Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 66: devapūjānirūpaṇam Die Darlegung der Gottesverehrung

Titel rekonstruiert aus der (durch Quellanomalie um ein Kapitel versetzten) Kolophonzeile am Kopf der Rohdatei zu Kapitel 67 ("...devapūjānirūpaṇaṃ nāma saptaṣaṣṭittamo 'dhyāyaḥ"), die nach dem im Corpus durchgängig beobachteten Muster tatsächlich das Kolophon des VORANGEHENDEN Kapitels (hier: 66) enthält; passt inhaltlich exakt (Kapitel 66 beginnt selbst mit "atha vakṣye devapūjāṃ..."). Kapitel 66 behandelt ausführlich das Ritual der Gottesverehrung (Devapūjā): Vorbereitung von Maṇḍala, Unterlage und Weihwasser (Arghapātra), Mudrās, Pādya/Arghya/Ācamana/Madhuparka, Regeln zur Bildnisqualität, die ausführlichen Anrufungs- und Bitt-Verse bei der Herbeirufung (Āvāhana) der Gottheit, die Reihe der Verehrungsgaben (Upacāras: Bad, Kleidung, Opferschnur, Schmuck, Duft, Blumen [mit Verbotslisten je nach Gottheit], Räucherwerk, Licht, Speiseopfer, Betel), die Verehrung der Umgebung (Āvaraṇapūjā) und der Weltenhüter (Dikpālas), Feueropfer (Agnikārya), Bali-Gaben, die abschließenden Verse der Selbsthingabe (Brahmārpaṇa) und der Vergebungsbitte (Kṣamāprārthanā), Umkreisung (Pradakṣiṇā) und Verneigung (Praṇāma), Entlassung der Gottheit (Visarjana), Verbot bestimmter Bildnis-Duplizierungen, sowie die fünf Arten der Verehrung je nach Lage des Verehrers (bei Krankheit, Geburts-/Todesunreinheit, Furcht, fehlenden Mitteln, mangelndem Wissen) und abschließende Verhaltensregeln (Speisung von Brahmanen, gemeinsames Mahl, Hören von Purāṇa/Itihāsa).

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge buhadupākhyāne tṛtīyapāde saṃdhyādinirūpaṇaṃ nāma ṣaṭṣaṣṭitamo 'dhyāyaḥ sanatkumāra uvāca atha vakṣye devapūjāṃ sādhakābhīṣṭasiddhidām / trikoṇaṃ caturasraṃ vā vāmabhāge prakalpya ca

Sanatkumāra sprach: Nun werde ich die Gottesverehrung (Devapūjā) mitteilen, die dem Praktizierenden die erwünschte Vollendung gewährt. Nachdem man ein Dreieck oder ein Viereck auf der linken Seite bereitet hat

Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
atha vakṣye devapūjāṃ
nun werde ich die Gottesverehrung mitteilen
sādhakābhīṣṭasiddhidām
die dem Praktizierenden die erwünschte Vollendung gewährt
trikoṇaṃ caturasraṃ vā
ein Dreieck oder ein Viereck
vāmabhāge prakalpya ca
nachdem man auf der linken Seite bereitet hat

[Anm.: Vers 1 trägt im Quelltext die Kolophonzeile des vorangehenden Kapitels voran; die dort enthaltene Bezeichnung "saṃdhyādinirūpaṇaṃ nāma" ("genannt 'Darlegung der Sandhyā-Riten'") gehört, dem im Corpus durchgängigen Verschiebungsmuster folgend, tatsächlich zu Kapitel 65 (siehe dortige Anmerkung). Die Sanskrit-Ordnungszahl "ṣaṭṣaṣṭitama" (66.) weicht entsprechend um eins ab.]

sampūjyā sreṇa saṃkṣālya hṛdādhāraṃ nidhāya ca / tatrāgnimaṇḍalaṃ cedvā pātraṃ saṃkṣālya cāsrataḥ

- dies mit dem Astra(-Mantra) verehrt und gewaschen, nachdem man die "Herz"-Unterlage niedergelegt hat -; dort (bereite man) den Feuerkreis, oder das Gefäß, mit dem Astra(-Mantra) gewaschen,

Wort für Wort
sampūjyā sreṇa saṃkṣālya
nachdem man mit dem Astra-Mantra verehrt und gewaschen hat
hṛdādhāraṃ nidhāya ca
und die "Herz"-Unterlage niedergelegt hat
tatrāgnimaṇḍalaṃ cedvā
dort (bereite man) den Feuerkreis, oder
pātraṃ saṃkṣālya cāsrataḥ
das Gefäß, mit dem Astra(-Mantra) gewaschen

ādhāre nāmasaṃ sthāpya tatra cedravimaṇḍalam / klimamātṛkā pūlamuñcaranpūrapejjalaiḥ

Nachdem man es auf der Unterlage aufgestellt hat, (bereite man) dort den Sonnenkreis. [Zeile stark verderbt überliefert] ... indem man Wasser vergießt/füllt.

Wort für Wort
ādhāre nāmasaṃ sthāpya
nachdem man es mit Namen auf der Unterlage aufgestellt hat
tatra cedravimaṇḍalam
dort (bereite man) den Sonnenkreis
klimamātṛkā pūlamuñcaran
(verderbte Stelle, evtl. Rezitation des Kli-Samenlauts der Mātṛkā) [?]
pūrapejjalaiḥ
indem man mit Wasser füllt/vergießt [?]

[Anm.: Vers 3b ("klimamātṛkā pūlamuñcaranpūrapejjalaiḥ") ist im Quelltext stark entstellt überliefert; eine sichere Rekonstruktion ist nicht möglich [?].]

catreñjumaṇḍalaṃ prārcya tīrthānyāvāhya pūrvavat / gomudrayāmṛtīkṛtya kavacenāvaguṇṭhayet

Nachdem man [den Mondkreis? verderbt] verehrt hat, und die Pilgerstätten wie zuvor herbeigerufen hat, nachdem man es mit der Kuh-Geste zu Nektar gemacht hat, umhülle man es mit dem Panzer(-Mantra).

Wort für Wort
catreñjumaṇḍalaṃ prārcya
nachdem man den (Mond-?)Kreis [?] verehrt hat
tīrthānyāvāhya pūrvavat
und die Pilgerstätten wie zuvor herbeigerufen hat
gomudrayāmṛtīkṛtya
nachdem man es mit der Kuh-Geste zu Nektar gemacht hat
kavacenāvaguṇṭhayet
umhülle man es mit dem Panzer(-Mantra)

[Anm.: "catreñjumaṇḍalaṃ" unklar, evtl. Verschreibung für "candramaṇḍalam" (Mondkreis) [?].]

saṃkṣālyāsreṇa praṇavaṃ taduparyaṣṭadhā japet / sāmānyārghamidaṃ proktaṃ sarvasiddhikaraṃ nṛṇām

Nachdem man es mit dem Astra(-Mantra) gewaschen hat, rezitiere man darüber achtfach den Praṇava; dies wird die "allgemeine Arghya(-Gabe)" genannt, die allen Menschen jegliche Vollendung verschafft.

Wort für Wort
saṃkṣālyāsreṇa
nachdem man es mit dem Astra-Mantra gewaschen hat
praṇavaṃ taduparyaṣṭadhā japet
rezitiere man darüber den Praṇava achtfach
sāmānyārghamidaṃ proktaṃ
dies wird die "allgemeine Arghya-Gabe" genannt
sarvasiddhikaraṃ nṛṇām
die allen Menschen jegliche Vollendung verschafft

tajjalaṃ rkicidudūdhṛtya prokṣiṇyā sādhakottamaḥ / ātmānaṃ yāgavastūni tena saṃprokṣayetputhak

Nachdem er von jenem Wasser ein wenig entnommen hat, mit dem Besprengungsgefäß, der beste der Praktizierenden, besprenge er damit gesondert sich selbst und die Opfergegenstände.

Wort für Wort
tajjalaṃ kiñcidudūdhṛtya
nachdem er von jenem Wasser ein wenig entnommen hat
prokṣiṇyā sādhakottamaḥ
mit dem Besprengungsgefäß, der beste der Praktizierenden
ātmānaṃ yāgavastūni
sich selbst und die Opfergegenstände
tena saṃprokṣayetputhak
besprenge er damit gesondert

ātmavāmāgrataḥ kuryātṣaṭṭkoṇāntasrikoṇakam / caturasreṇa saṃveṣṭya saṃkṣālyārghodakena ca

Links-vorn von sich selbst mache man ein Sechseck mit innerem Dreieck, umschlossen von einem Viereck; und nachdem man es mit dem Arghya-Wasser gewaschen hat,

Wort für Wort
ātmavāmāgrataḥ kuryāt
links-vorn von sich selbst mache man
ṣaṭṭkoṇāntasrikoṇakam
ein Sechseck mit innerem Dreieck
caturasreṇa saṃveṣṭya
umschlossen von einem Viereck
saṃkṣālyārghodakena ca
und nachdem man es mit dem Arghya-Wasser gewaschen hat

tatastu sādhakaśreṣṭhaḥ staṃbhayecchaṅkhamudrayā / āgneyādiṣu koṇeṣu hṛdādyaṅgacatuṣṭayam

dann stabilisiere der beste der Praktizierenden (es) mit der Muschel-Geste; in den Ecken, beginnend im Südosten, (verehre man) die vier Glieder, beginnend mit "Herz",

Wort für Wort
tatastu sādhakaśreṣṭhaḥ
dann der beste der Praktizierenden
staṃbhayecchaṅkhamudrayā
stabilisiere (es) mit der Muschel-Geste
āgneyādiṣu koṇeṣu
in den Ecken, beginnend im Südosten
hṛdādyaṅgacatuṣṭayam
die vier Glieder, beginnend mit "Herz"

netraṃ madhye dikṣu cāsraṃ trikoṇe pūjayettataḥ / mūlakhaṇḍatrayenāthādhāraśaktiṃ tu madhyagām

das "Auge" (-Mantra) in der Mitte, und das Astra(-Mantra) in den Himmelsrichtungen; im Dreieck verehre man sodann; mit den drei Abschnitten des Wurzelmantras die in der Mitte befindliche Unterlage-Śakti,

Wort für Wort
netraṃ madhye dikṣu cāsraṃ
das "Auge"(-Mantra) in der Mitte, und das Astra(-Mantra) in den Richtungen
trikoṇe pūjayettataḥ
im Dreieck verehre man sodann
mūlakhaṇḍatrayenātha
mit den drei Abschnitten des Wurzelmantras sodann
ādhāraśaktiṃ tu madhyagām
die in der Mitte befindliche Unterlage-Śakti

evaṃ saṃpūjya vidhivadasraṃsaṃkṣālitaṃ hṛdā / pratiṣṭāpya tripadikāṃ pūjayenmanunāmunā

Nachdem man so vorschriftsmäßig verehrt hat, und das mit dem Astra(-Mantra) sowie mit "Herz" gewaschene (Wasser), nachdem man den Dreifuß aufgestellt hat, verehre man mit diesem Mantra:

Wort für Wort
evaṃ saṃpūjya vidhivad
nachdem man so vorschriftsmäßig verehrt hat
asraṃsaṃkṣālitaṃ hṛdā
das mit dem Astra(-Mantra) und mit "Herz" gewaschene
pratiṣṭāpya tripadikāṃ
nachdem man den Dreifuß aufgestellt hat
pūjayenmanunāmunā
verehre man mit diesem Mantra

maṃ vahnimaṇḍalā yeti tato deśakalātmane / amukārdhyeti pātrānte sanāpahṛdayoṃ'time

"Oṃ maṃ, dem Feuerkreis" - so; dann "dem Selbst von Ort und Zeit"; "dem Soundso, Arghya" - so am Ende bezüglich des Gefäßes, [Rest der Zeile stark verderbt überliefert].

Wort für Wort
maṃ vahnimaṇḍalā yeti
"oṃ maṃ, dem Feuerkreis" - so
tato deśakalātmane
dann "dem Selbst von Ort und Zeit"
amukārdhyeti pātrānte
"dem Soundso, Arghya" - so, am Ende bezüglich des Gefäßes
sanāpahṛdayoṃ'time
(verderbte Stelle) [?]

[Anm.: Vers 11b ("sanāpahṛdayoṃ'time") ist stark entstellt überliefert; eine sichere Rekonstruktion ist nicht möglich [?]. Die Verse geben mantrische Formeln mit Platzhalter "amuka" ("Soundso") für den jeweiligen Gottesnamen wieder.]

caturviṃśativarṇo 'yamādhārasyārcane manuḥ / svamantrakṣālitaṃ śaraṃvaṃ saṃsyāpyāya samarcayet

Dies ist der vierundzwanzigsilbige Mantra für die Verehrung der Unterlage; nachdem man die mit dem eigenen Mantra gewaschene Schale aufgestellt hat, verehre man vorschriftsmäßig.

Wort für Wort
caturviṃśativarṇo 'yam
dies ist der vierundzwanzigsilbige
ādhārasyārcane manuḥ
Mantra für die Verehrung der Unterlage
svamantrakṣālitaṃ śaraṃvaṃ
die mit dem eigenen Mantra gewaschene Schale [?]
saṃsyāpyāya samarcayet
nachdem man (sie) aufgestellt hat, verehre man

[Anm.: "śaraṃvaṃ" vermutlich für "śarāvam" (flache Schale) [?].]

tāraḥ kārṃmamahāṃste tu tato jalacarāya ca / varma phaṭ hṛdayaṃ pāñcajanyāya hṛdayaṃ maneḥ

Der Praṇava, [verderbte Stelle], dann "dem Wasserbewohner" (und); "Panzer, phaṭ" (ist) das "Herz"(-Mantra) für Pāñcajanya (die Muschel), das "Herz"(-Mantra) des Juwels [?].

Wort für Wort
tāraḥ kārṃmamahāṃste tu
der Praṇava, (verderbte Stelle) [?]
tato jalacarāya ca
dann, "dem Wasserbewohner" (und)
varma phaṭ hṛdayaṃ pāñcajanyāya
"Panzer, phaṭ" (ist) das Herz(-Mantra) für Pāñcajanya
hṛdayaṃ maneḥ
das Herz(-Mantra) des Juwels [?]

[Anm.: Vers 13a ("kārṃmamahāṃste") stark entstellt überliefert; Übersetzung der Konsekrationsformel für die rituelle Muschel (Pāñcajanya) nach bestem Ermessen [?].]

tatrārkamaṇḍalāyeti dvādaśānte kalāramane / amukārdhyeti pātrānte namontastryakṣivarṇavān

Dort: "der Sonnenscheibe" - so, am Ende der Zwölf, [verderbte Stelle]; "dem Soundso, Arghya" - so, am Ende bezüglich des Gefäßes, endend auf "namaḥ", aus drei Silben bestehend [?].

Wort für Wort
tatrārkamaṇḍalāyeti
dort: "der Sonnenscheibe" - so
dvādaśānte kalāramane
am Ende der Zwölf, (verderbte Stelle) [?]
amukārdhyeti pātrānte
"dem Soundso, Arghya" - so, am Ende bezüglich des Gefäßes
namontastryakṣivarṇavān
endend auf "namaḥ", aus drei Silben bestehend [?]

[Anm.: "kalāramane" und "tryakṣivarṇavān" unsicher [?].]

sampūjya tena tatrārceddvādaśārkakalāḥ kramāt / tataḥ śuddhajalairmūlaṃ vilomamātṛkāṃ paṭhan

Nachdem man mit diesem (Mantra) verehrt hat, verehre man dort der Reihe nach die zwölf Strahlenkräfte (Kalās) der Sonne. Dann, mit reinem Wasser, das Wurzelmantra sowie die rückläufige Buchstabenreihe (Mātṛkā) rezitierend,

Wort für Wort
sampūjya tena tatrārced
nachdem man mit diesem (Mantra) verehrt hat, verehre man dort
dvādaśārkakalāḥ kramāt
der Reihe nach die zwölf Kalās der Sonne
tataḥ śuddhajalairmūlaṃ
dann mit reinem Wasser das Wurzelmantra
vilomamātṛkāṃ paṭhan
(und) die rückläufige Buchstabenreihe rezitierend

śaṅkhamāpūrayettasminpūjayenmanunāmunā / oṃ somamaṇḍalāyeti ṣoḍaśānte kalātmane

fülle man die Muschel damit; verehre man mit diesem Mantra: "Oṃ, dem Mondkreis" - so, am Ende der Sechzehn, "dem Selbst, das aus den Kalās besteht" -

Wort für Wort
śaṅkhamāpūrayettasmin
fülle man die Muschel damit
pūjayenmanunāmunā
verehre man mit diesem Mantra
oṃ somamaṇḍalāyeti
"Oṃ, dem Mondkreis" - so
ṣoḍaśānte kalātmane
am Ende der Sechzehn, "dem Selbst, das aus den Kalās besteht"

amukārdhyāmṛtāyeti hṛnmanuścārdhyapūjane / tatra ṣoḍaśasaṃkhyākā yajeñcandramasaḥ kalāḥ

"dem Soundso, der Nektar-Arghya" - so - (dies ist) das Herzmantra für die Arghya-Verehrung; dort verehre man die sechzehn an der Zahl seienden Kalās des Mondes.

Wort für Wort
amukārdhyāmṛtāyeti
"dem Soundso, der Nektar-Arghya" - so
hṛnmanuścārdhyapūjane
(dies ist) das Herzmantra für die Arghya-Verehrung
tatra ṣoḍaśasaṃkhyākā
dort die sechzehn an der Zahl seienden
yajeñcandramasaḥ kalāḥ
verehre man die Kalās des Mondes

tatastu tīrthānyāvāhya gaṅge cetyādipūrvavat / gomudrayāmṛtīkṛtyācchādayenmatsmamudrayā

Dann, nachdem man die Pilgerstätten herbeigerufen hat, "o Gaṅgā" usw. wie zuvor; nachdem man es mit der Kuh-Geste zu Nektar gemacht hat, bedecke man (es) mit der Fisch-Geste,

Wort für Wort
tatastu tīrthānyāvāhya
dann, nachdem man die Pilgerstätten herbeigerufen hat
gaṅge cetyādipūrvavat
"o Gaṅgā" usw. wie zuvor
gomudrayāmṛtīkṛtya
nachdem man es mit der Kuh-Geste zu Nektar gemacht hat
ācchādayenmatsmamudrayā
bedecke man (es) mit der Fisch-Geste

kavacenāvaguṇṭhyātha rakṣedastreṇa tatpunaḥ / cintayitveṣṭadevaṃ ca tato mudrāḥ pradarśayet

nachdem man (es) mit dem Panzer(-Mantra) umhüllt hat, schütze man (es) danach wieder mit dem Astra(-Mantra); nachdem man sich den Wunschgott vergegenwärtigt hat, zeige man sodann die (folgenden) Gesten:

Wort für Wort
kavacenāvaguṇṭhyātha
nachdem man es mit dem Panzer(-Mantra) umhüllt hat
rakṣedastreṇa tatpunaḥ
schütze man es danach wieder mit dem Astra(-Mantra)
cintayitveṣṭadevaṃ ca
nachdem man sich den Wunschgott vergegenwärtigt hat
tato mudrāḥ pradarśayet
zeige man sodann die Gesten

śaṅkhamauśalacakākhyāḥ paramīkaraṇaṃ tataḥ / mahāmudrāṃ yonimudrāṃ darśayetkramataḥ sudhīḥ

die "Muschel", "Keule" und "Diskus" genannten, sodann die "höchstbereitende" (Geste); die Mahāmudrā (große Geste), die Yonimudrā (Ursprungs-Geste) zeige der Weise der Reihe nach.

Wort für Wort
śaṅkhamauśalacakākhyāḥ
die "Muschel", "Keule" und "Diskus" genannten
paramīkaraṇaṃ tataḥ
sodann die "höchstbereitende" (Geste)
mahāmudrāṃ yonimudrāṃ
die Mahāmudrā, die Yonimudrā
darśayetkramataḥ sudhīḥ
zeige der Weise der Reihe nach

gāruḍī gālinī caiva mukhye mudre prakīrtite / gandhapuṣpādibhistatra pūjayeddevatāṃ smaranaṭ

Die Garuḍa-Geste und die "Ālinī"-Geste [?] werden als die beiden Hauptgesten gepriesen; mit Duftstoff, Blumen usw. verehre man dort, sich (die Gottheit) vergegenwärtigend, die Gottheit.

Wort für Wort
gāruḍī gālinī caiva
die Garuḍa-Geste und die "Ālinī"-Geste [?]
mukhye mudre prakīrtite
werden als die beiden Hauptgesten gepriesen
gandhapuṣpādibhistatra
mit Duftstoff, Blumen usw. dort
pūjayeddevatāṃ smaran
verehre man, sich die Gottheit vergegenwärtigend

[Anm.: "gālinī" unsicher, evtl. "ālinī" [?]; "smaranaṭ" am Versende grammatisch auffällig, evtl. Verschreibung [?].]

aṣṭakṛtvo japenmūlaṃ praṇavaṃ cāṣṭadhā tathā / śaṅkhāddakṣiṇadigbhāge prokṣaṇīpātramādiśet

Man rezitiere achtmal das Wurzelmantra, und ebenso achtfach den Praṇava; auf der rechten (südlichen) Seite von der Muschel aus weise man das Besprengungsgefäß an,

Wort für Wort
aṣṭakṛtvo japenmūlaṃ
man rezitiere achtmal das Wurzelmantra
praṇavaṃ cāṣṭadhā tathā
und ebenso achtfach den Praṇava
śaṅkhāddakṣiṇadigbhāge
auf der rechten (südlichen) Seite von der Muschel aus
prokṣaṇīpātramādiśet
weise man das Besprengungsgefäß an

prokṣaṇyāṃ tajjalaṃ kiñcitkṛtvātmānaṃ tridhā tataḥ / ātmatattvātmane hṛñca vidyātattvātmane namaḥ

nachdem man ein wenig von jenem Wasser in das Besprengungsgefäß gegeben hat, sich selbst dann dreifach (besprengend): "Namaḥ dem Selbst, dessen Wesen das Ātmā-Tattva ist, und (Herz)"; "Namaḥ dem Selbst, dessen Wesen das Vidyā-Tattva ist";

Wort für Wort
prokṣaṇyāṃ tajjalaṃ kiñcit
nachdem man ein wenig von jenem Wasser in das Besprengungsgefäß gegeben hat
kṛtvātmānaṃ tridhā tataḥ
und sich selbst dann dreifach (besprengend)
ātmatattvātmane hṛñca
"(Namaḥ) dem Selbst, dessen Wesen das Ātmā-Tattva ist, und Herz"
vidyātattvātmane namaḥ
"Namaḥ dem Selbst, dessen Wesen das Vidyā-Tattva ist"

śivatattvātmane hṛñca ityetairmanubhistribhiḥ / prokṣetpuṣpākṣataiścāpi maṇḍalaṃ vidhivatsudhīḥ

"und (Herz) dem Selbst, dessen Wesen das Śiva-Tattva ist" - mit diesen drei Mantras besprenge man auch mit Blumen und ungeschältem Reis vorschriftsmäßig das Maṇḍala, der Weise.

Wort für Wort
śivatattvātmane hṛñca
"und Herz, dem Selbst, dessen Wesen das Śiva-Tattva ist"
ityetairmanubhistribhiḥ
mit diesen drei Mantras
prokṣetpuṣpākṣataiścāpi
besprenge man auch mit Blumen und ungeschältem Reis
maṇḍalaṃ vidhivatsudhīḥ
der Weise, vorschriftsmäßig das Maṇḍala

athavā mūlagāyatryā pūjādravyāṇi prokṣayet / pādyārdhyācamanūyārthaṃ madhuparkārthamapyuta

Oder mit der Wurzel-Gāyatrī besprenge man die Verehrungsgegenstände, zum Zwecke von Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, und auch zum Zwecke des Honig-Mischtranks (Madhuparka).

Wort für Wort
athavā mūlagāyatryā
oder mit der Wurzel-Gāyatrī
pūjādravyāṇi prokṣayet
besprenge man die Verehrungsgegenstände
pādyārdhyācamanūyārthaṃ
zum Zwecke von Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser
madhuparkārthamapyuta
und auch zum Zwecke des Madhuparka

pātrāṇyādhārayuktāni sthāpayedvidhinā puraḥ / pādyaṃ śyāmākadūrvābjaviṣṇukrāntajalaiḥ smṛtam

Die mit Unterlagen versehenen Gefäße stelle man vorschriftsmäßig davor auf; Fußwasser gilt als (bereitet) mit Śyāmāka-Gras, Dūrvā-Gras, Lotos (und) Viṣṇukrāntā-Pflanze, (und) Wasser.

Wort für Wort
pātrāṇyādhārayuktāni
die mit Unterlagen versehenen Gefäße
sthāpayedvidhinā puraḥ
stelle man vorschriftsmäßig davor auf
pādyaṃ śyāmākadūrvābjaviṣṇukrāntajalaiḥ
Fußwasser (gilt als bereitet) mit Śyāmāka, Dūrvā, Lotos, Viṣṇukrāntā, (und) Wasser
smṛtam
überliefert

ardhyaṃ puṣpākṣatayavaiḥ kuśāgratilasarṣapaiḥ / gandhadūrvādalaiḥ proktaṃ tataścācamanīyakam

Arghya wird mit Blumen, ungeschältem Reis, Gerste, Kuśa-Grasspitzen, Sesam (und) Senfkörnern gebildet; mit Duftstoff (und) Dūrvā-Blättern - so wird es genannt; und dann das Mundspülwasser (Ācamanīya),

Wort für Wort
ardhyaṃ puṣpākṣatayavaiḥ
Arghya mit Blumen, ungeschältem Reis, Gerste
kuśāgratilasarṣapaiḥ
mit Kuśa-Grasspitzen, Sesam, Senfkörnern
gandhadūrvādalaiḥ proktaṃ
mit Duftstoff und Dūrvā-Blättern wird es genannt
tataścācamanīyakam
und dann das Mundspülwasser

jātīphalaṃ ca kaṅkolaṃ lavaṅgaṃ ca jalānvitam / kṣaudrājyadadhisaṃmiśraṃ madhuparkasamīritam

Muskatnuss, und Kaṅkola-Pfeffer, und Gewürznelke, zusammen mit Wasser, vermischt mit Honig, Ghee (und) Joghurt - dies wird als Madhuparka (Honig-Mischtrank) bezeichnet.

Wort für Wort
jātīphalaṃ ca kaṅkolaṃ
Muskatnuss, und Kaṅkola-Pfeffer
lavaṅgaṃ ca jalānvitam
und Gewürznelke, zusammen mit Wasser
kṣaudrājyadadhisaṃmiśraṃ
vermischt mit Honig, Ghee, Joghurt
madhuparkasamīritam
wird als Madhuparka bezeichnet

ekasminnathavā pātre pādyādīni prakalpayet / śaṅkarārkārcane śaṅkhamayenaiva praśasyate

Oder man bereite Fußwasser usw. in einem einzigen Gefäß; bei der Verehrung von Śaṅkara (Śiva) und der Sonne wird (dies) allein aus einem Muschel(-Gefäß) gepriesen.

Wort für Wort
ekasminnathavā pātre
oder in einem einzigen Gefäß
pādyādīni prakalpayet
bereite man Fußwasser usw.
śaṅkarārkārcane
bei der Verehrung von Śaṅkara und der Sonne
śaṅkhamayenaiva praśasyate
wird (dies) allein aus einem Muschel(-Gefäß) gepriesen

śvetākṛṣṇāruṇāpītāśyāmāraktāsitāsitāḥ / raktāṃbarābhayakarādhyeyāḥspuḥ pīṭhaśaktayaḥ

Weiß, schwarz, rot(-braun), gelb, dunkel(farben), rot, blauschwarz (und) weiß-schwarz gemischt - in rotes Gewand gekleidet, mit der Furchtlosigkeits-Gebärde in der Hand, seien die Thron-Śaktis zu meditieren.

Wort für Wort
śvetākṛṣṇāruṇāpītāśyāmāraktāsitāsitāḥ
weiß, schwarz, rot(-braun), gelb, dunkel, rot, blauschwarz, weiß-schwarz gemischt
raktāṃbarābhayakarā
in rotes Gewand gekleidet, mit der Furchtlosigkeits-Gebärde in der Hand
dhyeyāḥ pīṭhaśaktayaḥ
seien die Thron-Śaktis zu meditieren

[Anm.: Aufzählung von acht Farben für die acht "Sitzkräfte" (Pīṭhaśaktis) des Thrones; konkrete Namen werden hier nicht genannt.]

svarṇādilikhite yantre śālagrāme maṇau tathā / vidhinā sthāpitāyāṃ vā pratimāyāṃ prapūjayet

Auf einem in Gold usw. gezeichneten Yantra, auf einem Śālagrāma(-Stein), ebenso auf einem Edelstein, oder auf einem vorschriftsmäßig aufgestellten Kultbild verehre man.

Wort für Wort
svarṇādilikhite yantre
auf einem in Gold usw. gezeichneten Yantra
śālagrāme maṇau tathā
auf einem Śālagrāma(-Stein), ebenso auf einem Edelstein
vidhinā sthāpitāyāṃ vā
oder auf einem vorschriftsmäßig aufgestellten
pratimāyāṃ prapūjayet
Kultbild verehre man

aṅguṣṭādivitastyantamānā svarṇādidhātubhiḥ / nirmitā śubhadā gehe pūjanāya dine dine

Von Daumenbreite bis zur Größe einer Spanne (Vitasti), aus Gold und anderen Metallen gefertigt, ist (das Kultbild) im Haus glückbringend zur täglichen Verehrung.

Wort für Wort
aṅguṣṭādivitastyantamānā
von Daumenbreite bis zur Größe einer Spanne (reichend das Maß)
svarṇādidhātubhiḥ nirmitā
aus Gold und anderen Metallen gefertigt
śubhadā gehe
glückbringend im Haus
pūjanāya dine dine
zur Verehrung Tag für Tag

vakrāṃ dagdhāṃ khaṇḍitāṃ ca bhinnamūrddhadṛśaṃ punanaḥ / spaṣṭāṃ vāpya ntyajādyaiśca pratimāṃ naiva pūjayet

Ein krummes, verbranntes, beschädigtes, oder mit zerstörtem Haupt oder Augen (versehenes), oder undeutliches Kultbild, oder eines (das von) Outcasts usw. (berührt wurde), verehre man niemals.

Wort für Wort
vakrāṃ dagdhāṃ khaṇḍitāṃ ca
ein krummes, verbranntes, beschädigtes
bhinnamūrddhadṛśaṃ punaḥ
und wieder eines mit zerstörtem Haupt oder Augen
spaṣṭāṃ vāpyantyajādyaiśca
oder auch ein undeutliches, oder von Outcasts usw. (berührtes)
pratimāṃ naiva pūjayet
Kultbild verehre man niemals

bāṇādiliṅge vābhyarcetsarvalakṣaṇalakṣite / mūlena mūrtiṃ saṃkalpya dhyātvā devaṃ yathoditam

Oder man verehre einen Bāṇa-Liṅga usw., der mit allen guten Merkmalen gekennzeichnet ist; nachdem man mit dem Wurzelmantra die Vergegenwärtigung (Saṃkalpa) auf das Kultbild vollzogen hat, nachdem man den Gott wie beschrieben meditiert hat,

Wort für Wort
bāṇādiliṅge vābhyarcet
oder man verehre einen Bāṇa-Liṅga usw.
sarvalakṣaṇalakṣite
der mit allen guten Merkmalen gekennzeichnet ist
mūlena mūrtiṃ saṃkalpya
nachdem man mit dem Wurzelmantra auf das Kultbild die Vergegenwärtigung vollzogen hat
dhyātvā devaṃ yathoditam
nachdem man den Gott wie beschrieben meditiert hat

āvāhā pūjayetasyāṃ parivāragaṇaiḥ saha / śālagrāme sthāpitāyāṃ nāvāhanavisarjane

verehre man (ihn), nachdem man ihn herbeigerufen hat, zusammen mit den Scharen des Gefolges; bei einem in einem Śālagrāma aufgestellten (Gott) gibt es keine Herbeirufung und Entlassung.

Wort für Wort
āvāhya pūjayetasyāṃ
nachdem man ihn herbeigerufen hat, verehre man (ihn) in ihm
parivāragaṇaiḥ saha
zusammen mit den Scharen des Gefolges
śālagrāme sthāpitāyāṃ
bei einem im Śālagrāma aufgestellten (Gott)
nāvāhanavisarjane
gibt es keine Herbeirufung und Entlassung

puṣpāñjaliṃ samādāya dhyātvā mantramudīrayet

Nachdem man eine Handvoll Blumen ergriffen und meditiert hat, spreche man das Mantra:

Wort für Wort
puṣpāñjaliṃ samādāya
nachdem man eine Handvoll Blumen ergriffen hat
dhyātvā mantramudīrayet
und meditiert hat, spreche man das Mantra

ātmasaṃsthamajaṃ śuddhaṃ tvāmahaṃ parameśvara / araṇyāmiva havyāśaṃ mūrtāvāvāhayāmyaham

"Dich, im Selbst befindlich, ungeboren, rein, dich, o höchster Herr - wie das Feuer aus dem Reibholz - lade ich in die Gestalt (des Kultbilds) ein.

Wort für Wort
ātmasaṃsthamajaṃ śuddhaṃ
im Selbst befindlich, ungeboren, rein
tvāmahaṃ parameśvara
dich, ich, o höchster Herr
araṇyāmiva havyāśaṃ
wie das Feuer aus dem Reibholz
mūrtāvāvāhayāmyaham
lade ich in die Gestalt ein

taveyaṃ hi mahāmūrtistasyāṃ tvāṃ sarvagaṃ prabho / bhaktirevahasamākṛṣṭaṃ dīpavatsthāpayāmyaham

Dies ist fürwahr deine große Gestalt; in ihr (lade ich) dich, den Allgegenwärtigen, o Herr - allein von Hingabe herbeigezogen, wie eine Lampe (an einer anderen), stelle ich (dich) auf.

Wort für Wort
taveyaṃ hi mahāmūrtiḥ
dies ist fürwahr deine große Gestalt
tasyāṃ tvāṃ sarvagaṃ prabho
in ihr dich, den Allgegenwärtigen, o Herr
bhaktirevahasamākṛṣṭaṃ
allein von Hingabe herbeigezogen
dīpavatsthāpayāmyaham
stelle ich (dich) wie eine Lampe (an einer anderen) auf

sarvāntaryāmiṇe devaṃ sarvabījamaya śubham / ravātmasthaāya paraṃ śuddhamāsanaṃ kalpayāvyaham

Dem inneren Lenker (Antaryāmin) von allem, dem aus allen Samen bestehenden, glückverheißenden Gott - dir, im Selbst der Sonne weilend, dem höchsten, bereite ich einen reinen Sitz.

Wort für Wort
sarvāntaryāmiṇe devaṃ
dem inneren Lenker von allem, dem Gott
sarvabījamaya śubham
dem aus allen Samen bestehenden, glückverheißenden
ravātmasthāya param
dir, im Selbst der Sonne weilend, dem höchsten
śuddhamāsanaṃ kalpayāmyaham
bereite ich einen reinen Sitz

ananyā tava deveśa mūrtiśaktiriyaṃ prabho / sāṃnidhyaṃ kuru tasyāṃ tvaṃ bhaktānugrāhakāraka

Nicht verschieden von dir, o Herr der Götter, ist diese Gestalt-Kraft (Mūrtiśakti), o Herr; nimm du Gegenwart (Sāṃnidhya) in ihr ein, o du, der du deinen Verehrern Gnade gewährst.

Wort für Wort
ananyā tava deveśa
nicht verschieden von dir, o Herr der Götter
mūrtiśaktiriyaṃ prabho
(ist) diese Gestalt-Kraft, o Herr
sāṃnidhyaṃ kuru tasyāṃ tvaṃ
nimm du Gegenwart in ihr ein
bhaktānugrāhakāraka
o du, der du deinen Verehrern Gnade gewährst

ajñānājuca mattattvādvaikalyātsādhanasya ca / yadyapūrṇaṃ bhavetkalpaṃ katathāpyabhimukho bhava

Sei du dennoch (mir) zugewandt für dies, was aus Unwissenheit oder aus meiner Verwirrung oder aus Mangelhaftigkeit des Vollzugsmittels unvollständig sein sollte am Ritual,

Wort für Wort
ajñānājuca mattattvādvaikalyātsādhanasya ca
aus Unwissenheit, oder aus meiner Verwirrung [?], oder aus Mangelhaftigkeit des Vollzugsmittels
yadyapūrṇaṃ bhavetkalpaṃ
was auch immer am Ritual unvollständig sein sollte
katathāpyabhimukho bhava
sei du dennoch (mir) zugewandt

dṛśā pūyūṣavarṣiṇyā pūrayanyajñaviṣṭare / mūrtauṃ vā yajñasaṃpūrtyai sthito bhava maheśvara

mit nektarregnendem Blick den Opfersitz erfüllend, sei gegenwärtig, o großer Herr, im Kultbild oder zur Vollendung des Opfers.

Wort für Wort
dṛśā pūyūṣavarṣiṇyā
mit nektarregnendem Blick
pūrayanyajñaviṣṭare
den Opfersitz erfüllend
mūrtauṃ vā yajñasaṃpūrtyai
im Kultbild, oder zur Vollendung des Opfers
sthito bhava maheśvara
sei gegenwärtig, o großer Herr

abhaktavāṅmanaścakṣuḥ śrotradūrāyitadyute / svatejaḥ pañjareṇāśu veṣṭito bhava sarvataḥ

O du, dessen Glanz von Rede, Denken, Auge und Ohr des Nicht-Ergebenen fern gehalten wird - sei du sogleich von allen Seiten mit dem Käfig deines eigenen Glanzes umgeben.

Wort für Wort
abhaktavāṅmanaścakṣuḥ śrotradūrāyitadyute
o du, dessen Glanz von Rede, Denken, Auge, Ohr des Nicht-Ergebenen fern gehalten wird
svatejaḥ pañjareṇāśu
mit dem Käfig deines eigenen Glanzes, sogleich
veṣṭito bhava sarvataḥ
sei umgeben von allen Seiten

yasya darśanāmicchanti devāḥ svābhīṣṭasiddhaye / tasmai te parameśāya svāgataṃ svāgataṃ ca me

Dessen Anblick die Götter zur Erlangung ihres eigenen Wunsches begehren - dir, jenem höchsten Herrn, willkommen, willkommen von mir!

Wort für Wort
yasya darśanāmicchanti
dessen Anblick begehren
devāḥ svābhīṣṭasiddhaye
die Götter, zur Erlangung ihres eigenen Wunsches
tasmai te parameśāya
dir, jenem höchsten Herrn
svāgataṃ svāgataṃ ca me
willkommen, willkommen von mir

kṛtārtho 'nugṛhīto 'smi saphalaṃ jīvitaṃ mama / āgato devadeveśaḥ sukhāgatamidaṃ punaḥ

Ich bin am Ziel angelangt, begnadet bin ich, fruchtbar ist mein Leben geworden - der Herr der Götter-Herren ist gekommen; willkommen abermals!

Wort für Wort
kṛtārtho 'nugṛhīto 'smi
ich bin am Ziel angelangt, begnadet bin ich
saphalaṃ jīvitaṃ mama
fruchtbar ist mein Leben geworden
āgato devadeveśaḥ
gekommen ist der Herr der Götter-Herren
sukhāgatamidaṃ punaḥ
willkommen abermals

yadbhaktileptasaṃparkātparamānandasaṃbhavaḥ / tasmai me paraṇābjāya pādyaṃ śuddhāya kalpyate

Durch dessen Berührung mit einer Spur der Hingabe höchste Wonne entsteht - für ihn, meinen erhabensten (Lotos-Füßigen), wird das reine Fußwasser bereitet.

Wort für Wort
yadbhaktileptasaṃparkāt
durch dessen Berührung mit einer Spur der Hingabe
paramānandasaṃbhavaḥ
höchste Wonne entsteht
tasmai me paraṇābjāya
für ihn, meinen erhabensten (Lotos-Füßigen)
pādyaṃ śuddhāya kalpyate
wird das reine Fußwasser bereitet

vedānāmapi vedāya devānāṃ devatātmane / ācāmaṃ kalpayāmīśa śuddhānāṃ śuddhihetave

Dem selbst Veda der Veden, dem Selbst der Göttlichkeit der Götter - ich bereite Mundspülwasser, o Herr, zum Zwecke der Reinigung der Reinen.

Wort für Wort
vedānāmapi vedāya
dem selbst Veda der Veden
devānāṃ devatātmane
dem Selbst der Göttlichkeit der Götter
ācāmaṃ kalpayāmīśa
ich bereite Mundspülwasser, o Herr
śuddhānāṃ śuddhihetave
zum Zwecke der Reinigung der Reinen

tāpatrayahara divyaṃ paramānandalakṣaṇam / tāpatrayavinirmuktyai tavārghyaṃ kalpayāmyaham

Dem Vernichter der dreifachen Qual, dem Göttlichen, gekennzeichnet von höchster Wonne - zur Befreiung von der dreifachen Qual bereite ich dir die Arghya(-Gabe).

Wort für Wort
tāpatrayahara divyaṃ
dem Vernichter der dreifachen Qual, dem Göttlichen
paramānandalakṣaṇam
gekennzeichnet von höchster Wonne
tāpatrayavinirmuktyai
zur Befreiung von der dreifachen Qual
tavārghyaṃ kalpayāmyaham
bereite ich dir die Arghya(-Gabe)

sarvakāluṣyahīnāya paripūrṇasukhātmane / madhuparkamidaṃ deva kalpayāmi prasīda me

Für den, der frei von aller Trübung ist, dessen Selbst vollkommene Wonne ist - diesen Madhuparka, o Gott, bereite ich; sei mir gnädig.

Wort für Wort
sarvakāluṣyahīnāya
für den, der frei von aller Trübung ist
paripūrṇasukhātmane
dessen Selbst vollkommene Wonne ist
madhuparkamidaṃ deva kalpayāmi
diesen Madhuparka, o Gott, bereite ich
prasīda me
sei mir gnädig

avacchiṣṭo 'pyaśucirvāpi yasya smaraṇamātrataḥ / śuddhimāpnoti tasmai te punarācamanīyakam

Für den, durch dessen bloßes Gedenken auch ein von Speiseresten Behafteter oder Unreiner Reinheit erlangt - für ihn (bereite ich) wiederum das Mundspülwasser.

Wort für Wort
avacchiṣṭo 'pyaśucirvāpi
auch ein von Speiseresten Behafteter oder Unreiner
yasya smaraṇamātrataḥ
durch dessen bloßes Gedenken
śuddhimāpnoti tasmai te
Reinheit erlangt - für dich, ihn
punarācamanīyakam
(bereite ich) wiederum das Mundspülwasser

snehaṃ gṛhāṇa snehena lokanātha mahāśaya / sarvalokeṣu śuddhātmandadāmi snehamuttamam

Nimm Öl mit Zuneigung an, o Herr der Welten, Großmütiger; in allen Welten, o reiner Seele, gebe ich (dir) das vortrefflichste Öl (der Hingabe).

Wort für Wort
snehaṃ gṛhāṇa snehena
nimm Öl mit Zuneigung an
lokanātha mahāśaya
o Herr der Welten, Großmütiger
sarvalokeṣu śuddhātmandadāmi
in allen Welten, o reiner Seele, gebe ich
snehamuttamam
das vortrefflichste Öl

[Anm.: Wortspiel mit "sneha", das zugleich "Öl" und "Zuneigung" bedeutet.]

paramānandabodhābdhinimagnanijamūrtaye / sāṃgopāṅgamidaṃ snānaṃ kalpayāmyahamīśa te / sahasraṃ vā śataṃ vāpi yathāśaktyādareṇa ca

Für dich, dessen eigene Gestalt im Ozean von höchster Wonne und Erkenntnis versunken ist - dieses Bad zusammen mit (deinen) Haupt- und Nebengliedern bereite ich dir, o Herr; tausendmal oder auch hundertmal, nach Vermögen und mit Ehrfurcht -

Wort für Wort
paramānandabodhābdhinimagnanijamūrtaye
für dich, dessen eigene Gestalt im Ozean höchster Wonne und Erkenntnis versunken ist
sāṃgopāṅgamidaṃ snānaṃ
dieses Bad zusammen mit Haupt- und Nebengliedern
kalpayāmyahamīśa te
bereite ich dir, o Herr
sahasraṃ vā śataṃ vāpi yathāśaktyādareṇa ca
tausendmal oder auch hundertmal, nach Vermögen und mit Ehrfurcht

gandhapuṣpādikairīśa manunāṃ cābhiṣiñcet

mit Duftstoff, Blumen usw., o Herr, und mit den Mantras besprenge man (den Gott).

Wort für Wort
gandhapuṣpādikairīśa
mit Duftstoff, Blumen usw., o Herr
manunāṃ cābhiṣiñcet
und mit den Mantras besprenge man

māyāci trapaṭacchannanijaguhyorutejase / nirāvaraṇavijñāna vāsaste kalpayāmyaham

[Vers stark verderbt überliefert] ... o du von unverhülltem Wissen, ich bereite dir das Gewand.

Wort für Wort
māyāci trapaṭacchannanijaguhyorutejase
(verderbte Stelle) [?]
nirāvaraṇavijñāna
o du von unverhülltem Wissen
vāsaste kalpayāmyaham
ich bereite dir das Gewand

[Anm.: Vers 54a ("māyāci trapaṭacchannanijaguhyorutejase") ist stark entstellt überliefert; sichere Rekonstruktion nicht möglich [?].]

yamāśritya ma hāmāyā jagatsaṃmohinī sadā / tasmai te parameśāya kalpayāmyuttarīyakam

Auf wen gestützt die große Māyā die Welt stets betört - dir, jenem höchsten Herrn, bereite ich das Übergewand.

Wort für Wort
yamāśritya mahāmāyā
auf wen gestützt die große Māyā
jagatsaṃmohinī sadā
die Welt stets betört
tasmai te parameśāya
dir, jenem höchsten Herrn
kalpayāmyuttarīyakam
bereite ich das Übergewand

raktaṃ śaktyarkavighneṣu pītaṃviṣṇau sitaṃ śive / tailādidūṣitaṃ jīrṇaṃ sacchidraṃ malinaṃ tyajet

Rot für Śakti, die Sonne und Vighna(-eśa); gelb für Viṣṇu, weiß für Śiva. Ein mit Öl usw. beflecktes, abgetragenes, löchriges, schmutziges (Gewand) verwerfe man.

Wort für Wort
raktaṃ śaktyarkavighneṣu
rot für Śakti, die Sonne und Vighna(-eśa)
pītaṃviṣṇau sitaṃ śive
gelb für Viṣṇu, weiß für Śiva
tailādidūṣitaṃ jīrṇaṃ
mit Öl usw. beflecktes, abgetragenes
sacchidraṃ malinaṃ tyajet
löchriges, schmutziges verwerfe man

yasya śaktitrayeṇadaṃ saṃprītamakhilaṃ jagat / yajñasūtrāya tasmai te yajñasūtraṃ prakalpaye

Durch dessen dreifache Kraft diese ganze Welt erfreut wird - dir, dem heiligen Opferschnur-Selbst, bereite ich die heilige Schnur (Yajñopavīta).

Wort für Wort
yasya śaktitrayeṇadaṃ
durch dessen dreifache Kraft diese
saṃprītamakhilaṃ jagat
ganze Welt erfreut wird
yajñasūtrāya tasmai te
dir, dem heiligen Opferschnur-(Selbst)
yajñasūtraṃ prakalpaye
bereite ich die heilige Schnur

svabhāvasundarāṅgāya nānāśaktyāśrayāya te / bhūṣaṇāni vicitrāṇi kalpayāmyamarārcita

Für dich, dessen Glieder von Natur aus schön sind, den Zufluchtsort mannigfacher Kräfte - bereite ich vielfältigen Schmuck, o du, von den Unsterblichen Verehrter.

Wort für Wort
svabhāvasundarāṅgāya
für dich, dessen Glieder von Natur aus schön sind
nānāśaktyāśrayāya te
für dich, den Zufluchtsort mannigfacher Kräfte
bhūṣaṇāni vicitrāṇi
vielfältigen Schmuck
kalpayāmyamarārcita
bereite ich, o du von den Unsterblichen Verehrter

paramānandasaurabhyaparipūrṇadigantaram / gṛhāṇa parama gandha kṛpayā parameśvara

Den Duft höchster Wonne, dessen Wohlgeruch den ganzen Horizont erfüllt - nimm (ihn) an, o höchster Duft (selbst), aus Gnade, o höchster Herr.

Wort für Wort
paramānandasaurabhyaparipūrṇadigantaram
den Duft höchster Wonne, dessen Wohlgeruch den ganzen Horizont erfüllt
gṛhāṇa parama gandha
nimm an, o höchster Duft
kṛpayā parameśvara
aus Gnade, o höchster Herr

turīyavanasaṃbhūtaṃ nānāguṇamanoharam / amandasaurabhapuṣpaṃ gṛhyatāmidamuttamam / japākṣatārkadhattūrānviṣṇau naivārpayetkvacit

Diese im vierten Zustand (Turīya) entsprungene, mit mannigfacher Eigenschaft bezaubernde, an reichem Wohlgeruch nicht arme Blume - möge sie, die vortreffliche, angenommen werden; Hibiskus, ungeschälten Reis, Arka- und Dhattūra-Blüten biete man Viṣṇu niemals dar.

Wort für Wort
turīyavanasaṃbhūtaṃ
im vierten Zustand (Turīya) entsprungene, im Wald entsprungene
nānāguṇamanoharam
mit mannigfacher Eigenschaft bezaubernde
amandasaurabhapuṣpaṃ gṛhyatāmidamuttamam
an reichem Wohlgeruch nicht arme Blume, diese vortreffliche möge angenommen werden
japākṣatārkadhattūrānviṣṇau naivārpayetkvacit
Hibiskus, ungeschälten Reis, Arka- und Dhattūra(-Blüten) biete man Viṣṇu niemals dar

ketakīṃ kuṭajaṃ kundaṃ bandhūkaṃ kesaraṃ japām / mālatīpuṣpaka caiva nārpayettu maheśvare

Ketakī, Kuṭaja, Kunda, Bandhūka, Kesara, Hibiskus, und auch die Mālatī-Blüte - biete man Maheśvara (Śiva) nicht dar.

Wort für Wort
ketakīṃ kuṭajaṃ kundaṃ
Ketakī, Kuṭaja, Kunda
bandhūkaṃ kesaraṃ japām
Bandhūka, Kesara, Hibiskus
mālatīpuṣpaka caiva
und auch die Mālatī-Blüte
nārpayettu maheśvare
biete man Maheśvara nicht dar

mātuliṅgaṃ ca tagaraṃ ravau naivārpayetkvacit / śaktau dūrvārkamandārān gaṇeśe tulasīṃ tyajet

Zitronatzitrone (Mātuliṅga) und Tagara biete man der Sonne niemals dar; Dūrvā, Arka, Mandāra (meide man) für Śakti, Tulasī meide man für Gaṇeśa.

Wort für Wort
mātuliṅgaṃ ca tagaraṃ
Zitronatzitrone und Tagara
ravau naivārpayetkvacit
biete man der Sonne niemals dar
śaktau dūrvārkamandārān
für Śakti Dūrvā, Arka, Mandāra (meide man)
gaṇeśe tulasīṃ tyajet
für Gaṇeśa meide man Tulasī

sarojinīdamanakau tathā marubakaḥ kuśaḥ / viṣṇukrāntā nāgavallī dūrvāpāmārgadāḍimau

Lotos, Damanaka, ebenso Marubaka (Majoran), Kuśa-Gras, Viṣṇukrāntā, Betelblatt (Nāgavallī), Dūrvā, Apāmārga und Granatapfel -

Wort für Wort
sarojinīdamanakau tathā
Lotos, Damanaka, ebenso
marubakaḥ kuśaḥ
Marubaka, Kuśa-Gras
viṣṇukrāntā nāgavallī
Viṣṇukrāntā, Betelblatt
dūrvāpāmārgadāḍimau
Dūrvā, Apāmārga, Granatapfel

dhātrī muniyutānāṃ ca patrairdevārcanaṃ caret / kadalī badarī dhātrī tintiṇī bījapūrakam

mit den Blättern der Āmalaka (Dhātrī), zusammen mit denen der "Muni"(-Pflanze) [?], vollziehe man die Gottesverehrung; (auch mit Blättern von) Banane, Jujube, Āmalaka, Tamarinde, Zitrone (Bījapūraka),

Wort für Wort
dhātrī muniyutānāṃ ca
der Āmalaka, zusammen mit der "Muni"(-Pflanze) [?]
patrairdevārcanaṃ caret
mit den Blättern vollziehe man die Gottesverehrung
kadalī badarī dhātrī
Banane, Jujube, Āmalaka
tintiṇī bījapūrakam
Tamarinde, Zitrone

[Anm.: "muni" als Pflanzenname unsicher [?].]

āmradāḍimajaṃbīrajaṃbūpanasabhūruhāḥ / eteṣāṃ tu phalaiḥ kuryāddevatāpūjanaṃ budhaḥ

Mango-, Granatapfel-, Zitronen-, Jambu-, Jackfrucht- und Brotfruchtbäume - mit den Früchten dieser vollziehe der Weise die Verehrung der Gottheit.

Wort für Wort
āmradāḍimajaṃbīrajaṃbūpanasabhūruhāḥ
Mango-, Granatapfel-, Zitronen-, Jambu-, Jackfrucht- (und) Brotfruchtbäume
eteṣāṃ tu phalaiḥ kuryāt
mit den Früchten dieser vollziehe
devatāpūjanaṃ budhaḥ
der Weise die Verehrung der Gottheit

śuṣkaistu nārcayeddevaṃ patraiḥ puṣpaiḥ phalairapi

Mit vertrockneten Blättern, Blumen oder auch Früchten verehre man den Gott nicht.

Wort für Wort
śuṣkaistu nārcayeddevaṃ
mit vertrockneten (Dingen) aber verehre man den Gott nicht
patraiḥ puṣpaiḥ phalairapi
mit Blättern, Blumen oder auch Früchten

dhātrī khadirabitvānāṃ tamālasya dalāni ca / chinnabhinnānyapi mune na dūṣyāṇi jagurbudhāḥ

Die Blätter der Āmalaka, der Khadira, der Bilva und der Tamāla sind, auch wenn zerschnitten oder zerbrochen, nicht als fehlerhaft (zu betrachten) - so haben es die Weisen gelehrt, o Muni.

Wort für Wort
dhātrī khadirabitvānāṃ
der Āmalaka, Khadira, Bilva
tamālasya dalāni ca
und der Tamāla Blätter
chinnabhinnānyapi mune
auch zerschnittene, zerbrochene, o Muni
na dūṣyāṇi jagurbudhāḥ
sind nicht fehlerhaft, so haben die Weisen gelehrt

padmamāmalakaṃ tiṣṭecchuddhaṃ caiva dinatrayam / sarvadā tulasī śuddhā bilvapatrāṇi vai tathā

Lotos und Āmalaka bleiben rein drei Tage lang; stets rein ist Tulasī, und ebenso die Bilva-Blätter.

Wort für Wort
padmamāmalakaṃ tiṣṭecchuddhaṃ
Lotos, Āmalaka bleiben rein
caiva dinatrayam
drei Tage lang
sarvadā tulasī śuddhā
stets rein ist Tulasī
bilvapatrāṇi vai tathā
und ebenso fürwahr die Bilva-Blätter

palāśakāśakusumaistamālatulasīdalaiḥ / chātrīdalaiśca dūrvābhirnārcayejjagadaṃbikām

Mit Palāśa- und Kāśa-Blüten, mit Tamāla- und Tulasī-Blättern, mit "Chātrī"-Blättern [?] und mit Dūrvā verehre man die Weltmutter (Jagadambā) nicht.

Wort für Wort
palāśakāśakusumaistamālatulasīdalaiḥ
mit Palāśa- und Kāśa-Blüten, mit Tamāla- und Tulasī-Blättern
chātrīdalaiśca dūrvābhiḥ
mit "Chātrī"-Blättern [?] und mit Dūrvā
nārcayejjagadaṃbikām
verehre man die Weltmutter nicht

[Anm.: "chātrīdalaiḥ" Pflanzenbezeichnung unsicher [?].]

nārpayetkusumaṃ patraṃ phalaṃ deve hyadhomukham / puṣpapatrādikaṃ vipra yathotpannaṃ tathārpayet

Man biete Blume, Blatt (oder) Frucht dem Gott nicht mit der Öffnung nach unten dar; Blumen, Blätter usw., o Brahmane, biete man so dar, wie sie gewachsen sind.

Wort für Wort
nārpayetkusumaṃ patraṃ phalaṃ
man biete Blume, Blatt, Frucht nicht dar
deve hyadhomukham
dem Gott mit der Öffnung nach unten
puṣpapatrādikaṃ vipra
Blumen, Blätter usw., o Brahmane
yathotpannaṃ tathārpayet
wie sie gewachsen sind, so biete man dar

vanaspatirasaṃ divyaṃ gandhāḍhyaṃ sumanoharam / āghreyaṃ devadeveśa dhūpaṃ bhaktyā gṛhāma me

"Diesen göttlichen Baumsaft, reich an Duft, überaus bezaubernd, riechwürdig, o Herr der Götter-Herren - nimm mit Hingabe diesen Weihrauch von mir an.

Wort für Wort
vanaspatirasaṃ divyaṃ
diesen göttlichen Baumsaft
gandhāḍhyaṃ sumanoharam
reich an Duft, überaus bezaubernd
āghreyaṃ devadeveśa
riechwürdig, o Herr der Götter-Herren
dhūpaṃ bhaktyā gṛhāṇa me
nimm mit Hingabe diesen Weihrauch von mir an

suprakāśaṃ mahādīpaṃ sarvadā timirāpaham / ghṛtavartisamāyuktaṃ gṛhāṇa mama satkṛtam

Nimm diese hell leuchtende große Lampe an, die allzeit die Finsternis vertreibt, mit Ghee-Docht versehen, meine gute Gabe.

Wort für Wort
suprakāśaṃ mahādīpaṃ
diese hell leuchtende große Lampe
sarvadā timirāpaham
die allzeit die Finsternis vertreibt
ghṛtavartisamāyuktaṃ
mit Ghee-Docht versehen
gṛhāṇa mama satkṛtam
nimm meine gute Gabe an

annaṃ caturvidhaṃ svādu rasaiḥ ṣaḍbhiḥ samanvitam / bhaktyā gṛhāṇa me deva naivedyantuṣṭidaṃsadā

Diese Speise vierfacher Art, wohlschmeckend, mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen, nimm mit Hingabe an, o Gott; diese Speisegabe (Naivedya) gewährt stets Zufriedenheit.

Wort für Wort
annaṃ caturvidhaṃ svādu
Speise vierfacher Art, wohlschmeckend
rasaiḥ ṣaḍbhiḥ samanvitam
mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen
bhaktyā gṛhāṇa me deva
nimm mit Hingabe von mir an, o Gott
naivedyantuṣṭidaṃsadā
diese Speisegabe gewährt stets Zufriedenheit

nāgavallīdalaṃ śreṣṭhaṃ pūgakhadiracūrṇayuk / karpūrādisugandhāḍhyaṃ yaddattaṃ tadgṛhāṇa me

Das vortrefflichste Betelblatt (Nāgavallī), versehen mit Areka- und Katechupulver, reich duftend mit Kampfer usw. - was auch gegeben wird, nimm das von mir an.

Wort für Wort
nāgavallīdalaṃ śreṣṭhaṃ
das vortrefflichste Betelblatt
pūgakhadiracūrṇayuk
versehen mit Areka- und Katechupulver
karpūrādisugandhāḍhyaṃ
reich duftend mit Kampfer usw.
yaddattaṃ tadgṛhāṇa me
was gegeben wird, nimm das von mir an

dadyātpuṣpāñjaliṃ paścātkuryādāvaraṇārcanam

Dann gebe man eine Handvoll Blumen dar, und danach vollziehe man die Verehrung der Umgebung (Āvaraṇārcana).

Wort für Wort
dadyātpuṣpāñjaliṃ paścāt
dann gebe man eine Handvoll Blumen
kuryādāvaraṇārcanam
(und) vollziehe man die Verehrung der Umgebung

yadāśābhimukho bhūtvā pūjanaṃ tu samācaret / saiva prācī tu vijñeyā tato 'nyā vidiśo daśa

In welche Richtung man, sich ihr zuwendend, die Verehrung vollzieht - eben diese sei als "Osten" (Prācī) zu erkennen; von daher (ergeben sich) die anderen neun (Neben-)Richtungen.

Wort für Wort
yadāśābhimukho bhūtvā
in welche Richtung man sich zuwendend
pūjanaṃ tu samācaret
die Verehrung vollzieht
saiva prācī tu vijñeyā
eben diese sei als Osten zu erkennen
tato 'nyā vidiśo daśa
von daher (ergeben sich) die anderen neun Richtungen

keśareṣvagnikoṇādi hṛdayādīni pūjayet / netramagre dikṣu cāstraṃ aṅgamantrairyathākramam

Auf den Staubblättern (des Lotos-Yantra), beginnend in der Feuer(-südöstlichen) Ecke, verehre man die mit "Herz" beginnenden (Gliedmaßengottheiten); das "Auge" vorn, und in den (vier Haupt-)Richtungen das Astra(-Mantra), mit den Glieder-Mantras der Reihe nach.

Wort für Wort
keśareṣvagnikoṇādi
auf den Staubblättern, beginnend in der Feuer(-südöstlichen) Ecke
hṛdayādīni pūjayet
verehre man die mit "Herz" beginnenden (Gottheiten)
netramagre dikṣu cāstraṃ
das "Auge" vorn, und in den Richtungen das Astra(-Mantra)
aṅgamantrairyathākramam
mit den Glieder-Mantras der Reihe nach

śuklaśvetasitaśyāmakṛṣṇaraktārciṣaḥ kramāt / varābhayakarā dhyeyāḥ svasvadikṣvaṃ gaśaktayaḥ

Weiß, weiß, blauschwarz, dunkel, schwarz (und) rot leuchtend, der Reihe nach; mit der Hand die Gewährungs- und Furchtlosigkeits-Gebärde machend, seien die Glieder-Śaktis, jede in ihrer eigenen Richtung, zu meditieren.

Wort für Wort
śuklaśvetasitaśyāmakṛṣṇaraktārciṣaḥ kramāt
weiß, weiß, blauschwarz, dunkel, schwarz, rot leuchtend, der Reihe nach
varābhayakarā dhyeyāḥ
mit Gewährungs- und Furchtlosigkeits-Gebärde in der Hand seien sie zu meditieren
svasvadikṣvaṃgaśaktayaḥ
(als) Glieder-Śaktis, jede in ihrer eigenen Richtung

[Anm.: "śukla" und "śveta" (beide "weiß") erscheinen nebeneinander; möglicherweise Textredundanz in der Quelle.]

amukāvaraṇānte tu devatā iti saṃvadet / sālaṅkārāstataḥ paścātsāṃgāḥ saparicārikāḥ

Am Ende (des Mantras für) die Umgebung von Soundso spreche man "der Gottheit"; dann (verehre man sie) mit Schmuck versehen, zusammen mit ihren Gliedmaßen, zusammen mit ihren Dienerinnen,

Wort für Wort
amukāvaraṇānte tu
am Ende (des Mantras für) die Umgebung von Soundso aber
devatā iti saṃvadet
spreche man "der Gottheit"
sālaṅkārāstataḥ paścāt
dann danach mit Schmuck versehen
sāṃgāḥ saparicārikāḥ
zusammen mit ihren Gliedmaßen, zusammen mit ihren Dienerinnen

savāhanāḥ sāyudhāśca tataḥ sarvo pacārakaiḥ / saṃpūjitāstarpitāśca varadāḥ saṃtvidaṃ paṭhet

zusammen mit ihren Reittieren und Waffen; dann, verehrt und gesättigt mit allen Dienstleistungen, werden sie zu Gewährern von Segen - dies rezitiere man.

Wort für Wort
savāhanāḥ sāyudhāśca
zusammen mit ihren Reittieren und Waffen
tataḥ sarvopacārakaiḥ
dann mit allen Dienstleistungen
saṃpūjitāstarpitāśca
verehrt und gesättigt
varadāḥ saṃtvidaṃ paṭhet
werden sie zu Segensgewährern - dies rezitiere man

mūlānte ca samuñcārya divatāyai nivedayet / abhīṣṭasiddhiṃ me dehi śaraṇāgatavatsala

Und nachdem man (dies) am Ende des Wurzelmantras ausgesprochen hat, präsentiere man es der Gottheit: "Gewähre mir die Erfüllung meines Wunsches, o du, der Zuflucht Suchenden Zugeneigter!"

Wort für Wort
mūlānte ca samuñcārya
und am Ende des Wurzelmantras ausgesprochen habend
divatāyai nivedayet
präsentiere man es der Gottheit
abhīṣṭasiddhiṃ me dehi
gewähre mir die Erfüllung meines Wunsches
śaraṇāgatavatsala
o du, der Zuflucht Suchenden Zugeneigter

bhaktayā samarpaye tubhyamamukāvaraṇārcanam / ityuñcārya kṣipetpuṣpāñjaliṃ devasya mastake

"Mit Hingabe biete ich dir die Verehrung der Umgebung von Soundso dar" - so habe man gesprochen und werfe eine Handvoll Blumen auf das Haupt der Gottheit.

Wort für Wort
bhaktayā samarpaye tubhyam
mit Hingabe biete ich dir dar
amukāvaraṇārcanam
die Verehrung der Umgebung von Soundso
ityuñcārya kṣipetpuṣpāñjaliṃ
so habe man gesprochen und werfe eine Handvoll Blumen
devasya mastake
auf das Haupt der Gottheit

tatastvabhyarcyanīyāḥ syuḥ kalpoktāścāvṛtīḥ kramāt / sāyudhāṃstata indrādyānsvasvadikṣu prapūjayet

Dann sind die im Ritualwerk genannten weiteren Umkreisungen (Āvṛtis) der Reihe nach zu verehren; danach verehre man, jeden in seiner eigenen Richtung, Indra und die anderen (Weltenhüter) mit ihren Waffen.

Wort für Wort
tatastvabhyarcyanīyāḥ syuḥ
dann sind zu verehren
kalpoktāścāvṛtīḥ kramāt
die im Ritualwerk genannten (weiteren) Umkreisungen der Reihe nach
sāyudhāṃstata indrādyān
(danach) mit ihren Waffen Indra und die anderen
svasvadikṣu prapūjayet
verehre man, jeden in seiner eigenen Richtung

idro vahniryamo rakṣo varuṇaḥ pavano vidhuḥ / īśāno 'tha vidhiścaivamadhastātpanna gādhipaḥ

Indra, Agni, Yama, Rakṣas (Nirṛti), Varuṇa, Vāyu, Soma, Īśāna und dann Vidhi (Brahmā); unten der Herr der Schlangen (Śeṣa/Ananta).

Wort für Wort
idro vahniryamo rakṣo
Indra, Agni, Yama, Rakṣas
varuṇaḥ pavano vidhuḥ
Varuṇa, Vāyu, Soma
īśāno 'tha vidhiścaivam
Īśāna, und dann auch Vidhi (Brahmā)
adhastātpanna gādhipaḥ
unten der Herr der Schlangen

airāvatastathā meṣo mahiṣaḥ pretastimirmṛgaḥ / vājī vṛṣo haṃsakūrmauṃ vāhanāni vidurbudhāḥ

Airāvata, ebenso der Widder, der Büffel, der Leichnam (Preta), der Fisch (und) der Hirsch, das Pferd, der Stier, der Schwan (und) die Schildkröte - als Reittiere kennen sie die Weisen.

Wort für Wort
airāvatastathā meṣo
Airāvata, ebenso der Widder
mahiṣaḥ pretastimirmṛgaḥ
der Büffel, der Leichnam, der Fisch (und) der Hirsch
vājī vṛṣo haṃsakūrmauṃ
das Pferd, der Stier, der Schwan (und) die Schildkröte
vāhanāni vidurbudhāḥ
als Reittiere kennen sie die Weisen

[Anm.: Die Zuordnung der Reittiere zu den einzelnen Weltenhütern (Dikpālas) bleibt in Einzelheiten unsicher, insbesondere bei "timirmṛgaḥ" (Fisch/Hirsch) und "vājī" (Pferd) [?].]

vajraṃ śaktiṃ daṇḍakhaḍgau pāśāṃ kuśagadā api / triśūlaṃ padmacakre ca kramādindrādihetayaḥ

Vajra (Donnerkeil), Śakti (Speer), Stab und Schwert, Schlinge, Haken und Keule ebenso, Dreizack, Lotos und Diskus - dies sind der Reihe nach die Waffen Indras und der anderen (Weltenhüter).

Wort für Wort
vajraṃ śaktiṃ daṇḍakhaḍgau
Vajra, Śakti, Stab und Schwert
pāśāṃ kuśagadā api
Schlinge, Haken und Keule
triśūlaṃ padmacakre ca
Dreizack, Lotos und Diskus
kramādindrādihetayaḥ
der Reihe nach (sind dies) die Waffen Indras und der anderen

samāpyāvaraṇārcāṃ tu devatārārtikaṃ caret / śaṅkhatoyaṃ parikṣipyodvāhurnṛtyan patetkṣitau

Nachdem man die Verehrung der Umgebung vollendet hat, vollziehe man das Lichtschwenken (Ārati) der Gottheit; nachdem man Muschelwasser umher versprengt hat, mag (ein Ergriffener), die Arme erhoben, tanzend, zu Boden fallen.

Wort für Wort
samāpyāvaraṇārcāṃ tu
nachdem man die Verehrung der Umgebung vollendet hat
devatārārtikaṃ caret
vollziehe man das Lichtschwenken der Gottheit
śaṅkhatoyaṃ parikṣipyodvāhurnṛtyan
nachdem man Muschelwasser umher versprengt hat, die Arme erhoben, tanzend
patetkṣitau
mag er zu Boden fallen

daṇḍavañcāpyathotthāya prārthayitvā nije śvaram / dakṣiṇe sthaṇḍilaṃ kṛtvā tatra saṃskāramācaret

Und auch (nachdem er) wie ein Stab (der Länge nach niedergefallen ist), sich dann erhoben und den eigenen Herrn gebeten hat, nachdem man rechts einen Ritualplatz (Sthaṇḍila) bereitet hat, vollziehe man dort die (Feuer-)Weihe.

Wort für Wort
daṇḍavañcāpyathotthāya
und auch, wie ein Stab (gefallen), dann sich erhoben
prārthayitvā nijeśvaram
nachdem man den eigenen Herrn gebeten hat
dakṣiṇe sthaṇḍilaṃ kṛtvā
nachdem man rechts einen Ritualplatz bereitet hat
tatra saṃskāramācaret
vollziehe man dort die Weihe

mūlenekṣaṇamastreṇa prokṣaṇaṃ tāḍanaṃ punaḥ / kuśaistadvarmaṇābhyukṣya pūjya tatra nyasedvasum

Mit dem Wurzelmantra das "Anschauen", mit dem Astra(-Mantra) das Besprengen, wieder das (rituelle) Schlagen; nachdem man mit Kuśa-Gras, mit dem Panzer(-Mantra) besprengt hat, verehrt, lege man dort das Brennholz nieder,

Wort für Wort
mūlenekṣaṇamastreṇa
mit dem Wurzelmantra das Anschauen, mit dem Astra(-Mantra)
prokṣaṇaṃ tāḍanaṃ punaḥ
das Besprengen, wieder das (rituelle) Schlagen
kuśaistadvarmaṇābhyukṣya
nachdem man mit Kuśa-Gras, mit dem Panzer(-Mantra) besprengt hat
pūjya tatra nyasedvasum
verehrt, lege man dort das Brennholz nieder

pradāpya tatra juhuyāddhyātvā caiveṣṭadevatām / mahāvyāhṛtibhiryastu samastābhiścatuṣṭayam

Nachdem man (das Feuer) entzündet hat, opfere man dort, nachdem man den Wunschgott meditiert hat; wer mit allen vier Mahāvyāhṛtis (zugleich opfert),

Wort für Wort
pradāpya tatra juhuyāt
nachdem man entzündet hat, opfere man dort
dhyātvā caiveṣṭadevatām
nachdem man den Wunschgott meditiert hat
mahāvyāhṛtibhiryastu
wer mit den Mahāvyāhṛtis
samastābhiścatuṣṭayam
mit allen vier zugleich (opfert)

juhuyātsarpiṣā bhaktaistilairvā pāyasena vā / saghṛtaiḥ sādhakaśreṣṭhaḥ pañcaviṃśatisaṃkhyayā

opfere mit Ghee, mit gekochtem Reis, mit Sesam oder mit Milchreis, zusammen mit Ghee - der beste der Praktizierenden, in der Zahl von fünfundzwanzig (Opferungen).

Wort für Wort
juhuyātsarpiṣā bhaktaistilairvā pāyasena vā
opfere mit Ghee, mit gekochtem Reis, mit Sesam, oder mit Milchreis
saghṛtaiḥ sādhakaśreṣṭhaḥ
zusammen mit Ghee, der beste der Praktizierenden
pañcaviṃśatisaṃkhyayā
in der Zahl von fünfundzwanzig

punarvyāhṛtibhaghirhutvā gandhādyaiḥ punararcayet / devaṃ saṃyojayenmūrtauṃ tato vahniṃ visarjayet

nachdem man wieder mit den Mahāvyāhṛtis geopfert hat, verehre man wieder mit Duftstoff usw.; man vereinige den Gott (wieder) mit dem (Haupt-)Kultbild, dann entlasse man das Feuer.

Wort für Wort
punarvyāhṛtibhirhutvā
nachdem man wieder mit den Mahāvyāhṛtis geopfert hat
gandhādyaiḥ punararcayet
verehre man wieder mit Duftstoff usw.
devaṃ saṃyojayenmūrtauṃ
man vereinige den Gott mit dem (Haupt-)Kultbild
tato vahniṃ visarjayet
dann entlasse man das Feuer

bho bho vahne mahāśakte sarvakarmaprasādhaka / karmāntare 'pi saṃprāpte sānnidhyaṃ kuru sādaram

"O Agni, o Agni, von großer Kraft, Vollbringer aller Riten - wenn ein weiterer Ritus eintritt, sei du wieder gegenwärtig, mit Ehrfurcht."

Wort für Wort
bho bho vahne mahāśakte
o Agni, o Agni, von großer Kraft
sarvakarmaprasādhaka
Vollbringer aller Riten
karmāntare 'pi saṃprāpte
wenn auch ein weiterer Ritus eintritt
sānnidhyaṃ kuru sādaram
sei du gegenwärtig, mit Ehrfurcht

visṛjyāgnidevatāyai dadyādācamanīyakam / avaśiṣṭena haviṣā gandhapuṣpākṣatānvitam

Nachdem man (es) entlassen hat, gebe man der Feuergottheit das Mundspülwasser, zusammen mit Duftstoff, Blumen (und) ungeschältem Reis, mit dem übriggebliebenen Opfergut.

Wort für Wort
visṛjyāgnidevatāyai
nachdem man es entlassen hat, der Feuergottheit
dadyādācamanīyakam
gebe man das Mundspülwasser
avaśiṣṭena haviṣā
mit dem übriggebliebenen Opfergut
gandhapuṣpākṣatānvitam
zusammen mit Duftstoff, Blumen und ungeschältem Reis

devatāpārṣadebhyo 'pi pūrvoktebhyo baliṃ dadet / ye raudrā raudrakarmāṇo raudrasthānanivāsinaḥ

Auch den zuvor genannten Gefolgsgottheiten (Pārṣadas) der Gottheit gebe man eine Opfergabe (Bali) - denen, die schrecklich sind, schreckliche Taten vollbringen, an schrecklichen Orten wohnen,

Wort für Wort
devatāpārṣadebhyo 'pi
auch den Gefolgsgottheiten der Gottheit
pūrvoktebhyo baliṃ dadet
den zuvor genannten gebe man eine Opfergabe
ye raudrā raudrakarmāṇo
die schrecklich sind, schreckliche Taten vollbringen
raudrasthānanivāsinaḥ
an schrecklichen Orten wohnen

yoginyo hyugrarūpāśca gaṇānāmadhipāśca ye / vighnabhūtāstathā cānye digvidikṣu samāśritāḥga

den Yoginīs, den von schrecklicher Gestalt, und denen, die Herren der Gaṇa-Scharen sind, ebenso den hindernisstiftenden Geistwesen und anderen, die in den (Haupt- und Neben-)Richtungen wohnen -

Wort für Wort
yoginyo hyugrarūpāśca
den Yoginīs, und den von schrecklicher Gestalt
gaṇānāmadhipāśca ye
und denen, die Herren der Gaṇa-Scharen sind
vighnabhūtāstathā cānye
ebenso den hindernisstiftenden Geistwesen und anderen
digvidikṣu samāśritāḥ
die in den (Haupt- und Neben-)Richtungen wohnen

sarve te prītamanasaḥ pratigṛhṇantvimaṃ balim / ityaṣṭadikṣu datvā ca punarbhūtabaliṃ caret

"Sie alle mögen, wohlgesinnten Gemütes, diese Opfergabe annehmen!" - nachdem man so in den acht Himmelsrichtungen gegeben hat, vollziehe man wieder die Opfergabe für die (niederen) Geistwesen.

Wort für Wort
sarve te prītamanasaḥ
sie alle, wohlgesinnten Gemütes
pratigṛhṇantvimaṃ balim
mögen diese Opfergabe annehmen
ityaṣṭadikṣu datvā ca
nachdem man so in den acht Richtungen gegeben hat
punarbhūtabaliṃ caret
vollziehe man wieder die Opfergabe für die Geistwesen

pānīyamamṛtīkṛtya mudrayā dhenusaṃjñayā / devatāyāḥ kare dadyātpunaścācamanīyakam

Nachdem man das Wasser mit der "Kuh" genannten Geste zu Nektar gemacht hat, gebe man (es) in die Hand der Gottheit; und wiederum das Mundspülwasser.

Wort für Wort
pānīyamamṛtīkṛtya
nachdem man das Wasser zu Nektar gemacht hat
mudrayā dhenusaṃjñayā
mit der "Kuh" genannten Geste
devatāyāḥ kare dadyāt
gebe man in die Hand der Gottheit
punaścācamanīyakam
und wiederum das Mundspülwasser

devamudvāsya mūrtisthaṃ punastatraiva yojayet / naivedyaṃ ca tato dadyāttattaducchiṣṭabhojine

Nachdem man den (in der Nebengestalt weilenden) Gott entlassen hat, vereinige man (ihn) wieder eben dort mit dem (Haupt-)Kultbild; dann gebe man die Speisegabe (Naivedya) dem jeweiligen "Esser der Speisereste" (Ucchiṣṭabhojin).

Wort für Wort
devamudvāsya mūrtisthaṃ
nachdem man den (im Wasser weilenden) Gott entlassen hat
punastatraiva yojayet
vereinige man (ihn) wieder eben dort (mit dem Kultbild)
naivedyaṃ ca tato dadyāt
dann gebe man die Speisegabe
tattaducchiṣṭabhojine
dem jeweiligen "Esser der Speisereste"

maheśvarasya caṇḍeśo viṣvaksenastathā hareḥ / caṇḍāṃśustaraṇervaktatuṇḍaścāpi gaṇeśituḥ / śakterucchiṣṭacāṇḍālī proktā ucchiṣṭabhojinaḥ

Caṇḍeśa (ist der Speiserestesser) Maheśvaras, ebenso Viṣvaksena der Haris; "Caṇḍāṃśu" [?] der Sonne, und auch Vaktratuṇḍa [?] des Gaṇeśa; "Ucchiṣṭacāṇḍālī" der Śakti - so werden die Esser der Speisereste genannt.

Wort für Wort
maheśvarasya caṇḍeśo
Caṇḍeśa (ist) Maheśvaras (Speiserestesser)
viṣvaksenastathā hareḥ
ebenso Viṣvaksena der Haris
caṇḍāṃśustaraṇervaktatuṇḍaścāpi gaṇeśituḥ
"Caṇḍāṃśu" [?] der Sonne, und auch "Vaktratuṇḍa" [?] des Gaṇeśa
śakterucchiṣṭacāṇḍālī proktā ucchiṣṭabhojinaḥ
der Śakti "Ucchiṣṭacāṇḍālī" - so werden die Esser der Speisereste genannt

tato ṛṣyādikaṃ smṛtvā kṛtvā mūlaṣaḍaṅgakam / japtvā mantraṃ yathāśakti devatāyai nivedayet

Dann, nachdem man des Ṛṣi usw. gedacht und das Sechsgliederritual des Wurzelmantras vollzogen hat, und nachdem man das Mantra nach Vermögen rezitiert hat, weihe man es der Gottheit:

Wort für Wort
tato ṛṣyādikaṃ smṛtvā
dann, nachdem man des Ṛṣi usw. gedacht hat
kṛtvā mūlaṣaḍaṅgakam
und das Sechsgliederritual des Wurzelmantras vollzogen hat
japtvā mantraṃ yathāśakti
nachdem man das Mantra nach Vermögen rezitiert hat
devatāyai nivedayet
weihe man es der Gottheit

guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam / siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthitā

"Du bist der Hüter des Geheimen und Allergeheimsten; nimm die von uns vollzogene Rezitation an. Vollendung (Siddhi) möge mir werden, o Gott, die durch deine Gnade in dir gegründet ist."

Wort für Wort
guhyātiguhyagoptā tvaṃ
du bist der Hüter des Geheimen und Allergeheimsten
gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam
nimm die von uns vollzogene Rezitation an
siddhirbhavatu me deva
Vollendung möge mir werden, o Gott
tvatprasādāttvayi sthitā
die durch deine Gnade in dir gegründet ist

tataḥ parāṅmukhaṃ cārghaṃ kṛtvā puṣpaiḥ prapūjayet / dorbhyāṃ pabhdyāṃ ca jānubhyāmurasā śirasādṛśā / manasā vacasā ceti praṇāmo 'ṣṭāṅga īritaḥ

Dann, nachdem man sich abgewandt und die (abschließende) Arghya(-Gabe) bereitet hat, verehre man mit Blumen; mit den (beiden) Armen, mit den (beiden) Füßen, mit den (beiden) Knien, mit der Brust, mit dem Haupt zusammen mit den Augen, mit Geist und mit Rede - so wird die achtgliedrige Verneigung genannt.

Wort für Wort
tataḥ parāṅmukhaṃ cārghaṃ
dann, abgewandt, und die Arghya(-Gabe)
kṛtvā puṣpaiḥ prapūjayet
nachdem man bereitet hat, verehre man mit Blumen
dorbhyāṃ pabhdyāṃ ca jānubhyāmurasā śirasādṛśā manasā vacasā ceti
mit den Armen, Füßen, Knien, mit der Brust, dem Haupt zusammen mit den Augen, mit Geist und Rede
praṇāmo 'ṣṭāṅga īritaḥ
so wird die achtgliedrige Verneigung genannt

bāhubhyāṃ ca sajānubhyāṃ śirasā vacasāpi vā / pañcāṅgakaḥ praṇāmaḥ syātpūjāyāṃ pravarāvubhau

Mit den (beiden) Armen zusammen mit den Knien, mit dem Haupt, oder auch mit Rede - dies ist die fünfgliedrige Verneigung; beide sind bei der Verehrung vortrefflich.

Wort für Wort
bāhubhyāṃ ca sajānubhyāṃ
mit den Armen zusammen mit den Knien
śirasā vacasāpi vā
mit dem Haupt, oder auch mit Rede
pañcāṅgakaḥ praṇāmaḥ syāt
dies ist die fünfgliedrige Verneigung
pūjāyāṃ pravarāvubhau
bei der Verehrung sind beide vortrefflich

natvā ca daṇḍavanmantrī tataḥ kuryātpradakṣiṇāḥ / viṣmusomārkavighnānāṃ vedārdhendvadrivahnayaḥ

Und nachdem der Mantra-Kundige sich wie ein Stab niedergeworfen hat, vollziehe er sodann Umkreisungen (Pradakṣiṇā); für Viṣṇu, Soma, die Sonne (und) Vighna(-eśa) - (die Zahl entspricht) den Veden, dem Halbmond, den Bergen (und) den Feuern.

Wort für Wort
natvā ca daṇḍavanmantrī
und nachdem der Mantra-Kundige sich wie ein Stab niedergeworfen hat
tataḥ kuryātpradakṣiṇāḥ
vollziehe er sodann Umkreisungen
viṣmusomārkavighnānāṃ
für Viṣṇu, Soma, Sonne, Vighna(-eśa)
vedārdhendvadrivahnayaḥ
(entsprechend) den Veden, dem Halbmond, den Bergen, den Feuern

[Anm.: Die Verse geben die Anzahl der Umkreisungen in codierter Zahlensymbolik (Bhūtasaṃkhyā) an: Veda=4, Ardhendu (Halbmond)=8[?], Adri (Berge)=7, Vahni (Feuer)=3; genaue Zuordnung zu den vier genannten Gottheiten bleibt im Detail unsicher [?].]

tataḥ stotrādikaṃ mantrī prapaṭhe dbhaktipūrvakam / itaḥ pūrṇaṃ prāṇabuddhidehadharmādhikārataḥ

Dann rezitiere der Mantra-Kundige Loblieder (Stotras) usw. mit Hingabe; von hier an das Vollständige, aufgrund der Zuständigkeit von Atem, Verstand, Körper und Pflicht (Dharma),

Wort für Wort
tataḥ stotrādikaṃ mantrī
dann Loblieder usw. der Mantra-Kundige
prapaṭhedbhaktipūrvakam
rezitiere mit Hingabe
itaḥ pūrṇaṃ
von hier an das Vollständige
prāṇabuddhidehadharmādhikārataḥ
aufgrund der Zuständigkeit von Atem, Verstand, Körper und Pflicht

jāgratsvapnasuṣuptyante 'vasthāsu manasā vadet / vācā hastābhyāṃ ca padbhyā mudareṇa tataḥ param

in den Zuständen des Wachens, Träumens und tiefen Schlafs spreche man mit Geist; mit Rede, mit den (beiden) Händen, mit den (beiden) Füßen, mit dem Bauch, und danach ferner,

Wort für Wort
jāgratsvapnasuṣuptyante 'vasthāsu
in den Zuständen des Wachens, Träumens, tiefen Schlafs
manasā vadet
spreche man mit Geist
vācā hastābhyāṃ ca padbhyā
mit Rede, mit den (beiden) Händen und Füßen
udareṇa tataḥ param
mit dem Bauch, und danach ferner

śiṣṇānte yatsmṛtaṃ paścādyaduktaṃ yatkṛtaṃ tataḥ / tatsarvaṃ ca tato brahmarpaṇaṃ bhavatu ṭhadvayam

und mit dem Geschlechtsglied, - was danach gedacht, was gesagt, was getan wurde -, all das möge ein Opfer an Brahman werden; (die beiden Silben) "...tha" [?].

Wort für Wort
śiṣṇānte yatsmṛtaṃ paścāt
und mit dem Geschlechtsglied - was danach gedacht wurde
yaduktaṃ yatkṛtaṃ tataḥ
was gesagt, was getan wurde danach
tatsarvaṃ ca tato brahmarpaṇaṃ bhavatu
all das möge zum Opfer an Brahman werden
ṭhadvayam
(das Silbenpaar) ṭha [?]

[Anm.: Vers 108b ("tatsarvaṃ ca tato brahmarpaṇaṃ bhavatu ṭhadvayam") entspricht der bekannten Formel "brahmārpaṇam" (etwa Bhagavadgītā-Stil); die Bedeutung des Schlussteils "ṭhadvayam" ("das Silbenpaar ṭha") bleibt unklar [?].]

māṃ madīyaṃ ca sakalaṃ viṣṇave ca samarpaye / tāraṃ tatsadato brahmarpaṇamastu manurmataḥ

"Mich und alles Meinige übergebe ich ganz und gar dem Viṣṇu." Der Praṇava, "tat sat" - "dies möge ein Opfer an Brahman sein" - so gilt das Mantra.

Wort für Wort
māṃ madīyaṃ ca sakalaṃ
mich und alles Meinige, ganz und gar
viṣṇave ca samarpaye
übergebe ich dem Viṣṇu
tāraṃ tatsadato
der Praṇava, "tat sat", danach
brahmarpaṇamastu manurmataḥ
"möge (dies) ein Opfer an Brahman sein" - so gilt das Mantra

praṇavādyo 'ṣṭavasvarṇo hyanenātmānamarpayet / ajñānādvā pramādādvā vaikalyātsādhanasya ca

Mit dem Praṇava beginnend, sechzehnsilbig, biete man mit diesem sich selbst dar. Was auch immer aus Unwissenheit, aus Unachtsamkeit, oder aus Mangelhaftigkeit des Vollzugsmittels

Wort für Wort
praṇavādyo 'ṣṭavasvarṇo
mit dem Praṇava beginnend, sechzehnsilbig [?]
hyanenātmānamarpayet
biete man mit diesem sich selbst dar
ajñānādvā pramādādvā
aus Unwissenheit, oder aus Unachtsamkeit
vaikalyātsādhanasya ca
oder aus Mangelhaftigkeit des Vollzugsmittels

[Anm.: "aṣṭavasvarṇaḥ" ("acht-vasu-silbig") als Zahlencode für die Silbenzahl des Mantras verstanden; genaue Deutung unsicher [?].]

yannyūnamatiriktaṃ vā tatsarvaṃ kṣantumarhasi / dravyahīnaṃ kriyāhīnaṃ mantrahīnaṃ mayānyathā

zu wenig oder zu viel (geschehen sein sollte) - das alles mögest du zu verzeihen geruhen; was an Substanz mangelhaft, an Handlung mangelhaft, an Mantra mangelhaft, oder von mir sonst irrig

Wort für Wort
yannyūnamatiriktaṃ vā
was zu wenig oder zu viel (geschehen sein sollte)
tatsarvaṃ kṣantumarhasi
das alles mögest du zu verzeihen geruhen
dravyahīnaṃ kriyāhīnaṃ
an Substanz mangelhaft, an Handlung mangelhaft
mantrahīnaṃ mayānyathā
an Mantra mangelhaft, oder von mir sonst irrig

kṛtaṃ yattatkṣamasveśa kṛpayā tvaṃ dayānidhe / yanmayā kriyate karma jāgratsvaprasuṣuptiṣu

vollzogen wurde - das verzeih, o Herr, aus Gnade, du Schatz des Mitleids. Was auch immer an Handlung von mir vollzogen wird im Wachen, Träumen (und) tiefen Schlaf,

Wort für Wort
kṛtaṃ yattatkṣamasveśa
vollzogen wurde - das verzeih, o Herr
kṛpayā tvaṃ dayānidhe
aus Gnade, du Schatz des Mitleids
yanmayā kriyate karma
was auch immer an Handlung von mir vollzogen wird
jāgratsvaprasuṣuptiṣu
im Wachen, Träumen, tiefen Schlaf

tatsarvaṃ tāvakī pūjā bhūyādbhūtyai ca me prabho / bhūmau skhalitapādānāṃ bhūmirevāvalaṃbanam

das alles möge deine Verehrung sein, und zu meinem Wohlergehen (dienen), o Herr. Für die, deren Füße auf dem Boden ausgeglitten sind, ist der Boden selbst die Stütze (zum Wiederaufstehen);

Wort für Wort
tatsarvaṃ tāvakī pūjā
das alles möge deine Verehrung sein
bhūyādbhūtyai ca me prabho
und zu meinem Wohlergehen (dienen), o Herr
bhūmau skhalitapādānāṃ
für die, deren Füße auf dem Boden ausgeglitten sind
bhūmirevāvalaṃbanam
ist der Boden selbst die Stütze

tvayi jātāparādhānāṃ tvameva śaraṇaṃ prabho / anyathā śaraṇaṃ nāsti tvameva śaraṇaṃ mama

für die, deren Vergehen gegen dich geschehen ist, bist du selbst die Zuflucht, o Herr; es gibt keine andere Zuflucht - du allein bist meine Zuflucht.

Wort für Wort
tvayi jātāparādhānāṃ
für die, deren Vergehen gegen dich geschehen ist
tvameva śaraṇaṃ prabho
bist du allein die Zuflucht, o Herr
anyathā śaraṇaṃ nāsti
es gibt keine andere Zuflucht
tvameva śaraṇaṃ mama
du allein bist meine Zuflucht

tasmātkāruṇyabhāvena kṣamasva parameśvara / aparādhasahasrāṇi kriyante 'harnniśaṃ mayā

Darum, mit einer Haltung des Erbarmens, verzeih mir, o höchster Herr; tausende von Vergehen werden Tag und Nacht von mir begangen.

Wort für Wort
tasmātkāruṇyabhāvena
darum, mit einer Haltung des Erbarmens
kṣamasva parameśvara
verzeih, o höchster Herr
aparādhasahasrāṇi
tausende von Vergehen
kriyante 'harnniśaṃ mayā
werden Tag und Nacht von mir begangen

dāso 'yamiti māṃ matvā kṣamasva jagatāṃ pate / āvāhanaṃ na jānāmi na jānāmi visarjanam

Betrachte mich, indem du denkst: "dies ist (mein) Diener", verzeih (mir), o Herr der Welten. Ich kenne nicht die Herbeirufung (Āvāhana), ich kenne nicht die Entlassung (Visarjana),

Wort für Wort
dāso 'yamiti māṃ matvā
indem du denkst "dies ist (dein) Diener", betrachte mich
kṣamasva jagatāṃ pate
verzeih, o Herr der Welten
āvāhanaṃ na jānāmi
ich kenne nicht die Herbeirufung
na jānāmi visarjanam
ich kenne nicht die Entlassung

pūjāṃ caiva na jānāmi tvaṃ gatiḥ parameśvara / saṃprārthyaivaṃ tato mantrī mūlānte ślokamuñcaret

und auch die Verehrung kenne ich nicht - du bist (meine) Zuflucht, o höchster Herr. Nachdem er so gebetet hat, spreche der Mantra-Kundige dann am Ende des Wurzelmantras diesen Vers:

Wort für Wort
pūjāṃ caiva na jānāmi
und auch die Verehrung kenne ich nicht
tvaṃ gatiḥ parameśvara
du bist (meine) Zuflucht, o höchster Herr
saṃprārthyaivaṃ tato mantrī
nachdem er so gebetet hat, dann der Mantra-Kundige
mūlānte ślokamuñcaret
spreche am Ende des Wurzelmantras diesen Vers

gaccha gaccha paraṃ sthānaṃ jagadīśa jaganmaya / yanna brahmādayo devā jānanti ca sadāśivaḥ

"Gehe, gehe zu deiner höchsten Stätte, o Herr der Welt, o du, dessen Selbst das Weltall ist - welche (Stätte) weder Brahmā noch die anderen Götter kennen, noch Sadāśiva."

Wort für Wort
gaccha gaccha paraṃ sthānaṃ
gehe, gehe zu deiner höchsten Stätte
jagadīśa jaganmaya
o Herr der Welt, o du, dessen Selbst das Weltall ist
yanna brahmādayo devā
welche weder Brahmā noch die anderen Götter
jānanti ca sadāśivaḥ
kennen, noch Sadāśiva

iti puṣpāñjaliṃ datvā tataḥ saṃhāramudrayā / nidhāya devaṃ sāṃgaṃ ca svīyadṛtsarasīruhe

Nachdem man so eine Handvoll Blumen dargebracht hat, dann, mit der "Rückzugs"-Geste (Saṃhāramudrā), nachdem man den Gott samt seinen Gliedern im Lotos des eigenen Herzens niedergelegt hat,

Wort für Wort
iti puṣpāñjaliṃ datvā
nachdem man so eine Handvoll Blumen dargebracht hat
tataḥ saṃhāramudrayā
dann mit der "Rückzugs"-Geste
nidhāya devaṃ sāṃgaṃ ca
nachdem man den Gott samt seinen Gliedern niedergelegt hat
svīyadṛtsarasīruhe
im Lotos des eigenen Herzens

suṣumṇāvartmanā puṣpamāghrāyodvāsayed budhaḥ / śaṅkhacakraśilāliṅgavighnasūryadvayaṃ tathā

entlasse der Weise (das äußere Kultbild), nachdem er auf dem Weg der Suṣumṇā die Blume gerochen hat. Ebenso: Muschel, Diskus, (heiliger) Stein, Liṅga, (Bild des) Vighna(-eśa) und zwei Sonnen(-symbole) zugleich,

Wort für Wort
suṣumṇāvartmanā puṣpamāghrāya
nachdem er auf dem Weg der Suṣumṇā die Blume gerochen hat
udvāsayed budhaḥ
entlasse der Weise (das Kultbild)
śaṅkhacakraśilāliṅgavighnasūryadvayaṃ tathā
ebenso Muschel, Diskus, (heiliger) Stein, Liṅga, Vighna(-eśa) und zwei Sonnen(-symbole)

śaktitrayaṃ na caikatra pūjayedduḥkhakāraṇam / akālamṛtyuharaṇaṃ sarvavyādhivināśan

und eine Dreiheit von Śaktis verehre man nicht an einem einzigen Ort - (dies ist) Ursache von Leid, (nämlich) Herbeiführung eines unzeitigen Todes.

Wort für Wort
śaktitrayaṃ na caikatra
und eine Dreiheit von Śaktis nicht an einem einzigen Ort
pūjayedduḥkhakāraṇam
verehre man - (dies ist) Ursache von Leid
akālamṛtyuharaṇam
Herbeiführung eines unzeitigen Todes

[Anm.: Regel gegen die gleichzeitige Verehrung doppelter/dreifacher gleichartiger Kultgegenstände (Muschel, Diskus, Stein, Liṅga, Gaṇeśa-Bild, Sonnen-Symbol, Devī-Bild) an einem Ort.]

sarvapāpakṣayakaraṃ viṣṇupādodakaṃ śubham

- Vernichter aller Krankheit, alle Sünden zerstörend, glückverheißend ist das Wasser der Füße Viṣṇus.

Wort für Wort
sarvavyādhivināśan
alle Krankheit vernichtend
sarvapāpakṣayakaraṃ
alle Sünden zerstörend
viṣṇupādodakaṃ śubham
glückverheißend ist das Wasser der Füße Viṣṇus

tattadbhaktairgṛhī tavyaṃ tannaivedyaniveditam / agrāhyaṃ śivanirmālyaṃ patraṃ puṣpaṃ phalaṃ jalam

Von den jeweiligen Verehrern soll das als Speiseopfer Geweihte genommen werden; nicht anzunehmen sind Śivas Blumenreste (Nirmālya) - Blatt, Blume, Frucht (und) Wasser (davon).

Wort für Wort
tattadbhaktairgṛhī tavyaṃ
von den jeweiligen Verehrern soll genommen werden
tannaivedyaniveditam
das als Speiseopfer Geweihte
agrāhyaṃ śivanirmālyaṃ
nicht anzunehmen sind Śivas Blumenreste
patraṃ puṣpaṃ phalaṃ jalam
Blatt, Blume, Frucht (und) Wasser (davon)

śālagrāmaśilāsparśātsarvaṃ yāti pavitratām / pūjā pañcavidhā tatra kathitā nāradākhilaiḥ

Durch Berührung mit dem Śālagrāma-Stein wird alles rein. Fünffach wird dort die Verehrung von Nārada und allen (Weisen) genannt:

Wort für Wort
śālagrāmaśilāsparśāt
durch Berührung mit dem Śālagrāma-Stein
sarvaṃ yāti pavitratām
wird alles rein
pūjā pañcavidhā tatra
fünffach (wird) dort die Verehrung
kathitā nāradākhilaiḥ
genannt von Nārada und allen (Weisen)

āturī sautikī trāsī sādhanā bhāvinī tathā / daurbodhī ca kramādāsāṃ lakṣaṇāni śṛṇuṣaava me

"Āturī" (Kranken-Verehrung), "Sautikī" (Geburts-Verehrung), "Trāsī" (Furcht-Verehrung), "Sādhanābhāvinī" (Verehrung bei fehlendem Vollzugsmittel), sowie "Daurbodhī" (Verehrung der Unwissenden) - höre von mir der Reihe nach die Kennzeichen dieser.

Wort für Wort
āturī sautikī trāsī
"Āturī", "Sautikī", "Trāsī"
sādhanā bhāvinī tathā
und "Sādhanābhāvinī" (Verehrung bei fehlendem Vollzugsmittel)
daurbodhī ca kramādāsāṃ
und "Daurbodhī", der Reihe nach von diesen
lakṣaṇāni śṛṇuṣva me
höre die Kennzeichen von mir

rogādiyukto na srāyānna japenna ca pūjayet / vilokya pūjāṃ devasya mūrtiṃ vā sūryyamaṇḍalam

Ein von Krankheit usw. Befallener bade nicht, rezitiere nicht (das Mantra) und verehre nicht (im üblichen Sinn); nachdem er die Verehrung der Gottheit, das Kultbild, oder die Sonnenscheibe angeschaut hat,

Wort für Wort
rogādiyukto na srāyānna japenna ca pūjayet
ein von Krankheit usw. Befallener bade nicht, rezitiere nicht, und verehre nicht
vilokya pūjāṃ devasya
nachdem er die Verehrung der Gottheit angeschaut hat
mūrtiṃ vā sūryyamaṇḍalam
(oder) das Kultbild, oder die Sonnenscheibe

praṇamyātha smaranmantramarpayetkumāñjalim / roge nivṛtte snātvātha natvā saṃpūñcedgurum

verneige er sich, dann, sich des Mantras erinnernd, biete er eine Handvoll Blumen dar; wenn die Krankheit vergangen ist, nachdem er gebadet und sich verneigt hat, verehre er den Guru,

Wort für Wort
praṇamyātha smaranmantram
verneige er sich, dann, sich des Mantras erinnernd
arpayetkumāñjalim
biete er eine Handvoll Blumen dar
roge nivṛtte snātvātha
wenn die Krankheit vergangen ist, nachdem er gebadet hat
natvā saṃpūñcedgurum
und sich verneigt hat, verehre er den Guru

tvatprasādājjagannātha jagatpūjya dayānidhe / pūjāvicchedadoṣo me māstviti prārthayecca tam

(indem er spricht:) "Durch deine Gnade, o Herr der Welt, von der Welt Verehrter, Schatz des Mitleids - möge mir nicht der Fehler der Unterbrechung der Verehrung zuteilwerden" - so bete er ihn an.

Wort für Wort
tvatprasādājjagannātha jagatpūjya dayānidhe
durch deine Gnade, o Herr der Welt, von der Welt Verehrter, Schatz des Mitleids
pūjāvicchedadoṣo me māstviti
möge mir nicht der Fehler der Unterbrechung der Verehrung zuteilwerden
prārthayecca tam
so bete er ihn an

dvijānapi ca saṃpūjya yathāśaktyā pratoṣya ca / tebhyaścāśiṣamādāya devaṃ prāgvattator'cayet

Und nachdem er auch die Brahmanen verehrt und sie nach Vermögen erfreut hat, und nachdem er von ihnen den Segen empfangen hat, verehre er dann den Gott wieder wie zuvor.

Wort für Wort
dvijānapi ca saṃpūjya
und nachdem er auch die Brahmanen verehrt hat
yathāśaktyā pratoṣya ca
und sie nach Vermögen erfreut hat
tebhyaścāśiṣamādāya
und von ihnen den Segen empfangen hat
devaṃ prāgvattator'cayet
verehre er den Gott dann wieder wie zuvor

āturī kathitā hyeṣā sotikyatha nigadyate / sūtakaṃ dvividhaṃ proktaṃ jātākhyaṃ mṛtasaṃjñakam

Dies ist die "Āturī" genannt worden; nun wird die "Sautikī" mitgeteilt. Die Geburts-/Todesunreinheit (Sūtaka) ist zweierlei genannt: die "Geburts"-genannte (und) die "Tod"-genannte.

Wort für Wort
āturī kathitā hyeṣā
dies ist die "Āturī" genannt worden
sotikyatha nigadyate
nun wird die "Sautikī" mitgeteilt
sūtakaṃ dvividhaṃ proktaṃ
die Sūtaka-Unreinheit ist zweierlei genannt
jātākhyaṃ mṛtasaṃjñakam
die "Geburts"-genannte, die "Tod"-genannte

tatra snātvā mānasīṃ tu kṛtvā saṃdhyāṃ samāhitaḥ / manasaiva yajeddevaṃ manasaiva japenmanum

Dabei vollziehe er, nachdem er (nur) mental gebadet und die Sandhyā(-Rite) mental vollzogen hat, gesammelt, allein mit dem Geist die Verehrung des Gottes, allein mit dem Geist rezitiere er das Mantra.

Wort für Wort
tatra snātvā mānasīṃ tu
dabei, nachdem er (nur) mental gebadet hat
kṛtvā saṃdhyāṃ samāhitaḥ
und die Sandhyā vollzogen hat, gesammelt
manasaiva yajeddevaṃ
allein mit dem Geist verehre er den Gott
manasaiva japenmanum
allein mit dem Geist rezitiere er das Mantra

nivṛtte sūtake prāgvatsaṃpūjya ca guruṃ dvijān / tebhyaścāśiṣamādāya tato nityakramaṃ caret

Wenn die Geburts-/Todesunreinheit vergangen ist, nachdem er wie zuvor Guru und Brahmanen verehrt und von ihnen den Segen empfangen hat, vollziehe er dann den regulären (täglichen) Ablauf.

Wort für Wort
nivṛtte sūtake prāgvat
wenn die Unreinheit vergangen ist, wie zuvor
saṃpūjya ca guruṃ dvijān
nachdem er Guru und Brahmanen verehrt hat
tebhyaścāśiṣamādāya
und von ihnen den Segen empfangen hat
tato nityakramaṃ caret
vollziehe er dann den regulären (täglichen) Ablauf

eṣā tu sautikī proktā trāsī cātha nigadyate / duṣṭebhyastrāsamāpanno yathālabdhopacāraṅkaiḥ

Dies ist die "Sautikī" genannt worden; nun wird die "Trāsī" mitgeteilt. Wer durch böse (Wesen) in Furcht geraten ist, mit welchen (Mitteln der) Dienstleistung auch immer erlangbar,

Wort für Wort
eṣā tu sautikī proktā
dies ist die "Sautikī" genannt worden
trāsī cātha nigadyate
nun wird die "Trāsī" mitgeteilt
duṣṭebhyastrāsamāpanno
wer durch böse (Wesen) in Furcht geraten ist
yathālabdhopacārakaiḥ
mit welchen (Mitteln der) Dienstleistung auch immer erlangbar

mānasairvai yajeddevaṃ trāsī sā parikīrtitā / pūjāsādhanavastūnāma sāmarthye tu sarvataḥ

verehre allein mit mentalen (Opfergaben) den Gott - dies wird als "Trāsī" verkündet. Wenn hinsichtlich der Verehrungsmittel und -gegenstände völlige Unmöglichkeit (besteht),

Wort für Wort
mānasairvai yajeddevaṃ
verehre allein mit mentalen (Opfergaben) den Gott
trāsī sā parikīrtitā
dies wird als "Trāsī" verkündet
pūjāsādhanavastūnām
hinsichtlich der Verehrungsmittel und -gegenstände
asāmarthye tu sarvataḥ
wenn völlige Unmöglichkeit (besteht)

puṣpaiḥ patraiḥ phalairvāpi manasā vā yajedvibhum / sādhanābhāvinī hyeṣā daurbodhīṃ śṛṇu nārada

verehre man den Allmächtigen mit (irgendwelchen vorhandenen) Blumen, Blättern oder Früchten, oder mit dem Geist - dies ist die "Sādhanābhāvinī"; höre (nun von) der "Daurbodhī", o Nārada.

Wort für Wort
puṣpaiḥ patraiḥ phalairvāpi
mit Blumen, Blättern oder auch Früchten
manasā vā yajedvibhum
oder mit dem Geist verehre man den Allmächtigen
sādhanābhāvinī hyeṣā
dies ist die "Sādhanābhāvinī"
daurbodhīṃ śṛṇu nārada
höre (nun von) der "Daurbodhī", o Nārada

striyo vṛddhā stathā bālā mūrkhāstaistu yathākramam / yathājñānakṛtā sā tu daurbodhīti prakīrtitā

Frauen, Greise, ebenso Kinder, Toren - von diesen, entsprechend, die gemäß ihrem (jeweils begrenzten) Wissen vollzogene (Verehrung) - diese wird als "Daurbodhī" verkündet.

Wort für Wort
striyo vṛddhā stathā bālā
Frauen, Greise, ebenso Kinder
mūrkhāstaistu yathākramam
Toren - von diesen, entsprechend
yathājñānakṛtā sā tu
die gemäß ihrem (begrenzten) Wissen vollzogene
daurbodhīti prakīrtitā
wird als "Daurbodhī" verkündet

evaṃ yathākathañcittu pūjāṃ kuryāddhi sādhakaḥ / devapūjāvihīno yaḥ sa gacchennarakaṃ dhruvam

So, auf welche Weise auch immer, vollziehe der Praktizierende gewiss die Verehrung; wer der Gottesverehrung entbehrt, geht gewiss zur Hölle.

Wort für Wort
evaṃ yathākathañcittu
so, auf welche Weise auch immer
pūjāṃ kuryāddhi sādhakaḥ
vollziehe der Praktizierende gewiss die Verehrung
devapūjāvihīno yaḥ
wer der Gottesverehrung entbehrt
sa gacchennarakaṃ dhruvam
der geht gewiss zur Hölle

vaiśvadevādikaṃ kṛtvā bhojayeddvijasattamān / deve niveditaṃ paścādbhuñjīta svagaṇaiḥ svayam

Nachdem man den Vaiśvadeva-Ritus usw. vollzogen hat, speise man die besten der Brahmanen; danach, was dem Gott geweiht worden ist, esse man selbst zusammen mit den eigenen Angehörigen.

Wort für Wort
vaiśvadevādikaṃ kṛtvā
nachdem man den Vaiśvadeva-Ritus usw. vollzogen hat
bhojayeddvijasattamān
speise man die besten der Brahmanen
deve niveditaṃ paścāt
danach, was dem Gott geweiht worden ist
bhuñjīta svagaṇaiḥ svayam
esse man selbst zusammen mit den eigenen Angehörigen

ācamyānanaśuddhiṃ ca kṛtvā tiṣṭet kiyatkṣaṇam / purāṇamitihāsaṃ ca śṛṇuyātsvajanaiḥ saha

Nachdem man Wasser gesippt und die Mundreinigung vollzogen hat, verweile man eine kurze Weile; man höre Purāṇa und Itihāsa zusammen mit den eigenen Angehörigen.

Wort für Wort
ācamyānanaśuddhiṃ ca
nachdem man Wasser gesippt und die Mundreinigung vollzogen hat
kṛtvā tiṣṭet kiyatkṣaṇam
verweile man eine kurze Weile
purāṇamitihāsaṃ ca
Purāṇa und Itihāsa
śṛṇuyātsvajanaiḥ saha
höre man zusammen mit den eigenen Angehörigen

samarthaḥ sarvakalpeṣu yo 'nukalpaṃ samācaret / na sāṃgaśayikaṃ tasya durmaterjāyate phalam

Wer, obwohl fähig zu allen vollständigen Verfahren, das vereinfachte Verfahren (Anukalpa) ausübt - für diesen Toren entsteht nicht die vollständige [?] Frucht.

Wort für Wort
samarthaḥ sarvakalpeṣu
wer fähig ist zu allen vollständigen Verfahren
yo 'nukalpaṃ samācaret
(und dennoch) das vereinfachte Verfahren ausübt
na sāṃgaśayikaṃ tasya
für diesen (entsteht) nicht die vollständige [?]
durmaterjāyate phalam
für den Toren entsteht die Frucht

[Anm.: "sāṃgaśayikam" unsicher überliefert; hier sinngemäß als "die vollständige (mit allen Gliedern versehene) Frucht" wiedergegeben [?].]

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