Sūta sprach: Nachdem er Sanandanas Worte über den Erlösungs-Dharma (mokṣadharma) gehört hatte, o Brahmanen, fragte Nārada, der Wahrheitskenner, wieder nach der vortrefflichen Rede über das Adhyātma.
Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
sanandanavacaḥ śrutvā
nachdem er Sanandanas Worte gehört hatte
mokṣadharmāśritaṃ dvijāḥ
über den Erlösungs-Dharma [handelnd], o Brahmanen
punaḥ papraccha tattvajñaḥ
fragte wieder der Wahrheitskenner
nāradaḥ adhyātmasatkathām
Nārada, nach der vortrefflichen Rede über das Adhyātma
nārada uvāca
śrutaṃ mayā mahābhāga mokṣaśāstraṃ tvayoditam /
na ca me jāyate tṛptirbhūyobhūyo 'pi śṛṇvataḥ
Nārada sprach: Gehört habe ich, o Hochgesegneter, die von dir verkündete Lehre der Erlösung; doch es entsteht mir keine Sättigung, obwohl ich immer wieder [aufs Neue] zuhöre.
Janaka, ein Gott unter den Menschen (janadeva), der Oberherrscher von Mithilā, war der Erwägung der Pflichten bezüglich dessen, was nach dem Tode [geschieht], zugetan.
Wort für Wort
janakaḥ janadevaḥ tu
Janaka, ein Gott unter den Menschen
mithilāyāḥ adhīśvaraḥ
der Oberherrscher von Mithilā
aurdhvadehikadharmāṇām
der Pflichten bezüglich dessen, was nach dem Tode [geschieht]
In seinem Haus wohnten beständig Lehrer, [zahlreich] wie [an] einem Verbrennungsplatz [?], die verschiedene Lehren zeigten, Verfechter mannigfaltiger Irrlehren (pāṣaṇḍavādin).
Wort für Wort
tasya gṛhe satatam
in seinem Haus beständig
śmaśānam iva ācāryāḥ vasanti(?)
wohnten Lehrer, [zahlreich] wie an einem Leichenplatz (?)
darśayantaḥ pṛthagdharmān
die verschiedene Lehren zeigten
nānāpāṣaṇḍavādinaḥ
Verfechter mannigfaltiger Irrlehren
[?] 'śmaśāna mācāryā' textlich unsicher; vermutlich Vergleich ('wie an einem Leichenplatz [drängen sich die Lehrer]'), hier als Andeutung großen Gedränges widersprüchlicher Lehrer verstanden.
sa teṣāṃ pretyabhāve ca pretya jātau viniścaye /
ādamasthaḥ sa bhūyiṣṭamātmatattvena tuṣaayati
Er, hinsichtlich ihrer [Lehren] über den Zustand nach dem Tod und über die Bestimmung der Geburt nach dem Tod, blieb unentschieden; meist fand er durch [keine ihrer Lehren von der] Wahrheit des Selbst Befriedigung [?].
Wort für Wort
sa teṣāṃ pretyabhāve ca
er [blieb] hinsichtlich ihrer [Lehren] über den Zustand nach dem Tod
pretya jātau viniścaye
und über die Bestimmung der Geburt nach dem Tod
avyavasthaḥ(?) sa
unentschieden (?) [blieb] er
bhūyiṣṭham ātmatattvena na tuṣyati
meist fand er durch [keine der Lehren von der] Selbst-Wahrheit Befriedigung
[?] 'ādamasthaḥ' unklar, vermutlich verderbt für 'avyavasthaḥ' o.Ä. ('unentschieden'); 'tuṣaayati' als 'na tuṣyati' (findet keine Befriedigung) gelesen.
[Er war] kundig in allen Pflichten der Entsagung (saṃnyāsa), entschieden in der Feststellung des wahren Wissens; sein Ziel wohl erreicht, frei von Gegensatzpaaren, mit vernichteten Zweifeln.
Wort für Wort
sarvasaṃnyāsadharmāṇaḥ
kundig in allen Pflichten der Entsagung
tattvajñānaviniścaye
entschieden in der Feststellung des wahren Wissens
suparyavasitārthaḥ ca
sein Ziel wohl erreicht
nirdvandvaḥ naṣṭasaṃśayaḥ
frei von Gegensatzpaaren, mit vernichteten Zweifeln
Ihn nennt man einen unter den Sehern, der unter den Menschen vom Verlangen abgelassen hat; er strebte nach dem ewigen, höchsten, überaus schwer erreichbaren Glück.
Wort für Wort
ṛṣīṇām āhuḥ ekaṃ yam
ihn nennt man einen unter den Sehern
kāmāt avasitaṃ nṛṣu
der unter den Menschen vom Verlangen abgelassen hat
Verbunden mit dem Opferspruch, und ferner durch Askese, erkannte Āsuri, dessen Sicht [nun ganz auf den] Körper [gerichtet war], die Offenbarung von Feld (kṣetra) und Feldkenner (kṣetrajña).
Wort für Wort
iṣṭimantreṇa saṃyuktaḥ
verbunden mit dem Opferspruch
bhūyaḥ ca tapasā āsuriḥ
und ferner durch Askese Āsuri
kṣetrakṣetrajñayoḥ vyaktim
die Offenbarung von Feld und Feldkenner
vibudhe dehadarśanaḥ
erkannte er, dessen Sicht auf den Körper [gerichtet war]
Dies erzählte mir der Verehrungswürdige [von] der Herkunft des Kāpileya; jenes sein 'Kāpileya-Sein' [bedeutet zugleich] seine unübertroffene Allwissenheit.
Janaka, den Dharma kennend, zusammen mit seinen Ministern, erfuhr, o Weiser, von dem Wissenden, der herangekommen war und hundert Lehrer durch [seine] Beweisgründe verwirrt hatte.
jātinirvedamuktvā sa karmanirvedamabravīt /
karmanirvedamuktvā ca sarvanirvedamabravīt
Nachdem er von der Ernüchterung gegenüber der Geburt gesprochen hatte, sprach er von der Ernüchterung gegenüber dem Handeln; und nachdem er von der Ernüchterung gegenüber dem Handeln gesprochen hatte, sprach er von der Ernüchterung gegenüber allem.
Wort für Wort
jātinirvedam uktvā
nachdem er von der Ernüchterung über die Geburt gesprochen
sa karmanirvedam abravīt
sprach er von der Ernüchterung über das Handeln
karmanirvedam uktvā ca
und nachdem er von der Ernüchterung über das Handeln gesprochen
yadarthaṃ dharmasaṃsargaḥ karmaṇāṃ ca phalodayaḥ /
tamanāśvāsikaṃ mohaṃ vināśi calamadhruvam
Das, um dessentwillen die Verbindung mit dem Dharma und das Entstehen der Frucht der Taten [geschieht] – jenes [erklärte er als] unzuverlässige Verblendung, vergänglich, wankelmütig, unbeständig.
Wort für Wort
yadarthaṃ dharmasaṃsargaḥ
das, um dessentwillen die Verbindung mit dem Dharma
karmaṇāṃ ca phalodayaḥ
und das Entstehen der Frucht der Taten [geschieht]
dṛśyamāne vināśe ca pratyakṣe lokasākṣike /
āgamātparamastīti bruvannapi parājitaḥ
Wenn die Vernichtung sichtbar und unmittelbar wahrnehmbar ist, von der [ganzen] Welt bezeugt, wird selbst der, welcher sagt 'aufgrund der Überlieferung gibt es ein Höheres', widerlegt.
Wort für Wort
dṛśyamāne vināśe ca
wenn die Vernichtung sichtbar ist
pratyakṣe lokasākṣike
unmittelbar wahrnehmbar, von der Welt bezeugt
āgamāt param asti iti
'aufgrund der Überlieferung gibt es ein Höheres', so
Denn Tod ist Nicht-Selbst gegenüber dem Selbst; Bedrängnis, Tod, Alter, Krankheit – [doch] man hält [diese] aus Verblendung für das Selbst; jene [Ansicht] ist unrichtig, [wenn auch für manche] die höchste Ansicht.
Wort für Wort
anātmā hi ātmanaḥ mṛtyuḥ
denn Tod ist Nicht-Selbst gegenüber dem Selbst
kleśaḥ mṛtyuḥ jarāmayaḥ
Bedrängnis, Tod, Alter, Krankheit
ātmānaṃ manyate mohāt
man hält [diese] aus Verblendung für das Selbst
tad asamyak paraṃ matam
jenes [ist] unrichtig, [doch gilt als] höchste Ansicht
Wenn es aber auch so wäre, dass das, was in der Welt [tatsächlich] nicht zutrifft – 'dieser [Körper/dieses Selbst] ist alterlos und todlos' – so denkt, wie jener König [wähnt] –
Wort für Wort
atha cet evam api asti
wenn es aber auch so wäre
yat loke na upapadyate
was in der Welt [tatsächlich] nicht zutrifft
ajaraḥ ayam amṛtyuḥ ca
'dieser ist alterlos und todlos'
rājā asau manyate yathā
wie jener König [es] wähnt
[?] Syntax unsicher, insbesondere Bezug von 'rājāsau'; als rhetorisches Beispiel für irrige Annahme verstanden.
asti nāstīti cāpyetattasminnasitalakṣaṇe /
kimadhiṣṭāya tad brūyāllokayātrāviniścayam
'Es ist, es ist nicht' – auch dies [wird gesagt] von jenem [Selbst], dessen Merkmal nicht wahrgenommen wird; worauf gestützt könnte man [darüber] die Bestimmung des Weltenlaufs aussagen?
Wort für Wort
asti na asti iti ca api
'es ist, es ist nicht', so auch
etat tasmin asitalakṣaṇe
dies von jenem, dessen Merkmal nicht wahrgenommen wird
kim adhiṣṭhāya tad brūyāt
worauf gestützt könnte man dies aussagen
lokayātrāviniścayam
die Bestimmung des Weltenlaufs
[?] 'asitalakṣaṇe' als 'a-dṛśyalakṣaṇe' bzw. 'unwahrnehmbaren Merkmals' sinngemäß verstanden.
Denn unmittelbare Wahrnehmung ist die Wurzel dieser beiden [Positionen], und auch der [überlieferte] Schluss (kṛtānta) ist [Wurzel] dieser beiden; denn Wahrnehmung und Überlieferung sind verschieden, oder der Schluss [besagt] gar nichts.
Wort für Wort
pratyakṣaṃ hi etayoḥ mūlam
denn Wahrnehmung ist die Wurzel dieser beiden
kṛtāntaḥ hi etayoḥ api
und auch der [überlieferte] Schluss dieser beiden
pratyakṣaḥ hi āgamaḥ bhinnaḥ
denn Wahrnehmung und Überlieferung sind verschieden
Hier und dort wird in dieser Schlussfolgerung [ein Ergebnis] auch [nur] herbeikonstruiert; [dass] die Lebensseele (jīva) verschieden vom Körper [sei], steht [nur] in der Ansicht der Nāstikas [selbst so, ohne Beweiskraft].
Wort für Wort
yatra tatra anumāne asmin
hier und dort in dieser Schlussfolgerung
kṛtaṃ bhāvayate api ca
wird [ein Ergebnis] auch [nur] herbeikonstruiert
anyaḥ jīvaḥ śarīrasya
[dass] die Lebensseele verschieden vom Körper [sei]
nāstikānāṃ mate sthitaḥ
steht [so nur] in der Ansicht der Nāstikas
[?] Vers philosophisch dicht; Sinn und genaue Zuordnung der Position (Materialisten/Nāstikas) unsicher, beste Vermutung gegeben.
Die [ganze] Durchdringung [mit Geschmack, die entsteht] beim Kochen von Ghee aus einem winzigen Samentröpfchen; die Erinnerung an frühere Geburten; der Magnetstein; das Wasser-'Trinken' des Sonnensteins –
Wort für Wort
retovaṭakaṇikāyām
in einem winzigen Samentröpfchen
ghṛtapākādhivāsanam
die Durchdringung [mit Geschmack] beim Kochen von Ghee
jātismṛtiḥ ayaskāntaḥ
die Erinnerung an frühere Geburten, der Magnetstein
sūryakāntaḥ ambubhakṣaṇam
der Sonnenstein, das Wasser-'Trinken' [des Mondsteins]
[?] Aufzählung von Beispielen für verborgene/unsichtbare Wirkkräfte (dṛṣṭādṛṣṭa); Einzelheiten (bes. 'sūryakāntaḥ ambubhakṣaṇam') unsicher übersetzt.
pretabhūtapriyaścaiva devatā hyupayācanam /
mṛtakarmanivattiṃ ca pramāṇamiti niścayaḥ
– und die Zuneigung zu Verstorbenen und Geistwesen, das Gelübdeopfer an die Gottheiten, und die Einstellung der Totenriten – dies sei der Beweis, so die Feststellung [mancher].
Wort für Wort
pretabhūtapriyaḥ ca eva
und die Zuneigung zu Verstorbenen und Geistwesen
devatā hi upayācanam
und wahrlich das Gelübdeopfer an die Gottheiten
mṛtakarmanivṛttiṃ ca
und die Einstellung der Totenriten
pramāṇam iti niścayaḥ
dies sei der Beweis, so die Feststellung
[?] 'nivattiṃ' als 'nivṛttim' (Einstellung/Aufhören) gelesen.
nanvete hetavaḥ saṃti ye kecinmūrtisasthitāḥ /
amūtasya hi mūrtena sāmānyaṃ nopalabhyate
Doch dies sind [nur] Gründe, welche [selbst] in etwas Körperhaftem gegründet sind; denn zwischen dem Körperlosen und dem Körperhaften wird keine Gemeinsamkeit wahrgenommen.
Wort für Wort
nanu ete hetavaḥ saṃti
doch dies sind [nur] Gründe
ye kecit mūrtisaṃsthitāḥ
die [selbst] in etwas Körperhaftem gegründet sind
amūrtasya hi mūrtena
denn zwischen dem Körperlosen und dem Körperhaften
avidyā karma tṛṣṇā ca kecidāhuḥ punarbhavam /
tasminnaṣṭe ca dagdhe ca citte maraṇadharmiṇi
Unwissenheit, Tat und Begierde – manche nennen [dies die Ursache der] Wiedergeburt; wenn jenes [dreifache] aber vernichtet und verbrannt ist, im dem Tod unterworfenen Geist [zum Zeitpunkt des Sterbens] –
– [so] entsteht daraus eine andere Verblendung; diese nennt man 'Vernichtung des Seins' [Tod]. Wenn [ein neues Wesen], das anders ist in Gestalt, in Geburt, in Erlerntem und Bedeutung [von dem vorherigen]
kathamasminsa ityeva saṃbandhaḥ syādasaṃhitaḥ /
evaṃ sati ca kā prīhirjñānavidyātapobalaiḥ
– wie [könnte man] dann von 'dieser [ist] jener' sprechen? Die Verbindung wäre [dann] ohne [wirkliche] Einheit. Wenn dies so ist, welche Freude [gäbe es dann noch] durch die Kraft von Wissen, Gelehrsamkeit und Askese?
Wort für Wort
katham asmin sa iti eva
wie [könnte man] von 'dieser [ist] jener' [sprechen]
saṃbandhaḥ syāt asaṃhitaḥ
die Verbindung wäre ohne [wirkliche] Einheit
evaṃ sati ca kā prītiḥ
wenn dies so ist, welche Freude [gäbe es]
jñānavidyātapobalaiḥ
durch die Kraft von Wissen, Gelehrsamkeit und Askese
yadasyācaritaṃ karma sāmānyātpratipadyate /
api tvayamihaivānyaiḥ prākṛtairduḥkhito bhavet
[Selbst wenn man sagt,] was von diesem als Tat verrichtet wurde, werde [von einem anderen] durch bloße Gleichartigkeit erfahren – dennoch könnte gerade dieser hier [im nächsten Leben] durch andere, gewöhnliche [Ursachen] leidend werden.
Wort für Wort
yad asya ācaritaṃ karma
was von diesem als Tat verrichtet wurde
sāmānyāt pratipadyate
werde [von einem anderen] durch bloße Gleichartigkeit erfahren
api tu ayam iha eva
dennoch könnte gerade dieser hier
anyaiḥ prākṛtaiḥ duḥkhitaḥ bhavet
durch andere, gewöhnliche [Ursachen] leidend werden
sukhito duḥkhito vāpi dṛśyādṛśyavinirṇayaḥ /
yathā hi muśalairhanyuḥ śarīraṃ tatpunarbhavet
Ob glücklich oder leidend – [dies bleibt] eine Bestimmung des Sichtbaren und Unsichtbaren; denn wenn man mit Stößeln den Körper schlüge, würde [nur der Körper leiden, doch das Wiederentstehen ist unklar]
Wort für Wort
sukhitaḥ duḥkhitaḥ vā api
ob glücklich oder leidend
dṛśyādṛśyavinirṇayaḥ
[dies bleibt] eine Bestimmung des Sichtbaren und Unsichtbaren
– dann [wäre] das Wissen vergeblich, und auch alles andere, wodurch dies nicht erfasst wird. Die Jahreszeiten und das Jahr, [das Mondhaus] Tiṣya, Kälte und Hitze, sodann Angenehmes und Unangenehmes –
Wort für Wort
vṛthā jñānaṃ yat anyat ca
vergeblich [wäre] das Wissen und alles andere
yena etat na upalabhyate
wodurch dies nicht erfasst wird
ṛtusaṃvatsarau tiṣyaḥ
die Jahreszeiten und das Jahr, [das Mondhaus] Tiṣya
śītoṣṇaḥ atha priyāpriye
Kälte und Hitze, sodann Angenehmes und Unangenehmes
[?] 'ṛmasaṃvatsarau' als 'ṛtusaṃvatsarau' (Jahreszeiten und Jahr) gelesen; Vers scheint Aufzählung sichtbarer, regelmäßig wiederkehrender Phänomene.
yathā tātāni paśyati tādṛśaḥ sattvasaṃkṣayaḥ /
jarayābhiparītasya mṛtyunā ca vināśitam
– wie man diese [wiederkehrenden Dinge] sieht, ebenso [verhält es sich mit] der Vernichtung des Seins; [der Körper], vom Alter ergriffen, wird auch durch den Tod zerstört.
Wort für Wort
yathā tāni paśyati
wie man diese [Dinge] sieht
tādṛśaḥ sattvasaṃkṣayaḥ
ebenso [verhält es sich mit] der Vernichtung des Seins
jarayā abhiparītasya
[des Körpers], vom Alter ergriffen
mṛtyunā ca vināśitam
wird auch durch den Tod zerstört
[?] 'tātāni' unklar, als 'tāni' bzw. 'tathā tāni' (diese [Dinge]) verstanden.
durbalaṃ durbalaṃ pūrvaṃ gṛhasyeva vinaśyati /
indriyāṇi mano vāyuḥ śoṇitaṃ māṃsamasthi ca
[Teil für Teil], das jeweils schwächere zuerst, vergeht er, wie [die Teile] eines Hauses: die Sinnesorgane, der Geist, der Lebenshauch, das Blut, das Fleisch und der Knochen –
ānupūrvyā vinaśyanti svaṃ dhātumupayāti ca /
lokayātrāvidhātaśca dānadharmaphalāgame
– [diese] vergehen der Reihe nach und gehen [je] in ihr eigenes [Element] ein. Und was den Lenker des Weltenlaufs betrifft, sowie das Eintreffen der Frucht von Gabe und Pflichterfüllung –
– zu diesem Zweck [bestehen] die Worte des Veda und die weltlichen Gepflogenheiten. So sind, recht im Geiste erwogen, viele solche Gründe [für das Fortbestehen des Selbst] vorhanden.
aita dastīti nāstīti na kaścitpratidṛśyate /
teṣāṃ vimṛśatāmeva tatsamyagabhidhāvatām
'Dies ist, dies ist nicht' – niemand wird [darin] übereinstimmend gesehen; selbst unter denen, die [darüber] nachsinnen und die ihm eifrig recht nachjagen,
Ebenso rauben die [weltlichen] Güter [den Menschen den Sinn], obwohl sie, glückbringend, [nur wie] ausgezehrte, vielfach beleckte [Köder sind]; in immer größeres Leid geraten, den Köder aufgebend, gehen [die Menschen] in die Macht des Todes ein.
Wort für Wort
arthāḥ tathā hṝnti
ebenso rauben die [weltlichen] Güter [den Sinn]
sukhāvahān ca līḍhāḥ ete bahavaḥ upaśuṣkāḥ
obwohl sie glückbringend, [wie] vielfach beleckte, ausgezehrte [Köder]
mahattaraṃ duḥkham abhiprapannāḥ
in immer größeres Leid geraten
hitvā āmiṣaṃ mṛtyuvaśaṃ prayānti
den Köder aufgebend, gehen sie in die Macht des Todes ein
[?] Vers (Triṣṭubh) bildreich und syntaktisch schwierig ('lihata', 'upaśuṣkāḥ'); Sinn als Köder-Gleichnis (vergängliche weltliche Güter als ausgezehrter Lockspeise) sinngemäß erschlossen.
vināśino hyadhruvajīvinaḥ kiṃ kiṃ bandhubhirmatraparigrahaiśca /
vihāya yo gacchati sarvameva kṣaṇena gatvā na nivartate ca
Denn [die Menschen sind] vergänglich, von unbeständigem Leben – was, was [nützen] Verwandte und die verschiedenen Besitztümer? Wer, alles verlassend, dahingeht, kehrt, in einem Augenblick gegangen, nicht wieder zurück.
Wort für Wort
vināśinaḥ hi adhruvajīvinaḥ
denn [die Menschen sind] vergänglich, von unbeständigem Leben
kiṃ kiṃ bandhubhiḥ mitraparigrahaiḥ ca
was, was [nützen] Verwandte und Freunde/Besitztümer
vihāya yaḥ gacchati sarvam eva
wer, alles verlassend, dahingeht
kṣaṇena gatvā na nivartate ca
in einem Augenblick gegangen, kehrt er nicht zurück
[?] 'matraparigrahaiśca' vermutlich 'mitraparigrahaiś ca' (Freunde und Besitztümer) gelesen.
Erde, Himmel/Raum, Wasser, Feuer und Wind erhalten stets den Körper; dies erkannt habend, woher [sollte da] Freude [an diesem Körper] entstehen? Für dieses vergängliche [Ding] gibt es [ja doch] keine [dauerhafte] Ruhe.
Wort für Wort
bhūvyomatoyānalavāyavaḥ api
Erde, Himmel, Wasser, Feuer und Wind auch
sadā śarīraṃ pratipālayanti
erhalten stets den Körper
iti idam ālakṣya ratiḥ kutaḥ bhavet
dies erkannt habend, woher sollte Freude entstehen
janaka uvāca
bhagavanyadi na pretya saṃjñā bhavati kasyacit /
evaṃ sati kimajñānaṃ jñānaṃ vā kiṃ kariṣyati
Janaka sprach: O Verehrungswürdiger, wenn nach dem Tode für niemanden [mehr] Bewusstsein besteht – wenn dies so ist, was werden dann [noch] Unwissenheit oder Wissen bewirken?
Wort für Wort
janaka uvāca
Janaka sprach
bhagavan yadi na pretya
o Verehrungswürdiger, wenn nach dem Tode nicht
saṃjñā bhavati kasyacit
für irgendjemanden Bewusstsein besteht
evaṃ sati kim ajñānam jñānaṃ vā kiṃ kariṣyati
wenn dies so ist, was werden Unwissenheit oder Wissen bewirken
Alles würde in Vernichtung enden – bedenke dies, o Bester der Zweifachgeborenen; welchen Unterschied würde der Achtsame oder der Unachtsame [dann noch] ausmachen?
asaṃsargo hi bhūteṣu saṃsargo vā vināśiṣu /
kasmai kriyata kalpeta niścayaḥ ko 'tra tattvataḥ
Sei es Nicht-Verbindung unter den [vergänglichen] Wesen oder Verbindung unter den vergänglichen [Dingen] – wofür würde [dies] getan, wozu wäre es dienlich? Welche Gewissheit gibt es hier der Wahrheit nach?
Sanandana sprach: [Als er sah, dass] der Schirm des Verstandes durch Finsternis gleichsam verwirrt und beunruhigt war, sprach der Weise Pañcaśikha wieder, [ihn] mit Worten beruhigend.
Pañcaśikha sprach: Weder besteht hier ein Enden in Vernichtung, noch gibt es ein [ewiges] Feststehen im [bloßen] Sein; denn dieses [Selbst] ist vielmehr eine Zusammenfügung von Körper, Sinnesorganen und Geist.
Wort für Wort
pañcaśikha uvāca
Pañcaśikha sprach
ucchedaniṣṭhā na iha asti
ein Enden in Vernichtung besteht hier nicht
bhāvaniṣṭhā na vidyate
ein Feststehen im [bloßen] Sein gibt es [auch] nicht
[Es] besteht getrennt [voneinander], und doch sich gegenseitig stützend in [seinen] Wirkungen; die [materiellen] Elemente sind fünffach: Wasser, [das im] Äther, Wind, Feuer/Licht, Erde.
In diesen bestehen sie ihrer Natur nach, und sie trennen sich [auch wieder] von Natur aus: der Äther, der Wind, die Wärme, die Feuchtigkeit und das Erdige.
eṣa pañcasamāhāraḥ śarīramapi naikadhā /
jñānamūṣmā ca vāyuśca trividhaḥ kāyasaṃgrahaḥ
Dies ist die fünffache Zusammenfügung; auch der Körper ist nicht einheitlich [in seiner Beschaffenheit]: Erkenntnis, Wärme und Wind – dreifach ist die Zusammenfassung des Leibes.
Sinnesorgane und Sinnesobjekte, [die eigene] Natur, Bewusstsein und Geist; Ein- und Ausatem, Veränderung und die [Körper-]Elemente sind hieraus hervorgegangen.
tatra vijñānasaṃyuktā trividhā cetanā dhruvā /
sukhaduḥkheti yāmāhuranaduḥkhāsukheti ca
Dabei ist das mit Erkennen verbundene Bewusstsein feststehend dreifach: das, was man Glück und Leid nennt, und [das], was weder-Leid-noch-Glück [genannt wird].
śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca mūrtyarthameva te trayaḥ /
ete hyāmaraṇātpañca sadguṇā jñānasiddhaye
Laut, Berührung und Form – diese drei [dienen] eben dem Zweck der Verkörperung; diese fünf [Sinnesqualitäten] wahrlich, bis zum Tod bestehend, sind die wahren Eigenschaften zur Vollendung des Wissens.
Wort für Wort
śabdaḥ sparśaḥ ca rūpaṃ ca
Laut, Berührung und Form
mūrtyartham eva te trayaḥ
diese drei [dienen] eben dem Zweck der Verkörperung
ete hi āmaraṇāt pañca
diese fünf wahrlich, bis zum Tod bestehend
sadguṇāḥ jñānasiddhaye
die wahren Eigenschaften zur Vollendung des Wissens
Vollendung in der Wirksamkeit in Bezug auf diese, und die Bestimmung der Bedeutung aller Wahrheiten – dies nennt man die höchste Reinheit, das große Unvergängliche [namens] 'Erkenntniskraft' (buddhi).
Für den, der diese Zusammenfügung der Guṇas als [wesensgleich mit dem] Zustand des Selbst betrachtet, kommt durch [solche] fehlerhaften Anschauungen das endlose Leid nicht zur Ruhe.
Wort für Wort
imaṃ guṇasamāhāram
diese Zusammenfügung der Guṇas
ātmabhāvena paśyataḥ
für den, der [sie] als Zustand des Selbst betrachtet
anātmeti ca yadṛṣṭaṃ tenāhaṃ na mametyapi /
vartate kimadhiṣṭānātprasaktā duḥkhasaṃtatiḥ
Und wodurch [dies] als 'Nicht-Selbst' erkannt wird, dadurch [gelten] auch 'ich' und 'mein' nicht [mehr]; worauf gestützt besteht [dann noch] die anhaftende, ununterbrochene Kette des Leids?
tatra samyagjano nāma tyāgaśāstramanuttamam /
śṛṇuyāttacca mokṣāya bhāṣyamāṇaṃ bhaviṣyati
Darüber möge der recht [gesinnte] Mensch die unübertroffene Lehre der Entsagung (tyāgaśāstra) hören; und diese, [nun] verkündet, wird zur Erlösung führen.
tyāga eva hi sarveṣāmuktānāmapi karmaṇām /
nityaṃ mithyāvinītānāṃ kleśo duḥkhāvaho tamaḥ
Entsagung allein [ist heilsam] für alle Taten, auch die [bereits] vollzogenen; für die stets fälschlich Gezügelten [ohne echte Entsagung] ist [alles nur] Bedrängnis, Leid bringende Finsternis.
Wort für Wort
tyāgaḥ eva hi sarveṣām
Entsagung allein wahrlich für alle
uktānām api karmaṇām
auch der [bereits] vollzogenen Taten
nityaṃ mithyāvinītānām
für die stets fälschlich Gezügelten
kleśaḥ duḥkhāvahaḥ tamaḥ
[ist alles nur] Bedrängnis, Leid bringende Finsternis
dravyatyāge tu karmāṇi bhogatyāge vratāni ca /
sukhatyāgā tapo yogaṃ sarvatyāge samāpanā
In der Entsagung von Besitz [liegen] die [rituellen] Handlungen, in der Entsagung des Genusses die Gelübde; aus der Entsagung des Glücks (Askese) und Yoga – in der Entsagung von allem sind [sie alle] vollendet.
Wort für Wort
dravyatyāge tu karmāṇi
in der Entsagung von Besitz [liegen] die Handlungen
Dieser, [nämlich] der ungeteilte Weg der Entsagung von allem, wird gezeigt zur vollständigen Beseitigung des Leids; denn sonst käme es zu Unheil (durgati).
Nachdem [ich] die fünf Erkenntnisorgane, mit dem Geist als sechstem, im Bewusstsein [befindlich] genannt habe, will ich nun [weiter] die fünf Handlungsorgane nennen.
Wort für Wort
pañca jñānendriyāṇi uktvā
nachdem [ich] die fünf Erkenntnisorgane genannt habe
manaḥ ṣaṣṭāni cetasi
mit dem Geist als sechstem, im Bewusstsein
[tataḥ] vakṣyāmi
nun will ich [weiter] nennen
pañca karmendriyāṇi tu
aber die fünf Handlungsorgane
[?] 'basaṣaṣṭāni' textlich unsicher/verderbt, sinngemäß als Überleitung ('nun ferner') übersetzt.
Die Hände sind als Handlungsorgan zu erkennen, sodann die Füße als Bewegungsorgan; das Zeugungsorgan ist das Glied (meḍhra), das Ausscheidungsorgan der After (pāyu).
Und die Sprache, zum Zweck bestimmter Laute – so kennt man [diese] fünf zusammengefügt. So [sind es] elf, [samt] der Erkenntniskraft aber, [wobei] der Geist [gesondert davon] entlassen wird.
Frohsinn, Freude, Wonne, Glück, vollkommene Gelassenheit des Geistes – sei es ohne [äußeren] Anlass oder mit irgendeinem Anlass, aus dem Geist [selbst kommend] – [dies ist] die sāttvische Eigenschaft.
Wort für Wort
praharṣaḥ prītiḥ ānandaḥ
Frohsinn, Freude, Wonne
sukhaṃ saṃśāntacittatā
Glück, vollkommene Gelassenheit des Geistes
akutaścit kutaścit vā
ohne Anlass oder mit irgendeinem Anlass
cittataḥ sāttvikaḥ guṇaḥ
aus dem Geist [selbst] – die sāttvische Eigenschaft
Mangel an Unterscheidungsvermögen, ebenso Verblendung, Nachlässigkeit, Schlaf und Mattigkeit – wie auch immer sie auftreten, mannigfaltig [sind] die tāmasischen Eigenschaften.
Wort für Wort
avivekaḥ tathā mohaḥ
Mangel an Unterscheidungsvermögen, ebenso Verblendung
imāṃ ca yo veda vimokṣabuddhimātmānamanvicchati cāpramattaḥ /
na lipyate karmapalairaniṣṭaiḥ patraṃ viṣasyeva jalena siktam
Und wer dies weiß, mit auf Befreiung gerichtetem Sinn, der, wachsam, nach dem Selbst strebt, wird von unerwünschten Früchten der Tat nicht befleckt, wie das Blatt der [dazu genannten] Pflanze, das mit Wasser besprengt [nicht benetzt wird].
Wort für Wort
imāṃ ca yaḥ veda vimokṣabuddhim
und wer dies weiß, mit auf Befreiung gerichtetem Sinn
ātmānam anvicchati ca apramattaḥ
und, wachsam, nach dem Selbst strebt
na lipyate karmaphalaiḥ aniṣṭaiḥ
wird von unerwünschten Tat-Früchten nicht befleckt
patraṃ viṣasya iva jalena siktam
wie das mit Wasser besprengte Blatt jener Pflanze
[?] 'viṣasya' (der Pflanze 'viṣa') unsicher; möglicherweise Bezeichnung für eine Pflanze mit wasserabweisenden Blättern; die Grundbedeutung 'Gift' passt hier weniger. Beste Vermutung gegeben.
Denn befreit von den festen, mannigfaltigen Fesseln, [die] durch Nachkommenschaft und auch durch die Götter [verursacht sind] – wenn er dann, befreit, Leid und Glück aufgibt, erlangt er, ohne [unterscheidendes] Merkmal, das höchste Ziel.
Wort für Wort
dṛḍhaiḥ hi pāśaiḥ vividhaiḥ vimuktaḥ
denn befreit von den festen, mannigfaltigen Fesseln
prajānimittaiḥ api daivataiḥ ca
die durch Nachkommenschaft und auch durch die Götter [verursacht sind]
śrutipramāṇagamamaṅgalaiśca śeti jarāmṛtyubhayādatītaḥ /
kṣīṇe ca puṇye vigate ca pāpe tanornimitte ca phale vinaṣṭe
Durch die Autorität der Schrift-Überlieferung und heilvolle Riten der Furcht vor Alter und Tod entronnen – wenn das Verdienst erschöpft, die Sünde geschwunden ist, und Ursache und Frucht des Körpers vernichtet sind,
Wort für Wort
śrutipramāṇāgamamaṅgalaiḥ ca
durch die Autorität der Schrift-Überlieferung und heilvolle Riten
jarāmṛtyubhayāt atītaḥ
der Furcht vor Alter und Tod entronnen
kṣīṇe ca puṇye vigate ca pāpe
wenn das Verdienst erschöpft, die Sünde geschwunden ist
tanoḥ nimitte ca phale vinaṣṭe
und Ursache und Frucht des Körpers vernichtet sind
[?] Pāda-Text (bes. 'śeti') unsicher/verderbt; sinngemäß als Fortsetzung der Beschreibung des Befreiten übersetzt.
– makellos, [gleich dem] Äther, ohne [unterscheidendes] Merkmal, so [beschaffen] – dies vermögen [nur] die Unfähigen als [noch] im Großen [Befindlichen] zu sehen; wie die Spinne, [ihr Netz] webend, bei Erschöpfung des Fadens verharrt, [obgleich sie sich sonst] fortbewegt.
Wort für Wort
alepam ākāśam aliṅgam evam āsthāya
makellos, [gleich dem] Äther, ohne Merkmal, so [beschaffen]
paśyanti mahati aśaktāḥ
sehen [ihn nur] die Unfähigen als [noch] im Großen [befindlich]
yathā ūrṇanābhiḥ parivartamānaḥ
wie die [ihr Netz] webende Spinne
tantukṣaye tiṣṭhati yāti amānaḥ
bei Erschöpfung des Fadens verharrt, [sonst] sich bewegend
[?] Vers insgesamt sehr dunkel; Gleichnis der Spinne (vgl. V70 in Kap. 43) offenbar auf das Verhältnis von Aktivität und Ruhe des Befreiten bezogen; beste Vermutung gegeben.
So gibt der Befreite das Leid auf [und] zerschmettert es, wie [einen] auf die Erde treffenden Erdklumpen; wie die Antilope [ihr altes] Geweih, oder wie die Schlange die alte Haut ablegend,
Wort für Wort
tathā vimuktaḥ prajahāti duḥkham
so gibt der Befreite das Leid auf
vidhvaṃsate loṣṭam iva ādim ṛcchan
zerschmettert es wie einen auf die Erde treffenden Erdklumpen
– [sie] verlassend, ohne zurückzublicken, dahingeht – so gibt der Befreite das Leid auf, wie ein Vogel, einen ins Wasser fallenden Fisch loslassend, mit erneuter Kraft [anderswohin] herabschießt.
Wort für Wort
vihāya gacchan anavekṣamāṇaḥ
verlassend, ohne zurückzublicken, dahingehend
tathā vimuktaḥ vijahāti duḥkham
so gibt der Befreite das Leid auf
matsyaṃ yathā vā api udake patantam utsṛjya
wie [wenn er] einen ins Wasser fallenden Fisch loslässt
So gibt er, wahrlich, Leid und Glück aufgebend, befreit, durch die höchste Vollendung, ohne [unterscheidendes] Merkmal, das [höchste] Ziel.
Wort für Wort
tathā hi asau duḥkhasaukhye vihāya
so gibt er wahrlich, Leid und Glück aufgebend
muktaḥ parārddhyā
befreit, durch die höchste Vollendung
gatim eti aliṅgaḥ
erlangt er, ohne Merkmal, das [höchste] Ziel
[Anm.: Vers unvollständig überliefert – im Quelltext nur eine einzige Pāda-Zeile (statt der üblichen vier Pādas) vorhanden; wohl Textverlust, analog V45.]
Nachdem der König diese unsterbliche Lehre vernommen hatte, hier von Pañcaśikha selbst verkündet, [und sie] vollständig überdacht hatte, wandelte er, seines Zieles gewiss, höchst glücklich, frei von Kummer, [fortan durch die Welt].
Wort für Wort
idam amṛtapadaṃ niśamya
diese unsterbliche Lehre vernommen habend
rājā svayam iha pañcaśikhena bhāṣyamāṇam
der König, hier von Pañcaśikha selbst verkündet
nikhilam abhisamīkṣya niścitārthaḥ
vollständig überdacht habend, seines Zieles gewiss
api ca bhavati maithilena gītaṃ nagaramupāhitamagninābhivīkṣya /
na khalu mama hi dahyate 'tra kiñcitsvayamidamāha kila sma bhūmipālaḥ
Und auch dies wird vom König von Mithilā gesungen: Als er die vom Feuer ergriffene Stadt erblickte, sprach der Herrscher der Erde selbst, so heißt es, dies: 'Wahrlich, nichts von mir verbrennt hier.'
Wort für Wort
api ca bhavati maithilena gītam
und auch dies wird vom König von Mithilā gesungen
nagaram upāhitam agninā abhivīkṣya
die vom Feuer ergriffene Stadt erblickend
na khalu mama hi dahyate atra kiñcit
'wahrlich, nichts von mir verbrennt hier'
svayam idam āha kila sma bhūmipālaḥ
dies sprach, so heißt es, der Herrscher der Erde selbst
Wer nämlich, o großer Weiser, diese Entscheidung zur Befreiung rezitiert und sie ebenso beständig betrachtet, der wird, unbedrängt von widrigen Ereignissen, die [ihn sonst] träfen, befreit, wie der König von Mithilā, der zu [einem, gleich] Kapila, gelangt war.
Wort für Wort
imaṃ hi yaḥ paṭhati vimokṣaniścayam
wer nämlich diese Entscheidung zur Befreiung rezitiert
mahāmune satatam avekṣate tathā
o großer Weiser, und sie ebenso beständig betrachtet
upadravān anubhagavate hi aduḥkhitaḥ
der wird, unbedrängt von widrigen Ereignissen, die [ihn] treffen
pramucyate kapilam iva aitya maithilaḥ
befreit, wie der König von Mithilā, der zu [einem gleich] Kapila gelangt war
[?] 'anubhaghavate' unklar, als 'ye anubhagavante' bzw. sinngemäß 'die ihn befallen' verstanden.