Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 90: śivamantroddhāraḥ Die Herleitung der Śiva-Mantras

Sanatkumāra legt Nārada ausführlich die wichtigsten Śiva-Mantras dar: Pañcākṣara/Ṣaḍakṣara, Prāsāda-Mantra mit Pañcabrahma-Nyāsa (38 Kalās), Mṛtyuñjaya, Dakṣiṇāmūrti, Nīlakaṇṭha, Ardhanārīśvara, Khaḍgarāvaṇa (Bhūta-Abwehr), Aghorāstra, Pāśupatāstra, Kṣetrapāla, Baṭuka und Caṇḍeśvara, jeweils mit Mantra-Konstruktion (Ṛṣi/Chandas/Devatā, Aṅga-Nyāsa), Dhyāna (Ikonographie), Japa-Zahlen, Homa-Vorschriften und Wirkfrüchten; das Kapitel schließt mit dem Māheśvara-Stotra und beschließt den dritten Pāda des Pūrvabhāga. Zahlreiche Verse sind stark verdichtete, kryptische Mantra-Konstruktionsanleitungen (Kośa-Nomenklatur, Silben-Kodierungen), deren Einzelheiten ohne begleitenden Kommentar nicht immer sicher aufzulösen sind; solche Stellen sind mit [?] markiert.

sanatkumāra uvāca / atha vakṣye maheśasya mantraṃ sarvārthasādhakam / yaṃ samārādhya manujo bhuktiṃ muktiṃ ca vindati

Sanatkumāra sprach: Nun will ich das Mantra des großen Herrn (Maheśa) verkünden, das alle Ziele verwirklicht, durch dessen Verehrung der Mensch Genuss und Erlösung erlangt.

Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
atha vakṣye maheśasya
nun will ich des großen Herrn
mantraṃ sarvārthasādhakam
das Mantra verkünden, das alle Ziele verwirklicht
yaṃ samārādhya manujo
durch dessen Verehrung der Mensch
bhuktiṃ muktiṃ ca vindati
Genuss und Erlösung erlangt

hṛdayaṃ sabakaḥ sūkṣmo lānto 'nantānvito marut / pañcākṣaro manuḥ proktastārādyo 'yaṃ ṣaḍakṣaraḥ

Das 'Herz' [Kodewort für eine Silbe], das 'Feine' (sūkṣma), das 'la-Endende', der 'mit Ananta versehene' Wind – [so] wird der fünfsilbige Mantra [kodiert] genannt; dieser, mit dem Tāra (Oṃ) beginnend, ist sechssilbig.

Wort für Wort
hṛdayaṃ sabakaḥ sūkṣmo [?]
kodierte Silbenbezeichnungen [unklar im Detail]
lānto 'nantānvito marut [?]
weitere kodierte Silbenbezeichnungen
pañcākṣaro manuḥ proktaḥ
der fünfsilbige Mantra wird genannt
tārādyo 'yaṃ ṣaḍakṣaraḥ
dieser, mit Tāra beginnend, ist sechssilbig

Anm.: Vers verwendet kryptische Kodewörter (Kośa-Nomenklatur) zur Bezeichnung der Mantra-Silben (vermutlich für 'namaḥ śivāya'); die genaue Dekodierung der Einzelterme ('sabakaḥ' u.a.) ist ohne Kommentar nicht sicher rekonstruierbar [?].

vāmadevī munīśchandaḥ paṅktirīśo 'sya devatā / ṣaḍbhirvarṇaiḥ ṣaḍaṅgāni kuryānmantreṇa deśikaḥ

Vāmadeva ist der Seher (Muni) [dieses Mantra], Paṅkti das Versmaß, Īśa seine Gottheit; mit den sechs Silben soll der Meister (Deśika) die sechs Glied-Riten (Aṅgas) mit dem Mantra vollziehen.

Wort für Wort
vāmadevī munīśchandaḥ
Vāmadeva [ist] der Seher, [Paṅkti] das Versmaß
paṅktirīśo 'sya devatā
Paṅkti [Versmaß], Īśa seine Gottheit
ṣaḍbhirvarṇaiḥ ṣaḍaṅgāni
mit den sechs Silben die sechs Glied-Riten
kuryānmantreṇa deśikaḥ
vollziehe der Meister mit dem Mantra

mantravarṇādikānnyasyenmantramūrtiryathākramam / tarjanīmadhyayorantyānāmikāṅguṣṭhake punaḥ

Man lege die Mantra-Silben u.a. der Reihe nach als Mantra-Gestalt [auf die Finger]: auf Zeigefinger, Mittelfinger, kleinen Finger, Ringfinger und wiederum auf den Daumen.

Wort für Wort
mantravarṇādikānnyaset
man lege die Mantra-Silben u.a. an
mantramūrtiryathākramam
als Mantra-Gestalt, der Reihe nach
tarjanīmadhyayorantyā
auf Zeigefinger, Mittelfinger, kleinen Finger
nāmikāṅguṣṭhake punaḥ
[und] auf Ringfinger und wiederum Daumen

tāḥ syustatpuruṣāghorabhavavāmeśasaṃjñikāḥ / vaktrahṛtpādaguhyeṣu nijamūrddhani tāḥ punaḥ

Diese [Aṅga-Mantras] seien benannt: Tatpuruṣa, Aghora, Bhava, Vāma [und] Īśa; man lege sie [sodann] auf Mund, Herz, Fuß, Geheimteil und wiederum auf den eigenen Scheitel.

Wort für Wort
tāḥ syustatpuruṣāghora-
diese seien: Tatpuruṣa, Aghora
bhavavāmeśasaṃjñikāḥ
Bhava, Vāma [und] Īśa benannt
vaktrahṛtpādaguhyeṣu
auf Mund, Herz, Fuß, Geheimteil
nijamūrddhani tāḥ punaḥ
und wiederum auf den eigenen Scheitel

prāgyāmyavāruṇodīcyamadhyavaktreṣu pañcasu / mantrāṅgāninyasetpaścājjātiyuktāni ṣaṭ kramāt

Auf den fünf Gesichtern – dem östlichen, südlichen, westlichen, nördlichen und dem mittleren – lege man danach die sechs, ihrer jeweiligen Art gemäß, Mantra-Glieder der Reihe nach an.

Wort für Wort
prāgyāmyavāruṇodīcya-
östlich, südlich, westlich, nördlich
madhyavaktreṣu pañcasu
und mittleres – auf den fünf Gesichtern
mantrāṅgāninyaset paścāt
lege man danach die Mantra-Glieder an
jātiyuktāni ṣaṭ kramāt
die sechs, ihrer Art gemäß, der Reihe nach

kurvīta golakanyāsaṃ rakṣāyai tadanantaram / hṛdi vaktreṃ'sayorūrvoḥ kaṇṭhe nābhau dvipārśvayoḥ

Danach vollziehe man zum Schutz die 'Golaka'-Anlegung (Kugel-Nyāsa): am Herzen, am Gesicht, an beiden Schultern, an den Schenkeln, am Hals, am Nabel, an beiden Seiten,

Wort für Wort
kurvīta golakanyāsaṃ
man vollziehe die 'Golaka'-Anlegung
rakṣāyai tadanantaram
zum Schutz, danach
hṛdi vaktreṃ'sayorūrvoḥ
am Herzen, Gesicht, an Schultern, Schenkeln
kaṇṭhe nābhau dvipārśvayoḥ
am Hals, Nabel, an beiden Seiten

pṛṣṭhe hṛdi tathā mūrdhni vadane netrayornasoḥ / doḥpatsaṃdhiṣu sāgreṣu vinyasettadanantaram

am Rücken, am Herzen, ebenso am Scheitel, am Mund, an beiden Augen, an der Nase, an den Gelenken von Arm und Fuß, mit ihren Spitzen [eingeschlossen] – lege man danach an.

Wort für Wort
pṛṣṭhe hṛdi tathā mūrdhni
am Rücken, Herzen, ebenso am Scheitel
vadane netrayornasoḥ
am Mund, an beiden Augen, an der Nase
doḥpatsaṃdhiṣu sāgreṣu
an den Gelenken von Arm und Fuß, mit ihren Spitzen
vinyaset tadanantaram
lege man danach an

śirovadanahṛtkukṣisorupādadvaye punaḥ / hṛdi vaktrāṃbuje ṭaṅkamṛgā bhayavareṣvatha

am Kopf, Mund, Herz, Bauch, an beiden Schenkeln und Füßen wiederum, [und] am Herz-Lotus des Gesichts; dabei [stelle man sich vor] Beil und Antilope, [nebst] Furchtlosigkeits- und Gunst-Geste.

Wort für Wort
śirovadanahṛtkukṣi-
am Kopf, Mund, Herz, Bauch
sorupādadvaye punaḥ
an beiden Schenkeln und Füßen wiederum
hṛdi vaktrāṃbuje
am Herz-Lotus des Gesichts
ṭaṅkamṛgā bhayavareṣvatha [?]
[mit] Beil und Antilope, Furchtlosigkeits- und Gunst-Geste

Anm.: Zweite Vershälfte knüpft an die Dhyāna-Attribute (Beil, Antilope, Gesten) an; genaue syntaktische Einordnung unsicher [?].

vaktrāṃsahṛtsapādorujaṭhareṣu kramānnyaset / mūlamantrasya ṣaḍa varṇānyathāvaddeśikottamaḥ

Auf Gesicht, Schultern, Herz, Fuß, Schenkel und Bauch lege der beste Meister der Reihe nach ordnungsgemäß die sechs Silben des Wurzelmantra (Mūlamantra) an.

Wort für Wort
vaktrāṃsahṛtsapādoru-
auf Gesicht, Schultern, Herz, Fuß, Schenkel
jaṭhareṣu kramānnyaset
und Bauch lege man der Reihe nach an
mūlamantrasya ṣaḍ varṇān
die sechs Silben des Wurzelmantra
yathāvaddeśikottamaḥ
ordnungsgemäß, der beste Meister

mūrdhni bhālodarāṃseṣu hṛdaye tāḥ punarnyaset / paścādanena mantreṇa kurvīta vyāpakaṃ sudhīḥ

Auf Scheitel, Stirn, Bauch, Schultern und Herz lege man diese [Silben] wiederum an; danach vollziehe der Weise mit diesem Mantra die Durchdringung (Vyāpaka-Nyāsa) des ganzen Körpers.

Wort für Wort
mūrdhni bhālodarāṃseṣu
auf Scheitel, Stirn, Bauch, Schultern
hṛdaye tāḥ punarnyaset
[und] Herz lege man diese wiederum an
paścādanena mantreṇa
danach mit diesem Mantra
kurvīta vyāpakaṃ sudhīḥ
vollziehe der Weise die Durchdringung

namostvanantarūpāya jyotirliṅgāmṛtātmane / caturmūrtivapuśchāyābhāsitāṅgāya śaṃbhave

Verehrung sei dem von unendlicher Gestalt, dessen Wesen das leuchtende Liṅga-Nektar ist, dem Śambhu, dessen Glieder vom Glanz seiner vierfachen Gestaltform erstrahlen.

Wort für Wort
namostvanantarūpāya
Verehrung sei dem von unendlicher Gestalt
jyotirliṅgāmṛtātmane
dessen Wesen das leuchtende Liṅga-Nektar ist
caturmūrtivapuśchāyā-
vom Glanz der vierfachen Gestaltform
bhāsitāṅgāya śaṃbhave
dessen Glieder erstrahlen, dem Śambhu

evaṃ nyastaśarīro 'sau cintayetpārvatīpatim / dhyāyennityaṃ maheśānaṃ raupyaparvatasannibham

So, den Körper [ritualbereit] angelegt habend, denke er an den Gemahl Pārvatīs; stets meditiere er über den großen Herrn, der einem silbernen Berg gleicht,

Wort für Wort
evaṃ nyastaśarīro 'sau
so, den Körper angelegt habend, er
cintayetpārvatīpatim
denke an den Gemahl Pārvatīs
dhyāyennityaṃ maheśānaṃ
stets meditiere er über den großen Herrn
raupyaparvatasannibham
der einem silbernen Berg gleicht

cārucandrāvataṃsaṃ ca ratnākalpojjvalāṅgakam / paraśvadhavarābhītimṛgahastaṃ śubhānanam

geschmückt mit einem schönen Mondsichel-Ohrschmuck, mit vor Juwelenschmuck strahlenden Gliedern, mit Beil, Gunst-, Furchtlosigkeits-Geste und Antilope in den Händen, mit hold-schönem Antlitz,

Wort für Wort
cārucandrāvataṃsaṃ ca
und geschmückt mit schönem Mondsichel-Schmuck
ratnākalpojjvalāṅgakam
mit von Juwelenschmuck strahlenden Gliedern
paraśvadhavarābhīti-
mit Beil, Gunst-, Furchtlosigkeits-Geste
mṛgahastaṃ śubhānanam
und Antilope in den Händen, mit schönem Antlitz

padmāsīnaṃ samantāttu stutaṃ sumanasāṃ gaṇaiḥ / vyāghrakṛtiṃ vasānaṃ ca viśvādyaṃ viśvarūpakam

auf einem Lotus sitzend, ringsum von Scharen der Wohlgesinnten gepriesen, mit einem Tigerfell bekleidet, den Urgrund von allem, von universaler Gestalt,

Wort für Wort
padmāsīnaṃ samantāttu
auf einem Lotus sitzend, ringsum aber
stutaṃ sumanasāṃ gaṇaiḥ
gepriesen von Scharen der Wohlgesinnten
vyāghrakṛtiṃ vasānaṃ ca
und mit Tigerfell bekleidet
viśvādyaṃ viśvarūpakam
den Urgrund von allem, universaler Gestalt

trinetraṃ pañcavaktraṃ ca sarvabhītiharaṃ śivam / tattvalakṣaṃ japenmantraṃ dīkṣitaḥ śaivavartmanā

dreiäugig und fünfgesichtig, alle Furcht hinwegnehmend, den Śiva – [so meditierend] rezitiere der auf dem Śaiva-Pfad Geweihte den Mantra hunderttausendmal.

Wort für Wort
trinetraṃ pañcavaktraṃ ca
dreiäugig und fünfgesichtig
sarvabhītiharaṃ śivam
alle Furcht hinwegnehmend, den Śiva
tattvalakṣaṃ japenmantraṃ [?]
rezitiere den Mantra hunderttausendmal [?]
dīkṣitaḥ śaivavartmanā
der auf dem Śaiva-Pfad Geweihte

Anm.: 'tattvalakṣaṃ' – unklare Zahlangabe, vermutlich sinngemäß 'hunderttausendmal' [?], evtl. Parallele zu späterem 'varṇalakṣaṃ japet'.

tāvatsaṃkhyasahasrāṇi juhuyātpāyasaiḥ śubhaiḥ / tataḥ siddho bhavenmantraḥ sādhakābhīṣṭasiddhidaḥ

In entsprechender Anzahl von Tausenden opfere man mit wohlschmeckendem Milchreis; danach wird der Mantra erfolgreich (siddha) und gewährt dem Übenden die gewünschte Vollkommenheit.

Wort für Wort
tāvatsaṃkhyasahasrāṇi
in entsprechender Anzahl von Tausenden
juhuyātpāyasaiḥ śubhaiḥ
opfere man mit wohlschmeckendem Milchreis
tataḥ siddho bhavenmantraḥ
danach wird der Mantra erfolgreich
sādhakābhīṣṭasiddhidaḥ
dem Übenden die gewünschte Vollkommenheit gewährend

devaṃ saṃpūjayetpīṭhe vāmādinavaśaktike / vāmā jyeṣṭhā tathā raudrī kālī kalapadādikā

Man verehre den Gott auf dem Sitz (Pīṭha), der mit den neun, mit Vāmā beginnenden Śaktis [versehen ist]: Vāmā, Jyeṣṭhā, ebenso Raudrī, Kālī, Kalavikaraṇī u.a.,

Wort für Wort
devaṃ saṃpūjayetpīṭhe
man verehre den Gott auf dem Sitz
vāmādinavaśaktike
der mit den neun, mit Vāmā beginnenden Śaktis
vāmā jyeṣṭhā tathā raudrī
Vāmā, Jyeṣṭhā, ebenso Raudrī
kālī kalapadādikā [?]
Kālī, Kalavikaraṇī u.a. [unsicher]

Anm.: 'kalapadādikā' – vermutlich verkürzte/verderbte Form für 'Kalavikaraṇī', den Namen der nächsten Śakti in der bekannten Neunerreihe.

vikāriṇyāhvayā proktā balādyā vikariṇyatha / balapramathanī paścātsarvabhūtadamanyatha

die mit Namen Vikāriṇī genannte, [dann] Balavikaraṇī, danach Balapramathanī, sodann Sarvabhūtadamanī,

Wort für Wort
vikāriṇyāhvayā proktā
die mit Namen Vikāriṇī genannte
balādyā vikariṇyatha
[dann] Balavikaraṇī
balapramathanī paścāt
danach Balapramathanī
sarvabhūtadamanyatha
sodann Sarvabhūtadamanī

manonmanīti saṃproktāḥ śaivapīṭhasya śaktayaḥ / namo bhagavate paścātsakalādi vadettataḥ

und [die letzte] wird Manonmanī genannt – [dies sind] die Śaktis des Śiva-Sitzes. Danach spreche man 'Namo bhagavate', darauf das [Wort] 'Sakala' usw.,

Wort für Wort
manonmanīti saṃproktāḥ
und Manonmanī werden genannt
śaivapīṭhasya śaktayaḥ
die Śaktis des Śiva-Sitzes
namo bhagavate paścāt
danach 'Namo bhagavate'
sakalādi vadettataḥ
darauf spreche man 'Sakala' usw.

guṇātmaśaktibhaktāya tato 'nantāya tatparam / yogapīṭhātmane bhūyo namastārādiko manuḥ

'dem, dessen Wesen Guṇa, Ātman, Śakti und Bhakti sind', danach 'dem Ananta', darauf weiter 'dem, dessen Wesen der Yoga-Sitz ist' – [und] wiederum 'Verehrung' – so [ergibt sich] der mit dem Tāra beginnende Mantra.

Wort für Wort
guṇātmaśaktibhaktāya
'dem, dessen Wesen Guṇa, Ātman, Śakti, Bhakti sind'
tato 'nantāya tatparam
danach 'dem Ananta', darauf weiter
yogapīṭhātmane bhūyo
'dem, dessen Wesen der Yoga-Sitz ist', wiederum
namastārādiko manuḥ
'Verehrung' – so der mit Tāra beginnende Mantra

amunā manunā dadyādāsanaṃ girijāpateḥ / mūrtiṃ mūlena saṃkalpya tatrāvāhya yajecchivam

Mit diesem Mantra gebe man den Sitz dem Gemahl der Bergestochter; nachdem man mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt festgesetzt hat, rufe man sie dorthin herbei und verehre Śiva.

Wort für Wort
amunā manunā dadyāt
mit diesem Mantra gebe man
āsanaṃ girijāpateḥ
den Sitz dem Gemahl der Bergestochter
mūrtiṃ mūlena saṃkalpya
nachdem man mit dem Wurzelmantra die Gestalt festgesetzt hat
tatrāvāhya yajecchivam
dorthin herbeirufend, verehre man Śiva

karṇikāyāṃ yajenmūrtirīśamīśānadiggajam / śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ dikṣu tatpuruṣādikā

Auf der Lotus-Kelchmitte verehre man die Gestalt des Īśāna, rein wie Bergkristall glänzend; in den Himmelsrichtungen [die mit] Tatpuruṣa beginnenden [Gesichter],

Wort für Wort
karṇikāyāṃ yajenmūrtiḥ
auf der Lotus-Kelchmitte verehre man die Gestalt
īśam īśānadiggajam [?]
des Īśāna, in der Īśāna-Richtung [?]
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ
rein wie Bergkristall glänzend
dikṣu tatpuruṣādikā
in den Himmelsrichtungen die mit Tatpuruṣa beginnenden [Gesichter]

Anm.: Vers technisch verdichtet und stellenweise unsicher; 'īśānadiggajam' evtl. verderbt für 'īśānadiśi gatām' o.ä. [?].

pītāñjanaśvetaraktāḥ pradhānasadṛśāyudhāḥ / caturvaktrasamāyuktā yathāvattāḥ prapūjayet

gelb, schwarz, weiß und rot [gefärbt], mit den ihrem Hauptaspekt entsprechenden Waffen, mit vier Gesichtern versehen – diese verehre man ordnungsgemäß.

Wort für Wort
pītāñjanaśvetaraktāḥ
gelb, schwarz, weiß und rot
pradhānasadṛśāyudhāḥ
mit den [ihrem] Hauptaspekt entsprechenden Waffen
caturvaktrasamāyuktā
mit vier Gesichtern versehen
yathāvattāḥ prapūjayet
diese verehre man ordnungsgemäß

koṇeṣvarcennivṛttyādyāstejorūpāḥ kalāḥ kramāt / aṅgāni kesarasthāni vighneśānpannagānyajet

In den Ecken verehre man die mit Nivṛtti beginnenden, aus Licht bestehenden Kalās der Reihe nach; die auf den Staubfäden stehenden Aṅga[-Gottheiten], [und] man verehre Gaṇeśa [und] die Schlangengottheiten.

Wort für Wort
koṇeṣvarcennivṛttyādyāḥ
in den Ecken verehre man die mit Nivṛtti beginnenden
tejorūpāḥ kalāḥ kramāt
aus Licht bestehenden Kalās der Reihe nach
aṅgāni kesarasthāni
die auf den Staubfäden stehenden Aṅga[-Gottheiten]
vighneśānpannagānyajet
man verehre Gaṇeśa und die Schlangengottheiten

anantaṃ sukhanāmānaṃ śivottamamanantaram / ekanetramekarudraṃ trimūrtiṃ tadanantaram

Ananta, den mit Namen Sukha [Benannten], danach Śivottama, dann Ekanetra, Ekarudra, danach Trimūrti,

Wort für Wort
anantaṃ sukhanāmānaṃ
Ananta, mit Namen Sukha [benannt]
śivottamamanantaram
danach Śivottama
ekanetramekarudraṃ
Ekanetra, Ekarudra
trimūrtiṃ tadanantaram
danach Trimūrti

paścācchīkaṇṭhanāmānaṃ śikhaṇḍinamiti kramāt / raktapītasitāraktakṛṣṇaraktāñjanāsitān

danach den mit Namen Śrīkaṇṭha [Benannten], dann Śikhaṇḍin – so der Reihe nach; [sie sind] rot, gelb, weiß-rötlich, schwarz-rötlich und dunkel,

Wort für Wort
paścācchīkaṇṭhanāmānaṃ
danach den mit Namen Śrīkaṇṭha [Benannten]
śikhaṇḍinamiti kramāt
[und] Śikhaṇḍin – so der Reihe nach
raktapītasitārakta-
rot, gelb, weiß-rötlich
kṛṣṇaraktāñjanāsitān
schwarz-rötlich und dunkel

kirīṭārpitabālendūnpadmasthānbhūṣaṇānvitān / trinetrāñchūlavajrāstracāpahastānmanoramān

mit einer jungen Mondsichel auf der Krone, auf Lotussen stehend, mit Schmuck versehen, dreiäugig, mit Dreizack, Vajra, Waffen und Bogen in den Händen, liebreizend anzusehen,

Wort für Wort
kirīṭārpitabālendūn
mit einer jungen Mondsichel auf der Krone
padmasthānbhūṣaṇānvitān
auf Lotussen stehend, mit Schmuck versehen
trinetrāñchūlavajrāstra-
dreiäugig, mit Dreizack, Vajra, Waffen
cāpahastānmanoramān
und Bogen in den Händen, liebreizend

uttarādi yajetpaścādrudraṃ caṇḍeśvaraṃ punaḥ / tato nandimahākālau gaṇeśaṃ vṛṣabhaṃ punaḥ

beginnend im Norden verehre man sie danach der Reihe nach; [ferner verehre man] Rudra, wiederum Caṇḍeśvara, sodann Nandin und Mahākāla, Gaṇeśa, wiederum den Stier,

Wort für Wort
uttarādi yajetpaścāt
beginnend im Norden verehre man danach
rudraṃ caṇḍeśvaraṃ punaḥ
Rudra, wiederum Caṇḍeśvara
tato nandimahākālau
sodann Nandin und Mahākāla
gaṇeśaṃ vṛṣabhaṃ punaḥ
Gaṇeśa, wiederum den Stier

atha bhṛṅgiṃ riṭiṃ skandametānpadmāsanasthitān / svarṇatoyāruṇaśyāmamuktendusitapāṭalān

sodann Bhṛṅgin, Ṛṭi und Skanda – diese, auf Lotussitzen befindlich, in den Farben Gold, Wasser(-klar), rötlich, dunkel, perlweiß, mondweiß und blassrosa,

Wort für Wort
atha bhṛṅgiṃ riṭiṃ skandam
sodann Bhṛṅgin, Ṛṭi und Skanda
etānpadmāsanasthitān
diese, auf Lotussitzen befindlich
svarṇatoyāruṇaśyāma-
in den Farben Gold, Wasser, rötlich, dunkel
muktendusitapāṭalān
perlweiß, mondweiß und blassrosa

indrādayastataḥ pūjyā vajrādyāyudhasaṃyutāḥ / itthaṃ saṃpūjayeddevaṃ sahasraṃ nityaśo japet

danach sind Indra u.a. zu verehren, versehen mit dem Vajra u.a. als Waffen. So verehre man den Gott und rezitiere täglich tausendmal [den Mantra],

Wort für Wort
indrādayastataḥ pūjyā
danach sind Indra u.a. zu verehren
vajrādyāyudhasaṃyutāḥ
versehen mit dem Vajra u.a. als Waffen
itthaṃ saṃpūjayeddevaṃ
so verehre man den Gott
sahasraṃ nityaśo japet
und rezitiere täglich tausendmal

sarvapāpavinirmuktaḥ prāpnuyādvāñchitaṃ śriyam / dvisahasraṃ japan rogānmucyate nātra saṃśayaḥ

von allen Sünden befreit, erlangt man das gewünschte Glück; wer zweitausendmal rezitiert, wird von Krankheiten befreit – daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
sarvapāpavinirmuktaḥ
von allen Sünden befreit
prāpnuyādvāñchitaṃ śriyam
erlangt man das gewünschte Glück
dvisahasraṃ japan rogān
wer zweitausendmal rezitiert, von Krankheiten
mucyate nātra saṃśayaḥ
wird befreit, daran ist kein Zweifel

trisanmantraṃ japanmantraṃ dīrghamāyuravāpnuyāt / sahasravṛddhayā prajapansarvakāmānavāpnuyāt

Wer den Mantra dreitausendmal rezitiert, erlangt langes Leben; wer mit tausendfacher Steigerung fortwährend rezitiert, erlangt alle Wünsche.

Wort für Wort
trisanmantraṃ japanmantraṃ [?]
wer den Mantra dreitausendmal rezitiert
dīrghamāyuravāpnuyāt
erlangt langes Leben
sahasravṛddhayā prajapan
wer mit tausendfacher Steigerung fortwährend rezitiert
sarvakāmānavāpnuyāt
erlangt alle Wünsche

Anm.: Quelltext 'trisanmantraṃ' – vermutlich Verschreibung für 'trisāhasraṃ' (dreitausend).

ājyānvitaistilaiḥ śuddhairjuhuyāllakṣamādarāt / utpātajanitān kleśānnāśayennātra saṃśayaḥ

Mit Ghee vermengten, reinen Sesamkörnern opfere man ehrfurchtsvoll hunderttausendmal; so vernichtet man die durch Unheilszeichen entstandenen Leiden – daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
ājyānvitaistilaiḥ śuddhaiḥ
mit Ghee vermengten, reinen Sesamkörnern
juhuyāllakṣamādarāt
opfere man ehrfurchtsvoll hunderttausendmal
utpātajanitān kleśān
die durch Unheilszeichen entstandenen Leiden
nāśayennātra saṃśayaḥ
vernichte man, daran ist kein Zweifel

śatalakṣaṃ japansākṣācchivo bhavati mānavaḥ / ṣaḍakṣaraḥ śaktiruddhaḥ kathito 'ṣṭākṣaro manuḥ

Wer hundert Lakh (zehn Millionen) mal rezitiert, wird der Mensch leibhaftig zu Śiva. [Nun] wird der sechssilbige, von der Śakti umschlossene, [so zum] achtsilbigen Mantra genannt,

Wort für Wort
śatalakṣaṃ japansākṣāt
wer hundert Lakh mal rezitiert, leibhaftig
chivo bhavati mānavaḥ
wird der Mensch zu Śiva
ṣaḍakṣaraḥ śaktiruddhaḥ
der sechssilbige, von der Śakti umschlossene
kathito 'ṣṭākṣaro manuḥ
wird als achtsilbiger Mantra genannt

ṛṣiśchandaḥ purā prokto devatā syādumāpatiḥ / aṅgāni pūrvamuktāni saumyamīśaṃ vicintayet

Der Ṛṣi und das Versmaß wurden zuvor genannt; die Gottheit ist der Gemahl Umās; die Aṅga[-Mantras sind] die zuvor genannten. Man denke an den milden Herrn,

Wort für Wort
ṛṣiśchandaḥ purā prokto
der Ṛṣi und das Versmaß wurden zuvor genannt
devatā syādumāpatiḥ
die Gottheit sei der Gemahl Umās
aṅgāni pūrvamuktāni
die Aṅga[-Mantras sind] die zuvor genannten
saumyamīśaṃ vicintayet
man denke an den milden Herrn

bandhūkābhaṃ trinetraṃ ca śaśikhaṇḍadharaṃ vibhum / smerāsyaṃ svakaraiḥ śūlaṃ kaṃpālaṃ varadābhaye

von der Farbe der Bandhūka-Blüte, dreiäugig, die Mondsichel tragend, den Allherrscher, mit lächelndem Antlitz, in eigenen Händen Dreizack, Schädelschale, Gunst- und Furchtlosigkeits-Geste,

Wort für Wort
bandhūkābhaṃ trinetraṃ ca
von der Farbe der Bandhūka-Blüte, dreiäugig
śaśikhaṇḍadharaṃ vibhum
die Mondsichel tragend, den Allherrscher
smerāsyaṃ svakaraiḥ śūlaṃ
mit lächelndem Antlitz, in eigenen Händen Dreizack
kaṃpālaṃ varadābhaye
Schädelschale, Gunst- und Furchtlosigkeits-Geste

vahṝntaṃ cārubhūpāḍhyaṃ vāmorusthādrikanyayā / bhujenāśliṣṭadehaṃ taṃ cintayenmanasā hṛdi

[...] [unklar], reich an schönem Schmuck, mit der Bergestochter, die auf seinem linken Schenkel sitzt, deren Körper von [seinem] Arm umschlungen ist – ihn denke man sich im Herzen mit dem Geist.

Wort für Wort
vahṝntaṃ [?]
[unklar]
cārubhūpāḍhyaṃ [?]
reich an schönem Schmuck [vermutete Lesung]
vāmorusthādrikanyayā
mit der Bergestochter, die auf dem linken Schenkel sitzt
bhujenāśliṣṭadehaṃ taṃ
dessen Körper vom Arm umschlungen ist, ihn
cintayenmanasā hṛdi
denke man sich im Herzen mit dem Geist

Anm.: 'vahṝntaṃ' unklar/vermutlich verderbt; 'cārubhūpāḍhyaṃ' hier als 'cārubhūṣāḍhyaṃ' ('reich an schönem Schmuck') gedeutet [?].

manulakṣaṃ japenmantraṃ tatsahasraṃ yathāvidhi / juhuyānmānmadhusasiktairāragvadhasamidvaraiḥ

Man rezitiere den Mantra hunderttausendmal, davon ein Tausendstel opfere man vorschriftsmäßig, mit Honig benetzten, vortrefflichen Amaltas-Opferhölzern.

Wort für Wort
manulakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra hunderttausendmal
tatsahasraṃ yathāvidhi
davon ein Tausendstel, vorschriftsmäßig
juhuyānmadhusasiktaiḥ [?]
opfere man mit Honig benetzten
āragvadhasamidvaraiḥ
vortrefflichen Amaltas-Opferhölzern

Anm.: 'juhuyānmān' – vermutlich Verschreibung für 'juhuyānmadhu' o.ä.

prākprokte pūjayetpīṭhe gandhapuṣpairumāpatim / aṅgāvṛtairbahiḥ pūjyā hṛllekhādyā yathāpurā

Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man mit Duftstoffen und Blüten den Gemahl Umās; außen sind, von den Aṅga[-Gottheiten] umgeben, die mit Hṛllekhā beginnenden [Śaktis] zu verehren, wie zuvor.

Wort für Wort
prākprokte pūjayetpīṭhe
auf dem zuvor genannten Sitz verehre man
gandhapuṣpairumāpatim
mit Duftstoffen und Blüten den Gemahl Umās
aṅgāvṛtairbahiḥ pūjyā
außen, von den Aṅga[-Gottheiten] umgeben, zu verehren
hṛllekhādyā yathāpurā
die mit Hṛllekhā beginnenden [Śaktis], wie zuvor

madhyaprāgdakṣiṇodīcyapaścimeṣu vidhānataḥ / yajetpūrvādipatreṣu vṛṣabhādyānanukramāt

In der Mitte, im Osten, Süden, Norden und Westen platziert, verehre man vorschriftsmäßig auf den mit dem östlichen beginnenden Blütenblättern der Reihe nach den mit dem Stier beginnenden [Gaṇa].

Wort für Wort
madhyaprāgdakṣiṇodīcya-
in der Mitte, im Osten, Süden, Norden
paścimeṣu vidhānataḥ
und Westen, vorschriftsmäßig
yajetpūrvādipatreṣu
verehre man auf den mit dem östlichen beginnenden Blütenblättern
vṛṣabhādyānanukramāt
den mit dem Stier beginnenden [Gaṇa] der Reihe nach

śūlaṭaṅkākṣavalayakamaṇḍalulasatkaram / raktākāraṃ trinayanaṃ caṇḍeśamatha pūjayet

mit Dreizack, Meißel, Rosenkranz und Wasserkrug in den strahlenden Händen, von roter Gestalt, dreiäugig – sodann verehre man Caṇḍeśa,

Wort für Wort
śūlaṭaṅkākṣavalaya-
mit Dreizack, Meißel, Rosenkranz
kamaṇḍalulasatkaram
und Wasserkrug in den strahlenden Händen
raktākāraṃ trinayanaṃ
von roter Gestalt, dreiäugig
caṇḍeśamatha pūjayet
sodann verehre man Caṇḍeśa

cakraśaṅkhābhayābhīṣṭakarāṃ marakataprabhām / durgāṃ prapūjayetsaumyāṃ trinetrāṃ cārubhūṣaṇām

mit Diskus, Muschel, Furchtlosigkeits- und Wunschgewährungs-Geste in den Händen, von smaragdenem Glanz – man verehre die milde Durgā, dreiäugig, mit schönem Schmuck,

Wort für Wort
cakraśaṅkhābhayābhīṣṭa-
mit Diskus, Muschel, Furchtlosigkeits-
karāṃ marakataprabhām
und Wunschgewährungs-Geste, von smaragdenem Glanz
durgāṃ prapūjayetsaumyāṃ
man verehre die milde Durgā
trinetrāṃ cārubhūṣaṇām
dreiäugig, mit schönem Schmuck

kalpaśākhāntare ghaṇṭāṃ dadhānaṃ dvādaśekṣaṇam / bālārkābhaṃ śiśuṃ kāntaṃṣaṇmukhaṃ pūjayettataḥ

zwischen den Zweigen des Wunschbaums eine Glocke haltend, mit zwölf Augen, von der Farbe der jungen Morgensonne, ein liebliches Kind – den Sechsgesichtigen (Skanda) verehre man danach,

Wort für Wort
kalpaśākhāntare ghaṇṭāṃ
zwischen den Zweigen des Wunschbaums eine Glocke
dadhānaṃ dvādaśekṣaṇam
haltend, mit zwölf Augen
bālārkābhaṃ śiśuṃ kāntaṃ
von der Farbe der jungen Morgensonne, ein liebliches Kind
ṣaṇmukhaṃ pūjayettataḥ
den Sechsgesichtigen verehre man danach

nanditaṃ ca yajetsaumyāṃ ratnabhūṣaṇamaṇḍitam / paraśvadhavarābhītiṭaṅkinaṃ śyāmavigraham

Man verehre auch Nandin, geschmückt mit juwelenbesetztem Schmuck, mit Beil, Gunst-, Furchtlosigkeits-Geste und Meißel [in den Händen], von dunkler Gestalt,

Wort für Wort
nanditaṃ ca yajetsaumyāṃ [?]
man verehre auch Nandin, den Milden [?]
ratnabhūṣaṇamaṇḍitam
geschmückt mit juwelenbesetztem Schmuck
paraśvadhavarābhīti-
mit Beil, Gunst-, Furchtlosigkeits-Geste
ṭaṅkinaṃ śyāmavigraham
und Meißel, von dunkler Gestalt

Anm.: 'yajetsaumyāṃ' (fem.) passt grammatisch nicht eindeutig zu 'nanditam' (mask.); Übersetzung sinngemäß [?].

pāśāṅkuśavarābhīṣṭadhāriṇaṃ kuṅkumaprabham / vighnanāyakamabhyarceccandrārddhakṛtaśekharam

der Schlinge, Elefantenstachel, Gunst- und Wunschgewährungs-Geste trägt, von der Farbe des Safran – den Herrn der Hindernisse (Gaṇeśa) verehre man, mit einer Mondsichel als Scheitelschmuck,

Wort für Wort
pāśāṅkuśavarābhīṣṭa-
der Schlinge, Elefantenstachel, Gunst-
dhāriṇaṃ kuṅkumaprabham
und Wunschgewährungs-Geste trägt, von Safranfarbe
vighnanāyakamabhyarcet
man verehre den Herrn der Hindernisse
candrārddhakṛtaśekharam
mit einer Mondsichel als Scheitelschmuck

śyāmaṃ raktotpalakaraṃ vāmāṅkanyastatatkaram / dvinetraṃ raktavastrāḍhyaṃ senāpatimathārcayet

den Dunklen, mit einer roten Lotusblüte in der Hand, die andere Hand auf den linken Schoß [der Gefährtin] gelegt, zweiäugig, reich in rote Gewänder gekleidet – den Heerführer (Senāpati) verehre man sodann.

Wort für Wort
śyāmaṃ raktotpalakaraṃ
den Dunklen, mit roter Lotusblüte in der Hand
vāmāṅkanyastatatkaram
die andere Hand auf den linken Schoß gelegt
dvinetraṃ raktavastrāḍhyaṃ
zweiäugig, reich in rote Gewänder gekleidet
senāpatimathārcayet
den Heerführer verehre man sodann

tato 'ṣṭamātaraḥ pūjyā brāhmādyāḥ proktalakṣaṇāḥ / indrādikānlokapālānsvasvadikṣu samarcayet

danach sind die acht Mütter, beginnend mit Brāhmī, mit den genannten Merkmalen zu verehren; man verehre Indra u.a., die Weltenhüter, in ihren jeweiligen Richtungen,

Wort für Wort
tato 'ṣṭamātaraḥ pūjyā
danach sind die acht Mütter zu verehren
brāhmādyāḥ proktalakṣaṇāḥ
beginnend mit Brāhmī, mit den genannten Merkmalen
indrādikānlokapālān
Indra u.a., die Weltenhüter
svasvadikṣu samarcayet
verehre man in ihren jeweiligen Richtungen

vajrādīni tadastrāṇi tadbahiḥ kramator'cayet / evaṃ yo bhajate mantrī devaṃ śaṃbhumumāpatim

deren Waffen, Vajra u.a., verehre man außerhalb davon der Reihe nach. Wer so, als Mantra-Kenner, den Gott Śambhu, den Gemahl Umās, verehrt,

Wort für Wort
vajrādīni tadastrāṇi
deren Waffen, Vajra u.a.
tadbahiḥ kramator'cayet
verehre man außerhalb davon der Reihe nach
evaṃ yo bhajate mantrī
wer so, als Mantra-Kenner, verehrt
devaṃ śaṃbhumumāpatim
den Gott Śambhu, den Gemahl Umās

sa bhavetsarvalokānāṃ saubhāgyaśreyasāṃ padam / sāṃtasadyāntasaṃyukto bindubhūṣitamastakaḥ

der wird zur Stätte von Glück und Heil für alle Welten. [Der nächste Bīja-Laut ist] mit dem s-Endenden und dem auf 'sadya' Endenden verbunden, an seinem Scheitel mit einem Bindu geschmückt.

Wort für Wort
sa bhavetsarvalokānāṃ
der wird für alle Welten
saubhāgyaśreyasāṃ padam
zur Stätte von Glück und Heil
sāṃtasadyāntasaṃyukto [?]
verbunden mit dem s-Endenden und sadya-Endenden [Laut]
bindubhūṣitamastakaḥ
an seinem Scheitel mit einem Bindu geschmückt

Anm.: Zweite Vershälfte beschreibt technisch die Bildung des folgenden Bīja-Lautes (Prāsāda-Bīja); Einzelheiten unsicher [?].

prāsādākhyo manuḥ prokto bhajatāṃ sarvasiddhidaḥ / ṣaḍdīrghayuktabījena ṣaḍaṅgavidhirīritaḥ

Der Mantra namens Prāsāda wird genannt, der denen, die ihn verehren, alle Vollkommenheiten gewährt; mit dem Samenlaut, verbunden mit den sechs langen Vokalen, wird das Sechsglieder-Verfahren dargelegt.

Wort für Wort
prāsādākhyo manuḥ prokto
der Mantra namens Prāsāda wird genannt
bhajatāṃ sarvasiddhidaḥ
allen Vollkommenheiten gewährend denen, die ihn verehren
ṣaḍdīrghayuktabījena
mit dem Samenlaut, verbunden mit den sechs langen Vokalen
ṣaḍaṅgavidhirīritaḥ
wird das Sechsglieder-Verfahren dargelegt

ṣaḍarṇavattu munyādyāḥ proktāścāsyāpi nārada / īśānādyā nyasenmūrtīraṅguṣṭhādiṣu deśikaḥ

Wie beim sechssilbigen [Mantra] werden auch für diesen, o Nārada, Seher usw. genannt. Der Meister lege die mit Īśāna beginnenden Gestalten auf Daumen usw. [Finger] an,

Wort für Wort
ṣaḍarṇavattu munyādyāḥ
wie beim sechssilbigen [Mantra], Seher usw.
proktāścāsyāpi nārada
werden auch für diesen genannt, o Nārada
īśānādyā nyasenmūrtīḥ
die mit Īśāna beginnenden Gestalten lege man an
aṅguṣṭhādiṣu deśikaḥ
der Meister, auf Daumen usw.

īśānākhyaṃ tatpuruṣamaghoraṃ tadanantaram / vāmadevāhvayaṃ sadyojātabījaṃ kramādviduḥ

der Reihe nach [kennt man]: das Īśāna genannte, das Tatpuruṣa, danach das Aghora, das mit Namen Vāmadeva benannte, [und] das Sadyojāta-Bīja.

Wort für Wort
īśānākhyaṃ tatpuruṣam
das Īśāna genannte, das Tatpuruṣa
aghoraṃ tadanantaram
das Aghora, danach
vāmadevāhvayaṃ
das mit Namen Vāmadeva benannte
sadyojātabījaṃ kramādviduḥ
und das Sadyojāta-Bīja kennt man der Reihe nach

ukārādyaiḥ pañcahrasvaurvilomānsaṃyutaṃ ca yat / tattadaṅgulibhirbhūyastattadikānnyaset

und was mit den fünf kurzen, mit 'u' beginnenden Vokalen, in umgekehrter Reihenfolge verbunden ist, das lege man wiederum mit den jeweiligen Fingern an den jeweiligen Orten an.

Wort für Wort
ukārādyaiḥ pañcahrasvaiḥ
mit den fünf kurzen, mit 'u' beginnenden Vokalen
vilomānsaṃyutaṃ ca yat
und was in umgekehrter Reihenfolge verbunden ist
tattadaṅgulibhirbhūyaḥ
das lege man wiederum mit den jeweiligen Fingern
tattadikānnyaset
an den jeweiligen Orten an

śirovadanahṛdguhyapādadeśe yathākramāt / urddhaprāgdakṣiṇodīcyapaścimeṣu mukheṣu ca

am Ort von Kopf, Mund, Herz, Geheimteil und Fuß, der Reihe nach; und an den Gesichtern oben, Osten, Süden, Norden, Westen,

Wort für Wort
śirovadanahṛdguhya-
am Ort von Kopf, Mund, Herz, Geheimteil
pādadeśe yathākramāt
und Fuß, der Reihe nach
urddhaprāgdakṣiṇodīcya-
oben, Osten, Süden, Norden
paścimeṣu mukheṣu ca
und Westen, an den Gesichtern

tataḥ pravinyasedvidvānaṣṭatriṃśatkalāstanau / īśānādyā ṛcaḥ samyagaṅgulīṣu yathākramāt

danach lege der Kundige die achtunddreißig Kalās am Körper an; die mit Īśāna beginnenden Ṛc-Verse lege man recht auf den Fingern der Reihe nach an.

Wort für Wort
tataḥ pravinyasedvidvān
danach lege der Kundige an
aṣṭatriṃśatkalāstanau
die achtunddreißig Kalās am Körper
īśānādyā ṛcaḥ samyag
die mit Īśāna beginnenden Ṛc-Verse recht
aṅgulīṣu yathākramāt
auf den Fingern der Reihe nach

aṅguṣṭhādikaniṣṭhāntaṃ nyaseddeśikasattamaḥ / mūrddhāsyahṛdayāṃbhojaguhyapāde tu tāḥ punaḥ

vom Daumen bis zum kleinen Finger lege der beste Meister an; an Scheitel, Gesicht, Herz-Lotus, Geheimteil und Fuß aber wiederum diese,

Wort für Wort
aṅguṣṭhādikaniṣṭhāntaṃ
vom Daumen bis zum kleinen Finger
nyaseddeśikasattamaḥ
lege der beste Meister an
mūrddhāsyahṛdayāṃbhoja-
an Scheitel, Gesicht, Herz-Lotus
guhyapāde tu tāḥ punaḥ
Geheimteil und Fuß aber wiederum diese

vaktre mūrdhādiṣu nyasya bhūyo 'ṅgāni prakalpayet / tārapañcakamuccārya sarvajñāya hṛdīritam

am Gesicht, und wiederum an Scheitel usw. anlegend, bilde man wiederum die Glied-Mantras; nachdem man die fünf Tāra-Silben ausgesprochen hat, wird [das Wort] 'sarvajñāya' als am Herzen [zu platzieren] erklärt,

Wort für Wort
vaktre mūrdhādiṣu nyasya
am Gesicht, an Scheitel usw. anlegend
bhūyo 'ṅgāni prakalpayet
bilde man wiederum die Glied-Mantras
tārapañcakamuccārya
nachdem man die fünf Tāra-Silben ausgesprochen hat
sarvajñāya hṛdīritam
wird 'sarvajñāya' als am Herzen [zu platzieren] erklärt

amṛte tejo mālini tṛptāyeti padaṃ punaḥ / tadante brahmaśiḥse śirogaṃ jvalitaṃ tataḥ

'Amṛte', 'tejaḥ', 'mālini', 'tṛptāyai' – so lautet wiederum das [nächste] Wort; an dessen Ende steht das Brahma-Haupt-Mantra; das zum Kopf gehörige [Wort] 'jvalita' [folgt] danach,

Wort für Wort
amṛte tejo mālini
'Amṛte', 'Tejaḥ', 'Mālini'
tṛptāyeti padaṃ punaḥ
'Tṛptāyai' – so das Wort wiederum
tadante brahmaśiḥse
an dessen Ende das Brahma-Haupt-Mantra
śirogaṃ jvalitaṃ tataḥ
das Kopf-[Wort] 'Jvalita' danach

Anm.: Fortlaufende Liste von Mantra-Wortfragmenten (Pañcabrahma-Ṣaḍaṅga-Nyāsa); wörtlich wiedergegeben.

śikhiṃ śikhāya parato 'nādibodhāya tacchikhā / vajriṇe vajrahastāya svatantrāya tanucchadam

'Śikhin' zum Schopf-Mantra, weiter 'dem anfanglosen Erwachen' – dies ist sein Schopf-Mantra; 'dem Vajra-Träger', 'dem mit dem Blitz in der Hand', 'dem Selbstherrlichen' ist das Panzer-Mantra,

Wort für Wort
śikhiṃ śikhāya parataḥ
'Śikhin' zum Schopf-Mantra, weiter
'nādibodhāya tacchikhā
'dem anfanglosen Erwachen' – dies ist sein Schopf-Mantra
vajriṇe vajrahastāya
'dem Vajra-Träger', 'dem mit dem Blitz in der Hand'
svatantrāya tanucchadam
'dem Selbstherrlichen' – das Panzer-Mantra

saiṃ saiṃ haumiti saṃbhāṣya parato toṃ guhyaśaktaye / netramuktaṃ ślīpaśuṃ huṃ phaḍante netraṃ śaktaye

'saiṃ saiṃ hauṃ' so aussprechend, weiter 'oṃ, der geheimen Śakti' – dies wird das Augen-Mantra genannt; 'ślī paśuṃ huṃ phaṭ' am Ende – dies ist das Augen-Mantra der Śakti,

Wort für Wort
saiṃ saiṃ haumiti saṃbhāṣya
'saiṃ saiṃ hauṃ' so aussprechend
parato toṃ guhyaśaktaye
weiter 'oṃ, der geheimen Śakti'
netramuktaṃ ślīpaśuṃ huṃ
das Augen-Mantra genannt: 'ślī paśuṃ huṃ'
phaḍante netraṃ śaktaye
'phaṭ' am Ende – das Augen-Mantra der Śakti

astramuktaṃ ṣaḍaṅgāni kuryādevaṃ samāhitaḥ / pūrvadakṣiṇapaścātprāksaumyamadhyeṣu pañcasu

so wird das Waffen-Mantra genannt. So vollziehe man gesammelt die sechs Glied-Mantras; auf den fünf [Gesichtern]: Osten, Süden, Westen, Norden und in der Mitte,

Wort für Wort
astramuktaṃ ṣaḍaṅgāni
das Waffen-Mantra genannt; die sechs Glied-Mantras
kuryādevaṃ samāhitaḥ
vollziehe man so, gesammelt
pūrvadakṣiṇapaścāt
im Osten, Süden, Westen
prāksaumyamadhyeṣu pañcasu
Norden und in der Mitte, auf den fünf [Gesichtern]

vaktreṣu pañca vinyasyedīśānasya kalāḥ kramāt / īśānaḥ sarvavidyānāṃ śaśinī prathamā kalā

auf den fünf Gesichtern lege man der Reihe nach die Kalās des Īśāna an: 'Īśānaḥ sarvavidyānām' ist die erste Kalā, 'Śaśinī',

Wort für Wort
vaktreṣu pañca vinyasyet
auf den fünf Gesichtern lege man an
īśānasya kalāḥ kramāt
die Kalās des Īśāna der Reihe nach
īśānaḥ sarvavidyānāṃ
'Īśānaḥ sarvavidyānām'
śaśinī prathamā kalā
'Śaśinī' [ist] die erste Kalā

īśvaraḥ sarvabhūtānāṃ maṅgalā tadanantaram / brahmādhipatiḥ śabdānte brahmaṇo 'dhipatiḥ punaḥ

'Īśvaraḥ sarvabhūtānām' – danach [die Kalā] 'Maṅgalā'; am Ende des Wortes 'brahmādhipatiḥ' [steht] wiederum 'Brahmaṇo 'dhipatiḥ',

Wort für Wort
īśvaraḥ sarvabhūtānāṃ
'Īśvaraḥ sarvabhūtānām'
maṅgalā tadanantaram
danach die Kalā 'Maṅgalā'
brahmādhipatiḥ śabdānte
am Ende des Wortes 'Brahmādhipatiḥ'
brahmaṇo 'dhipatiḥ punaḥ
wiederum 'Brahmaṇo 'dhipatiḥ'

brahmeṣṭadā tṛtīyāsyācchivo me astu tatparā / marīciḥ kathitā vipra caturthī ca sadāśive

'Brahmeṣṭadā' sei die dritte [Kalā]; 'śivo me astu', danach 'Marīci' wird genannt, o Brahmane, die vierte, zusammen mit 'sadāśive',

Wort für Wort
brahmeṣṭadā tṛtīyā syāt
'Brahmeṣṭadā' sei die dritte [Kalā]
śivo me astu tatparā
'śivo me astu' [ist] danach
marīciḥ kathitā vipra
'Marīci' wird genannt, o Brahmane
caturthī ca sadāśive
die vierte, zusammen mit 'sadāśive'

aṃśumālinyatha parā praṇavādyā namonvitāḥ / pūrvapaścimayāmyodagvaktreṣu tadanantaram

'Aṃśumālinī' sodann die weitere [Kalā]; sie sind mit dem Praṇava beginnend und mit 'namaḥ' versehen; an den Gesichtern Ost, West, Süd, Nord [platziert man sie] danach,

Wort für Wort
aṃśumālinyatha parā
'Aṃśumālinī' sodann die weitere
praṇavādyā namonvitāḥ
mit dem Praṇava beginnend, mit 'namaḥ' versehen
pūrvapaścimayāmyodag-
an den Gesichtern Ost, West, Süd
vaktreṣu tadanantaram
Nord danach

catasro vinyasenmantrī puruṣasya kalāḥ kramāt / ādyā tatpurupāyeti vidmahe śāntirīritā

die vier Kalās des Tatpuruṣa[-Mantras] lege der Mantra-Kundige der Reihe nach an: die erste, 'tatpuruṣāya vidmahe', wird 'Śānti' genannt,

Wort für Wort
catasro vinyasenmantrī
die vier lege der Mantra-Kundige an
puruṣasya kalāḥ kramāt
die Kalās des Tatpuruṣa der Reihe nach
ādyā tatpurupāyeti vidmahe [?]
die erste: 'tatpuruṣāya vidmahe'
śāntirīritā
wird 'Śānti' genannt

mahādevāya śabdānte dhīmahi syāttataḥ param / vidyā dvitīyā kathitā tanno rudraḥ padaṃ tataḥ

am Ende des Wortes 'mahādevāya' folgt 'dhīmahi'; darüber hinaus wird die zweite Kalā 'Vidyā' genannt; danach das Wort 'tan no rudraḥ',

Wort für Wort
mahādevāya śabdānte
am Ende des Wortes 'mahādevāya'
dhīmahi syāttataḥ param
'dhīmahi', darüber hinaus
vidyā dvitīyā kathitā
die zweite Kalā 'Vidyā' wird genannt
tanno rudraḥ padaṃ tataḥ
danach das Wort 'tan no rudraḥ'

pratiṣṭhā kathitā paścāttṛtīyā syātpracodayāt / nivṛttistatparā sarvā praṇavādyā namonvitā

danach wird 'Pratiṣṭhā' genannt; die dritte sei [mit] 'pracodayāt'; 'Nivṛtti' ist die vierte, danach; alle [Kalās] sind mit dem Praṇava beginnend und mit 'namaḥ' versehen.

Wort für Wort
pratiṣṭhā kathitā paścāt
danach wird 'Pratiṣṭhā' genannt
tṛtīyā syātpracodayāt
die dritte sei [mit] 'pracodayāt'
nivṛttistatparā sarvā
'Nivṛtti' [ist] die vierte, danach, alle
praṇavādyā namonvitā
mit dem Praṇava beginnend, mit 'namaḥ' versehen

hṛdi cāṃsadvaye nābhikukṣau pṛṣṭhe 'tha vakṣasi / athorasi kalā nyasyedaṣṭau mantrī yathāvidhi

am Herzen, an beiden Schultern, am Nabel, am Bauch, am Rücken, sodann an der Brust und weiter am Oberkörper lege der Mantra-Kundige die acht Kalās vorschriftsmäßig an.

Wort für Wort
hṛdi cāṃsadvaye nābhikukṣau
am Herzen, an beiden Schultern, am Nabel, am Bauch
pṛṣṭhe 'tha vakṣasi
am Rücken, sodann an der Brust
athorasi kalā nyaset
weiter am Oberkörper lege man die Kalās an
aṣṭau mantrī yathāvidhi
die acht, der Mantra-Kundige, vorschriftsmäßig

aghorebhyastathā pūrvamīritā prathamā kalā / atha ghorebhya ityante mohāsyāttadanantaram

'Aghorebhyaḥ' wird ebenso zuvor als die erste Kalā genannt; sodann am Ende von 'ghorebhyaḥ' [steht] 'Moha' danach,

Wort für Wort
aghorebhyastathā pūrvam
'Aghorebhyaḥ' ebenso zuvor
īritā prathamā kalā
wird als erste Kalā genannt
atha ghorebhya ityante
sodann am Ende von 'ghorebhyaḥ'
mohāsyāttadanantaram
[die Kalā] 'Moha' danach

aghorānte kṣamā paścāttṛtīyā parikīrtitā / ghoratarebhyo nidrā syātsarvebhyaḥ sarvatatparā

am Ende von 'aghora' steht 'Kṣamā' danach, die dritte wird genannt; 'ghoratarebhyaḥ' [gibt] 'Nidrā'; 'sarvebhyaḥ' [gibt] 'Sarvatatparā',

Wort für Wort
aghorānte kṣamā paścāt
am Ende von 'aghora' [steht] 'Kṣamā' danach
tṛtīyā parikīrtitā
die dritte wird genannt
ghoratarebhyo nidrā syāt
'ghoratarebhyaḥ' [gibt] 'Nidrā'
sarvebhyaḥ sarvatatparā
'sarvebhyaḥ' [gibt] 'Sarvatatparā'

vyādhistu pañcamī proktā śarvebhyastadanantaram / mṛtyurnigaditā ṣaṣṭhī namaste astu tatparam

'Vyādhi' aber wird als fünfte genannt; 'śarvebhyaḥ' danach; 'Mṛtyu' wird als sechste bezeichnet; 'namas te astu' danach,

Wort für Wort
vyādhistu pañcamī proktā
'Vyādhi' aber wird als fünfte genannt
śarvebhyastadanantaram
'śarvebhyaḥ' danach
mṛtyurnigaditā ṣaṣṭhī
'Mṛtyu' wird als sechste bezeichnet
namaste astu tatparam
'namas te astu' danach

kṣudhā syātsaptamī rudrarūpebhyaḥ kathitā tṛṣā / aṣṭamī kathitā etādhruvādyā namasānvitāḥ

'Kṣudhā' sei die siebte; 'rudrarūpebhyaḥ' [gibt] 'Tṛṣā', die achte wird genannt; diese sind mit 'dhruva' beginnend und mit 'namaḥ' versehen,

Wort für Wort
kṣudhā syātsaptamī
'Kṣudhā' sei die siebte
rudrarūpebhyaḥ kathitā tṛṣā
'rudrarūpebhyaḥ' [gibt] 'Tṛṣā'
aṣṭamī kathitā etā
die achte wird genannt, diese
dhruvādyā namasānvitāḥ
mit 'dhruva' beginnend, mit 'namaḥ' versehen

guhyayugmoruyugmeṣu jānujaṅghāsphijoḥ punaḥ / kaṭyāṃ pārśvadvaye vāmakalā nyasyettrayodaśa

an beiden Geheimteilen, beiden Schenkeln, Knien, Waden und Hüften, wiederum an der Hüfte und an beiden Seiten lege man die dreizehn Vāma-Kalās an.

Wort für Wort
guhyayugmoruyugmeṣu
an beiden Geheimteilen, beiden Schenkeln
jānujaṅghāsphijoḥ punaḥ
an Knien, Waden, Hüften wiederum
kaṭyāṃ pārśvadvaye
an der Hüfte, an beiden Seiten
vāmakalā nyasyettrayodaśa
lege man die dreizehn Vāma-Kalās an

prathamā vāmadevāya namonte syādrujā kalā / syājjyeṣṭhāya namo rakṣā dvitīyā parikīrtitā

die erste ist 'vāmadevāya namaḥ', am Ende [steht] die Kalā 'Rujā'; 'jyeṣṭhāya namaḥ' [gibt] 'Rakṣā', die zweite wird genannt,

Wort für Wort
prathamā vāmadevāya namaḥ
die erste [ist] 'vāmadevāya namaḥ'
ante syādrujā kalā
am Ende [steht] die Kalā 'Rujā'
syājjyeṣṭhāya namo rakṣā
'jyeṣṭhāya namaḥ' [gibt] 'Rakṣā'
dvitīyā parikīrtitā
die zweite wird genannt

kalakāmā pañcamī syāttato vikaraṇāya ca / namaḥ saṃyamanī ṣaṣṭhī kathitā tadanantaram

'Kalakāmā' sei die fünfte, danach 'vikaraṇāya namaḥ' [gibt] 'Saṃyamanī', die sechste wird danach genannt,

Wort für Wort
kalakāmā pañcamī syāt
'Kalakāmā' sei die fünfte
tato vikaraṇāya ca
danach 'vikaraṇāya' [namaḥ]
namaḥ saṃyamanī ṣaṣṭhī
'namaḥ' [gibt] 'Saṃyamanī', die sechste
kathitā tadanantaram
wird danach genannt

balakriyā saptamīṣṭā kalā vikaraṇāya ca / namo vṛddhistvaṣṭamī syādbalānte ca sthirā kalā

'Balakriyā' ist die als siebte gewünschte Kalā; 'vikaraṇāya namaḥ' [gibt] 'Vṛddhi', die achte sei; und am Ende von 'bala' [steht] die Kalā 'Sthirā',

Wort für Wort
balakriyā saptamīṣṭā kalā
'Balakriyā' [ist] die als siebte gewünschte Kalā
vikaraṇāya ca namo vṛddhiḥ
'vikaraṇāya namaḥ' [gibt] 'Vṛddhi'
tvaṣṭamī syāt
diese sei die achte
balānte ca sthirā kalā
und am Ende von 'bala' die Kalā 'Sthirā'

paścātpramathanāyānte namo rātrirudīritā / sarvabhūtadamanāya namonte bhrāmaṇī kalā

danach am Ende von 'pramathanāya namaḥ' wird 'Rātri' genannt; am Ende von 'sarvabhūtadamanāya namaḥ' [steht] die Kalā 'Bhrāmaṇī',

Wort für Wort
paścātpramathanāyānte
danach am Ende von 'pramathanāya'
namo rātrirudīritā
'namaḥ' – 'Rātri' wird genannt
sarvabhūtadamanāya
'sarvabhūtadamanāya'
namonte bhrāmaṇī kalā
am Ende 'namaḥ' – die Kalā 'Bhrāmaṇī'

namonte mohinī proktā mantrajñairdvādaśī kalā / manonmanyai namaḥ paścājjvarā proktā trayodaśī

am Ende von 'namaḥ' wird von den Mantra-Kennern 'Mohinī' als zwölfte Kalā genannt; 'manonmanyai namaḥ' danach – 'Jvarā' wird als dreizehnte genannt.

Wort für Wort
namonte mohinī proktā
am Ende 'namaḥ' – 'Mohinī' wird genannt
mantrajñairdvādaśī kalā
von den Mantra-Kennern als zwölfte Kalā
manonmanyai namaḥ paścāt
'manonmanyai namaḥ' danach
jvarā proktā trayodaśī
'Jvarā' wird als dreizehnte genannt

praṇavādyāścaturthyantā namontāstu prakīrtitāḥ / pādadostananāsāsu mūrdhni bāhuyuge nyaset

Diese sind mit dem Praṇava beginnend, mit dem Dativ endend, mit 'namaḥ' am Ende versehen und werden so genannt. Auf Füßen, Armen, Brüsten, Nase, Scheitel und beiden Armen lege man [die nächsten Mantras] an,

Wort für Wort
praṇavādyāścaturthyantā
mit dem Praṇava beginnend, mit dem Dativ endend
namontāstu prakīrtitāḥ
mit 'namaḥ' am Ende versehen, so genannt
pādadostananāsāsu
auf Füßen, Armen, Brüsten, Nase
mūrdhni bāhuyuge nyaset
am Scheitel und an beiden Armen lege man an

sadyojātabhavāḥ samyagaṣṭau mantrāḥ kalāḥ kramāt / sadyojātaṃ prapadyāmi siddhiḥ syātprathamā kalā

die acht Mantras/Kalās, die aus 'sadyojāta' entstehen, der Reihe nach recht: 'sadyojātaṃ prapadyāmi' – 'Siddhi' sei die erste Kalā,

Wort für Wort
sadyojātabhavāḥ samyak
die aus 'sadyojāta' entstehenden, recht
aṣṭau mantrāḥ kalāḥ kramāt
die acht Mantras/Kalās der Reihe nach
sadyojātaṃ prapadyāmi
'sadyojātaṃ prapadyāmi'
siddhiḥ syātprathamā kalā
'Siddhi' sei die erste Kalā

sadyojātāya vai bhūyo namaḥ syād vṛddhirīritā / bhavedyutistṛtīyā syādabhave tadanandaram

'sadyojātāya vai' wiederum, [mit] 'namaḥ' – 'Vṛddhi' wird genannt; 'bhave dyutiḥ' sei die dritte; 'abhave' danach,

Wort für Wort
sadyojātāya vai bhūyo
'sadyojātāya vai' wiederum
namaḥ syād vṛddhirīritā
'namaḥ' – 'Vṛddhi' wird genannt
bhavedyutistṛtīyā syāt
'bhave dyutiḥ' sei die dritte
abhave tadanandaram
'abhave' danach

lakṣmī caturthī kathitā tato nātibhavepadam / medhā syātpañcamī proktā kalābhūyo bhavasva mām

'Lakṣmī' wird als vierte genannt; danach das Wort 'nātibhave'; 'Medhā' sei als fünfte Kalā genannt; wiederum 'bhavasva mām',

Wort für Wort
lakṣmī caturthī kathitā
'Lakṣmī' wird als vierte genannt
tato nātibhavepadam
danach das Wort 'nātibhave'
medhā syātpañcamī proktā
'Medhā' sei als fünfte Kalā genannt
kalābhūyo bhavasva mām
wiederum [die Kalā] 'bhavasva mām'

prājñā samīritā ṣaṣṭhī bhavānte syātprabhā kalā / udbhavāya namaḥ paścātsudhā syādaṣṭamī kalā

'Prājñā' wird als sechste genannt; am Ende von 'bhava' sei die Kalā 'Prabhā'; 'udbhavāya namaḥ' danach – 'Sudhā' sei die achte Kalā.

Wort für Wort
prājñā samīritā ṣaṣṭhī
'Prājñā' wird als sechste genannt
bhavānte syātprabhā kalā
am Ende von 'bhava' sei die Kalā 'Prabhā'
udbhavāya namaḥ paścāt
'udbhavāya namaḥ' danach
sudhā syādaṣṭamī kalā
'Sudhā' sei die achte Kalā

praṇavādyāścaturthyantā kalāḥ sarvā namonvitāḥ / aṣṭātriṃśatkalāḥ proktāḥ pañca brahmapadādikāḥ

alle Kalās sind mit dem Praṇava beginnend, mit dem Dativ endend, mit 'namaḥ' versehen; achtunddreißig Kalās wurden genannt, gehörig zu den fünf, mit 'Brahma' beginnenden Worten [Gesichtern].

Wort für Wort
praṇavādyāścaturthyantā
mit dem Praṇava beginnend, mit dem Dativ endend
kalāḥ sarvā namonvitāḥ
alle Kalās, mit 'namaḥ' versehen
aṣṭātriṃśatkalāḥ proktāḥ
achtunddreißig Kalās wurden genannt
pañca brahmapadādikāḥ
gehörig zu den fünf, mit 'Brahma' beginnenden [Gesichtern]

iti vinyastadeho 'sau bhavedgaṅgādharaḥ svayam / tataḥ samāhito bhūtvā dhyāyedevaṃ sadāśivam

so, mit den Kalās den Körper versehen, wird er selbst zum Gaṅgā-Träger (Śiva); danach, gesammelt geworden, meditiere er so über Sadāśiva,

Wort für Wort
iti vinyastadeho 'sau
so, mit den Kalās den Körper versehen, er
bhavedgaṅgādharaḥ svayam
wird selbst zum Gaṅgā-Träger
tataḥ samāhito bhūtvā
danach, gesammelt geworden
dhyāyedevaṃ sadāśivam
meditiere er so über Sadāśiva

sitapītāsitaśvetajapābhaiḥ pañcabhirmukhaiḥ / akṣairyutaṃ glaumukuṭaṃ koṭipūrṇendusaṃprabham

mit weißen, gelben, dunklen, weißen und hibiskusroten fünf Gesichtern, mit Rosenkränzen versehen, [mit] 'Glauṃ' auf der Krone, mit dem Glanz von zehn Millionen Vollmonden,

Wort für Wort
sitapītāsitaśveta-
weiß, gelb, dunkel, weiß
japābhaiḥ pañcabhirmukhaiḥ
und hibiskusrot, mit fünf Gesichtern
akṣairyutaṃ glaumukuṭaṃ
mit Rosenkränzen versehen, 'Glauṃ' auf der Krone
koṭipūrṇendusaṃprabham
mit dem Glanz von zehn Millionen Vollmonden

Anm.: 'śveta' (weiß) erscheint im Quelltext zweimal unter den fünf Gesichtsfarben; möglicherweise Verschreibung für eine andere Farbe.

śūlaṃ ṭaṅkaṃ kṛpāṇaṃ ca vajrāgnyahipatīnkaraiḥ / dadhānaṃbhūṣaṇoddīptaṃ ghaṇṭāpāśavarābhayān

Dreizack, Meißel und Schwert, sowie Vajra, Feuer und den Herrn der Schlangen in den Händen haltend, strahlend von Schmuck, mit Glocke, Schlinge, Gunst- und Furchtlosigkeits-Gesten,

Wort für Wort
śūlaṃ ṭaṅkaṃ kṛpāṇaṃ ca
Dreizack, Meißel und Schwert
vajrāgnyahipatīnkaraiḥ
Vajra, Feuer, den Herrn der Schlangen in den Händen
dadhānaṃbhūṣaṇoddīptaṃ
haltend, strahlend von Schmuck
ghaṇṭāpāśavarābhayān
mit Glocke, Schlinge, Gunst- und Furchtlosigkeits-Geste

evaṃ dhyātvā japenmantraṃ pañcalakṣaṃ madhuplutaiḥ / prasūnaiḥ karavīrotthairjuhuyāttahṛśāṃśataḥ

So meditierend rezitiere man den Mantra fünfhunderttausendmal; mit in Honig getränkten, vom Oleander stammenden Blüten opfere man davon ein Zehntel.

Wort für Wort
evaṃ dhyātvā japenmantraṃ
so meditierend rezitiere man den Mantra
pañcalakṣaṃ madhuplutaiḥ
fünfhunderttausendmal; mit honiggetränkten
prasūnaiḥ karavīrotthaiḥ
Blüten, vom Oleander stammend
juhuyāttaddaśāṃśataḥ [?]
opfere man davon ein Zehntel

Anm.: Quelltext 'tahṛśāṃśataḥ' – vermutlich Verschreibung für 'taddaśāṃśataḥ' ('davon ein Zehntel').

pūrvodite yajetpīṭhe martiṃ mūlena kalpayet / āvāhya pūjayettasyāṃ mūrtāvāvaraṇaiḥ saha

Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man; man gestalte mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt; nachdem man sie herbeigerufen hat, verehre man sie in dieser Gestalt zusammen mit den Umgebungsgottheiten.

Wort für Wort
pūrvodite yajetpīṭhe
auf dem zuvor genannten Sitz verehre man
mūrtiṃ mūlena kalpayet [?]
man gestalte mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt
āvāhya pūjayettasyāṃ
herbeigerufen, verehre man sie in dieser
mūrtāvāvaraṇaiḥ saha
Gestalt, zusammen mit den Umgebungsgottheiten

Anm.: Quelltext 'martiṃ' – Verschreibung für 'mūrtiṃ'.

śaktiṃ ḍamarukābhītivarānsaṃdadhataṃ karaiḥ / īśānaṃ trīkṣaṇaṃ śubhramaiśānyāṃ diśi pūjayet

Speer, Handtrommel, Furchtlosigkeits- und Gunst-Geste in den Händen haltend – den Īśāna, dreiäugig, weiß-strahlend, verehre man in der Īśāna-Richtung (Nordosten).

Wort für Wort
śaktiṃ ḍamarukābhīti-
Speer, Handtrommel, Furchtlosigkeits-
varānsaṃdadhataṃ karaiḥ
und Gunst-Geste in den Händen haltend
īśānaṃ trīkṣaṇaṃ śubhram
den Īśāna, dreiäugig, weiß-strahlend
aiśānyāṃ diśi pūjayet
verehre man in der Īśāna-Richtung

paraśveṇavarābhītīrdadhānaṃ vidyudujjvalam / caturmukhaṃ tatpuruṣaṃ trinetraṃ pūrvantor'cayet

Beil, Gunst- und Furchtlosigkeits-Geste haltend, blitzstrahlend, vierköpfig – den Tatpuruṣa, dreiäugig, verehre man im Osten.

Wort für Wort
paraśveṇavarābhītīr-
Beil, Gunst- und Furchtlosigkeits-Geste
dadhānaṃ vidyudujjvalam
haltend, blitzstrahlend
caturmukhaṃ tatpuruṣaṃ
vierköpfig, den Tatpuruṣa
trinetraṃ pūrvasyāṃ tvarcayet [?]
dreiäugig, im Osten verehre man

Anm.: 'pūrvantor'cayet' – vermutlich für 'pūrvasyāṃ tvarcayet' o.ä. ('im Osten aber verehre man').

akṣasrajaṃ vedapāśau ṛṣiṇḍamarukaṃ tataḥ / khaṭvāṅgaṃ niśitaṃ śūlaṃ kapālaṃ bibhrataṃ karaiḥ

Rosenkranz, Veda(-Buch) und Schlinge, dazu Ḍamaru, scharfen Dreizack und Schädelschale in den Händen tragend,

Wort für Wort
akṣasrajaṃ vedapāśau
Rosenkranz, Veda(-Buch) und Schlinge
ṛṣiṇḍamarukaṃ tataḥ [?]
dazu Ḍamaru [unklar]
khaṭvāṅgaṃ niśitaṃ śūlaṃ
Totenkeule, scharfen Dreizack
kapālaṃ bibhrataṃ karaiḥ
und Schädelschale in den Händen tragend

Anm.: 'ṛṣiṇḍamarukaṃ' unklar; als '[und] Ḍamaru' sinngemäß wiedergegeben [?].

añjanābhaṃ caturvaktraṃ bhīmadantaṃ bhayāvaham / aghoraṃ trīkṣaṇaṃ yāmye pūjayenmantravittamaḥ

von der Farbe des schwarzen Augensalbes, vierköpfig, mit furchterregenden Zähnen, Schrecken einflößend – den Aghora, dreiäugig, verehre der beste Mantra-Kenner im Süden.

Wort für Wort
añjanābhaṃ caturvaktraṃ
von der Farbe des schwarzen Augensalbes, vierköpfig
bhīmadantaṃ bhayāvaham
mit furchterregenden Zähnen, Schrecken einflößend
aghoraṃ trīkṣaṇaṃ yāmye
den Aghora, dreiäugig, im Süden
pūjayenmantravittamaḥ
verehre der beste Mantra-Kenner

kuṅkumābhacaturvaktraṃ vāmadevaṃ trilocanam / hariṇākṣaguṇābhītivarahastaṃ caturmukham

von der Farbe des Safran, vierköpfig – den Vāmadeva, dreiäugig, mit Antilope, Rosenkranz, Furchtlosigkeits- und Gunst-Geste in den Händen, vierköpfig,

Wort für Wort
kuṅkumābhacaturvaktraṃ
von der Farbe des Safran, vierköpfig
vāmadevaṃ trilocanam
den Vāmadeva, dreiäugig
hariṇākṣaguṇābhīti-
mit Antilope, Rosenkranz, Furchtlosigkeits-
varahastaṃ caturmukham
und Gunst-Geste in den Händen, vierköpfig

bālenduśekharollāsimukuṭaṃ paścime yajet / karpūredunibhaṃ saumyaṃ sadyojātaṃ trilocanam

mit einer strahlenden jungen Mondsichel als Scheitelschmuck – im Westen verehre man; kampferweiß wie der Mond, mild – den Sadyojāta, dreiäugig,

Wort für Wort
bālenduśekharollāsi-
mit strahlender junger Mondsichel
mukuṭaṃ paścime yajet
als Scheitelschmuck, im Westen verehre man
karpūredunibhaṃ saumyaṃ
kampferweiß wie der Mond, mild
sadyojātaṃ trilocanam
den Sadyojāta, dreiäugig

varābhayākṣavalayakuṭhārāndadhataṃ karaiḥ / vilāsinaṃ smeravaktraṃ saumye samyaksamarcayet

Gunst-Geste, Furchtlosigkeits-Geste, Rosenkranz und Beil in den Händen haltend, anmutig, mit lächelndem Antlitz – im Nordwesten verehre man ihn recht.

Wort für Wort
varābhayākṣavalaya-
Gunst-Geste, Furchtlosigkeits-Geste, Rosenkranz
kuṭhārāndadhataṃ karaiḥ
und Beil in den Händen haltend
vilāsinaṃ smeravaktraṃ
anmutig, mit lächelndem Antlitz
saumye samyaksamarcayet
im Nordwesten verehre man recht

koṇeṣvarcennivṛttyādyāstejorūpāḥ kalāḥ kramāt / vighneśvarānanantādyānpatreṣu parito yajet

In den Ecken verehre man die mit Nivṛtti beginnenden, aus Licht bestehenden Kalās der Reihe nach; man verehre die mit Vighneśvara [und] Ananta beginnenden [Gottheiten] ringsum auf den Blütenblättern.

Wort für Wort
koṇeṣvarcennivṛttyādyāḥ
in den Ecken verehre man die mit Nivṛtti beginnenden
tejorūpāḥ kalāḥ kramāt
aus Licht bestehenden Kalās der Reihe nach
vighneśvarānanantādyān
die mit Vighneśvara, Ananta beginnenden [Gottheiten]
patreṣu parito yajet
verehre man ringsum auf den Blütenblättern

umādikāstato bāhye śakrādyānāyudhaiḥ saha / iti saṃpūjya deveśaṃ bhaktyā paramayā yutaḥ

danach [verehre man] außen die mit Umā beginnenden [Gefährtinnen], die mit Indra beginnenden [Weltenhüter] zusammen mit ihren Waffen. So, nachdem er den Göttergebieter verehrt hat, versehen mit höchster Hingabe,

Wort für Wort
umādikāstato bāhye
danach außen die mit Umā beginnenden
śakrādyānāyudhaiḥ saha
die mit Indra beginnenden, zusammen mit ihren Waffen
iti saṃpūjya deveśaṃ
so, nachdem er den Göttergebieter verehrt hat
bhaktyā paramayā yutaḥ
versehen mit höchster Hingabe

praṇīyennṛtyagītādyaiḥ stotramairtrīṃ manoharaiḥ / tāro māyāviyadbindumanusvarasamanvitaḥ

möge er ihn mit Tanz, Gesang usw. und lieblichen, freundlichen Lobpreisungen erfreuen. [Es folgt ein Mantra:] Tāra, Māyā-Bīja, verbunden mit dem Himmels-Bindu (Anusvāra),

Wort für Wort
praṇīyennṛtyagītādyaiḥ
möge er erfreuen mit Tanz, Gesang usw.
stotramairtrīṃ manoharaiḥ
mit freundlichen, lieblichen Lobpreisungen
tāro māyāviyadbindu-
Tāra, Māyā-Bīja, Himmels-Bindu
manusvarasamanvitaḥ
verbunden mit dem Anusvāra

pañcākṣarasamāyukto vasuvarṇo manurmataḥ / pañcākṣaroktavatkuryādaṅganyāsādikaṃ budhaḥ

verbunden mit dem fünfsilbigen Mantra, wird ein Mantra aus acht Silben gebildet. Wie beim fünfsilbigen Mantra beschrieben, vollziehe der Weise die Glied-Anlegung usw.

Wort für Wort
pañcākṣarasamāyukto
verbunden mit dem fünfsilbigen [Mantra]
vasuvarṇo manurmataḥ
wird ein achtsilbiger Mantra gebildet
pañcākṣaroktavatkuryāt
wie beim fünfsilbigen [Mantra] beschrieben, vollziehe man
aṅganyāsādikaṃ budhaḥ
die Glied-Anlegung usw., der Weise

siṃdūrābhaṃ lasadratnamukuṭaṃ candramaulinam / divyabhūṣāṅgarāgaṃ ca nāgayajñopavītinam

von der Farbe des Zinnobers, mit funkelnder Juwelenkrone, den Mond auf dem Haupt tragend, mit göttlichem Schmuck und Salböl, mit einer Schlange als heiliger Schnur,

Wort für Wort
siṃdūrābhaṃ lasadratna-
von der Farbe des Zinnobers, mit funkelnder Juwelen-
mukuṭaṃ candramaulinam
Krone, den Mond auf dem Haupt tragend
divyabhūṣāṅgarāgaṃ ca
mit göttlichem Schmuck und Salböl
nāgayajñopavītinam
mit einer Schlange als heiliger Schnur

vāmorusthapriyorojanyastahastaṃ ca bibhratam / vedaṭaṅkeṣmabhayaṃ dhyāyetsarveśvaraṃ śivam

und die eine Hand auf den Schenkel der geliebten [Gefährtin] gelegt haltend, [mit anderen Händen] Buch, Meißel und Furchtlosigkeits-[Geste haltend] – man meditiere über Śiva, den Herrn von allem.

Wort für Wort
vāmorusthapriyoroja-
auf den Schenkel der geliebten [Gefährtin]
nyastahastaṃ ca bibhratam
die Hand gelegt haltend und tragend
vedaṭaṅkeṣmabhayaṃ [?]
Buch, Meißel, Furchtlosigkeits-[Geste] [unsicher]
dhyāyetsarveśvaraṃ śivam
man meditiere über Śiva, den Herrn von allem

Anm.: 'vedaṭaṅkeṣmabhayaṃ' technisch verdichtet und unsicher gelesen [?].

aṣṭalakṣaṃ japenmantraṃ tatsahasraṃ ghṛtānvitaiḥ / pāyasairjuhuyātpīṭhemūrtiṃ saṃkalpya mūlataḥ

Man rezitiere den Mantra achthunderttausendmal; davon ein Tausendstel opfere man mit Ghee vermengtem Milchreis; auf dem Sitz gestalte man mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt,

Wort für Wort
aṣṭalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra achthunderttausendmal
tatsahasraṃ ghṛtānvitaiḥ
davon ein Tausendstel, mit Ghee vermengt
pāyasairjuhuyātpīṭhe
mit Milchreis opfere man auf dem Sitz
mūrtiṃ saṃkalpya mūlataḥ
die Kultgestalt gestalte man mit dem Wurzelmantra

aṅgairāvaraṇaṃ pūrvamanantādyairanantaram / umādibhiḥ samuddiṣṭaṃ tṛtīyaṃ lokanāyakaiḥ

zuerst mit den Glied-Mantras die Umhüllung, danach mit den mit Ananta beginnenden [Gottheiten], mit den mit Umā beginnenden wird die dritte [Umhüllung] bezeichnet, mit den Weltenführern,

Wort für Wort
aṅgairāvaraṇaṃ pūrvam
zuerst mit den Glied-Mantras die Umhüllung
anantādyairanantaram
danach mit den mit Ananta beginnenden [Gottheiten]
umādibhiḥ samuddiṣṭaṃ
mit den mit Umā beginnenden wird bezeichnet
tṛtīyaṃ lokanāyakaiḥ
die dritte [Umhüllung], mit den Weltenführern

caturthaṃ pañcamaṃ teṣāmāyudhaiḥ parikīrtitam / evaṃ pratidinaṃ devaṃ pūjayetsādhakottamaḥ

die vierte und fünfte [Umhüllung] wird mit deren Waffen bezeichnet. So verehre der beste Übende täglich den Gott,

Wort für Wort
caturthaṃ pañcamaṃ teṣām
die vierte und fünfte [Umhüllung] davon
āyudhaiḥ parikīrtitam
wird mit den Waffen bezeichnet
evaṃ pratidinaṃ devaṃ
so täglich den Gott
pūjayetsādhakottamaḥ
verehre der beste Übende

putrapautrādigāṃ lakṣmīṃ saṃprāpyahyatra modate / tāraḥ sthirā sakarṇendurbhaghṛguḥ sargasamanvitaḥ

und erlangt fürwahr hier den mit Söhnen und Enkeln verbundenen Reichtum, sich [daran] erfreuend. [Es folgt der Mṛtyuñjaya-Mantra:] Tāra, das 'Sthirā'-[Bīja], versehen mit 'Karṇa' und 'Indu', 'Bha', 'Ghṛgu', verbunden mit dem Visarga,

Wort für Wort
putrapautrādigāṃ lakṣmīṃ
den mit Söhnen und Enkeln verbundenen Reichtum
saṃprāpyahyatra modate
erlangend, erfreut er sich fürwahr hier
tāraḥ sthirā sakarṇenduḥ [?]
Tāra, 'Sthirā', versehen mit 'Karṇa' und 'Indu'
bhaghṛguḥ sargasamanvitaḥ [?]
'Bha', 'Ghṛgu', verbunden mit dem Visarga

Anm.: Kryptische Bīja-Konstruktion des folgenden Mṛtyuñjaya-Mantra; Einzelterme unsicher [?].

akṣarātmā nigadito mantro mṛtyuñjayātmakaḥ / ṛṣaiḥ kaholo devyādigāyatrī chanda īritam

So wird der aus diesen Silben bestehende Mantra genannt, dessen Wesen der Mṛtyuñjaya (Todesbezwinger) ist; der Ṛṣi ist Kahola, [seine] Gottheit die mit Devī beginnende [Reihe], Gāyatrī wird als Versmaß genannt,

Wort für Wort
akṣarātmā nigadito mantro
so wird der aus diesen Silben bestehende Mantra genannt
mṛtyuñjayātmakaḥ
dessen Wesen der Mṛtyuñjaya ist
ṛṣaiḥ kaholo devyādi-
der Ṛṣi ist Kahola, mit Devī beginnend
gāyatrī chanda īritam
[Gottheit], Gāyatrī wird als Versmaß genannt

mṛtyuñjayo mahādevo devatāsya samīritaḥ / bhṛguṇā dīrghayuktena ṣaḍaṅgāni samācaret

Mṛtyuñjaya, der große Gott, wird als dessen Gottheit genannt; mit dem Bīja 'bhṛgu', verbunden mit dem langen Vokal, vollziehe man die sechs Glied-Riten.

Wort für Wort
mṛtyuñjayo mahādevo
Mṛtyuñjaya, der große Gott
devatāsya samīritaḥ
wird als dessen Gottheit genannt
bhṛguṇā dīrghayuktena
mit dem Bīja 'bhṛgu', verbunden mit dem langen Vokal
ṣaḍaṅgāni samācaret
vollziehe man die sechs Glied-Riten

candrārkahutabhuṅnetraṃ smitāsyaṃ yugmapadmagam / mudrāpāśaiṇākṣasūtralasatpāṇiṃ śaśiprabham

mit Mond, Sonne und Feuer als Augen, mit lächelndem Antlitz, auf einem Doppel-Lotus sitzend, mit Mudrā, Schlinge, Antilope und Rosenkranz in den strahlenden Händen, mondweiß glänzend,

Wort für Wort
candrārkahutabhuṅnetraṃ
mit Mond, Sonne und Feuer als Augen
smitāsyaṃ yugmapadmagam
mit lächelndem Antlitz, auf Doppel-Lotus sitzend
mudrāpāśaiṇākṣasūtra-
mit Mudrā, Schlinge, Antilope, Rosenkranz
lasatpāṇiṃ śaśiprabham
in den strahlenden Händen, mondweiß glänzend

bhālenduvigalantpīyūṣaplutāṅgamalaṅkṛtam / hārādyairnijakāntyā tu dhyāyedviśvavimohanam

dessen Glieder von dem aus der Stirn-Mondsichel herabtröpfelnden Nektar durchtränkt sind, geschmückt mit Halsketten u.a., durch seinen eigenen Glanz – man meditiere über ihn, der die ganze Welt betört.

Wort für Wort
bhālenduvigalantpīyūṣa-
von dem aus der Stirn-Mondsichel herabtröpfelnden Nektar
plutāṅgamalaṅkṛtam
durchtränkte Glieder, geschmückt
hārādyairnijakāntyā tu
mit Halsketten u.a., durch seinen eigenen Glanz
dhyāyedviśvavimohanam
man meditiere über den, der die Welt betört

guṇalakṣaṃ japenmantraṃ taddaśāṃśaṃ hunetsudhīḥ / amṛtāśakalaiḥ śuddhadugdhājyasamabhiplutaiḥ

Man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal; davon ein Zehntel opfere der Weise, mit Stückchen der Amṛtā-Pflanze, getränkt mit reiner Milch und Ghee zugleich.

Wort für Wort
guṇalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal
taddaśāṃśaṃ hunetsudhīḥ
davon ein Zehntel opfere der Weise
amṛtāśakalaiḥ śuddha-
mit Stückchen der Amṛtā-Pflanze, mit reiner
dugdhājyasamabhiplutaiḥ
Milch und Ghee zugleich getränkt

śaive saṃpūjayetpīṭhe mūrtiṃ saṃkalpamūlataḥ / aṅgāvaraṇamārādhyapaścāllokeśvarānyajet

Auf dem Śiva-Sitz verehre man die mit dem Wurzelmantra festgesetzte Kultgestalt; nachdem man die Glied-Umhüllung verehrt hat, verehre man danach die Weltenherrscher,

Wort für Wort
śaive saṃpūjayetpīṭhe
auf dem Śiva-Sitz verehre man
mūrtiṃ saṃkalpamūlataḥ
die mit dem Wurzelmantra festgesetzte Kultgestalt
aṅgāvaraṇamārādhya
nachdem man die Glied-Umhüllung verehrt hat
paścāllokeśvarānyajet
verehre man danach die Weltenherrscher

tadastrāṇi tato bāhye pūjayetsādhakottamaḥ / japapūjādibhiḥ siddhe mantre 'sminmunisattama

deren Waffen außerhalb davon verehre der beste Übende. Wenn durch Rezitation, Verehrung usw. dieser Mantra vollkommen geworden ist, o bester der Weisen,

Wort für Wort
tadastrāṇi tato bāhye
deren Waffen außerhalb davon
pūjayetsādhakottamaḥ
verehre der beste Übende
japapūjādibhiḥ siddhe
wenn durch Rezitation, Verehrung usw. vollkommen
mantre 'sminmunisattama
dieser Mantra geworden ist, o bester der Weisen

kuryātprayogānkalyoktānabhīṣṭaphalasiddhaye / dugdhasiktaiḥ sudhākhaṇḍairhutvā pratyahamādarāt

vollziehe er die für das Kali-Zeitalter genannten Anwendungen zur Erlangung der gewünschten Frucht; indem er täglich ehrfurchtsvoll mit milchbenetzten Stücken der Amṛtā-Pflanze opfert,

Wort für Wort
kuryātprayogānkalyoktān
vollziehe er die für das Kali-Zeitalter genannten Anwendungen
abhīṣṭaphalasiddhaye
zur Erlangung der gewünschten Frucht
dugdhasiktaiḥ sudhākhaṇḍaiḥ
mit milchbenetzten Stücken der Amṛtā-Pflanze
hutvā pratyahamādarāt
opfernd, täglich ehrfurchtsvoll

sahasramāsaparyantaṃ labhedāyurdhanaṃ sutān / sudhāvaṭatitānpūrvā payaḥ sarpiḥ payo haviḥ

durch tausendfache [Opferung] bis zu einem Monat erlangt er Lebenslänge, Reichtum und Söhne; [an den Wochentagen mit] Amṛtā-Blättern zuvor, [dann] Milch, Ghee, Milch als Opfergabe,

Wort für Wort
sahasramāsaparyantaṃ
durch tausendfache [Opferung] bis zu einem Monat
labhedāyurdhanaṃ sutān
erlangt er Lebenslänge, Reichtum und Söhne
sudhāvaṭatitānpūrvā [?]
mit Amṛtā-Blättern zuvor [unsicher]
payaḥ sarpiḥ payo haviḥ
Milch, Ghee, Milch als Opfergabe

Anm.: Aufzählung der an den sieben Wochentagen zu verwendenden Opfersubstanzen, im Quelltext knapp und teils unsicher [?].

sapta dravyāṇi vāreṣu kramāddaśaśataṃ hunet / saptādhikān dvijānnityaṃ bhojayenmadhurānvitam

die sieben Substanzen opfere man an den Wochentagen der Reihe nach je tausendfach; mehr als sieben Brahmanen bewirte man täglich mit süßer Speise,

Wort für Wort
sapta dravyāṇi vāreṣu
die sieben Substanzen an den Wochentagen
kramāddaśaśataṃ hunet
opfere man der Reihe nach je tausendfach
saptādhikān dvijānnityaṃ
mehr als sieben Brahmanen täglich
bhojayenmadhurānvitam
bewirte man mit süßer Speise

ṛtvigbhyo dakṣiṇāṃ dadyādaruṇāṃ gāṃ payasvinīm / guruṃ saṃprīṇayetpaścāddhanādyairdevatādhiyā

den Opferpriestern gebe man als Ehrengabe eine rötliche, milchgebende Kuh; danach erfreue man den Lehrer mit Reichtum u.a., in der Gesinnung, ihn als Gottheit zu ehren,

Wort für Wort
ṛtvigbhyo dakṣiṇāṃ dadyāt
den Opferpriestern gebe man als Ehrengabe
aruṇāṃ gāṃ payasvinīm
eine rötliche, milchgebende Kuh
guruṃ saṃprīṇayetpaścāt
danach erfreue man den Lehrer
dhanādyairdevatādhiyā
mit Reichtum u.a., in der Gesinnung [ihn als] Gottheit

anena vidhinā sādhyaḥ kṛtyādrohajvaṃrādibhiḥ / vimuktaḥ suciraṃ jīveccharadāṃ śatamañjasā

durch dieses Verfahren wird man von Kṛtyā (Schwarzer Magie), Droha, Fieber usw. befreit [und] lebt mühelos hundert Jahre lang.

Wort für Wort
anena vidhinā sādhyaḥ
durch dieses Verfahren zu bewirken
kṛtyādrohajvaṃrādibhiḥ
von Kṛtyā, Droha, Fieber usw.
vimuktaḥ suciraṃ jīvet
befreit, lebe man lange
charadāṃ śatamañjasā
hundert Jahre lang, mühelos

abhicāre jvare staṃbhaghoronmāde śirogade / asādhyaroge kṣveḍārtauṃ mohe dāhe mahābhaye

bei Schwarzer Magie (Abhicāra), Fieber, Lähmung, schrecklichem Wahnsinn, Kopfkrankheit, unheilbarer Krankheit, Gift-Pein, Verwirrung, Brennen und großer Furcht

Wort für Wort
abhicāre jvare staṃbha-
bei Schwarzer Magie, Fieber, Lähmung
ghoronmāde śirogade
schrecklichem Wahnsinn, Kopfkrankheit
asādhyaroge kṣveḍārtau
bei unheilbarer Krankheit, Gift-Pein
moha dāhe mahābhaye
Verwirrung, Brennen, großer Furcht

homo 'yaṃ śāntidaḥ proktaḥ sarvābhayapradāyakaḥ / dravyairetaiḥ prajuhuyāttrijanmasu yathāvidhi

wird dieses Homa als beruhigend genannt, alle Furcht hinwegnehmend; mit diesen Substanzen opfere man drei Geburten lang vorschriftsmäßig,

Wort für Wort
homo 'yaṃ śāntidaḥ proktaḥ
dieses Homa wird als beruhigend genannt
sarvābhayapradāyakaḥ
alle Furcht hinwegnehmend
dravyairetaiḥ prajuhuyāt
mit diesen Substanzen opfere man
trijanmasu yathāvidhi
drei Geburten lang, vorschriftsmäßig

bhojayenmadhurairbhojyairbrāhmaṇānvedapāragān / dīrghamāyuravāpnoti vāñchitāṃ vindati śriyam

man bewirte mit süßen Speisen Brahmanen, die im Veda bewandert sind; so erlangt man langes Leben und findet das gewünschte Glück.

Wort für Wort
bhojayenmadhurairbhojyaiḥ
man bewirte mit süßen Speisen
brāhmaṇānvedapāragān
Brahmanen, die im Veda bewandert sind
dīrghamāyuravāpnoti
man erlangt langes Leben
vāñchitāṃ vindati śriyam
man findet das gewünschte Glück

ekādaśāhutīrnityaṃ dūrvābhirjuhuyād budhaḥ / apamṛtyujideva syādāyurārogyavarddhanam

elf Opferungen täglich mit Dūrvā-Gras opfere der Weise; dies überwindet fürwahr den vorzeitigen Tod und mehrt Lebenslänge und Gesundheit.

Wort für Wort
ekādaśāhutīrnityaṃ
elf Opferungen täglich
dūrvābhirjuhuyād budhaḥ
mit Dūrvā-Gras opfere der Weise
apamṛtyujideva syāt
dies überwindet fürwahr den vorzeitigen Tod
āyurārogyavarddhanam
und mehrt Lebenslänge und Gesundheit

trijanmasu sudhāvallīkāśmīrībakulodbhavaiḥ / samidvaraiḥ kṛto homaḥ sarvamṛtyugadāpahaḥ

über drei Geburten hinweg, mit vortrefflichen Opferhölzern der Guḍūcī-Ranke, der Safranpflanze und des Bakula-Baumes vollzogenes Homa nimmt jeden Tod und jede Krankheit hinweg.

Wort für Wort
trijanmasu sudhāvallī-
über drei Geburten, mit der Guḍūcī-Ranke
kāśmīrībakulodbhavaiḥ
der Safranpflanze und des Bakula-Baumes
samidvaraiḥ kṛto homaḥ
mit vortrefflichen Opferhölzern vollzogenes Homa
sarvamṛtyugadāpahaḥ
nimmt jeden Tod und jede Krankheit hinweg

siddhārthairvihito homo mahājvaravināśanaḥ / apāmārgasamiddhomaḥ sarvāmayaniṣūdanaḥ

das mit weißen Senfkörnern vollzogene Homa vernichtet großes Fieber; das Homa mit Apāmārga-Opferhölzern vernichtet alle Krankheiten.

Wort für Wort
siddhārthairvihito homo
das mit weißen Senfkörnern vollzogene Homa
mahājvaravināśanaḥ
vernichtet großes Fieber
apāmārgasamiddhomaḥ
das Homa mit Apāmārga-Opferhölzern
sarvāmayaniṣūdanaḥ
vernichtet alle Krankheiten

dakṣiṇāmūrtaye pūrvaṃ tubhyaṃ padamanantaram / vaṭamūlapadasyānte pravadecca nivāsine

'Dakṣiṇāmūrtaye' zuerst, [dann] das Wort 'tubhyam' danach; am Ende des Wortes 'vaṭamūla' spreche man auch 'nivāsine',

Wort für Wort
dakṣiṇāmūrtaye pūrvaṃ
'Dakṣiṇāmūrtaye' zuerst
tubhyaṃ padamanantaram
das Wort 'tubhyam' danach
vaṭamūlapadasyānte
am Ende des Wortes 'vaṭamūla'
pravadecca nivāsine
spreche man auch 'nivāsine'

Anm.: Konstruktion des Dakṣiṇāmūrti-Mantra durch aneinandergereihte Wortglieder.

dhyānaikaniratāṅgāya paścād brūyānnamaḥ padam / rudrāya śaṃbhave tāraśaktiruddho 'yamīritaḥ

'dhyānaikaniratāṅgāya' – danach spreche man das Wort 'namaḥ'; 'rudrāya', 'śambhave' – dieser Mantra, umschlossen von Tāra und Śakti, wird so genannt.

Wort für Wort
dhyānaikaniratāṅgāya
'dhyānaikaniratāṅgāya'
paścād brūyānnamaḥ padam
danach spreche man das Wort 'namaḥ'
rudrāya śaṃbhave
'rudrāya', 'śambhave'
tāraśaktiruddho 'yamīritaḥ
dieser, von Tāra und Śakti umschlossen, wird genannt

ṣaṭtriṃśadakṣaro mantraḥ sarvakāmaphalapradaḥ / muniḥ śukaḥ samuddiṣṭaśchando 'nuṣṭupprakīrtitam

Der sechsunddreißigsilbige Mantra gewährt die Frucht aller Wünsche; als Seher wird Śuka bezeichnet, Anuṣṭubh wird als Versmaß genannt,

Wort für Wort
ṣaṭtriṃśadakṣaro mantraḥ
der sechsunddreißigsilbige Mantra
sarvakāmaphalapradaḥ
gewährt die Frucht aller Wünsche
muniḥ śukaḥ samuddiṣṭaḥ
als Seher wird Śuka bezeichnet
chando 'nuṣṭupprakīrtitam
Anuṣṭubh wird als Versmaß genannt

devatā dakṣiṇāmūrtirnāmnā śaṃbhurudīritaḥ / tāraśaktiyuktaiḥ pūrvaṃ hrīmādyantaiśca mantrajaiḥ

die Gottheit ist Dakṣiṇāmūrti, mit Namen Śambhu wird er genannt; mit den zuvor [genannten], mit Tāra und Śakti verbundenen, mit 'Hrīm' beginnenden und endenden Mantra-Silben,

Wort für Wort
devatā dakṣiṇāmūrtiḥ
die Gottheit ist Dakṣiṇāmūrti
nāmnā śaṃbhurudīritaḥ
mit Namen Śambhu wird er genannt
tāraśaktiyuktaiḥ pūrvaṃ
mit Tāra und Śakti verbunden, zuvor
hrīmādyantaiśca mantrajaiḥ
mit 'Hrīm' beginnenden und endenden Mantra-Silben

ṣaṭṣaṣṭhāṣṭeṣu vahnyarṇairhṛdayādyaṅgakalpanam / mūrdhni bhāle dṛśoḥ śrotre gaṇḍayugme sanāsike

an der sechsten, sechsten und achten [Silbe], mit den Feuer-Silben, bilde man die Herz- usw. Glied-Mantras; am Scheitel, an der Stirn, an beiden Augen, am Ohr, an beiden Wangen, an der Nase,

Wort für Wort
ṣaṭṣaṣṭhāṣṭeṣu vahnyarṇaiḥ
an der sechsten, sechsten, achten [Silbe], mit den Feuer-Silben
hṛdayādyaṅgakalpanam
bilde man die Herz- usw. Glied-Mantras
mūrdhni bhāle dṛśoḥ śrotre
am Scheitel, an der Stirn, an beiden Augen, am Ohr
gaṇḍayugme sanāsike
an beiden Wangen, an der Nase

āsyadoḥsaṃdhiṣu gale stanahṛnnābhimaṇḍale / kaṭyāṃ guhye punaḥ pādasaṃdhiṣvarṇānnyasenmanoḥ

an Mund, Armgelenken, am Hals, an Brust, Herz, im Nabelbereich, an der Hüfte, am Geheimteil, wiederum an den Fußgelenken lege man die Silben des Mantra an,

Wort für Wort
āsyadoḥsaṃdhiṣu gale
an Mund, Armgelenken, am Hals
stanahṛnnābhimaṇḍale
an Brust, Herz, im Nabelbereich
kaṭyāṃ guhye punaḥ
an der Hüfte, am Geheimteil, wiederum
pādasaṃdhiṣvarṇānnyaset
an den Fußgelenken lege man die Silben an

vyāpakaṃ tāraśaktibhyāṃ kuryāddehe tataḥ param / himācalataṭe ramye siddhikinnarasevite

die Durchdringung [des ganzen Körpers] vollziehe man danach mit Tāra und Śakti. [Man meditiere:] Am lieblichen Abhang des Himālaya, von Siddhas und Kinnaras aufgesucht,

Wort für Wort
vyāpakaṃ tāraśaktibhyāṃ
die Durchdringung mit Tāra und Śakti
kuryāddehe tataḥ param
vollziehe man danach im Körper
himācalataṭe ramye
am lieblichen Abhang des Himālaya
siddhikinnarasevite
von Siddhas und Kinnaras aufgesucht

vividhadrumaśākhābhiḥ sarvato vāritātape / supuṣpitairlatājālairāśliṣṭakusumadrume

wo mancherlei Baumzweige überall die Hitze abhalten, wo ein Netz reichblühender Ranken die blühenden Bäume umschlingt,

Wort für Wort
vividhadrumaśākhābhiḥ
durch mancherlei Baumzweige
sarvato vāritātape
überall die Hitze abhaltend
supuṣpitairlatājālaiḥ
durch ein Netz reichblühender Ranken
āśliṣṭakusumadrume
die blühenden Bäume umschlingend

śilāvivaranirgacchannirjharānilaśītale / gāyaddevāṅganāsaṃghe nṛtyadbarhi kadambake

kühl durch den aus Felsspalten hervorbrechenden Wasserfallwind, mit Scharen singender Götterfrauen, mit einer Menge tanzender Pfauen,

Wort für Wort
śilāvivaranirgacchan-
aus Felsspalten hervorbrechenden
nirjharānilaśītale
Wasserfallwind kühl
gāyaddevāṅganāsaṃghe
mit Scharen singender Götterfrauen
nṛtyadbarhi kadambake
mit einer Menge tanzender Pfauen

kūjatkokilasaṃghena mukharīkṛtadiṅmukhe / parasparavinirmuktamātsaryamṛgasevite

wo durch Scharen singender Kuckucke die Himmelsrichtungen widerhallen, ein Ort, den von gegenseitigem Neid befreite Wildtiere aufsuchen,

Wort für Wort
kūjatkokilasaṃghena
durch Scharen singender Kuckucke
mukharīkṛtadiṅmukhe
die Himmelsrichtungen widerhallend gemacht
parasparavinirmukta-
von gegenseitigem
mātsaryamṛgasevite
Neid befreite Wildtiere aufsuchend

jalajaiḥ sthalajaiḥ puṣpairāmodibhiralaṅkṛte / ādyaiḥ śukādyairmunibhirajasrasukhasevite

geschmückt mit duftenden, im Wasser und auf dem Land wachsenden Blüten, von den ersten Weisen wie Śuka u.a. beständig glückvoll besucht,

Wort für Wort
jalajaiḥ sthalajaiḥ puṣpaiḥ
mit im Wasser und auf dem Land wachsenden Blüten
āmodibhiralaṅkṛte
duftenden, geschmückt
ādyaiḥ śukādyairmunibhiḥ
von den ersten Weisen wie Śuka u.a.
ajasrasukhasevite
beständig glückvoll besucht

purandaramukhairdevaiḥ sāṃganādyairvilokite / vaṭavṛkṣaṃ mahocchrāyaṃ padmarāgaphalojjlam

von den mit Indra an der Spitze stehenden Göttern samt ihrem Gefolge betrachtet – [dort steht] ein Banyanbaum von großer Höhe, leuchtend mit Früchten wie Rubinen,

Wort für Wort
purandaramukhairdevaiḥ
von den mit Indra an der Spitze stehenden Göttern
sāṃganādyairvilokite
samt ihrem Gefolge betrachtet
vaṭavṛkṣaṃ mahocchrāyaṃ
ein Banyanbaum von großer Höhe
padmarāgaphalojjlam
leuchtend mit Früchten wie Rubinen

gārutmatamayaiḥ patrairnibiḍairupaśobhitam / navaratnamayākalpairlaṃbamānairalaṅkṛtam

geschmückt mit dichten, aus Smaragd bestehenden Blättern, geschmückt mit herabhängenden Ornamenten aus neun Juwelen,

Wort für Wort
gārutmatamayaiḥ patraiḥ
mit aus Smaragd bestehenden Blättern
nibiḍairupaśobhitam
dicht, geschmückt
navaratnamayākalpaiḥ
mit Ornamenten aus neun Juwelen
laṃbamānairalaṅkṛtam
herabhängend, geschmückt

saṃsāratāpavicchedakuśalacchāyamadbhutam / tasya mūle susaṃkḷptaratnasiṃhāsane śubhe

wunderbar, dessen Schatten geeignet ist, die Glut des Saṃsāra zu unterbrechen. An dessen Fuß, auf einem gut gestalteten Juwelen-Löwenthron, glückverheißend,

Wort für Wort
saṃsāratāpaviccheda-
die Glut des Saṃsāra zu unterbrechen
kuśalacchāyamadbhutam
geeignet, wunderbarer Schatten
tasya mūle susaṃkḷpta-
an dessen Fuß, auf einem gut gestalteten
ratnasiṃhāsane śubhe
Juwelen-Löwenthron, glückverheißend

āsīnamasitākalpaṃ śaraccandranibhānanam / kailāsādrinibhaṃ tryakṣaṃ candrāṅkitakapardakam

sitzend, in dunklem Gewand, mit einem Antlitz gleich dem Herbstmond, dem Kailāsa-Berg gleichend, dreiäugig, mit einer vom Mond gezeichneten Haarlocke,

Wort für Wort
āsīnamasitākalpaṃ
sitzend, in dunklem Gewand
śaraccandranibhānanam
mit einem Antlitz gleich dem Herbstmond
kailāsādrinibhaṃ tryakṣaṃ
dem Kailāsa-Berg gleichend, dreiäugig
candrāṅkitakapardakam
mit einer vom Mond gezeichneten Haarlocke

nāsāgrālokanaparaṃ vīrāsanasamāsthitam / bhadrāṭake kuraṅgāḍhyajānusthakarapallavam

auf die Nasenspitze blickend, in der Heldenhaltung (Vīrāsana) sitzend, auf glückverheißendem Sitz, mit auf dem Knie ruhender, antilopenversehener, knospenzarter Hand,

Wort für Wort
nāsāgrālokanaparaṃ
auf die Nasenspitze blickend
vīrāsanasamāsthitam
in der Heldenhaltung sitzend
bhadrāṭake [?]
auf glückverheißendem Sitz [?]
kuraṅgāḍhyajānusthakarapallavam
mit auf dem Knie ruhender, antilopenversehener, knospenzarter Hand

Anm.: 'bhadrāṭake' unsicher, evtl. Verschreibung für 'bhadrāsane' [?].

kakṣābaddhabhujaṅgaṃ ca suprasannaṃ haraṃ smaret / ayutadvayasaṃyuktaguṇalakṣaṃ japenmanum

und mit einer um die Hüfte gebundenen Schlange, hocherfreut – an Hara denke man. Man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal, verbunden mit zwanzigtausend,

Wort für Wort
kakṣābaddhabhujaṅgaṃ ca
und mit einer um die Hüfte gebundenen Schlange
suprasannaṃ haraṃ smaret
hocherfreut, an Hara denke man
ayutadvayasaṃyukta-
verbunden mit zwanzigtausend
guṇalakṣaṃ japenmanum
rezitiere man den Mantra dreihunderttausendmal

taddaśāṃśaṃ tilaiḥ śuddhairjuhuyātkṣīrasaṃyutaiḥ / pañcākṣarodite pīṭhe tadvidhānena pūjayet

davon ein Zehntel opfere man mit reinen, mit Milch vermengten Sesamkörnern; auf dem beim fünfsilbigen Mantra genannten Sitz verehre man nach jenem Verfahren,

Wort für Wort
taddaśāṃśaṃ tilaiḥ śuddhaiḥ
davon ein Zehntel, mit reinen Sesamkörnern
juhuyātkṣīrasaṃyutaiḥ
opfere man, mit Milch vermengt
pañcākṣarodite pīṭhe
auf dem beim fünfsilbigen Mantra genannten Sitz
tadvidhānena pūjayet
verehre man nach jenem Verfahren

bhikṣāhāro japenmāsaṃ manumenaṃ jitendriyaḥ / nityaṃ sahasramaṣṭārddhaṃ parāṃ vindati vākchriyam

von Bettelspeise lebend, mit gezügelten Sinnen, rezitiere man diesen Mantra einen Monat lang, täglich [in entsprechender Zahl] – man erlangt höchste Redegewalt.

Wort für Wort
bhikṣāhāro japenmāsaṃ
von Bettelspeise lebend, rezitiere man einen Monat
manumenaṃ jitendriyaḥ
diesen Mantra, mit gezügelten Sinnen
nityaṃ sahasramaṣṭārddhaṃ [?]
täglich in entsprechender Zahl [unsicher]
parāṃ vindati vākchriyam
man erlangt höchste Redegewalt

Anm.: 'sahasramaṣṭārddhaṃ' – Zahlangabe unsicher [?].

trivāraṃ japtametena payastu manunā pibet / dakṣiṇāmūrtiṃsaṃdhyānācchāstravyākhyānakṛdbhavet

mit diesem Mantra dreimal rezitiert geweihte Milch trinke man; durch die Meditation über Dakṣiṇāmūrti wird man zum Erklärer der Lehrwerke.

Wort für Wort
trivāraṃ japtametena
mit diesem dreimal rezitierten [Mantra]
payastu manunā pibet
trinke man mit dem Mantra [geweihte] Milch
dakṣiṇāmūrtiṃsaṃdhyānāt
durch die Meditation über Dakṣiṇāmūrti
chāstravyākhyānakṛdbhavet
wird man zum Erklärer der Lehrwerke

praṇavo hṛdayaṃ paścādvadedbhagavatepadam / ṅeyutaṃ dakṣiṇāmūrtiṃ mahyaṃmedhāmudīrayet

Praṇava ist das Herz-Mantra; danach spreche man das Wort 'bhagavate'; mit dem 'ṅe' verbunden 'dakṣiṇāmūrtim', [und] 'mahyaṃ medhām' verkünde man,

Wort für Wort
praṇavo hṛdayaṃ paścāt
Praṇava ist das Herz-Mantra, danach
vadedbhagavatepadam
spreche man das Wort 'bhagavate'
ṅeyutaṃ dakṣiṇāmūrtiṃ
mit 'ṅe' verbunden 'dakṣiṇāmūrtim'
mahyaṃmedhāmudīrayet
'mahyaṃ medhām' verkünde man

prayaccha ṭhadvayānto 'yaṃ dvāviṃśatyakṣaro manuḥ / muniścaturmukhaśchando gāyatrī devatoditā

'prayaccha', am Ende mit dem doppelten 'ṭha' – dies ist der zweiundzwanzigsilbige Mantra; der Seher ist Caturmukha (Brahmā), Gāyatrī wird als Versmaß, [Dakṣiṇāmūrti] als Gottheit genannt,

Wort für Wort
prayaccha ṭhadvayānto 'yaṃ
'prayaccha', am Ende mit doppeltem 'ṭha' – dies
dvāviṃśatyakṣaro manuḥ
ist der zweiundzwanzigsilbige Mantra
muniścaturmukhaśchando
der Seher ist Caturmukha, [Gāyatrī] das Versmaß
gāyatrī devatoditā
Gāyatrī, als Gottheit genannt

tāraruddhaiḥ svarairdīrghaiḥ ṣaḍbhiraṅgāni kalpayet / padairmantrabhavairvāpidhyānādyaṃ pūrvavanmatam

mit den vom Tāra umschlossenen sechs langen Vokalen bilde man die Glied-Mantras; oder auch mit den aus dem Mantra entstehenden Wörtern; die Meditation usw. gilt wie zuvor beschrieben.

Wort für Wort
tāraruddhaiḥ svarairdīrghaiḥ
mit den vom Tāra umschlossenen langen Vokalen
ṣaḍbhiraṅgāni kalpayet
mit den sechs bilde man die Glied-Mantras
padairmantrabhavairvāpi
oder auch mit den aus dem Mantra entstehenden Wörtern
dhyānādyaṃ pūrvavanmatam
die Meditation usw. gilt wie zuvor

lohitogryāsanaḥ sadyo bindumānprathamaṃ tataḥ / dvitīyaṃ vahnibījasthā dīrghā śāntīndubhūṣitā

'Lohita', der höchste Sitz, sogleich mit einem Bindu versehen – dies zuerst; das zweite besteht im Feuer-Bīja stehend, lang, mit Śānti und Mond geschmückt,

Wort für Wort
lohitogryāsanaḥ sadyo [?]
'Lohita', der höchste Sitz, sogleich
bindumānprathamaṃ tataḥ
mit einem Bindu versehen, dies zuerst
dvitīyaṃ vahnibījasthā
das zweite, im Feuer-Bīja stehend
dīrghā śāntīndubhūṣitā
lang, mit Śānti und Mond geschmückt

Anm.: Kryptische Konstruktion des folgenden Nīlakaṇṭha-Mantra-Bīja; Einzelheiten unsicher [?].

tṛtīyā lāṅgalīśārṇamantro bījatrayānvitaḥ / nīlakaṇṭhātmakaḥ prokto viṣadvayaharaḥ paraḥ

die dritte Silbe ist 'lāṅgalīśa'; der Mantra, versehen mit den drei Samenlauten, wird als von Nīlakaṇṭhas Wesen genannt, der höchste, der die zweifache Gift-Wirkung hinwegnimmt,

Wort für Wort
tṛtīyā lāṅgalīśārṇa-
die dritte Silbe ist 'lāṅgalīśa'
mantro bījatrayānvitaḥ
der Mantra, versehen mit den drei Samenlauten
nīlakaṇṭhātmakaḥ prokto
wird als von Nīlakaṇṭhas Wesen genannt
viṣadvayaharaḥ paraḥ
der höchste, der die zweifache Gift-Wirkung hinwegnimmt

haradvayaṃ vahnijāyā hṛdayaṃ parikīrtitam / kaparddine padayugaṃ śiromantra udāhṛtaḥ

'Hara' zweimal, [dann] 'vahnijāyā' – dies wird als Herz-Mantra genannt; 'kaparddine', ein Wortpaar – dies wird als Kopf-Mantra bezeichnet,

Wort für Wort
haradvayaṃ vahnijāyā
'Hara' zweimal, [dann] 'vahnijāyā'
hṛdayaṃ parikīrtitam
wird als Herz-Mantra genannt
kaparddine padayugaṃ
'kaparddine', ein Wortpaar
śiromantra udāhṛtaḥ
wird als Kopf-Mantra bezeichnet

nīlakaṇṭhāya ṭhadvandvaṃ śikhāmantro 'yamīritaḥ / kālakūṭapadasyānte viṣabhakṣaṇaṅeyutam

'nīlakaṇṭhāya', ein Paar von 'ṭha' – dies wird als Schopf-Mantra genannt; am Ende des Wortes 'kālakūṭa' steht 'viṣabhakṣaṇa', verbunden mit 'ṅe',

Wort für Wort
nīlakaṇṭhāya ṭhadvandvaṃ
'nīlakaṇṭhāya', ein Paar von 'ṭha'
śikhāmantro 'yamīritaḥ
dies wird als Schopf-Mantra genannt
kālakūṭapadasyānte
am Ende des Wortes 'kālakūṭa'
viṣabhakṣaṇaṅeyutam
'viṣabhakṣaṇa', verbunden mit 'ṅe'

huṃ phaṭ kavacamuddiṣṭaṃ nīlakaṇṭhina ityataḥ / svāhāntamastrametāni pañcāgāni manorviduḥ

'huṃ phaṭ' wird als Panzer-Mantra bezeichnet; 'nīlakaṇṭhine' – danach, endend auf 'svāhā', ist das Waffen-Mantra; diese kennt man als die fünf Glieder des Mantra.

Wort für Wort
huṃ phaṭ kavacamuddiṣṭaṃ
'huṃ phaṭ' wird als Panzer-Mantra bezeichnet
nīlakaṇṭhina ityataḥ
'nīlakaṇṭhine' – danach
svāhāntamastrametāni
endend auf 'svāhā', das Waffen-Mantra; diese
pañcāgāni manorviduḥ
kennt man als die fünf Glieder des Mantra

mūrdhni kaṇṭhe hṛdaṃbhoje kramādvījatrayaṃ nyaset / bālārkāyutavarcaskaṃ jaṭājūṭenduśobhitam

am Scheitel, am Hals, am Herz-Lotus lege man der Reihe nach die drei Samenlaute an. [Man meditiere über einen Gott] von der Leuchtkraft zehntausend junger Sonnen, geschmückt mit Haarschopf und Mond,

Wort für Wort
mūrdhni kaṇṭhe hṛdaṃbhoje
am Scheitel, am Hals, am Herz-Lotus
kramādvījatrayaṃ nyaset
lege man der Reihe nach die drei Samenlaute an
bālārkāyutavarcaskaṃ
von der Leuchtkraft zehntausend junger Sonnen
jaṭājūṭenduśobhitam
geschmückt mit Haarschopf und Mond

nāgābhūṣaṃ japavaṭīṃ śūlaṃ brahmakapālakam / khaṭvāṅgaṃ dadhataṃ dorbhistrinetraṃ cintayeddharam

mit einer Schlange als Schmuck, Japa-Rosenkranz, Dreizack, Brahma-Schädel und Totenkeule in den Armen haltend, dreiäugig – man denke an Hara,

Wort für Wort
nāgābhūṣaṃ japavaṭīṃ
mit einer Schlange als Schmuck, Japa-Rosenkranz
śūlaṃ brahmakapālakam
Dreizack, Brahma-Schädel
khaṭvāṅgaṃ dadhataṃ dorbhiḥ
und Totenkeule in den Armen haltend
trinetraṃ cintayeddharam
dreiäugig, man denke an Hara

lakṣatrayaṃ japenmantraṃ taddaśāṃśaṃ sasarpiṣā / haviṣā juhuyātsamyaksaṃskṛte havyavāhane

Man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal; davon ein Zehntel opfere man recht mit Ghee als Opfergabe im ordnungsgemäß geweihten Feuer,

Wort für Wort
lakṣatrayaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal
taddaśāṃśaṃ sasarpiṣā
davon ein Zehntel, mit Ghee
haviṣā juhuyātsamyak
als Opfergabe opfere man recht
saṃskṛte havyavāhane
im ordnungsgemäß geweihten Feuer

śaivaṃ pīṭhe yajeddevaṃ nīlakaṇṭhaṃ samāhitaḥ / mṛtyuṃ jayavidhānena viṣadvayavināśanam

auf dem Śiva-Sitz verehre man, gesammelt, den Gott Nīlakaṇṭha, nach dem Verfahren zur Überwindung des Todes, der die zweifache Gift-Wirkung vernichtet.

Wort für Wort
śaivaṃ pīṭhe yajeddevaṃ
auf dem Śiva-Sitz verehre man den Gott
nīlakaṇṭhaṃ samāhitaḥ
Nīlakaṇṭha, gesammelt
mṛtyuṃ jayavidhānena
nach dem Verfahren zur Überwindung des Todes
viṣadvayavināśanam
der die zweifache Gift-Wirkung vernichtet

agniḥ saṃvartakādityarānilau ṣaṣṭibindumān / cintāmaṇiriti khyātaṃ bījaṃ sarvasamṛddhidam

Agni, Saṃvartaka, Āditya und Anila, mit sechzig Bindus versehen – dies wird als das 'Cintāmaṇi' genannte Samenwort bekannt, das jeden Wohlstand gewährt.

Wort für Wort
agniḥ saṃvartakādityarānilau
Agni, Saṃvartaka, Āditya und Anila
ṣaṣṭibindumān
mit sechzig Bindus versehen
cintāmaṇiriti khyātaṃ bījaṃ
wird als das 'Cintāmaṇi' genannte Samenwort bekannt
sarvasamṛddhidam
das jeden Wohlstand gewährt

kaśyapo munirākhyātaśchando 'nuṣṭubudāhṛtam / arddhanārīśvaraḥ prokto devatā jagatāṃ patiḥ

Kaśyapa wird als Seher genannt, Anuṣṭubh wird als Versmaß bezeichnet; Ardhanārīśvara wird als Gottheit genannt, der Herr der Welten.

Wort für Wort
kaśyapo munirākhyātaḥ
Kaśyapa wird als Seher genannt
chando 'nuṣṭubudāhṛtam
Anuṣṭubh wird als Versmaß bezeichnet
arddhanārīśvaraḥ prokto
Ardhanārīśvara wird genannt
devatā jagatāṃ patiḥ
als Gottheit, der Herr der Welten

rephaādivyañjanaiḥ ṣaḍbhiḥ kuryādaṅgāni ṣaṭ kramāt / trinetraṃ nīlamaṇibhaṃ śūlapāśaṃ kapālakam

mit den sechs, mit 'r' beginnenden Konsonanten bilde man der Reihe nach die sechs Glied-Mantras. [Man meditiere:] dreiäugig, von der Farbe des Saphirs, mit Dreizack, Schlinge, Schädelschale,

Wort für Wort
rephaādivyañjanaiḥ ṣaḍbhiḥ
mit den sechs, mit 'r' beginnenden Konsonanten
kuryādaṅgāni ṣaṭ kramāt
bilde man die sechs Glied-Mantras der Reihe nach
trinetraṃ nīlamaṇibhaṃ
dreiäugig, von der Farbe des Saphirs
śūlapāśaṃ kapālakam
mit Dreizack, Schlinge, Schädelschale

raktotpalaṃ ca hastābjairdadhataṃ cārubhūṣaṇam / bālendubaddhamukuṭamarddhanārīśvaraṃ smaret

und roter Lotusblüte in den lotusgleichen Händen haltend, mit schönem Schmuck, mit einer jungen Mondsichel an der Krone befestigt – an Ardhanārīśvara denke man.

Wort für Wort
raktotpalaṃ ca hastābjaiḥ
und rote Lotusblüte in den lotusgleichen Händen
dadhataṃ cārubhūṣaṇam
haltend, mit schönem Schmuck
bālendubaddhamukuṭam
mit einer jungen Mondsichel an der Krone befestigt
arddhanārīśvaraṃ smaret
an Ardhanārīśvara denke man

ekalakṣaṃ japenmantraṃ triśataṃ madhurāplutaiḥ / tilairhunedyajetpīṭhe śaiveṅgāvaraṇaiḥ saha

Man rezitiere den Mantra hunderttausendmal; dreihundertmal opfere man mit in Süßem getränkten Sesamkörnern; man verehre auf dem Śiva-Sitz zusammen mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten,

Wort für Wort
ekalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra hunderttausendmal
triśataṃ madhurāplutaiḥ
dreihundertmal, mit in Süßem getränkten
tilairhunedyajetpīṭhe
Sesamkörnern opfere man, verehre auf dem Sitz
śaiveṅgāvaraṇaiḥ saha
zusammen mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten

vṛṣādyairmātṛbhiḥ paścāllokapālaistadāyudhaiḥ / prāsādādyaṃ japenmantramayutaṃ rogaśāntaye

danach mit den mit dem Stier beginnenden [Gaṇas], den Müttern, den Weltenhütern und deren Waffen; man rezitiere den mit 'Prāsāda' beginnenden Mantra zehntausendmal zur Beruhigung von Krankheit.

Wort für Wort
vṛṣādyairmātṛbhiḥ paścāt
danach mit den mit dem Stier beginnenden [Gaṇas], den Müttern
lokapālaistadāyudhaiḥ
den Weltenhütern und deren Waffen
prāsādādyaṃ japenmantram
man rezitiere den mit 'Prāsāda' beginnenden Mantra
ayutaṃ rogaśāntaye
zehntausendmal zur Beruhigung von Krankheit

svāhāvṛttamidaṃ bījaṃ vigalatparamāmṛtam / candrabiṃbasthitaṃ mūrdhni dhyātaṃ kṣveḍagadāpaham

Dieses, endend auf 'svāhā', ist wie herabtropfender höchster Nektar; am Scheitel im Mondkreis befindlich gedacht, nimmt es Gift-Krankheit hinweg,

Wort für Wort
svāhāvṛttamidaṃ bījaṃ
dieses, endend auf 'svāhā', Samenwort
vigalatparamāmṛtam
wie herabtropfender höchster Nektar
candrabiṃbasthitaṃ mūrdhni
am Scheitel im Mondkreis befindlich
dhyātaṃ kṣveḍagadāpaham
gedacht, nimmt es Gift-Krankheit hinweg

pratilomasvarāḍhyā ca bījaṃ vahnigṛhe sthitam / rephaādivyañjanollāsiṣaṭkoṇābhivṛtaṃ bahiḥ

und reich an rückläufigen Vokalen, das Samenwort im Feuer-Haus befindlich, außen umgeben von einem aus den mit 'r' beginnenden Konsonanten erstrahlenden Sechseck,

Wort für Wort
pratilomasvarāḍhyā ca
und reich an rückläufigen Vokalen
bījaṃ vahnigṛhe sthitam
das Samenwort im Feuer-Haus befindlich
rephaādivyañjanollāsi-
aus den mit 'r' beginnenden Konsonanten erstrahlend
ṣaṭkoṇābhivṛtaṃ bahiḥ
von einem Sechseck außen umgeben

bhūtārtasya smṛtaṃ mūrdhni bhūtamāśu vināśayet / pīḍitāṅge smṛtaṃ tattatpīḍāṃ śamayati dhruvam

am Scheitel eines von einem Geisterwesen Geplagten gedacht, vernichtet es rasch das Geisterwesen; am gepeinigten Körperglied gedacht, beruhigt es fürwahr die jeweilige Pein.

Wort für Wort
bhūtārtasya smṛtaṃ mūrdhni
am Scheitel eines von einem Geisterwesen Geplagten gedacht
bhūtamāśu vināśayet
vernichtet es rasch das Geisterwesen
pīḍitāṅge smṛtaṃ
am gepeinigten Körperglied gedacht
tattatpīḍāṃ śamayati dhruvam
beruhigt es fürwahr die jeweilige Pein

praṇavo hṛdayaṃ paścān ṅeṃtaḥ paśupatiḥ punaḥ / tāro namo bhūtapadaṃ tato 'dhipataye dhruvam

Praṇava ist das Herz-Mantra; danach, endend auf 'ṅe', 'paśupatiḥ' wiederum; Tāra, 'namaḥ', das Wort 'bhūta', danach fürwahr 'adhipataye',

Wort für Wort
praṇavo hṛdayaṃ paścāt
Praṇava ist das Herz-Mantra, danach
ṅeṃtaḥ paśupatiḥ punaḥ
endend auf 'ṅe', 'paśupatiḥ' wiederum
tāro namo bhūtapadaṃ
Tāra, 'namaḥ', das Wort 'bhūta'
tato 'dhipataye dhruvam
danach fürwahr 'adhipataye'

Anm.: Beginn der Konstruktion des folgenden Khaḍgarāvaṇa-Mantra aus aneinandergereihten Wortgliedern.

namorudrāya yugalaṃ khaḍgarāvaṇa śabdataḥ / viharadvitayaṃ paścānnarīnṛtyayugaṃ pṛthak

'namo rudrāya', ein Paar; von dem Wort 'khaḍgarāvaṇa'; 'vihara' zweimal danach; 'narī-nṛtya', ein Paar, je einzeln,

Wort für Wort
namorudrāya yugalaṃ
'namo rudrāya', ein Paar
khaḍgarāvaṇa śabdataḥ
von dem Wort 'khaḍgarāvaṇa'
viharadvitayaṃ paścāt
'vihara' zweimal danach
narīnṛtyayugaṃ pṛthak
'narī-nṛtya', ein Paar, je einzeln

śmaśānabhasmācitānte śaraṇyāya tataḥ param / ghaṇṭākapālamālādidharāyeti padaṃ punaḥ

am Ende von 'śmaśānabhasmācita' danach 'śaraṇyāya'; 'ghaṇṭākapālamālādidharāya' – so wiederum das Wort,

Wort für Wort
śmaśānabhasmācitānte
am Ende von 'śmaśānabhasmācita'
śaraṇyāya tataḥ param
danach 'śaraṇyāya'
ghaṇṭākapālamālādi-
'ghaṇṭākapālamālā' u.a.
dharāyeti padaṃ punaḥ
'dharāya' – so wiederum das Wort

vyāghracarmapadasyānte paridhānāya tatparam / śaśāṅkakṛtaśabdānte śekharāya tataḥ param

am Ende des Wortes 'vyāghracarma' danach 'paridhānāya'; am Ende des Wortes 'śaśāṅkakṛta' danach 'śekharāya',

Wort für Wort
vyāghracarmapadasyānte
am Ende des Wortes 'vyāghracarma'
paridhānāya tatparam
danach 'paridhānāya'
śaśāṅkakṛtaśabdānte
am Ende des Wortes 'śaśāṅkakṛta'
śekharāya tataḥ param
danach 'śekharāya'

kṛṣṇasarpapadātpaścādvadedyajñopavītine / balayugmaṃ calāyugmamanivartakapāline

nach dem Wort 'kṛṣṇasarpa' spreche man danach 'yajñopavītine'; 'bala' zweimal, 'calā' zweimal, 'anivartakapāline',

Wort für Wort
kṛṣṇasarpapadātpaścāt
nach dem Wort 'kṛṣṇasarpa' danach
vadedyajñopavītine
spreche man 'yajñopavītine'
balayugmaṃ calāyugmam
'bala' zweimal, 'calā' zweimal
anivartakapāline
'anivartakapāline'

hanuyugmaṃ tato bhūtāṃstrāsayadvitayaṃ punaḥ / bhūyo maṇḍalamadhye syātkaṭayugmaṃ tataḥ param

'hanu' zweimal, danach 'bhūtān', 'trāsaya' zweimal wiederum; wiederum 'maṇḍalamadhye' sei, 'kaṭa' zweimal danach,

Wort für Wort
hanuyugmaṃ tato bhūtān
'hanu' zweimal, danach 'bhūtān'
trāsayadvitayaṃ punaḥ
'trāsaya' zweimal wiederum
bhūyo maṇḍalamadhye syāt
wiederum sei 'maṇḍalamadhye'
kaṭayugmaṃ tataḥ param
'kaṭa' zweimal danach

rudrāṅkuśena śamaya praveśayayugaṃ tataḥ / āveśayayugaṃ paścāñcaṇḍāsipadamīrayet

'rudrāṅkuśena śamaya', 'praveśaya' zweimal danach; 'āveśaya' zweimal danach; man spreche das Wort 'caṇḍāsi',

Wort für Wort
rudrāṅkuśena śamaya
'rudrāṅkuśena śamaya'
praveśayayugaṃ tataḥ
'praveśaya' zweimal danach
āveśayayugaṃ paścāt
'āveśaya' zweimal danach
caṇḍāsipadamīrayet
man spreche das Wort 'caṇḍāsi'

dhārādhipatirudro 'yaṃ jñāpayatyagnisuṃdarī / khaḍgarāvaṇamantro 'yaṃ saptatyūrddhaśatākṣaraḥ

'dhārādhipati', 'rudra' – dies verkündet Agnisundarī; dieser Khaḍgarāvaṇa-Mantra hat hundertsiebzig Silben,

Wort für Wort
dhārādhipatirudro 'yaṃ
'dhārādhipati', 'rudra' – dies
jñāpayatyagnisuṃdarī
verkündet Agnisundarī
khaḍgarāvaṇamantro 'yaṃ
dieser Khaḍgarāvaṇa-Mantra
saptatyūrddhaśatākṣaraḥ
hat hundertsiebzig Silben

bhūtādhipataye svāhā pūjāmantro 'yamīritaḥ / siddhamantro 'yamudito japādeva prasiddhyati

'bhūtādhipataye svāhā' – dieser wird als Verehrungs-Mantra genannt; dieser als vollkommen erklärte Mantra wird allein schon durch Rezitation wirksam.

Wort für Wort
bhūtādhipataye svāhā
'bhūtādhipataye svāhā'
pūjāmantro 'yamīritaḥ
dieser wird als Verehrungs-Mantra genannt
siddhamantro 'yamudito
dieser als vollkommen erklärte Mantra
japādeva prasiddhyati
wird allein durch Rezitation wirksam

ayutadvitayātpaścādbhūtādigrahaṇe kṣamaḥ / māyā sphuradvayaṃ bhūyaḥ prasphuradvitayaṃ punaḥ

nach zwanzigtausendmaliger [Rezitation] ist er fähig, Bhūtas u.a. zu bannen. [Es folgt ein weiterer Mantra:] Māyā-Bīja, 'sphura' zweimal, wiederum 'prasphura' zweimal,

Wort für Wort
ayutadvitayātpaścāt
nach zwanzigtausendmaliger [Rezitation] danach
bhūtādigrahaṇe kṣamaḥ
ist er fähig, Bhūtas u.a. zu bannen
māyā sphuradvayaṃ bhūyaḥ
Māyā-Bīja, 'sphura' zweimal, wiederum
prasphuradvitayaṃ punaḥ
'prasphura' zweimal wiederum

ghātayadvitayaṃ varmaphaḍantaḥ samudīritaḥ / ekapañcāśadarṇo 'yamaghorāstraṃ mahāmanuḥ

'ghātaya' zweimal, das Panzer-Mantra, endend auf 'phaṭ', wird so verkündet; dieser einundfünfzigsilbige [Mantra ist] das große Aghorāstra-Mantra.

Wort für Wort
ghātayadvitayaṃ varma-
'ghātaya' zweimal, das Panzer-
phaḍantaḥ samudīritaḥ
Mantra, endend auf 'phaṭ', wird verkündet
ekapañcāśadarṇo 'yam
dieser einundfünfzigsilbige [Mantra]
aghorāstraṃ mahāmanuḥ
das große Aghorāstra-Mantra

aghoro 'sya nuniḥ proktastrivṛcchandaṃ udāhṛtam / aghorarudraḥ saṃdiṣṭo devatā mantranāyakaḥ

Aghora wird als dessen Seher genannt, Trivṛt als Versmaß bezeichnet; Aghorarudra wird als Gottheit angegeben, der Herr des Mantra.

Wort für Wort
aghoro 'sya muniḥ proktaḥ [?]
Aghora wird als dessen Seher genannt
trivṛcchandaṃ udāhṛtam
Trivṛt wird als Versmaß bezeichnet
aghorarudraḥ saṃdiṣṭo
Aghorarudra wird angegeben
devatā mantranāyakaḥ
als Gottheit, der Herr des Mantra

Anm.: Quelltext 'nuniḥ' – vermutlich Verschreibung für 'muniḥ'.

hṛdayaṃ pañcabhiḥ proktaṃ śiraḥ ṣaḍbhirudāhṛtam / śikhā daśabhirākhyātā navabhiḥ kavacaṃ matam

das Herz-Mantra wird mit fünf Silben genannt, das Kopf-Mantra mit sechs bezeichnet; der Schopf mit zehn benannt, das Panzer-Mantra mit neun [Silben] gemeint,

Wort für Wort
hṛdayaṃ pañcabhiḥ proktaṃ
das Herz-Mantra wird mit fünf Silben genannt
śiraḥ ṣaḍbhirudāhṛtam
das Kopf-Mantra mit sechs bezeichnet
śikhā daśabhirākhyātā
der Schopf mit zehn benannt
navabhiḥ kavacaṃ matam
mit neun das Panzer-Mantra gemeint

vasuvarṇaiḥ smṛtaṃ netraṃ daśārṇairastramīritam / mūrdhni netrāsyakaṇṭheṣu hṛnnābhyāmūruṣu kramāt

das Augen-Mantra wird mit acht Silben überliefert, das Waffen-Mantra mit zehn Silben genannt; am Scheitel, an Augen, Mund, Hals, Herz, Nabel und Schenkeln der Reihe nach,

Wort für Wort
vasuvarṇaiḥ smṛtaṃ netraṃ
das Augen-Mantra wird mit acht Silben überliefert
daśārṇairastramīritam
das Waffen-Mantra mit zehn Silben genannt
mūrdhni netrāsyakaṇṭheṣu
am Scheitel, an Augen, Mund, Hals
hṛnnābhyāmūruṣu kramāt
Herz, Nabel und Schenkeln der Reihe nach

jānujaṅghāpadadvandve rudrabhinnākṣarairnyaset / pañcaṣaṭkāṣṭavedāṅgadvivdyabdhirasalocanaiḥ

an Knien, Waden und beiden Füßen lege man mit den je nach Rudra-Aspekt unterschiedlichen Silben an, gemäß den Zahlen fünf, sechs, acht, vier, zwei, vier, sechs, zwei [Silben je Glied],

Wort für Wort
jānujaṅghāpadadvandve
an Knien, Waden und beiden Füßen
rudrabhinnākṣarairnyaset
lege man mit den je nach Rudra-Aspekt unterschiedlichen Silben an
pañcaṣaṭkāṣṭa- [?]
fünf, sechs, acht
vedāṅgadvivdyabdhirasalocanaiḥ [?]
vier, zwei, vier, sechs, zwei [Silben, unsicher]

Anm.: Zweite Vershälfte zählt vermutlich die Silbenzahlen der einzelnen Glied-Mantras auf; Lesung teils unsicher [?].

śyāmaṃ trinetraṃ sapārḍhyaṃ raktavastrāṅgarāṅgakam / nānāśastradharaṃ dhyāyenadaghorākhyaṃ sadāśivam

den Dunklen, dreiäugig, mit seiner Gefährtin, mit rotem Gewand und rot gefärbten Gliedern, mancherlei Waffen tragend – man meditiere über den Aghora genannten Sadāśiva.

Wort für Wort
śyāmaṃ trinetraṃ sapārḍhyaṃ
den Dunklen, dreiäugig, mit seiner Gefährtin
raktavastrāṅgarāṅgakam
mit rotem Gewand und rot gefärbten Gliedern
nānāśastradharaṃ dhyāyet
mancherlei Waffen tragend, man meditiere
aghorākhyaṃ sadāśivam
über den Aghora genannten Sadāśiva

bhūtavetālakādīnāṃ kṣayo 'yaṃ nigrahe manuḥ / tāro vānto dharāsaṃstho vāmanetrendubhūṣitaḥ

dies bewirkt die Vernichtung von Geisterwesen, Vetālas usw., ein Mantra zur Bezwingung. [Es folgt der Pāśupatāstra-Mantra:] Tāra, 'vānta', auf der Erde stehend, mit dem linken Auge als Mondschmuck versehen,

Wort für Wort
bhūtavetālakādīnāṃ
von Geisterwesen, Vetālas usw.
kṣayo 'yaṃ nigrahe manuḥ
dies bewirkt die Vernichtung, ein Mantra zur Bezwingung
tāro vānto dharāsaṃstho [?]
Tāra, 'vānta', auf der Erde stehend
vāmanetrendubhūṣitaḥ
mit dem linken Auge als Mondschmuck versehen

Anm.: Konstruktion des folgenden Pāśupatāstra-Mantra kryptisch; Einzelheiten unsicher [?].

pāśī bakaḥ karṇanetravarmāstrāntaḥ ṣaḍakṣaraḥ / manuḥ pāśupatāstrākhyo grahakṣudranivāraṇaḥ

'Pāśin', 'baka', endend mit Ohr, Auge, Panzer, Waffe – dies ist der sechssilbige Mantra, genannt Pāśupatāstra, der Planeten-Übel und Kleinigkeiten abwehrt.

Wort für Wort
pāśī bakaḥ karṇanetra-
'Pāśin', 'baka', mit Ohr, Auge
varmāstrāntaḥ ṣaḍakṣaraḥ
endend mit Panzer, Waffe – der sechssilbige [Mantra]
manuḥ pāśupatāstrākhyo
der Mantra, genannt Pāśupatāstra
grahakṣudranivāraṇaḥ
der Planeten-Übel und Kleinigkeiten abwehrt

ṣaḍbhirvarṇaiḥ ṣaḍaṅgāni huṃphaḍantaiḥ sajātibhiḥ / madhyāhnārkaprabhaṃ bhīmaṃ tryakṣaṃ pannagabhūṣaṇam

mit den sechs Silben, endend auf 'huṃ phaṭ', mit ihrer jeweiligen Art bilde man die sechs Glied-Mantras. [Man meditiere:] von der Leuchtkraft der Mittagssonne, furchterregend, dreiäugig, mit Schlangenschmuck,

Wort für Wort
ṣaḍbhirvarṇaiḥ ṣaḍaṅgāni
mit den sechs Silben die sechs Glied-Mantras
huṃphaḍantaiḥ sajātibhiḥ
endend auf 'huṃ phaṭ', mit ihrer jeweiligen Art
madhyāhnārkaprabhaṃ bhīmaṃ
von der Leuchtkraft der Mittagssonne, furchterregend
tryakṣaṃ pannagabhūṣaṇam
dreiäugig, mit Schlangenschmuck

nānāśastraṃ caturvaktraṃ smaretpaśupatiṃ haram / varṇalakṣaṃ japenmantraṃ juhuyāttaddaśāṃśataḥ

mit mancherlei Waffen, vierköpfig – man denke an Hara, den Paśupati. Man rezitiere den Mantra so oft hunderttausendmal wie er Silben hat; davon opfere man ein Zehntel.

Wort für Wort
nānāśastraṃ caturvaktraṃ
mit mancherlei Waffen, vierköpfig
smaretpaśupatiṃ haram
man denke an Hara, den Paśupati
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra je Silbe hunderttausendmal
juhuyāttaddaśāṃśataḥ
davon opfere man ein Zehntel

gavyena sarpiṣā mantro saṃskṛte havyavāhane / śaive pīṭhe yajedaṅgamātṛlokeśvarāyudhaiḥ

mit Kuh-Ghee opfere man den Mantra im geweihten Opferfeuer; auf dem Śiva-Sitz verehre man mit den Glied-Mantras, den Müttern, den Weltenherrschern und deren Waffen,

Wort für Wort
gavyena sarpiṣā mantro
mit Kuh-Ghee, der Mantra
saṃskṛte havyavāhane
im geweihten Opferfeuer [opfere man]
śaive pīṭhe yajedaṅga-
auf dem Śiva-Sitz verehre man mit den Glied-Mantras
mātṛlokeśvarāyudhaiḥ
den Müttern, Weltenherrschern und deren Waffen

anena mantritaṃ toyaṃ bhūtagrastamukhe kṣipet / sadyaḥ sa muñcati krandānmahāmantraprabhāvataḥ

Mit diesem geweihtes Wasser werfe man in das Gesicht eines von einem Geisterwesen Besessenen; sogleich lässt dieser durch die Kraft des großen Mantra sein Wehklagen fahren.

Wort für Wort
anena mantritaṃ toyaṃ
mit diesem geweihtes Wasser
bhūtagrastamukhe kṣipet
werfe man in das Gesicht eines Besessenen
sadyaḥ sa muñcati krandān
sogleich lässt dieser sein Wehklagen fahren
mahāmantraprabhāvataḥ
durch die Kraft des großen Mantra

anena mantritānbāṇānvisṛjedyudhi yo naraḥ / jayetkṣaṇena nikhilāñchatrūnpārtha ivāparaḥ

wer im Kampf mit diesem geweihte Pfeile abschießt, der besiegt im Augenblick alle Feinde, wie ein zweiter Pārtha (Arjuna).

Wort für Wort
anena mantritānbāṇān
mit diesem geweihte Pfeile
visṛjedyudhi yo naraḥ
wer im Kampf abschießt
jayetkṣaṇena nikhilān
besiegt im Augenblick alle
chatrūnpārtha ivāparaḥ
Feinde, wie ein zweiter Pārtha

varṇāntimo binduyutaḥ kṣetrapālāya hṛnmanuḥ

der letzte Laut, mit einem Bindu versehen, [und] 'kṣetrapālāya' – dies ist das Herz-Mantra.

Wort für Wort
varṇāntimo binduyutaḥ
der letzte Laut, mit einem Bindu versehen
kṣetrapālāya hṛnmanuḥ
'kṣetrapālāya' – dies ist das Herz-Mantra

Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer Zeile.

tārādyo vasuvarṇo 'yaṃ kṣetrapālasya kīrtitaḥ / ṣaḍdīrghayuktabījena ṣaḍaṅgaṃ nyasya cintayet

mit Tāra beginnend, achtsilbig, wird dieser [Mantra] des Kṣetrapāla genannt; mit dem Samenlaut, verbunden mit den sechs langen Vokalen, lege man die sechs Glied-Mantras an und meditiere.

Wort für Wort
tārādyo vasuvarṇo 'yaṃ
mit Tāra beginnend, achtsilbig, dieser
kṣetrapālasya kīrtitaḥ
wird des Kṣetrapāla genannt
ṣaḍdīrghayuktabījena
mit dem Samenlaut, verbunden mit den sechs langen Vokalen
ṣaḍaṅgaṃ nyasya cintayet
lege man die sechs Glied-Mantras an und meditiere

nīlācalābhaṃ digvastraṃ sarpabhūṣaṃ trilocanam / piṅgordhvakeśāndadhataṃ kapālaṃ ca gadāṃ smaret

von der Farbe eines dunklen Berges, mit den Himmelsrichtungen als Gewand, mit Schlangenschmuck, dreiäugig, mit hochstehendem, rötlich-braunem Haar, Schädelschale und Keule haltend – man denke an ihn.

Wort für Wort
nīlācalābhaṃ digvastraṃ
von der Farbe eines dunklen Berges, mit den Himmelsrichtungen als Gewand
sarpabhūṣaṃ trilocanam
mit Schlangenschmuck, dreiäugig
piṅgordhvakeśāndadhataṃ
mit hochstehendem rötlich-braunem Haar
kapālaṃ ca gadāṃ smaret
Schädelschale und Keule haltend, man denke an ihn

lakṣamekaṃ japenmantraṃ juhuyāttaddaśāṃśataḥ / caruṇā ghṛtasiktena tataḥ kṣetre samarcayet

Man rezitiere den Mantra hunderttausendmal; davon opfere man ein Zehntel; mit in Ghee getränktem Speiseopfer verehre man danach an der Tempel-Stätte,

Wort für Wort
lakṣamekaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra hunderttausendmal
juhuyāttaddaśāṃśataḥ
davon opfere man ein Zehntel
caruṇā ghṛtasiktena
mit in Ghee getränktem Speiseopfer
tataḥ kṣetre samarcayet
verehre man danach an der Tempel-Stätte

dharmādikalpite pīṭhe sāṃgāvaraṇamādarāt / tasmai saparivārāya balimetena nirharet

auf dem mit Dharma usw. gestalteten Sitz, mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten, ehrfurchtsvoll; diesem, samt seinem Gefolge, bringe man mit diesem [Mantra] ein Balī-Opfer dar.

Wort für Wort
dharmādikalpite pīṭhe
auf dem mit Dharma usw. gestalteten Sitz
sāṃgāvaraṇamādarāt
mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten, ehrfurchtsvoll
tasmai saparivārāya
diesem, samt seinem Gefolge
balimetena nirharet
bringe man mit diesem ein Balī-Opfer dar

pūrvamehidvayaṃ paścādvidviṣaṃ puruṣaṃ dvayam / bhañjayadvitayaṃ bhūyo nartayadvitayaṃ punaḥ

'ehi' zweimal zuerst; danach 'vidviṣam puruṣam' zweimal; 'bhañjaya' zweimal wiederum; 'nartaya' zweimal wiederum,

Wort für Wort
pūrvamehidvayaṃ paścāt
'ehi' zweimal zuerst, danach
vidviṣaṃ puruṣaṃ dvayam
'vidviṣam puruṣam' zweimal
bhañjayadvitayaṃ bhūyo
'bhañjaya' zweimal wiederum
nartayadvitayaṃ punaḥ
'nartaya' zweimal wiederum

Anm.: Konstruktion des folgenden Baṭuka-Balī-Mantra aus aneinandergereihten Wortgliedern.

tato vighnapadadvandvaṃ mahābhairava tatparam / kṣetrapālabaliṃ gṛhṇadvayaṃ pāvakasundarī

danach 'vighna', ein Wortpaar; 'mahābhairava' danach; 'kṣetrapālabaliṃ gṛhṇa' zweimal; 'pāvakasundarī',

Wort für Wort
tato vighnapadadvandvaṃ
danach 'vighna', ein Wortpaar
mahābhairava tatparam
'mahābhairava' danach
kṣetrapālabaliṃ gṛhṇa-
'kṣetrapālabaliṃ gṛhṇa'
dvayam pāvakasundarī
zweimal, 'pāvakasundarī'

balimantro 'yamākhyātaḥ sarvakāmaphalapradaḥ / sopadeśaṃ bṛhatpiṇḍe kṛtvā rātriṣu sādhakaḥ

dieser wird als Balī-Mantra bezeichnet, der die Frucht aller Wünsche gewährt; nachdem der Übende in der Nacht eine große Opferkugel mit entsprechender Unterweisung bereitet hat,

Wort für Wort
balimantro 'yamākhyātaḥ
dieser wird als Balī-Mantra bezeichnet
sarvakāmaphalapradaḥ
der die Frucht aller Wünsche gewährt
sopadeśaṃ bṛhatpiṇḍe
mit entsprechender Unterweisung eine große Opferkugel
kṛtvā rātriṣu sādhakaḥ
bereitet habend, in der Nacht der Übende

smṛtvā yathoktaṃ kṣetreśaṃ tasya haste baliṃ haret / balinānena santuṣṭaḥ kṣetrapālaḥ prayacchati

und den Kṣetrapāla, wie vorgeschrieben, sich vergegenwärtigt hat, bringe er das Balī-Opfer in dessen Hand dar; durch dieses Balī-Opfer zufriedengestellt, gewährt Kṣetrapāla,

Wort für Wort
smṛtvā yathoktaṃ kṣetreśaṃ
den Kṣetrapāla, wie vorgeschrieben, sich vergegenwärtigt
tasya haste baliṃ haret
bringe er das Balī-Opfer in dessen Hand dar
balinānena santuṣṭaḥ
durch dieses Balī-Opfer zufriedengestellt
kṣetrapālaḥ prayacchati
gewährt Kṣetrapāla

kāntiṃ medhāṃ balāyogyaṃ tejaḥ puṣṭiṃ yaśaḥ śriyam / uddharedbaṭukaṃ ṅeṃtamāpaduddhāraṇaṃ tathā

Glanz, Geistesschärfe, angemessene Kraft, Energie, Gedeihen, Ruhm und Glück. Man erhebe [den Mantra] 'baṭukam', endend auf 'ṅe' – dies dient ebenso zur Errettung aus Not.

Wort für Wort
kāntiṃ medhāṃ balāyogyaṃ
Glanz, Geistesschärfe, angemessene Kraft
tejaḥ puṣṭiṃ yaśaḥ śriyam
Energie, Gedeihen, Ruhm und Glück
uddharedbaṭukaṃ ṅeṃtam
man erhebe 'baṭukam', endend auf 'ṅe'
āpaduddhāraṇaṃ tathā
dies dient ebenso zur Errettung aus Not

kurudvayaṃ tataḥ paścādvaṭukaṃ ṅeṃtamuccaret / śaktiruddho dhruvādiśca dvāviṃśatyakṣaro manuḥ

'kuru' zweimal, danach spreche man 'vaṭukam', endend auf 'ṅe'; von der Śakti umschlossen, mit 'Dhruva' beginnend, ist dies der zweiundzwanzigsilbige Mantra.

Wort für Wort
kurudvayaṃ tataḥ paścāt
'kuru' zweimal, danach
vaṭukaṃ ṅeṃtamuccaret
spreche man 'vaṭukam', endend auf 'ṅe'
śaktiruddho dhruvādiśca
von der Śakti umschlossen, mit 'Dhruva' beginnend
dvāviṃśatyakṣaro manuḥ
ist dies der zweiundzwanzigsilbige Mantra

dvicatuḥsaptavedābdhicandrārṇairaṅgakaṃ manoḥ / bālaṃ sphaṭikasaṃkāśaṃ tallolalasitānanam

mit den Silbenzahlen zwei, vier, sieben, vier (Veda), vier (Meer), eins (Mond) bildet man die Glied-Mantras des Mantra. [Man meditiere:] ein Knabe, kristallklar, mit lieblich-beweglichem Antlitz,

Wort für Wort
dvicatuḥsaptavedābdhi-
zwei, vier, sieben, vier (Veda), vier (Meer)
candrārṇairaṅgakaṃ manoḥ
[und] eins (Mond) [Silben] – die Glied-Mantras des Mantra
bālaṃ sphaṭikasaṃkāśaṃ
ein Knabe, kristallklar
tallolalasitānanam
mit lieblich-beweglichem Antlitz

Anm.: Zahlwörter kodieren vermutlich die Silbenanzahl der jeweiligen Glied-Mantras.

divyākalpaiḥ pradīptāṅgaṃ tryakṣaṃ daṇḍatriśūlinam / suprasannaṃ smareddhaktyā bhaktānāmabhayaṅkaram

mit göttlichem Schmuck strahlende Glieder, dreiäugig, mit Stab und Dreizack, hocherfreut – man denke mit Hingabe an ihn, der seinen Verehrern Furchtlosigkeit gewährt.

Wort für Wort
divyākalpaiḥ pradīptāṅgaṃ
mit göttlichem Schmuck strahlende Glieder
tryakṣaṃ daṇḍatriśūlinam
dreiäugig, mit Stab und Dreizack
suprasannaṃ smareddhaktyā
hocherfreut, man denke mit Hingabe
bhaktānāmabhayaṅkaram
an ihn, der seinen Verehrern Furchtlosigkeit gewährt

varṇalakṣaṃ japenmantraṃ haviṣyāśī jitendriyaḥ / taddaśāṃśaṃ prajuhuyānttilairmadhurasaṃyutaiḥ

Man rezitiere den Mantra so oft hunderttausendmal wie er Silben hat, von Opferspeise lebend, mit gezügelten Sinnen; davon opfere man ein Zehntel mit süß vermengten Sesamkörnern.

Wort für Wort
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra je Silbe hunderttausendmal
haviṣyāśī jitendriyaḥ
von Opferspeise lebend, mit gezügelten Sinnen
taddaśāṃśaṃ prajuhuyāt
davon opfere man ein Zehntel
tilairmadhurasaṃyutaiḥ
mit süß vermengten Sesamkörnern

dharmādikalpite pīṭhe paṅkaje cātiśobhane / ṣaṭkoṇāntastrikoṇasthavyomapaṅkajasaṃyute

auf dem mit Dharma usw. gestalteten Sitz und auf dem hochprächtigen Lotus, der innerhalb eines Sechsecks ein Dreieck, den Luftraum und einen Lotus vereint enthält,

Wort für Wort
dharmādikalpite pīṭhe
auf dem mit Dharma usw. gestalteten Sitz
paṅkaje cātiśobhane
und auf dem hochprächtigen Lotus
ṣaṭkoṇāntastrikoṇastha-
innerhalb eines Sechsecks ein Dreieck enthaltend
vyomapaṅkajasaṃyute
den Luftraum und einen Lotus vereinend

baṭukaṃ pūjayeddevaṃ sāṃgāvaraṇakaṃ kramāt / śatrupakṣasya rudhiraṃ piśinta ca dinedine / bhakṣayasva gaṇaiḥ sārddhaṃ sārameyasamanvitaḥ

verehre man den Gott Baṭuka mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten der Reihe nach; [mit den Worten:] 'Das Blut der feindlichen Partei, das Fleisch, verzehre täglich, zusammen mit den Gaṇas, begleitet von deinem Hund!'

Wort für Wort
baṭukaṃ pūjayeddevaṃ
verehre man den Gott Baṭuka
sāṃgāvaraṇakaṃ kramāt
mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten der Reihe nach
śatrupakṣasya rudhiraṃ piśitaṃ ca dinedine
das Blut und Fleisch der feindlichen Partei, täglich
bhakṣayasva gaṇaiḥ sārddhaṃ sārameyasamanvitaḥ
verzehre, zusammen mit den Gaṇas, begleitet von deinem Hund

balimantro 'yamākhyātaḥ śatrunāmnā vidarbhitaḥ / anena balinā hṛṣṭo baṭukaḥ parasainyakam

Dieser wird als Balī-Mantra bezeichnet, durchsetzt mit dem Namen des Feindes; durch dieses Balī-Opfer erfreut, [zerreißt] Baṭuka das feindliche Heer,

Wort für Wort
balimantro 'yamākhyātaḥ
dieser wird als Balī-Mantra bezeichnet
śatrunāmnā vidarbhitaḥ
durchsetzt mit dem Namen des Feindes
anena balinā hṛṣṭo
durch dieses Balī-Opfer erfreut
baṭukaḥ parasainyakam
Baṭuka das feindliche Heer

chitvā gaṇebhyo vibhajedāmiṣaṃ kruddhamānasaḥ / aṅkaśo vahniśikharo lāntadānta itīritaḥ

zerschneidet es und verteilt, zornigen Sinnes, das Fleisch an die Gaṇas. [Es folgt der Caṇḍeśa-Mantra:] 'aṅkaśaḥ', 'vahniśikharaḥ', endend auf 'la' und 'da' – so wird er genannt,

Wort für Wort
chitvā gaṇebhyo vibhajet
zerschneidet und verteilt es an die Gaṇas
āmiṣaṃ kruddhamānasaḥ
das Fleisch, zornigen Sinnes
aṅkaśo vahniśikharo
'aṅkaśaḥ', 'vahniśikharaḥ'
lāntadānta itīritaḥ
endend auf 'la' und 'da' – so wird er genannt

Anm.: Beginn der Konstruktion des folgenden Caṇḍeśa-Mantra.

phaḍantaścaṇḍamantro 'yaṃ trivarṇātmā samīritaḥ / asya trito muniḥ proktaśchando 'nuṣṭubudāhṛtam

endend auf 'phaṭ' – dieser Caṇḍa-Mantra, aus drei Silben bestehend, wird so genannt; dessen Seher wird als Trita bezeichnet, Anuṣṭubh wird als Versmaß angegeben,

Wort für Wort
phaḍantaścaṇḍamantro 'yaṃ
endend auf 'phaṭ', dieser Caṇḍa-Mantra
trivarṇātmā samīritaḥ
aus drei Silben bestehend, wird so genannt
asya trito muniḥ proktaḥ
dessen Seher wird als Trita bezeichnet
chando 'nuṣṭubudāhṛtam
Anuṣṭubh wird als Versmaß angegeben

caṇḍeśo devatā proktā vakṣyateṃ'gaprakalpanam / hṛdayaṃ dīptaphaṭ proktaṃ jvalaphaṭ śira īritam

Caṇḍeśa wird als Gottheit genannt; nun wird die Bildung der Glied-Mantras verkündet: 'dīptaphaṭ' wird als Herz-Mantra genannt, 'jvalaphaṭ' wird als Kopf-Mantra bezeichnet,

Wort für Wort
caṇḍeśo devatā proktā
Caṇḍeśa wird als Gottheit genannt
vakṣyate 'ṅgaprakalpanam
nun wird die Bildung der Glied-Mantras verkündet
hṛdayaṃ dīptaphaṭ proktaṃ
'dīptaphaṭ' wird als Herz-Mantra genannt
jvalaphaṭ śira īritam
'jvalaphaṭ' wird als Kopf-Mantra bezeichnet

śikhājvālini phaṭ proktā vahaphaṭ kavacaṃ matam / halaphaṭ netramākhyātaṃ sarvajvāniniphaṭ param

'jvālini phaṭ' wird als Schopf-Mantra genannt; 'vahaphaṭ' wird als Panzer-Mantra gemeint; 'halaphaṭ' wird als Augen-Mantra bezeichnet; 'sarvajvālini phaṭ' ist das höchste [Waffen-Mantra],

Wort für Wort
śikhājvālini phaṭ proktā
als Schopf-Mantra wird 'jvālini phaṭ' genannt
vahaphaṭ kavacaṃ matam
'vahaphaṭ' wird als Panzer-Mantra gemeint
halaphaṭ netramākhyātaṃ
'halaphaṭ' wird als Augen-Mantra bezeichnet
sarvajvāniniphaṭ param
'sarvajvālini phaṭ' [ist] das höchste [Waffen-Mantra]

vinyasyaivaṃ ṣaḍaṅgāni tato devaṃ vicintayet / caṇḍeśvaraṃ raktatanuntryakṣaṃ raktāṃbarāvṛtam

So die sechs Glied-Mantras anlegend, meditiere man danach über den Gott; Caṇḍeśvara, von rotem Körper, dreiäugig, in rotes Gewand gehüllt,

Wort für Wort
vinyasyaivaṃ ṣaḍaṅgāni
so die sechs Glied-Mantras anlegend
tato devaṃ vicintayet
meditiere man danach über den Gott
caṇḍeśvaraṃ raktatanuṃ
Caṇḍeśvara, von rotem Körper
tryakṣaṃ raktāṃbarāvṛtam
dreiäugig, in rotes Gewand gehüllt

dadhataṃ ca triśūlākṣamālāṭaṃ kakamaṇḍalūn / varṇalakṣaṃ japenmantraṃ homaṃ kuryāddaśāṃśataḥ

Dreizack, Rosenkranz, Meißel und Wasserkrug haltend – man rezitiere den Mantra so oft hunderttausendmal wie er Silben hat, vollziehe das Homa im Zehntel davon,

Wort für Wort
dadhataṃ ca triśūlākṣa-
haltend, Dreizack und Rosenkranz
mālāṭaṃ ca kamaṇḍalūn [?]
Meißel und Wasserkrug
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra je Silbe hunderttausendmal
homaṃ kuryāddaśāṃśataḥ
vollziehe das Homa im Zehntel davon

Anm.: Quelltext 'kakamaṇḍalūn' – vermutlich 'ca kamaṇḍalūn'.

madhuratrayasaṃyuktairviśuddhaistilataṇḍulaiḥ / pañcākṣarodite pīṭhe mūrtiṃ mūlena kalpayet

mit den drei Süßigkeiten vermengten, reinen Sesam- und Reiskörnern; auf dem beim fünfsilbigen Mantra genannten Sitz gestalte man mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt,

Wort für Wort
madhuratrayasaṃyuktaiḥ
mit den drei Süßigkeiten vermengten
viśuddhaistilataṇḍulaiḥ
reinen Sesam- und Reiskörnern
pañcākṣarodite pīṭhe
auf dem beim fünfsilbigen Mantra genannten Sitz
mūrtiṃ mūlena kalpayet
gestalte man mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt

kūrmeśo bindusaṃyuktastataścaṇḍeśvarāya ca / hṛdayaṃ manurākhyātaścaṇḍeśasya prapūjane

'Kūrmeśa', verbunden mit dem Bindu, danach 'caṇḍeśvarāya' – dies wird als Herz-Mantra bei der Verehrung des Caṇḍeśa bezeichnet.

Wort für Wort
kūrmeśo bindusaṃyuktaḥ [?]
'Kūrmeśa', verbunden mit dem Bindu
tataścaṇḍeśvarāya ca
danach 'caṇḍeśvarāya'
hṛdayaṃ manurākhyātaḥ
dies wird als Herz-Mantra bezeichnet
caṇḍeśasya prapūjane
bei der Verehrung des Caṇḍeśa

Anm.: 'kūrmeśo' als Kode-Silbe unsicher [?].

aṅgairmātṛbhirāśeśairvajrādyairāvṛtirbhavet / śaivamantreṣu niṣṇātaścaṇḍeśvaramanuṃ japet

mit den Glied-Mantras, den Müttern, den Herren der Himmelsrichtungen und mit dem Vajra u.a. geschehe die Umhüllung; der in den Śiva-Mantras Bewanderte rezitiere den Caṇḍeśvara-Mantra,

Wort für Wort
aṅgairmātṛbhirāśeśaiḥ
mit den Glied-Mantras, den Müttern, den Herren der Himmelsrichtungen
vajrādyairāvṛtirbhavet
und mit dem Vajra u.a. geschehe die Umhüllung
śaivamantreṣu niṣṇātaḥ
der in den Śiva-Mantras Bewanderte
caṇḍeśvaramanuṃ japet
rezitiere den Caṇḍeśvara-Mantra

sarvānkāmānavāpnoti paratreha ca nandati / śṛṇu nārada vakṣyāmi divyaṃ māheśvaraṃ stavam

und erlangt alle Wünsche, erfreut sich im Jenseits und hier. Höre, Nārada, ich will den göttlichen Māheśvara-Lobpreis verkünden,

Wort für Wort
sarvānkāmānavāpnoti
und erlangt alle Wünsche
paratreha ca nandati
erfreut sich im Jenseits und hier
śṛṇu nārada vakṣyāmi
höre, Nārada, ich will verkünden
divyaṃ māheśvaraṃ stavam
den göttlichen Māheśvara-Lobpreis

yasya pāṭhena pūjāyāṃ siddhyanti manavo 'khilāḥ

durch dessen Rezitation bei der Verehrung alle Mantras erfolgreich werden.

Wort für Wort
yasya pāṭhena pūjāyāṃ
durch dessen Rezitation bei der Verehrung
siddhyanti manavo 'khilāḥ
werden alle Mantras erfolgreich

Anm.: Vers besteht im Quelltext nur aus einer Zeile.

dharāmbvagnimaruvdyomamakheśendvarkamūrtaye / sarvabhūtāntarasthāya śaṅkarāya namonamaḥ

Dem, dessen Gestalt Erde, Wasser, Feuer, Wind, Äther, Opferpriester, Mond und Sonne sind, dem, der im Inneren aller Wesen weilt, dem Śaṅkara – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
dharāmbvagnimaruvdyoma-
Erde, Wasser, Feuer, Wind, Äther
makheśendvarkamūrtaye
Opferpriester, Mond und Sonne, dem, dessen Gestalt [dies ist]
sarvabhūtāntarasthāya
dem, der im Inneren aller Wesen weilt
śaṅkarāya namonamaḥ
dem Śaṅkara – Verehrung, Verehrung

śrutyaṃ takṛtavāsāya śrutaye śrutijanmane / atīndriyāya mahase śāśvatāya namonamaḥ

Dem, der am Ende der Śruti weilt, dem [selbst als] Śruti, dem aus der Śruti Geborenen, dem Übersinnlichen, dem Glanz, dem Ewigen – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
śrutyantakṛtavāsāya [?]
dem, der am Ende der Śruti weilt
śrutaye śrutijanmane
dem [selbst als] Śruti, dem aus der Śruti Geborenen
atīndriyāya mahase
dem Übersinnlichen, dem Glanz
śāśvatāya namonamaḥ
dem Ewigen – Verehrung, Verehrung

Anm.: Quelltext 'śrutyaṃ takṛtavāsāya' – vermutlich Verschreibung für 'śrutyantakṛtavāsāya' ('dem, der am Ende der Śruti weilt').

sthūlasūkṣmavibhāgābhyāmanirdeśyāya śaṃbhave / bhavāya bhavasaṃbhūtaduḥkhahantre namonamaḥ

Dem, der durch die Einteilung in Grob und Fein nicht bestimmbar ist, dem Śambhu, dem Bhava, dem Vernichter des aus dem Dasein entstandenen Leidens – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
sthūlasūkṣmavibhāgābhyām
durch die Einteilung in Grob und Fein
anirdeśyāya śaṃbhave
dem Unbestimmbaren, dem Śambhu
bhavāya bhavasaṃbhūta-
dem Bhava, dem aus dem Dasein entstandenen
duḥkhahantre namonamaḥ
Leiden-Vernichter – Verehrung, Verehrung

tarkamārgātidūrāya tapasāṃ phaladāyine / caturvargavadānyāya sarvajñāya namonamaḥ

Dem, der dem Pfad der Logik fern ist, dem Gewährer der Frucht der Askese, dem für die vier Lebensziele Großzügigen, dem Allwissenden – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
tarkamārgātidūrāya
dem, der dem Pfad der Logik fern ist
tapasāṃ phaladāyine
dem Gewährer der Frucht der Askese
caturvargavadānyāya
dem für die vier Lebensziele Großzügigen
sarvajñāya namonamaḥ
dem Allwissenden – Verehrung, Verehrung

ādimadhyāntaśūnyāya nirastāśeṣabhītaye / yogidhyeyāya mahate nirguṇāya namonamaḥ

Dem, der ohne Anfang, Mitte und Ende ist, dem, der alle Furcht restlos vertrieben hat, dem, der von den Yogins meditiert wird, dem Großen, dem Eigenschaftslosen – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
ādimadhyāntaśūnyāya
dem, der ohne Anfang, Mitte und Ende ist
nirastāśeṣabhītaye
dem, der alle Furcht restlos vertrieben hat
yogidhyeyāya mahate
dem von den Yogins Meditierten, dem Großen
nirguṇāya namonamaḥ
dem Eigenschaftslosen – Verehrung, Verehrung

viśvātmane viviktāya vilasaccandramaulaye / kandarppadarppanāśāya kālahṝntre namonamaḥ

Dem Selbst des Alls, dem Abgesonderten, dem mit der strahlenden Mondsichel auf dem Haupt, dem Vernichter des Stolzes des Liebesgottes, dem Bezwinger der Zeit – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
viśvātmane viviktāya
dem Selbst des Alls, dem Abgesonderten
vilasaccandramaulaye
dem mit der strahlenden Mondsichel auf dem Haupt
kandarppadarppanāśāya
dem Vernichter des Stolzes des Liebesgottes
kālahṝntre namonamaḥ
dem Bezwinger der Zeit – Verehrung, Verehrung

viṣāśanāya viharadvṛṣaskandhamupeyuṣe / sariddāmasamābaddhakapadārya namonamaḥ

Dem Giftverzehrer, dem, der sich auf dem Rücken des wandelnden Stieres bewegt, dem, dessen Haarschopf mit einer flussgleichen Girlande gebunden ist – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
viṣāśanāya
dem Giftverzehrer
viharadvṛṣaskandham upeyuṣe
dem, der sich auf dem Rücken des wandelnden Stieres bewegt
sariddāmasamābaddha-
mit einer flussgleichen Girlande gebunden
kapardāya namonamaḥ [?]
dem mit dem Haarschopf – Verehrung, Verehrung

Anm.: Quelltext 'kapadārya' – vermutlich Verschreibung für 'kapardāya' ('dem mit dem Haarschopf').

śuddhāya śuddhabhāvā śuddhānāmantarātmane / purāntakāya pūrṇāya puṇyanāmno namonamaḥ

Dem Reinen, von reiner Wesensart, dem inneren Selbst der Reinen, dem Bezwinger der [Dämonen-]Burgen, dem Vollkommenen, dem mit heiligem Namen – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
śuddhāya śuddhabhāvāya [?]
dem Reinen, von reiner Wesensart
śuddhānāmantarātmane
dem inneren Selbst der Reinen
purāntakāya pūrṇāya
dem Bezwinger der Burgen, dem Vollkommenen
puṇyanāmno namonamaḥ
dem mit heiligem Namen – Verehrung, Verehrung

Anm.: Quelltext 'śuddhabhāvā' – vermutlich Verschreibung für 'śuddhabhāvāya'.

bhaktāya nijabhaktānāṃ bhuktimuktipradāyine / vivāsase nivāsāya viśveṣāṃ pataye namaḥ

Dem Anhänger seiner eigenen Anhänger, dem Gewährer von Genuss und Erlösung, dem Unbehausten und doch der Behausung von allem, dem Herrn des Alls – Verehrung!

Wort für Wort
bhaktāya nijabhaktānāṃ
dem Anhänger seiner eigenen Anhänger
bhuktimuktipradāyine
dem Gewährer von Genuss und Erlösung
vivāsase nivāsāya
dem Unbehausten, [und doch] der Behausung
viśveṣāṃ pataye namaḥ
dem Herrn des Alls – Verehrung

trimūrtimūlabhūtāya trinetrāya triśūline / tridhāmne dhāmarūpāya janmadāya namonamaḥ

Dem Ursprung der Dreigestalt (Trimūrti), dem Dreiäugigen, dem Dreizack-Träger, dem mit dreifacher Wohnstatt, dem, dessen Wesen die Wohnstatt selbst ist, dem Geburtgeber – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
trimūrtimūlabhūtāya
dem Ursprung der Dreigestalt
trinetrāya triśūline
dem Dreiäugigen, dem Dreizack-Träger
tridhāmne dhāmarūpāya
dem mit dreifacher Wohnstatt, dessen Wesen die Wohnstatt ist
janmadāya namonamaḥ
dem Geburtgeber – Verehrung, Verehrung

devāsuraśiroratnakirīṭāruṇitāṅghraye / kāntāya nijakāntāyai dattārddhāya namonamaḥ

Dem, dessen Füße von den Juwelenkronen der Häupter der Götter und Asuras gerötet sind, dem Geliebten, der seiner eigenen Geliebten die Hälfte [seines Leibes] gegeben hat – Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
devāsuraśiroratna-
durch die Juwelen der Häupter von Göttern und Asuras
kirīṭāruṇitāṅghraye
gerötete Füße habend
kāntāya nijakāntāyai
dem Geliebten, der seiner eigenen Geliebten
dattārddhāya namonamaḥ
die Hälfte gegeben hat – Verehrung, Verehrung

etatstotraṃ maheśasya proktaṃ sarvāghanāśanam / śivasānnidhyadaṃ vipra sarpatantraprakāśakam

Dieser Lobpreis des großen Herrn wurde verkündet, der alle Sünden vernichtet, o Brahmane, der Śivas Nähe gewährt, der alle Tantras offenbart.

Wort für Wort
etatstotraṃ maheśasya
dieser Lobpreis des großen Herrn
proktaṃ sarvāghanāśanam
wurde verkündet, alle Sünden vernichtend
śivasānnidhyadaṃ vipra
Śivas Nähe gewährend, o Brahmane
sarvatantraprakāśakam [?]
alle Tantras offenbarend

Anm.: Quelltext 'sarpatantraprakāśakam' – vermutlich Verschreibung für 'sarvatantraprakāśakam'.

etatte sumahattantreṃ sarvadevaprakāśakam / lokābhilāṣasaṃpūrtikriyāsādhanasaṃgatam

Dies ist dir das hocherhabene Tantra, das alle Götter offenbart, verbunden mit den Mitteln zur Erfüllung der Wünsche der Welt.

Wort für Wort
etatte sumahattantreṃ
dies ist dir das hocherhabene Tantra
sarvadevaprakāśakam
das alle Götter offenbart
lokābhilāṣasaṃpūrti-
die Erfüllung der Wünsche der Welt
kriyāsādhanasaṃgatam
verbunden mit den Mitteln [dazu]

ye tu sāmānyataḥ proktāstantre 'sminmanavo dvija / te tu lokopakārāya jñātavyāḥ siddhidāyakāḥ

Die Mantras aber, die in diesem Tantra allgemein genannt wurden, o Brahmane, diese sollen zum Nutzen der Welt bekannt sein, Vollkommenheit gewährend.

Wort für Wort
ye tu sāmānyataḥ proktāḥ
die aber, die allgemein genannt wurden
tantre 'sminmanavo dvija
in diesem Tantra, die Mantras, o Brahmane
te tu lokopakārāya
diese aber, zum Nutzen der Welt
jñātavyāḥ siddhidāyakāḥ
sollen bekannt sein, Vollkommenheit gewährend

viśeṣato vaiṣṇavā ye mantrāḥ sarvottamottamāḥ / ta eva sādhanīyāḥ syuścaturvargaphalāptaye

Insbesondere aber die Viṣṇu-Mantras, die allerhöchsten unter allen, eben diese sollen geübt werden zur Erlangung der Frucht der vier Lebensziele.

Wort für Wort
viśeṣato vaiṣṇavā ye
insbesondere die Viṣṇu-[Mantras], die
mantrāḥ sarvottamottamāḥ
Mantras, die allerhöchsten unter allen
ta eva sādhanīyāḥ syuḥ
eben diese sollen geübt werden
caturvargaphalāptaye
zur Erlangung der Frucht der vier Lebensziele

rāmamantrāḥ kṛṣṇamantrāḥ sāṃgā rāseśimantrakāḥ / śāktāḥ saurāśca gāṇeśāḥ śaivāḥ proktāḥ śubhāvahāḥ

die Rāma-Mantras, die Kṛṣṇa-Mantras samt ihren Gliedern, die Rāseśvarī-Mantras, die Śākta-Mantras, die Saura-Mantras und die Gāṇeśa-Mantras, die Śaiva-Mantras werden als heilbringend genannt.

Wort für Wort
rāmamantrāḥ kṛṣṇamantrāḥ
die Rāma-Mantras, die Kṛṣṇa-Mantras
sāṃgā rāseśimantrakāḥ
samt ihren Gliedern, die Rāseśvarī-Mantras
śāktāḥ saurāśca gāṇeśāḥ
die Śākta-, Saura- und Gāṇeśa-[Mantras]
śaivāḥ proktāḥ śubhāvahāḥ
die Śaiva-[Mantras] werden als heilbringend genannt

teṣu svātmaprakāśāya bhajenmuktiphalapradān / etatte sarvamākhyātaṃ yattvayābhyarthitaṃ mune / devatārādhanaṃ bhaktyā kiṃ bhūyaḥ śrotumicchasi

Unter diesen verehre man, zur Erleuchtung des eigenen Selbst, jene, die die Frucht der Erlösung gewähren. Dies alles wurde dir dargelegt, was du erbeten hast, o Weiser: die Verehrung der Gottheit mit Hingabe. Was möchtest du weiter hören?

Wort für Wort
teṣu svātmaprakāśāya
unter diesen, zur Erleuchtung des eigenen Selbst
bhajenmuktiphalapradān
verehre man jene, die die Frucht der Erlösung gewähren
etatte sarvamākhyātaṃ
dies alles wurde dir dargelegt
yattvayābhyarthitaṃ mune
was du erbeten hast, o Weiser
devatārādhanaṃ bhaktyā
die Verehrung der Gottheit mit Hingabe
kiṃ bhūyaḥ śrotumicchasi
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