Śrī Sanatkumāra sprach: Nun will ich die alle Wünsche gewährenden Mantras des Gaṇeśa verkünden, o Fürst der Brahmanen, durch deren Verehrung der Sādhaka Genuss und Erlösung erlangt.
Wort für Wort
śrīsanatkumāra uvāca
Śrī Sanatkumāra sprach
atha vakṣye gaṇeśasya mantrān sarveṣṭadāyakān
nun will ich die alle Wünsche gewährenden Mantras des Gaṇeśa verkünden
yān samārādhya viprendra
durch deren Verehrung, o Fürst der Brahmanen,
sādhako bhuktimuktimān
wird der Sādhaka genuss- und erlösungsbegabt
[Anm.: Der Quelltext von V.1 beginnt mit der vorangestellten Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde devapūjānirūpaṇaṃ nāma saptaṣaṣṭittamo 'dhyāyaḥ“ samt Trennlinie – erkennbar der verschleppte Schlusskolophon des vorangehenden (traditionell 67., projektintern 66.) Kapitels „Darlegung der Götterverehrung“. Diese Zeile gehört nicht zu V.1 und wurde nicht in den Vers-Text (sa) übernommen; für Titel und Nummer des vorliegenden Kapitels ist die vom Auftrag mitgeteilte Schlusskolophon-Angabe „gaṇeśamantravidhānanirūpaṇaṃ ... aṣṭaṣaṣṭitamo 'dhyāyaḥ“ maßgeblich.]
Der Unvergängliche [= oṃ], Viṣṇus Gattin [= śrīṃ], Śambhus Gattin [= hrīṃ], der Fischbanner-Führende [Kāma, = klīṃ], die Erinnerung (smṛti), verbunden mit [der Silbe] „māṃ“, dem Mond und Manu [?] — sie wiederum als „Mondbekrönter“ (Candraśekhara, d.i. Śiva) [benannt].
Wort für Wort
avyayaḥ
der Unvergängliche [oṃ]
viṣṇuvanitā
Viṣṇus Gattin [śrīṃ]
śaṃbhustrī
Śambhus Gattin [hrīṃ]
mīnaketanaḥ
der Fischbanner-Führende (Kāma) [klīṃ]
smṛtiḥ māṃsa-iṃdu-manu-āḍhyā
die Erinnerung, verbunden mit māṃ, Mond und Manu [?]
sā punaś candraśekharā
sie wiederum als „Mondbekrönter“ [Śiva] benannt
[Anm.: Vv.2–4 legen den Gaṇeśa-Mantra in der für Mantroddhāra-Passagen typischen Kennwort-Technik dar (Umschreibung einzelner bīja-Silben durch mit ihnen assoziierte Gottheiten/Begriffe). Der laut V.4 28-silbige Mantra lässt sich anhand der in V.3 klartextlich genannten Schlusssilben („...sarvajanaṃ me vaśamānaya“) mit dem bekannten Gaṇapati-Vaśīkaraṇa-Mantra oṃ śrīṃ hrīṃ klīṃ glauṃ gaṃ gaṇapataye vara varada sarvajanaṃ me vaśamānaya svāhā identifizieren; die genaue Zuordnung der Codewörter dieses Verses zu den mittleren Silben (glauṃ gaṃ) bleibt jedoch unsicher [?].]
ṅeṃto gaṇapatistoyaṃ bhujaṅgo varadeti ca / sarvānte janamuñcārya tato me vaśamānaya
[Es folgt] die auf „ṅeṃ“ [endende Silbe, = gaṃ], [dann] „Gaṇapati“ [wörtlich], „Wasser“ [= va], „Schlange“ [= ra] und „varada“ [wörtlich] — am äußersten Ende, nachdem man „janam“ ausgesprochen hat, sodann „me vaśamānaya“.
Wort für Wort
ṅeṃtaḥ
die auf „ṅeṃ“ endende Silbe [gaṃ]
gaṇapatiḥ
„Gaṇapati“ [wörtlich]
toyaṃ
Wasser [= va]
bhujaṅgaḥ
Schlange [= ra]
varadā iti ca
und „varada“ [wörtlich]
sarvānte janam uñcārya
am äußersten Ende, nachdem man „janam“ ausgesprochen hat,
tato me vaśamānaya
sodann „me vaśamānaya“
[Anm.: Fortsetzung der Mantroddhāra-Angabe aus V.2; „gaṇapati“, „varada“, „janam“ und „me vaśamānaya“ sind hier bereits klartextliche Bestandteile des Mantras, keine verschlüsselten bīja mehr; vgl. Anmerkung zu V.2.]
Dieser 28-silbige Mantra endet mit „Agnis Geliebter“ (Vahnipriyā, = svāhā). Sein Ṛṣi ist Gaṇaka, das Versmaß die mit „viyat“ [Äther/Raum, ?] beginnende Gāyatrī,
Wort für Wort
vahniḥ priyāntaḥ
endend mit „Agnis Geliebter“ (Vahnipriyā = svāhā)
mantro 'yam aṣṭāviṃśativarṇavān
dieser Mantra, 28 Silben umfassend
gaṇakaḥ asya muniḥ
Gaṇaka ist sein Ṛṣi (Seher)
chandaḥ gāyatrī viyad-ādikā
das Versmaß [ist] die mit „viyat“ beginnende Gāyatrī [?]
[?] Die Lesung „viyudādikā“ ist unsicher; vermutlich ist „viyad-ādikā“ (‚mit Äther/Raum beginnend‘) gemeint, eine nähere Kennzeichnung der Gāyatrī-Sonderform.
Gaṇeśa ist die Gottheit, das bīja [und] die sechste [Silbe als] Śakti, mit jenem beginnend; der Anwendungszweck (viniyoga) ist die Gunst des glückhaften großen Gaṇapati.
Wort für Wort
gaṇeśo devatā
Gaṇeśa ist die Gottheit
bījaṃ
[die Silbe „gaṃ“ ist] das bīja
ṣaṣṭaśaktiḥ tadādikā
die sechste [Silbe ist] die Śakti, mit jenem beginnend
śrīmanmahāgaṇapatiprītaye viniyogakaḥ
der Anwendungszweck ist die Gunst des glückhaften großen Gaṇapati
Der beste Sādhaka setze [im Einsetzungsritus] den Ṛṣi auf das Haupt, das Versmaß auf das Gesicht, die Gottheit auf das Herz, das bīja auf die Scham(gegend), die Śakti auf beide Füße.
Mit dem um die sechs langen [Vokale] vermehrten bīja [„yaṃ“ + ā/ī/ū/ai/au/aḥ] und wiederum mit „yaṃ“, dem bīja vorangestellt, setze der Mantrakundige die sechs Glieder (ṣaḍaṅga) dieses [Mantra] ein, verbunden mit den [ihnen zugehörigen] Bezeichnungen.
Wort für Wort
ṣaḍdīrghāḍhyena bījena
mit dem um die sechs langen Vokale vermehrten bīja
yaṃ ca bījādinā punaḥ
und wiederum mit „yaṃ“, dem bīja vorangestellt
ṣaḍaṅgāni nyaset asya
setze die sechs Glieder dieses [Mantra] ein
jātiyuktāni mantravit
verbunden mit den [zugehörigen] Bezeichnungen, [so] der Mantrakundige
Bei den sechs Gliedern ist fürwahr die Śaiva-Sechsglieder-Mudrā einzusetzen. Ebenso setze man, mit „gāṃ“ beginnend, die Erdwelt (Bhūrloka) von beiden Füßen bis zum Nabel ein.
Mit „gīṃ“ beginnend setze man die Zwischenwelt (Bhuvarloka) vom Nabel bis zum Hals ein; mit „gūṃ“ beginnend die Himmelswelt (Svarloka) vom Hals bis zum Scheitel.
Wort für Wort
gīmādyaṃ ca bhuvarlokaṃ
die mit „gīṃ“ beginnende Zwischenwelt (Bhuvarloka)
kaṇṭhāntaṃ nābhito nyaset
setze man vom Nabel bis zum Hals ein
svarlokaṃ caiva gūmādyaṃ
und ebenso die mit „gūṃ“ beginnende Himmelswelt (Svarloka)
Mit dem Wurzelmantra [erfolgt] die alldurchdringende [Einsetzung]; dies ist die sogenannte „Welten“-Einsetzung. Nachdem man den Wurzelmantra ausgesprochen hat, spreche man [je] einen Buchstaben der Mātṛkā (des Alphabets).
Wort für Wort
vyāpakaṃ mūlamantreṇa
die alldurchdringende [Einsetzung] mit dem Wurzelmantra
Auch an dessen Ende stehe wiederum der Wurzelmantra, [wobei er jeweils] auf „namaḥ“ endet, an der Stelle der Mātṛkā-Silbe. Nachdem man [die Reihe] bis „kṣa“ eingesetzt hat, bewirke der Kluge mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung].
Wort für Wort
tadante 'pi ca mūlaṃ syāt
auch an dessen Ende stehe der Wurzelmantra
namoṃtaṃ mātṛkāsthale
auf „namaḥ“ endend, an der Stelle der Mātṛkā-Silbe
kṣāntaṃ vinyasya
nachdem man [die Reihe] bis „kṣa“ eingesetzt hat
mūlena vyāpakaṃ racayet sudhīḥ
bewirke der Kluge mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende Einsetzung
varṇanyā so 'yamākhyātaḥ padanyāsastathocyate / pañcatribāṇavahnīnducandrākṣinigamaiḥ kramāt
Dies wurde als „Buchstaben-Einsetzung“ (varṇanyāsa) bezeichnet; ebenso wird [nun] die „Wort-Einsetzung“ (padanyāsa) genannt: der Reihe nach mit den [als Silbenzahlen verschlüsselten] Wörtern „fünf“, „drei“, „Pfeil“ (=5), „Feuer“ (=3), „Mond“ (=1), „Mond“ (=1) [?], „Auge“ (=2) und „Veda“ (=4),
Wort für Wort
varṇanyāsaḥ so 'yam ākhyātaḥ
dies wurde als „Buchstaben-Einsetzung“ bezeichnet
padanyāsas tathā ucyate
ebenso wird die „Wort-Einsetzung“ genannt
pañca-tri-bāṇa-vahni-
mit [den Zahlwörtern] „fünf“, „drei“, „Pfeil“ (5), „Feuer“ (3),
indu-candra-akṣi-nigamaiḥ kramāt
„Mond“ (1), „Mond“ (1) [?], „Auge“ (2) und „Veda“ (4), der Reihe nach
[?] Die Zahlwort-Kette „pañca-tri-bāṇa-vahni-indu-candra-akṣi-nigama“ verschlüsselt vermutlich die Silbenzahlen der acht Wortglieder (pada) der in Vv.14f. gegebenen Wurzel-Gāyatrī; die doppelte Nennung von „indu“ und „candra“ (beide = Mond, Zahl 1) ist auffällig und bleibt unsicher [Anm.].
— den acht, aus der Wurzel-Gāyatrī unterteilten und mit „hṛd“ (Herz) endenden Wörtern — [setze diese ein] an der Stirn, im Gesicht, am Hals, am Herzen, am Nabel, an den Hüften/Schenkeln, an den Knien,
— und ebenso, an beiden Füßen einsetzend, bewirke man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende [Einsetzung]. Man spreche [das erste Wort], endend auf „tatpuruṣāya“, dann das Wort „vidmahe“,
Wort für Wort
pādayoś caiva vinyasya
und ebenso an beiden Füßen einsetzend
mūlena vyāpakaṃ caret
bewirke man mit dem Wurzelmantra die alldurchdringende Einsetzung
[dann das Wort] endend auf „vakratuṇḍāya“, spreche man „dhīmahi“; [dann] „tanno dantiḥ“, [und schließlich] die Silben „praco“ [und] „dayāt“ spreche man wiederum.
Wort für Wort
vakratuṇḍāya śabdānte
endend auf das Wort „vakratuṇḍāya“
dhīmahi iti samīrayet
spreche man „dhīmahi“
tanno dantiḥ
[dann] „tanno dantiḥ“
pracovarṇā dayāt iti vadet punaḥ
die Silben „praco“ [und] „dayāt“ spreche man wiederum
Dies ist die genannte Wurzel-Gāyatrī, die alle Vollkommenheit gewährt. Nachdem man so den Einsetzungsritus (nyāsa) vollzogen hat, meditiere man solchermaßen im Lotus des Herzens:
— gleich der aufgehenden Sonne, Ursache von Bestand und Ende der Welt, mit seiner Śakti, an den Gliedern geschmückt, den Stoßzahn, den Diskus u.a. als [seine] erhobenen Waffen [tragend],
— so meditierend, murmle man den Mantra vierhundertvierundvierzigtausendmal [400.000 + 44.000], [und opfere] mit acht Substanzen ein Zehntel [davon im Feuer].
Modaka-Süßspeisen, Kokosnüsse und gerösteten Reis — [dies] ist als die achtfache Opfersubstanz überliefert. Man verehre den Sitz (pīṭha), beginnend mit der Grundkraft bis hin zum höchsten Prinzip,
Wort für Wort
modakā nārikelāni lājā
Modaka, Kokosnüsse, gerösteter Reis
dravyāṣṭakaṃ smṛtam
als die achtfache Opfersubstanz überliefert
pīṭham ādhāraśakty-ādi-
man verehre den Sitz, beginnend mit der Grundkraft,
ṣaṭkoṇāntastrikoṇaṃ ca bahiraṣṭadalaṃ likhet / bhūpuraṃ tadbahiḥ kṛtvā gameśaṃ tatra pūjayet
man zeichne im Innern eines Sechsecks ein Dreieck, außen einen Achtblatt-Lotus; nachdem man darum die Erdenstadt (das quadratische Rahmenwerk) gezogen hat, verehre man dort den Herrn der Gaṇas.
— die „Heftige“ (Tīvrā), die „Flammende“, die „Freudvolle“, die „Genuss-Gebende“, die „Wunschgestaltige“, die „Vorderste“, die „Glanzreiche“, die „Wahrhaftige“ und als neunte die „Hindernis-Vernichtende“.
Wort für Wort
tīvrākhyā jvālinī nandā
die „Heftige“ genannte, die „Flammende“, die „Freudvolle“
bhogadā kāmarūpāṇī
die „Genuss-Gebende“, die „Wunschgestaltige“
agrā tejovatī satyā
die „Vorderste“, die „Glanzreiche“, die „Wahrhaftige“
„Dem auf dem Lotussitz der Ur-Allkraft [Sitzenden]“ — mit der Herzformel endend — dies ist der Sitzmantra (pīṭhamantra); mit diesem gebe man den vortrefflichen Sitz dar.
Wort für Wort
sarvādiśaktikamalāsanāya
„Dem auf dem Lotussitz der Ur-Allkraft [Sitzenden]“
Nachdem man dort den Herrn der Gaṇas herbeigerufen und in der Mitte sorgfältig verehrt hat, verehre man außerhalb der Ecken in den vier Himmelsrichtungen, beginnend im Osten, der Reihe nach:
Wort für Wort
tatrāvāhya gaṇādhīśaṃ
nachdem man dort den Herrn der Gaṇas herbeigerufen hat
madhye sampūjya yatnataḥ
und in der Mitte sorgfältig verehrt hat
vikoṇabāhye pūrvādicaturdikṣu
außerhalb der Ecken, in den vier Richtungen, beginnend im Osten,
— Śrī und den Gemahl der Śrī, ebenso Gaurī und den Gemahl der Gaurī, [ferner] im Westen Rati und den Gemahl der Rati, und im Osten die Erde (Mahī) samt dem Eber.
Der Reihe nach verehre man unterhalb [der Bildnisse] mit den Namen Bilva-, Banyan- (vaṭa), Aśvattha- und Priyaṅgu-Baum [?]; Ramā [dargestellt] mit einem Lotuspaar in den Händen; Hari, Muschel und Diskus tragend;
Wort für Wort
kramād bilva-vaṭa-aśvattha-priyaṅgu-
der Reihe nach mit den Namen Bilva-, Banyan-, Aśvattha- und Priyaṅgu-Baum [?]
nāma adhaḥ arcayet
unterhalb [der Bildnisse] verehre man
ramā padmadvayakarā
Ramā, mit einem Lotuspaar in den Händen
śaṅkhacakradharo hariḥ
Hari, Muschel und Diskus tragend
[?] Die Lesung „kramādilvavaṭāśvatthapriyagūnāmadhor'cayet“ ist unsicher; vermutlich ist mit den Baumnamen Bilva, Vaṭa, Aśvattha und Priyaṅgu die für die jeweilige Gottheit vorgesehene Zweig-/Blattgabe gemeint.
Gaurī, Schlinge und Elefantenstachel tragend; Hara, Meißel und Dreizack tragend; Rati, mit einem Lotus in der Hand; Smara (Kāma), Blütenpfeil und Bogen tragend;
Man verehre in den sechs Ecken die mit Āmoda beginnenden [Begleitgötter], je mit ihrer Geliebten versehen; Āmoda, verbunden mit Siddhi, verehre man zuerst im Osten;
Wort für Wort
pūjayet ṣaṭsu koṇeṣu
man verehre in den sechs Ecken
āmodādyān priyāyutān
die mit Āmoda beginnenden, mit ihrer Geliebten versehenen [Begleitgötter]
vāruṇe madanāvatyā saṃyutaṃ durmukhaṃ yajet / yajennairṛtyakoṇe tu vighnaṃ madadravāyutam
in der Varuṇa-Ecke (Westen) verehre man Durmukha, verbunden mit Madanāvatī; in der Nairṛti-Ecke (Südwesten) verehre man Vighna, verbunden mit Madadravā;
Wort für Wort
vāruṇe madanāvatyā saṃyutaṃ
in der Varuṇa-Ecke (Westen), verbunden mit Madanāvatī
in der Vāyu-Ecke (Nordwesten) verehre man Vighnakartā, verbunden mit Drāviṇī — [diese Begleitgötter] mit Schlinge, Elefantenstachel und Furchtlosigkeits[geste] in den Händen, gleich einer jungen Sonne im Glanz,
Wort für Wort
drāviṇyā vighnakartāraṃ
Vighnakartā, verbunden mit Drāviṇī,
vāyukoṇe samarcayet
verehre man in der Vāyu-Ecke (Nordwesten)
pāśāṅkuśābhayakarān
mit Schlinge, Elefantenstachel und Furchtlosigkeits[geste] in den Händen
kapolavigaladdānagandhalubdhāliśobhitān / ṣaṭkoṇobhayapārśve tu śaṅkhapadmanibhau kramāt
— geschmückt mit von den Wangen rinnendem Brunstsaft und den nach dessen Duft gierigen Bienen; zu beiden Seiten des Sechsecks der Reihe nach [verehre man] die dem Muschel- und dem Lotus[-Schatzherrn] gleichenden [Torwächter],
Wort für Wort
kapolavigaladdānagandhalubdhāli-śobhitān
geschmückt mit den nach dem Duft des von den Wangen rinnenden Brunstsaftes gierigen Bienen
ṣaṭkoṇobhayapārśve tu
aber zu beiden Seiten des Sechsecks
śaṅkhapadmanibhau kramāt
die dem Muschel- und dem Lotus[-Schatz] gleichenden [Torwächter], der Reihe nach
sahitau nijaśaktibhyāṃ dhyātvā pūrvavadarcayet / keśareṣu ṣaḍaṅgāni patreṣvaṣṭau tu mātaraḥ
— diese beiden, je mit ihrer eigenen Śakti versehen, meditiere man und verehre wie zuvor. Auf den Staubfäden [des Lotus verehre man] die sechs Glieder, auf den Blütenblättern aber die acht Mütter,
und auch Indra u.a. mit dem Blitz u.a. [als Waffen] verehre man im „Erdhaus“ (dem äußeren Quadrat). Nachdem man so den Herrn der Hindernisse verehrt hat, erlange man die Erfüllung der eigenen Herzenswünsche.
Wort für Wort
indrādyān api vajrādīn
auch Indra u.a. mit dem Blitz u.a.
pūjayed dharaṇīgṛhe
verehre man im „Erdhaus“ (äußeres Quadrat)
evam ārādhya vighneśaṃ
nachdem man so den Herrn der Hindernisse verehrt hat
mit Lotusblüten bezwinge er Könige, mit blauen Lotusblüten ebenso deren Gattinnen, mit weißen Lotusblüten Minister, mit glückverheißenden Aśvattha-Brennhölzern die Brahmanen,
Wort für Wort
padmais tu vaśayed bhūpān
mit Lotusblüten bezwinge er Könige
tatpatnīś ca utpalais tathā
und deren Gattinnen ebenso mit blauen Lotusblüten
kumudair mantriṇaḥ
mit weißen Lotusblüten die Minister
aśvatthasamidbhir vāḍavān śubhaiḥ
mit glückverheißenden Aśvattha-Brennhölzern die Brahmanen
mit aus Uḍumbara-Holz [gewonnenen Brennhölzern] Fürsten, mit aus Plakṣa-Holz gewonnenen die Vaiśyas, und mit aus Vaṭa-Holz gewonnenen Brennhölzern bezwinge der Weise die Niedrigsten.
Wort für Wort
uduṃbarotthair nṛpatīn
mit aus Uḍumbara-Holz gewonnenen [Brennhölzern] die Fürsten
Durch geklärte Butter [im Homa] erlangt man Glanz/Wohlstand, durch Honig erfolgt der Erwerb von Gold, durch Kuhmilch der Gewinn an Rindern, durch Dickmilch wird man reich an allem Wohlstand.
Durch ein Speiseopfer erlangt man Speise, durch Opferhölzer der Weide Wasser; durch Opfer mit glückverheißenden Färberdistel-Blüten erlangt man Gewänder.
atha sarveṣṭadaṃ vakṣye caturāvṛttitarpaṇam / mūlenādau caturvāraṃ pratyekaṃ ca pratarpayet
Nun will ich das alle Wünsche gewährende „vierfach-wiederholte Tarpaṇa (Wasseropfer)“ verkünden: Zuerst befriedige man viermal mit dem Wurzelmantra, und dann jeden Einzelnen [der Begleitgötter] befriedige man [ebenfalls je viermal];
Wort für Wort
atha sarveṣṭadaṃ vakṣye
nun will ich das alle Wünsche gewährende [Verfahren] verkünden
pūrvamantrākṣarairmantraiḥ svāhāntaiśca catuścatuḥ / mūlamantraiścaturvārapūrvakaṃ saṃpratarpya ca
mit den vorher [genannten] Mantra-Silben [gebildeten] Mantras, endend auf „svāhā“, je viermal, und nach vorausgehendem vierfachem Wurzelmantra ordnungsgemäß befriedigend,
Wort für Wort
pūrvamantrākṣarair mantraiḥ
mit den aus den vorherigen Mantra-Silben [gebildeten] Mantras
evañca ṣaḍviṃśatidhā mithunāni bhavanti hi / svanāmādyarṇabījāni tāni santarpayetkramāt
und so gibt es fürwahr sechsundzwanzig Paare; diese, [gebildet] aus den mit dem Anfangsbuchstaben ihres eigenen Namens versehenen bīja-Silben, befriedige man der Reihe nach.
Wort für Wort
evañca ṣaḍviṃśatidhā
und so, in sechsundzwanzigfacher Weise
mithunāni bhavanti hi
gibt es fürwahr Paare
svanāmādyarṇabījāni
die aus dem bīja des Anfangsbuchstabens ihres eigenen Namens [gebildeten]
Zusammengenommen ergibt sich [die Zahl] vierhundertvierundvierzig. Nachdem man so [alle] befriedigt hat, [verehre man] danach wie zuvor mit den [üblichen] Opferdarbringungen,
sarvābhīṣṭaṃ ca saṃprārthya praṇamyodvāsayetsudhīḥ / bhādrakṛṣṇacaturthyādipratimāsamatandritaḥ
und nachdem man um die Erfüllung aller Wünsche gebeten und sich verneigt hat, entlasse der Kluge [die Gottheit]. Beginnend mit der vierten Tithi der dunklen Monatshälfte des Bhādra-Monats, monatlich, unermüdlich,
Wort für Wort
sarvābhīṣṭaṃ ca saṃprārthya
und nachdem man um die Erfüllung aller Wünsche gebeten hat
praṇamya udvāsayet sudhīḥ
entlasse der Kluge sich verneigend [die Gottheit]
bhādrakṛṣṇacaturthyādi
beginnend mit der vierten Tithi der dunklen Bhādra-Hälfte
vom Sonnenaufgang beginnend, bis der Mondaufgang eintritt, setze sich der Mantrakundige solange nicht auf den Boden, seine Rede, sein Handeln und seinen Geist beherrschend.
Dann, bei Mondaufgang, verehre der Mantrakundige den Führer der Gaṇas nach der zuvor genannten Vorschrift ordnungsgemäß mit mancherlei Blumendarbringungen,
dann gebe man, mit Kampfer, Safran, roten Blüten samt Sandelholz, dem mit „ṅeṃ“ endenden Wurzelmantra [entsprechend] dem Gaṇapati ein Arghya (Ehrenwasser) dar;
Wort für Wort
tataḥ karpūrakāśmīraraktapuṣpaiḥ sacandanaiḥ
dann mit Kampfer, Safran, roten Blüten samt Sandelholz
„Dies stelle ich [dir] als Arghya bereit“ — [dieser], mit „hṛdaya“ endend, gilt als der Arghya-Mantra. Nachdem man [den Gott] gepriesen, sich verneigt und entlassen hat, verehre man sodann wiederum den Mond,
Wort für Wort
idam ardhyaṃ kalpayāmi
„dies stelle ich als Arghya bereit“
hṛdantaḥ ardhyamanuḥ mataḥ
mit „hṛdaya“ endend gilt [dieser] als Arghya-Mantra
stutvā natvā visṛjya
nachdem man gepriesen, sich verneigt und entlassen hat
und verzehre selbst die andere Hälfte, als Keuschheitsschüler, mit gebändigten Sinnen. Wer so dieses Gelübde ein volles Jahr lang ordnungsgemäß vollzieht,
jener Mensch erlangt Söhne, Enkel, Glück, Reichtum und Gesundheit. Ist der Mantrakundige vom Sonnenaufgang an [dazu] nicht imstande, [beginne er] vom Sonnenuntergang an,
und vollziehe das Gelübde nach der zuvor genannten Vorschrift bis zum Mondaufgang; auch wenn es so vollzogen wird, erlangt man gewiss die zuvor genannte Frucht.
Wort für Wort
candrodayāntaṃ pūrvoktavidhinā
bis zum Mondaufgang, nach der zuvor genannten Vorschrift
— man fertige ein Gaṇeśa-Bildnis aus Elefantenzahn oder auch aus Affenbrotbaum(-Holz) [?], aus Elefantenknochen [?], aus Nimbaholz oder auch wiederum aus weißer Akazie (Arka),
Wort für Wort
gaṇeśapratimāṃ dantidantena
ein Gaṇeśa-Bildnis aus Elefantenzahn
kapinā api vā
oder auch aus Affenbrotbaum(-Holz) [?]
gajabhagrena niṃbena
aus Elefantenknochen [?], aus Nimbaholz
sitārkeṇa athavā punaḥ
oder auch wiederum aus weißer Akazie
[?] Die Lesungen „kapinā“ (wörtl. ‚mit dem Affen‘, vermutlich für ein Baummaterial wie „kapittha“) und „gajabhagrena“ (vermutlich für ‚Elefantenknochen‘ o.ä.) sind im Quelltext unklar/verderbt.
— nachdem man [das Bildnis] gefertigt und darin, nach vorausgehender Lebenskraft-Einsetzung, [die Gottheit] herbeigerufen hat, und der Mantrakundige es vorschriftsgemäß verehrt hat, wenn der Mond von Rāhu ergriffen ist [d.h. bei einer Mondfinsternis],
Wort für Wort
kṛtvā tasyāṃ samāvāhya
nachdem man [es] gefertigt und darin herbeigerufen hat
prāṇasthāpanapūrvakam
nach vorausgehender Lebenskraft-Einsetzung
abhyarcya vidhivan mantrī
nachdem der Mantrakundige es vorschriftsgemäß verehrt hat
Das bīja ist „Varāha“ [d.i. die Eber-Silbe], beide mit Bindu versehen; Manu und Indu bilden [die Silbe] „anna“, sodann in der Kali[-Silbe]; die „Erinnerung“, mit māṃ, Indu und Manu voran, spreche man am Ende des Wortes „karṇa“, im Bereich des Gaṇa. [?]
Wort für Wort
bījaṃ varāhaḥ
das bīja [ist] „Varāha“ (die Eber-Silbe)
binduāḍhyau
beide mit Bindu (Anusvāra) versehen
manu-indu-annau kalau tataḥ
Manu und Indu [bilden] „anna“, sodann in der Kali[-Silbe] [?]
smṛtiḥ māṃsa-indu-manu-agrā
die „Erinnerung“, mit māṃ, Mond und Manu voran
karṇocchiṣṭagaṇe vadet
spreche man am Ende des Wortes „karṇa“, im Bereich des Gaṇa [?]
[Anm.: Dieser Vers legt, wie bereits Vv.2–4, einen weiteren Gaṇeśa-Mantra in stark verschlüsselter Kennwort-Technik dar (vgl. den unmittelbar folgenden „Bali-Mantra“ in V.60 und den „Neunsilbigen“ in Vv.61f.); eine sichere Entschlüsselung der einzelnen Codewörter ist ohne Parallelüberlieferung nicht möglich [?].]
Bakaḥ (der Kranich, [Codewort, ?]), verbunden mit dem langvokaligen Wind(-bīja), „für den großen Yakṣa“, „yaṃ“, [das Wort] „bali“ (Opfergabe) — dies wird als der Bali-Mantra bezeichnet; ist [auch nur] eine Silbe [davon fehlerhaft, so] gewährt er nicht alle Wünsche.
Wort für Wort
bakaḥ sadīrghapavanaḥ
der Kranich [Codewort, ?], verbunden mit dem langvokaligen Wind(-bīja)
mahāyakṣāya yaṃ baliḥ
„für den großen Yakṣa“, „yaṃ“, „bali“ (Opfergabe)
balimantro 'yam ākhyātaḥ
dies wird als der Bali-Mantra bezeichnet
na ced varṇo 'khileṣṭadaḥ
ist [auch nur] eine Silbe [fehlerhaft], gewährt er nicht alle Wünsche
[?] Das Codewort „bakaḥ“ (Kranich) für die zugehörige bīja-Silbe bleibt unsicher.
praṇavo bhuvaneśānīsvabījānte navārṇakaḥ / hastīti ca piśācīti likheñcaivāgriṃsuṃdarī
Die Praṇava-Silbe (oṃ), [dann] „Bhuvaneśānī“ mit ihrer eigenen bīja-Silbe am Ende — [so ergibt sich] der Neunsilbige; man spreche/schreibe auch „hastī“ und „piśācī“, und ganz voran „Sundarī“.
Wort für Wort
praṇavo bhuvaneśānī-
die Praṇava-Silbe (oṃ), [dann] „Bhuvaneśānī“
svabījānte navārṇakaḥ
mit ihrer eigenen bīja-Silbe am Ende — der Neunsilbige
Dieser Neunsilbige ist [so] dargelegt; er gewährt denen, die ihn verehren, alle Vollkommenheit. Mit den Wörtern des ganzen Mantras bewirke man die fünf Glieder (pañcāṅga).
Wort für Wort
navārṇo 'yaṃ samuddiṣṭaḥ
dieser Neunsilbige ist [so] dargelegt
bhajatāṃ sarvasiddhidaḥ
er gewährt denen, die ihn verehren, alle Vollkommenheit
Wasser [= va] [und] Vidhi (Brahmā) [?], verbunden mit dem durch Feuer vermehrten [Silbenpaar] Karṇa und Indu [?], ebenso Hari [?], der langvokalige Dāraka (Kind) [?] [und] Vāyu (Wind) — dieser, mit der Panzer(-formel) endend, ist der sechssilbige „Rasa-Mantra“.
Wort für Wort
toyaṃ vidhiḥ
Wasser [= va, Codewort] [und] Vidhi (Brahmā) [?]
vahniyuktakarṇendvāḍhyo haris tathā
verbunden mit dem durch Feuer vermehrten Karṇa und Indu, ebenso Hari [?]
sadīrgho dārako vāyuḥ
der langvokalige Dāraka (Kind) [und] Vāyu (Wind) [?]
varmānto 'yaṃ rasārṇakaḥ
dieser, mit der Panzerformel endend, ist der (sechssilbige) Rasa-Mantra
[?] Die genaue Silben-Zuordnung dieser Mantroddhāra-Kette (Wasser, Vidhi, Karṇa, Indu, Hari, Dāraka, Vāyu) ist unsicher; „rasārṇaka“ dürfte über die Zahlsymbolik von „rasa“ (= 6) auf einen sechssilbigen Mantra verweisen.
Bhārgava (Bhṛgu) ist sein Ṛṣi, das Versmaß Anuṣṭubh, die Gottheit der Herr der Gaṇas; das mit „Vakratuṇḍa“ benannte [Wort] ist das bīja, „vaṃ“ die Śakti, [und dieser Mantra dient] wiederum als Panzer.
Wort für Wort
bhārgavo 'sya muniḥ
Bhārgava ist sein Ṛṣi
chando 'nuṣṭub devo gaṇādhipaḥ
das Versmaß Anuṣṭubh, die Gottheit der Herr der Gaṇas
tāradṛnmadhyagairmantravarṇaiścandravibhūṣitaiḥ / kṛtvā ṣaḍaṅgamantrārṇānbhrūmadhye ca gale hṛdi
Nachdem man mit den zwischen dem Praṇava (tāra) und dem Schluss[wort] befindlichen, mit dem Mond (Anusvāra) geschmückten Mantra-Silben die sechs Silben der Sechsglied-Einsetzung gebildet hat, [setze man sie ein] zwischen den Augenbrauen, am Hals, am Herzen,
Wort für Wort
tāradṛnmadhyagair mantravarṇaiḥ
mit den zwischen dem Praṇava und dem [Schluss] befindlichen Mantra-Silben [?]
candravibhūṣitaiḥ
mit dem Mond (Anusvāra) geschmückt
kṛtvā ṣaḍaṅgamantrārṇān
nachdem man die sechs Silben der Sechsglied-Einsetzung gebildet hat
bhrūmadhye ca gale hṛdi
zwischen den Augenbrauen, am Hals, am Herzen
[?] Die genaue Bedeutung von „dṛś“ (‚dṛn-madhyagaiḥ‘) als Bezugspunkt der ‚mittleren‘ Silben ist unsicher.
— am Nabel [?], am Geschlechtsorgan und an [beiden] Füßen einsetzend, bewirke man mit dem ganzen [Mantra] die alldurchdringende [Einsetzung]. [Man meditiere über Gaṇeśa] mit dem Glanz der aufgehenden Sonne, mit seinen Händen Schlinge, Elefantenstachel, Gewährungs- und Furchtlosigkeits[geste]
Wort für Wort
nābhau [?] liṅge pade nyasya
am Nabel [?], am Geschlechtsorgan und an den Füßen einsetzend
akhilena vyāpakaṃ caret
bewirke man mit dem ganzen [Mantra] die alldurchdringende Einsetzung
udyadarkadyutiṃ
mit dem Glanz der aufgehenden Sonne
hastaiḥ pāśāṅkuśavarābhayān
mit den Händen Schlinge, Elefantenstachel, Gewährungs- und Furchtlosigkeitsgeste
[?] Die Lesung „nāmau“ ist unklar; vermutlich ist „nābhau“ (‚am Nabel‘) gemeint.
dadhataṃ gajavaktraṃ ca raktabhūṣāṃbaraṃ bhajet / dhyātvaivaṃ prajapettarkalakṣaṃ dravyairdaśāṃśataḥ
tragend, mit Elefantengesicht, in rote Gewänder und Schmuck gekleidet — man verehre [ihn so]. So meditierend, murmle man [den Mantra] hunderttausendmal [?], [und opfere] mit den [genannten] Substanzen ein Zehntel [davon im Feuer],
Wort für Wort
dadhataṃ gajavaktraṃ ca
tragend, mit Elefantengesicht
raktabhūṣāṃbaraṃ bhajet
in rote Gewänder und Schmuck gekleidet, verehre man
dhyātvā evaṃ prajapet tarkalakṣaṃ
so meditierend murmle man hunderttausendmal [?]
dravyair daśāṃśataḥ
mit den [genannten] Substanzen ein Zehntel [im Feuer]
[?] Die Zahlangabe „tarkalakṣa“ (wörtl. ‚Tarka-Lakh‘) ist als verschlüsselte Zahl unsicher; möglicherweise ist mit der Zahlsymbolik ‚100.000‘ gemeint.
opfere mit den acht [Substanzen]; am Sitz verehre man [die Gottheit] samt den mit Tīvrā beginnenden [Śaktis]. Nachdem man ein Bildnis mit einem Bildnis-Mantra [rituell] bestimmt hat, rufe man [die Gottheit] darin herbei und verehre sie.
Wort für Wort
aṣṭabhir juhuyāt
opfere mit den acht [Substanzen]
pīṭhe tīvrādisahitaḥ arcayet
am Sitz verehre man samt den mit Tīvrā beginnenden [Śaktis]
mūrtiṃ mūrtena saṃkalpya
nachdem man ein Bildnis mit einem Bildnis-Mantra bestimmt hat
tasyām āvāhya pūjayet
rufe man darin [die Gottheit] herbei und verehre sie
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni patreṣvaṣṭau tu śaktayaḥ / yajedvidyāṃ vidhātrīṃ ca bhogadāṃ vipraghātinīm
In den sechs Ecken [verehre man] die sechs Glieder, auf den acht [Lotus-]Blättern aber die acht Śaktis: man verehre Vidyā, Vidhātrī, Bhogadā, Vipraghātinī,
labdhvā gurumukhānmantraṃ dīkṣāsaṃskārapūrvakam / brahmacārī haviṣyāśī satyavāk ca jitendriyaḥ
Nachdem man den Mantra aus dem Munde des Lehrers empfangen hat, nach vorausgehendem Weihe-Sakrament, [sei man] Keuschheitsschüler, esse geweihte Opferspeise, spreche wahrhaftig und beherrsche die Sinne;
Wort für Wort
labdhvā gurumukhān mantraṃ
nachdem man den Mantra aus dem Munde des Lehrers empfangen hat
dīkṣāsaṃskārapūrvakam
nach vorausgehendem Weihe-Sakrament
brahmacārī haviṣyāśī
als Keuschheitsschüler, geweihte Opferspeise essend
japedarkasahasraṃ tu ṣaṇmāsaṃ homasaṃyutam / dāridṣaṃ tu parābhūya jāyate dhanadopamaḥ
man murmle [den Mantra] zwölftausendmal sechs Monate lang, verbunden mit Feueropfer; die Armut bezwingend, wird man dem Gott des Reichtums (Kubera) gleich.
von einer vierten Tithi bis zur nächsten vierten Tithi murmle man ehrfürchtig zehntausendmal; täglich hundertundacht Mal opfernd erlangt man die zuvor genannte Frucht.
Wort für Wort
caturthyādi caturthyantaṃ
von einer vierten Tithi bis zur [nächsten] vierten Tithi
pakṣayorubhayormantrī caturthyāṃ juhuyācchatam / apūpairvatsare sa syātsamṛddheḥ paramaṃ padam
An der vierten Tithi beider Mond-Hälften opfere der Mantrakundige hundertmal mit Kuchen; binnen eines Jahres erlangt er die höchste Stufe des Wohlstands.
aṅgārakacaturthyāṃ tu devamiṣṭvā vidhānataḥ / haviṣā pāyasānnena naivedyaṃ parikalpayet
An der auf einen Dienstag fallenden vierten Tithi aber, nachdem man den Gott vorschriftsgemäß verehrt hat, bereite man mit geweihter Opferspeise und Milchreis die Opfergabe zu,
Wort für Wort
aṅgārakacaturthyāṃ tu
an der Dienstags-Vierten aber
devam iṣṭvā vidhānataḥ
nachdem man den Gott vorschriftsgemäß verehrt hat
haviṣā pāyasānnena
mit geweihter Opferspeise und Milchreis
naivedyaṃ parikalpayet
bereite man die Opfergabe zu
[Anm.: Im Quelltext „haviṣā pā yasānnena“ mit Leerstelle innerhalb des Wortes „pāyasānnena“ (Milchreis-Speise); als einfacher Worttrennungsfehler stillschweigend zusammengezogen.]
Nachdem man Gaṇeśa mit gepufftem Reis, Milchreis, Küchlein, Modaka und mancherlei Früchten verehrt hat, [nehme] der Mantrakundige sodann Kurkuma und Steinsalz,
— sowie Kalmuswurzel, im Gewicht eines halben Niṣka oder der Hälfte davon, und murmle den Mantra; nachdem man das Pulver gereinigt hat, gebe man [davon] eine Handvoll in Kuh-Urin,
und, nachdem man es tausendmal mit dem Mantra beschworen hat, gebe man es sorgfältig einer Frau, die am [ersten] Tag nach ihrer Regelblutung gebadet, rein, in weiße Gewänder gekleidet und glückverheißend ist,
Wort für Wort
sahasrakṛtvo manunā mantrayitvā
nachdem man es tausendmal mit dem Mantra beschworen hat
prayatnataḥ
sorgfältig
snātām ṛtudine śuddhāṃ
die am [ersten] Tag nach der Regelblutung gebadet, rein [ist]
vor die Gottheit gestellt, gebe der Kluge [ihr] das Heilmittel zu trinken; so erlangt selbst eine unfruchtbare Frau einen mit allen guten Merkmalen ausgestatteten Sohn.
Nun will ich ein anderes, höchst wunderbares Geheimnis verkünden: Nachdem man sorgfältig ein Stück Erde von der Größe einer Kuhhaut [mit Kuhdung] beschmiert hat,
gefüllt mit der geklärten Butter der braunroten [Kuh], eine neue, glückverheißende Schale; mit den beiden Mantras aus sechs und acht Silben lasse man ein glückverheißendes Lämpchen darauf brennen,
Wort für Wort
kapilājyena saṃpūrṇaṃ
gefüllt mit der geklärten Butter der braunroten [Kuh]
śarāvaṃ nūtanaṃ śubham
eine neue, glückverheißende Schale
ṣaḍaṣṭākṣaramantrābhyāṃ
mit den beiden Mantras aus sechs und acht Silben
dīpam āropayec chubham
lasse man ein glückverheißendes Lämpchen darauf errichten
nachdem man im Licht [des Lämpchens] die Gottheit herbeigerufen hat, verehre man sie mit Duftstoff, Blumen u.a.; der Kluge verehre ein gebadetes Mädchen oder einen Knaben,
Wort für Wort
dīpe devaṃ samāvāhya
nachdem man im Lämpchen die Gottheit herbeigerufen hat
vor das Lämpchen gestellt, und murmle, über die Gottheit meditierend, den Mantra; wenn das Lämpchen [entsprechend] aufgestellt ist, erblickt man [darin] den Herrn der Gaṇas in Gestalt eines Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
dīpasya purataḥ sthāpya
vor das Lämpchen gestellt
dhyātvā devaṃ japen manum
über die Gottheit meditierend murmle man den Mantra
pradīpe sthāpite
wenn das Lämpchen aufgestellt ist
paśyed dvijarūpaṃ gaṇeśvaram
erblickt man den Herrn der Gaṇas in Zweifachgeborenen-Gestalt
Der Sechssilbige endet mit „hṛdaya“; [ebenso] gibt es einen Achtsilbigen Mantra. Auch andere Mantras, o Götter-Seher, gibt es im Tantra des Herrn der Gaṇas,
doch was hier von den Sādhakas in den drei Welten nicht erreichbar wäre — das sieht man mit diesen beiden, dem Achtundzwanzigsilbigen und dem Rasārṇaka, nirgends [als unerreichbar].
Wort für Wort
kintu atra yan na sādhyaṃ syāt
doch was hier nicht erreichbar wäre
triṣu lokeṣu sādhakaiḥ
von den Sādhakas in den drei Welten
aṣṭaviṃśarasārṇābhyāṃ
mit dem Achtundzwanzigsilbigen und dem Rasārṇaka [zusammen]