Sanaka sprach: "Nun will ich weiter die Vaiṣṇava-Herrlichkeit verkünden, o Weiser, durch deren Hören und Preisen sogleich Sündenvernichtung eintritt."
Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi
nun will ich weiter verkünden
vibhūtiṃ vaiṣṇavīṃ mune
die Vaiṣṇava-Herrlichkeit, o Weiser
yāṃ śṛṇvatāṃ kīrtayatāṃ
durch deren Hören und Preisen
sadyaḥ pāpakṣayo bhavet
sogleich trete Sündenvernichtung ein
[Anm.: Der Vers beginnt im Quelltext mit dem Schlusskolophon des vorigen Kapitels (Quellzählung: „neununddreißigstes Kapitel", betitelt viṣṇumāhātmya); erst danach beginnt mit „sanaka uvāca" der eigentliche Vers 1 dieses Kapitels; nur dieser wurde übersetzt.]
Indra sprach: "O Bṛhaspati, Hochbeglückter, Kenner aller Wesenheiten und Sinngehalte - im vergangenen Kalpa Brahmās, wie beschaffen war da die Schöpfung, o Herr?"
bṛhaspatiruvāca / na jñāyate mayā śakra pūrvedyuścaritaṃ vidheḥ / vartamānadinasyāpi durjñeyaṃ pratibhāti me
Bṛhaspati sprach: "Mir ist nicht bekannt, o Śakra, was am vorherigen Tag des Weltenschöpfers geschah; selbst vom gegenwärtigen Tag scheint es mir schwer erkennbar."
- begab sich, von Scharen von Göttern umringt, zur Wohnstatt des Sudharma.
Wort für Wort
devatāgaṇasaṃkīrṇaḥ
von Scharen von Göttern umringt
sudharmanilayaṃ yayau
begab sich zur Wohnstatt des Sudharma
[Anm.: Der Vers besteht im Quelltext nur aus einer Halbzeile (zwei Pādas statt vier) und führt grammatisch den Satz aus V9 fort (Subjekt śakraḥ); daher hier als Fortsetzung übersetzt.]
Indra sprach: "Wenn du, o Weiser, den Bericht des vergangenen Brahma-Kalpa kennst, dann verkünde ihn; wir sind gekommen, um dies zu fragen, samt dem Opferpriester."
Wort für Wort
indra uvāca
Indra sprach:
atītabrahmakalpasya vṛttāntaṃ
den Bericht des vergangenen Brahma-Kalpa
vetsi ced budha
wenn du, o Weiser, ihn kennst
tad ākhyāhi
dann verkünde ihn
samāyāta etat praṣṭuṃ sayājakaḥ
hierher gekommen, um dies zu fragen, samt dem Opferpriester
"Durch Glanz, durch Ruhm, durch Ehre und durch Wissen, o Bezwinger der Feinde, oder durch Gaben oder durch Askese - wie bist du solcherart geworden, o Herr?"
"als vierzehnter wird Bhautya genannt - dies sind die überlieferten Manus. Nun will ich die Götter und ihre Indras nennen - höre, o Stier unter den Göttern."
"Als Yāmas bezeichnet werden die Götter in der Manvantara-Periode des Svāyaṃbhuva; deren Indra, der große Herr, wird als der Gatte der Śacī bezeichnet."
"Sutas, Pārāharas, sowie Sutyas und Asudhis [?] - deren Indra wird als Śiva genannt, als Śakra in der Periode des Tāmasa. Und der Götterfürst namens Vibhu wird als der fünfte Indra gepriesen."
Wort für Wort
sutāḥ pārāharāś caiva
die Sutas und Pārāharas
sutyāś cāsudhiyas tathā [?]
und die Sutyas und Asudhis
teṣām indraḥ śivaḥ proktaḥ
deren Indra heißt Śiva
śakras tāmasake antare
als Śakra in der Periode des Tāmasa
vibhānāmā devapatiḥ
der Götterfürst namens Vibhu
pañcamaḥ parikīrtitaḥ
wird als der fünfte gepriesen
[Anm.: Unter der Markierung V27 sind im Quelltext drei Pāda-Paare (statt der üblichen zwei) zusammengefasst; vermutlich sind hier zwei ursprünglich getrennte Verse (zur 4. und 5. Manvantara-Periode) zusammengezogen.]
"Die Götter mit Amitābha u.a. an der Spitze gibt es auch in der sechsten Periode, höre auch dies; die Götter mit Ārya u.a. an der Spitze werden genannt, deren Indra ist Manojava."
"Die Götter mit Āditya, Vasu, Rudra u.a. an der Spitze walten in der Periode des Vaivasvata; ihr Indra wird als Purandara genannt, mit allen Wünschen versehen."
Wort für Wort
ādityavasurudrādyā devā
die Götter mit Āditya, Vasu, Rudra u.a. an der Spitze
"Die Götter mit Pāra u.a. an der Spitze walten im neunten Manvantara; ihr Indra wird als Adbhuta bezeichnet. Die Götter mit Suvāsana u.a. an der Spitze werden im zehnten gepriesen."
ekādaśe dvādaśe tu nibodhakathāyāmi te / krabhuvanāmā ca devendro harinābhāstathā surāḥ
"Für den elften und zwölften Manvantara vernimm nun von mir die Erzählung: dort ist ein Götterfürst namens Krabhuvana [?], sowie die Götter namens Harinābha."
Wort für Wort
ekādaśe dvādaśe tu
im elften und zwölften aber
nibodha kathāyāmi te
vernimm, ich erzähle es dir
krabhuvanāmā ca devendro [?]
und der Götterfürst namens Krabhuvana
harinābhās tathā surāḥ
und die Götter namens Harinābha
[?: „krabhuvanāmā" ist im Quelltext unklar/verderbt überliefert; der Name des Götterfürsten des elften Manvantara ist nicht sicher rekonstruierbar.]
"In der vierzehnten Periode sind die Götter mit Cākṣupa u.a. an der Spitze; ihr Indra ist als Śuci überliefert. So sind dir die Manus, die Indras und die Götter der Wahrheit gemäß verkündet worden."
Wort für Wort
caturdaśe cākṣupādyā devā
in der vierzehnten, die Götter mit Cākṣupa u.a. an der Spitze
- an einem einzigen Tag Brahmās genießen sie je ihr eigenes Amt.
Wort für Wort
ekasmin brahmadivase
an einem Tag Brahmās
svādhikāraṃ prabhuñjate
genießen sie ihr eigenes Amt
[Anm.: Der Vers besteht im Quelltext nur aus einer Halbzeile (zwei Pādas statt vier) und führt grammatisch den Satz aus V35 fort; daher hier als Fortsetzung übersetzt.]
"In allen Welten, bei jeglicher Schöpfung, ist die Schöpfungsweise stets als eine einzige Art überliefert; der Ausführenden gibt es viele - deren Anzahl kennt nur der Kundige."
Wort für Wort
lokeṣu [?] sarvasargeṣu
in den Welten, bei jeder Schöpfung
sṛṣṭir ekavidhā smṛtā
die Schöpfung wird als von einer Art überliefert
karttāro bahavaḥ santi
der Schöpfenden gibt es viele
tatsaṃkhyāṃ vetti kovidaḥ
deren Anzahl kennt der Kundige
[?: „lekeṣu" ist wohl verschrieben für „lokeṣu" (‚in den Welten').]
"Während ich in der Brahma-Welt weilte, sind viele Brahmās vergangen; deren Anzahl zu zählen bin ich heute nicht imstande, o Bester der Zweifachgeborenen."
Wort für Wort
mayi sthite brahmaloke
während ich in der Brahma-Welt weilte
brahmāṇāṃ bahavo gatāḥ
viele Brahmās sind vergangen
teṣāṃ saṃkhyā na saṃkhyātum
deren Anzahl zu zählen
śakto 'smy adya dvijottama
bin ich heute nicht imstande, o Bester der Zweifachgeborenen
svargalokamapi prāpya yāvatkālaṃ śṛṇuṣva me / catvāro manavo 'tītā mama śrīścātivistarā
"Höre von mir, wie lange Zeit ich, nachdem ich auch die Himmelswelt erreicht hatte, dort weilte: vier Manus sind vergangen, und mein Glanz ist über die Maßen ausgedehnt."
"Die von mir einst vollbrachte Tat will ich dir verkünden, o Tugendhafter - eine Erzählung, die sowohl den Erzählenden als auch den Hörenden alle Sünde vernichtet."
"Einst, o Herr, befand ich mich auf der Umfassungsmauer des Viṣṇu-Tempels; am Abend fiel ich, von der Waffe eines Jägers getroffen, in den Hof von Viṣṇus Haus."
"Während mir der Lebensatem schon in der Kehle stand, ergriff mich ein bellender, nach Fleisch gieriger Hund mit seinem eigenen Maul, schnell laufend, mit anderen Hunden."
"Dennoch begehren alle Unsterblichen eine Geburt im Land Bhārata; dort verehren sie den Fürsten der Götter, den makellosen Nārāyaṇa; sie werden dafür stets von Brahmā und den anderen Götterscharen verehrt [?]."
Wort für Wort
tathāpi nirjarāḥ sarve
dennoch alle Unsterblichen
bhārate janmalipsavaḥ
nach einer Geburt in Bhārata begehrend
samarcayanti deveśaṃ
sie verehren den Fürsten der Götter
nārāyaṇam anāmayam
den makellosen Nārāyaṇa
tān arcayanti satataṃ [?]
sie werden stets verehrt
brahmādyā devatāgaṇāḥ
von Brahmā und den anderen Götterscharen
[Anm.: Vers V49 umfasst im Quelltext drei Pāda-Paare statt der üblichen zwei (möglicherweise zwei ursprünglich getrennte Verse zusammengezogen); der Bezug des Pronomens „tān" in der dritten Zeile ist nicht eindeutig - hier auf die in Bhārata Geborenen bezogen.]
"Wie könnte für die großen Seelen, die dem Gedenken an Nārāyaṇa ergeben sind, die jeden Besitz aufgegeben haben, die Fessel des schrecklichen Daseins bestehen - wenn doch selbst die, die nach ihrer Gemeinschaft nur begierig sind, der Erlösung teilhaftig werden?"
Wort für Wort
nārāyaṇānusmaraṇodyatānāṃ
der dem Gedenken an Nārāyaṇa ergebenen
mahātmanāṃ tyaktaparigrahaṇām
der großen Seelen, die jeden Besitz aufgegeben haben
kathaṃ bhavaty ugrabhavasya bandhaḥ
wie könnte die Fessel des schrecklichen Daseins bestehen
tatsaṅgalubdhā yadi muktibhājaḥ
wenn schon die nach deren Gemeinschaft Begierigen der Erlösung teilhaftig sind
ye mānavāḥ pratidinaṃ parimuktasaṅgā nārāyaṇaṃ garuḍavāhanamarcayanti / te sarvapāpanikaraiḥ parito vimuktā viṣṇoḥ padaṃ śubhataraṃ pratiyānti hṛṣṭāḥ
"Die Menschen, die, von aller Bindung befreit, Tag für Tag Nārāyaṇa, den auf Garuḍa Reitenden, verehren, jene, von allen Sündenhaufen gänzlich befreit, gelangen freudig zu Viṣṇus überaus heilvollem Ort."
ye mānavā vigatarāgaparāvarajñā nārāyaṇaṃ suraguruṃ satataṃ smaranti / dhyānena tena hatakilbiṣacetanāste mātuḥ payodhararasaṃ na punaḥ pibanti
"Die Menschen, frei von Leidenschaft, kundig des Höheren und Niederen, die stets Nārāyaṇa, den Lehrer der Götter, gedenken - deren Bewusstsein, durch eben diese Meditation von aller Sündenschuld befreit, trinkt nicht mehr die Muttermilch."
Wort für Wort
ye mānavā vigatarāga
welche Menschen, frei von Leidenschaft
parāvarajñā
kundig des Höheren und Niederen
nārāyaṇaṃ suraguruṃ satataṃ smaranti
stets Nārāyaṇa, den Lehrer der Götter, gedenken
dhyānena tena hatakilbiṣacetanās te
deren Bewusstsein durch eben diese Meditation von Sündenschuld befreit
ye mānavā harikathāśravaṇāstadoṣāḥ kṛṣṇāṅghrapadmabhajane ratacetanāśca / te vā puṃnati ca jaganti śarīrasaṃgāt saṃbhāṣaṇādapi tato harireva pūjyaḥ
"Die Menschen, die durch das Hören der Hari-Erzählung ihre Fehler ablegen [?] und deren Bewusstsein der Verehrung von Kṛṣṇas Lotosfüßen zugetan ist - sie reinigen die Welten schon durch die Berührung ihres Leibes, ja sogar durch bloßes Gespräch; darum ist eben Hari verehrungswürdig."
Wort für Wort
ye mānavā
welche Menschen
harikathāśravaṇāt tyaktadoṣāḥ [?]
durch das Hören der Hari-Erzählung ihre Fehler ablegend
kṛṣṇāṅghripadmabhajane ratacetanāś ca
und deren Sinn der Verehrung von Kṛṣṇas Lotosfüßen ergeben ist
te vā punanti ca jaganti
sie reinigen die Welten
śarīrasaṅgāt saṃbhāṣaṇād api
durch die Berührung ihres Leibes, sogar durch Gespräch
tato harireva pūjyaḥ
darum ist eben Hari verehrungswürdig
[?: „harikathāśravaṇāstadoṣāḥ" ist unklar überliefert, hier sinngemäß als „harikathāśravaṇāt tyaktadoṣāḥ" (‚durch das Hören der Hari-Erzählung, ihre Fehler ablegend') gedeutet.]
"Wo große, reinen Geistes seiende Menschen der Hari-Verehrung ergeben sind, eben dort versammelt sich alles Heil, wie das Wasser sich an einer Senke sammelt, o Zweifachgeborener."
Wort für Wort
haripūjāparā yatra
wo der Hari-Verehrung ergebene
mahāntaḥ śuddhabuddhayaḥ
große, reinen Geistes seiende [Menschen]
tatraiva sakalaṃ bhadraṃ
eben dort alles Heil
yathā nimne jalaṃ dvija
wie das Wasser in einer Senke, o Zweifachgeborener
"Hari allein ist der höchste Verwandte, Hari allein das höchste Ziel; Hari allein ist darum verehrungswürdig, weil er die Ursache des Bewusstseins ist."
"Himmel und Erlösung als Frucht verleihend, stets voller Wonne und frei von Übel - dies wird, o Bester der Weisen, das höchste Heil dessen sein, der ihn verehrt."
Wort für Wort
svargāpavargaphaladaṃ
Himmel und Erlösung als Frucht verleihend
sadānandaṃ nirāmayam
stets voller Wonne und frei von Übel
pūjyasya [?] muniśreṣṭha
dessen, der [ihn] verehrt, o Bester der Weisen
paraṃ śreyo bhaviṣyati
wird das höchste Heil sein
[?: „pṛjyasya" wohl verschrieben für „pūjyasya" (‚dessen, der verehrt').]
ityetatte samākhyātaṃ haripūjāphalaṃ dvija / saṃkocavistarābhyāṃ tu kimanyatkathayāmi te
"So wurde dir dies verkündet, o Zweifachgeborener, die Frucht der Hari-Verehrung, kurz und ausführlich zugleich; was anderes soll ich dir noch erzählen?"
Wort für Wort
ity etat te samākhyātaṃ
so wurde dir dies verkündet
haripūjāphalaṃ dvija
die Frucht der Hari-Verehrung, o Zweifachgeborener