Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 74: dīpavidhinirūpaṇam Darlegung der Lampen-Ritualvorschrift

sanatkumāra uvāca / atha dīpavidhiṃ vakṣye sarahasyaṃ hanūmataḥ / yasya vijñānamātreṇa siddho bhavati sādhakaḥ

Sanatkumāra sprach: Nun will ich die geheimnisvolle Lampen-Ritualvorschrift (Dīpavidhi) des Hanūmat verkünden, durch deren bloße Kenntnis der Übende (Sādhaka) vollkommen (siddha) wird.

Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
atha dīpavidhiṃ vakṣye sarahasyaṃ hanūmataḥ
nun will ich die geheimnisvolle Lampen-Ritualvorschrift des Hanūmat verkünden
yasya vijñānamātreṇa siddho bhavati sādhakaḥ
durch deren bloße Kenntnis der Übende vollkommen wird

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 geht im Quelltext die Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne sanatkumāravibhāge tṛtīyapāde hanumanmantrakathanaṃ nāma catuḥsaptatitamo 'dhyāyaḥ" samt Trennlinie voraus – erkennbar der versehentlich hierher verschleppte Schlusskolophon des vorangehenden (traditionell 74. gezählten) Kapitels „Erzählung des Hanumat-Mantra". Diese Zeile wurde nicht in den Vers-Text (sa) übernommen. Die für das vorliegende, projektintern als Kapitel 74 gezählte Kapitel maßgebliche Schlusskolophon-Angabe lautet stattdessen „dīpavidhinirūpaṇaṃ ... pañcasaptatitamo 'dhyāyaḥ" (traditionell 75. Kapitel) und wurde für Titel und Zählung zugrunde gelegt; sie erscheint entsprechend verschleppt am Kopf der Rohdatei des nächsten Kapitels.]

dīpapātrapramāṇaṃ ca tailamānaṃ krameṇa tu / dravyasya ca pramāṇaṃ vai tattu mānamanukramāt

[Ich verkünde] das Maß des Lampengefäßes und der Reihe nach das Maß des Öls, sowie das Maß des [Docht-]Stoffes – dieses Maß gemäß der [rechten] Ordnung.

Wort für Wort
dīpapātrapramāṇaṃ ca
das Maß des Lampengefäßes
tailamānaṃ krameṇa tu
und der Reihe nach das Maß des Öls
dravyasya ca pramāṇaṃ vai
sowie das Maß des Stoffes
tattu mānamanukramāt
dieses Maß gemäß der Ordnung

sthānabhedaṃ ca mantraṃ ca dīpadānamanuṃ pṛthak / puṣpavāsitatailena sarvakāmapradaṃ matam

[Ferner verkünde ich] die Unterscheidung der Orte und das Mantra, sowie gesondert das Mantra (Anu) der Lampenspende: Mit blütenparfümiertem Öl gilt sie als alle Wünsche gewährend.

Wort für Wort
sthānabhedaṃ ca mantraṃ ca
die Unterscheidung der Orte und das Mantra
dīpadānamanuṃ pṛthak
gesondert das Mantra der Lampenspende
puṣpavāsitatailena
mit blütenparfümiertem Öl
sarvakāmapradaṃ matam
gilt sie als alle Wünsche gewährend

tilatailaṃ śriyaḥ prāptyai pathikāgamanaṃ prati / atasītailamuddiṣṭaṃ vaśyakarmaṇi niścitam

Sesamöl [dient] zur Erlangung von Wohlstand (Śrī) und zur Herbeiführung eines Wanderers; Leinöl ist beim Unterwerfungszauber (Vaśyakarman) als gewiss vorgeschrieben.

Wort für Wort
tilatailaṃ śriyaḥ prāptyai
Sesamöl zur Erlangung von Wohlstand
pathikāgamanaṃ prati
zur Herbeiführung eines Wanderers
atasītailamuddiṣṭaṃ
Leinöl ist vorgeschrieben
vaśyakarmaṇi niścitam
beim Unterwerfungszauber, gewiss

sārṣāpaṃ roganāśāya kathitaṃ karmakovidaiḥ / māraṇe rājikotthaṃ vā vibhītakasamudbhavam

Senföl ist von den im Ritual Erfahrenen zur Vernichtung von Krankheit genannt; beim Tötungszauber (Māraṇa) [dient] das aus schwarzem Senf (Rājikā) oder aus der Vibhītaka[-Frucht] gewonnene [Öl].

Wort für Wort
sārṣāpaṃ roganāśāya
Senföl zur Vernichtung von Krankheit
kathitaṃ karmakovidaiḥ
von den Ritualkundigen genannt
māraṇe rājikotthaṃ vā
beim Tötungszauber das aus schwarzem Senf stammende
vibhītakasamudbhavam
oder das aus Vibhītaka gewonnene

uñcāṭane karajotthaṃ vidveṣe madhuvṛkṣajam / alābhe sarvatailānāṃ tilajaṃ tailamuttamam

Beim Vertreibungszauber (Uccāṭana) [dient] das aus Karañja gewonnene [Öl], bei Entzweiungszauber (Vidveṣa) das aus dem Honigbaum (Madhūka) gewonnene; ist keines aller [genannten] Öle erhältlich, so ist das aus Sesam gewonnene Öl das beste.

Wort für Wort
uñcāṭane karajotthaṃ
beim Vertreibungszauber das aus Karañja stammende
vidveṣe madhuvṛkṣajam
bei Entzweiungszauber das aus dem Honigbaum stammende
alābhe sarvatailānāṃ
ist keines aller Öle erhältlich
tilajaṃ tailamuttamam
so ist das Sesamöl das beste

godhūmāśca tilā māṣā mudgā vai taṇḍulāḥ kramāt / pañcadhānyamidaṃ proktaṃ nityadīpaṃ tu māruteḥ

Weizen, Sesam, Urdbohnen, Mungbohnen und Reiskörner – der Reihe nach: dies wird als die fünf Getreidearten (Pañcadhānya) bezeichnet, [bestimmt] für die tägliche (Dauer-)Lampe des Māruti [Hanumān].

Wort für Wort
godhūmāśca tilā māṣā
Weizen, Sesam, Urdbohnen
mudgā vai taṇḍulāḥ kramāt
Mungbohnen und Reiskörner, der Reihe nach
pañcadhānyamidaṃ proktaṃ
dies wird als die fünf Getreidearten bezeichnet
nityadīpaṃ tu māruteḥ
für die tägliche Lampe Mārutis

pañcadhānyasamudbhūtaṃ piṣṭamātraṃ suśobhanam / sarvakāmapradaṃ proktaṃ sarvadā dīpadānake

Das bloß aus den fünf Getreidearten gewonnene Mehl [für den Docht] gilt als überaus vorzüglich; es ist bei der Lampenspende stets als alle Wünsche gewährend erklärt.

Wort für Wort
pañcadhānyasamudbhūtaṃ
das aus den fünf Getreidearten gewonnene
piṣṭamātraṃ suśobhanam
bloße Mehl ist überaus vorzüglich
sarvakāmapradaṃ proktaṃ
als alle Wünsche gewährend erklärt
sarvadā dīpadānake
stets bei der Lampenspende

vaśye taḍulapiṣṭotthaṃ māraṇe māṣapiṣṭajam / uñcāṭane kṛṣṇatilapiṣṭajaṃ ca prakīrtitam

Beim Unterwerfungszauber [ist der Docht] aus Reismehl zu bereiten, beim Tötungszauber aus Urdbohnenmehl; beim Vertreibungszauber ist er aus dem Mehl von schwarzem Sesam bezeichnet.

Wort für Wort
vaśye taḍulapiṣṭotthaṃ
beim Unterwerfungszauber aus Reismehl entstanden
māraṇe māṣapiṣṭajam
beim Tötungszauber aus Urdbohnenmehl
uñcāṭane kṛṣṇatilapiṣṭajaṃ ca prakīrtitam
beim Vertreibungszauber aus schwarzem Sesammehl bezeichnet

pathikāgamane proktaṃ godhūmotthaṃ sataṇḍulam / mohane tvāḍhakījāta vidveṣe ca kulatthajam

Bei der Herbeiführung eines Wanderers ist [der Docht] aus Weizen samt Reis vorgeschrieben; beim Verwirrungszauber (Mohana) aus der Āḍhakī[-Bohne], bei Entzweiungszauber aus der Pferdebohne (Kulattha) entstanden.

Wort für Wort
pathikāgamane proktaṃ
bei der Herbeiführung eines Wanderers vorgeschrieben
godhūmotthaṃ sataṇḍulam
aus Weizen samt Reis entstanden
mohane tvāḍhakījāta
beim Verwirrungszauber aus der Āḍhakī-Bohne entstanden
vidveṣe ca kulatthajam
und bei Entzweiungszauber aus der Pferdebohne

saṃgrāme kevalā māṣāḥ proktā dīpasya pātrake / saṃdhau tripiṣṭajaṃ lakṣmīhetoḥ kastūrikābhavam

Bei der Schlacht sind für das Lampengefäß ausschließlich Urdbohnen vorgeschrieben; bei Versöhnung [ein Docht] aus dreierlei Mehl, zum Zwecke der Lakṣmī [der Docht] aus Moschus.

Wort für Wort
saṃgrāme kevalā māṣāḥ
bei der Schlacht ausschließlich Urdbohnen
proktā dīpasya pātrake
vorgeschrieben für das Lampengefäß
saṃdhau tripiṣṭajaṃ
bei Versöhnung aus dreierlei Mehl
lakṣmīhetoḥ kastūrikābhavam
zum Zwecke der Lakṣmī aus Moschus entstanden

elālavaṅgakarpūramṛganābhisamudbhavam / kanyāprāptyai tathā rājavaṃśye sakhye tathaiva ca

[Ein Docht] aus Kardamom, Gewürznelke, Kampfer und Moschus (Mṛganābhi) gewonnen [dient] zur Erlangung einer Tochter/Braut, ebenso bei [Anliegen betreffend] königliche Abstammung sowie gleichermaßen bei Freundschaft.

Wort für Wort
elālavaṅgakarpūramṛganābhisamudbhavam
aus Kardamom, Nelke, Kampfer und Moschus gewonnen
kanyāprāptyai
zur Erlangung einer Tochter/Braut
tathā rājavaṃśye sakhye tathaiva ca
ebenso bei königlicher Abstammung und ebenso bei Freundschaft

alābhe sarvavastūnāṃ pañcadhānyaṃ varaṃ smṛtam / aṣṭamuṣṭirbhavetkiñcitkiñcidaṣṭau caḥ puṣkalam

Sind alle [genannten] Dinge nicht erhältlich, gelten die fünf Getreidearten als die vorzüglichste [Wahl]. Acht Handvoll (Muṣṭi) ergeben ungefähr [ein gewisses Maß]; [genauer gesagt] ergeben acht [Handvoll] eine Puṣkala[-Maßeinheit].

Wort für Wort
alābhe sarvavastūnāṃ
sind alle Dinge nicht erhältlich
pañcadhānyaṃ varaṃ smṛtam
gelten die fünf Getreidearten als vorzüglich
aṣṭamuṣṭirbhavetkiñcit
acht Handvoll ergeben ungefähr [ein Maß]
kiñcidaṣṭau ca puṣkalam
und acht [Handvoll] ergeben eine Puṣkala

[?: Die Wortfolge „aṣṭamuṣṭirbhavetkiñcitkiñcidaṣṭau caḥ puṣkalam" mit ihrer doppelten Wiederholung von „kiñcit" ist in ihrer genauen Bedeutung unsicher; möglicherweise liegt eine Textverderbnis vor. Übersetzt nach der wahrscheinlichsten Lesart: acht Handvoll (Muṣṭi) ergeben annähernd bzw. genau eine Puṣkala.]

puṣkalānāṃ caturṇāṃ ca hyāḍhakaḥ parikīrtitaḥ / caturāḍhako bhaveddroṇaḥ khārī droṇacatuṣṭayam

Vier Puṣkalas ergeben, wie verkündet, einen Āḍhaka; vier Āḍhakas ergeben einen Droṇa; eine Khārī sind vier Droṇas.

Wort für Wort
puṣkalānāṃ caturṇāṃ ca
von vier Puṣkalas
hyāḍhakaḥ parikīrtitaḥ
wird ein Āḍhaka verkündet
caturāḍhako bhaveddroṇaḥ
vier Āḍhakas ergeben einen Droṇa
khārī droṇacatuṣṭayam
eine Khārī sind vier Droṇas

khārīcatuṣṭaya prasthasaṃjñā ca parikīrtitā / athavānyaprakāreṇa mānamatra nigadyate

Vier Khārīs werden auch mit der Bezeichnung ‚Prastha' [im Sinne eines vollen Maßes] benannt; oder aber, das Maß wird hier auf andere Weise dargelegt.

Wort für Wort
khārīcatuṣṭaya
vier Khārīs
prasthasaṃjñā ca parikīrtitā
werden auch mit der Bezeichnung Prastha benannt
athavānyaprakāreṇa
oder aber auf andere Weise
mānamatra nigadyate
wird das Maß hier dargelegt

[?: „khārīcatuṣṭaya prasthasaṃjñā" steht in Spannung zur sonst in diesem Kapitel (V14, V16f.) belegten Maßeinheiten-Hierarchie, in der „Prastha" eine deutlich kleinere Einheit als „Khārī" bezeichnet; „prastha" wird hier probeweise im allgemeineren Sinn von „volles Maß/Gesamtmenge" verstanden.]

paladvayaṃ tu prasṛtaṃ dviguṇaṃ kuḍavaṃ matam / caturbhiḥ kuḍavaiḥ prasthastaiścaturbhistathāḍhakaḥ

Zwei Pala ergeben einen Prasṛta; das Doppelte [davon] gilt als ein Kuḍava; mit vier Kuḍavas [ergibt sich] ein Prastha, mit vier von diesen [Prasthas] ebenso ein Āḍhaka.

Wort für Wort
paladvayaṃ tu prasṛtaṃ
zwei Pala ergeben einen Prasṛta
dviguṇaṃ kuḍavaṃ matam
das Doppelte gilt als ein Kuḍava
caturbhiḥ kuḍavaiḥ prasthaḥ
mit vier Kuḍavas ein Prastha
taiścaturbhistathāḍhakaḥ
mit vier davon ebenso ein Āḍhaka

caturāḍhako bhaveddroṇaḥ khārī droṇacatuṣṭayam / krameṇaitena te jñeyāḥ pātre ṣaṭkarmasaṃbhave

Vier Āḍhakas ergeben einen Droṇa; eine Khārī sind vier Droṇas. In dieser Reihenfolge sind sie zu kennen bezüglich des Gefäßes, beim Vollzug der sechs [magischen] Handlungen (Ṣaṭkarma).

Wort für Wort
caturāḍhako bhaveddroṇaḥ
vier Āḍhakas ergeben einen Droṇa
khārī droṇacatuṣṭayam
eine Khārī sind vier Droṇas
krameṇaitena te jñeyāḥ
in dieser Reihenfolge sind sie zu kennen
pātre ṣaṭkarmasaṃbhave
bezüglich des Gefäßes beim Vollzug der sechs Handlungen

[Anm.: Im Quelltext steht „droṇaḥṛ" mit überzähligem „ṛ" – offenkundiger Schreib-/OCR-Fehler für „droṇaḥ".]

pañca sapta nava tathā pramāṇāste yathākramam / saugandhe naiva mānaṃ syāttadyathāruci saṃmatam

Fünf, sieben und ebenso neun – dies sind der Reihe nach die [kleineren] Maße; bei Wohlgerüchen (Duftstoffen) aber gibt es kein [festes] Maß, das sei nach Belieben (Ruci) bestimmt.

Wort für Wort
pañca sapta nava tathā
fünf, sieben und ebenso neun
pramāṇāste yathākramam
dies sind der Reihe nach die Maße
saugandhe naiva mānaṃ syāt
bei Wohlgerüchen gibt es kein Maß
tadyathāruci saṃmatam
das sei nach Belieben bestimmt

nityapātre tu tailānāṃ niyamo vārtikodbhavaḥ / somavāre gṛhītvātaddhvānyaṃ toyaplutaṃ dharet

Für die Öle im täglichen (Dauer-)Gefäß aber gilt eine Regel bezüglich der Docht-Herstellung: Am Montag (Somavāra) nehme man [den Stoff], und das andere [Material] halte man, in Wasser getränkt, bereit.

Wort für Wort
nityapātre tu tailānāṃ
für die Öle im täglichen Gefäß aber
niyamo vārtikodbhavaḥ
gilt eine Regel bezüglich der Docht-Herstellung
somavāre gṛhītvā
am Montag nehme man [den Stoff]
taddhvānyaṃ toyaplutaṃ dharet
und das andere, in Wasser getränkt, halte man bereit

[?: Die Verbindung „taddhvānyaṃ" (wohl aus „tad hi anyaṃ" oder ähnlich) ist unsicher; Sinn und Satzbau des Verses bleiben insgesamt nicht vollständig gesichert.]

paścātpramāṇato jñeyaṃ kumārīhastapeṣaṇam / tatpiṣṭaṃ śuddhapātre tu nadītoyena piṇḍitam

Danach ist [der Stoff] dem Maße nach zu erkennen, von der Hand eines Mädchens (Kumārī) zermahlen; dieses Gemahlene wird in einem reinen Gefäß mit Flusswasser zu einem Klumpen geformt.

Wort für Wort
paścātpramāṇato jñeyaṃ
danach ist es dem Maße nach zu erkennen
kumārīhastapeṣaṇam
von der Hand eines Mädchens zermahlen
tatpiṣṭaṃ śuddhapātre tu
dieses Gemahlene aber in einem reinen Gefäß
nadītoyena piṇḍitam
mit Flusswasser zu einem Klumpen geformt

dīpapātraṃ tataḥ kuryācchuddhaḥ prayatamānasaḥ / dīpapātre jvālyamāne māruteḥ kavacaṃ paṭhet

Danach fertige man, rein und gesammelten Geistes, das Lampengefäß; während das Lampengefäß entzündet wird, rezitiere man den Schutzpanzer (Kavaca) des Māruti [Hanumān].

Wort für Wort
dīpapātraṃ tataḥ kuryāt
danach fertige man das Lampengefäß
śuddhaḥ prayatamānasaḥ
rein und gesammelten Geistes
dīpapātre jvālyamāne
während das Lampengefäß entzündet wird
māruteḥ kavacaṃ paṭhet
rezitiere man den Schutzpanzer Mārutis

śuddhabhūmau samāsthāpya bhaume dīpaṃ pradāpayet / mālāmanūnāṃ ye varṇāḥ sādhyanāmasamanvitāḥ

Nachdem man [das Gefäß] auf reinem Boden aufgestellt hat, entzünde man die Lampe auf der Erde. Was die Silben der Girlanden-Mantras (Mālā-Manu) betrifft, die mit dem Namen des [ritualzu erreichenden Zieles, des] Sādhya verbunden sind –

Wort für Wort
śuddhabhūmau samāsthāpya
nachdem man auf reinem Boden aufgestellt hat
bhaume dīpaṃ pradāpayet
entzünde man die Lampe auf der Erde
mālāmanūnāṃ ye varṇāḥ
was die Silben der Girlanden-Mantras betrifft
sādhyanāmasamanvitāḥ
die mit dem Namen des Sādhya verbunden sind

vartikāyāṃ prakarttavyāstantavastatpramāṇakāḥ / tattriṃśāṃśena vā grāhyā gurukārye 'khilāḍhyatā

– diese sind im Docht als Fäden in jener Anzahl anzubringen; oder man nehme ein Dreißigstel davon; bei einem gewichtigen Unterfangen [aber gelte] die volle Menge.

Wort für Wort
vartikāyāṃ prakarttavyāḥ
im Docht sind anzubringen
tantavastatpramāṇakāḥ
Fäden in jener Anzahl
tattriṃśāṃśena vā grāhyā
oder man nehme ein Dreißigstel davon
gurukārye 'khilāḍhyatā
bei einem gewichtigen Unterfangen die volle Menge

kūṭatulyāḥ smṛtā nitye sāmānye 'tha viśeṣake / rudrāḥ kūṭagaṇāḥ proktā na pātre niyamo mataḥ

Für das regelmäßige, das allgemeine wie auch das besondere [Ritual] gelten sie als dem Kūṭa[-Silben-Maß] gleich überliefert; die Zahl der Rudras (elf) oder [andere] Kūṭa-Gruppen sind [dafür] genannt; hinsichtlich des Gefäßes selbst gilt keine feste Regel.

Wort für Wort
kūṭatulyāḥ smṛtā nitye
für das regelmäßige gelten sie als dem Kūṭa gleich
sāmānye 'tha viśeṣake
ebenso beim allgemeinen wie beim besonderen
rudrāḥ kūṭagaṇāḥ proktā
die Rudra-Zahl oder Kūṭa-Gruppen sind genannt
na pātre niyamo mataḥ
hinsichtlich des Gefäßes gilt keine feste Regel

ekaviṃśatisaṃkhyākāstantavo 'thādhvani smṛtāḥ / raktasūtraṃ hanumato dīpadāne prakīrtitam

Einundzwanzig an der Zahl sind die Fäden, die für den [Schutz auf dem] Weg (Adhvan) überliefert sind; rotes Garn ist für die Lampenspende an Hanumat verkündet.

Wort für Wort
ekaviṃśatisaṃkhyākāstantavaḥ
einundzwanzig an der Zahl sind die Fäden
'thādhvani smṛtāḥ
die für den Weg überliefert sind
raktasūtraṃ hanumato dīpadāne
rotes Garn bei der Lampenspende an Hanumat
prakīrtitam
ist verkündet

kṛṣṇamuñcāṭane dveṣe 'ruṇaṃ māraṇakarmaṇi / kūṭatulyapalaṃ tailaṃ gurukārye śivairguṇam

Schwarz[es Garn] beim Vertreibungszauber und bei Entzweiung, rötlich-braunes beim Tötungszauber; das Öl [in einer Menge] gleich dem Kūṭa[-Maß] an Pala – bei gewichtigem Unterfangen mit elf [d.h. mit den Rudras/Śivas] vervielfacht.

Wort für Wort
kṛṣṇamuñcāṭane dveṣe
schwarz beim Vertreibungszauber und bei Entzweiung
'ruṇaṃ māraṇakarmaṇi
rötlich-braun beim Tötungszauber
kūṭatulyapalaṃ tailaṃ
das Öl in einer dem Kūṭa gleichen Pala-Menge
gurukārye śivairguṇam
bei gewichtigem Unterfangen mit elf [Śivas] vervielfacht

nitye pañcapalaṃ proktamathavā mānasī ruciḥ

Für das regelmäßige [tägliche Ritual] sind fünf Pala vorgeschrieben; oder aber [es gilt] das eigene Belieben (Mānasī Ruci).

Wort für Wort
nitye pañcapalaṃ proktam
für das regelmäßige Ritual sind fünf Pala vorgeschrieben
athavā mānasī ruciḥ
oder aber das eigene Belieben

hanumatpratimāyāstu sannidhau dīpadāpanam / śivālaye 'thavā kuryānnityanaimittike sthale

In der Nähe eines Hanumat-Bildnisses [erfolge] die Lampenspende; oder man vollziehe sie in einem Śiva-Tempel, an einem für regelmäßige wie für Anlassrituale (Naimittika) geeigneten Ort.

Wort für Wort
hanumatpratimāyāstu sannidhau
in der Nähe eines Hanumat-Bildnisses aber
dīpadāpanam
die Lampenspende
śivālaye 'thavā kuryāt
oder man vollziehe sie in einem Śiva-Tempel
nityanaimittike sthale
an einem für regelmäßige und Anlassrituale geeigneten Ort

viśeṣo 'styatra yaḥ kaścinmārute rucyate mayā

Welche Besonderheit es hierbei auch gibt, die mir hinsichtlich Mārutis gefällt [, will ich nun darlegen].

Wort für Wort
viśeṣo 'styatra yaḥ kaścit
welche Besonderheit es hierbei auch gibt
mārute rucyate mayā
die mir hinsichtlich Mārutis gefällt

pratimāgre pramodena grahabhūtagraheṣu ca / catuṣpathe tathā proktaṃ ṣaṭsu dīpapradāpanam

Vor dem Bildnis, aus Freude, ebenso bei Ergriffenheit durch Planeten- und Dämonengeister (Graha-Bhūta), desgleichen an der Kreuzung der vier Wege (Catuṣpatha) – so ist die Lampenspende für [diese] sechs [Fälle] verkündet.

Wort für Wort
pratimāgre pramodena
vor dem Bildnis, aus Freude
grahabhūtagraheṣu ca
und bei Ergriffenheit durch Planeten- und Dämonengeister
catuṣpathe tathā proktaṃ
ebenso an der Kreuzung der vier Wege vorgeschrieben
ṣaṭsu dīpapradāpanam
die Lampenspende für sechs Fälle

[?: Die Angabe „ṣaṭsu" (an sechs [Fällen]) lässt sich nicht ohne Weiteres mit der tatsächlich weit längeren Aufzählung der Orte und Anlässe in V30–39 in Einklang bringen; möglicherweise bezieht sie sich nur auf eine engere, im Text nicht gesondert abgegrenzte Untergruppe.]

sannidhau sphaāṭike liṅge śālagrāmasya sannidhau / nānābhogaśriyai proktaṃ dīpadānaṃ hanūmataḥ

In der Nähe eines Kristall-Liṅga (Sphaṭika-Liṅga), in der Nähe eines Śālagrāma[-Steines] – zur Erlangung mannigfaltigen Genusses und Glanzes (Bhoga-Śrī) ist die Lampenspende an Hanumat vorgeschrieben.

Wort für Wort
sannidhau sphaāṭike liṅge
in der Nähe eines Kristall-Liṅga
śālagrāmasya sannidhau
in der Nähe eines Śālagrāma-Steines
nānābhogaśriyai proktaṃ
zur Erlangung mannigfaltigen Genusses und Glanzes vorgeschrieben
dīpadānaṃ hanūmataḥ
die Lampenspende an Hanumat

[Anm.: Lesart „sphaāṭike" korrigiert zu „sphaṭike" (Kristall).]

gaṇeśasannidhau vighnamahāsaṃkaṭanāśane / viṣavyādhibhaye ghore hanumatsannidhau smṛtam

In der Nähe Gaṇeśas zur Vernichtung von Hindernissen und großer Bedrängnis; bei furchtbarer Gefahr durch Gift und Krankheit ist sie in der Nähe Hanumats überliefert.

Wort für Wort
gaṇeśasannidhau
in der Nähe Gaṇeśas
vighnamahāsaṃkaṭanāśane
zur Vernichtung von Hindernis und großer Bedrängnis
viṣavyādhibhaye ghore
bei furchtbarer Gefahr durch Gift und Krankheit
hanumatsannidhau smṛtam
ist sie in der Nähe Hanumats überliefert

durgāyāḥ sannidhau proktaṃ saṃgrāme dīpadāpanam / catuṣpathe vyādhinaṣṭau duṣṭadṛṣṭau tathaiva ca

In der Nähe Durgās ist die Lampenspende im Kampf vorgeschrieben; am Kreuzweg, wenn [Vieh] durch Seuche vernichtet wird, und ebenso bei bösem Blick (Duṣṭadṛṣṭi).

Wort für Wort
durgāyāḥ sannidhau proktaṃ
in der Nähe Durgās vorgeschrieben
saṃgrāme dīpadāpanam
die Lampenspende im Kampf
catuṣpathe vyādhinaṣṭau
am Kreuzweg, wenn durch Seuche vernichtet wird
duṣṭadṛṣṭau tathaiva ca
und ebenso bei bösem Blick

rājadvāre bandhamuktau kārāgāre 'thavā matam / aśvatthavaṭamūle tu sarvakāryaprasiddhaye

Am Königstor, zur Befreiung aus Fesseln, oder im Kerker gilt sie als anerkannt; am Fuß eines Aśvattha- oder Banyanbaumes (Vaṭa) aber zum Gelingen jeglichen Vorhabens.

Wort für Wort
rājadvāre bandhamuktau
am Königstor, zur Befreiung aus Fesseln
kārāgāre 'thavā matam
oder im Kerker anerkannt
aśvatthavaṭamūle tu
am Fuß eines Aśvattha- oder Banyanbaumes aber
sarvakāryaprasiddhaye
zum Gelingen jeglichen Vorhabens

vaśye bhaye vivāde ca veśmasaṃgrāmasaṃkaṭe / dyūte dṛṣṭistaṃbhane ca vidveṣe māraṇe tathā

Bei Unterwerfungszauber, bei Furcht, bei Streit, in häuslicher Bedrängnis wie im Kampfgetümmel, beim Würfelspiel, beim Bannen des Blickes (Dṛṣṭistambhana), bei Entzweiungszauber wie beim Tötungszauber –

Wort für Wort
vaśye bhaye vivāde ca
bei Unterwerfungszauber, bei Furcht, bei Streit
veśmasaṃgrāmasaṃkaṭe
in häuslicher Bedrängnis wie im Kampfgetümmel
dyūte dṛṣṭistaṃbhane ca
beim Würfelspiel, beim Bannen des Blickes
vidveṣe māraṇe tathā
bei Entzweiungszauber, ebenso beim Tötungszauber

mṛtakotthāpane caiva pratimācālane tathā / viṣe vyādhau jvare bhūtagrahe krṛtyāvimocane

– beim Wiedererwecken eines Toten, ebenso beim [magischen] Bewegen eines Bildnisses, bei Gift, bei Krankheit, bei Fieber, bei Besessenheit durch Bhūta oder Graha, bei der Befreiung von einem Kṛtyā-Zauber –

Wort für Wort
mṛtakotthāpane caiva
beim Wiedererwecken eines Toten
pratimācālane tathā
ebenso beim magischen Bewegen eines Bildnisses
viṣe vyādhau jvare
bei Gift, bei Krankheit, bei Fieber
bhūtagrahe krṛtyāvimocane
bei Besessenheit durch Bhūta/Graha, bei Befreiung von einem Kṛtyā-Zauber

kṣatagranthau mahāraṇye durgevyāghne ca dantini / krūrasattveṣu sarveṣu śaśvadūndhavimokṣaṇe

– bei einer Wunde oder Geschwulst, in großer Wildnis, bei Gefahr durch Tiger oder Elefant, bei allen grausamen Wesen, zur beständigen Befreiung von Blindheit –

Wort für Wort
kṣatagranthau mahāraṇye
bei einer Wunde/Geschwulst, in großer Wildnis
durge vyāghre ca dantini
bei Gefahr durch Tiger und Elefant
krūrasattveṣu sarveṣu
bei allen grausamen Wesen
śaśvadandhavimokṣaṇe
zur beständigen Befreiung von Blindheit

[Anm.: „śaśvadūndhavimokṣaṇe" gelesen als „śaśvad andha-vimokṣaṇe" (beständige Befreiung von Blindheit); die überlieferte Form „ūndha" erscheint als Schreib-/OCR-Fehler.]

pathikāgamane caiva duḥsthāne rājamohane / āgame nirgame caiva rājadvāre prakīrtitam

– bei der Ankunft eines Wanderers, an einem unheilvollen Ort, beim Bezaubern eines Königs, beim Kommen wie beim Gehen, und am Königstor – [überall] ist [die Lampenspende] verkündet.

Wort für Wort
pathikāgamane caiva
bei der Ankunft eines Wanderers
duḥsthāne rājamohane
an unheilvollem Ort, beim Bezaubern eines Königs
āgame nirgame caiva
beim Kommen wie beim Gehen
rājadvāre prakīrtitam
am Königstor ist sie verkündet

dīpadānaṃ hanumato nātra kāryā vicāraṇā

Bei der Lampenspende an Hanumat ist hierin kein Bedenken angebracht.

Wort für Wort
dīpadānaṃ hanumato
die Lampenspende an Hanumat
nātra kāryā vicāraṇā
hierin ist kein Bedenken angebracht

rudraikaviṃśapiṇḍāṃśca tridhā maṇḍalamānakam / laghumānaṃ smṛtaṃ pañca sapta vā nava vā tathā

Elf- oder einundzwanzig-fädige Bündel [des Dochts, dazu] das Maß des [Docht-]Kreises dreifach [abgestuft]; als kleineres Maß gelten fünf, sieben oder auch neun.

Wort für Wort
rudraikaviṃśapiṇḍāṃśca
elf- oder einundzwanzig-fädige Bündel
tridhā maṇḍalamānakam
das Maß des Kreises dreifach [abgestuft]
laghumānaṃ smṛtaṃ
als kleineres Maß gilt
pañca sapta vā nava vā tathā
fünf, sieben oder auch neun

kṣīreṇa navanūtena dadhnā vā gomayena ca / pratimākaraṇaṃ proktaṃ māruterdīpadāpane

Mit Milch, mit frischer Butter (Navanīta), mit Dickmilch oder mit Kuhdung – so ist die Anfertigung des Bildnisses Mārutis bei der Lampenspende vorgeschrieben.

Wort für Wort
kṣīreṇa navanūtena
mit Milch, mit frischer Butter
dadhnā vā gomayena ca
mit Dickmilch oder mit Kuhdung
pratimākaraṇaṃ proktaṃ
die Anfertigung des Bildnisses ist vorgeschrieben
māruterdīpadāpane
Mārutis bei der Lampenspende

[Anm.: „navanūtena" gelesen als „navanītena" (frische Butter).]

dakṣiṇābhimukhaṃ vīraṃ kṛtvā kesarivikramam

Nachdem man den Helden, dessen Schritt dem eines Löwen gleicht (Kesarivikrama), nach Süden gewandt dargestellt hat –

Wort für Wort
dakṣiṇābhimukhaṃ vīraṃ kṛtvā
nachdem man den Helden nach Süden gewandt dargestellt hat
kesarivikramam
mit dem Schritt eines Löwen

ṛkṣavinyastapādaṃ ca kirīṭena virājitam / likhedbhittau paṭe vāpi pīṭhe vā māruteḥ śubhe

– mit einem auf einen Bären gesetzten Fuß, von einem Diadem (Kirīṭa) geschmückt, male man [das Bildnis] Mārutis, verheißungsvoll, an eine Wand, auf ein Tuch oder auf einen Sockel (Pīṭha).

Wort für Wort
ṛkṣavinyastapādaṃ ca
mit einem auf einen Bären gesetzten Fuß
kirīṭena virājitam
von einem Diadem geschmückt
likhedbhittau paṭe vāpi
male man an eine Wand oder auf ein Tuch
pīṭhe vā māruteḥ śubhe
oder auf einen Sockel, [das Bildnis] Mārutis, verheißungsvoll

[?: „ṛkṣa" wörtl. „Bär"; die Wendung „ṛkṣavinyastapādam" (mit auf einem Bären ruhendem Fuß) bleibt in ihrer ikonographischen Bedeutung unsicher – „ṛkṣa" könnte auch „Gestirn" oder das Gebirge Ṛkṣavat meinen.]

mālāmantreṇa dātavyaṃ dīpadānaṃ hanūmataḥ / nityadīpaḥ prakarttavyo dvādaśākṣaravidyayā

Mit dem Girlanden-Mantra (Mālā-Mantra) ist die Lampenspende an Hanumat darzubringen; die tägliche (Dauer-)Lampe ist mit der zwölfsilbigen Wissenschaft (Dvādaśākṣara-Vidyā) zu vollziehen.

Wort für Wort
mālāmantreṇa dātavyaṃ
mit dem Girlanden-Mantra ist darzubringen
dīpadānaṃ hanūmataḥ
die Lampenspende an Hanumat
nityadīpaḥ prakarttavyo
die tägliche Lampe ist zu vollziehen
dvādaśākṣaravidyayā
mit der zwölfsilbigen Wissenschaft

viśeṣastatra yastaṃ vai dīpadāne 'vadhāraya / ṣaṣṭyādau ca dvitīyādāvimaṃ dīpamitīrayet

Welche Besonderheit dabei [zu beachten] ist, vernimm sie bei der Lampenspende: Am Anfang im sechsten [Kasus] (Ṣaṣṭhī) und am Anfang im zweiten [Kasus] (Dvitīyā) spreche man ‚imaṃ dīpam' (diese Lampe).

Wort für Wort
viśeṣastatra yastaṃ vai
welche Besonderheit dabei ist
dīpadāne 'vadhāraya
vernimm sie bei der Lampenspende
ṣaṣṭyādau ca dvitīyādau
am Anfang im sechsten und im zweiten Kasus
imaṃ dīpamitīrayet
spreche man ‚diese Lampe'

[?: Die genaue rituell-grammatische Anweisung zur Kasus-Bildung des Mantras (Ṣaṣṭhī/Dvitīyā) bleibt in ihrer praktischen Anwendung nicht restlos gesichert.]

gṛhāṇeti padaṃ paścāccheṣaṃ pūrvavaduñcaret / kūṭādau nityadīpe ca mantraṃ sūryākṣaraṃ vadet

Danach [füge man] das Wort ‚gṛhāṇa' (nimm an!) [hinzu]; das Übrige spreche man wie zuvor. Am Anfang des Kūṭa[-Mantra] und bei der täglichen Lampe spreche man das Mantra mit der Sonnen-Silbe (Sūryākṣara).

Wort für Wort
gṛhāṇeti padaṃ paścāt
danach das Wort ‚gṛhāṇa'
cheṣaṃ pūrvavaduñcaret
das Übrige spreche man wie zuvor
kūṭādau nityadīpe ca
am Anfang des Kūṭa und bei der täglichen Lampe
mantraṃ sūryākṣaraṃ vadet
spreche man das Mantra mit der Sonnen-Silbe

tatra mālākhyamanunā tattatkāryeṣu kārayet / gomayenopaliptāyāṃ bhūmau tadgatamānasaḥ

Dabei vollziehe man mit dem sogenannten Girlanden-Mantra (Mālākhya-Manu) die jeweiligen Handlungen, den Geist darauf gerichtet, auf mit Kuhdung bestrichenem Boden.

Wort für Wort
tatra mālākhyamanunā
dabei mit dem sogenannten Girlanden-Mantra
tattatkāryeṣu kārayet
vollziehe man die jeweiligen Handlungen
gomayenopaliptāyāṃ bhūmau
auf mit Kuhdung bestrichenem Boden
tadgatamānasaḥ
den Geist darauf gerichtet

ṣaṭkoṇaṃ vasupatraṃ ca bhūmau rekhāsamanvitam / kamalaṃ ca likhedbhadraṃ tatra dīpaṃ nidhāpayet

Ein Sechseck (Ṣaṭkoṇa) mit acht Blütenblättern (Vasupatra), versehen mit Linien, sowie einen glückverheißenden Lotus zeichne man auf den Boden; darauf stelle man die Lampe.

Wort für Wort
ṣaṭkoṇaṃ vasupatraṃ ca
ein Sechseck und acht Blütenblätter
bhūmau rekhāsamanvitam
auf dem Boden, versehen mit Linien
kamalaṃ ca likhedbhadraṃ
und man zeichne einen glückverheißenden Lotus
tatra dīpaṃ nidhāpayet
darauf stelle man die Lampe

śaive vā vaiṣṇave pīṭhe pūjayedañjanāsutam / kūṭaṣaṭkaṃ ca ṣaṭkoṇe antarāle paralikhet

Auf einem Śiva- oder Viṣṇu-Sockel verehre man den Sohn der Añjanā [Hanumān]; die sechs Kūṭa[-Silben] schreibe man in die Zwischenräume des Sechsecks.

Wort für Wort
śaive vā vaiṣṇave pīṭhe
auf einem Śiva- oder Viṣṇu-Sockel
pūjayedañjanāsutam
verehre man den Sohn der Añjanā
kūṭaṣaṭkaṃ ca ṣaṭkoṇe
die sechs Kūṭa-Silben im Sechseck
antarāle paralikhet
schreibe man in die Zwischenräume

ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni bījayuktāni saṃlikhet / saumyaṃ madhyagataṃ lekhyaṃ tatra saṃpūjya mārutim

In den [Winkeln] des Sechsecks schreibe man die sechs Glieder (Ṣaḍaṅga), versehen mit den Bīja[-Silben]; die milde Gestalt (Saumya) zeichne man in der Mitte; dort verehre man Māruti.

Wort für Wort
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni
in den Winkeln des Sechsecks die sechs Glieder
bījayuktāni saṃlikhet
versehen mit den Bīja-Silben schreibe man
saumyaṃ madhyagataṃ lekhyaṃ
die milde Gestalt zeichne man in der Mitte
tatra saṃpūjya mārutim
dort verehre man Māruti

ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni nāmāni ca puroktavat / vasupatre kramātpūjyā aṣṭāvete ca vānarāḥ

In den [Winkeln] des Sechsecks [seien] die sechs Glieder [mit] den Namen wie zuvor genannt; auf den acht Blütenblättern sind der Reihe nach diese acht Affen zu verehren:

Wort für Wort
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni
in den Winkeln des Sechsecks die sechs Glieder
nāmāni ca puroktavat
mit den Namen wie zuvor genannt
vasupatre kramātpūjyā
auf den acht Blütenblättern der Reihe nach zu verehren
aṣṭāvete ca vānarāḥ
diese acht Affen

sugrīvāyāṅgadāyātha suṣeṇāya nalāya ca / nīlāyātho jāṃbavate prahastāya tathaiva ca

Sugrīva, Aṅgada, sodann Suṣeṇa und Nala, Nīla, dann Jāmbavat, und ebenso Prahasta,

Wort für Wort
sugrīvāyāṅgadāya
dem Sugrīva, dem Aṅgada
atha suṣeṇāya nalāya ca
sodann dem Suṣeṇa und dem Nala
nīlāyātho jāṃbavate
dem Nīla, dann dem Jāmbavat
prahastāya tathaiva ca
und ebenso dem Prahasta

suveṣāya tataḥ paścādyajetṣaḍaṅgadevatāḥ / ādāvañjanāputrāya tataśca rudramūrtaye

und Suveṣa – danach verehre man die Gottheiten der sechs Glieder (Ṣaḍaṅga): zuerst dem Sohn der Añjanā [Hanumān], dann der Gestalt Rudras,

Wort für Wort
suveṣāya
dem Suveṣa
tataḥ paścādyajetṣaḍaṅgadevatāḥ
danach verehre man die Gottheiten der sechs Glieder
ādāvañjanāputrāya
zuerst dem Sohn der Añjanā
tataśca rudramūrtaye
dann der Gestalt Rudras

tato vāyusutāyātha jānakījīvanāya ca / rāmadūtāya brahmāstranivāraṇāya tatparam

danach dem Sohn des Windes, sodann dem Erhalter Jānakīs [Sītās], dem Boten Rāmas, und zuletzt dem Abwehrer des Brahmā-Geschosses (Brahmāstra).

Wort für Wort
tato vāyusutāyātha
danach dem Sohn des Windes
jānakījīvanāya ca
und dem Erhalter Jānakīs
rāmadūtāya
dem Boten Rāmas
brahmāstranivāraṇāya tatparam
und zuletzt dem Abwehrer des Brahmā-Geschosses

pañcopacāraiḥ saṃpūjya deśakālau ca kīrtet / kuśodakaṃ samādāya dīpamantraṃ samuñcaret

Nachdem man mit den fünf Ehrengaben (Pañcopacāra) verehrt und Ort sowie Zeit genannt hat, nehme man Kuśa-Wasser und spreche das Lampen-Mantra.

Wort für Wort
pañcopacāraiḥ saṃpūjya
nachdem man mit den fünf Ehrengaben verehrt hat
deśakālau ca kīrtet
und Ort sowie Zeit genannt hat
kuśodakaṃ samādāya
nehme man Kuśa-Wasser
dīpamantraṃ samuñcaret
und spreche das Lampen-Mantra

uttagabhimukho japtvā sādhayetsādhakottamaḥ / taṃ mantraṃ kūṭadhā japtvā jalaṃ bhūmau vinikṣipet

Nach Norden gewandt rezitiere der beste der Übenden (Sādhakottama) und vollbringe [das Werk]; nachdem er jenes Mantra in verhüllter Kūṭa-Form rezitiert hat, gieße er das Wasser auf den Boden.

Wort für Wort
uttarābhimukho japtvā
nach Norden gewandt, nachdem er rezitiert hat
sādhayetsādhakottamaḥ
vollbringe der beste der Übenden [das Werk]
taṃ mantraṃ kūṭadhā japtvā
nachdem er jenes Mantra in Kūṭa-Form rezitiert hat
jalaṃ bhūmau vinikṣipet
gieße er das Wasser auf den Boden

[Anm.: „uttagabhimukho" gelesen als „uttarābhimukho" (nach Norden gewandt); vgl. V57 „udaṅmukhagatena".]

tataḥ karapuṭaṃ kṛtvā yathāśakti japenmanum / anena dīpavaryeṇa udaṅmukhagatena vai

Danach forme er die hohle Hand (Karapuṭa) und rezitiere, so gut er vermag, das Mantra; mit dieser vortrefflichen Lampe, nach Norden gewandt (Udaṅmukha) –

Wort für Wort
tataḥ karapuṭaṃ kṛtvā
danach forme er die hohle Hand
yathāśakti japenmanum
und rezitiere, so gut er vermag, das Mantra
anena dīpavaryeṇa
mit dieser vortrefflichen Lampe
udaṅmukhagatena vai
nach Norden gewandt

tathā vidhehi hanumanyathā syurme manorathāḥ / trayodaśaivaṃ dravyāṇi gomayaṃ mṛttikā masī

– ‚so bewirke, Hanumān, dass sich meine Herzenswünsche erfüllen!' [Es folgen] dreizehn Substanzen: Kuhdung, Erde, Ruß,

Wort für Wort
tathā vidhehi hanuman
so bewirke, Hanumān
yathā syurme manorathāḥ
dass sich meine Herzenswünsche erfüllen
trayodaśaivaṃ dravyāṇi
so [folgen] dreizehn Substanzen
gomayaṃ mṛttikā masī
Kuhdung, Erde, Ruß

alaktaṃ daradaṃ raktacandanaṃ candanaṃ madhu / kastūrikā dadhi kṣīraṃ navanītaṃ ghṛtaṃ tathā

Lackfarbe (Alakta), roter Arsenfarbstoff (Darada), rotes Sandelholz, [weißes] Sandelholz, Honig, Moschus, Dickmilch, Milch, frische Butter und ebenso Ghee –

Wort für Wort
alaktaṃ daradaṃ
Lackfarbe, roter Arsenfarbstoff
raktacandanaṃ candanaṃ madhu
rotes Sandelholz, Sandelholz, Honig
kastūrikā dadhi kṣīraṃ
Moschus, Dickmilch, Milch
navanītaṃ ghṛtaṃ tathā
frische Butter und ebenso Ghee

gomayaṃ dvividhaṃ tatra proktaṃ gomahiṣībhavam / paścādvinaṣṭadravyāptau māhiṣaṃ gomayaṃ smṛtam

Kuhdung ist dabei zweifach genannt: von der Kuh oder von der Büffelkuh stammend; zur Wiedererlangung verlorener Güter aber gilt der Büffeldung als vorgeschrieben.

Wort für Wort
gomayaṃ dvividhaṃ tatra proktaṃ
Kuhdung ist dabei zweifach genannt
gomahiṣībhavam
von der Kuh oder Büffelkuh stammend
paścādvinaṣṭadravyāptau
zur Wiedererlangung verlorener Güter aber
māhiṣaṃ gomayaṃ smṛtam
gilt der Büffeldung als vorgeschrieben

pathikāgamane dūrānmahādurgasya rakṣaṇe / bālādirakṣaṇe caiva caurādibhayanāśane

Bei der Herbeiführung eines von weither [kommenden] Wanderers, beim Schutz einer großen Festung, beim Schutz von Kindern und anderen, sowie zur Vernichtung der Furcht vor Dieben und dergleichen –

Wort für Wort
pathikāgamane dūrāt
bei der Herbeiführung eines von weither kommenden Wanderers
mahādurgasya rakṣaṇe
beim Schutz einer großen Festung
bālādirakṣaṇe caiva
beim Schutz von Kindern und anderen
caurādibhayanāśane
zur Vernichtung der Furcht vor Dieben und dergleichen

strīvaśyādiṣu kāryeṣu śastaṃ gogomayaṃ mane / bhūmispṛṣṭaṃ na tadgrāhyamantarikṣāñca bhājane

– bei Vorhaben wie der Bezwingung einer Frau gilt Kuhdung von der Kuh, wie ich meine, als vorgeschrieben; man nehme ihn nicht, wenn er den Boden berührt hat, sondern [fange ihn] im Fallen in einem Gefäß auf.

Wort für Wort
strīvaśyādiṣu kāryeṣu
bei Vorhaben wie der Bezwingung einer Frau
śastaṃ gogomayaṃ mane
gilt Kuhdung, wie ich meine, als vorgeschrieben
bhūmispṛṣṭaṃ na tadgrāhyam
man nehme ihn nicht, wenn er den Boden berührt hat
antarikṣāñca bhājane
sondern fange ihn im Fallen in einem Gefäß auf

caturvidhā mṛttikā tu śvetā pītāruṇāsitā / tatra gopīcandanaṃ tu haritālaṃ ca gaurikam

Vierfach aber ist die Erde: weiß, gelb, rötlich und schwarz; dabei [steht] für die weiße die Gopī-Candana[-Tonerde], für die gelbe der Gelbarsenik (Haritāla), für die rote der Ocker (Gaurika),

Wort für Wort
caturvidhā mṛttikā tu
vierfach aber ist die Erde
śvetā pītāruṇāsitā
weiß, gelb, rötlich und schwarz
tatra gopīcandanaṃ tu
dabei für die weiße die Gopī-Candana-Tonerde
haritālaṃ ca gaurikam
der Gelbarsenik und der Ocker

maṣī lākṣārasodbhūtā sarvaṃ vānyatsphuṭaṃ matam / kṛtvā gopīcadaṃnena caturasraṃ gṛhaṃ sudhīḥ

– für die schwarze der aus Lacksaft (Lākṣā) gewonnene Ruß (Masī); alles Übrige gilt als von selbst offenkundig. Nachdem der Kluge (Sudhī) mit Gopī-Candana ein viereckiges Haus[-Diagramm] gezeichnet hat –

Wort für Wort
maṣī lākṣārasodbhūtā
der aus Lacksaft gewonnene Ruß
sarvaṃ vānyatsphuṭaṃ matam
alles Übrige gilt als offenkundig
kṛtvā gopīcandanena
nachdem man mit Gopī-Candana
caturasraṃ gṛhaṃ sudhīḥ
der Kluge ein viereckiges Haus gezeichnet hat

[Anm.: „gopīcadaṃnena" gelesen als „gopīcandanena".]

tanmadhye māhiṣeṇātha kuryānmūrtiṃ hanūmataḥ / bījaṃ krodhāñca tatpucchaṃ likhenmantrī samāhitaḥ

– zeichne er in dessen Mitte mit Büffel[dung] das Bildnis Hanumats; die Keimsilbe (Bīja), den Zorn(-Laut, Krodha) und dessen Anusvāra (‚Schweif') zeichne der gesammelte Mantra-Kundige.

Wort für Wort
tanmadhye māhiṣeṇātha
in dessen Mitte mit Büffeldung
kuryānmūrtiṃ hanūmataḥ
zeichne er das Bildnis Hanumats
bījaṃ krodhāñca tatpucchaṃ
die Keimsilbe, den Zorn-Laut und dessen Anusvāra
likhenmantrī samāhitaḥ
zeichne der gesammelte Mantra-Kundige

[?: „krodha" bezeichnet hier vermutlich eine bestimmte, mit ‚Zorn' assoziierte Keimsilbe; „pucchaṃ" (‚Schweif') wohl im Sinne des angehängten Anusvāra/Bindu.]

tailena snāpayenmūrtiṃ guḍena tilakaṃ caret / śatapatrasamo dhūpaḥ śālaniryāsasaṃbhavaḥ

Mit Öl bade man das Bildnis, mit Rohzucker (Guḍa) ziehe man das Stirnzeichen (Tilaka); als Räucherwerk [diene], an Duft einem Lotus gleich, das aus dem Harz des Śāla-Baumes gewonnene.

Wort für Wort
tailena snāpayenmūrtiṃ
mit Öl bade man das Bildnis
guḍena tilakaṃ caret
mit Rohzucker ziehe man das Stirnzeichen
śatapatrasamo dhūpaḥ
als Räucherwerk, einem Lotus gleich
śālaniryāsasaṃbhavaḥ
das aus dem Harz des Śāla-Baumes gewonnene

kuryyāñca tailadīpaṃ tu vartipañcakasaṃyutam / dadhyodanena naivedyaṃ dadyātsādhakasattamaḥ

Man richte eine Öllampe mit fünf Dochten her; als Speiseopfer (Naivedya) gebe der beste der Übenden Reis mit Dickmilch (Dadhyodana).

Wort für Wort
kuryyāñca tailadīpaṃ tu
man richte eine Öllampe her
vartipañcakasaṃyutam
mit fünf Dochten versehen
dadhyodanena naivedyaṃ
als Speiseopfer Reis mit Dickmilch
dadyātsādhakasattamaḥ
gebe der beste der Übenden

vāratrayaṃ kaṇṭhadeśe saśeṣaviṣamuñcaran / evaṃ kṛte tu naṣṭānāṃ mahiṣīṇāṃ gavāmapi

– dreimal, indem man im Halsbereich [des Bildnisses] das verbliebene Gift(-Zeichen) freisetzt/entfernt: Ist dies so vollzogen, so [gelangt man] zur Wiedererlangung verlorener Büffelkühe wie auch Kühe,

Wort für Wort
vāratrayaṃ kaṇṭhadeśe
dreimal im Halsbereich
saśeṣaviṣamuñcaran
indem man das verbliebene Gift freisetzt
evaṃ kṛte tu naṣṭānāṃ
ist dies so vollzogen, [gelangt man] zur Wiedererlangung verlorener
mahiṣīṇāṃ gavāmapi
Büffelkühe wie auch Kühe

[?: Die genaue rituelle Handlung, die mit „kaṇṭhadeśe saśeṣaviṣamuñcaran" (im Halsbereich das restliche Gift freisetzend) gemeint ist, bleibt unsicher.]

dāsīdāsādikānāṃ ca naṣṭānāṃ prāptirīritā / caurādiduṣṭasattvānāṃ sarpādīnāṃ bhaye punaḥ

sowie von verlorenen Dienerinnen, Dienern und dergleichen wird die Wiedererlangung verkündet – wiederum bei Furcht vor Dieben und anderen bösen Wesen, vor Schlangen und dergleichen [ist dies wirksam].

Wort für Wort
dāsīdāsādikānāṃ ca
und von Dienerinnen, Dienern und dergleichen
naṣṭānāṃ prāptirīritā
wird von den verlorenen die Wiedererlangung verkündet
caurādiduṣṭasattvānāṃ
vor Dieben und anderen bösen Wesen
sarpādīnāṃ bhaye punaḥ
vor Schlangen und dergleichen, wiederum bei Furcht

tālena ca caturdvāraṃ gṛhaṃ kṛtvā suśobhanam / pūrvadvāre gajaḥ sthāpyo dakṣiṇe mahiṣastathā

Und nachdem man mit einer Palme[-Zeichnung] ein schönes viertüriges Haus[-Diagramm] gestaltet hat, stelle man am Osttor einen Elefanten auf, am Südtor ebenso einen Büffel,

Wort für Wort
tālena ca caturdvāraṃ gṛhaṃ
und mit einer Palme ein viertüriges Haus
kṛtvā suśobhanam
nachdem man es schön gestaltet hat
pūrvadvāre gajaḥ sthāpyo
am Osttor stelle man einen Elefanten auf
dakṣiṇe mahiṣastathā
am Südtor ebenso einen Büffel

sarpastu paścime dvāre vyāghraścaivottare tathā / evaṃ krameṇa khaḍgaṃ ca kṣurikādaṇḍamudgarān

eine Schlange aber am Westtor, und ebenso einen Tiger am Nordtor; so der Reihe nach auch ein Schwert, einen Dolch (Kṣurikā), einen Stab und eine Keule (Mudgara) –

Wort für Wort
sarpastu paścime dvāre
eine Schlange aber am Westtor
vyāghraścaivottare tathā
und ebenso einen Tiger am Nordtor
evaṃ krameṇa khaḍgaṃ ca
so der Reihe nach auch ein Schwert
kṣurikādaṇḍamudgarān
einen Dolch, einen Stab und eine Keule

vilikhya madhye mūrtiṃ ca mahiṣīgomayena vai / kṛtvā ḍamaruhastāṃ ca cakitākṣīṃ prayatnataḥ

– nachdem man diese gezeichnet hat, forme man sorgfältig in der Mitte mit Büffelkuhdung das Bildnis, mit einer Trommel (Ḍamaru) in der Hand und erschrockenen Augen,

Wort für Wort
vilikhya madhye mūrtiṃ ca
nachdem man in der Mitte das Bildnis gezeichnet hat
mahiṣīgomayena vai
mit Büffelkuhdung
kṛtvā ḍamaruhastāṃ ca
geformt mit einer Trommel in der Hand
cakitākṣīṃ prayatnataḥ
mit erschrockenen Augen, sorgfältig

payasā snāpanaṃ raktacandanenānulepanam / jātīpuṣpaistu saṃpūjya śuddhadhūpa prakalpayet

bade es mit Milch, salbe es mit rotem Sandel, verehre es mit Jasminblüten (Jātī) und bereite reines Räucherwerk.

Wort für Wort
payasā snāpanaṃ
bade es mit Milch
raktacandanenānulepanam
salbe es mit rotem Sandel
jātīpuṣpaistu saṃpūjya
verehre es mit Jasminblüten
śuddhadhūpa prakalpayet
und bereite reines Räucherwerk

ghṛtena dīpaṃ dattvātha pāyasānnaṃ nivedayet / gaganaṃ dīpikendvāḍhyāṃ śāstraṃ ca purato japet

Nachdem man mit Ghee eine Lampe dargebracht hat, opfere man Milchreisspeise; [die vom Mondschein erfüllte(?) Lampe stelle man auf,] und rezitiere davor den [heiligen] Text.

Wort für Wort
ghṛtena dīpaṃ dattvātha
nachdem man mit Ghee eine Lampe dargebracht hat
pāyasānnaṃ nivedayet
opfere man Milchreisspeise
gaganaṃ dīpikendvāḍhyāṃ
die mit Mondglanz erfüllte Lampe [?]
śāstraṃ ca purato japet
und rezitiere davor den heiligen Text

[?: Die Wortfolge „gaganaṃ dīpikendvāḍhyāṃ" bleibt unsicher; wörtlich etwa „den Himmel(?)/die mit Mondglanz versehene Lampe" – die genaue syntaktische Konstruktion ist nicht restlos zu klären, möglicherweise Textverderbnis.]

evaṃ saptadinaṃ kṛtvā mucyate mahato bhayāt / anayorbhauṃmavāre tu kuryādāraṃbhamādarāt

Hat man dies sieben Tage lang vollzogen, wird man von großer Furcht befreit; den Beginn dieser beiden [Riten] vollziehe man mit Sorgfalt am Dienstag (Bhaumavāra).

Wort für Wort
evaṃ saptadinaṃ kṛtvā
hat man dies sieben Tage lang vollzogen
mucyate mahato bhayāt
wird man von großer Furcht befreit
anayorbhauṃmavāre tu
dieser beiden aber am Dienstag
kuryādāraṃbhamādarāt
vollziehe man den Beginn mit Sorgfalt

śatrusenābhaye prāpte gairikeṇa tu maṇḍalam / kṛtvā tadantare tālamīṣṭannamraṃ samālikhet

Ist Furcht vor feindlichem Heer eingetreten, so zeichne man mit rotem Ocker (Gairika) einen Kreis, und darin, wie gewünscht, eine sich neigende Palme,

Wort für Wort
śatrusenābhaye prāpte
ist Furcht vor feindlichem Heer eingetreten
gairikeṇa tu maṇḍalam kṛtvā
so zeichne man mit rotem Ocker einen Kreis
tadantare tālamīṣṭam
und darin, wie gewünscht, eine Palme
namraṃ samālikhet
sich neigend, male man

tatrāvalaṃbamānāṃ ca pratimāṃ gomayena tu / vāmahastena tālāgraṃ dakṣiṇe jñānamudrikā

und darin, mit Kuhdung, ein Bildnis, das sich [an der Palme] festhält – mit der linken Hand an der Palmenspitze, mit der Rechten im Wissens-Gestus (Jñāna-Mudrā).

Wort für Wort
tatrāvalaṃbamānāṃ ca
und darin ein sich festhaltendes
pratimāṃ gomayena tu
Bildnis mit Kuhdung
vāmahastena tālāgraṃ
mit der linken Hand an der Palmenspitze
dakṣiṇe jñānamudrikā
an der Rechten im Wissens-Gestus

tālamūlātsvakāṣṭāyāṃ mārge hastamite gṛham / caturasra vidhāyātha tanmadhye mūrtimālikhet

Vom Fuß der Palme aus, in eigener Richtung, acht [Maß entfernt], gestalte man auf dem Weg ein einen Hand[breit] großes viereckiges Haus[-Diagramm], und zeichne darin das Bildnis.

Wort für Wort
tālamūlātsvakāṣṭāyāṃ mārge
vom Fuß der Palme aus, acht [Maß] entfernt, auf dem Weg
hastamite gṛham
ein einen Hand[breit] großes Haus
caturasra vidhāyātha
viereckig gestaltend
tanmadhye mūrtimālikhet
zeichne man darin das Bildnis

[?: „svakāṣṭāyāṃ" bleibt unsicher; hier probeweise als „in eigener Richtung, um acht [Maßeinheiten]" verstanden.]

dakṣiṇābhamukhīṃ rimyāṃ hṛdaye vihitāñjalim / toyena snānagandhādi yathāsaṃbhavamarpayet

[das Bildnis], nach Süden gewandt, lieblich, mit zum Herzen erhobenen gefalteten Händen (Añjali); mit Wasser reiche man Bad, Duftstoffe und dergleichen dar, soweit es möglich ist.

Wort für Wort
dakṣiṇābhamukhīṃ ramyāṃ
nach Süden gewandt, lieblich
hṛdaye vihitāñjalim
mit zum Herzen erhobenen gefalteten Händen
toyena snānagandhādi
mit Wasser Bad, Duftstoffe und dergleichen
yathāsaṃbhavamarpayet
reiche man dar, soweit es möglich ist

[Anm.: „rimyāṃ" gelesen als „ramyāṃ" (lieblich).]

kṛśārānnaṃ ca naivedyaṃ sājyaṃ tasyai nivedayet / kilidvayaṃ japaṃ proktamevaṃ kuryāddine dine

Als Speiseopfer reiche man ihm mit Ghee vermengten Reis-Bohnen-Brei (Kṛśara); das Rezitieren [des Mantras] mit dem doppelten Bīja ‚Klīṃ' ist vorgeschrieben; so verfahre man Tag für Tag.

Wort für Wort
kṛśārānnaṃ ca naivedyaṃ
als Speiseopfer Reis-Bohnen-Brei
sājyaṃ tasyai nivedayet
mit Ghee vermengt reiche man ihm dar
kilidvayaṃ japaṃ proktam
das Rezitieren mit dem doppelten Bīja ist vorgeschrieben
evaṃ kuryāddine dine
so verfahre man Tag für Tag

[?: „tasyai" (Dativ fem.) ist auffällig, da sich der Bezug auf das männliche Hanumat-Bildnis richtet – vermutlich Schreibfehler für „tasmai". „kilidvayaṃ" bleibt unsicher, hier als zweifaches Bīja „klīṃ" gedeutet.]

evaṃ kṛte bhavecchīghraṃ pathikānāṃ samāgamaḥ / śyāmapāṣāṇakhaṇḍena likhitvā bhūpatergṛham

Ist dies vollzogen, kommt es rasch zur Ankunft der Wanderer/Reisenden. Nachdem man mit einem Stück dunklen Gesteins (Śyāma-Pāṣāṇa) das Haus des Königs (Bhūpati) gezeichnet hat,

Wort für Wort
evaṃ kṛte bhavecchīghraṃ
ist dies vollzogen, so geschieht rasch
pathikānāṃ samāgamaḥ
die Ankunft der Wanderer
śyāmapāṣāṇakhaṇḍena
mit einem Stück dunklen Gesteins
likhitvā bhūpatergṛham
nachdem man das Haus des Königs gezeichnet hat

prākāraṃ tu caturdvārayuktaṃ dvāreṣu tatra vai / anyonyapuccha ridhitrayayuktāṃ hanūmataḥ

sowie eine mit vier Toren versehene Mauer – an jenen Toren [zeichne man Bildnisse] Hanumats, deren Schweife sich gegenseitig [berühren], versehen mit einem dreifachen [Zeichen von Wohlstand],

Wort für Wort
prākāraṃ tu caturdvārayuktaṃ
sowie eine mit vier Toren versehene Mauer
dvāreṣu tatra vai
an jenen Toren
anyonyapuccha
mit sich gegenseitig berührenden Schweifen
ṛddhitrayayuktāṃ hanūmataḥ
[Bildnisse] Hanumats, mit dreifachem Wohlstand versehen

[?: „anyonyapuccha ridhitrayayuktāṃ" bleibt in der genauen Bedeutung unsicher; „ridhitraya" probeweise als „ṛddhitraya" (dreifacher Wohlstand) gedeutet.]

kuryānmūrtiṃ gomayena dhattūrakusumaiyajet / jaṭāmāṃsībhavaṃ dhūpaṃ tailāktaghṛtadīpakam

forme man mit Kuhdung das Bildnis, verehre es mit Stechapfelblüten (Dhattūra); als Räucherwerk [diene] das aus der Jaṭāmāṃsī[-Pflanze] gewonnene; die Lampe [speise man] mit in Öl getränktem Ghee.

Wort für Wort
kuryānmūrtiṃ gomayena
forme man mit Kuhdung das Bildnis
dhattūrakusumaiyajet
verehre es mit Stechapfelblüten
jaṭāmāṃsībhavaṃ dhūpaṃ
als Räucherwerk das aus Jaṭāmāṃsī gewonnene
tailāktaghṛtadīpakam
die Lampe mit in Öl getränktem Ghee

naivedyaṃ tilatailāktasakṣārā māṣaroṭikā / dhyeyo dakṣiṇahastena roṭikāṃ bhakṣayanhariḥ

Als Speiseopfer [diene] ein mit Sesamöl getränktes, gesalzenes Urdbohnen-Fladenbrot (Māṣaroṭikā); man stelle sich Hari [Hanumān] vor, wie er mit der rechten Hand den Fladen verzehrt,

Wort für Wort
naivedyaṃ tilatailāktasakṣārā māṣaroṭikā
als Speiseopfer ein mit Sesamöl getränktes, gesalzenes Urdbohnen-Fladenbrot
dhyeyo dakṣiṇahastena
man stelle sich vor, mit der rechten Hand
roṭikāṃ bhakṣayanhariḥ
wie Hari den Fladen verzehrt

vāmahastena pāṣāṇaistrāsayanparasainikān / pnārayanbhrukuṭīṃ baddhvā bhīṣayanmathayansthitaḥ

mit der linken Hand mit Steinen die feindlichen Krieger erschreckend, [sie] niederwerfend, die Brauen gerunzelt, [sie] ängstigend, aufwühlend, [so] dastehend.

Wort für Wort
vāmahastena pāṣāṇaiḥ
mit der linken Hand mit Steinen
trāsayanparasainikān
die feindlichen Krieger erschreckend
pātayan bhrukuṭīṃ baddhvā
niederwerfend, die Brauen gerunzelt
bhīṣayanmathayansthitaḥ
ängstigend, aufwühlend, dastehend

[Anm.: „pnārayan" ist offensichtlich verderbt; hier probeweise als „pātayan" (niederwerfend) gelesen.]

japeñca bhugbhugiti vai sahasraṃ dhyānatatparaḥ / evaṃ kṛtavidhānena parasainyaṃ vināśayet

und rezitiere, dem Dhyāna hingegeben, tausendmal die Silben ‚bhug bhug'; durch diese vollzogene Vorschrift vernichte man das feindliche Heer.

Wort für Wort
japeñca bhugbhugiti vai
und rezitiere die Silben ‚bhug bhug'
sahasraṃ dhyānatatparaḥ
tausendmal, dem Dhyāna hingegeben
evaṃ kṛtavidhānena
durch diese vollzogene Vorschrift
parasainyaṃ vināśayet
vernichte man das feindliche Heer

rakṣā bhavati durgāṇāṃ satyaṃ satya na saṃśayaḥ / prāyogā bahavastatra saṃkṣepādgaditā mayā

So geschieht der Schutz von Festungen – wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel. Viele [weitere] Anwendungen gibt es dabei; ich habe sie in Kürze dargelegt.

Wort für Wort
rakṣā bhavati durgāṇāṃ
so geschieht der Schutz von Festungen
satyaṃ satya na saṃśayaḥ
wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel
prāyogā bahavastatra
viele Anwendungen gibt es dabei
saṃkṣepādgaditā mayā
ich habe sie in Kürze dargelegt

pratyahaṃ yo vidhānena dīpadānaṃ hanūmataḥ / tasyāsādhyaṃ na vai kiñcidvidyate bhuvanatraye

Wer täglich, der Vorschrift gemäß, Hanumat die Lampenspende darbringt, für den gibt es in den drei Welten nichts Unerreichbares.

Wort für Wort
pratyahaṃ yo vidhānena
wer täglich, der Vorschrift gemäß
dīpadānaṃ hanūmataḥ
Hanumat die Lampenspende [darbringt]
tasyāsādhyaṃ na vai kiñcid
für den gibt es nichts Unerreichbares
vidyate bhuvanatraye
in den drei Welten

na deyaṃ duṣṭahṛdaye duṣṭacintanabuddhaye / avinītāya śiṣyāya piśunāya kadācana

[Dieses Wissen] darf niemals einem Bösgesinnten, einem auf Böses sinnenden Verstand, einem unerzogenen Schüler oder einem Verleumder gegeben werden,

Wort für Wort
na deyaṃ duṣṭahṛdaye
darf nicht gegeben werden einem Bösgesinnten
duṣṭacintanabuddhaye
einem auf Böses sinnenden Verstand
avinītāya śiṣyāya
einem unerzogenen Schüler
piśunāya kadācana
einem Verleumder, niemals

kṛtaghnāya na dātavyaṃ dātavyaṃ ca parīkṣite / bahunā kimihoktena sarvaṃ dadyātkapīśvaraḥ

auch nicht einem Undankbaren; wohl aber einem [zuvor] Geprüften. Was soll hier viel [weiter] gesagt werden – der Herr der Affen [Hanumān] gewährt alles.

Wort für Wort
kṛtaghnāya na dātavyaṃ
einem Undankbaren darf es nicht gegeben werden
dātavyaṃ ca parīkṣite
wohl aber einem Geprüften
bahunā kimihoktena
was soll hier viel gesagt werden
sarvaṃ dadyātkapīśvaraḥ
der Herr der Affen gewährt alles

atha mantrāntaraṃ vakṣye tattvajñānapradāyakam / tāro namo hanumate jāṭharatrayamīrayet

Nun will ich ein weiteres Mantra verkünden, das die Erkenntnis des wahren Wesens (Tattvajñāna) verleiht: Man spreche den Praṇava (Oṃ), ‚namo hanumate', [und] dreimal die Silbe ‚Jāṭhara'.

Wort für Wort
atha mantrāntaraṃ vakṣye
nun will ich ein weiteres Mantra verkünden
tattvajñānapradāyakam
das die Erkenntnis des wahren Wesens verleiht
tāro namo hanumate
der Praṇava, ‚namo hanumate'
jāṭharatrayamīrayet
man spreche dreimal die Silbe Jāṭhara

[?: Die genaue lautliche Gestalt der als „jāṭharatrayam" bezeichneten dreifachen Silbe bleibt unsicher.]

danakṣobhaṃ samābhāṣya saṃharadvayamīrayet / ātmatattvaṃ tataḥ paścātprakāśayayugaṃ tataḥ

nachdem man ‚danakṣobham' [wohl: madākṣobham, „die Erregung des Übermuts"] gesprochen hat, spreche man zweimal ‚saṃhara' (vernichte!); danach ‚ātmatattvam' (das Wesen des Selbst), und danach zweimal ‚prakāśaya' (offenbare!).

Wort für Wort
danakṣobhaṃ samābhāṣya
nachdem man ‚danakṣobham' gesprochen hat
saṃharadvayamīrayet
spreche man zweimal ‚saṃhara'
ātmatattvaṃ tataḥ paścāt
danach ‚ātmatattvam'
prakāśayayugaṃ tataḥ
und danach zweimal ‚prakāśaya'

[?: „danakṣobham" wohl verderbt für „madākṣobham" (Erregung des [Sinnen-]Übermuts).]

varmāstravahnijāyāntaḥ sārddhūṣaḍviṃśadarṇavān / vasiṣṭho 'sya muniśchando 'nuṣṭup ca devatāḥ punaḥ

– endend mit ‚Rüstung' (Varma), ‚Waffe' (Astra) [und] ‚Gattin des Feuers' [Svāhā] – [so ergibt sich ein Mantra von] sechsundzwanzigeinhalb Silben. Sein Seher (Ṛṣi) ist Vasiṣṭha, das Metrum Anuṣṭubh, und die Gottheiten [sind] wiederum wie [zuvor genannt].

Wort für Wort
varmāstravahnijāyāntaḥ
endend mit Rüstung, Waffe und Gattin des Feuers
sārddhūṣaḍviṃśadarṇavān
[ein Mantra von] sechsundzwanzigeinhalb Silben
vasiṣṭho 'sya muniśchando 'nuṣṭup
sein Seher ist Vasiṣṭha, das Metrum Anuṣṭubh
ca devatāḥ punaḥ
und die Gottheiten wiederum [wie zuvor]

hanumānmunisaptartuvedāṣṭanigamaiḥ kramāt / mantrārṇaiśca ṣaḍaṅgāni kṛtvā dhyāyetkapīśvaram

Hanumān [ist die Gottheit]; mit den durch die Zahlwörter ‚Muni' (sieben), ‚Ṛtu' (sechs), ‚Veda' (vier) [und] ‚Aṣṭa' (acht) [bezeichneten] Silben des Mantras vollziehe man der Reihe nach die sechs Glieder (Ṣaḍaṅga) und meditiere sodann über den Herrn der Affen.

Wort für Wort
hanumānmunisaptartuvedāṣṭanigamaiḥ kramāt
Hanumān, mit den Silben nach Muni-, Ṛtu-, Veda- und Aṣṭa-Zahl, der Reihe nach
mantrārṇaiśca ṣaḍaṅgāni kṛtvā
mit den Mantra-Silben die sechs Glieder vollziehend
dhyāyetkapīśvaram
meditiere man über den Herrn der Affen

[?: Die genaue Zuordnung der Silben zu den einzelnen Gliedern mittels dieser Zahlwort-Chiffren („Muni"=7, „Ṛtu"=6, „Veda"=4, „Aṣṭa"=8) lässt sich aus dem Text allein nicht restlos rekonstruieren.]

jānusthāvāmabāhuṃ ca jñānamudrāparaṃ hṛdi / adhyātmacittamāsīnaṃ kadalīvanamadhyagam

[Man meditiere über ihn], den linken Arm auf dem Knie ruhend, [die rechte Hand] am Herzen im höchsten Wissens-Gestus (Jñānamudrā), den Geist nach innen auf das Selbst gerichtet, inmitten eines Bananenhaines (Kadalīvana) sitzend,

Wort für Wort
jānusthāvāmabāhuṃ ca
den linken Arm auf dem Knie ruhend
jñānamudrāparaṃ hṛdi
am Herzen im höchsten Wissens-Gestus
adhyātmacittamāsīnaṃ
den Geist auf das Selbst gerichtet, sitzend
kadalīvanamadhyagam
inmitten eines Bananenhaines

bālārkakoṭipratimaṃ dhyāyejjñānapradaṃ harim / dhyātvaivaṃ prajapellakṣaṃ daśāṃśaṃ juhuyāttilaiḥ

– [ihn], gleich zehn Millionen jungen [aufgehenden] Sonnen, den Wissen verleihenden Hari [Hanumān], stelle man sich vor. Hat man so meditiert, rezitiere man [das Mantra] hunderttausendmal und opfere den zehnten Teil davon mit Sesam als Brandopfer (Homa).

Wort für Wort
bālārkakoṭipratimaṃ
gleich zehn Millionen jungen Sonnen
dhyāyejjñānapradaṃ harim
meditiere man über den Wissen verleihenden Hari
dhyātvaivaṃ prajapellakṣaṃ
hat man so meditiert, rezitiere man hunderttausendmal
daśāṃśaṃ juhuyāttilaiḥ
und opfere den zehnten Teil mit Sesam

sājyaiḥ saṃpūjayetpīṭhe pūrvokte pūrvavatprabhum / japto 'yaṃ madanakṣobhaṃ nāśayatyeva niścitam

Mit [Opfergaben] versetzt mit Ghee verehre man den Herrn auf dem zuvor genannten Sockel (Pīṭha), wie zuvor [beschrieben]. Wird dieses [Mantra] rezitiert, vernichtet es gewiss die Erregung der Leidenschaft (Madanakṣobha).

Wort für Wort
sājyaiḥ saṃpūjayetpīṭhe
mit Ghee-Opfergaben verehre man auf dem Sockel
pūrvokte pūrvavatprabhum
dem zuvor genannten, den Herrn, wie zuvor
japto 'yaṃ madanakṣobhaṃ
wird dieses [Mantra] rezitiert, die Erregung der Leidenschaft
nāśayatyeva niścitam
vernichtet es gewiss

tattvajñānamavāpnoti kapīndrasya prasādataḥ / atha mantrāntaraṃ vakṣye bhūtavidrāvaṇaṃ param

[Der Übende] erlangt durch die Gnade des Affenfürsten die Erkenntnis des wahren Wesens. Nun will ich ein weiteres, höchstes Mantra verkünden, das Geister (Bhūta) vertreibt.

Wort für Wort
tattvajñānamavāpnoti
er erlangt die Erkenntnis des wahren Wesens
kapīndrasya prasādataḥ
durch die Gnade des Affenfürsten
atha mantrāntaraṃ vakṣye
nun will ich ein weiteres Mantra verkünden
bhūtavidrāvaṇaṃ param
das höchste, Geister vertreibende

tāraḥ kāśīṅkukṣiparavarāhaścāñjanāpadam / pavano vanaputrānte āveśidvayamīrayet

[Man spreche] den Praṇava (Oṃ), [die Silben] ‚kāśīṅkukṣi', ‚paravarāha' und den Namen des Sohnes der Añjanā [Hanumān]; [dann] ‚Pavana' (der Windgott), am Ende ‚Vanaputra' (Sohn des Waldes), [und] zweimal ‚āveśi' (Besessenheit!) spreche man.

Wort für Wort
tāraḥ kāśīṅkukṣiparavarāhaścāñjanāpadam
der Praṇava, ‚kāśīṅkukṣi', ‚paravarāha' und der Name des Sohnes der Añjanā
pavano vanaputrānte
‚Pavana', am Ende ‚Vanaputra'
āveśidvayamīrayet
zweimal ‚āveśi' spreche man

[?: Die Verse 99–100 enthalten mehrere unklare bzw. möglicherweise verderbte Chiffre-Ausdrücke zur Mantra-Konstruktion („kāśīṅkukṣi", „paravarāha" u.a.), deren genaue lautliche Auflösung nicht sicher zu bestimmen ist; die Übersetzung folgt dem Wortlaut so wörtlich wie möglich.]

tāraḥ śrīhanumatyaścādastraracabhujākṣaraḥ / brahmā muniḥ syādgāyatrī chando 'tra devatā punaḥ

Der Praṇava, ‚śrī hanumatyai', sodann die mit ‚Astra', ‚Raca' und ‚Bhuja' [bezeichneten] Silben – [so ist das Mantra gebildet]. Sein Seher ist Brahmā, das Metrum Gāyatrī, und die Gottheit [ist] wiederum [die zuvor genannte].

Wort für Wort
tāraḥ śrīhanumatyaścādastraracabhujākṣaraḥ
der Praṇava, ‚śrī hanumatyai' und die Silben von Astra, Raca und Bhuja
brahmā muniḥ syādgāyatrī chando
sein Seher ist Brahmā, das Metrum Gāyatrī
'tra devatā punaḥ
die Gottheit hier wiederum [wie zuvor]

[?: Auch hier bleiben einzelne Silbenbezeichnungen („raca", „bhujākṣaraḥ") in ihrer genauen Bedeutung unsicher.]

hanumānkamalā bījaṃ phaṭ śaktiḥ parikīrtitaḥ / ṣaḍdīrghāḍhyena bījena ṣaḍaṅgāni samācaret

‚Hanumān' [ist die Gottheit], ‚Kamalā' die Keimsilbe (Bīja), ‚Phaṭ' ist als Kraftsilbe (Śakti) verkündet; mit der um die sechs langen [Vokale] vermehrten Keimsilbe vollziehe man die sechs Glieder.

Wort für Wort
hanumānkamalā bījaṃ
‚Hanumān', ‚Kamalā' die Keimsilbe
phaṭ śaktiḥ parikīrtitaḥ
‚Phaṭ' ist als Kraftsilbe verkündet
ṣaḍdīrghāḍhyena bījena
mit der um die sechs langen Vokale vermehrten Keimsilbe
ṣaḍaṅgāni samācaret
vollziehe man die sechs Glieder

āñjaneya pāṭalāsyaṃ svarṇādrisamavigraham / pārijātadrumūlasthaṃ cintayetsādhakottamaḥ

Der beste der Übenden stelle sich den Sohn der Añjanā (Āñjaneya) vor, mit rosig-lichtem Antlitz, von einer Gestalt gleich dem goldenen Berg [Meru], am Fuß des Pārijāta-Baumes weilend.

Wort für Wort
āñjaneya pāṭalāsyaṃ
den Sohn der Añjanā, mit rosig-lichtem Antlitz
svarṇādrisamavigraham
von einer Gestalt gleich dem goldenen Berg
pārijātadrumūlasthaṃ
am Fuß des Pārijāta-Baumes weilend
cintayetsādhakottamaḥ
stelle sich der beste der Übenden vor

evaṃ dhyātvā japellakṣaṃ daśāṃśaṃ juhuyāttilaiḥ / trimadhvaktairyañjatpīṭhe pūrvoktepūrvavatsudhīḥ

Hat man so meditiert, rezitiere man hunderttausendmal und opfere den zehnten Teil mit Sesam; der Kluge verehre [ihn], mit den drei Süßstoffen (Trimadhu) benetzt, auf dem zuvor genannten Sockel, wie zuvor [beschrieben].

Wort für Wort
evaṃ dhyātvā japellakṣaṃ
hat man so meditiert, rezitiere man hunderttausendmal
daśāṃśaṃ juhuyāttilaiḥ
und opfere den zehnten Teil mit Sesam
trimadhvaktairyañjatpīṭhe
mit den drei Süßstoffen benetzt, verehre man auf dem Sockel
pūrvoktepūrvavatsudhīḥ
der Kluge, wie zuvor beschrieben

anena manunā mantrī grahagrastaṃ pramārjayet / ākrandaṃstaṃ vimucyātha grahaḥ śīghraṃ palāyate

Mit diesem Mantra reinige der Mantra-Kundige einen von einem Graha(-Geist) Ergriffenen; sobald jener [Ergriffene] aufschreit und losgelassen wird, flieht der Graha eilends davon.

Wort für Wort
anena manunā mantrī
mit diesem Mantra der Mantra-Kundige
grahagrastaṃ pramārjayet
reinige einen von einem Graha Ergriffenen
ākrandaṃstaṃ vimucyātha
sobald jener aufschreit und losgelassen wird
grahaḥ śīghraṃ palāyate
flieht der Graha eilends davon

manavo 'mī sadāgopyā na prakāśyā yatastataḥ / parīkṣitāya śiṣyāya deyā vā nijasūnave

Diese Mantras sind stets geheim zu halten und daher nicht [öffentlich] zu offenbaren; sie dürfen [nur] einem geprüften Schüler oder dem eigenen Sohn gegeben werden.

Wort für Wort
manavo 'mī sadāgopyā
diese Mantras sind stets geheim zu halten
na prakāśyā yatastataḥ
und daher nicht zu offenbaren
parīkṣitāya śiṣyāya
einem geprüften Schüler
deyā vā nijasūnave
oder dem eigenen Sohn dürfen sie gegeben werden

hanumadbhajanāsaktaḥ kārtavīryārjunaṃ sudhīḥ / viśeṣataḥ samārādhya yathoktaṃ phalamāpnuyāt

Wer der Verehrung Hanumats ergeben ist und als Kluger überdies Kārtavīryārjuna in besonderer Weise verehrt, der erlangt die wie gesagt [genannte] Frucht.

Wort für Wort
hanumadbhajanāsaktaḥ
der Verehrung Hanumats ergeben
kārtavīryārjunaṃ sudhīḥ
der Kluge den Kārtavīryārjuna
viśeṣataḥ samārādhya
in besonderer Weise verehrend
yathoktaṃ phalamāpnuyāt
erlangt die wie gesagt genannte Frucht

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