Quellen der Menschheit

Nārada-Purāṇa (Nāradīya)

Kapitel 19: sumatibhūpakathāvarṇanam Die Erzählung von König Sumati

iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge prathamapāde vratākhyāne dhvajāropaṇannāmaikonaviṃśo 'dhyāyaḥ _____________________________________________________________ nārada uvāca bhagavansarvadharmajña sarvaśāstrārthapāraga / sarvakarmavariṣṭaṃ ca tvayoktaṃ dhvajadhāraṇam

Nārada sprach: O Erhabener, Kenner aller Dharma, der du den Sinn aller Lehrschriften durchdrungen hast – das vortrefflichste aller Werke, die Fahnenhissung, hast du [mir] verkündet.

Wort für Wort
bhagavansarvadharmajña sarvaśāstrārthapāraga /
o Erhabener, Kenner aller Dharma, der du den Sinn aller Lehrschriften durchdrungen hast
sarvakarmavariṣṭaṃ ca tvayoktaṃ dhvajadhāraṇam
das vortrefflichste aller Werke, die Fahnenhissung, hast du verkündet

[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext das Kolophon des vorangehenden (18.) Kapitels vorangestellt, gefolgt von einer Trennlinie – ein reines Gliederungselement, im sa-Feld zur Dokumentation mitgeführt, nicht in die de-Übersetzung von V.1 einbezogen.]

yastu vai sumatirnāma dhvajāropaparo mune / tvayoktastasya caritaṃ vistareṇa mamādiśa

Der aber, den du, o Weiser, 'Sumati' genannt und der Fahnenaufrichtung ergeben genannt hast – seinen Lebenswandel verkünde mir ausführlich.

Wort für Wort
yastu vai sumatirnāma dhvajāropaparo mune /
der aber, den du, o Weiser, 'Sumati' genannt und der Fahnenaufrichtung ergeben genannt hast
tvayoktastasya caritaṃ vistareṇa mamādiśa
seinen Lebenswandel verkünde mir ausführlich

[Anm.: 'dhvajāropaparo' für erwartetes 'dhvajāropaṇaparaḥ' (fehlende Silbe 'ṇa').]

sanaka uvāca śṛṇuṣvaikamanāḥ puṇyamitihāsaṃ purātanamam / brahmaṇā kathitaṃ mahyaṃ sarvapāpapranaśanam

Sanaka sprach: Höre mit gesammeltem Sinn die heilige, alte Geschichte, die mir von Brahmā erzählt wurde, alle Sünde vernichtend.

Wort für Wort
śṛṇuṣvaikamanāḥ puṇyamitihāsaṃ purātanamam /
höre mit gesammeltem Sinn die heilige, alte Geschichte
brahmaṇā kathitaṃ mahyaṃ sarvapāpapranaśanam
die mir von Brahmā erzählt wurde, alle Sünde vernichtend

āsītpurā kṛtayuge sumatirnāma bhūpatiḥ / somavaṃśodbhavaḥ śrīmānsatpadvīpaikanāyakaḥ

Es gab einst im Kṛtayuga einen König namens Sumati – entstanden aus der Mondlinie, glanzvoll, der alleinige Herrscher der sieben Kontinente [?].

Wort für Wort
āsītpurā kṛtayuge sumatirnāma bhūpatiḥ /
es gab einst im Kṛtayuga einen König namens Sumati
somavaṃśodbhavaḥ śrīmānsatpadvīpaikanāyakaḥ
entstanden aus der Mondlinie, glanzvoll, alleiniger Herrscher der sieben Kontinente [?]

[?] 'satpadvīpaikanāyakaḥ' vermutlich für 'saptadvīpaikanāyakaḥ' ('alleiniger Herr der sieben Kontinente') verschrieben.

dharmātmā satyasaṃpannaḥ śucivaṃśyo 'tithipriyaḥ / sarvalakṣaṇasaṃpannaḥ sarvasaṃpadvibhūṣitaḥ

Von frommer Gesinnung, mit Wahrhaftigkeit ausgestattet, aus reinem Geschlecht stammend, den Gästen zugetan, mit allen [günstigen] Kennzeichen ausgestattet, mit allem Reichtum geschmückt.

Wort für Wort
dharmātmā satyasaṃpannaḥ śucivaṃśyo 'tithipriyaḥ /
von frommer Gesinnung, mit Wahrhaftigkeit ausgestattet, aus reinem Geschlecht stammend, den Gästen zugetan
sarvalakṣaṇasaṃpannaḥ sarvasaṃpadvibhūṣitaḥ
mit allen günstigen Kennzeichen ausgestattet, mit allem Reichtum geschmückt

sadā harikathāsevī haripūjāparāyaṇaḥ / haribhaktiparāṇāṃ ca śuśrūṣurnirahṝṅkṛtiḥ

Stets den Erzählungen von Hari zugetan, der Verehrung Haris ergeben, denen, die der Hari-Hingabe zugetan sind, dienstbereit, frei von Hochmut [?].

Wort für Wort
sadā harikathāsevī haripūjāparāyaṇaḥ /
stets den Erzählungen von Hari zugetan, der Verehrung Haris ergeben
haribhaktiparāṇāṃ ca śuśrūṣurnirahṝṅkṛtiḥ
denen, die der Hari-Hingabe zugetan sind, dienstbereit, frei von Hochmut [?]

[?] 'nirahṝṅkṛtiḥ' für 'nirahaṅkṛtiḥ' ('frei von Hochmut/Ichbezogenheit') verschrieben.

pūjyapūjārato nityaṃ samadarśī guṇānvitaḥ / sarvabhūtahitaḥ śāntaḥ kṛtajñaḥ kīrtimāṃstathā

Stets der Verehrung der Verehrungswürdigen zugetan, gleichmütig, mit [guten] Eigenschaften ausgestattet, allen Wesen zum Heil, friedvoll, dankbar und ebenso ruhmreich.

Wort für Wort
pūjyapūjārato nityaṃ samadarśī guṇānvitaḥ /
stets der Verehrung der Verehrungswürdigen zugetan, gleichmütig, mit guten Eigenschaften ausgestattet
sarvabhūtahitaḥ śāntaḥ kṛtajñaḥ kīrtimāṃstathā
allen Wesen zum Heil, friedvoll, dankbar und ebenso ruhmreich

tasya bhāryā mahābhāgā sarvalakṣaṇasaṃyutā / pativratā patiprāṇā nāmrā satyamatirmune

Dessen Gattin, hochgesegnet, mit allen [günstigen] Merkmalen versehen, ihrem Gatten treu ergeben, ihrem Gatten ihr Leben weihend, mit Namen Satyamati, o Weiser.

Wort für Wort
tasya bhāryā mahābhāgā sarvalakṣaṇasaṃyutā /
dessen Gattin, hochgesegnet, mit allen günstigen Merkmalen versehen
pativratā patiprāṇā nāmrā satyamatirmune
ihrem Gatten treu ergeben, ihrem Gatten ihr Leben weihend, mit Namen Satyamati, o Weiser

tādubhau dampatū nityaṃ haripūjāparāyaṇau / jātismarau mahābhāgau satyajñau satparāyaṇau

Diese beiden Gatten, stets der Verehrung Haris ergeben, ihrer früheren Geburten eingedenk, hochgesegnet, die Wahrheit kennend, dem Guten zugetan.

Wort für Wort
tādubhau dampatū nityaṃ haripūjāparāyaṇau /
diese beiden Gatten, stets der Verehrung Haris ergeben
jātismarau mahābhāgau satyajñau satparāyaṇau
ihrer früheren Geburten eingedenk, hochgesegnet, die Wahrheit kennend, dem Guten zugetan

annadānaratau nityaṃ jaladānaparāyaṇau / taḍāgārāmavaprādau nasaṃkhyātānvitenatuḥ

Stets der Speisengabe zugetan, der Wassergabe ergeben, vollzogen sie zahllose [Werke] wie Teiche, Gärten, Wallanlagen und dergleichen [?].

Wort für Wort
annadānaratau nityaṃ jaladānaparāyaṇau /
stets der Speisengabe zugetan, der Wassergabe ergeben
taḍāgārāmavaprādau nasaṃkhyātānvitenatuḥ
vollzogen sie zahllose [Werke] wie Teiche, Gärten, Wallanlagen usw. [?]

[?] 'nasaṃkhyātānvitenatuḥ' textlich unklar überliefert, sinngemäß als 'asaṃkhyātānvitau tenatuḥ' ('sie vollzogen zahllose [Stiftungen]') gedeutet.

sā tu satyamatirnityaṃ śucirviṣṇugṛhe satī / nṛtyatyatyantasantuṣṭā manojñā sañjuvādinī

Sie aber, Satyamati, stets rein, tanzte, die Tugendhafte, beständig im Hause Viṣṇus, überaus zufrieden, anmutig, liebreizend redend [?].

Wort für Wort
sā tu satyamatirnityaṃ śucirviṣṇugṛhe satī /
sie aber, Satyamati, stets rein, die Tugendhafte, im Hause Viṣṇus
nṛtyatyatyantasantuṣṭā manojñā sañjuvādinī
tanzte, überaus zufrieden, anmutig, liebreizend redend [?]

[?] 'sañjuvādinī' textlich unklar überliefert, sinngemäß als 'anmutig/liebreizend redend' gedeutet.

so 'pi rājā mahābhāgo dvādaśīddhādaśīdine / dhvajamāropayatyeva manojñaṃ bahuvistaram

Auch dieser hochgesegnete König richtete am Dvādaśī-Tag [?] eine anmutige, überaus ausgedehnte Fahne auf.

Wort für Wort
so 'pi rājā mahābhāgo dvādaśīddhādaśīdine /
auch dieser hochgesegnete König, am Dvādaśī-Tag [Anm.]
dhvajamāropayatyeva manojñaṃ bahuvistaram
richtete er eine anmutige, überaus ausgedehnte Fahne auf

[Anm.: 'dvādaśīddhādaśīdine' zeigt eine Wortdopplung (Dittographie) des Wortes 'dvādaśī'; vermutlich ursprünglich 'dvādaśyāṃ dine' ('am Tag der Dvādaśī').]

evaṃ hariparaṃ nityaṃ rājānaṃ dharmakovidam / primāṃ matyamatiṃ cāmya devā api sadāstuvan

Diesen so stets Hari ergebenen König, im Dharma bewandert, sowie [seine] geliebte [Gattin] Satyamati priesen sogar die Götter beständig [?].

Wort für Wort
evaṃ hariparaṃ nityaṃ rājānaṃ dharmakovidam /
diesen so stets Hari ergebenen König, im Dharma bewandert
primāṃ matyamatiṃ cāmya devā api sadāstuvan
sowie die geliebte Satyamati [?] priesen sogar die Götter beständig

[?] 'primāṃ matyamatiṃ cāmya' textlich unklar/korrupt überliefert, sinngemäß als 'priyāṃ satyamatiṃ cāpi' ('und auch die geliebte Satyamati') gedeutet.

triloke viśrutau jñātvā dampatī dharmako vidau / āyayau bahubhiḥ śipyairdraṣṭukāmo vibhāṇḍakaḥ

Als er erfuhr, dass das im Dharma bewanderte Ehepaar in den drei Welten berühmt war, kam der Weise Vibhāṇḍaka mit vielen Schülern, [um sie] zu sehen.

Wort für Wort
triloke viśrutau jñātvā dampatī dharmako vidau /
als er erfuhr, dass das im Dharma bewanderte Ehepaar in den drei Welten berühmt war
āyayau bahubhiḥ śipyairdraṣṭukāmo vibhāṇḍakaḥ
kam der Weise Vibhāṇḍaka mit vielen Schülern, [um sie] zu sehen

tamāyāntaṃ munim śrutvā sa tu rājā vibhāṇḍakam / pratyudyayau sapatnīkaḥ prajā bhirbahuvistaram

Als der König hörte, dass der Weise Vibhāṇḍaka herannahte, ging er ihm, zusammen mit seiner Gattin, mit vielen Untertanen, in großem Gefolge entgegen.

Wort für Wort
tamāyāntaṃ munim śrutvā sa tu rājā vibhāṇḍakam /
als der König hörte, dass der Weise Vibhāṇḍaka herannahte
pratyudyayau sapatnīkaḥ prajā bhirbahuvistaram
ging er ihm, zusammen mit seiner Gattin, mit vielen Untertanen, entgegen

kṛtātithyakriyaṃ śāntaṃ kṛtāsanaparigraham / nīcāsanasthito bhūyaḥ prāñjalirmunimabravīt

Nachdem er die Gastfreundschaftsriten für den Friedvollen vollzogen und [ihm] einen Sitz gegeben hatte, sprach er, selbst auf einem niedrigeren Sitz Platz nehmend, mit gefalteten Händen wiederum zum Weisen:

Wort für Wort
kṛtātithyakriyaṃ śāntaṃ kṛtāsanaparigraham /
nachdem er die Gastfreundschaftsriten für den Friedvollen vollzogen und ihm einen Sitz gegeben hatte
nīcāsanasthito bhūyaḥ prāñjalirmunimabravīt
sprach er, selbst auf niedrigerem Sitz, mit gefalteten Händen wiederum zum Weisen

rājovāca bhagavankṛtakṛtyo 'smiṃ tvadabhyāgamanena veṃ / satāmāyamanaṃ santaṃ praśaṃsanti suravāvaham

Der König sprach: O Erhabener, ich bin durch dein Herkommen fürwahr am Ziel meines Strebens angelangt [?]. Das Kommen der Guten preisen die Frommen als etwas, das [Segen] gleich [dem der] Götter bringt [?].

Wort für Wort
bhagavankṛtakṛtyo 'smiṃ tvadabhyāgamanena veṃ /
o Erhabener, ich bin durch dein Herkommen fürwahr am Ziel meines Strebens angelangt [?]
satāmāyamanaṃ santaṃ praśaṃsanti suravāvaham
das Kommen der Guten preisen die Frommen als [Segen] gleich [dem der] Götter bringend [?]

[?] Vers stark korrupt/unklar überliefert, insbesondere 'veṃ' und 'satāmāyamanaṃ santaṃ ... suravāvaham'; sinngemäß wiedergegeben.

yatra syānmahatāṃ prema tatra syuḥ sarvasampadaḥ / tejaḥ kīrtirdhanaṃ putrā iti prahurvipaścitaḥ

Wo die Zuneigung der Großen ist, dort sind alle Reichtümer – Glanz, Ruhm, Vermögen, Söhne – so sagen die Weisen.

Wort für Wort
yatra syānmahatāṃ prema tatra syuḥ sarvasampadaḥ /
wo die Zuneigung der Großen ist, dort sind alle Reichtümer
tejaḥ kīrtirdhanaṃ putrā iti prahurvipaścitaḥ
Glanz, Ruhm, Vermögen, Söhne – so sagen die Weisen

tatra vṛddhimupāyānti theyāṃsyanudinaṃ mune / yatra santaḥ prakurvanti mahatīṃ karuṇāṃ prabho

Dort wächst Tag für Tag das Glück, o Weiser, wo die Guten großes Mitleid walten lassen, o Herr.

Wort für Wort
tatra vṛddhimupāyānti theyāṃsyanudinaṃ mune /
dort wächst Tag für Tag das Glück, o Weiser
yatra santaḥ prakurvanti mahatīṃ karuṇāṃ prabho
wo die Guten großes Mitleid walten lassen, o Herr

yo mṛrdhni dhāgyedūhyanmahatpādajalaṃ rajaḥ / sa snātaḥ sarvatīrtheṣu puṇyātmā nātra saṃśayaḥ

Wer auf seinem Haupt das Wasser oder den Staub von den Füßen der Großen trägt [?], der ist, in allen Pilgerstätten gebadet, ein Mensch reiner Seele – daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
yo mṛrdhni dhāgyedūhyanmahatpādajalaṃ rajaḥ /
wer auf seinem Haupt das Wasser oder den Staub von den Füßen der Großen trägt [?]
sa snātaḥ sarvatīrtheṣu puṇyātmā nātra saṃśayaḥ
der ist, in allen Pilgerstätten gebadet, ein Mensch reiner Seele – daran ist kein Zweifel

[?] 'dhāgyedūhyan' textlich unklar/korrupt überliefert; sinngemäß als 'dhārayed vahan' ('trägt') gedeutet.

mama putrāśca dārāśca saṃpattvayi samarpitāḥ / māmājñāpaya viprendra kiṃ priyaṃ karavāṇi te

Meine Söhne, meine Gattin, mein Besitz sind dir dargebracht. Befiehl mir, o Bester der Brahmanen: was Liebes soll ich dir tun?

Wort für Wort
mama putrāśca dārāśca saṃpattvayi samarpitāḥ /
meine Söhne, meine Gattin, mein Besitz sind dir dargebracht
māmājñāpaya viprendra kiṃ priyaṃ karavāṇi te
befiehl mir, o Bester der Brahmanen: was Liebes soll ich dir tun

vinañcavanataṃ bhūpaṃ sa nirīkṣya munīśaavaraḥ / spṛśaṣaṅkareṇa taṃ prītyuvācātiharṣitaḥ

Als der beste der Weisen den in Demut sich verneigenden König erblickte, sprach er, ihn mit der Hand berührend, voller Freude und Zuneigung:

Wort für Wort
vinañcavanataṃ bhūpaṃ sa nirīkṣya munīśaavaraḥ /
als der beste der Weisen den in Demut sich verneigenden König erblickte
spṛśaṣaṅkareṇa taṃ prītyuvācātiharṣitaḥ
sprach er, ihn mit der Hand berührend, voller Freude und Zuneigung

[Anm.: 'vinañcavanataṃ' für 'vinayāvanataṃ' ('in Demut sich verneigend'), vermutlich Verschreibung.]

ṛṣiruvāca gajanyaduktaṃ bhavatā tatsarvaṃ tvatkulocitam / vinayāvanataḥ sarvo bahuśreyo labhediha

Der Ṛṣi sprach: Was auch immer sonst von dir gesagt wurde [?] – all das entspricht deinem Geschlecht. Wer sich in Demut verneigt, erlangt hier vielfaches Heil.

Wort für Wort
gajanyaduktaṃ bhavatā tatsarvaṃ tvatkulocitam /
was auch immer sonst von dir gesagt wurde [?] – all das entspricht deinem Geschlecht
vinayāvanataḥ sarvo bahuśreyo labhediha
wer sich in Demut verneigt, erlangt hier vielfaches Heil

[?] 'gajanyaduktaṃ' textlich unklar/korrupt überliefert, sinngemäß als 'yad anyaduktaṃ' ('was auch sonst gesagt wurde') gedeutet.

dharmaścārthaśca kāmaśca mokṣaśca nṛpasattama / vinayāllabhate martyo durlabhaṃ kiṃ mahātmanām

Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa, o Bester der Könige – durch Demut erlangt der Sterbliche [sie]; was wäre für die Großherzigen dann noch schwer erreichbar?

Wort für Wort
dharmaścārthaśca kāmaśca mokṣaśca nṛpasattama /
Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa, o Bester der Könige
vinayāllabhate martyo durlabhaṃ kiṃ mahātmanām
durch Demut erlangt der Sterbliche sie; was wäre den Großherzigen dann noch schwer erreichbar

prīto 'smi tava bhāpāla sanmārgaparivarttinaḥ / svasti te satataṃ bhūyādyatpṛcchāmi taducyatām

Erfreut bin ich über dich, o König, der du auf dem rechten Weg wandelst. Beständig sei dir Heil! Was ich frage, das sage mir.

Wort für Wort
prīto 'smi tava bhāpāla sanmārgaparivarttinaḥ /
erfreut bin ich über dich, o König, der du auf dem rechten Weg wandelst
svasti te satataṃ bhūyādyatpṛcchāmi taducyatām
beständig sei dir Heil! Was ich frage, das sage mir

pūjā bahuvidhāḥ santi hastuṣṭividhāyikāḥ / tāsu nityaṃ dhvajārope varttse tvaṃ sadodyataḥ

Es gibt viele Arten der Verehrung, die Haris Zufriedenheit bewirken [?]; unter diesen bist du stets, beständig eifrig, der Fahnenaufrichtung zugetan.

Wort für Wort
pūjā bahuvidhāḥ santi hastuṣṭividhāyikāḥ /
es gibt viele Arten der Verehrung, die Haris Zufriedenheit bewirken [?]
tāsu nityaṃ dhvajārope varttse tvaṃ sadodyataḥ
unter diesen bist du stets, beständig eifrig, der Fahnenaufrichtung zugetan

[?] 'hastuṣṭividhāyikāḥ' und 'varttse' textlich unklar überliefert; sinngemäß als 'haritoṣavidhāyikāḥ' ('Haris Zufriedenheit bewirkend') bzw. 'vartase' ('du bist') gedeutet.

bhāryāpi tava sādhvīyaṃ nityaṃ nṛtyaparāyaṇā / kimarthametadvṛttāntaṃ yathāvadvaktumarhasi

Auch deine tugendhafte Gattin hier ist stets dem Tanzen zugetan. Weshalb dies so ist – dieses Geschehnis sollst du mir der Wahrheit gemäß berichten.

Wort für Wort
bhāryāpi tava sādhvīyaṃ nityaṃ nṛtyaparāyaṇā /
auch deine tugendhafte Gattin hier ist stets dem Tanzen zugetan
kimarthametadvṛttāntaṃ yathāvadvaktumarhasi
weshalb dies so ist – dieses Geschehnis sollst du mir der Wahrheit gemäß berichten

rājovāca śṛṇuṣva bhagavansarvaṃ yatpṛcchasi vadāmi tat / āścaryabhūtaṃ lokānāmāvayoścaritaṃ tviha

Der König sprach: Höre, o Erhabener, alles; was du fragst, das sage ich dir. Wunderbar ist für die Welt fürwahr unsere beider Geschichte hier.

Wort für Wort
śṛṇuṣva bhagavansarvaṃ yatpṛcchasi vadāmi tat /
höre, o Erhabener, alles; was du fragst, das sage ich dir
āścaryabhūtaṃ lokānāmāvayoścaritaṃ tviha
wunderbar ist für die Welt fürwahr unsere beider Geschichte hier

ahamāsaṃ purā śūdro mālinirnāma sattama / kumārgaganirato nityaṃ sarvalokāhike rataḥ

Ich war einst, o Bester, ein Śūdra namens Mālin, stets auf schlechten Wegen wandelnd, stets dem Schaden aller Welt zugetan [?].

Wort für Wort
ahamāsaṃ purā śūdro mālinirnāma sattama /
ich war einst, o Bester, ein Śūdra namens Mālin
kumārgaganirato nityaṃ sarvalokāhike rataḥ
stets auf schlechten Wegen wandelnd, stets dem Schaden aller Welt zugetan [?]

[?] 'sarvalokāhike rataḥ' textlich unklar überliefert, sinngemäß als 'sarvalokāhitarataḥ' ('dem Schaden aller Welt zugetan') gedeutet.

piśuno dharmavidveṣī devadravyāpahārakaḥ / godhnaśca brahmahā cauraḥ sarvaprāṇivadhe rataḥ

Verleumderisch, dem Dharma feindlich, ein Räuber des Gutes der Götter, ein Kuhtöter und Brahmanenmörder, ein Dieb, der Tötung aller Lebewesen zugetan.

Wort für Wort
piśuno dharmavidveṣī devadravyāpahārakaḥ /
verleumderisch, dem Dharma feindlich, ein Räuber des Gutes der Götter
godhnaśca brahmahā cauraḥ sarvaprāṇivadhe rataḥ
ein Kuhtöter und Brahmanenmörder, ein Dieb, der Tötung aller Lebewesen zugetan

nityaṃ niṣṭhuravaktā ca pāpī veśyāparāyaṇaḥ / evaṃ sthitaḥ kiyatkālamanāhatyaṃ mahadṛcaḥ

Stets grausam redend und sündig, den Dirnen zugetan – so verharrte ich einige Zeit, ohne die Großen zu achten [?].

Wort für Wort
nityaṃ niṣṭhuravaktā ca pāpī veśyāparāyaṇaḥ /
stets grausam redend und sündig, den Dirnen zugetan
evaṃ sthitaḥ kiyatkālamanāhatyaṃ mahadṛcaḥ
so verharrte ich einige Zeit, ohne die Großen zu achten [?]

[?] 'anāhatyaṃ mahadṛcaḥ' textlich unklar/korrupt überliefert; sinngemäß wiedergegeben.

sarvabandhuparityakto duḥkhī vanamupāgataḥ / mṛgamāṃsāśano nityaṃ tathā pānthāvillampakaḥ

Von allen Verwandten verlassen, unglücklich, in den Wald gegangen, mich stets vom Fleisch wilder Tiere nährend, und gierig nach dem Besitz der Wanderer [?].

Wort für Wort
sarvabandhuparityakto duḥkhī vanamupāgataḥ /
von allen Verwandten verlassen, unglücklich, in den Wald gegangen
mṛgamāṃsāśano nityaṃ tathā pānthāvillampakaḥ
mich stets vom Fleisch wilder Tiere nährend, und gierig nach dem Besitz der Wanderer [?]

[?] 'pānthāvillampakaḥ' vermutlich für 'pānthavittalampakaḥ' ('gierig nach dem Besitz der Wanderer') verschrieben.

ekākī duḥkhabahulo nyavasannirjane vane / ekadā kṣutpariśrānto nidāghārttaḥ pipāsitaḥ

Allein, von vielem Leid [geplagt], wohnte ich in einsamem Wald; eines Tages, von Hunger erschöpft, von der Sommerhitze gequält und durstig,

Wort für Wort
ekākī duḥkhabahulo nyavasannirjane vane /
allein, von vielem Leid geplagt, wohnte ich in einsamem Wald
ekadā kṣutpariśrānto nidāghārttaḥ pipāsitaḥ
eines Tages, von Hunger erschöpft, von der Sommerhitze gequält und durstig

jīrṇaṃ devālayaṃ viṣṇorapaśyaṃ vijane vane / haṃsakāraṇḍavākīrṇaṃ tatsamīpe mahatsaraḥ

erblickte ich einen verfallenen Tempel Viṣṇus im einsamen Wald, und in dessen Nähe einen großen See, bevölkert von Schwänen und Kāraṇḍava-Enten.

Wort für Wort
jīrṇaṃ devālayaṃ viṣṇorapaśyaṃ vijane vane /
erblickte ich einen verfallenen Tempel Viṣṇus im einsamen Wald
haṃsakāraṇḍavākīrṇaṃ tatsamīpe mahatsaraḥ
und in dessen Nähe einen großen See, bevölkert von Schwänen und Kāraṇḍava-Enten

paryantavanapuṣpaughacchāditaṃ tanmunīśvara / apibaṃ tatra pānīyaṃ tattīre vigataśramaḥ

Rings von einer Fülle von Waldblumen bedeckt [war er], o Fürst der Weisen; dort trank ich Wasser, an seinem Ufer, von meiner Erschöpfung befreit.

Wort für Wort
paryantavanapuṣpaughacchāditaṃ tanmunīśvara /
rings von einer Fülle von Waldblumen bedeckt [war er], o Fürst der Weisen
apibaṃ tatra pānīyaṃ tattīre vigataśramaḥ
dort trank ich Wasser, an seinem Ufer, von meiner Erschöpfung befreit

phalāni jagdhvā śīrṇāni svayaṃ kṣucca nivāritā / tasmiñjīrṇīlaye viṣṇonarnivāsaṃ kṛtakavānaham

Nachdem ich heruntergefallene Früchte gegessen und so von selbst meinen Hunger gestillt hatte, machte ich mir in jenem verfallenen Tempel Viṣṇus meine Wohnstatt [?].

Wort für Wort
phalāni jagdhvā śīrṇāni svayaṃ kṣucca nivāritā /
nachdem ich heruntergefallene Früchte gegessen und so von selbst meinen Hunger gestillt hatte
tasmiñjīrṇīlaye viṣṇonarnivāsaṃ kṛtakavānaham
machte ich mir in jenem verfallenen Tempel Viṣṇus meine Wohnstatt [?]

[?] 'tasmiñjīrṇīlaye viṣṇonarnivāsaṃ' textlich unklar/korrupt überliefert; sinngemäß wiedergegeben.

jīrṇasphuṭitasaṃdhānaṃ tasya nityamakāriṣam / parṇaistṛṇaiśca kāṣṭhaighair gṛhaṃ samyak prakalpitam

Beständig besserte ich dessen verfallene, aufgeplatzte Fugen aus; mit Blättern, Gras und Holz richtete ich das Gebäude ordentlich her.

Wort für Wort
jīrṇasphuṭitasaṃdhānaṃ tasya nityamakāriṣam /
beständig besserte ich dessen verfallene, aufgeplatzte Fugen aus
parṇaistṛṇaiśca kāṣṭhaighair gṛhaṃ samyak prakalpitam
mit Blättern, Gras und Holz richtete ich das Gebäude ordentlich her

svasurārāthaṃ tu tadbhamirmayā litpā munīśvara / tatrāhaṃ vyādhavṛttistho hatvā bahuvidhānmṛgān

Zu meiner eigenen Bequemlichkeit [?] bestrich ich jenen Boden [mit Lehm], o Fürst der Weisen; dort lebte ich als Jäger, indem ich vielerlei Wild erlegte.

Wort für Wort
svasurārāthaṃ tu tadbhamirmayā litpā munīśvara /
zu meiner eigenen Bequemlichkeit [?] bestrich ich jenen Boden, o Fürst der Weisen
tatrāhaṃ vyādhavṛttistho hatvā bahuvidhānmṛgān
dort lebte ich als Jäger, indem ich vielerlei Wild erlegte

[?] 'svasurārāthaṃ tu tadbhamirmayā litpā' textlich stark korrupt überliefert; sinngemäß als 'svasukhārthaṃ tu tadbhūmir mayā liptā' ('zu meiner eigenen Bequemlichkeit wurde jener Boden von mir bestrichen') gedeutet.

ājīvaṃ vartaya nnityaṃ varṣāṇāṃ viṃśatiḥ sthitaḥ / atheyamāgatā sādhvī vindhyadeśasamudbhavā

Meinen Lebensunterhalt so beständig bestreitend, verweilte ich zwanzig Jahre; da kam diese tugendhafte [Frau], aus dem Vindhya-Land stammend.

Wort für Wort
ājīvaṃ vartaya nnityaṃ varṣāṇāṃ viṃśatiḥ sthitaḥ /
meinen Lebensunterhalt so beständig bestreitend, verweilte ich zwanzig Jahre
atheyamāgatā sādhvī vindhyadeśasamudbhavā
da kam diese tugendhafte [Frau], aus dem Vindhya-Land stammend

niṣādakulajā viprā nānmā khyātā navakokilā / bandhuvargaparityaktā duḥkhitā jīrṇavigrahā

Geboren aus dem Niṣāda-Geschlecht, [aber] fürwahr trefflich [?], mit Namen bekannt als Navakokilā, von der Schar ihrer Verwandten verlassen, unglücklich, mit abgezehrtem Leib.

Wort für Wort
niṣādakulajā viprā nānmā khyātā navakokilā /
geboren aus dem Niṣāda-Geschlecht, [aber] trefflich [?], mit Namen bekannt als Navakokilā
bandhuvargaparityaktā duḥkhitā jīrṇavigrahā
von der Schar ihrer Verwandten verlassen, unglücklich, mit abgezehrtem Leib

[Anm.: Im Quelltext steht 'khyātā/ñavakokilā' mit einem fehlplatzierten Schrägstrich mitten im Wort – offenbar ein Interpunktions-/OCR-Artefakt der Vorlage, hier stillschweigend als 'khyātā navakokilā' gelesen.] [?] 'viprā' ('trefflich/brahmanisch') steht im Widerspruch zur genannten Niṣāda-Herkunft; Lesart unsicher.

kṣuttṛḍgharmapariśrāntā śocantī svakṛtaṃ hyagham / daivayogākatsamāyātābhramantī vijane vane

Von Hunger, Durst und Hitze erschöpft, ihre eigene Sünde beklagend, kam sie durch Schicksalsfügung [dorthin], im einsamen Wald umherirrend.

Wort für Wort
kṣuttṛḍgharmapariśrāntā śocantī svakṛtaṃ hyagham /
von Hunger, Durst und Hitze erschöpft, ihre eigene Sünde beklagend
daivayogākatsamāyātābhramantī vijane vane
kam sie durch Schicksalsfügung [dorthin], im einsamen Wald umherirrend

grīṣmatāpārdditā bāhye svānte cādhinipūḍitā / imāṃ duḥkhārditāṃ dṛṣṭvā jātā me vipulā dayā

Von der Sommerhitze äußerlich gequält, innerlich von Kummer bedrängt – als ich diese vom Leid Geplagte erblickte, entstand in mir großes Mitleid.

Wort für Wort
grīṣmatāpārdditā bāhye svānte cādhinipūḍitā /
von der Sommerhitze äußerlich gequält, innerlich von Kummer bedrängt
imāṃ duḥkhārditāṃ dṛṣṭvā jātā me vipulā dayā
als ich diese vom Leid Geplagte erblickte, entstand in mir großes Mitleid

dattaṃ mayā jalaṃ cāsyai māṃsaṃ vanyaphalāni ca / gataśramātviyaṃ brahmanmayā pṛṣṭā yathā tayam

Wasser gab ich ihr, Fleisch und Waldfrüchte; nachdem sie so von ihrer Erschöpfung befreit war, o Brahmane, fragte ich sie, wie es sich wahrhaftig zugetragen hatte.

Wort für Wort
dattaṃ mayā jalaṃ cāsyai māṃsaṃ vanyaphalāni ca /
Wasser gab ich ihr, Fleisch und Waldfrüchte
gataśramātviyaṃ brahmanmayā pṛṣṭā yathā tayam
nachdem sie so von ihrer Erschöpfung befreit war, o Brahmane, fragte ich sie, wie es sich wahrhaftig zugetragen hatte

avedayatsvavṛttāntaṃ tacchṛṇuṣva mahāmune / nānmāvakokilā cāhaṃ niṣādakulasabhbhavā

Sie berichtete ihre eigene Geschichte – höre sie, o großer Weiser: 'Mit Namen bin auch ich Navakokilā, entstanden aus dem Niṣāda-Geschlecht,

Wort für Wort
avedayatsvavṛttāntaṃ tacchṛṇuṣva mahāmune /
sie berichtete ihre eigene Geschichte – höre sie, o großer Weiser
nānmāvakokilā cāhaṃ niṣādakulasabhbhavā
'mit Namen bin auch ich Navakokilā, entstanden aus dem Niṣāda-Geschlecht'

dārukasya sutā cāhaṃ vindhyaparvatavāsinī / parasvahāriṇī nityaṃ sadā paiśunyavādinī

Tochter des Dāruka bin ich, im Vindhya-Gebirge wohnend, stets fremdes Gut raubend, immer verleumderisch redend,

Wort für Wort
dārukasya sutā cāhaṃ vindhyaparvatavāsinī /
Tochter des Dāruka bin ich, im Vindhya-Gebirge wohnend
parasvahāriṇī nityaṃ sadā paiśunyavādinī
stets fremdes Gut raubend, immer verleumderisch redend

puṃścalūtyevamuktvā tu bandhuvargaiḥ samujjhitā / kiyatkālaṃ tataḥ patyā bhṛtāhaṃ lokaninditā

'eine Ehebrecherin' – so genannt, wurde ich von der Schar meiner Verwandten verstoßen; einige Zeit danach wurde ich, von der Welt geschmäht, von einem Gatten ernährt.

Wort für Wort
puṃścalūtyevamuktvā tu bandhuvargaiḥ samujjhitā /
'eine Ehebrecherin' – so genannt, wurde ich von der Schar meiner Verwandten verstoßen
kiyatkālaṃ tataḥ patyā bhṛtāhaṃ lokaninditā
einige Zeit danach wurde ich, von der Welt geschmäht, von einem Gatten ernährt

daivātso 'pi gato lokaṃ yamasyātra vihāya mām / kāntāre vijane caikā bhramantī duḥkhapīḍitā

Doch schicksalhaft ging auch er in die Welt des Yama ein, mich hier zurücklassend; in der Wildnis, einsam und allein, irrte ich umher, von Leid gequält.

Wort für Wort
daivātso 'pi gato lokaṃ yamasyātra vihāya mām /
doch schicksalhaft ging auch er in die Welt des Yama ein, mich hier zurücklassend
kāntāre vijane caikā bhramantī duḥkhapīḍitā
in der Wildnis, einsam und allein, irrte ich umher, von Leid gequält

daivāttvatsavidhaṃ prātpā jīvitāhaṃ tvayādhunā / ityevaṃ svakṛtaṃ karma mahyaṃ sarvaṃ nyavedayat

Durch Schicksal kam ich in deine Nähe; nun bin ich von dir am Leben erhalten worden.' – So berichtete sie mir all ihr selbst vollbrachtes Tun.

Wort für Wort
daivāttvatsavidhaṃ prātpā jīvitāhaṃ tvayādhunā /
'durch Schicksal kam ich in deine Nähe; nun bin ich von dir am Leben erhalten worden'
ityevaṃ svakṛtaṃ karma mahyaṃ sarvaṃ nyavedayat
so berichtete sie mir all ihr selbst vollbrachtes Tun

tato devālaye tasmindamapatībhāvamāśritau / sthitau varṣāṇi daśa ca āvāṃ māṃsaphalāśinau

Danach lebten wir beide in jenem Tempel im Stand von Eheleuten, zehn Jahre lang, uns von Fleisch und Früchten nährend.

Wort für Wort
tato devālaye tasmindamapatībhāvamāśritau /
danach lebten wir beide in jenem Tempel im Stand von Eheleuten
sthitau varṣāṇi daśa ca āvāṃ māṃsaphalāśinau
zehn Jahre lang, uns von Fleisch und Früchten nährend

ekadā madyapānena pramattau nirbharaimune / tatra devālaye rāghatrau muditau māṃsabhojanāt

Eines Tages, durch Weingenuss berauscht, gänzlich außer uns, o Weiser, [waren wir] dort im Tempel des Nachts, erfreut vom Fleischgenuss,

Wort für Wort
ekadā madyapānena pramattau nirbharaimune /
eines Tages, durch Weingenuss berauscht, gänzlich außer uns, o Weiser
tatra devālaye rāghatrau muditau māṃsabhojanāt
[waren wir] dort im Tempel des Nachts, erfreut vom Fleischgenuss

tanuvastrāparijñānau nṛtyaṃ cakṛva mohitau / prārabdhakarma bhogāntamāvāṃ yugapadāgatau

unser eigenes Gewand und unseren Leib nicht mehr wahrnehmend, tanzten wir, verblendet; das Ende unseres [von früherem Tun] begonnenen Karmas hatten wir beide zugleich erreicht.

Wort für Wort
tanuvastrāparijñānau nṛtyaṃ cakṛva mohitau /
unser eigenes Gewand und unseren Leib nicht mehr wahrnehmend, tanzten wir, verblendet
prārabdhakarma bhogāntamāvāṃ yugapadāgatau
das Ende unseres begonnenen Karmas hatten wir beide zugleich erreicht

yamadūtāstadāyātāḥ pāśahastā bhayaṅkarāḥ / netumāvāṃ nṛtyaratau sudhorāṃ yamayātanām

Da kamen die Boten Yamas, mit Stricken in der Hand, furchterregend, um uns beide, die wir dem Tanze hingegeben waren, zur überaus schrecklichen Yama-Qual zu führen [?].

Wort für Wort
yamadūtāstadāyātāḥ pāśahastā bhayaṅkarāḥ /
da kamen die Boten Yamas, mit Stricken in der Hand, furchterregend
netumāvāṃ nṛtyaratau sudhorāṃ yamayātanām
um uns beide, die wir dem Tanze hingegeben waren, zur überaus schrecklichen Yama-Qual zu führen [?]

[?] 'sudhorāṃ' vermutlich für 'sughorāṃ' ('überaus schrecklich') verschrieben.

tataḥ prasanno bhagavānkarmaṇā mama mānada / devāvasathasaṃskārasaṃjñitena kṛtena naḥ

Da nun wurde der Erhabene [Viṣṇu], o Ehrenspender, zufrieden durch das von uns vollbrachte Werk, genannt 'Instandsetzung der Gotteswohnstatt',

Wort für Wort
tataḥ prasanno bhagavānkarmaṇā mama mānada /
da nun wurde der Erhabene zufrieden durch das von mir vollbrachte Werk, o Ehrenspender
devāvasathasaṃskārasaṃjñitena kṛtena naḥ
das von uns vollbrachte Werk, genannt 'Instandsetzung der Gotteswohnstatt'

svadūtānprepayāmāsa svabhaktāvanatatparaḥ / te dūtā devadevasya śaṅkhacakragadādharāḥ

und sandte seine eigenen Boten aus, [er,] der stets darauf bedacht ist, seine Gläubigen zu beschützen; jene Boten des Gottes der Götter trugen Muschelhorn, Diskus und Keule.

Wort für Wort
svadūtānprepayāmāsa svabhaktāvanatatparaḥ /
er sandte seine eigenen Boten aus, stets darauf bedacht, seine Gläubigen zu beschützen
te dūtā devadevasya śaṅkhacakragadādharāḥ
jene Boten des Gottes der Götter trugen Muschelhorn, Diskus und Keule

sahasrasūryāsaṃkāśāḥ sarve cārucaturbhujāḥ / kirīṭakuṇḍaladharā hāriṇo vanamālinaḥ

Glänzend wie tausend Sonnen, alle mit schönen vier Armen, Kronen und Ohrringe tragend, mit Halsketten geschmückt, mit Waldblumengirlanden bekränzt,

Wort für Wort
sahasrasūryāsaṃkāśāḥ sarve cārucaturbhujāḥ /
glänzend wie tausend Sonnen, alle mit schönen vier Armen
kirīṭakuṇḍaladharā hāriṇo vanamālinaḥ
Kronen und Ohrringe tragend, mit Halsketten geschmückt, mit Waldblumengirlanden bekränzt

diśo vitimirā vipra kurvantaḥ svena tejasā / bhayaṅkarānyāśahastāndaṃṣṭriṇo yamakiṅkarān

die mit ihrem eigenen Glanz die Himmelsrichtungen von Finsternis befreiten, o Brahmane – [sie vertrieben] die furchterregenden, mit Stricken in der Hand bewaffneten, fletschzähnigen Diener Yamas.

Wort für Wort
diśo vitimirā vipra kurvantaḥ svena tejasā /
die mit ihrem eigenen Glanz die Himmelsrichtungen von Finsternis befreiten, o Brahmane
bhayaṅkarānyāśahastāndaṃṣṭriṇo yamakiṅkarān
[sie vertrieben] die furchterregenden, mit Stricken bewaffneten, fletschzähnigen Diener Yamas

āvayogrāhaṇe yattānṛcuḥ kṛṣṇaparāyaṇāḥ

Zu jenen, die im Begriff waren, uns beide zu ergreifen, sprachen die Kṛṣṇa ergebenen [Boten Viṣṇus]:

Wort für Wort
āvayogrāhaṇe yattānṛcuḥ kṛṣṇaparāyaṇāḥ
zu jenen, die im Begriff waren, uns beide zu ergreifen, sprachen die Kṛṣṇa ergebenen [Boten]

[Anm.: Dieser Vers überliefert nur eine Vershälfte (zwei Pādas statt der üblichen vier) als Einleitung zur folgenden Rede.]

viṣṇudūtā ūcuḥ bho bho krūrā dūrācārā vivekaparivarjitāḥ / muñcadhvametau niṣpāpau dampatī harivallabhau

Die Boten Viṣṇus sprachen: Oh, oh, ihr Grausamen, übel Handelnden, der Unterscheidungskraft Beraubten! Lasset dieses schuldlose Ehepaar los, das Hari lieb und teuer ist!

Wort für Wort
bho bho krūrā dūrācārā vivekaparivarjitāḥ /
oh, oh, ihr Grausamen, übel Handelnden, der Unterscheidungskraft Beraubten
muñcadhvametau niṣpāpau dampatī harivallabhau
lasset dieses schuldlose Ehepaar los, das Hari lieb und teuer ist

vivekastriṣu lokeṣu saṃpadāmādikāraṇam / apāpe pāpadhīryastu taṃ vidyātpuruṣādhamam

Unterscheidungskraft ist in den drei Welten die erste Ursache alles Glücks; wer bei dem, der ohne Sünde ist, den Gedanken der Sünde hegt, den erkenne man als den niedrigsten der Menschen.

Wort für Wort
vivekastriṣu lokeṣu saṃpadāmādikāraṇam /
Unterscheidungskraft ist in den drei Welten die erste Ursache alles Glücks
apāpe pāpadhīryastu taṃ vidyātpuruṣādhamam
wer bei dem Sündlosen den Gedanken der Sünde hegt, den erkenne man als den niedrigsten der Menschen

pāpe tvapāpadhīryastu taṃ vidyādadhamādhamam

Wer aber bei dem Sündigen den Gedanken der Sündlosigkeit hegt, den erkenne man als den niedrigsten der Niedrigen.

Wort für Wort
pāpe tvapāpadhīryastu taṃ vidyādadhamādhamam
wer aber bei dem Sündigen den Gedanken der Sündlosigkeit hegt, den erkenne man als den niedrigsten der Niedrigen

[Anm.: Auch dieser Vers überliefert nur eine Vershälfte, als Fortsetzung des Gedankens von V.59.]

yamadūtā ūcuḥ yuṣmābhiḥ satyamevoktaṃ kiṃ tvetau pāpisattamau / yamena pāpino daṇḍyāstanneṣyāmo vayaṃ tvimau

Die Boten Yamas sprachen: Von euch ist wahrlich die Wahrheit gesagt; doch sind diese beiden nicht die ärgsten Sünder [?]? Von Yama müssen die Sünder bestraft werden – daher wollen wir diese beiden fortführen.

Wort für Wort
yuṣmābhiḥ satyamevoktaṃ kiṃ tvetau pāpisattamau /
von euch ist wahrlich die Wahrheit gesagt; doch sind diese beiden nicht die ärgsten Sünder [?]
yamena pāpino daṇḍyāstanneṣyāmo vayaṃ tvimau
von Yama müssen die Sünder bestraft werden – daher wollen wir diese beiden fortführen

[?] 'pāpisattamau' (wörtl. 'die besten der Sünder') vermutlich für 'pāpiṣṭhau' ('die schlimmsten Sünder') verschrieben.

śrutipraṇihito dharmo hyadharmastadviparyayaḥ / dharmādharmaviveko 'yaṃ tanneṣyāmo yamāntikam

Der in den heiligen Schriften niedergelegte [Weg] ist Dharma, das Gegenteil davon Adharma; dies ist die Unterscheidung von Dharma und Adharma – daher wollen wir sie zu Yama führen.

Wort für Wort
śrutipraṇihito dharmo hyadharmastadviparyayaḥ /
der in der Śruti niedergelegte [Weg] ist Dharma, das Gegenteil davon Adharma
dharmādharmaviveko 'yaṃ tanneṣyāmo yamāntikam
dies ist die Unterscheidung von Dharma und Adharma – daher wollen wir sie zu Yama führen

etactchuvātikupitā viṣṇudūtā mahaujasaḥ / pratyūcūstānyamabhaṭānadharme dharmamāninaḥ

Als sie dies hörten, wurden die Boten Viṣṇus, von großer Macht, überaus zornig und erwiderten den Yama-Kriegern, die im Unrecht das Recht zu erkennen glaubten:

Wort für Wort
etactchuvātikupitā viṣṇudūtā mahaujasaḥ /
als sie dies hörten, wurden die Boten Viṣṇus, von großer Macht, überaus zornig
pratyūcūstānyamabhaṭānadharme dharmamāninaḥ
und erwiderten den Yama-Kriegern, die im Unrecht das Recht zu erkennen glaubten

viṣṇadūtā ūcuḥ aho kaṣṭaṃ dharmadṛśāmadharmaḥ spṛśate sabhām / samyagvivekaśūnyānāṃ nidānaṃ hyāpadāṃ mahat

Die Boten Viṣṇus sprachen: Ach, welch Elend, dass Unrecht die Versammlung derer berührt, die [doch] das Recht erkennen! Dies ist fürwahr die große Wurzel allen Unheils für die, denen die rechte Unterscheidungskraft fehlt.

Wort für Wort
aho kaṣṭaṃ dharmadṛśāmadharmaḥ spṛśate sabhām /
ach, welch Elend, dass Unrecht die Versammlung derer berührt, die das Recht erkennen
samyagvivekaśūnyānāṃ nidānaṃ hyāpadāṃ mahat
dies ist die große Wurzel allen Unheils für die, denen die rechte Unterscheidungskraft fehlt

tarkāṇādyaviśeṣeṇa narakādhyakṣatāṃ gatāḥ / yūyaṃ kimarthamadyāpi karttuṃ pāpāni sodyamāḥ

Durch bloße Spitzfindigkeit ohne [rechte] Unterscheidung [?] seid ihr zu Aufsehern der Hölle geworden; weshalb seid ihr noch heute bereit, Sünden zu begehen?

Wort für Wort
tarkāṇādyaviśeṣeṇa narakādhyakṣatāṃ gatāḥ /
durch bloße Spitzfindigkeit ohne rechte Unterscheidung [?] seid ihr zu Aufsehern der Hölle geworden
yūyaṃ kimarthamadyāpi karttuṃ pāpāni sodyamāḥ
weshalb seid ihr noch heute bereit, Sünden zu begehen

[?] 'tarkāṇādyaviśeṣeṇa' textlich unklar/korrupt überliefert; sinngemäß wiedergegeben.

svakarmakṣayaparyantaṃ mahāpātakino 'pi ca / tiṣṭanti narake ghore yāvaccandrārkatārakam

Selbst die mit Todsünden Behafteten verweilen bis zur Erschöpfung ihres eigenen Karmas in der schrecklichen Hölle, solange Mond, Sonne und Sterne [bestehen].

Wort für Wort
svakarmakṣayaparyantaṃ mahāpātakino 'pi ca /
selbst die mit Todsünden Behafteten, bis zur Erschöpfung ihres eigenen Karmas
tiṣṭanti narake ghore yāvaccandrārkatārakam
verweilen in der schrecklichen Hölle, solange Mond, Sonne und Sterne bestehen

pūrvasaṃcitapāpānāmadṛṣṭvā niṣkṛtiṃ vṛthā / kimarthaṃ pāpakarmāṇi kariṣye 'tha punaḥ punaḥ

Ohne für die früher angehäuften Sünden Sühne zu erlangen – wozu wollt ihr denn vergeblich immer wieder von neuem Sündentaten begehen?

Wort für Wort
pūrvasaṃcitapāpānāmadṛṣṭvā niṣkṛtiṃ vṛthā /
ohne für die früher angehäuften Sünden Sühne zu erlangen, vergeblich
kimarthaṃ pāpakarmāṇi kariṣye 'tha punaḥ punaḥ
wozu wollt ihr denn immer wieder von neuem Sündentaten begehen

śrutipraṇihito dharmaḥ satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ / kintvābhyāṃ caritāndharmānpravakṣyāmo yathātatham

Der in der Śruti niedergelegte Dharma ist wahr, wahrlich wahr, kein Zweifel; doch wollen wir die von diesen beiden vollbrachten frommen Taten der Wahrheit gemäß verkünden.

Wort für Wort
śrutipraṇihito dharmaḥ satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ /
der in der Śruti niedergelegte Dharma ist wahr, wahrlich wahr, kein Zweifel
kintvābhyāṃ caritāndharmānpravakṣyāmo yathātatham
doch wollen wir die von diesen beiden vollbrachten frommen Taten der Wahrheit gemäß verkünden

etau pāpavinirmuktau hariśuśrūṣaṇe ratau / hariṇā trāyamāṇau ca muñcadhvamavilambitam

Diese beiden sind von Sünde befreit, dem Dienst an Hari zugetan, und werden von Hari selbst beschützt – lasset [sie] ohne Verzug los!

Wort für Wort
etau pāpavinirmuktau hariśuśrūṣaṇe ratau /
diese beiden sind von Sünde befreit, dem Dienst an Hari zugetan
hariṇā trāyamāṇau ca muñcadhvamavilambitam
und werden von Hari selbst beschützt – lasset sie ohne Verzug los

eṣā ca nartanaṃ cakre tathaiva dhvajaroṣaṇam / antakāle viṣṇugṛhe tena niṣpāpatāṃ gatau

Diese [Frau] vollzog den Tanz, und ebenso [er] die Fahnenaufrichtung, im Hause Viṣṇus, zur Todesstunde; dadurch sind sie beide zur Sündlosigkeit gelangt.

Wort für Wort
eṣā ca nartanaṃ cakre tathaiva dhvajaroṣaṇam /
diese [Frau] vollzog den Tanz, und ebenso [er] die Fahnenaufrichtung [?]
antakāle viṣṇugṛhe tena niṣpāpatāṃ gatau
im Hause Viṣṇus, zur Todesstunde; dadurch sind sie beide zur Sündlosigkeit gelangt

[?] 'dhvajaroṣaṇam' vermutlich für 'dhvajāropaṇam' ('Fahnenaufrichtung') verschrieben.

antakāle tu yannāma śrutvoktvāpi ca vai sakṛt / labhate paramaṃ sthānaṃ kimu śūśrūṣaṇe ratāḥ

Wer aber zur Todesstunde [Haris] Namen auch nur einmal hört oder ausspricht, erlangt die höchste Stätte – um wieviel mehr diejenigen, die [ihm] dienstbar zugetan sind!

Wort für Wort
antakāle tu yannāma śrutvoktvāpi ca vai sakṛt /
wer aber zur Todesstunde [Haris] Namen auch nur einmal hört oder ausspricht
labhate paramaṃ sthānaṃ kimu śūśrūṣaṇe ratāḥ
erlangt die höchste Stätte – um wieviel mehr die, die dienstbar zugetan sind

mahāpātakayukto vā yukto vāpyupapātakaiḥ /./ kṛṣṇasevī naro 'nte 'pi labhate paramāṃ gatim

Sei er auch mit einer Todsünde behaftet, oder auch mit geringeren Sünden behaftet – der Mensch, der Kṛṣṇa dient, erlangt selbst am Ende [seines Lebens] das höchste Ziel.

Wort für Wort
mahāpātakayukto vā yukto vāpyupapātakaiḥ /./
sei er auch mit einer Todsünde behaftet, oder auch mit geringeren Sünden behaftet
kṛṣṇasevī naro 'nte 'pi labhate paramāṃ gatim
der Mensch, der Kṛṣṇa dient, erlangt selbst am Ende das höchste Ziel

[Anm.: Im Quelltext steht nach 'upapātakaiḥ' ein isoliertes '/./', ein Interpunktionsartefakt der Vorlage.]

yatīnāṃ viṣṇubhaktānāṃ paricaryā parāyaṇāḥ / te dūtāḥ sahasā yānti pāpino 'pi parāṃ gatim

Diejenigen, die dem Dienst an den Asketen und den Viṣṇu-Gläubigen zugetan sind, jene gelangen, o Boten, rasch, selbst wenn sie Sünder sind, zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
yatīnāṃ viṣṇubhaktānāṃ paricaryā parāyaṇāḥ /
diejenigen, die dem Dienst an den Asketen und den Viṣṇu-Gläubigen zugetan sind
te dūtāḥ sahasā yānti pāpino 'pi parāṃ gatim
jene gelangen, o Boten, rasch, selbst wenn sie Sünder sind, zum höchsten Ziel

muhurtaṃ vā muhurtārddhaṃ yastiṣṭoddharimandire / so 'pi yāti paraṃ sthānaṃ kimudvātraghiṃśavatsarān

Wer auch nur einen Muhūrta oder einen halben Muhūrta im Tempel Haris verweilt, der gelangt gleichfalls zur höchsten Stätte – um wieviel mehr, wer es zwanzig Jahre [tut]!

Wort für Wort
muhurtaṃ vā muhurtārddhaṃ yastiṣṭoddharimandire /
wer auch nur einen Muhūrta oder einen halben Muhūrta im Tempel Haris verweilt
so 'pi yāti paraṃ sthānaṃ kimudvātraghiṃśavatsarān
der gelangt gleichfalls zur höchsten Stätte – um wieviel mehr, wer es zwanzig Jahre tut

upalepanakarttārau saṃmārjanaparāyaṇau / etau harigṛhe nityaṃ jīrṇaśīrṇādhiropakau

Diese beiden, die den [Tempel-]Boden bestrichen und dem Kehren zugetan waren, die beständig im Hause Haris das Verfallene und Zerbröckelte instandsetzten,

Wort für Wort
upalepanakarttārau saṃmārjanaparāyaṇau /
diese beiden, die den Boden bestrichen und dem Kehren zugetan waren
etau harigṛhe nityaṃ jīrṇaśīrṇādhiropakau
die beständig im Hause Haris das Verfallene und Zerbröckelte instandsetzten

jalasecanakarttārau dīpadau harimandire / kathametau mahābhāgau yātanābhogamarhatha

die Wasser sprengten und Lampen spendeten im Tempel Haris – wie könnt ihr wollen, dass diese beiden Hochgesegneten die Qual [der Hölle] erleiden?

Wort für Wort
jalasecanakarttārau dīpadau harimandire /
die Wasser sprengten und Lampen spendeten im Tempel Haris
kathametau mahābhāgau yātanābhogamarhatha
wie könnt ihr wollen, dass diese beiden Hochgesegneten die Qual erleiden

ityuktā viṣṇudūtāste cchitvā pāśāṃstadaiva hi / āropyāvāṃ vimānāgrayaṃ yayurviṣṇoḥ paraṃ padam

Nach diesen Worten zerschnitten die Boten Viṣṇus sogleich die Stricke; nachdem sie uns beide auf ein vortreffliches Himmelsgefährt gesetzt hatten, gingen sie zur höchsten Stätte Viṣṇus.

Wort für Wort
ityuktā viṣṇudūtāste cchitvā pāśāṃstadaiva hi /
nach diesen Worten zerschnitten die Boten Viṣṇus sogleich die Stricke
āropyāvāṃ vimānāgrayaṃ yayurviṣṇoḥ paraṃ padam
nachdem sie uns beide auf ein vortreffliches Himmelsgefährt gesetzt hatten, gingen sie zur höchsten Stätte Viṣṇus

tatra sāmīpyamāpannau devadevasya cakriṇaḥ / divyānbhogānbhuktavantau tāvatkālaṃ munīśvara

Dort erlangten wir beide die Nähe des Gottes der Götter, des Diskusträgers; göttliche Genüsse genossen wir dort für jene [ganze] Zeit, o Fürst der Weisen.

Wort für Wort
tatra sāmīpyamāpannau devadevasya cakriṇaḥ /
dort erlangten wir beide die Nähe des Gottes der Götter, des Diskusträgers
divyānbhogānbhuktavantau tāvatkālaṃ munīśvara
göttliche Genüsse genossen wir dort für jene Zeit, o Fürst der Weisen

divyānbhogāṃstu tatrāpi bhuktvā yātau mahīmimām / atrāpi saṃpadatulā harisevāprasādataḥ

Nachdem wir dort auch die göttlichen Genüsse genossen hatten, kamen wir wieder auf diese Erde; auch hier [ist] unvergleichlicher Reichtum durch die Gnade des Dienstes an Hari [unser Teil].

Wort für Wort
divyānbhogāṃstu tatrāpi bhuktvā yātau mahīmimām /
nachdem wir dort auch die göttlichen Genüsse genossen hatten, kamen wir wieder auf diese Erde
atrāpi saṃpadatulā harisevāprasādataḥ
auch hier [ist] unvergleichlicher Reichtum durch die Gnade des Dienstes an Hari

anicchayā kṛtenāpi sevanena harermune / prātpamīdṛk phalaṃ vipra devānāmapi durlabham

Selbst durch einen ohne [eigenen] Wunsch vollbrachten Dienst an Hari, o Weiser, wurde eine solche Frucht erlangt, o Brahmane, die selbst für die Götter schwer zu erlangen ist.

Wort für Wort
anicchayā kṛtenāpi sevanena harermune /
selbst durch einen ohne eigenen Wunsch vollbrachten Dienst an Hari, o Weiser
prātpamīdṛk phalaṃ vipra devānāmapi durlabham
wurde eine solche Frucht erlangt, o Brahmane, die selbst für die Götter schwer zu erlangen ist

icchayārādhya viśveśaṃ bhaktibhāvena mādhavam / prāpsyāvaḥ paramaṃ śreya iti heturnirupitaḥ

'Wieviel mehr werden wir, die wir den Herrn des Alls, Mādhava, mit Absicht und in hingebungsvoller Gesinnung verehrt haben, das höchste Heil erlangen!' – so wurde der Grund dargelegt.

Wort für Wort
icchayārādhya viśveśaṃ bhaktibhāvena mādhavam /
'den Herrn des Alls, Mādhava, mit Absicht und in hingebungsvoller Gesinnung verehrt'
prāpsyāvaḥ paramaṃ śreya iti heturnirupitaḥ
'werden wir das höchste Heil erlangen' – so wurde der Grund dargelegt

avaśenāpi yatkarma kṛtaṃ syātsumahatphalam / jāyate bhūmidevendra kiṃ punaḥ śraddhayā kṛtam

Selbst ein Werk, das unfreiwillig vollbracht wird, trägt überaus große Frucht, o Bester der Erdgötter (Brahmane); wieviel mehr, wenn es mit Glauben vollbracht wird!

Wort für Wort
avaśenāpi yatkarma kṛtaṃ syātsumahatphalam /
selbst ein Werk, das unfreiwillig vollbracht wird, trägt überaus große Frucht
jāyate bhūmidevendra kiṃ punaḥ śraddhayā kṛtam
o Bester der Erdgötter, wieviel mehr, wenn es mit Glauben vollbracht wird

etaduktaṃ niśamyāsau sa munīndro vibhaṇḍakaḥ / praśasya dampatī tau tu prayayau svatapevanam

Nachdem er dies vernommen hatte, lobte der Fürst der Weisen, Vibhāṇḍaka, jenes Ehepaar und begab sich darauf in seinen eigenen Büßerhain.

Wort für Wort
etaduktaṃ niśamyāsau sa munīndro vibhaṇḍakaḥ /
nachdem er dies vernommen hatte, [sprach] der Fürst der Weisen, Vibhāṇḍaka
praśasya dampatī tau tu prayayau svatapevanam
lobte jenes Ehepaar und begab sich darauf in seinen eigenen Büßerhain

tasmājjānīhi devarṣe devadevasya cakriṇaḥ / paricaryā tu sarveṣāṃ kāmadhenūpamā smṛtā

Daher wisse, o Götterweiser: der Dienst am Gott der Götter, dem Diskusträger, gilt als für alle einer Wunschkuh gleich.

Wort für Wort
tasmājjānīhi devarṣe devadevasya cakriṇaḥ /
daher wisse, o Götterweiser, [der Dienst] am Gott der Götter, dem Diskusträger
paricaryā tu sarveṣāṃ kāmadhenūpamā smṛtā
gilt als für alle einer Wunschkuh gleich

haripūjāparāṇāṃ tu harireva sanātanaḥ / dadāti paramaṃ śreyaḥ sarvakāmaphalamapradaḥ

Denen aber, die der Verehrung Haris zugetan sind, gewährt Hari selbst, der Ewige, das höchste Heil, [er,] der die Frucht aller Wünsche gewährt [?].

Wort für Wort
haripūjāparāṇāṃ tu harireva sanātanaḥ /
denen aber, die der Verehrung Haris zugetan sind, gewährt Hari selbst, der Ewige
dadāti paramaṃ śreyaḥ sarvakāmaphalamapradaḥ
das höchste Heil, [er,] der die Frucht aller Wünsche gewährt [?]

[?] 'sarvakāmaphalamapradaḥ' (wörtl. 'nicht gewährend') widerspricht dem Sinn des Satzes; vermutlich für 'sarvakāmaphalapradaḥ' ('die Frucht aller Wünsche gewährend') verschrieben.

ya idaṃ puṇyamākhyānaṃ sarvapāpapraṇāśanam / paṭhecca śṛṇuyādvāpi so 'pi yāti parāṃ rātim

Wer diese heilige Erzählung, die alle Sünde vernichtet, liest oder auch [nur] hört, der gelangt gleichfalls zur höchsten Wonne [?].

Wort für Wort
ya idaṃ puṇyamākhyānaṃ sarvapāpapraṇāśanam /
wer diese heilige Erzählung, die alle Sünde vernichtet
paṭhecca śṛṇuyādvāpi so 'pi yāti parāṃ rātim
liest oder auch hört, der gelangt gleichfalls zur höchsten Wonne [?]

[?] 'parāṃ rātim' ('die höchste Freude/Gabe') weicht von der in diesem Werk sonst formelhaften Wendung 'parāṃ gatim' ('das höchste Ziel') ab; möglicherweise Verschreibung, hier aber wörtlich beibehalten.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks