Nārada sprach: Könige wie Kārtavīrya und andere entstehen auf mannigfache Weise auf Erden und vergehen wieder, jeweils gemäß ihrem eigenen Karma.
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
kārtavīryataprabhṛtayo nṛpā bahuvidhā bhuvi
Könige wie Kārtavīrya und andere entstehen auf mannigfache Weise auf Erden
jāyante 'tha pralīyante
sie entstehen und vergehen wieder
svasvakarmānusārataḥ
jeweils gemäß ihrem eigenen Karma
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 geht im Quelltext die Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde dīpavidhinirūpaṇaṃ nāma pañcasaptatitamo 'dhyāyaḥ" samt Trennlinie voraus – der versehentlich hierher verschleppte Schlusskolophon des vorangehenden (projektintern als Kapitel 74 gezählten) Kapitels „Darlegung der Lampen-Ritualvorschrift". Diese Zeile wurde nicht in den Vers-Text (sa) übernommen. Die für das vorliegende, projektintern als Kapitel 75 gezählte Kapitel maßgebliche Schlusskolophon-Angabe lautet stattdessen „kārtavīryamāhātmyamantradīpakathanaṃ ... ṣaṭsaptatitamo 'dhyāyaḥ" (traditionell 76. Kapitel) und wurde für Titel und Zählung zugrunde gelegt; sie erscheint entsprechend verschleppt am Kopf der Rohdatei des nächsten Kapitels.]
Wie aber ist jener vortrefflichste der Könige dazu gelangt, in der Welt Gegenstand der Verehrung zu sein, indem er alle anderen Könige übertraf? Vertreibe mir diesen Zweifel!
Wort für Wort
tatkathaṃ rājavaryo 'sau
wie aber ist jener vortrefflichste der Könige
lokesevyatvamāgataḥ
dazu gelangt, in der Welt verehrungswürdig zu sein
Sanatkumāra sprach: Höre, Nārada, ich will es dir zur Beseitigung deines Zweifels erklären, wie Kārtavīryārjuna auf Erden zur Verehrungswürdigkeit gelangte.
Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich will erklären
saṃdehavinivṛttaye
zur Beseitigung des Zweifels
yathā sevyatvamāpannaḥ kārtavīryārjuno bhuvi
wie Kārtavīryārjuna auf Erden zur Verehrungswürdigkeit gelangte
Er, der auf der Erde eine Herabkunft (Avatāra) des Sudarśana-Diskus [des Viṣṇu] ist, erlangte, nachdem er Dattātreya verehrt hatte, höchste Kraft (Tejas).
Wort für Wort
yaḥ sudarśanacakrasyāvatāraḥ pṛthivītale
er, der auf der Erde eine Herabkunft des Sudarśana-Diskus ist
Daher will ich dir sein Mantra, seine Verehrung und dergleichen, das in allen Tantras verborgen gehalten wird, offenbaren – es ist der Verleiher jeder Vollkommenheit (Siddhi).
Wort für Wort
tenāsya mantrapūjādi
daher sein Mantra, seine Verehrung und dergleichen
[Die erste Silbe:] die Zornreiche (Raudrī), verbunden mit dem Feuer-Laut und dem Praṇava; [die zweite:] der Lakṣmī-Laut, verbunden mit Feuer, Mond und dem Ruhelaut (Śānti); [die dritte:] die mit Vedha, Adhara, Mond und Śānti versehene [Silbe]; [die vierte:] mit Nidrā, Āśā, Feuer und dem Bindu-Laut verbunden.
Wort für Wort
vahnitārayutā raudrī
die Zornreiche, verbunden mit Feuer-Laut und Praṇava
lakṣmīragnīnduśāntiyuk
der Lakṣmī-Laut, verbunden mit Feuer, Mond und Śānti
vedhādharenduśāntyāḍhyo
die mit Vedha, Adhara, Mond und Śānti versehene [Silbe]
nidrayāśāgni binduyuk
mit Nidrā, Āśā, Feuer und dem Bindu-Laut verbunden
[Anm.: Diese Verse konstruieren ein Kārtavīrya-Mantra nach dem in tantrischen Texten gebräuchlichen Synonym-Chiffre-Verfahren (Kośa), bei dem einzelne Silben/Laute durch Decknamen (z. B. „Vahni", „Tāra", „Indu", „Śānti", „Bindu" u. a.) bezeichnet werden. Die genaue phonetische Auflösung dieser Chiffren in die tatsächlichen Mantra-Silben lässt sich ohne einen entsprechenden Schlüssel (Kośa-Tabelle) nicht mit Sicherheit rekonstruieren; die Übersetzung gibt daher die Decknamen selbst möglichst wörtlich wieder, ohne die daraus resultierenden Silben aufzulösen.]
[Weiter:] die Fessel (Pāśa), Māyā, der Elefantenstachel (Aṅkuśa), Lotus (Padma), Rüstung und Waffe (Varma-Astra), das Wort ‚Kārtavī', der Laut ‚Repha' oder ‚Dyāsana', der Unendliche (Ananta), sowie zwei Feuer-Laute (Vahni), an den Ohren stehend.
Wort für Wort
pāśo māyāṅkuśaṃ padmā
die Fessel, Māyā, der Elefantenstachel, Lotus
varmāstre kārtavīpadam
Rüstung und Waffe, das Wort ‚Kārtavī'
rephovā dyāsano 'nantaḥ
der Laut ‚Repha' oder ‚Dyāsana', der Unendliche
vahnijau karṇasaṃsthitau
zwei Feuer-Laute, an den Ohren stehend
[?: Einzelne Chiffre-Ausdrücke dieses Verses (u. a. „dyāsanaḥ") bleiben in ihrer genauen Bedeutung unsicher.]
der Widder-Laut (Meṣa) mit Länge versehen, der Wind-Laut (Pavana) – so ist das Mantra genannt, am Herzen endend; es ist ein neunzehnsilbiges Mantra, mit dem Praṇava beginnend und mit dem Nagel-Laut endend.
Wort für Wort
meṣaḥ sadīrghaḥ pavano
der Widder-Laut, mit Länge versehen, der Wind-Laut
manurukto hṛdantimaḥ
so ist das Mantra genannt, am Herzen endend
ūnarviśativarṇo 'yaṃ
dies ist ein neunzehnsilbiges [Mantra]
tārādirnakhavarṇakaḥ
mit dem Praṇava beginnend, mit dem Nagel-Laut [endend]
Dattātreya ist der Seher (Ṛṣi) dieses Mantras, das Metrum ist als Anuṣṭubh überliefert; die Gottheit ist Kārtavīryārjuna, Bīja-, Śakti- und der feste Punkt (Dhruva) [dieses Mantras liegen] im Herzen.
Wort für Wort
dattātreyo muniścāsya
Dattātreya ist der Seher dieses [Mantras]
cchando 'nuṣṭubudāhṛtam
das Metrum ist als Anuṣṭubh überliefert
kārtavīryārjuno devo
die Gottheit ist Kārtavīryārjuna
bījaśaktirdhruvaśca hṛt
Bīja, Śakti und der feste Punkt [liegen] im Herzen
Mit dem um den Rest-Laut vermehrten Silbenpaar setze man [das Glied] Herz nach unten; mit der vierten, mit Śānti versehenen, mit Kāma beginnenden [Silbe das Glied] Haupt.
Mit dem um den Mond-Laut vermehrten, am linken Ohr beginnenden [Silbenpaar] Māyā, verbunden mit dem Herr-Laut, setze man den Schopf (Śikhā); mit dem Elefantenstachel- und dem Lotus-Laut, samt dem Rede-Laut, setze man die Rüstung.
Wort für Wort
indvāḍhyaṃ vāmakarṇādyaṃ
das um den Mond-Laut vermehrte, am linken Ohr beginnende
Mit dem Rüstungs- und dem Waffen-Laut [setze man] das von der Waffen-Silbe befreite [Glied]; mit den übrigen Silben wiederum die Durchdringung des ganzen Körpers – am Herzen, am Bauch, am Nabel, am Unterleib, im geheimen Bereich,
Wort für Wort
varmāstrābhyāmastramuktaṃ
mit Rüstungs- und Waffen-Laut das von der Waffe befreite [Glied]
śeṣārṇairvyāpakaṃ punaḥ
mit den übrigen Silben wiederum die Durchdringung
hṛdaye jaṭhare nābhau
am Herzen, am Bauch, am Nabel
jaṭhare guhyadeśataḥ
am Bauch, im geheimen Bereich
[Anm.: Das zweimalige Auftreten von „jaṭhare" (am Bauch) innerhalb derselben Aufzählung ist auffällig und lässt eine Textverderbnis vermuten; vermutlich stand an einer der beiden Stellen ursprünglich ein anderer Körperteil.]
am rechten Fuß, am linken Fuß, am Oberschenkel, am Knie, an den beiden Unterschenkeln – dort setze man das zehnfache Bīja, eingebettet zwischen zwei Praṇava-Lauten.
tārādyānatha śeṣārṇānmastake ca lalāṭake / bhruvoḥ śrutyostathaivākṣṇornasi vaktre galeṃ'sake
sodann die mit dem Praṇava beginnenden übrigen Silben am Scheitel, an der Stirn, an den Augenbrauen, ebenso an den Ohren, an den Augen, an der Nase, am Mund, am Hals und an der Schulter,
Wort für Wort
tārādyānatha śeṣārṇān
sodann die mit dem Praṇava beginnenden übrigen Silben
hat man mit dem gesamten Mantra ehrfurchtsvoll die Durchdringung des ganzen Körpers vollzogen, meditiere man zur Erfüllung aller Wünsche über Kārtavīrya, den Herrn der Menschen.
Wort für Wort
sarvamantreṇa sarvāṅge
mit dem gesamten Mantra am ganzen Körper
kṛtvā vyāpakamādṛtaḥ
hat man ehrfurchtsvoll die Durchdringung vollzogen
udyadrarkasahasrābhaṃ sarvabhūpativanditam / dorbhiḥ pañcāśatā dakṣairbāṇānvāmairdhanūṃṣi ca
[Man meditiere über ihn], strahlend wie tausend aufgehende Sonnen, von allen Erdherrschern verehrt, mit fünfzig Armen, in den rechten Pfeile, in den linken Bögen haltend,
geschmückt mit goldener Girlande, in rote Gewänder gehüllt – so meditiere man über den Königsherrn Arjuna [Kārtavīrya], die Herabkunft des Diskus (Cakra) des erhabenen Viṣṇu.
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni tato dikṣu vivikṣu ca / cauramadavibhañjanaṃ mārīmadavibhañjanam
[Man schreibe] in den Winkeln des Sechsecks die sechs Glieder, sodann in den Haupt- wie in den Zwischenrichtungen [die Śaktis, benannt als]: ‚Zerschmetterin des Diebesstolzes', ‚Zerschmetterin des Seuchenstolzes',
‚Zerschmetterin des Feindesstolzes', ‚Zerschmetterin des Dämonenstolzes', ‚Vernichterin des Bösen', ‚Vernichterin des Leids', ‚Vernichterin von Unheil und Not' –
Wort für Wort
arimadavibhañjanaṃ
‚Zerschmetterin des Feindesstolzes'
daityamadavibhañjanam
‚Zerschmetterin des Dämonenstolzes'
duṣṭanāśaṃ duḥkhanāśaṃ
‚Vernichterin des Bösen', ‚Vernichterin des Leids'
dikṣvaṣṭaśaktayaḥ pūjyāḥ prācyādiṣvasitaprabhāḥ / kṣemaṅkarī vaśyakarī śrīkarī ca yaśaskarī
In den [acht Haupt-]Richtungen sind die acht Kraft-Gottheiten (Śakti) zu verehren, beginnend im Osten, von dunkler Farbe: Kṣemaṅkarī, Vaśyakarī, Śrīkarī und Yaśaskarī,
Wort für Wort
dikṣvaṣṭaśaktayaḥ pūjyāḥ
in den Richtungen sind die acht Śaktis zu verehren
Die eigene Keimsilbe, den Anaṅga-Laut (Kāma) und den Dhruva-Vāk-Laut [zeichne man] als Blütenkelch; die mit dem Praṇava beginnenden, mit der Rüstungs-Silbe endenden Blütenblätter der Richtungen, sowie die mit den übrigen Silben [versehenen] Zwischenblätter,
Wort für Wort
svabījānaṅgadhruvavākkarṇikaṃ
die eigene Keimsilbe, Anaṅga- und Dhruva-Vāk-Laut als Blütenkelch
die mit den Zischlauten endenden Vokale als Staubfäden, umgeben von den übrigen Silben; dazu ein an den Winkeln mit den Elemente-Silben geschmücktes Erdhaus (Bhūgṛha) – so ist das Yantra des Herrschers [Kārtavīrya gestaltet].
Wort für Wort
ūṣmāntyasvarakiñjalkaṃ
die mit den Zischlauten endenden Vokale als Staubfäden
śeṣārṇaiḥ pariveṣṭitam
umgeben von den übrigen Silben
koṇālaṅkṛtabhūtārṇabhūgṛhaṃ
ein an den Winkeln mit den Elemente-Silben geschmücktes Erdhaus
śuddhabhūmāvaṣṭagandhairlikhitvā yantramādarāt / tatra kuṃbhaṃ pratiṣṭhāpya tatrāvāhyārcayennṛpam
Nachdem man auf reinem Boden mit den acht Duftstoffen (Aṣṭagandha) sorgsam das Yantra gezeichnet hat, stelle man dort einen Weihekrug (Kumbha) auf, rufe darin den König [Kārtavīrya] herbei und verehre ihn.
Den Krug berührend, rezitiere der Sinnenbezwungene das Mantra tausendmal; mit jenem [geweihten] Wasser besprenge man den geliebten [Verehrer] zur Erfüllung aller Wünsche.
Söhne, Ruhm, Heilung von Krankheit, langes Leben, das Wohlgefallen der eigenen Angehörigen, Redegewandtheit sowie schöne Augen erlangt der Mensch, der mit dem Kumbha-Wasser besprengt wurde.
Wort für Wort
putrānyaśo roganāśamāyuḥ
Söhne, Ruhm, Heilung von Krankheit, langes Leben
svajanarañjanam
das Wohlgefallen der eigenen Angehörigen
vāksiddhiṃ sudṛśaḥ
Redegewandtheit, schöne Augen
kumbhābhiṣikto labhate naraḥ
erlangt der mit dem Kumbha-Wasser besprengte Mensch
Mit Senf, Ariṣṭa-Samen, Knoblauch und Baumwollsamen wird der Feind getötet(-verzaubert); mit Stechapfel wird er gelähmt, mit Nimba-Blättern wird Feindschaft gegen ihn erregt, mit Lotus-Samen wird er unterworfen.
Wort für Wort
sarṣapāriṣṭalaśunakārpāsairmāryate ripuḥ
mit Senf, Ariṣṭa, Knoblauch und Baumwollsamen wird der Feind getötet
uñcāṭane vibhītasya samidbhiḥ khadirasya ca / kaṭutailamahiṣyājyairhemadravyāñjanaṃ smṛtam
Zum Vertreibungszauber dienen Opferhölzer der Vibhītaka-Pflanze und der Khadira-Akazie; mit scharfem Öl, Büffelmilch/-ghee und Gold ist ferner das Augensalbe-Mittel (Añjana) überliefert.
Wort für Wort
uñcāṭane vibhītasya samidbhiḥ
zum Vertreibungszauber mit Opferhölzern der Vibhītaka
Wird mit Gerste geopfert, erlangt man Wohlstand; mit Sesam und Ghee geopfert erfolgt die Vernichtung der Sünde; mit einer Mischung aus Sesam, Reis und weißem Senf wird ein König gefügig gemacht.
Wort für Wort
yavairhute śriyaḥ prāptiḥ
wird mit Gerste geopfert, erlangt man Wohlstand
tilairājyairaghakṣayaḥ
mit Sesam und Ghee die Vernichtung der Sünde
tilataṇḍulasiddhārthajālaiḥ
mit einer Mischung aus Sesam, Reis und weißem Senf
apāmārgārkadūrvāṇāṃ homo lakṣmīprado 'ghanut / strīvaśyakṛtpriyaṅgūṇāṃ murāṇāṃ bhūtaśāntidaḥ
Das Brandopfer mit Apāmārga, Arka und Dūrvā-Gras verleiht Glanz und vertreibt Sünde; das mit Priyaṅgu-Samen bewirkt die Bezwingung einer Frau, das mit Murā-Wurzel beruhigt Geisterspuk.
Mit Schlangenhaut, Gold, weißem Senf und Salz geopfert erfolgt die Vernichtung von Dieben; mit Gorocanā und Kuhdung die Lähmung; mit geopfertem Reis die Erlangung von Land.
Wort für Wort
nirmokahemasiddhārthalavaṇaiścauranāśanam
mit Schlangenhaut, Gold, weißem Senf und Salz die Vernichtung von Dieben
homasaṃkhyā tu sarvatra sahasrādayutāvadhi / prakalpanīyā mantrajñaiḥ kāryyagauravalāghavāt
Die Anzahl der Opferungen aber ist überall, von tausend bis zu zehntausend, von den Mantrakundigen je nach Gewicht oder Geringfügigkeit des Vorhabens festzusetzen.
Wort für Wort
homasaṃkhyā tu sarvatra
die Anzahl der Opferungen aber überall
sahasrādayutāvadhi
von tausend bis zu zehntausend
prakalpanīyā mantrajñaiḥ
ist von den Mantrakundigen festzusetzen
kāryyagauravalāghavāt
je nach Gewicht oder Geringfügigkeit des Vorhabens
Nun wird, ihr Weisen, das Kennzeichen der Kārtavīrya-Mantras genannt: Man verbinde den Namen ‚Kārtavīryārjuna' mit der Dativ-Endung ‚-e' in allen folgenden Mantras.
Wort für Wort
kārtavīryyasya mantrāṇāmucyate lakṣaṇaṃ budhāḥ
das Kennzeichen der Kārtavīrya-Mantras wird, ihr Weisen, genannt
Beginnend mit der eigenen Keimsilbe ist dieses Mantra zehnsilbig, die übrigen [Silben] die neun Śiva-Silben; mit dem ersten Bīja-Paar wird das zweite Mantra gebildet,
Wort für Wort
svabījādyo daśārṇo 'sau
beginnend mit der eigenen Keimsilbe ist dies zehnsilbig
svakāmābhyāṃ tṛtīyo 'sau svabhrūbhyāṃ tu caturthakaḥ / svapāśābhyāṃ pañcamo 'sau ṣaṣṭaḥ svena ca māyayā
mit den eigenen Kāma-Silben das dritte, mit den eigenen Bhrū-Silben aber das vierte, mit den eigenen Pāśa-Silben das fünfte, das sechste mit dem eigenen [Bīja] und Māyā,
mit den eigenen Aṅkuśa-Silben das siebte, mit den eigenen Rāma-Silben das achte, mit den eigenen Vāgbhava-Silben das neunte, und mit Rüstung und Waffe schließlich das letzte [Mantra].
dvitīyādinavānteṣu bījayoḥ syādvyatikramaḥ / mantre tu daśame varṇā navavarmāstramadhyagāḥ
Vom zweiten bis zum neunten Mantra findet ein Wechsel der beiden Bīja-Silben, in umgekehrter Reihenfolge, statt; im zehnten Mantra aber stehen die übrigen Silben zwischen den neunfachen Wiederholungen von Rüstung und Waffe.
Wort für Wort
dvitīyādinavānteṣu
vom zweiten bis zum neunten [Mantra]
bījayoḥ syādvyatikramaḥ
findet ein Wechsel der beiden Bīja-Silben statt
mantre tu daśame varṇā
im zehnten Mantra aber die Silben
navavarmāstramadhyagāḥ
zwischen den neunfachen Rüstung-Waffe-[Wiederholungen]
Unter diesen vortrefflichen Mantras verehre man dasjenige, das einem selbst zuträglich ist; beim ersten von ihnen ist das Metrum Virāj überliefert, bei den übrigen Triṣṭubh.
daśa mantrā ime proktā yadā syuḥ praṇavādikāḥ / tadādimaḥ śivārṇaḥ syādanye tu dvādaśākṣarāḥ
Diese zehn genannten Mantras – wenn sie mit dem Praṇava beginnen, dann besteht das erste aus der [zusätzlichen] Śiva-Silbe, die übrigen aber sind zwölfsilbig.
Ebenso ist beim ersten [dieser mit Praṇava versehenen Mantras] das Metrum Triṣṭubh, bei den übrigen gilt Jagatī. So gilt für die gesamten zwanzig Mantras die Verehrung wie zuvor beschrieben.
Mit dem um die Länge vermehrten Wurzel-Bīja vollziehe man von diesen die sechs Glieder. [Ein weiteres Mantra:] Der Praṇava, [die Silbe für] das Herz, ‚Kārtavīryārjunāya', Rüstung, Waffe und zweimal ‚Ṭha'.
Dieses Mantra hat vierzehn Silben; seine Verehrung gilt wie zuvor. Mit den durch ‚Bhū', ‚Netra', ‚Sama-Netra' und ‚Akṣi' [bezeichneten Silbenzahlen vollziehe man] seine fünf Glieder.
Wort für Wort
caturdaśārṇo mantro 'yam
dieses Mantra hat vierzehn Silben
asyejyā pūrvavanmatā
seine Verehrung gilt wie zuvor
bhūnetrasamanetrākṣivarṇaiḥ
mit den Silbenzahlen ‚Bhū', ‚Netra', ‚Sama-Netra', ‚Akṣi'
Der Praṇava, [die Silbe für] das Herz, ‚Bhagavān' mit der Endung ‚-e', ebenso ‚Kārtavīryārjuna', Rüstung, Waffe und ‚die dem Feuer liebe [Gattin]' [Svāhā] – so ist ein achtzehnsilbiges Mantra genannt.
Wort für Wort
tāro hṛdbhagavān ṅeṃtaḥ
der Praṇava, das Herz, ‚Bhagavān' mit Dativ-Endung
trivedasaptayugmākṣivarṇaiḥ pañcāṅgakaṃ manoḥ / namo bhagavate śrīti kārtavīryārjunāya ca
Mit den durch ‚Trived', ‚Sapta', ‚Yugma' und ‚Akṣi' bezeichneten Silbenzahlen [vollziehe man] die fünf Glieder dieses Mantras: ‚namo bhagavate śrī kārtavīryārjunāya',
Wort für Wort
trivedasaptayugmākṣivarṇaiḥ
mit den Silbenzahlen ‚Trived', ‚Sapta', ‚Yugma', ‚Akṣi'
‚dem Vernichter alles Bösen', ‚dem durch Askese-Kraft Mächtigen', ‚dem Beschützer der sieben' – am Ende ‚Dvīpa' (Erdteil) –, ‚[dem Herrn] über alle Not',
janyacūḍā maṇānte ye mahāśaktimate tataḥ / sahasradahanaprānte varmāstrānto mahāmanuḥ
‚[dem Herrn über] Geburt', ‚Cūḍā', ‚Maṇi' am Ende, ‚dem von großer Macht Erfüllten' – sodann, mit ‚Sahasra' und ‚Dahana' am Ende, mit Rüstung und Waffe schließend, [dies ist] das große Mantra (Mahāmanu),
Wort für Wort
janyacūḍā maṇānte ye
‚Geburt', ‚Cūḍā', ‚Maṇi' am Ende
mahāśaktimate tataḥ
‚dem von großer Macht Erfüllten', sodann
sahasradahanaprānte
mit ‚Sahasra' und ‚Dahana' am Ende
varmāstrānto mahāmanuḥ
mit Rüstung und Waffe endend, das große Mantra
[?: Der genaue syntaktische Zusammenhang der in V50–51 gereihten Epitheta bleibt an einzelnen Stellen unsicher; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Wort-für-Wort-Abfolge.]
triṣaṣṭivarṇavānproktaḥ smaramātsarvavighnahṛt / rājanyakravartī ca vīraḥ śūrastṛtīyakaḥ
das aus dreiundsechzig Silben bestehend genannt ist – wer seiner nur gedenkt, dessen Hindernisse alle beseitigt es. [Es folgen die Attribute:] ‚der Fürst', ‚der Weltenherrscher', ‚der Held', ‚der Tapfere' als drittes,
Wort für Wort
triṣaṣṭivarṇavānproktaḥ
das aus dreiundsechzig Silben bestehend genannt ist
smaramātsarvavighnahṛt
wer seiner gedenkt, dessen Hindernisse es beseitigt
daśāsyeti ca ṣaḍbhiḥ syātpadairṅetaiḥ ṣaḍaṅgakam / siṃcyamānaṃ yuvatibhiḥ krīḍantaṃ narmadājale
und ‚[der Bezwinger] des Zehnköpfigen' [Rāvaṇa] – mit diesen sechs, mit der Endung ‚-e' versehenen Wörtern [bilde man] die sechs Glieder. [Man meditiere über ihn], wie er, von jungen Frauen bespritzt, im Wasser der Narmadā spielt,
Wort für Wort
daśāsyeti ca
und ‚des Zehnköpfigen'
ṣaḍbhiḥ syātpadairṅetaiḥ
mit diesen sechs, mit Dativ-Endung versehenen Wörtern
ṣaḍaṅgakam
[bilde man] die sechs Glieder
siṃcyamānaṃ yuvatibhiḥ krīḍantaṃ narmadājale
von jungen Frauen bespritzt, im Wasser der Narmadā spielend
mit den Armen die Wasserflut aufstaut, so meditiere man über den berauschten besten der Könige. Hat man so meditiert, rezitiere man das Mantra zehntausendmal; das Übrige geschehe wie zuvor.
Wort für Wort
hastairjalaudhaṃ rundhantaṃ
mit den Armen die Wasserflut aufstauend
dhyāyenmattaṃ nṛpottamam
meditiere man über den berauschten besten der Könige
pūrvaṃ tu prajapellakṣaṃ pūjāyogaśca pūrvavat / kārtavīryārjuno nāma rājā bāhusahasravān
Zuvor aber rezitiere man es hunderttausendmal; auch der Vollzug der Verehrung geschehe wie zuvor. [Nun folgt ein weiteres Mantra:] ‚Kārtavīryārjuna heißt der König, der Tausendarmige',
‚durch das bloße Gedenken an ihn wird Geraubtes und Verlorenes, so sagt man, wiedererlangt' – dies ist das vortreffliche Mantra, aus zweiunddreißig Silben bestehend.
Wort für Wort
tasya saṃsmaraṇādeva
‚durch das bloße Gedenken an ihn'
hṛtaṃ naṣṭaṃ ca saṃvadet
‚wird Geraubtes und Verlorenes, so sagt man, [wiedererlangt]'
Mit [je einem seiner vier] Versfüße samt dem Ganzen [vollziehe man] die fünf Glieder; Meditation, Verehrung und dergleichen wie zuvor. Nach dem Wort ‚Kārtavīryāya' setze man das Wort ‚vidmahe' (wir wollen erkennen),
Wort für Wort
pādaiḥ sarveṇa pañcāṅgaṃ
mit den Versfüßen samt dem Ganzen die fünf Glieder
nach der Silbe ‚mahāvīryāya' spreche man das Wort ‚dhīmahi' (wir wollen meditieren); danach, nach der Silbenfolge ‚tan no arjunaḥ pra', spreche man das Wort ‚codayāt' (er möge antreiben).
Dies ist die für Arjuna [Kārtavīrya] genannte Gāyatrī; man rezitiere sie zu Beginn der Anwendung. Wenn man des Nachts das Anuṣṭubh-Mantra rezitiert, dann die Diebesscharen –
fliehen weit vom Hause fort, sei es durch das [bloße] Tarpaṇa-Opfer oder gar durch das [bloße] Nennen. Nun will ich die Lampen-Ritualvorschrift verkünden, die Kārtavīrya erfreut.
Wort für Wort
palāyante gṛhāddūraṃ
fliehen weit vom Hause fort
tarpaṇāddhravanādapi
durch das Tarpaṇa-Opfer oder gar durch das Nennen
atho dīpavidhiṃ vakṣye
nun will ich die Lampen-Ritualvorschrift verkünden
kārtavīryapriyaṅkaram
die Kārtavīrya erfreut
[?: „dhravaṇāt" bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher; probeweise als „durch das bloße Nennen/Anrufen" gedeutet.]
an einem Tithi, das frei von den ‚leeren' Tithis ist, an einem Wochentag außer Samstag und Dienstag, unter den Mondhäusern Hasta, Uttara[phalgunī], Aśvinī, Ārdrā, Puṣya, Śravaṇa oder Svāti,
dvidaivate ca rohiṇyāṃ dīpāraṃbho hitāvahaḥ / carame ca vyatīpāte dhṛtau vṛddhau sukarmaṇi
unter einem zweiherrigen [Nakṣatra] oder unter Rohiṇī ist der Beginn der Lampe heilbringend; ebenso im letzten [Mondviertel], bei Vyatīpāta, beim Yoga Dhṛti, Vṛddhi oder Sukarman,
Wort für Wort
dvidaivate ca rohiṇyāṃ
unter einem zweiherrigen [Nakṣatra] oder unter Rohiṇī
prītau harṣaṃ ca saubhāgye śobhanāyuṣmatorapi / karaṇe viṣṭirahite grahaṇe 'rddhodayādiṣu
bei Prīti, Harṣaṇa, Saubhāgya, ebenso bei Śobhana oder Āyuṣmat, bei einem Karaṇa ohne Viṣṭi, bei einer [teilweisen] Finsternis, beim Ardhodaya und dergleichen,
Wort für Wort
prītau harṣaṃ ca saubhāgye
bei Prīti, Harṣaṇa, Saubhāgya
śobhanāyuṣmatorapi
ebenso bei Śobhana oder Āyuṣmat
karaṇe viṣṭirahite
bei einem Karaṇa ohne Viṣṭi
grahaṇe 'rddhodayādiṣu
bei einer Finsternis, beim Ardhodaya und dergleichen
bei [diesen] Konstellationen, nachts oder am Vormittag vollzogen, ist der Beginn der Lampe verheißungsvoll; am siebten Tag der hellen Monatshälfte des Kārtika, um Mitternacht, ist er überaus vorzüglich.
Wort für Wort
yogeṣu rātrau pūrvāhne
bei diesen Konstellationen, nachts oder am Vormittag
dīpāraṃbhaghaḥ kṛtaḥ śubhaḥ
ist der vollzogene Beginn der Lampe verheißungsvoll
yadi tatra ravervāraḥ śravaṇaṃ bhaṃ ca durlabham / atyāvaśyakakāryeṣu māsādīnāṃ na śodhanam
Fällt dabei der Sonntag oder das Mondhaus Śravaṇa zusammen, ist dies schwer zu erlangen; bei dringend notwendigen Vorhaben aber ist eine besondere Läuterung von Monat und dergleichen nicht erforderlich.
Wort für Wort
yadi tatra ravervāraḥ
fällt dabei der Sonntag zusammen
śravaṇaṃ bhaṃ ca durlabham
[oder] das Mondhaus Śravaṇa, ist es schwer zu erlangen
atyāvaśyakakāryeṣu
bei dringend notwendigen Vorhaben
māsādīnāṃ na śodhanam
ist eine Läuterung von Monat und dergleichen nicht erforderlich
Am ersten Tag faste man, enthaltsam und keusch, in gelben Gewändern; am Morgen bade man und begebe sich auf reinen, mit Kuhdung und Wasser bestrichenen Boden.
Nachdem man den Atem gebändigt und den Ritual-Entschluss gefasst hat, vollziehe man die zuvor genannten Einsetzungen (Nyāsa); man gestalte auf dem Boden ein Sechseck mit rotem Sandel und Reiskörnern,
Wort für Wort
prāṇānāyamya saṃkalpya
nachdem man den Atem gebändigt und den Entschluss gefasst hat
zeichne darin den Liebesgott-Laut (Smara), dann in den Winkeln des Sechsecks [die übrigen Silben]; man umgebe es mit den neun Silben, und außerhalb davon wiederum mit einem Dreieck.
Ein Bronzegefäß oder ein Tongefäß ist das geringste; bei einem Todesfall dient ein aus Eisen gefertigtes; zur Beruhigung eines aus Mungbohnenmehl, bei Versöhnung eines aus Weizenmehl.
dvisāhakhtryāṃ dviśatamitaṃ ca bhājanamiṣyate / śate 'kṣicarasaṃśyātamevamanyatra kalpayet
bei zweitausend [Pala Ghee] gilt ein zweihundert [Pala fassendes] Gefäß als vorgeschrieben; [bei geringeren Mengen entsprechend kleiner] – ebenso verfahre man an anderer Stelle entsprechend.
Wort für Wort
dvisāhasryāṃ
bei zweitausend [Pala Ghee]
dviśatamitaṃ ca bhājanamiṣyate
gilt ein zweihundert [Pala fassendes] Gefäß als vorgeschrieben
śate 'kṣicarasaṃśyātam
[unklar/verderbt]
evamanyatra kalpayet
ebenso verfahre man an anderer Stelle
[Anm.: „dvisāhakhtryāṃ" gelesen als „dvisāhasryāṃ" (bei zweitausend). Die Wortfolge „śate 'kṣicarasaṃśyātam" bleibt trotz Korrekturversuch unklar bzw. verderbt; nur der eindeutig erkennbare Teil des Verses wird hier übersetzt.]
Für die tägliche (Dauer-)Lampe gilt ein Gefäß von drei Pala, das Ghee mit einem Pala, als vorgeschrieben. Hat man so das Gefäß aufgestellt, lege man aus Fäden gefertigte Dochte hinein,
Einen schönen, aus Gold oder anderem Material gefertigten, sechzehn Finger[breit] langen Stab (Śalākā), oder dessen Hälfte, oder wiederum dessen Hälfte, mit feiner Spitze und dickem Grund,
lasse man rechts im Gefäß, und zwar vorn, mit der Spitze [nach vorn] versehen, [einsinken]; an der Südseite des Gefäßes, im Abstand von vier Fingerbreiten,
vergrabe man, mit der Spitze nach unten, in südlicher Stütze, einen segensreichen Dolch (Churikā); dort entzünde man die Lampe, nachdem man zuvor Gaṇeśa gedacht hat.
Östlich von der Lampe, auf einem Sarvatobhadra-Maṇḍala oder auf einem Achtblatt aus Reiskörnern, stelle man vorschriftsmäßig den [Weihegegenstand] auf.
Wort für Wort
dīpātpūrvatra digbhāge
östlich von der Lampe
sarvatobhadramaṇḍale
auf einem Sarvatobhadra-Maṇḍala
taṇḍulāṣṭadale vāpi
oder auf einem Achtblatt aus Reiskörnern
vidhivatsthāpayeddhūṭam
stelle man vorschriftsmäßig den [Weihegegenstand] auf
[?: „dhūṭam" bleibt in seiner Bedeutung unsicher; möglicherweise verderbt für „kumbham" (Weihekrug) oder einen ähnlichen Ritualgegenstand.]
Dort rufe man den Königsfürsten [Kārtavīrya] herbei und verehre ihn, wie zuvor, der Kluge; dann nehme man Wasser und ungeschälten Reis (Akṣata) und fasse den Ritual-Entschluss für die Lampe.
dīpasaṃkalpamantro 'yaṃ kathyate dvīṣubhūmitaḥ / praṇavaḥ pāśamāye ca śikhā kārtākṣarāṇi ca
Dieses Lampen-Entschluss-Mantra wird nun dargelegt: der Praṇava, der Pāśa-Laut, der Māyā-Laut, der Schopf-Laut (Śikhā) und die Silben von ‚Kārta'[vīrya],
Wort für Wort
dīpasaṃkalpamantro 'yaṃ kathyate
dieses Lampen-Entschluss-Mantra wird dargelegt
praṇavaḥ pāśamāye ca
der Praṇava, der Pāśa- und der Māyā-Laut
śikhā kārtākṣarāṇi ca
der Śikhā-Laut und die Silben von ‚Kārta'
[?: „dvīṣubhūmitaḥ" bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher.]
kratudīkṣitahastāya dattātreyapriyāya ca / ātreyāyānusūyānte garbharatnāya tatparam
‚dem mit der Opferweihe begabten Handreichen', und ‚dem Dattātreya Lieben', ‚dem Sohn des Atri', mit ‚Anusūyā' endend, ‚dem Juwel des Mutterschoßes', und zuletzt
‚namaḥ', die Nacken-Silbe, am Ohr und beim Mond-Laut stehend die Pāśa-Silbe; danach: ‚dīpam imaṃ gṛhāṇa' (nimm diese Lampe an), ‚den NN. schütze, schütze' – wiederum das Wort,
Wort für Wort
namo grīvāmakarṇendusthitau
‚namaḥ', die Nacken-Silbe, am Ohr und Mond-Laut stehend
‚die Bösen vernichte' – zweimal –, ebenso ‚wirf nieder, erschlage', ‚die Feinde töte' – zweimal –, dann die Māyā-Silbe, der Praṇava, die eigene Keimsilbe, der Selbstentstandene (Ātmabhū),
Wort für Wort
duṣṭānnāśayayugmaṃ syāt
‚die Bösen vernichte' zweimal
tathā pātaya ghātaya
ebenso ‚wirf nieder, erschlage'
śatrūn jahidvayaṃ māyā
‚die Feinde töte' zweimal, [dann] die Māyā-Silbe
tāraḥ svaṃ bījamātmabhūḥ
der Praṇava, die eigene Keimsilbe, der Selbstentstandene
‚die dem Feuer liebe [Gattin]' (Svāhā) – mit dieser vortrefflichen Lampe, nach Westen gewandt, ‚den NN. schütze', am Ende ‚NN.', ‚du Gewährer von Gaben',
Wort für Wort
vahnīpriyā anenātha
‚die dem Feuer liebe [Gattin]', mit dieser
dīpavaryeṇa paścimābhimukhena
vortrefflichen Lampe, nach Westen gewandt
amukaṃ rakṣa amukānte
‚den NN. schütze', am Ende ‚NN.'
varaprada
‚du Gewährer von Gaben'
[?: „paścimābhimukhena" (mit nach Westen gewandtem Antlitz) steht in möglichem Spannungsverhältnis zu anderweitig genannten Richtungsangaben; hier wörtlich übersetzt.]
māyākāśadvayaṃ vāmanetracandrayutaṃ śivā / vedādikāmacāmuṇḍāḥ svāhā tu pūsabindukau
die zweifache Māyā-Ākāśa-Silbe, verbunden mit dem linken Auge und dem Mond-Laut, die Holdselige (Śivā), die mit Veda und Kāma beginnenden Silben, [der Name] Cāmuṇḍā, ‚svāhā', und die beiden Bindu-Laute von ‚Pūṣan',
Wort für Wort
māyākāśadvayaṃ
die zweifache Māyā-Ākāśa-Silbe
vāmanetracandrayutaṃ śivā
verbunden mit linkem Auge und Mond-Laut, die Holdselige
vedādikāmacāmuṇḍāḥ svāhā
die mit Veda-Kāma beginnenden Silben, ‚Cāmuṇḍā', ‚svāhā'
tu pūsabindukau
und die beiden Bindu-Laute von ‚Pūṣan'
[?: „pūsabindukau" bleibt in der genauen Lesart unsicher, evtl. „pūṣabindukau".]
der Praṇava, ‚die dem Feuer liebe [Gattin]' – so ist das Mantra, [versehen] mit den durch ‚Netra', ‚Bāṇa' und ‚Adhara' bezeichneten Silbenzahlen; Dattātreya ist als der Seher dieses Girlanden-Mantras verkündet,
Wort für Wort
praṇavo 'gnipriyā mantro
der Praṇava, ‚die dem Feuer liebe [Gattin]' – so das Mantra
das Metrum ist unbegrenzt (Amita), die Gottheit Kārtavīryārjuna, der alles Erlangen Bewirkende; mit der Silbe Cāmuṇḍā, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man die sechs Glieder.
Wort für Wort
chando 'mitaṃ
das Metrum ist unbegrenzt
kārtavīryurjuno devo 'khilāptikṛt
die Gottheit Kārtavīryārjuna, der alles Erlangen Bewirkende
cāmuṇḍayā ṣaḍaṅgāni caret
mit der Silbe Cāmuṇḍā vollziehe man die sechs Glieder
dhyātvā devaṃ tato mantraṃ paṭhitvānte kṣipejjalam / govindāḍhyo halī seṃduścāmuṇḍābījamīritam
Hat man über den Gott meditiert, das Mantra rezitiert, gieße man am Ende Wasser. [Ein weiteres Mantra:] ‚Govinda' vermehrt, der Pflugträger (Halī) mit dem Mond-Laut – dies wird als die Keimsilbe der Cāmuṇḍā verkündet,
Wort für Wort
dhyātvā devaṃ tato mantraṃ
hat man über den Gott meditiert, das Mantra
paṭhitvānte kṣipejjalam
rezitiert, gieße man am Ende Wasser
govindāḍhyo halī seṃduḥ
‚Govinda' vermehrt, der Pflugträger mit dem Mond-Laut
danach rezitiere man das neunsilbige Mantra tausendmal vor ihm. [Ein weiteres Mantra:] Der Praṇava, der Unendliche (Ananta), verbunden mit dem Bindu, die eigene Māyā-Silbe, verbunden mit dem linken Auge-Laut,
Wort für Wort
tato navākṣaraṃ mantraṃ
danach das neunsilbige Mantra
sahasraṃ tatpuro japet
rezitiere man tausendmal vor ihm
tāro 'nanto binduyukto
der Praṇava, der Unendliche, verbunden mit dem Bindu
māyāsvaṃ vāmanetrayuk
die eigene Māyā-Silbe, verbunden mit dem linken Auge-Laut
die Schildkröte (Kūrma) und das Feuer, vermehrt um Śānti und Bindu, das Feuer, die Gattin-Silbe (Svāhā), die Elefantenstachel-Silbe als Dhruva – der Seher ist der zuvor genannte, das Metrum Anuṣṭubh, das Übrige wiederum wie zuvor.
Wort für Wort
kūrmāgnī śāntibindvāḍhyau
die Schildkröte und das Feuer, vermehrt um Śānti und Bindu
vahni jāyāṅkuśaṃ dhruvam
das Feuer, die Gattin-Silbe, die Elefantenstachel-Silbe als Dhruva
Hat man das königliche Mantra (Mantrarāja) tausendmal rezitiert, lese man den Schutzpanzer (Kavaca). So erlangt der Vollzieher der Lampenspende alles Erwünschte.
Wort für Wort
sahasraṃ mantrarājaṃ ca japitvā
hat man das königliche Mantra tausendmal rezitiert
dīpaprabodhakāle tu varjayedaśubhāṃ giram / viprasya darśanaṃ tatra śubhadaṃ parikīrtitam
Zur Zeit des Erweckens der Lampe [d.h. beim Entzünden] aber meide man unheilvolle Rede; der Anblick eines Brahmanen ist dabei als glückbringend verkündet.
Der Anblick eines Śūdra gilt als mittelmäßig, der Anblick eines Mleccha bedeutet Tod und Gefangenschaft; der Anblick einer Maus oder einer Eule ist übel, der einer Kuh oder eines Pferdes bringt Glück.
Wort für Wort
śūdrāṇāṃ pradhyamaṃ proktaṃ
der Anblick eines Śūdra gilt als mittelmäßig
mlecchasya vadhabandhanam
der eines Mleccha bedeutet Tod und Gefangenschaft
ākhvotvordarśanaṃ duṣṭaṃ
der Anblick von Maus und Eule ist übel
gavāśvasya sukhāvaham
der von Kuh und Pferd bringt Glück
[?: „ākhvotvoḥ" unsicher; als „ākhu-ulūkayoḥ" (Maus und Eule) gedeutet.]
Eine gerade Lampenflamme bringt Vollkommenheit, eine gekrümmte bewirkt Unheil; eine knisternde bringt dem Vollzieher Furcht, eine hell lodernde gilt als Glück bringend.
Wort für Wort
dīpajvālā samā siddhyai
eine gerade Lampenflamme bringt Vollkommenheit
vakrā niśavidhāyinī
eine gekrümmte bewirkt Unheil
śabdā bhayadā kartur
eine knisternde bringt dem Vollzieher Furcht
ujjvalā sukhadā matā
eine hell lodernde gilt als Glück bringend
[?: „niśavidhāyinī" (etwa „Unheil bringend/Nacht bewirkend") bleibt in der genauen Bedeutung unsicher.]
Eine schwarze (rußende) [Flamme bringt] das Entstehen von Feindesfurcht, eine [Funken] speiende den Untergang des Viehs. Wenn nach dem Vollzug der Lampe das Gefäß durch göttliche Fügung zerbrochen erscheint,
Wort für Wort
kṛṣṇā śatrubhayotpattye
eine schwarze [bringt] das Entstehen von Feindesfurcht
dann geht der Opferherr binnen weniger als eines halben Monats in die Behausung Yamas [d.h. er stirbt]; erneuert man dann jedoch den Docht, so gelingt das Vorhaben, wenn auch mit Verzögerung.
netrahīno bhavetkartā tasmindīpāntare kṛte / aśucisparśane vyādhirdīpanāśe tu caurabhīḥ
Der Vollzieher wird augenkrank, wenn jene Lampe [erlischt und] eine andere entzündet wird; bei Berührung durch etwas Unreines entsteht Krankheit, beim Verlöschen der Lampe aber Furcht vor Dieben.
Bei Berührung durch Hund, Katze oder Maus entsteht Furcht vor dem [Zorn des] Königs; eine mit acht Pala Fassungsvermögen begonnene Gefäß-Lampe gewährt alle Wünsche.
Wort für Wort
śvamārjārākhusaṃsparśe
bei Berührung durch Hund, Katze oder Maus
bhavedbhūpatito bhayam
entsteht Furcht vor dem König
pātrāraṃbhe vasupalaiḥ kṛto dīpo
eine mit acht Pala [Fassungsvermögen] begonnene Lampe
tasmāddīpaḥ prayatnena rakṣaṇīyoṃ'tarāyataḥ / āsamāpteḥ prakurvīta brahmacaryaṃ ca bhūśayaḥ
Daher ist die Lampe mit Sorgfalt vor Störungen zu bewahren; bis zum Abschluss des Rituals übe man Enthaltsamkeit (Brahmacarya) und schlafe auf dem Boden.
sahasraṃ prajapedvātrau so 'bhīṣṭaṃ kṣipramāpnuyāt / samāpya śobhanadine saṃbhojya dvijasattamān
des Nachts tausendmal rezitiert, der erlangt rasch sein Begehren. Nach Abschluss des Rituals speise man an einem günstigen Tag die besten der Zweifachgeborenen (Brahmanen)
kuṃbhodakena kartāramabhiṣiñcanmanuṃ japet / kartā tu dakṣiṇāṃ dadyātpuṣkalāṃ toṣahetave
und besprenge, das Mantra rezitierend, den Vollzieher mit dem Wasser des Weihekrugs. Der Vollzieher aber gebe eine reichliche Gabe (Dakṣiṇā) zur Zufriedenstellung [des Priesters].
Ist der Lehrer (Guru) zufrieden, gewährt der König, der Sohn des Kṛtavīrya [Kārtavīrya], das Erwünschte. Auf Geheiß des Lehrers vollziehe man das Ritual selbst, oder aber der Lehrer lasse es vollziehen.
Wort für Wort
gurau tuṣṭe dadātīṣṭaṃ
ist der Lehrer zufrieden, gewährt er das Erwünschte
Nachdem man jenem [dem Lehrer] Reichtum und dergleichen für die Lampenspende gegeben hat, [beginne man]. Wer, o Nārada, ohne Erlaubnis des Lehrers die Lampe zur eigenen Wunscherfüllung vollzieht,
Wort für Wort
dattvā dhanādikaṃ tasmai
nachdem man jenem Reichtum und dergleichen gegeben hat
dem widerfährt keine Vollkommenheit, sondern nur Schritt für Schritt Verlust. Das beste Öl ist als Kuh-Ghee bezeichnet, das mittlere das von der Büffelkuh stammende Ghee,
ebenso gilt Sesamöl [als mittleres]; das geringste ist das von der Ziege und dergleichen stammende Ghee. Bei einer Mundkrankheit gebe man die Lampe mit wohlriechendem Öl.
Wort für Wort
tilatailaṃ tu tādṛk syāt
ebenso gilt Sesamöl [als mittleres]
kanīyo 'jādijaṃ ghṛtam
das geringste ist das von der Ziege stammende Ghee
siddhvārthasaṃbhavenātha dviṣatāṃ nāśanāya ca / sahasreṇa palairdīpe vihite ca na dṛśyate
Zur Erlangung des angestrebten Zieles sowie zur Vernichtung der Feinde: Ist die Lampe mit tausend Pala [Öl/Ghee] vollzogen und dennoch kein [Erfolg] sichtbar,
Der Lampe ist Kārtavīrya zugetan, dem Sonnengott (Mārtaṇḍa) ist die Verbeugung besonders lieb, dem großen Viṣṇu der Lobpreis, dem Gaṇeśa das Dūrvā-Gras,
Wort für Wort
dīpapriyaḥ kārtavīryo
der Lampe zugetan ist Kārtavīrya
mārtaṇḍo nativallabhaḥ
dem Sonnengott ist die Verbeugung lieb
stutiproyo mahāviṣṇur
dem großen Viṣṇu der Lobpreis lieb
gaṇeśa staparṇapriyaḥ
dem Gaṇeśa das Dūrvā-Gras lieb
[?: „staparṇapriyaḥ" bleibt in der genauen Lesart unsicher; vermutlich Bezug auf das dem Gaṇeśa liebe Dūrvā-Gras (dūrvāpriyaḥ).]
der Durgā gewiss die Verehrung (Arcanā) lieb, dem Śiva die Abhiṣeka-Waschung lieb. Daher vollziehe man, zu deren Zufriedenstellung, jeweils das ihnen Entsprechende mit Sorgfalt.
Wort für Wort
durgārcanapriyā nūnam
der Durgā gewiss die Verehrung lieb
abhiṣekapriyaḥ śivaḥ
dem Śiva die Abhiṣeka-Waschung lieb
tasmātteṣāṃ pratoṣāya
daher zu deren Zufriedenstellung
vidadhyāttattadādarāt
vollziehe man jeweils das Entsprechende mit Sorgfalt