Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 7: sagarasya janmāhaṃkāravṛttāntaḥ kapilaśāpaśca Sagaras Geburt und Geschichte, der Fluch Kapilas und die Herabführung der Gaṅgā

sanaka uvāca / evamaurvāśrame te dve bāhubhārye munīśvara / cakrāte bhaktibhāvena śuśrūṣaāṃ prativāsararam

Sanaka sprach: So leisteten jene beiden Gattinnen Bāhus in der Einsiedelei Aurvas, o Herr der Weisen, Tag für Tag mit hingebungsvoller Gesinnung Dienst.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach
evamaurvāśrame te dve bāhubhārye
so jene beiden Gattinnen Bāhus in der Einsiedelei Aurvas
munīśvara
o Herr der Weisen
cakrāte bhaktibhāvena
vollzogen mit hingebungsvoller Gesinnung
śuśrūṣāṃ prativāsararam
Dienst Tag für Tag

gate varṣārdhdake kāle jyeṣṭhā rājñī tu yā dvija / tasyāḥ pāpamatirjātā sapatnyāḥ saṃpadaṃ prati

Als ein halbes Jahr vergangen war, entstand bei der älteren Königin, o Zweifachgeborener, ein böser Gedanke gegenüber dem bevorstehenden Wohlergehen ihrer Mitfrau.

Wort für Wort
gate varṣārdhake kāle
als ein halbes Jahr vergangen war
jyeṣṭhā rājñī tu yā dvija
die ältere Königin aber, o Zweifachgeborener
tasyāḥ pāpamatirjātā
bei ihr entstand ein böser Gedanke
sapatnyāḥ saṃpadaṃ prati
gegenüber dem Wohlergehen ihrer Mitfrau

tatastayā garo dattaḥ kaniṣṭhāyai tu pāpayā / na svaprabhāvaṃ cakre vai garo muniniṣevayā

Darauf gab die Sündige der jüngeren Königin Gift; doch entfaltete das Gift durch die Kraft des Dienstes am Weisen nicht seine Wirkung.

Wort für Wort
tatastayā garo dattaḥ
darauf gab sie Gift
kaniṣṭhāyai tu pāpayā
der jüngeren, von der Sündigen
na svaprabhāvaṃ cakre vai
es entfaltete nicht seine Wirkung
garo muniniṣevayā
das Gift, durch den Dienst am Weisen

bhūlepanādibhiḥ samyagyataḥ sāmudinaṃ muneḥ / cakāra sevāṃ tenāsau jīrṇapuṇyena karmaṇā

Da sie durch das Bestreichen des Bodens und dergleichen ordnungsgemäß und freudig dem Weisen Dienst erwies, wurde durch diese verdienstvolle Handlung das Gift unwirksam.

Wort für Wort
bhūlepanādibhiḥ samyagyataḥ
durch das Bestreichen des Bodens u.dgl., ordnungsgemäß
sā mudā muneḥ
sie, freudig, dem Weisen
cakāra sevāṃ
erwies Dienst
tenāsau jīrṇapuṇyena karmaṇā
dadurch, durch diese verdienstvolle Handlung, wurde es unwirksam

[Anm.: Konstruktion des Verses unsicher, sinngemäß wiedergegeben.]

tato māsa traye 'tīte gareṇa sahitaṃsutam / suṣāva suśubhe kāle śuśrūṣānaṣṭakilbiṣā

Darauf, als drei Monate vergangen waren, gebar sie zu einer sehr günstigen Zeit einen Sohn zusammen mit dem Gift - sie, deren Verfehlung durch ihren Dienst ausgelöscht war.

Wort für Wort
tato māsatraye 'tīte
darauf, als drei Monate vergangen waren
gareṇa sahitaṃsutam
einen Sohn zusammen mit dem Gift
suṣāva suśubhe kāle
gebar sie zu sehr günstiger Zeit
śuśrūṣānaṣṭakilbiṣā
sie, deren Verfehlung durch den Dienst ausgelöscht war

aho satsaṃgatirloke kiṃ pāpaṃ na vināśayet / na tadātisukhaṃ kiṃ vā narāṇāṃ puṇyakarmaṇām

Ach, welche Sünde sollte der Umgang mit den Guten in der Welt nicht vernichten? Gibt es nicht jenes höchste Glück für Menschen von verdienstvollem Handeln?

Wort für Wort
aho satsaṃgatirloke
ach, der Umgang mit den Guten in der Welt
kiṃ pāpaṃ na vināśayet
welche Sünde sollte er nicht vernichten
na tadātisukhaṃ kiṃ vā
gibt es nicht jenes höchste Glück
narāṇāṃ puṇyakarmaṇām
für Menschen von verdienstvollem Handeln

jñānājñānakṛtaṃ pāpaṃ yaccānyatkārītaṃ paraiḥ / tatsarvaṃ nāśayatyāśu paricaryā mahātmanām

Die in Wissen oder Unwissenheit begangene Sünde, und was auch immer von anderen veranlasst wurde - all dies vernichtet rasch der Dienst an großen Seelen.

Wort für Wort
jñānājñānakṛtaṃ pāpaṃ
die in Wissen oder Unwissenheit begangene Sünde
yaccānyatkārītaṃ paraiḥ
und was von anderen veranlasst wurde
tatsarvaṃ nāśayatyāśu
all dies vernichtet rasch
paricaryā mahātmanām
der Dienst an großen Seelen

jaḍo 'pi yāti pūjyatvaṃ satsaṃgājjagatītalaṃ / kalāmātro 'pi śītāśuḥ śaṃbhunā svīkṛto yathā

Selbst ein Stumpfsinniger erlangt durch den Umgang mit den Guten Verehrungswürdigkeit auf Erden, so wie der nur noch aus einer einzigen Phase bestehende Mond von Śambhu (Śiva) angenommen wurde.

Wort für Wort
jaḍo 'pi yāti pūjyatvaṃ
selbst ein Stumpfsinniger erlangt Verehrungswürdigkeit
satsaṃgājjagatītalaṃ
durch den Umgang mit den Guten auf Erden
kalāmātro 'pi śītāśuḥ
der nur aus einer Phase bestehende Mond
śaṃbhunā svīkṛto yathā
so wie er von Śambhu angenommen wurde

satsaṃgatiḥ parāmṛddhiṃ dadāti hi nṛṇāṃ sadā / ihāmutra ca vignendra santaḥ pūjyatamāstataḥ

Der Umgang mit den Guten verleiht den Menschen stets höchsten Wohlstand, hier und im Jenseits, o Fürst der Weisen [?]; deshalb sind die Guten die Verehrungswürdigsten.

Wort für Wort
satsaṃgatiḥ parāmṛddhiṃ dadāti hi
der Umgang mit den Guten verleiht höchsten Wohlstand
nṛṇāṃ sadā
den Menschen stets
ihāmutra ca
hier und im Jenseits
munīndra [?]
o Fürst der Weisen [?]
santaḥ pūjyatamāstataḥ
deshalb sind die Guten die Verehrungswürdigsten

[?] "vignendra" vermutlich verderbt für eine Anrede wie "munīndra" ("Fürst der Weisen").

aho mahagduṇānvaktuṃ kaḥ samartho munīśvarā / garbhaṃ prātpo garo jīrṇo māsatrayamaho 'dbhutam

Ach, wer ist fähig, o Herren der Weisen, die großen Vorzüge der Guten zu beschreiben? Das Gift, in den Mutterleib gelangt, wurde drei Monate lang verdaut - ach, welch ein Wunder!

Wort für Wort
aho mahagduṇānvaktuṃ
ach, die großen Vorzüge zu beschreiben
kaḥ samartho munīśvarā
wer ist fähig, o Herren der Weisen
garbhaṃ prātpo garo jīrṇo
das Gift, in den Mutterleib gelangt, wurde verdaut
māsatrayamaho 'dbhutam
drei Monate lang - ach, ein Wunder

gareṇa sahitaṃ putraṃ dṛṣṭvā tejonidhirmuniḥ / jātakarma cacakārāsau tannāma sagareti ca

Als der Weise, ein Schatz an Glanz, den mit dem Gift geborenen Sohn erblickte, vollzog er das Geburtsritual und gab ihm den Namen 'Sagara' ('mit Gift').

Wort für Wort
gareṇa sahitaṃ putraṃ dṛṣṭvā
den mit dem Gift geborenen Sohn erblickend
tejonidhirmuniḥ
der Weise, ein Schatz an Glanz
jātakarma cacakārāsau
vollzog er das Geburtsritual
tannāma sagareti ca
und gab ihm den Namen Sagara

pupoṣa sagaraṃ bālaṃ tanmātā prītipūrvakam / caulopavītakarmāṇi tathā cakre munīśvaraḥ

Seine Mutter zog den Knaben Sagara liebevoll auf; die Riten der Haarschur und der heiligen Fadeninvestitur vollzog ebenso der Herr der Weisen.

Wort für Wort
pupoṣa sagaraṃ bālaṃ
zog den Knaben Sagara auf
tanmātā prītipūrvakam
seine Mutter, liebevoll
caulopavītakarmāṇi tathā
die Riten der Haarschur und Fadeninvestitur ebenso
cakre munīśvaraḥ
vollzog der Herr der Weisen

śāstrāṇyadhyāpayāmāsa rājayogyāni mantravit / samarthaṃ sagaraṃ dṛṣṭvā kiñcidudbhinnaśaiśavam

Als er sah, dass Sagara fähig und das Kindesalter ein wenig überschritten hatte, lehrte ihn der Mantra-Kundige die für einen König geeigneten Lehrschriften.

Wort für Wort
śāstrāṇyadhyāpayāmāsa
er lehrte die Lehrschriften
rājayogyāni mantravit
die für einen König geeigneten, der Mantra-Kundige
samarthaṃ sagaraṃ dṛṣṭvā
als er sah, dass Sagara fähig war
kiñcidudbhinnaśaiśavam
das Kindesalter ein wenig überschritten habend

mantravatsarva śāstrāstraṃ dattavānsa munīśvaraḥ / sagaraḥ śikṣitastena samyagaurvarṣiṇā mune

Der Herr der Weisen gab ihm alle Lehrschriften und Waffen samt ihren Mantras; Sagara wurde von diesem Weisen Aurva gründlich unterwiesen, o Weiser.

Wort für Wort
mantravatsarva śāstrāstraṃ
alle Lehrschriften und Waffen samt Mantras
dattavānsa munīśvaraḥ
gab der Herr der Weisen
sagaraḥ śikṣitastena
Sagara wurde von diesem unterwiesen
samyagaurvarṣiṇā mune
gründlich, vom Weisen Aurva, o Weiser

babhūva balavāndharmi kṛtajño guṇavānsudhīḥ / dharmajñaḥ so 'pi sagaro muneramitatejasaḥ / sabhitkuśāṃvupuṣpādi pratyahaṃ samupānayat

Er wurde kraftvoll, dem Dharma gemäß handelnd, dankbar, tugendhaft und von gutem Verstand; auch dieser dharma-kundige Sagara brachte dem Weisen von unermesslichem Glanz täglich Brennholz, Kuśa-Gras, Wasser, Blumen und dergleichen herbei.

Wort für Wort
babhūva balavāndharmi
er wurde kraftvoll, dem Dharma gemäß
kṛtajño guṇavānsudhīḥ
dankbar, tugendhaft, von gutem Verstand
dharmajñaḥ so 'pi sagaro
auch dieser dharma-kundige Sagara
muneramitatejasaḥ
für den Weisen von unermesslichem Glanz
samitkuśāmbupuṣpādi [?]
Brennholz, Kuśa-Gras, Wasser, Blumen u.dgl. [?]
pratyahaṃ samupānayat
brachte er täglich herbei

[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]

sa kadācidguṇinidhiḥ praṇipatya svamātaram / uvāca prāñjalirbhūtvā sagaro vinayānvitaḥ

Einst, nachdem er sich vor seiner Mutter verneigt hatte, sprach jener Schatz an Tugenden, Sagara, mit gefalteten Händen und von Bescheidenheit erfüllt:

Wort für Wort
sa kadācidguṇinidhiḥ
er, einst, jener Schatz an Tugenden
praṇipatya svamātaram
nachdem er sich vor seiner Mutter verneigt hatte
uvāca prāñjalirbhūtvā
sprach mit gefalteten Händen
sagaro vinayānvitaḥ
Sagara, von Bescheidenheit erfüllt

sagara uvāca / mātargataḥ pitā kutra kiṃnāmā kasya vaṃśajaḥ / tatsarvaṃ mesamācakṣva śrotuṃ kautūhalaṃ mama

Sagara sprach: O Mutter, wohin ist mein Vater gegangen? Wie hieß er, aus welchem Geschlecht stammte er? Erzähle mir das alles - mich verlangt danach, es zu hören.

Wort für Wort
sagara uvāca
Sagara sprach
mātargataḥ pitā kutra
o Mutter, wohin ist mein Vater gegangen
kiṃnāmā kasya vaṃśajaḥ
wie hieß er, aus welchem Geschlecht
tatsarvaṃ mesamācakṣva
das alles erzähle mir
śrotuṃ kautūhalaṃ mama
mich verlangt es zu hören

pitrā vihīnā ye loke jīvanto 'pi mṛtopamāḥ

Die in der Welt ohne Vater sind, gleichen, auch wenn sie leben, doch Toten.

Wort für Wort
pitrā vihīnā ye loke
die in der Welt ohne Vater sind
jīvanto 'pi mṛtopamāḥ
gleichen, auch lebend, Toten

[Anm.: Vers besteht in der Quelle nur aus einem Pāda; die zweite Vershälfte fehlt, unverändert wiedergegeben.]

darīdro 'pi pitā yasya hyāste sa dhanadopamaḥ / yasya mātā pitā nāsti sukhaṃ tasya na vidyate

Wessen Vater lebt, sei er auch arm, der gleicht einem Schätzegott; wer weder Mutter noch Vater hat, für den gibt es kein Glück.

Wort für Wort
darīdro 'pi pitā yasya hyāste
wessen Vater lebt, sei er auch arm
sa dhanadopamaḥ
der gleicht einem Schätzegott
yasya mātā pitā nāsti
wer weder Mutter noch Vater hat
sukhaṃ tasya na vidyate
für den gibt es kein Glück

dharmahīno yathā mūrkhaḥ paratreha ca ninditaḥ / mātāpitṛvihīnasya ajñasyāpyavivekinaḥ / aputrasya vṛthāṃ janma ṛṇagrastasya caiva hi

Wie ein Tor ohne Dharma hier und im Jenseits getadelt wird, so ist die Geburt vergeblich für den, der ohne Mutter und Vater ist, für den Unwissenden ohne Unterscheidungsvermögen, für den Kinderlosen und ebenso für den von Schulden Belasteten.

Wort für Wort
dharmahīno yathā mūrkhaḥ
wie ein Tor ohne Dharma
paratreha ca ninditaḥ
hier und im Jenseits getadelt
mātāpitṛvihīnasya ajñasyāpyavivekinaḥ
für den ohne Mutter und Vater, den Unwissenden ohne Unterscheidungsvermögen
aputrasya vṛthāṃ janma
vergeblich ist die Geburt eines Kinderlosen
ṛṇagrastasya caiva hi
und ebenso eines von Schulden Ergriffenen

[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]

candrahīnā yathā rātriḥ pahmahīnaṃ yathā saraḥ / patihīnā yathā nārī pitṛhīnastathā śiśuḥ

Wie eine Nacht ohne Mond, wie ein See ohne Lotos, wie eine Frau ohne Gatten - so ist ein Kind ohne Vater.

Wort für Wort
candrahīnā yathā rātriḥ
wie eine Nacht ohne Mond
pahmahīnaṃ yathā saraḥ
wie ein See ohne Lotos
patihīnā yathā nārī
wie eine Frau ohne Gatten
pitṛhīnastathā śiśuḥ
so ein Kind ohne Vater

dharmahīno yathā jantuḥ karmahīno yathā gṛhī / paśuhīno yathā vaiśyastayā pitrā vinārbhaktaḥ

Wie ein Wesen ohne Dharma, wie ein Hausherr ohne Pflichterfüllung, wie ein Vaiśya ohne Vieh - so ist ein Kind ohne Vater.

Wort für Wort
dharmahīno yathā jantuḥ
wie ein Wesen ohne Dharma
karmahīno yathā gṛhī
wie ein Hausherr ohne Pflichterfüllung
paśuhīno yathā vaiśyaḥ
wie ein Vaiśya ohne Vieh
tayā pitrā vinā arbhakaḥ
so ein Kind ohne Vater

satyahīnaṃ yathā vākyaṃ sādhuhīnā yathā sabhā / tapo yathā dayāhīnaṃ sathā pitrā vivārbhakaḥ

Wie eine Rede ohne Wahrheit, wie eine Versammlung ohne die Guten, wie eine Askese ohne Mitgefühl - so ist ein Kind ohne Vater.

Wort für Wort
satyahīnaṃ yathā vākyaṃ
wie eine Rede ohne Wahrheit
sādhuhīnā yathā sabhā
wie eine Versammlung ohne die Guten
tapo yathā dayāhīnaṃ
wie eine Askese ohne Mitgefühl
tathā pitrā vinā arbhakaḥ
so ein Kind ohne Vater

vṛkṣahīnaṃ yathāraṇyaṃ jalahīnā yathā nadī / bedahīno yathā vājī tathā pitrā vinārbhaktaḥ

Wie ein Wald ohne Bäume, wie ein Fluss ohne Wasser, wie ein Pferd ohne Schnelligkeit [?] - so ist ein Kind ohne Vater.

Wort für Wort
vṛkṣahīnaṃ yathāraṇyaṃ
wie ein Wald ohne Bäume
jalahīnā yathā nadī
wie ein Fluss ohne Wasser
vegahīno [?] yathā vājī
wie ein Pferd ohne Schnelligkeit [?]
tathā pitrā vinā arbhakaḥ
so ein Kind ohne Vater

[?] "bedahīno" unklar, vermutlich verderbt für "vegahīno" ("ohne Schnelligkeit").

yathā lagutaro loke mātaryāvñāparo naraḥ / tathā pitrā vihīnastu bahuduḥkhānvitaḥ sutaḥ

Wie gering in der Welt ein Mensch ist, der dem Gebot seiner Mutter nicht gehorcht [?], so ist ein Sohn ohne Vater von vielem Leid begleitet.

Wort für Wort
yathā laghutaro loke
wie gering in der Welt
mātaryājñāparo naraḥ [?]
ein Mensch, der der Mutter Gebot [nicht] befolgt [?]
tathā pitrā vihīnastu
so ein Sohn ohne Vater
bahuduḥkhānvitaḥ sutaḥ
von vielem Leid begleitet

[?] "māvñāparo" unklar, sinngemäß als "mātary ājñāparaḥ" (bezogen auf den Gehorsam gegenüber der Mutter) gedeutet.

itītitaṃ sutenaiṣā śrutvā niḥśvāsya duḥkhitā / saṃpṛṣṭaṃ tadyathāvṛttaṃ sarvaṃ tasmai nyavedayat

Nachdem sie dies vom Sohn Gesagte gehört hatte, seufzend und betrübt, teilte sie ihm alles, wonach er gefragt hatte, mit, wie es sich zugetragen hatte.

Wort für Wort
itītitaṃ sutenaiṣā śrutvā
dies vom Sohn Gesagte gehört habend
niḥśvāsya duḥkhitā
seufzend, betrübt
saṃpṛṣṭaṃ tadyathāvṛttaṃ
das Erfragte, wie es sich zugetragen hatte
sarvaṃ tasmai nyavedayat
teilte sie ihm alles mit

tacchutvā sagaraḥ kruddhaḥ kopasaṃrakta locanaḥ / haniṣyāmītyarātīnsa pratijñāmakarottadā

Als Sagara dies gehört hatte, wurde er zornig, mit vor Zorn geröteten Augen; 'Ich werde die Feinde töten!' - so legte er damals das Gelübde ab.

Wort für Wort
tacchutvā sagaraḥ kruddhaḥ
als Sagara dies gehört hatte, wurde er zornig
kopasaṃraktalocanaḥ
mit vor Zorn geröteten Augen
haniṣyāmītyarātīnsa
'ich werde die Feinde töten' - er
pratijñāmakarottadā
legte damals das Gelübde ab

pradakṣiṇīkṛtya muniṃ jananīṃ ca praṇamya saḥ / prasthāpitaḥ pratasthe ca tenaiva muninā vadā

Nachdem er den Weisen umschritten und sich vor der Mutter verneigt hatte, brach er, von eben diesem Weisen ausgesandt, auf.

Wort für Wort
pradakṣiṇīkṛtya muniṃ
nachdem er den Weisen umschritten hatte
jananīṃ ca praṇamya saḥ
und sich vor der Mutter verneigt hatte
prasthāpitaḥ pratasthe ca
ausgesandt, brach er auf
tenaiva muninā [?]
von eben diesem Weisen [?]

[?] "vadā" am Versende unklar, evtl. verderbt für "sadā" ("stets").

aurvāśramādriniṣkrāntaḥ sagaraḥ satyavāk śuciḥ / vaśiṣṭaṃ svakulācāryaṃ prātpaḥ prītisamanvitaḥ

Aus der Einsiedelei Aurvas herausgetreten, gelangte Sagara, wahrhaftig redend und rein, voller Freude zu Vasiṣṭha, dem Hauslehrer seines Geschlechts.

Wort für Wort
aurvāśramādviniṣkrāntaḥ
aus der Einsiedelei Aurvas herausgetreten
sagaraḥ satyavāk śuciḥ
Sagara, wahrhaftig redend, rein
vaśiṣṭaṃ svakulācāryaṃ
zu Vasiṣṭha, dem Hauslehrer seines Geschlechts
prāptaḥ prītisamanvitaḥ
gelangte, von Freude erfüllt

praṇamya gurave tasmai viśiṣṭāya mahātmane / sarvaṃ vijñāpatrāmāsa jñānadṛṣṭyā vijānate

Nachdem er sich vor jenem Lehrer verneigt hatte, dem Ausgezeichneten, der großen Seele, berichtete er ihm alles, ihm, der ohnehin schon mit dem Auge der Erkenntnis alles wusste.

Wort für Wort
praṇamya gurave tasmai
nachdem er sich vor jenem Lehrer verneigt hatte
viśiṣṭāya mahātmane
dem Ausgezeichneten, der großen Seele
sarvaṃ vijñāpayāmāsa
berichtete er ihm alles
jñānadṛṣṭyā vijānate
ihm, der mit dem Auge der Erkenntnis wusste

aindrāstraṃ vāruṇaṃ brāhmamāgreyaṃ sagaro nṛpaḥ / tenaiva munināvāpa khaḍgaṃ vajropamaṃ dhanuḥ

Die Waffen Indras, Varuṇas, Brahmās und Agnis, ein Schwert und einen dem Vajra gleichenden Bogen erlangte König Sagara eben von diesem Weisen.

Wort für Wort
aindrāstraṃ vāruṇaṃ brāhmamāgneyaṃ
die Waffen Indras, Varuṇas, Brahmās, Agnis
sagaro nṛpaḥ
König Sagara
tenaiva munināvāpa
erlangte eben von diesem Weisen
khaḍgaṃ vajropamaṃ dhanuḥ
ein Schwert, einen dem Vajra gleichenden Bogen

tatastenābhyanujñātaḥ sagaraḥ saumanasyavān / āśīrbhirarcitaḥ sadyaḥ pratasthe praṇipatya tam

Darauf, von ihm verabschiedet, brach Sagara, frohen Sinnes, sogleich, mit Segenssprüchen geehrt, auf, nachdem er sich vor ihm verneigt hatte.

Wort für Wort
tatastenābhyanujñātaḥ
darauf, von ihm verabschiedet
sagaraḥ saumanasyavān
Sagara, frohen Sinnes
āśīrbhirarcitaḥ sadyaḥ
sogleich mit Segenssprüchen geehrt
pratasthe praṇipatya tam
brach auf, nachdem er sich verneigt hatte

ekenaiva tu cāpena sa śūraḥ paripanthinaḥ / saputrapautrānsagaṇānakarotsvargāsinaḥ

Mit nur einem einzigen Bogen machte jener Held die Gegner, samt ihren Söhnen, Enkeln und Gefolgsleuten, zu Bewohnern des Himmels.

Wort für Wort
ekenaiva tu cāpena
mit nur einem einzigen Bogen
sa śūraḥ paripanthinaḥ
jener Held die Gegner
saputrapautrānsagaṇān
samt Söhnen, Enkeln, Gefolgsleuten
akarotsvargāsinaḥ
machte er zu Himmelsbewohnern

taccāpamuktabāṇāgnisaṃtatāstadarātavaḥ / kecidvinaṣṭā saṃtrastāstathā cānye pradudruvuḥ

Von den Pfeilfeuern, die diesem Bogen entfahren waren, versengt, wurden manche der Feinde vernichtet, verängstigt, und andere ebenso ergriffen die Flucht.

Wort für Wort
taccāpamuktabāṇāgnisaṃtatāstadarātavaḥ
von den diesem Bogen entfahrenen Pfeilfeuern versengt, jene Feinde
kecidvinaṣṭā saṃtrastāḥ
manche wurden vernichtet, verängstigt
tathā cānye pradudruvuḥ
und andere ergriffen die Flucht

kecidviśīrṇa keśāścavalmīkopari saṃsthitāḥ / tṛṇānyabhakṣayankecinnagrāśca viviśurjanalam

Manche mit zerzaustem Haar verharrten auf Ameisenhügeln, manche fraßen Gras, und andere tauchten nackt ins Wasser [?].

Wort für Wort
kecidviśīrṇakeśāśca
manche mit zerzaustem Haar
valmīkopari saṃsthitāḥ
auf Ameisenhügeln verharrend
tṛṇānyabhakṣayankecit
manche fraßen Gras
nagrāśca viviśurjalam [?]
und tauchten nackt ins Wasser [?]

[?] "janalam" unklar, vermutlich verderbt für "jalam" ("Wasser").

śakāśca yavanāśvevatathā cānye mahībhṛtaḥ / satvaraṃ śaraṇaṃ jagmurvaśiṣṭaṃ prāṇalolupāḥ

Die Śakas und die Yavanas ebenso, und andere Herrscher, suchten eilig, nach ihrem Leben verlangend, Zuflucht bei Vasiṣṭha.

Wort für Wort
śakāśca yavanāścaiva tathā
die Śakas und die Yavanas ebenso
cānye mahībhṛtaḥ
und andere Herrscher
satvaraṃ śaraṇaṃ jagmur
suchten eilig Zuflucht
vaśiṣṭaṃ prāṇalolupāḥ
bei Vasiṣṭha, nach ihrem Leben verlangend

jitakṣitirbāhuputro ripūngurusamīpagān / cārairvijñātavānsadyaḥ prātpa ścācāryasannidhim

Der Sohn Bāhus, der die Erde erobert hatte, erfuhr sogleich durch Kundschafter, dass die Feinde sich zum Lehrer geflüchtet hatten, und gelangte ebenfalls in dessen Nähe.

Wort für Wort
jitakṣitirbāhuputro
der Sohn Bāhus, der die Erde erobert hatte
ripūngurusamīpagān
dass die Feinde in die Nähe des Lehrers gegangen waren
cārairvijñātavānsadyaḥ
erfuhr sogleich durch Kundschafter
prāptaścācāryasannidhim
und gelangte in die Nähe des Lehrers

tamāgataṃ bāhusutaṃ niśamya munirvaśiṣṭaḥ śaraṇāgatāṃstān / trātuṃ ca śiṣyābhihitaṃ ca kartuṃ vivārayāmāsa tadā kṣaṇena

Als der Weise Vasiṣṭha wahrnahm, dass der Sohn Bāhus gekommen war, überlegte er im selben Augenblick, wie er zugleich jene, die Zuflucht gesucht hatten, retten und dem Wunsch seines Schülers entsprechen könnte.

Wort für Wort
tamāgataṃ bāhusutaṃ niśamya
als er wahrnahm, dass der Sohn Bāhus gekommen war
munirvaśiṣṭaḥ
der Weise Vasiṣṭha
śaraṇāgatāṃstān trātuṃ ca
und um die Zuflucht Suchenden zu retten
śiṣyābhihitaṃ ca kartuṃ
und um dem Schüler zu Willen zu sein
vivārayāmāsa tadā kṣaṇena
überlegte er im selben Augenblick

cakāra muṇḍāñśabarānyavanāṃllambamūrddhajān / andhāṃśca śmaśrulānsarvānmuṇḍānvedavahiṣkṛtān

Er verwandelte die Fliehenden: manche zu kahlgeschorenen Śabaras, manche zu Yavanas mit herabhängendem Haar, manche zu Blinden, alle mit Bärten, kahlgeschoren, aus der vedischen Gemeinschaft Ausgeschlossene.

Wort für Wort
cakāra muṇḍānśabarān
er machte manche zu kahlgeschorenen Śabaras
yavanāṃllambamūrddhajān
zu Yavanas mit herabhängendem Haar
andhāṃśca śmaśrulānsarvān
und blind, alle bärtig
muṇḍānvedavahiṣkṛtān
kahlgeschoren, aus dem Veda Ausgeschlossene

vasiṣṭamuninā tena hataprāyānnirīkṣya saḥ / prahasanprāha sagaraḥ svaguruṃ tapaso nidhim

Als er sah, dass sie von dem Weisen Vasiṣṭha nahezu vernichtet worden waren, sprach Sagara lachend zu seinem Lehrer, dem Schatz der Askese:

Wort für Wort
vasiṣṭamuninā tena hataprāyānnirīkṣya saḥ
als er sah, dass sie von Vasiṣṭha nahezu vernichtet worden waren
prahasanprāha sagaraḥ
sprach Sagara lachend
svaguruṃ tapaso nidhim
zu seinem Lehrer, dem Schatz der Askese

sāgara uvāca / bho bho guro durācārānetānrakṣasi tānvṛthā / sarvathāhaṃ haniṣyāmi matpiturdeśahārakān

Sagara sprach: O, o Lehrer, du beschützt diese Übeltäter vergeblich. Auf jeden Fall werde ich die Räuber des Landes meines Vaters töten.

Wort für Wort
sagara uvāca
Sagara sprach
bho bho guro
o, o Lehrer
durācārānetānrakṣasi tānvṛthā
du beschützt diese Übeltäter vergeblich
sarvathāhaṃ haniṣyāmi
auf jeden Fall werde ich töten
matpiturdeśahārakān
die Räuber des Landes meines Vaters

upekṣeta samarthaḥ sandharmasya paripanthinaḥ / sa eva sarvanāśāya hetubhūto na saṃśayaḥ

Wer, obwohl fähig, die Gegner des Dharma unbeachtet lässt, der wird eben zur Ursache des allgemeinen Untergangs - daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
upekṣeta samarthaḥ san
wer, obwohl fähig, übersieht
dharmasya paripanthinaḥ
die Gegner des Dharma
sa eva sarvanāśāya
eben der wird zum allgemeinen Untergang
hetubhūto na saṃśayaḥ
zur Ursache - kein Zweifel

bāndhavaṃ prathamaṃ matvā durjatāḥ sakalaṃ jagat / ta eva balahīnāścedbhajante 'tyantasādhutām

Zunächst geben sich die Bösen als Verwandte aus und betrügen so die gesamte Welt; eben diese heucheln, wenn sie machtlos sind, äußerste Rechtschaffenheit.

Wort für Wort
bāndhavaṃ prathamaṃ matvā
zunächst als Verwandten betrachtend
durjanāḥ sakalaṃ jagat
betrügen die Bösen die gesamte Welt
ta eva balahīnāścet
eben diese, wenn machtlos
bhajante 'tyantasādhutām
geben sich äußerster Rechtschaffenheit hin

aho māyākṛtaṃ karma khalāḥ kaśmalacetasaḥ / tāvatkurvanti kāryāṇi yāvatsyātprabalaṃ balam

Ach, welch trügerisches Tun! Die Bösen, von befleckter Gesinnung, vollziehen ihre Taten nur solange, wie ihre eigene Macht überlegen ist.

Wort für Wort
aho māyākṛtaṃ karma
ach, ein durch Täuschung bewirktes Tun
khalāḥ kaśmalacetasaḥ
die Bösen, von befleckter Gesinnung
tāvatkurvanti kāryāṇi
solange vollziehen sie ihre Taten
yāvatsyātprabalaṃ balam
solange die Macht überlegen ist

dāsabhāvaṃ ca śatrūṇāṃ vārastrīṇāṃ ca sauhṛdam / sādhubhāvaṃ ca sarpāṇāṃ śreyaskāmo na viśvaset

Der Unterwürfigkeit von Feinden, der Zuneigung von Freudenmädchen und der Rechtschaffenheit von Schlangen soll, wer nach Heil verlangt, nicht trauen.

Wort für Wort
dāsabhāvaṃ ca śatrūṇāṃ
der Unterwürfigkeit von Feinden
vārastrīṇāṃ ca sauhṛdam
und der Zuneigung von Freudenmädchen
sādhubhāvaṃ ca sarpāṇāṃ
und der Rechtschaffenheit von Schlangen
śreyaskāmo na viśvaset
soll, wer nach Heil verlangt, nicht trauen

prahāsaṃ kurvate nityaṃ yāndantāndarśayankhalāḥ / tāneva darśayantyāśu svasāmarthya viparyaye

Die Bösen, die beständig lachend ihre Zähne zeigen, zeigen eben diese Zähne rasch in anderer Weise, sobald sich das Kräfteverhältnis zu ihren Gunsten wendet.

Wort für Wort
prahāsaṃ kurvate nityaṃ
beständig lachen sie
yāndantāndarśayankhalāḥ
die Bösen, die dabei ihre Zähne zeigen
tāneva darśayantyāśu
eben diese zeigen sie rasch
svasāmarthya viparyaye
wenn sich ihre Kraft ins Gegenteil verkehrt

piśunā jihvayā pūrvaṃ paruṣaṃ pravadanti ca / atīva karuṇaṃ vākyaṃ vadantyeva tathābalāḥ

Zuerst reden sie mit verleumderischer Zunge hart, doch sprechen sie ebenso höchst mitleiderregende Worte, sobald sie machtlos sind.

Wort für Wort
piśunā jihvayā pūrvaṃ
zuvor mit verleumderischer Zunge
paruṣaṃ pravadanti ca
sprechen sie hart
atīva karuṇaṃ vākyaṃ
höchst mitleiderregende Worte
vadantyeva tathābalāḥ
sprechen sie ebenso, wenn machtlos

śreyaskāmo bhavedyastu nītiśāstrārthakovidaḥ / sādhutvaṃ samabhāvaṃ ca khalānāṃ naiva viśvaset

Wer nach Heil verlangt und im Sinn der Staatslehre kundig ist, der soll der Rechtschaffenheit und der scheinbaren Gleichgesinntheit der Bösen niemals trauen.

Wort für Wort
śreyaskāmo bhavedyastu
wer nach Heil verlangt
nītiśāstrārthakovidaḥ
kundig im Sinn der Staatslehre
sādhutvaṃ samabhāvaṃ ca khalānāṃ
der Rechtschaffenheit und Gleichgesinntheit der Bösen
naiva viśvaset
soll niemals trauen

durjanaṃ praṇatiṃ yānte mitraṃ kaitavaśīlitam / duṣṭāṃ bhāryāṃ ca viśvasto mṛta eva na saṃśayaḥ

Wer einem sich verneigenden Bösewicht, einem Freund von betrügerischer Wesensart oder einer schlechten Gattin vertraut, der ist eben so gut wie tot - daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
durjanaṃ praṇatiṃ yāntam
einem sich verneigenden Bösewicht
mitraṃ kaitavaśīlitam
einem Freund von betrügerischer Wesensart
duṣṭāṃ bhāryāṃ ca viśvasto
und einer schlechten Gattin, wer vertraut
mṛta eva na saṃśayaḥ
ist eben tot - kein Zweifel

mā rakṣa tasmādetānvai gorupavyāghrakarmiṇaḥ / hatvaitānakhilān duṣṭāṃstvatprasādānmahīṃ bhaje

Darum beschütze nicht diese, die in Gestalt von Kühen wie Tiger handeln; nachdem ich diese Bösewichte allesamt getötet habe, möge ich durch deine Gnade die Erde beherrschen.

Wort für Wort
mā rakṣa tasmādetānvai
darum beschütze nicht diese
gorupavyāghrakarmiṇaḥ
die in Kuhgestalt wie Tiger handeln
hatvaitānakhilān duṣṭāṃs
nachdem ich diese Bösewichte allesamt getötet habe
tvatprasādānmahīṃ bhaje
möge ich durch deine Gnade die Erde beherrschen

vaśiṣṭastadvacaḥ śrutvā suprīto munisattamaḥ / karābhyāṃ sagasyayāṅgaṃ spṛśannidamuvāca ha

Als Vasiṣṭha, der beste der Weisen, diese Worte gehört hatte, hocherfreut, berührte er mit seinen beiden Händen den Leib Sagaras und sprach dies:

Wort für Wort
vaśiṣṭastadvacaḥ śrutvā
als Vasiṣṭha diese Worte gehört hatte
suprīto munisattamaḥ
hocherfreut, der beste der Weisen
karābhyāṃ sagarasyāṅgaṃ spṛśan
mit beiden Händen den Leib Sagaras berührend
idamuvāca ha
sprach er dies

vasiṣṭa uvāca / sādhu sādhu mahābhāga satyaṃ vadasi suvrata / tathāpi madvacaṛ śrutvā parāṃ śāntiṃ labhiṣyasi

Vasiṣṭha sprach: Gut, gut, o Hochbeglückter, du sprichst die Wahrheit, o Tugendhafter; dennoch wirst du, wenn du meine Worte hörst, höchsten Frieden erlangen.

Wort für Wort
vasiṣṭa uvāca
Vasiṣṭha sprach
sādhu sādhu mahābhāga
gut, gut, o Hochbeglückter
satyaṃ vadasi suvrata
du sprichst die Wahrheit, o Tugendhafter
tathāpi madvacaḥ śrutvā
dennoch, meine Worte hörend
parāṃ śāntiṃ labhiṣyasi
wirst du höchsten Frieden erlangen

mayaite nihitāḥ pūrvaṃ tvatpratijñāvirodhinaḥ / hātānāṃ hanave kīrtiḥ kā samutpadyate vada

Diese wurden von mir zuvor bereits niedergehalten, auch wenn sie deinem Gelübde entgegenstehen; sag mir, welcher Ruhm entsteht noch durch das Töten von solchen, die bereits wie Getötete sind?

Wort für Wort
mayaite nihitāḥ pūrvaṃ
von mir wurden diese zuvor niedergehalten
tvatpratijñāvirodhinaḥ
die deinem Gelübde entgegenstehen
hatānāṃ hanane [?] kīrtiḥ kā
welcher Ruhm beim Töten von Getöteten [?]
samutpadyate vada
entsteht, sag

[?] "hātānāṃ hanave" unklar, vermutlich verderbt für "hatānāṃ hanane" ("beim Töten von Getöteten").

bhūmīśa jantavaḥ sarve karmapāśena yantritāḥ / tathāpi pāpairnihatāḥ kimarthaṃ haṃsi tānpunaḥ

O Herr der Erde, alle Wesen sind durch die Fessel des Karma gebunden; obwohl sie schon durch ihre eigenen Sünden zunichtegemacht sind, warum tötest du sie nochmals?

Wort für Wort
bhūmīśa jantavaḥ sarve
o Herr der Erde, alle Wesen
karmapāśena yantritāḥ
sind durch die Fessel des Karma gebunden
tathāpi pāpairnihatāḥ
obwohl schon durch Sünden zunichtegemacht
kimarthaṃ haṃsi tānpunaḥ
warum tötest du sie nochmals

dehastu pāpajanitaḥ pūrvapamevainasā hataḥ / ātmā hyabhedyaḥ pūrṇatvācchāstrāṇāmeṣa niścayaḥ

Der Körper aber, aus Sünde entstanden, wurde schon zuvor durch die Sünde selbst zunichtegemacht; das Selbst aber ist unzerstörbar, da es vollkommen ist - dies ist die feststehende Lehre der Schriften.

Wort für Wort
dehastu pāpajanitaḥ
der Körper aber, aus Sünde entstanden
pūrvameva enasā hataḥ
wurde schon zuvor durch die Sünde zunichtegemacht
ātmā hyabhedyaḥ pūrṇatvāt
das Selbst aber ist unzerstörbar, da vollkommen
śāstrāṇāmeṣa niścayaḥ
dies ist die Lehre der Schriften

svakarmaphalabhogānāṃ hetumātrā hi jantavaḥ / karmāṇi daivamūlāni devādhīnamidaṃ jagat

Die Lebewesen sind nur der äußere Anlass für das Erleiden der Früchte ihrer eigenen Taten; die Taten haben ihre Wurzel im Schicksal - diese Welt ist dem Schicksal unterworfen.

Wort für Wort
svakarmaphalabhogānāṃ hetumātrā hi jantavaḥ
die Lebewesen sind nur äußerer Anlass für das Erleiden der Früchte ihrer Taten
karmāṇi daivamūlāni
die Taten wurzeln im Schicksal
devādhīnamidaṃ jagat
diese Welt ist dem Schicksal unterworfen

ātmā hyabhedyaḥ rakṣitā duṣṭaśikṣitā / tato narairasvatantraiḥ kiṃ kāryaṃ sādhyate vada

Das Selbst ist wahrlich unzerstörbar [?] - was also lässt sich durch unfreie, von ihrem Karma gelenkte Menschen bewirken, sag?

Wort für Wort
ātmā hyabhedyaḥ [?]
das Selbst ist wahrlich unzerstörbar [?]
tato narairasvatantraiḥ
daher durch unfreie Menschen
kiṃ kāryaṃ sādhyate vada
was lässt sich bewirken, sag

[Anm.: Vers in der Quelle unvollständig/verderbt ("rakṣitā duṣṭaśikṣitā" ohne erkennbaren Anschluss), unverändert wiedergegeben; sinngemäß knapp übersetzt.]

śarīraṃ pāpasaṃbhūtaṃ pāpenaiva pravartate / pāpamūlamidaṃ jñātvā kathaṃ hantuṃ samudyataḥ

Der Körper, aus Sünde entstanden, wirkt eben durch Sünde; da du weißt, dass dies in der Sünde wurzelt, wie kannst du dich zum Töten anschicken?

Wort für Wort
śarīraṃ pāpasaṃbhūtaṃ
der Körper, aus Sünde entstanden
pāpenaiva pravartate
wirkt eben durch Sünde
pāpamūlamidaṃ jñātvā
dies als in der Sünde wurzelnd erkennend
kathaṃ hantuṃ samudyataḥ
wie kannst du dich zum Töten anschicken

ātmā śuddho 'pi dehastho dehīti procyate budhaiḥ / tasmādidaṃ vapurbhūpa pāpamūlaṃ na saṃśayaḥ

Das Selbst, obwohl rein, wird, solange es im Körper weilt, von den Weisen 'der Verkörperte' genannt; deshalb, o König, ist dieser Leib in der Sünde verwurzelt - daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
ātmā śuddho 'pi dehastho
das Selbst, obwohl rein, im Körper weilend
dehīti procyate budhaiḥ
wird von den Weisen 'der Verkörperte' genannt
tasmādidaṃ vapurbhūpa
deshalb, o König, dieser Leib
pāpamūlaṃ na saṃśayaḥ
in der Sünde verwurzelt - kein Zweifel

pāpamūlavapurhantuḥ kā kīrtistava bāhuja / bhaviṣyatīti niścitya naitānhiṃsīstataḥ suta

Welcher Ruhm wird dir, o Sohn Bāhus, aus dem Töten eines in Sünde wurzelnden Leibes erwachsen? Da dies feststeht, verletze diese nicht, mein Sohn.

Wort für Wort
pāpamūlavapurhantuḥ
dem Töter eines in Sünde wurzelnden Leibes
kā kīrtistava bāhuja
welcher Ruhm wird dir, Sohn Bāhus
bhaviṣyatīti niścitya
da dies feststeht
naitānhiṃsīstataḥ suta
verletze diese nicht, mein Sohn

iti śrutvā gurorvākyaṃ virarāma sa kopataḥ / spṛśankareṇa sagaraṃ nandanaṃ munayastadā

Nachdem er diese Worte des Lehrers gehört hatte, hielt Sagara in seinem Zorn inne; der Weise berührte da mit seiner Hand den Sohn Bāhus.

Wort für Wort
iti śrutvā gurorvākyaṃ
nachdem er diese Worte des Lehrers gehört hatte
virarāma sa kopataḥ
hielt er in seinem Zorn inne
spṛśankareṇa sagaraṃ
mit der Hand Sagara berührend
nandanaṃ munistadā
der Weise den Sohn, da

athātharvanidhistasya sagarasya mahātmanaḥ / rājyābhiṣekaṃ kṛtavānmunibhiḥ saha suvrataiḥ

Darauf vollzog er, ein Schatz an Atharva-Wissen, zusammen mit den tugendhaften Weisen die Königsweihe für diesen großherzigen Sagara.

Wort für Wort
athātharvanidhistasya
darauf der Atharva-Schatz für diesen
sagarasya mahātmanaḥ
Sagara, die große Seele
rājyābhiṣekaṃ kṛtavān
vollzog die Königsweihe
munibhiḥ saha suvrataiḥ
zusammen mit den tugendhaften Weisen

bhāryādvayaṃ ca tasyāsītkeśinī sumati stathā / kāśyapasya vidarbhasya tanaye munasattama

Und er hatte zwei Gattinnen, Keśinī und Sumati, die Töchter Kāśyapas und des Königs von Vidarbha, o bester der Weisen.

Wort für Wort
bhāryādvayaṃ ca tasyāsīt
und er hatte zwei Gattinnen
keśinī sumati stathā
Keśinī und ebenso Sumati
kāśyapasya vidarbhasya tanaye
die Töchter Kāśyapas und des Vidarbha-Königs
munisattama
o bester der Weisen

rājye pratiṣṭite dṛṣṭvā muniraurvastaponidhiḥ / vanādāgatya rājānaṃ saṃbhāṣya svāśramaṃ yayau

Als der Weise Aurva, ein Schatz der Askese, sah, dass Sagara im Königtum gefestigt war, kam er aus dem Wald, sprach mit dem König und kehrte in seine Einsiedelei zurück.

Wort für Wort
rājye pratiṣṭite dṛṣṭvā
als er sah, dass er im Königtum gefestigt war
muniraurvastaponidhiḥ
der Weise Aurva, ein Schatz der Askese
vanādāgatya rājānaṃ saṃbhāṣya
aus dem Wald kommend, mit dem König sprechend
svāśramaṃ yayau
kehrte er in seine Einsiedelei zurück

kadācittasya bhūpasya bhāryābhyāṃ prārthitomuniḥ / varaṃ dadāvapatyārthamaurvo bhārgavamantravit

Einst, von den beiden Gattinnen dieses Königs gebeten, gewährte der Weise Aurva, der Bhārgava, der Mantra-Kundige, einen Wunsch um Nachkommenschaft.

Wort für Wort
kadācittasya bhūpasya
einst, von diesem König
bhāryābhyāṃ prārthitomuniḥ
von den beiden Gattinnen gebeten, der Weise
varaṃ dadāvapatyārtham
gewährte einen Wunsch um Nachkommenschaft
aurvo bhārgavamantravit
Aurva, der Bhārgava, der Mantra-Kundige

kṣaṇaṃ dhyānasthito bhūtvā trikālajño munīśvaraḥ / keśitīṃ sumatiṃ caiva idamāha praharṣayam

Der Herr der Weisen, der die drei Zeiten kennt, verharrte einen Augenblick in Versenkung und sprach dann freudig dies zu Keśinī und Sumati:

Wort für Wort
kṣaṇaṃ dhyānasthito bhūtvā
einen Augenblick in Versenkung verharrend
trikālajño munīśvaraḥ
der Herr der Weisen, der die drei Zeiten kennt
keśinīṃ sumatiṃ caiva
zu Keśinī und Sumati
idamāha praharṣayan
sprach dies, freudig

aurva uvāca / ekā vaṃśadharaṃ caikamanyā ṣaḍyutāni ca / apatyārthaṃ mahābhāge vṛṇutāṃ ca yathepsitam

Aurva sprach: Die eine von euch möge einen einzigen, das Geschlecht fortführenden Sohn wählen, die andere sechzigtausend Söhne - wählt, o Hochbeglückte, zum Zweck der Nachkommenschaft, wie es euch beliebt.

Wort für Wort
aurva uvāca
Aurva sprach
ekā vaṃśadharaṃ caikam
die eine einen einzigen, geschlechtsfortsetzenden
anyā ṣaḍyutāni ca
die andere sechzigtausend
apatyārthaṃ mahābhāge
zum Zweck von Nachkommenschaft, o Hochbeglückte
vṛṇutāṃ ca yathepsitam
möge wählen, wie gewünscht

atha śrutvā vacastasya muneraurvasya nārada / keśinyekaṃ sutaṃ vavre vaṃśasantānakāraṇam

Als sie, o Nārada, die Worte des Weisen Aurva gehört hatte, wählte Keśinī einen einzigen Sohn, zur Fortführung des Geschlechts.

Wort für Wort
atha śrutvā vacastasya
als sie diese Worte gehört hatte
muneraurvasya nārada
des Weisen Aurva, o Nārada
keśinyekaṃ sutaṃ vavre
wählte Keśinī einen einzigen Sohn
vaṃśasantānakāraṇam
zur Fortführung des Geschlechts

ṣaṣṭisahasrāṇi sumatyā hyabhavansutāḥ / nāmnāsamañjāḥ keśinyāstanayo munisattama

Sechzigtausend Söhne wurden der Sumati geboren; der Sohn der Keśinī aber erhielt den Namen Asamañjas, o bester der Weisen.

Wort für Wort
ṣaṣṭisahasrāṇi sumatyā hyabhavansutāḥ
sechzigtausend Söhne wurden der Sumati geboren
nāmnāsamañjāḥ
mit Namen Asamañjas
keśinyāstanayo munisattama
der Sohn der Keśinī, o bester der Weisen

asamañjāstu karmāṇi cakāronmattaceṣṭitaḥ / taṃ dṛṣṭvā sāgarāḥ sarve hyāsandurvṛttacetasaḥ

Asamañjas aber vollzog seine Taten wie ein Verrückter; ihn erblickend, wurden alle Söhne Sagaras wahrlich von schlechtgesinntem Herzen.

Wort für Wort
asamañjāstu karmāṇi cakāra
Asamañjas aber vollzog Taten
unmattaceṣṭitaḥ
wie ein Verrückter sich gebärdend
taṃ dṛṣṭvā sāgarāḥ sarve
ihn erblickend, alle Söhne Sagaras
hyāsandurvṛttacetasaḥ
wurden wahrlich schlechtgesinnten Herzens

tadvālabhāvaṃ saṃduṣṭaṃ jñātvā bāhusuto nṛpaḥ / cintayāmāsa vidhivatputrakarma vigarhinam

Da der König, der Sohn Bāhus, dessen von Kindheit an verdorbenes Wesen erkannte, dachte er ordnungsgemäß über die zu tadelnde Tat seines Sohnes nach.

Wort für Wort
tadvālabhāvaṃ saṃduṣṭaṃ jñātvā
da er dessen von Kindheit an verdorbenes Wesen erkannte
bāhusuto nṛpaḥ
der König, der Sohn Bāhus
cintayāmāsa vidhivat
dachte er ordnungsgemäß nach
putrakarma vigarhinam
über die zu tadelnde Tat seines Sohnes

aho kaṣṭatarā loke durjanānāṃ hi saṃgatiḥ / kārukaistāḍyate vahṇirayaḥsaṃyogamātrataḥ

Ach, äußerst leidvoll ist in der Welt wahrlich der Umgang mit den Bösen: schon durch die bloße Verbindung mit Eisen wird das Feuer von den Handwerkern geschlagen.

Wort für Wort
aho kaṣṭatarā loke
ach, äußerst leidvoll in der Welt
durjanānāṃ hi saṃgatiḥ
wahrlich der Umgang mit den Bösen
kārukaistāḍyate vahniḥ
das Feuer wird von den Handwerkern geschlagen
ayaḥsaṃyogamātrataḥ
nur durch die Verbindung mit Eisen

[Anm.: Gemeint ist wohl, dass das Feuer durch den Kontakt mit dem vom Schmied bearbeiteten Eisen in Mitleidenschaft gezogen wird - ein Gleichnis für schädlichen Umgang.]

aṃśumānnāma tanayo babhūva hyasamañjasaḥ / śāstrajño guṇavāndharmī pitāmahahite rataḥ

Dem Asamañjas wurde ein Sohn namens Aṃśumān geboren, kundig in den Lehrschriften, tugendhaft, dem Dharma gemäß, am Wohl seines Großvaters erfreut.

Wort für Wort
aṃśumānnāma tanayo babhūva hyasamañjasaḥ
dem Asamañjas wurde ein Sohn namens Aṃśumān geboren
śāstrajño guṇavāndharmī
kundig in den Lehrschriften, tugendhaft, dem Dharma gemäß
pitāmahahite rataḥ
am Wohl seines Großvaters erfreut

durvṛttāḥ sāgarāḥ sarve lokopadrava kāriṇaḥ / anuṣṭānavatāṃ nityamantarāyā bhavanti te

Alle Söhne Sagaras, von schlechtem Betragen, fügten der Welt Schaden zu; sie wurden für die, die stets die rituellen Vorschriften einhielten, zu Hindernissen.

Wort für Wort
durvṛttāḥ sāgarāḥ sarve
alle Söhne Sagaras, von schlechtem Betragen
lokopadravakāriṇaḥ
die der Welt Schaden zufügten
anuṣṭhānavatāṃ nityam
für die, die stets die Vorschriften einhielten
antarāyā bhavanti te
wurden sie zu Hindernissen

hutāni yāni yajñeṣu havīṃṣi vidhitraddijaiḥ / bubhuje tāni sarvāṇi nirākṛtya divaukasaḥ

Welche Opfergaben auch immer in den Opfern von den Zweifachgeborenen vorschriftsmäßig dargebracht wurden - all diese verzehrten sie, nachdem sie die Götter davon zurückgewiesen hatten.

Wort für Wort
hutāni yāni yajñeṣu
welche Opfergaben in den Opfern
havīṃṣi vidhitaḥ dvijaiḥ
die Opferspeisen, vorschriftsmäßig von den Zweifachgeborenen
bubhuje tāni sarvāṇi
verzehrten sie alle
nirākṛtya divaukasaḥ
nachdem sie die Götter zurückgewiesen hatten

svargādāhṛtya savataṃ rambhādyā devayoṣitaḥ / bhajanti sāgarāstā vai kacagrahabalātkṛtāḥ

Nachdem sie Rambhā und andere Götterfrauen zusammen [?] aus dem Himmel herabgeholt hatten, missbrauchten die Söhne Sagaras diese wahrlich, indem sie sie am Haar packten und mit Gewalt bezwangen.

Wort für Wort
svargādāhṛtya savataṃ [?]
nachdem sie sie zusammen [?] aus dem Himmel herabgeholt hatten
rambhādyā devayoṣitaḥ
Rambhā und andere Götterfrauen
bhajanti sāgarāstā vai
missbrauchten die Söhne Sagaras diese wahrlich
kacagrahabalātkṛtāḥ
indem sie sie am Haar packten und mit Gewalt bezwangen

[?] "savataṃ" unklar/verderbt.

pārijātādivṛkṣāṇāṃ puṣpāṇyāhṛtya te khalāḥ / bhūṣayanti svadehāni madyapānaparāyaṇāḥ

Nachdem sie die Blüten der Pārijāta- und anderer himmlischer Bäume herbeigeschafft hatten, schmückten jene Bösewichte, dem Weingenuss ergeben, damit ihre eigenen Körper.

Wort für Wort
pārijātādivṛkṣāṇāṃ puṣpāṇyāhṛtya
nachdem sie die Blüten der Pārijāta- und anderer Bäume herbeigeschafft hatten
te khalāḥ
jene Bösewichte
bhūṣayanti svadehāni
schmückten ihre eigenen Körper
madyapānaparāyaṇāḥ
dem Weingenuss ergeben

sādhuvṛttīḥ samājahnuḥ sadācārānanāśayan / mitraiśca yodrumārabdhā balino 'tyantapāpinaḥ

Sie zerstörten das rechtschaffene Verhalten und vernichteten die guten Sitten; die mächtigen, überaus sündhaften Söhne begannen Kämpfe sogar mit Freunden [?].

Wort für Wort
sādhuvṛttīḥ samājahnuḥ
sie zerstörten das rechtschaffene Verhalten
sadācārānanāśayan
sie vernichteten die guten Sitten
mitraiśca yuddhamārabdhāḥ [?]
und begannen Kämpfe sogar mit Freunden [?]
balino 'tyantapāpinaḥ
die mächtigen, überaus sündhaften

[?] "yodrumārabdhā" unklar/verderbt, sinngemäß als "yuddham ārabdhāḥ" ("begannen Kampf") gedeutet.

etaddṛṣṭvātiduḥkhārtā devā indrapurogamāḥ / vicāraṃ paramaṃ cakrureteṣuṃ nāśahetave

Dies erblickend, überaus von Leid gequält, stellten die Götter, angeführt von Indra, höchste Überlegungen zum Zweck ihrer Vernichtung an.

Wort für Wort
etaddṛṣṭvātiduḥkhārtā
dies erblickend, überaus von Leid gequält
devā indrapurogamāḥ
die Götter, angeführt von Indra
vicāraṃ paramaṃ cakrur
stellten höchste Überlegung an
eteṣāṃ nāśahetave
zum Zweck von deren Vernichtung

niścitya vivudhāḥ sarve pātālāntaragocaram / kapilaṃ devadeveśaṃ yayuḥ pracchannarupiṇaḥ

Nachdem alle Götter dies beschlossen hatten, gingen sie in verborgener Gestalt zu Kapila, dem Gott der Götter, der im Innern der Unterwelt weilt.

Wort für Wort
niścitya vibudhāḥ sarve
nachdem alle Götter dies beschlossen hatten
pātālāntaragocaram
der im Innern der Unterwelt weilt
kapilaṃ devadeveśaṃ
zu Kapila, dem Gott der Götter
yayuḥ pracchannarupiṇaḥ
gingen sie in verborgener Gestalt

dhyāyantamātmanātmānaṃ parānaidaikavigraham / prāṇamya daṇḍavadrūmau tuṣṭuvuvridaśāstataḥ

Ihn, der über sich selbst durch sich selbst meditierte, dessen einzige Gestalt die höchste Wonne ist, priesen die Götter, nachdem sie sich wie ein Stock zu Boden geworfen hatten.

Wort für Wort
dhyāyantamātmanātmānaṃ
der über sich selbst durch sich selbst meditierte
parānandaikavigraham [?]
dessen einzige Gestalt die höchste Wonne ist [?]
prāṇamya daṇḍavadbhūmau
nachdem sie sich wie ein Stock zu Boden geworfen hatten
tuṣṭuvurvibudhāstataḥ
priesen die Götter darauf

[?] "parānaidaikavigraham" vermutlich verderbt für "parānandaikavigraham" ("dessen einzige Gestalt die höchste Wonne ist").

devā ūcuḥ / namaste yogine tubhyāṃ sāṅkhyayogaratāya ca / nararupapraticchinnaviṣṇave jiṣṇave namaḥ

Die Götter sprachen: Verehrung sei dir, dem Yogin, und dir, der du dem Sāṅkhya-Yoga zugetan bist; Verehrung sei Viṣṇu, der in Menschengestalt verborgen ist, dem Siegreichen.

Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
namaste yogine tubhyāṃ
Verehrung sei dir, dem Yogin
sāṅkhyayogaratāya ca
und dem dem Sāṅkhya-Yoga Zugetanen
nararupapraticchinnaviṣṇave jiṣṇave namaḥ
Verehrung dem in Menschengestalt verborgenen, siegreichen Viṣṇu

namaḥ pareśabhaktāya lokānugrahahetave / saṃsārāraṇyadāvāgre dharmapālanasetave

Verehrung dem dem höchsten Herrn Ergebenen, der der Grund für die Gunst gegenüber den Welten ist, dem Damm zum Schutz des Dharma im Waldbrand des Daseinskreislaufs.

Wort für Wort
namaḥ pareśabhaktāya
Verehrung dem dem höchsten Herrn Ergebenen
lokānugrahahetave
der Grund für die Gunst gegenüber den Welten
saṃsārāraṇyadāvāgre
im Waldbrand des Daseinskreislaufs
dharmapālanasetave
dem Damm zum Schutz des Dharma

mahate vītarāgāya tubhyaṃ bhūyo namo namaḥ / sāgaraiḥ pīḍitānasmāṃstrāyasva śaraṇāgatān

Dem Großen, dem von Leidenschaft Freien, dir sei nochmals Verehrung, Verehrung; errette uns, die von den Söhnen Sagaras Bedrängten, die wir Zuflucht bei dir gesucht haben.

Wort für Wort
mahate vītarāgāya
dem Großen, dem von Leidenschaft Freien
tubhyaṃ bhūyo namo namaḥ
dir nochmals Verehrung, Verehrung
sāgaraiḥ pīḍitānasmāṃs
uns, von den Söhnen Sagaras Bedrängten
trāyasva śaraṇāgatān
errette uns, die Zuflucht Suchenden

kapila uvāca / ye tu nāśamihecchanti yaśobaladhanāyuṣām / ta eva lokānbādhante nātrāśvāryaṃ sugetamāḥ

Kapila sprach: Die, welche den Untergang von Ruhm, Kraft, Reichtum und Lebensspanne anderer wünschen, eben diese bedrängen die Welten - darin liegt kein Wunder, o beste der Götter [?].

Wort für Wort
kapila uvāca
Kapila sprach
ye tu nāśamihecchanti
die, welche hier den Untergang wünschen
yaśobaladhanāyuṣām
von Ruhm, Kraft, Reichtum, Lebensspanne
ta eva lokānbādhante
eben diese bedrängen die Welten
nātrāścaryaṃ surottamāḥ [?]
kein Wunder darin, o beste der Götter [?]

[?] "sugetamāḥ" unklar/verderbt, vermutlich für eine Anrede wie "surottamāḥ" ("o beste der Götter").

yastu bādhitumiccheta janānniraparādhinaḥ / taṃ vidyātsarvalokeṣu pāpabhogarataṃ surāḥ

Wer aber unschuldige Menschen bedrängen will, den erkennt, o Götter, in allen Welten als einen, der sich am Genuss der Sünde erfreut.

Wort für Wort
yastu bādhitumiccheta
wer aber bedrängen will
janānniraparādhinaḥ
unschuldige Menschen
taṃ vidyātsarvalokeṣu
den erkennt in allen Welten
pāpabhogarataṃ surāḥ
als einen, der sich am Genuss der Sünde erfreut, o Götter

karmaṇā manasā vācā yastvanyānbādhate sadā / taṃ hanti daivamevāśu nātra kāryā vicāraṇā

Wer durch Tat, Gedanke und Wort andere stets bedrängt, den tötet das Schicksal selbst gar bald - daran ist nicht zu zweifeln.

Wort für Wort
karmaṇā manasā vācā
durch Tat, Gedanke und Wort
yastvanyānbādhate sadā
wer andere stets bedrängt
taṃ hanti daivamevāśu
den tötet das Schicksal gar bald
nātra kāryā vicāraṇā
daran ist nicht zu zweifeln

alpairahobhire vaite nāśameṣyanti sāgarāḥ / ityuktaṃ muninā tena kapilena mahātmanā / praṇamya taṃ yathānyāyaṃ gatā nākaṃ divaukasaḥ

'Schon in wenigen Tagen werden eben diese Söhne Sagaras dem Untergang entgegengehen' - so von jenem Weisen, Kapila, der großen Seele, gesprochen, kehrten die Götter, nachdem sie sich vorschriftsmäßig vor ihm verneigt hatten, in den Himmel zurück.

Wort für Wort
alpairahobhireva ete
schon in wenigen Tagen eben diese
nāśameṣyanti sāgarāḥ
werden die Söhne Sagaras dem Untergang entgegengehen
ityuktaṃ muninā tena kapilena mahātmanā
so von jenem Weisen Kapila, der großen Seele, gesprochen
praṇamya taṃ yathānyāyaṃ
nachdem sie sich vorschriftsmäßig vor ihm verneigt hatten
gatā nākaṃ divaukasaḥ
kehrten die Götter in den Himmel zurück

[Anm.: Vers hat drei statt zwei Pādas in der Quelle, unverändert wiedergegeben.]

atrāntare tu sagarovasiṣṭādyairmaharṣibhiḥ / ārebhe hayamedhākhyaṃ yajñaṃ karttumanuttamam

Unterdessen aber begann Sagara, zusammen mit Vasiṣṭha und anderen großen Weisen, das unübertreffliche, Aśvamedha genannte Opfer zu vollziehen.

Wort für Wort
atrāntare tu sagaro
unterdessen aber Sagara
vasiṣṭādyairmaharṣibhiḥ
mit Vasiṣṭha und anderen großen Weisen
ārebhe hayamedhākhyaṃ yajñaṃ
begann das Aśvamedha genannte Opfer
karttumanuttamam
das unübertreffliche, zu vollziehen

tadyajñe yojitaṃ satpimapahṛtya sureśvaraḥ / pātāle sthāpayāmāsa kapilo yatra tiṣṭati

Der Herr der Götter (Indra) raubte das für dieses Opfer bestimmte Pferd und setzte es in der Unterwelt ab, wo Kapila weilte.

Wort für Wort
tadyajñe yojitaṃ
das für dieses Opfer bestimmte
aśvamapahṛtya [?] sureśvaraḥ
der Herr der Götter, das Pferd raubend [?]
pātāle sthāpayāmāsa
setzte er in der Unterwelt ab
kapilo yatra tiṣṭati
wo Kapila weilte

[?] "satpim" unklar/verderbt, vermutlich für "aśvam" ("Pferd").

gūḍhavigrahaśakreṇa hṛtamaśvaṃ tu sāgarāḥ / anveṣṭuṃ babhrabhurlokān bhūrādīṃśca suvismitāḥ

Auf der Suche nach dem von Śakra (Indra) in verborgener Gestalt geraubten Pferd durchstreiften die Söhne Sagaras, höchst erstaunt, die Erde und andere Welten.

Wort für Wort
gūḍhavigrahaśakreṇa hṛtamaśvaṃ tu
das von Śakra in verborgener Gestalt geraubte Pferd aber
sāgarāḥ anveṣṭuṃ babhramurlokān
durchstreiften die Söhne Sagaras auf der Suche danach die Welten
bhūrādīṃśca suvismitāḥ
die Erde und andere, höchst erstaunt

ahaṣṭasatpayaste ca pātālaṃ gantu mudyatāḥ / cakhnurmahītalaṃ sarvamekaiko yojanaṃ pṛthak

Und jene Söhne [?], bereit, in die Unterwelt hinabzusteigen, durchgruben die gesamte Erdoberfläche, jeder für sich eine Strecke von einem Yojana.

Wort für Wort
ahaṣṭasatpayaste ca [?]
und jene [Söhne] [?]
pātālaṃ gantumudyatāḥ
bereit, in die Unterwelt hinabzusteigen
cakhnurmahītalaṃ sarvam
durchgruben die gesamte Erdoberfläche
ekaiko yojanaṃ pṛthak
jeder einzeln einen Yojana weit

[?] "ahaṣṭasatpayaste" unklar/verderbt (evtl. Zahlangabe zur Anzahl der Söhne, vgl. V.69).

mṛttikāṃ khanitāṃ te caudadhitīre samākiran / tadvāreṇa gatāḥ sarve pātālaṃ sagarātmajāḥ

Die ausgegrabene Erde häuften sie am Ufer des Ozeans auf; durch diese Öffnung gelangten alle Söhne Sagaras in die Unterwelt.

Wort für Wort
mṛttikāṃ khanitāṃ te ca
die von ihnen ausgegrabene Erde
udadhitīre samākiran
häuften sie am Ufer des Ozeans auf
tadvāreṇa gatāḥ sarve
durch diese Öffnung gelangten alle
pātālaṃ sagarātmajāḥ
die Söhne Sagaras in die Unterwelt

vicinvanti hayaṃ tatra madonmattā vicetasaḥ

Dort suchten sie, von Übermut berauscht und ihrer Sinne beraubt, nach dem Pferd.

Wort für Wort
vicinvanti hayaṃ tatra
dort suchten sie nach dem Pferd
madonmattā vicetasaḥ
von Übermut berauscht, ihrer Sinne beraubt

[Anm.: Vers besteht in der Quelle nur aus einem Pāda; die zweite Vershälfte fehlt, unverändert wiedergegeben.]

tatrāpaśyanmahātmānaṃ koṭisūryasamaprabham / kapilaṃ dhyānanirataṃ vājinaṃ ca tadantike

Dort erblickten sie die große Seele, an Glanz zehn Millionen Sonnen gleich, Kapila, in Versenkung vertieft, und das Ross in seiner Nähe.

Wort für Wort
tatrāpaśyanmahātmānaṃ
dort erblickten sie die große Seele
koṭisūryasamaprabham
an Glanz zehn Millionen Sonnen gleich
kapilaṃ dhyānanirataṃ
Kapila, in Versenkung vertieft
vājinaṃ ca tadantike
und das Ross in seiner Nähe

tataḥ sarve tu saṃrabdhā muniṃ dṛṣṭvātivegataḥ / hantumudyuktamanaso vidravantaḥ samāsadan

Da stürmten sie alle, erregt, als sie den Weisen erblickten, sehr rasch, mit dem Vorsatz zu töten, herbeieilend auf ihn zu.

Wort für Wort
tataḥ sarve tu saṃrabdhā
da alle, erregt
muniṃ dṛṣṭvātivegataḥ
den Weisen erblickend, sehr rasch
hantumudyuktamanaso
mit dem Vorsatz zu töten
vidravantaḥ samāsadan
herbeieilend näherten sie sich

hanyatāṃ hanyatāmeṣa vadhyatāṃ vadhyatāmayam / guhyatāṃ gṛhyatāmāśu ityūcuste parasparam

'Er soll getötet werden, getötet werden! Er soll erschlagen werden, erschlagen werden! Er soll rasch ergriffen werden, ergriffen werden!' - so riefen sie einander zu.

Wort für Wort
hanyatāṃ hanyatāmeṣa
er soll getötet werden, getötet werden
vadhyatāṃ vadhyatāmayam
er soll erschlagen werden, erschlagen werden
gṛhyatāṃ gṛhyatāmāśu [?]
er soll rasch ergriffen werden, ergriffen werden [?]
ityūcuste parasparam
so riefen sie einander zu

[?] "guhyatāṃ" vermutlich für "gṛhyatāṃ" ("ergriffen werden").

hṛtāśvaṃ sādhubhāvena bakavaddhyānatatparam / santi cāro khalā loke kurvantyāḍambaraṃ mahat

'Den Pferderäuber, der mit dem Anschein von Frömmigkeit wie ein Reiher in Versenkung vertieft scheint - es gibt eben solche Bösewichte in der Welt, die ein großes frommes Schaugepränge veranstalten!'

Wort für Wort
hṛtāśvaṃ
den Pferderäuber
sādhubhāvena bakavaddhyānatatparam
der mit dem Anschein von Frömmigkeit wie ein Reiher in Versenkung vertieft scheint
santi khalā loke [?]
es gibt Bösewichte in der Welt [?]
kurvantyāḍambaraṃ mahat
die großes Schaugepränge veranstalten

[Anm.: Zweite Vershälfte unsicher, sinngemäß als Fortsetzung der spöttischen Rede der Söhne Sagaras gedeutet.]

ityuccaranto jahasuḥ kapilaṃ te munīśvaram / samastendriyasaṃdohaṃ niyamyātmānamātmani

So ausrufend, verlachten sie jenen Kapila, den Herrn der Weisen, der die Gesamtheit seiner Sinne gezügelt und sein Selbst im Selbst verankert hatte.

Wort für Wort
ityuccaranto jahasuḥ
so ausrufend, verlachten sie
kapilaṃ te munīśvaram
jenen Kapila, den Herrn der Weisen
samastendriyasaṃdohaṃ niyamya
der die Gesamtheit seiner Sinne gezügelt hatte
ātmānamātmani
sein Selbst im Selbst verankert

āsthitaḥ kapilasteṣāṃ tatkarma jñātavānnahi

Kapila, in Versenkung verharrend, nahm deren Tun nicht wahr.

Wort für Wort
āsthitaḥ kapilaḥ
in Versenkung verharrend, Kapila
teṣāṃ tatkarma jñātavānnahi
nahm deren Tun nicht wahr

[Anm.: Vers besteht in der Quelle nur aus einem Pāda; die zweite Vershälfte fehlt, unverändert wiedergegeben.]

āsannamṛtyavaste tu vinaṣṭamatayo munim / padbhiḥ saṃtāḍayāmāsurbuhūṃ ca jagṛhuḥ pare

Jene aber, deren Tod nahe war, mit verdorbenem Verstand, traten den Weisen mit Füßen, und andere packten seinen Arm [?].

Wort für Wort
āsannamṛtyavaste tu
jene aber, deren Tod nahe war
vinaṣṭamatayo munim
mit verdorbenem Verstand, den Weisen
padbhiḥ saṃtāḍayāmāsur
traten sie mit Füßen
bāhuṃ [?] ca jagṛhuḥ pare
und andere packten den Arm [?]

[?] "buhūṃ" unklar, vermutlich verderbt für "bāhuṃ" ("Arm").

tatastyaktasamādhistu sa munirvismitastadā / uvāca bhāvagambhīraṃ lokopadravakāriṇaḥ

Darauf, seine Versenkung aufgebend, da erstaunt, sprach jener Weise mit tiefer Gesinnung zu jenen, die der Welt Schaden zugefügt hatten:

Wort für Wort
tatastyaktasamādhistu
darauf, seine Versenkung aufgebend
sa munirvismitastadā
jener Weise, da erstaunt
uvāca bhāvagambhīraṃ
sprach mit tiefer Gesinnung
lokopadravakāriṇaḥ
zu denen, die der Welt Schaden zufügten

aiśvaryamadamattānāṃ kṣudhitānāṃ ca kāminām / ahṝṅkāravimūḍhānāṃ viveko naiva jāyate

Bei denen, die vom Rausch der Macht berauscht sind, bei den Hungrigen und den von Begierde Getriebenen, bei den vom Hochmut Verblendeten - bei ihnen entsteht keine Unterscheidungskraft.

Wort für Wort
aiśvaryamadamattānāṃ
bei denen, die vom Rausch der Macht berauscht sind
kṣudhitānāṃ ca kāminām
bei den Hungrigen und den von Begierde Getriebenen
ahaṅkāravimūḍhānāṃ
bei den vom Hochmut Verblendeten
viveko naiva jāyate
entsteht keine Unterscheidungskraft

nidherādhāramātreṇa mahī jvalati sarvadā / tadeva mānavā bhuktvā jvalantīti kimadbhutam

Schon durch das bloße Vorhandensein eines vergrabenen Schatzes brennt die Erde beständig; was ist es da für ein Wunder, dass die Menschen, nachdem sie ihn genossen haben, selbst brennen?

Wort für Wort
nidherādhāramātreṇa
allein durch das Vorhandensein eines Schatzes
mahī jvalati sarvadā
brennt die Erde beständig
tadeva mānavā bhuktvā
eben dies, nachdem die Menschen es genossen haben
jvalantīti kimadbhutam
brennen sie - was ist daran verwunderlich

[Anm.: Anspielung auf die volkstümliche Vorstellung, vergrabene Schätze seien von magischem Feuer umgeben; sinngemäß als Bild für die verderbliche Wirkung von Reichtum gedeutet.]

kimatra citraṃ sujanaṃ bādhante yadi durjanāḥ / mahīruhāṃ ścānutaṭe pātayanti nadīrayāḥ

Was ist daran verwunderlich, wenn die Bösen die Guten bedrängen - bringen doch auch die reißenden Strömungen der Flüsse die Bäume am Uferrand zu Fall?

Wort für Wort
kimatra citraṃ
was ist daran verwunderlich
sujanaṃ bādhante yadi durjanāḥ
wenn die Bösen die Guten bedrängen
mahīruhāṃścānutaṭe
und die Bäume am Uferrand
pātayanti nadīrayāḥ
bringen die Flussströmungen zu Fall

yatra śrīryauṃvanaṃ vāpi śāradā vāpi tiṣṭati / tatrāśrīrvṛddhatā nityaṃ murkhatvaṃ cāpi jāyate

Wo Glanz, Jugend oder Bildung weilen - dort entstehen beständig auch Glanzlosigkeit, Alter und Torheit.

Wort für Wort
yatra śrīryauvanaṃ vāpi
wo Glanz und Jugend
śāradā vāpi tiṣṭati
oder auch Bildung weilt
tatrāśrīrvṛddhatā nityaṃ
dort entstehen beständig Glanzlosigkeit und Alter
mūrkhatvaṃ cāpi jāyate
und auch Torheit entsteht

aho kanakamāhātmyamākhyātuṃ kena śakyate / nāmasāmyādaho citraṃ dhattūro 'pimadapradaḥ

Ach, die Macht des Goldes (kanaka) - von wem kann sie in Worten beschrieben werden? Ach, welch ein Wunder: schon durch bloße Namensgleichheit wird auch der Stechapfel (kanaka-dhattūra) berauschend.

Wort für Wort
aho kanakamāhātmyam
ach, die Macht des Goldes
ākhyātuṃ kena śakyate
von wem kann sie beschrieben werden
nāmasāmyādaho citraṃ
durch Namensgleichheit - ach, welch Wunder
dhattūro 'pimadapradaḥ
wird auch der Stechapfel berauschend

[Anm.: Wortspiel mit "kanaka" als Bezeichnung sowohl für Gold als auch für eine Stechapfel-Art (Dhattūra).]

bhavedyadi khalasya śrīḥ saiva lokavināśinī / yathā sakhāgneḥ pavanaḥ pannagasya yathā viṣam

Wenn dem Bösen Reichtum zuteilwird, wird eben dieser zum Verderben der Welt - so wie der Wind, der Freund des Feuers, oder das Gift der Schlange.

Wort für Wort
bhavedyadi khalasya śrīḥ
wenn dem Bösen Reichtum zuteilwird
saiva lokavināśinī
eben dieser wird zum Verderben der Welt
yathā sakhāgneḥ pavanaḥ
wie der Wind, der Freund des Feuers
pannagasya yathā viṣam
wie das Gift der Schlange

aho dhanamadāndastu paśyannapi na paśyati / yadi paśyatyāmahitaṃ sa paśyati na saṃśayaḥ

Ach, der vom Rausch des Reichtums Geblendete sieht, auch wenn er mit Augen sieht, doch nicht wahrhaft; erst wenn er sein eigenes Unheil sieht [?], sieht er wahrlich - daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
aho dhanamadāndhastu
ach, der vom Rausch des Reichtums Geblendete
paśyannapi na paśyati
sieht, auch wenn er sieht, doch nicht
yadi paśyatyāhitaṃ [?]
wenn er das eigene Unheil sieht [?]
sa paśyati na saṃśayaḥ
dann sieht er wahrlich - kein Zweifel

[?] "āmahitaṃ" unklar, vermutlich verderbt für "āhitam" ("das Unheil").

ityuktvā kapilaḥ kruddho netrābhyāṃ sasṛje 'nalam / sa vahniḥ sāgarānsarvānbhasmasādakarotkṣaṇāt

So sprechend, ließ Kapila, zornig, aus seinen beiden Augen Feuer entstehen; dieses Feuer machte alle Söhne Sagaras im Augenblick zu Asche.

Wort für Wort
ityuktvā kapilaḥ kruddho
so sprechend, Kapila, zornig
netrābhyāṃ sasṛje 'nalam
ließ aus beiden Augen Feuer entstehen
sa vahniḥ sāgarānsarvān
dieses Feuer alle Söhne Sagaras
bhasmasādakarotkṣaṇāt
machte im Augenblick zu Asche

yannetrajānalaṃ dṛṣṭvā pātālatalavāsinaḥ / akālapralayaṃ matvā cukruśuḥ śokalālasāḥ

Als die Bewohner des Grundes der Unterwelt dieses aus den Augen entstandene Feuer erblickten, hielten sie es für eine vorzeitige Weltvernichtung und schrien, von Kummer ergriffen, auf.

Wort für Wort
yannetrajānalaṃ dṛṣṭvā
als sie dieses aus den Augen entstandene Feuer erblickten
pātālatalavāsinaḥ
die Bewohner des Grundes der Unterwelt
akālapralayaṃ matvā
es für eine vorzeitige Weltvernichtung haltend
cukruśuḥ śokalālasāḥ
schrien sie, von Kummer ergriffen, auf

tadagnitāpitāḥ sarve dandaśūkāśca rākṣasāḥ / sāgaraṃ viviśuḥ śīghraṃ satāṃ kopo hi duḥsahaḥ

Von diesem Feuer versengt, tauchten alle Schlangen und Dämonen rasch in den Ozean - der Zorn der Guten ist wahrlich unerträglich.

Wort für Wort
tadagnitāpitāḥ sarve
von diesem Feuer versengt, alle
dandaśūkāśca rākṣasāḥ
Schlangen und Dämonen
sāgaraṃ viviśuḥ śīghraṃ
tauchten rasch in den Ozean
satāṃ kopo hi duḥsahaḥ
der Zorn der Guten ist wahrlich unerträglich

atha tasya mahīpasya samāgamyādhvaraṃ tadā / devadūta uvācedaṃ sarvaṃ vṛttaṃ hi yakṣate

Darauf kam ein Götterbote zum Opferplatz jenes Königs und berichtete ihm alles, was sich zugetragen hatte, wahrheitsgemäß [?].

Wort für Wort
atha tasya mahīpasya
darauf, zu jenem König
samāgamyādhvaraṃ tadā
zum Opferplatz kommend, da
devadūta uvācedaṃ sarvaṃ vṛttaṃ
sprach ein Götterbote alles Geschehene
hi [?]
wahrlich [?]

[?] "yakṣate" unklar/verderbt, sinngemäß als "wie es sich zugetragen hatte" gedeutet.

etatsamākarṇya vacaḥ sagaraḥ sarvavitprabhuḥ / daivena śikṣitā duṣṭā ityuvācāti harṣitaḥ

Als Sagara, der allwissende Herrscher, diese Worte vernommen hatte, sprach er, höchst erfreut: 'Die Bösewichte wurden vom Schicksal gezüchtigt.'

Wort für Wort
etatsamākarṇya vacaḥ
nachdem er diese Worte vernommen hatte
sagaraḥ sarvavitprabhuḥ
Sagara, der allwissende Herrscher
daivena śikṣitā duṣṭā
die Bösewichte wurden vom Schicksal gezüchtigt
ityuvācāti harṣitaḥ
so sprach er, höchst erfreut

mātā vā janako vāpi bhrātā vā tanayo 'pi vā / adharmaṃ kurute yastu sa eva ripuriṣyate

Sei es die Mutter, der Vater, der Bruder oder auch der Sohn - wer Unrecht begeht, der gilt eben als Feind.

Wort für Wort
mātā vā janako vāpi
sei es die Mutter oder der Vater
bhrātā vā tanayo 'pi vā
der Bruder oder auch der Sohn
adharmaṃ kurute yastu
wer Unrecht begeht
sa eva ripuriṣyate
der gilt eben als Feind

yastvadharmeṣu nirataḥ sarvalokavirodhakṛt / taṃ ripuṃ paramaṃ vidyācchāstrāṇāmeṣa nirṇayaḥ

Wer dem Unrecht ergeben ist und sich der ganzen Welt entgegenstellt, den erkenne als höchsten Feind - dies ist die feststehende Lehre der Schriften.

Wort für Wort
yastvadharmeṣu nirataḥ
wer dem Unrecht ergeben ist
sarvalokavirodhakṛt
und sich der ganzen Welt entgegenstellt
taṃ ripuṃ paramaṃ vidyāt
den erkenne als höchsten Feind
chāstrāṇāmeṣa nirṇayaḥ
dies ist die Lehre der Schriften

sagaraḥ putranāśe 'pi na śuśoca munīśvaraḥ / durvṛttanidhanaṃ yasmātsatāmutsāha kāraṇam

Sagara trauerte selbst beim Verlust seiner Söhne nicht, o Herr der Weisen, da der Tod von Übeltätern für die Guten ein Grund zur Ermutigung ist.

Wort für Wort
sagaraḥ putranāśe 'pi
Sagara selbst beim Verlust der Söhne
na śuśoca munīśvaraḥ
trauerte nicht, o Herr der Weisen
durvṛttanidhanaṃ yasmāt
da der Tod der Übeltäter
satāmutsāha kāraṇam
für die Guten ein Grund zur Ermutigung ist

yajñeṣvanadhikāratvādaputrāṇāmiti smṛteḥ / pautraṃ tamaṃśumantaṃ hi putratve katavānprabhuḥ

Da Kinderlose gemäß der überlieferten Lehre keine Berechtigung zur Durchführung von Opfern haben, setzte der Herrscher Sagara eben jenen Enkel Aṃśumān an die Stelle eines Sohnes ein.

Wort für Wort
yajñeṣvanadhikāratvāt
da sie keine Berechtigung zu Opfern haben
aputrāṇāmiti smṛteḥ
für Kinderlose, gemäß der Lehre
pautraṃ tamaṃśumantaṃ hi
eben jenen Enkel Aṃśumān
putratve kṛtavānprabhuḥ
setzte der Herrscher an die Stelle eines Sohnes ein

asamañjaḥsutaṃ tu sudhīyaṃ vāgvidāṃvaram / yuyoja sāravidbhūyo hyaścānayanakarmaṇi

Den Sohn des Asamañjas aber, klug und den vorzüglichsten unter den Redekundigen, betraute der das Wesentliche kennende Sagara abermals mit der Aufgabe, das Pferd zurückzuholen.

Wort für Wort
asamañjaḥsutaṃ tu sudhīyaṃ
den Sohn des Asamañjas aber, klug
vāgvidāṃvaram
den vorzüglichsten unter den Redekundigen
yuyoja sāravidbhūyo
betraute der das Wesentliche Kennende abermals
hyaśvānayanakarmaṇi
wahrlich mit der Aufgabe, das Pferd zurückzuholen

sa gatastadviladvāre dṛṣṭvā taṃ munipuṅgavam / kapilaṃ tejasāṃrāśiṃ sāṣṭāṅgaṃpraṇanāmahā

Er, dorthin an jene Höhlenöffnung gegangen, verneigte sich, als er jenen Stier unter den Weisen, Kapila, den Haufen an Glanz, erblickte, mit acht Gliedern zu Boden.

Wort für Wort
sa gatastadviladvāre
er, dorthin an jene Höhlenöffnung gegangen
dṛṣṭvā taṃ munipuṅgavam
als er jenen Stier unter den Weisen erblickte
kapilaṃ tejasāṃrāśiṃ
Kapila, den Haufen an Glanz
sāṣṭāṅgaṃ praṇanāma ha
verneigte er sich mit acht Gliedern zu Boden

kṛtāñjalipuṭo bhūtvā vinaye nāgrataḥ sthitaḥ / uvāca śāntamanasaṃ devadevaṃ sanātanam

Mit gefalteten Händen, in Bescheidenheit vor ihm stehend, sprach er zu dem von ruhigem Geist, dem ewigen Gott der Götter:

Wort für Wort
kṛtāñjalipuṭo bhūtvā
mit gefalteten Händen
vinaye nāgrataḥ sthitaḥ
in Bescheidenheit vor ihm stehend
uvāca śāntamanasaṃ
sprach zu dem von ruhigem Geist
devadevaṃ sanātanam
dem ewigen Gott der Götter

aṃśumānuvāca / dauḥśīlyaṃ yatkṛtaṃ brahmanmatpitṛvyaiḥ kṣamasvatat / paropakāraniratāḥ kṣamāsārā hi sādhavaḥ

Aṃśumān sprach: Welche schlechte Tat auch immer von meinen Onkeln begangen wurde, o Brahmane, vergib sie; die Guten sind, dem Wohl anderer zugetan, wahrlich von der Substanz der Vergebung.

Wort für Wort
aṃśumānuvāca
Aṃśumān sprach
dauḥśīlyaṃ yatkṛtaṃ brahman
welche schlechte Tat auch immer, o Brahmane
matpitṛvyaiḥ kṣamasvatat
von meinen Onkeln (begangen), vergib dies
paropakāraniratāḥ
dem Wohl anderer zugetan
kṣamāsārā hi sādhavaḥ
die Guten sind wahrlich von der Substanz der Vergebung

durjaneṣvapi sattveṣu dayāṃ kurvanti sādhavaḥ / nahi saṃharatejyotsnāṃ candraścāṇḍālaveśmanaḥ

Selbst gegenüber bösen Wesen üben die Guten Mitleid - entzieht doch auch der Mond dem Haus eines Caṇḍāla nicht sein Licht.

Wort für Wort
durjaneṣvapi sattveṣu
selbst gegenüber bösen Wesen
dayāṃ kurvanti sādhavaḥ
üben die Guten Mitleid
nahi saṃharate jyotsnāṃ
denn er entzieht nicht sein Licht
candraścāṇḍālaveśmanaḥ
der Mond dem Haus eines Caṇḍāla

bādhyamāno 'pi sujanaḥ sarveṣāṃ sukhakṛdbhavet / dadāti paramāṃ tuṣṭiṃ bhakṣyamāṇo 'maraiḥ śaśī

Selbst wenn er bedrängt wird, bringt der gute Mensch allen Glück, so wie der Mond, obwohl er von den Unsterblichen bei Neumond 'verzehrt' wird, doch höchste Zufriedenheit verleiht.

Wort für Wort
bādhyamāno 'pi sujanaḥ
selbst wenn er bedrängt wird, ein guter Mensch
sarveṣāṃ sukhakṛdbhavet
wird für alle zum Urheber von Glück
dadāti paramāṃ tuṣṭiṃ
er verleiht höchste Zufriedenheit
bhakṣyamāṇo 'maraiḥ śaśī
so wie der von den Unsterblichen 'verzehrte' Mond

dāritaśchinna evāpi hyāmodenaiva candanaḥ / saurabhaṃ kurute sarvaṃ tathaiva sujanojanaḥ

Selbst wenn er zerschnitten und gespalten wird, erfüllt der Sandelbaum doch alles mit Wohlgeruch - ebenso der gute Mensch.

Wort für Wort
dāritaśchinna evāpi
selbst wenn er zerschnitten und gespalten wird
hyāmodenaiva candanaḥ
erfüllt der Sandelbaum eben mit Wohlgeruch
saurabhaṃ kurute sarvaṃ
macht alles duftend
tathaiva sujano janaḥ
ebenso der gute Mensch

kṣāntyā ca tapasā cāraistadguṇajñā munīśvarāḥ / saṃjātaṃ śāsituṃ lokāṃstvāṃ viduḥ puruṣottama

Durch Geduld, Askese und guten Wandel erkennen die Herren der Weisen, die diese Eigenschaften kennen, dich, o höchster Mann, als geboren, um die Welten zu beherrschen.

Wort für Wort
kṣāntyā ca tapasā cāraiḥ
durch Geduld, Askese und guten Wandel
tadguṇajñā munīśvarāḥ
die Herren der Weisen, die diese Eigenschaften kennen
saṃjātaṃ śāsituṃ lokān
als geboren, um die Welten zu beherrschen
tvāṃ viduḥ puruṣottama
erkennen dich, o höchster Mann

namo brahmanmune tubhyaṃ namaste brahmamūrttaye / namo brahmaṇyaśīlāya brahmadhyānaparāya ca

Verehrung dir, o brahmanischer Weiser; Verehrung dir, dessen Gestalt das Brahman ist; Verehrung dem, dessen Wesen dem Brahman zugetan ist, und der der Versenkung in das Brahman ergeben ist.

Wort für Wort
namo brahmanmune tubhyaṃ
Verehrung dir, o brahmanischer Weiser
namaste brahmamūrttaye
Verehrung dir, dessen Gestalt das Brahman ist
namo brahmaṇyaśīlāya
Verehrung dem, dessen Wesen dem Brahman zugetan ist
brahmadhyānaparāya ca
und der Versenkung ins Brahman ergeben ist

iti stuto munistena prasannavadanastadā / varaṃ varaya cetyāha prasanno 'smi tavānagha

So von ihm gepriesen, sprach der Weise da mit heiterem Antlitz: 'Wähle einen Wunsch, ich bin dir gewogen, o Sündloser.'

Wort für Wort
iti stuto munistena
so von ihm gepriesen, der Weise
prasannavadanastadā
da mit heiterem Antlitz
varaṃ varaya cetyāha
'wähle einen Wunsch' - so sprach er
prasanno 'smi tavānagha
'ich bin dir gewogen, o Sündloser'

evamukte tu muninā hyaṃśumānpraṇipatyatam / prāpayāsmatpitṝnbrāhmaṃ lokamityabhyabhāṣata

Als der Weise so gesprochen hatte, verneigte sich Aṃśumān vor ihm und sprach: 'Lass unsere Väter die Welt Brahmās erreichen.'

Wort für Wort
evamukte tu muninā
als der Weise so gesprochen hatte
hyaṃśumānpraṇipatyatam
verneigte sich Aṃśumān wahrlich vor ihm
prāpayāsmatpitṝnbrāhmaṃ lokam
lass unsere Väter die Welt Brahmās erreichen
ityabhyabhāṣata
so sprach er

tatastasyādisaṃtuṣṭo muniḥ provāca sādaram / gaṅgāmānīya pautraste nayiṣyati pitṝndivam

Darauf, überaus zufrieden mit ihm [?], sprach der Weise ehrerbietig: 'Dein Enkel wird, nachdem er die Gaṅgā herbeigeführt hat, deine Vorfahren in den Himmel führen.'

Wort für Wort
tatastasyātisaṃtuṣṭo [?] muniḥ
darauf, überaus zufrieden mit ihm [?], der Weise
provāca sādaram
sprach ehrerbietig
gaṅgāmānīya pautraste
nachdem er die Gaṅgā herbeigeführt hat, dein Enkel
nayiṣyati pitṝndivam
wird deine Vorfahren in den Himmel führen

[?] "ādisaṃtuṣṭo" unklar, vermutlich verderbt für "atisaṃtuṣṭo" ("überaus zufrieden").

tvatpautreṇa samānītā gaṅgā puṇyajalā nadī / kṛtvaitāndhūtapāpānvai nayiṣyati paraṃ padam

Die Gaṅgā, der Fluss mit heiligem Wasser, von deinem Enkel herbeigeführt, wird diese, nachdem sie sie von ihrer Sünde reingewaschen hat, wahrlich zum höchsten Ort führen.

Wort für Wort
tvatpautreṇa samānītā
von deinem Enkel herbeigeführt
gaṅgā puṇyajalā nadī
die Gaṅgā, der Fluss mit heiligem Wasser
kṛtvaitāndhūtapāpānvai
nachdem sie diese von ihrer Sünde reingewaschen hat
nayiṣyati paraṃ padam
wird sie zum höchsten Ort führen

prāpayainaṃ hayaṃ vatsa yataḥ syātpūrṇamadhvaram / pitāmahāntikaṃ prāpya sāśvaṃ vṛttaṃ nyavedayat

'Bring dieses Pferd zurück, mein Kind, damit das Opfer vollendet werde.' Nachdem er zu seinem Großvater gelangt war, berichtete er, mit dem Pferd, das Geschehene.

Wort für Wort
prāpayainaṃ hayaṃ vatsa
bring dieses Pferd zurück, mein Kind
yataḥ syātpūrṇamadhvaram
damit das Opfer vollendet werde
pitāmahāntikaṃ prāpya
nachdem er zu seinem Großvater gelangt war
sāśvaṃ vṛttaṃ nyavedayat
berichtete er, mit dem Pferd, das Geschehene

sagarastena paśunā taṃ yajñaṃ brahmaṇaiḥ saha / vidhāya tapasā viṣṇumārādhyāpapadaṃhareḥ

Sagara vollzog mit diesem Opfertier jenes Opfer zusammen mit den Brahmanen und erlangte, durch Askese Viṣṇu verehrend, den Ort Haris.

Wort für Wort
sagarastena paśunā
Sagara mit diesem Opfertier
taṃ yajñaṃ brahmaṇaiḥ saha
jenes Opfer zusammen mit den Brahmanen
vidhāya
nachdem er es vollzogen hatte
tapasā viṣṇumārādhyāpapadaṃhareḥ
durch Askese Viṣṇu verehrend, erlangte er den Ort Haris

jajñe hyaṃśumataḥ putro dilīpa iti viśrutaḥ / tasmādbhagīratho jāto yo gaṅgāmānayaddivaḥ

Dem Aṃśumān wurde ein Sohn geboren, bekannt unter dem Namen Dilīpa; von diesem wurde Bhagīratha geboren, der die Gaṅgā vom Himmel herabführte.

Wort für Wort
jajñe hyaṃśumataḥ putro
dem Aṃśumān wurde ein Sohn geboren
dilīpa iti viśrutaḥ
bekannt unter dem Namen Dilīpa
tasmādbhagīratho jāto
von diesem wurde Bhagīratha geboren
yo gaṅgāmānayaddivaḥ
der die Gaṅgā vom Himmel herabführte

bhagīrathasya tapasā tuṣṭo brahmā dadau mune / gaṅgāṃ bhagīrathāyāḥ cintayāmā sa dhāraṇe

Durch die Askese Bhagīrathas zufriedengestellt, gab Brahmā, o Weiser, dem Bhagīratha die Gaṅgā; dieser sann darüber nach, wie er sie auffangen könnte.

Wort für Wort
bhagīrathasya tapasā
durch die Askese Bhagīrathas
tuṣṭo brahmā dadau mune
zufriedengestellt, gab Brahmā, o Weiser
gaṅgāṃ bhagīrathāya
dem Bhagīratha die Gaṅgā
cintayāmāsa dhāraṇe
er sann über deren Auffangen nach

[Anm.: Der Bezug auf die bekannte Erzählung, dass Śiva den Sturz der Gaṅgā in seinem Haar auffing, wird hier nur knapp angedeutet.]

tataśca śivamārādhya taddvārā svarṇadīṃ bhuvam / ānīya tajjalaiḥ spṛṣṭvā pūtānninye divaṃ pitṝn

Und darauf, Śiva verehrend, leitete er durch dessen Vermittlung den himmlischen Fluss zur Erde; nachdem er ihn hergeführt und seine Vorfahren mit dessen Wasser berührt hatte, führte er sie, gereinigt, in den Himmel.

Wort für Wort
tataśca śivamārādhya
und darauf, Śiva verehrend
taddvārā svarṇadīṃ bhuvam
durch dessen Vermittlung den himmlischen Fluss zur Erde
ānīya tajjalaiḥ spṛṣṭvā
nachdem er ihn hergeführt und mit dessen Wasser berührt hatte
pūtānninye divaṃ pitṝn
führte er die Gereinigten, seine Vorfahren, in den Himmel

bhagīrathānvaye jātaḥ sudaso nāma bhūpatiḥ / yasya putro mitrasahaḥ sarvalokeṣu viśrutaḥ

Im Geschlecht Bhagīrathas wurde ein König namens Sudāsa geboren, dessen Sohn Mitrasaha in allen Welten berühmt war.

Wort für Wort
bhagīrathānvaye jātaḥ
im Geschlecht Bhagīrathas geboren
sudaso nāma bhūpatiḥ
ein König namens Sudāsa
yasya putro mitrasahaḥ
dessen Sohn Mitrasaha
sarvalokeṣu viśrutaḥ
in allen Welten berühmt

vaśiṣṭaśāpātprātpaḥ sa saudāso rākṣasīṃ tanum / gaṅgābinduniṣeveṇaṃpunarmukto nṛpo 'bhavat

Durch den Fluch Vasiṣṭhas erlangte jener Saudāsa eine Rākṣasa-Gestalt; durch den bloßen Genuss eines Tropfens Gaṅgāwassers wurde der König wieder davon befreit.

Wort für Wort
vaśiṣṭaśāpātprātpaḥ
durch den Fluch Vasiṣṭhas erlangte
sa saudāso rākṣasīṃ tanum
jener Saudāsa eine Rākṣasa-Gestalt
gaṅgābinduniṣevaṇena
durch den Genuss eines Tropfens Gaṅgāwassers
punarmukto nṛpo 'bhavat
wurde der König wieder befreit

[Anm.: Dies beantwortet die zu Beginn des Kapitels (V.1) von Nārada gestellte Frage nach dem aus dem Geschlecht Sagaras von seinem dämonischen Zustand Befreiten.]

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