Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 47: bharatopākhyānam Die Erzählung von Bharata und die Belehrung des Königs von Sauvīra

iti śrūbṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge dvitīyapāde saptacatvāriṃśattamo 'dhyāyaḥ nārada uvāca śrutaṃ mayā mahāmāga tāpatrayacikitsitam / tathāpi me mano bhrāntaṃ na sthitiṃ labhateṃ'jasā

Nārada sprach: Gehört habe ich, o Hochbeglückter, die Heilung der drei Arten von Leid. Dennoch ist mein Geist verwirrt und findet auf geradem Wege keine Festigkeit.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
śrutaṃ mayā mahāmāga
gehört habe ich, o Hochbeglückter
tāpatrayacikitsitam
die Heilung der drei Arten von Leid
tathāpi me mano bhrāntaṃ
dennoch ist mein Geist verwirrt
na sthitiṃ labhateṃ'jasā
er findet auf geradem Wege keine Festigkeit

ātmavyatikramaṃ brahmandurjanācaritaṃ katham / soḍhuṃ śakyeta manujaistanmamākhyāhi mānada

Wie kann, o Brahmane, das Übertreten des eigenen Selbst (und) das Verhalten böser Menschen von Menschen ertragen werden? Das teile mir mit, o Ehrenspender.

Wort für Wort
ātmavyatikramaṃ brahman
das Übertreten des eigenen Selbst, o Brahmane
durjanācaritaṃ katham
wie das Verhalten böser Menschen
soḍhuṃ śakyeta manujaiḥ
könnte von Menschen ertragen werden
tan mama ākhyāhi mānada
das teile mir mit, o Ehrenspender

sūta uvāca tacchrṛtvā nāradenoktaṃ brahmaputraḥ sanandanaḥ / uvāca harṣasaṃyuktaḥ smaranbhagharataceṣṭitam

Sūta sprach: Nachdem er das von Nārada Gesagte vernommen hatte, sprach der Sohn Brahmās, Sanandana, voller Freude, indem er sich des Tuns Bharatas erinnerte.

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
tacchrutvā nāradenoktaṃ
nachdem er das von Nārada Gesagte gehört hatte
brahmaputraḥ sanandanaḥ
der Sohn Brahmās, Sanandana
uvāca harṣasaṃyuktaḥ
sprach, von Freude erfüllt
smaran bhagharataceṣṭitam
sich des Tuns Bharatas [?] erinnernd

[?: „bhagharataceṣṭitam“ unsicher überliefert; als „bharatasya ceṣṭitam“ (das Tun Bharatas) gedeutet, da dies zum folgenden Erzählinhalt passt.]

sanandana uvāca atra te kathayiṣyāmi itihāsaṃ purātanam / yaṃ śrutvā tvanmano bhrāntamāsthānaṃ labhate bhūśam

Sanandana sprach: Hierzu will ich dir eine alte Geschichte erzählen, durch deren Anhören dein verwirrter Geist überaus große Festigkeit gewinnen wird.

Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach
atra te kathayiṣyāmi
hierzu will ich dir erzählen
itihāsaṃ purātanam
eine alte Geschichte
yaṃ śrutvā tvanmano bhrāntam
durch deren Anhören dein verwirrter Geist
āsthānaṃ labhate bhūśam
überaus große Festigkeit gewinnt

āsītpurā muniśreṣṭha bharato nāma bhūpatiḥ / ārṣabho yasya nāmnedaṃ bhārataṃ khaṇḍamucyate

Es war einst, o bester der Weisen, ein König namens Bharata, der Sohn des Ṛṣabha, nach dessen Namen dieses Land 'Bhārata' genannt wird.

Wort für Wort
āsītpurā muniśreṣṭha
es war einst, o bester der Weisen
bharato nāma bhūpatiḥ
ein König namens Bharata
ārṣabho yasya nāmnedaṃ
der Sohn des Ṛṣabha, nach dessen Namen dieses
bhārataṃ khaṇḍamucyate
Land 'Bhārata' genannt wird

sa rājā prāptarājyastu pitṛpaitāmahaṃ kramāt / pālayāmāsa dharmeṇa pitṛbadrañjayan prajāḥ

Dieser König, der das vom Vater und Großvater ererbte Reich der Reihe nach erlangt hatte, beschützte es nach der Rechtsordnung, indem er die Untertanen wie ein Vater erfreute.

Wort für Wort
sa rājā prāptarājyastu
dieser König, der das Reich erlangt hatte
pitṛpaitāmahaṃ kramāt
das vom Vater und Großvater [stammende], der Reihe nach
pālayāmāsa dharmeṇa
er beschützte es nach der Rechtsordnung
pitṛbadrañjayan prajāḥ
indem er wie ein Vater die Untertanen erfreute

rddaje ca vividhairyajñairbhagavantamadhokṣajam / sarvadevātmakaṃ dhyāyannānākarmasu tanmatiḥ

Er verehrte mit mannigfachen Opfern den erhabenen Herrn jenseits der Sinne, wesenhaft alle Götter, indem sein Sinn bei den vielfältigen Handlungen [auf ihn] gerichtet war.

Wort für Wort
rddaje ca vividhairyajñaiḥ
er verehrte [?] mit mannigfachen Opfern
bhagavantamadhokṣajam
den erhabenen Herrn jenseits der Sinne
sarvadevātmakaṃ dhyāyan
wesenhaft alle Götter, meditierend
nānākarmasu tanmatiḥ
bei den vielfältigen Handlungen seinen Sinn [darauf richtend]

[?: „rddaje“ unklar überliefert; als Form von „īje“ (er opferte/verehrte) gedeutet.]

tataḥ samutpādya sutānvirakto viṣayeṣu saḥ / muktvā rājyaṃ yayau vidvānpulastyapuhāśramam

Dann, nachdem er Söhne gezeugt hatte, von den Sinnesobjekten losgelöst, verließ er als Wissender das Königreich und ging zur Einsiedelei des Pulastya.

Wort für Wort
tataḥ samutpādya sutān
dann, nachdem er Söhne gezeugt hatte
virakto viṣayeṣu saḥ
er, von den Sinnesobjekten losgelöst
muktvā rājyaṃ yayau vidvān
als Wissender das Königreich verlassend, ging er
pulastyapuhāśramam
zur Einsiedelei des Pulastya [?]

[?: „pulastyapuhāśramam“ unsicher überliefert; als „pulastyasyāśramam“ (Einsiedelei des Pulastya) gedeutet.]

śālagrāmaṃ mahākṣetraṃ mumukṣujanasevitam / tatrāsau tāpaso tāpaso bhūtvā viṣṇorārādhanaṃ mune

[Er ging] zu Śālagrāma, dem großen heiligen Ort, der von nach Erlösung strebenden Menschen aufgesucht wird; dort, o Weiser, wurde er ein Asket und [widmete sich] der Verehrung Viṣṇus.

Wort für Wort
śālagrāmaṃ mahākṣetraṃ
zu Śālagrāma, dem großen heiligen Ort
mumukṣujanasevitam
der von nach Erlösung strebenden Menschen aufgesucht wird
tatrāsau tāpaso bhūtvā
dort wurde er ein Asket
viṣṇorārādhanaṃ mune
der Verehrung Viṣṇus, o Weiser

[Anm.: Im Quelltext steht „tāpaso tāpaso“ doppelt; als Dittographie behandelt und nur einmal übersetzt.]

cakāra bhaktibhāvena yathālabdhasaparyayā / nityaṃ prātaḥ samāplutya nirmale 'bhali nārada

Er vollzog [die Verehrung] mit hingebungsvoller Gesinnung, mit dem, was gerade an Dienst erlangt werden konnte; täglich, nachdem er sich am Morgen im reinen Wasser gebadet hatte, o Nārada,

Wort für Wort
cakāra bhaktibhāvena
er vollzog mit hingebungsvoller Gesinnung
yathālabdhasaparyayā
mit dem, was gerade an Dienst erlangt werden konnte
nityaṃ prātaḥ samāplutya
täglich, nachdem er sich am Morgen gebadet hatte
nirmale 'bhali nārada
im reinen Wasser, o Nārada

upatiṣṭedraviṃ bhaktyā gṛṇanbrahmākṣaraṃ param / athāśrame samāgatya vāsudevaṃ jagatpatim

verehrte er mit Hingabe die Sonne, die höchste unvergängliche Silbe (Brahman) rezitierend; dann, zur Einsiedelei zurückgekehrt, [verehrte er] Vāsudeva, den Herrn der Welt,

Wort für Wort
upatiṣṭedraviṃ bhaktyā
verehrte er mit Hingabe die Sonne
gṛṇanbrahmākṣaraṃ param
die höchste unvergängliche Brahman-Silbe rezitierend
athāśrame samāgatya
dann, zur Einsiedelei zurückgekehrt
vāsudevaṃ jagatpatim
Vāsudeva, den Herrn der Welt

samāhṛtaiḥ svayaṃ dravyaiḥ samitkuśamṛdādibhiḥ / phalaiḥ puṣpaiṃstathā patraistulasyāḥ svacchavāribhiḥ

mit selbst herbeigebrachten Materialien - Brennholz, Kuśa-Gras, Erde und dergleichen, mit Früchten, Blumen und ebenso Blättern der Tulasī, mit klarem Wasser,

Wort für Wort
samāhṛtaiḥ svayaṃ dravyaiḥ
mit selbst herbeigebrachten Materialien
samitkuśamṛdādibhiḥ
Brennholz, Kuśa-Gras, Erde und dergleichen
phalaiḥ puṣpaiṃstathā patraiḥ
mit Früchten, Blumen und ebenso Blättern
tulasyāḥ svacchavāribhiḥ
der Tulasī, mit klarem Wasser

pūjayanprayato bhūtvā bhaktiprasarasaṃplutaḥ / sacaikadā mahābhāgaḥ snātvā prātaḥ samāhitaḥ

ihn verehrend, geläutert und übergossen von der Fülle der Hingabe. Und einst, nachdem der Hochbeglückte am Morgen gebadet hatte, gesammelten Sinnes,

Wort für Wort
pūjayanprayato bhūtvā
ihn verehrend, geläutert
bhaktiprasarasaṃplutaḥ
übergossen von der Fülle der Hingabe
sa caikadā mahābhāgaḥ
und er, der Hochbeglückte, einst
snātvā prātaḥ samāhitaḥ
nachdem er am Morgen gebadet hatte, gesammelten Sinnes

cakranadyāṃ japaṃstasthau muhurtatrayamaṃbuni / athājagāma tattīraṃ jalaṃ pātuṃ pipāsitā

stand er, murmelnd, im Fluss Cakranadī drei Muhūrtas lang im Wasser. Da kam an dieses Ufer, um Wasser zu trinken, eine durstige [Hirschkuh].

Wort für Wort
cakranadyāṃ japaṃstasthau
er stand murmelnd im Fluss Cakranadī
muhurtatrayamaṃbuni
drei Muhūrtas lang im Wasser
athājagāma tattīraṃ
da kam sie an dieses Ufer
jalaṃ pātuṃ pipāsitā
durstig, um Wasser zu trinken

āsannapsavā brahmannaikaiva hiṇī vanāt / tataḥ samabhavattatra pītaprāye jale tayā

Es war, o Brahmane, eine hochschwangere, einzelne Hirschkuh aus dem Wald [gekommen]; dann geschah dort, während sie das Wasser beinahe ausgetrunken hatte,

Wort für Wort
āsannapsavā brahmann
hochschwanger, o Brahmane
aikaiva hiṇī vanāt
eine einzelne Hirschkuh aus dem Wald
tataḥ samabhavattatra
dann geschah dort
pītaprāye jale tayā
während sie das Wasser beinahe ausgetrunken hatte

[?: „āsannapsavā“ und „naikaiva hiṇī“ unsicher überliefert; als „āsannaprasavā“ (hochschwanger) und „ekaiva hariṇī“ (eine einzelne Hirschkuh) gedeutet.]

siṃhasya nādaḥ sumahān sarvaprāṇibhayaṅkaraḥ / tataḥ sā siṃhasannādādutplutā nimnagātaṭam

ein gewaltiges Löwengebrüll, das alle Lebewesen in Schrecken versetzte. Da sprang sie, durch das Löwengebrüll [aufgeschreckt], zum Ufer des Flusses empor.

Wort für Wort
siṃhasya nādaḥ sumahān
ein gewaltiges Löwengebrüll
sarvaprāṇibhayaṅkaraḥ
das alle Lebewesen in Schrecken versetzt
tataḥ sā siṃhasannādāt
da sie, durch das Löwengebrüll
utplutā nimnagātaṭam
sprang zum Ufer des Flusses empor

atyuñcārohaṇenāsyā nadyāṃ garbhaḥ papāta ha / tamuhyamānaṃ vegena vīcimālāpariplutam

Durch ihr allzu hohes Aufspringen fiel [ihr] Fötus in den Fluss - ihn, der von der Strömung fortgetragen, von der Wellenreihe überflutet wurde,

Wort für Wort
atyuñcārohaṇenāsyā
durch ihr allzu hohes Aufspringen
nadyāṃ garbhaḥ papāta ha
fiel [ihr] Fötus in den Fluss
tamuhyamānaṃ vegena
ihn, der von der Strömung fortgetragen wurde
vīcimālāpariplutam
von der Wellenreihe überflutet

jagrāha bharato garbhātpatitaṃ mṛgapotakam / garbhapracyutiduḥkhena prottuṅgākraṇena ca

ergriff Bharata das aus dem Mutterleib gefallene junge Hirschkälbchen. Durch den Schmerz der Fehlgeburt und durch das hohe Aufspringen

Wort für Wort
jagrāha bharato garbhāt
ergriff Bharata aus dem Mutterleib
patitaṃ mṛgapotakam
das gefallene junge Hirschkälbchen
garbhapracyutiduḥkhena
durch den Schmerz der Fehlgeburt
prottuṅgākraṇena ca
und durch das hohe Aufspringen

munīndra sā tu hariṇī nipapāta mamāra ca / hariṇīṃ tāṃ vilokyātha vipannāṃ nṛpatāpasaḥ

stürzte, o Fürst der Weisen, jene Hirschkuh nieder und starb. Als der königliche Asket jene tote Hirschkuh erblickte,

Wort für Wort
munīndra sā tu hariṇī
o Fürst der Weisen, jene Hirschkuh aber
nipapāta mamāra ca
stürzte nieder und starb
hariṇīṃ tāṃ vilokyātha
als er jene Hirschkuh erblickte
vipannāṃ nṛpatāpasaḥ
die tote, der königliche Asket

mṛgapotaṃ samāgṛhya svamāśramamupāgataḥ / cakārānudinaṃ cāsau mṛgapotasya vai nṛpaḥ

nahm er das Hirschjunge auf und kehrte zu seiner Einsiedelei zurück. Und Tag für Tag erwies der König dem Hirschjungen

Wort für Wort
mṛgapotaṃ samāgṛhya
das Hirschjunge aufnehmend
svamāśramamupāgataḥ
kehrte er zu seiner Einsiedelei zurück
cakārānudinaṃ cāsau
und er tat Tag für Tag
mṛgapotasya vai nṛpaḥ
dem Hirschjungen [Fürsorge], der König

poṣaṇaṃ puṣyamāṇaśca sa tena vavṛdhe mune / cacārāśramaparyantaṃ tṛṇāni gahaneṣu saḥ

Fürsorge, und es, genährt, wuchs dadurch heran, o Weiser. Es weidete im Umkreis der Einsiedelei Gras in den Dickichten.

Wort für Wort
poṣaṇaṃ puṣyamāṇaśca
Fürsorge, und es, genährt
sa tena vavṛdhe mune
wuchs dadurch heran, o Weiser
cacārāśramaparyantaṃ
es weidete im Umkreis der Einsiedelei
tṛṇāni gahaneṣu saḥ
Gras in den Dickichten

dūraṃ gatvā ca śārdūlatrāsādabhyāyayau punaḥ / prātargatvādidūraṃ ca sāyamāyātyathāśramam

Und nachdem es weit fortgegangen war, kehrte es aus Furcht vor Tigern wieder zurück; am Morgen ging es weit fort und am Abend kam es dann zur Einsiedelei.

Wort für Wort
dūraṃ gatvā ca śārdūlatrāsāt
und nachdem es weit fortgegangen war, aus Furcht vor Tigern
abhyāyayau punaḥ
kehrte es wieder zurück
prātargatvādidūraṃ ca
am Morgen weit fortgehend
sāyamāyātyathāśramam
und am Abend kam es dann zur Einsiedelei

punaśca bharatasyābhūdāśramasyoṭajāntare / tasyatasminmṛge dūrasamīpaparivartini

Und wiederum, innerhalb der Hütte von Bharatas Einsiedelei, entstand bei ihm gegenüber diesem Hirsch, der bald fern, bald nah umherging,

Wort für Wort
punaśca bharatasyābhūt
und wiederum entstand bei Bharata
āśramasyoṭajāntare
innerhalb der Hütte der Einsiedelei
tasyatasminmṛge
gegenüber diesem Hirsch
dūrasamīpaparivartini
der bald fern, bald nah umherging

āsīñcetaḥ samāsaktaṃ na tathā hyacyute mune / vimuktarājyatanayaḥ projjhitāśeṣabāndhavaḥ

ein daran gehaftetes Herz - nicht so [war es] freilich bei Acyuta (Viṣṇu), o Weiser -, obwohl er Königreich und Söhne aufgegeben und alle Verwandten verlassen hatte.

Wort für Wort
āsīñcetaḥ samāsaktaṃ
ein daran gehaftetes Herz entstand
na tathā hyacyute mune
nicht so freilich bei Acyuta, o Weiser
vimuktarājyatanayaḥ
obwohl er Königreich und Söhne aufgegeben hatte
projjhitāśeṣabāndhavaḥ
und alle Verwandten verlassen hatte

mamatva sa cakāroñcaistasminhariṇapotake / kiṃ vṛkaibhakṣito vyāghnaiḥ kiṃ siṃhena nipātitaḥ

Er entwickelte übermäßig starke Ich-Bezogenheit für jenes Hirschjunge: 'Ist es etwa von Wölfen gefressen worden? Ist es von Tigern [gefressen]? Ist es von einem Löwen niedergeworfen worden?'

Wort für Wort
mamatva sa cakāroñcaiḥ
er entwickelte übermäßig starke Ich-Bezogenheit
tasminhariṇapotake
für jenes Hirschjunge
kiṃ vṛkaibhakṣito vyāghnaiḥ
ist es etwa von Wölfen, von Tigern gefressen worden
kiṃ siṃhena nipātitaḥ
ist es von einem Löwen niedergeworfen worden

cirāyamāṇe niṣkānte tasyāsīditi mānasam / prītiprasannavadanaḥ pārśvasthe cābhavanmṛge

Wenn es, ausgegangen, lange ausblieb, war sein Sinn derart [in Sorge]; und war der Hirsch an seiner Seite, wurde sein Antlitz heiter vor Freude.

Wort für Wort
cirāyamāṇe niṣkānte
wenn es, ausgegangen, lange ausblieb
tasyāsīditi mānasam
war sein Sinn derart [beschaffen]
prītiprasannavadanaḥ
mit vor Freude heiterem Antlitz
pārśvasthe cābhavanmṛge
wenn der Hirsch an seiner Seite war

samādhibhaṅgastasyāsīnmamatvākṛṣṭamānasaḥ / kālena gacchatā so 'tha kālaṃ cakre mahīpatiḥ

Sein Sinn, von der Ich-Bezogenheit fortgezogen, [erlitt] einen Bruch der Versenkung. Und im Verlauf der Zeit vollzog dieser König seinen Tod.

Wort für Wort
samādhibhaṅgastasyāsīt
einen Bruch der Versenkung erlitt er
mamatvākṛṣṭamānasaḥ
sein Sinn, von der Ich-Bezogenheit fortgezogen
kālena gacchatā so 'tha
und im Verlauf der Zeit dann
kālaṃ cakre mahīpatiḥ
vollzog dieser König seinen Tod

piteva sāstraṃ putreṇa mṛgapotena vīkṣitaḥ / mṛgameva tadādrākṣīttyajanprāṇānasāvapi

Wie ein Vater, mit tränenden [Augen] von seinem Kind angeblickt, so wurde er vom Hirschjungen angeblickt; und ebendieser, seine Lebenshauche aufgebend, sah da nur noch den Hirsch [vor sich].

Wort für Wort
piteva sāsraṃ putreṇa
wie ein Vater, mit Tränen, von seinem Sohn
mṛgapotena vīkṣitaḥ
vom Hirschjungen angeblickt
mṛgameva tadādrākṣīt
sah da nur noch den Hirsch
tyajanprāṇānasāvapi
seine Lebenshauche aufgebend, ebendieser

mṛgo babhūva sa mune tādṛśīṃ bhāvanāṃ gataḥ / jāti smaratvādudvignaḥ saṃsārasya dvijottama

Er wurde, o Weiser, zu einem Hirsch, da er zu solcher Gesinnung gelangt war; [doch] wegen seiner Fähigkeit, sich früherer Geburten zu erinnern, o bester der Zweifachgeborenen, war er über den Weltenkreislauf erschüttert.

Wort für Wort
mṛgo babhūva sa mune
er wurde, o Weiser, zu einem Hirsch
tādṛśīṃ bhāvanāṃ gataḥ
da er zu solcher Gesinnung gelangt war
jāti smaratvādudvignaḥ
wegen der Fähigkeit, Geburten zu erinnern, erschüttert
saṃsārasya dvijottama
über den Weltenkreislauf, o bester der Zweifachgeborenen

vihāya mātaraṃ bhūyaḥ śālagrāmamupāyayau / śuṣkaistṛṇaistathā parṇaiḥ sa kurvannātmapoṣaṇam

Er verließ seine Mutter [Hirschkuh] und ging wiederum nach Śālagrāma, wobei er sich mit trockenem Gras und ebenso mit Blättern selbst ernährte,

Wort für Wort
vihāya mātaraṃ bhūyaḥ
er verließ seine Mutter wiederum
śālagrāmamupāyayau
und ging nach Śālagrāma
śuṣkaistṛṇaistathā parṇaiḥ
mit trockenem Gras und ebenso mit Blättern
sa kurvannātmapoṣaṇam
sich selbst ernährend

mṛgatvahetubhūtasya karmaṇo niṣkṛtiṃ yayau / tatra cotsṛṣṭadeho 'sau jajñe jātismaro dvijaḥ

und er vollzog die Sühne für die Tat, die die Ursache seines Hirsch-Seins gewesen war. Und dort, nachdem er den Körper abgelegt hatte, wurde er als ein sich früherer Geburten erinnernder Brahmane wiedergeboren,

Wort für Wort
mṛgatvahetubhūtasya
das die Ursache des Hirsch-Seins gewesen war
karmaṇo niṣkṛtiṃ yayau
für diese Tat vollzog er die Sühne
tatra cotsṛṣṭadeho 'sau
und dort, nachdem er den Körper abgelegt hatte
jajñe jātismaro dvijaḥ
wurde er als ein sich früherer Geburten erinnernder Brahmane geboren

sadācāravatāṃ śuddhe yāgināṃ pravare kule / sarvavijñāna saṃpannaḥ sarvaśāstrārthatattvavit

in einer reinen, unter den Asketen hervorragenden Familie von rechtschaffen Handelnden - begabt mit allem Wissen, kundig der wahren Bedeutung aller Lehrschriften.

Wort für Wort
sadācāravatāṃ śuddhe
in einer reinen [Familie] von rechtschaffen Handelnden
yāgināṃ pravare kule
unter den Asketen hervorragend
sarvavijñāna saṃpannaḥ
begabt mit allem Wissen
sarvaśāstrārthatattvavit
kundig der wahren Bedeutung aller Lehrschriften

apaśyatsa muniśreṣṭhaḥ svātmānaṃ prakṛteḥ param / ātmanodhigatajñānāddvevādīni mahāmune

Er, der beste der Weisen, erkannte sein eigenes Selbst als jenseits der Urnatur befindlich; aufgrund des von ihm selbst erlangten Wissens [erkannte er] die Götter und die übrigen [Wesen], o großer Weiser,

Wort für Wort
apaśyatsa muniśreṣṭhaḥ
er, der beste der Weisen, erkannte
svātmānaṃ prakṛteḥ param
sein eigenes Selbst als jenseits der Urnatur
ātmanodhigatajñānāt
aufgrund des von ihm selbst erlangten Wissens
dvevādīni mahāmune
die Götter und die übrigen, o großer Weiser

sarvabhūtānyabhe dena dadarśa sa mahāmatiḥ / na papāṭha guruproktaṃ kṛtopanayanaḥ śrutam

er, der Großgesinnte, sah alle Wesen ohne Unterschied. Obwohl die Einweihung an ihm vollzogen worden war, rezitierte er nicht die vom Lehrer vorgetragene [heilige] Überlieferung.

Wort für Wort
sarvabhūtānyabhe dena
alle Wesen ohne Unterschied
dadarśa sa mahāmatiḥ
sah er, der Großgesinnte
na papāṭha guruproktaṃ
er rezitierte nicht das vom Lehrer Vorgetragene
kṛtopanayanaḥ śrutam
obwohl die Einweihung vollzogen worden war, die heilige Überlieferung

na dadarśa ca karmāṇi śāstrāṇi jagṛhe na ca / ukto 'pi bahuśaḥ kiñcijjaṇḍa vākyamabhāṣata

Und er beachtete nicht die [vorgeschriebenen] Riten und nahm auch die Lehrschriften nicht auf; selbst wenn er vielfach angesprochen wurde, sprach er nur wenig und wie ein Stumpfsinniger.

Wort für Wort
na dadarśa ca karmāṇi
und er beachtete nicht die Riten
śāstrāṇi jagṛhe na ca
und nahm auch die Lehrschriften nicht auf
ukto 'pi bahuśaḥ kiñcij
selbst wenn er vielfach angesprochen wurde, [nur] wenig
jaṇḍa vākyamabhāṣata
sprach er, wie ein Stumpfsinniger

tadapyasaṃskāraguṇaṃ grāmabhāṣoktisaṃyutam / apaddhastavapuḥ so 'pi malināṃbaradhṛṅ mune

Auch dies [seine Rede] war von der Eigenart der Unkultiviertheit, verbunden mit dörflicher Redeweise; auch er, mit ungepflegter Gestalt, schmutzige Kleider tragend, o Weiser,

Wort für Wort
tadapyasaṃskāraguṇaṃ
auch dies war von der Eigenart der Unkultiviertheit
grāmabhāṣoktisaṃyutam
verbunden mit dörflicher Redeweise
apaddhastavapuḥ so 'pi
auch er, von ungepflegter Gestalt [?]
malināṃbaradhṛṅ mune
schmutzige Kleider tragend, o Weiser

[?: „apaddhastavapuḥ“ unsicher überliefert; sinngemäß als „ungepflegte Gestalt“ wiedergegeben.]

klinnadantāntaraḥ sarvaiḥ paribhūtaḥ sa nāgaraiḥ / saṃmānena parāṃ hāniṃ yogarddheḥ kurute yataḥ

mit feuchtem Zahnzwischenraum, wurde er von allen Stadtbewohnern verachtet - denn durch [gesellschaftliche] Ehrung bewirkt man einen großen Schaden für den Erfolg des Yoga.

Wort für Wort
klinnadantāntaraḥ sarvaiḥ
mit feuchtem Zahnzwischenraum, von allen
paribhūtaḥ sa nāgaraiḥ
wurde er von den Stadtbewohnern verachtet
saṃmānena parāṃ hāniṃ
denn durch Ehrung einen großen Schaden
yogarddheḥ kurute yataḥ
für den Erfolg des Yoga bewirkt man

janenāvamato yogī yogasiddhiṃ ca vindati / tasmāñcareta vai yogī satāṃ dharmamadūṣayan

Der von den Leuten verachtete Yogin erlangt die Vollendung des Yoga; darum soll der Yogin wandeln, ohne die Rechtsordnung der Guten zu verletzen,

Wort für Wort
janenāvamato yogī
der von den Leuten verachtete Yogin
yogasiddhiṃ ca vindati
erlangt die Vollendung des Yoga
tasmāñcareta vai yogī
darum soll der Yogin wandeln
satāṃ dharmamadūṣayan
ohne die Rechtsordnung der Guten zu verletzen

janā yathāvamanyeyurgaccheyurnaiva saṃgatim / hiraṇyagarbhavacanaṃ vicintyetthaṃ mahāmatiḥ

so dass die Leute ihn verachten mögen und keinen Umgang mit ihm pflegen mögen. Der Großgesinnte, nachdem er so das Wort Hiraṇyagarbhas (Brahmās) bedacht hatte,

Wort für Wort
janā yathāvamanyeyur
so dass die Leute ihn verachten mögen
gaccheyurnaiva saṃgatim
und keinen Umgang mit ihm pflegen mögen
hiraṇyagarbhavacanaṃ
das Wort Hiraṇyagarbhas
vicintyetthaṃ mahāmatiḥ
so bedenkend, der Großgesinnte

ātmānaṃ darśayāmāsa jaḍonmattākṛtiṃ jane / bhuṅkte kulmāṣavaṭakān śākaṃ tranyaphalaṃ kaṇān

zeigte sich den Leuten in der Gestalt eines Stumpfsinnigen und Wahnsinnigen. Er aß Kulmāṣa-Küchlein, Gemüse, wildwachsende Früchte und Körner.

Wort für Wort
ātmānaṃ darśayāmāsa
er zeigte sich
jaḍonmattākṛtiṃ jane
den Leuten in der Gestalt eines Stumpfsinnigen und Wahnsinnigen
bhuṅkte kulmāṣavaṭakān
er aß Kulmāṣa-Küchlein
śākaṃ tranyaphalaṃ kaṇān
Gemüse, wildwachsende Früchte und Körner

yadyadāpnoti sa bahūnatti vai kālasaṃbhavam / pitaryuparate so 'tha bhrātṛbhrātṛvyabāndhavaiḥ

Was auch immer er bekam, aß er reichlich, wie es sich gerade [zeitlich] ergab. Nachdem der Vater verstorben war, wurde er dann von den Brüdern, Neffen und Verwandten

Wort für Wort
yadyadāpnoti sa bahūn
was auch immer er bekam, reichlich
atti vai kālasaṃbhavam
aß er, wie es sich zeitlich ergab
pitaryuparate so 'tha
nachdem der Vater verstorben war, dann
bhrātṛbhrātṛvyabāndhavaiḥ
von den Brüdern, Neffen und Verwandten

kāritaḥ kṣetrakarmādi kadannāhārapoṣitaḥ / sarūkṣapīnāvayavo jaḍakārī ca karmaṇi

zur Feldarbeit und dergleichen angehalten, ernährt mit schlechter Nahrung; mit rauhen, [doch] kräftigen Gliedern, und bei der Arbeit stumpfsinnig handelnd,

Wort für Wort
kāritaḥ kṣetrakarmādi
zur Feldarbeit und dergleichen angehalten
kadannāhārapoṣitaḥ
ernährt mit schlechter Nahrung
sarūkṣapīnāvayavo
mit rauhen, kräftigen Gliedern
jaḍakārī ca karmaṇi
und bei der Arbeit stumpfsinnig handelnd

[?: „sarūkṣapīnāvayavo“ - Kombination von „rauh“ und „kräftig“ unsicher; wörtlich wiedergegeben.]

sarvalokopakaraṇaṃ babhūvāhāravetanaḥ / taṃ tādṛśamasaṃskāraṃ viprākṛtiviceṣṭitam

wurde er zum Werkzeug für alle Leute, [nur] Nahrung als Lohn [erhaltend]. Ihn, den derart Unkultivierten, der sich in einer dem Brahmanenwesen unangemessenen Weise benahm,

Wort für Wort
sarvalokopakaraṇaṃ
zum Werkzeug für alle Leute
babhūvāhāravetanaḥ
wurde er, Nahrung als Lohn [erhaltend]
taṃ tādṛśamasaṃskāraṃ
ihn, den derart Unkultivierten
viprākṛtiviceṣṭitam
der sich dem Brahmanenwesen unangemessen benahm

kṣattā sauvīrarājyasya viṣṭiyogyamamanyata / sa rājā śibikārūḍho gantuṃ kṛtamatirdvija

hielt der Aufseher des Sauvīra-Königreichs für tauglich zum Frondienst. Jener König [von Sauvīra], der sich entschlossen hatte, in einer Sänfte zu fahren, o Zweifachgeborener,

Wort für Wort
kṣattā sauvīrarājyasya
der Aufseher des Sauvīra-Königreichs
viṣṭiyogyamamanyata
hielt für tauglich zum Frondienst
sa rājā śibikārūḍho
jener König, in einer Sänfte [fahrend]
gantuṃ kṛtamatirdvija
der sich zu gehen entschlossen hatte, o Zweifachgeborener

babhūvekṣumatītīre kapilarṣervarāśramam / śreyaḥ kimatra saṃsāre duḥkhaprāye nṛṇāmiti

[wollte] zur vortrefflichen Einsiedelei des Weisen Kapila am Ufer der Ikṣumatī [gehen, um zu fragen]: 'Was ist hier in diesem größtenteils leidvollen Weltenlauf das Heil für die Menschen?'

Wort für Wort
babhūvekṣumatītīre
am Ufer der Ikṣumatī
kapilarṣervarāśramam
zur vortrefflichen Einsiedelei des Weisen Kapila
śreyaḥ kimatra saṃsāre
was ist hier im Weltenlauf das Heil
duḥkhaprāye nṛṇāmiti
dem größtenteils leidvollen, für die Menschen

praṣṭuṃ taṃ mokṣadharmajñaṃ kapilākhyaṃ mahāmunim / uvāha śibikāmasya kṣatturvacanacoditaḥ

um ihn zu fragen, den großen Weisen namens Kapila, der die Lehre von der Erlösung kennt. [Bharata,] vom Wort des Aufsehers angetrieben, trug dessen Sänfte.

Wort für Wort
praṣṭuṃ taṃ mokṣadharmajñaṃ
um ihn zu fragen, den die Erlösungslehre Kennenden
kapilākhyaṃ mahāmunim
genannt Kapila, den großen Weisen
uvāha śibikāmasya
er trug dessen Sänfte
kṣatturvacanacoditaḥ
vom Wort des Aufsehers angetrieben

nṛṇāṃ viṣṭigṛhītānāmanyeṣāṃ so 'pi madhyagaḥ / gṛhīto viṣṭinā vipra sarvajñānaikabhājanam

Unter den zum Frondienst herangezogenen Menschen befand sich auch er inmitten der anderen - er, der zum Frondienst herangezogen wurde, o Brahmane, [obwohl er] das alleinige Gefäß allen Wissens [war].

Wort für Wort
nṛṇāṃ viṣṭigṛhītānām
unter den zum Frondienst herangezogenen Menschen
anyeṣāṃ so 'pi madhyagaḥ
befand sich auch er inmitten der anderen
gṛhīto viṣṭinā vipra
zum Frondienst herangezogen, o Brahmane
sarvajñānaikabhājanam
das alleinige Gefäß allen Wissens

jātismaro 'sau pāpasya kṣayakāma uvāha tām / yayau jaḍagatistatra yugamātrāvalokanam

Er, der sich früherer Geburten Erinnernde, der die Vernichtung [seiner] Sünde wünschte, trug jene [Sänfte]; er ging dort mit stumpfsinnigem Gang, nur einen Yuga [-Joch] anschauend,

Wort für Wort
jātismaro 'sau pāpasya
er, der sich früherer Geburten Erinnernde, der [seiner] Sünde
kṣayakāma uvāha tām
Vernichtung wünschend, trug jene [Sänfte]
yayau jaḍagatistatra
er ging dort mit stumpfsinnigem Gang
yugamātrāvalokanam
nur das [Sänften-]Joch anschauend

kurvanmatimatāṃ śreṣṭhaste tvanye tvaritaṃ yayuḥ / vilokya nṛpatiḥ so 'tha viṣamaṃ śibikāgatam

so handelnd, er, der Beste der Verständigen - die anderen aber gingen eilig. Als der König dann bemerkte, dass die Sänfte ungleichmäßig [schwankend] fuhr,

Wort für Wort
kurvanmatimatāṃ śreṣṭhas
so handelnd, er, der Beste der Verständigen
te tvanye tvaritaṃ yayuḥ
die anderen aber gingen eilig
vilokya nṛpatiḥ so 'tha
als der König dann bemerkte
viṣamaṃ śibikāgatam
dass die Sänfte ungleichmäßig fuhr

kimetadityāha samaṃ gamyatāṃ śibikāvahāḥ / punastathaiva śibikāṃ vilokya viṣamāṃ hasan

sprach er: 'Was ist das? Gleichmäßig sollt ihr gehen, ihr Sänftenträger!' Und als er wiederum die Sänfte ebenso ungleichmäßig [schwankend] bemerkte, sprach der König lachend:

Wort für Wort
kimetadityāha samaṃ
'was ist das?', sprach er, gleichmäßig
gamyatāṃ śibikāvahāḥ
sollt ihr gehen, ihr Sänftenträger
punastathaiva śibikāṃ
und wiederum die Sänfte ebenso
vilokya viṣamāṃ hasan
als ungleichmäßig bemerkend, lachend

nṛpaḥ kime 'tadityāha bhavadbhirgamyate 'nyathā / bhūpatervadatastasya śrutvetthaṃ bahuśo vacaḥ / śibikāvāhakāḥ procurayaṃ yātītyasatvaram

'Was ist das? Von euch wird ungleichmäßig gegangen.' Nachdem sie dieses vielfach wiederholte Wort des sprechenden Königs gehört hatten, sagten die Sänftenträger: 'Dieser [Mann] hier geht nicht eilig.'

Wort für Wort
nṛpaḥ kime 'tadityāha
der König sprach: 'was ist das?'
bhavadbhirgamyate 'nyathā
von euch wird ungleichmäßig gegangen
bhūpatervadatastasya śrutvetthaṃ bahuśo vacaḥ
nachdem sie dieses vielfach wiederholte Wort des sprechenden Königs gehört hatten
śibikāvāhakāḥ procurayaṃ yātītyasatvaram
sagten die Sänftenträger: dieser hier geht nicht eilig

rājovāca kiṃ śrānto 'syalpamadhvānaṃ tvayoḍhā śibikā mama / kimāyāsasaho na tvaṃ pīvā nāsi nirīkṣyase

Der König sprach: 'Bist du müde? Nur eine kurze Strecke hast du meine Sänfte getragen. Erträgst du die Anstrengung nicht? Du bist doch nicht fett, wie man sieht.'

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
kiṃ śrānto 'syalpamadhvānaṃ
bist du müde? Nur eine kurze Strecke
tvayoḍhā śibikā mama
hast du meine Sänfte getragen
kimāyāsasaho na tvaṃ
erträgst du die Anstrengung nicht
pīvā nāsi nirīkṣyase
du bist nicht fett, wie man sieht

brāhmaṇa uvāca nāhaṃ pīvā na caivoḍhā śibikā bhavato mayā / na śrānto 'smi na cāyāso voḍhānyo 'sti mahīpate

Der Brahmane sprach: 'Ich bin nicht fett, und auch nicht von mir wurde deine Sänfte getragen; ich bin nicht müde, und es gibt auch keine Anstrengung - ein anderer ist der Träger, o Herr der Erde.'

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
nāhaṃ pīvā na caivoḍhā
ich bin nicht fett, und auch nicht getragen wurde
śibikā bhavato mayā
deine Sänfte von mir
na śrānto 'smi na cāyāso
ich bin nicht müde, und es gibt keine Anstrengung
voḍhānyo 'sti mahīpate
ein anderer ist der Träger, o Herr der Erde

rājovāca pratyakṣaṃ dṛśyate pīvātvadyāpi śibikā tvayi / śramaśca bhāro dvahane bhavatyeva hi dehinām

Der König sprach: 'Unmittelbar wird gesehen, dass die Sänfte auch jetzt noch auf dir [ruht]; denn Ermüdung und die Last des Tragens entstehen doch gewiss für die verkörperten Wesen.'

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
pratyakṣaṃ dṛśyate pīvātvadyāpi
unmittelbar wird gesehen, dass auch jetzt [?]
śibikā tvayi
die Sänfte auf dir [ruht]
śramaśca bhāro dvahane
Ermüdung und die Last beim Tragen
bhavatyeva hi dehinām
entstehen doch gewiss für die verkörperten Wesen

[?: „pīvātvadyāpi“ unsicher überliefert; sinngemäß als „auf dir ruht“ wiedergegeben.]

brāhmaṇa uvāca pratyakṣaṃ bhavatā bhūpa yaddṛṣṭaṃ mama tadvada / balavānabalaśceti vācyaṃ paścādviśeṣaṇam

Der Brahmane sprach: 'Was von dir, o König, unmittelbar an mir gesehen wurde, das sage mir. Die nähere Bestimmung 'kräftig' oder 'kraftlos' ist erst danach auszusprechen.'

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
pratyakṣaṃ bhavatā bhūpa
unmittelbar von dir, o König
yaddṛṣṭaṃ mama tadvada
was gesehen wurde an mir, das sage
balavānabalaśceti
'kräftig' oder 'kraftlos'
vācyaṃ paścādviśeṣaṇam
ist erst danach als nähere Bestimmung auszusprechen

tvayoḍhā śibikā ceti tvayyadyāpi ca saṃsthitā / mithyā tadapyatra bhavān śṛṇotu vacanaṃ mama

'Dass von dir die Sänfte getragen wird und dass sie auch jetzt noch auf dir ruht - auch das ist falsch. Höre hierzu, o Herr, mein Wort.'

Wort für Wort
tvayoḍhā śibikā ceti
dass von dir die Sänfte getragen wird
tvayyadyāpi ca saṃsthitā
und dass sie auch jetzt noch auf dir ruht
mithyā tadapyatra bhavān
auch das ist falsch, o Herr
śṛṇotu vacanaṃ mama
höre mein Wort hierzu

bhūmau pādayugaṃ cātha jaṅghe pādadvaye sthite / ūru jaṅghādvayāvasthau tadādhāraṃ tathodaram

'Auf dem Boden [stehen] die beiden Füße, und auf den beiden Füßen stehen die Unterschenkel; auf den beiden Unterschenkeln ruhen die Oberschenkel, und darauf gestützt der Bauch;

Wort für Wort
bhūmau pādayugaṃ cātha
auf dem Boden die beiden Füße
jaṅghe pādadvaye sthite
und auf den beiden Füßen stehen die Unterschenkel
ūru jaṅghādvayāvasthau
auf den beiden Unterschenkeln die Oberschenkel ruhend
tadādhāraṃ tathodaram
darauf gestützt, ebenso der Bauch

vakṣasthalaṃ tathā bāhū skandhau codarasaṃsthitau / skandhāśritayeṃ śibikā mamādhāro 'tra kiṅkṛtaḥ

die Brust, ebenso die Arme, und die Schultern, auf dem Bauch beruhend; auf den Schultern gestützt ist diese Sänfte - was habe ich hier als [ihre] Grundlage zu tun?

Wort für Wort
vakṣasthalaṃ tathā bāhū
die Brust, ebenso die Arme
skandhau codarasaṃsthitau
und die Schultern, auf dem Bauch beruhend
skandhāśritayeṃ śibikā
auf den Schultern gestützt ist diese Sänfte
mamādhāro 'tra kiṅkṛtaḥ
was habe ich hier als Grundlage zu tun

śibikāyāṃ sthitaṃ cedaṃ dehaṃ tvadupalakṣitam / tatra tvamahamapyatretyucyate cedamanyathā

Und dieser Körper, der als 'du' bezeichnet wird, befindet sich in der Sänfte; wenn man sagt 'du' [bist dort] und 'ich' [bin] hier - so wird dies fälschlich gesagt.

Wort für Wort
śibikāyāṃ sthitaṃ cedaṃ
in der Sänfte befindlich, dieser
dehaṃ tvadupalakṣitam
Körper, der als 'du' bezeichnet wird
tatra tvamahamapyatretyucyate
'du' [bist] dort, 'ich' [bin] hier, so wird gesagt
cedamanyathā
und dies ist anders [falsch]

ahaṃ tvaṃ ca tathānye ca bhūtairuhyāśca pārthiva / guṇapravāhapatito bhūtavargo 'pi yātyayam

Ich und du und ebenso die anderen werden von den Elementen getragen, o Herrscher; auch diese Gruppe der Elemente, in den Strom der Guṇas gefallen, vergeht.

Wort für Wort
ahaṃ tvaṃ ca tathānye ca
ich und du und ebenso die anderen
bhūtairuhyāśca pārthiva
werden von den Elementen getragen, o Herrscher
guṇapravāhapatito
in den Strom der Guṇas gefallen
bhūtavargo 'pi yātyayam
vergeht auch diese Gruppe der Elemente

karmavaśyā guṇaścaite sattvādyāḥ pṛthivīpate / avidyāsaṃcitaṃ karmataścāśeṣeṣu jantuṣu

Diese Guṇas - Sattva und die übrigen - sind der Tat unterworfen, o Herr der Erde, und die durch Unwissenheit angehäufte Tat [wirkt] bei allen Lebewesen ausnahmslos.

Wort für Wort
karmavaśyā guṇaścaite
diese Guṇas sind der Tat unterworfen
sattvādyāḥ pṛthivīpate
Sattva und die übrigen, o Herr der Erde
avidyāsaṃcitaṃ karmataś
die durch Unwissenheit angehäufte Tat
cāśeṣeṣu jantuṣu
bei allen Lebewesen ausnahmslos

ātmā śuddho 'kṣaraḥ śānto nirguṇaḥ prakṛte paraḥ / pravṛddhyapacayau na sta ekasyākhilajantuṣu

Das Selbst ist rein, unvergänglich, friedvoll, eigenschaftslos, jenseits der Urnatur; Zunahme und Abnahme gibt es nicht bei dem einen [Selbst], das in allen Lebewesen [dasselbe ist].

Wort für Wort
ātmā śuddho 'kṣaraḥ śānto
das Selbst ist rein, unvergänglich, friedvoll
nirguṇaḥ prakṛte paraḥ
eigenschaftslos, jenseits der Urnatur
pravṛddhyapacayau na sta
Zunahme und Abnahme gibt es nicht
ekasyākhilajantuṣu
bei dem einen, in allen Lebewesen

yadā nopacayastasya nacaivāpacayo nṛpa / tadāpi bāliśo 'si tvaṃ kayā yuktyā tvayeritam

Wenn es für dieses [Selbst] weder Zunahme noch Abnahme gibt, o König, dann bist du [dennoch] ein Tor - mit welcher Beweisführung hast du [das eben Gesagte] geäußert?

Wort für Wort
yadā nopacayastasya
wenn es für dieses keine Zunahme gibt
nacaivāpacayo nṛpa
und auch keine Abnahme, o König
tadāpi bāliśo 'si tvaṃ
dann bist du dennoch ein Tor
kayā yuktyā tvayeritam
mit welcher Beweisführung hast du es geäußert

bhūpādajaṅghākaṭyūrujaṭharādiṣu saṃsthitā / śibikeyaṃ yadā skandhe tadā bhāraḥ samastvayā

O Herrscher, wenn diese Sänfte, auf Fuß, Unterschenkel, Hüfte, Oberschenkel, Bauch und dergleichen gestützt, [letztlich] auf der Schulter ruht, dann ist die Last von dir ebenso zu tragen.

Wort für Wort
bhūpādajaṅghākaṭyūrujaṭharādiṣu saṃsthitā
auf Fuß, Unterschenkel, Hüfte, Oberschenkel, Bauch und dergleichen gestützt
śibikeyaṃ yadā skandhe
diese Sänfte, wenn auf der Schulter
tadā bhāraḥ samastvayā
dann ist die Last gleichermaßen von dir [zu tragen]

tathānyajantubhirbhūpa śibikoḍhāna kevalam / śailadrumagṛhottho 'pi pṛthivīsaṃbhavo 'pi ca

Und ebenso, o Herrscher, wird die Sänfte nicht nur von anderen Lebewesen getragen; auch was aus Berg, Baum, Haus entstanden, auch was aus der Erde entstanden ist [trägt in gleicher Weise].

Wort für Wort
tathānyajantubhirbhūpa
und ebenso von anderen Lebewesen, o Herrscher
śibikoḍhāna kevalam
wird die Sänfte nicht nur getragen
śailadrumagṛhottho 'pi
auch was aus Berg, Baum, Haus entstanden
pṛthivīsaṃbhavo 'pi ca
auch was aus der Erde entstanden ist

yathā puṃsaḥ pṛthagbhāvaḥ prākṛtaiḥ karaṇairnṛpa / soḍhavyaḥ sumahānbhāraḥ katamo nṛpa te mayā

So wie beim Menschen die Gesondertheit [nur] durch die aus der Urnatur [stammenden] Sinnesorgane [besteht], o König - welche sehr große Last wäre da von mir für dich zu tragen, o König?

Wort für Wort
yathā puṃsaḥ pṛthagbhāvaḥ
so wie beim Menschen die Gesondertheit
prākṛtaiḥ karaṇairnṛpa
durch die aus der Urnatur [stammenden] Organe, o König
soḍhavyaḥ sumahānbhāraḥ
welche sehr große Last wäre zu tragen
katamo nṛpa te mayā
welche, o König, von mir für dich

yaddravyo śibikā ceyaṃ taddravyo bhūtasaṃgrahaḥ / bhavato me 'khilasyāsya samatvenopabṛṃhitaḥ

Aus welchem Stoff diese Sänfte [besteht], aus demselben Stoff [besteht] die Ansammlung der Elemente; von dir und von mir ist dies alles gleichermaßen zusammengesetzt.

Wort für Wort
yaddravyo śibikā ceyaṃ
aus welchem Stoff diese Sänfte [besteht]
taddravyo bhūtasaṃgrahaḥ
aus demselben Stoff die Ansammlung der Elemente
bhavato me 'khilasyāsya
von dir und von mir, dies alles
samatvenopabṛṃhitaḥ
ist gleichermaßen zusammengesetzt

sanandana uvāca evamuktvābhavaṃnmaunī sa vahañśibikāṃ dvijaḥ / so 'pi rājāvatīryorvyāṃ tatpādau jagṛhe tvaran

Sanandana sprach: Nachdem er so gesprochen hatte, wurde er, der die Sänfte tragende Zweifachgeborene, schweigsam. Auch der König, von [seinem Sitz] herabgestiegen, ergriff eilends dessen Füße auf der Erde.

Wort für Wort
sanandana uvāca
Sanandana sprach
evamuktvābhavaṃnmaunī
nachdem er so gesprochen hatte, wurde er schweigsam
sa vahañśibikāṃ dvijaḥ
der Zweifachgeborene, die Sänfte tragend
so 'pi rājāvatīryorvyāṃ
auch der König, herabgestiegen, auf der Erde
tatpādau jagṛhe tvaran
ergriff eilends dessen Füße

rājovāca bho bho visṛjya śibikāṃ prasādaṃ kuru me dvija / kathyatāṃ ko bhavānatra jālmarupadharaḥ sthitaḥ

Der König sprach: 'He, he! Lass die Sänfte fahren und erweise mir Gnade, o Zweifachgeborener! Sage mir, wer du hier bist, der du in der Gestalt eines Elenden verweilst.

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
bho bho visṛjya śibikāṃ
he, he! lass die Sänfte fahren
prasādaṃ kuru me dvija
und erweise mir Gnade, o Zweifachgeborener
kathyatāṃ ko bhavānatra
sage, wer du hier bist
jālmarupadharaḥ sthitaḥ
der du in der Gestalt eines Elenden verweilst

yo bhavānyadapatyaṃ vā yadāgamanakāraṇam / tatsarvaṃ kathyatāṃ vidvanmahyaṃ śuśrūṣave tvayā

Wer du bist, wessen Nachkomme du bist, und was der Grund deines Kommens ist - dies alles möge mir, der ich [zu] hören begehre, von dir, o Wissender, gesagt werden.'

Wort für Wort
yo bhavānyadapatyaṃ vā
wer du bist, wessen Nachkomme du bist
yadāgamanakāraṇam
und was der Grund deines Kommens ist
tatsarvaṃ kathyatāṃ vidvan
dies alles möge gesagt werden, o Wissender
mahyaṃ śuśrūṣave tvayā
mir, der ich zu hören begehre, von dir

brāhmaṇa uvāca śrūyatāṃ ko 'hamityetadvaktuṃ bhūpa na śakyate / upayoganimittaṃ ca sarvatrāgamanakriyā

Der Brahmane sprach: 'Höre - wer bin ich, das lässt sich nicht sagen, o König. Und überall ist das Kommen [nur] um eines Zweckes willen eine Handlung.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
śrūyatāṃ ko 'hamityetad
höre - 'wer bin ich', dieses
vaktuṃ bhūpa na śakyate
lässt sich nicht sagen, o König
upayoganimittaṃ ca
und um eines Zweckes willen
sarvatrāgamanakriyā
ist überall das Kommen eine Handlung

sukhaduḥkhopabhogau tu tau dehādyupapādakau / dharmādharmodbhavau bhoktuṃ janturdehādimṛcchati

Das Erfahren von Glück und Leid aber - diese beiden, die aus Verdienst und Unrecht entstehen, bringen den Körper und dergleichen hervor; um [sie] zu erfahren, gelangt das Lebewesen zum Körper und dergleichen.

Wort für Wort
sukhaduḥkhopabhogau tu
das Erfahren von Glück und Leid aber
tau dehādyupapādakau
diese beiden, den Körper und dergleichen hervorbringend
dharmādharmodbhavau bhoktuṃ
aus Verdienst und Unrecht entstehend, um zu erfahren
janturdehādimṛcchati
gelangt das Lebewesen zum Körper und dergleichen

sarvasyaiva hi bhūpāla jantoḥ sarvatra kāraṇam / dharmādharmauṃ yatastasmātkāraṇaṃ pṛcchyate kutaḥ

Denn für jedes Lebewesen überhaupt, o Herrscher der Erde, sind überall Verdienst und Unrecht die Ursache; wonach wird da noch nach [einer weiteren] Ursache gefragt?'

Wort für Wort
sarvasyaiva hi bhūpāla
denn für jedes überhaupt, o Herrscher der Erde
jantoḥ sarvatra kāraṇam
für jedes Lebewesen ist überall die Ursache
dharmādharmauṃ yatastasmāt
Verdienst und Unrecht, weswegen
kāraṇaṃ pṛcchyate kutaḥ
wird nach [einer weiteren] Ursache gefragt

rājovāca dharmādharmauṃ na saṃdehaḥ sarvakāryeṣu kāraṇam / upabhoganimittaṃ ca dehāddehāntarāgamaḥ

Der König sprach: 'Verdienst und Unrecht sind zweifellos die Ursache bei allen Wirkungen, und um des Erfahrens willen [geschieht] der Übergang von einem Körper zu einem anderen Körper.

Wort für Wort
rājovāca
der König sprach
dharmādharmauṃ na saṃdehaḥ
Verdienst und Unrecht, zweifellos
sarvakāryeṣu kāraṇam
die Ursache bei allen Wirkungen
upabhoganimittaṃ ca
und um des Erfahrens willen
dehāddehāntarāgamaḥ
der Übergang von einem Körper zu einem anderen

yattvetadbhavatā proktaṃ ko 'hamityetadātmanaḥ / vaktuṃ na śakyate śrotuṃ tanmameccā pravartate

Was aber von dir gesagt wurde - 'wer bin ich' lasse sich vom Selbst nicht aussagen -, das zu hören regt sich mein Wunsch.

Wort für Wort
yattvetadbhavatā proktaṃ
was aber von dir gesagt wurde
ko 'hamityetadātmanaḥ
'wer bin ich', dieses vom Selbst
vaktuṃ na śakyate śrotuṃ
lässt sich nicht sagen; es zu hören
tanmameccā pravartate
regt sich mein Wunsch

yo 'sti yo 'hamiti brahmankathaṃ vaktuṃ na śakyate / ātmanyeva na doṣāya śabdo 'hamiti yo dvijā

Wer da ist, [der als] 'ich' [bezeichnet wird], o Brahmane - warum lässt sich das nicht sagen? Beim Selbst selbst ist doch das Wort 'ich', o Zweifachgeborener, kein Fehler.'

Wort für Wort
yo 'sti yo 'hamiti brahman
wer da ist, der 'ich' [genannt wird], o Brahmane
kathaṃ vaktuṃ na śakyate
warum lässt sich das nicht sagen
ātmanyeva na doṣāya
beim Selbst selbst ist es kein Fehler
śabdo 'hamiti yo dvija
das Wort 'ich', o Zweifachgeborener

brāhmaṇa uvāca śabdo 'hamiti doṣāya nātmanyevaṃ tathaiva tat / anātmanyātmavijñānaṃ śabdo vā śrutilakṣaṇaḥ

Der Brahmane sprach: 'Das Wort 'ich' [gebraucht] für das Selbst ist so kein Fehler; ebenso ist es [auch kein Fehler, gebraucht] für das Nicht-Selbst - [doch dann ist es] Selbst-Erkenntnis am Nicht-Selbst, oder [nur] ein Wort, das durch die [übliche] Sprachgewohnheit gekennzeichnet ist.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
śabdo 'hamiti doṣāya
das Wort 'ich' ist ein Fehler
nātmanyevaṃ tathaiva tat
nicht beim Selbst; ebenso ist dies [der Fall]
anātmanyātmavijñānaṃ
beim Nicht-Selbst [ist es] Selbst-Erkenntnis
śabdo vā śrutilakṣaṇaḥ
oder ein Wort, durch Sprachgewohnheit gekennzeichnet

[?: Vers philosophisch verdichtet; „śrutilakṣaṇaḥ“ sinngemäß als 'durch Sprachgewohnheit gekennzeichnet' wiedergegeben.]

jihvā bravītyahamiti dantauṣṭatāluka nṛpa / etenāhaṃ yataḥ sarve vāṅniṣpādanahetavaḥ

Die Zunge sagt 'ich', [ebenso] Zähne, Lippen und Gaumen, o König; dadurch [wird deutlich, dass] 'ich' [nur ein Wort ist], da ja alle [diese Organe] die Ursachen der Hervorbringung der Sprache sind.

Wort für Wort
jihvā bravītyahamiti
die Zunge sagt 'ich'
dantauṣṭatāluka nṛpa
Zähne, Lippen, Gaumen, o König
etenāhaṃ yataḥ sarve
dadurch, 'ich', da ja alle
vāṅniṣpādanahetavaḥ
die Ursachen der Hervorbringung der Sprache sind

kiṃ hetubhirvadūtyeṣā vāgevāhamiti svayam / tathāpi vāgahamedvaktumitthaṃ na yujyate

Was [reden wir noch] von Ursachen - diese Sprache selbst sagt von sich aus 'ich'; dennoch ziemt es sich nicht, so zu sagen: 'Ich bin die Sprache.'

Wort für Wort
kiṃ hetubhirvadūtyeṣā
was von Ursachen - diese
vāgevāhamiti svayam
Sprache selbst sagt von sich aus 'ich'
tathāpi vāgahamedvaktum
dennoch, 'ich bin die Sprache' zu sagen
itthaṃ na yujyate
so ziemt es sich nicht

piṇḍaḥ pṛthagyataḥ puṃsaḥ śiraḥpāṇyādilakṣaṇaḥ / tato 'hamiti kutraināṃ saṃjñāṃ rājankaromyaham

Da der Leib des Menschen, gekennzeichnet durch Kopf, Hände und dergleichen, [aus Teilen] gesondert [besteht] - wo also, o König, sollte ich diese Bezeichnung 'ich' anwenden?

Wort für Wort
piṇḍaḥ pṛthagyataḥ puṃsaḥ
da der Leib des Menschen gesondert [besteht]
śiraḥpāṇyādilakṣaṇaḥ
gekennzeichnet durch Kopf, Hände und dergleichen
tato 'hamiti kutraināṃ
wo also 'ich', diese
saṃjñāṃ rājankaromyaham
Bezeichnung sollte ich anwenden, o König

yadyanyo 'sti paraḥ ko 'pi mattaḥ pārthivasattam / na deho 'hamayaṃ cānye vaktumevamapīṣyate

Wenn es irgendeinen anderen, von mir verschiedenen gibt, o Bester der Herrscher - [dann mag gelten:] 'Ich bin nicht dieser Körper', und auch von den anderen [Körperteilen] lässt sich Entsprechendes sagen.

Wort für Wort
yadyanyo 'sti paraḥ ko 'pi
wenn es irgendeinen anderen gibt
mattaḥ pārthivasattama
von mir verschieden, o Bester der Herrscher
na deho 'hamayaṃ cānye
'ich bin nicht dieser Körper', und die anderen
vaktumevamapīṣyate
lassen sich ebenso [sagen]

yadā samastadeheṣu pumāneko vyavasthitaḥ / tadadā hi ko bhavānko 'hamityetadviphalaṃ vacaḥ

Wenn aber in sämtlichen Körpern der eine [Purusha] Bestand hat, dann sind ja die Worte 'wer bist du' [und] 'wer bin ich' fruchtlose Rede.

Wort für Wort
yadā samastadeheṣu
wenn in sämtlichen Körpern
pumāneko vyavasthitaḥ
der eine Purusha Bestand hat
tadadā hi ko bhavānko 'hamityetadviphalaṃ vacaḥ
dann sind 'wer bist du', 'wer bin ich' fruchtlose Rede

tvaṃ rājā śibikā ceyaṃ vayaṃ vāhāḥ puraḥ sarāḥ / ayaṃ ca bhavato loko na sadetannṛpocyate

'Du bist König', 'dies ist die Sänfte', 'wir sind die Träger, die Vorangehenden', 'und dies ist dein Gefolge' - o König, das wird [zwar so] gesagt, ist aber nicht wahr.

Wort für Wort
tvaṃ rājā śibikā ceyaṃ
'du bist König', 'dies ist die Sänfte'
vayaṃ vāhāḥ puraḥ sarāḥ
'wir sind die Träger, die Vorangehenden'
ayaṃ ca bhavato loko
'und dies ist dein Gefolge'
na sadetannṛpocyate
das ist nicht wahr, o König, [obwohl] so gesagt

vṛkṣāddāru tataśceyaṃ śibikā tvadadhiṣṭitā / kva vṛkṣasaṃjñā vai tasyā dārusaṃjñāthavā nṛpa

Vom Baum [stammt] das Holz, und daraus [besteht] diese Sänfte, auf der du sitzt; wo aber ist bei ihr die Bezeichnung 'Baum' oder die Bezeichnung 'Holz', o König?

Wort für Wort
vṛkṣāddāru tataśceyaṃ
vom Baum das Holz, und daraus diese
śibikā tvadadhiṣṭitā
Sänfte, auf der du sitzt
kva vṛkṣasaṃjñā vai tasyā
wo aber ist bei ihr die Bezeichnung 'Baum'
dārusaṃjñāthavā nṛpa
oder die Bezeichnung 'Holz', o König

vṛkṣārūḍho mahārājo nāyaṃ vadati te janaḥ / na ca dāruṇi sarvastvāṃ bravīti śibikāgatam

'Auf dem Baum sitzend, o Großkönig' - so sagt dieses Volk von dir nicht; und auch nicht 'auf dem Holz' - so sagen nicht alle, wenn du in der Sänfte sitzt.

Wort für Wort
vṛkṣārūḍho mahārājo
'auf dem Baum sitzend, o Großkönig'
nāyaṃ vadati te janaḥ
so sagt dieses Volk nicht von dir
na ca dāruṇi sarvastvāṃ
und auch nicht 'auf dem Holz', alle
bravīti śibikāgatam
sagen nicht, wenn du in der Sänfte bist

śibikādārusaṃghāto svanāmasthitisaṃsthitaḥ / anviṣyatāṃ nṛpaśreṣṭhānandadāśibikā tvayā

Die Sänfte [ist] eine Ansammlung von Holz, bestehend in dem Bestand ihres eigenen Namens; es möge geprüft werden, o bester der Könige, [was] die Sänfte dir [wirklich bedeutet].

Wort für Wort
śibikādārusaṅghātaḥ
die Sänfte, eine Ansammlung von Holz
svanāmasthitisaṃsthitaḥ
bestehend im Bestand ihres eigenen Namens
anviṣyatāṃ nṛpaśreṣṭha
es möge geprüft werden, o bester der Könige
nandadā śibikā tvayā
was die Sänfte dir [bedeutet] [?]

[?: „nandadā śibikā“ unsicher überliefert; sinngemäß wiedergegeben.]

evaṃ chatraṃ śalākābhyaḥ pṛthagbhāvo vimṛśyatām / kva jātaṃ chatramityeṣa nyāyastvayi tathā mayi

Ebenso werde bei dem Sonnenschirm die Gesondertheit von den [einzelnen] Speichen bedacht: 'Wo ist der Sonnenschirm entstanden?' - dieser [gleiche] Grundsatz [gilt] bei dir ebenso wie bei mir.

Wort für Wort
evaṃ chatraṃ śalākābhyaḥ
ebenso der Sonnenschirm von den Speichen
pṛthagbhāvo vimṛśyatām
die Gesondertheit werde bedacht
kva jātaṃ chatramityeṣa
'wo ist der Sonnenschirm entstanden', dieser
nyāyastvayi tathā mayi
Grundsatz [gilt] bei dir ebenso wie bei mir

pumānstrī gaurajā bājī kuñjaro vihagastaruḥ / deheṣu lokasaṃjñeyaṃ vijñeyā karmahetuṣu

Mann, Frau, Kuh, Ziege, Ross, Elefant, Vogel, Baum - diese landläufige Bezeichnung ist bei den Körpern, [die] durch die Tat verursacht [sind], zu erkennen [als bloße Konvention].

Wort für Wort
pumānstrī gaurajā bājī
Mann, Frau, Kuh, Ziege, Ross
kuñjaro vihagastaruḥ
Elefant, Vogel, Baum
deheṣu lokasaṃjñeyaṃ
diese landläufige Bezeichnung bei den Körpern
vijñeyā karmahetuṣu
ist zu erkennen bei den durch die Tat verursachten

pumānna devo na naro na paśurna ca pādapaḥ / śarīrākṛtibhedāstu bhūpaite karmayonayaḥ

Der [wahre] Mensch ist weder Gott noch Mensch noch Tier noch Baum; diese Unterschiede der Körpergestalt aber, o Herrscher, haben die Tat als ihren Ursprung.

Wort für Wort
pumānna devo na naro
der Mensch ist weder Gott noch Mensch
na paśurna ca pādapaḥ
noch Tier noch Baum
śarīrākṛtibhedāstu
diese Unterschiede der Körpergestalt aber
bhūpaite karmayonayaḥ
o Herrscher, haben die Tat als Ursprung

vastu rājeti yalleke yañca rājabhaṭātmakam / tathānyaśca nṛpetthaṃ tanna satyaṃ kalpanāmayam

Was in der Welt als 'Ding König' [gilt] und was aus 'König und Diener' besteht, und ebenso 'ein anderer [ist] so ein König' - das ist nicht wahr, [sondern] besteht aus [bloßer] Vorstellung.

Wort für Wort
vastu rājeti yalleke
was in der Welt als 'Ding König' [gilt]
yañca rājabhaṭātmakam
und was aus 'König und Diener' besteht
tathānyaśca nṛpetthaṃ
und ebenso ein anderer so ein König
tanna satyaṃ kalpanāmayam
das ist nicht wahr, aus Vorstellung bestehend

yastu kālāntareṇāpi nāśasaṃjñāmupaiti vai / pariṇāmādisaṃbhūtaṃ tadvastu nṛpa tañca kim

Was aber nach [einiger] Zeit die Bezeichnung 'Vergehen' erlangt, [weil es] aus Wandlung und dergleichen entstanden ist - was ist denn das für ein [wirkliches] Ding, o König?

Wort für Wort
yastu kālāntareṇāpi
was aber nach [einiger] Zeit
nāśasaṃjñāmupaiti vai
die Bezeichnung 'Vergehen' erlangt
pariṇāmādisaṃbhūtaṃ
aus Wandlung und dergleichen entstanden
tadvastu nṛpa tañca kim
was ist das für ein Ding, o König

tvaṃ rājā sarvasokasya pituḥ putro ripo ripuḥ / patnyāḥ patiḥ pitā sūnoḥ kastvaṃ bhūpa vadāmyaham

Du [bist] König, [Ursache] allen Kummers, Sohn des Vaters, Feind des Feindes, Gatte der Gattin, Vater des Sohnes - wer bist du [wirklich], o Herrscher? Sage mir [das].

Wort für Wort
tvaṃ rājā sarvasokasya
du [bist] König, [Ursache] allen Kummers
pituḥ putro ripo ripuḥ
Sohn des Vaters, Feind des Feindes
patnyāḥ patiḥ pitā sūnoḥ
Gatte der Gattin, Vater des Sohnes
kastvaṃ bhūpa vadāmyaham
wer bist du, o Herrscher? Ich frage dich

tvaṃ kimetacciraḥ kiṃ tu śirastava tatho daram / kimu pādādikaṃ tvetannaiva kiṃ te mahīpate

Bist du dieses [Haar]? Oder aber dein Kopf und ebenso der Bauch? Oder etwa Füße und dergleichen? Oder bist du [dies alles] gerade nicht, o Herrscher der Erde?

Wort für Wort
tvaṃ kimetacciraḥ kiṃ tu
bist du dieses [Haar]? oder aber
śirastava tatho daram
dein Kopf und ebenso der Bauch
kimu pādādikaṃ tvetan
oder etwa Füße und dergleichen
naiva kiṃ te mahīpate
oder bist du dies gerade nicht, o Herrscher der Erde

[?: „ciraḥ“ unsicher überliefert, evtl. für „keśaḥ“ (Haar) oder „śiras“ (Kopf) stehend.]

samastāvayavebhyastvaṃ pṛthagbhūto vyavasthitaḥ / ko 'hamityatra nipuṇaṃ bhūtvā cintaya pārthiva

Von sämtlichen Gliedern gesondert bestehst du [in Wirklichkeit]; werde hierüber scharfsinnig und denke nach, [was] 'wer bin ich' [bedeutet], o Herrscher.

Wort für Wort
samastāvayavebhyastvaṃ
von sämtlichen Gliedern
pṛthagbhūto vyavasthitaḥ
gesondert bestehst du
ko 'hamityatra nipuṇaṃ
'wer bin ich' - hierüber scharfsinnig
bhūtvā cintaya pārthiva
werdend, denke nach, o Herrscher

evaṃ vyavasthite tattve mayāhamiti bhāvitum / pṛthakūcaraṇaniṣpādyaṃ śakyaṃ tu nṛpate katham

Wenn die Wahrheit sich so verhält, wie könnte dann, o König, das Denken 'von mir' [und] 'ich' [als etwas] Gesondertes, durch [eigenes] Reden Hervorzubringendes, überhaupt möglich sein?

Wort für Wort
evaṃ vyavasthite tattve
wenn die Wahrheit sich so verhält
mayāhamiti bhāvitum
das Denken 'von mir', 'ich'
pṛthakūcaraṇaniṣpādyaṃ
als Gesondertes, durch Aussprechen hervorzubringen
śakyaṃ tu nṛpate katham
wie wäre das möglich, o König

[?: „pṛthakūcaraṇaniṣpādyaṃ“ unsicher überliefert; als „pṛthak uccaraṇa-niṣpādyam“ (durch gesondertes Aussprechen hervorzubringen) gedeutet.]

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