Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 30: yamadūtakṛtyanirūpaṇam Die Darlegung der Taten der Boten Yamas

nārada uvāca / kathito bhavatā samyagvarṇāśramavidhirmune / idānīṃ śrotumicchāmi yamamārgaṃ sudurgamam

Nārada sprach: Von dir, o Weiser, wurde die Ordnung der Stände und Lebensstufen (varṇāśrama) vollständig dargelegt. Nun begehre ich, den überaus schwer zu durchschreitenden Pfad Yamas zu vernehmen.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach:
kathitaḥ bhavatā samyak
vollständig wurde von dir dargelegt
varṇāśramavidhiḥ mune
die Ordnung der Stände und Lebensstufen, o Weiser
idānīṃ śrotum icchāmi
nun begehre ich zu hören
yamamārgaṃ sudurgamam
den überaus schwer zu durchschreitenden Pfad Yamas

[Anm.: Vor dem eigentlichen Versbeginn steht im Quelltext fälschlich der Kolophon des vorangehenden Kapitels ("iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde prāyaścittavidhirnāma ghatriṃśo 'dhyāyaḥ" = Kapitel über die Regeln der Buße, das 30. Kapitel der Quellzählung), gefolgt von einer Trennlinie; dies gehört nicht zu V1 und wurde nicht mitübersetzt.]

sanaka uvāca / śṛṇu vipra pravakṣyāmi yamamārgaṃ sudurgamam / sukhadaṃ puṇyaśīlānāṃ pāpināṃ bhayadāyakam

Sanaka sprach: Höre, o Brahmane! Ich werde den überaus schwer zu durchschreitenden Pfad Yamas verkünden, der den Tugendhaften Glück verleiht und den Sündern Furcht bereitet.

Wort für Wort
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
śṛṇu vipra
höre, o Brahmane
pravakṣyāmi yamamārgaṃ sudurgamam
ich werde den überaus schwer zu durchschreitenden Pfad Yamas verkünden
sukhadaṃ puṇyaśīlānāṃ
der den Tugendhaften Glück bringt
pāpināṃ bhayadāyakam
und den Sündern Furcht verleiht

ṣaḍaśītisahasrāṇi yojanārnini munīśvara / yamamārgasya vistāraḥ kathaitaḥ pūrvasūribhiḥ

Sechsundachtzigtausend Yojanas [?], o Fürst der Weisen, beträgt die Ausdehnung des Pfades Yamas, wie sie von den früheren Weisen verkündet wurde [?].

Wort für Wort
ṣaḍaśītisahasrāṇi yojanāni [?]
sechsundachtzigtausend Yojana
munīśvara
o Fürst der Weisen
yamamārgasya vistāraḥ
die Ausdehnung des Pfades Yamas
kathitaḥ [?] pūrvasūribhiḥ
wurde von den früheren Weisen verkündet

[?: "yojanārnini" ist wohl verschrieben für "yojanāni"; "kathaitaḥ" für "kathitaḥ" - beide Lesungen unsicher rekonstruiert.]

ye narā dānaśīlāstu te yānti sukhino dvija / dharmaśūnyā narā yānti duḥkhena bhṛśamarditāḥ

Diejenigen Menschen, die von freigebiger Natur sind, ziehen dort glücklich dahin, o Zweifachgeborener; Menschen ohne Dharma aber ziehen dahin, heftig von Leid gequält.

Wort für Wort
ye narāḥ dānaśīlāḥ tu
diejenigen Menschen aber, die freigebiger Natur sind
te yānti sukhinaḥ dvija
die ziehen glücklich dahin, o Zweifachgeborener
dharmaśūnyā narāḥ yānti
Menschen ohne Dharma ziehen dahin
duḥkhena bhṛśam arditāḥ
von Leid heftig gequält

atibhītā vivaśtrāśca śuṣkakaṇṭhauṣṭhatālukāḥ / kradanto vistaraṃ dīnāḥ pāpino yānti tatpathi

Überaus verängstigt und nackt [?], mit vertrocknetem Hals, vertrockneten Lippen und Gaumen, laut wehklagend, elend, ziehen die Sünder auf jenem Pfad dahin.

Wort für Wort
atibhītāḥ vivastrāḥ [?] ca
überaus verängstigt und nackt
śuṣkakaṇṭhauṣṭhatālukāḥ
mit vertrocknetem Hals, vertrockneten Lippen und Gaumen
kradantaḥ vistaraṃ dīnāḥ
laut wehklagend, elend
pāpinaḥ yānti tatpathi
ziehen die Sünder auf jenem Pfad dahin

[?: "vivaśtrāḥ" ist wohl verschrieben für "vivastrāḥ" ("nackt, ohne Gewand").]

hanyamānā yamabhaṭaiḥ pratodādyaistathāyudhaiḥ

Geschlagen von den Dienern Yamas mit Stacheln [?] und anderen Waffen.

Wort für Wort
hanyamānāḥ yamabhaṭaiḥ
geschlagen von den Kriegern/Dienern Yamas
pratodādyaiḥ tathā āyudhaiḥ
mit Stacheln [Treibstöcken] und anderen derartigen Waffen

[Anm.: Dieser Vers besteht nur aus einer einzigen Halbzeile (zwei Pādas statt der üblichen vier) und setzt syntaktisch die Beschreibung aus V5 fort; im Quelltext offenbar unvollständig überliefert oder fehlerhaft segmentiert.]

itastataḥ pradhāvanto yānti duḥkhena tatpathi / kvacitpaṅkaḥ kvacidūhniḥ kvacitsetatpasaikatam / kvacidvai dāvarupeṇaḥ tīkṣṇadhārāḥ śilāḥ kvacit

Hierhin und dorthin rennend, ziehen sie leidvoll auf jenem Pfad dahin: bald ist Schlamm, bald sengende Hitze [?], bald glühender Sand [?], bald lodert es wie ein Waldbrand, bald liegen scharfkantige Steine da.

Wort für Wort
itastataḥ pradhāvantaḥ
hierhin und dorthin rennend
yānti duḥkhena tatpathi
ziehen sie leidvoll auf jenem Pfad dahin
kvacit paṅkaḥ
bald ist Schlamm
kvacid ūṣmā [?]
bald sengende Hitze
kvacit taptasaikatam [?]
bald glühender Sand
kvacid vai dāvarūpeṇa
bald fürwahr in Gestalt eines Waldbrandes
tīkṣṇadhārāḥ śilāḥ kvacit
bald scharfkantige Steine

[Anm.: Dieser Vers umfasst drei Zeilen (sechs Pādas statt der üblichen vier); der Text der zweiten Zeile ("kvacidūhniḥ kvacitsetatpasaikatam") ist offenkundig korrupt überliefert, die Übersetzung ist eine Vermutung. [?]]

kvacitkaṇṭakavṛkṣāśca duḥkhārohaśilā nagāḥ / gāḍhāndhakārāśaaca guhāḥ kaṇṭakāvaraṇaṃ mahat

Bald dornige Bäume, und Berge mit Felsen, die sich nur mühsam erklimmen lassen; Höhlen dichter Finsternis und ein gewaltiger Wall von Dornen.

Wort für Wort
kvacit kaṇṭakavṛkṣāḥ ca
bald dornige Bäume
duḥkhārohaśilā nagāḥ
Berge mit nur mühsam erklimmbaren Felsen
gāḍhāndhakārāḥ ca guhāḥ
und Höhlen dichter Finsternis
kaṇṭakāvaraṇaṃ mahat
ein gewaltiger Wall von Dornen

vaprāgrārohaṇaṃ caiva kandarasya praveśanam / śarkarāśca tathā loṣṭāḥ sūcītulyāśca kaṇṭakāḥ

Das Erklimmen der Gipfel von Erdwällen und das Eindringen in Höhlenschlünde, Kiesel und Erdklumpen ebenso wie nadelgleiche Dornen.

Wort für Wort
vaprāgrārohaṇaṃ ca eva
und das Erklimmen der Gipfel von Erdwällen
kandarasya praveśanam
das Eindringen in Höhlenschlünde
śarkarāḥ ca tathā loṣṭāḥ
Kiesel und ebenso Erdklumpen
sūcītulyāḥ ca kaṇṭakāḥ
und nadelgleiche Dornen

śaivālaṃ ca kvacinmārge kvacitkīcakapaṅktayaḥ / kvacivdyāvrāśca garjante vardhante ca kvacijjvarāḥ

Bald Algen [?] auf dem Weg, bald Reihen von Bambusrohr [?]; bald brüllen Tiger [?], und bald wachsen dort Fieber.

Wort für Wort
śaivālaṃ ca kvacit mārge
bald Algen auf dem Weg
kvacit kīcakapaṅktayaḥ [?]
bald Reihen von Bambusrohr
kvacid vyāghrāḥ [?] ca garjante
bald brüllen Tiger
vardhante ca kvacit jvarāḥ
und bald wachsen dort Fieber

[?: "kvacivdyāvrāśca" wurde als "kvacid vyāghrāśca" ("bald Tiger") rekonstruiert; "kīcakapaṅktayaḥ" ("Reihen von Bambusrohr") ist unsicher.]

evaṃ bahuvidhakleśāḥ pāpino yānti nārada / krośantaśca rudantaśca mlāyantaścaiva pāpinaḥ

So ziehen die Sünder unter mannigfaltigen Qualen dahin, o Nārada - schreiend, weinend und dahinwelkend sind die Sünder.

Wort für Wort
evaṃ bahuvidhakleśāḥ
so, unter mannigfaltigen Qualen
pāpinaḥ yānti nārada
ziehen die Sünder dahin, o Nārada
krośantaḥ ca rudantaḥ ca
schreiend und weinend
mlāyantaḥ ca eva pāpinaḥ
und dahinwelkend sind die Sünder

pāśena yantritāḥ kecitkṛṣyamāṇāstathāṅkuśaiḥ / śāstrāstraistāḍyamānāśca pṛṣṭato yānti pāpinaḥ

Manche, mit einem Strick gefesselt, werden auch mit Stachelstöcken gezerrt; von hinten mit Waffen und Geschossen geschlagen, ziehen die Sünder dahin.

Wort für Wort
pāśena yantritāḥ kecit
manche, mit einem Strick gefesselt
kṛṣyamāṇāḥ tathā aṅkuśaiḥ
werden ebenso mit Stachelstöcken gezerrt
śāstrāstraiḥ tāḍyamānāḥ ca
und mit Waffen und Geschossen geschlagen
pṛṣṭataḥ yānti pāpinaḥ
ziehen die Sünder von hinten getrieben dahin

nāsāgrapāśakṛṣṭāśca kecidantraiśca badhitāḥ / vahṝntaścāyasāṃ bhāraṃ śiśrāgreṇa prayānti vai

Manche werden, an einem durch die Nasenspitze gezogenen Strick gezerrt, mit den eigenen Eingeweiden gefesselt [?]; eine Last aus Eisen auf dem Scheitel tragend, schreiten sie fürwahr dahin.

Wort für Wort
nāsāgrapāśakṛṣṭāḥ ca
manche, an einem durch die Nasenspitze gezogenen Strick gezerrt
kecid antraiḥ ca bandhitāḥ [?]
manche mit den eigenen Eingeweiden gefesselt
vahantaḥ ca ayasāṃ bhāraṃ
eine Last aus Eisen tragend
śiroagreṇa [?] prayānti vai
schreiten sie fürwahr mit dem Scheitel [voran] dahin

[?: "badhitāḥ" als "bandhitāḥ" ("gefesselt") gedeutet; "śiśrāgreṇa" als "śiro'greṇa" ("mit dem Scheitel") rekonstruiert.]

ayobhāradvayaṃ kecinnāsāgreṇa tathāpare / karṇābhyāṃ ca tathā kecidvahṝnto yānti pāpinaḥ

Manche tragen ein Paar Eisenlasten mit der Nasenspitze, andere wiederum ebenso; manche, mit beiden Ohren tragend, ziehen die Sünder dahin.

Wort für Wort
ayobhāradvayaṃ kecit
manche ein Paar Eisenlasten
nāsāgreṇa tathā apare
mit der Nasenspitze, andere ebenso
karṇābhyāṃ ca tathā kecid vahantaḥ
manche wiederum mit beiden Ohren tragend
yānti pāpinaḥ
ziehen die Sünder dahin

kecicca skhalitā yānti tāḍyamānāstathāpare / atyarthocṅvasitāḥ kecitkecidācchatralocanāḥ

Manche gehen stolpernd, während sie geschlagen werden, andere ebenso; manche keuchen übermäßig, manche haben verhüllte [erblindete?] Augen.

Wort für Wort
kecid ca skhalitāḥ yānti
manche gehen stolpernd dahin
tāḍyamānāḥ tathā apare
geschlagen, andere ebenso
atyartham ucchvasitāḥ kecit [?]
manche übermäßig keuchend
kecid ācchāditalocanāḥ [?]
manche mit verhüllten Augen

[?: "atyarthocṅvasitāḥ" als "atyartham ucchvasitāḥ" ("übermäßig keuchend") gedeutet; "ācchatralocanāḥ" als "ācchāditalocanāḥ" ("mit verhüllten/getrübten Augen") rekonstruiert - unsicher.]

chāyājalavihīne tu pathi yāntyatiduḥkhitāḥ / śocantaḥ svāni karmaṇi jñānājñānakṛtāni ca

Auf dem Weg, der ohne Schatten und Wasser ist, ziehen sie höchst leidgeplagt dahin, ihre eigenen Taten beklagend, die sie wissentlich wie unwissentlich begangen haben.

Wort für Wort
chāyājalavihīne tu pathi
auf dem Weg aber, der ohne Schatten und Wasser ist
yānti atiduḥkhitāḥ
ziehen sie höchst leidgeplagt dahin
śocantaḥ svāni karmaṇi
ihre eigenen Taten beklagend
jñānājñānakṛtāni ca
die wissentlich wie unwissentlich begangenen

ye tu nārada dharmiṣṭhā dānaśīlā subuddhayaḥ / atīva sukhasaṃpannāste yānti dharmamandiram

Diejenigen aber, o Nārada, die dharmatreu, freigebig und von gutem Verstand sind, gelangen, mit höchstem Glück ausgestattet, zur Wohnstatt des Dharma.

Wort für Wort
ye tu nārada dharmiṣṭhāḥ
diejenigen aber, o Nārada, die dharmatreu sind
dānaśīlā subuddhayaḥ
freigebig und von gutem Verstand
atīva sukhasaṃpannāḥ te
die, mit höchstem Glück ausgestattet
yānti dharmamandiram
gelangen zur Wohnstatt des Dharma

annadāstu munuśreṣṭha bhuñjantaḥ svādu yānti vai / nīradā yānti sukhinaḥ pibantaḥ kṣīramuttamamam / takradā dadhidāścaiva tattadbhogaṃ labhanti vai / ghṛtadā madhudāścaiva kṣīradāśca dvijottama

Die Speisegeber, o bester der Weisen, ziehen dahin, indem sie Köstliches genießen; die Wassergeber gehen glücklich dahin, indem sie vortreffliche Milch trinken; die Geber von Buttermilch und Dickmilch erlangen fürwahr den jeweils entsprechenden Genuss; ebenso die Geber von Ghee, Honig und Milch, o bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
annadāḥ tu munuśreṣṭha
die Speisegeber aber, o bester der Weisen
bhuñjantaḥ svādu yānti vai
ziehen dahin, indem sie Köstliches genießen
nīradāḥ yānti sukhinaḥ
die Wassergeber gehen glücklich dahin
pibantaḥ kṣīram uttamam
vortreffliche Milch trinkend
takradāḥ dadhidāḥ ca eva
die Geber von Buttermilch und Dickmilch
tattadbhogaṃ labhanti vai
erlangen fürwahr den jeweils entsprechenden Genuss
ghṛtadāḥ madhudāḥ ca eva
die Geber von Ghee und Honig ebenso
kṣīradāḥ ca dvijottama
und die Milchgeber, o bester der Zweifachgeborenen

sudhāpānaṃ prakurvanto yānti vai dharmamandiram / śākadāḥ pāyasaṃ bhuñjaṃndīpado jvalayandiśaḥ

Nektar trinkend [?] gelangen sie zur Wohnstatt des Dharma; die Geber von Gemüse genießen Milchreis, die Lampenspender erleuchten auf ihrem Weg die Himmelsrichtungen.

Wort für Wort
sudhāpānaṃ prakurvantaḥ
Nektar trinkend
yānti vai dharmamandiram
gelangen sie fürwahr zur Wohnstatt des Dharma
śākadāḥ pāyasaṃ bhuñjan
die Geber von Gemüse Milchreis genießend
dīpadaḥ jvalayan diśaḥ
der Lampenspender, indem er die Himmelsrichtungen erleuchtet

[?: gemeint ist wohl, dass die Speisegeber im Jenseits Nektar [amṛta] trinken dürfen, als Lohn.]

vastrado munuśārdūla yāti divyāmbarāvṛtaḥ / purākaraprado yāti stūyamāno 'maraiḥ pathi

Der Kleiderspender, o Tiger unter den Weisen, geht, in himmlische Gewänder gehüllt; der Spender einer Quelle [?] zieht, von den Unsterblichen gepriesen, seines Weges.

Wort für Wort
vastradaḥ munuśārdūla
der Kleiderspender, o Tiger unter den Weisen
yāti divyāmbarāvṛtaḥ
geht, in himmlische Gewänder gehüllt
puṣkaraprado [?] yāti
der Spender einer Quelle zieht dahin
stūyamānaḥ amaraiḥ pathi
auf dem Weg von den Unsterblichen gepriesen

[?: "purākaraprado" ist unklar; vermutlich verschrieben für "puṣkaraprado" ("Spender eines Wasserbeckens/einer Quelle"), passend zum Kontext der Gabenaufzählung.]

godānena naro yāti sarvasaukhyasamanvitaḥ / bhūmido gṛhadaścaiva vimāne sarvasaṃpadi

Durch die Gabe einer Kuh zieht der Mensch, mit allem Glück versehen, dahin; der Landspender und ebenso der Hausspender fahren auf einem Himmelswagen inmitten aller Fülle.

Wort für Wort
godānena naraḥ yāti
durch die Gabe einer Kuh zieht der Mensch dahin
sarvasaukhyasamanvitaḥ
mit allem Glück versehen
bhūmidaḥ gṛhadaḥ ca eva
der Landspender und ebenso der Hausspender
vimāne sarvasaṃpadi
auf einem Himmelswagen inmitten aller Fülle

apsarogaṇasaṃkīrṇe krīḍanyāti vṛṣālayam / hayado yānadaścāpi gajadaśca dvijottama

Sich vergnügend inmitten von Scharen der Apsaras, gelangt er zur Wohnstatt Vṛṣas [des Stieres/Dharma] [?]; der Pferdespender, der Fahrzeugspender und ebenso der Elefantenspender, o bester der Zweifachgeborenen, [gelangen ebenso dorthin].

Wort für Wort
apsarogaṇasaṃkīrṇe
inmitten von Scharen der Apsaras
krīḍan yāti vṛṣālayam [?]
sich vergnügend gelangt er zur Wohnstatt Vṛṣas
hayadaḥ yānadaḥ ca api
der Pferdespender und auch der Fahrzeugspender
gajadaḥ ca dvijottama
und der Elefantenspender, o bester der Zweifachgeborenen

[?: "vṛṣālayam" ("Wohnstatt des Stieres") ist mehrdeutig - gemeint sein kann sowohl die Wohnstatt Śivas [dessen Reittier der Stier ist] als auch eine durch den symbolisch als Stier gedachten Dharma erreichte Himmelsstätte.]

dharmālayaṃ vimānena yāti bhogānvitena vai / anaḍuddo muniśreṣṭha yānāruḍhaḥ prayāti vai

Zur Wohnstatt des Dharma gelangt er auf einem Himmelswagen voller Genüsse; der Spender eines Zugochsen, o bester der Weisen, fährt, auf ein Fahrzeug gestiegen, dahin.

Wort für Wort
dharmālayaṃ vimānena yāti
zur Wohnstatt des Dharma gelangt er auf einem Himmelswagen
bhogānvitena vai
der fürwahr voller Genüsse ist
anaḍvāhadaḥ muniśreṣṭha
der Spender eines Zugochsen, o bester der Weisen
yānārūḍhaḥ prayāti vai
fährt, auf ein Fahrzeug gestiegen, fürwahr dahin

phaladaḥ puṣpadaścāpi yāti saṃtoṣasaṃyutaḥ / tāṃbūlado naro yāti prahṛṣṭor dhamamandiram

Der Früchtespender und auch der Blumenspender ziehen mit Zufriedenheit erfüllt dahin; der Betelspender gelangt hocherfreut zur Wohnstatt des Dharma.

Wort für Wort
phaladaḥ puṣpadaḥ ca api
der Früchtespender und auch der Blumenspender
yāti saṃtoṣasaṃyutaḥ
zieht mit Zufriedenheit erfüllt dahin
tāmbūladaḥ naraḥ yāti
der Betelspender zieht dahin
prahṛṣṭaḥ dharmamandiram
hocherfreut zur Wohnstatt des Dharma

mātāpitrośca śuśrūṣāṃ kṛtavānyo narottamaḥ / sa yāti parituṣṭātmā pūjyamāno divisthitaiḥ

Wer, als bester der Menschen, den Eltern Dienst erwiesen hat, der zieht, seiner Seele nach völlig befriedigt, dahin, verehrt von den im Himmel Weilenden.

Wort für Wort
mātāpitroḥ ca śuśrūṣāṃ
und den Eltern Dienst
kṛtavān yaḥ narottamaḥ
wer als bester der Menschen erwiesen hat
sa yāti parituṣṭātmā
der zieht, seiner Seele nach völlig befriedigt, dahin
pūjyamānaḥ divisthitaiḥ
verehrt von den im Himmel Weilenden

śuśrūṣāṃ kurute yastu yatīnāṃ vratacāriṇām / dvijagryabrāhmaṇānāṃ ca sa yātvatisukhānvitaḥ

Wer den Asketen, die Gelübde einhalten, und den vortrefflichsten Brahmanen unter den Zweifachgeborenen Dienst erweist, der zieht, mit höchstem Glück ausgestattet, dahin.

Wort für Wort
śuśrūṣāṃ kurute yaḥ tu
wer aber Dienst erweist
yatīnāṃ vratacāriṇām
den Asketen, die Gelübde einhalten
dvijagryabrāhmaṇānāṃ ca
und den vortrefflichsten Brahmanen unter den Zweifachgeborenen
sa yāti atisukhānvitaḥ
der zieht, mit höchstem Glück ausgestattet, dahin

sarvabhūtadayāyuktaḥ pūjyamāno 'marairdvijaḥ / sarvabhogānvitenāsau vimānena prayāti ca

Der Zweifachgeborene, der mit Mitleid gegenüber allen Wesen ausgestattet ist, wird von den Unsterblichen verehrt und fährt auf einem mit allen Genüssen versehenen Himmelswagen dahin.

Wort für Wort
sarvabhūtadayāyuktaḥ
der mit Mitleid gegenüber allen Wesen ausgestattet ist
pūjyamānaḥ amaraiḥ dvijaḥ
der Zweifachgeborene, verehrt von den Unsterblichen
sarvabhogānvitena asau
mit diesem, allen Genüssen versehenen
vimānena prayāti ca
Himmelswagen fährt er dahin

vidyādānarato yāti pūjyamāno 'bjasūnubhiḥ / purāṇapaṭhako yāti stūyamāno munīśvaraiḥ

Wer sich an der Gabe von Wissen erfreut, zieht dahin, verehrt von den Söhnen des Lotusgeborenen [Brahmās Söhnen]; der Vorleser der Purāṇas zieht dahin, gepriesen von den Fürsten der Weisen.

Wort für Wort
vidyādānarataḥ yāti
wer sich an der Gabe von Wissen erfreut, zieht dahin
pūjyamānaḥ abjasūnubhiḥ
verehrt von den Söhnen des Lotusgeborenen
purāṇapaṭhakaḥ yāti
der Vorleser der Purāṇas zieht dahin
stūyamānaḥ munīśvaraiḥ
gepriesen von den Fürsten der Weisen

evaṃ dharmaparā yānti sukhaṃ dharmasya mandiram / yamaścaturmukho bhūtvā śaṅkhacakragadāsibhṛt

So ziehen die dem Dharma Ergebenen glücklich zur Wohnstatt des Dharma. Yama aber, zu einer viergesichtigen [?] Gestalt geworden, Muschelhorn, Diskus, Keule und Schwert tragend...

Wort für Wort
evaṃ dharmaparāḥ yānti
so ziehen die dem Dharma Ergebenen dahin
sukhaṃ dharmasya mandiram
glücklich zur Wohnstatt des Dharma
yamaḥ caturmukhaḥ bhūtvā
Yama aber, viergesichtig geworden
śaṅkhacakragadāsibhṛt
Muschelhorn, Diskus, Keule und Schwert tragend

[Anm.: "caturmukha" ("viergesichtig") in Verbindung mit den hier genannten typischen Insignien Viṣṇus (Muschelhorn, Diskus, Keule, Schwert) ist auffällig; vermutlich ist eine wohlgestaltete, Viṣṇu-ähnliche Erscheinungsform gemeint, in der Yama den Frommen entgegentritt. [?]]

puṇyakarmarataṃ samyaksnehānmitramivārcati / bho bho buddhimatāṃ śreṣṭhānarakakleṣabhīravaḥ

...ehrt in rechter Weise, aus Zuneigung, wie einen Freund den, der guten Werken ergeben ist, [und spricht]: Ihr, o ihr Besten der Verständigen, die ihr die Qual der Hölle fürchtet -

Wort für Wort
puṇyakarmarataṃ samyak
den den guten Werken Ergebenen in rechter Weise
snehāt mitram iva arcati
ehrt er aus Zuneigung wie einen Freund
bho bho buddhimatāṃ śreṣṭhāḥ
he, he, ihr Besten der Verständigen
narakakleśabhīravaḥ
die ihr die Qual der Hölle fürchtet

yuṣmābhiḥ sādhitaṃ puṇyamatrāmutrasukhāvaham / manuṣathya janma yaḥ prāpya sukṛtaṃ na karoti ca

Von euch wurde Verdienst erworben, das Glück hier und im Jenseits mit sich bringt. Wer aber, nachdem er die Menschengeburt [?] erlangt hat, keine guten Werke vollbringt,

Wort für Wort
yuṣmābhiḥ sādhitaṃ puṇyam
von euch wurde Verdienst erworben
atra amutra sukhāvaham
das Glück hier und im Jenseits mit sich bringt
mānuṣyaṃ [?] janma yaḥ prāpya
wer, nachdem er die Menschengeburt erlangt hat
sukṛtaṃ na karoti ca
keine guten Werke vollbringt

[?: "manuṣathya" ist verschrieben für "mānuṣyaṃ" ("Menschsein/Menschengeburt").]

sa eva pāpināṃ śreṣṭha ātmaghātaṃ karoti ca / anityaṃ prāpya mānuṣyaṃ nityaṃ yastu na sādhayet

der begeht fürwahr Selbstmord [ist gleichsam der Erste unter den Sündern]. Wer, nachdem er das vergängliche Menschsein erlangt hat, das Ewige nicht erwirkt,

Wort für Wort
sa eva pāpināṃ śreṣṭhaḥ
eben er, gleichsam der Erste unter den Sündern
ātmaghātaṃ karoti ca
begeht Selbstmord
anityaṃ prāpya mānuṣyaṃ
nachdem er das vergängliche Menschsein erlangt hat
nityaṃ yaḥ tu na sādhayet
wer aber das Ewige nicht erwirkt

sa yāti narakaṃ ghoraṃ ko 'nyastasmādacetanaḥ / śarīraṃ yātanārupaṃ malādyaiḥ paridūṣitam

der geht in die schreckliche Hölle - wer wäre unbesonnener als er? Der Körper ist von der Gestalt der Qual, befleckt durch Unrat und dergleichen.

Wort für Wort
sa yāti narakaṃ ghoraṃ
der geht in die schreckliche Hölle
kaḥ anyaḥ tasmāt acetanaḥ
wer wäre unbesonnener als er
śarīraṃ yātanārupaṃ
der Körper ist von der Gestalt der Qual
malādyaiḥ paridūṣitam
befleckt durch Unrat und dergleichen

tasminyo yāti viśvāsaṃ taṃ vidyādātmaghātakam / sarveṣu prāṇinaḥ śreṣṭhāsteṣu vai buddhijīvinaḥ

Wer diesem [Körper] Vertrauen schenkt, den erkenne man als Selbstmörder. Unter allen Geschöpfen sind die beseelten Wesen die besten, unter diesen wiederum die, welche vom Verstand leben.

Wort für Wort
tasmin yaḥ yāti viśvāsaṃ
wer diesem Vertrauen schenkt
taṃ vidyāt ātmaghātakam
den erkenne man als Selbstmörder
sarveṣu prāṇinaḥ śreṣṭhāḥ
unter allen [Geschöpfen] sind die beseelten Wesen die besten
teṣu vai buddhijīvinaḥ
unter diesen wiederum die vom Verstand Lebenden

buddhimastu narāḥ śreṣṭhā nareṣu brāhmaṇāstathā / brāhmaṇeṣu ca vidvāṃso vidvatsu kṛtabuddhayaḥ

Unter den verstandesbegabten Wesen sind die Menschen die besten, unter den Menschen ebenso die Brahmanen; unter den Brahmanen die Gelehrten, unter den Gelehrten die, deren Erkenntnis vollendet ist.

Wort für Wort
buddhimatsu narāḥ śreṣṭhāḥ
unter den Verstandesbegabten sind die Menschen die besten
nareṣu brāhmaṇāḥ tathā
unter den Menschen ebenso die Brahmanen
brāhmaṇeṣu ca vidvāṃsaḥ
unter den Brahmanen die Gelehrten
vidvatsu kṛtabuddhayaḥ
unter den Gelehrten die mit vollendeter Erkenntnis

kṛtabuddhiṣu karttāraḥ kartṛṣu brahmavādinaḥ / brahmavādiṣvapi tathā śreṣṭho nirmama ucyate

Unter denen mit vollendeter Erkenntnis sind es die rechten Handelnden [Opferer], unter den Handelnden die Verkünder des Brahman; unter den Verkündern des Brahman wiederum wird derjenige als der Beste bezeichnet, der frei von Ich-Bezogenheit ist.

Wort für Wort
kṛtabuddhiṣu karttāraḥ
unter denen mit vollendeter Erkenntnis die rechten Handelnden
kartṛṣu brahmavādinaḥ
unter den Handelnden die Verkünder des Brahman
brahmavādiṣu api tathā
unter den Verkündern des Brahman wiederum ebenso
śreṣṭhaḥ nirmama ucyate
wird der Freie-von-Ich-Bezogenheit als der Beste bezeichnet

etebhyo 'pi paro jñeyo nityaṃ dhyānaparāyaṇaḥ / tasmātsarvaprayatnena karttavyo dharmasaṃgrahaḥ

Doch noch höher als diese ist der zu erkennen, der stets der Meditation ergeben ist. Darum soll man mit aller Anstrengung das Sammeln des Dharma [die Pflege der Tugend] betreiben.

Wort für Wort
etebhyaḥ api paraḥ jñeyaḥ
höher noch als diese ist der zu erkennen
nityaṃ dhyānaparāyaṇaḥ
der stets der Meditation ergeben ist
tasmāt sarvaprayatnena
darum soll man mit aller Anstrengung
karttavyaḥ dharmasaṃgrahaḥ
das Sammeln [die Pflege] des Dharma betreiben

sarvatra pūjyate janturdharmavānnātra saṃśayaḥ / gaccha svapuṇyairmatsthānaṃ sarvabhogasamanvitam

Überall wird das dharmatreue Geschöpf verehrt - daran besteht kein Zweifel. [Yama spricht:] Gehe, kraft deines eigenen Verdienstes, zu meiner Stätte, die mit allen Genüssen ausgestattet ist,

Wort für Wort
sarvatra pūjyate jantuḥ
überall wird das Geschöpf verehrt
dharmavān na atra saṃśayaḥ
das dharmtreu ist - daran ist kein Zweifel
gaccha svapuṇyaiḥ matsthānaṃ
gehe kraft deines eigenen Verdienstes zu meiner Stätte
sarvabhogasamanvitam
die mit allen Genüssen ausgestattet ist

asti cedduṣkṛtaṃ kiñcitpaścādatraiva bhokṣyase / evaṃ yamastamabhyarcya prāpayitvā ca sadgatim

sollte noch irgendeine schlechte Tat [von dir] vorhanden sein, so wirst du deren Folge später eben hier erfahren. So ehrt Yama ihn und führt ihn zu einem guten Zustand;

Wort für Wort
asti cet duṣkṛtaṃ kiñcit
sollte irgendeine schlechte Tat vorhanden sein
paścāt atra eva bhokṣyase
so wirst du sie später eben hier erfahren
evaṃ yamaḥ tam abhyarcya
so ehrt Yama ihn
prāpayitvā ca sadgatim
und führt ihn zu einem guten Zustand

āhūya pāpinaścaiva kāladaṇḍena tarjayet / pralayāṃbudanirghoṣo hyañjanādrisamaprabhaḥ

und ruft die Sünder herbei und bedroht sie mit dem Stab der Zeit. [Yama hat] die Stimme wie das Grollen der Wolken der Weltauflösung, und einen Glanz gleich dem Berg aus schwarzem Augenschminkstein.

Wort für Wort
āhūya pāpinaḥ ca eva
und ruft auch die Sünder herbei
kāladaṇḍena tarjayet
und bedroht sie mit dem Stab der Zeit
pralayāmbudanirghoṣaḥ
mit der Stimme wie das Grollen der Wolken der Weltauflösung
hi añjanādrisamaprabhaḥ
und einem Glanz gleich dem Berg aus schwarzem Augenschminkstein

vidyutpra bhāyurghorbhīmo dvātriṃśadbhujasaṃyutaḥ / yojanatrayavistāro raktākṣo dīrghanāsikaḥ

blitzstrahlend [?], schrecklich, furchterregend, mit zweiunddreißig Armen versehen, drei Yojana an Ausdehnung, rotäugig, langnasig,

Wort für Wort
vidyutprabhaḥ [?] ghoraḥ bhīmaḥ
blitzstrahlend, schrecklich, furchterregend
dvātriṃśadbhujasaṃyutaḥ
mit zweiunddreißig Armen versehen
yojanatrayavistāraḥ
drei Yojana an Ausdehnung
raktākṣo dīrghanāsikaḥ
rotäugig, langnasig

[?: "vidyutpra bhāyurghorbhīmo" ist offenkundig korrupt überliefert; als "vidyutprabho ghoro bhīmo" ("blitzstrahlend, schrecklich, furchterregend") gedeutet.]

daṃṣṭrākarālavadano vāpītulyogralocanaḥ / mṛtyujvarādibhiryuktaścitragutpo 'pi bhīṣaṇaḥ

mit einem durch Fangzähne furchtbaren Antlitz, mit grimmigen Augen, tief wie Brunnen; begleitet von Tod, Fieber und dergleichen. Auch Citragupta ist furchterregend,

Wort für Wort
daṃṣṭrākarālavadanaḥ
mit einem durch Fangzähne furchtbaren Antlitz
vāpītulyogralocanaḥ
mit grimmigen, brunnentiefen Augen
mṛtyujvarādibhiḥ yuktaḥ
begleitet von Tod, Fieber und dergleichen
citraguptaḥ api bhīṣaṇaḥ
auch Citragupta ist furchterregend

sarve dūtāśca garjanti yamatulyavibhīṣaṇāḥ / tato bravīti tānsarvānkaṃpamānāṃśca pāpinaḥ

und alle Boten [Yamas] brüllen, furchtbar wie Yama selbst. Dann spricht er zu all jenen zitternden Sündern.

Wort für Wort
sarve dūtāḥ ca garjanti
und alle Boten brüllen
yamatulyavibhīṣaṇāḥ
furchtbar wie Yama selbst
tataḥ bravīti tān sarvān
dann spricht er zu ihnen allen
kampamānān ca pāpinaḥ
den zitternden Sündern

śocantaḥ svāni karmāṇi citragutpo yamājñayā / bho bho pāpā durācārā ahṝṅkārapradūṣitāḥ

während sie ihre eigenen Taten beklagen, [spricht] Citragupta auf Yamas Geheiß: Ihr Sünder, von schlechtem Wandel, durch Hochmut verdorben,

Wort für Wort
śocantaḥ svāni karmāṇi
während sie ihre eigenen Taten beklagen
citraguptaḥ yamājñayā
spricht Citragupta auf Yamas Geheiß
bho bho pāpā durācārāḥ
he, he, ihr Sünder von schlechtem Wandel
ahaṅkārapradūṣitāḥ
durch Hochmut/Ich-Sucht verdorben

kimarthamarjitaṃ pāpaṃ yuṣmābhiravivekibhiḥ / kāmaktodhādidṛṣṭena sagarveṇa tu cetasā

weswegen habt ihr Unbesonnenen Sünde erworben, mit einem Geist, der durch Begierde, Zorn und dergleichen getrübt und voller Hochmut war?

Wort für Wort
kimartham arjitaṃ pāpaṃ
weswegen wurde Sünde erworben
yuṣmābhiḥ avivekibhiḥ
von euch Unbesonnenen
kāmakrodhādidṛṣṭena
mit einem durch Begierde, Zorn und dergleichen getrübten [Blick]
sagarveṇa tu cetasā
und mit hochmütigem Geist

yadyatpāpataraṃ tattatkimarthaṃ caritaṃ janāḥ / kṛtavantaḥ purā pāpānyatyantaharṣitāḥ

Was auch immer an noch größerer Sünde [von euch begangen wurde] - wozu, ihr Leute, habt ihr das getan? Einst habt ihr, über die Maßen erfreut, Sünden begangen.

Wort für Wort
yad yat pāpataraṃ tat tat
was auch immer an je größerer Sünde
kimarthaṃ caritaṃ janāḥ
wozu wurde es getan, ihr Leute
kṛtavantaḥ purā pāpāni
ihr habt einst Sünden begangen
atyantaharṣitāḥ
über die Maßen erfreut

tathaiva yātanā bhojyāḥ kiṃ vṛthā hyatidurivatāḥ / bhṛtyamitrakalatrārthaṃ duṣkṛtaṃ caritaṃ yathā

Ebenso müssen die Qualen [von euch] erlitten werden - wozu vergeblich [jammern], da ihr euch doch überaus verzweifelt zeigt [?]? So wie übles Tun begangen wurde um der Diener, Freunde und Ehefrau willen,

Wort für Wort
tathā eva yātanāḥ bhojyāḥ
ebenso müssen die Qualen erlitten werden
kiṃ vṛthā hi atidurivatāḥ [?]
wozu vergeblich [klagen], da ihr überaus verzweifelt seid
bhṛtyamitrakalatrārthaṃ
um der Diener, Freunde und der Ehefrau willen
duṣkṛtaṃ caritaṃ yathā
so wie übles Tun begangen wurde

[?: "atidurivatāḥ" ist korrupt überliefert; sinngemäß als "exzessiv aufgewühlt/verzweifelt" gedeutet.]

tathā karmavaśātprātpā yūyamatrātiduḥkhitāḥ / yuṣmābhiḥ poṣitā ye tu putrādyā anyatogatāḥ

so seid auch ihr, kraft eurer Taten, hierher gelangt, überaus leidgeplagt. Diejenigen aber, die von euch ernährt wurden - Söhne und so fort -, sind anderswohin gegangen.

Wort für Wort
tathā karmavaśāt prāptāḥ
so seid ihr, kraft eurer Taten, gelangt
yūyam atra atiduḥkhitāḥ
ihr hierher, überaus leidgeplagt
yuṣmābhiḥ poṣitāḥ ye tu
diejenigen aber, die von euch ernährt wurden
putrādyāḥ anyatogatāḥ
Söhne und so fort, sind anderswohin gegangen

yuṣmākameva tatpāpaṃ prātpaṃ kiṃ duḥkhakāraṇam / yathā kṛtāni pāpāni yuṣmābhiḥ subahūni vai

Jene Sünde ist einzig die euere, die nun ihre Frucht erlangt hat - wozu fragt ihr nach der Ursache des Leids? So wie sehr viele Sünden von euch begangen wurden,

Wort für Wort
yuṣmākam eva tat pāpaṃ
jene Sünde ist einzig die euere
prāptaṃ kiṃ duḥkhakāraṇam
die [nun Frucht] erlangt hat - wozu [fragt ihr] nach der Ursache des Leids
yathā kṛtāni pāpāni
so wie Sünden begangen wurden
yuṣmābhiḥ subahūni vai
von euch, sehr viele fürwahr

tathā prātpāni duḥkhāni kimarthamiha duḥkhitāḥ / vicārayadhvaṃ yūyaṃ tu yuṣmābhiścāritaṃ purā

so sind auch die Leiden [von euch] erlangt worden - warum seid ihr hier voller Verwunderung leidgeplagt? Bedenket doch, was einst von euch getan wurde.

Wort für Wort
tathā prāptāni duḥkhāni
so sind auch die Leiden erlangt worden
kimartham iha duḥkhitāḥ
warum seid ihr hier leidgeplagt
vicārayadhvaṃ yūyaṃ tu
bedenket doch, ihr,
yuṣmābhiḥ cāritaṃ purā
was einst von euch getan wurde

yamaḥ kariṣyate daṇḍamiti kiṃ na vicāritam / daridre 'pi ca mūrkhe ca paṇḍite vā śriyānvite

Yama wird Strafe verhängen - habt ihr das nicht bedacht? Sei es beim Armen, beim Toren, beim Gelehrten oder beim mit Glücksgütern Gesegneten,

Wort für Wort
yamaḥ kariṣyate daṇḍam
Yama wird Strafe verhängen
iti kiṃ na vicāritam
habt ihr das nicht bedacht
daridre api ca mūrkhe ca
sei es beim Armen und beim Toren
paṇḍite vā śriyānvite
oder beim Gelehrten oder beim mit Glücksgütern Gesegneten

kāndiśīke ca vīre ca samavartīḥ yamaḥ smṛtaḥ / citragutperitaṃ vākyaṃ śrutvā te pāpinastadā

beim Feigling wie beim Helden - Yama gilt als der, der alle gleich behandelt. Als jene Sünder das von Citragupta gesprochene Wort vernommen hatten,

Wort für Wort
kāndiśīke ca vīre ca
beim Feigling und beim Helden
samavartī yamaḥ smṛtaḥ
gilt Yama als der, der alle gleich behandelt
citraguptīritaṃ vākyaṃ
das von Citragupta gesprochene Wort
śrutvā te pāpinaḥ tadā
als jene Sünder es vernommen hatten

śaucantaḥ svāni karmaṇi tūṣṇīṃ tiṣṭanti bhīṣitāḥ / yamājñākāriṇaḥ krūraścaṇḍā dūtā bhayānakāḥ

beklagten sie ihre eigenen Taten und standen schweigend, voller Furcht, da. Die grausamen, wilden, furchterregenden Boten, Vollstrecker von Yamas Befehl,

Wort für Wort
śocantaḥ [?] svāni karmaṇi
ihre eigenen Taten beklagend
tūṣṇīṃ tiṣṭanti bhīṣitāḥ
standen sie schweigend, voller Furcht, da
yamājñākāriṇaḥ krūrāḥ
die grausamen Vollstrecker von Yamas Befehl
caṇḍā dūtā bhayānakāḥ
die wilden, furchterregenden Boten

[?: "śaucantaḥ" als "śocantaḥ" ("beklagend") gedeutet.]

caṇḍalādyāḥ prasahyaitānnarakeṣu kṣipanti ca / svaduṣkarmaphalaṃ te tu bhuktvānte pāpaśeṣataḥ

die Grausamen und andere [Boten] stoßen diese [Sünder] gewaltsam in die Höllen. Nachdem sie die Frucht ihrer eigenen bösen Taten erfahren haben, gelangen sie am Ende, gemäß dem Rest ihrer Sünde,

Wort für Wort
caṇḍā ādyāḥ prasahya etān
die Wilden und die anderen [Boten] stoßen diese [Sünder] gewaltsam
narakeṣu kṣipanti ca
in die Höllen
svaduṣkarmaphalaṃ te tu
nachdem sie die Frucht ihrer eigenen bösen Taten
bhuktvā ante pāpaśeṣataḥ
erfahren haben, am Ende, gemäß dem Rest ihrer Sünde

mahītalaṃ ca saṃprāpya bhavanti sthaāvarādayaḥ / nārada uvāca / bhagavansaṃśayo jāto maccetasi dayānidhe

wieder zur Erdoberfläche und werden zu unbeweglichen Wesen [Pflanzen] und dergleichen. Nārada sprach: Erhabener, ein Zweifel ist in meinem Geist entstanden, o Hort des Mitleids,

Wort für Wort
mahītalaṃ ca saṃprāpya
zur Erdoberfläche gelangt
bhavanti sthāvarādayaḥ
werden sie zu unbeweglichen Wesen und dergleichen
nārada uvāca
Nārada sprach:
bhagavan saṃśayo jātaḥ
Erhabener, ein Zweifel ist entstanden
maccetasi dayānidhe
in meinem Geist, o Hort des Mitleids

tvaṃ samartho 'si tacchettuṃ yato no hyagrajo bhavān / dharmāśca vividhāḥ proktāḥ pāpānyapi bahūni ca

du bist imstande, ihn zu zerschlagen, da du ja unser Älterer bist. Mannigfache Dharmas wurden [von dir] verkündet, und ebenso viele Sünden;

Wort für Wort
tvaṃ samarthaḥ asi
du bist imstande
tat chettuṃ
ihn zu zerschlagen
yataḥ naḥ hi agrajaḥ bhavān
denn du bist ja unser Älterer
dharmāḥ ca vividhāḥ proktāḥ
mannigfache Dharmas wurden verkündet
pāpāni api bahūni ca
und ebenso viele Sünden

cirabhojyaṃ phalaṃ teṣāmuktaṃ bahuvidā tvayā / dinānte brahmaṇaḥ prokto nāśo lokatrayasya vai

die langdauernd zu erfahrende Frucht dieser wurde von dir auf mannigfache Weise dargelegt. Am Ende des Brahmā-Tages, so wurde erklärt, [erfolgt] der Untergang der drei Welten,

Wort für Wort
cirabhojyaṃ phalaṃ teṣām
die langdauernd zu erfahrende Frucht dieser [Taten]
uktaṃ bahuvidhā tvayā
wurde von dir auf mannigfache Weise dargelegt
dinānte brahmaṇaḥ proktaḥ
am Ende des Brahmā-Tages, so wurde erklärt
nāśo lokatrayasya vai
[erfolgt] fürwahr der Untergang der drei Welten

parārddhadvitayānte tu brahmāṇḍasyāpi saṃkṣayaḥ / grāmadānādipuṇyānāṃ tvayaiva vidhinandana

am Ende der beiden Parārdhas aber [erfolgt] die völlige Zerstörung selbst des Brahmā-Eies [des gesamten Weltalls]. Von den Verdiensten der Dorfgabe und dergleichen [wurde], o Sohn des Ordners [Brahmās], von dir allein

Wort für Wort
parārddhadvitayānte tu
am Ende der beiden Parārdhas [Weltzeitalter-Hälften] aber
brahmāṇḍasya api saṃkṣayaḥ
[erfolgt] die völlige Zerstörung selbst des Brahmā-Eies
grāmadānādipuṇyānāṃ
von den Verdiensten der Dorfgabe und dergleichen
tvayā eva vidhinandana
von dir allein, o Sohn des Ordners [Brahmās]

kalpakoṭisahasreṣu mahānbhoga udāhṛtaḥ / sarveṣāmeva lokānāṃ vināśaḥ prākṛte laye

durch dich allein wurde ein gewaltiger Genuss über tausende Koṭis von Kalpas hinweg dargelegt. Bei der elementaren Weltauflösung aber [erfolgt] die Vernichtung sämtlicher Welten,

Wort für Wort
kalpakoṭisahasreṣu
über tausende Koṭis von Kalpas hinweg
mahān bhogaḥ udāhṛtaḥ
wurde ein gewaltiger Genuss dargelegt
sarveṣām eva lokānāṃ
sämtlicher Welten
vināśaḥ prākṛte laye
[erfolgt] die Vernichtung bei der elementaren Weltauflösung

ekaḥ śiṣyata eveti tvayā proktaṃ janārdanaḥ / eṣa me saṃśayo jātastaṃ bhavāñchettumarhati

Nur Einer bleibt übrig - so wurde von dir gesagt: Janārdana [Viṣṇu allein bleibt bestehen]. Dies ist der Zweifel, der in mir entstanden ist; du mögest ihn zerschlagen.

Wort für Wort
ekaḥ śiṣyate eva iti
nur Einer bleibt übrig - so
tvayā proktaṃ janārdanaḥ
wurde von dir gesagt: Janārdana [bleibt allein]
eṣa me saṃśayo jātaḥ
dies ist der Zweifel, der in mir entstanden ist
taṃ bhavān chettum arhati
du mögest ihn zerschlagen

puṇyapāpopabhogānāṃ samātpirnāsya saṃplave / sanaka uvāca / sādhu sādhau mahāprājña guhyādguhyatamaṃ tvidam

es gibt für dieses Erfahren von Verdienst- und Sündenfrucht keine Vollendung bei der [kosmischen] Überflutung [Weltauflösung]. Sanaka sprach: Gut, gut, o hochweiser [Nārada]! Dies ist geheimer als das Geheimste,

Wort für Wort
puṇyapāpopabhogānāṃ
des Erfahrens von Verdienst- und Sündenfrucht
samāptiḥ na asya saṃplave [?]
es gibt dafür keine Vollendung bei der [kosmischen] Überflutung
sanaka uvāca
Sanaka sprach:
sādhu sādhu mahāprājña
gut, gut, o Hochweiser
guhyād guhyatamaṃ tu idam
dies ist geheimer als das Geheimste

[?: "samātpirnāsya" als "samāptir na asya" ("es gibt keine Vollendung davon") gedeutet.]

pṛṣṭaṃ tatte 'bhidhāsyāmi śṛṇuṣva susamāhitaḥ / nārāyaṇo 'kṣaro 'nantaḥ paraṃ jyotiḥ sanātanaḥ

was du gefragt hast, werde ich dir verkünden; höre wohlgesammelt zu. Nārāyaṇa ist unvergänglich, unendlich, das höchste, ewige Licht,

Wort für Wort
pṛṣṭaṃ tat te abhidhāsyāmi
was du gefragt hast, das werde ich dir verkünden
śṛṇuṣva susamāhitaḥ
höre wohlgesammelt zu
nārāyaṇaḥ akṣaraḥ anantaḥ
Nārāyaṇa ist unvergänglich, unendlich
paraṃ jyotiḥ sanātanaḥ
das höchste, ewige Licht

viśuddho nirguṇo nityo māyāmohavivarjitaḥ / nirguṇo 'pi parānando guṇavāniva bhāti yaḥ

rein, eigenschaftslos, ewig, frei von der durch Māyā bewirkten Verblendung. Obgleich eigenschaftslos, ist er die höchste Wonne, der dennoch erscheint, als besäße er Eigenschaften.

Wort für Wort
viśuddho nirguṇo nityaḥ
rein, eigenschaftslos, ewig
māyāmohavivarjitaḥ
frei von der durch Māyā bewirkten Verblendung
nirguṇo api parānandaḥ
obgleich eigenschaftslos, die höchste Wonne
guṇavān iva bhāti yaḥ
der erscheint, als besäße er Eigenschaften

brahmaviṣṇuśivādyaistu bhedavāniva lakṣyate / guṇopādhikabhedeṣu triṣveteṣu sanātana

Doch durch [die Gestalten von] Brahmā, Viṣṇu, Śiva und andere erscheint er, als besäße er Unterschiede. In diesen drei, durch die Erscheinungsformen der Guṇas bedingten Unterschieden, o Ewiger,

Wort für Wort
brahmaviṣṇuśivādyaiḥ tu
durch [die Gestalten von] Brahmā, Viṣṇu, Śiva und andere aber
bhedavān iva lakṣyate
erscheint er, als besäße er Unterschiede
guṇopādhikabhedeṣu
in den durch die Erscheinungsformen der Guṇas bedingten Unterschieden
triṣu eteṣu sanātana
in diesen dreien, o Ewiger [Nārada]

saṃyojya māyāmakhilaṃ jagatkāryaṃ karoti ca / brahmarupeṇa sṛjati viṣṇurupeṇa pāti ca

verbindet er sich mit der gesamten Māyā und vollbringt das Werk der Welt. In Gestalt Brahmās erschafft er, und in Gestalt Viṣṇus erhält er,

Wort für Wort
saṃyojya māyām akhilaṃ
sich mit der gesamten Māyā verbindend
jagatkāryaṃ karoti ca
vollbringt er das Werk der Welt
brahmarūpeṇa sṛjati
in Gestalt Brahmās erschafft er
viṣṇurūpeṇa pāti ca
und in Gestalt Viṣṇus erhält er

ante ca rudrarupeṇa sarvamattīti niścitam / prasayānte samutthāya brahmarupī janārdanaḥ

und am Ende, in Gestalt Rudras, verzehrt er alles - das steht fest. Am Ende der Weltauflösung erhebt sich Janārdana wieder und, in Gestalt Brahmās,

Wort für Wort
ante ca rudrarūpeṇa
und am Ende, in Gestalt Rudras
sarvam atti iti niścitam
verzehrt er alles - das steht fest
pralayānte samutthāya
am Ende der Weltauflösung sich erhebend
brahmarūpī janārdanaḥ
Janārdana, in Gestalt Brahmās

carācarātmakaṃ viśvaṃ yathāpūrvamakalpayat / sthāvarādyāśaaca viprendra yatra yatra vyavasthitāḥ

erschafft er das aus Beweglichem und Unbeweglichem bestehende Weltall so, wie es zuvor war. Und die unbeweglichen Wesen und die übrigen, o Fürst der Brahmanen, wo immer sie sich befunden hatten,

Wort für Wort
carācarātmakaṃ viśvaṃ
das aus Beweglichem und Unbeweglichem bestehende Weltall
yathāpūrvam akalpayat
gestaltete er so, wie es zuvor war
sthāvarādyāḥ ca viprendra
und die unbeweglichen Wesen und die übrigen, o Fürst der Brahmanen
yatra yatra vyavasthitāḥ
wo immer sie sich befunden hatten

brahmā tattajjagatsarvaṃ yathāpūrvaṃ karoti vai / tasmātkṛtānāṃ pāpānāṃ puṇyānāṃ caiva sattama

Brahmā erschafft jene ganze Welt wiederum, genau wie sie zuvor war. Darum, o Bester, gilt für die begangenen Sünden und Verdienste,

Wort für Wort
brahmā tattajjagatsarvaṃ
Brahmā [erschafft] jene ganze Welt wiederum
yathāpūrvaṃ karoti vai
genau wie sie zuvor war, fürwahr
tasmāt kṛtānāṃ pāpānāṃ
darum gilt für die begangenen Sünden
puṇyānāṃ ca eva sattama
und ebenso für die Verdienste, o Bester

avaśyameva bhoktavyaṃ karmaṇāṃ hyakṣayaṃ phalam / nābhuktaṃ kṣīyate karma kalpakoṭiśatairapi

dass die unvergängliche Frucht der Taten unweigerlich erfahren werden muss. Nicht erfahrene Tat vergeht nicht, selbst nach hundert Koṭis von Kalpas.

Wort für Wort
avaśyam eva bhoktavyaṃ
es muss unweigerlich erfahren werden
karmaṇāṃ hi akṣayaṃ phalam
die unvergängliche Frucht der Taten
na abhuktaṃ kṣīyate karma
nicht erfahrene Tat vergeht nicht
kalpakoṭiśataiḥ api
selbst nach hundert Koṭis von Kalpas

avaśyameva bhoktavyaṃ kṛtaṃ karma śubhāśubham / yo devaḥ sarvalokānāmantarātmā jaganmayaḥ / sarvakarmaphalaṃ bhukte paripūrṇaḥ sanātanaḥ

Gute wie schlechte vollbrachte Tat muss unweigerlich erfahren werden. Der Gott, der der innere Selbst aller Welten ist, der aus dem Universum besteht, der ewig Vollkommene, erfährt die Frucht allen Handelns.

Wort für Wort
avaśyam eva bhoktavyaṃ
unweigerlich muss erfahren werden
kṛtaṃ karma śubhāśubham
gute wie schlechte vollbrachte Tat
yo devaḥ sarvalokānām
der Gott, der aller Welten
antarātmā jaganmayaḥ
innerer Selbst ist, der aus dem Universum besteht
sarvakarmaphalaṃ bhukte
erfährt die Frucht allen Handelns
paripūrṇaḥ sanātanaḥ
der ewig Vollkommene

yo 'sau viśvaṃbharo devo guṇamedavyavasthitaḥ / sūjatyavati cāttyetatsarvaṃ sarvabhugavyayaḥ

Jener Gott, der Weltenträger, der in den Unterscheidungen der Guṇas verweilt [d.h. sich in den drei Erscheinungsweisen manifestiert], erschafft, erhält und verzehrt dies alles - der unvergängliche Genießer von allem.

Wort für Wort
yaḥ asau viśvaṃbharo devaḥ
jener Gott, der Weltenträger
guṇabhedavyavasthitaḥ
der in den Unterscheidungen der Guṇas verweilt
sṛjati avati ca atti
erschafft, erhält und verzehrt
etat sarvaṃ sarvabhuk avyayaḥ
dies alles - der unvergängliche Genießer von allem

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