Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 75: kārtavīryamāhātmyamantradīpakathanam Die Größe des Kārtavīrya, Mantra- und Lampen-Erzählung

nārada uvāca / kārtavīryataprabhṛtayo nṛpā bahuvidhā bhuvi / jāyante 'tha pralīyante svasvakarmānusārataḥ

Nārada sprach: Könige wie Kārtavīrya und andere entstehen auf mannigfache Weise auf Erden und vergehen wieder, jeweils gemäß ihrem eigenen Karma.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
kārtavīryataprabhṛtayo nṛpā bahuvidhā bhuvi
Könige wie Kārtavīrya und andere entstehen auf mannigfache Weise auf Erden
jāyante 'tha pralīyante
sie entstehen und vergehen wieder
svasvakarmānusārataḥ
jeweils gemäß ihrem eigenen Karma

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 geht im Quelltext die Kolophonzeile „iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde dīpavidhinirūpaṇaṃ nāma pañcasaptatitamo 'dhyāyaḥ" samt Trennlinie voraus – der versehentlich hierher verschleppte Schlusskolophon des vorangehenden (projektintern als Kapitel 74 gezählten) Kapitels „Darlegung der Lampen-Ritualvorschrift". Diese Zeile wurde nicht in den Vers-Text (sa) übernommen. Die für das vorliegende, projektintern als Kapitel 75 gezählte Kapitel maßgebliche Schlusskolophon-Angabe lautet stattdessen „kārtavīryamāhātmyamantradīpakathanaṃ ... ṣaṭsaptatitamo 'dhyāyaḥ" (traditionell 76. Kapitel) und wurde für Titel und Zählung zugrunde gelegt; sie erscheint entsprechend verschleppt am Kopf der Rohdatei des nächsten Kapitels.]

tatkathaṃ rājavaryo 'sau lokesevyatvamāgataḥ / samullaṅghya nṛpānanyānetanme nuda saṃśayam

Wie aber ist jener vortrefflichste der Könige dazu gelangt, in der Welt Gegenstand der Verehrung zu sein, indem er alle anderen Könige übertraf? Vertreibe mir diesen Zweifel!

Wort für Wort
tatkathaṃ rājavaryo 'sau
wie aber ist jener vortrefflichste der Könige
lokesevyatvamāgataḥ
dazu gelangt, in der Welt verehrungswürdig zu sein
samullaṅghya nṛpānanyān
indem er alle anderen Könige übertraf
etanme nuda saṃśayam
vertreibe mir diesen Zweifel

sanatkumāra uvāca / śṛṇu nārada vakṣyāmi saṃdehavinivṛttaye / yathā sevyatvamāpannaḥ kārtavīryārjuno bhuvi

Sanatkumāra sprach: Höre, Nārada, ich will es dir zur Beseitigung deines Zweifels erklären, wie Kārtavīryārjuna auf Erden zur Verehrungswürdigkeit gelangte.

Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich will erklären
saṃdehavinivṛttaye
zur Beseitigung des Zweifels
yathā sevyatvamāpannaḥ kārtavīryārjuno bhuvi
wie Kārtavīryārjuna auf Erden zur Verehrungswürdigkeit gelangte

yaḥ sudarśanacakrasyāvatāraḥ pṛthivītale / dattātreyaṃ samārādhya labdhavāṃsteja uttamam

Er, der auf der Erde eine Herabkunft (Avatāra) des Sudarśana-Diskus [des Viṣṇu] ist, erlangte, nachdem er Dattātreya verehrt hatte, höchste Kraft (Tejas).

Wort für Wort
yaḥ sudarśanacakrasyāvatāraḥ pṛthivītale
er, der auf der Erde eine Herabkunft des Sudarśana-Diskus ist
dattātreyaṃ samārādhya
nachdem er Dattātreya verehrt hatte
labdhavāṃsteja uttamam
erlangte er höchste Kraft

tasya kṣitīśvaredrasya smaraṇādeva nārada / śatrūñjayati saṃgrāme naṣṭaṃ prāpnoti satvaram

Durch das bloße Gedenken an jenen besten der Erdenherrscher, Nārada, besiegt man im Kampf die Feinde und erlangt rasch Verlorenes wieder.

Wort für Wort
tasya kṣitīśvaredrasya smaraṇādeva
durch das bloße Gedenken an jenen besten der Erdenherrscher
nārada
Nārada
śatrūñjayati saṃgrāme
besiegt man im Kampf die Feinde
naṣṭaṃ prāpnoti satvaram
und erlangt rasch Verlorenes wieder

tenāsya mantrapūjādi sarvatantreṣu gopitam / tubhyaṃ prakāśayiṣye 'haṃ sarvasiddhipradāyakam

Daher will ich dir sein Mantra, seine Verehrung und dergleichen, das in allen Tantras verborgen gehalten wird, offenbaren – es ist der Verleiher jeder Vollkommenheit (Siddhi).

Wort für Wort
tenāsya mantrapūjādi
daher sein Mantra, seine Verehrung und dergleichen
sarvatantreṣu gopitam
das in allen Tantras verborgen gehalten wird
tubhyaṃ prakāśayiṣye 'haṃ
will ich dir offenbaren
sarvasiddhipradāyakam
den Verleiher jeder Vollkommenheit

vahnitārayutā raudrī lakṣmīragnīnduśāntiyuk / vedhādharenduśāntyāḍhyo nidrayāśāgni binduyuk

[Die erste Silbe:] die Zornreiche (Raudrī), verbunden mit dem Feuer-Laut und dem Praṇava; [die zweite:] der Lakṣmī-Laut, verbunden mit Feuer, Mond und dem Ruhelaut (Śānti); [die dritte:] die mit Vedha, Adhara, Mond und Śānti versehene [Silbe]; [die vierte:] mit Nidrā, Āśā, Feuer und dem Bindu-Laut verbunden.

Wort für Wort
vahnitārayutā raudrī
die Zornreiche, verbunden mit Feuer-Laut und Praṇava
lakṣmīragnīnduśāntiyuk
der Lakṣmī-Laut, verbunden mit Feuer, Mond und Śānti
vedhādharenduśāntyāḍhyo
die mit Vedha, Adhara, Mond und Śānti versehene [Silbe]
nidrayāśāgni binduyuk
mit Nidrā, Āśā, Feuer und dem Bindu-Laut verbunden

[Anm.: Diese Verse konstruieren ein Kārtavīrya-Mantra nach dem in tantrischen Texten gebräuchlichen Synonym-Chiffre-Verfahren (Kośa), bei dem einzelne Silben/Laute durch Decknamen (z. B. „Vahni", „Tāra", „Indu", „Śānti", „Bindu" u. a.) bezeichnet werden. Die genaue phonetische Auflösung dieser Chiffren in die tatsächlichen Mantra-Silben lässt sich ohne einen entsprechenden Schlüssel (Kośa-Tabelle) nicht mit Sicherheit rekonstruieren; die Übersetzung gibt daher die Decknamen selbst möglichst wörtlich wieder, ohne die daraus resultierenden Silben aufzulösen.]

pāśo māyāṅkuśaṃ padmāvarmāstre kārtavīpadam / rephovā dyāsano 'nanto vahnijau karṇasaṃsthitau

[Weiter:] die Fessel (Pāśa), Māyā, der Elefantenstachel (Aṅkuśa), Lotus (Padma), Rüstung und Waffe (Varma-Astra), das Wort ‚Kārtavī', der Laut ‚Repha' oder ‚Dyāsana', der Unendliche (Ananta), sowie zwei Feuer-Laute (Vahni), an den Ohren stehend.

Wort für Wort
pāśo māyāṅkuśaṃ padmā
die Fessel, Māyā, der Elefantenstachel, Lotus
varmāstre kārtavīpadam
Rüstung und Waffe, das Wort ‚Kārtavī'
rephovā dyāsano 'nantaḥ
der Laut ‚Repha' oder ‚Dyāsana', der Unendliche
vahnijau karṇasaṃsthitau
zwei Feuer-Laute, an den Ohren stehend

[?: Einzelne Chiffre-Ausdrücke dieses Verses (u. a. „dyāsanaḥ") bleiben in ihrer genauen Bedeutung unsicher.]

meṣaḥ sadīrghaḥ pavano manurukto hṛdantimaḥ / ūnarviśativarṇo 'yaṃ tārādirnakhavarṇakaḥ

der Widder-Laut (Meṣa) mit Länge versehen, der Wind-Laut (Pavana) – so ist das Mantra genannt, am Herzen endend; es ist ein neunzehnsilbiges Mantra, mit dem Praṇava beginnend und mit dem Nagel-Laut endend.

Wort für Wort
meṣaḥ sadīrghaḥ pavano
der Widder-Laut, mit Länge versehen, der Wind-Laut
manurukto hṛdantimaḥ
so ist das Mantra genannt, am Herzen endend
ūnarviśativarṇo 'yaṃ
dies ist ein neunzehnsilbiges [Mantra]
tārādirnakhavarṇakaḥ
mit dem Praṇava beginnend, mit dem Nagel-Laut [endend]

dattātreyo muniścāsyacchando 'nuṣṭubudāhṛtam / kārtavīryārjuno devo bījaśaktirdhruvaśca hṛt

Dattātreya ist der Seher (Ṛṣi) dieses Mantras, das Metrum ist als Anuṣṭubh überliefert; die Gottheit ist Kārtavīryārjuna, Bīja-, Śakti- und der feste Punkt (Dhruva) [dieses Mantras liegen] im Herzen.

Wort für Wort
dattātreyo muniścāsya
Dattātreya ist der Seher dieses [Mantras]
cchando 'nuṣṭubudāhṛtam
das Metrum ist als Anuṣṭubh überliefert
kārtavīryārjuno devo
die Gottheit ist Kārtavīryārjuna
bījaśaktirdhruvaśca hṛt
Bīja, Śakti und der feste Punkt [liegen] im Herzen

śeṣāḍhyabījayugmena hṛdayaṃ vinyasedadhaḥ / śāntiyuktacaturthena kāmādyena śirāḥeṃ'gakam

Mit dem um den Rest-Laut vermehrten Silbenpaar setze man [das Glied] Herz nach unten; mit der vierten, mit Śānti versehenen, mit Kāma beginnenden [Silbe das Glied] Haupt.

Wort für Wort
śeṣāḍhyabījayugmena
mit dem um den Rest-Laut vermehrten Silbenpaar
hṛdayaṃ vinyasedadhaḥ
setze man das Herz-Glied nach unten
śāntiyuktacaturthena
mit der vierten, mit Śānti versehenen [Silbe]
kāmādyena śirāḥeṃ'gakam
mit Kāma beginnend, das Haupt-Glied

indvāḍhyaṃ vāmakarṇādyamāyayorvīśayuktayā / śikhāmaṅkuśapadmābhyāṃ savāgbhyāṃ varma vinyaset

Mit dem um den Mond-Laut vermehrten, am linken Ohr beginnenden [Silbenpaar] Māyā, verbunden mit dem Herr-Laut, setze man den Schopf (Śikhā); mit dem Elefantenstachel- und dem Lotus-Laut, samt dem Rede-Laut, setze man die Rüstung.

Wort für Wort
indvāḍhyaṃ vāmakarṇādyaṃ
das um den Mond-Laut vermehrte, am linken Ohr beginnende
māyayorvīśayuktayā
Māyā-Paar, verbunden mit dem Herr-Laut
śikhāmaṅkuśapadmābhyāṃ
den Schopf mit Elefantenstachel- und Lotus-Laut
savāgbhyāṃ varma vinyaset
samt Rede-Laut setze man die Rüstung

varmāstrābhyāmastramuktaṃ śeṣārṇairvyāpakaṃ punaḥ / hṛdaye jaṭhare nābhau jaṭhare guhyadeśataḥ

Mit dem Rüstungs- und dem Waffen-Laut [setze man] das von der Waffen-Silbe befreite [Glied]; mit den übrigen Silben wiederum die Durchdringung des ganzen Körpers – am Herzen, am Bauch, am Nabel, am Unterleib, im geheimen Bereich,

Wort für Wort
varmāstrābhyāmastramuktaṃ
mit Rüstungs- und Waffen-Laut das von der Waffe befreite [Glied]
śeṣārṇairvyāpakaṃ punaḥ
mit den übrigen Silben wiederum die Durchdringung
hṛdaye jaṭhare nābhau
am Herzen, am Bauch, am Nabel
jaṭhare guhyadeśataḥ
am Bauch, im geheimen Bereich

[Anm.: Das zweimalige Auftreten von „jaṭhare" (am Bauch) innerhalb derselben Aufzählung ist auffällig und lässt eine Textverderbnis vermuten; vermutlich stand an einer der beiden Stellen ursprünglich ein anderer Körperteil.]

dakṣapāde vāmapāde sakthni jānuni jaṅghayoḥ / vinyasedbījadaśakaṃ praṇavadvayamadhyagam

am rechten Fuß, am linken Fuß, am Oberschenkel, am Knie, an den beiden Unterschenkeln – dort setze man das zehnfache Bīja, eingebettet zwischen zwei Praṇava-Lauten.

Wort für Wort
dakṣapāde vāmapāde
am rechten Fuß, am linken Fuß
sakthni jānuni jaṅghayoḥ
am Oberschenkel, am Knie, an den Unterschenkeln
vinyasedbījadaśakaṃ
setze man das zehnfache Bīja
praṇavadvayamadhyagam
eingebettet zwischen zwei Praṇava-Lauten

tārādyānatha śeṣārṇānmastake ca lalāṭake / bhruvoḥ śrutyostathaivākṣṇornasi vaktre galeṃ'sake

sodann die mit dem Praṇava beginnenden übrigen Silben am Scheitel, an der Stirn, an den Augenbrauen, ebenso an den Ohren, an den Augen, an der Nase, am Mund, am Hals und an der Schulter,

Wort für Wort
tārādyānatha śeṣārṇān
sodann die mit dem Praṇava beginnenden übrigen Silben
mastake ca lalāṭake
am Scheitel und an der Stirn
bhruvoḥ śrutyostathaivākṣṇoḥ
an den Augenbrauen, den Ohren, den Augen
nasi vaktre galeṃ'sake
an der Nase, am Mund, am Hals und an der Schulter

sarvamantreṇa sarvāṅge kṛtvā vyāpakamādṛtaḥ / sarveṣṭasiddhaye dhyāyetkārtavīryaṃ janeśvaram

hat man mit dem gesamten Mantra ehrfurchtsvoll die Durchdringung des ganzen Körpers vollzogen, meditiere man zur Erfüllung aller Wünsche über Kārtavīrya, den Herrn der Menschen.

Wort für Wort
sarvamantreṇa sarvāṅge
mit dem gesamten Mantra am ganzen Körper
kṛtvā vyāpakamādṛtaḥ
hat man ehrfurchtsvoll die Durchdringung vollzogen
sarveṣṭasiddhaye dhyāyet
meditiere man zur Erfüllung aller Wünsche
kārtavīryaṃ janeśvaram
über Kārtavīrya, den Herrn der Menschen

udyadrarkasahasrābhaṃ sarvabhūpativanditam / dorbhiḥ pañcāśatā dakṣairbāṇānvāmairdhanūṃṣi ca

[Man meditiere über ihn], strahlend wie tausend aufgehende Sonnen, von allen Erdherrschern verehrt, mit fünfzig Armen, in den rechten Pfeile, in den linken Bögen haltend,

Wort für Wort
udyadrarkasahasrābhaṃ
strahlend wie tausend aufgehende Sonnen
sarvabhūpativanditam
von allen Erdherrschern verehrt
dorbhiḥ pañcāśatā dakṣaiḥ
mit fünfzig Armen, in den rechten
bāṇānvāmairdhanūṃṣi ca
Pfeile, in den linken Bögen

dadhataṃ svarṇamālāḍhyaṃ raktavastrasamāvṛtam / cakrāvatāraṃ śrīviṣṇordhyāyedarjunabhūpatim

geschmückt mit goldener Girlande, in rote Gewänder gehüllt – so meditiere man über den Königsherrn Arjuna [Kārtavīrya], die Herabkunft des Diskus (Cakra) des erhabenen Viṣṇu.

Wort für Wort
dadhataṃ svarṇamālāḍhyaṃ
geschmückt mit goldener Girlande
raktavastrasamāvṛtam
in rote Gewänder gehüllt
cakrāvatāraṃ śrīviṣṇoḥ
die Herabkunft des Diskus des erhabenen Viṣṇu
dhyāyedarjunabhūpatim
meditiere man über den Königsherrn Arjuna

lakṣamekaṃ japenmantraṃ daśāṃśaṃ juhuyāttilaiḥ / sataṇḍulaiḥ pāyasena viṣṇupīṭhe yajattutam

Man rezitiere das Mantra hunderttausendmal und opfere den zehnten Teil mit Sesam samt Reiskörnern, und verehre ihn mit Milchreis auf dem Viṣṇu-Sockel.

Wort für Wort
lakṣamekaṃ japenmantraṃ
man rezitiere das Mantra hunderttausendmal
daśāṃśaṃ juhuyāttilaiḥ
und opfere den zehnten Teil mit Sesam
sataṇḍulaiḥ pāyasena
samt Reiskörnern, mit Milchreis
viṣṇupīṭhe yajattutam
verehre man ihn auf dem Viṣṇu-Sockel

ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni tato dikṣu vivikṣu ca / cauramadavibhañjanaṃ mārīmadavibhañjanam

[Man schreibe] in den Winkeln des Sechsecks die sechs Glieder, sodann in den Haupt- wie in den Zwischenrichtungen [die Śaktis, benannt als]: ‚Zerschmetterin des Diebesstolzes', ‚Zerschmetterin des Seuchenstolzes',

Wort für Wort
ṣaṭkoṇeṣu ṣaḍaṅgāni
in den Winkeln des Sechsecks die sechs Glieder
tato dikṣu vivikṣu ca
sodann in den Haupt- wie Zwischenrichtungen
cauramadavibhañjanaṃ
‚Zerschmetterin des Diebesstolzes'
mārīmadavibhañjanam
‚Zerschmetterin des Seuchenstolzes'

arimadavibhañjanaṃ daityamadavibhañjanam / duṣṭanāśaṃ duḥkhanāśaṃ duritāpadvināśakam

‚Zerschmetterin des Feindesstolzes', ‚Zerschmetterin des Dämonenstolzes', ‚Vernichterin des Bösen', ‚Vernichterin des Leids', ‚Vernichterin von Unheil und Not' –

Wort für Wort
arimadavibhañjanaṃ
‚Zerschmetterin des Feindesstolzes'
daityamadavibhañjanam
‚Zerschmetterin des Dämonenstolzes'
duṣṭanāśaṃ duḥkhanāśaṃ
‚Vernichterin des Bösen', ‚Vernichterin des Leids'
duritāpadvināśakam
‚Vernichterin von Unheil und Not'

dikṣvaṣṭaśaktayaḥ pūjyāḥ prācyādiṣvasitaprabhāḥ / kṣemaṅkarī vaśyakarī śrīkarī ca yaśaskarī

In den [acht Haupt-]Richtungen sind die acht Kraft-Gottheiten (Śakti) zu verehren, beginnend im Osten, von dunkler Farbe: Kṣemaṅkarī, Vaśyakarī, Śrīkarī und Yaśaskarī,

Wort für Wort
dikṣvaṣṭaśaktayaḥ pūjyāḥ
in den Richtungen sind die acht Śaktis zu verehren
prācyādiṣvasitaprabhāḥ
beginnend im Osten, von dunkler Farbe
kṣemaṅkarī vaśyakarī
Kṣemaṅkarī, Vaśyakarī
śrīkarī ca yaśaskarī
Śrīkarī und Yaśaskarī

āyuḥ karī tathā prajñākarī vidyākarī punaḥ / dhanakaryaṣṭamī paścāllokeśā astrasaṃyutāḥ

sodann Āyuḥkarī, ferner Prajñākarī, Vidyākarī, und als achte, zuletzt, Dhanakarī – Herrinnen der Welt, mit Waffen versehen.

Wort für Wort
āyuḥ karī tathā
sodann Āyuḥkarī
prajñākarī vidyākarī punaḥ
ferner Prajñākarī, Vidyākarī
dhanakaryaṣṭamī paścāt
als achte, zuletzt, Dhanakarī
lokeśā astrasaṃyutāḥ
Herrinnen der Welt, mit Waffen versehen

evaṃ saṃsādhito mantraḥ prayogārhaḥ prajāyate / kārtavīryārjunasyātha pūjāyantramihocyate

So vollkommen vollzogen, wird das Mantra tauglich zur [rituellen] Anwendung. Nun wird hier das Verehrungs-Yantra des Kārtavīryārjuna dargelegt.

Wort für Wort
evaṃ saṃsādhito mantraḥ
so vollkommen vollzogen, das Mantra
prayogārhaḥ prajāyate
wird tauglich zur Anwendung
kārtavīryārjunasyātha
nun des Kārtavīryārjuna
pūjāyantramihocyate
wird hier das Verehrungs-Yantra dargelegt

svabījānaṅgadhruvavākkarṇikaṃ digdalaṃ likhet / tārādivarmāntadalaṃ śeṣavarṇadalāntaram

Die eigene Keimsilbe, den Anaṅga-Laut (Kāma) und den Dhruva-Vāk-Laut [zeichne man] als Blütenkelch; die mit dem Praṇava beginnenden, mit der Rüstungs-Silbe endenden Blütenblätter der Richtungen, sowie die mit den übrigen Silben [versehenen] Zwischenblätter,

Wort für Wort
svabījānaṅgadhruvavākkarṇikaṃ
die eigene Keimsilbe, Anaṅga- und Dhruva-Vāk-Laut als Blütenkelch
digdalaṃ likhet
zeichne man die Blütenblätter der Richtungen
tārādivarmāntadalaṃ
mit dem Praṇava beginnend, mit der Rüstung endend
śeṣavarṇadalāntaram
die Zwischenblätter mit den übrigen Silben

ūṣmāntyasvarakiñjalkaṃ śeṣārṇaiḥ pariveṣṭitam / koṇālaṅkṛtabhūtārṇabhūgṛhaṃ yantramīśituḥ

die mit den Zischlauten endenden Vokale als Staubfäden, umgeben von den übrigen Silben; dazu ein an den Winkeln mit den Elemente-Silben geschmücktes Erdhaus (Bhūgṛha) – so ist das Yantra des Herrschers [Kārtavīrya gestaltet].

Wort für Wort
ūṣmāntyasvarakiñjalkaṃ
die mit den Zischlauten endenden Vokale als Staubfäden
śeṣārṇaiḥ pariveṣṭitam
umgeben von den übrigen Silben
koṇālaṅkṛtabhūtārṇabhūgṛhaṃ
ein an den Winkeln mit den Elemente-Silben geschmücktes Erdhaus
yantramīśituḥ
das Yantra des Herrschers

śuddhabhūmāvaṣṭagandhairlikhitvā yantramādarāt / tatra kuṃbhaṃ pratiṣṭhāpya tatrāvāhyārcayennṛpam

Nachdem man auf reinem Boden mit den acht Duftstoffen (Aṣṭagandha) sorgsam das Yantra gezeichnet hat, stelle man dort einen Weihekrug (Kumbha) auf, rufe darin den König [Kārtavīrya] herbei und verehre ihn.

Wort für Wort
śuddhabhūmāvaṣṭagandhaiḥ
auf reinem Boden mit den acht Duftstoffen
likhitvā yantramādarāt
nachdem man sorgsam das Yantra gezeichnet hat
tatra kuṃbhaṃ pratiṣṭhāpya
dort einen Weihekrug aufstellend
tatrāvāhyārcayennṛpam
rufe man darin den König herbei und verehre ihn

spṛṣṭvā kuṃbhaṃ japenmantraṃ sahasraṃ vijitendriyaḥ / abhiṣiṃ cettadaṃbhobhiḥ priyaṃ sarveṣṭasiddhaye

Den Krug berührend, rezitiere der Sinnenbezwungene das Mantra tausendmal; mit jenem [geweihten] Wasser besprenge man den geliebten [Verehrer] zur Erfüllung aller Wünsche.

Wort für Wort
spṛṣṭvā kuṃbhaṃ japenmantraṃ
den Krug berührend rezitiere man das Mantra
sahasraṃ vijitendriyaḥ
tausendmal, der Sinnenbezwungene
abhiṣiṃ cettadaṃbhobhiḥ
man besprenge mit jenem Wasser
priyaṃ sarveṣṭasiddhaye
den Geliebten, zur Erfüllung aller Wünsche

putrānyaśo roganāśamāyuḥ svajanarañjanam / vāksiddhiṃ sudṛśaḥ kumbhābhiṣikto labhate naraḥ

Söhne, Ruhm, Heilung von Krankheit, langes Leben, das Wohlgefallen der eigenen Angehörigen, Redegewandtheit sowie schöne Augen erlangt der Mensch, der mit dem Kumbha-Wasser besprengt wurde.

Wort für Wort
putrānyaśo roganāśamāyuḥ
Söhne, Ruhm, Heilung von Krankheit, langes Leben
svajanarañjanam
das Wohlgefallen der eigenen Angehörigen
vāksiddhiṃ sudṛśaḥ
Redegewandtheit, schöne Augen
kumbhābhiṣikto labhate naraḥ
erlangt der mit dem Kumbha-Wasser besprengte Mensch

śatrūpadrava āpanne grāme vā puṭabhedane / saṃsthāpaṃyedidaṃ yantraṃ śatrubhītinivṛttaye

Ist ein Dorf oder eine Stadt von feindlicher Bedrängnis heimgesucht, so stelle man dieses Yantra auf, zur Beseitigung der Furcht vor Feinden.

Wort für Wort
śatrūpadrava āpanne
ist von feindlicher Bedrängnis heimgesucht
grāme vā puṭabhedane
ein Dorf oder eine Stadt
saṃsthāpaṃyedidaṃ yantraṃ
so stelle man dieses Yantra auf
śatrubhītinivṛttaye
zur Beseitigung der Furcht vor Feinden

sarṣapāriṣṭalaśunakārpāsairmāryate ripuḥ / dhattūraiḥ stabhyate nimbairdveṣyate vaśyateṃ'bujaiḥ

Mit Senf, Ariṣṭa-Samen, Knoblauch und Baumwollsamen wird der Feind getötet(-verzaubert); mit Stechapfel wird er gelähmt, mit Nimba-Blättern wird Feindschaft gegen ihn erregt, mit Lotus-Samen wird er unterworfen.

Wort für Wort
sarṣapāriṣṭalaśunakārpāsairmāryate ripuḥ
mit Senf, Ariṣṭa, Knoblauch und Baumwollsamen wird der Feind getötet
dhattūraiḥ stabhyate
mit Stechapfel wird er gelähmt
nimbairdveṣyate
mit Nimba wird Feindschaft gegen ihn erregt
vaśyateṃ'bujaiḥ
mit Lotus-Samen wird er unterworfen

uñcāṭane vibhītasya samidbhiḥ khadirasya ca / kaṭutailamahiṣyājyairhemadravyāñjanaṃ smṛtam

Zum Vertreibungszauber dienen Opferhölzer der Vibhītaka-Pflanze und der Khadira-Akazie; mit scharfem Öl, Büffelmilch/-ghee und Gold ist ferner das Augensalbe-Mittel (Añjana) überliefert.

Wort für Wort
uñcāṭane vibhītasya samidbhiḥ
zum Vertreibungszauber mit Opferhölzern der Vibhītaka
khadirasya ca
und der Khadira-Akazie
kaṭutailamahiṣyājyaiḥ
mit scharfem Öl, Büffelmilch und Ghee
hemadravyāñjanaṃ smṛtam
das Augensalbe-Mittel mit Gold ist überliefert

yavairhute śriyaḥ prāptistilairājyairaghakṣayaḥ / tilataṇḍulasiddhārthajālairvaśyo nṛpo bhavet

Wird mit Gerste geopfert, erlangt man Wohlstand; mit Sesam und Ghee geopfert erfolgt die Vernichtung der Sünde; mit einer Mischung aus Sesam, Reis und weißem Senf wird ein König gefügig gemacht.

Wort für Wort
yavairhute śriyaḥ prāptiḥ
wird mit Gerste geopfert, erlangt man Wohlstand
tilairājyairaghakṣayaḥ
mit Sesam und Ghee die Vernichtung der Sünde
tilataṇḍulasiddhārthajālaiḥ
mit einer Mischung aus Sesam, Reis und weißem Senf
vaśyo nṛpo bhavet
wird ein König gefügig gemacht

apāmārgārkadūrvāṇāṃ homo lakṣmīprado 'ghanut / strīvaśyakṛtpriyaṅgūṇāṃ murāṇāṃ bhūtaśāntidaḥ

Das Brandopfer mit Apāmārga, Arka und Dūrvā-Gras verleiht Glanz und vertreibt Sünde; das mit Priyaṅgu-Samen bewirkt die Bezwingung einer Frau, das mit Murā-Wurzel beruhigt Geisterspuk.

Wort für Wort
apāmārgārkadūrvāṇāṃ homo
das Brandopfer mit Apāmārga, Arka und Dūrvā
lakṣmīprado 'ghanut
verleiht Glanz und vertreibt Sünde
strīvaśyakṛtpriyaṅgūṇāṃ
mit Priyaṅgu-Samen die Bezwingung einer Frau
murāṇāṃ bhūtaśāntidaḥ
mit Murā-Wurzel die Beruhigung von Geisterspuk

aśvatthoduṃbaraplakṣavaṭabilvasamudbhavāḥ / samidho labhate hutvā putrānāyurddhanaṃ sukham

Mit den aus Aśvattha, Udumbara, Plakṣa, Vaṭa und Bilva gewonnenen Opferhölzern geopfert, erlangt man Söhne, langes Leben, Reichtum und Glück.

Wort für Wort
aśvatthoduṃbaraplakṣavaṭabilvasamudbhavāḥ samidho
die aus Aśvattha, Udumbara, Plakṣa, Vaṭa und Bilva gewonnenen Opferhölzer
labhate hutvā
geopfert, erlangt man
putrānāyurddhanaṃ sukham
Söhne, langes Leben, Reichtum und Glück

nirmokahemasiddhārthalavaṇaiścauranāśanam / rocanāgomayaistaṃbho bhūprāptiḥ śālibhirhutaiḥ

Mit Schlangenhaut, Gold, weißem Senf und Salz geopfert erfolgt die Vernichtung von Dieben; mit Gorocanā und Kuhdung die Lähmung; mit geopfertem Reis die Erlangung von Land.

Wort für Wort
nirmokahemasiddhārthalavaṇaiścauranāśanam
mit Schlangenhaut, Gold, weißem Senf und Salz die Vernichtung von Dieben
rocanāgomayaistaṃbho
mit Gorocanā und Kuhdung die Lähmung
bhūprāptiḥ śālibhirhutaiḥ
die Erlangung von Land mit geopfertem Reis

homasaṃkhyā tu sarvatra sahasrādayutāvadhi / prakalpanīyā mantrajñaiḥ kāryyagauravalāghavāt

Die Anzahl der Opferungen aber ist überall, von tausend bis zu zehntausend, von den Mantrakundigen je nach Gewicht oder Geringfügigkeit des Vorhabens festzusetzen.

Wort für Wort
homasaṃkhyā tu sarvatra
die Anzahl der Opferungen aber überall
sahasrādayutāvadhi
von tausend bis zu zehntausend
prakalpanīyā mantrajñaiḥ
ist von den Mantrakundigen festzusetzen
kāryyagauravalāghavāt
je nach Gewicht oder Geringfügigkeit des Vorhabens

kārtavīryyasya mantrāṇāmucyate lakṣaṇaṃ budhāḥ / kārtavīryārjunaṃ ṅeṃtaṃ sarvamantreṣu yojayet

Nun wird, ihr Weisen, das Kennzeichen der Kārtavīrya-Mantras genannt: Man verbinde den Namen ‚Kārtavīryārjuna' mit der Dativ-Endung ‚-e' in allen folgenden Mantras.

Wort für Wort
kārtavīryyasya mantrāṇāmucyate lakṣaṇaṃ budhāḥ
das Kennzeichen der Kārtavīrya-Mantras wird, ihr Weisen, genannt
kārtavīryārjunaṃ ṅeṃtaṃ
‚Kārtavīryārjuna' mit der Dativ-Endung
sarvamantreṣu yojayet
verbinde man in allen Mantras

svabījādyo daśārṇo 'sau anye navaśivākṣarāḥ / ādyabījadvayenāsau dvitīyo mantra īritaḥ

Beginnend mit der eigenen Keimsilbe ist dieses Mantra zehnsilbig, die übrigen [Silben] die neun Śiva-Silben; mit dem ersten Bīja-Paar wird das zweite Mantra gebildet,

Wort für Wort
svabījādyo daśārṇo 'sau
beginnend mit der eigenen Keimsilbe ist dies zehnsilbig
anye navaśivākṣarāḥ
die übrigen die neun Śiva-Silben
ādyabījadvayenāsau
mit dem ersten Bīja-Paar
dvitīyo mantra īritaḥ
wird das zweite Mantra gebildet

svakāmābhyāṃ tṛtīyo 'sau svabhrūbhyāṃ tu caturthakaḥ / svapāśābhyāṃ pañcamo 'sau ṣaṣṭaḥ svena ca māyayā

mit den eigenen Kāma-Silben das dritte, mit den eigenen Bhrū-Silben aber das vierte, mit den eigenen Pāśa-Silben das fünfte, das sechste mit dem eigenen [Bīja] und Māyā,

Wort für Wort
svakāmābhyāṃ tṛtīyo 'sau
mit den eigenen Kāma-Silben das dritte
svabhrūbhyāṃ tu caturthakaḥ
mit den eigenen Bhrū-Silben das vierte
svapāśābhyāṃ pañcamo 'sau
mit den eigenen Pāśa-Silben das fünfte
ṣaṣṭaḥ svena ca māyayā
das sechste mit dem eigenen [Bīja] und Māyā

svāṅkuśābhyāṃ saptamaḥ syātsvaramābhyāmathāṣṭamaḥ / svavāgbhavābhyāṃ navamo varmāstrābhyāmathāntimaḥ

mit den eigenen Aṅkuśa-Silben das siebte, mit den eigenen Rāma-Silben das achte, mit den eigenen Vāgbhava-Silben das neunte, und mit Rüstung und Waffe schließlich das letzte [Mantra].

Wort für Wort
svāṅkuśābhyāṃ saptamaḥ syāt
mit den eigenen Aṅkuśa-Silben das siebte
svaramābhyāmathāṣṭamaḥ
mit den eigenen Rāma-Silben das achte
svavāgbhavābhyāṃ navamo
mit den eigenen Vāgbhava-Silben das neunte
varmāstrābhyāmathāntimaḥ
mit Rüstung und Waffe das letzte

dvitīyādinavānteṣu bījayoḥ syādvyatikramaḥ / mantre tu daśame varṇā navavarmāstramadhyagāḥ

Vom zweiten bis zum neunten Mantra findet ein Wechsel der beiden Bīja-Silben, in umgekehrter Reihenfolge, statt; im zehnten Mantra aber stehen die übrigen Silben zwischen den neunfachen Wiederholungen von Rüstung und Waffe.

Wort für Wort
dvitīyādinavānteṣu
vom zweiten bis zum neunten [Mantra]
bījayoḥ syādvyatikramaḥ
findet ein Wechsel der beiden Bīja-Silben statt
mantre tu daśame varṇā
im zehnten Mantra aber die Silben
navavarmāstramadhyagāḥ
zwischen den neunfachen Rüstung-Waffe-[Wiederholungen]

eteṣu mantravaryeṣu svānukūlaṃ manuṃ bhajet / eṣāmādye virāṭchado 'nyeṣu triṣṭubudāhṛtam

Unter diesen vortrefflichen Mantras verehre man dasjenige, das einem selbst zuträglich ist; beim ersten von ihnen ist das Metrum Virāj überliefert, bei den übrigen Triṣṭubh.

Wort für Wort
eteṣu mantravaryeṣu
unter diesen vortrefflichen Mantras
svānukūlaṃ manuṃ bhajet
verehre man das einem selbst zuträgliche
eṣāmādye virāṭchado
beim ersten von ihnen das Metrum Virāj
'nyeṣu triṣṭubudāhṛtam
bei den übrigen Triṣṭubh überliefert

daśa mantrā ime proktā yadā syuḥ praṇavādikāḥ / tadādimaḥ śivārṇaḥ syādanye tu dvādaśākṣarāḥ

Diese zehn genannten Mantras – wenn sie mit dem Praṇava beginnen, dann besteht das erste aus der [zusätzlichen] Śiva-Silbe, die übrigen aber sind zwölfsilbig.

Wort für Wort
daśa mantrā ime proktā
diese zehn genannten Mantras
yadā syuḥ praṇavādikāḥ
wenn sie mit dem Praṇava beginnen
tadādimaḥ śivārṇaḥ syāt
dann besteht das erste aus der Śiva-Silbe [mehr]
anye tu dvādaśākṣarāḥ
die übrigen aber sind zwölfsilbig

triṣṭupūchandastathādye syādanyeṣu jagatī matā / evaṃ viṃśatimantrāṇāṃ yajanaṃ pūrvavanmatama

Ebenso ist beim ersten [dieser mit Praṇava versehenen Mantras] das Metrum Triṣṭubh, bei den übrigen gilt Jagatī. So gilt für die gesamten zwanzig Mantras die Verehrung wie zuvor beschrieben.

Wort für Wort
triṣṭupūchandastathādye syāt
beim ersten ist ebenso das Metrum Triṣṭubh
anyeṣu jagatī matā
bei den übrigen gilt Jagatī
evaṃ viṃśatimantrāṇāṃ
so für die gesamten zwanzig Mantras
yajanaṃ pūrvavanmatama
gilt die Verehrung wie zuvor

dīrghāḍhyamūlabījena kuryādeṣāṃ ṣaḍaṅgakam / tāro hṛtkārtavīryārjunāya varmāstraṭhadvayam

Mit dem um die Länge vermehrten Wurzel-Bīja vollziehe man von diesen die sechs Glieder. [Ein weiteres Mantra:] Der Praṇava, [die Silbe für] das Herz, ‚Kārtavīryārjunāya', Rüstung, Waffe und zweimal ‚Ṭha'.

Wort für Wort
dīrghāḍhyamūlabījena
mit dem um die Länge vermehrten Wurzel-Bīja
kuryādeṣāṃ ṣaḍaṅgakam
vollziehe man von diesen die sechs Glieder
tāro hṛtkārtavīryārjunāya
der Praṇava, das Herz, ‚Kārtavīryārjunāya'
varmāstraṭhadvayam
Rüstung, Waffe und zweimal ‚Ṭha'

caturdaśārṇo mantro 'yamasyejyā pūrvavanmatā / bhūnetrasamanetrākṣivarṇerasyāṅgapañcakam

Dieses Mantra hat vierzehn Silben; seine Verehrung gilt wie zuvor. Mit den durch ‚Bhū', ‚Netra', ‚Sama-Netra' und ‚Akṣi' [bezeichneten Silbenzahlen vollziehe man] seine fünf Glieder.

Wort für Wort
caturdaśārṇo mantro 'yam
dieses Mantra hat vierzehn Silben
asyejyā pūrvavanmatā
seine Verehrung gilt wie zuvor
bhūnetrasamanetrākṣivarṇaiḥ
mit den Silbenzahlen ‚Bhū', ‚Netra', ‚Sama-Netra', ‚Akṣi'
asyāṅgapañcakam
seine fünf Glieder

tāro hṛdbhagavān ṅeṃtaḥ kārtavīryārjunastathā / varmāstrāgnipriyāmantraḥ prokto hyaṣṭādaśārṇakaḥ

Der Praṇava, [die Silbe für] das Herz, ‚Bhagavān' mit der Endung ‚-e', ebenso ‚Kārtavīryārjuna', Rüstung, Waffe und ‚die dem Feuer liebe [Gattin]' [Svāhā] – so ist ein achtzehnsilbiges Mantra genannt.

Wort für Wort
tāro hṛdbhagavān ṅeṃtaḥ
der Praṇava, das Herz, ‚Bhagavān' mit Dativ-Endung
kārtavīryārjunastathā
ebenso ‚Kārtavīryārjuna'
varmāstrāgnipriyāmantraḥ
Rüstung, Waffe, ‚die dem Feuer liebe [Gattin]'
prokto hyaṣṭādaśārṇakaḥ
so ist ein achtzehnsilbiges Mantra genannt

trivedasaptayugmākṣivarṇaiḥ pañcāṅgakaṃ manoḥ / namo bhagavate śrīti kārtavīryārjunāya ca

Mit den durch ‚Trived', ‚Sapta', ‚Yugma' und ‚Akṣi' bezeichneten Silbenzahlen [vollziehe man] die fünf Glieder dieses Mantras: ‚namo bhagavate śrī kārtavīryārjunāya',

Wort für Wort
trivedasaptayugmākṣivarṇaiḥ
mit den Silbenzahlen ‚Trived', ‚Sapta', ‚Yugma', ‚Akṣi'
pañcāṅgakaṃ manoḥ
die fünf Glieder des Mantras
namo bhagavate śrīti
‚namo bhagavate śrī'
kārtavīryārjunāya ca
und ‚kārtavīryārjunāya'

sarvaduṣṭāntakāyeti tapobalaparākramaḥ / paripālitasaptānte dvīpāya sarvarāpadam

‚dem Vernichter alles Bösen', ‚dem durch Askese-Kraft Mächtigen', ‚dem Beschützer der sieben' – am Ende ‚Dvīpa' (Erdteil) –, ‚[dem Herrn] über alle Not',

Wort für Wort
sarvaduṣṭāntakāyeti
‚dem Vernichter alles Bösen'
tapobalaparākramaḥ
‚dem durch Askese-Kraft Mächtigen'
paripālitasaptānte dvīpāya
‚dem Beschützer der sieben', am Ende ‚Dvīpa'
sarvarāpadam
‚über alle Not'

janyacūḍā maṇānte ye mahāśaktimate tataḥ / sahasradahanaprānte varmāstrānto mahāmanuḥ

‚[dem Herrn über] Geburt', ‚Cūḍā', ‚Maṇi' am Ende, ‚dem von großer Macht Erfüllten' – sodann, mit ‚Sahasra' und ‚Dahana' am Ende, mit Rüstung und Waffe schließend, [dies ist] das große Mantra (Mahāmanu),

Wort für Wort
janyacūḍā maṇānte ye
‚Geburt', ‚Cūḍā', ‚Maṇi' am Ende
mahāśaktimate tataḥ
‚dem von großer Macht Erfüllten', sodann
sahasradahanaprānte
mit ‚Sahasra' und ‚Dahana' am Ende
varmāstrānto mahāmanuḥ
mit Rüstung und Waffe endend, das große Mantra

[?: Der genaue syntaktische Zusammenhang der in V50–51 gereihten Epitheta bleibt an einzelnen Stellen unsicher; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Wort-für-Wort-Abfolge.]

triṣaṣṭivarṇavānproktaḥ smaramātsarvavighnahṛt / rājanyakravartī ca vīraḥ śūrastṛtīyakaḥ

das aus dreiundsechzig Silben bestehend genannt ist – wer seiner nur gedenkt, dessen Hindernisse alle beseitigt es. [Es folgen die Attribute:] ‚der Fürst', ‚der Weltenherrscher', ‚der Held', ‚der Tapfere' als drittes,

Wort für Wort
triṣaṣṭivarṇavānproktaḥ
das aus dreiundsechzig Silben bestehend genannt ist
smaramātsarvavighnahṛt
wer seiner gedenkt, dessen Hindernisse es beseitigt
rājanyakravartī ca vīraḥ
‚der Fürst', ‚der Weltenherrscher', ‚der Held'
śūrastṛtīyakaḥ
‚der Tapfere' als drittes

māhiṣmatīpatiḥ paścāñcaturthaḥ samudīritaḥ / revāṃbuparitṛptaśca kāṇo hastaprabādhitaḥ

‚der Herr von Māhiṣmatī' als viertes genannt, ‚der vom Wasser der Revā erquickte', ‚der Blickstarke', ‚der mit der Hand Bedrängte',

Wort für Wort
māhiṣmatīpatiḥ paścāt
‚der Herr von Māhiṣmatī', danach
caturthaḥ samudīritaḥ
als viertes genannt
revāṃbuparitṛptaśca
‚der vom Wasser der Revā Erquickte'
kāṇo hastaprabādhitaḥ
‚der Blickstarke', ‚der mit der Hand Bedrängte'

[?: „kāṇaḥ" (wörtlich „einäugig/blind") passt inhaltlich schlecht als Epitheton Kārtavīryas; probeweise freier als „der Blickstarke" wiedergegeben – die Lesart bleibt unsicher, möglicherweise Textverderbnis.]

daśāsyeti ca ṣaḍbhiḥ syātpadairṅetaiḥ ṣaḍaṅgakam / siṃcyamānaṃ yuvatibhiḥ krīḍantaṃ narmadājale

und ‚[der Bezwinger] des Zehnköpfigen' [Rāvaṇa] – mit diesen sechs, mit der Endung ‚-e' versehenen Wörtern [bilde man] die sechs Glieder. [Man meditiere über ihn], wie er, von jungen Frauen bespritzt, im Wasser der Narmadā spielt,

Wort für Wort
daśāsyeti ca
und ‚des Zehnköpfigen'
ṣaḍbhiḥ syātpadairṅetaiḥ
mit diesen sechs, mit Dativ-Endung versehenen Wörtern
ṣaḍaṅgakam
[bilde man] die sechs Glieder
siṃcyamānaṃ yuvatibhiḥ krīḍantaṃ narmadājale
von jungen Frauen bespritzt, im Wasser der Narmadā spielend

hastairjalaudhaṃ rundhantaṃ dhyāyenmattaṃ nṛpottamam / evaṃ dhyātvāyutaṃ mantraṃ pajedanyattu pūrvavat

mit den Armen die Wasserflut aufstaut, so meditiere man über den berauschten besten der Könige. Hat man so meditiert, rezitiere man das Mantra zehntausendmal; das Übrige geschehe wie zuvor.

Wort für Wort
hastairjalaudhaṃ rundhantaṃ
mit den Armen die Wasserflut aufstauend
dhyāyenmattaṃ nṛpottamam
meditiere man über den berauschten besten der Könige
evaṃ dhyātvāyutaṃ mantraṃ
hat man so meditiert, das Mantra zehntausendmal
japedanyattu pūrvavat
rezitiere man; das Übrige wie zuvor

pūrvaṃ tu prajapellakṣaṃ pūjāyogaśca pūrvavat / kārtavīryārjuno nāma rājā bāhusahasravān

Zuvor aber rezitiere man es hunderttausendmal; auch der Vollzug der Verehrung geschehe wie zuvor. [Nun folgt ein weiteres Mantra:] ‚Kārtavīryārjuna heißt der König, der Tausendarmige',

Wort für Wort
pūrvaṃ tu prajapellakṣaṃ
zuvor aber rezitiere man es hunderttausendmal
pūjāyogaśca pūrvavat
auch der Vollzug der Verehrung wie zuvor
kārtavīryārjuno nāma rājā
‚Kārtavīryārjuna heißt der König'
bāhusahasravān
‚der Tausendarmige'

tasya saṃsmaraṇādeva hṛtaṃ naṣṭaṃ ca saṃvadet / labhyate mantravaryo 'yaṃ dvātriṃśadvarṇasaṃyutaḥ

‚durch das bloße Gedenken an ihn wird Geraubtes und Verlorenes, so sagt man, wiedererlangt' – dies ist das vortreffliche Mantra, aus zweiunddreißig Silben bestehend.

Wort für Wort
tasya saṃsmaraṇādeva
‚durch das bloße Gedenken an ihn'
hṛtaṃ naṣṭaṃ ca saṃvadet
‚wird Geraubtes und Verlorenes, so sagt man, [wiedererlangt]'
labhyate mantravaryo 'yaṃ
dies ist das vortreffliche Mantra
dvātriṃśadvarṇasaṃyutaḥ
aus zweiunddreißig Silben bestehend

pādaiḥ sarveṇa pañcāṅgaṃ dhyānapūjādi pūrvavat / kārtavīryāya śabdānte vidmahe padamuñcaret

Mit [je einem seiner vier] Versfüße samt dem Ganzen [vollziehe man] die fünf Glieder; Meditation, Verehrung und dergleichen wie zuvor. Nach dem Wort ‚Kārtavīryāya' setze man das Wort ‚vidmahe' (wir wollen erkennen),

Wort für Wort
pādaiḥ sarveṇa pañcāṅgaṃ
mit den Versfüßen samt dem Ganzen die fünf Glieder
dhyānapūjādi pūrvavat
Meditation, Verehrung und dergleichen wie zuvor
kārtavīryāya śabdānte
nach dem Wort ‚Kārtavīryāya'
vidmahe padamuñcaret
setze man das Wort ‚vidmahe'

mahāvīryāya varṇānte dhīmahīti padaṃ vadet / tannor'junaḥ pravarṇānte codayātpadamīrayet

nach der Silbe ‚mahāvīryāya' spreche man das Wort ‚dhīmahi' (wir wollen meditieren); danach, nach der Silbenfolge ‚tan no arjunaḥ pra', spreche man das Wort ‚codayāt' (er möge antreiben).

Wort für Wort
mahāvīryāya varṇānte
nach der Silbe ‚mahāvīryāya'
dhīmahīti padaṃ vadet
spreche man das Wort ‚dhīmahi'
tannor'junaḥ pravarṇānte
nach der Silbenfolge ‚tan no arjunaḥ pra'
codayātpadamīrayet
spreche man das Wort ‚codayāt'

gāyatryeṣārjuna syoktā prayogādau japettu tām / anuṣṭubhaṃ manuṃ rātrau japatāṃ caurasaṃcayāḥ

Dies ist die für Arjuna [Kārtavīrya] genannte Gāyatrī; man rezitiere sie zu Beginn der Anwendung. Wenn man des Nachts das Anuṣṭubh-Mantra rezitiert, dann die Diebesscharen –

Wort für Wort
gāyatryeṣārjuna syoktā
dies ist die für Arjuna genannte Gāyatrī
prayogādau japettu tām
man rezitiere sie zu Beginn der Anwendung
anuṣṭubhaṃ manuṃ rātrau
rezitiert man des Nachts das Anuṣṭubh-Mantra
japatāṃ caurasaṃcayāḥ
dann die Diebesscharen

palāyante gṛhāddūraṃ tarpaṇāddhravanādapi / atho dīpavidhiṃ vakṣye kārtavīryapriyaṅkaram

fliehen weit vom Hause fort, sei es durch das [bloße] Tarpaṇa-Opfer oder gar durch das [bloße] Nennen. Nun will ich die Lampen-Ritualvorschrift verkünden, die Kārtavīrya erfreut.

Wort für Wort
palāyante gṛhāddūraṃ
fliehen weit vom Hause fort
tarpaṇāddhravanādapi
durch das Tarpaṇa-Opfer oder gar durch das Nennen
atho dīpavidhiṃ vakṣye
nun will ich die Lampen-Ritualvorschrift verkünden
kārtavīryapriyaṅkaram
die Kārtavīrya erfreut

[?: „dhravaṇāt" bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher; probeweise als „durch das bloße Nennen/Anrufen" gedeutet.]

vaiśākhe śrāvaṇe mārge kārtikāśvinapauṣataḥ / māghaphālgunayormāsordīpāraṃbhaṃ samācaret

In den Monaten Vaiśākha, Śrāvaṇa, Mārgaśīrṣa, Kārtika, Āśvina, Pauṣa sowie Māgha und Phālguna vollziehe man den Beginn der Lampe.

Wort für Wort
vaiśākhe śrāvaṇe mārge
in Vaiśākha, Śrāvaṇa, Mārgaśīrṣa
kārtikāśvinapauṣataḥ
Kārtika, Āśvina, Pauṣa
māghaphālgunayormāsor
in den Monaten Māgha und Phālguna
dīpāraṃbhaṃ samācaret
vollziehe man den Beginn der Lampe

tithau riktāvihīnāyāṃ vāre śanikujau vinā / hastottarāśviraudreyapuṣyavaiṣṇavavāyubhe

an einem Tithi, das frei von den ‚leeren' Tithis ist, an einem Wochentag außer Samstag und Dienstag, unter den Mondhäusern Hasta, Uttara[phalgunī], Aśvinī, Ārdrā, Puṣya, Śravaṇa oder Svāti,

Wort für Wort
tithau riktāvihīnāyāṃ
an einem von den ‚leeren' Tithis freien Tithi
vāre śanikujau vinā
an einem Wochentag außer Samstag und Dienstag
hastottarāśviraudreyapuṣya
unter Hasta, Uttara-, Aśvinī, Ārdrā, Puṣya
vaiṣṇavavāyubhe
Śravaṇa oder Svāti

dvidaivate ca rohiṇyāṃ dīpāraṃbho hitāvahaḥ / carame ca vyatīpāte dhṛtau vṛddhau sukarmaṇi

unter einem zweiherrigen [Nakṣatra] oder unter Rohiṇī ist der Beginn der Lampe heilbringend; ebenso im letzten [Mondviertel], bei Vyatīpāta, beim Yoga Dhṛti, Vṛddhi oder Sukarman,

Wort für Wort
dvidaivate ca rohiṇyāṃ
unter einem zweiherrigen [Nakṣatra] oder unter Rohiṇī
dīpāraṃbho hitāvahaḥ
ist der Beginn der Lampe heilbringend
carame ca vyatīpāte
ebenso im letzten [Viertel], bei Vyatīpāta
dhṛtau vṛddhau sukarmaṇi
beim Yoga Dhṛti, Vṛddhi oder Sukarman

prītau harṣaṃ ca saubhāgye śobhanāyuṣmatorapi / karaṇe viṣṭirahite grahaṇe 'rddhodayādiṣu

bei Prīti, Harṣaṇa, Saubhāgya, ebenso bei Śobhana oder Āyuṣmat, bei einem Karaṇa ohne Viṣṭi, bei einer [teilweisen] Finsternis, beim Ardhodaya und dergleichen,

Wort für Wort
prītau harṣaṃ ca saubhāgye
bei Prīti, Harṣaṇa, Saubhāgya
śobhanāyuṣmatorapi
ebenso bei Śobhana oder Āyuṣmat
karaṇe viṣṭirahite
bei einem Karaṇa ohne Viṣṭi
grahaṇe 'rddhodayādiṣu
bei einer Finsternis, beim Ardhodaya und dergleichen

yogeṣu rātrau pūrvāhne dīpāraṃbhaghaḥ kṛtaḥ śubhaḥ / kārtike śuklasaptamyāṃ niśīthe 'tīva śobhanaḥ

bei [diesen] Konstellationen, nachts oder am Vormittag vollzogen, ist der Beginn der Lampe verheißungsvoll; am siebten Tag der hellen Monatshälfte des Kārtika, um Mitternacht, ist er überaus vorzüglich.

Wort für Wort
yogeṣu rātrau pūrvāhne
bei diesen Konstellationen, nachts oder am Vormittag
dīpāraṃbhaghaḥ kṛtaḥ śubhaḥ
ist der vollzogene Beginn der Lampe verheißungsvoll
kārtike śuklasaptamyāṃ
am siebten Tag der hellen Hälfte des Kārtika
niśīthe 'tīva śobhanaḥ
um Mitternacht überaus vorzüglich

yadi tatra ravervāraḥ śravaṇaṃ bhaṃ ca durlabham / atyāvaśyakakāryeṣu māsādīnāṃ na śodhanam

Fällt dabei der Sonntag oder das Mondhaus Śravaṇa zusammen, ist dies schwer zu erlangen; bei dringend notwendigen Vorhaben aber ist eine besondere Läuterung von Monat und dergleichen nicht erforderlich.

Wort für Wort
yadi tatra ravervāraḥ
fällt dabei der Sonntag zusammen
śravaṇaṃ bhaṃ ca durlabham
[oder] das Mondhaus Śravaṇa, ist es schwer zu erlangen
atyāvaśyakakāryeṣu
bei dringend notwendigen Vorhaben
māsādīnāṃ na śodhanam
ist eine Läuterung von Monat und dergleichen nicht erforderlich

ādye hyupoṣya niyato brahmacārī sapītakaiḥ / prātaḥ snātvā śuddhabhūmau liptāyāṃ gomayodakaiḥ

Am ersten Tag faste man, enthaltsam und keusch, in gelben Gewändern; am Morgen bade man und begebe sich auf reinen, mit Kuhdung und Wasser bestrichenen Boden.

Wort für Wort
ādye hyupoṣya niyato
am ersten Tag faste man, enthaltsam
brahmacārī sapītakaiḥ
keusch, in gelben Gewändern
prātaḥ snātvā śuddhabhūmau
am Morgen gebadet, auf reinem Boden
liptāyāṃ gomayodakaiḥ
mit Kuhdung und Wasser bestrichen

prāṇānāyamya saṃkalpya nyāsānpūrvoditāṃścaret / ṣaṭkoṇaṃ racayedbhūmau raktacandanataṇḍulaiḥ

Nachdem man den Atem gebändigt und den Ritual-Entschluss gefasst hat, vollziehe man die zuvor genannten Einsetzungen (Nyāsa); man gestalte auf dem Boden ein Sechseck mit rotem Sandel und Reiskörnern,

Wort für Wort
prāṇānāyamya saṃkalpya
nachdem man den Atem gebändigt und den Entschluss gefasst hat
nyāsānpūrvoditāṃścaret
vollziehe man die zuvor genannten Einsetzungen
ṣaṭkoṇaṃ racayedbhūmau
man gestalte auf dem Boden ein Sechseck
raktacandanataṇḍulaiḥ
mit rotem Sandel und Reiskörnern

ataḥ smaraṃ samālikhya ṣaṭkoṇeṣu samālikhet / navārṇairveṣṭayettañca trikoṇaṃ tadbahiḥ punaḥ

zeichne darin den Liebesgott-Laut (Smara), dann in den Winkeln des Sechsecks [die übrigen Silben]; man umgebe es mit den neun Silben, und außerhalb davon wiederum mit einem Dreieck.

Wort für Wort
ataḥ smaraṃ samālikhya
darin den Liebesgott-Laut zeichnend
ṣaṭkoṇeṣu samālikhet
zeichne man in den Winkeln des Sechsecks
navārṇairveṣṭayettañca
man umgebe es mit den neun Silben
trikoṇaṃ tadbahiḥ punaḥ
und außerhalb davon wiederum mit einem Dreieck

evaṃ vilikhite yantre nidadhyāddīpabhājanam / svarṇajaṃ rajatotthaṃ vā tāmrajaṃ tadabhāvataḥ

Ist das Yantra so gezeichnet, stelle man das Lampengefäß darauf – aus Gold, oder, wenn nicht vorhanden, aus Silber oder aus Kupfer.

Wort für Wort
evaṃ vilikhite yantre
ist das Yantra so gezeichnet
nidadhyāddīpabhājanam
stelle man das Lampengefäß darauf
svarṇajaṃ rajatotthaṃ vā
aus Gold oder aus Silber
tāmrajaṃ tadabhāvataḥ
oder, wenn nicht vorhanden, aus Kupfer

kāṃsyapātraṃ mṛṇmayaṃ ca kaniṣṭhaṃ lohajaṃ mṛtau / śāntaye mudgacūrṇotthaṃ saṃdhau godhūmacūrṇajam

Ein Bronzegefäß oder ein Tongefäß ist das geringste; bei einem Todesfall dient ein aus Eisen gefertigtes; zur Beruhigung eines aus Mungbohnenmehl, bei Versöhnung eines aus Weizenmehl.

Wort für Wort
kāṃsyapātraṃ mṛṇmayaṃ ca kaniṣṭhaṃ
ein Bronze- oder Tongefäß ist das geringste
lohajaṃ mṛtau
bei einem Todesfall eines aus Eisen
śāntaye mudgacūrṇotthaṃ
zur Beruhigung eines aus Mungbohnenmehl
saṃdhau godhūmacūrṇajam
bei Versöhnung eines aus Weizenmehl

ājye palasahasre tu pātraṃ śatapalaṃ smṛtam / ājye 'yutapale pātraṃ palapañcaśatā smṛtam

Bei tausend Pala Ghee gilt ein hundert Pala fassendes Gefäß als vorgeschrieben; bei zehntausend Pala Ghee ein Gefäß von fünfhundert Pala,

Wort für Wort
ājye palasahasre tu
bei tausend Pala Ghee aber
pātraṃ śatapalaṃ smṛtam
gilt ein hundert Pala [fassendes] Gefäß als vorgeschrieben
ājye 'yutapale pātraṃ
bei zehntausend Pala Ghee ein Gefäß
palapañcaśatā smṛtam
von fünfhundert Pala vorgeschrieben

pañcasaptatisaṃkhye tu pātraṃ ṣaṣṭipalaṃ smṛtam / trisāhasrī ghṛtapale śarkarāpalabhājanam

bei einer Zahl von fünfundsiebzig[hundert Pala] gilt ein Gefäß von sechzig Pala; bei dreitausend Pala Ghee ein entsprechendes Gefäß,

Wort für Wort
pañcasaptatisaṃkhye tu
bei einer Zahl von fünfundsiebzig[hundert] aber
pātraṃ ṣaṣṭipalaṃ smṛtam
gilt ein Gefäß von sechzig Pala
trisāhasrī ghṛtapale
bei dreitausend Pala Ghee
śarkarāpalabhājanam
ein entsprechendes Gefäß

[?: Die genauen zahlenmäßigen Entsprechungen dieser Maßtabelle (V73–76) bleiben an mehreren Stellen unsicher, u. a. bei „śarkarāpalabhājanam".]

dvisāhakhtryāṃ dviśatamitaṃ ca bhājanamiṣyate / śate 'kṣicarasaṃśyātamevamanyatra kalpayet

bei zweitausend [Pala Ghee] gilt ein zweihundert [Pala fassendes] Gefäß als vorgeschrieben; [bei geringeren Mengen entsprechend kleiner] – ebenso verfahre man an anderer Stelle entsprechend.

Wort für Wort
dvisāhasryāṃ
bei zweitausend [Pala Ghee]
dviśatamitaṃ ca bhājanamiṣyate
gilt ein zweihundert [Pala fassendes] Gefäß als vorgeschrieben
śate 'kṣicarasaṃśyātam
[unklar/verderbt]
evamanyatra kalpayet
ebenso verfahre man an anderer Stelle

[Anm.: „dvisāhakhtryāṃ" gelesen als „dvisāhasryāṃ" (bei zweitausend). Die Wortfolge „śate 'kṣicarasaṃśyātam" bleibt trotz Korrekturversuch unklar bzw. verderbt; nur der eindeutig erkennbare Teil des Verses wird hier übersetzt.]

nityadīpe vahnipalaṃ pātramājyaṃ palaṃ smṛtam / evaṃ pātraṃ pratiṣṭhāpya vartīḥ sūtrotthitāḥ kṣipet

Für die tägliche (Dauer-)Lampe gilt ein Gefäß von drei Pala, das Ghee mit einem Pala, als vorgeschrieben. Hat man so das Gefäß aufgestellt, lege man aus Fäden gefertigte Dochte hinein,

Wort für Wort
nityadīpe vahnipalaṃ pātram
für die tägliche Lampe ein Gefäß von drei Pala
ājyaṃ palaṃ smṛtam
das Ghee mit einem Pala, so vorgeschrieben
evaṃ pātraṃ pratiṣṭhāpya
hat man so das Gefäß aufgestellt
vartīḥ sūtrotthitāḥ kṣipet
lege man aus Fäden gefertigte Dochte hinein

ekā tisro 'thavā pañcasaptādyā viṣamā api / tithimānādāsahasraṃ tantusaṃkhyā vinirmitā

einen, drei, oder fünf, sieben und so fort, ungerade an Zahl; die Anzahl der Fäden ist dabei vom Maß der Tithi bis hin zu tausend bemessen,

Wort für Wort
ekā tisro 'thavā
einen, drei, oder
pañcasaptādyā viṣamā api
fünf, sieben und so fort, ungerade
tithimānādāsahasraṃ
vom Maß der Tithi bis hin zu tausend
tantusaṃkhyā vinirmitā
ist die Anzahl der Fäden bemessen

goghṛtaṃ prakṣipettatra śuddhavastraviśodhitam / sahasrapalasaṃkhyādidaśāṃśaṃ kāryagauravāt

man gieße dort Kuh-Ghee hinein, durch reines Tuch gereinigt, in einer Menge vom Zehntel der tausend-Pala-Zahl an, je nach Gewicht des Vorhabens.

Wort für Wort
goghṛtaṃ prakṣipettatra
man gieße dort Kuh-Ghee hinein
śuddhavastraviśodhitam
durch reines Tuch gereinigt
sahasrapalasaṃkhyādidaśāṃśaṃ
vom Zehntel der tausend-Pala-Zahl an
kāryagauravāt
je nach Gewicht des Vorhabens

suvarṇādikṛtāṃ ramyāṃ śalākāṃ ṣoḍaśāṅgulām / tadarddhāṃ vā tadarddhāṃ vā sūkṣmāgrāṃ sthūlamūlikām

Einen schönen, aus Gold oder anderem Material gefertigten, sechzehn Finger[breit] langen Stab (Śalākā), oder dessen Hälfte, oder wiederum dessen Hälfte, mit feiner Spitze und dickem Grund,

Wort für Wort
suvarṇādikṛtāṃ ramyāṃ
einen schönen, aus Gold oder anderem gefertigten
śalākāṃ ṣoḍaśāṅgulām
Stab von sechzehn Finger[breit] Länge
tadarddhāṃ vā tadarddhāṃ vā
oder dessen Hälfte, oder wiederum dessen Hälfte
sūkṣmāgrāṃ sthūlamūlikām
mit feiner Spitze und dickem Grund

vimuñceddakṣiṇe pātramadhye cāgre kṛtāgrikām / pātradakṣiṇadigdeśe muktvāṃ gulacatuṣṭayam

lasse man rechts im Gefäß, und zwar vorn, mit der Spitze [nach vorn] versehen, [einsinken]; an der Südseite des Gefäßes, im Abstand von vier Fingerbreiten,

Wort für Wort
vimuñceddakṣiṇe pātramadhye
lasse man rechts, in der Mitte des Gefäßes
cāgre kṛtāgrikām
und vorn, mit der Spitze versehen
pātradakṣiṇadigdeśe
an der Südseite des Gefäßes
muktvāṃ gulacatuṣṭayam
im Abstand von vier Fingerbreiten

adhogrāṃ dakṣiṇādhārāṃ nikhanecchurikāṃ śubhām / dīpaṃ prajvālayettatra gaṇeśasmṛtipūrvakam

vergrabe man, mit der Spitze nach unten, in südlicher Stütze, einen segensreichen Dolch (Churikā); dort entzünde man die Lampe, nachdem man zuvor Gaṇeśa gedacht hat.

Wort für Wort
adhogrāṃ dakṣiṇādhārāṃ
mit der Spitze nach unten, in südlicher Stütze
nikhanecchurikāṃ śubhām
vergrabe man einen segensreichen Dolch
dīpaṃ prajvālayettatra
dort entzünde man die Lampe
gaṇeśasmṛtipūrvakam
nachdem man zuvor Gaṇeśa gedacht hat

dīpātpūrvatra digbhāge sarvatobhadramaṇḍale / taṇḍulāṣṭadale vāpi vidhivatsthāpayeddhūṭam

Östlich von der Lampe, auf einem Sarvatobhadra-Maṇḍala oder auf einem Achtblatt aus Reiskörnern, stelle man vorschriftsmäßig den [Weihegegenstand] auf.

Wort für Wort
dīpātpūrvatra digbhāge
östlich von der Lampe
sarvatobhadramaṇḍale
auf einem Sarvatobhadra-Maṇḍala
taṇḍulāṣṭadale vāpi
oder auf einem Achtblatt aus Reiskörnern
vidhivatsthāpayeddhūṭam
stelle man vorschriftsmäßig den [Weihegegenstand] auf

[?: „dhūṭam" bleibt in seiner Bedeutung unsicher; möglicherweise verderbt für „kumbham" (Weihekrug) oder einen ähnlichen Ritualgegenstand.]

tatrāvāhya nṛpādhīśaṃ pūjayetpūrvavatsudhīḥ / jalākṣatānsamādāya dīpaṃ saṃkalpayettataḥ

Dort rufe man den Königsfürsten [Kārtavīrya] herbei und verehre ihn, wie zuvor, der Kluge; dann nehme man Wasser und ungeschälten Reis (Akṣata) und fasse den Ritual-Entschluss für die Lampe.

Wort für Wort
tatrāvāhya nṛpādhīśaṃ
dort rufe man den Königsfürsten herbei
pūjayetpūrvavatsudhīḥ
verehre ihn der Kluge wie zuvor
jalākṣatānsamādāya
nehme man Wasser und ungeschälten Reis
dīpaṃ saṃkalpayettataḥ
und fasse dann den Entschluss für die Lampe

dīpasaṃkalpamantro 'yaṃ kathyate dvīṣubhūmitaḥ / praṇavaḥ pāśamāye ca śikhā kārtākṣarāṇi ca

Dieses Lampen-Entschluss-Mantra wird nun dargelegt: der Praṇava, der Pāśa-Laut, der Māyā-Laut, der Schopf-Laut (Śikhā) und die Silben von ‚Kārta'[vīrya],

Wort für Wort
dīpasaṃkalpamantro 'yaṃ kathyate
dieses Lampen-Entschluss-Mantra wird dargelegt
praṇavaḥ pāśamāye ca
der Praṇava, der Pāśa- und der Māyā-Laut
śikhā kārtākṣarāṇi ca
der Śikhā-Laut und die Silben von ‚Kārta'

[?: „dvīṣubhūmitaḥ" bleibt in seiner genauen Bedeutung unsicher.]

vīryārjunāya māhiṣmatīnāthāya sahasra ca / bāhave iti varṇānte sahasrapadamuccaret

‚vīryārjunāya māhiṣmatīnāthāya' und ‚sahasra' – nach der Silbenfolge ‚bāhave' spreche man das Wort ‚sahasra' (tausend),

Wort für Wort
vīryārjunāya māhiṣmatīnāthāya
‚vīryārjunāya māhiṣmatīnāthāya'
sahasra ca bāhave iti varṇānte
und nach der Silbenfolge ‚bāhave'
sahasrapadamuccaret
spreche man das Wort ‚sahasra'

kratudīkṣitahastāya dattātreyapriyāya ca / ātreyāyānusūyānte garbharatnāya tatparam

‚dem mit der Opferweihe begabten Handreichen', und ‚dem Dattātreya Lieben', ‚dem Sohn des Atri', mit ‚Anusūyā' endend, ‚dem Juwel des Mutterschoßes', und zuletzt

Wort für Wort
kratudīkṣitahastāya
‚dem mit der Opferweihe begabten Handreichen'
dattātreyapriyāya ca
und ‚dem Dattātreya Lieben'
ātreyāyānusūyānte
‚dem Sohn des Atri', mit ‚Anusūyā' endend
garbharatnāya tatparam
‚dem Juwel des Mutterschoßes', und zuletzt

namo grīvāmakarṇendusthitau pāśa imaṃ tataḥ / dīpaṃ gṛhāṇa amukaṃ rakṣa rakṣa padaṃ punaḥ

‚namaḥ', die Nacken-Silbe, am Ohr und beim Mond-Laut stehend die Pāśa-Silbe; danach: ‚dīpam imaṃ gṛhāṇa' (nimm diese Lampe an), ‚den NN. schütze, schütze' – wiederum das Wort,

Wort für Wort
namo grīvāmakarṇendusthitau
‚namaḥ', die Nacken-Silbe, am Ohr und Mond-Laut stehend
pāśa imaṃ tataḥ
die Pāśa-Silbe, danach
dīpaṃ gṛhāṇa amukaṃ rakṣa rakṣa
‚nimm diese Lampe an, den NN. schütze, schütze'
padaṃ punaḥ
wiederum das Wort

duṣṭānnāśayayugmaṃ syāttathā pātaya ghātaya / śatrūn jahidvayaṃ māyā tāraḥ svaṃ bījamātmabhūḥ

‚die Bösen vernichte' – zweimal –, ebenso ‚wirf nieder, erschlage', ‚die Feinde töte' – zweimal –, dann die Māyā-Silbe, der Praṇava, die eigene Keimsilbe, der Selbstentstandene (Ātmabhū),

Wort für Wort
duṣṭānnāśayayugmaṃ syāt
‚die Bösen vernichte' zweimal
tathā pātaya ghātaya
ebenso ‚wirf nieder, erschlage'
śatrūn jahidvayaṃ māyā
‚die Feinde töte' zweimal, [dann] die Māyā-Silbe
tāraḥ svaṃ bījamātmabhūḥ
der Praṇava, die eigene Keimsilbe, der Selbstentstandene

vahnīpriyā anenātha dīpavaryeṇa paścimā / bhimukhenāmukaṃ rakṣa amukānte varaprada

‚die dem Feuer liebe [Gattin]' (Svāhā) – mit dieser vortrefflichen Lampe, nach Westen gewandt, ‚den NN. schütze', am Ende ‚NN.', ‚du Gewährer von Gaben',

Wort für Wort
vahnīpriyā anenātha
‚die dem Feuer liebe [Gattin]', mit dieser
dīpavaryeṇa paścimābhimukhena
vortrefflichen Lampe, nach Westen gewandt
amukaṃ rakṣa amukānte
‚den NN. schütze', am Ende ‚NN.'
varaprada
‚du Gewährer von Gaben'

[?: „paścimābhimukhena" (mit nach Westen gewandtem Antlitz) steht in möglichem Spannungsverhältnis zu anderweitig genannten Richtungsangaben; hier wörtlich übersetzt.]

māyākāśadvayaṃ vāmanetracandrayutaṃ śivā / vedādikāmacāmuṇḍāḥ svāhā tu pūsabindukau

die zweifache Māyā-Ākāśa-Silbe, verbunden mit dem linken Auge und dem Mond-Laut, die Holdselige (Śivā), die mit Veda und Kāma beginnenden Silben, [der Name] Cāmuṇḍā, ‚svāhā', und die beiden Bindu-Laute von ‚Pūṣan',

Wort für Wort
māyākāśadvayaṃ
die zweifache Māyā-Ākāśa-Silbe
vāmanetracandrayutaṃ śivā
verbunden mit linkem Auge und Mond-Laut, die Holdselige
vedādikāmacāmuṇḍāḥ svāhā
die mit Veda-Kāma beginnenden Silben, ‚Cāmuṇḍā', ‚svāhā'
tu pūsabindukau
und die beiden Bindu-Laute von ‚Pūṣan'

[?: „pūsabindukau" bleibt in der genauen Lesart unsicher, evtl. „pūṣabindukau".]

praṇavo 'gnipriyā mantro netrabāṇādharākṣaraḥ / dattātreyo munirmālāmantrasya parikīrtitaḥ

der Praṇava, ‚die dem Feuer liebe [Gattin]' – so ist das Mantra, [versehen] mit den durch ‚Netra', ‚Bāṇa' und ‚Adhara' bezeichneten Silbenzahlen; Dattātreya ist als der Seher dieses Girlanden-Mantras verkündet,

Wort für Wort
praṇavo 'gnipriyā mantro
der Praṇava, ‚die dem Feuer liebe [Gattin]' – so das Mantra
netrabāṇādharākṣaraḥ
mit den Silbenzahlen ‚Netra', ‚Bāṇa', ‚Adhara'
dattātreyo munir
Dattātreya ist der Seher
mālāmantrasya parikīrtitaḥ
dieses Girlanden-Mantras verkündet

chando 'mitaṃ kārtavīryurjuno devo 'khilāptikṛt / cāmuṇḍayā ṣaḍaṅgāni caretṣaḍdīrghayuktayā

das Metrum ist unbegrenzt (Amita), die Gottheit Kārtavīryārjuna, der alles Erlangen Bewirkende; mit der Silbe Cāmuṇḍā, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man die sechs Glieder.

Wort für Wort
chando 'mitaṃ
das Metrum ist unbegrenzt
kārtavīryurjuno devo 'khilāptikṛt
die Gottheit Kārtavīryārjuna, der alles Erlangen Bewirkende
cāmuṇḍayā ṣaḍaṅgāni caret
mit der Silbe Cāmuṇḍā vollziehe man die sechs Glieder
ṣaḍdīrghayuktayā
verbunden mit den sechs langen Vokalen

dhyātvā devaṃ tato mantraṃ paṭhitvānte kṣipejjalam / govindāḍhyo halī seṃduścāmuṇḍābījamīritam

Hat man über den Gott meditiert, das Mantra rezitiert, gieße man am Ende Wasser. [Ein weiteres Mantra:] ‚Govinda' vermehrt, der Pflugträger (Halī) mit dem Mond-Laut – dies wird als die Keimsilbe der Cāmuṇḍā verkündet,

Wort für Wort
dhyātvā devaṃ tato mantraṃ
hat man über den Gott meditiert, das Mantra
paṭhitvānte kṣipejjalam
rezitiert, gieße man am Ende Wasser
govindāḍhyo halī seṃduḥ
‚Govinda' vermehrt, der Pflugträger mit dem Mond-Laut
cāmuṇḍābījamīritam
dies wird als Keimsilbe der Cāmuṇḍā verkündet

tato navākṣaraṃ mantraṃ sahasraṃ tatpuro japet / tāro 'nanto binduyukto māyāsvaṃ vāmanetrayuk

danach rezitiere man das neunsilbige Mantra tausendmal vor ihm. [Ein weiteres Mantra:] Der Praṇava, der Unendliche (Ananta), verbunden mit dem Bindu, die eigene Māyā-Silbe, verbunden mit dem linken Auge-Laut,

Wort für Wort
tato navākṣaraṃ mantraṃ
danach das neunsilbige Mantra
sahasraṃ tatpuro japet
rezitiere man tausendmal vor ihm
tāro 'nanto binduyukto
der Praṇava, der Unendliche, verbunden mit dem Bindu
māyāsvaṃ vāmanetrayuk
die eigene Māyā-Silbe, verbunden mit dem linken Auge-Laut

kūrmāgnī śāntibindvāḍhyau vahni jāyāṅkuśaṃ dhruvam / ṛṣiḥ pūrvoditonuṣṭupchando 'nyatpūrvavatpunaḥ

die Schildkröte (Kūrma) und das Feuer, vermehrt um Śānti und Bindu, das Feuer, die Gattin-Silbe (Svāhā), die Elefantenstachel-Silbe als Dhruva – der Seher ist der zuvor genannte, das Metrum Anuṣṭubh, das Übrige wiederum wie zuvor.

Wort für Wort
kūrmāgnī śāntibindvāḍhyau
die Schildkröte und das Feuer, vermehrt um Śānti und Bindu
vahni jāyāṅkuśaṃ dhruvam
das Feuer, die Gattin-Silbe, die Elefantenstachel-Silbe als Dhruva
ṛṣiḥ pūrvoditonuṣṭupchando
der Seher der zuvor genannte, das Metrum Anuṣṭubh
'nyatpūrvavatpunaḥ
das Übrige wiederum wie zuvor

sahasraṃ mantrarājaṃ ca japitvā kavacaṃ paṭhet / evaṃ dīpapradānasya kartāpnotyakhile 'psitam

Hat man das königliche Mantra (Mantrarāja) tausendmal rezitiert, lese man den Schutzpanzer (Kavaca). So erlangt der Vollzieher der Lampenspende alles Erwünschte.

Wort für Wort
sahasraṃ mantrarājaṃ ca japitvā
hat man das königliche Mantra tausendmal rezitiert
kavacaṃ paṭhet
lese man den Schutzpanzer
evaṃ dīpapradānasya kartā
so erlangt der Vollzieher der Lampenspende
āpnotyakhile 'psitam
alles Erwünschte

dīpaprabodhakāle tu varjayedaśubhāṃ giram / viprasya darśanaṃ tatra śubhadaṃ parikīrtitam

Zur Zeit des Erweckens der Lampe [d.h. beim Entzünden] aber meide man unheilvolle Rede; der Anblick eines Brahmanen ist dabei als glückbringend verkündet.

Wort für Wort
dīpaprabodhakāle tu
zur Zeit des Erweckens der Lampe aber
varjayedaśubhāṃ giram
meide man unheilvolle Rede
viprasya darśanaṃ tatra
der Anblick eines Brahmanen ist dabei
śubhadaṃ parikīrtitam
als glückbringend verkündet

śūdrāṇāṃ pradhyamaṃ proktaṃ mlecchasya vadhabandhanam / ākhvotvordarśanaṃ duṣṭaṃ gavāśvasya sukhāvaham

Der Anblick eines Śūdra gilt als mittelmäßig, der Anblick eines Mleccha bedeutet Tod und Gefangenschaft; der Anblick einer Maus oder einer Eule ist übel, der einer Kuh oder eines Pferdes bringt Glück.

Wort für Wort
śūdrāṇāṃ pradhyamaṃ proktaṃ
der Anblick eines Śūdra gilt als mittelmäßig
mlecchasya vadhabandhanam
der eines Mleccha bedeutet Tod und Gefangenschaft
ākhvotvordarśanaṃ duṣṭaṃ
der Anblick von Maus und Eule ist übel
gavāśvasya sukhāvaham
der von Kuh und Pferd bringt Glück

[?: „ākhvotvoḥ" unsicher; als „ākhu-ulūkayoḥ" (Maus und Eule) gedeutet.]

dīpajvālā samā siddhyai vakrā niśavidhāyinī / śabdā bhayadā karturujjvalā sukhadā matā

Eine gerade Lampenflamme bringt Vollkommenheit, eine gekrümmte bewirkt Unheil; eine knisternde bringt dem Vollzieher Furcht, eine hell lodernde gilt als Glück bringend.

Wort für Wort
dīpajvālā samā siddhyai
eine gerade Lampenflamme bringt Vollkommenheit
vakrā niśavidhāyinī
eine gekrümmte bewirkt Unheil
śabdā bhayadā kartur
eine knisternde bringt dem Vollzieher Furcht
ujjvalā sukhadā matā
eine hell lodernde gilt als Glück bringend

[?: „niśavidhāyinī" (etwa „Unheil bringend/Nacht bewirkend") bleibt in der genauen Bedeutung unsicher.]

kṛṣṇā śatrubhayotpattye vamantī paśunāśinī / kṛte dīpe yadā pātraṃ bhagnaṃ dṛśyate daivataḥ

Eine schwarze (rußende) [Flamme bringt] das Entstehen von Feindesfurcht, eine [Funken] speiende den Untergang des Viehs. Wenn nach dem Vollzug der Lampe das Gefäß durch göttliche Fügung zerbrochen erscheint,

Wort für Wort
kṛṣṇā śatrubhayotpattye
eine schwarze [bringt] das Entstehen von Feindesfurcht
vamantī paśunāśinī
eine [Funken] speiende den Untergang des Viehs
kṛte dīpe yadā pātraṃ
wenn nach Vollzug der Lampe das Gefäß
bhagnaṃ dṛśyate daivataḥ
durch göttliche Fügung zerbrochen erscheint

pakṣādarvāktadā gacchedyajamāno yamālayam / vartyataraṃ yadā kuryātkāryaṃ siddhyedvilaṃbataḥ

dann geht der Opferherr binnen weniger als eines halben Monats in die Behausung Yamas [d.h. er stirbt]; erneuert man dann jedoch den Docht, so gelingt das Vorhaben, wenn auch mit Verzögerung.

Wort für Wort
pakṣādarvāktadā gacchet
dann geht binnen weniger als eines halben Monats
yajamāno yamālayam
der Opferherr in die Behausung Yamas
vartyataraṃ yadā kuryāt
erneuert man dann den Docht
kāryaṃ siddhyedvilaṃbataḥ
gelingt das Vorhaben, wenn auch mit Verzögerung

netrahīno bhavetkartā tasmindīpāntare kṛte / aśucisparśane vyādhirdīpanāśe tu caurabhīḥ

Der Vollzieher wird augenkrank, wenn jene Lampe [erlischt und] eine andere entzündet wird; bei Berührung durch etwas Unreines entsteht Krankheit, beim Verlöschen der Lampe aber Furcht vor Dieben.

Wort für Wort
netrahīno bhavetkartā
der Vollzieher wird augenkrank
tasmindīpāntare kṛte
wenn statt jener eine andere Lampe entzündet wird
aśucisparśane vyādhir
bei Berührung durch Unreines Krankheit
dīpanāśe tu caurabhīḥ
beim Verlöschen der Lampe aber Furcht vor Dieben

śvamārjārākhusaṃsparśe bhavedbhūpatito bhayam / pātrāraṃbhe vasupalaiḥ kṛto dīpo 'khileṣṭadaḥ

Bei Berührung durch Hund, Katze oder Maus entsteht Furcht vor dem [Zorn des] Königs; eine mit acht Pala Fassungsvermögen begonnene Gefäß-Lampe gewährt alle Wünsche.

Wort für Wort
śvamārjārākhusaṃsparśe
bei Berührung durch Hund, Katze oder Maus
bhavedbhūpatito bhayam
entsteht Furcht vor dem König
pātrāraṃbhe vasupalaiḥ kṛto dīpo
eine mit acht Pala [Fassungsvermögen] begonnene Lampe
'khileṣṭadaḥ
gewährt alle Wünsche

tasmāddīpaḥ prayatnena rakṣaṇīyoṃ'tarāyataḥ / āsamāpteḥ prakurvīta brahmacaryaṃ ca bhūśayaḥ

Daher ist die Lampe mit Sorgfalt vor Störungen zu bewahren; bis zum Abschluss des Rituals übe man Enthaltsamkeit (Brahmacarya) und schlafe auf dem Boden.

Wort für Wort
tasmāddīpaḥ prayatnena
daher ist die Lampe mit Sorgfalt
rakṣaṇīyoṃ'tarāyataḥ
vor Störungen zu bewahren
āsamāpteḥ prakurvīta brahmacaryaṃ
bis zum Abschluss übe man Enthaltsamkeit
ca bhūśayaḥ
und schlafe auf dem Boden

strīśūdrapatitādīnāṃ saṃbhāṣāmapi varjayet / japetsahasraṃ pratyekaṃ mantrarājaṃ navākṣaram

Selbst das Gespräch mit Frauen, Śūdras, Ausgestoßenen und dergleichen meide man; man rezitiere jeweils tausendmal das neunsilbige königliche Mantra.

Wort für Wort
strīśūdrapatitādīnāṃ
mit Frauen, Śūdras, Ausgestoßenen und dergleichen
saṃbhāṣāmapi varjayet
meide man selbst das Gespräch
japetsahasraṃ pratyekaṃ
man rezitiere jeweils tausendmal
mantrarājaṃ navākṣaram
das neunsilbige königliche Mantra

stotrapāṭhaṃ pratidinaṃ niśīthinyāṃ viśeṣataḥ / ekapādena dīpāgre sthitvā yo mantranāyakam

man vollziehe täglich das Lesen des Lobpreises (Stotra), besonders um Mitternacht. Wer, auf einem Fuß vor der Lampe stehend, das führende Mantra

Wort für Wort
stotrapāṭhaṃ pratidinaṃ
das Lesen des Lobpreises täglich
niśīthinyāṃ viśeṣataḥ
besonders um Mitternacht
ekapādena dīpāgre sthitvā
auf einem Fuß vor der Lampe stehend
yo mantranāyakam
wer das führende Mantra

sahasraṃ prajapedvātrau so 'bhīṣṭaṃ kṣipramāpnuyāt / samāpya śobhanadine saṃbhojya dvijasattamān

des Nachts tausendmal rezitiert, der erlangt rasch sein Begehren. Nach Abschluss des Rituals speise man an einem günstigen Tag die besten der Zweifachgeborenen (Brahmanen)

Wort für Wort
sahasraṃ prajapedvātrau
des Nachts tausendmal rezitiert
so 'bhīṣṭaṃ kṣipramāpnuyāt
der erlangt rasch sein Begehren
samāpya śobhanadine
nach Abschluss, an einem günstigen Tag
saṃbhojya dvijasattamān
speise man die besten der Zweifachgeborenen

kuṃbhodakena kartāramabhiṣiñcanmanuṃ japet / kartā tu dakṣiṇāṃ dadyātpuṣkalāṃ toṣahetave

und besprenge, das Mantra rezitierend, den Vollzieher mit dem Wasser des Weihekrugs. Der Vollzieher aber gebe eine reichliche Gabe (Dakṣiṇā) zur Zufriedenstellung [des Priesters].

Wort für Wort
kuṃbhodakena kartāram
den Vollzieher mit dem Wasser des Weihekrugs
abhiṣiñcanmanuṃ japet
besprenge man, das Mantra rezitierend
kartā tu dakṣiṇāṃ dadyāt
der Vollzieher aber gebe eine Gabe
puṣkalāṃ toṣahetave
eine reichliche, zur Zufriedenstellung

gurau tuṣṭe dadātīṣṭaṃ kṛtavīryasuto nṛpaḥ / gurvājñayā svayaṃ kuryādyadi vā kāraye dguruḥ

Ist der Lehrer (Guru) zufrieden, gewährt der König, der Sohn des Kṛtavīrya [Kārtavīrya], das Erwünschte. Auf Geheiß des Lehrers vollziehe man das Ritual selbst, oder aber der Lehrer lasse es vollziehen.

Wort für Wort
gurau tuṣṭe dadātīṣṭaṃ
ist der Lehrer zufrieden, gewährt er das Erwünschte
kṛtavīryasuto nṛpaḥ
der König, der Sohn des Kṛtavīrya
gurvājñayā svayaṃ kuryāt
auf Geheiß des Lehrers vollziehe man es selbst
yadi vā kāraye dguruḥ
oder aber der Lehrer lasse es vollziehen

dattvā dhanādikaṃ tasmai dīpadānāya nārada / gurvājñāmantarā kuryādyo dīpaṃ sveṣṭasiddhaye

Nachdem man jenem [dem Lehrer] Reichtum und dergleichen für die Lampenspende gegeben hat, [beginne man]. Wer, o Nārada, ohne Erlaubnis des Lehrers die Lampe zur eigenen Wunscherfüllung vollzieht,

Wort für Wort
dattvā dhanādikaṃ tasmai
nachdem man jenem Reichtum und dergleichen gegeben hat
dīpadānāya nārada
für die Lampenspende, o Nārada
gurvājñāmantarā kuryād
wer ohne Erlaubnis des Lehrers vollzieht
yo dīpaṃ sveṣṭasiddhaye
die Lampe zur eigenen Wunscherfüllung

siddhirna jāyate tasya hānireva pade pade / uttamaṃ goghṛtaṃ proktaṃ madhyamaṃ mahaṣībhavam

dem widerfährt keine Vollkommenheit, sondern nur Schritt für Schritt Verlust. Das beste Öl ist als Kuh-Ghee bezeichnet, das mittlere das von der Büffelkuh stammende Ghee,

Wort für Wort
siddhirna jāyate tasya
diesem widerfährt keine Vollkommenheit
hānireva pade pade
sondern nur Schritt für Schritt Verlust
uttamaṃ goghṛtaṃ proktaṃ
das beste ist als Kuh-Ghee bezeichnet
madhyamaṃ mahaṣībhavam
das mittlere das von der Büffelkuh stammende

tilatailaṃ tu tādṛk syātkanīyo 'jādijaṃ ghṛtam / āsyaroge sugandhena dadyāttailena dīpakam

ebenso gilt Sesamöl [als mittleres]; das geringste ist das von der Ziege und dergleichen stammende Ghee. Bei einer Mundkrankheit gebe man die Lampe mit wohlriechendem Öl.

Wort für Wort
tilatailaṃ tu tādṛk syāt
ebenso gilt Sesamöl [als mittleres]
kanīyo 'jādijaṃ ghṛtam
das geringste ist das von der Ziege stammende Ghee
āsyaroge sugandhena
bei einer Mundkrankheit mit wohlriechendem [Öl]
dadyāttailena dīpakam
gebe man die Lampe mit Öl

siddhvārthasaṃbhavenātha dviṣatāṃ nāśanāya ca / sahasreṇa palairdīpe vihite ca na dṛśyate

Zur Erlangung des angestrebten Zieles sowie zur Vernichtung der Feinde: Ist die Lampe mit tausend Pala [Öl/Ghee] vollzogen und dennoch kein [Erfolg] sichtbar,

Wort für Wort
siddhvārthasaṃbhavenātha
zur Erlangung des angestrebten Zieles
dviṣatāṃ nāśanāya ca
sowie zur Vernichtung der Feinde
sahasreṇa palairdīpe vihite
ist die Lampe mit tausend Pala vollzogen
ca na dṛśyate
und dennoch nichts sichtbar

kāryasiddhastadā kuryātrrivāraṃ dīpajaṃ vidhim / tadā sudurlabhamapi kāryyaṃ siddhvyenna saṃśayaḥ

dann vollziehe man dreimal die aus der Lampe hervorgehende Ritualhandlung; dann gelingt, ohne Zweifel, auch ein überaus schwer erreichbares Vorhaben.

Wort für Wort
kāryasiddhastadā kuryāt
dann, zur Erfüllung des Vorhabens, vollziehe man
trivāraṃ dīpajaṃ vidhim
dreimal die aus der Lampe hervorgehende Ritualhandlung
tadā sudurlabhamapi kāryyaṃ
dann gelingt auch ein überaus schwer erreichbares Vorhaben
siddhvyenna saṃśayaḥ
ohne Zweifel

dīpapriyaḥ kārtavīryo mārtaṇḍo nativallabhaḥ / stutiproyo mahāviṣṇurgaṇeśa staparṇapriyaḥ

Der Lampe ist Kārtavīrya zugetan, dem Sonnengott (Mārtaṇḍa) ist die Verbeugung besonders lieb, dem großen Viṣṇu der Lobpreis, dem Gaṇeśa das Dūrvā-Gras,

Wort für Wort
dīpapriyaḥ kārtavīryo
der Lampe zugetan ist Kārtavīrya
mārtaṇḍo nativallabhaḥ
dem Sonnengott ist die Verbeugung lieb
stutiproyo mahāviṣṇur
dem großen Viṣṇu der Lobpreis lieb
gaṇeśa staparṇapriyaḥ
dem Gaṇeśa das Dūrvā-Gras lieb

[?: „staparṇapriyaḥ" bleibt in der genauen Lesart unsicher; vermutlich Bezug auf das dem Gaṇeśa liebe Dūrvā-Gras (dūrvāpriyaḥ).]

durgārcanapriyā nūnamabhiṣekapriyaḥ śivaḥ / tasmātteṣāṃ pratoṣāya vidadhyāttattadādarāt

der Durgā gewiss die Verehrung (Arcanā) lieb, dem Śiva die Abhiṣeka-Waschung lieb. Daher vollziehe man, zu deren Zufriedenstellung, jeweils das ihnen Entsprechende mit Sorgfalt.

Wort für Wort
durgārcanapriyā nūnam
der Durgā gewiss die Verehrung lieb
abhiṣekapriyaḥ śivaḥ
dem Śiva die Abhiṣeka-Waschung lieb
tasmātteṣāṃ pratoṣāya
daher zu deren Zufriedenstellung
vidadhyāttattadādarāt
vollziehe man jeweils das Entsprechende mit Sorgfalt

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks