sanaka uvāca /
evamaurvāśrame te dve bāhubhārye munīśvara /
cakrāte bhaktibhāvena śuśrūṣaāṃ prativāsararam
Sanaka sprach: So leisteten jene beiden Gattinnen Bāhus in der Einsiedelei Aurvas, o Herr der Weisen, Tag für Tag mit hingebungsvoller Gesinnung Dienst.
Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
evamaurvāśrame te dve bāhubhārye
so jene beiden Gattinnen Bāhus in der Einsiedelei Aurvas
gate varṣārdhdake kāle jyeṣṭhā rājñī tu yā dvija /
tasyāḥ pāpamatirjātā sapatnyāḥ saṃpadaṃ prati
Als ein halbes Jahr vergangen war, entstand bei der älteren Königin, o Zweifachgeborener, ein böser Gedanke gegenüber dem bevorstehenden Wohlergehen ihrer Mitfrau.
Da sie durch das Bestreichen des Bodens und dergleichen ordnungsgemäß und freudig dem Weisen Dienst erwies, wurde durch diese verdienstvolle Handlung das Gift unwirksam.
Wort für Wort
bhūlepanādibhiḥ samyagyataḥ
durch das Bestreichen des Bodens u.dgl., ordnungsgemäß
sā mudā muneḥ
sie, freudig, dem Weisen
cakāra sevāṃ
erwies Dienst
tenāsau jīrṇapuṇyena karmaṇā
dadurch, durch diese verdienstvolle Handlung, wurde es unwirksam
[Anm.: Konstruktion des Verses unsicher, sinngemäß wiedergegeben.]
Darauf, als drei Monate vergangen waren, gebar sie zu einer sehr günstigen Zeit einen Sohn zusammen mit dem Gift - sie, deren Verfehlung durch ihren Dienst ausgelöscht war.
Wort für Wort
tato māsatraye 'tīte
darauf, als drei Monate vergangen waren
gareṇa sahitaṃsutam
einen Sohn zusammen mit dem Gift
suṣāva suśubhe kāle
gebar sie zu sehr günstiger Zeit
śuśrūṣānaṣṭakilbiṣā
sie, deren Verfehlung durch den Dienst ausgelöscht war
aho satsaṃgatirloke kiṃ pāpaṃ na vināśayet /
na tadātisukhaṃ kiṃ vā narāṇāṃ puṇyakarmaṇām
Ach, welche Sünde sollte der Umgang mit den Guten in der Welt nicht vernichten? Gibt es nicht jenes höchste Glück für Menschen von verdienstvollem Handeln?
Die in Wissen oder Unwissenheit begangene Sünde, und was auch immer von anderen veranlasst wurde - all dies vernichtet rasch der Dienst an großen Seelen.
Selbst ein Stumpfsinniger erlangt durch den Umgang mit den Guten Verehrungswürdigkeit auf Erden, so wie der nur noch aus einer einzigen Phase bestehende Mond von Śambhu (Śiva) angenommen wurde.
Wort für Wort
jaḍo 'pi yāti pūjyatvaṃ
selbst ein Stumpfsinniger erlangt Verehrungswürdigkeit
satsaṃgatiḥ parāmṛddhiṃ dadāti hi nṛṇāṃ sadā /
ihāmutra ca vignendra santaḥ pūjyatamāstataḥ
Der Umgang mit den Guten verleiht den Menschen stets höchsten Wohlstand, hier und im Jenseits, o Fürst der Weisen [?]; deshalb sind die Guten die Verehrungswürdigsten.
Wort für Wort
satsaṃgatiḥ parāmṛddhiṃ dadāti hi
der Umgang mit den Guten verleiht höchsten Wohlstand
nṛṇāṃ sadā
den Menschen stets
ihāmutra ca
hier und im Jenseits
munīndra [?]
o Fürst der Weisen [?]
santaḥ pūjyatamāstataḥ
deshalb sind die Guten die Verehrungswürdigsten
[?] "vignendra" vermutlich verderbt für eine Anrede wie "munīndra" ("Fürst der Weisen").
Ach, wer ist fähig, o Herren der Weisen, die großen Vorzüge der Guten zu beschreiben? Das Gift, in den Mutterleib gelangt, wurde drei Monate lang verdaut - ach, welch ein Wunder!
Wort für Wort
aho mahagduṇānvaktuṃ
ach, die großen Vorzüge zu beschreiben
kaḥ samartho munīśvarā
wer ist fähig, o Herren der Weisen
garbhaṃ prātpo garo jīrṇo
das Gift, in den Mutterleib gelangt, wurde verdaut
Als der Weise, ein Schatz an Glanz, den mit dem Gift geborenen Sohn erblickte, vollzog er das Geburtsritual und gab ihm den Namen 'Sagara' ('mit Gift').
Als er sah, dass Sagara fähig und das Kindesalter ein wenig überschritten hatte, lehrte ihn der Mantra-Kundige die für einen König geeigneten Lehrschriften.
Wort für Wort
śāstrāṇyadhyāpayāmāsa
er lehrte die Lehrschriften
rājayogyāni mantravit
die für einen König geeigneten, der Mantra-Kundige
Er wurde kraftvoll, dem Dharma gemäß handelnd, dankbar, tugendhaft und von gutem Verstand; auch dieser dharma-kundige Sagara brachte dem Weisen von unermesslichem Glanz täglich Brennholz, Kuśa-Gras, Wasser, Blumen und dergleichen herbei.
Wort für Wort
babhūva balavāndharmi
er wurde kraftvoll, dem Dharma gemäß
kṛtajño guṇavānsudhīḥ
dankbar, tugendhaft, von gutem Verstand
dharmajñaḥ so 'pi sagaro
auch dieser dharma-kundige Sagara
muneramitatejasaḥ
für den Weisen von unermesslichem Glanz
samitkuśāmbupuṣpādi [?]
Brennholz, Kuśa-Gras, Wasser, Blumen u.dgl. [?]
pratyahaṃ samupānayat
brachte er täglich herbei
[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]
sa kadācidguṇinidhiḥ praṇipatya svamātaram /
uvāca prāñjalirbhūtvā sagaro vinayānvitaḥ
Einst, nachdem er sich vor seiner Mutter verneigt hatte, sprach jener Schatz an Tugenden, Sagara, mit gefalteten Händen und von Bescheidenheit erfüllt:
Sagara sprach: O Mutter, wohin ist mein Vater gegangen? Wie hieß er, aus welchem Geschlecht stammte er? Erzähle mir das alles - mich verlangt danach, es zu hören.
dharmahīno yathā mūrkhaḥ paratreha ca ninditaḥ /
mātāpitṛvihīnasya ajñasyāpyavivekinaḥ /
aputrasya vṛthāṃ janma ṛṇagrastasya caiva hi
Wie ein Tor ohne Dharma hier und im Jenseits getadelt wird, so ist die Geburt vergeblich für den, der ohne Mutter und Vater ist, für den Unwissenden ohne Unterscheidungsvermögen, für den Kinderlosen und ebenso für den von Schulden Belasteten.
Wort für Wort
dharmahīno yathā mūrkhaḥ
wie ein Tor ohne Dharma
paratreha ca ninditaḥ
hier und im Jenseits getadelt
mātāpitṛvihīnasya ajñasyāpyavivekinaḥ
für den ohne Mutter und Vater, den Unwissenden ohne Unterscheidungsvermögen
aputrasya vṛthāṃ janma
vergeblich ist die Geburt eines Kinderlosen
ṛṇagrastasya caiva hi
und ebenso eines von Schulden Ergriffenen
[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]
Nachdem sie dies vom Sohn Gesagte gehört hatte, seufzend und betrübt, teilte sie ihm alles, wonach er gefragt hatte, mit, wie es sich zugetragen hatte.
Nachdem er sich vor jenem Lehrer verneigt hatte, dem Ausgezeichneten, der großen Seele, berichtete er ihm alles, ihm, der ohnehin schon mit dem Auge der Erkenntnis alles wusste.
Von den Pfeilfeuern, die diesem Bogen entfahren waren, versengt, wurden manche der Feinde vernichtet, verängstigt, und andere ebenso ergriffen die Flucht.
Wort für Wort
taccāpamuktabāṇāgnisaṃtatāstadarātavaḥ
von den diesem Bogen entfahrenen Pfeilfeuern versengt, jene Feinde
Der Sohn Bāhus, der die Erde erobert hatte, erfuhr sogleich durch Kundschafter, dass die Feinde sich zum Lehrer geflüchtet hatten, und gelangte ebenfalls in dessen Nähe.
Wort für Wort
jitakṣitirbāhuputro
der Sohn Bāhus, der die Erde erobert hatte
ripūngurusamīpagān
dass die Feinde in die Nähe des Lehrers gegangen waren
tamāgataṃ bāhusutaṃ niśamya munirvaśiṣṭaḥ śaraṇāgatāṃstān /
trātuṃ ca śiṣyābhihitaṃ ca kartuṃ vivārayāmāsa tadā kṣaṇena
Als der Weise Vasiṣṭha wahrnahm, dass der Sohn Bāhus gekommen war, überlegte er im selben Augenblick, wie er zugleich jene, die Zuflucht gesucht hatten, retten und dem Wunsch seines Schülers entsprechen könnte.
Er verwandelte die Fliehenden: manche zu kahlgeschorenen Śabaras, manche zu Yavanas mit herabhängendem Haar, manche zu Blinden, alle mit Bärten, kahlgeschoren, aus der vedischen Gemeinschaft Ausgeschlossene.
bāndhavaṃ prathamaṃ matvā durjatāḥ sakalaṃ jagat /
ta eva balahīnāścedbhajante 'tyantasādhutām
Zunächst geben sich die Bösen als Verwandte aus und betrügen so die gesamte Welt; eben diese heucheln, wenn sie machtlos sind, äußerste Rechtschaffenheit.
Die Bösen, die beständig lachend ihre Zähne zeigen, zeigen eben diese Zähne rasch in anderer Weise, sobald sich das Kräfteverhältnis zu ihren Gunsten wendet.
śreyaskāmo bhavedyastu nītiśāstrārthakovidaḥ /
sādhutvaṃ samabhāvaṃ ca khalānāṃ naiva viśvaset
Wer nach Heil verlangt und im Sinn der Staatslehre kundig ist, der soll der Rechtschaffenheit und der scheinbaren Gleichgesinntheit der Bösen niemals trauen.
Wort für Wort
śreyaskāmo bhavedyastu
wer nach Heil verlangt
nītiśāstrārthakovidaḥ
kundig im Sinn der Staatslehre
sādhutvaṃ samabhāvaṃ ca khalānāṃ
der Rechtschaffenheit und Gleichgesinntheit der Bösen
durjanaṃ praṇatiṃ yānte mitraṃ kaitavaśīlitam /
duṣṭāṃ bhāryāṃ ca viśvasto mṛta eva na saṃśayaḥ
Wer einem sich verneigenden Bösewicht, einem Freund von betrügerischer Wesensart oder einer schlechten Gattin vertraut, der ist eben so gut wie tot - daran besteht kein Zweifel.
Darum beschütze nicht diese, die in Gestalt von Kühen wie Tiger handeln; nachdem ich diese Bösewichte allesamt getötet habe, möge ich durch deine Gnade die Erde beherrschen.
Wort für Wort
mā rakṣa tasmādetānvai
darum beschütze nicht diese
gorupavyāghrakarmiṇaḥ
die in Kuhgestalt wie Tiger handeln
hatvaitānakhilān duṣṭāṃs
nachdem ich diese Bösewichte allesamt getötet habe
Vasiṣṭha sprach: Gut, gut, o Hochbeglückter, du sprichst die Wahrheit, o Tugendhafter; dennoch wirst du, wenn du meine Worte hörst, höchsten Frieden erlangen.
mayaite nihitāḥ pūrvaṃ tvatpratijñāvirodhinaḥ /
hātānāṃ hanave kīrtiḥ kā samutpadyate vada
Diese wurden von mir zuvor bereits niedergehalten, auch wenn sie deinem Gelübde entgegenstehen; sag mir, welcher Ruhm entsteht noch durch das Töten von solchen, die bereits wie Getötete sind?
Wort für Wort
mayaite nihitāḥ pūrvaṃ
von mir wurden diese zuvor niedergehalten
tvatpratijñāvirodhinaḥ
die deinem Gelübde entgegenstehen
hatānāṃ hanane [?] kīrtiḥ kā
welcher Ruhm beim Töten von Getöteten [?]
samutpadyate vada
entsteht, sag
[?] "hātānāṃ hanave" unklar, vermutlich verderbt für "hatānāṃ hanane" ("beim Töten von Getöteten").
O Herr der Erde, alle Wesen sind durch die Fessel des Karma gebunden; obwohl sie schon durch ihre eigenen Sünden zunichtegemacht sind, warum tötest du sie nochmals?
Der Körper aber, aus Sünde entstanden, wurde schon zuvor durch die Sünde selbst zunichtegemacht; das Selbst aber ist unzerstörbar, da es vollkommen ist - dies ist die feststehende Lehre der Schriften.
svakarmaphalabhogānāṃ hetumātrā hi jantavaḥ /
karmāṇi daivamūlāni devādhīnamidaṃ jagat
Die Lebewesen sind nur der äußere Anlass für das Erleiden der Früchte ihrer eigenen Taten; die Taten haben ihre Wurzel im Schicksal - diese Welt ist dem Schicksal unterworfen.
Wort für Wort
svakarmaphalabhogānāṃ hetumātrā hi jantavaḥ
die Lebewesen sind nur äußerer Anlass für das Erleiden der Früchte ihrer Taten
ātmā hyabhedyaḥ rakṣitā duṣṭaśikṣitā /
tato narairasvatantraiḥ kiṃ kāryaṃ sādhyate vada
Das Selbst ist wahrlich unzerstörbar [?] - was also lässt sich durch unfreie, von ihrem Karma gelenkte Menschen bewirken, sag?
Wort für Wort
ātmā hyabhedyaḥ [?]
das Selbst ist wahrlich unzerstörbar [?]
tato narairasvatantraiḥ
daher durch unfreie Menschen
kiṃ kāryaṃ sādhyate vada
was lässt sich bewirken, sag
[Anm.: Vers in der Quelle unvollständig/verderbt ("rakṣitā duṣṭaśikṣitā" ohne erkennbaren Anschluss), unverändert wiedergegeben; sinngemäß knapp übersetzt.]
Das Selbst, obwohl rein, wird, solange es im Körper weilt, von den Weisen 'der Verkörperte' genannt; deshalb, o König, ist dieser Leib in der Sünde verwurzelt - daran besteht kein Zweifel.
Als der Weise Aurva, ein Schatz der Askese, sah, dass Sagara im Königtum gefestigt war, kam er aus dem Wald, sprach mit dem König und kehrte in seine Einsiedelei zurück.
aurva uvāca /
ekā vaṃśadharaṃ caikamanyā ṣaḍyutāni ca /
apatyārthaṃ mahābhāge vṛṇutāṃ ca yathepsitam
Aurva sprach: Die eine von euch möge einen einzigen, das Geschlecht fortführenden Sohn wählen, die andere sechzigtausend Söhne - wählt, o Hochbeglückte, zum Zweck der Nachkommenschaft, wie es euch beliebt.
aho kaṣṭatarā loke durjanānāṃ hi saṃgatiḥ /
kārukaistāḍyate vahṇirayaḥsaṃyogamātrataḥ
Ach, äußerst leidvoll ist in der Welt wahrlich der Umgang mit den Bösen: schon durch die bloße Verbindung mit Eisen wird das Feuer von den Handwerkern geschlagen.
Wort für Wort
aho kaṣṭatarā loke
ach, äußerst leidvoll in der Welt
durjanānāṃ hi saṃgatiḥ
wahrlich der Umgang mit den Bösen
kārukaistāḍyate vahniḥ
das Feuer wird von den Handwerkern geschlagen
ayaḥsaṃyogamātrataḥ
nur durch die Verbindung mit Eisen
[Anm.: Gemeint ist wohl, dass das Feuer durch den Kontakt mit dem vom Schmied bearbeiteten Eisen in Mitleidenschaft gezogen wird - ein Gleichnis für schädlichen Umgang.]
durvṛttāḥ sāgarāḥ sarve lokopadrava kāriṇaḥ /
anuṣṭānavatāṃ nityamantarāyā bhavanti te
Alle Söhne Sagaras, von schlechtem Betragen, fügten der Welt Schaden zu; sie wurden für die, die stets die rituellen Vorschriften einhielten, zu Hindernissen.
Welche Opfergaben auch immer in den Opfern von den Zweifachgeborenen vorschriftsmäßig dargebracht wurden - all diese verzehrten sie, nachdem sie die Götter davon zurückgewiesen hatten.
Wort für Wort
hutāni yāni yajñeṣu
welche Opfergaben in den Opfern
havīṃṣi vidhitaḥ dvijaiḥ
die Opferspeisen, vorschriftsmäßig von den Zweifachgeborenen
svargādāhṛtya savataṃ rambhādyā devayoṣitaḥ /
bhajanti sāgarāstā vai kacagrahabalātkṛtāḥ
Nachdem sie Rambhā und andere Götterfrauen zusammen [?] aus dem Himmel herabgeholt hatten, missbrauchten die Söhne Sagaras diese wahrlich, indem sie sie am Haar packten und mit Gewalt bezwangen.
Wort für Wort
svargādāhṛtya savataṃ [?]
nachdem sie sie zusammen [?] aus dem Himmel herabgeholt hatten
rambhādyā devayoṣitaḥ
Rambhā und andere Götterfrauen
bhajanti sāgarāstā vai
missbrauchten die Söhne Sagaras diese wahrlich
kacagrahabalātkṛtāḥ
indem sie sie am Haar packten und mit Gewalt bezwangen
pārijātādivṛkṣāṇāṃ puṣpāṇyāhṛtya te khalāḥ /
bhūṣayanti svadehāni madyapānaparāyaṇāḥ
Nachdem sie die Blüten der Pārijāta- und anderer himmlischer Bäume herbeigeschafft hatten, schmückten jene Bösewichte, dem Weingenuss ergeben, damit ihre eigenen Körper.
Wort für Wort
pārijātādivṛkṣāṇāṃ puṣpāṇyāhṛtya
nachdem sie die Blüten der Pārijāta- und anderer Bäume herbeigeschafft hatten
Sie zerstörten das rechtschaffene Verhalten und vernichteten die guten Sitten; die mächtigen, überaus sündhaften Söhne begannen Kämpfe sogar mit Freunden [?].
Wort für Wort
sādhuvṛttīḥ samājahnuḥ
sie zerstörten das rechtschaffene Verhalten
sadācārānanāśayan
sie vernichteten die guten Sitten
mitraiśca yuddhamārabdhāḥ [?]
und begannen Kämpfe sogar mit Freunden [?]
balino 'tyantapāpinaḥ
die mächtigen, überaus sündhaften
[?] "yodrumārabdhā" unklar/verderbt, sinngemäß als "yuddham ārabdhāḥ" ("begannen Kampf") gedeutet.
Ihn, der über sich selbst durch sich selbst meditierte, dessen einzige Gestalt die höchste Wonne ist, priesen die Götter, nachdem sie sich wie ein Stock zu Boden geworfen hatten.
Wort für Wort
dhyāyantamātmanātmānaṃ
der über sich selbst durch sich selbst meditierte
parānandaikavigraham [?]
dessen einzige Gestalt die höchste Wonne ist [?]
prāṇamya daṇḍavadbhūmau
nachdem sie sich wie ein Stock zu Boden geworfen hatten
tuṣṭuvurvibudhāstataḥ
priesen die Götter darauf
[?] "parānaidaikavigraham" vermutlich verderbt für "parānandaikavigraham" ("dessen einzige Gestalt die höchste Wonne ist").
Die Götter sprachen: Verehrung sei dir, dem Yogin, und dir, der du dem Sāṅkhya-Yoga zugetan bist; Verehrung sei Viṣṇu, der in Menschengestalt verborgen ist, dem Siegreichen.
Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
namaste yogine tubhyāṃ
Verehrung sei dir, dem Yogin
sāṅkhyayogaratāya ca
und dem dem Sāṅkhya-Yoga Zugetanen
nararupapraticchinnaviṣṇave jiṣṇave namaḥ
Verehrung dem in Menschengestalt verborgenen, siegreichen Viṣṇu
Verehrung dem dem höchsten Herrn Ergebenen, der der Grund für die Gunst gegenüber den Welten ist, dem Damm zum Schutz des Dharma im Waldbrand des Daseinskreislaufs.
mahate vītarāgāya tubhyaṃ bhūyo namo namaḥ /
sāgaraiḥ pīḍitānasmāṃstrāyasva śaraṇāgatān
Dem Großen, dem von Leidenschaft Freien, dir sei nochmals Verehrung, Verehrung; errette uns, die von den Söhnen Sagaras Bedrängten, die wir Zuflucht bei dir gesucht haben.
kapila uvāca /
ye tu nāśamihecchanti yaśobaladhanāyuṣām /
ta eva lokānbādhante nātrāśvāryaṃ sugetamāḥ
Kapila sprach: Die, welche den Untergang von Ruhm, Kraft, Reichtum und Lebensspanne anderer wünschen, eben diese bedrängen die Welten - darin liegt kein Wunder, o beste der Götter [?].
Wort für Wort
kapila uvāca
Kapila sprach
ye tu nāśamihecchanti
die, welche hier den Untergang wünschen
yaśobaladhanāyuṣām
von Ruhm, Kraft, Reichtum, Lebensspanne
ta eva lokānbādhante
eben diese bedrängen die Welten
nātrāścaryaṃ surottamāḥ [?]
kein Wunder darin, o beste der Götter [?]
[?] "sugetamāḥ" unklar/verderbt, vermutlich für eine Anrede wie "surottamāḥ" ("o beste der Götter").
'Schon in wenigen Tagen werden eben diese Söhne Sagaras dem Untergang entgegengehen' - so von jenem Weisen, Kapila, der großen Seele, gesprochen, kehrten die Götter, nachdem sie sich vorschriftsmäßig vor ihm verneigt hatten, in den Himmel zurück.
Wort für Wort
alpairahobhireva ete
schon in wenigen Tagen eben diese
nāśameṣyanti sāgarāḥ
werden die Söhne Sagaras dem Untergang entgegengehen
ityuktaṃ muninā tena kapilena mahātmanā
so von jenem Weisen Kapila, der großen Seele, gesprochen
praṇamya taṃ yathānyāyaṃ
nachdem sie sich vorschriftsmäßig vor ihm verneigt hatten
gatā nākaṃ divaukasaḥ
kehrten die Götter in den Himmel zurück
[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]
gūḍhavigrahaśakreṇa hṛtamaśvaṃ tu sāgarāḥ /
anveṣṭuṃ babhrabhurlokān bhūrādīṃśca suvismitāḥ
Auf der Suche nach dem von Śakra (Indra) in verborgener Gestalt geraubten Pferd durchstreiften die Söhne Sagaras, höchst erstaunt, die Erde und andere Welten.
Wort für Wort
gūḍhavigrahaśakreṇa hṛtamaśvaṃ tu
das von Śakra in verborgener Gestalt geraubte Pferd aber
sāgarāḥ anveṣṭuṃ babhramurlokān
durchstreiften die Söhne Sagaras auf der Suche danach die Welten
'Er soll getötet werden, getötet werden! Er soll erschlagen werden, erschlagen werden! Er soll rasch ergriffen werden, ergriffen werden!' - so riefen sie einander zu.
Wort für Wort
hanyatāṃ hanyatāmeṣa
er soll getötet werden, getötet werden
vadhyatāṃ vadhyatāmayam
er soll erschlagen werden, erschlagen werden
gṛhyatāṃ gṛhyatāmāśu [?]
er soll rasch ergriffen werden, ergriffen werden [?]
ityūcuste parasparam
so riefen sie einander zu
[?] "guhyatāṃ" vermutlich für "gṛhyatāṃ" ("ergriffen werden").
'Den Pferderäuber, der mit dem Anschein von Frömmigkeit wie ein Reiher in Versenkung vertieft scheint - es gibt eben solche Bösewichte in der Welt, die ein großes frommes Schaugepränge veranstalten!'
Wort für Wort
hṛtāśvaṃ
den Pferderäuber
sādhubhāvena bakavaddhyānatatparam
der mit dem Anschein von Frömmigkeit wie ein Reiher in Versenkung vertieft scheint
santi khalā loke [?]
es gibt Bösewichte in der Welt [?]
kurvantyāḍambaraṃ mahat
die großes Schaugepränge veranstalten
[Anm.: Zweite Vershälfte unsicher, sinngemäß als Fortsetzung der spöttischen Rede der Söhne Sagaras gedeutet.]
aiśvaryamadamattānāṃ kṣudhitānāṃ ca kāminām /
ahṝṅkāravimūḍhānāṃ viveko naiva jāyate
Bei denen, die vom Rausch der Macht berauscht sind, bei den Hungrigen und den von Begierde Getriebenen, bei den vom Hochmut Verblendeten - bei ihnen entsteht keine Unterscheidungskraft.
Wort für Wort
aiśvaryamadamattānāṃ
bei denen, die vom Rausch der Macht berauscht sind
kṣudhitānāṃ ca kāminām
bei den Hungrigen und den von Begierde Getriebenen
Schon durch das bloße Vorhandensein eines vergrabenen Schatzes brennt die Erde beständig; was ist es da für ein Wunder, dass die Menschen, nachdem sie ihn genossen haben, selbst brennen?
Wort für Wort
nidherādhāramātreṇa
allein durch das Vorhandensein eines Schatzes
mahī jvalati sarvadā
brennt die Erde beständig
tadeva mānavā bhuktvā
eben dies, nachdem die Menschen es genossen haben
jvalantīti kimadbhutam
brennen sie - was ist daran verwunderlich
[Anm.: Anspielung auf die volkstümliche Vorstellung, vergrabene Schätze seien von magischem Feuer umgeben; sinngemäß als Bild für die verderbliche Wirkung von Reichtum gedeutet.]
Ach, die Macht des Goldes (kanaka) - von wem kann sie in Worten beschrieben werden? Ach, welch ein Wunder: schon durch bloße Namensgleichheit wird auch der Stechapfel (kanaka-dhattūra) berauschend.
Wort für Wort
aho kanakamāhātmyam
ach, die Macht des Goldes
ākhyātuṃ kena śakyate
von wem kann sie beschrieben werden
nāmasāmyādaho citraṃ
durch Namensgleichheit - ach, welch Wunder
dhattūro 'pimadapradaḥ
wird auch der Stechapfel berauschend
[Anm.: Wortspiel mit "kanaka" als Bezeichnung sowohl für Gold als auch für eine Stechapfel-Art (Dhattūra).]
aho dhanamadāndastu paśyannapi na paśyati /
yadi paśyatyāmahitaṃ sa paśyati na saṃśayaḥ
Ach, der vom Rausch des Reichtums Geblendete sieht, auch wenn er mit Augen sieht, doch nicht wahrhaft; erst wenn er sein eigenes Unheil sieht [?], sieht er wahrlich - daran besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
aho dhanamadāndhastu
ach, der vom Rausch des Reichtums Geblendete
paśyannapi na paśyati
sieht, auch wenn er sieht, doch nicht
yadi paśyatyāhitaṃ [?]
wenn er das eigene Unheil sieht [?]
sa paśyati na saṃśayaḥ
dann sieht er wahrlich - kein Zweifel
[?] "āmahitaṃ" unklar, vermutlich verderbt für "āhitam" ("das Unheil").
Als die Bewohner des Grundes der Unterwelt dieses aus den Augen entstandene Feuer erblickten, hielten sie es für eine vorzeitige Weltvernichtung und schrien, von Kummer ergriffen, auf.
Wort für Wort
yannetrajānalaṃ dṛṣṭvā
als sie dieses aus den Augen entstandene Feuer erblickten
yajñeṣvanadhikāratvādaputrāṇāmiti smṛteḥ /
pautraṃ tamaṃśumantaṃ hi putratve katavānprabhuḥ
Da Kinderlose gemäß der überlieferten Lehre keine Berechtigung zur Durchführung von Opfern haben, setzte der Herrscher Sagara eben jenen Enkel Aṃśumān an die Stelle eines Sohnes ein.
Wort für Wort
yajñeṣvanadhikāratvāt
da sie keine Berechtigung zu Opfern haben
aputrāṇāmiti smṛteḥ
für Kinderlose, gemäß der Lehre
pautraṃ tamaṃśumantaṃ hi
eben jenen Enkel Aṃśumān
putratve kṛtavānprabhuḥ
setzte der Herrscher an die Stelle eines Sohnes ein
asamañjaḥsutaṃ tu sudhīyaṃ vāgvidāṃvaram /
yuyoja sāravidbhūyo hyaścānayanakarmaṇi
Den Sohn des Asamañjas aber, klug und den vorzüglichsten unter den Redekundigen, betraute der das Wesentliche kennende Sagara abermals mit der Aufgabe, das Pferd zurückzuholen.
sa gatastadviladvāre dṛṣṭvā taṃ munipuṅgavam /
kapilaṃ tejasāṃrāśiṃ sāṣṭāṅgaṃpraṇanāmahā
Er, dorthin an jene Höhlenöffnung gegangen, verneigte sich, als er jenen Stier unter den Weisen, Kapila, den Haufen an Glanz, erblickte, mit acht Gliedern zu Boden.
Aṃśumān sprach: Welche schlechte Tat auch immer von meinen Onkeln begangen wurde, o Brahmane, vergib sie; die Guten sind, dem Wohl anderer zugetan, wahrlich von der Substanz der Vergebung.
Wort für Wort
aṃśumānuvāca
Aṃśumān sprach
dauḥśīlyaṃ yatkṛtaṃ brahman
welche schlechte Tat auch immer, o Brahmane
matpitṛvyaiḥ kṣamasvatat
von meinen Onkeln (begangen), vergib dies
paropakāraniratāḥ
dem Wohl anderer zugetan
kṣamāsārā hi sādhavaḥ
die Guten sind wahrlich von der Substanz der Vergebung
Selbst wenn er bedrängt wird, bringt der gute Mensch allen Glück, so wie der Mond, obwohl er von den Unsterblichen bei Neumond 'verzehrt' wird, doch höchste Zufriedenheit verleiht.
Durch Geduld, Askese und guten Wandel erkennen die Herren der Weisen, die diese Eigenschaften kennen, dich, o höchster Mann, als geboren, um die Welten zu beherrschen.
Wort für Wort
kṣāntyā ca tapasā cāraiḥ
durch Geduld, Askese und guten Wandel
tadguṇajñā munīśvarāḥ
die Herren der Weisen, die diese Eigenschaften kennen
namo brahmanmune tubhyaṃ namaste brahmamūrttaye /
namo brahmaṇyaśīlāya brahmadhyānaparāya ca
Verehrung dir, o brahmanischer Weiser; Verehrung dir, dessen Gestalt das Brahman ist; Verehrung dem, dessen Wesen dem Brahman zugetan ist, und der der Versenkung in das Brahman ergeben ist.
Wort für Wort
namo brahmanmune tubhyaṃ
Verehrung dir, o brahmanischer Weiser
namaste brahmamūrttaye
Verehrung dir, dessen Gestalt das Brahman ist
namo brahmaṇyaśīlāya
Verehrung dem, dessen Wesen dem Brahman zugetan ist
Darauf, überaus zufrieden mit ihm [?], sprach der Weise ehrerbietig: 'Dein Enkel wird, nachdem er die Gaṅgā herbeigeführt hat, deine Vorfahren in den Himmel führen.'
Wort für Wort
tatastasyātisaṃtuṣṭo [?] muniḥ
darauf, überaus zufrieden mit ihm [?], der Weise
provāca sādaram
sprach ehrerbietig
gaṅgāmānīya pautraste
nachdem er die Gaṅgā herbeigeführt hat, dein Enkel
nayiṣyati pitṝndivam
wird deine Vorfahren in den Himmel führen
[?] "ādisaṃtuṣṭo" unklar, vermutlich verderbt für "atisaṃtuṣṭo" ("überaus zufrieden").
Die Gaṅgā, der Fluss mit heiligem Wasser, von deinem Enkel herbeigeführt, wird diese, nachdem sie sie von ihrer Sünde reingewaschen hat, wahrlich zum höchsten Ort führen.
Wort für Wort
tvatpautreṇa samānītā
von deinem Enkel herbeigeführt
gaṅgā puṇyajalā nadī
die Gaṅgā, der Fluss mit heiligem Wasser
kṛtvaitāndhūtapāpānvai
nachdem sie diese von ihrer Sünde reingewaschen hat
'Bring dieses Pferd zurück, mein Kind, damit das Opfer vollendet werde.' Nachdem er zu seinem Großvater gelangt war, berichtete er, mit dem Pferd, das Geschehene.
Und darauf, Śiva verehrend, leitete er durch dessen Vermittlung den himmlischen Fluss zur Erde; nachdem er ihn hergeführt und seine Vorfahren mit dessen Wasser berührt hatte, führte er sie, gereinigt, in den Himmel.
Wort für Wort
tataśca śivamārādhya
und darauf, Śiva verehrend
taddvārā svarṇadīṃ bhuvam
durch dessen Vermittlung den himmlischen Fluss zur Erde
ānīya tajjalaiḥ spṛṣṭvā
nachdem er ihn hergeführt und mit dessen Wasser berührt hatte
pūtānninye divaṃ pitṝn
führte er die Gereinigten, seine Vorfahren, in den Himmel
vaśiṣṭaśāpātprātpaḥ sa saudāso rākṣasīṃ tanum /
gaṅgābinduniṣeveṇaṃpunarmukto nṛpo 'bhavat
Durch den Fluch Vasiṣṭhas erlangte jener Saudāsa eine Rākṣasa-Gestalt; durch den bloßen Genuss eines Tropfens Gaṅgāwassers wurde der König wieder davon befreit.
Wort für Wort
vaśiṣṭaśāpātprātpaḥ
durch den Fluch Vasiṣṭhas erlangte
sa saudāso rākṣasīṃ tanum
jener Saudāsa eine Rākṣasa-Gestalt
gaṅgābinduniṣevaṇena
durch den Genuss eines Tropfens Gaṅgāwassers
punarmukto nṛpo 'bhavat
wurde der König wieder befreit
[Anm.: Dies beantwortet die zu Beginn des Kapitels (V.1) von Nārada gestellte Frage nach dem aus dem Geschlecht Sagaras von seinem dämonischen Zustand Befreiten.]