Kapitel 90: śivamantroddhāraḥ
Die Herleitung der Śiva-Mantras
Sanatkumāra legt Nārada ausführlich die wichtigsten Śiva-Mantras dar: Pañcākṣara/Ṣaḍakṣara, Prāsāda-Mantra mit Pañcabrahma-Nyāsa (38 Kalās), Mṛtyuñjaya, Dakṣiṇāmūrti, Nīlakaṇṭha, Ardhanārīśvara, Khaḍgarāvaṇa (Bhūta-Abwehr), Aghorāstra, Pāśupatāstra, Kṣetrapāla, Baṭuka und Caṇḍeśvara, jeweils mit Mantra-Konstruktion (Ṛṣi/Chandas/Devatā, Aṅga-Nyāsa), Dhyāna (Ikonographie), Japa-Zahlen, Homa-Vorschriften und Wirkfrüchten; das Kapitel schließt mit dem Māheśvara-Stotra und beschließt den dritten Pāda des Pūrvabhāga. Zahlreiche Verse sind stark verdichtete, kryptische Mantra-Konstruktionsanleitungen (Kośa-Nomenklatur, Silben-Kodierungen), deren Einzelheiten ohne begleitenden Kommentar nicht immer sicher aufzulösen sind; solche Stellen sind mit [?] markiert.
Sanatkumāra sprach: Nun will ich das Mantra des großen Herrn (Maheśa) verkünden, das alle Ziele verwirklicht, durch dessen Verehrung der Mensch Genuss und Erlösung erlangt.
Das 'Herz' [Kodewort für eine Silbe], das 'Feine' (sūkṣma), das 'la-Endende', der 'mit Ananta versehene' Wind – [so] wird der fünfsilbige Mantra [kodiert] genannt; dieser, mit dem Tāra (Oṃ) beginnend, ist sechssilbig.
Wort für Wort
hṛdayaṃ sabakaḥ sūkṣmo [?]
kodierte Silbenbezeichnungen [unklar im Detail]
lānto 'nantānvito marut [?]
weitere kodierte Silbenbezeichnungen
pañcākṣaro manuḥ proktaḥ
der fünfsilbige Mantra wird genannt
tārādyo 'yaṃ ṣaḍakṣaraḥ
dieser, mit Tāra beginnend, ist sechssilbig
Anm.: Vers verwendet kryptische Kodewörter (Kośa-Nomenklatur) zur Bezeichnung der Mantra-Silben (vermutlich für 'namaḥ śivāya'); die genaue Dekodierung der Einzelterme ('sabakaḥ' u.a.) ist ohne Kommentar nicht sicher rekonstruierbar [?].
Vāmadeva ist der Seher (Muni) [dieses Mantra], Paṅkti das Versmaß, Īśa seine Gottheit; mit den sechs Silben soll der Meister (Deśika) die sechs Glied-Riten (Aṅgas) mit dem Mantra vollziehen.
Man lege die Mantra-Silben u.a. der Reihe nach als Mantra-Gestalt [auf die Finger]: auf Zeigefinger, Mittelfinger, kleinen Finger, Ringfinger und wiederum auf den Daumen.
Diese [Aṅga-Mantras] seien benannt: Tatpuruṣa, Aghora, Bhava, Vāma [und] Īśa; man lege sie [sodann] auf Mund, Herz, Fuß, Geheimteil und wiederum auf den eigenen Scheitel.
Auf den fünf Gesichtern – dem östlichen, südlichen, westlichen, nördlichen und dem mittleren – lege man danach die sechs, ihrer jeweiligen Art gemäß, Mantra-Glieder der Reihe nach an.
Danach vollziehe man zum Schutz die 'Golaka'-Anlegung (Kugel-Nyāsa): am Herzen, am Gesicht, an beiden Schultern, an den Schenkeln, am Hals, am Nabel, an beiden Seiten,
am Rücken, am Herzen, ebenso am Scheitel, am Mund, an beiden Augen, an der Nase, an den Gelenken von Arm und Fuß, mit ihren Spitzen [eingeschlossen] – lege man danach an.
Wort für Wort
pṛṣṭhe hṛdi tathā mūrdhni
am Rücken, Herzen, ebenso am Scheitel
vadane netrayornasoḥ
am Mund, an beiden Augen, an der Nase
doḥpatsaṃdhiṣu sāgreṣu
an den Gelenken von Arm und Fuß, mit ihren Spitzen
am Kopf, Mund, Herz, Bauch, an beiden Schenkeln und Füßen wiederum, [und] am Herz-Lotus des Gesichts; dabei [stelle man sich vor] Beil und Antilope, [nebst] Furchtlosigkeits- und Gunst-Geste.
Wort für Wort
śirovadanahṛtkukṣi-
am Kopf, Mund, Herz, Bauch
sorupādadvaye punaḥ
an beiden Schenkeln und Füßen wiederum
hṛdi vaktrāṃbuje
am Herz-Lotus des Gesichts
ṭaṅkamṛgā bhayavareṣvatha [?]
[mit] Beil und Antilope, Furchtlosigkeits- und Gunst-Geste
Anm.: Zweite Vershälfte knüpft an die Dhyāna-Attribute (Beil, Antilope, Gesten) an; genaue syntaktische Einordnung unsicher [?].
Auf Gesicht, Schultern, Herz, Fuß, Schenkel und Bauch lege der beste Meister der Reihe nach ordnungsgemäß die sechs Silben des Wurzelmantra (Mūlamantra) an.
Auf Scheitel, Stirn, Bauch, Schultern und Herz lege man diese [Silben] wiederum an; danach vollziehe der Weise mit diesem Mantra die Durchdringung (Vyāpaka-Nyāsa) des ganzen Körpers.
Verehrung sei dem von unendlicher Gestalt, dessen Wesen das leuchtende Liṅga-Nektar ist, dem Śambhu, dessen Glieder vom Glanz seiner vierfachen Gestaltform erstrahlen.
So, den Körper [ritualbereit] angelegt habend, denke er an den Gemahl Pārvatīs; stets meditiere er über den großen Herrn, der einem silbernen Berg gleicht,
cārucandrāvataṃsaṃ ca ratnākalpojjvalāṅgakam / paraśvadhavarābhītimṛgahastaṃ śubhānanam
geschmückt mit einem schönen Mondsichel-Ohrschmuck, mit vor Juwelenschmuck strahlenden Gliedern, mit Beil, Gunst-, Furchtlosigkeits-Geste und Antilope in den Händen, mit hold-schönem Antlitz,
auf einem Lotus sitzend, ringsum von Scharen der Wohlgesinnten gepriesen, mit einem Tigerfell bekleidet, den Urgrund von allem, von universaler Gestalt,
trinetraṃ pañcavaktraṃ ca sarvabhītiharaṃ śivam / tattvalakṣaṃ japenmantraṃ dīkṣitaḥ śaivavartmanā
dreiäugig und fünfgesichtig, alle Furcht hinwegnehmend, den Śiva – [so meditierend] rezitiere der auf dem Śaiva-Pfad Geweihte den Mantra hunderttausendmal.
In entsprechender Anzahl von Tausenden opfere man mit wohlschmeckendem Milchreis; danach wird der Mantra erfolgreich (siddha) und gewährt dem Übenden die gewünschte Vollkommenheit.
Wort für Wort
tāvatsaṃkhyasahasrāṇi
in entsprechender Anzahl von Tausenden
juhuyātpāyasaiḥ śubhaiḥ
opfere man mit wohlschmeckendem Milchreis
tataḥ siddho bhavenmantraḥ
danach wird der Mantra erfolgreich
sādhakābhīṣṭasiddhidaḥ
dem Übenden die gewünschte Vollkommenheit gewährend
Man verehre den Gott auf dem Sitz (Pīṭha), der mit den neun, mit Vāmā beginnenden Śaktis [versehen ist]: Vāmā, Jyeṣṭhā, ebenso Raudrī, Kālī, Kalavikaraṇī u.a.,
Wort für Wort
devaṃ saṃpūjayetpīṭhe
man verehre den Gott auf dem Sitz
vāmādinavaśaktike
der mit den neun, mit Vāmā beginnenden Śaktis
vāmā jyeṣṭhā tathā raudrī
Vāmā, Jyeṣṭhā, ebenso Raudrī
kālī kalapadādikā [?]
Kālī, Kalavikaraṇī u.a. [unsicher]
Anm.: 'kalapadādikā' – vermutlich verkürzte/verderbte Form für 'Kalavikaraṇī', den Namen der nächsten Śakti in der bekannten Neunerreihe.
manonmanīti saṃproktāḥ śaivapīṭhasya śaktayaḥ / namo bhagavate paścātsakalādi vadettataḥ
und [die letzte] wird Manonmanī genannt – [dies sind] die Śaktis des Śiva-Sitzes. Danach spreche man 'Namo bhagavate', darauf das [Wort] 'Sakala' usw.,
guṇātmaśaktibhaktāya tato 'nantāya tatparam / yogapīṭhātmane bhūyo namastārādiko manuḥ
'dem, dessen Wesen Guṇa, Ātman, Śakti und Bhakti sind', danach 'dem Ananta', darauf weiter 'dem, dessen Wesen der Yoga-Sitz ist' – [und] wiederum 'Verehrung' – so [ergibt sich] der mit dem Tāra beginnende Mantra.
Wort für Wort
guṇātmaśaktibhaktāya
'dem, dessen Wesen Guṇa, Ātman, Śakti, Bhakti sind'
Mit diesem Mantra gebe man den Sitz dem Gemahl der Bergestochter; nachdem man mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt festgesetzt hat, rufe man sie dorthin herbei und verehre Śiva.
Wort für Wort
amunā manunā dadyāt
mit diesem Mantra gebe man
āsanaṃ girijāpateḥ
den Sitz dem Gemahl der Bergestochter
mūrtiṃ mūlena saṃkalpya
nachdem man mit dem Wurzelmantra die Gestalt festgesetzt hat
Auf der Lotus-Kelchmitte verehre man die Gestalt des Īśāna, rein wie Bergkristall glänzend; in den Himmelsrichtungen [die mit] Tatpuruṣa beginnenden [Gesichter],
Wort für Wort
karṇikāyāṃ yajenmūrtiḥ
auf der Lotus-Kelchmitte verehre man die Gestalt
īśam īśānadiggajam [?]
des Īśāna, in der Īśāna-Richtung [?]
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ
rein wie Bergkristall glänzend
dikṣu tatpuruṣādikā
in den Himmelsrichtungen die mit Tatpuruṣa beginnenden [Gesichter]
Anm.: Vers technisch verdichtet und stellenweise unsicher; 'īśānadiggajam' evtl. verderbt für 'īśānadiśi gatām' o.ä. [?].
gelb, schwarz, weiß und rot [gefärbt], mit den ihrem Hauptaspekt entsprechenden Waffen, mit vier Gesichtern versehen – diese verehre man ordnungsgemäß.
In den Ecken verehre man die mit Nivṛtti beginnenden, aus Licht bestehenden Kalās der Reihe nach; die auf den Staubfäden stehenden Aṅga[-Gottheiten], [und] man verehre Gaṇeśa [und] die Schlangengottheiten.
Wort für Wort
koṇeṣvarcennivṛttyādyāḥ
in den Ecken verehre man die mit Nivṛtti beginnenden
tejorūpāḥ kalāḥ kramāt
aus Licht bestehenden Kalās der Reihe nach
aṅgāni kesarasthāni
die auf den Staubfäden stehenden Aṅga[-Gottheiten]
mit einer jungen Mondsichel auf der Krone, auf Lotussen stehend, mit Schmuck versehen, dreiäugig, mit Dreizack, Vajra, Waffen und Bogen in den Händen, liebreizend anzusehen,
uttarādi yajetpaścādrudraṃ caṇḍeśvaraṃ punaḥ / tato nandimahākālau gaṇeśaṃ vṛṣabhaṃ punaḥ
beginnend im Norden verehre man sie danach der Reihe nach; [ferner verehre man] Rudra, wiederum Caṇḍeśvara, sodann Nandin und Mahākāla, Gaṇeśa, wiederum den Stier,
sodann Bhṛṅgin, Ṛṭi und Skanda – diese, auf Lotussitzen befindlich, in den Farben Gold, Wasser(-klar), rötlich, dunkel, perlweiß, mondweiß und blassrosa,
Mit Ghee vermengten, reinen Sesamkörnern opfere man ehrfurchtsvoll hunderttausendmal; so vernichtet man die durch Unheilszeichen entstandenen Leiden – daran ist kein Zweifel.
Wer hundert Lakh (zehn Millionen) mal rezitiert, wird der Mensch leibhaftig zu Śiva. [Nun] wird der sechssilbige, von der Śakti umschlossene, [so zum] achtsilbigen Mantra genannt,
Der Ṛṣi und das Versmaß wurden zuvor genannt; die Gottheit ist der Gemahl Umās; die Aṅga[-Mantras sind] die zuvor genannten. Man denke an den milden Herrn,
von der Farbe der Bandhūka-Blüte, dreiäugig, die Mondsichel tragend, den Allherrscher, mit lächelndem Antlitz, in eigenen Händen Dreizack, Schädelschale, Gunst- und Furchtlosigkeits-Geste,
Wort für Wort
bandhūkābhaṃ trinetraṃ ca
von der Farbe der Bandhūka-Blüte, dreiäugig
śaśikhaṇḍadharaṃ vibhum
die Mondsichel tragend, den Allherrscher
smerāsyaṃ svakaraiḥ śūlaṃ
mit lächelndem Antlitz, in eigenen Händen Dreizack
[...] [unklar], reich an schönem Schmuck, mit der Bergestochter, die auf seinem linken Schenkel sitzt, deren Körper von [seinem] Arm umschlungen ist – ihn denke man sich im Herzen mit dem Geist.
Wort für Wort
vahṝntaṃ [?]
[unklar]
cārubhūpāḍhyaṃ [?]
reich an schönem Schmuck [vermutete Lesung]
vāmorusthādrikanyayā
mit der Bergestochter, die auf dem linken Schenkel sitzt
bhujenāśliṣṭadehaṃ taṃ
dessen Körper vom Arm umschlungen ist, ihn
cintayenmanasā hṛdi
denke man sich im Herzen mit dem Geist
Anm.: 'vahṝntaṃ' unklar/vermutlich verderbt; 'cārubhūpāḍhyaṃ' hier als 'cārubhūṣāḍhyaṃ' ('reich an schönem Schmuck') gedeutet [?].
Man rezitiere den Mantra hunderttausendmal, davon ein Tausendstel opfere man vorschriftsmäßig, mit Honig benetzten, vortrefflichen Amaltas-Opferhölzern.
Wort für Wort
manulakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra hunderttausendmal
tatsahasraṃ yathāvidhi
davon ein Tausendstel, vorschriftsmäßig
juhuyānmadhusasiktaiḥ [?]
opfere man mit Honig benetzten
āragvadhasamidvaraiḥ
vortrefflichen Amaltas-Opferhölzern
Anm.: 'juhuyānmān' – vermutlich Verschreibung für 'juhuyānmadhu' o.ä.
Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man mit Duftstoffen und Blüten den Gemahl Umās; außen sind, von den Aṅga[-Gottheiten] umgeben, die mit Hṛllekhā beginnenden [Śaktis] zu verehren, wie zuvor.
Wort für Wort
prākprokte pūjayetpīṭhe
auf dem zuvor genannten Sitz verehre man
gandhapuṣpairumāpatim
mit Duftstoffen und Blüten den Gemahl Umās
aṅgāvṛtairbahiḥ pūjyā
außen, von den Aṅga[-Gottheiten] umgeben, zu verehren
In der Mitte, im Osten, Süden, Norden und Westen platziert, verehre man vorschriftsmäßig auf den mit dem östlichen beginnenden Blütenblättern der Reihe nach den mit dem Stier beginnenden [Gaṇa].
Wort für Wort
madhyaprāgdakṣiṇodīcya-
in der Mitte, im Osten, Süden, Norden
paścimeṣu vidhānataḥ
und Westen, vorschriftsmäßig
yajetpūrvādipatreṣu
verehre man auf den mit dem östlichen beginnenden Blütenblättern
vṛṣabhādyānanukramāt
den mit dem Stier beginnenden [Gaṇa] der Reihe nach
mit Diskus, Muschel, Furchtlosigkeits- und Wunschgewährungs-Geste in den Händen, von smaragdenem Glanz – man verehre die milde Durgā, dreiäugig, mit schönem Schmuck,
zwischen den Zweigen des Wunschbaums eine Glocke haltend, mit zwölf Augen, von der Farbe der jungen Morgensonne, ein liebliches Kind – den Sechsgesichtigen (Skanda) verehre man danach,
Wort für Wort
kalpaśākhāntare ghaṇṭāṃ
zwischen den Zweigen des Wunschbaums eine Glocke
dadhānaṃ dvādaśekṣaṇam
haltend, mit zwölf Augen
bālārkābhaṃ śiśuṃ kāntaṃ
von der Farbe der jungen Morgensonne, ein liebliches Kind
nanditaṃ ca yajetsaumyāṃ ratnabhūṣaṇamaṇḍitam / paraśvadhavarābhītiṭaṅkinaṃ śyāmavigraham
Man verehre auch Nandin, geschmückt mit juwelenbesetztem Schmuck, mit Beil, Gunst-, Furchtlosigkeits-Geste und Meißel [in den Händen], von dunkler Gestalt,
Wort für Wort
nanditaṃ ca yajetsaumyāṃ [?]
man verehre auch Nandin, den Milden [?]
ratnabhūṣaṇamaṇḍitam
geschmückt mit juwelenbesetztem Schmuck
paraśvadhavarābhīti-
mit Beil, Gunst-, Furchtlosigkeits-Geste
ṭaṅkinaṃ śyāmavigraham
und Meißel, von dunkler Gestalt
Anm.: 'yajetsaumyāṃ' (fem.) passt grammatisch nicht eindeutig zu 'nanditam' (mask.); Übersetzung sinngemäß [?].
der Schlinge, Elefantenstachel, Gunst- und Wunschgewährungs-Geste trägt, von der Farbe des Safran – den Herrn der Hindernisse (Gaṇeśa) verehre man, mit einer Mondsichel als Scheitelschmuck,
den Dunklen, mit einer roten Lotusblüte in der Hand, die andere Hand auf den linken Schoß [der Gefährtin] gelegt, zweiäugig, reich in rote Gewänder gekleidet – den Heerführer (Senāpati) verehre man sodann.
tato 'ṣṭamātaraḥ pūjyā brāhmādyāḥ proktalakṣaṇāḥ / indrādikānlokapālānsvasvadikṣu samarcayet
danach sind die acht Mütter, beginnend mit Brāhmī, mit den genannten Merkmalen zu verehren; man verehre Indra u.a., die Weltenhüter, in ihren jeweiligen Richtungen,
sa bhavetsarvalokānāṃ saubhāgyaśreyasāṃ padam / sāṃtasadyāntasaṃyukto bindubhūṣitamastakaḥ
der wird zur Stätte von Glück und Heil für alle Welten. [Der nächste Bīja-Laut ist] mit dem s-Endenden und dem auf 'sadya' Endenden verbunden, an seinem Scheitel mit einem Bindu geschmückt.
Wort für Wort
sa bhavetsarvalokānāṃ
der wird für alle Welten
saubhāgyaśreyasāṃ padam
zur Stätte von Glück und Heil
sāṃtasadyāntasaṃyukto [?]
verbunden mit dem s-Endenden und sadya-Endenden [Laut]
bindubhūṣitamastakaḥ
an seinem Scheitel mit einem Bindu geschmückt
Anm.: Zweite Vershälfte beschreibt technisch die Bildung des folgenden Bīja-Lautes (Prāsāda-Bīja); Einzelheiten unsicher [?].
Der Mantra namens Prāsāda wird genannt, der denen, die ihn verehren, alle Vollkommenheiten gewährt; mit dem Samenlaut, verbunden mit den sechs langen Vokalen, wird das Sechsglieder-Verfahren dargelegt.
Wort für Wort
prāsādākhyo manuḥ prokto
der Mantra namens Prāsāda wird genannt
bhajatāṃ sarvasiddhidaḥ
allen Vollkommenheiten gewährend denen, die ihn verehren
ṣaḍdīrghayuktabījena
mit dem Samenlaut, verbunden mit den sechs langen Vokalen
Wie beim sechssilbigen [Mantra] werden auch für diesen, o Nārada, Seher usw. genannt. Der Meister lege die mit Īśāna beginnenden Gestalten auf Daumen usw. [Finger] an,
ukārādyaiḥ pañcahrasvaurvilomānsaṃyutaṃ ca yat / tattadaṅgulibhirbhūyastattadikānnyaset
und was mit den fünf kurzen, mit 'u' beginnenden Vokalen, in umgekehrter Reihenfolge verbunden ist, das lege man wiederum mit den jeweiligen Fingern an den jeweiligen Orten an.
am Gesicht, und wiederum an Scheitel usw. anlegend, bilde man wiederum die Glied-Mantras; nachdem man die fünf Tāra-Silben ausgesprochen hat, wird [das Wort] 'sarvajñāya' als am Herzen [zu platzieren] erklärt,
Wort für Wort
vaktre mūrdhādiṣu nyasya
am Gesicht, an Scheitel usw. anlegend
bhūyo 'ṅgāni prakalpayet
bilde man wiederum die Glied-Mantras
tārapañcakamuccārya
nachdem man die fünf Tāra-Silben ausgesprochen hat
sarvajñāya hṛdīritam
wird 'sarvajñāya' als am Herzen [zu platzieren] erklärt
'Amṛte', 'tejaḥ', 'mālini', 'tṛptāyai' – so lautet wiederum das [nächste] Wort; an dessen Ende steht das Brahma-Haupt-Mantra; das zum Kopf gehörige [Wort] 'jvalita' [folgt] danach,
Wort für Wort
amṛte tejo mālini
'Amṛte', 'Tejaḥ', 'Mālini'
tṛptāyeti padaṃ punaḥ
'Tṛptāyai' – so das Wort wiederum
tadante brahmaśiḥse
an dessen Ende das Brahma-Haupt-Mantra
śirogaṃ jvalitaṃ tataḥ
das Kopf-[Wort] 'Jvalita' danach
Anm.: Fortlaufende Liste von Mantra-Wortfragmenten (Pañcabrahma-Ṣaḍaṅga-Nyāsa); wörtlich wiedergegeben.
'Śikhin' zum Schopf-Mantra, weiter 'dem anfanglosen Erwachen' – dies ist sein Schopf-Mantra; 'dem Vajra-Träger', 'dem mit dem Blitz in der Hand', 'dem Selbstherrlichen' ist das Panzer-Mantra,
Wort für Wort
śikhiṃ śikhāya parataḥ
'Śikhin' zum Schopf-Mantra, weiter
'nādibodhāya tacchikhā
'dem anfanglosen Erwachen' – dies ist sein Schopf-Mantra
vajriṇe vajrahastāya
'dem Vajra-Träger', 'dem mit dem Blitz in der Hand'
'saiṃ saiṃ hauṃ' so aussprechend, weiter 'oṃ, der geheimen Śakti' – dies wird das Augen-Mantra genannt; 'ślī paśuṃ huṃ phaṭ' am Ende – dies ist das Augen-Mantra der Śakti,
so wird das Waffen-Mantra genannt. So vollziehe man gesammelt die sechs Glied-Mantras; auf den fünf [Gesichtern]: Osten, Süden, Westen, Norden und in der Mitte,
Wort für Wort
astramuktaṃ ṣaḍaṅgāni
das Waffen-Mantra genannt; die sechs Glied-Mantras
kuryādevaṃ samāhitaḥ
vollziehe man so, gesammelt
pūrvadakṣiṇapaścāt
im Osten, Süden, Westen
prāksaumyamadhyeṣu pañcasu
Norden und in der Mitte, auf den fünf [Gesichtern]
'Aṃśumālinī' sodann die weitere [Kalā]; sie sind mit dem Praṇava beginnend und mit 'namaḥ' versehen; an den Gesichtern Ost, West, Süd, Nord [platziert man sie] danach,
danach wird 'Pratiṣṭhā' genannt; die dritte sei [mit] 'pracodayāt'; 'Nivṛtti' ist die vierte, danach; alle [Kalās] sind mit dem Praṇava beginnend und mit 'namaḥ' versehen.
am Herzen, an beiden Schultern, am Nabel, am Bauch, am Rücken, sodann an der Brust und weiter am Oberkörper lege der Mantra-Kundige die acht Kalās vorschriftsmäßig an.
Wort für Wort
hṛdi cāṃsadvaye nābhikukṣau
am Herzen, an beiden Schultern, am Nabel, am Bauch
Diese sind mit dem Praṇava beginnend, mit dem Dativ endend, mit 'namaḥ' am Ende versehen und werden so genannt. Auf Füßen, Armen, Brüsten, Nase, Scheitel und beiden Armen lege man [die nächsten Mantras] an,
alle Kalās sind mit dem Praṇava beginnend, mit dem Dativ endend, mit 'namaḥ' versehen; achtunddreißig Kalās wurden genannt, gehörig zu den fünf, mit 'Brahma' beginnenden Worten [Gesichtern].
Wort für Wort
praṇavādyāścaturthyantā
mit dem Praṇava beginnend, mit dem Dativ endend
kalāḥ sarvā namonvitāḥ
alle Kalās, mit 'namaḥ' versehen
aṣṭātriṃśatkalāḥ proktāḥ
achtunddreißig Kalās wurden genannt
pañca brahmapadādikāḥ
gehörig zu den fünf, mit 'Brahma' beginnenden [Gesichtern]
mit weißen, gelben, dunklen, weißen und hibiskusroten fünf Gesichtern, mit Rosenkränzen versehen, [mit] 'Glauṃ' auf der Krone, mit dem Glanz von zehn Millionen Vollmonden,
Wort für Wort
sitapītāsitaśveta-
weiß, gelb, dunkel, weiß
japābhaiḥ pañcabhirmukhaiḥ
und hibiskusrot, mit fünf Gesichtern
akṣairyutaṃ glaumukuṭaṃ
mit Rosenkränzen versehen, 'Glauṃ' auf der Krone
koṭipūrṇendusaṃprabham
mit dem Glanz von zehn Millionen Vollmonden
Anm.: 'śveta' (weiß) erscheint im Quelltext zweimal unter den fünf Gesichtsfarben; möglicherweise Verschreibung für eine andere Farbe.
śūlaṃ ṭaṅkaṃ kṛpāṇaṃ ca vajrāgnyahipatīnkaraiḥ / dadhānaṃbhūṣaṇoddīptaṃ ghaṇṭāpāśavarābhayān
Dreizack, Meißel und Schwert, sowie Vajra, Feuer und den Herrn der Schlangen in den Händen haltend, strahlend von Schmuck, mit Glocke, Schlinge, Gunst- und Furchtlosigkeits-Gesten,
Wort für Wort
śūlaṃ ṭaṅkaṃ kṛpāṇaṃ ca
Dreizack, Meißel und Schwert
vajrāgnyahipatīnkaraiḥ
Vajra, Feuer, den Herrn der Schlangen in den Händen
dadhānaṃbhūṣaṇoddīptaṃ
haltend, strahlend von Schmuck
ghaṇṭāpāśavarābhayān
mit Glocke, Schlinge, Gunst- und Furchtlosigkeits-Geste
pūrvodite yajetpīṭhe martiṃ mūlena kalpayet / āvāhya pūjayettasyāṃ mūrtāvāvaraṇaiḥ saha
Auf dem zuvor genannten Sitz verehre man; man gestalte mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt; nachdem man sie herbeigerufen hat, verehre man sie in dieser Gestalt zusammen mit den Umgebungsgottheiten.
Wort für Wort
pūrvodite yajetpīṭhe
auf dem zuvor genannten Sitz verehre man
mūrtiṃ mūlena kalpayet [?]
man gestalte mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt
āvāhya pūjayettasyāṃ
herbeigerufen, verehre man sie in dieser
mūrtāvāvaraṇaiḥ saha
Gestalt, zusammen mit den Umgebungsgottheiten
Anm.: Quelltext 'martiṃ' – Verschreibung für 'mūrtiṃ'.
Speer, Handtrommel, Furchtlosigkeits- und Gunst-Geste in den Händen haltend – den Īśāna, dreiäugig, weiß-strahlend, verehre man in der Īśāna-Richtung (Nordosten).
von der Farbe des schwarzen Augensalbes, vierköpfig, mit furchterregenden Zähnen, Schrecken einflößend – den Aghora, dreiäugig, verehre der beste Mantra-Kenner im Süden.
Wort für Wort
añjanābhaṃ caturvaktraṃ
von der Farbe des schwarzen Augensalbes, vierköpfig
In den Ecken verehre man die mit Nivṛtti beginnenden, aus Licht bestehenden Kalās der Reihe nach; man verehre die mit Vighneśvara [und] Ananta beginnenden [Gottheiten] ringsum auf den Blütenblättern.
Wort für Wort
koṇeṣvarcennivṛttyādyāḥ
in den Ecken verehre man die mit Nivṛtti beginnenden
tejorūpāḥ kalāḥ kramāt
aus Licht bestehenden Kalās der Reihe nach
vighneśvarānanantādyān
die mit Vighneśvara, Ananta beginnenden [Gottheiten]
danach [verehre man] außen die mit Umā beginnenden [Gefährtinnen], die mit Indra beginnenden [Weltenhüter] zusammen mit ihren Waffen. So, nachdem er den Göttergebieter verehrt hat, versehen mit höchster Hingabe,
Wort für Wort
umādikāstato bāhye
danach außen die mit Umā beginnenden
śakrādyānāyudhaiḥ saha
die mit Indra beginnenden, zusammen mit ihren Waffen
möge er ihn mit Tanz, Gesang usw. und lieblichen, freundlichen Lobpreisungen erfreuen. [Es folgt ein Mantra:] Tāra, Māyā-Bīja, verbunden mit dem Himmels-Bindu (Anusvāra),
verbunden mit dem fünfsilbigen Mantra, wird ein Mantra aus acht Silben gebildet. Wie beim fünfsilbigen Mantra beschrieben, vollziehe der Weise die Glied-Anlegung usw.
Wort für Wort
pañcākṣarasamāyukto
verbunden mit dem fünfsilbigen [Mantra]
vasuvarṇo manurmataḥ
wird ein achtsilbiger Mantra gebildet
pañcākṣaroktavatkuryāt
wie beim fünfsilbigen [Mantra] beschrieben, vollziehe man
siṃdūrābhaṃ lasadratnamukuṭaṃ candramaulinam / divyabhūṣāṅgarāgaṃ ca nāgayajñopavītinam
von der Farbe des Zinnobers, mit funkelnder Juwelenkrone, den Mond auf dem Haupt tragend, mit göttlichem Schmuck und Salböl, mit einer Schlange als heiliger Schnur,
Wort für Wort
siṃdūrābhaṃ lasadratna-
von der Farbe des Zinnobers, mit funkelnder Juwelen-
vāmorusthapriyorojanyastahastaṃ ca bibhratam / vedaṭaṅkeṣmabhayaṃ dhyāyetsarveśvaraṃ śivam
und die eine Hand auf den Schenkel der geliebten [Gefährtin] gelegt haltend, [mit anderen Händen] Buch, Meißel und Furchtlosigkeits-[Geste haltend] – man meditiere über Śiva, den Herrn von allem.
Wort für Wort
vāmorusthapriyoroja-
auf den Schenkel der geliebten [Gefährtin]
nyastahastaṃ ca bibhratam
die Hand gelegt haltend und tragend
vedaṭaṅkeṣmabhayaṃ [?]
Buch, Meißel, Furchtlosigkeits-[Geste] [unsicher]
dhyāyetsarveśvaraṃ śivam
man meditiere über Śiva, den Herrn von allem
Anm.: 'vedaṭaṅkeṣmabhayaṃ' technisch verdichtet und unsicher gelesen [?].
Man rezitiere den Mantra achthunderttausendmal; davon ein Tausendstel opfere man mit Ghee vermengtem Milchreis; auf dem Sitz gestalte man mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt,
zuerst mit den Glied-Mantras die Umhüllung, danach mit den mit Ananta beginnenden [Gottheiten], mit den mit Umā beginnenden wird die dritte [Umhüllung] bezeichnet, mit den Weltenführern,
Wort für Wort
aṅgairāvaraṇaṃ pūrvam
zuerst mit den Glied-Mantras die Umhüllung
anantādyairanantaram
danach mit den mit Ananta beginnenden [Gottheiten]
und erlangt fürwahr hier den mit Söhnen und Enkeln verbundenen Reichtum, sich [daran] erfreuend. [Es folgt der Mṛtyuñjaya-Mantra:] Tāra, das 'Sthirā'-[Bīja], versehen mit 'Karṇa' und 'Indu', 'Bha', 'Ghṛgu', verbunden mit dem Visarga,
Wort für Wort
putrapautrādigāṃ lakṣmīṃ
den mit Söhnen und Enkeln verbundenen Reichtum
saṃprāpyahyatra modate
erlangend, erfreut er sich fürwahr hier
tāraḥ sthirā sakarṇenduḥ [?]
Tāra, 'Sthirā', versehen mit 'Karṇa' und 'Indu'
bhaghṛguḥ sargasamanvitaḥ [?]
'Bha', 'Ghṛgu', verbunden mit dem Visarga
Anm.: Kryptische Bīja-Konstruktion des folgenden Mṛtyuñjaya-Mantra; Einzelterme unsicher [?].
So wird der aus diesen Silben bestehende Mantra genannt, dessen Wesen der Mṛtyuñjaya (Todesbezwinger) ist; der Ṛṣi ist Kahola, [seine] Gottheit die mit Devī beginnende [Reihe], Gāyatrī wird als Versmaß genannt,
Wort für Wort
akṣarātmā nigadito mantro
so wird der aus diesen Silben bestehende Mantra genannt
Mṛtyuñjaya, der große Gott, wird als dessen Gottheit genannt; mit dem Bīja 'bhṛgu', verbunden mit dem langen Vokal, vollziehe man die sechs Glied-Riten.
Wort für Wort
mṛtyuñjayo mahādevo
Mṛtyuñjaya, der große Gott
devatāsya samīritaḥ
wird als dessen Gottheit genannt
bhṛguṇā dīrghayuktena
mit dem Bīja 'bhṛgu', verbunden mit dem langen Vokal
mit Mond, Sonne und Feuer als Augen, mit lächelndem Antlitz, auf einem Doppel-Lotus sitzend, mit Mudrā, Schlinge, Antilope und Rosenkranz in den strahlenden Händen, mondweiß glänzend,
bhālenduvigalantpīyūṣaplutāṅgamalaṅkṛtam / hārādyairnijakāntyā tu dhyāyedviśvavimohanam
dessen Glieder von dem aus der Stirn-Mondsichel herabtröpfelnden Nektar durchtränkt sind, geschmückt mit Halsketten u.a., durch seinen eigenen Glanz – man meditiere über ihn, der die ganze Welt betört.
Wort für Wort
bhālenduvigalantpīyūṣa-
von dem aus der Stirn-Mondsichel herabtröpfelnden Nektar
Man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal; davon ein Zehntel opfere der Weise, mit Stückchen der Amṛtā-Pflanze, getränkt mit reiner Milch und Ghee zugleich.
Auf dem Śiva-Sitz verehre man die mit dem Wurzelmantra festgesetzte Kultgestalt; nachdem man die Glied-Umhüllung verehrt hat, verehre man danach die Weltenherrscher,
tadastrāṇi tato bāhye pūjayetsādhakottamaḥ / japapūjādibhiḥ siddhe mantre 'sminmunisattama
deren Waffen außerhalb davon verehre der beste Übende. Wenn durch Rezitation, Verehrung usw. dieser Mantra vollkommen geworden ist, o bester der Weisen,
vollziehe er die für das Kali-Zeitalter genannten Anwendungen zur Erlangung der gewünschten Frucht; indem er täglich ehrfurchtsvoll mit milchbenetzten Stücken der Amṛtā-Pflanze opfert,
Wort für Wort
kuryātprayogānkalyoktān
vollziehe er die für das Kali-Zeitalter genannten Anwendungen
durch tausendfache [Opferung] bis zu einem Monat erlangt er Lebenslänge, Reichtum und Söhne; [an den Wochentagen mit] Amṛtā-Blättern zuvor, [dann] Milch, Ghee, Milch als Opfergabe,
Wort für Wort
sahasramāsaparyantaṃ
durch tausendfache [Opferung] bis zu einem Monat
labhedāyurdhanaṃ sutān
erlangt er Lebenslänge, Reichtum und Söhne
sudhāvaṭatitānpūrvā [?]
mit Amṛtā-Blättern zuvor [unsicher]
payaḥ sarpiḥ payo haviḥ
Milch, Ghee, Milch als Opfergabe
Anm.: Aufzählung der an den sieben Wochentagen zu verwendenden Opfersubstanzen, im Quelltext knapp und teils unsicher [?].
den Opferpriestern gebe man als Ehrengabe eine rötliche, milchgebende Kuh; danach erfreue man den Lehrer mit Reichtum u.a., in der Gesinnung, ihn als Gottheit zu ehren,
Wort für Wort
ṛtvigbhyo dakṣiṇāṃ dadyāt
den Opferpriestern gebe man als Ehrengabe
aruṇāṃ gāṃ payasvinīm
eine rötliche, milchgebende Kuh
guruṃ saṃprīṇayetpaścāt
danach erfreue man den Lehrer
dhanādyairdevatādhiyā
mit Reichtum u.a., in der Gesinnung [ihn als] Gottheit
über drei Geburten hinweg, mit vortrefflichen Opferhölzern der Guḍūcī-Ranke, der Safranpflanze und des Bakula-Baumes vollzogenes Homa nimmt jeden Tod und jede Krankheit hinweg.
die Gottheit ist Dakṣiṇāmūrti, mit Namen Śambhu wird er genannt; mit den zuvor [genannten], mit Tāra und Śakti verbundenen, mit 'Hrīm' beginnenden und endenden Mantra-Silben,
an der sechsten, sechsten und achten [Silbe], mit den Feuer-Silben, bilde man die Herz- usw. Glied-Mantras; am Scheitel, an der Stirn, an beiden Augen, am Ohr, an beiden Wangen, an der Nase,
Wort für Wort
ṣaṭṣaṣṭhāṣṭeṣu vahnyarṇaiḥ
an der sechsten, sechsten, achten [Silbe], mit den Feuer-Silben
hṛdayādyaṅgakalpanam
bilde man die Herz- usw. Glied-Mantras
mūrdhni bhāle dṛśoḥ śrotre
am Scheitel, an der Stirn, an beiden Augen, am Ohr
āsyadoḥsaṃdhiṣu gale stanahṛnnābhimaṇḍale / kaṭyāṃ guhye punaḥ pādasaṃdhiṣvarṇānnyasenmanoḥ
an Mund, Armgelenken, am Hals, an Brust, Herz, im Nabelbereich, an der Hüfte, am Geheimteil, wiederum an den Fußgelenken lege man die Silben des Mantra an,
die Durchdringung [des ganzen Körpers] vollziehe man danach mit Tāra und Śakti. [Man meditiere:] Am lieblichen Abhang des Himālaya, von Siddhas und Kinnaras aufgesucht,
von den mit Indra an der Spitze stehenden Göttern samt ihrem Gefolge betrachtet – [dort steht] ein Banyanbaum von großer Höhe, leuchtend mit Früchten wie Rubinen,
wunderbar, dessen Schatten geeignet ist, die Glut des Saṃsāra zu unterbrechen. An dessen Fuß, auf einem gut gestalteten Juwelen-Löwenthron, glückverheißend,
auf die Nasenspitze blickend, in der Heldenhaltung (Vīrāsana) sitzend, auf glückverheißendem Sitz, mit auf dem Knie ruhender, antilopenversehener, knospenzarter Hand,
Wort für Wort
nāsāgrālokanaparaṃ
auf die Nasenspitze blickend
vīrāsanasamāsthitam
in der Heldenhaltung sitzend
bhadrāṭake [?]
auf glückverheißendem Sitz [?]
kuraṅgāḍhyajānusthakarapallavam
mit auf dem Knie ruhender, antilopenversehener, knospenzarter Hand
Anm.: 'bhadrāṭake' unsicher, evtl. Verschreibung für 'bhadrāsane' [?].
kakṣābaddhabhujaṅgaṃ ca suprasannaṃ haraṃ smaret / ayutadvayasaṃyuktaguṇalakṣaṃ japenmanum
und mit einer um die Hüfte gebundenen Schlange, hocherfreut – an Hara denke man. Man rezitiere den Mantra dreihunderttausendmal, verbunden mit zwanzigtausend,
davon ein Zehntel opfere man mit reinen, mit Milch vermengten Sesamkörnern; auf dem beim fünfsilbigen Mantra genannten Sitz verehre man nach jenem Verfahren,
von Bettelspeise lebend, mit gezügelten Sinnen, rezitiere man diesen Mantra einen Monat lang, täglich [in entsprechender Zahl] – man erlangt höchste Redegewalt.
Wort für Wort
bhikṣāhāro japenmāsaṃ
von Bettelspeise lebend, rezitiere man einen Monat
'prayaccha', am Ende mit dem doppelten 'ṭha' – dies ist der zweiundzwanzigsilbige Mantra; der Seher ist Caturmukha (Brahmā), Gāyatrī wird als Versmaß, [Dakṣiṇāmūrti] als Gottheit genannt,
mit den vom Tāra umschlossenen sechs langen Vokalen bilde man die Glied-Mantras; oder auch mit den aus dem Mantra entstehenden Wörtern; die Meditation usw. gilt wie zuvor beschrieben.
Wort für Wort
tāraruddhaiḥ svarairdīrghaiḥ
mit den vom Tāra umschlossenen langen Vokalen
ṣaḍbhiraṅgāni kalpayet
mit den sechs bilde man die Glied-Mantras
padairmantrabhavairvāpi
oder auch mit den aus dem Mantra entstehenden Wörtern
'Lohita', der höchste Sitz, sogleich mit einem Bindu versehen – dies zuerst; das zweite besteht im Feuer-Bīja stehend, lang, mit Śānti und Mond geschmückt,
Wort für Wort
lohitogryāsanaḥ sadyo [?]
'Lohita', der höchste Sitz, sogleich
bindumānprathamaṃ tataḥ
mit einem Bindu versehen, dies zuerst
dvitīyaṃ vahnibījasthā
das zweite, im Feuer-Bīja stehend
dīrghā śāntīndubhūṣitā
lang, mit Śānti und Mond geschmückt
Anm.: Kryptische Konstruktion des folgenden Nīlakaṇṭha-Mantra-Bīja; Einzelheiten unsicher [?].
die dritte Silbe ist 'lāṅgalīśa'; der Mantra, versehen mit den drei Samenlauten, wird als von Nīlakaṇṭhas Wesen genannt, der höchste, der die zweifache Gift-Wirkung hinwegnimmt,
Wort für Wort
tṛtīyā lāṅgalīśārṇa-
die dritte Silbe ist 'lāṅgalīśa'
mantro bījatrayānvitaḥ
der Mantra, versehen mit den drei Samenlauten
nīlakaṇṭhātmakaḥ prokto
wird als von Nīlakaṇṭhas Wesen genannt
viṣadvayaharaḥ paraḥ
der höchste, der die zweifache Gift-Wirkung hinwegnimmt
'huṃ phaṭ' wird als Panzer-Mantra bezeichnet; 'nīlakaṇṭhine' – danach, endend auf 'svāhā', ist das Waffen-Mantra; diese kennt man als die fünf Glieder des Mantra.
am Scheitel, am Hals, am Herz-Lotus lege man der Reihe nach die drei Samenlaute an. [Man meditiere über einen Gott] von der Leuchtkraft zehntausend junger Sonnen, geschmückt mit Haarschopf und Mond,
auf dem Śiva-Sitz verehre man, gesammelt, den Gott Nīlakaṇṭha, nach dem Verfahren zur Überwindung des Todes, der die zweifache Gift-Wirkung vernichtet.
Agni, Saṃvartaka, Āditya und Anila, mit sechzig Bindus versehen – dies wird als das 'Cintāmaṇi' genannte Samenwort bekannt, das jeden Wohlstand gewährt.
Wort für Wort
agniḥ saṃvartakādityarānilau
Agni, Saṃvartaka, Āditya und Anila
ṣaṣṭibindumān
mit sechzig Bindus versehen
cintāmaṇiriti khyātaṃ bījaṃ
wird als das 'Cintāmaṇi' genannte Samenwort bekannt
mit den sechs, mit 'r' beginnenden Konsonanten bilde man der Reihe nach die sechs Glied-Mantras. [Man meditiere:] dreiäugig, von der Farbe des Saphirs, mit Dreizack, Schlinge, Schädelschale,
raktotpalaṃ ca hastābjairdadhataṃ cārubhūṣaṇam / bālendubaddhamukuṭamarddhanārīśvaraṃ smaret
und roter Lotusblüte in den lotusgleichen Händen haltend, mit schönem Schmuck, mit einer jungen Mondsichel an der Krone befestigt – an Ardhanārīśvara denke man.
Wort für Wort
raktotpalaṃ ca hastābjaiḥ
und rote Lotusblüte in den lotusgleichen Händen
dadhataṃ cārubhūṣaṇam
haltend, mit schönem Schmuck
bālendubaddhamukuṭam
mit einer jungen Mondsichel an der Krone befestigt
ekalakṣaṃ japenmantraṃ triśataṃ madhurāplutaiḥ / tilairhunedyajetpīṭhe śaiveṅgāvaraṇaiḥ saha
Man rezitiere den Mantra hunderttausendmal; dreihundertmal opfere man mit in Süßem getränkten Sesamkörnern; man verehre auf dem Śiva-Sitz zusammen mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten,
danach mit den mit dem Stier beginnenden [Gaṇas], den Müttern, den Weltenhütern und deren Waffen; man rezitiere den mit 'Prāsāda' beginnenden Mantra zehntausendmal zur Beruhigung von Krankheit.
Wort für Wort
vṛṣādyairmātṛbhiḥ paścāt
danach mit den mit dem Stier beginnenden [Gaṇas], den Müttern
lokapālaistadāyudhaiḥ
den Weltenhütern und deren Waffen
prāsādādyaṃ japenmantram
man rezitiere den mit 'Prāsāda' beginnenden Mantra
pratilomasvarāḍhyā ca bījaṃ vahnigṛhe sthitam / rephaādivyañjanollāsiṣaṭkoṇābhivṛtaṃ bahiḥ
und reich an rückläufigen Vokalen, das Samenwort im Feuer-Haus befindlich, außen umgeben von einem aus den mit 'r' beginnenden Konsonanten erstrahlenden Sechseck,
Wort für Wort
pratilomasvarāḍhyā ca
und reich an rückläufigen Vokalen
bījaṃ vahnigṛhe sthitam
das Samenwort im Feuer-Haus befindlich
rephaādivyañjanollāsi-
aus den mit 'r' beginnenden Konsonanten erstrahlend
am Scheitel eines von einem Geisterwesen Geplagten gedacht, vernichtet es rasch das Geisterwesen; am gepeinigten Körperglied gedacht, beruhigt es fürwahr die jeweilige Pein.
Wort für Wort
bhūtārtasya smṛtaṃ mūrdhni
am Scheitel eines von einem Geisterwesen Geplagten gedacht
nach zwanzigtausendmaliger [Rezitation] ist er fähig, Bhūtas u.a. zu bannen. [Es folgt ein weiterer Mantra:] Māyā-Bīja, 'sphura' zweimal, wiederum 'prasphura' zweimal,
das Herz-Mantra wird mit fünf Silben genannt, das Kopf-Mantra mit sechs bezeichnet; der Schopf mit zehn benannt, das Panzer-Mantra mit neun [Silben] gemeint,
das Augen-Mantra wird mit acht Silben überliefert, das Waffen-Mantra mit zehn Silben genannt; am Scheitel, an Augen, Mund, Hals, Herz, Nabel und Schenkeln der Reihe nach,
an Knien, Waden und beiden Füßen lege man mit den je nach Rudra-Aspekt unterschiedlichen Silben an, gemäß den Zahlen fünf, sechs, acht, vier, zwei, vier, sechs, zwei [Silben je Glied],
Wort für Wort
jānujaṅghāpadadvandve
an Knien, Waden und beiden Füßen
rudrabhinnākṣarairnyaset
lege man mit den je nach Rudra-Aspekt unterschiedlichen Silben an
pañcaṣaṭkāṣṭa- [?]
fünf, sechs, acht
vedāṅgadvivdyabdhirasalocanaiḥ [?]
vier, zwei, vier, sechs, zwei [Silben, unsicher]
Anm.: Zweite Vershälfte zählt vermutlich die Silbenzahlen der einzelnen Glied-Mantras auf; Lesung teils unsicher [?].
den Dunklen, dreiäugig, mit seiner Gefährtin, mit rotem Gewand und rot gefärbten Gliedern, mancherlei Waffen tragend – man meditiere über den Aghora genannten Sadāśiva.
dies bewirkt die Vernichtung von Geisterwesen, Vetālas usw., ein Mantra zur Bezwingung. [Es folgt der Pāśupatāstra-Mantra:] Tāra, 'vānta', auf der Erde stehend, mit dem linken Auge als Mondschmuck versehen,
Wort für Wort
bhūtavetālakādīnāṃ
von Geisterwesen, Vetālas usw.
kṣayo 'yaṃ nigrahe manuḥ
dies bewirkt die Vernichtung, ein Mantra zur Bezwingung
tāro vānto dharāsaṃstho [?]
Tāra, 'vānta', auf der Erde stehend
vāmanetrendubhūṣitaḥ
mit dem linken Auge als Mondschmuck versehen
Anm.: Konstruktion des folgenden Pāśupatāstra-Mantra kryptisch; Einzelheiten unsicher [?].
'Pāśin', 'baka', endend mit Ohr, Auge, Panzer, Waffe – dies ist der sechssilbige Mantra, genannt Pāśupatāstra, der Planeten-Übel und Kleinigkeiten abwehrt.
Wort für Wort
pāśī bakaḥ karṇanetra-
'Pāśin', 'baka', mit Ohr, Auge
varmāstrāntaḥ ṣaḍakṣaraḥ
endend mit Panzer, Waffe – der sechssilbige [Mantra]
mit den sechs Silben, endend auf 'huṃ phaṭ', mit ihrer jeweiligen Art bilde man die sechs Glied-Mantras. [Man meditiere:] von der Leuchtkraft der Mittagssonne, furchterregend, dreiäugig, mit Schlangenschmuck,
Wort für Wort
ṣaḍbhirvarṇaiḥ ṣaḍaṅgāni
mit den sechs Silben die sechs Glied-Mantras
huṃphaḍantaiḥ sajātibhiḥ
endend auf 'huṃ phaṭ', mit ihrer jeweiligen Art
madhyāhnārkaprabhaṃ bhīmaṃ
von der Leuchtkraft der Mittagssonne, furchterregend
nānāśastraṃ caturvaktraṃ smaretpaśupatiṃ haram / varṇalakṣaṃ japenmantraṃ juhuyāttaddaśāṃśataḥ
mit mancherlei Waffen, vierköpfig – man denke an Hara, den Paśupati. Man rezitiere den Mantra so oft hunderttausendmal wie er Silben hat; davon opfere man ein Zehntel.
Wort für Wort
nānāśastraṃ caturvaktraṃ
mit mancherlei Waffen, vierköpfig
smaretpaśupatiṃ haram
man denke an Hara, den Paśupati
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra je Silbe hunderttausendmal
mit Kuh-Ghee opfere man den Mantra im geweihten Opferfeuer; auf dem Śiva-Sitz verehre man mit den Glied-Mantras, den Müttern, den Weltenherrschern und deren Waffen,
Wort für Wort
gavyena sarpiṣā mantro
mit Kuh-Ghee, der Mantra
saṃskṛte havyavāhane
im geweihten Opferfeuer [opfere man]
śaive pīṭhe yajedaṅga-
auf dem Śiva-Sitz verehre man mit den Glied-Mantras
anena mantritaṃ toyaṃ bhūtagrastamukhe kṣipet / sadyaḥ sa muñcati krandānmahāmantraprabhāvataḥ
Mit diesem geweihtes Wasser werfe man in das Gesicht eines von einem Geisterwesen Besessenen; sogleich lässt dieser durch die Kraft des großen Mantra sein Wehklagen fahren.
mit Tāra beginnend, achtsilbig, wird dieser [Mantra] des Kṣetrapāla genannt; mit dem Samenlaut, verbunden mit den sechs langen Vokalen, lege man die sechs Glied-Mantras an und meditiere.
Wort für Wort
tārādyo vasuvarṇo 'yaṃ
mit Tāra beginnend, achtsilbig, dieser
kṣetrapālasya kīrtitaḥ
wird des Kṣetrapāla genannt
ṣaḍdīrghayuktabījena
mit dem Samenlaut, verbunden mit den sechs langen Vokalen
nīlācalābhaṃ digvastraṃ sarpabhūṣaṃ trilocanam / piṅgordhvakeśāndadhataṃ kapālaṃ ca gadāṃ smaret
von der Farbe eines dunklen Berges, mit den Himmelsrichtungen als Gewand, mit Schlangenschmuck, dreiäugig, mit hochstehendem, rötlich-braunem Haar, Schädelschale und Keule haltend – man denke an ihn.
Wort für Wort
nīlācalābhaṃ digvastraṃ
von der Farbe eines dunklen Berges, mit den Himmelsrichtungen als Gewand
auf dem mit Dharma usw. gestalteten Sitz, mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten, ehrfurchtsvoll; diesem, samt seinem Gefolge, bringe man mit diesem [Mantra] ein Balī-Opfer dar.
Wort für Wort
dharmādikalpite pīṭhe
auf dem mit Dharma usw. gestalteten Sitz
sāṃgāvaraṇamādarāt
mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten, ehrfurchtsvoll
dieser wird als Balī-Mantra bezeichnet, der die Frucht aller Wünsche gewährt; nachdem der Übende in der Nacht eine große Opferkugel mit entsprechender Unterweisung bereitet hat,
Wort für Wort
balimantro 'yamākhyātaḥ
dieser wird als Balī-Mantra bezeichnet
sarvakāmaphalapradaḥ
der die Frucht aller Wünsche gewährt
sopadeśaṃ bṛhatpiṇḍe
mit entsprechender Unterweisung eine große Opferkugel
und den Kṣetrapāla, wie vorgeschrieben, sich vergegenwärtigt hat, bringe er das Balī-Opfer in dessen Hand dar; durch dieses Balī-Opfer zufriedengestellt, gewährt Kṣetrapāla,
Wort für Wort
smṛtvā yathoktaṃ kṣetreśaṃ
den Kṣetrapāla, wie vorgeschrieben, sich vergegenwärtigt
Glanz, Geistesschärfe, angemessene Kraft, Energie, Gedeihen, Ruhm und Glück. Man erhebe [den Mantra] 'baṭukam', endend auf 'ṅe' – dies dient ebenso zur Errettung aus Not.
'kuru' zweimal, danach spreche man 'vaṭukam', endend auf 'ṅe'; von der Śakti umschlossen, mit 'Dhruva' beginnend, ist dies der zweiundzwanzigsilbige Mantra.
mit den Silbenzahlen zwei, vier, sieben, vier (Veda), vier (Meer), eins (Mond) bildet man die Glied-Mantras des Mantra. [Man meditiere:] ein Knabe, kristallklar, mit lieblich-beweglichem Antlitz,
Wort für Wort
dvicatuḥsaptavedābdhi-
zwei, vier, sieben, vier (Veda), vier (Meer)
candrārṇairaṅgakaṃ manoḥ
[und] eins (Mond) [Silben] – die Glied-Mantras des Mantra
bālaṃ sphaṭikasaṃkāśaṃ
ein Knabe, kristallklar
tallolalasitānanam
mit lieblich-beweglichem Antlitz
Anm.: Zahlwörter kodieren vermutlich die Silbenanzahl der jeweiligen Glied-Mantras.
mit göttlichem Schmuck strahlende Glieder, dreiäugig, mit Stab und Dreizack, hocherfreut – man denke mit Hingabe an ihn, der seinen Verehrern Furchtlosigkeit gewährt.
Wort für Wort
divyākalpaiḥ pradīptāṅgaṃ
mit göttlichem Schmuck strahlende Glieder
tryakṣaṃ daṇḍatriśūlinam
dreiäugig, mit Stab und Dreizack
suprasannaṃ smareddhaktyā
hocherfreut, man denke mit Hingabe
bhaktānāmabhayaṅkaram
an ihn, der seinen Verehrern Furchtlosigkeit gewährt
Man rezitiere den Mantra so oft hunderttausendmal wie er Silben hat, von Opferspeise lebend, mit gezügelten Sinnen; davon opfere man ein Zehntel mit süß vermengten Sesamkörnern.
Wort für Wort
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra je Silbe hunderttausendmal
auf dem mit Dharma usw. gestalteten Sitz und auf dem hochprächtigen Lotus, der innerhalb eines Sechsecks ein Dreieck, den Luftraum und einen Lotus vereint enthält,
verehre man den Gott Baṭuka mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten der Reihe nach; [mit den Worten:] 'Das Blut der feindlichen Partei, das Fleisch, verzehre täglich, zusammen mit den Gaṇas, begleitet von deinem Hund!'
Wort für Wort
baṭukaṃ pūjayeddevaṃ
verehre man den Gott Baṭuka
sāṃgāvaraṇakaṃ kramāt
mit den Glied- und Umhüllungsgottheiten der Reihe nach
śatrupakṣasya rudhiraṃ piśitaṃ ca dinedine
das Blut und Fleisch der feindlichen Partei, täglich
bhakṣayasva gaṇaiḥ sārddhaṃ sārameyasamanvitaḥ
verzehre, zusammen mit den Gaṇas, begleitet von deinem Hund
zerschneidet es und verteilt, zornigen Sinnes, das Fleisch an die Gaṇas. [Es folgt der Caṇḍeśa-Mantra:] 'aṅkaśaḥ', 'vahniśikharaḥ', endend auf 'la' und 'da' – so wird er genannt,
Wort für Wort
chitvā gaṇebhyo vibhajet
zerschneidet und verteilt es an die Gaṇas
āmiṣaṃ kruddhamānasaḥ
das Fleisch, zornigen Sinnes
aṅkaśo vahniśikharo
'aṅkaśaḥ', 'vahniśikharaḥ'
lāntadānta itīritaḥ
endend auf 'la' und 'da' – so wird er genannt
Anm.: Beginn der Konstruktion des folgenden Caṇḍeśa-Mantra.
phaḍantaścaṇḍamantro 'yaṃ trivarṇātmā samīritaḥ / asya trito muniḥ proktaśchando 'nuṣṭubudāhṛtam
endend auf 'phaṭ' – dieser Caṇḍa-Mantra, aus drei Silben bestehend, wird so genannt; dessen Seher wird als Trita bezeichnet, Anuṣṭubh wird als Versmaß angegeben,
Caṇḍeśa wird als Gottheit genannt; nun wird die Bildung der Glied-Mantras verkündet: 'dīptaphaṭ' wird als Herz-Mantra genannt, 'jvalaphaṭ' wird als Kopf-Mantra bezeichnet,
'jvālini phaṭ' wird als Schopf-Mantra genannt; 'vahaphaṭ' wird als Panzer-Mantra gemeint; 'halaphaṭ' wird als Augen-Mantra bezeichnet; 'sarvajvālini phaṭ' ist das höchste [Waffen-Mantra],
Wort für Wort
śikhājvālini phaṭ proktā
als Schopf-Mantra wird 'jvālini phaṭ' genannt
vahaphaṭ kavacaṃ matam
'vahaphaṭ' wird als Panzer-Mantra gemeint
halaphaṭ netramākhyātaṃ
'halaphaṭ' wird als Augen-Mantra bezeichnet
sarvajvāniniphaṭ param
'sarvajvālini phaṭ' [ist] das höchste [Waffen-Mantra]
dadhataṃ ca triśūlākṣamālāṭaṃ kakamaṇḍalūn / varṇalakṣaṃ japenmantraṃ homaṃ kuryāddaśāṃśataḥ
Dreizack, Rosenkranz, Meißel und Wasserkrug haltend – man rezitiere den Mantra so oft hunderttausendmal wie er Silben hat, vollziehe das Homa im Zehntel davon,
Wort für Wort
dadhataṃ ca triśūlākṣa-
haltend, Dreizack und Rosenkranz
mālāṭaṃ ca kamaṇḍalūn [?]
Meißel und Wasserkrug
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra je Silbe hunderttausendmal
mit den drei Süßigkeiten vermengten, reinen Sesam- und Reiskörnern; auf dem beim fünfsilbigen Mantra genannten Sitz gestalte man mit dem Wurzelmantra die Kultgestalt,
mit den Glied-Mantras, den Müttern, den Herren der Himmelsrichtungen und mit dem Vajra u.a. geschehe die Umhüllung; der in den Śiva-Mantras Bewanderte rezitiere den Caṇḍeśvara-Mantra,
Wort für Wort
aṅgairmātṛbhirāśeśaiḥ
mit den Glied-Mantras, den Müttern, den Herren der Himmelsrichtungen
Dem, dessen Gestalt Erde, Wasser, Feuer, Wind, Äther, Opferpriester, Mond und Sonne sind, dem, der im Inneren aller Wesen weilt, dem Śaṅkara – Verehrung, Verehrung!
Wort für Wort
dharāmbvagnimaruvdyoma-
Erde, Wasser, Feuer, Wind, Äther
makheśendvarkamūrtaye
Opferpriester, Mond und Sonne, dem, dessen Gestalt [dies ist]
Dem, der am Ende der Śruti weilt, dem [selbst als] Śruti, dem aus der Śruti Geborenen, dem Übersinnlichen, dem Glanz, dem Ewigen – Verehrung, Verehrung!
Wort für Wort
śrutyantakṛtavāsāya [?]
dem, der am Ende der Śruti weilt
śrutaye śrutijanmane
dem [selbst als] Śruti, dem aus der Śruti Geborenen
atīndriyāya mahase
dem Übersinnlichen, dem Glanz
śāśvatāya namonamaḥ
dem Ewigen – Verehrung, Verehrung
Anm.: Quelltext 'śrutyaṃ takṛtavāsāya' – vermutlich Verschreibung für 'śrutyantakṛtavāsāya' ('dem, der am Ende der Śruti weilt').
Dem, der durch die Einteilung in Grob und Fein nicht bestimmbar ist, dem Śambhu, dem Bhava, dem Vernichter des aus dem Dasein entstandenen Leidens – Verehrung, Verehrung!
Dem, der dem Pfad der Logik fern ist, dem Gewährer der Frucht der Askese, dem für die vier Lebensziele Großzügigen, dem Allwissenden – Verehrung, Verehrung!
Dem, der ohne Anfang, Mitte und Ende ist, dem, der alle Furcht restlos vertrieben hat, dem, der von den Yogins meditiert wird, dem Großen, dem Eigenschaftslosen – Verehrung, Verehrung!
Dem Selbst des Alls, dem Abgesonderten, dem mit der strahlenden Mondsichel auf dem Haupt, dem Vernichter des Stolzes des Liebesgottes, dem Bezwinger der Zeit – Verehrung, Verehrung!
Dem Giftverzehrer, dem, der sich auf dem Rücken des wandelnden Stieres bewegt, dem, dessen Haarschopf mit einer flussgleichen Girlande gebunden ist – Verehrung, Verehrung!
Wort für Wort
viṣāśanāya
dem Giftverzehrer
viharadvṛṣaskandham upeyuṣe
dem, der sich auf dem Rücken des wandelnden Stieres bewegt
sariddāmasamābaddha-
mit einer flussgleichen Girlande gebunden
kapardāya namonamaḥ [?]
dem mit dem Haarschopf – Verehrung, Verehrung
Anm.: Quelltext 'kapadārya' – vermutlich Verschreibung für 'kapardāya' ('dem mit dem Haarschopf').
Dem Reinen, von reiner Wesensart, dem inneren Selbst der Reinen, dem Bezwinger der [Dämonen-]Burgen, dem Vollkommenen, dem mit heiligem Namen – Verehrung, Verehrung!
Wort für Wort
śuddhāya śuddhabhāvāya [?]
dem Reinen, von reiner Wesensart
śuddhānāmantarātmane
dem inneren Selbst der Reinen
purāntakāya pūrṇāya
dem Bezwinger der Burgen, dem Vollkommenen
puṇyanāmno namonamaḥ
dem mit heiligem Namen – Verehrung, Verehrung
Anm.: Quelltext 'śuddhabhāvā' – vermutlich Verschreibung für 'śuddhabhāvāya'.
Dem Anhänger seiner eigenen Anhänger, dem Gewährer von Genuss und Erlösung, dem Unbehausten und doch der Behausung von allem, dem Herrn des Alls – Verehrung!
Dem Ursprung der Dreigestalt (Trimūrti), dem Dreiäugigen, dem Dreizack-Träger, dem mit dreifacher Wohnstatt, dem, dessen Wesen die Wohnstatt selbst ist, dem Geburtgeber – Verehrung, Verehrung!
Wort für Wort
trimūrtimūlabhūtāya
dem Ursprung der Dreigestalt
trinetrāya triśūline
dem Dreiäugigen, dem Dreizack-Träger
tridhāmne dhāmarūpāya
dem mit dreifacher Wohnstatt, dessen Wesen die Wohnstatt ist
Dem, dessen Füße von den Juwelenkronen der Häupter der Götter und Asuras gerötet sind, dem Geliebten, der seiner eigenen Geliebten die Hälfte [seines Leibes] gegeben hat – Verehrung, Verehrung!
Wort für Wort
devāsuraśiroratna-
durch die Juwelen der Häupter von Göttern und Asuras
die Rāma-Mantras, die Kṛṣṇa-Mantras samt ihren Gliedern, die Rāseśvarī-Mantras, die Śākta-Mantras, die Saura-Mantras und die Gāṇeśa-Mantras, die Śaiva-Mantras werden als heilbringend genannt.
Wort für Wort
rāmamantrāḥ kṛṣṇamantrāḥ
die Rāma-Mantras, die Kṛṣṇa-Mantras
sāṃgā rāseśimantrakāḥ
samt ihren Gliedern, die Rāseśvarī-Mantras
śāktāḥ saurāśca gāṇeśāḥ
die Śākta-, Saura- und Gāṇeśa-[Mantras]
śaivāḥ proktāḥ śubhāvahāḥ
die Śaiva-[Mantras] werden als heilbringend genannt
Unter diesen verehre man, zur Erleuchtung des eigenen Selbst, jene, die die Frucht der Erlösung gewähren. Dies alles wurde dir dargelegt, was du erbeten hast, o Weiser: die Verehrung der Gottheit mit Hingabe. Was möchtest du weiter hören?
Wort für Wort
teṣu svātmaprakāśāya
unter diesen, zur Erleuchtung des eigenen Selbst
bhajenmuktiphalapradān
verehre man jene, die die Frucht der Erlösung gewähren