Sanatkumāra sprach: Der Praṇava [ist] das Herz-[Bīja], „Viṣṇu“ […], ebenso „der Herr der Götter“ (Surapati); mit „dem Mahābala, svāhā“ endend – [dies ist] der Mantra von erdgleich unvergänglichen Silben.
Wort für Wort
praṇavo hṛdayaṃ viṣṇuḥ
der Praṇava [ist] das Herz-Bīja, „Viṣṇu“
ne antaḥ surapatistathā
[?], ebenso „der Herr der Götter“
mahābalāya svāhānto mantro
mit „dem Mahābala, svāhā“ endend – der Mantra
vasudharākṣaraḥ
von erdgleich unvergänglichen Silben
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext eine Kolophonzeile vorangestellt ("iti ... nāmaikasaptatitamo 'dhyāyaḥ", gefolgt von einer Trennlinie). Diese Ordnungszahl "ekasaptatitama" (71.) ist, dem Aufbau der Quelle nach zu urteilen, der versetzt überlieferte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels 70 (vgl. dessen im Auftrag mitgeteilten Kolophon-Wortlaut); er wurde im sa-Feld dokumentiert, aber nicht in die Übersetzung einbezogen. Zudem ist "viṣṇurnentaḥ" lexikalisch unklar (vermutlich verderbt) und "vasudharākṣaraḥ" könnte auf eine Zahlenkodierung (vasu = acht) für die Silbenzahl anspielen; beides mit [?] gekennzeichnet.]
der Seher ist Indu (der Mond), Virāṭ das Versmaß, die Gottheit „Dadhivāmana“; der Praṇava ist das Samenwort, ebenso wird als Śakti „die Gattin des Feuers“ (Svāhā) verkündet.
Wort für Wort
munirindurvirāṭ chando
der Seher ist Indu, Virāṭ das Versmaß
devatā dadhivāmanaḥ
die Gottheit ist „Dadhivāmana“
tāro bījaṃ tathā śaktiḥ
der Praṇava ist das Samenwort, ebenso die Śakti
vahnijāyā prakīrtitā
wird „die Gattin des Feuers“ verkündet
[?: "dadhivāmanaḥ" als Gottheitenname ist unsicher; wörtlich transliteriert.]
candrākṣirāmabāṇeṃṣu netrasaṃkhyairmanūdbhavaiḥ /
varṇaiḥ ṣaḍaṅgaṃ kṛtvā ca mūrdhni bhāle ca netrayoḥ
mit den durch [die Zahlwörter] „Mond“, „Auge“, „Rāma“, „Pfeil“ [und] die Augenzahl [bezeichneten] Silben, die aus dem Mantra entstanden sind, vollziehe man die Sechsgliederung, und [setze die Silben] auf den Scheitel, die Stirn und die beiden Augen,
Wort für Wort
candrākṣirāmabāṇeṣu
mit [den durch] „Mond“, „Auge“, „Rāma“, „Pfeil“ [bezeichneten Zahlen]
netrasaṃkhyairmanūdbhavaiḥ varṇaiḥ
[und] die Augenzahl, mit den aus dem Mantra entstandenen Silben
ṣaḍaṅgaṃ kṛtvā ca
vollziehe man die Sechsgliederung
mūrdhni bhāle ca netrayoḥ
auf den Scheitel, die Stirn und die beiden Augen
[?: Die Aufzählung kodiert vermutlich Silbenzahlen nach dem Bhūtasaṃkhyā-System (Mond=1, Auge=2, Rāma=3, Pfeil=5); die genaue Zuordnung ist unsicher.]
karṇayorghrāṇayoroṣṭatālukaṇṭhabhujeṣu ca /
pṛṣṭe hṛdyudare nābhau guhye corusthale punaḥ
auf die beiden Ohren, die beiden Nasenlöcher, Lippen, Gaumen, Hals und Arme; auf den Rücken, das Herz, den Bauch, den Nabel, die verborgenen Teile und wiederum auf den Schenkelbereich,
Wort für Wort
karṇayorghrāṇayoḥ
auf die beiden Ohren, die beiden Nasenlöcher
oṣṭatālukaṇṭhabhujeṣu ca
auf Lippen, Gaumen, Hals und Arme
pṛṣṭe hṛdyudare nābhau
auf den Rücken, das Herz, den Bauch, den Nabel
guhye ca urusthale punaḥ
auf die verborgenen Teile und wiederum auf den Schenkelbereich
auf das Kniepaar und die beiden Schienbeine und Füße setze man der Reihe nach [die Silben] – so sind es achtzehn aus dem Mantra entstandene [Silben]; sodann meditiere man über den Gott,
Wort für Wort
jānudvayaṃ jaṅghayośca pādayoḥ
auf das Kniepaar und die beiden Schienbeine und Füße
perlweiß, mit Juwelen geschmückt, auf dem Mond weilend, dessen Antlitz mit Locken gleich schwarzen Bienen erstrahlt, [tragend] einen mit reinem Wasser gefüllten Krug
Wort für Wort
muktāgauraṃ ratnabhūṣaṃ
perlweiß, mit Juwelen geschmückt
candrasthaṃ
auf dem Mond weilend
bhṛṅgasannibhaiḥ alakaiḥ vilasadvaktraṃ
dessen Antlitz mit Locken gleich schwarzen Bienen erstrahlt
und eine mit Quark-Reis gefüllte Schale, mit den beiden Armen haltend – so verehre man [ihn]. Man rezitiere den Mantra dreihunderttausend Mal, und ein Zehntel davon mit in Ghee getränkten [Opfergaben],
Wort für Wort
dadhyannapūrṇacaṣakaṃ
und eine mit Quark-Reis gefüllte Schale
dorbhyāṃ saṃdadhanaṃ bhajet
mit den beiden Armen haltend – so verehre man ihn
lakṣatrayaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra dreihunderttausend Mal
taddaśāṃśaṃ ghṛtaplutaiḥ
und ein Zehntel davon mit in Ghee getränkten Opfergaben
pāyasānnaiḥ prajuhuyāddadhyannena yathāvidhi /
candrānte kalpite pīṭhe pūrvokteṃ pūjayeñca tam
mit Milchreis opfere man, mit Quark-Reis, nach Vorschrift; auf dem mit [der Vorstellung des] Mondes ausgestatteten, zuvor genannten Sitz (Pīṭha) verehre man ihn,
saṃkalpamūrtimūlena saṃpūjya ca vidhānataḥ /
kesareṣu ṣaḍaṅgāni saṃpūjya digdaleṣu ca
nachdem man [ihn], die aus dem Grundmantra gedanklich geformte Gestalt, ordnungsgemäß verehrt hat, [und] nachdem man auf den Staubgefäßen die sechs Glieder verehrt hat, und auf den Richtungs-Blütenblättern,
Wort für Wort
saṃkalpamūrtimūlena
die aus dem Grundmantra gedanklich geformte Gestalt
saṃpūjya ca vidhānataḥ
nachdem man ordnungsgemäß verehrt hat
kesareṣu ṣaḍaṅgāni saṃpūjya
nachdem man auf den Staubgefäßen die sechs Glieder verehrt hat
dhvajaṃ ca vainateyaṃ ca kaustubhaṃ vanamālikam /
śaṅkhaṃ cakraṃ gadāṃ śārṅgaṃ daleṣvaṣṭasu pūjayet
das Banner und Vainateya (Garuḍa), den Kaustubha[-Edelstein und] den Waldkranz; Muschelhorn, Diskus, Keule [und] den Śārṅga-Bogen verehre man auf den acht Blütenblättern,
dalāgreṣu keśavādīndikpālāṃstadanantaram /
tadastrāṇi ca sampūjya gajānaṣṭau samarcayet
auf den Blütenblatt-Spitzen [verehre man] Keśava und die anderen [Namen], danach die Weltenhüter; und nachdem man auch deren Waffen verehrt hat, verehre man die acht [Richtungs-]Elefanten,
Wort für Wort
dalāgreṣu keśavādīn
auf den Blütenblatt-Spitzen Keśava und die anderen
so verehrt, gewährt der Mantra dem Mantra-Praktizierenden das Gewünschte; wer nach Glanz verlangt, opfere, als Kundiger, tausend Mal mit Milchreis und Ghee,
[so] erlangt man großen Glanz; die Erlangung von Getreide [kommt] von einem Getreide-Opfer; nachdem man tausend Mal mit Samen der Dill-Pflanze (Śatapuṣpā) geopfert hat,
Wort für Wort
mahatīṃ śriyamāpnoti
man erlangt großen Glanz
dhānyāptirdhānya homataḥ
die Erlangung von Getreide kommt von einem Getreide-Opfer
nachdem man über die Trivikrama-Gestalt meditiert hat, rezitiere man mit gesammeltem Geist den Mantra; selbst gefesselt wird man durch die Kraft des Mantra aus dem Gefängnis befreit,
Wort für Wort
dhyātvā traivikramaṃ rūpaṃ
nachdem man über die Trivikrama-Gestalt meditiert hat
nachdem man den Herrn der Götter an einer Wand oder auf einer Holztafel abgebildet hat, verehre man [ihn]; täglich mit duftenden Blumen erlangt man großen Glanz,
Wort für Wort
bhittau saṃpādya deveśaṃ
nachdem man den Herrn der Götter an einer Wand abgebildet hat
nachdem der Mantra-Praktizierende mit roten Lotosblumen geopfert hat, unterwirft er die ganze Welt; mit Speise und Ghee opfere man täglich in der Zahl achtundzwanzig,
Wort für Wort
hutvā raktotpalairmantrī
nachdem der Mantra-Praktizierende mit roten Lotosblumen geopfert hat
sitājyānnaṃ ca vidhivatprāpnuyādannamakṣayam /
apūpaiḥ ṣaḍrasopetairhunedvasusahasrakam
und mit weißer Speise und Ghee erlangt man ordnungsgemäß unerschöpfliche Speise; mit Kuchen, die mit den sechs Geschmäckern versehen sind, opfere man achttausend Mal,
Wort für Wort
sitājyānnaṃ ca vidhivat
und mit weißer Speise und Ghee, ordnungsgemäß
prāpnuyādannamakṣayam
erlangt man unerschöpfliche Speise
apūpaiḥ ṣaḍrasopetaiḥ
mit Kuchen, die mit den sechs Geschmäckern versehen sind
alakṣmīṃ ca parābhūya mahatīṃ śriyamāpnuyāt /
juhuyādayutaṃ mantrī dadhyannaṃ ca sitānvitam
und nachdem man das Unglück (Alakṣmī) überwunden hat, erlangt man großen Glanz; der Mantra-Praktizierende opfere zehntausend Mal mit Quark-Reis, verbunden mit Weißem (Zucker/Reis),
wo immer er auch wohnt, dort erlangt er einen Berg von Speise; verbunden mit den Padma(Lakṣmī)-Silben, in der Nähe eines Bilva-Baumes stehend, opfere ein Mann,
Wort für Wort
yatra yatra vaset so 'pi
wo immer er auch wohnt
tatrānnagirimāpnuyāt
dort erlangt er einen Berg von Speise
padmākṣarairyutaṃ
verbunden mit den Padma-Silben
bilvāntikastho juhuyānnaraḥ
in der Nähe eines Bilva-Baumes stehend, opfere ein Mann
nachdem man hunderttausend Mal rezitiert hat, opfere man ein Zehntel davon mit Putrajīva-Früchten; in einem mit dessen Holz entfachten Feuer erlangt man einen vortrefflichen Sohn.
Wort für Wort
lakṣaṃ japtvā taddaśāṃśaṃ
nachdem man hunderttausend Mal rezitiert hat, ein Zehntel davon
sasādhyatāraṃ vilasatkarṇikaṃ ca suvarṇakaiḥ /
vilasatkesaraṃ mantrākṣaradvandvāṣṭapatrakam
[man zeichne ein Yantra] mit dem Namen des zu Bezwingenden [und] dem Praṇava, mit einer golden schimmernden Blütenkammer, mit schimmernden Staubgefäßen, mit den paarweise [angeordneten] Mantra-Silben, achtblättrig,
Wort für Wort
sasādhyatāraṃ
mit dem Namen des zu Bezwingenden und dem Praṇava
vilasatkarṇikaṃ ca suvarṇakaiḥ
mit einer golden schimmernden Blütenkammer
vilasatkesaraṃ
mit schimmernden Staubgefäßen
mantrākṣaradvandvāṣṭapatrakam
mit den paarweise angeordneten Mantra-Silben, achtblättrig
mit dem restlichen Silbenpaar am äußeren Blütenblatt, umgeben von zwölf Silben; außerhalb davon, mit den Alphabet-Buchstaben (Mātṛkā) – [dies ist] ein Yantra, das den Menschen Reichtum verleiht.
Wort für Wort
śeṣayugmārṇāntyapatraṃ
mit dem restlichen Silbenpaar am äußeren Blütenblatt
nachdem man über den roten Trivikrama meditiert hat, opfere der Mantra-Praktizierende zehntausend Mal mit rotfarbenen Blüten – er wird überall siegreich.
Wort für Wort
raktaṃ trivikramaṃ dhyātvā
nachdem man über den roten Trivikrama meditiert hat
man meditiere über den auf dem Mondthron Sitzenden und opfere zehntausend Lotosblumen – man erlangt ein von Dornen (Widrigkeiten) freies Königreich, versehen mit allen [glückverheißenden] Merkmalen,
Wort für Wort
dhyāyeñcandrāsanagataṃ
man meditiere über den auf dem Mondthron Sitzenden
hutvā lavaṅgairmadhvāktairapāmārgadalaistu vā /
ayutaṃ sādhyanāmāḍhyaṃ sa vaśyo jāyate dhruvam
nachdem man mit honigbestrichenen Gewürznelken oder mit Apāmārga-Blättern zehntausend Mal, versehen mit dem Namen des zu Bezwingenden, geopfert hat, wird jener gewiss unterworfen.
Wort für Wort
hutvā lavaṅgairmadhvāktaiḥ
nachdem man mit honigbestrichenen Gewürznelken geopfert hat
apāmārgadalaistu vā
oder mit Apāmārga-Blättern
ayutaṃ sādhyanāmāḍhyaṃ
zehntausend Mal, versehen mit dem Namen des zu Bezwingenden
aṣṭottaraśataṃ hutvā hyapāmārgadalaiḥ śubhaiḥ /
tāvajjaptvā ca saptāhānmahārogātpramucyate
nachdem man hundertundacht Mal mit heilvollen Apāmārga-Blättern geopfert und ebenso oft sieben Tage lang rezitiert hat, wird man von schwerer Krankheit befreit.
nachdem man das Wort „uhirat“ [?] ausgesprochen hat, der Praṇava, durch das Wort zu ergänzen; am Ende von „sarvavāgīśvara“ (Herr aller Rede) spreche man sodann „īśvara“ (Herr) aus,
Wort für Wort
uhiratpadamābhāṣya
nachdem man das Wort „uhirat“ ausgesprochen hat
praṇavohīya śabdataḥ
der Praṇava, durch das Wort zu ergänzen
sarvavārgīśvaretyante
am Ende von „sarvavāgīśvara“
pravadedīśvaretyatha
spreche man sodann „īśvara“ aus
[Anm.: V32–34 legen den Grundmantra für Hayagrīva mittels Mantroddhāra dar (vgl. Anm. zu V100 in Kap. 70). "uhirat" ist lexikalisch unklar; wörtlich transliteriert.]
am Ende des Wortes „aus allen Veden bestehend, unvorstellbar“ spreche man „sarva“ (alles) aus; mit „bodhayat“ (erweckend) [und] „dvita“ [?] endend, wird dieser Mantra, mit dem Praṇava beginnend, verkündet.
Wort für Wort
sarvavedamayācintyapadānte
am Ende des Wortes „aus allen Veden bestehend, unvorstellbar“
sarvamīrayet
spreche man „sarva“ aus
bodhayadvitavānto 'yaṃ mantraḥ
mit „bodhayat“ [und] „dvita“ endend, dieser Mantra
Brahmā ist als sein Seher bezeichnet, Anuṣṭubh wird als Versmaß angegeben; die Gottheit ist Hayagrīva, der mächtige, der die Herrschaft über die Rede verleiht,
Wort für Wort
ṛṣirbrahmāsya nirdiṣṭaḥ
Brahmā ist als sein Seher bezeichnet
chando 'nuṣṭubudāhṛtam
Anuṣṭubh wird als Versmaß angegeben
devatā syāddhayagrīvo
die Gottheit ist Hayagrīva
vāgaiśvaryaprado vibhuḥ
der mächtige, der die Herrschaft über die Rede verleiht
mit dem Praṇava und den Versfüßen des Mantra vollziehe man die fünf Glieder; [man meditiere über ihn], von der Farbe des Schneegebirges, mit einem Tulasī-Kranz geschmückt,
„ich verehre den Pferdeantlitzigen, den erhabenen Sitz der Beredsamkeit (Sārasvata)“ – nachdem man so meditiert hat, rezitiere man den Mantra zehntausend Mal, und ein Zehntel davon [als Opfer],
Wort für Wort
turaṅgavadanaṃ vande
ich verehre den Pferdeantlitzigen
tuṅgasārasvataḥ padam
den erhabenen Sitz der Beredsamkeit
dhyātvaivaṃ prajapenmantram
nachdem man so meditiert hat, rezitiere man den Mantra
nachdem man mit honigbestrichenem Milchreis geopfert hat, auf [einem Sitz], der mit Vimalā und den anderen [Göttinnen] versehen ist, verehre man, auf dem Viṣṇu-Sitz, die aus dem Grundmantra gedanklich geformte Gestalt,
Wort für Wort
madhvaktaiḥ pāyasairhutvā
nachdem man mit honigbestrichenem Milchreis geopfert hat
vimalādisamanvite
auf einem mit Vimalā und den anderen versehenen [Sitz]
pūjayedveṣṇave pīṭhe
verehre man auf dem Viṣṇu-Sitz
mūrtiṃ saṃkalpya mūlataḥ
die aus dem Grundmantra gedanklich geformte Gestalt
karṇikāyāṃ caturdikṣu yajetpūrvāditaḥ kramāt /
sanandanaṃ ca sanakaṃ śriyaṃ ca pṛthivīṃ tathā
in der Blütenkammer, in den vier Himmelsrichtungen, verehre man der Reihe nach, vom Osten beginnend: Sanandana, und Sanaka, Śrī, und ebenso Pṛthivī (die Erde),
Wort für Wort
karṇikāyāṃ caturdikṣu
in der Blütenkammer, in den vier Himmelsrichtungen
kalpaṃ śikṣāṃ ca chandāṃsi vedāṅgāni tvimāni vai /
tato 'ṣṭadalamūle tu mātaro 'ṣṭau samarcayet
Kalpa, Śikṣā, und Chandas – dies sind fürwahr die [sechs] Glieder des Veda; sodann verehre man an der Basis der acht Blütenblätter die acht Muttergöttinnen,
Vakratuṇḍa und die anderen acht [Gaṇeśa-Gestalten] verehre man in der Mitte der Blütenblätter; danach verehre der Praktizierende auf den Blütenblatt-Spitzen die acht Bhairavas,
tadbahiḥ ṣoḍaśadaleṣvavatārānharerdaśa /
śaṅkhaṃ cakraṃ gadāṃ padmaṃ nandakaṃ śārṅgameva ca
außerhalb davon, auf den sechzehn Blütenblättern, [verehre man] die zehn Avatāras Haris; Muschelhorn, Diskus, Keule, Lotos, das Schwert Nandaka und auch den Śārṅga-Bogen,
tadbahirbhūgṛhe śakramukhāndaśa digīśvarān /
vajrādyāṃstadbahiśceṣṭvādvāreṣu ca tataḥ kramāt
außerhalb davon, in der Erdumfriedung, die zehn Richtungsherren, angeführt von Śakra (Indra); [und ihre Waffen] Vajra usw.; außerhalb davon, an den Toren, sodann der Reihe nach [weitere],
tadbahiḥ sapta nadyaśca tadbāhye tu grahānnava /
tadbāhye parvatānaṣṭau nakṣatrāṇi ca tadbahiḥ
außerhalb davon die sieben [heiligen] Flüsse, und weiter außerhalb die neun Planeten; weiter außerhalb die acht Berge, und außerhalb davon die Mondhäuser (Nakṣatras),
nachdem man so mit fünfzehn Umkreisungen den Pferdeantlitzigen verehrt hat, wird man an Beredsamkeit dem Herrn der Rede (Vāgīśvara) gleich, an Reichtümern ein Herr des Reichtums.
evaṃ siddhe manau mantrī prayogānkartumarhati /
aṣṭottarasahasraṃ tu śuddhaṃ vāryabhimantritam
So, wenn der Mantra vollendet ist, ist der Mantra-Praktizierende berechtigt, [rituelle] Anwendungen zu vollziehen: mit dem Bīja-[Mantra] eintausendundacht Mal besprochenes, reines Wasser –
Wort für Wort
evaṃ siddhe manau mantrī
so, wenn der Mantra vollendet ist, der Mantra-Praktizierende
wer dies, mit dem Samenwort [besprochen], einen Monat lang trinkt, weise und selbstbeherrscht, jener Mann erlangt, selbst wenn er von Geburt an stumm ist, gewiss die Vollkommenheit der Rede.
Wort für Wort
bījena māsamātraṃ yaḥ pibet
wer dies, mit dem Samenwort, einen Monat lang trinkt
viyadbhugusthamardhīrābindumadbījamīritam /
candrasūryoparāge tu pātre rukmamaye kṣipet
das aus Himmel, Erde [und] Mondpunkt (Bindu) bestehende Samenwort wird genannt [?]; bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis werfe man [die Opfergabe] in ein goldenes Gefäß,
Wort für Wort
viyadbhugusthamardhīrābindumadbījam
das aus Himmel, Erde, Mondpunkt bestehende Samenwort
īritam
wird genannt
candrasūryoparāge tu
bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis aber
pātre rukmamaye kṣipet
werfe man in ein goldenes Gefäß
[?: "bhugusthamardhīrā" ist lexikalisch unklar; sinngemäß als Bīja-Bestandteile (Himmel, Erde, Mondpunkt) gedeutet.]
dugdhaṃ vacāṃ tato mantrī kaṇṭhamātrodake sthitaḥ /
sparśādvimokṣaparyantaṃ prajapenmantramādarāt
Milch [und] Kalmus (Vacā); sodann rezitiere der Mantra-Praktizierende, bis zum Hals im Wasser stehend, vom [Beginn der] Berührung [der Finsternis] bis zu [deren] Ende mit Hingabe den Mantra,
Was bedarf es vieler Worte, o bester der Brahmanen? Durch die Gnade dieses Mantra wird man zu einem wissenden Erklärer aller Veden, Āgamas und dergleichen.
Wort für Wort
kiṃ bahūktena viprendra
was bedarf es vieler Worte, o bester der Brahmanen