kapitel 74 gezählte Kapitel maßgebliche Schlusskolophon-Angabe lautet stattdessen „dīpavidhinirūpaṇaṃ ... pañcasaptatitamo 'dhyāyaḥ" (traditionell 75. Kapitel) und wurde für Titel und Zählung zugrunde gelegt; sie erscheint entsprechend verschleppt am Kopf der Rohdatei des nächsten Kapitels.]
dīpapātrapramāṇaṃ ca tailamānaṃ krameṇa tu / dravyasya ca pramāṇaṃ vai tattu mānamanukramāt
[Ich verkünde] das Maß des Lampengefäßes und der Reihe nach das Maß des Öls, sowie das Maß des [Docht-]Stoffes – dieses Maß gemäß der [rechten] Ordnung.
sthānabhedaṃ ca mantraṃ ca dīpadānamanuṃ pṛthak / puṣpavāsitatailena sarvakāmapradaṃ matam
[Ferner verkünde ich] die Unterscheidung der Orte und das Mantra, sowie gesondert das Mantra (Anu) der Lampenspende: Mit blütenparfümiertem Öl gilt sie als alle Wünsche gewährend.
tilatailaṃ śriyaḥ prāptyai pathikāgamanaṃ prati / atasītailamuddiṣṭaṃ vaśyakarmaṇi niścitam
Sesamöl [dient] zur Erlangung von Wohlstand (Śrī) und zur Herbeiführung eines Wanderers; Leinöl ist beim Unterwerfungszauber (Vaśyakarman) als gewiss vorgeschrieben.
Senföl ist von den im Ritual Erfahrenen zur Vernichtung von Krankheit genannt; beim Tötungszauber (Māraṇa) [dient] das aus schwarzem Senf (Rājikā) oder aus der Vibhītaka[-Frucht] gewonnene [Öl].
Wort für Wort
sārṣāpaṃ roganāśāya
Senföl zur Vernichtung von Krankheit
kathitaṃ karmakovidaiḥ
von den Ritualkundigen genannt
māraṇe rājikotthaṃ vā
beim Tötungszauber das aus schwarzem Senf stammende
Beim Vertreibungszauber (Uccāṭana) [dient] das aus Karañja gewonnene [Öl], bei Entzweiungszauber (Vidveṣa) das aus dem Honigbaum (Madhūka) gewonnene; ist keines aller [genannten] Öle erhältlich, so ist das aus Sesam gewonnene Öl das beste.
Wort für Wort
uñcāṭane karajotthaṃ
beim Vertreibungszauber das aus Karañja stammende
vidveṣe madhuvṛkṣajam
bei Entzweiungszauber das aus dem Honigbaum stammende
godhūmāśca tilā māṣā mudgā vai taṇḍulāḥ kramāt / pañcadhānyamidaṃ proktaṃ nityadīpaṃ tu māruteḥ
Weizen, Sesam, Urdbohnen, Mungbohnen und Reiskörner – der Reihe nach: dies wird als die fünf Getreidearten (Pañcadhānya) bezeichnet, [bestimmt] für die tägliche (Dauer-)Lampe des Māruti [Hanumān].
Das bloß aus den fünf Getreidearten gewonnene Mehl [für den Docht] gilt als überaus vorzüglich; es ist bei der Lampenspende stets als alle Wünsche gewährend erklärt.
vaśye taḍulapiṣṭotthaṃ māraṇe māṣapiṣṭajam / uñcāṭane kṛṣṇatilapiṣṭajaṃ ca prakīrtitam
Beim Unterwerfungszauber [ist der Docht] aus Reismehl zu bereiten, beim Tötungszauber aus Urdbohnenmehl; beim Vertreibungszauber ist er aus dem Mehl von schwarzem Sesam bezeichnet.
Wort für Wort
vaśye taḍulapiṣṭotthaṃ
beim Unterwerfungszauber aus Reismehl entstanden
māraṇe māṣapiṣṭajam
beim Tötungszauber aus Urdbohnenmehl
uñcāṭane kṛṣṇatilapiṣṭajaṃ ca prakīrtitam
beim Vertreibungszauber aus schwarzem Sesammehl bezeichnet
pathikāgamane proktaṃ godhūmotthaṃ sataṇḍulam / mohane tvāḍhakījāta vidveṣe ca kulatthajam
Bei der Herbeiführung eines Wanderers ist [der Docht] aus Weizen samt Reis vorgeschrieben; beim Verwirrungszauber (Mohana) aus der Āḍhakī[-Bohne], bei Entzweiungszauber aus der Pferdebohne (Kulattha) entstanden.
Wort für Wort
pathikāgamane proktaṃ
bei der Herbeiführung eines Wanderers vorgeschrieben
godhūmotthaṃ sataṇḍulam
aus Weizen samt Reis entstanden
mohane tvāḍhakījāta
beim Verwirrungszauber aus der Āḍhakī-Bohne entstanden
Bei der Schlacht sind für das Lampengefäß ausschließlich Urdbohnen vorgeschrieben; bei Versöhnung [ein Docht] aus dreierlei Mehl, zum Zwecke der Lakṣmī [der Docht] aus Moschus.
elālavaṅgakarpūramṛganābhisamudbhavam / kanyāprāptyai tathā rājavaṃśye sakhye tathaiva ca
[Ein Docht] aus Kardamom, Gewürznelke, Kampfer und Moschus (Mṛganābhi) gewonnen [dient] zur Erlangung einer Tochter/Braut, ebenso bei [Anliegen betreffend] königliche Abstammung sowie gleichermaßen bei Freundschaft.
Wort für Wort
elālavaṅgakarpūramṛganābhisamudbhavam
aus Kardamom, Nelke, Kampfer und Moschus gewonnen
kanyāprāptyai
zur Erlangung einer Tochter/Braut
tathā rājavaṃśye sakhye tathaiva ca
ebenso bei königlicher Abstammung und ebenso bei Freundschaft
Sind alle [genannten] Dinge nicht erhältlich, gelten die fünf Getreidearten als die vorzüglichste [Wahl]. Acht Handvoll (Muṣṭi) ergeben ungefähr [ein gewisses Maß]; [genauer gesagt] ergeben acht [Handvoll] eine Puṣkala[-Maßeinheit].
Wort für Wort
alābhe sarvavastūnāṃ
sind alle Dinge nicht erhältlich
pañcadhānyaṃ varaṃ smṛtam
gelten die fünf Getreidearten als vorzüglich
aṣṭamuṣṭirbhavetkiñcit
acht Handvoll ergeben ungefähr [ein Maß]
kiñcidaṣṭau ca puṣkalam
und acht [Handvoll] ergeben eine Puṣkala
[?: Die Wortfolge „aṣṭamuṣṭirbhavetkiñcitkiñcidaṣṭau caḥ puṣkalam" mit ihrer doppelten Wiederholung von „kiñcit" ist in ihrer genauen Bedeutung unsicher; möglicherweise liegt eine Textverderbnis vor. Übersetzt nach der wahrscheinlichsten Lesart: acht Handvoll (Muṣṭi) ergeben annähernd bzw. genau eine Puṣkala.]
khārīcatuṣṭaya prasthasaṃjñā ca parikīrtitā / athavānyaprakāreṇa mānamatra nigadyate
Vier Khārīs werden auch mit der Bezeichnung ‚Prastha' [im Sinne eines vollen Maßes] benannt; oder aber, das Maß wird hier auf andere Weise dargelegt.
Wort für Wort
khārīcatuṣṭaya
vier Khārīs
prasthasaṃjñā ca parikīrtitā
werden auch mit der Bezeichnung Prastha benannt
athavānyaprakāreṇa
oder aber auf andere Weise
mānamatra nigadyate
wird das Maß hier dargelegt
[?: „khārīcatuṣṭaya prasthasaṃjñā" steht in Spannung zur sonst in diesem Kapitel (V14, V16f.) belegten Maßeinheiten-Hierarchie, in der „Prastha" eine deutlich kleinere Einheit als „Khārī" bezeichnet; „prastha" wird hier probeweise im allgemeineren Sinn von „volles Maß/Gesamtmenge" verstanden.]
paladvayaṃ tu prasṛtaṃ dviguṇaṃ kuḍavaṃ matam / caturbhiḥ kuḍavaiḥ prasthastaiścaturbhistathāḍhakaḥ
Zwei Pala ergeben einen Prasṛta; das Doppelte [davon] gilt als ein Kuḍava; mit vier Kuḍavas [ergibt sich] ein Prastha, mit vier von diesen [Prasthas] ebenso ein Āḍhaka.
caturāḍhako bhaveddroṇaḥ khārī droṇacatuṣṭayam / krameṇaitena te jñeyāḥ pātre ṣaṭkarmasaṃbhave
Vier Āḍhakas ergeben einen Droṇa; eine Khārī sind vier Droṇas. In dieser Reihenfolge sind sie zu kennen bezüglich des Gefäßes, beim Vollzug der sechs [magischen] Handlungen (Ṣaṭkarma).
Wort für Wort
caturāḍhako bhaveddroṇaḥ
vier Āḍhakas ergeben einen Droṇa
khārī droṇacatuṣṭayam
eine Khārī sind vier Droṇas
krameṇaitena te jñeyāḥ
in dieser Reihenfolge sind sie zu kennen
pātre ṣaṭkarmasaṃbhave
bezüglich des Gefäßes beim Vollzug der sechs Handlungen
[Anm.: Im Quelltext steht „droṇaḥṛ" mit überzähligem „ṛ" – offenkundiger Schreib-/OCR-Fehler für „droṇaḥ".]
Fünf, sieben und ebenso neun – dies sind der Reihe nach die [kleineren] Maße; bei Wohlgerüchen (Duftstoffen) aber gibt es kein [festes] Maß, das sei nach Belieben (Ruci) bestimmt.
nityapātre tu tailānāṃ niyamo vārtikodbhavaḥ / somavāre gṛhītvātaddhvānyaṃ toyaplutaṃ dharet
Für die Öle im täglichen (Dauer-)Gefäß aber gilt eine Regel bezüglich der Docht-Herstellung: Am Montag (Somavāra) nehme man [den Stoff], und das andere [Material] halte man, in Wasser getränkt, bereit.
Wort für Wort
nityapātre tu tailānāṃ
für die Öle im täglichen Gefäß aber
niyamo vārtikodbhavaḥ
gilt eine Regel bezüglich der Docht-Herstellung
somavāre gṛhītvā
am Montag nehme man [den Stoff]
taddhvānyaṃ toyaplutaṃ dharet
und das andere, in Wasser getränkt, halte man bereit
[?: Die Verbindung „taddhvānyaṃ" (wohl aus „tad hi anyaṃ" oder ähnlich) ist unsicher; Sinn und Satzbau des Verses bleiben insgesamt nicht vollständig gesichert.]
paścātpramāṇato jñeyaṃ kumārīhastapeṣaṇam / tatpiṣṭaṃ śuddhapātre tu nadītoyena piṇḍitam
Danach ist [der Stoff] dem Maße nach zu erkennen, von der Hand eines Mädchens (Kumārī) zermahlen; dieses Gemahlene wird in einem reinen Gefäß mit Flusswasser zu einem Klumpen geformt.
Danach fertige man, rein und gesammelten Geistes, das Lampengefäß; während das Lampengefäß entzündet wird, rezitiere man den Schutzpanzer (Kavaca) des Māruti [Hanumān].
śuddhabhūmau samāsthāpya bhaume dīpaṃ pradāpayet / mālāmanūnāṃ ye varṇāḥ sādhyanāmasamanvitāḥ
Nachdem man [das Gefäß] auf reinem Boden aufgestellt hat, entzünde man die Lampe auf der Erde. Was die Silben der Girlanden-Mantras (Mālā-Manu) betrifft, die mit dem Namen des [ritualzu erreichenden Zieles, des] Sādhya verbunden sind –
– diese sind im Docht als Fäden in jener Anzahl anzubringen; oder man nehme ein Dreißigstel davon; bei einem gewichtigen Unterfangen [aber gelte] die volle Menge.
Für das regelmäßige, das allgemeine wie auch das besondere [Ritual] gelten sie als dem Kūṭa[-Silben-Maß] gleich überliefert; die Zahl der Rudras (elf) oder [andere] Kūṭa-Gruppen sind [dafür] genannt; hinsichtlich des Gefäßes selbst gilt keine feste Regel.
Wort für Wort
kūṭatulyāḥ smṛtā nitye
für das regelmäßige gelten sie als dem Kūṭa gleich
Einundzwanzig an der Zahl sind die Fäden, die für den [Schutz auf dem] Weg (Adhvan) überliefert sind; rotes Garn ist für die Lampenspende an Hanumat verkündet.
Schwarz[es Garn] beim Vertreibungszauber und bei Entzweiung, rötlich-braunes beim Tötungszauber; das Öl [in einer Menge] gleich dem Kūṭa[-Maß] an Pala – bei gewichtigem Unterfangen mit elf [d.h. mit den Rudras/Śivas] vervielfacht.
Wort für Wort
kṛṣṇamuñcāṭane dveṣe
schwarz beim Vertreibungszauber und bei Entzweiung
'ruṇaṃ māraṇakarmaṇi
rötlich-braun beim Tötungszauber
kūṭatulyapalaṃ tailaṃ
das Öl in einer dem Kūṭa gleichen Pala-Menge
gurukārye śivairguṇam
bei gewichtigem Unterfangen mit elf [Śivas] vervielfacht
In der Nähe eines Hanumat-Bildnisses [erfolge] die Lampenspende; oder man vollziehe sie in einem Śiva-Tempel, an einem für regelmäßige wie für Anlassrituale (Naimittika) geeigneten Ort.
Wort für Wort
hanumatpratimāyāstu sannidhau
in der Nähe eines Hanumat-Bildnisses aber
dīpadāpanam
die Lampenspende
śivālaye 'thavā kuryāt
oder man vollziehe sie in einem Śiva-Tempel
nityanaimittike sthale
an einem für regelmäßige und Anlassrituale geeigneten Ort
pratimāgre pramodena grahabhūtagraheṣu ca / catuṣpathe tathā proktaṃ ṣaṭsu dīpapradāpanam
Vor dem Bildnis, aus Freude, ebenso bei Ergriffenheit durch Planeten- und Dämonengeister (Graha-Bhūta), desgleichen an der Kreuzung der vier Wege (Catuṣpatha) – so ist die Lampenspende für [diese] sechs [Fälle] verkündet.
Wort für Wort
pratimāgre pramodena
vor dem Bildnis, aus Freude
grahabhūtagraheṣu ca
und bei Ergriffenheit durch Planeten- und Dämonengeister
catuṣpathe tathā proktaṃ
ebenso an der Kreuzung der vier Wege vorgeschrieben
ṣaṭsu dīpapradāpanam
die Lampenspende für sechs Fälle
[?: Die Angabe „ṣaṭsu" (an sechs [Fällen]) lässt sich nicht ohne Weiteres mit der tatsächlich weit längeren Aufzählung der Orte und Anlässe in V30–39 in Einklang bringen; möglicherweise bezieht sie sich nur auf eine engere, im Text nicht gesondert abgegrenzte Untergruppe.]
In der Nähe eines Kristall-Liṅga (Sphaṭika-Liṅga), in der Nähe eines Śālagrāma[-Steines] – zur Erlangung mannigfaltigen Genusses und Glanzes (Bhoga-Śrī) ist die Lampenspende an Hanumat vorgeschrieben.
Wort für Wort
sannidhau sphaāṭike liṅge
in der Nähe eines Kristall-Liṅga
śālagrāmasya sannidhau
in der Nähe eines Śālagrāma-Steines
nānābhogaśriyai proktaṃ
zur Erlangung mannigfaltigen Genusses und Glanzes vorgeschrieben
dīpadānaṃ hanūmataḥ
die Lampenspende an Hanumat
[Anm.: Lesart „sphaāṭike" korrigiert zu „sphaṭike" (Kristall).]
In der Nähe Gaṇeśas zur Vernichtung von Hindernissen und großer Bedrängnis; bei furchtbarer Gefahr durch Gift und Krankheit ist sie in der Nähe Hanumats überliefert.
Wort für Wort
gaṇeśasannidhau
in der Nähe Gaṇeśas
vighnamahāsaṃkaṭanāśane
zur Vernichtung von Hindernis und großer Bedrängnis
In der Nähe Durgās ist die Lampenspende im Kampf vorgeschrieben; am Kreuzweg, wenn [Vieh] durch Seuche vernichtet wird, und ebenso bei bösem Blick (Duṣṭadṛṣṭi).
rājadvāre bandhamuktau kārāgāre 'thavā matam / aśvatthavaṭamūle tu sarvakāryaprasiddhaye
Am Königstor, zur Befreiung aus Fesseln, oder im Kerker gilt sie als anerkannt; am Fuß eines Aśvattha- oder Banyanbaumes (Vaṭa) aber zum Gelingen jeglichen Vorhabens.
vaśye bhaye vivāde ca veśmasaṃgrāmasaṃkaṭe / dyūte dṛṣṭistaṃbhane ca vidveṣe māraṇe tathā
Bei Unterwerfungszauber, bei Furcht, bei Streit, in häuslicher Bedrängnis wie im Kampfgetümmel, beim Würfelspiel, beim Bannen des Blickes (Dṛṣṭistambhana), bei Entzweiungszauber wie beim Tötungszauber –
– beim Wiedererwecken eines Toten, ebenso beim [magischen] Bewegen eines Bildnisses, bei Gift, bei Krankheit, bei Fieber, bei Besessenheit durch Bhūta oder Graha, bei der Befreiung von einem Kṛtyā-Zauber –
Wort für Wort
mṛtakotthāpane caiva
beim Wiedererwecken eines Toten
pratimācālane tathā
ebenso beim magischen Bewegen eines Bildnisses
viṣe vyādhau jvare
bei Gift, bei Krankheit, bei Fieber
bhūtagrahe krṛtyāvimocane
bei Besessenheit durch Bhūta/Graha, bei Befreiung von einem Kṛtyā-Zauber
kṣatagranthau mahāraṇye durgevyāghne ca dantini / krūrasattveṣu sarveṣu śaśvadūndhavimokṣaṇe
– bei einer Wunde oder Geschwulst, in großer Wildnis, bei Gefahr durch Tiger oder Elefant, bei allen grausamen Wesen, zur beständigen Befreiung von Blindheit –
Wort für Wort
kṣatagranthau mahāraṇye
bei einer Wunde/Geschwulst, in großer Wildnis
durge vyāghre ca dantini
bei Gefahr durch Tiger und Elefant
krūrasattveṣu sarveṣu
bei allen grausamen Wesen
śaśvadandhavimokṣaṇe
zur beständigen Befreiung von Blindheit
[Anm.: „śaśvadūndhavimokṣaṇe" gelesen als „śaśvad andha-vimokṣaṇe" (beständige Befreiung von Blindheit); die überlieferte Form „ūndha" erscheint als Schreib-/OCR-Fehler.]
– bei der Ankunft eines Wanderers, an einem unheilvollen Ort, beim Bezaubern eines Königs, beim Kommen wie beim Gehen, und am Königstor – [überall] ist [die Lampenspende] verkündet.
Elf- oder einundzwanzig-fädige Bündel [des Dochts, dazu] das Maß des [Docht-]Kreises dreifach [abgestuft]; als kleineres Maß gelten fünf, sieben oder auch neun.
kṣīreṇa navanūtena dadhnā vā gomayena ca / pratimākaraṇaṃ proktaṃ māruterdīpadāpane
Mit Milch, mit frischer Butter (Navanīta), mit Dickmilch oder mit Kuhdung – so ist die Anfertigung des Bildnisses Mārutis bei der Lampenspende vorgeschrieben.
Wort für Wort
kṣīreṇa navanūtena
mit Milch, mit frischer Butter
dadhnā vā gomayena ca
mit Dickmilch oder mit Kuhdung
pratimākaraṇaṃ proktaṃ
die Anfertigung des Bildnisses ist vorgeschrieben
māruterdīpadāpane
Mārutis bei der Lampenspende
[Anm.: „navanūtena" gelesen als „navanītena" (frische Butter).]
– mit einem auf einen Bären gesetzten Fuß, von einem Diadem (Kirīṭa) geschmückt, male man [das Bildnis] Mārutis, verheißungsvoll, an eine Wand, auf ein Tuch oder auf einen Sockel (Pīṭha).
Wort für Wort
ṛkṣavinyastapādaṃ ca
mit einem auf einen Bären gesetzten Fuß
kirīṭena virājitam
von einem Diadem geschmückt
likhedbhittau paṭe vāpi
male man an eine Wand oder auf ein Tuch
pīṭhe vā māruteḥ śubhe
oder auf einen Sockel, [das Bildnis] Mārutis, verheißungsvoll
[?: „ṛkṣa" wörtl. „Bär"; die Wendung „ṛkṣavinyastapādam" (mit auf einem Bären ruhendem Fuß) bleibt in ihrer ikonographischen Bedeutung unsicher – „ṛkṣa" könnte auch „Gestirn" oder das Gebirge Ṛkṣavat meinen.]
Mit dem Girlanden-Mantra (Mālā-Mantra) ist die Lampenspende an Hanumat darzubringen; die tägliche (Dauer-)Lampe ist mit der zwölfsilbigen Wissenschaft (Dvādaśākṣara-Vidyā) zu vollziehen.
viśeṣastatra yastaṃ vai dīpadāne 'vadhāraya / ṣaṣṭyādau ca dvitīyādāvimaṃ dīpamitīrayet
Welche Besonderheit dabei [zu beachten] ist, vernimm sie bei der Lampenspende: Am Anfang im sechsten [Kasus] (Ṣaṣṭhī) und am Anfang im zweiten [Kasus] (Dvitīyā) spreche man ‚imaṃ dīpam' (diese Lampe).
Wort für Wort
viśeṣastatra yastaṃ vai
welche Besonderheit dabei ist
dīpadāne 'vadhāraya
vernimm sie bei der Lampenspende
ṣaṣṭyādau ca dvitīyādau
am Anfang im sechsten und im zweiten Kasus
imaṃ dīpamitīrayet
spreche man ‚diese Lampe'
[?: Die genaue rituell-grammatische Anweisung zur Kasus-Bildung des Mantras (Ṣaṣṭhī/Dvitīyā) bleibt in ihrer praktischen Anwendung nicht restlos gesichert.]
Danach [füge man] das Wort ‚gṛhāṇa' (nimm an!) [hinzu]; das Übrige spreche man wie zuvor. Am Anfang des Kūṭa[-Mantra] und bei der täglichen Lampe spreche man das Mantra mit der Sonnen-Silbe (Sūryākṣara).
tatra mālākhyamanunā tattatkāryeṣu kārayet / gomayenopaliptāyāṃ bhūmau tadgatamānasaḥ
Dabei vollziehe man mit dem sogenannten Girlanden-Mantra (Mālākhya-Manu) die jeweiligen Handlungen, den Geist darauf gerichtet, auf mit Kuhdung bestrichenem Boden.
ṣaṭkoṇaṃ vasupatraṃ ca bhūmau rekhāsamanvitam / kamalaṃ ca likhedbhadraṃ tatra dīpaṃ nidhāpayet
Ein Sechseck (Ṣaṭkoṇa) mit acht Blütenblättern (Vasupatra), versehen mit Linien, sowie einen glückverheißenden Lotus zeichne man auf den Boden; darauf stelle man die Lampe.
In den [Winkeln] des Sechsecks schreibe man die sechs Glieder (Ṣaḍaṅga), versehen mit den Bīja[-Silben]; die milde Gestalt (Saumya) zeichne man in der Mitte; dort verehre man Māruti.
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni nāmāni ca puroktavat / vasupatre kramātpūjyā aṣṭāvete ca vānarāḥ
In den [Winkeln] des Sechsecks [seien] die sechs Glieder [mit] den Namen wie zuvor genannt; auf den acht Blütenblättern sind der Reihe nach diese acht Affen zu verehren:
Wort für Wort
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni
in den Winkeln des Sechsecks die sechs Glieder
nāmāni ca puroktavat
mit den Namen wie zuvor genannt
vasupatre kramātpūjyā
auf den acht Blütenblättern der Reihe nach zu verehren
Nach Norden gewandt rezitiere der beste der Übenden (Sādhakottama) und vollbringe [das Werk]; nachdem er jenes Mantra in verhüllter Kūṭa-Form rezitiert hat, gieße er das Wasser auf den Boden.
Wort für Wort
uttarābhimukho japtvā
nach Norden gewandt, nachdem er rezitiert hat
sādhayetsādhakottamaḥ
vollbringe der beste der Übenden [das Werk]
taṃ mantraṃ kūṭadhā japtvā
nachdem er jenes Mantra in Kūṭa-Form rezitiert hat
jalaṃ bhūmau vinikṣipet
gieße er das Wasser auf den Boden
[Anm.: „uttagabhimukho" gelesen als „uttarābhimukho" (nach Norden gewandt); vgl. V57 „udaṅmukhagatena".]
tataḥ karapuṭaṃ kṛtvā yathāśakti japenmanum / anena dīpavaryeṇa udaṅmukhagatena vai
Danach forme er die hohle Hand (Karapuṭa) und rezitiere, so gut er vermag, das Mantra; mit dieser vortrefflichen Lampe, nach Norden gewandt (Udaṅmukha) –
gomayaṃ dvividhaṃ tatra proktaṃ gomahiṣībhavam / paścādvinaṣṭadravyāptau māhiṣaṃ gomayaṃ smṛtam
Kuhdung ist dabei zweifach genannt: von der Kuh oder von der Büffelkuh stammend; zur Wiedererlangung verlorener Güter aber gilt der Büffeldung als vorgeschrieben.
Bei der Herbeiführung eines von weither [kommenden] Wanderers, beim Schutz einer großen Festung, beim Schutz von Kindern und anderen, sowie zur Vernichtung der Furcht vor Dieben und dergleichen –
Wort für Wort
pathikāgamane dūrāt
bei der Herbeiführung eines von weither kommenden Wanderers
mahādurgasya rakṣaṇe
beim Schutz einer großen Festung
bālādirakṣaṇe caiva
beim Schutz von Kindern und anderen
caurādibhayanāśane
zur Vernichtung der Furcht vor Dieben und dergleichen
strīvaśyādiṣu kāryeṣu śastaṃ gogomayaṃ mane / bhūmispṛṣṭaṃ na tadgrāhyamantarikṣāñca bhājane
– bei Vorhaben wie der Bezwingung einer Frau gilt Kuhdung von der Kuh, wie ich meine, als vorgeschrieben; man nehme ihn nicht, wenn er den Boden berührt hat, sondern [fange ihn] im Fallen in einem Gefäß auf.
Wort für Wort
strīvaśyādiṣu kāryeṣu
bei Vorhaben wie der Bezwingung einer Frau
śastaṃ gogomayaṃ mane
gilt Kuhdung, wie ich meine, als vorgeschrieben
bhūmispṛṣṭaṃ na tadgrāhyam
man nehme ihn nicht, wenn er den Boden berührt hat
caturvidhā mṛttikā tu śvetā pītāruṇāsitā / tatra gopīcandanaṃ tu haritālaṃ ca gaurikam
Vierfach aber ist die Erde: weiß, gelb, rötlich und schwarz; dabei [steht] für die weiße die Gopī-Candana[-Tonerde], für die gelbe der Gelbarsenik (Haritāla), für die rote der Ocker (Gaurika),
– für die schwarze der aus Lacksaft (Lākṣā) gewonnene Ruß (Masī); alles Übrige gilt als von selbst offenkundig. Nachdem der Kluge (Sudhī) mit Gopī-Candana ein viereckiges Haus[-Diagramm] gezeichnet hat –
Wort für Wort
maṣī lākṣārasodbhūtā
der aus Lacksaft gewonnene Ruß
sarvaṃ vānyatsphuṭaṃ matam
alles Übrige gilt als offenkundig
kṛtvā gopīcandanena
nachdem man mit Gopī-Candana
caturasraṃ gṛhaṃ sudhīḥ
der Kluge ein viereckiges Haus gezeichnet hat
[Anm.: „gopīcadaṃnena" gelesen als „gopīcandanena".]
– zeichne er in dessen Mitte mit Büffel[dung] das Bildnis Hanumats; die Keimsilbe (Bīja), den Zorn(-Laut, Krodha) und dessen Anusvāra (‚Schweif') zeichne der gesammelte Mantra-Kundige.
Wort für Wort
tanmadhye māhiṣeṇātha
in dessen Mitte mit Büffeldung
kuryānmūrtiṃ hanūmataḥ
zeichne er das Bildnis Hanumats
bījaṃ krodhāñca tatpucchaṃ
die Keimsilbe, den Zorn-Laut und dessen Anusvāra
likhenmantrī samāhitaḥ
zeichne der gesammelte Mantra-Kundige
[?: „krodha" bezeichnet hier vermutlich eine bestimmte, mit ‚Zorn' assoziierte Keimsilbe; „pucchaṃ" (‚Schweif') wohl im Sinne des angehängten Anusvāra/Bindu.]
Mit Öl bade man das Bildnis, mit Rohzucker (Guḍa) ziehe man das Stirnzeichen (Tilaka); als Räucherwerk [diene], an Duft einem Lotus gleich, das aus dem Harz des Śāla-Baumes gewonnene.
vāratrayaṃ kaṇṭhadeśe saśeṣaviṣamuñcaran / evaṃ kṛte tu naṣṭānāṃ mahiṣīṇāṃ gavāmapi
– dreimal, indem man im Halsbereich [des Bildnisses] das verbliebene Gift(-Zeichen) freisetzt/entfernt: Ist dies so vollzogen, so [gelangt man] zur Wiedererlangung verlorener Büffelkühe wie auch Kühe,
Wort für Wort
vāratrayaṃ kaṇṭhadeśe
dreimal im Halsbereich
saśeṣaviṣamuñcaran
indem man das verbliebene Gift freisetzt
evaṃ kṛte tu naṣṭānāṃ
ist dies so vollzogen, [gelangt man] zur Wiedererlangung verlorener
mahiṣīṇāṃ gavāmapi
Büffelkühe wie auch Kühe
[?: Die genaue rituelle Handlung, die mit „kaṇṭhadeśe saśeṣaviṣamuñcaran" (im Halsbereich das restliche Gift freisetzend) gemeint ist, bleibt unsicher.]
dāsīdāsādikānāṃ ca naṣṭānāṃ prāptirīritā / caurādiduṣṭasattvānāṃ sarpādīnāṃ bhaye punaḥ
sowie von verlorenen Dienerinnen, Dienern und dergleichen wird die Wiedererlangung verkündet – wiederum bei Furcht vor Dieben und anderen bösen Wesen, vor Schlangen und dergleichen [ist dies wirksam].
Wort für Wort
dāsīdāsādikānāṃ ca
und von Dienerinnen, Dienern und dergleichen
naṣṭānāṃ prāptirīritā
wird von den verlorenen die Wiedererlangung verkündet
caurādiduṣṭasattvānāṃ
vor Dieben und anderen bösen Wesen
sarpādīnāṃ bhaye punaḥ
vor Schlangen und dergleichen, wiederum bei Furcht
Und nachdem man mit einer Palme[-Zeichnung] ein schönes viertüriges Haus[-Diagramm] gestaltet hat, stelle man am Osttor einen Elefanten auf, am Südtor ebenso einen Büffel,
eine Schlange aber am Westtor, und ebenso einen Tiger am Nordtor; so der Reihe nach auch ein Schwert, einen Dolch (Kṣurikā), einen Stab und eine Keule (Mudgara) –
vilikhya madhye mūrtiṃ ca mahiṣīgomayena vai / kṛtvā ḍamaruhastāṃ ca cakitākṣīṃ prayatnataḥ
– nachdem man diese gezeichnet hat, forme man sorgfältig in der Mitte mit Büffelkuhdung das Bildnis, mit einer Trommel (Ḍamaru) in der Hand und erschrockenen Augen,
Wort für Wort
vilikhya madhye mūrtiṃ ca
nachdem man in der Mitte das Bildnis gezeichnet hat
Nachdem man mit Ghee eine Lampe dargebracht hat, opfere man Milchreisspeise; [die vom Mondschein erfüllte(?) Lampe stelle man auf,] und rezitiere davor den [heiligen] Text.
Wort für Wort
ghṛtena dīpaṃ dattvātha
nachdem man mit Ghee eine Lampe dargebracht hat
pāyasānnaṃ nivedayet
opfere man Milchreisspeise
gaganaṃ dīpikendvāḍhyāṃ
die mit Mondglanz erfüllte Lampe [?]
śāstraṃ ca purato japet
und rezitiere davor den heiligen Text
[?: Die Wortfolge „gaganaṃ dīpikendvāḍhyāṃ" bleibt unsicher; wörtlich etwa „den Himmel(?)/die mit Mondglanz versehene Lampe" – die genaue syntaktische Konstruktion ist nicht restlos zu klären, möglicherweise Textverderbnis.]
evaṃ saptadinaṃ kṛtvā mucyate mahato bhayāt / anayorbhauṃmavāre tu kuryādāraṃbhamādarāt
Hat man dies sieben Tage lang vollzogen, wird man von großer Furcht befreit; den Beginn dieser beiden [Riten] vollziehe man mit Sorgfalt am Dienstag (Bhaumavāra).
tatrāvalaṃbamānāṃ ca pratimāṃ gomayena tu / vāmahastena tālāgraṃ dakṣiṇe jñānamudrikā
und darin, mit Kuhdung, ein Bildnis, das sich [an der Palme] festhält – mit der linken Hand an der Palmenspitze, mit der Rechten im Wissens-Gestus (Jñāna-Mudrā).
Vom Fuß der Palme aus, in eigener Richtung, acht [Maß entfernt], gestalte man auf dem Weg ein einen Hand[breit] großes viereckiges Haus[-Diagramm], und zeichne darin das Bildnis.
Wort für Wort
tālamūlātsvakāṣṭāyāṃ mārge
vom Fuß der Palme aus, acht [Maß] entfernt, auf dem Weg
hastamite gṛham
ein einen Hand[breit] großes Haus
caturasra vidhāyātha
viereckig gestaltend
tanmadhye mūrtimālikhet
zeichne man darin das Bildnis
[?: „svakāṣṭāyāṃ" bleibt unsicher; hier probeweise als „in eigener Richtung, um acht [Maßeinheiten]" verstanden.]
[das Bildnis], nach Süden gewandt, lieblich, mit zum Herzen erhobenen gefalteten Händen (Añjali); mit Wasser reiche man Bad, Duftstoffe und dergleichen dar, soweit es möglich ist.
kṛśārānnaṃ ca naivedyaṃ sājyaṃ tasyai nivedayet / kilidvayaṃ japaṃ proktamevaṃ kuryāddine dine
Als Speiseopfer reiche man ihm mit Ghee vermengten Reis-Bohnen-Brei (Kṛśara); das Rezitieren [des Mantras] mit dem doppelten Bīja ‚Klīṃ' ist vorgeschrieben; so verfahre man Tag für Tag.
Wort für Wort
kṛśārānnaṃ ca naivedyaṃ
als Speiseopfer Reis-Bohnen-Brei
sājyaṃ tasyai nivedayet
mit Ghee vermengt reiche man ihm dar
kilidvayaṃ japaṃ proktam
das Rezitieren mit dem doppelten Bīja ist vorgeschrieben
evaṃ kuryāddine dine
so verfahre man Tag für Tag
[?: „tasyai" (Dativ fem.) ist auffällig, da sich der Bezug auf das männliche Hanumat-Bildnis richtet – vermutlich Schreibfehler für „tasmai". „kilidvayaṃ" bleibt unsicher, hier als zweifaches Bīja „klīṃ" gedeutet.]
Ist dies vollzogen, kommt es rasch zur Ankunft der Wanderer/Reisenden. Nachdem man mit einem Stück dunklen Gesteins (Śyāma-Pāṣāṇa) das Haus des Königs (Bhūpati) gezeichnet hat,
prākāraṃ tu caturdvārayuktaṃ dvāreṣu tatra vai / anyonyapuccha ridhitrayayuktāṃ hanūmataḥ
sowie eine mit vier Toren versehene Mauer – an jenen Toren [zeichne man Bildnisse] Hanumats, deren Schweife sich gegenseitig [berühren], versehen mit einem dreifachen [Zeichen von Wohlstand],
Wort für Wort
prākāraṃ tu caturdvārayuktaṃ
sowie eine mit vier Toren versehene Mauer
dvāreṣu tatra vai
an jenen Toren
anyonyapuccha
mit sich gegenseitig berührenden Schweifen
ṛddhitrayayuktāṃ hanūmataḥ
[Bildnisse] Hanumats, mit dreifachem Wohlstand versehen
[?: „anyonyapuccha ridhitrayayuktāṃ" bleibt in der genauen Bedeutung unsicher; „ridhitraya" probeweise als „ṛddhitraya" (dreifacher Wohlstand) gedeutet.]
forme man mit Kuhdung das Bildnis, verehre es mit Stechapfelblüten (Dhattūra); als Räucherwerk [diene] das aus der Jaṭāmāṃsī[-Pflanze] gewonnene; die Lampe [speise man] mit in Öl getränktem Ghee.
Als Speiseopfer [diene] ein mit Sesamöl getränktes, gesalzenes Urdbohnen-Fladenbrot (Māṣaroṭikā); man stelle sich Hari [Hanumān] vor, wie er mit der rechten Hand den Fladen verzehrt,
Wort für Wort
naivedyaṃ tilatailāktasakṣārā māṣaroṭikā
als Speiseopfer ein mit Sesamöl getränktes, gesalzenes Urdbohnen-Fladenbrot
mit der linken Hand mit Steinen die feindlichen Krieger erschreckend, [sie] niederwerfend, die Brauen gerunzelt, [sie] ängstigend, aufwühlend, [so] dastehend.
Wort für Wort
vāmahastena pāṣāṇaiḥ
mit der linken Hand mit Steinen
trāsayanparasainikān
die feindlichen Krieger erschreckend
pātayan bhrukuṭīṃ baddhvā
niederwerfend, die Brauen gerunzelt
bhīṣayanmathayansthitaḥ
ängstigend, aufwühlend, dastehend
[Anm.: „pnārayan" ist offensichtlich verderbt; hier probeweise als „pātayan" (niederwerfend) gelesen.]
kṛtaghnāya na dātavyaṃ dātavyaṃ ca parīkṣite / bahunā kimihoktena sarvaṃ dadyātkapīśvaraḥ
auch nicht einem Undankbaren; wohl aber einem [zuvor] Geprüften. Was soll hier viel [weiter] gesagt werden – der Herr der Affen [Hanumān] gewährt alles.
atha mantrāntaraṃ vakṣye tattvajñānapradāyakam / tāro namo hanumate jāṭharatrayamīrayet
Nun will ich ein weiteres Mantra verkünden, das die Erkenntnis des wahren Wesens (Tattvajñāna) verleiht: Man spreche den Praṇava (Oṃ), ‚namo hanumate', [und] dreimal die Silbe ‚Jāṭhara'.
Wort für Wort
atha mantrāntaraṃ vakṣye
nun will ich ein weiteres Mantra verkünden
tattvajñānapradāyakam
das die Erkenntnis des wahren Wesens verleiht
tāro namo hanumate
der Praṇava, ‚namo hanumate'
jāṭharatrayamīrayet
man spreche dreimal die Silbe Jāṭhara
[?: Die genaue lautliche Gestalt der als „jāṭharatrayam" bezeichneten dreifachen Silbe bleibt unsicher.]
nachdem man ‚danakṣobham' [wohl: madākṣobham, „die Erregung des Übermuts"] gesprochen hat, spreche man zweimal ‚saṃhara' (vernichte!); danach ‚ātmatattvam' (das Wesen des Selbst), und danach zweimal ‚prakāśaya' (offenbare!).
Wort für Wort
danakṣobhaṃ samābhāṣya
nachdem man ‚danakṣobham' gesprochen hat
saṃharadvayamīrayet
spreche man zweimal ‚saṃhara'
ātmatattvaṃ tataḥ paścāt
danach ‚ātmatattvam'
prakāśayayugaṃ tataḥ
und danach zweimal ‚prakāśaya'
[?: „danakṣobham" wohl verderbt für „madākṣobham" (Erregung des [Sinnen-]Übermuts).]
varmāstravahnijāyāntaḥ sārddhūṣaḍviṃśadarṇavān / vasiṣṭho 'sya muniśchando 'nuṣṭup ca devatāḥ punaḥ
– endend mit ‚Rüstung' (Varma), ‚Waffe' (Astra) [und] ‚Gattin des Feuers' [Svāhā] – [so ergibt sich ein Mantra von] sechsundzwanzigeinhalb Silben. Sein Seher (Ṛṣi) ist Vasiṣṭha, das Metrum Anuṣṭubh, und die Gottheiten [sind] wiederum wie [zuvor genannt].
Hanumān [ist die Gottheit]; mit den durch die Zahlwörter ‚Muni' (sieben), ‚Ṛtu' (sechs), ‚Veda' (vier) [und] ‚Aṣṭa' (acht) [bezeichneten] Silben des Mantras vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder (Ṣaḍaṅga) und meditiere sodann über den Herrn der Affen.
Wort für Wort
hanumānmunisaptartuvedāṣṭanigamaiḥ kramāt
Hanumān, mit den Silben nach Muni-, Ṛtu-, Veda- und Aṣṭa-Zahl, der Reihe nach
mantrārṇaiśca ṣaḍaṅgāni kṛtvā
mit den Mantra-Silben die sechs Glieder vollziehend
dhyāyetkapīśvaram
meditiere man über den Herrn der Affen
[?: Die genaue Zuordnung der Silben zu den einzelnen Gliedern mittels dieser Zahlwort-Chiffren („Muni"=7, „Ṛtu"=6, „Veda"=4, „Aṣṭa"=8) lässt sich aus dem Text allein nicht restlos rekonstruieren.]
jānusthāvāmabāhuṃ ca jñānamudrāparaṃ hṛdi / adhyātmacittamāsīnaṃ kadalīvanamadhyagam
[Man meditiere über ihn], den linken Arm auf dem Knie ruhend, [die rechte Hand] am Herzen im höchsten Wissens-Gestus (Jñānamudrā), den Geist nach innen auf das Selbst gerichtet, inmitten eines Bananenhaines (Kadalīvana) sitzend,
– [ihn], gleich zehn Millionen jungen [aufgehenden] Sonnen, den Wissen verleihenden Hari [Hanumān], stelle man sich vor. Hat man so meditiert, rezitiere man [das Mantra] hunderttausendmal und opfere den zehnten Teil davon mit Sesam als Brandopfer (Homa).
Wort für Wort
bālārkakoṭipratimaṃ
gleich zehn Millionen jungen Sonnen
dhyāyejjñānapradaṃ harim
meditiere man über den Wissen verleihenden Hari
dhyātvaivaṃ prajapellakṣaṃ
hat man so meditiert, rezitiere man hunderttausendmal
Mit [Opfergaben] versetzt mit Ghee verehre man den Herrn auf dem zuvor genannten Sockel (Pīṭha), wie zuvor [beschrieben]. Wird dieses [Mantra] rezitiert, vernichtet es gewiss die Erregung der Leidenschaft (Madanakṣobha).
Wort für Wort
sājyaiḥ saṃpūjayetpīṭhe
mit Ghee-Opfergaben verehre man auf dem Sockel
pūrvokte pūrvavatprabhum
dem zuvor genannten, den Herrn, wie zuvor
japto 'yaṃ madanakṣobhaṃ
wird dieses [Mantra] rezitiert, die Erregung der Leidenschaft
[Der Übende] erlangt durch die Gnade des Affenfürsten die Erkenntnis des wahren Wesens. Nun will ich ein weiteres, höchstes Mantra verkünden, das Geister (Bhūta) vertreibt.
[Man spreche] den Praṇava (Oṃ), [die Silben] ‚kāśīṅkukṣi', ‚paravarāha' und den Namen des Sohnes der Añjanā [Hanumān]; [dann] ‚Pavana' (der Windgott), am Ende ‚Vanaputra' (Sohn des Waldes), [und] zweimal ‚āveśi' (Besessenheit!) spreche man.
Wort für Wort
tāraḥ kāśīṅkukṣiparavarāhaścāñjanāpadam
der Praṇava, ‚kāśīṅkukṣi', ‚paravarāha' und der Name des Sohnes der Añjanā
pavano vanaputrānte
‚Pavana', am Ende ‚Vanaputra'
āveśidvayamīrayet
zweimal ‚āveśi' spreche man
[?: Die Verse 99–100 enthalten mehrere unklare bzw. möglicherweise verderbte Chiffre-Ausdrücke zur Mantra-Konstruktion („kāśīṅkukṣi", „paravarāha" u.a.), deren genaue lautliche Auflösung nicht sicher zu bestimmen ist; die Übersetzung folgt dem Wortlaut so wörtlich wie möglich.]
Der Praṇava, ‚śrī hanumatyai', sodann die mit ‚Astra', ‚Raca' und ‚Bhuja' [bezeichneten] Silben – [so ist das Mantra gebildet]. Sein Seher ist Brahmā, das Metrum Gāyatrī, und die Gottheit [ist] wiederum [die zuvor genannte].
Wort für Wort
tāraḥ śrīhanumatyaścādastraracabhujākṣaraḥ
der Praṇava, ‚śrī hanumatyai' und die Silben von Astra, Raca und Bhuja
brahmā muniḥ syādgāyatrī chando
sein Seher ist Brahmā, das Metrum Gāyatrī
'tra devatā punaḥ
die Gottheit hier wiederum [wie zuvor]
[?: Auch hier bleiben einzelne Silbenbezeichnungen („raca", „bhujākṣaraḥ") in ihrer genauen Bedeutung unsicher.]
‚Hanumān' [ist die Gottheit], ‚Kamalā' die Keimsilbe (Bīja), ‚Phaṭ' ist als Kraftsilbe (Śakti) verkündet; mit der um die sechs langen [Vokale] vermehrten Keimsilbe vollziehe man die sechs Glieder.
Wort für Wort
hanumānkamalā bījaṃ
‚Hanumān', ‚Kamalā' die Keimsilbe
phaṭ śaktiḥ parikīrtitaḥ
‚Phaṭ' ist als Kraftsilbe verkündet
ṣaḍdīrghāḍhyena bījena
mit der um die sechs langen Vokale vermehrten Keimsilbe
Der beste der Übenden stelle sich den Sohn der Añjanā (Āñjaneya) vor, mit rosig-lichtem Antlitz, von einer Gestalt gleich dem goldenen Berg [Meru], am Fuß des Pārijāta-Baumes weilend.
Hat man so meditiert, rezitiere man hunderttausendmal und opfere den zehnten Teil mit Sesam; der Kluge verehre [ihn], mit den drei Süßstoffen (Trimadhu) benetzt, auf dem zuvor genannten Sockel, wie zuvor [beschrieben].
Wort für Wort
evaṃ dhyātvā japellakṣaṃ
hat man so meditiert, rezitiere man hunderttausendmal
daśāṃśaṃ juhuyāttilaiḥ
und opfere den zehnten Teil mit Sesam
trimadhvaktairyañjatpīṭhe
mit den drei Süßstoffen benetzt, verehre man auf dem Sockel
Mit diesem Mantra reinige der Mantra-Kundige einen von einem Graha(-Geist) Ergriffenen; sobald jener [Ergriffene] aufschreit und losgelassen wird, flieht der Graha eilends davon.
Diese Mantras sind stets geheim zu halten und daher nicht [öffentlich] zu offenbaren; sie dürfen [nur] einem geprüften Schüler oder dem eigenen Sohn gegeben werden.
Wer der Verehrung Hanumats ergeben ist und als Kluger überdies Kārtavīryārjuna in besonderer Weise verehrt, der erlangt die wie gesagt [genannte] Frucht.