Kapitel 66: devapūjānirūpaṇam
Die Darlegung der Gottesverehrung
Titel rekonstruiert aus der (durch Quellanomalie um ein Kapitel versetzten) Kolophonzeile am Kopf der Rohdatei zu Kapitel 67 ("...devapūjānirūpaṇaṃ nāma saptaṣaṣṭittamo 'dhyāyaḥ"), die nach dem im Corpus durchgängig beobachteten Muster tatsächlich das Kolophon des VORANGEHENDEN Kapitels (hier: 66) enthält; passt inhaltlich exakt (Kapitel 66 beginnt selbst mit "atha vakṣye devapūjāṃ..."). Kapitel 66 behandelt ausführlich das Ritual der Gottesverehrung (Devapūjā): Vorbereitung von Maṇḍala, Unterlage und Weihwasser (Arghapātra), Mudrās, Pādya/Arghya/Ācamana/Madhuparka, Regeln zur Bildnisqualität, die ausführlichen Anrufungs- und Bitt-Verse bei der Herbeirufung (Āvāhana) der Gottheit, die Reihe der Verehrungsgaben (Upacāras: Bad, Kleidung, Opferschnur, Schmuck, Duft, Blumen [mit Verbotslisten je nach Gottheit], Räucherwerk, Licht, Speiseopfer, Betel), die Verehrung der Umgebung (Āvaraṇapūjā) und der Weltenhüter (Dikpālas), Feueropfer (Agnikārya), Bali-Gaben, die abschließenden Verse der Selbsthingabe (Brahmārpaṇa) und der Vergebungsbitte (Kṣamāprārthanā), Umkreisung (Pradakṣiṇā) und Verneigung (Praṇāma), Entlassung der Gottheit (Visarjana), Verbot bestimmter Bildnis-Duplizierungen, sowie die fünf Arten der Verehrung je nach Lage des Verehrers (bei Krankheit, Geburts-/Todesunreinheit, Furcht, fehlenden Mitteln, mangelndem Wissen) und abschließende Verhaltensregeln (Speisung von Brahmanen, gemeinsames Mahl, Hören von Purāṇa/Itihāsa).
Sanatkumāra sprach: Nun werde ich die Gottesverehrung (Devapūjā) mitteilen, die dem Praktizierenden die erwünschte Vollendung gewährt. Nachdem man ein Dreieck oder ein Viereck auf der linken Seite bereitet hat
Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
atha vakṣye devapūjāṃ
nun werde ich die Gottesverehrung mitteilen
sādhakābhīṣṭasiddhidām
die dem Praktizierenden die erwünschte Vollendung gewährt
trikoṇaṃ caturasraṃ vā
ein Dreieck oder ein Viereck
vāmabhāge prakalpya ca
nachdem man auf der linken Seite bereitet hat
[Anm.: Vers 1 trägt im Quelltext die Kolophonzeile des vorangehenden Kapitels voran; die dort enthaltene Bezeichnung "saṃdhyādinirūpaṇaṃ nāma" ("genannt 'Darlegung der Sandhyā-Riten'") gehört, dem im Corpus durchgängigen Verschiebungsmuster folgend, tatsächlich zu Kapitel 65 (siehe dortige Anmerkung). Die Sanskrit-Ordnungszahl "ṣaṭṣaṣṭitama" (66.) weicht entsprechend um eins ab.]
- dies mit dem Astra(-Mantra) verehrt und gewaschen, nachdem man die "Herz"-Unterlage niedergelegt hat -; dort (bereite man) den Feuerkreis, oder das Gefäß, mit dem Astra(-Mantra) gewaschen,
Wort für Wort
sampūjyā sreṇa saṃkṣālya
nachdem man mit dem Astra-Mantra verehrt und gewaschen hat
ādhāre nāmasaṃ sthāpya tatra cedravimaṇḍalam / klimamātṛkā pūlamuñcaranpūrapejjalaiḥ
Nachdem man es auf der Unterlage aufgestellt hat, (bereite man) dort den Sonnenkreis. [Zeile stark verderbt überliefert] ... indem man Wasser vergießt/füllt.
Wort für Wort
ādhāre nāmasaṃ sthāpya
nachdem man es mit Namen auf der Unterlage aufgestellt hat
tatra cedravimaṇḍalam
dort (bereite man) den Sonnenkreis
klimamātṛkā pūlamuñcaran
(verderbte Stelle, evtl. Rezitation des Kli-Samenlauts der Mātṛkā) [?]
pūrapejjalaiḥ
indem man mit Wasser füllt/vergießt [?]
[Anm.: Vers 3b ("klimamātṛkā pūlamuñcaranpūrapejjalaiḥ") ist im Quelltext stark entstellt überliefert; eine sichere Rekonstruktion ist nicht möglich [?].]
Nachdem man [den Mondkreis? verderbt] verehrt hat, und die Pilgerstätten wie zuvor herbeigerufen hat, nachdem man es mit der Kuh-Geste zu Nektar gemacht hat, umhülle man es mit dem Panzer(-Mantra).
Wort für Wort
catreñjumaṇḍalaṃ prārcya
nachdem man den (Mond-?)Kreis [?] verehrt hat
tīrthānyāvāhya pūrvavat
und die Pilgerstätten wie zuvor herbeigerufen hat
gomudrayāmṛtīkṛtya
nachdem man es mit der Kuh-Geste zu Nektar gemacht hat
kavacenāvaguṇṭhayet
umhülle man es mit dem Panzer(-Mantra)
[Anm.: "catreñjumaṇḍalaṃ" unklar, evtl. Verschreibung für "candramaṇḍalam" (Mondkreis) [?].]
Nachdem man es mit dem Astra(-Mantra) gewaschen hat, rezitiere man darüber achtfach den Praṇava; dies wird die "allgemeine Arghya(-Gabe)" genannt, die allen Menschen jegliche Vollendung verschafft.
tajjalaṃ rkicidudūdhṛtya prokṣiṇyā sādhakottamaḥ / ātmānaṃ yāgavastūni tena saṃprokṣayetputhak
Nachdem er von jenem Wasser ein wenig entnommen hat, mit dem Besprengungsgefäß, der beste der Praktizierenden, besprenge er damit gesondert sich selbst und die Opfergegenstände.
Wort für Wort
tajjalaṃ kiñcidudūdhṛtya
nachdem er von jenem Wasser ein wenig entnommen hat
prokṣiṇyā sādhakottamaḥ
mit dem Besprengungsgefäß, der beste der Praktizierenden
ātmavāmāgrataḥ kuryātṣaṭṭkoṇāntasrikoṇakam / caturasreṇa saṃveṣṭya saṃkṣālyārghodakena ca
Links-vorn von sich selbst mache man ein Sechseck mit innerem Dreieck, umschlossen von einem Viereck; und nachdem man es mit dem Arghya-Wasser gewaschen hat,
Wort für Wort
ātmavāmāgrataḥ kuryāt
links-vorn von sich selbst mache man
ṣaṭṭkoṇāntasrikoṇakam
ein Sechseck mit innerem Dreieck
caturasreṇa saṃveṣṭya
umschlossen von einem Viereck
saṃkṣālyārghodakena ca
und nachdem man es mit dem Arghya-Wasser gewaschen hat
dann stabilisiere der beste der Praktizierenden (es) mit der Muschel-Geste; in den Ecken, beginnend im Südosten, (verehre man) die vier Glieder, beginnend mit "Herz",
netraṃ madhye dikṣu cāsraṃ trikoṇe pūjayettataḥ / mūlakhaṇḍatrayenāthādhāraśaktiṃ tu madhyagām
das "Auge" (-Mantra) in der Mitte, und das Astra(-Mantra) in den Himmelsrichtungen; im Dreieck verehre man sodann; mit den drei Abschnitten des Wurzelmantras die in der Mitte befindliche Unterlage-Śakti,
Wort für Wort
netraṃ madhye dikṣu cāsraṃ
das "Auge"(-Mantra) in der Mitte, und das Astra(-Mantra) in den Richtungen
Nachdem man so vorschriftsmäßig verehrt hat, und das mit dem Astra(-Mantra) sowie mit "Herz" gewaschene (Wasser), nachdem man den Dreifuß aufgestellt hat, verehre man mit diesem Mantra:
Wort für Wort
evaṃ saṃpūjya vidhivad
nachdem man so vorschriftsmäßig verehrt hat
asraṃsaṃkṣālitaṃ hṛdā
das mit dem Astra(-Mantra) und mit "Herz" gewaschene
maṃ vahnimaṇḍalā yeti tato deśakalātmane / amukārdhyeti pātrānte sanāpahṛdayoṃ'time
"Oṃ maṃ, dem Feuerkreis" - so; dann "dem Selbst von Ort und Zeit"; "dem Soundso, Arghya" - so am Ende bezüglich des Gefäßes, [Rest der Zeile stark verderbt überliefert].
Wort für Wort
maṃ vahnimaṇḍalā yeti
"oṃ maṃ, dem Feuerkreis" - so
tato deśakalātmane
dann "dem Selbst von Ort und Zeit"
amukārdhyeti pātrānte
"dem Soundso, Arghya" - so, am Ende bezüglich des Gefäßes
sanāpahṛdayoṃ'time
(verderbte Stelle) [?]
[Anm.: Vers 11b ("sanāpahṛdayoṃ'time") ist stark entstellt überliefert; eine sichere Rekonstruktion ist nicht möglich [?]. Die Verse geben mantrische Formeln mit Platzhalter "amuka" ("Soundso") für den jeweiligen Gottesnamen wieder.]
Dies ist der vierundzwanzigsilbige Mantra für die Verehrung der Unterlage; nachdem man die mit dem eigenen Mantra gewaschene Schale aufgestellt hat, verehre man vorschriftsmäßig.
Wort für Wort
caturviṃśativarṇo 'yam
dies ist der vierundzwanzigsilbige
ādhārasyārcane manuḥ
Mantra für die Verehrung der Unterlage
svamantrakṣālitaṃ śaraṃvaṃ
die mit dem eigenen Mantra gewaschene Schale [?]
saṃsyāpyāya samarcayet
nachdem man (sie) aufgestellt hat, verehre man
[Anm.: "śaraṃvaṃ" vermutlich für "śarāvam" (flache Schale) [?].]
tāraḥ kārṃmamahāṃste tu tato jalacarāya ca / varma phaṭ hṛdayaṃ pāñcajanyāya hṛdayaṃ maneḥ
Der Praṇava, [verderbte Stelle], dann "dem Wasserbewohner" (und); "Panzer, phaṭ" (ist) das "Herz"(-Mantra) für Pāñcajanya (die Muschel), das "Herz"(-Mantra) des Juwels [?].
Wort für Wort
tāraḥ kārṃmamahāṃste tu
der Praṇava, (verderbte Stelle) [?]
tato jalacarāya ca
dann, "dem Wasserbewohner" (und)
varma phaṭ hṛdayaṃ pāñcajanyāya
"Panzer, phaṭ" (ist) das Herz(-Mantra) für Pāñcajanya
hṛdayaṃ maneḥ
das Herz(-Mantra) des Juwels [?]
[Anm.: Vers 13a ("kārṃmamahāṃste") stark entstellt überliefert; Übersetzung der Konsekrationsformel für die rituelle Muschel (Pāñcajanya) nach bestem Ermessen [?].]
Dort: "der Sonnenscheibe" - so, am Ende der Zwölf, [verderbte Stelle]; "dem Soundso, Arghya" - so, am Ende bezüglich des Gefäßes, endend auf "namaḥ", aus drei Silben bestehend [?].
Wort für Wort
tatrārkamaṇḍalāyeti
dort: "der Sonnenscheibe" - so
dvādaśānte kalāramane
am Ende der Zwölf, (verderbte Stelle) [?]
amukārdhyeti pātrānte
"dem Soundso, Arghya" - so, am Ende bezüglich des Gefäßes
namontastryakṣivarṇavān
endend auf "namaḥ", aus drei Silben bestehend [?]
[Anm.: "kalāramane" und "tryakṣivarṇavān" unsicher [?].]
sampūjya tena tatrārceddvādaśārkakalāḥ kramāt / tataḥ śuddhajalairmūlaṃ vilomamātṛkāṃ paṭhan
Nachdem man mit diesem (Mantra) verehrt hat, verehre man dort der Reihe nach die zwölf Strahlenkräfte (Kalās) der Sonne. Dann, mit reinem Wasser, das Wurzelmantra sowie die rückläufige Buchstabenreihe (Mātṛkā) rezitierend,
Wort für Wort
sampūjya tena tatrārced
nachdem man mit diesem (Mantra) verehrt hat, verehre man dort
amukārdhyāmṛtāyeti hṛnmanuścārdhyapūjane / tatra ṣoḍaśasaṃkhyākā yajeñcandramasaḥ kalāḥ
"dem Soundso, der Nektar-Arghya" - so - (dies ist) das Herzmantra für die Arghya-Verehrung; dort verehre man die sechzehn an der Zahl seienden Kalās des Mondes.
Wort für Wort
amukārdhyāmṛtāyeti
"dem Soundso, der Nektar-Arghya" - so
hṛnmanuścārdhyapūjane
(dies ist) das Herzmantra für die Arghya-Verehrung
Dann, nachdem man die Pilgerstätten herbeigerufen hat, "o Gaṅgā" usw. wie zuvor; nachdem man es mit der Kuh-Geste zu Nektar gemacht hat, bedecke man (es) mit der Fisch-Geste,
Wort für Wort
tatastu tīrthānyāvāhya
dann, nachdem man die Pilgerstätten herbeigerufen hat
gaṅge cetyādipūrvavat
"o Gaṅgā" usw. wie zuvor
gomudrayāmṛtīkṛtya
nachdem man es mit der Kuh-Geste zu Nektar gemacht hat
kavacenāvaguṇṭhyātha rakṣedastreṇa tatpunaḥ / cintayitveṣṭadevaṃ ca tato mudrāḥ pradarśayet
nachdem man (es) mit dem Panzer(-Mantra) umhüllt hat, schütze man (es) danach wieder mit dem Astra(-Mantra); nachdem man sich den Wunschgott vergegenwärtigt hat, zeige man sodann die (folgenden) Gesten:
Wort für Wort
kavacenāvaguṇṭhyātha
nachdem man es mit dem Panzer(-Mantra) umhüllt hat
rakṣedastreṇa tatpunaḥ
schütze man es danach wieder mit dem Astra(-Mantra)
cintayitveṣṭadevaṃ ca
nachdem man sich den Wunschgott vergegenwärtigt hat
die "Muschel", "Keule" und "Diskus" genannten, sodann die "höchstbereitende" (Geste); die Mahāmudrā (große Geste), die Yonimudrā (Ursprungs-Geste) zeige der Weise der Reihe nach.
Die Garuḍa-Geste und die "Ālinī"-Geste [?] werden als die beiden Hauptgesten gepriesen; mit Duftstoff, Blumen usw. verehre man dort, sich (die Gottheit) vergegenwärtigend, die Gottheit.
Man rezitiere achtmal das Wurzelmantra, und ebenso achtfach den Praṇava; auf der rechten (südlichen) Seite von der Muschel aus weise man das Besprengungsgefäß an,
Wort für Wort
aṣṭakṛtvo japenmūlaṃ
man rezitiere achtmal das Wurzelmantra
praṇavaṃ cāṣṭadhā tathā
und ebenso achtfach den Praṇava
śaṅkhāddakṣiṇadigbhāge
auf der rechten (südlichen) Seite von der Muschel aus
nachdem man ein wenig von jenem Wasser in das Besprengungsgefäß gegeben hat, sich selbst dann dreifach (besprengend): "Namaḥ dem Selbst, dessen Wesen das Ātmā-Tattva ist, und (Herz)"; "Namaḥ dem Selbst, dessen Wesen das Vidyā-Tattva ist";
Wort für Wort
prokṣaṇyāṃ tajjalaṃ kiñcit
nachdem man ein wenig von jenem Wasser in das Besprengungsgefäß gegeben hat
kṛtvātmānaṃ tridhā tataḥ
und sich selbst dann dreifach (besprengend)
ātmatattvātmane hṛñca
"(Namaḥ) dem Selbst, dessen Wesen das Ātmā-Tattva ist, und Herz"
vidyātattvātmane namaḥ
"Namaḥ dem Selbst, dessen Wesen das Vidyā-Tattva ist"
"und (Herz) dem Selbst, dessen Wesen das Śiva-Tattva ist" - mit diesen drei Mantras besprenge man auch mit Blumen und ungeschältem Reis vorschriftsmäßig das Maṇḍala, der Weise.
Wort für Wort
śivatattvātmane hṛñca
"und Herz, dem Selbst, dessen Wesen das Śiva-Tattva ist"
ityetairmanubhistribhiḥ
mit diesen drei Mantras
prokṣetpuṣpākṣataiścāpi
besprenge man auch mit Blumen und ungeschältem Reis
Oder mit der Wurzel-Gāyatrī besprenge man die Verehrungsgegenstände, zum Zwecke von Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, und auch zum Zwecke des Honig-Mischtranks (Madhuparka).
Die mit Unterlagen versehenen Gefäße stelle man vorschriftsmäßig davor auf; Fußwasser gilt als (bereitet) mit Śyāmāka-Gras, Dūrvā-Gras, Lotos (und) Viṣṇukrāntā-Pflanze, (und) Wasser.
Wort für Wort
pātrāṇyādhārayuktāni
die mit Unterlagen versehenen Gefäße
sthāpayedvidhinā puraḥ
stelle man vorschriftsmäßig davor auf
pādyaṃ śyāmākadūrvābjaviṣṇukrāntajalaiḥ
Fußwasser (gilt als bereitet) mit Śyāmāka, Dūrvā, Lotos, Viṣṇukrāntā, (und) Wasser
Arghya wird mit Blumen, ungeschältem Reis, Gerste, Kuśa-Grasspitzen, Sesam (und) Senfkörnern gebildet; mit Duftstoff (und) Dūrvā-Blättern - so wird es genannt; und dann das Mundspülwasser (Ācamanīya),
jātīphalaṃ ca kaṅkolaṃ lavaṅgaṃ ca jalānvitam / kṣaudrājyadadhisaṃmiśraṃ madhuparkasamīritam
Muskatnuss, und Kaṅkola-Pfeffer, und Gewürznelke, zusammen mit Wasser, vermischt mit Honig, Ghee (und) Joghurt - dies wird als Madhuparka (Honig-Mischtrank) bezeichnet.
Oder man bereite Fußwasser usw. in einem einzigen Gefäß; bei der Verehrung von Śaṅkara (Śiva) und der Sonne wird (dies) allein aus einem Muschel(-Gefäß) gepriesen.
Wort für Wort
ekasminnathavā pātre
oder in einem einzigen Gefäß
pādyādīni prakalpayet
bereite man Fußwasser usw.
śaṅkarārkārcane
bei der Verehrung von Śaṅkara und der Sonne
śaṅkhamayenaiva praśasyate
wird (dies) allein aus einem Muschel(-Gefäß) gepriesen
Weiß, schwarz, rot(-braun), gelb, dunkel(farben), rot, blauschwarz (und) weiß-schwarz gemischt - in rotes Gewand gekleidet, mit der Furchtlosigkeits-Gebärde in der Hand, seien die Thron-Śaktis zu meditieren.
Auf einem in Gold usw. gezeichneten Yantra, auf einem Śālagrāma(-Stein), ebenso auf einem Edelstein, oder auf einem vorschriftsmäßig aufgestellten Kultbild verehre man.
Wort für Wort
svarṇādilikhite yantre
auf einem in Gold usw. gezeichneten Yantra
śālagrāme maṇau tathā
auf einem Śālagrāma(-Stein), ebenso auf einem Edelstein
aṅguṣṭādivitastyantamānā svarṇādidhātubhiḥ / nirmitā śubhadā gehe pūjanāya dine dine
Von Daumenbreite bis zur Größe einer Spanne (Vitasti), aus Gold und anderen Metallen gefertigt, ist (das Kultbild) im Haus glückbringend zur täglichen Verehrung.
Wort für Wort
aṅguṣṭādivitastyantamānā
von Daumenbreite bis zur Größe einer Spanne (reichend das Maß)
Ein krummes, verbranntes, beschädigtes, oder mit zerstörtem Haupt oder Augen (versehenes), oder undeutliches Kultbild, oder eines (das von) Outcasts usw. (berührt wurde), verehre man niemals.
Wort für Wort
vakrāṃ dagdhāṃ khaṇḍitāṃ ca
ein krummes, verbranntes, beschädigtes
bhinnamūrddhadṛśaṃ punaḥ
und wieder eines mit zerstörtem Haupt oder Augen
spaṣṭāṃ vāpyantyajādyaiśca
oder auch ein undeutliches, oder von Outcasts usw. (berührtes)
Oder man verehre einen Bāṇa-Liṅga usw., der mit allen guten Merkmalen gekennzeichnet ist; nachdem man mit dem Wurzelmantra die Vergegenwärtigung (Saṃkalpa) auf das Kultbild vollzogen hat, nachdem man den Gott wie beschrieben meditiert hat,
Wort für Wort
bāṇādiliṅge vābhyarcet
oder man verehre einen Bāṇa-Liṅga usw.
sarvalakṣaṇalakṣite
der mit allen guten Merkmalen gekennzeichnet ist
mūlena mūrtiṃ saṃkalpya
nachdem man mit dem Wurzelmantra auf das Kultbild die Vergegenwärtigung vollzogen hat
dhyātvā devaṃ yathoditam
nachdem man den Gott wie beschrieben meditiert hat
āvāhā pūjayetasyāṃ parivāragaṇaiḥ saha / śālagrāme sthāpitāyāṃ nāvāhanavisarjane
verehre man (ihn), nachdem man ihn herbeigerufen hat, zusammen mit den Scharen des Gefolges; bei einem in einem Śālagrāma aufgestellten (Gott) gibt es keine Herbeirufung und Entlassung.
Wort für Wort
āvāhya pūjayetasyāṃ
nachdem man ihn herbeigerufen hat, verehre man (ihn) in ihm
taveyaṃ hi mahāmūrtistasyāṃ tvāṃ sarvagaṃ prabho / bhaktirevahasamākṛṣṭaṃ dīpavatsthāpayāmyaham
Dies ist fürwahr deine große Gestalt; in ihr (lade ich) dich, den Allgegenwärtigen, o Herr - allein von Hingabe herbeigezogen, wie eine Lampe (an einer anderen), stelle ich (dich) auf.
Wort für Wort
taveyaṃ hi mahāmūrtiḥ
dies ist fürwahr deine große Gestalt
tasyāṃ tvāṃ sarvagaṃ prabho
in ihr dich, den Allgegenwärtigen, o Herr
bhaktirevahasamākṛṣṭaṃ
allein von Hingabe herbeigezogen
dīpavatsthāpayāmyaham
stelle ich (dich) wie eine Lampe (an einer anderen) auf
Dem inneren Lenker (Antaryāmin) von allem, dem aus allen Samen bestehenden, glückverheißenden Gott - dir, im Selbst der Sonne weilend, dem höchsten, bereite ich einen reinen Sitz.
Wort für Wort
sarvāntaryāmiṇe devaṃ
dem inneren Lenker von allem, dem Gott
sarvabījamaya śubham
dem aus allen Samen bestehenden, glückverheißenden
Nicht verschieden von dir, o Herr der Götter, ist diese Gestalt-Kraft (Mūrtiśakti), o Herr; nimm du Gegenwart (Sāṃnidhya) in ihr ein, o du, der du deinen Verehrern Gnade gewährst.
ajñānājuca mattattvādvaikalyātsādhanasya ca / yadyapūrṇaṃ bhavetkalpaṃ katathāpyabhimukho bhava
Sei du dennoch (mir) zugewandt für dies, was aus Unwissenheit oder aus meiner Verwirrung oder aus Mangelhaftigkeit des Vollzugsmittels unvollständig sein sollte am Ritual,
Wort für Wort
ajñānājuca mattattvādvaikalyātsādhanasya ca
aus Unwissenheit, oder aus meiner Verwirrung [?], oder aus Mangelhaftigkeit des Vollzugsmittels
yadyapūrṇaṃ bhavetkalpaṃ
was auch immer am Ritual unvollständig sein sollte
O du, dessen Glanz von Rede, Denken, Auge und Ohr des Nicht-Ergebenen fern gehalten wird - sei du sogleich von allen Seiten mit dem Käfig deines eigenen Glanzes umgeben.
Wort für Wort
abhaktavāṅmanaścakṣuḥ śrotradūrāyitadyute
o du, dessen Glanz von Rede, Denken, Auge, Ohr des Nicht-Ergebenen fern gehalten wird
yadbhaktileptasaṃparkātparamānandasaṃbhavaḥ / tasmai me paraṇābjāya pādyaṃ śuddhāya kalpyate
Durch dessen Berührung mit einer Spur der Hingabe höchste Wonne entsteht - für ihn, meinen erhabensten (Lotos-Füßigen), wird das reine Fußwasser bereitet.
Dem Vernichter der dreifachen Qual, dem Göttlichen, gekennzeichnet von höchster Wonne - zur Befreiung von der dreifachen Qual bereite ich dir die Arghya(-Gabe).
Wort für Wort
tāpatrayahara divyaṃ
dem Vernichter der dreifachen Qual, dem Göttlichen
avacchiṣṭo 'pyaśucirvāpi yasya smaraṇamātrataḥ / śuddhimāpnoti tasmai te punarācamanīyakam
Für den, durch dessen bloßes Gedenken auch ein von Speiseresten Behafteter oder Unreiner Reinheit erlangt - für ihn (bereite ich) wiederum das Mundspülwasser.
Wort für Wort
avacchiṣṭo 'pyaśucirvāpi
auch ein von Speiseresten Behafteter oder Unreiner
paramānandabodhābdhinimagnanijamūrtaye / sāṃgopāṅgamidaṃ snānaṃ kalpayāmyahamīśa te / sahasraṃ vā śataṃ vāpi yathāśaktyādareṇa ca
Für dich, dessen eigene Gestalt im Ozean von höchster Wonne und Erkenntnis versunken ist - dieses Bad zusammen mit (deinen) Haupt- und Nebengliedern bereite ich dir, o Herr; tausendmal oder auch hundertmal, nach Vermögen und mit Ehrfurcht -
Wort für Wort
paramānandabodhābdhinimagnanijamūrtaye
für dich, dessen eigene Gestalt im Ozean höchster Wonne und Erkenntnis versunken ist
sāṃgopāṅgamidaṃ snānaṃ
dieses Bad zusammen mit Haupt- und Nebengliedern
kalpayāmyahamīśa te
bereite ich dir, o Herr
sahasraṃ vā śataṃ vāpi yathāśaktyādareṇa ca
tausendmal oder auch hundertmal, nach Vermögen und mit Ehrfurcht
Rot für Śakti, die Sonne und Vighna(-eśa); gelb für Viṣṇu, weiß für Śiva. Ein mit Öl usw. beflecktes, abgetragenes, löchriges, schmutziges (Gewand) verwerfe man.
svabhāvasundarāṅgāya nānāśaktyāśrayāya te / bhūṣaṇāni vicitrāṇi kalpayāmyamarārcita
Für dich, dessen Glieder von Natur aus schön sind, den Zufluchtsort mannigfacher Kräfte - bereite ich vielfältigen Schmuck, o du, von den Unsterblichen Verehrter.
Diese im vierten Zustand (Turīya) entsprungene, mit mannigfacher Eigenschaft bezaubernde, an reichem Wohlgeruch nicht arme Blume - möge sie, die vortreffliche, angenommen werden; Hibiskus, ungeschälten Reis, Arka- und Dhattūra-Blüten biete man Viṣṇu niemals dar.
Wort für Wort
turīyavanasaṃbhūtaṃ
im vierten Zustand (Turīya) entsprungene, im Wald entsprungene
nānāguṇamanoharam
mit mannigfacher Eigenschaft bezaubernde
amandasaurabhapuṣpaṃ gṛhyatāmidamuttamam
an reichem Wohlgeruch nicht arme Blume, diese vortreffliche möge angenommen werden
japākṣatārkadhattūrānviṣṇau naivārpayetkvacit
Hibiskus, ungeschälten Reis, Arka- und Dhattūra(-Blüten) biete man Viṣṇu niemals dar
mit den Blättern der Āmalaka (Dhātrī), zusammen mit denen der "Muni"(-Pflanze) [?], vollziehe man die Gottesverehrung; (auch mit Blättern von) Banane, Jujube, Āmalaka, Tamarinde, Zitrone (Bījapūraka),
Wort für Wort
dhātrī muniyutānāṃ ca
der Āmalaka, zusammen mit der "Muni"(-Pflanze) [?]
patrairdevārcanaṃ caret
mit den Blättern vollziehe man die Gottesverehrung
dhātrī khadirabitvānāṃ tamālasya dalāni ca / chinnabhinnānyapi mune na dūṣyāṇi jagurbudhāḥ
Die Blätter der Āmalaka, der Khadira, der Bilva und der Tamāla sind, auch wenn zerschnitten oder zerbrochen, nicht als fehlerhaft (zu betrachten) - so haben es die Weisen gelehrt, o Muni.
Wort für Wort
dhātrī khadirabitvānāṃ
der Āmalaka, Khadira, Bilva
tamālasya dalāni ca
und der Tamāla Blätter
chinnabhinnānyapi mune
auch zerschnittene, zerbrochene, o Muni
na dūṣyāṇi jagurbudhāḥ
sind nicht fehlerhaft, so haben die Weisen gelehrt
nārpayetkusumaṃ patraṃ phalaṃ deve hyadhomukham / puṣpapatrādikaṃ vipra yathotpannaṃ tathārpayet
Man biete Blume, Blatt (oder) Frucht dem Gott nicht mit der Öffnung nach unten dar; Blumen, Blätter usw., o Brahmane, biete man so dar, wie sie gewachsen sind.
annaṃ caturvidhaṃ svādu rasaiḥ ṣaḍbhiḥ samanvitam / bhaktyā gṛhāṇa me deva naivedyantuṣṭidaṃsadā
Diese Speise vierfacher Art, wohlschmeckend, mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen, nimm mit Hingabe an, o Gott; diese Speisegabe (Naivedya) gewährt stets Zufriedenheit.
nāgavallīdalaṃ śreṣṭhaṃ pūgakhadiracūrṇayuk / karpūrādisugandhāḍhyaṃ yaddattaṃ tadgṛhāṇa me
Das vortrefflichste Betelblatt (Nāgavallī), versehen mit Areka- und Katechupulver, reich duftend mit Kampfer usw. - was auch gegeben wird, nimm das von mir an.
yadāśābhimukho bhūtvā pūjanaṃ tu samācaret / saiva prācī tu vijñeyā tato 'nyā vidiśo daśa
In welche Richtung man, sich ihr zuwendend, die Verehrung vollzieht - eben diese sei als "Osten" (Prācī) zu erkennen; von daher (ergeben sich) die anderen neun (Neben-)Richtungen.
Wort für Wort
yadāśābhimukho bhūtvā
in welche Richtung man sich zuwendend
pūjanaṃ tu samācaret
die Verehrung vollzieht
saiva prācī tu vijñeyā
eben diese sei als Osten zu erkennen
tato 'nyā vidiśo daśa
von daher (ergeben sich) die anderen neun Richtungen
Auf den Staubblättern (des Lotos-Yantra), beginnend in der Feuer(-südöstlichen) Ecke, verehre man die mit "Herz" beginnenden (Gliedmaßengottheiten); das "Auge" vorn, und in den (vier Haupt-)Richtungen das Astra(-Mantra), mit den Glieder-Mantras der Reihe nach.
Wort für Wort
keśareṣvagnikoṇādi
auf den Staubblättern, beginnend in der Feuer(-südöstlichen) Ecke
hṛdayādīni pūjayet
verehre man die mit "Herz" beginnenden (Gottheiten)
netramagre dikṣu cāstraṃ
das "Auge" vorn, und in den Richtungen das Astra(-Mantra)
Weiß, weiß, blauschwarz, dunkel, schwarz (und) rot leuchtend, der Reihe nach; mit der Hand die Gewährungs- und Furchtlosigkeits-Gebärde machend, seien die Glieder-Śaktis, jede in ihrer eigenen Richtung, zu meditieren.
Wort für Wort
śuklaśvetasitaśyāmakṛṣṇaraktārciṣaḥ kramāt
weiß, weiß, blauschwarz, dunkel, schwarz, rot leuchtend, der Reihe nach
varābhayakarā dhyeyāḥ
mit Gewährungs- und Furchtlosigkeits-Gebärde in der Hand seien sie zu meditieren
svasvadikṣvaṃgaśaktayaḥ
(als) Glieder-Śaktis, jede in ihrer eigenen Richtung
[Anm.: "śukla" und "śveta" (beide "weiß") erscheinen nebeneinander; möglicherweise Textredundanz in der Quelle.]
amukāvaraṇānte tu devatā iti saṃvadet / sālaṅkārāstataḥ paścātsāṃgāḥ saparicārikāḥ
Am Ende (des Mantras für) die Umgebung von Soundso spreche man "der Gottheit"; dann (verehre man sie) mit Schmuck versehen, zusammen mit ihren Gliedmaßen, zusammen mit ihren Dienerinnen,
Wort für Wort
amukāvaraṇānte tu
am Ende (des Mantras für) die Umgebung von Soundso aber
devatā iti saṃvadet
spreche man "der Gottheit"
sālaṅkārāstataḥ paścāt
dann danach mit Schmuck versehen
sāṃgāḥ saparicārikāḥ
zusammen mit ihren Gliedmaßen, zusammen mit ihren Dienerinnen
zusammen mit ihren Reittieren und Waffen; dann, verehrt und gesättigt mit allen Dienstleistungen, werden sie zu Gewährern von Segen - dies rezitiere man.
Wort für Wort
savāhanāḥ sāyudhāśca
zusammen mit ihren Reittieren und Waffen
tataḥ sarvopacārakaiḥ
dann mit allen Dienstleistungen
saṃpūjitāstarpitāśca
verehrt und gesättigt
varadāḥ saṃtvidaṃ paṭhet
werden sie zu Segensgewährern - dies rezitiere man
mūlānte ca samuñcārya divatāyai nivedayet / abhīṣṭasiddhiṃ me dehi śaraṇāgatavatsala
Und nachdem man (dies) am Ende des Wurzelmantras ausgesprochen hat, präsentiere man es der Gottheit: "Gewähre mir die Erfüllung meines Wunsches, o du, der Zuflucht Suchenden Zugeneigter!"
Wort für Wort
mūlānte ca samuñcārya
und am Ende des Wurzelmantras ausgesprochen habend
"Mit Hingabe biete ich dir die Verehrung der Umgebung von Soundso dar" - so habe man gesprochen und werfe eine Handvoll Blumen auf das Haupt der Gottheit.
Wort für Wort
bhaktayā samarpaye tubhyam
mit Hingabe biete ich dir dar
amukāvaraṇārcanam
die Verehrung der Umgebung von Soundso
ityuñcārya kṣipetpuṣpāñjaliṃ
so habe man gesprochen und werfe eine Handvoll Blumen
Dann sind die im Ritualwerk genannten weiteren Umkreisungen (Āvṛtis) der Reihe nach zu verehren; danach verehre man, jeden in seiner eigenen Richtung, Indra und die anderen (Weltenhüter) mit ihren Waffen.
Wort für Wort
tatastvabhyarcyanīyāḥ syuḥ
dann sind zu verehren
kalpoktāścāvṛtīḥ kramāt
die im Ritualwerk genannten (weiteren) Umkreisungen der Reihe nach
Airāvata, ebenso der Widder, der Büffel, der Leichnam (Preta), der Fisch (und) der Hirsch, das Pferd, der Stier, der Schwan (und) die Schildkröte - als Reittiere kennen sie die Weisen.
Wort für Wort
airāvatastathā meṣo
Airāvata, ebenso der Widder
mahiṣaḥ pretastimirmṛgaḥ
der Büffel, der Leichnam, der Fisch (und) der Hirsch
vājī vṛṣo haṃsakūrmauṃ
das Pferd, der Stier, der Schwan (und) die Schildkröte
vāhanāni vidurbudhāḥ
als Reittiere kennen sie die Weisen
[Anm.: Die Zuordnung der Reittiere zu den einzelnen Weltenhütern (Dikpālas) bleibt in Einzelheiten unsicher, insbesondere bei "timirmṛgaḥ" (Fisch/Hirsch) und "vājī" (Pferd) [?].]
vajraṃ śaktiṃ daṇḍakhaḍgau pāśāṃ kuśagadā api / triśūlaṃ padmacakre ca kramādindrādihetayaḥ
Vajra (Donnerkeil), Śakti (Speer), Stab und Schwert, Schlinge, Haken und Keule ebenso, Dreizack, Lotos und Diskus - dies sind der Reihe nach die Waffen Indras und der anderen (Weltenhüter).
Wort für Wort
vajraṃ śaktiṃ daṇḍakhaḍgau
Vajra, Śakti, Stab und Schwert
pāśāṃ kuśagadā api
Schlinge, Haken und Keule
triśūlaṃ padmacakre ca
Dreizack, Lotos und Diskus
kramādindrādihetayaḥ
der Reihe nach (sind dies) die Waffen Indras und der anderen
samāpyāvaraṇārcāṃ tu devatārārtikaṃ caret / śaṅkhatoyaṃ parikṣipyodvāhurnṛtyan patetkṣitau
Nachdem man die Verehrung der Umgebung vollendet hat, vollziehe man das Lichtschwenken (Ārati) der Gottheit; nachdem man Muschelwasser umher versprengt hat, mag (ein Ergriffener), die Arme erhoben, tanzend, zu Boden fallen.
Wort für Wort
samāpyāvaraṇārcāṃ tu
nachdem man die Verehrung der Umgebung vollendet hat
devatārārtikaṃ caret
vollziehe man das Lichtschwenken der Gottheit
śaṅkhatoyaṃ parikṣipyodvāhurnṛtyan
nachdem man Muschelwasser umher versprengt hat, die Arme erhoben, tanzend
daṇḍavañcāpyathotthāya prārthayitvā nije śvaram / dakṣiṇe sthaṇḍilaṃ kṛtvā tatra saṃskāramācaret
Und auch (nachdem er) wie ein Stab (der Länge nach niedergefallen ist), sich dann erhoben und den eigenen Herrn gebeten hat, nachdem man rechts einen Ritualplatz (Sthaṇḍila) bereitet hat, vollziehe man dort die (Feuer-)Weihe.
Wort für Wort
daṇḍavañcāpyathotthāya
und auch, wie ein Stab (gefallen), dann sich erhoben
mūlenekṣaṇamastreṇa prokṣaṇaṃ tāḍanaṃ punaḥ / kuśaistadvarmaṇābhyukṣya pūjya tatra nyasedvasum
Mit dem Wurzelmantra das "Anschauen", mit dem Astra(-Mantra) das Besprengen, wieder das (rituelle) Schlagen; nachdem man mit Kuśa-Gras, mit dem Panzer(-Mantra) besprengt hat, verehrt, lege man dort das Brennholz nieder,
Wort für Wort
mūlenekṣaṇamastreṇa
mit dem Wurzelmantra das Anschauen, mit dem Astra(-Mantra)
prokṣaṇaṃ tāḍanaṃ punaḥ
das Besprengen, wieder das (rituelle) Schlagen
kuśaistadvarmaṇābhyukṣya
nachdem man mit Kuśa-Gras, mit dem Panzer(-Mantra) besprengt hat
opfere mit Ghee, mit gekochtem Reis, mit Sesam oder mit Milchreis, zusammen mit Ghee - der beste der Praktizierenden, in der Zahl von fünfundzwanzig (Opferungen).
Wort für Wort
juhuyātsarpiṣā bhaktaistilairvā pāyasena vā
opfere mit Ghee, mit gekochtem Reis, mit Sesam, oder mit Milchreis
punarvyāhṛtibhaghirhutvā gandhādyaiḥ punararcayet / devaṃ saṃyojayenmūrtauṃ tato vahniṃ visarjayet
nachdem man wieder mit den Mahāvyāhṛtis geopfert hat, verehre man wieder mit Duftstoff usw.; man vereinige den Gott (wieder) mit dem (Haupt-)Kultbild, dann entlasse man das Feuer.
Wort für Wort
punarvyāhṛtibhirhutvā
nachdem man wieder mit den Mahāvyāhṛtis geopfert hat
Nachdem man (es) entlassen hat, gebe man der Feuergottheit das Mundspülwasser, zusammen mit Duftstoff, Blumen (und) ungeschältem Reis, mit dem übriggebliebenen Opfergut.
Wort für Wort
visṛjyāgnidevatāyai
nachdem man es entlassen hat, der Feuergottheit
dadyādācamanīyakam
gebe man das Mundspülwasser
avaśiṣṭena haviṣā
mit dem übriggebliebenen Opfergut
gandhapuṣpākṣatānvitam
zusammen mit Duftstoff, Blumen und ungeschältem Reis
devatāpārṣadebhyo 'pi pūrvoktebhyo baliṃ dadet / ye raudrā raudrakarmāṇo raudrasthānanivāsinaḥ
Auch den zuvor genannten Gefolgsgottheiten (Pārṣadas) der Gottheit gebe man eine Opfergabe (Bali) - denen, die schrecklich sind, schreckliche Taten vollbringen, an schrecklichen Orten wohnen,
Wort für Wort
devatāpārṣadebhyo 'pi
auch den Gefolgsgottheiten der Gottheit
pūrvoktebhyo baliṃ dadet
den zuvor genannten gebe man eine Opfergabe
ye raudrā raudrakarmāṇo
die schrecklich sind, schreckliche Taten vollbringen
yoginyo hyugrarūpāśca gaṇānāmadhipāśca ye / vighnabhūtāstathā cānye digvidikṣu samāśritāḥga
den Yoginīs, den von schrecklicher Gestalt, und denen, die Herren der Gaṇa-Scharen sind, ebenso den hindernisstiftenden Geistwesen und anderen, die in den (Haupt- und Neben-)Richtungen wohnen -
Wort für Wort
yoginyo hyugrarūpāśca
den Yoginīs, und den von schrecklicher Gestalt
gaṇānāmadhipāśca ye
und denen, die Herren der Gaṇa-Scharen sind
vighnabhūtāstathā cānye
ebenso den hindernisstiftenden Geistwesen und anderen
sarve te prītamanasaḥ pratigṛhṇantvimaṃ balim / ityaṣṭadikṣu datvā ca punarbhūtabaliṃ caret
"Sie alle mögen, wohlgesinnten Gemütes, diese Opfergabe annehmen!" - nachdem man so in den acht Himmelsrichtungen gegeben hat, vollziehe man wieder die Opfergabe für die (niederen) Geistwesen.
Wort für Wort
sarve te prītamanasaḥ
sie alle, wohlgesinnten Gemütes
pratigṛhṇantvimaṃ balim
mögen diese Opfergabe annehmen
ityaṣṭadikṣu datvā ca
nachdem man so in den acht Richtungen gegeben hat
punarbhūtabaliṃ caret
vollziehe man wieder die Opfergabe für die Geistwesen
devamudvāsya mūrtisthaṃ punastatraiva yojayet / naivedyaṃ ca tato dadyāttattaducchiṣṭabhojine
Nachdem man den (in der Nebengestalt weilenden) Gott entlassen hat, vereinige man (ihn) wieder eben dort mit dem (Haupt-)Kultbild; dann gebe man die Speisegabe (Naivedya) dem jeweiligen "Esser der Speisereste" (Ucchiṣṭabhojin).
Wort für Wort
devamudvāsya mūrtisthaṃ
nachdem man den (im Wasser weilenden) Gott entlassen hat
punastatraiva yojayet
vereinige man (ihn) wieder eben dort (mit dem Kultbild)
Caṇḍeśa (ist der Speiserestesser) Maheśvaras, ebenso Viṣvaksena der Haris; "Caṇḍāṃśu" [?] der Sonne, und auch Vaktratuṇḍa [?] des Gaṇeśa; "Ucchiṣṭacāṇḍālī" der Śakti - so werden die Esser der Speisereste genannt.
Wort für Wort
maheśvarasya caṇḍeśo
Caṇḍeśa (ist) Maheśvaras (Speiserestesser)
viṣvaksenastathā hareḥ
ebenso Viṣvaksena der Haris
caṇḍāṃśustaraṇervaktatuṇḍaścāpi gaṇeśituḥ
"Caṇḍāṃśu" [?] der Sonne, und auch "Vaktratuṇḍa" [?] des Gaṇeśa
śakterucchiṣṭacāṇḍālī proktā ucchiṣṭabhojinaḥ
der Śakti "Ucchiṣṭacāṇḍālī" - so werden die Esser der Speisereste genannt
Dann, nachdem man des Ṛṣi usw. gedacht und das Sechsgliederritual des Wurzelmantras vollzogen hat, und nachdem man das Mantra nach Vermögen rezitiert hat, weihe man es der Gottheit:
Wort für Wort
tato ṛṣyādikaṃ smṛtvā
dann, nachdem man des Ṛṣi usw. gedacht hat
kṛtvā mūlaṣaḍaṅgakam
und das Sechsgliederritual des Wurzelmantras vollzogen hat
japtvā mantraṃ yathāśakti
nachdem man das Mantra nach Vermögen rezitiert hat
guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam / siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthitā
"Du bist der Hüter des Geheimen und Allergeheimsten; nimm die von uns vollzogene Rezitation an. Vollendung (Siddhi) möge mir werden, o Gott, die durch deine Gnade in dir gegründet ist."
Wort für Wort
guhyātiguhyagoptā tvaṃ
du bist der Hüter des Geheimen und Allergeheimsten
Dann, nachdem man sich abgewandt und die (abschließende) Arghya(-Gabe) bereitet hat, verehre man mit Blumen; mit den (beiden) Armen, mit den (beiden) Füßen, mit den (beiden) Knien, mit der Brust, mit dem Haupt zusammen mit den Augen, mit Geist und mit Rede - so wird die achtgliedrige Verneigung genannt.
Wort für Wort
tataḥ parāṅmukhaṃ cārghaṃ
dann, abgewandt, und die Arghya(-Gabe)
kṛtvā puṣpaiḥ prapūjayet
nachdem man bereitet hat, verehre man mit Blumen
dorbhyāṃ pabhdyāṃ ca jānubhyāmurasā śirasādṛśā manasā vacasā ceti
mit den Armen, Füßen, Knien, mit der Brust, dem Haupt zusammen mit den Augen, mit Geist und Rede
Mit den (beiden) Armen zusammen mit den Knien, mit dem Haupt, oder auch mit Rede - dies ist die fünfgliedrige Verneigung; beide sind bei der Verehrung vortrefflich.
natvā ca daṇḍavanmantrī tataḥ kuryātpradakṣiṇāḥ / viṣmusomārkavighnānāṃ vedārdhendvadrivahnayaḥ
Und nachdem der Mantra-Kundige sich wie ein Stab niedergeworfen hat, vollziehe er sodann Umkreisungen (Pradakṣiṇā); für Viṣṇu, Soma, die Sonne (und) Vighna(-eśa) - (die Zahl entspricht) den Veden, dem Halbmond, den Bergen (und) den Feuern.
Wort für Wort
natvā ca daṇḍavanmantrī
und nachdem der Mantra-Kundige sich wie ein Stab niedergeworfen hat
tataḥ kuryātpradakṣiṇāḥ
vollziehe er sodann Umkreisungen
viṣmusomārkavighnānāṃ
für Viṣṇu, Soma, Sonne, Vighna(-eśa)
vedārdhendvadrivahnayaḥ
(entsprechend) den Veden, dem Halbmond, den Bergen, den Feuern
[Anm.: Die Verse geben die Anzahl der Umkreisungen in codierter Zahlensymbolik (Bhūtasaṃkhyā) an: Veda=4, Ardhendu (Halbmond)=8[?], Adri (Berge)=7, Vahni (Feuer)=3; genaue Zuordnung zu den vier genannten Gottheiten bleibt im Detail unsicher [?].]
Dann rezitiere der Mantra-Kundige Loblieder (Stotras) usw. mit Hingabe; von hier an das Vollständige, aufgrund der Zuständigkeit von Atem, Verstand, Körper und Pflicht (Dharma),
Wort für Wort
tataḥ stotrādikaṃ mantrī
dann Loblieder usw. der Mantra-Kundige
prapaṭhedbhaktipūrvakam
rezitiere mit Hingabe
itaḥ pūrṇaṃ
von hier an das Vollständige
prāṇabuddhidehadharmādhikārataḥ
aufgrund der Zuständigkeit von Atem, Verstand, Körper und Pflicht
in den Zuständen des Wachens, Träumens und tiefen Schlafs spreche man mit Geist; mit Rede, mit den (beiden) Händen, mit den (beiden) Füßen, mit dem Bauch, und danach ferner,
Wort für Wort
jāgratsvapnasuṣuptyante 'vasthāsu
in den Zuständen des Wachens, Träumens, tiefen Schlafs
śiṣṇānte yatsmṛtaṃ paścādyaduktaṃ yatkṛtaṃ tataḥ / tatsarvaṃ ca tato brahmarpaṇaṃ bhavatu ṭhadvayam
und mit dem Geschlechtsglied, - was danach gedacht, was gesagt, was getan wurde -, all das möge ein Opfer an Brahman werden; (die beiden Silben) "...tha" [?].
Wort für Wort
śiṣṇānte yatsmṛtaṃ paścāt
und mit dem Geschlechtsglied - was danach gedacht wurde
yaduktaṃ yatkṛtaṃ tataḥ
was gesagt, was getan wurde danach
tatsarvaṃ ca tato brahmarpaṇaṃ bhavatu
all das möge zum Opfer an Brahman werden
ṭhadvayam
(das Silbenpaar) ṭha [?]
[Anm.: Vers 108b ("tatsarvaṃ ca tato brahmarpaṇaṃ bhavatu ṭhadvayam") entspricht der bekannten Formel "brahmārpaṇam" (etwa Bhagavadgītā-Stil); die Bedeutung des Schlussteils "ṭhadvayam" ("das Silbenpaar ṭha") bleibt unklar [?].]
praṇavādyo 'ṣṭavasvarṇo hyanenātmānamarpayet / ajñānādvā pramādādvā vaikalyātsādhanasya ca
Mit dem Praṇava beginnend, sechzehnsilbig, biete man mit diesem sich selbst dar. Was auch immer aus Unwissenheit, aus Unachtsamkeit, oder aus Mangelhaftigkeit des Vollzugsmittels
Wort für Wort
praṇavādyo 'ṣṭavasvarṇo
mit dem Praṇava beginnend, sechzehnsilbig [?]
hyanenātmānamarpayet
biete man mit diesem sich selbst dar
ajñānādvā pramādādvā
aus Unwissenheit, oder aus Unachtsamkeit
vaikalyātsādhanasya ca
oder aus Mangelhaftigkeit des Vollzugsmittels
[Anm.: "aṣṭavasvarṇaḥ" ("acht-vasu-silbig") als Zahlencode für die Silbenzahl des Mantras verstanden; genaue Deutung unsicher [?].]
zu wenig oder zu viel (geschehen sein sollte) - das alles mögest du zu verzeihen geruhen; was an Substanz mangelhaft, an Handlung mangelhaft, an Mantra mangelhaft, oder von mir sonst irrig
vollzogen wurde - das verzeih, o Herr, aus Gnade, du Schatz des Mitleids. Was auch immer an Handlung von mir vollzogen wird im Wachen, Träumen (und) tiefen Schlaf,
tatsarvaṃ tāvakī pūjā bhūyādbhūtyai ca me prabho / bhūmau skhalitapādānāṃ bhūmirevāvalaṃbanam
das alles möge deine Verehrung sein, und zu meinem Wohlergehen (dienen), o Herr. Für die, deren Füße auf dem Boden ausgeglitten sind, ist der Boden selbst die Stütze (zum Wiederaufstehen);
Wort für Wort
tatsarvaṃ tāvakī pūjā
das alles möge deine Verehrung sein
bhūyādbhūtyai ca me prabho
und zu meinem Wohlergehen (dienen), o Herr
bhūmau skhalitapādānāṃ
für die, deren Füße auf dem Boden ausgeglitten sind
dāso 'yamiti māṃ matvā kṣamasva jagatāṃ pate / āvāhanaṃ na jānāmi na jānāmi visarjanam
Betrachte mich, indem du denkst: "dies ist (mein) Diener", verzeih (mir), o Herr der Welten. Ich kenne nicht die Herbeirufung (Āvāhana), ich kenne nicht die Entlassung (Visarjana),
Wort für Wort
dāso 'yamiti māṃ matvā
indem du denkst "dies ist (dein) Diener", betrachte mich
pūjāṃ caiva na jānāmi tvaṃ gatiḥ parameśvara / saṃprārthyaivaṃ tato mantrī mūlānte ślokamuñcaret
und auch die Verehrung kenne ich nicht - du bist (meine) Zuflucht, o höchster Herr. Nachdem er so gebetet hat, spreche der Mantra-Kundige dann am Ende des Wurzelmantras diesen Vers:
Wort für Wort
pūjāṃ caiva na jānāmi
und auch die Verehrung kenne ich nicht
tvaṃ gatiḥ parameśvara
du bist (meine) Zuflucht, o höchster Herr
saṃprārthyaivaṃ tato mantrī
nachdem er so gebetet hat, dann der Mantra-Kundige
"Gehe, gehe zu deiner höchsten Stätte, o Herr der Welt, o du, dessen Selbst das Weltall ist - welche (Stätte) weder Brahmā noch die anderen Götter kennen, noch Sadāśiva."
Wort für Wort
gaccha gaccha paraṃ sthānaṃ
gehe, gehe zu deiner höchsten Stätte
jagadīśa jaganmaya
o Herr der Welt, o du, dessen Selbst das Weltall ist
Nachdem man so eine Handvoll Blumen dargebracht hat, dann, mit der "Rückzugs"-Geste (Saṃhāramudrā), nachdem man den Gott samt seinen Gliedern im Lotos des eigenen Herzens niedergelegt hat,
Wort für Wort
iti puṣpāñjaliṃ datvā
nachdem man so eine Handvoll Blumen dargebracht hat
tataḥ saṃhāramudrayā
dann mit der "Rückzugs"-Geste
nidhāya devaṃ sāṃgaṃ ca
nachdem man den Gott samt seinen Gliedern niedergelegt hat
entlasse der Weise (das äußere Kultbild), nachdem er auf dem Weg der Suṣumṇā die Blume gerochen hat. Ebenso: Muschel, Diskus, (heiliger) Stein, Liṅga, (Bild des) Vighna(-eśa) und zwei Sonnen(-symbole) zugleich,
Wort für Wort
suṣumṇāvartmanā puṣpamāghrāya
nachdem er auf dem Weg der Suṣumṇā die Blume gerochen hat
udvāsayed budhaḥ
entlasse der Weise (das Kultbild)
śaṅkhacakraśilāliṅgavighnasūryadvayaṃ tathā
ebenso Muschel, Diskus, (heiliger) Stein, Liṅga, Vighna(-eśa) und zwei Sonnen(-symbole)
śaktitrayaṃ na caikatra pūjayedduḥkhakāraṇam / akālamṛtyuharaṇaṃ sarvavyādhivināśan
und eine Dreiheit von Śaktis verehre man nicht an einem einzigen Ort - (dies ist) Ursache von Leid, (nämlich) Herbeiführung eines unzeitigen Todes.
Wort für Wort
śaktitrayaṃ na caikatra
und eine Dreiheit von Śaktis nicht an einem einzigen Ort
pūjayedduḥkhakāraṇam
verehre man - (dies ist) Ursache von Leid
akālamṛtyuharaṇam
Herbeiführung eines unzeitigen Todes
[Anm.: Regel gegen die gleichzeitige Verehrung doppelter/dreifacher gleichartiger Kultgegenstände (Muschel, Diskus, Stein, Liṅga, Gaṇeśa-Bild, Sonnen-Symbol, Devī-Bild) an einem Ort.]
Von den jeweiligen Verehrern soll das als Speiseopfer Geweihte genommen werden; nicht anzunehmen sind Śivas Blumenreste (Nirmālya) - Blatt, Blume, Frucht (und) Wasser (davon).
āturī sautikī trāsī sādhanā bhāvinī tathā / daurbodhī ca kramādāsāṃ lakṣaṇāni śṛṇuṣaava me
"Āturī" (Kranken-Verehrung), "Sautikī" (Geburts-Verehrung), "Trāsī" (Furcht-Verehrung), "Sādhanābhāvinī" (Verehrung bei fehlendem Vollzugsmittel), sowie "Daurbodhī" (Verehrung der Unwissenden) - höre von mir der Reihe nach die Kennzeichen dieser.
Wort für Wort
āturī sautikī trāsī
"Āturī", "Sautikī", "Trāsī"
sādhanā bhāvinī tathā
und "Sādhanābhāvinī" (Verehrung bei fehlendem Vollzugsmittel)
rogādiyukto na srāyānna japenna ca pūjayet / vilokya pūjāṃ devasya mūrtiṃ vā sūryyamaṇḍalam
Ein von Krankheit usw. Befallener bade nicht, rezitiere nicht (das Mantra) und verehre nicht (im üblichen Sinn); nachdem er die Verehrung der Gottheit, das Kultbild, oder die Sonnenscheibe angeschaut hat,
Wort für Wort
rogādiyukto na srāyānna japenna ca pūjayet
ein von Krankheit usw. Befallener bade nicht, rezitiere nicht, und verehre nicht
vilokya pūjāṃ devasya
nachdem er die Verehrung der Gottheit angeschaut hat
verneige er sich, dann, sich des Mantras erinnernd, biete er eine Handvoll Blumen dar; wenn die Krankheit vergangen ist, nachdem er gebadet und sich verneigt hat, verehre er den Guru,
Wort für Wort
praṇamyātha smaranmantram
verneige er sich, dann, sich des Mantras erinnernd
arpayetkumāñjalim
biete er eine Handvoll Blumen dar
roge nivṛtte snātvātha
wenn die Krankheit vergangen ist, nachdem er gebadet hat
tvatprasādājjagannātha jagatpūjya dayānidhe / pūjāvicchedadoṣo me māstviti prārthayecca tam
(indem er spricht:) "Durch deine Gnade, o Herr der Welt, von der Welt Verehrter, Schatz des Mitleids - möge mir nicht der Fehler der Unterbrechung der Verehrung zuteilwerden" - so bete er ihn an.
Wort für Wort
tvatprasādājjagannātha jagatpūjya dayānidhe
durch deine Gnade, o Herr der Welt, von der Welt Verehrter, Schatz des Mitleids
pūjāvicchedadoṣo me māstviti
möge mir nicht der Fehler der Unterbrechung der Verehrung zuteilwerden
dvijānapi ca saṃpūjya yathāśaktyā pratoṣya ca / tebhyaścāśiṣamādāya devaṃ prāgvattator'cayet
Und nachdem er auch die Brahmanen verehrt und sie nach Vermögen erfreut hat, und nachdem er von ihnen den Segen empfangen hat, verehre er dann den Gott wieder wie zuvor.
Dies ist die "Āturī" genannt worden; nun wird die "Sautikī" mitgeteilt. Die Geburts-/Todesunreinheit (Sūtaka) ist zweierlei genannt: die "Geburts"-genannte (und) die "Tod"-genannte.
tatra snātvā mānasīṃ tu kṛtvā saṃdhyāṃ samāhitaḥ / manasaiva yajeddevaṃ manasaiva japenmanum
Dabei vollziehe er, nachdem er (nur) mental gebadet und die Sandhyā(-Rite) mental vollzogen hat, gesammelt, allein mit dem Geist die Verehrung des Gottes, allein mit dem Geist rezitiere er das Mantra.
nivṛtte sūtake prāgvatsaṃpūjya ca guruṃ dvijān / tebhyaścāśiṣamādāya tato nityakramaṃ caret
Wenn die Geburts-/Todesunreinheit vergangen ist, nachdem er wie zuvor Guru und Brahmanen verehrt und von ihnen den Segen empfangen hat, vollziehe er dann den regulären (täglichen) Ablauf.
Wort für Wort
nivṛtte sūtake prāgvat
wenn die Unreinheit vergangen ist, wie zuvor
saṃpūjya ca guruṃ dvijān
nachdem er Guru und Brahmanen verehrt hat
tebhyaścāśiṣamādāya
und von ihnen den Segen empfangen hat
tato nityakramaṃ caret
vollziehe er dann den regulären (täglichen) Ablauf
eṣā tu sautikī proktā trāsī cātha nigadyate / duṣṭebhyastrāsamāpanno yathālabdhopacāraṅkaiḥ
Dies ist die "Sautikī" genannt worden; nun wird die "Trāsī" mitgeteilt. Wer durch böse (Wesen) in Furcht geraten ist, mit welchen (Mitteln der) Dienstleistung auch immer erlangbar,
Wort für Wort
eṣā tu sautikī proktā
dies ist die "Sautikī" genannt worden
trāsī cātha nigadyate
nun wird die "Trāsī" mitgeteilt
duṣṭebhyastrāsamāpanno
wer durch böse (Wesen) in Furcht geraten ist
yathālabdhopacārakaiḥ
mit welchen (Mitteln der) Dienstleistung auch immer erlangbar
mānasairvai yajeddevaṃ trāsī sā parikīrtitā / pūjāsādhanavastūnāma sāmarthye tu sarvataḥ
verehre allein mit mentalen (Opfergaben) den Gott - dies wird als "Trāsī" verkündet. Wenn hinsichtlich der Verehrungsmittel und -gegenstände völlige Unmöglichkeit (besteht),
Wort für Wort
mānasairvai yajeddevaṃ
verehre allein mit mentalen (Opfergaben) den Gott
trāsī sā parikīrtitā
dies wird als "Trāsī" verkündet
pūjāsādhanavastūnām
hinsichtlich der Verehrungsmittel und -gegenstände
verehre man den Allmächtigen mit (irgendwelchen vorhandenen) Blumen, Blättern oder Früchten, oder mit dem Geist - dies ist die "Sādhanābhāvinī"; höre (nun von) der "Daurbodhī", o Nārada.
Frauen, Greise, ebenso Kinder, Toren - von diesen, entsprechend, die gemäß ihrem (jeweils begrenzten) Wissen vollzogene (Verehrung) - diese wird als "Daurbodhī" verkündet.
vaiśvadevādikaṃ kṛtvā bhojayeddvijasattamān / deve niveditaṃ paścādbhuñjīta svagaṇaiḥ svayam
Nachdem man den Vaiśvadeva-Ritus usw. vollzogen hat, speise man die besten der Brahmanen; danach, was dem Gott geweiht worden ist, esse man selbst zusammen mit den eigenen Angehörigen.
Wort für Wort
vaiśvadevādikaṃ kṛtvā
nachdem man den Vaiśvadeva-Ritus usw. vollzogen hat
bhojayeddvijasattamān
speise man die besten der Brahmanen
deve niveditaṃ paścāt
danach, was dem Gott geweiht worden ist
bhuñjīta svagaṇaiḥ svayam
esse man selbst zusammen mit den eigenen Angehörigen
ācamyānanaśuddhiṃ ca kṛtvā tiṣṭet kiyatkṣaṇam / purāṇamitihāsaṃ ca śṛṇuyātsvajanaiḥ saha
Nachdem man Wasser gesippt und die Mundreinigung vollzogen hat, verweile man eine kurze Weile; man höre Purāṇa und Itihāsa zusammen mit den eigenen Angehörigen.
Wort für Wort
ācamyānanaśuddhiṃ ca
nachdem man Wasser gesippt und die Mundreinigung vollzogen hat
samarthaḥ sarvakalpeṣu yo 'nukalpaṃ samācaret / na sāṃgaśayikaṃ tasya durmaterjāyate phalam
Wer, obwohl fähig zu allen vollständigen Verfahren, das vereinfachte Verfahren (Anukalpa) ausübt - für diesen Toren entsteht nicht die vollständige [?] Frucht.
Wort für Wort
samarthaḥ sarvakalpeṣu
wer fähig ist zu allen vollständigen Verfahren
yo 'nukalpaṃ samācaret
(und dennoch) das vereinfachte Verfahren ausübt
na sāṃgaśayikaṃ tasya
für diesen (entsteht) nicht die vollständige [?]
durmaterjāyate phalam
für den Toren entsteht die Frucht
[Anm.: "sāṃgaśayikam" unsicher überliefert; hier sinngemäß als "die vollständige (mit allen Gliedern versehene) Frucht" wiedergegeben [?].]