Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 111: dvādaśamāsatṛtīyāvratanirūpaṇam Darlegung der Tṛtīyā-Gelübde der zwölf Monate

Titel rekonstruiert aus dem Kolophon, der (quellenbedingt versetzt) am Kopf der Datei src_kap112_raw.txt erscheint („...dvādaśamāsatṛtīyāvratanirūpaṇaṃ nāma dvādaśādhikaśatatamo 'dhyāyaḥ“) und inhaltlich eindeutig Kapitel 111 zuzuordnen ist; vgl. Anmerkung zu Kapitel 109.

sanātana uvāca / śṛṇu nārada vakṣyāmi tṛtīyāyā vratāni te / yāni samyagvidhāyāśu nārī saubhāgyamāpnuyāt

Sanātana sprach: Höre, Nārada, ich werde dir die Gelübde des dritten Mondtags (Tṛtīyā) verkünden, durch deren rechten Vollzug eine Frau rasch Eheglück erlangt.

Wort für Wort
sanātana uvāca
Sanātana sprach:
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich werde verkünden
tṛtīyāyā vratāni te
dir die Gelübde des dritten Mondtags
yāni samyagvidhāyāśu nārī saubhāgyamāpnuyāt
durch deren rechten Vollzug eine Frau rasch Eheglück erlangt

Der eigentliche Kolophon des vorangehenden Kapitels (110, Dvitīyā-Vrata) erscheint quellenbedingt versetzt am Kopf dieser Datei und wurde nicht mitübersetzt (vgl. Anmerkung zu Kapitel 109).

caitraśuklatṛtīyāyāṃ gaurīṃ kṛtvā sabhartṛkām / sauvarṇā rājatīṃ vāpi tāmnīṃ vā mṛṇyayīṃ dvija

Am dritten Tag der hellen Hälfte des Caitra, nachdem man Gaurī zusammen mit ihrem Gatten dargestellt hat – golden, oder silbern, oder kupfern oder aus Ton, o Zweifachgeborener –

Wort für Wort
caitraśuklatṛtīyāyāṃ
am dritten Tag der hellen Hälfte des Caitra
gaurīṃ kṛtvā sabhartṛkām
nachdem man Gaurī zusammen mit ihrem Gatten dargestellt hat
sauvarṇā rājatīṃ vāpi
golden, oder auch silbern
tāmnīṃ vā mṛṇyayīṃ dvija
oder kupfern oder aus Ton, o Zweifachgeborener

abhyarcya gandhapuṣpādyairvastrairābharaṇaiḥ śubhaiḥ / dūrvākāṇḍaiśca vidhivatsopavāsā tu kanyakā

soll man (sie) mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen, mit Gewändern und heilvollem Schmuck sowie mit Dūrvā-Gras-Stängeln nach Vorschrift verehren; die Jungfrau (tue dies) fastend,

Wort für Wort
abhyarcya gandhapuṣpādyaiḥ
soll man verehren mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen
vastrairābharaṇaiḥ śubhaiḥ
mit Gewändern und heilvollem Schmuck
dūrvākāṇḍaiśca vidhivat
und mit Dūrvā-Gras-Stängeln nach Vorschrift
sopavāsā tu kanyakā
die Jungfrau aber fastend

varārthinī ca saubhāgyaputrabhartrarthinī tathā / dvijabhāryā bhartṛmatīḥ kanyakāṃ vā sulakṣaṇāḥ

sei es eine, die nach einem Bräutigam verlangt, oder eine, die nach Eheglück, Sohn und Gatten verlangt; die Gattin eines Brahmanen, die einen Gatten hat, oder eine wohlgezeichnete Jungfrau,

Wort für Wort
varārthinī ca
eine, die nach einem Bräutigam verlangt
saubhāgyaputrabhartrarthinī tathā
oder ebenso eine, die nach Eheglück, Sohn und Gatten verlangt
dvijabhāryā bhartṛmatīḥ
die Gattin eines Brahmanen, die einen Gatten hat
kanyakāṃ vā sulakṣaṇāḥ
oder eine wohlgezeichnete Jungfrau

siṃdūrāñjanavastrādyaiḥ pratoṣya prītamānasā / rātrau jāgaraṇaṃ kuryādvratasaṃpūrtikāmyayā

nachdem sie (die Göttin) mit Vermillon, Augenschminke, Gewändern und dergleichen erfreut hat, soll sie, frohen Sinnes, in der Nacht eine Nachtwache halten, im Wunsch nach Vollendung des Gelübdes.

Wort für Wort
siṃdūrāñjanavastrādyaiḥ
mit Vermillon, Augenschminke, Gewändern und dergleichen
pratoṣya prītamānasā
nachdem sie erfreut hat, frohen Sinnes
rātrau jāgaraṇaṃ kuryāt
soll sie in der Nacht eine Nachtwache halten
vratasaṃpūrtikāmyayā
im Wunsch nach Vollendung des Gelübdes

tatastāṃ pratimāṃ vipra gurave pratipādayet / dhātujāṃ mṛnmayīṃ vā tu nikṣipecca jalāśaye

Danach soll man, o Brahmane, das Abbild dem Lehrer übergeben; ist es aus Metall oder aus Ton, soll man es in ein Gewässer versenken.

Wort für Wort
tatastāṃ pratimāṃ vipra
danach dieses Abbild, o Brahmane
gurave pratipādayet
soll man dem Lehrer übergeben
dhātujāṃ mṛnmayīṃ vā tu
ist es aus Metall oder aus Ton
nikṣipecca jalāśaye
soll man es in ein Gewässer versenken

evaṃ dvādaśavarṣāṇi kṛtvā gaurīvrataṃ śubham / dhenudvādaśasaṃkalpaṃ dadyādutsargasiddhaye

Nachdem man so zwölf Jahre lang das heilvolle Gaurī-Gelübde vollzogen hat, soll man das feierliche Gelöbnis von zwölf Kühen geben, zur Vollendung der Abschlussfeier.

Wort für Wort
evaṃ dvādaśavarṣāṇi
so zwölf Jahre lang
kṛtvā gaurīvrataṃ śubham
nachdem man das heilvolle Gaurī-Gelübde vollzogen hat
dhenudvādaśasaṃkalpaṃ
das feierliche Gelöbnis von zwölf Kühen
dadyādutsargasiddhaye
soll man geben zur Vollendung der Abschlussfeier

kimatra bahunoktena gaurī saubhāgyadāyinī / strīṇāṃ yathā tathā nānyā vidyate bhuvanatraye

Was soll hier viel gesagt werden – Gaurī ist die Verleiherin des Eheglücks für Frauen; wie sie, so gibt es keine andere in den drei Welten.

Wort für Wort
kimatra bahunoktena
was soll hier viel gesagt werden
gaurī saubhāgyadāyinī
Gaurī ist die Verleiherin des Eheglücks
strīṇāṃ yathā tathā nānyā
für Frauen; wie sie, so (gibt es) keine andere
vidyate bhuvanatraye
gibt es in den drei Welten

dhanaṃ putrānpatiṃ vidyāmājñāsiddhiṃ yaśaḥ sukham / labhate sarvameveṣṭaṃ gaurīmabhyarcya bhaktitaḥ

Reichtum, Söhne, Gatten, Wissen, Erfüllung ihrer Befehle, Ruhm, Glück – all das Gewünschte erlangt man, wenn man Gaurī mit Hingabe verehrt.

Wort für Wort
dhanaṃ putrānpatiṃ vidyām
Reichtum, Söhne, Gatten, Wissen
ājñāsiddhiṃ yaśaḥ sukham
Erfüllung der Befehle, Ruhm, Glück
labhate sarvameveṣṭaṃ
man erlangt all das Gewünschte
gaurīmabhyarcya bhaktitaḥ
wenn man Gaurī mit Hingabe verehrt

rādhaśuklatṛtīyā yā sākṣayā parikīrtitā / tithistrotāyugādyā sā kṛtasyākṣayakāriṇī

Der dritte Tag der hellen Hälfte des Rādha, der 'Akṣayā' genannt wird, dieser Tithi ist der Beginn des Tretā-Zeitalters, der das im Kṛta-Zeitalter (Getane) unvergänglich macht.

Wort für Wort
rādhaśuklatṛtīyā yā
der dritte Tag der hellen Hälfte des Rādha, der
sākṣayā parikīrtitā
'Akṣayā' genannt wird
tithistretāyugādyā sā
dieser Tithi ist der Beginn des Tretā-Zeitalters
kṛtasyākṣayakāriṇī
der das im Kṛta-Zeitalter (Getane) unvergänglich macht

dve śukle dve tathā kṛṣṇe yugādī kavayo viduḥ / śukle pūrvāhnike grāhye kṛṣṇe caiva tapastatha

Zwei Yugādi-Tage fallen in die helle, zwei ebenso in die dunkle Monatshälfte – so wissen die Weisen die Yuga-Anfänge; in der hellen Hälfte ist der Vormittag maßgeblich, in der dunklen aber ebenso die Askese(-Zeit).

Wort für Wort
dve śukle dve tathā kṛṣṇe
zwei in der hellen, zwei ebenso in der dunklen (Monatshälfte)
yugādī kavayo viduḥ
die Yuga-Anfänge kennen die Weisen
śukle pūrvāhnike grāhye
in der hellen (Hälfte) ist der Vormittag maßgeblich
kṛṣṇe caiva tapastatha
in der dunklen aber ebenso die Askese(-Zeit)

dvāparaṃ hi kalirbhādre pravṛttāni yugāni vai / tatra rādhatṛtīyāyāṃ śrīsametaṃ jagadgurum

Denn das Dvāpara- und das Kali-Zeitalter begannen im Bhādra – so begannen fürwahr die Zeitalter. Dort, am dritten Tag des Rādha, (soll man) den Lehrer der Welt, zusammen mit Śrī,

Wort für Wort
dvāparaṃ hi kalirbhādre
denn das Dvāpara und das Kali (begannen) im Bhādra
pravṛttāni yugāni vai
so begannen fürwahr die Zeitalter
tatra rādhatṛtīyāyāṃ
dort, am dritten Tag des Rādha
śrīsametaṃ jagadgurum
den Lehrer der Welt, zusammen mit Śrī

nārāyaṇaṃ samabhyarcetpuṣpadhūpavilepanaiḥ / yadvā gaṅgāṃbhasi snāto mucyate sarvakilbiṣaiḥ

Nārāyaṇa, mit Blumen, Räucherwerk und Salben verehren; oder wer im Gangeswasser badet, wird von allen Verfehlungen befreit.

Wort für Wort
nārāyaṇaṃ samabhyarcet
soll man Nārāyaṇa verehren
puṣpadhūpavilepanaiḥ
mit Blumen, Räucherwerk und Salben
yadvā gaṅgāṃbhasi snāto
oder wer im Gangeswasser badet
mucyate sarvakilbiṣaiḥ
wird von allen Verfehlungen befreit

akṣatnaiḥ [?] pūjayedviṣṇuṃ snāyādapyakṣatairnaraḥ / saktūnsaṃbhojayedviprānsvayamabhyavaharecca tān

Mit ungeschältem Reis [?] soll man Viṣṇu verehren, auch mit ungeschältem Reis soll der Mensch baden; man soll Brahmanen mit Gerstenmehlbrei speisen und selbst davon essen.

Wort für Wort
akṣatnaiḥ [?] pūjayedviṣṇuṃ
mit ungeschältem Reis [?] soll man Viṣṇu verehren
snāyādapyakṣatairnaraḥ
auch mit ungeschältem Reis soll der Mensch baden
saktūnsaṃbhojayedviprān
man soll Brahmanen mit Gerstenmehlbrei speisen
svayamabhyavaharecca tān
und selbst davon essen

akṣatnaiḥ ist morphologisch auffällig; vermutlich für akṣataiḥ („mit ungeschältem Reis“), analog zur Wiederholung im selben Vers; mit [?] markiert.

evaṃ kṛtavidhirvipra naro viṣṇuparāyaṇaḥ / viṣṇulokamavāpnoti sarvadevanamaskṛtaḥ

So, wenn er die Vorschrift erfüllt hat, o Brahmane, der Mensch, Viṣṇu ergeben, erlangt er die Welt Viṣṇus, von allen Göttern verehrt.

Wort für Wort
evaṃ kṛtavidhirvipra
so, wenn er die Vorschrift erfüllt hat, o Brahmane
naro viṣṇuparāyaṇaḥ
der Mensch, Viṣṇu ergeben
viṣṇulokamavāpnoti
erlangt er die Welt Viṣṇus
sarvadevanamaskṛtaḥ
von allen Göttern verehrt

atha jyeṣṭhatṛtīyā tu śuklā raṃbheti nāmataḥ / tasyāṃ sabhāryaṃ vidhivatpūjayedvāhmaṇottamam [?]

Nun, der dritte helle Tag des Jyeṣṭha heißt 'Rambhā'; an diesem soll man einen besten Brahmanen [?] mit seiner Gattin nach Vorschrift verehren,

Wort für Wort
atha jyeṣṭhatṛtīyā tu śuklā
nun, der dritte helle Tag des Jyeṣṭha
raṃbheti nāmataḥ
heißt 'Rambhā'
tasyāṃ sabhāryaṃ vidhivat
an diesem, mit seiner Gattin, nach Vorschrift
pūjayedbrāhmaṇottamam [?]
soll man einen besten Brahmanen [?] verehren

vāhmaṇottamam ist wohl eine Verschreibung für brāhmaṇottamam; mit [?] markiert.

gandhapuṣpāṃśukādyaistu nārī saubhāgyakāmyayā / raṃbhāvratamidaṃ vipra vidhivatsamupāśritam

mit Duftstoffen, Blumen, Gewändern und dergleichen soll die Frau, aus Verlangen nach Eheglück, dieses Rambhā-Gelübde, o Brahmane, der Vorschrift gemäß befolgen,

Wort für Wort
gandhapuṣpāṃśukādyaistu
mit Duftstoffen, Blumen, Gewändern und dergleichen
nārī saubhāgyakāmyayā
die Frau, aus Verlangen nach Eheglück
raṃbhāvratamidaṃ vipra
dieses Rambhā-Gelübde, o Brahmane
vidhivatsamupāśritam
soll sie der Vorschrift gemäß befolgen

dadāti vittaṃ putrāṃśca matiṃ dharme śubhāvahām / athāṣāḍhatṛtīyāyāṃ śuklāyāṃ śuklavāsasā

es gewährt Reichtum und Söhne, sowie heilbringende Gesinnung im Dharma. Nun, am dritten hellen Tag des Āṣāḍha, in weißem Gewand,

Wort für Wort
dadāti vittaṃ putrāṃśca
es gewährt Reichtum und Söhne
matiṃ dharme śubhāvahām
heilbringende Gesinnung im Dharma
athāṣāḍhatṛtīyāyāṃ śuklāyāṃ
nun, am dritten hellen Tag des Āṣāḍha
śuklavāsasā
in weißem Gewand

keśavaṃ tu salakṣmīkaṃ sastrīke tu dvijer'cayet / bhojanaiḥ surabhīdānairvastraiścāpi vibhūṣaṇaiḥ

soll der Brahmane Keśava, zusammen mit Lakṣmī, mit (seiner) Gattin dargestellt, verehren, mit Speisen, Kuhgaben, Gewändern und auch mit Schmuck;

Wort für Wort
keśavaṃ tu salakṣmīkaṃ
Keśava, zusammen mit Lakṣmī
sastrīke tu dvijer'cayet
mit (seiner) Gattin soll der Brahmane verehren
bhojanaiḥ surabhīdānaiḥ
mit Speisen, Kuhgaben
vastraiścāpi vibhūṣaṇaiḥ
Gewändern und auch mit Schmuck

priyervākyairbhṛśaṃ prītā nārī saubhāgyavāñchayā / samupāsya vrataṃ caitaddhanadhānyasamanvitā

mit lieben Worten sehr erfreut, soll die Frau, aus Verlangen nach Eheglück, dieses Gelübde befolgen und (so) mit Reichtum und Getreide ausgestattet werden,

Wort für Wort
priyervākyairbhṛśaṃ prītā
mit lieben Worten sehr erfreut
nārī saubhāgyavāñchayā
die Frau, aus Verlangen nach Eheglück
samupāsya vrataṃ caitad
soll dieses Gelübde befolgen
dhanadhānyasamanvitā
und (so) mit Reichtum und Getreide ausgestattet werden

devadevaprasādena viṣṇulokamavāpnuyāt / nabhaḥ śuklatṛtīyāyāṃ svarṇagaurīvrataṃ caret

durch die Gnade des Gottes der Götter die Welt Viṣṇus erlangen. Am dritten hellen Tag des Nabhas soll man das Gelübde der Goldenen Gaurī vollziehen,

Wort für Wort
devadevaprasādena
durch die Gnade des Gottes der Götter
viṣṇulokamavāpnuyāt
möge sie die Welt Viṣṇus erlangen
nabhaḥ śuklatṛtīyāyāṃ
am dritten hellen Tag des Nabhas
svarṇagaurīvrataṃ caret
soll man das Gelübde der Goldenen Gaurī vollziehen

upacāraiḥ ṣoḍaśabhirbhavānīmabhipūjayet / putrāndehi dhanaṃ dehi saubhāgyaṃ dehi suvrate

Bhavānī mit den sechzehn Ehrenerweisungen verehren: 'Gib mir Söhne, gib Reichtum, gib Eheglück, o du der guten Gelübde,

Wort für Wort
upacāraiḥ ṣoḍaśabhiḥ
mit den sechzehn Ehrenerweisungen
bhavānīmabhipūjayet
soll man Bhavānī verehren
putrāndehi dhanaṃ dehi
gib mir Söhne, gib Reichtum
saubhāgyaṃ dehi suvrate
gib Eheglück, o du der guten Gelübde

anyāṃśca sarvakāmānme dehi dehi namo 'stu te / evaṃ saṃprārthya deveśīṃ bhavānīṃ bhavasaṃyutām

und alle anderen meiner Wünsche gib, gib, Verehrung sei dir!' So, nachdem man die Göttergebieterin Bhavānī, verbunden mit Bhava, gebeten hat,

Wort für Wort
anyāṃśca sarvakāmānme
und alle anderen meiner Wünsche
dehi dehi namo 'stu te
gib, gib, Verehrung sei dir
evaṃ saṃprārthya deveśīṃ
so, nachdem man die Göttergebieterin gebeten hat
bhavānīṃ bhavasaṃyutām
Bhavānī, verbunden mit Bhava

vratasaṃpūrtikāmā tu vāyanaṃ dāpayettathā / evaṃ ṣoḍaśavarṣāṇi kṛtvā nārī vrataṃ śubham

soll die, die die Vollendung des Gelübdes wünscht, ebenso ein Gastgeschenk übergeben lassen. Wenn eine Frau so sechzehn Jahre lang das heilvolle Gelübde vollzogen hat,

Wort für Wort
vratasaṃpūrtikāmā tu
die die Vollendung des Gelübdes wünscht
vāyanaṃ dāpayettathā
soll ebenso ein Gastgeschenk übergeben lassen
evaṃ ṣoḍaśavarṣāṇi
so, sechzehn Jahre lang
kṛtvā nārī vrataṃ śubham
wenn eine Frau das heilvolle Gelübde vollzogen hat

udyāpanaṃ caredbhaktyā vittaśāṭhyavivarjitā / maṇḍape maṇḍale śuddhe gaṇeśādisurārcanam

soll sie mit Hingabe die Abschlussfeier vollziehen, frei von Geiz mit dem Vermögen; im Pavillon, auf reiner (Kreis-)Zeichnung, die Verehrung Gaṇeśas und der anderen Götter,

Wort für Wort
udyāpanaṃ caredbhaktyā
soll sie mit Hingabe die Abschlussfeier vollziehen
vittaśāṭhyavivarjitā
frei von Geiz mit dem Vermögen
maṇḍape maṇḍale śuddhe
im Pavillon, auf reiner (Kreis-)Zeichnung
gaṇeśādisurārcanam
die Verehrung Gaṇeśas und der anderen Götter

kṛtvā tāmramayaṃ pātraṃ kalaśoparivinyaset / sauvarṇīṃ pratimāṃ tatra bhavānyāḥ pratipūjayet

nachdem sie (dies) getan hat, soll sie ein Kupfergefäß auf einen Wassertopf stellen; dort soll sie ein goldenes Abbild der Bhavānī verehren,

Wort für Wort
kṛtvā tāmramayaṃ pātraṃ
nachdem sie ein Kupfergefäß gemacht hat
kalaśoparivinyaset
soll sie auf einen Wassertopf stellen
sauvarṇīṃ pratimāṃ tatra
ein goldenes Abbild dort
bhavānyāḥ pratipūjayet
der Bhavānī soll sie verehren

gandhapuṣpādibhiḥ samyak tato homaṃ samācaret / veṇupātraiḥ ṣoḍaśabhiḥ pakvānnaparipūritaiḥ

mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen recht; danach soll sie das Feueropfer vollziehen, mit sechzehn Bambusgefäßen, gefüllt mit gekochter Speise;

Wort für Wort
gandhapuṣpādibhiḥ samyak
mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen recht
tato homaṃ samācaret
danach soll sie das Feueropfer vollziehen
veṇupātraiḥ ṣoḍaśabhiḥ
mit sechzehn Bambusgefäßen
pakvānnaparipūritaiḥ
gefüllt mit gekochter Speise

samarpya devyai naivedyaṃ dvijeṣvetannivedayet / vāyanaṃ ca tataḥ paścāddadyātsaṃbandhibandhuṣu

nachdem sie der Göttin die Speiseopfergabe dargebracht hat, soll sie dies den Brahmanen darreichen; und danach soll sie das Gastgeschenk den Verwandten und Angehörigen geben.

Wort für Wort
samarpya devyai naivedyaṃ
nachdem sie der Göttin die Speiseopfergabe dargebracht hat
dvijeṣvetannivedayet
soll sie dies den Brahmanen darreichen
vāyanaṃ ca tataḥ paścāt
und danach das Gastgeschenk
dadyātsaṃbandhibandhuṣu
soll sie den Verwandten und Angehörigen geben

pratimāṃ gurave dattvā dvijebhyo dakṣiṇāṃ tathā / pūrṇaṃ labhetphalaṃ nārī vratācaraṇatatparā

Nachdem sie das Abbild dem Lehrer gegeben hat, ebenso den Brahmanen die Priestergabe, erlangt die dem Vollzug des Gelübdes hingegebene Frau die volle Frucht.

Wort für Wort
pratimāṃ gurave dattvā
nachdem sie das Abbild dem Lehrer gegeben hat
dvijebhyo dakṣiṇāṃ tathā
ebenso den Brahmanen die Priestergabe
pūrṇaṃ labhetphalaṃ nārī
erlangt die Frau die volle Frucht
vratācaraṇatatparā
die dem Vollzug des Gelübdes hingegebene

bhādraśuklatṛtīyāyāṃ vrataṃ vai hāritālakam / kuryādbhaktyā vidhānena pādyārdhyārcana pūrvakam

Am dritten hellen Tag des Bhādra soll man mit Hingabe, nach Vorschrift, das Gelübde 'Hāritālaka' vollziehen, voran mit der Verehrung durch Fuß- und Ehrenwasser,

Wort für Wort
bhādraśuklatṛtīyāyāṃ
am dritten hellen Tag des Bhādra
vrataṃ vai hāritālakam
das Gelübde 'Hāritālaka' fürwahr
kuryādbhaktyā vidhānena
soll man mit Hingabe, nach Vorschrift, vollziehen
pādyārdhyārcanapūrvakam
voran mit der Verehrung durch Fuß- und Ehrenwasser

tatastu kāñcane pātre rājate cāpi tāmrake / vaiṇave mṛnmaye vāpi vinyasyānnaṃ sadakṣiṇam

danach in einem goldenen Gefäß, oder auch in einem silbernen, kupfernen, aus Bambus oder aus Ton, nachdem man Speise mit Priestergabe hineingelegt hat,

Wort für Wort
tatastu kāñcane pātre
danach in einem goldenen Gefäß
rājate cāpi tāmrake
oder auch in einem silbernen, kupfernen
vaiṇave mṛnmaye vāpi
aus Bambus oder auch aus Ton
vinyasyānnaṃ sadakṣiṇam
nachdem man Speise mit Priestergabe hineingelegt hat

saphalaṃ ca savastraṃ ca dvijāya pratipādayet / tadante pāraṇaṃ kuryādiṣṭabandhujanaiḥ saha

soll man (sie), zusammen mit Früchten und Gewand, dem Brahmanen übergeben; am Ende dessen soll man das Fastenbrechen zusammen mit lieben Verwandten und Leuten vollziehen.

Wort für Wort
saphalaṃ ca savastraṃ ca
zusammen mit Früchten und Gewand
dvijāya pratipādayet
soll man dem Brahmanen übergeben
tadante pāraṇaṃ kuryāt
am Ende dessen soll man das Fastenbrechen vollziehen
iṣṭabandhujanaiḥ saha
zusammen mit lieben Verwandten und Leuten

evaṃ kṛtavratā nārī bhuktvā bhogānmanoramān / vratasyāsya prabhāveṇa gaurīsahacarībhavet

So, wenn die Frau das Gelübde vollzogen hat, nachdem sie entzückende Genüsse genossen hat, wird sie durch die Kraft dieses Gelübdes Gaurīs Gefährtin,

Wort für Wort
evaṃ kṛtavratā nārī
so, wenn die Frau das Gelübde vollzogen hat
bhuktvā bhogānmanoramān
nachdem sie entzückende Genüsse genossen hat
vratasyāsya prabhāveṇa
durch die Kraft dieses Gelübdes
gaurīsahacarībhavet
wird sie Gaurīs Gefährtin

saubhāgyadravyavastrāṇi vaṃśapātrāṇi ṣoḍaśa / dātavyāni prayatnena brāhmaṇebhyo yathāvidhi

Glücksbringende Gegenstände, Gewänder, sechzehn Bambusgefäße sollen mit Bemühen den Brahmanen nach Vorschrift gegeben werden.

Wort für Wort
saubhāgyadravyavastrāṇi
glücksbringende Gegenstände, Gewänder
vaṃśapātrāṇi ṣoḍaśa
sechzehn Bambusgefäße
dātavyāni prayatnena
sollen mit Bemühen gegeben werden
brāhmaṇebhyo yathāvidhi
den Brahmanen nach Vorschrift

anyebhyo vipravaryebhyo dakṣiṇāṃ ca prayatnataḥ / bhūyasīṃ ca tato dadyādviprebhyo devituṣṭaye

und anderen vorzüglichen Brahmanen soll man ferner mit Bemühen eine reichliche Priestergabe geben, den Brahmanen, zur Zufriedenstellung der Gottheit.

Wort für Wort
anyebhyo vipravaryebhyo
anderen vorzüglichen Brahmanen
dakṣiṇāṃ ca prayatnataḥ
eine Priestergabe mit Bemühen
bhūyasīṃ ca tato dadyāt
und danach soll man eine reichliche geben
viprebhyo devituṣṭaye
den Brahmanen, zur Zufriedenstellung der Gottheit

evaṃ yā kurute nārī vrataṃ saubhāgyavarddhanam / sā tu devīprasādena saubhāgyaṃ labhate dhruvam

So, welche Frau das Glück mehrende Gelübde vollzieht, sie erlangt durch die Gnade der Göttin sicher Eheglück.

Wort für Wort
evaṃ yā kurute nārī
so, welche Frau vollzieht
vrataṃ saubhāgyavarddhanam
das Glück mehrende Gelübde
sā tu devīprasādena
sie durch die Gnade der Göttin
saubhāgyaṃ labhate dhruvam
erlangt sicher Eheglück

yadā tṛtīyā bhādre tu hastarkṣasahitā bhavet / hastagaurīvrataṃ nāma taduddiṣṭaṃ hi śauriṇā

Wenn der dritte Tag im Bhādra mit dem Hasta-Mondhaus zusammenfällt, wird (er) 'Hastagaurī-Gelübde' genannt – dies wurde von Śauri (Kṛṣṇa) gelehrt.

Wort für Wort
yadā tṛtīyā bhādre tu
wenn der dritte Tag im Bhādra
hastarkṣasahitā bhavet
mit dem Hasta-Mondhaus zusammenfällt
hastagaurīvrataṃ nāma
wird (er) 'Hastagaurī-Gelübde' genannt
taduddiṣṭaṃ hi śauriṇā
dies wurde fürwahr von Śauri gelehrt

tathā koṭīśvarī nāma vrataṃ proktaṃ pinākinā / lakṣeśvarī caiva tathā tadvidhānamudīryate

Ebenso wurde von Pinākin (Śiva) ein Gelübde namens 'Koṭīśvarī' verkündet, und ebenso 'Lakṣeśvarī'; dessen Vorschrift wird nun dargelegt.

Wort für Wort
tathā koṭīśvarī nāma
ebenso ein Gelübde namens 'Koṭīśvarī'
vrataṃ proktaṃ pinākinā
wurde von Pinākin verkündet
lakṣeśvarī caiva tathā
und ebenso 'Lakṣeśvarī'
tadvidhānamudīryate
dessen Vorschrift wird dargelegt

asyāṃ vrataṃ tu saṃgrāhyaṃ yāvadvarṣacatuṣṭayam / upavāsena kartavyaṃ varṣe varṣe tu nārada

An diesem Tag soll das Gelübde vier Jahre lang übernommen werden, mit Fasten soll es Jahr für Jahr vollzogen werden, o Nārada.

Wort für Wort
asyāṃ vrataṃ tu saṃgrāhyaṃ
an diesem (Tag) soll das Gelübde übernommen werden
yāvadvarṣacatuṣṭayam
vier Jahre lang
upavāsena kartavyaṃ
mit Fasten soll es vollzogen werden
varṣe varṣe tu nārada
Jahr für Jahr, o Nārada

akhaṇḍānāṃ taṇḍulānāṃ tilānāṃ vā munīsvara / lakṣamekaṃ viśodhyātha kṣipetpayasi saṃsṛte

von ungebrochenen Reiskörnern oder Sesamkörnern, o Herr der Weisen, soll man hunderttausend reinigen und dann in fließende Milch werfen,

Wort für Wort
akhaṇḍānāṃ taṇḍulānāṃ
von ungebrochenen Reiskörnern
tilānāṃ vā munīsvara
oder Sesamkörnern, o Herr der Weisen
lakṣamekaṃ viśodhyātha
soll man hunderttausend reinigen und dann
kṣipetpayasi saṃsṛte
in fließende Milch werfen

tatpakkena tu nirmāya devyā mūrtiṃ suśomanām [?] / prakare gandhapuṣpāṇāṃ puṣpamālāvibhūṣitām

und mit dem daraus Gekochten ein Abbild der Göttin von schönem Antlitz [?] anfertigen, umgeben von Duftstoffen und Blumen, mit Blumengirlanden geschmückt,

Wort für Wort
tatpakkena tu nirmāya
und mit dem daraus Gekochten anfertigen
devyā mūrtiṃ suśomanām [?]
ein Abbild der Göttin von schönem Antlitz [?]
prakare gandhapuṣpāṇāṃ
umgeben von Duftstoffen und Blumen
puṣpamālāvibhūṣitām
mit Blumengirlanden geschmückt

suśomanām ist unklar; vermutlich verderbt für suśobhanām („schön, wohlgeschmückt“); mit [?] markiert.

saṃsthāpya pārvatīṃ tatra pūjayedbhaktibhāvitaḥ / gandhaiḥ puṣpaistathā dhūpairdīpairnaivedyavistaraiḥ

nachdem man Pārvatī dort aufgestellt hat, soll man, von Hingabe erfüllt, sie verehren, mit Duftstoffen, Blumen, sowie mit Räucherwerk, Lichtern und reichlichen Speiseopfergaben,

Wort für Wort
saṃsthāpya pārvatīṃ tatra
nachdem man Pārvatī dort aufgestellt hat
pūjayedbhaktibhāvitaḥ
soll man, von Hingabe erfüllt, verehren
gandhaiḥ puṣpaistathā dhūpaiḥ
mit Duftstoffen, Blumen, sowie mit Räucherwerk
dīpairnaivedyavistaraiḥ
mit Lichtern und reichlichen Speiseopfergaben

vividhaiśca phalairvipra namaskṛtya kṣamāpayet / tato visarjayaddevīṃ jalamadhye 'tha dakṣiṇām

und mit vielfältigen Früchten, o Brahmane; nachdem man sich verneigt hat, bitte man um Verzeihung; danach soll man die Göttin in die Mitte des Wassers entlassen, und danach die Priestergabe

Wort für Wort
vividhaiśca phalairvipra
und mit vielfältigen Früchten, o Brahmane
namaskṛtya kṣamāpayet
nachdem man sich verneigt hat, bitte man um Verzeihung
tato visarjayaddevīṃ
danach soll man die Göttin entlassen
jalamadhye 'tha dakṣiṇām
in die Mitte des Wassers, und danach die Priestergabe

dattvā vidhijñaviprebhyo bhuñjīyācca pare dine / iti te kathitaṃ vipra koṭilakṣeśvarīvratam

den der Vorschrift kundigen Brahmanen gegeben haben und am folgenden Tag essen. So wurde dir, o Brahmane, das Koṭi-Lakṣeśvarī-Gelübde erzählt.

Wort für Wort
dattvā vidhijñaviprebhyo
nachdem man den der Vorschrift kundigen Brahmanen gegeben hat
bhuñjīyācca pare dine
und am folgenden Tag essen
iti te kathitaṃ vipra
so wurde dir, o Brahmane, erzählt
koṭilakṣeśvarīvratam
das Koṭi-Lakṣeśvarī-Gelübde

gaurīlokaṃ prayātyante vratasyāsya prabhāvataḥ / iṣaśuklatṛtīyāyāṃ bṛbadgaurīvrataṃ [?] caret

Am Ende gelangt man durch die Kraft dieses Gelübdes in die Welt Gaurīs. Am dritten hellen Tag des Iṣa (Kārtika) soll man das Bṛhad-Gaurī-Gelübde [?] vollziehen,

Wort für Wort
gaurīlokaṃ prayātyante
am Ende gelangt man in die Welt Gaurīs
vratasyāsya prabhāvataḥ
durch die Kraft dieses Gelübdes
iṣaśuklatṛtīyāyāṃ
am dritten hellen Tag des Iṣa
bṛhadgaurīvrataṃ [?] caret
soll man das Bṛhad-Gaurī-Gelübde [?] vollziehen

bṛbadgaurīvratam ist wohl eine Verschreibung für bṛhadgaurīvratam („das große Gaurī-Gelübde“); mit [?] markiert.

pañcavarṣaṃ vidhānena pūrvoktenaiva nārada / ācāryaṃ pūjayedante viprānanyāndhanādibhiḥ

fünf Jahre lang, nach der zuvor genannten Vorschrift, o Nārada; am Ende soll man den Lehrer verehren, sowie andere Brahmanen, mit Reichtum und dergleichen;

Wort für Wort
pañcavarṣaṃ vidhānena
fünf Jahre lang, nach der Vorschrift
pūrvoktenaiva nārada
der zuvor genannten, o Nārada
ācāryaṃ pūjayedante
am Ende soll man den Lehrer verehren
viprānanyāndhanādibhiḥ
andere Brahmanen, mit Reichtum und dergleichen

suvāsinīḥ pañca pūjyā vastrālaṅkāracandanaiḥ / kañcukaiścaiva tāṭaṅkaiḥ kaṇṭhasūtrairharipriyāḥ

fünf verheiratete Frauen sollen verehrt werden mit Gewand, Schmuck und Sandelholzpaste, mit Miedern sowie Ohrringen und Halsketten, als der Harī (Gaurī) liebe (Frauen),

Wort für Wort
suvāsinīḥ pañca pūjyā
fünf verheiratete Frauen sollen verehrt werden
vastrālaṅkāracandanaiḥ
mit Gewand, Schmuck und Sandelholzpaste
kañcukaiścaiva tāṭaṅkaiḥ
mit Miedern sowie Ohrringen
kaṇṭhasūtrairharipriyāḥ
mit Halsketten, als der Harī liebe (Frauen)

vaṃśapātrāṇi pañcaiva sūtraiḥ saṃveṣṭitāni ca / siṃdūraṃ jīrakaṃ caiva saubhāgyadravyasaṃyutam

fünf Bambusgefäße, mit Fäden umwunden, sowie Vermillon und Kreuzkümmel, versehen mit glücksbringenden Gegenständen,

Wort für Wort
vaṃśapātrāṇi pañcaiva
fünf Bambusgefäße
sūtraiḥ saṃveṣṭitāni ca
mit Fäden umwunden
siṃdūraṃ jīrakaṃ caiva
sowie Vermillon und Kreuzkümmel
saubhāgyadravyasaṃyutam
versehen mit glücksbringenden Gegenständen

godhīmapiṣṭajātaṃ ca navāpūpaṃ phalā dikam / vāyanāni ca pañcaiva tābhyo dadyācca bhojayet

und aus Weizenmehl bereitetes frisches Gebäck, Früchte und dergleichen – fünf Gastgeschenke soll man ihnen geben und sie speisen.

Wort für Wort
godhīmapiṣṭajātaṃ ca
und aus Weizenmehl bereitetes
navāpūpaṃ phalādikam
frisches Gebäck, Früchte und dergleichen
vāyanāni ca pañcaiva
fünf Gastgeschenke
tābhyo dadyācca bhojayet
soll man ihnen geben und sie speisen

arghaṃ dattvā vāyanāni paścādbhuñjīta vāgyatā / tatphalaṃ dhārayetkaṇṭhe sarvakāmasamṛddhaye

Nachdem sie die Ehrenwassergabe und die Gastgeschenke gegeben hat, soll sie danach schweigend essen; dessen Frucht (den Schmuck) soll sie am Hals tragen, zur Erfüllung aller Wünsche.

Wort für Wort
arghaṃ dattvā vāyanāni
nachdem sie das Ehrenwasser und die Gastgeschenke gegeben hat
paścādbhuñjīta vāgyatā
soll sie danach schweigend essen
tatphalaṃ dhārayetkaṇṭhe
dessen Frucht soll sie am Hals tragen
sarvakāmasamṛddhaye
zur Erfüllung aller Wünsche

tataḥ prātaḥ samutthāya sālaṅkārā sakhījanaiḥ / gītavādyayutā nadyāṃ gaurīṃ tāṃ tu visarjayet

Danach, am Morgen, nachdem sie aufgestanden ist, geschmückt, mit ihren Freundinnen, begleitet von Gesang und Musik, soll sie diese Gaurī im Fluss entlassen,

Wort für Wort
tataḥ prātaḥ samutthāya
danach, am Morgen, nachdem sie aufgestanden ist
sālaṅkārā sakhījanaiḥ
geschmückt, mit ihren Freundinnen
gītavādyayutā
begleitet von Gesang und Musik
nadyāṃ gaurīṃ tāṃ tu visarjayet
soll sie diese Gaurī im Fluss entlassen

āhūtāsi mayābhadre pūjitā ca yathā vidhi / mama saubhāgyadānāya yatheṣṭaṃ gamyatāṃ tvayā

'Du wurdest von mir gerufen, o Gute, und nach Vorschrift verehrt; zur Gabe meines Eheglücks gehe nun, wohin es dir beliebt.'

Wort für Wort
āhūtāsi mayābhadre
du wurdest von mir gerufen, o Gute
pūjitā ca yathā vidhi
und nach Vorschrift verehrt
mama saubhāgyadānāya
zur Gabe meines Eheglücks
yatheṣṭaṃ gamyatāṃ tvayā
gehe von dir, wohin es dir beliebt

evaṃ kṛtvā vrataṃ bhaktyā dvija devīprasādataḥ / bhuktvā bhogāṃstu dehānte gaurīlokamavāpnuyāt

Wenn man so, o Brahmane, das Gelübde mit Hingabe vollzogen hat, erlangt man durch die Gnade der Göttin, nachdem man Genüsse genossen hat, am Ende des Körpers die Welt Gaurīs.

Wort für Wort
evaṃ kṛtvā vrataṃ bhaktyā
so, wenn man das Gelübde mit Hingabe vollzogen hat
dvija devīprasādataḥ
o Brahmane, durch die Gnade der Göttin
bhuktvā bhogāṃstu dehānte
nachdem man Genüsse genossen hat, am Ende des Körpers
gaurīlokamavāpnuyāt
erlangt man die Welt Gaurīs

ūrjaśuklatṛtīyāyāṃ viṣṇugaurīvrataṃ caret / pūjayitvā jagadvandyāmupacāraiḥ pṛthagvidhaiḥ

Am dritten hellen Tag des Ūrja soll man das Viṣṇugaurī-Gelübde vollziehen, nachdem man die von der Welt Verehrte mit verschiedenartigen Ehrenerweisungen verehrt hat,

Wort für Wort
ūrjaśuklatṛtīyāyāṃ
am dritten hellen Tag des Ūrja
viṣṇugaurīvrataṃ caret
soll man das Viṣṇugaurī-Gelübde vollziehen
pūjayitvā jagadvandyām
nachdem man die von der Welt Verehrte verehrt hat
upacāraiḥ pṛthagvidhaiḥ
mit verschiedenartigen Ehrenerweisungen

suvāsinīṃ bhojayitvā maṅgaladravyapūjitām / visarjayetpraṇamyaināṃ viṣṇugaurīpratuṣṭaye

nachdem man eine verheiratete Frau, mit heilbringenden Gegenständen verehrt, gespeist hat, soll man sie unter Verneigung entlassen, zur Zufriedenstellung der Viṣṇugaurī.

Wort für Wort
suvāsinīṃ bhojayitvā
nachdem man eine verheiratete Frau gespeist hat
maṅgaladravyapūjitām
mit heilbringenden Gegenständen verehrt
visarjayetpraṇamyaināṃ
soll man sie unter Verneigung entlassen
viṣṇugaurīpratuṣṭaye
zur Zufriedenstellung der Viṣṇugaurī

mārgaśuklatṛtīyāyāṃ haragaurīvrataṃ śubham / kṛtvā pūrvavidhānena pūjayejjagadaṃbikām

Am dritten hellen Tag des Mārga(śīrṣa) soll man, nachdem man das heilvolle Haragaurī-Gelübde nach der zuvor genannten Vorschrift vollzogen hat, die Mutter der Welt verehren.

Wort für Wort
mārgaśuklatṛtīyāyāṃ
am dritten hellen Tag des Mārga
haragaurīvrataṃ śubham
das heilvolle Haragaurī-Gelübde
kṛtvā pūrvavidhānena
nachdem man nach der zuvor genannten Vorschrift vollzogen hat
pūjayejjagadaṃbikām
soll man die Mutter der Welt verehren

etadvrataprabhāveṇa bhuktvā bhogānmanoramān / devīlokaṃ samāsādya modate ca tayā saha

Durch die Kraft dieses Gelübdes, nachdem man entzückende Genüsse genossen hat, erreicht man die Welt der Göttin und freut sich mit ihr zusammen.

Wort für Wort
etadvrataprabhāveṇa
durch die Kraft dieses Gelübdes
bhuktvā bhogānmanoramān
nachdem man entzückende Genüsse genossen hat
devīlokaṃ samāsādya
nachdem man die Welt der Göttin erreicht hat
modate ca tayā saha
freut man sich mit ihr zusammen

pauṣaśuklatṛtīyāyāṃ brahmagaurīvrataṃ caret / pūrvoktena vidhānena pūjitāpi dvijottama

Am dritten hellen Tag des Pauṣa soll man das Brahmāgaurī-Gelübde vollziehen, nach der zuvor genannten Vorschrift verehrt, o bester der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
pauṣaśuklatṛtīyāyāṃ
am dritten hellen Tag des Pauṣa
brahmagaurīvrataṃ caret
soll man das Brahmāgaurī-Gelübde vollziehen
pūrvoktena vidhānena
nach der zuvor genannten Vorschrift
pūjitāpi dvijottama
verehrt, o bester der Zweifachgeborenen

brahmagaurīprasādena modate tatra saṃgatā / māghaśukladvitīyāyāṃ [?] pūjyā saubhāgyasuṃdarī

freut man sich durch die Gnade der Brahmāgaurī, dort mit ihr vereint. Am dritten [Quelle: 'zweiten', wohl fehlerhaft] hellen Tag des Māgha soll die schöne Eheglück-Verleiherin verehrt werden,

Wort für Wort
brahmagaurīprasādena
durch die Gnade der Brahmāgaurī
modate tatra saṃgatā
freut man sich, dort mit ihr vereint
māghaśukladvitīyāyāṃ [?]
am dritten [Quelle: 'zweiten' [?]] hellen Tag des Māgha
pūjyā saubhāgyasuṃdarī
soll die schöne Eheglück-Verleiherin verehrt werden

Die Quelle liest hier māghaśukladvitīyāyāṃ („am zweiten hellen Tag“), obwohl das gesamte Kapitel den dritten Tag (tṛtīyā) behandelt; vermutlich Verschreibung für māghaśuklatṛtīyāyāṃ; mit [?] markiert.

pūrvoktena vidhānena nālikerārghyadānataḥ / prasannā diśati svīyaṃ lokaṃ tu vratatoṣitā

nach der zuvor genannten Vorschrift, durch das Geben von Ehrenwasser mit Kokosnuss; gnädig gestimmt, gewährt sie, durch das Gelübde erfreut, ihre eigene Welt.

Wort für Wort
pūrvoktena vidhānena
nach der zuvor genannten Vorschrift
nālikerārghyadānataḥ
durch das Geben von Ehrenwasser mit Kokosnuss
prasannā diśati svīyaṃ lokaṃ
gnädig gestimmt gewährt sie ihre eigene Welt
tu vratatoṣitā
durch das Gelübde erfreut

phaālgunasya site pakṣe tṛtīyā kulasaukhyadā / pūjitā gandhapuṣpādyaiḥ sarvamaṅgaladā bhavet

In der hellen Hälfte des Phālguna gewährt der dritte Tag Glück der Familie; verehrt mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen, wird er zum Geber alles Heilvollen.

Wort für Wort
phaālgunasya site pakṣe
in der hellen Hälfte des Phālguna
tṛtīyā kulasaukhyadā
gewährt der dritte Tag Glück der Familie
pūjitā gandhapuṣpādyaiḥ
verehrt mit Duftstoffen, Blumen und dergleichen
sarvamaṅgaladā bhavet
wird er zum Geber alles Heilvollen

sarvāsu ca tṛtīyāsu vidhiḥ sādhāraṇo mune / devīpūjā viprapūjā dānaṃ homo visarjanam

Und bei allen dritten Tagen ist die Vorschrift allgemein, o Weiser: Verehrung der Göttin, Verehrung der Brahmanen, Gabe, Feueropfer, Entlassung (der Gottheit).

Wort für Wort
sarvāsu ca tṛtīyāsu
und bei allen dritten Tagen
vidhiḥ sādhāraṇo mune
ist die Vorschrift allgemein, o Weiser
devīpūjā viprapūjā
Verehrung der Göttin, Verehrung der Brahmanen
dānaṃ homo visarjanam
Gabe, Feueropfer, Entlassung

ityevaṃ kathitānīha tṛtīyāyā vratāni te / bhaktyā kṛtāni ceṣṭāṃstu kāmāndardyu [?] manogatān

So wurden dir hier die Gelübde des dritten Mondtags erzählt; mit Hingabe vollzogen, mögen sie die gewünschten, im Sinn befindlichen Wünsche gewähren [?].

Wort für Wort
ityevaṃ kathitānīha
so wurden hier erzählt
tṛtīyāyā vratāni te
dir die Gelübde des dritten Mondtags
bhaktyā kṛtāni ceṣṭān tu
mit Hingabe vollzogen, aber die gewünschten
kāmāndardyu [?] manogatān
mögen sie geben [?], die im Sinn befindlichen Wünsche

kāmāndardyu ist unklar überliefert; sinngemäß als eine Form von „sie mögen (die Wünsche) geben“ (etwa kāmāndadyuḥ) gedeutet; mit [?] markiert.

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