Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 104: vāmanapurāṇānukramaṇī Inhaltsübersicht des Vāmana-Purāṇa

śṛṇu vatsa pravakṣyāmi purāṇaṃ vāmanābhidham / trivikramacaritrāḍhyaṃ daśasāhasrasaṃkhyakam

Höre, mein Kind, ich will das Purāṇa verkünden, das den Namen Vāmana trägt, reich an der Erzählung von Trivikrama (dem Dreischrittigen), zehntausend (Verse) zählend.

Wort für Wort
śṛṇu vatsa pravakṣyāmi
höre, mein Kind, ich will verkünden
purāṇaṃ vāmanābhidham
das Purāṇa mit Namen Vāmana
trivikramacaritrāḍhyaṃ
reich an der Erzählung von Trivikrama
daśasāhasrasaṃkhyakam
zehntausend (Verse) zählend

kūrmakalpasamākhyānaṃ vargatrayakathānam / bhāgadvayasamāyuktaṃ vaktṛśrotṛśubhāvaham

die Erzählung des Kūrma-Kalpa, die Geschichte der Dreiergruppe (der Lebensziele Dharma, Artha, Kāma), verbunden mit zwei Teilen, Segen bringend für Sprecher und Hörer.

Wort für Wort
kūrmakalpasamākhyānaṃ
die Erzählung des Kūrma-Kalpa
vargatrayakathānam
die Geschichte der Dreiergruppe [?]
bhāgadvayasamāyuktaṃ
verbunden mit zwei Teilen
vaktṛśrotṛśubhāvaham
Segen bringend für Sprecher und Hörer

[?] „vargatrayakathānam“ ist eine schwer einzuordnende Form (statt zu erwartendem „kathā tathā“ o.ä.); sinngemäß als „Erzählung der Dreiergruppe“ gedeutet.

purāṇapraśnaḥ prathamaṃ brahmaśīrṣacchidā tataḥ / kapālamocanākhyānaṃ dakṣayajñavihiṃsanam

zuerst die Frage nach dem Purāṇa, dann das Abschlagen von Brahmas Haupt, die Erzählung von der Schädel-Befreiung (Kapālamocana), die Zerstörung von Dakṣas Opfer.

Wort für Wort
purāṇapraśnaḥ prathamaṃ
zuerst die Frage nach dem Purāṇa
brahmaśīrṣacchidā tataḥ
dann das Abschlagen von Brahmas Haupt
kapālamocanākhyānaṃ
die Erzählung von der Schädel-Befreiung
dakṣayajñavihiṃsanam
die Zerstörung von Dakṣas Opfer

harasya kālarūpākhyā kāmasya dahanaṃ tataḥ / prahlādanārāyaṇayoryuddhaṃ devāsurāhavaḥ

die Erzählung von Haras (Śivas) Zeitgestalt, dann die Verbrennung des Kāma (Liebesgottes), der Kampf zwischen Prahlāda und Nārāyaṇa, die Schlacht zwischen Göttern und Dämonen.

Wort für Wort
harasya kālarūpākhyā
die Erzählung von Haras Zeitgestalt
kāmasya dahanaṃ tataḥ
dann die Verbrennung des Kāma
prahlādanārāyaṇayoryuddhaṃ
der Kampf zwischen Prahlāda und Nārāyaṇa
devāsurāhavaḥ
die Schlacht der Götter und Dämonen

sukeśyarkasamākhyānaṃ tato bhuvanakośakam / tataḥ kāmyavratākhyānaṃ śrīdurgācaritaṃ tataḥ

die Erzählung von Sukeśī und der Sonne, dann das Verzeichnis der Welten, dann die Erzählung vom Wunschgelübde, dann die Taten der Śrī-Durgā.

Wort für Wort
sukeśyarkasamākhyānaṃ
die Erzählung von Sukeśī und der Sonne [?]
tato bhuvanakośakam
dann das Verzeichnis der Welten
tataḥ kāmyavratākhyānaṃ
dann die Erzählung vom Wunschgelübde
śrīdurgācaritaṃ tataḥ
dann die Taten der Śrī-Durgā

[?] „sukeśyarka“ ist als Doppelname (Sukeśī + Arka/Sonne) gedeutet; die genaue Bezugsgeschichte ist unsicher.

tapatīcaritaṃ paścātkurukṣetrasya varṇanam / satyāmāhātmyamatulaṃ pārvatījanmakīrtanam

danach die Geschichte der Tapatī, die Beschreibung von Kurukṣetra, die unvergleichliche Größe der Satyā, die Verkündung von Pārvatīs Geburt.

Wort für Wort
tapatīcaritaṃ paścāt
danach die Geschichte der Tapatī
kurukṣetrasya varṇanam
die Beschreibung von Kurukṣetra
satyāmāhātmyamatulaṃ
die unvergleichliche Größe der Satyā [?]
pārvatījanmakīrtanam
die Verkündung von Pārvatīs Geburt

[?] „satyā“ evtl. Name eines Flusses oder einer Gemahlin; nicht sicher identifiziert.

tapastasyā vivāhaśca gauryupākhyānakaṃ tataḥ / tataḥ kauśikyupākhyānaṃ kumāracaritaṃ tataḥ

ihre Askese und Hochzeit, dann die Erzählung von Gaurī, dann die Erzählung von Kauśikī (der Flussgöttin), dann die Geschichte des Kumāra (Skanda).

Wort für Wort
tapastasyā vivāhaśca
ihre Askese und Hochzeit
gauryupākhyānakaṃ tataḥ
dann die Erzählung von Gaurī
tataḥ kauśikyupākhyānaṃ
dann die Erzählung von Kauśikī
kumāracaritaṃ tataḥ
dann die Geschichte des Kumāra

tato 'ndhakavadhākhyānaṃsādhyopākhyānakantataḥ / jābālicaritaṃ paścādarajāyāḥ kathādbhutā

dann die Erzählung von Andhakas Tötung, dann die Erzählung der Sādhyas, danach die Geschichte des Jābāli, danach die wunderbare Geschichte der Arajā.

Wort für Wort
tato 'ndhakavadhākhyānaṃ
dann die Erzählung von Andhakas Tötung
sādhyopākhyānakaṃ tataḥ
dann die Erzählung der Sādhyas
jābālicaritaṃ paścāt
danach die Geschichte des Jābāli
arajāyāḥ kathādbhutā
die wunderbare Geschichte der Arajā [?]

[?] „arajāyāḥ“ nicht sicher identifiziert (evtl. Eigenname).

andhakeśarayoryuddhaṃ gaṇatvaṃ cāndhakasya ca / marutāṃ janmakathanaṃ baleśca caritaṃ tataḥ

der Kampf zwischen Andhaka und Īśa (Śiva), und Andhakas Werden zum (Śiva-)Gaṇa, die Erzählung von der Geburt der Maruts, und dann die Geschichte Balis.

Wort für Wort
andhakeśarayoryuddhaṃ
der Kampf zwischen Andhaka und Īśa (Śiva)
gaṇatvaṃ cāndhakasya ca
und Andhakas Werden zum (Śiva-)Gaṇa
marutāṃ janmakathanaṃ
die Erzählung von der Geburt der Maruts
baleśca caritaṃ tataḥ
und dann die Geschichte Balis

tatastu lakṣmyāścaritaṃ traivikramamataḥ param / prahlādatīrthayātrāyāṃ procyante 'tha kathāḥ śubhāḥ

dann aber die Geschichte der Lakṣmī, danach die Erzählung von den drei Schritten (Trivikrama); bei Prahlādas Pilgerfahrt werden dann günstige Geschichten erzählt.

Wort für Wort
tatastu lakṣmyāścaritaṃ
dann aber die Geschichte der Lakṣmī
traivikramamataḥ param
danach die Erzählung von den drei Schritten
prahlādatīrthayātrāyāṃ
bei Prahlādas Pilgerfahrt
procyante 'tha kathāḥ śubhāḥ
werden dann günstige Geschichten erzählt

tataśca dhundhu caritaṃ pretopākhyānakaṃ tataḥ / nakṣatrapuruṣākhyānaṃ śrīdāmacaritaṃ tataḥ

und dann die Geschichte des Dhundhu, dann die Erzählung vom Geist (Preta), die Erzählung vom Sternenmenschen (Nakṣatrapuruṣa), dann die Geschichte des Śrīdāman.

Wort für Wort
tataśca dhundhu caritaṃ
und dann die Geschichte des Dhundhu
pretopākhyānakaṃ tataḥ
dann die Erzählung vom Geist
nakṣatrapuruṣākhyānaṃ
die Erzählung vom Sternenmenschen
śrīdāmacaritaṃ tataḥ
dann die Geschichte des Śrīdāman

trivikramacaritrānte brahmaproktaḥ stavottamaḥ / prahlādabalisaṃvāde sutale hariśaṃsanam

am Ende der Trivikrama-Erzählung der von Brahmā verkündete vortreffliche Lobpreis, im Zwiegespräch zwischen Prahlāda und Bali in Sutala die Preisung Haris.

Wort für Wort
trivikramacaritrānte
am Ende der Trivikrama-Erzählung
brahmaproktaḥ stavottamaḥ
der von Brahmā verkündete vortreffliche Lobpreis
prahlādabalisaṃvāde
im Zwiegespräch zwischen Prahlāda und Bali
sutale hariśaṃsanam
in Sutala die Preisung Haris

ityeṣa pūrvabhāgo 'sya purāṇasya tavoditaḥ / śṛṇṇato 'syottaraṃ bhāgaṃ bahadvāmanasaṃjñakam

So ist dies der Vorderteil dieses Purāṇas, dir verkündet; höre nun seinen hinteren Teil, den großen mit Namen Vāmana.

Wort für Wort
ityeṣa pūrvabhāgo 'sya
so ist dies der Vorderteil dieses
purāṇasya tavoditaḥ
Purāṇas, dir verkündet
śṛṇṇato 'syottaraṃ bhāgaṃ
höre nun seinen hinteren Teil [?]
bahadvāmanasaṃjñakam
den großen, mit Namen Vāmana

[?] „śṛṇṇato“ ist eine unklare Form, wohl für „śṛṇu tataḥ“ oder „śṛṇvataḥ tava“ stehend; sinngemäß als Aufforderung „höre nun“ übersetzt.

māheśvarī bhāgavatī saurī gāṇeśvarī tathā / catasraḥ saṃhitāścātra pṛthak sāhasrasaṃkhyayā

Māheśvarī, Bhāgavatī, Saurī und Gāṇeśvarī — dies sind vier Saṃhitās hier, jede einzeln in der Anzahl von tausend (Versen).

Wort für Wort
māheśvarī bhāgavatī
Māheśvarī, Bhāgavatī
saurī gāṇeśvarī tathā
Saurī und Gāṇeśvarī
catasraḥ saṃhitāścātra
vier Saṃhitās (sind) hier
pṛthak sāhasrasaṃkhyayā
jede einzeln mit der Zahl tausend

māheśvaryāṃ tu kṛṣṇasya tadbhaktānāṃ ca kīrtanam / bhāgavatyāṃ jaganmātukhatārakathādbhutā

In der Māheśvarī wird Kṛṣṇa und seinen Anhängern gehuldigt; in der Bhāgavatī steht die wunderbare Geschichte der Weltenmutter und des Khatāra.

Wort für Wort
māheśvaryāṃ tu kṛṣṇasya
in der Māheśvarī aber Kṛṣṇas
tadbhaktānāṃ ca kīrtanam
und seiner Anhänger Besingung
bhāgavatyāṃ jaganmātu-
in der Bhāgavatī der Weltenmutter
khatārakathādbhutā
die wunderbare Geschichte des Khatāra [?]

[?] „khatāra“ nicht sicher identifiziert, möglicherweise verderbt für „tāraka“ (den Dämon Tāraka); sinngemäß beibehalten.

sauryāṃ sūryasya mahimā gaditaḥ pāpanāśanaḥ / gāṇeśvaryāṃ gaṇeśasya caritaṃ ca maheśituḥ

In der Saurī wird die sündenvernichtende Herrlichkeit der Sonne verkündet; in der Gāṇeśvarī stehen die Taten des Gaṇeśa und des Maheśa (Śiva).

Wort für Wort
sauryāṃ sūryasya mahimā
in der Saurī die Herrlichkeit der Sonne
gaditaḥ pāpanāśanaḥ
wird verkündet, die sündenvernichtende
gāṇeśvaryāṃ gaṇeśasya
in der Gāṇeśvarī des Gaṇeśa
caritaṃ ca maheśituḥ
und die Taten des Maheśa

ityetadvāmanaṃ nāma purāṇaṃ suvicitrakam / pulastyena samākhyātaṃ nāradāya mahātmane

So ist dies das Purāṇa mit Namen Vāmana, sehr wunderbar, von Pulastya dem hochgesinnten Nārada verkündet.

Wort für Wort
ityetadvāmanaṃ nāma
so ist dies mit Namen Vāmana
purāṇaṃ suvicitrakam
das Purāṇa, sehr wunderbar
pulastyena samākhyātaṃ
von Pulastya verkündet
nāradāya mahātmane
dem hochgesinnten Nārada

tato nāradataḥ prāptaṃ vyāsena sumahātmanā / vyāsāttu labdhavāṃścaitat tacchiṣyo romaharṣaṇaḥ

dann von Nārada erhalten durch den hochgesinnten Vyāsa; von Vyāsa aber erhielt dies sein Schüler Romaharṣaṇa.

Wort für Wort
tato nāradataḥ prāptaṃ
dann von Nārada erhalten
vyāsena sumahātmanā
durch den hochgesinnten Vyāsa
vyāsāttu labdhavāṃścaitat
von Vyāsa aber erhielt dies
tacchiṣyo romaharṣaṇaḥ
sein Schüler Romaharṣaṇa

sa cākhyāsyati viprebhyo naimiṣīyebhya eva ca / evaṃ paraṃparāprāptaṃ purāṇaṃ vāmanaṃ śubham

Und er wird es den Brahmanen verkünden, eben auch den Naimiṣa-Bewohnern; so ist das glückverheißende Vāmana-Purāṇa durch Überlieferung erhalten worden.

Wort für Wort
sa cākhyāsyati viprebhyo
und er wird [es] den Brahmanen verkünden
naimiṣīyebhya eva ca
eben auch den Naimiṣa-Bewohnern
evaṃ paraṃparāprāptaṃ
so durch Überlieferung erhalten
purāṇaṃ vāmanaṃ śubham
das glückverheißende Vāmana-Purāṇa

ye paṭhanti ca śṛṇvanti te 'pi yānti parāṃ gatim / likhitvaitatpurāṇaṃ tu yaḥ śaradviṣuver'payet

Diejenigen, die es lesen und hören, gelangen auch zum höchsten Ziel; wer aber, nachdem er dieses Purāṇa niedergeschrieben hat, es zur Herbst-Tagundnachtgleiche hingibt,

Wort für Wort
ye paṭhanti ca śṛṇvanti
die es lesen und hören
te 'pi yānti parāṃ gatim
auch sie gelangen zum höchsten Ziel
likhitvaitatpurāṇaṃ tu
wer aber, nachdem er dieses Purāṇa niedergeschrieben hat
yaḥ śaradviṣuver'payet
es zur Herbst-Tagundnachtgleiche hingibt

viprāya vedaviduṣe ghṛtadhenusamanvitam / sa samuddhṛtya narakānnayetsvargaṃ pitṝnsvakān

einem Brahmanen, der die Veden kennt, versehen mit einer Ghee-Kuh (als Gabe) — der befreit seine eigenen Vorfahren aus den Höllen und führt sie zum Himmel.

Wort für Wort
viprāya vedaviduṣe
einem Brahmanen, der die Veden kennt
ghṛtadhenusamanvitam
versehen mit einer Ghee-Kuh
sa samuddhṛtya narakān
der befreit [sie] aus den Höllen
nayetsvargaṃ pitṝnsvakān
und führt seine eigenen Vorfahren zum Himmel

dehānte bhuktabhogo 'sau yāti viṣṇoḥ paraṃ padam

Am Ende des Körpers (im Tod) geht er, nachdem er die Genüsse genossen hat, zum höchsten Ort Viṣṇus.

Wort für Wort
dehānte bhuktabhogo 'sau
am Ende des Körpers, nachdem er die Genüsse genossen hat
yāti viṣṇoḥ paraṃ padam
geht er zum höchsten Ort Viṣṇus

[Anm.: Halbvers — der Kolophon des Kapitels folgt unmittelbar auf diese Zeile im Quelltext.]

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