Nārada sprach: O Erhabener, Kenner aller Dharma, der du den Sinn aller Lehrschriften durchdrungen hast – das vortrefflichste aller Werke, die Fahnenhissung, hast du [mir] verkündet.
Wort für Wort
bhagavansarvadharmajña sarvaśāstrārthapāraga /
o Erhabener, Kenner aller Dharma, der du den Sinn aller Lehrschriften durchdrungen hast
sarvakarmavariṣṭaṃ ca tvayoktaṃ dhvajadhāraṇam
das vortrefflichste aller Werke, die Fahnenhissung, hast du verkündet
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden (18.) Kapitels vorangestellt, gefolgt von einer Trennlinie – ein reines Gliederungselement, im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen.]
Von frommer Gesinnung, mit Wahrhaftigkeit ausgestattet, aus reinem Geschlecht stammend, den Gästen zugetan, mit allen [günstigen] Kennzeichen ausgestattet, mit allem Reichtum geschmückt.
Stets der Verehrung der Verehrungswürdigen zugetan, gleichmütig, mit [guten] Eigenschaften ausgestattet, allen Wesen zum Heil, friedvoll, dankbar und ebenso ruhmreich.
Wort für Wort
pūjyapūjārato nityaṃ samadarśī guṇānvitaḥ /
stets der Verehrung der Verehrungswürdigen zugetan, gleichmütig, mit guten Eigenschaften ausgestattet
sarvabhūtahitaḥ śāntaḥ kṛtajñaḥ kīrtimāṃstathā
allen Wesen zum Heil, friedvoll, dankbar und ebenso ruhmreich
Dessen Gattin, hochgesegnet, mit allen [günstigen] Merkmalen versehen, ihrem Gatten treu ergeben, ihrem Gatten ihr Leben weihend, mit Namen Satyamati, o Weiser.
Wort für Wort
tasya bhāryā mahābhāgā sarvalakṣaṇasaṃyutā /
dessen Gattin, hochgesegnet, mit allen günstigen Merkmalen versehen
pativratā patiprāṇā nāmrā satyamatirmune
ihrem Gatten treu ergeben, ihrem Gatten ihr Leben weihend, mit Namen Satyamati, o Weiser
so 'pi rājā mahābhāgo dvādaśīddhādaśīdine /
dhvajamāropayatyeva manojñaṃ bahuvistaram
Auch dieser hochgesegnete König richtete am Dvādaśī-Tag [?] eine anmutige, überaus ausgedehnte Fahne auf.
Wort für Wort
so 'pi rājā mahābhāgo dvādaśīddhādaśīdine /
auch dieser hochgesegnete König, am Dvādaśī-Tag [Anm.]
dhvajamāropayatyeva manojñaṃ bahuvistaram
richtete er eine anmutige, überaus ausgedehnte Fahne auf
[Anm.: 'dvādaśīddhādaśīdine' zeigt eine Wortdopplung (Dittographie) des Wortes 'dvādaśī'; vermutlich ursprünglich 'dvādaśyāṃ dine' ('am Tag der Dvādaśī').]
Nachdem er die Gastfreundschaftsriten für den Friedvollen vollzogen und [ihm] einen Sitz gegeben hatte, sprach er, selbst auf einem niedrigeren Sitz Platz nehmend, mit gefalteten Händen wiederum zum Weisen:
Wort für Wort
kṛtātithyakriyaṃ śāntaṃ kṛtāsanaparigraham /
nachdem er die Gastfreundschaftsriten für den Friedvollen vollzogen und ihm einen Sitz gegeben hatte
nīcāsanasthito bhūyaḥ prāñjalirmunimabravīt
sprach er, selbst auf niedrigerem Sitz, mit gefalteten Händen wiederum zum Weisen
Der König sprach: O Erhabener, ich bin durch dein Herkommen fürwahr am Ziel meines Strebens angelangt [?]. Das Kommen der Guten preisen die Frommen als etwas, das [Segen] gleich [dem der] Götter bringt [?].
Wort für Wort
bhagavankṛtakṛtyo 'smiṃ tvadabhyāgamanena veṃ /
o Erhabener, ich bin durch dein Herkommen fürwahr am Ziel meines Strebens angelangt [?]
satāmāyamanaṃ santaṃ praśaṃsanti suravāvaham
das Kommen der Guten preisen die Frommen als [Segen] gleich [dem der] Götter bringend [?]
[?] Vers stark korrupt/unklar überliefert, insbesondere 'veṃ' und 'satāmāyamanaṃ santaṃ ... suravāvaham'; sinngemäß wiedergegeben.
yo mṛrdhni dhāgyedūhyanmahatpādajalaṃ rajaḥ /
sa snātaḥ sarvatīrtheṣu puṇyātmā nātra saṃśayaḥ
Wer auf seinem Haupt das Wasser oder den Staub von den Füßen der Großen trägt [?], der ist, in allen Pilgerstätten gebadet, ein Mensch reiner Seele – daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
yo mṛrdhni dhāgyedūhyanmahatpādajalaṃ rajaḥ /
wer auf seinem Haupt das Wasser oder den Staub von den Füßen der Großen trägt [?]
sa snātaḥ sarvatīrtheṣu puṇyātmā nātra saṃśayaḥ
der ist, in allen Pilgerstätten gebadet, ein Mensch reiner Seele – daran ist kein Zweifel
Der Ṛṣi sprach: Was auch immer sonst von dir gesagt wurde [?] – all das entspricht deinem Geschlecht. Wer sich in Demut verneigt, erlangt hier vielfaches Heil.
Wort für Wort
gajanyaduktaṃ bhavatā tatsarvaṃ tvatkulocitam /
was auch immer sonst von dir gesagt wurde [?] – all das entspricht deinem Geschlecht
vinayāvanataḥ sarvo bahuśreyo labhediha
wer sich in Demut verneigt, erlangt hier vielfaches Heil
[?] 'gajanyaduktaṃ' textlich unklar/korrupt überliefert, sinngemäß als 'yad anyaduktaṃ' ('was auch sonst gesagt wurde') gedeutet.
Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa, o Bester der Könige – durch Demut erlangt der Sterbliche [sie]; was wäre für die Großherzigen dann noch schwer erreichbar?
Wort für Wort
dharmaścārthaśca kāmaśca mokṣaśca nṛpasattama /
Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa, o Bester der Könige
vinayāllabhate martyo durlabhaṃ kiṃ mahātmanām
durch Demut erlangt der Sterbliche sie; was wäre den Großherzigen dann noch schwer erreichbar
Von allen Verwandten verlassen, unglücklich, in den Wald gegangen, mich stets vom Fleisch wilder Tiere nährend, und gierig nach dem Besitz der Wanderer [?].
Wort für Wort
sarvabandhuparityakto duḥkhī vanamupāgataḥ /
von allen Verwandten verlassen, unglücklich, in den Wald gegangen
mṛgamāṃsāśano nityaṃ tathā pānthāvillampakaḥ
mich stets vom Fleisch wilder Tiere nährend, und gierig nach dem Besitz der Wanderer [?]
[?] 'pānthāvillampakaḥ' vermutlich für 'pānthavittalampakaḥ' ('gierig nach dem Besitz der Wanderer') verschrieben.
Nachdem ich heruntergefallene Früchte gegessen und so von selbst meinen Hunger gestillt hatte, machte ich mir in jenem verfallenen Tempel Viṣṇus meine Wohnstatt [?].
Wort für Wort
phalāni jagdhvā śīrṇāni svayaṃ kṣucca nivāritā /
nachdem ich heruntergefallene Früchte gegessen und so von selbst meinen Hunger gestillt hatte
tasmiñjīrṇīlaye viṣṇonarnivāsaṃ kṛtakavānaham
machte ich mir in jenem verfallenen Tempel Viṣṇus meine Wohnstatt [?]
svasurārāthaṃ tu tadbhamirmayā litpā munīśvara /
tatrāhaṃ vyādhavṛttistho hatvā bahuvidhānmṛgān
Zu meiner eigenen Bequemlichkeit [?] bestrich ich jenen Boden [mit Lehm], o Fürst der Weisen; dort lebte ich als Jäger, indem ich vielerlei Wild erlegte.
Wort für Wort
svasurārāthaṃ tu tadbhamirmayā litpā munīśvara /
zu meiner eigenen Bequemlichkeit [?] bestrich ich jenen Boden, o Fürst der Weisen
tatrāhaṃ vyādhavṛttistho hatvā bahuvidhānmṛgān
dort lebte ich als Jäger, indem ich vielerlei Wild erlegte
[?] 'svasurārāthaṃ tu tadbhamirmayā litpā' textlich stark korrupt überliefert; sinngemäß als 'svasukhārthaṃ tu tadbhūmir mayā liptā' ('zu meiner eigenen Bequemlichkeit wurde jener Boden von mir bestrichen') gedeutet.
Geboren aus dem Niṣāda-Geschlecht, [aber] fürwahr trefflich [?], mit Namen bekannt als Navakokilā, von der Schar ihrer Verwandten verlassen, unglücklich, mit abgezehrtem Leib.
Wort für Wort
niṣādakulajā viprā nānmā khyātā navakokilā /
geboren aus dem Niṣāda-Geschlecht, [aber] trefflich [?], mit Namen bekannt als Navakokilā
bandhuvargaparityaktā duḥkhitā jīrṇavigrahā
von der Schar ihrer Verwandten verlassen, unglücklich, mit abgezehrtem Leib
[Anm.: Im Quelltext steht 'khyātā/ñavakokilā' mit einem fehlplatzierten Schrägstrich mitten im Wort – offenbar ein Interpunktions-/OCR-Artefakt der Vorlage, hier stillschweigend als 'khyātā navakokilā' gelesen.] [?] 'viprā' ('trefflich/brahmanisch') steht im Widerspruch zur genannten Niṣāda-Herkunft; Lesart unsicher.
Wasser gab ich ihr, Fleisch und Waldfrüchte; nachdem sie so von ihrer Erschöpfung befreit war, o Brahmane, fragte ich sie, wie es sich wahrhaftig zugetragen hatte.
Wort für Wort
dattaṃ mayā jalaṃ cāsyai māṃsaṃ vanyaphalāni ca /
Wasser gab ich ihr, Fleisch und Waldfrüchte
gataśramātviyaṃ brahmanmayā pṛṣṭā yathā tayam
nachdem sie so von ihrer Erschöpfung befreit war, o Brahmane, fragte ich sie, wie es sich wahrhaftig zugetragen hatte
puṃścalūtyevamuktvā tu bandhuvargaiḥ samujjhitā /
kiyatkālaṃ tataḥ patyā bhṛtāhaṃ lokaninditā
'eine Ehebrecherin' – so genannt, wurde ich von der Schar meiner Verwandten verstoßen; einige Zeit danach wurde ich, von der Welt geschmäht, von einem Gatten ernährt.
Wort für Wort
puṃścalūtyevamuktvā tu bandhuvargaiḥ samujjhitā /
'eine Ehebrecherin' – so genannt, wurde ich von der Schar meiner Verwandten verstoßen
kiyatkālaṃ tataḥ patyā bhṛtāhaṃ lokaninditā
einige Zeit danach wurde ich, von der Welt geschmäht, von einem Gatten ernährt
Doch schicksalhaft ging auch er in die Welt des Yama ein, mich hier zurücklassend; in der Wildnis, einsam und allein, irrte ich umher, von Leid gequält.
Wort für Wort
daivātso 'pi gato lokaṃ yamasyātra vihāya mām /
doch schicksalhaft ging auch er in die Welt des Yama ein, mich hier zurücklassend
kāntāre vijane caikā bhramantī duḥkhapīḍitā
in der Wildnis, einsam und allein, irrte ich umher, von Leid gequält
unser eigenes Gewand und unseren Leib nicht mehr wahrnehmend, tanzten wir, verblendet; das Ende unseres [von früherem Tun] begonnenen Karmas hatten wir beide zugleich erreicht.
Wort für Wort
tanuvastrāparijñānau nṛtyaṃ cakṛva mohitau /
unser eigenes Gewand und unseren Leib nicht mehr wahrnehmend, tanzten wir, verblendet
prārabdhakarma bhogāntamāvāṃ yugapadāgatau
das Ende unseres begonnenen Karmas hatten wir beide zugleich erreicht
Da kamen die Boten Yamas, mit Stricken in der Hand, furchterregend, um uns beide, die wir dem Tanze hingegeben waren, zur überaus schrecklichen Yama-Qual zu führen [?].
Wort für Wort
yamadūtāstadāyātāḥ pāśahastā bhayaṅkarāḥ /
da kamen die Boten Yamas, mit Stricken in der Hand, furchterregend
netumāvāṃ nṛtyaratau sudhorāṃ yamayātanām
um uns beide, die wir dem Tanze hingegeben waren, zur überaus schrecklichen Yama-Qual zu führen [?]
[?] 'sudhorāṃ' vermutlich für 'sughorāṃ' ('überaus schrecklich') verschrieben.
svadūtānprepayāmāsa svabhaktāvanatatparaḥ /
te dūtā devadevasya śaṅkhacakragadādharāḥ
und sandte seine eigenen Boten aus, [er,] der stets darauf bedacht ist, seine Gläubigen zu beschützen; jene Boten des Gottes der Götter trugen Muschelhorn, Diskus und Keule.
Wort für Wort
svadūtānprepayāmāsa svabhaktāvanatatparaḥ /
er sandte seine eigenen Boten aus, stets darauf bedacht, seine Gläubigen zu beschützen
te dūtā devadevasya śaṅkhacakragadādharāḥ
jene Boten des Gottes der Götter trugen Muschelhorn, Diskus und Keule
die mit ihrem eigenen Glanz die Himmelsrichtungen von Finsternis befreiten, o Brahmane – [sie vertrieben] die furchterregenden, mit Stricken in der Hand bewaffneten, fletschzähnigen Diener Yamas.
Wort für Wort
diśo vitimirā vipra kurvantaḥ svena tejasā /
die mit ihrem eigenen Glanz die Himmelsrichtungen von Finsternis befreiten, o Brahmane
bhayaṅkarānyāśahastāndaṃṣṭriṇo yamakiṅkarān
[sie vertrieben] die furchterregenden, mit Stricken bewaffneten, fletschzähnigen Diener Yamas
Die Boten Viṣṇus sprachen: Oh, oh, ihr Grausamen, übel Handelnden, der Unterscheidungskraft Beraubten! Lasset dieses schuldlose Ehepaar los, das Hari lieb und teuer ist!
Wort für Wort
bho bho krūrā dūrācārā vivekaparivarjitāḥ /
oh, oh, ihr Grausamen, übel Handelnden, der Unterscheidungskraft Beraubten
muñcadhvametau niṣpāpau dampatī harivallabhau
lasset dieses schuldlose Ehepaar los, das Hari lieb und teuer ist
Unterscheidungskraft ist in den drei Welten die erste Ursache alles Glücks; wer bei dem, der ohne Sünde ist, den Gedanken der Sünde hegt, den erkenne man als den niedrigsten der Menschen.
Wort für Wort
vivekastriṣu lokeṣu saṃpadāmādikāraṇam /
Unterscheidungskraft ist in den drei Welten die erste Ursache alles Glücks
apāpe pāpadhīryastu taṃ vidyātpuruṣādhamam
wer bei dem Sündlosen den Gedanken der Sünde hegt, den erkenne man als den niedrigsten der Menschen
Die Boten Yamas sprachen: Von euch ist wahrlich die Wahrheit gesagt; doch sind diese beiden nicht die ärgsten Sünder [?]? Von Yama müssen die Sünder bestraft werden – daher wollen wir diese beiden fortführen.
Wort für Wort
yuṣmābhiḥ satyamevoktaṃ kiṃ tvetau pāpisattamau /
von euch ist wahrlich die Wahrheit gesagt; doch sind diese beiden nicht die ärgsten Sünder [?]
yamena pāpino daṇḍyāstanneṣyāmo vayaṃ tvimau
von Yama müssen die Sünder bestraft werden – daher wollen wir diese beiden fortführen
[?] 'pāpisattamau' (wörtl. 'die besten der Sünder') vermutlich für 'pāpiṣṭhau' ('die schlimmsten Sünder') verschrieben.
Der in den heiligen Schriften niedergelegte [Weg] ist Dharma, das Gegenteil davon Adharma; dies ist die Unterscheidung von Dharma und Adharma – daher wollen wir sie zu Yama führen.
Wort für Wort
śrutipraṇihito dharmo hyadharmastadviparyayaḥ /
der in der Śruti niedergelegte [Weg] ist Dharma, das Gegenteil davon Adharma
dharmādharmaviveko 'yaṃ tanneṣyāmo yamāntikam
dies ist die Unterscheidung von Dharma und Adharma – daher wollen wir sie zu Yama führen
Als sie dies hörten, wurden die Boten Viṣṇus, von großer Macht, überaus zornig und erwiderten den Yama-Kriegern, die im Unrecht das Recht zu erkennen glaubten:
Wort für Wort
etactchuvātikupitā viṣṇudūtā mahaujasaḥ /
als sie dies hörten, wurden die Boten Viṣṇus, von großer Macht, überaus zornig
pratyūcūstānyamabhaṭānadharme dharmamāninaḥ
und erwiderten den Yama-Kriegern, die im Unrecht das Recht zu erkennen glaubten
Die Boten Viṣṇus sprachen: Ach, welch Elend, dass Unrecht die Versammlung derer berührt, die [doch] das Recht erkennen! Dies ist fürwahr die große Wurzel allen Unheils für die, denen die rechte Unterscheidungskraft fehlt.
Wort für Wort
aho kaṣṭaṃ dharmadṛśāmadharmaḥ spṛśate sabhām /
ach, welch Elend, dass Unrecht die Versammlung derer berührt, die das Recht erkennen
samyagvivekaśūnyānāṃ nidānaṃ hyāpadāṃ mahat
dies ist die große Wurzel allen Unheils für die, denen die rechte Unterscheidungskraft fehlt
Durch bloße Spitzfindigkeit ohne [rechte] Unterscheidung [?] seid ihr zu Aufsehern der Hölle geworden; weshalb seid ihr noch heute bereit, Sünden zu begehen?
Wort für Wort
tarkāṇādyaviśeṣeṇa narakādhyakṣatāṃ gatāḥ /
durch bloße Spitzfindigkeit ohne rechte Unterscheidung [?] seid ihr zu Aufsehern der Hölle geworden
yūyaṃ kimarthamadyāpi karttuṃ pāpāni sodyamāḥ
weshalb seid ihr noch heute bereit, Sünden zu begehen
svakarmakṣayaparyantaṃ mahāpātakino 'pi ca /
tiṣṭanti narake ghore yāvaccandrārkatārakam
Selbst die mit Todsünden Behafteten verweilen bis zur Erschöpfung ihres eigenen Karmas in der schrecklichen Hölle, solange Mond, Sonne und Sterne [bestehen].
Wort für Wort
svakarmakṣayaparyantaṃ mahāpātakino 'pi ca /
selbst die mit Todsünden Behafteten, bis zur Erschöpfung ihres eigenen Karmas
tiṣṭanti narake ghore yāvaccandrārkatārakam
verweilen in der schrecklichen Hölle, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen
śrutipraṇihito dharmaḥ satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ /
kintvābhyāṃ caritāndharmānpravakṣyāmo yathātatham
Der in der Śruti niedergelegte Dharma ist wahr, wahrlich wahr, kein Zweifel; doch wollen wir die von diesen beiden vollbrachten frommen Taten der Wahrheit gemäß verkünden.
Wort für Wort
śrutipraṇihito dharmaḥ satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ /
der in der Śruti niedergelegte Dharma ist wahr, wahrlich wahr, kein Zweifel
kintvābhyāṃ caritāndharmānpravakṣyāmo yathātatham
doch wollen wir die von diesen beiden vollbrachten frommen Taten der Wahrheit gemäß verkünden
eṣā ca nartanaṃ cakre tathaiva dhvajaroṣaṇam /
antakāle viṣṇugṛhe tena niṣpāpatāṃ gatau
Diese [Frau] vollzog den Tanz, und ebenso [er] die Fahnenaufrichtung, im Hause Viṣṇus, zur Todesstunde; dadurch sind sie beide zur Sündlosigkeit gelangt.
Wort für Wort
eṣā ca nartanaṃ cakre tathaiva dhvajaroṣaṇam /
diese [Frau] vollzog den Tanz, und ebenso [er] die Fahnenaufrichtung [?]
antakāle viṣṇugṛhe tena niṣpāpatāṃ gatau
im Hause Viṣṇus, zur Todesstunde; dadurch sind sie beide zur Sündlosigkeit gelangt
[?] 'dhvajaroṣaṇam' vermutlich für 'dhvajāropaṇam' ('Fahnenaufrichtung') verschrieben.
antakāle tu yannāma śrutvoktvāpi ca vai sakṛt /
labhate paramaṃ sthānaṃ kimu śūśrūṣaṇe ratāḥ
Wer aber zur Todesstunde [Haris] Namen auch nur einmal hört oder ausspricht, erlangt die höchste Stätte – um wieviel mehr diejenigen, die [ihm] dienstbar zugetan sind!
Wort für Wort
antakāle tu yannāma śrutvoktvāpi ca vai sakṛt /
wer aber zur Todesstunde [Haris] Namen auch nur einmal hört oder ausspricht
labhate paramaṃ sthānaṃ kimu śūśrūṣaṇe ratāḥ
erlangt die höchste Stätte – um wieviel mehr die, die dienstbar zugetan sind
Sei er auch mit einer Todsünde behaftet, oder auch mit geringeren Sünden behaftet – der Mensch, der Kṛṣṇa dient, erlangt selbst am Ende [seines Lebens] das höchste Ziel.
Wort für Wort
mahāpātakayukto vā yukto vāpyupapātakaiḥ /./
sei er auch mit einer Todsünde behaftet, oder auch mit geringeren Sünden behaftet
kṛṣṇasevī naro 'nte 'pi labhate paramāṃ gatim
der Mensch, der Kṛṣṇa dient, erlangt selbst am Ende das höchste Ziel
[Anm.: Im Quelltext steht nach 'upapātakaiḥ' ein isoliertes '/./', ein Interpunktionsartefakt der Vorlage.]
Diejenigen, die dem Dienst an den Asketen und den Viṣṇu-Gläubigen zugetan sind, jene gelangen, o Boten, rasch, selbst wenn sie Sünder sind, zum höchsten Ziel.
Wort für Wort
yatīnāṃ viṣṇubhaktānāṃ paricaryā parāyaṇāḥ /
diejenigen, die dem Dienst an den Asketen und den Viṣṇu-Gläubigen zugetan sind
te dūtāḥ sahasā yānti pāpino 'pi parāṃ gatim
jene gelangen, o Boten, rasch, selbst wenn sie Sünder sind, zum höchsten Ziel
Wer auch nur einen Muhūrta oder einen halben Muhūrta im Tempel Haris verweilt, der gelangt gleichfalls zur höchsten Stätte – um wieviel mehr, wer es zwanzig Jahre [tut]!
Wort für Wort
muhurtaṃ vā muhurtārddhaṃ yastiṣṭoddharimandire /
wer auch nur einen Muhūrta oder einen halben Muhūrta im Tempel Haris verweilt
so 'pi yāti paraṃ sthānaṃ kimudvātraghiṃśavatsarān
der gelangt gleichfalls zur höchsten Stätte – um wieviel mehr, wer es zwanzig Jahre tut
Diese beiden, die den [Tempel-]Boden bestrichen und dem Kehren zugetan waren, die beständig im Hause Haris das Verfallene und Zerbröckelte instandsetzten,
Wort für Wort
upalepanakarttārau saṃmārjanaparāyaṇau /
diese beiden, die den Boden bestrichen und dem Kehren zugetan waren
etau harigṛhe nityaṃ jīrṇaśīrṇādhiropakau
die beständig im Hause Haris das Verfallene und Zerbröckelte instandsetzten
Nach diesen Worten zerschnitten die Boten Viṣṇus sogleich die Stricke; nachdem sie uns beide auf ein vortreffliches Himmelsgefährt gesetzt hatten, gingen sie zur höchsten Stätte Viṣṇus.
Wort für Wort
ityuktā viṣṇudūtāste cchitvā pāśāṃstadaiva hi /
nach diesen Worten zerschnitten die Boten Viṣṇus sogleich die Stricke
āropyāvāṃ vimānāgrayaṃ yayurviṣṇoḥ paraṃ padam
nachdem sie uns beide auf ein vortreffliches Himmelsgefährt gesetzt hatten, gingen sie zur höchsten Stätte Viṣṇus
tatra sāmīpyamāpannau devadevasya cakriṇaḥ /
divyānbhogānbhuktavantau tāvatkālaṃ munīśvara
Dort erlangten wir beide die Nähe des Gottes der Götter, des Diskusträgers; göttliche Genüsse genossen wir dort für jene [ganze] Zeit, o Fürst der Weisen.
Wort für Wort
tatra sāmīpyamāpannau devadevasya cakriṇaḥ /
dort erlangten wir beide die Nähe des Gottes der Götter, des Diskusträgers
divyānbhogānbhuktavantau tāvatkālaṃ munīśvara
göttliche Genüsse genossen wir dort für jene Zeit, o Fürst der Weisen
Nachdem wir dort auch die göttlichen Genüsse genossen hatten, kamen wir wieder auf diese Erde; auch hier [ist] unvergleichlicher Reichtum durch die Gnade des Dienstes an Hari [unser Teil].
Wort für Wort
divyānbhogāṃstu tatrāpi bhuktvā yātau mahīmimām /
nachdem wir dort auch die göttlichen Genüsse genossen hatten, kamen wir wieder auf diese Erde
atrāpi saṃpadatulā harisevāprasādataḥ
auch hier [ist] unvergleichlicher Reichtum durch die Gnade des Dienstes an Hari
Selbst durch einen ohne [eigenen] Wunsch vollbrachten Dienst an Hari, o Weiser, wurde eine solche Frucht erlangt, o Brahmane, die selbst für die Götter schwer zu erlangen ist.
Wort für Wort
anicchayā kṛtenāpi sevanena harermune /
selbst durch einen ohne eigenen Wunsch vollbrachten Dienst an Hari, o Weiser
prātpamīdṛk phalaṃ vipra devānāmapi durlabham
wurde eine solche Frucht erlangt, o Brahmane, die selbst für die Götter schwer zu erlangen ist
'Wieviel mehr werden wir, die wir den Herrn des Alls, Mādhava, mit Absicht und in hingebungsvoller Gesinnung verehrt haben, das höchste Heil erlangen!' – so wurde der Grund dargelegt.
Wort für Wort
icchayārādhya viśveśaṃ bhaktibhāvena mādhavam /
'den Herrn des Alls, Mādhava, mit Absicht und in hingebungsvoller Gesinnung verehrt'
prāpsyāvaḥ paramaṃ śreya iti heturnirupitaḥ
'werden wir das höchste Heil erlangen' – so wurde der Grund dargelegt
Selbst ein Werk, das unfreiwillig vollbracht wird, trägt überaus große Frucht, o Bester der Erdgötter (Brahmane); wieviel mehr, wenn es mit Glauben vollbracht wird!
Wort für Wort
avaśenāpi yatkarma kṛtaṃ syātsumahatphalam /
selbst ein Werk, das unfreiwillig vollbracht wird, trägt überaus große Frucht
jāyate bhūmidevendra kiṃ punaḥ śraddhayā kṛtam
o Bester der Erdgötter, wieviel mehr, wenn es mit Glauben vollbracht wird
haripūjāparāṇāṃ tu harireva sanātanaḥ /
dadāti paramaṃ śreyaḥ sarvakāmaphalamapradaḥ
Denen aber, die der Verehrung Haris zugetan sind, gewährt Hari selbst, der Ewige, das höchste Heil, [er,] der die Frucht aller Wünsche gewährt [?].
Wort für Wort
haripūjāparāṇāṃ tu harireva sanātanaḥ /
denen aber, die der Verehrung Haris zugetan sind, gewährt Hari selbst, der Ewige
dadāti paramaṃ śreyaḥ sarvakāmaphalamapradaḥ
das höchste Heil, [er,] der die Frucht aller Wünsche gewährt [?]
[?] 'sarvakāmaphalamapradaḥ' (wörtl. 'nicht gewährend') widerspricht dem Sinn des Satzes; vermutlich für 'sarvakāmaphalapradaḥ' ('die Frucht aller Wünsche gewährend') verschrieben.
ya idaṃ puṇyamākhyānaṃ sarvapāpapraṇāśanam /
paṭhecca śṛṇuyādvāpi so 'pi yāti parāṃ rātim
Wer diese heilige Erzählung, die alle Sünde vernichtet, liest oder auch [nur] hört, der gelangt gleichfalls zur höchsten Wonne [?].
Wort für Wort
ya idaṃ puṇyamākhyānaṃ sarvapāpapraṇāśanam /
wer diese heilige Erzählung, die alle Sünde vernichtet
paṭhecca śṛṇuyādvāpi so 'pi yāti parāṃ rātim
liest oder auch hört, der gelangt gleichfalls zur höchsten Wonne [?]
[?] 'parāṃ rātim' ('die höchste Freude/Gabe') weicht von der in diesem Werk sonst formelhaften Wendung 'parāṃ gatim' ('das höchste Ziel') ab; möglicherweise Verschreibung, hier aber wörtlich beibehalten.