Nārada sprach: Nachdem er den Himalaya-Berg erreicht hatte, was tat da der König? Wie er die Gaṅgā herabgeführt hat -- dies sollst du mir erzählen.
Wort für Wort
himavadgirimāsādya kiṃ cakāra mahīpatiḥ /
nachdem er den Himalaya-Berg erreicht hatte, was tat der König?
kathamānītavāṅgaṅgāmetanme vaktumarhasi
wie er die Gaṅgā herbeigeführt hat -- dies sollst du mir sagen
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden (14.) Kapitels vorangestellt, gefolgt von einer Trennlinie -- ein reines Gliederungselement, im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen.]
Sanaka sprach: Der große König Bhagīratha, o Muni, trug Flechtenhaar und Rindenkleid; auf dem Weg zum Himalaya-Berg, um Askese zu üben, erreichte er das Ufer der Godāvarī.
Wort für Wort
bhagīratho mahārājo jaṭācīradharo mune /
der große König Bhagīratha, o Muni, trug Flechtenhaar (jaṭā) und Rindengewand
gacchanhimādriṃ tapase prāpto godāvarī taṭam
zum Himalaya-Berg gehend, um Askese zu üben, erreichte er das Ufer der Godāvarī
widerhallend vom Summen umherschwärmender Bienen, wimmelnd von zwitschernden Vögeln, durchzogen von Scharen wandernder Eber, bewegt von den Schweifen der Yak-Kühe.
Wort für Wort
bhramadbhūmarasaṃghuṣṭaṃ kūjadvihagasaṃkulam /
widerhallend vom Summen umherschwärmender Bienen, wimmelnd von zwitschernden Vögeln
vrajadvarāhanikaraṃ camarīpucchavīcitam
durchzogen von Scharen wandernder Eber, bewegt von den Schweifen der Yak-Kühe (camarī)
mit Scharen tanzender Pfauen, von Hirschen und anderem Wild aufgesucht, mit großen Bäumen, die von den Töchtern der Asketen mit Sorgfalt großgezogen worden waren.
Wort für Wort
nṛtyanmayūranikaraṃ sāraṅgādiniṣevitam /
mit Scharen tanzender Pfauen, von Hirschen und anderem Wild aufgesucht
pravarddhitamahāvṛkṣaṃ munikanyābhirādarāt
mit großen Bäumen, von den Muni-Töchtern mit Sorgfalt großgezogen
[?] versehen mit aufgeblühten Blüten, von Scharen von Weisen aufgesucht -- den Āśrama des Bhṛgu, der vom lauten Widerhall der Veden und Śāstren erfüllt war, betrat er.
Wort für Wort
utpullakusumopeta mṛṣisaṅghaniṣevitam /
[?] versehen mit aufgeblühten Blüten, von Scharen von Weisen aufgesucht
vedaśāstramahāghoṣamāśramaṃ prāviśadbhṛgoḥ
den vom lauten Widerhall der Veden und Śāstren erfüllten Āśrama des Bhṛgu betrat er
[?] 'utpullakusumopeta' für erwartetes 'utphullakusumopetaṃ'; 'mṛṣi' für 'ṛṣi' -- beides wohl Schreibfehler der Vorlage.
Da verneigte er sich vor dem Fürsten der Brahmanen, indem er dessen Füße umfasste und dergleichen; und auch Bhṛgu erwies ihm Gastfreundschaft, verbunden mit ehrenvoller Anerkennung.
Wort für Wort
praṇanāmātha viprendraṃ pādasaṃgrahaṇādinā /
da verneigte er sich vor dem Fürsten der Brahmanen, indem er dessen Füße umfasste und dergleichen
ātithyaṃ bhṛgurapyasya cakre sanmānapūrvakam
und auch Bhṛgu erwies ihm Gastfreundschaft, verbunden mit ehrenvoller Anerkennung
Nachdem dem König von dem höchsten Weisen Bhṛgu die Gastfreundschaft erwiesen worden war, sprach er, die Hände ehrerbietig gefaltet, aus Demut zu dem Stier unter den Munis.
Wort für Wort
kṛtātithyakriyo rājā bhṛguṇā paramarṣiṇā /
nachdem dem König von dem höchsten Weisen Bhṛgu die Gastfreundschaft erwiesen worden war
uvāca prāñjalirbhūtvā vinayānmunipuṅgavam
sprach er, die Hände gefaltet, aus Demut zu dem Stier unter den Munis
Bhagīratha sprach: O Erhabener, Kenner alles Dharma, Kundiger in allen Śāstren! Aus Furcht vor dem [weltlichen] Dasein frage ich dich nach dem Grund der Erlösung der Menschen.
Wort für Wort
bhagavansarvadharmajña sarvaśāstraviśārada /
o Erhabener, Kenner alles Dharma, Kundiger in allen Śāstren
pṛcchāmi bhavabhīto 'haṃ nṛṇāmuddhārakāraṇam
ich frage, aus Furcht vor dem [weltlichen] Dasein, nach dem Grund der Erlösung der Menschen
Durch welches Werk der Erhabene zufrieden wird, o bester der Munis -- das verkünde mir, Allwissender; ich bin, wenn [?] es dir beliebt, deiner Gnade würdig.
Wort für Wort
bhagavāṃstuṣyate yena karmaṇā munisattama /
durch welches Werk der Erhabene zufrieden wird, o bester der Munis
tanmamākhyāhi sarvajña anugrāhyo 'smi te yati
das verkünde mir, Allwissender; ich bin, wenn [?] [es beliebt], deiner Gnade würdig
[?] 'yati' passt grammatisch nicht recht; vermutlich Verschreibung für 'yadi' ('wenn').
Bhṛgu sprach: O König, dein Wunsch ist erkannt; du bist ja der Beste der Verdienstvollen. Wie anders solltest du imstande sein, dein ganzes Geschlecht zu erlösen?
Wort für Wort
rājaṃstavepsitaṃ jñātaṃ tvaṃ hi puṇyavatāṃ varaḥ /
o König, dein Wunsch ist erkannt; du bist ja der Beste der Verdienstvollen
anyathā svakulaṃ sarvaṃ kathamuddharttumarhasi
wie anders solltest du dein ganzes Geschlecht zu erlösen vermögen
yo vā ko vāpi bhūpāla svakulaṃ śubhakarmaṇā /
uddharttakāmastaṃ vidyānnararupadharaṃ harim
Wer auch immer, o Herrscher der Erde, durch gutes Werk sein eigenes Geschlecht zu erlösen wünscht, der erkenne jenen [Gott] als Hari, der die Gestalt eines Menschen angenommen hat.
Wort für Wort
yo vā ko vāpi bhūpāla svakulaṃ śubhakarmaṇā /
wer auch immer, o Herrscher der Erde, durch gutes Werk sein eigenes Geschlecht
uddharttakāmastaṃ vidyānnararupadharaṃ harim
zu erlösen wünscht, der erkenne jenen als Hari, der Menschengestalt trägt
Durch welches Werk der Gott der Götter den Menschen die erwünschte Frucht gewährt -- das will ich verkünden, o Fürst der Könige; höre wohlgesammelt zu.
Wort für Wort
karmaṇā yena deveśo nṛṇāmiṣṭaphalapradaḥ /
durch welches Werk der Gott der Götter den Menschen die erwünschte Frucht gewährt
tatpravakṣyāmi rājendra śṛṇuṣva susamāhitaḥ
das will ich verkünden, o Fürst der Könige; höre wohlgesammelt zu
Vollziehe Verehrung des großen Viṣṇu, gehe ein zum unübertrefflichen Frieden; wiederhole das Mantra von zwölf und von acht Silben -- Heil wird dir widerfahren.
Wort für Wort
kuru pūjāṃ mahāviṣṇoryāhi śānti manuttamām /
vollziehe Verehrung des großen Viṣṇu, gehe ein zum unübertrefflichen Frieden [?]
dvādaśāṣṭākṣaraṃ mantraṃ jaya śreyo bhaviṣyati
wiederhole das Zwölf- und das Acht-Silben-Mantra -- Heil wird geschehen
[?] 'śānti manuttamām' als Sandhi-Trennung von 'śāntim anuttamām' gedeutet.
Bhagīratha sprach: Was aber wird als Wahrheit bezeichnet, o Muni, und was als allen Wesen zuträglich? Was wird als Unwahrheit bezeichnet, und wer sind die Schlechten?
Wort für Wort
satyaṃ tu kīdṛśaṃ proktaṃ sarvabhūtahitaṃ mune /
was aber wird als Wahrheit bezeichnet, o Muni, und was als allen Wesen zuträglich
anṛtaṃ kīdṛśaṃ proktaṃ durjanāścāpi kīdṛśāḥ
was wird als Unwahrheit bezeichnet, und wer sind die Schlechten
śāntiśca kīdṛśī proktā ko mantro 'ṣṭākṣaro mune /
ko vā dvādaśavarṇaśca mune tattvārthakovida
Was wird als Frieden bezeichnet? Welches ist das Mantra von acht Silben, o Muni? Und welches das von zwölf Lauten, o du, der die Wahrheit der Wirklichkeit kennt?
Wort für Wort
śāntiśca kīdṛśī proktā ko mantro 'ṣṭākṣaro mune /
was wird als Frieden bezeichnet, welches ist das Mantra von acht Silben, o Muni
ko vā dvādaśavarṇaśca mune tattvārthakovida
und welches das von zwölf Lauten, o Kundiger der Wahrheit der Wirklichkeit
Was, ohne dem Dharma zu widersprechen, gesprochen wird -- dies eben [gilt als Wahrheit] bei denen, die dem Dharma ergeben sind, indem sie selbst Ort, Zeit und dergleichen erkennen, ohne [dem Wohl der Wesen] zu widersprechen.
Wort für Wort
dharmāvirodhato vācyaṃ taddhi dharmaparāyaṇaiḥ /
was, ohne dem Dharma zu widersprechen, gesprochen wird -- dies eben [gilt] bei den dem Dharma Ergebenen
deśakālādi vijñāya svayamasyāvirodhataḥ
indem sie selbst Ort, Zeit und dergleichen erkennen, ohne [dem Wohl] zu widersprechen
Diese [Haltung] wird, o König, Gewaltlosigkeit genannt, die alle Wünsche gewährt: Hilfsbereitschaft beim rechten Handeln und Widerstand gegen unrechtes Tun.
Wort für Wort
ahiṃsā sā nṛpa proktā sarvakāmapradāyinī /
diese wird, o König, Gewaltlosigkeit genannt, die alle Wünsche gewährt
karmakāryasahāyatvamakāryaparipanthitā
Hilfsbereitschaft beim rechten Handeln, Widerstand gegen unrechtes Tun
sarvalokahitatvaṃ vai procyate dharmakovidaiḥ /
icchānuvṛttakathanaṃ dharmādharmavivekinaḥ
Als Wohlwollen für alle Welt bezeichnen es die des Dharma Kundigen: das Reden im Einklang mit dem [rechten] Wunsch bei dem, der Recht und Unrecht zu unterscheiden vermag.
Wort für Wort
sarvalokahitatvaṃ vai procyate dharmakovidaiḥ /
als Wohlwollen für alle Welt bezeichnen es die des Dharma Kundigen
icchānuvṛttakathanaṃ dharmādharmavivekinaḥ
das Reden im Einklang mit dem [rechten] Wunsch bei dem, der Recht und Unrecht unterscheidet
anṛtaṃ taddhi vijñeya sarvaśreyovirodhi tat /
ye loke dveṣiṇo mūrkhāḥ kumārgaratabuddhayaḥ
Als Unwahrheit aber ist das zu erkennen, was allem Heil widerspricht. Diejenigen, die in der Welt hasserfüllt, töricht sind und deren Sinn am falschen Weg Gefallen findet --
Wort für Wort
anṛtaṃ taddhi vijñeya sarvaśreyovirodhi tat /
als Unwahrheit aber ist zu erkennen, was allem Heil widerspricht
ye loke dveṣiṇo mūrkhāḥ kumārgaratabuddhayaḥ
die in der Welt hasserfüllt, töricht sind, deren Sinn am falschen Weg Gefallen findet
te rājandurjjanā jñeyāḥ sarvadharmabahiṣkṛtāḥ /
dharmādharmavivekena vedamārgānusāriṇaḥ
diese, o König, sind als die Schlechten zu erkennen, von allem Dharma Ausgeschlossene. Diejenigen aber, die durch Unterscheidung von Recht und Unrecht dem Weg der Veden folgen --
Wort für Wort
te rājandurjjanā jñeyāḥ sarvadharmabahiṣkṛtāḥ /
diese, o König, sind als die Schlechten zu erkennen, von allem Dharma ausgeschlossen
dharmādharmavivekena vedamārgānusāriṇaḥ
die durch Unterscheidung von Recht und Unrecht dem Weg der Veden folgen
ahaṃ ca viṣṇuryajjñānaṃ tadviṣṇusmaraṇaṃ viduḥ /
sarvadevamayo viṣṇurvidhinā pūjayāmi tam
'Auch ich bin Viṣṇu' -- welche Erkenntnis das ist, das kennt man als Gedenken an Viṣṇu. Viṣṇu ist die Wesenheit aller Götter -- ich verehre ihn nach der vorgeschriebenen Weise.
Wort für Wort
ahaṃ ca viṣṇuryajjñānaṃ tadviṣṇusmaraṇaṃ viduḥ /
'auch ich bin Viṣṇu' -- welche Erkenntnis das ist, das kennt man als Gedenken an Viṣṇu
sarvadevamayo viṣṇurvidhinā pūjayāmi tam
Viṣṇu ist die Wesenheit aller Götter -- ich verehre ihn nach Vorschrift
Die Erkenntnis, die in dieser Weise ohne Unterschied [ist], wird als Gleichmut gepriesen: Gleichmut gegenüber Feind und Freund, und ebenso Selbstbeherrschung, o König.
Wort für Wort
ityabhedena yā buddhiḥ samatā sā prakīrttitā /
die Erkenntnis, die so ohne Unterschied ist, wird als Gleichmut gepriesen
samatā śatrumitreṣu vaśitvaṃ ca tathā nṛpa
Gleichmut gegenüber Feind und Freund und ebenso Selbstbeherrschung, o König
Die Zufriedenheit mit dem, was von selbst zufällt, wird als Friede gepriesen. Diese alle sind erklärt worden als das, was den Menschen die Vollendung der Askese verleiht.
Wort für Wort
yadṛcchālābhasaṃtuṣṭiḥ sā śāntiḥ parikīrtitā /
die Zufriedenheit mit dem, was von selbst zufällt, wird als Friede gepriesen
ete sarve samākhyātāstapaḥ siddhipradā nṛṇām
diese alle sind erklärt, als das, was den Menschen die Vollendung der Askese verleiht
Mit vorangestelltem Praṇava, o großer König, wird [dies] als das Zwölfsilben-Mantra bezeichnet. Gleich ist die Frucht, o König, dieser beiden [Mantras] von acht und von zwölf Silben.
Wort für Wort
praṇavādyaṃ mahārāja dvādaśārṇamudāhṛtam /
mit vorangestelltem Praṇava, o großer König, wird [dies] als Zwölf-Silben-Mantra bezeichnet
dvayoḥ samaṃ phalaṃ rājannaṣṭadvādaśavarṇayoḥ
gleich ist die Frucht, o König, dieser beiden von acht und zwölf Silben
pravṛttau ca nivṛttau ca sāmyamuddiṣṭametayoḥ /
śaṅkhacakradharaṃ śāntaṃ nārāyaṇamanāmayam
Sowohl im [Weg des] weltlichen Wirkens als auch im [Weg der] Weltentsagung wird die Gleichheit dieser beiden gelehrt. [Man meditiere über] Nārāyaṇa, den Friedvollen, Makellosen, der Muschelhorn und Diskus trägt.
Wort für Wort
pravṛttau ca nivṛttau ca sāmyamuddiṣṭametayoḥ /
sowohl im [Weg des] weltlichen Wirkens als auch der Weltentsagung wird die Gleichheit dieser beiden gelehrt
śaṅkhacakradharaṃ śāntaṃ nārāyaṇamanāmayam
[man meditiere über] Nārāyaṇa, den Friedvollen, Makellosen, der Muschelhorn und Diskus trägt
[man meditiere über] den Herrn, dessen linke Seite von Lakṣmī umfangen ist, der die Geste der Furchtlosigkeit zeigt, der Krone und Ohrringe trägt und durch mancherlei Schmuck erstrahlt.
Wort für Wort
lakṣmīsaṃśritavāmāṅkaṃ tathābhayakaraṃ prabhum /
den Herrn, dessen linke Seite von Lakṣmī umfangen ist, der die Geste der Furchtlosigkeit zeigt
kirīṭakuṇḍaladharaṃ nānāmaṇḍanaśobhitam
der Krone und Ohrringe trägt und durch mancherlei Schmuck erstrahlt
reich geschmückt mit der leuchtenden Kaustubha-Kette, an dessen Brust das Zeichen Śrīvatsa prangt, der gelbe Gewänder trägt, den Gott, dem Götter und Dämonen sich verneigen.
Wort für Wort
bhrājatkaustubhamālāḍhyaṃ śrīvatsāṅkitavakṣasam /
reich geschmückt mit der leuchtenden Kaustubha-Kette, an dessen Brust das Zeichen Śrīvatsa prangt
pītāmbaradharaṃ devaṃ surāsuranamaskṛtam
der gelbe Gewänder trägt, den Gott, dem Götter und Dämonen sich verneigen
Man meditiere über ihn, der ohne Anfang und Ende ist, der die Frucht aller Wünsche gewährt -- den inneren Lenker, der Erkenntnisgestalt ist, den vollkommen erfüllten, ewigen [Gott].
Wort für Wort
dhyāyedanādinidhanaṃ sarvakāmaphalapradam /
man meditiere über ihn, der ohne Anfang und Ende ist, der die Frucht aller Wünsche gewährt
antaryāmī jñānarupī paripūrṇaḥ sanātanaḥ
den inneren Lenker, der Erkenntnisgestalt ist, den vollkommen erfüllten, ewigen [Gott]
Nachdem er den Himalaya-Berg erreicht hatte, übte er an dem verdienstvollen, herzerfreuenden Ort, an der großen heiligen Stätte Nādeśvara, überaus schwer zu vollbringende Askese.
Wort für Wort
himavadgirimāsādya puṇyadeśe manohare /
nachdem er den Himalaya-Berg erreicht hatte, an dem verdienstvollen, herzerfreuenden Ort
nādeśvare mahākṣetre tapastepe 'tiduścaram
an der großen heiligen Stätte Nādeśvara übte er überaus schwer zu vollbringende Askese
Der König badete dreimal täglich, nährte sich von Wurzeln, Knollen und Früchten, erwies stets Gästen die gebührende Ehre und war beständig dem Feueropfer hingegeben.
Wort für Wort
rājā triṣavaṇasnāyī kandamūlaphalāśanaḥ /
der König badete dreimal täglich, nährte sich von Wurzeln, Knollen und Früchten
kṛtātithyarhaṇaścāpi nityaṃ homaparāyaṇaḥ
erwies Gästen die gebührende Ehre und war beständig dem Feueropfer hingegeben
Nachdem er so eine lange Zeit verbracht hatte, von höchster Standhaftigkeit, wurde er, indem er über den Gott Nārāyaṇa meditierte, zu einem, der nur noch welke Blätter aß.
Wort für Wort
evaṃ bahutithaṃ kālaṃ nītvā cātyantadhairyavān /
nachdem er so eine lange Zeit verbracht hatte, von höchster Standhaftigkeit
dhyāyannārāyaṇaṃ devaṃ śīrṇaparṇāśano 'bhavat
über den Gott Nārāyaṇa meditierend, wurde er zu einem, der nur welke Blätter aß
Aus den Nasenlöchern jenes Königs entstand ein furchterregendes Feuer; als sie dies sahen, gerieten alle Götter in Schrecken, von dem Feuer versengt.
Wort für Wort
tasya nāsāpuṭādrājño vahnirjajñe bhayaṅkaraḥ /
aus den Nasenlöchern [?] dieses Königs entstand ein furchterregendes Feuer
taṃ dṛṣṭvā devatāḥ sarve vitrastā vahninā tapitāḥ
als sie dies sahen, gerieten alle Götter in Schrecken, vom Feuer versengt [?]
[?] 'nānmāpuṭāt' im Quelltext -- als 'nāsāpuṭāt' ('aus den Nasenlöchern') gedeutet; 'vahnitā pitāḥ' als 'vahninā tapitāḥ' ('vom Feuer versengt') gedeutet.
Sie begaben sich zu dem großen Viṣṇu, dort wo der Herr der Welten weilt; nachdem die Herren der Götter das nördliche Ufer des Milchozeans erreicht hatten, priesen sie den Gott der Götter, den Beschützer der Schutzsuchenden.
Wort für Wort
abhijagmurmahāviṣṇuṃ yatrāste jagatāṃ patiḥ /
sie begaben sich zu dem großen Viṣṇu, dort wo der Herr der Welten weilt
kṣīrodasyottaraṃ tīraṃ saṃprāpya tridaśeśvarāḥ /
nachdem die Herren der Götter das nördliche Ufer des Milchozeans erreicht hatten
astuvandevadeveśaṃ śaraṇāgatapālakam
priesen sie den Gott der Götter, den Beschützer der Schutzsuchenden
[Anm.: Der Vers besteht aus drei Pādas statt der üblichen zwei -- vermutlich ist ein Vers- oder Zeilensprung in der Vorlage unterlaufen.]
devā ūcuḥ
natāḥ sma viṣṇuṃ jagadekanāthaṃ smaratsamastārtiharaṃ pareśam /
svabhāvaśuddhaṃ paripūrṇabhāvaṃ vadanti yajjñānatanuṃ ca tajjñāḥ
Die Götter sprachen: Wir verneigen uns vor Viṣṇu, dem alleinigen Herrn der Welt, der jedem, der seiner gedenkt, alles Leid nimmt, dem höchsten Gott, von Natur aus reinem, vollkommen erfülltem Wesen -- den die Kenner der Wahrheit als von der Gestalt der reinen Erkenntnis bezeichnen.
Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
natāḥ sma viṣṇuṃ jagadekanāthaṃ smaratsamastārtiharaṃ pareśam /
wir verneigen uns vor Viṣṇu, dem alleinigen Herrn der Welt, der jedem Gedenkenden alles Leid nimmt, dem höchsten Gott
svabhāvaśuddhaṃ paripūrṇabhāvaṃ vadanti yajjñānatanuṃ ca tajjñāḥ
von Natur aus rein, vollkommen erfüllt -- den die Wahrheitskenner als von der Gestalt der Erkenntnis bezeichnen
Der große Geist, der stets von den besten Yogins meditiert wird, dessen Körper [er] aus eigenem Willen [annimmt], der die Werke der Götter vollbracht hat, der die Gestalt der Welt ist, der uranfängliche Herr der Welt -- ihm, dem höchsten Menschen, verneigen wir uns.
yannāmasaṃkīrttanato khalānāṃ samasta pāpāni layaṃ prayānti /
tamīśamīḍyaṃ puruṣaṃ purāṇaṃ natāḥ sma viṣṇuṃ puruṣārthasiddhyai
Durch dessen bloße Nennung des Namens selbst der Übeltäter alle Sünden zunichtewerden -- vor jenem preiswürdigen Herrn, dem uralten Menschen, verneigen wir uns, vor Viṣṇu, zur Erlangung der Ziele des Menschen.
Wort für Wort
yannāmasaṃkīrttanato khalānāṃ samasta pāpāni layaṃ prayānti /
durch dessen Namensnennung selbst der Übeltäter alle Sünden zunichtewerden
tamīśamīḍyaṃ puruṣaṃ purāṇaṃ natāḥ sma viṣṇuṃ puruṣārthasiddhyai
vor jenem preiswürdigen Herrn, dem uralten Menschen, verneigen wir uns, vor Viṣṇu, zur Erlangung der Menschenziele
[?] 'puruṣāthasiddhyai' im Quelltext für 'puruṣārthasiddhyai'.
Durch dessen Glanz Sonne und die anderen [Gestirne] leuchten, dessen Ordnung sie niemals überschreiten -- ihn, der die Zeit selbst ist, den Herrn der dreißig [Götter], verehren wir, die Gestalt der Menschenziele.
Er, der Schöpfer der Welt, der den Lotusgeborenen übertrifft [?], vor dem [selbst] Rudra [sich beugt] [?], den die Brahmanen mit den vedischen Sprüchen die Welten läutern lassen -- zu jenem Urgott, der Wohnstatt aller guten Eigenschaften, dem Lehrer von allem, sind wir, Zuflucht suchend, gegangen.
der Schöpfer der Welt, der den Lotusgeborenen übertrifft [?], vor dem Rudra [sich beugt] [?] -- die Brahmanen läutern mit den vedischen Sprüchen die Welten
varaṃ vareṇyaṃ madhukaiṭabhāriṃ surāsurābhyarcitapādapīṭham /
sadbhaktisaṃkalpitāsiddhihetuṃ jñānaikavedyaṃ praṇatāḥ sma devam
Vor dem besten, dem Erwählungswürdigen, dem Feind von Madhu und Kaiṭabha, dessen Fußschemel von Göttern und Dämonen verehrt wird, der die Ursache der Vollendung dessen ist, was die wahrhaft Hingegebenen sich wünschen, der allein durch Erkenntnis erfassbar ist -- vor diesem Gott verneigen wir uns.
anādimadhyāntamajaṃ pareśamanādyavidyākhyatamovināśam /
saccitparānandaghanasvarupaṃ rupādihīnaṃ praṇatāḥ sma devam
Vor dem Gott, der ohne Anfang, Mitte und Ende ist, ungeboren, dem höchsten Herrn, der die anfangslose, mit dem Namen Unwissenheit bezeichnete Finsternis vernichtet, dessen Wesen die geballte Fülle von Sein, Bewusstsein und höchster Seligkeit ist, der frei von Gestalt und dergleichen ist -- vor diesem Gott verneigen wir uns.
nārāyaṇaṃ viṣṇumanantamīśaṃ pītāmbaraṃ padmabhavādisevyam /
yajñāpriyaṃ yajñakaraṃ viśuddhaṃ natāḥ sma sarvottamamavyayaṃ tam
Vor Nārāyaṇa, Viṣṇu, dem endlosen Herrn, der gelbe Gewänder trägt, der von dem Lotusgeborenen und anderen verehrt wird, dem das Opfer lieb ist, der das Opfer vollbringt, dem Reinen -- vor ihm, dem Höchsten von allen, dem Unvergänglichen, verneigen wir uns.
tato devānsamāśvāsya dattvābhayamanañjanaḥ /
jagāma yatra rājarṣistapastapati nārada
Sodann, nachdem er die Götter beruhigt und ihnen Furchtlosigkeit gewährt hatte, begab sich der Makellose dorthin, wo der königliche Weise, o Nārada, Askese übte.
Wort für Wort
tato devānsamāśvāsya dattvābhayamanañjanaḥ /
sodann, nachdem er die Götter beruhigt und ihnen Furchtlosigkeit gewährt hatte, der Makellose
jagāma yatra rājarṣistapastapati nārada
begab er sich dorthin, wo der königliche Weise, o Nārada, Askese übte
Als er ihn erblickte, den Lotusäugigen, der mit seinem Glanz die Himmelsrichtungen erhellte, der der [blauen] Leinblüte gleich glänzte, geschmückt mit funkelnden Ohrringen,
Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā puṇḍarīkākṣaṃ bhābhāsitadigantaram /
als er ihn erblickte, den Lotusäugigen, der mit seinem Glanz die Himmelsrichtungen erhellte
atasīpuṣpasaṃkāśaṃ sphuratkuṇḍalamaṇḍitam
der der Leinblüte [?] gleich glänzte, geschmückt mit funkelnden Ohrringen
[?] 'duṣṭvā' im Quelltext für 'dṛṣṭvā'; 'atisīpuṣpaṃ' als 'atasīpuṣpa' (Leinblüte) gedeutet.
dessen Lotusgesicht von glänzenden, gelockten Haaren umrahmt war, dessen leuchtende Krone erstrahlte, der das Śrīvatsa-Zeichen und den Kaustubha-Edelstein trug, geschmückt mit dem Waldblumenkranz --
Wort für Wort
snigdhakuntalavakrābjaṃ vibhrājanmukuṭojjvalam /
dessen Lotusgesicht von glänzenden, gelockten Haaren umrahmt war, dessen leuchtende Krone erstrahlte
śrīvatsakaustubhadharaṃ vanamālāvibhūṣitam
der das Śrīvatsa-Zeichen und den Kaustubha-Edelstein trug, mit dem Waldblumenkranz geschmückt
[?] 'kaustumadharaṃ' im Quelltext für 'kaustubhadharaṃ'.
den Langarmigen, mit edlen Gliedern, dessen Lotus[füße] von den Herren der Welten verehrt werden -- vor ihm warf sich der Herrscher der Erde, den Nacken gesenkt, wie ein Stab zu Boden nieder.
Wort für Wort
dīrghabāhumudārāṅgaṃ lokeśārcitapaṅkajam /
den Langarmigen, mit edlen Gliedern, dessen Lotus[füße] von den Herren der Welten verehrt werden
nanāma daṇḍavadbhūmau bhūpatirnamrakandharaḥ
vor ihm warf sich der Herrscher der Erde, den Nacken gesenkt, wie ein Stab zu Boden nieder
Nachdem er dies gesprochen hatte, verschwand der Gott der Götter, der Herr der Welten, der Unvergängliche, o bester der Munis; auch der Herrscher der Erde erhob sich.
Wort für Wort
ityuktvā devadeveśo jagatāṃ patiracyutaḥ /
nachdem er dies gesprochen hatte, der Gott der Götter, der Herr der Welten, der Unvergängliche
antardadhe muniśreṣṭha uttasthau so 'pi bhūpatiḥ
verschwand er, o bester der Munis; auch der Herrscher der Erde erhob sich
'War dies ein Traum, oder war es Wirklichkeit, leibhaftig, o bester Zweifachgeborener?' -- der Herrscher der Erde geriet in Staunen, verwundert darüber, was er nun tun solle.
Wort für Wort
kimidaṃ svapnamāhosvitsatyaṃ sākṣādvijottam /
'war dies ein Traum [?], oder war es Wirklichkeit, leibhaftig, o bester Zweifachgeborener?'
bhūpatirvismayaṃ prāptaḥ kiṃ karomīti vismitaḥ
der Herrscher der Erde geriet in Staunen, verwundert, was er tun solle
[?] 'smama' im Quelltext -- als 'svapnam' ('Traum') gedeutet; 'prātpaḥ' als 'prāptaḥ' gelesen.
Bhagīratha sprach: Ich verneige mich vor dem Herrn der Welt, der das Leid derer vernichtet, die sich vor ihm verneigen, vor dem Gott, der jenseits [aller] Erkenntnismittel ist, dem Īśāna, dessen Wesen die Silbe Om ist.
Wort für Wort
praṇamāmi jagannāthaṃ praṇatārtipraṇāśanam /
ich verneige mich vor dem Herrn der Welt, der das Leid der sich Verneigenden vernichtet
pramāṇāgocaraṃ devamīśānaṃ praṇavātmakam
vor dem Gott, der jenseits aller Erkenntnismittel ist, dem Īśāna, dessen Wesen die Silbe Om ist
Vor dir, der die Gestalt der Welt ist, dem Ungeborenen, Ewigen, der Ursache von Schöpfung, Erhaltung und Untergang, dem Allgestaltigen, o Virūpākṣa, mit dem gewaltigen Samen -- vor dir verneige ich mich.
Wort für Wort
jagadrūpamajaṃ nityaṃ sargasthityantakāraṇam /
der die Gestalt der Welt ist, ungeboren, ewig, die Ursache von Schöpfung, Erhaltung und Untergang
viśvarupaṃ virupākṣa praṇato 'smyugraretasam
den Allgestaltigen, o Virūpākṣa, mit gewaltigem Samen -- vor dir verneige ich mich
Den ohne Anfang, Mitte und Ende, den Unendlichen, Ungeborenen, Unvergänglichen -- als solchen preisen ihn die Fürsten der Yogins; ihn verehre ich, den Mehrer des Gedeihens.
Wort für Wort
ādimadhyāntarahitamanantamajamavyayam /
ohne Anfang, Mitte und Ende, unendlich, ungeboren, unvergänglich
samāmananti yogīndrā staṃ vande puṣṭivardhanam
so preisen ihn die Fürsten der Yogins; ihn verehre ich, den Mehrer des Gedeihens
namo lokādhināthāya apavañcaka parivañcaka /
namo 'stu nīlagrīvāya paśūnāṃ pataye namaḥ
Verehrung dir, o Herr der Welt, [?] du Untrüglicher, [doch zugleich] Umgarnender [?] -- Verehrung sei dem Blauhalsigen, Verehrung dem Herrn der Tiere!
Wort für Wort
namo lokādhināthāya apavañcaka parivañcaka /
Verehrung dir, o Herr der Welt, du Untrüglicher, [doch] Umgarnender [?]
namo 'stu nīlagrīvāya paśūnāṃ pataye namaḥ
Verehrung sei dem Blauhalsigen, Verehrung dem Herrn der Tiere
[Anm.: Pāda a ('lokādhināthāpa vañcate parivañcate') ist im Quelltext offenkundig verderbt/unklar überliefert; hier probeweise als 'lokādhinātha, apavañcaka, parivañcaka' gedeutet.] [?] 'pasūnāṃ' im Quelltext für 'paśūnāṃ'.
namaḥ kapālahastāya pāśapataye namaḥ /
namo 'kalpaprakalpāya bhūtānāṃ pataye namaḥ
Verehrung dem, der den Schädel in der Hand trägt, Verehrung dem Herrn der Schlinge! Verehrung dem, der [selbst] ohne Anfang [alle Weltordnung] gestaltet, Verehrung dem Herrn der Wesen!
Wort für Wort
namaḥ kapālahastāya pāśapataye namaḥ /
Verehrung dem, der den Schädel in der Hand trägt, Verehrung dem Herrn der Schlinge
namo 'kalpaprakalpāya bhūtānāṃ pataye namaḥ
Verehrung dem, der ohne Anfang [die Welt] gestaltet, Verehrung dem Herrn der Wesen
namaḥ pinākahastāya śūlahastāya te namaḥ /
namaḥ kapālahastāya pāśamudgaradhāriṇe
Verehrung dem, der den Bogen Pināka in der Hand trägt, Verehrung dir, der den Dreizack in der Hand trägt! Verehrung dem, der den Schädel in der Hand trägt, der Schlinge und Keule trägt!
Wort für Wort
namaḥ pinākahastāya śūlahastāya te namaḥ /
Verehrung dem, der den Bogen Pināka in der Hand trägt, Verehrung dir, der den Dreizack trägt
namaḥ kapālahastāya pāśamudgaradhāriṇe
Verehrung dem, der den Schädel in der Hand trägt, der Schlinge und Keule trägt
Verehrung dir, der du alle Wesen bist, Verehrung dir, der die Glocke in der Hand trägt! Verehrung dem fünfgesichtigen Gott, Verehrung dem Herrn der heiligen Stätten!
Wort für Wort
namaste sarvabhūtāya ghaṇṭāhastāya te namaḥ /
Verehrung dir, der du alle Wesen bist, Verehrung dir, der die Glocke in der Hand trägt
namaḥ pañcāsyadevāya kṣetrāṇāṃ pataye namaḥ
Verehrung dem fünfgesichtigen Gott, Verehrung dem Herrn der heiligen Stätten
Verehrung dem Erhalter und Träger aller Wesen von Anbeginn, dem Träger der Erde! Verehrung dem, dessen Gestalt vielgestaltig ist, dem Eigenschaftslosen, der höchsten Seele!
Wort für Wort
namaḥ samastabhūtānāmādibhṛtāya bhūbhṛte /
Verehrung dem Erhalter und Träger aller Wesen von Anbeginn, dem Träger der Erde
anekaruparupāya nirguṇāya parātmane
dem vielgestaltigen, dem Eigenschaftslosen, der höchsten Seele
namaste dhyānasaṃsthāya dhyānagamyāya te namaḥ /
yenedaṃ viśvamakhilaṃ carācaravirājitam
Verehrung dir, der in der Meditation gegründet ist, Verehrung dir, der nur durch Meditation erreichbar ist -- durch den dieses ganze Weltall, das Bewegliche und Unbewegliche, erstrahlt --
Wort für Wort
namaste dhyānasaṃsthāya dhyānagamyāya te namaḥ /
Verehrung dir, der in der Meditation gegründet ist, Verehrung dir, der nur durch Meditation erreichbar ist
yenedaṃ viśvamakhilaṃ carācaravirājitam
durch den dieses ganze Weltall, das Bewegliche und Unbewegliche, erstrahlt
[ihm, der] selbstleuchtend, der große Geist, das höchste, ewige Licht [ist], den die Kenner der Wahrheit als die Sonne der Augen der Menschen bezeichnen --
Wort für Wort
svaprakāśaṃ mahātmānaṃ paraṃ jyotiḥ sanātanam /
den selbstleuchtenden, den großen Geist, das höchste, ewige Licht
yamāmananti tattvajñāḥ savitāraṃ nṛcakṣuṣām
den die Wahrheitskenner als die Sonne der Augen der Menschen bezeichnen
[ihm], dem Gemahl der Umā, dem Herrn der Nandin, dem Blauhalsigen, dem Sadāśiva, dem Todesbesieger, dem großen Gott, der höher ist als das Höchste, dem alldurchdringenden Herrn --
Wort für Wort
umākāntaṃ nandikeśaṃ taṃ nīlakaṇṭhaṃ sadāśivam /
dem Gemahl der Umā, dem Herrn der Nandin, dem Blauhalsigen, dem Sadāśiva
mṛtyuñjayaṃ mahādevaṃ parātparataraṃ vibhum
dem Todesbesieger, dem großen Gott, der höher ist als das Höchste, dem alldurchdringenden Herrn
[?] 'umākāntanandikeśantaṃ' im Quelltext -- als 'umākāntaṃ nandikeśaṃ taṃ' gedeutet.
ihn, der die Gestalt des höchsten Wortbrahman ist, verehre ich, die Ursache von allem. Dir mit dem Zopfhaar, Verehrung; Verehrung dir, dem sogleich Geborenen!
Wort für Wort
paraṃ śabdabrahmarupaṃ taṃ vande 'khilakāraṇam /
ihn, der die Gestalt des höchsten Wortbrahman ist, verehre ich, die Ursache von allem
kaparddine namastubhyaṃ sadyo jātāya vai namaḥ
dir mit dem Zopfhaar, Verehrung; Verehrung dir, dem sogleich Geborenen
bhavodbhavāya śuddhāya jyeṣṭhāya ca kanīyase /
manyave ta īśe aghnyāyāḥ pataye yajñatantave
Dem Gott des Werdens und Entstehens, dem Reinen, dem Ältesten und zugleich Jüngsten; dem Zorn(-gott), dir, dem Herrscher, [?] dem Herrn der unverletzlichen [Kuh], dem Fortsetzer des Opfers!
Wort für Wort
bhavodbhavāya śuddhāya jyeṣṭhāya ca kanīyase /
dem Gott des Werdens und Entstehens, dem Reinen, dem Ältesten und zugleich Jüngsten
manyave ta īśe aghnyāyāḥ pataye yajñatantave
dem Zorn(-gott), dir, dem Herrscher [?], dem Herrn der unverletzlichen [Kuh] [?], dem Fortsetzer des Opfers
[?] 'manyave ta iṣe traghayyāḥ pataye' im Quelltext schwer verderbt -- probeweise als Anklang an die Rudra-Epitheta des Śatarudriya ('manyave namaḥ', 'aghnyāyāḥ pataye') gedeutet.
ūrje diśāṃ ca pataye kālāyāghorarupiṇe /
kṛśānuretase tubhyaṃ namo 'stu sumāhātmane
Der Kraft, und dem Herrn der Himmelsrichtungen; dem Zeitgott von schrecklicher Gestalt; dir, dessen Same das Feuer ist, sei Verehrung, dem hoch erhabenen Geist!
Wort für Wort
ūrje diśāṃ ca pataye kālāyāghorarupiṇe /
der Kraft, und dem Herrn der Himmelsrichtungen, dem Zeitgott von schrecklicher Gestalt
kṛśānuretase tubhyaṃ namo 'stu sumāhātmane
dir, dessen Same das Feuer ist, sei Verehrung, dem hoch erhabenen Geist
aus dem die Ozeane, die Flüsse und Berge hervorgingen, sowie die Scharen der Gandharvas, Yakṣas, Asuras und Siddhas; das Unbewegliche und das Bewegliche, das Große und das Kleine, das Nichtseiende und das Seiende -- als solches ist die Welt [aus ihm] entsprungen [?].
aus dem die Ozeane, Flüsse und Berge, sowie die Scharen der Gandharvas, Yakṣas, Asuras und Siddhas [hervorgingen]
sthāṇuścariṣṇurmahadalpakaṃ ca asacca sacceti jagatprasūtam
das Unbewegliche und Bewegliche, Große und Kleine, Nichtseiende und Seiende -- so ist die Welt [aus ihm] entsprungen [?]
[Anm.: Pāda b ('sthāṇu ścariṣṇurmahadalpakaṃ ca asañca sajjīvamajīmāsa') ist im Quelltext schwer verderbt überliefert; die Übersetzung folgt einer sinngemäßen Rekonstruktion nach dem Muster bekannter Sat-Asat-Formeln.] [?]
nato 'smi taṃ yoginatāṅghripadmaṃ sarvāntarātmānamarupamīśam /
svatantramekaṃ guṇānāṃ guṇaṃ ca namāmi bhūyaḥ praṇamāmi bhūyaḥ
Ich verneige mich vor ihm, dessen Lotusfüße von den Yogins verehrt werden, der die innerste Seele von allem ist, gestaltlos, dem Herrn; dem Unabhängigen, dem Einen, der die Eigenschaft der Eigenschaften [selbst] ist -- ich verneige mich wiederum, ich verneige mich abermals.
Wort für Wort
nato 'smi taṃ yoginatāṅghripadmaṃ sarvāntarātmānamarupamīśam /
ich verneige mich vor ihm, dessen Lotusfüße von den Yogins verehrt werden, der die innerste Seele von allem ist, gestaltlos, der Herr
svatantramekaṃ guṇānāṃ guṇaṃ ca namāmi bhūyaḥ praṇamāmi bhūyaḥ
dem Unabhängigen, dem Einen, der die Eigenschaft der Eigenschaften ist -- ich verneige mich wiederum, ich verneige mich abermals
[Bhagīratha sah ihn] mit fünf Gesichtern, zehn Armen, mit dem Halbmond als Diadem geschmückt, dreiäugig, mit edlen Gliedern, mit einer Schlange als heiliger Schnur --
Wort für Wort
pañcavakraṃ daśabhujaṃ candrārdhakṛtaśekharam /
mit fünf Gesichtern, zehn Armen, mit dem Halbmond als Diadem geschmückt
trilocanamudārāṅgaṃ nāgayajñopavītinam
dreiäugig, mit edlen Gliedern, mit einer Schlange als heiliger Schnur
[?] 'candrārdhdakṛtaśaekharam' im Quelltext -- als 'candrārdhakṛtaśekharam' gedeutet.
und verneigte sich vor dem großen Gott, indem er den Namen Śaṅkara rühmend aussprach. Als er die Hingabe des Königs erkannte, [sprach] Śaṅkara, der den Mond als Diadem trägt:
Wort für Wort
praṇanāma mahādevaṃ kīrtayañśaṅkarāhvayam /
er verneigte sich vor dem großen Gott, den Namen Śaṅkara rühmend aussprechend
vijñāya bhaktiṃ bhūpasya śaṅkaraḥ śaśiśekharaḥ
als er die Hingabe des Königs erkannte, Śaṅkara, der den Mond als Diadem trägt
Er sprach zum König: 'Ich bin zufrieden; erbitte dir die gewünschte Gabe. Vollkommen zufriedengestellt bin ich durch dich, durch dein Loblied ebenso wie durch deine Askese.'
Wort für Wort
uvāca rājñe tuṣṭo 'smi varaṃ varaya vāñchitam /
er sprach zum König: 'ich bin zufrieden, erbitte dir die gewünschte Gabe'
toṣito 'smi tvayā samyak stotreṇa tapasā tathā
'vollkommen zufriedengestellt bin ich durch dich, durch dein Loblied und durch deine Askese'
evamuktaḥ sa devena rājā saṃtuṣṭamānasaḥ /
uvāca prāñjalirbhūtvā jagatāmīśvareśvareśvaram
So von dem Gott angesprochen, mit zufriedengestelltem Gemüt, sprach der König, die Hände ehrerbietig gefaltet, zu dem höchsten Herrn der Herren der Welten [?]:
Wort für Wort
evamuktaḥ sa devena rājā saṃtuṣṭamānasaḥ /
so von dem Gott angesprochen, der König, mit zufriedengestelltem Gemüt
uvāca prāñjalirbhūtvā jagatāmīśvareśvareśvaram
sprach er, die Hände gefaltet, zu dem höchsten Herrn der Herren der Welten [?]
[Anm.: 'īśvareśvareśvaram' -- die dreifache Wiederholung von 'īśvara' ist ungewöhnlich und vermutlich eine Dittographie; hier als Steigerungsform ('Herr der Herren') wiedergegeben.]
Der erhabene Śiva sprach: 'Gegeben ist von mir dir die Gaṅgā; sie sei der höchste Weg für deine Vorväter, und dir [gewähre sie] die höchste Erlösung.' Nachdem er dies gesprochen hatte, verschwand Śiva.
Wort für Wort
dattā gaṅgā mayā tubhyaṃ pitṝṇāṃ te gatiḥ parā /
'gegeben ist von mir dir die Gaṅgā; sie sei der höchste Weg für deine Vorväter'
tubhyaṃ mokṣaṃ paraśceti tamuktvāntardadhe śivaḥ
'und dir [gewähre sie] die höchste Erlösung' -- dies sprechend, verschwand Śiva
Aus [Śivas] Haupt, aus den Flechten herabgeglitten, folgte die Gaṅgā, die alleinige Läuterin der Welt, die ganze Welt läuternd, dem Bhagīratha.
Wort für Wort
śiraso jaṭāstrastā gaṅgā lokaikapāvanī /
aus den Flechten des Hauptes herabgeglitten [?], die Gaṅgā, die alleinige Läuterin der Welt
pāvayantī jagatsarvamanvagacchadbhagīratham
die ganze Welt läuternd, folgte sie dem Bhagīratha
[?] 'parardino jaṭāstrastā' im Quelltext unklar -- als 'śiraso jaṭāstrastā' ('aus den Locken des Hauptes herabgeglitten') gedeutet; 'lokaikapāvirnī' als 'lokaikapāvanī' gelesen.
Als die Asche der Sagara-Söhne von der Gaṅgā überflutet wurde, da sogleich wurden sie, die in die Hölle versunken waren, emporgehoben und von ihrer Sünde befreit.
Wort für Wort
yadā saṃplāvitaṃ bhasma sāgarāṇāṃ tu gaṅgāyā /
als die Asche der Sagara-Söhne von der Gaṅgā überflutet wurde
tadaiva narake magnā uddhṛtāśca gatainasaḥ
da sogleich wurden sie, in die Hölle versunken, emporgehoben und von ihrer Sünde befreit
purā saṃkruśyamānena ye yamenātipūḍitāḥ /
ta eva pūjitāstena gaṅgājalapariplutāḥ
Diejenigen, die zuvor von dem zürnenden Yama überaus gepeinigt worden waren, eben diese wurden von ihm geehrt, nachdem sie vom Wasser der Gaṅgā überflutet worden waren.
Wort für Wort
purā saṃkruśyamānena ye yamenātipūḍitāḥ /
die zuvor von dem zürnenden Yama überaus gepeinigt worden waren
ta eva pūjitāstena gaṅgājalapariplutāḥ
eben diese wurden von ihm geehrt, nachdem sie vom Wasser der Gaṅgā überflutet worden waren
[?] 'pūcitāstena' im Quelltext -- als 'pūjitāstena' gedeutet.
Als Yama erkannte, dass die von Sagara Abstammenden von ihrer Sünde befreit waren, verneigte er sich vor ihnen, verehrte sie den Vorschriften gemäß, und sprach mit erfreutem Gemüt zu ihnen:
Wort für Wort
gatapāpānvijñāya yamaḥ sagarasaṃbhavān /
als Yama erkannte, dass die von Sagara Abstammenden von ihrer Sünde befreit waren
praṇamyābhyarcya vidhivatprāha tānprītamānasaḥ
verneigte er sich, verehrte sie vorschriftsgemäß und sprach mit erfreutem Gemüt zu ihnen
[?] 'gatapāpānya vijñāya' im Quelltext -- als 'gatapāpān vijñāya' gedeutet.
So von Yama angesprochen, gingen jene großen Seelen, von aller Makel befreit, nachdem sie einen himmlischen Körper angenommen hatten, in die Welt Viṣṇus ein.
Wort für Wort
ityuktāste mahātmāno yamena gatakalmaṣāḥ /
so von Yama angesprochen, jene großen Seelen, von aller Makel befreit
divyadehadharā bhūtvā viṣṇulokaṃ prapedire
nachdem sie einen himmlischen Körper angenommen hatten, gingen sie in die Welt Viṣṇus ein