Sanatkumāra sprach: Höre, Nārada, ich werde die göttlichen Mantras des Narahari [Nṛsiṃha] verkünden, durch deren Verehrung Brahmā und die anderen [Götter] das Werk der Schöpfung usw. vollbrachten.
Wort für Wort
sanatkumāra uvāca
Sanatkumāra sprach
śṛṇu nārada vakṣyāmi divyān naraharer manūn
höre, Nārada, ich werde die göttlichen Mantras des Narahari verkünden
yān samārādhya brahma-ādyāḥ
durch deren Verehrung Brahmā und die anderen
cakruḥ sṛṣṭi-ādi karma vai
das Werk der Schöpfung usw. vollbrachten
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext eine Kolophonzeile vorangestellt ("iti ... saptatitamo 'dhyāyaḥ", gefolgt von einer Trennlinie). Diese Ordnungszahl "saptatitama" (70.) gehört, dem Aufbau der Quelle nach zu urteilen, nicht zu diesem Kapitel, sondern ist der versetzt überlieferte Schlusskolophon des vorangehenden Kapitels 69; sie wurde im sa-Feld dokumentiert, aber nicht in die Übersetzung einbezogen.]
Der [in Gestalt des Weltuntergangsfeuers] Saṃvartaka, mondbekrönte, vom Feuer geschmückte Manu[-Mantra] gilt als der einsilbige Mantra; für die ihn Verehrenden ist er der Wunschbaum der Götter.
Wort für Wort
saṃvartakaḥ candramauliḥ
der [als] Saṃvartaka[-Feuer geltende], mondbekrönte
manuḥ vahni-vibhūṣitaḥ
Mantra, vom Feuer geschmückt
ekākṣaraḥ smṛto mantraḥ
gilt als der einsilbige Mantra
bhajatāṃ surapādapaḥ
für die Verehrenden [ist er] der Wunschbaum der Götter
[?: Die genaue Bedeutung der Beiworte "saṃvartaka" (Name des Weltzerstörungsfeuers) und "candramauli" ("mondbekrönt", sonst Śiva-Epitheton) als Charakterisierung des einsilbigen bīja-Mantra ist unsicher; beste Vermutung gegeben.]
Der Seher [dieses Mantra] ist Atri, das Versmaß Jagatī, o Bester der Weisen; als Gottheit wird Nṛhari genannt, die Anwendung [dient] der Erlangung von allem.
„Kṣaṃ“ ist das Samenwort (bīja), „ī“ wird als Śakti erklärt; mit den sechs langen [Vokalen] [vollziehe man] die Sechsgliederung (ṣaḍaṅga); [man gedenke Nṛharis] mit Sonne, Mond und Feuer als Augen, vom Glanz eines Herbstmondes, mit [seinen] Händen –
Wort für Wort
kṣaṃ bījaṃ śaktiḥ ī proktā
„kṣaṃ“ ist das Samenwort, „ī“ wird als Śakti erklärt
ṣaḍdīrgheṇa ṣaḍaṅgakam
mit den sechs langen [Vokalen] die Sechsgliederung
arka-indu-vahni-nayanaṃ
mit Sonne, Mond und Feuer als Augen
śarada-indu-rucaṃ karaiḥ
vom Glanz eines Herbstmondes, mit den Händen
[Anm.: Der Satz läuft über V4–5 hinweg weiter (karaiḥ ... dadhataṃ nṛhariṃ smaret).]
man gedenke Nṛharis, der Bogen, Diskus sowie [die Gesten] der Furchtlosigkeit und Gewährung trägt. Die Rezitation (Japa) [beträgt] hunderttausendmal, und ein Zehntel davon als Opferguss (Homa) mit Ghee [und] Milchreis.
Wort für Wort
dhanuḥ-cakra-abhaya-varān dadhataṃ nṛhariṃ smaret
man gedenke Nṛharis, der Bogen, Diskus, Furchtlosigkeits- und Gewährungsgeste trägt
lakṣaṃ japaḥ
die Rezitation [beträgt] hunderttausendmal
tad-daśāṃśa-homaśca ghṛta-pāyasaiḥ
und ein Zehntel davon als Opferguss, mit Ghee und Milchreis
[?: "valarān" ist unklar überliefert, vermutlich verderbt aus "varadān" ("die Gewährungsgeste"); dementsprechend übersetzt.]
yajetpīṭhe vaiṣṇave tu kesareṣvaṅgapūjanam /
khageśaṃ śaṅkaraṃ śeṣaṃ śatānandaṃ digāliṣu
Man verehre [ihn] auf dem Viṣṇu-Sitz (Pīṭha); in den Staubgefäßen [des Lotos vollziehe man] die Verehrung der [Mantra-]Glieder; Khageśa [Garuḍa], Śaṅkara, Śeṣa und Śatānanda [verehre man] an den Himmelsrichtungsreihen.
[?: "kubhaghakarṇaḥ" ist lexikalisch unklar, möglicherweise verderbt aus "kumbhakarṇaḥ"; unverändert transliteriert. "kṛtāntatīvratejasau" mit Dual-Endung ist auffällig; als zwei Namen (Kṛtānta, Tīvrateja) gedeutet.]
Außerhalb davon verehre der Kundige die Weltenhüter samt ihren Waffen. Wenn so der Mantra vollendet ist, erlangt der Mantra-Praktizierende alle gewünschten [Ziele].
Wort für Wort
tad-bahiḥ prārcayet vidvān
außerhalb davon verehre der Kundige
lokapālān sahetikān
die Weltenhüter samt ihren Waffen
evaṃ siddhe manau mantrī
wenn so der Mantra vollendet ist, [erlangt] der Mantra-Praktizierende
„Viṣṇu“, verbunden mit [dem Bīja des] Pradyumna, der Śārṅga-Bogenträger, der Große, sodann „Viṣṇu, den Lodernden“, der Herr der Bhṛgus, das Wasser, der Lotusthron, sodann –
Wort für Wort
viṣṇaḥ pradyumnayuk śārṅgī mahāṃ tataḥ
Viṣṇu, mit Pradyumna verbunden, der Śārṅga-Bogenträger, der Große, sodann
viṣṇuṃ jvalantaṃ bhṛgvīśo
Viṣṇu, den Lodernden, der Herr der Bhṛgus
jalaṃ padmāsanaṃ tataḥ
das Wasser, der Lotusthron, sodann
[?: Der Vers scheint textlich gestört bzw. verkürzt überliefert (unregelmäßiges Versmaß); er reiht offenbar Bestandteile des im Folgenden genannten 22-silbigen Mantra aneinander. Wörtliche Wiedergabe mit Vorbehalt.]
haristu vāsudevāya vaikuṇṭho viṣṇusaṃyutaḥ /
gadī seṃdunṛsiṃhaṃ ca bhīṣaṇaṃ bhadvameva ca
„Hari“ aber, dem Vāsudeva [gewidmet], „Vaikuṇṭha“, mit Viṣṇu verbunden, der Keulenträger, „Nṛsiṃha mit dem Mondpunkt (Bindu)“, und „den Furchtbaren, den Heilvollen“ ebenso –
Wort für Wort
haristu vāsudevāya
Hari aber, dem Vāsudeva [gewidmet]
vaikuṇṭho viṣṇusaṃyutaḥ
Vaikuṇṭha, mit Viṣṇu verbunden
gadī sa-indu-nṛsiṃhaṃ ca
der Keulenträger, und Nṛsiṃha mit dem Mondpunkt
bhīṣaṇaṃ bhadram eva ca
den Furchtbaren, den Heilvollen ebenso
[?: "seṃdu" als "sa-indu" ("mit dem Mond[-bindu]") gedeutet; "bhadvam" vermutlich verderbt aus "bhadram".]
„den Tod des Todes“, sodann „Śauri“, mit Nārāyaṇa der Sonne verbunden – dies ist der zweiundzwanzigsilbige Mantra des Nṛhari, der die Universalherrschaft (Sāmrājya) verleiht.
Wort für Wort
mṛtyumṛtyuṃ tataḥ śauriḥ
„den Tod des Todes“, sodann „Śauri“
bhānoḥ nārāyaṇa-anvitaḥ
mit Nārāyaṇa der Sonne verbunden
nṛhareḥ dvāviṃśat-arṇaḥ ayaṃ mantraḥ
dies ist der zweiundzwanzigsilbige Mantra des Nṛhari
sāmrājya-dāyakaḥ
der die Universalherrschaft verleiht
[?: Die genaue Zusammensetzung des 22-silbigen Mantra aus den in V13-15ab gereihten Epitheta lässt sich ohne tantrische Spezialkenntnis nicht mit Sicherheit rekonstruieren; wörtliche Wiedergabe der Bestandteile.]
Brahmā ist der Seher; als Versmaß wird [hier statt der sonst genannten] Gāyatrī [die] Anuṣṭubh angegeben; seine Gottheit ist Nṛhari, der alle gewünschten Früchte verleiht.
Wort für Wort
brahmā munistu
Brahmā ist der Seher
gāyatrī chando 'nuṣṭup udāhṛtam
Gāyatrī [bzw.] Anuṣṭubh wird als Versmaß angegeben
devatā nṛhariḥ ca asya
seine Gottheit ist Nṛhari
sarveṣṭu-phala-dāyakaḥ
der alle gewünschten Früchte verleiht
[?: Der Vers nennt widersprüchlich zwei Versmaße (Gāyatrī und Anuṣṭubh); wörtlich wiedergegeben, Deutung unsicher – evtl. Kontamination durch eine Marginalie oder unterschiedliche Traditionsvarianten.]
„Haṃ“ ist das Samenwort, „iṃ“ ebenso die Śakti; die Anwendung dient der Erlangung von allem – [die Gliederplatzierung erfolgt] mit den vier Veden, den [acht] Vasus, den sechs [und wieder] sechs paarweisen Silben.
Wort für Wort
haṃ bījaṃ iṃ tathā śaktiḥ
„haṃ“ ist das Samenwort, „iṃ“ ebenso die Śakti
viniyogo 'khila-āptaye
die Anwendung dient der Erlangung von allem
vedaiścaturbhirvasubhiḥ
mit den vier Veden, den [acht] Vasus
ṣaḍbhiḥ ṣaḍbhiḥ yuga-akṣaraiḥ
mit den sechs [und] sechs paarweisen Silben
[?: Die Zahlenangaben (vier, [acht], sechs, sechs) bilden offenbar einen numerologischen Schlüssel zur nachfolgenden Nyāsa-Anweisung (V18f.); ihre genaue Zuordnung zu den dort genannten Körperstellen ist aus dem Text allein nicht sicher zu erschließen.]
Nachdem man die Sechsgliederung (ṣaḍaṅga) vollzogen hat, [setze man die Silben] auf den Scheitel, die Stirn und die beiden Augen; sodann auf Mund, Arme, Füße, Gelenkenden, ferner auf den Leib und das Herz,
Wort für Wort
ṣaḍaṅgāni vidhāya atha
nachdem man die Sechsgliederung vollzogen hat, sodann
gale pārśvadvaye pṛṣṭe kakudyarṇānmanūdbhavān /
praṇavāntaritān kṛtvā nyasetsādhakasattamaḥ
auf den Hals, die beiden Flanken, den Rücken [und] den Nacken – die aus dem Mantra entstandenen Silben, nachdem man sie mit dem Praṇava (oṃ) durchsetzt hat, setze der beste der Praktizierenden [dort].
Wort für Wort
gale pārśvadvaye pṛṣṭe kakudi
auf den Hals, die beiden Flanken, den Rücken, den Nacken
Der Nyāsa, der die Gegenwart Nṛsiṃhas bewirkt, ist zehnfach, wie folgt: an den Fingern und Zehen, beginnend [von der ersten an], je gesondert an Anfang und Ende der Fingerglieder,
Wort für Wort
nṛsiṃha-sāṃnidhya-karo nyāso daśavidho yathā
der die Gegenwart Nṛsiṃhas bewirkende Nyāsa ist zehnfach, wie folgt
karāṅghri-ṣaṭ-ādy-aṅgulīṣu
an den Fingern und Zehen, beginnend von der ersten [Reihe]
pṛthag ādy-anta-parvaṇoḥ
je gesondert an Anfang und Ende der Fingerglieder
[?: "karāṅghṣaṣṭādyaṅgulīṣu" ist verderbt/lückenhaft überliefert; sinngemäß als "an den Fingern von Hand und Fuß, von der ersten [Gelenkreihe] an" gedeutet.]
nachdem man [die Silben] auf allen Fingern platziert hat, setze man das Übrige auf die beiden Handflächen; [ferner] auf Scheitel, Stirn, den Punkt zwischen den Augenbrauen, die beiden Augen und ebenso die beiden Ohren,
Wort für Wort
sarvāṅgulīṣu vinyasya
nachdem man auf allen Fingern platziert hat
avaśiṣṭaṃ talayoḥ nyaset
setze man das Übrige auf die beiden Handflächen
śiro-lalāṭe bhrū-madhye
auf Scheitel, Stirn, den Punkt zwischen den Augenbrauen
auf die rechte [Seite], die Fußsohlen, die Hüfte, das Glied, Schenkel, Knie [und] Hinterbacken, auf die Knöchel, die Finger und Zehen, auf alle Gelenke [und] die Körperhaare,
Wort für Wort
dakṣān padoḥ tale kaṭyāṃ
auf die rechte [Seite], die Fußsohlen, die Hüfte
meḍhra-ūrvoḥ jānu-jaghanayoḥ
auf das Glied, die Schenkel, Knie und Hinterbacken
bāhvoḥ kaṇṭhe ca cibuke cauṣṭau gaṇḍe pravinyaset /
karṇayorvadane nāsāpuṭe netre ca mūrddhani
auf die beiden Arme, den Hals, das Kinn, die beiden Lippen [und] die Wange setze man; auf die beiden Ohren, den Mund, die Nasenflügel, die Augen und den Scheitel,
padāni tu mukhe mūrdhri nasi cakṣuṣi karṇayoḥ /
āsye ca hṛdaya nābhau pādānsarvāṅgakenyaset
die [Mantra-]Wörter [setze man] auf Mund, Scheitel, Nase, Auge [und] die beiden Ohren; auf das Antlitz, das Herz und den Nabel; die Versfüße setze man auf den ganzen Körper.
arddhadvayaṃ nyasenmūrdhni āhṛtpādāttadaṅgakam /
ugrādīni padānī ha mṛtyumṛtyuṃ namāmyaham
Die beiden Vershälften setze man auf den Scheitel; von dort her [wird] das [nächste] Glied [gebildet]. Die mit „ugra“ usw. beginnenden Worte, [bis zu] „mṛtyumṛtyuṃ namāmyaham“ [reichend] –
Wort für Wort
arddhadvayaṃ nyaset mūrdhni
die beiden Vershälften setze man auf den Scheitel
āhṛt pādāt tad-aṅgakam
von dort her [wird] das Glied [gebildet]
ugra-ādīni padāni ha
die mit „ugra“ beginnenden Worte
mṛtyumṛtyuṃ namāmyaham
„[ich verehre] den Tod des Todes“
[?: Vers technisch dicht und teils unklar; sinngemäße Wiedergabe. "ugrādīni padāni" bezieht sich vermutlich auf den Wortlaut eines (hier nicht vollständig zitierten) Mantra, der mit "ugra..." beginnt und mit "mṛtyumṛtyuṃ namāmyaham" endet.]
ityantānyāsyakaghnāṇacakṣuḥśrotreṣupakṣmasu /
hṛdi nābhau ca kaṭyādipādāntaṃ navasu nyaset
so bis zum Ende reichend, setze man [die Silben] in neun [Teilen] auf Mund, Hände, Nase, Augen, Ohren, Wimpern, Herz und Nabel, [und weiter] von der Hüfte an bis zu den Füßen.
Auch die mit „vīra“ usw. [beginnenden Worte] setze man ebenso wie zuvor; auch die mit „Nṛsiṃha“ usw. [beginnenden Worte] setze der Kundige ebenso wie zuvor.
die durch Mond, Feuer, Veden, die sechs Jahreszeiten [?], Rāma, Auge, Himmelsrichtung, Arm [und] Erde bezeichneten [Zahlen-Codes] – die so unterteilten Buchstaben[-gruppen] setze man der Reihe nach an [ihre jeweiligen] Stellen.
die durch Mond, Feuer, Veden, die Sechs, Rāma, Auge, Himmelsrichtung, Arm, Erde [bezeichneten Zahlen]
vibhaktā pantravarṇāṃśca
die so unterteilten Buchstabengruppen
kramāt sthāneṣu vinyaset
setze man der Reihe nach an [ihre] Stellen
[?: Der Vers gibt eine numerologische Kette von Zahlwörtern (Mond=1, Feuer=3, Veden=4, "ṣaḍrāma"=? evtl. 6, Netra=2, Dik=10, Bāhu=2, Bhūmi=1) zur Kennzeichnung von Silbengruppen; die genaue Zuordnung ist ohne Spezialkommentar nicht sicher rekonstruierbar.]
auf den Armen, den Fingern, im Atem (Prāṇa), vom Haupt an bis zu den Füßen – der Weise setze [die Silben] namentlich [dort]. Dies ist der genannte Hari-Nyāsa.
dessen am Nacken anliegende, glänzende Arme das Haar berühren, der Lotus und Diskus hält, der den Daitya-Herrn mit den Spitzen seiner Krallen zerriss, der mit einem Flammenkranz versehen ist,
Wort für Wort
gala-āsakta-lasad-bāhu-spṛṣṭa-keśaḥ
dessen am Nacken anliegende, glänzende Arme das Haar berühren
abja-cakra-dhṛk
der Lotus und Diskus hält
nakha-agra-bhinna-daityeśaḥ
der den Daitya-Herrn mit den Krallenspitzen zerriss
mit loderender Zunge, dreiäugig, ein von Fangzähnen furchtbares Antlitz tragend – Nṛsiṃha, der Erde, Wasser und Himmel durchdringt, möge uns immerdar beschützen.
Nachdem man so meditiert hat, zeige man die Mudrā des großen Nṛsiṃha: Man bringe [beide Hände] zwischen die Knie, [mit] Kinn und Lippen beide gleichmäßig [gehalten],
diese Mudrā heißt „Nārasiṃhī“ und wird als die vorrangige verkündet. Nachdem man, vom Daumen der linken [Hand] ausgehend, die drei Finger bis zum kleinen Finger gebunden hat,
triśūlavat saṃmukhorddhve kuryānmudrāṃ nṛsiṃhagām /
aṅguṣṭābhyāṃ ca karayostathā'kramya kaniṣṭake
bilde man, einem Dreizack gleich, nach vorn-oben gerichtet, die Nṛsiṃha-Mudrā; und mit den beiden Daumen der Hände zugleich auf die kleinen Finger drückend,
adhomukhābhiḥ śiṣṭābhiḥ śeṣābhirnṛharau tataḥ /
hastāvadhomukhau kṛtvā nābhideśe prasārya ca
mit den übrigen, nach unten gerichteten Fingern, [wende man sich] dann Nṛhari zu; nachdem man beide Hände nach unten gerichtet und am Nabelbereich ausgestreckt hat,
tarjaṃnībhyāṃ nayetskandhau proktā cāntraṇamudrikā /
hastāvūrddhvamukhau kṛtvā tale saṃyojya madhyame
führe man mit den beiden Zeigefingern zu den Schultern – dies wird die „Antra“(Eingeweide-)Mudrā genannt. Nachdem man beide Hände nach oben gerichtet und die Handflächen [samt] den Mittelfingern vereint hat,
Wort für Wort
tarjanībhyāṃ nayet skandhau
führe man mit den beiden Zeigefingern zu den Schultern
anāmāyāṃ tu vāmāyāṃ tuvāmāyāṃ dakṣiṇāṃ tu vinikṣipet /
tarjanyau pṛṣṭato lagnau aṅguṣṭau tarjanīśritau
lege man den rechten [Ringfinger] in den linken Ringfinger ein; die beiden Zeigefinger [halte man] am Rücken [der Hände] anliegend, die Daumen auf die Zeigefinger gestützt.
Wort für Wort
anāmāyāṃ tu vāmāyāṃ dakṣiṇāṃ tu vinikṣipet
lege man den rechten [Ringfinger] in den linken Ringfinger ein
tarjanyau pṛṣṭato lagnau
die beiden Zeigefinger am Rücken anliegend
aṅguṣṭau tarjanī-śritau
die Daumen auf die Zeigefinger gestützt
[?: Der Versanfang ist durch Wiederholung ("vāmāyāṃ ... tuvāmāyāṃ") textlich gestört; sinngemäß rekonstruiert.]
dies werde zur Cakra-Mudrā, die als [Mittel zur] Gegenwart Nṛharis gilt. Nachdem man so die Cakra-Mudrā gebildet hat, [drücke man] mit den beiden Zeigefingern auf die Mittelfinger –
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ taddaśāṃśaṃ ca pāyasaiḥ /
ghaṛtāktarjuhuyādvahnau pīṭhe pūrvoditer'cayet
Man rezitiere den Mantra hunderttausendmal pro Silbe, und ein Zehntel davon opfere man mit in Ghee getränktem Milchreis ins Feuer; auf dem zuvor genannten Sitz (Pīṭha) verehre man [Nṛhari].
Wort für Wort
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ
man rezitiere den Mantra hunderttausendmal pro Silbe
Nachdem man zuerst die [Mantra-]Glieder verehrt hat, verehre man sodann [Nṛhari] auf den Richtungs-Blütenblättern; Garuḍa und die anderen, sowie die Śrīmukhas [in den Zwischenrichtungen]; die Weltenhüter außerhalb [davon] –
Wort für Wort
aṅgāni ādau samārādhya
nachdem man zuerst die Glieder verehrt hat
dikpatreṣu yajet punaḥ
verehre man sodann auf den Richtungs-Blütenblättern
garaḍādīn śrīmukhāṃśca vidikṣu
Garuḍa und die anderen, sowie die Śrīmukhas in den Zwischenrichtungen
So vollzogen erfüllt der Mantra alle Wünsche. Bei einem friedlichen Unternehmen gedenke man der friedlichen [Gestalt], bei einem grimmigen der Weise der grimmigen [Gestalt].
Wort für Wort
evaṃ saṃsādhito mantraḥ
so vollzogen erfüllt der Mantra
sarvānkāmān prapūrayet
alle Wünsche
saumye kārye smaret saumyaṃ
bei einem friedlichen Unternehmen gedenke man der friedlichen [Gestalt]
krūraṃ krūre smaret budhaḥ
bei einem grimmigen [Unternehmen gedenke] der Weise der grimmigen [Gestalt]
pūrvamṛtyupade śatrornāma kṛtvā svayaṃ hariḥ /
niśitairnakhadaṃṣṭrāgraiḥ khādyamānaṃ ca saṃsmaret
Nachdem man zuvor an die Stelle von „mṛtyu“ (Tod) den Namen des Feindes gesetzt hat, gedenke man, dass Hari ihn selbst mit den scharfen Spitzen von Krallen und Fangzähnen verzehrt.
Wort für Wort
pūrvam mṛtyupade śatroḥ nāma kṛtvā
nachdem man zuvor an die Stelle von „mṛtyu“ den Namen des Feindes gesetzt hat
svayaṃ hariḥ
Hari selbst
niśitaiḥ nakha-daṃṣṭra-agraiḥ
mit den scharfen Spitzen von Krallen und Fangzähnen
Man rezitiere täglich unermüdlich den Mantra hundertundacht Mal; noch vor Ablauf eines Zeitraums (Maṇḍala) wird der Feind fürwahr zum Gast des Todesgottes (Śamana).
Nun werde ich die verschiedenen Meditationsformen darlegen, die alle Vollkommenheiten verleihen. Wer nach Glanz (Śrī) verlangt, meditiere beständig über den zuvor beschriebenen, weißen Nṛhari,
Wort für Wort
dhyānabhedān atho vakṣye
nun werde ich die verschiedenen Meditationsformen darlegen
von Lakṣmī, die, die Lotusblume in der Hand, auf seinem linken Schoß sitzt, umarmt; [diese Gestalt] vernichtet alle Übel, angefangen mit Gift, Tod und Krankheit.
Wort für Wort
vāmāṅka-sthitayā lakṣmyā āliṅgataṃ
von Lakṣmī, die auf seinem linken Schoß sitzt, umarmt
padma-hastayā
die die Lotusblume in der Hand hält
viṣa-mṛtyu-upa-roga-ādi-sarva-upadrava-nāśanam
vernichtend alle Übel, angefangen mit Gift, Tod, Krankheit
Narasiṃha, überaus furchtbar, von der Ausstrahlung gleich dem Weltuntergangsfeuer (Kālānala), einen Eingeweide-Kranz tragend, grimmig, mit einer Halskette geschmückt,
Wort für Wort
narasiṃhaṃ mahābhīmaṃ
Narasiṃha, überaus furchtbar
kālānala-sama-prabham
von der Ausstrahlung gleich dem Weltuntergangsfeuer
nāgayajñopavītaṃ ca pañcānanasuśobhitam /
candramauliṃ nīlakaṇṭhaṃ prativaktraṃ trinetrakam
und mit einer Schlange als heiliger Schnur, schön geschmückt mit fünf Gesichtern; mondgekrönt, blauhalsig, an jedem Antlitz dreiäugig,
Wort für Wort
nāga-yajñopavītaṃ ca
und mit einer Schlange als heiliger Schnur
pañcānana-suśobhitam
schön geschmückt mit fünf Gesichtern
candramauliṃ nīlakaṇṭhaṃ
mondgekrönt, blauhalsig
prativaktraṃ trinetrakam
an jedem Antlitz dreiäugig
[Anm.: Diese Dhyāna-Beschreibung überträgt auffällig Śiva-Attribute (Fünfgesichtigkeit, Mondkrone, blauer Hals) auf Nṛsiṃha in seiner Rudra-Gestalt (vgl. V55 "rudrarūpiṇam").]
[dessen Antlitze der Reihe nach] den Glanz des Indragopa-Käfers, blauen Glanz, Mondglanz, Goldglanz [haben] – von Osten an bis Norden, und das nach oben gerichtete Antlitz mit allen Farben [zugleich].
Nachdem man so meditiert hat, rezitiere der Mantra-Praktizierende zur Befreiung von aller Krankheit; [diese Gestalt ist] göttlich, alle Todesfälle hinwegnehmend, durch bloßes Gedenken alle Vollkommenheiten verleihend.
Wort für Wort
evaṃ dhyātvā japenmantrī
nachdem man so meditiert hat, rezitiere der Mantra-Praktizierende
sarva-vyādhi-vimuktaye
zur Befreiung von aller Krankheit
sarva-mṛtyu-haraṃ divya
göttlich, alle Todesfälle hinwegnehmend
smaraṇāt sarva-siddhidam
durch bloßes Gedenken alle Vollkommenheiten verleihend
Wenn man für ein großes Unternehmen meditiert, dann [meditiere man auf] Nṛsiṃha mit sechzehn Armen, den Herrn aller Welten, mit allem Schmuck geschmückt,
dvau vidāraṇakarmāptau dvau cāntroddharaṇānvitau /
śaṅkhacacakradharau dvau tu dvau ca bāṇaghanurddharau
zwei [Hände] mit dem Zerreißen beschäftigt, zwei mit dem Herausziehen der Eingeweide befasst; zwei den Muschelhorn und Diskus haltend, zwei Pfeil und Bogen haltend,
khaḍgakheṭadharau dvau ca dvau gadāpadmadhāriṇau /
pāśāṅkuśadharau dvau ca dvau ripormukuṭārpitau
zwei Schwert und Schild haltend, zwei Keule und Lotus tragend, zwei Fangschlinge und Elefantenstachel haltend, zwei auf die Krone des Feindes gepresst.
so meditiere man, o Nārada, mit ungeteiltem Geist über den mächtigen Nṛhari, geschmückt mit sechzehn Armstäben, von dunkelblauem Glanz, für ein grimmiges Unternehmen.
Wort für Wort
iti ṣoḍaśa-dordaṇḍa-maṇḍitaṃ nṛhariṃ vibhum
so über den mit sechzehn Armstäben geschmückten, mächtigen Nṛhari
dhyāyet nārada
meditiere man, o Nārada
nīlābham ugra-karma
von dunkelblauem Glanz, für ein grimmiges Unternehmen
Für das allergrößte Unternehmen soll von den Weisen Nṛsiṃha mit zweiunddreißig Armen meditiert werden, der Herr aller Wesen, der höchste, der alle Vollkommenheiten bewirkt.
Wort für Wort
dhyeyo mahatame kārye
für das allergrößte Unternehmen ist zu meditieren
dvātriṃśaddhastavān budhaiḥ
von den Weisen [über den] mit zweiunddreißig Armen
dvābhyāṃ karābhyāṃ ca riporjānumastakapīḍanam /
ūrddhvīkṛtābhyāṃ bāhubhyāṃ āntramālādharaṃ vibhum
und mit zwei Händen das Niederdrücken von Knie und Haupt des Feindes; mit zwei erhobenen Armen [ist] der Mächtige mit dem Eingeweide-Kranz [dargestellt],
so gedenke man jenes Nṛsiṃha, der die Furcht vor großem Tod hinwegnimmt. Nachdem man so meditiert hat, rezitiere der Mantra-Praktizierende zur Erlangung aller Ziele und Zwecke.
Wort für Wort
nṛsiṃhaṃ taṃ smaret itthaṃ
so gedenke man jenes Nṛsiṃha
mahāmṛtyu-bhaya-apaham
der die Furcht vor großem Tod hinwegnimmt
evaṃ dhyātvā japenmantrī
nachdem man so meditiert hat, rezitiere der Mantra-Praktizierende
Nun wird eine andere Meditation genannt, heilvoll, Krankheiten des Mundes hinwegnehmend: [man meditiere über Nṛsiṃha] goldfarben, auf Suparṇa (Garuḍa) thronend, mit einer Mähne wie ein Blitzkranz versehen,
von der Farbe zehn Millionen voller Monde, schönantlitzig, mit dreiäugigem Blick; reich geschmückt mit gelbem Gewand und Hüftschmuck – Nṛsiṃha in friedvoller Gestalt, der mit sprossenzarten Händen Diskus, Muschelhorn, Furchtlosigkeits- und Gewährungsgeste trägt.
Wort für Wort
koṭipūrṇenduvarṇaṃ ca
von der Farbe zehn Millionen voller Monde
sumukhaṃ tryakṣivīkṣaṇam
schönantlitzig, mit dreiäugigem Blick
pītavastra-uru-bhūṣāḍhyaṃ
reich geschmückt mit gelbem Gewand und Hüftschmuck
nṛsiṃhaṃ śāntavigraham
Nṛsiṃha in friedvoller Gestalt
cakra-śaṅkha-abhaya-varān dadhataṃ karapallavaiḥ
der mit sprossenzarten Händen Diskus, Muschelhorn, Furchtlosigkeits- und Gewährungsgeste trägt
[diese Meditation bewirkt] die Besänftigung von Gift[-krankheiten] und dergleichen durch die eigenen Meditationen, [sie ist] von Freude erfüllt. Um das Heer des Feindes aufzuhalten, unternehme der Praktizierende folgende Anstrengung:
Wort für Wort
kṣveḍa-roga-ādi-śamanaṃ
die Besänftigung von Gift[-krankheiten] und dergleichen
svaiḥ dhyānaiḥ sukhanditam
durch die eigenen Meditationen, von Freude erfüllt
śatroḥ senā-nirodhena
um das Heer des Feindes aufzuhalten
yatnaṃ kuryāt ca sādhakam
unternehme der Praktizierende folgende Anstrengung
In einem mit Akṣa-Holz entfachten Feuer, an die Zermalmung des Feindes denkend, nachdem man den Gott Nṛsiṃha mit Blumen und anderen Ehrengaben verehrt hat,
opfere man mit Wurzelpflanzen samt ihren Wurzeln, [aus] beweglichen [Stoffen bestehend], je tausend Mal; man rezitiere, als verzehre man den Feind, [und] werfe [die Opfergabe], als verbrenne man ihn.
nachdem der Mantra-Praktizierende sieben Tage geopfert hat, entsende er zu einer günstigen astrologischen Stunde das geliebte Heer des Königs, in der Absicht, das fremde Reich zu erobern.
Wort für Wort
hutvā saptadinaṃ mantrī
nachdem der Mantra-Praktizierende sieben Tage geopfert hat
senām iṣṭāṃ mahīpateḥ
das geliebte Heer des Königs
prasthāpayet śubhe lagne
entsende er zu einer günstigen astrologischen Stunde
vor diesem [Heer her denke man an] Nṛhari, der den Kreis der Feinde erschlägt; nachdem man [dessen] gedacht hat, setze man die Rezitation fort, bis jenes [Heer] wieder zurückkehrt.
Wort für Wort
tasyāḥ purastāt nṛhariṃ
vor diesem [Heer her, denke man an] Nṛhari
nighnantaṃ ripumaṇḍalam
der den Kreis der Feinde erschlägt
smṛtvā japaṃ prakurvīta
nachdem man [dessen] gedacht hat, setze man die Rezitation fort
yāvat āyāti sā punaḥ
bis jenes [Heer] wieder zurückkehrt
[?: "praklarvīta" ist lexikalisch unklar, vermutlich verderbt aus "prakurvīta" ("möge man ausführen/fortsetzen").]
Nachdem er alle Feinde besiegt hat, samt heldenhaftem Glanz und mühelos, soll der König, frohen Sinnes, den Mantra-Praktizierenden mit Reichtümern erfreuen,
Wort für Wort
nirjitya nikhilān śatrūn
nachdem er alle Feinde besiegt hat
saha vīraśriyā sukhāt
samt heldenhaftem Glanz und mühelos
prīṇayet mantriṇaṃ rājā
soll der König den Mantra-Praktizierenden erfreuen
gajāśvaratharatnaiśca grāmakṣetradhanādibhiḥ /
yadi mantrī na tuṣyeta tadānartho mahīpateḥ
mit Elefanten, Pferden, Wagen, Juwelen sowie Dörfern, Feldern, Reichtum und dergleichen. Wenn der Mantra-Praktizierende nicht zufriedengestellt wird, dann [entsteht] Unheil für den König:
Wort für Wort
gaja-aśva-ratha-ratnaiḥ ca
mit Elefanten, Pferden, Wagen, Juwelen
grāma-kṣetra-dhana-ādibhiḥ
mit Dörfern, Feldern, Reichtum und dergleichen
yadi mantrī na tuṣyeta
wenn der Mantra-Praktizierende nicht zufriedengestellt wird
vernichte man das von Mäusen, Spinnen, Skorpionen und dergleichen herrührende Gift; damit an den Gliedern bestrichen, wird man von allen Krankheiten befreit – daran besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
nāśayet mūṣikā-lūtā-vṛścika-ādi-utthitaṃ viṣam
vernichte man das von Mäusen, Spinnen, Skorpionen und dergleichen herrührende Gift
liptāṅgaḥ sarvarogaiśca
damit an den Gliedern bestrichen, von allen Krankheiten
apūpalakṣahome tu bhavedvaiśravaṇopamaḥ /
kruddhasya sannidhau rājño japedaṣṭottaraṃ śatam
bei einem Opfer von hunderttausend Kuchen aber wird man Vaiśravaṇa (Kubera) gleich; in Gegenwart eines zornigen Königs rezitiere man hundertundacht Mal,
sogleich erlangt man Makellosigkeit und gelangt zu [seiner] Gunst. Mit Jasminblüten (Kunda) [erlangt man] Aufstieg, mit Bananenblüten (Mocā) die Vernichtung von Hindernissen.
Wort für Wort
sadyo nairmalyam āpnoti
sogleich erlangt man Makellosigkeit
prasādaṃ ca adhigacchati
und gelangt zu [seiner] Gunst
kundaprasūnaiḥ udayaṃ
mit Jasminblüten Aufstieg
mocābhiḥ vighnanāśanam
mit Bananenblüten die Vernichtung von Hindernissen
madhūkapuṣpairiṣṭaṃ syātstaṃbhanaṃ dhātrikhaṇḍakaiḥ /
dadhimadhvājyamiśrāṃ tu guḍūcīṃ caturaṅgulām
mit Madhūka-Blüten wird das Gewünschte erlangt; mit Āmalaka-Stücken [erreicht man] Lähmung [des Feindes]; eine vier Finger [lange] Guḍūcī-Ranke aber, mit Quark, Honig und Ghee vermischt,
wer diese zehntausendmal opfert, lebt hundert [Jahre] als Bezwinger der Krankheit. An einem Samstag, nachdem man den heiligen Feigenbaum (Aśvattha) berührt und hundertundacht Mal [den Mantra rezitiert] hat,
Wort für Wort
juhuyāt ayutaṃ yo 'sau
wer dies zehntausendmal opfert
śataṃ jīvati rogajit
lebt hundert [Jahre] als Bezwinger der Krankheit
śanaiścaradine aśvatthaṃ spṛṣṭvā
an einem Samstag, nachdem man den heiligen Feigenbaum berührt hat
japejjitvāso 'pamṛtyuṃ śatavarṣāṇi jīvati /
atha te saṃpravakṣyāmi yantraṃ trailokyamohanam
rezitiere man; nachdem man den vorzeitigen Tod besiegt hat, lebt man hundert Jahre. Nun werde ich dir ferner das Yantra „Trailokyamohana“ (Bezauberer der drei Welten) darlegen,
Wort für Wort
japet jitvā apamṛtyuṃ
rezitiere man; nachdem man den vorzeitigen Tod besiegt hat
madhye siṃhe svabījaṃ ca likhetpūrvavadeva tu /
śrībījena tu tusaṃvedya valayatrayasaṃyutam
in der Mitte, auf dem Löwen, schreibe man das eigene Samenwort ebenso wie zuvor; mit dem Śrī-Bīja umgebe man es sodann, verbunden mit einem dreifachen Kreis,
Wort für Wort
madhye siṃhe svabījaṃ ca
in der Mitte, auf dem Löwen, das eigene Samenwort
likhet pūrvavat eva tu
schreibe man ebenso wie zuvor
śrībījena tu saṃveṣṭya
mit dem Śrī-Bīja umgebe man [es]
valaya-traya-saṃyutam
verbunden mit einem dreifachen Kreis
[?: "tusaṃvedya" ist lexikalisch unklar; sinngemäß als "umgeben/einfassen" gedeutet.]
und nachdem man es mit Fangschlingen und Elefantenstacheln [als Randzeichen] umgeben hat, verehre man dieses vortreffliche Yantra namens „Trailokyamohana“, das alle Wünsche und Ziele verwirklicht.
Wort für Wort
pāśa-aṅkuśaiḥ ca saṃveṣṭya
und nachdem man es mit Fangschlingen und Elefantenstacheln umgeben hat
cakrarājaṃ mahārājaṃ sarvacarkeśvareśvaram /
dhāraṇājjayamāpnoti satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ
[dieses ist] der König der Diskusse, der große König, der Herr über alle Herrscher des Kreislaufs; durch [sein] Tragen erlangt man den Sieg – wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel.
Wort für Wort
cakrarājaṃ mahārājaṃ
der König der Diskusse, der große König
sarva-cakra-īśvara-īśvaram
der Herr über alle Herrscher des Kreislaufs
dhāraṇāt jayam āpnoti
durch [sein] Tragen erlangt man den Sieg
satyaṃ satyaṃ na saṃśayaḥ
wahrlich, wahrlich, ohne Zweifel
[?: "sarvacarkeśvareśvaram" ist lexikalisch unsicher (evtl. verderbt aus "sarvacakreśvareśvaram", "Herr über alle Kreis-Herrscher"); entsprechend gedeutet.]
Nun werde ich ein weiteres Yantra darlegen, höre, Nārada, ein Erfolg verleihendes: Man zeichne ein achtspeichiges Yantra, glatt, mit einer [zentralen] Blütenkammer (Karṇikā) versehen,
dort schreibe man den Grundmantra, versehen mit dem Praṇava (oṃ); den einsilbigen Nārasiṃha[-Bīja] in der Mitte, zusammen mit dem Namen des zu Bezwingenden (Sādhya),
Männer, Frauen und Könige – alle auf Erden würden [seinem Willen] unterworfen; böse Wesen schaden ihm überhaupt nicht: weder Piśācas, noch Schlangendämonen, noch Rākṣasas.
Wort für Wort
naranārīnaredrāśca sarve
Männer, Frauen und Könige, alle
syuḥ vaśagā bhuvi
würden auf Erden [seinem Willen] unterworfen
duṣṭāḥ taṃ naiva bādhante
böse Wesen schaden ihm überhaupt nicht
piśāca-uraga-rākṣasāḥ
weder Piśācas, noch Schlangendämonen, noch Rākṣasas
ein großes, zwölfspeichiges Rad zeichne der Kundige wie zuvor; mit zwölf, durch [Mantra-]Einheiten (Mātrā) unterschiedenen Blütenblättern zeichne es der Weise,
Wort für Wort
dvādaśāraṃ mahācakraṃ
ein großes, zwölfspeichiges Rad
pūrvavat vilikhet sudhīḥ
zeichne der Kundige wie zuvor
mātrā-dvādaśa-saṃbhinna-dalena
mit zwölf, durch Mātrā unterschiedenen Blütenblättern
in der Mitte den mit seiner Śakti versehenen Mantra – mit dem Śrī-Bīja umgebe man ihn; „Kālāntaka“ (Beender der Zeit) heißt dieses Rad, das den Göttern Wohlergehen bereitet.
Wort für Wort
madhye mantraṃ śaktiyuktaṃ
in der Mitte den mit seiner Śakti versehenen Mantra
Nun verkünde ich den alle Wünsche gewährenden [Mantra] mit Namen „Jvālāmālī“: das Herz-Samenwort, „bhagavān“, der Laut „ṅeṃ“ – darauf folgt, dem „Narasiṃhāya“ zugewandt,
Wort für Wort
atha sarveṣṭadaṃ
nun [verkünde ich] den alle Wünsche gewährenden [Mantra]
jvālāmālisaṃjñaṃ vadāmi aham
mit Namen „Jvālāmālī“ verkünde ich
bījaṃ hṛt bhagavān ṅeṃ taḥ
das Herz-Samenwort, „bhagavān“, der Laut „ṅeṃ“
narasiṃhāya tatparam
darauf folgt, dem „Narasiṃhāya“ zugewandt
[Anm.: V100–106 legen den „Jvālāmālī“-Mantra in Form einer tantrischen Mantroddhāra (Silben-Kodierung durch Reihung von Namen/Lautelementen) dar; die genaue lautliche Zusammensetzung des vollständigen Mantra ist ohne Fachkommentar nicht mit Sicherheit zu rekonstruieren. Die Bestandteile werden im Folgenden möglichst wörtlich wiedergegeben.]
harirvināśanāyānte sarvajvaravināśanaḥ /
nāmānte dahayugmaṃ ca pacadvayamudīrayet
„Hari“, am Ende „dem Vernichter“ [zugewandt] – [er ist] der Vernichter aller Fieber; am Ende des Namens spreche man das Paar „daha“ (verbrenne) und das Paar „paca“ (versenge)
rakṣayugmaṃ ca varmāstraṭhadūyānto dhruvādikaḥ /
aṣṭaṣaṣṭyakṣaraiḥ prokto jvālāmālī manūttamaḥ
und das Paar „rakṣa“ (schütze), die Panzer-und-Waffen[-Formel], am Ende auf „ṭhad“ [und] „ūy“ [lautend], mit „dhruva“ beginnend – mit achtundsechzig Silben wird [so] der vortreffliche Mantra „Jvālāmālī“ verkündet.
Wort für Wort
rakṣayugmaṃ ca varma-astra
und das Paar „rakṣa“, die Panzer-und-Waffen[-Formel]
ṭhad ūya-anto dhruva-ādikaḥ
am Ende auf „ṭhad“ [und] „ūy“ lautend, mit „dhruva“ beginnend
aṣṭaṣaṣṭyakṣaraiḥ prokto
mit achtundsechzig Silben wird verkündet
jvālāmālī manūttamaḥ
der vortreffliche Mantra „Jvālāmālī“
[?: Die Lautfolge "varmāstraṭhadūyānto" ist unsicher segmentiert; sinngemäß als Panzer-Waffen-Formel mit den Schlusslauten „ṭhad“/„ūy“ gedeutet.]
puṇyādikaṃ tu pūrvoktaṃ trayodaśabhirakṣaraiḥ /
paṅktibhī rudrāsaṃkhyākairaṣṭādaśabhirakṣaraiḥ
das zuvor genannte, mit „puṇya“ beginnende [Nyāsa-Schema aber, bestehe] aus dreizehn Silben; mit den Paṅkti[-Gruppen], den nach der Rudra-Zahl [elf] bemessenen, aus achtzehn Silben,
Wort für Wort
puṇyādikaṃ tu pūrvoktaṃ
das zuvor genannte, mit „puṇya“ beginnende [Schema]
trayodaśabhiḥ akṣaraiḥ
aus dreizehn Silben
paṅktibhī rudrāsaṃkhyākaiḥ
mit den Paṅkti-Gruppen, den nach der Rudra-Zahl bemessenen
aṣṭādaśabhiḥ akṣaraiḥ
aus achtzehn Silben
[?: Die numerologischen Bezüge ("Rudra-Zahl" = elf) sind ohne Fachkommentar nicht mit Sicherheit auf die vorangehende Nyāsa-Anweisung zu beziehen.]
mit den [zwölf] Sonnen, den Karaṇas, [diesen] besten [Silbengruppen] gestalte der Mantra-Praktizierende die [sechs] Glieder; man gedenke Nṛharis in der zuvor beschriebenen Gestalt, zusammen mit [dem Mantra] Jvālāmālī.
Wort für Wort
bhānubhiḥ karaṇaiḥ mantrī
mit den [zwölf] Sonnen, den Karaṇas, der Mantra-Praktizierende
varaiḥ aṅgāni kalpayet
gestalte mit [diesen] besten [Gruppen] die Glieder
lakṣaṃ japo daśāṃśaṃ ca juhuyātkapilāghṛtaiḥ /
raudrāpasmārabhūtādināśako 'yaṃ manūttamaḥ
hunderttausend Rezitationen, und ein Zehntel davon opfere man mit Ghee einer rötlich-braunen Kuh; dieser vortreffliche Mantra vernichtet grimmige Fallsucht (Apasmāra), [Besessenheit durch] Geisterwesen und dergleichen.
Wort für Wort
lakṣaṃ japo daśāṃśaṃ ca
hunderttausend Rezitationen, und ein Zehntel davon
juhuyāt kapilā-ghṛtaiḥ
opfere man mit Ghee einer rötlich-braunen Kuh
raudra-apasmāra-bhūta-ādi-nāśako 'yaṃ
dieser vernichtet grimmige Fallsucht, Geisterwesen und dergleichen
das Prāṇa-[Bīja], das Māyā-[Bīja], und „Nṛsiṃha“, das Sṛṣṭi-[Bīja], das Brahma-Waffen[-Bīja] ausgesprochen – [dies ist] der sechssilbige große Mantra, der alle Wünsche gewährt.
Wort für Wort
prāṇo māyā nṛsiṃhaśca
das Prāṇa-Bīja, das Māyā-Bīja, und „Nṛsiṃha“
sṛṣṭir brahmāstram īritaḥ
das Sṛṣṭi-Bīja, das Brahma-Waffen-Bīja ausgesprochen
Brahmā ist der Seher, Paṅkti ebenso das Versmaß, Nṛkesarin (Nṛsiṃha) die Gottheit; mit dem von den sechs langen [Vokalen] begleiteten Samenwort vollziehe man die Sechsgliederung.
Wort für Wort
muniḥ brahmā tathā chandaḥ paṅktiḥ
Brahmā ist der Seher, Paṅkti das Versmaß
devo nṛkesarī
die Gottheit ist Nṛkesarin
ṣaḍdīrghabhājā bījena
mit dem von den sechs langen Vokalen begleiteten Samenwort
nach eben der zuvor genannten Vorschrift vollziehe man Meditation und Verehrung; durch diesen vollendeten Mantra entsteht den Menschen jede Vollkommenheit.
[der Mantra,] mit dem Ramā(Lakṣmī)-Bīja beginnend, in Anuṣṭubh[-Metrum], von dreiunddreißig Silben; Prajāpati ist der Seher, Anuṣṭubh das Versmaß, Lakṣmī-Nṛkesarin [die Gottheit],
devatā caja padaiḥ sarveṇāṅgakalpanamīritam /
vinyasyaivaṃ tu pañcāṅgaṃ svātmarakṣāṃ samācaret
die Gottheit, und mit den [Mantra-]Wörtern [sowie] mit dem Ganzen wird die Gliederbildung angegeben; nachdem man so die fünf Glieder gesetzt hat, vollziehe man den Schutz der eigenen Person.
Wort für Wort
devatā ca ja padaiḥ
die Gottheit, und mit den [Mantra-]Wörtern
sarveṇa aṅgakalpanam īritam
wird mit dem Ganzen die Gliederbildung angegeben
vinyasya evaṃ tu pañcāṅgaṃ
nachdem man so die fünf Glieder gesetzt hat
svātmarakṣāṃ samācaret
vollziehe man den Schutz der eigenen Person
[?: "caja" ist lexikalisch unklar; sinngemäß als Fortführung der Aufzählung ("und ...") wiedergegeben.]
den rechten Arm berührend, rezitiere man den Mantra des Śarabha: der Praṇava, das Herz-[Bīja], „śiva“, „aryanti“ [?], „dem großen Śarabha“ [gewidmet], und –
Wort für Wort
saṃspṛśan dakṣiṇaṃ bāhuṃ
den rechten Arm berührend
śarabhasya manuṃ japet
rezitiere man den Mantra des Śarabha
praṇavo hṛt śiva aryanti
der Praṇava, das Herz-Bīja, „śiva“, „aryanti“
mahate śarabhāya ca
dem großen Śarabha [gewidmet], und
[?: "hṛcchivāryanti" ist lautlich unklar segmentiert (vermutlich "hṛt śiva aryanti" o.ä.); wörtliche Bestwiedergabe der Mantra-Bestandteile.]
der mit „Feuer [und] Geliebte“ endende Mantra wird zum Zweck des Schutzes verkündet; oder aber man rezitiere am Ende des Rāma-Mantra ferner das Silbenpaar „kṣa“.
Padmanābha schütze die Brust, Dāmodara bewahre das Haupt.“ Nachdem man so [den Schutz] auf den Gliedern angeordnet hat, wird der Praktizierende zur Zeit der Rezitation
furchtlos vor Geisterwesen, Vetālas, Ergreifer-Dämonen (Graha) und Rākṣasas. Wiederum setze man [den Schutz] mit Sorgfalt, indem man die Meditation mit gesammeltem Geist vollzieht,
Wort für Wort
nirbhayo jāyate
furchtlos wird er
bhūta-vetāla-graha-rākṣasāt
vor Geisterwesen, Vetālas, Ergreifer-Dämonen und Rākṣasas
punaḥ nyaset prayatnena
wiederum setze man [den Schutz] mit Sorgfalt
dhyānaṃ kurvan samāhitaḥ
indem man die Meditation mit gesammeltem Geist vollzieht
adhaśca padmanābho me sahasrāṃśusamaprabheḥ /
sarvāyudhaḥ sarvaśaktiḥ sarvādyaḥ sarvatomukhaḥ
und unten [schütze] mich Padmanābha, von der Ausstrahlung gleich tausend Strahlen [der Sonne]; er, der alle Waffen, alle Kräfte [besitzt], der Ursprung von allem, nach allen Seiten das Antlitz gewandt,
Wort für Wort
adhaśca padmanābho me
und unten [schütze] mich Padmanābha
sahasrāṃśusamaprabheḥ
von der Ausstrahlung gleich tausend Strahlen
sarvāyudhaḥ sarvaśaktiḥ
der alle Waffen, alle Kräfte [besitzt]
sarvādyaḥ sarvatomukhaḥ
der Ursprung von allem, nach allen Seiten das Antlitz gewandt
indragopaprabhaḥ pāyātpāśahasto 'parājitaḥ /
sa bāhyābhyantare dehamavyāddāmo daro hariḥ
möge er, von der Farbe des Indragopa-Käfers, die Fangschlinge in der Hand, unbesiegt, schützen; er, Hari, [mit] Keule und Muschelhorn, möge den Leib außen und innen bewahren.
Wort für Wort
indragopaprabhaḥ pāyāt
möge er, von der Farbe des Indragopa-Käfers, schützen
evaṃ sarvatra niśchidraṃ nāma dvādaśapañjaram /
praviṣṭo 'haṃ na me kiñcidbhayamasti kadācana
So [entsteht] überall der lückenlose sogenannte zwölffache Käfig(-Panzer). „Ich bin [darin] eingetreten; nichts irgend Furchterregendes gibt es für mich, jemals.“
pūrvoktavidhinā sarvaṃ dhyānapūjādikaṃ caret /
jitaṃ te puṇḍarīkākṣa namaste viśvabhāvana
nach der zuvor genannten Vorschrift vollziehe man alles, Meditation, Verehrung und dergleichen: „Besiegt [ist alles Übel] durch dich, o Lotusäugiger! Verehrung dir, o Erschaffer des Weltalls!
Wort für Wort
pūrvoktavidhinā sarvaṃ
nach der zuvor genannten Vorschrift alles
dhyānapūjādikaṃ caret
vollziehe man: Meditation, Verehrung und dergleichen
jitaṃ te puṇḍarīkākṣa
besiegt [ist alles Übel] durch dich, o Lotusäugiger
namaste 'stu hṛṣīkeśa mahāpuruṣa te namaḥ /
itthaṃ saṃprārthya japtvā ca paṭitvā visṛjedvibhum
Verehrung sei dir, o Hṛṣīkeśa! Verehrung dir, o Großer Puruṣa!“ Nachdem man so gebetet, rezitiert und [den Lobpreis] vorgetragen hat, verabschiede man den Mächtigen.
Wort für Wort
namaste 'stu hṛṣīkeśa
Verehrung sei dir, o Hṛṣīkeśa
mahāpuruṣa te namaḥ
Verehrung dir, o Großer Puruṣa
itthaṃ saṃprārthya japtvā ca
nachdem man so gebetet und rezitiert hat
paṭitvā visṛjedvibhum
und [den Lobpreis] vorgetragen hat, verabschiede man den Mächtigen
So wird, wenn der Mantra vollendet ist, der Mantra-Praktizierende zum Sitz der Reichtümer. [Der Mantra:] das Paar „jaya jaya“, [dann] „śrīnṛsiṃha“ – dies ist der achtsilbige, vortreffliche Mantra.
Wort für Wort
evaṃ siddhe manau mantrī
so wird, wenn der Mantra vollendet ist, der Mantra-Praktizierende
seṃdugorvidapūrveṇa viyatā sendunā punaḥ /
ṣaḍvīrghāḍhye na kurvīta ṣaḍaṅgāni viśāladhīḥ
mit [dem Bīja] „se[ṃ]du“, vorangestellt von „go[ḥ] vid[a]“, [dann] mit dem Himmelsraum(-Laut) zusammen mit dem Mondpunkt wiederum – mit den sechs, [so] mit langen [Vokalen] versehenen [Silben] vollziehe der Weitblickende die Sechsgliederung nicht [ohne Weiteres, sondern nach dieser Anweisung].
Wort für Wort
seṃdu-go-r-vida-pūrveṇa
mit dem Bīja „seṃdu“, vorangestellt von „go-vida“
viyatā sa-indunā punaḥ
mit dem Himmelsraum-Laut zusammen mit dem Mondpunkt wiederum
ṣaḍ-dīrghāḍhye
mit den sechs, mit langen Vokalen versehenen [Silben]
na kurvīta ṣaḍaṅgāni viśāladhīḥ
vollziehe der Weitblickende die Sechsgliederung [entsprechend dieser Anweisung]
[?: Der Vers besteht aus einer stark verdichteten Bīja-Kodierung, deren genaue Lautfolge ohne tantrischen Fachkommentar nicht sicher zu rekonstruieren ist; "na kurvīta" erscheint zudem inhaltlich auffällig (Negation, wo eine Anweisung zu erwarten wäre) und könnte verderbt sein.]
sodann meditiere man im Herzen über den mächtigen, mondbekrönten Nṛsiṃha –
Wort für Wort
tato dhyāyet hṛdi vibhuṃ
sodann meditiere man im Herzen über den mächtigen
nṛsiṃhaṃ candraśekharam
Nṛsiṃha, den mondbekrönten
[Anm.: Dieser Vers besteht ungewöhnlicherweise nur aus einer Vershälfte (einem Pāda-Paar) und bildet offenbar den syntaktischen Auftakt zu dem in V134 folgenden Hymnus.]
„O glorreiche Gestalt des Nṛkesarin, o einziger Freund der Welt, o glorreicher Blauhalsiger, o Meer des Mitleids, o König [der Unsterblichen], o du, dessen Hand und Auge feurig-mondhaft-scharf sind, o Träger des Pināka-Bogens, o Mondbekrönter, o Herr der Ramā (Lakṣmī) – beschütze [mich], o Viṣṇu!“
Wort für Wort
śrīmannṛkesaritano
o glorreiche Gestalt des Nṛkesarin
jagadekabaṃndho śrīnīlakaṇṭha
o einziger Freund der Welt, o glorreicher Blauhalsiger
karuṇārṇave sāmarāja
o Meer des Mitleids, o König der Unsterblichen
vahnīndutīvrakaranetra pinākapāṇe
o du, dessen Hand und Auge feurig-mondhaft-scharf sind, o Träger des Pināka-Bogens
śītāṃśuśekhara rameśvara
o Mondbekrönter, o Herr der Ramā
pāhi viṣṇo
beschütze [mich], o Viṣṇu
[Anm.: Dieser Hymnus in längerem Versmaß (vermutlich Vasantatilaka) verschmilzt auffällig Śiva-Epitheta (Nīlakaṇṭha, Pinākapāṇi, Śītāṃśuśekhara) mit Viṣṇu/Nṛsiṃha-Anrede – vgl. bereits V53, V55.]
Nachdem man so meditiert hat, rezitiere der Mantra-Praktizierende achthunderttausend Mal, und ein Zehntel davon opfere man mit Ghee-vermischtem Milchreis-Speise; die Verehrung [erfolge] wie zuvor.
Wort für Wort
dhyātvā evaṃ prajapet lakṣāṣṭakaṃ mantrī
nachdem man so meditiert hat, rezitiere der Mantra-Praktizierende achthunderttausend Mal
daśāṃśataḥ
und ein Zehntel davon
sājyena pāyasānnena juhuyāt
opfere man mit Ghee-vermischtem Milchreis
prāgvadarcanam
die Verehrung [erfolge] wie zuvor
[?: "prapellakṣāṣṭakaṃ" vermutlich verderbt aus "prajapel lakṣāṣṭakaṃ" ("rezitiere man achtmal hunderttausend"); entsprechend gedeutet.]
tāro māyā svabījānte karṇograṃ vīramīrayet /
mahāviṣṇu tato brūyājjvalantaṃ sarvatomukham
Der Praṇava, das Māyā-[Bīja], am Ende das eigene Samenwort, [dann] „karṇa“ furchtbar, „vīra“ spreche man aus; „mahāviṣṇu“ sage man sodann, „jvalantam“ (den Lodernden), „sarvatomukham“ (den nach allen Seiten Gewandten),
Wort für Wort
tāro māyā svabījānte
der Praṇava, das Māyā-Bīja, am Ende das eigene Samenwort
karṇograṃ vīramīrayet
„karṇa“ furchtbar, „vīra“ spreche man aus
mahāviṣṇu tato brūyāt
„mahāviṣṇu“ sage man sodann
jvalantaṃ sarvatomukham
„jvalantam“, „sarvatomukham“
[Anm.: V136–139 legen einen weiteren, 85-silbigen Mantra (vgl. V139) in Form einer Mantroddhāra dar; wörtliche Wiedergabe der Bestandteile, siehe Anmerkung zu V100.]
sphuraddvayaṃ prasphureti dvayaṃ ghorapadaṃ tataḥ /
vadeddhorataraṃ te tu tanurūpaṃ ca ṭhadvayam
das Paar „sphura“, das Paar „prasphura“, dann das Wort „ghora“ (furchtbar); man spreche „ghorataram“ (furchtbarer), „te“ (dein), „tanurūpam“ (Körpergestalt), und das Silbenpaar „ṭha“,
pracaṭadvayamābhāṣya kahayugma ca madvayam /
bandhadvayaṃ ghātayeti dvayaṃ varmāstramīrayet
nachdem man das Paar „pracaṭa“ ausgesprochen hat, [ebenso] das Paar „kaha“ und das Paar „ma“; das Paar „bandha“ (binde), das Paar „ghātaya“ (schlage) spreche man aus, und die Panzer-Waffen-[Formel]
„Nṛsiṃha, den Furchtbaren, den Heilvollen, den Tod des Todes, verehre ich“ – [dies ist] der fünfundachtzigsilbige Mantra, der den Verehrenden das Gewünschte verleiht.
Meditation, Verehrung und dergleichen zu diesem [Mantra] vollziehe der Kundige nach Anuṣṭubh[-Art]; dieser vorzügliche Mantra gilt insbesondere als Bewirker allen Schutzes.
das Samenwort, das Paar „jaya“, danach „nṛsiṃha“ – [dies ist der] achtsilbige [Mantra]; sein Seher ist Prajāpati, Anuṣṭubh wird als [sein] Versmaß angegeben,
Vidāraṇa-Nṛsiṃha (der Zerreißende) wird als seine Gottheit verkündet; „jaṃ“ das Samenwort, „haṃ“ ebenso die Śakti, die Anwendung [dient] der Erlangung von allem.
Wort für Wort
vidāraṇanṛsiṃho 'sya devatā parikīrtitaḥ
Vidāraṇa-Nṛsiṃha wird als seine Gottheit verkündet
dīrghāḍhyena nṛsiṃhena ṣaḍaṅganyāsamācaret /
raudraṃ dhyāyennṛsiṃhaṃ tu śatruvakṣo vidāraṇam
mit [dem Namen] „Nṛsiṃha“, versehen mit den langen [Vokalen], vollziehe man die Sechsgliedersetzung (Ṣaḍaṅga-Nyāsa); man meditiere über den grimmigen Nṛsiṃha, der die Brust des Feindes zerreißt,
mit Krallen und Fangzähnen bewaffnet, den Verehrern Furchtlosigkeit gebend, die Wohnstätte des Glanzes, mit Haarenden wie glühendes Gold, mit Augen, die von Feuer lodern,
Wort für Wort
nakhadaṃṣṭrāyudhaṃ
mit Krallen und Fangzähnen bewaffnet
bhaktābhayada śrīniketanam
den Verehrern Furchtlosigkeit gebend, die Wohnstätte des Glanzes
vajrādhikanakhasparśa divyasiṃha namo 'stu te /.
munirbrahmā samākhyāto 'nuṣṭupchandaḥ samīritaḥ
„O du, dessen Krallenberührung den Donnerkeil übertrifft, o göttlicher Löwe, Verehrung sei dir!“ Brahmā ist als Seher genannt, Anuṣṭubh wird als Versmaß angegeben,
Wort für Wort
vajrādhikanakhasparśa
o du, dessen Krallenberührung den Donnerkeil übertrifft
die Gottheit dieses [Mantra], des „Leidenschaft-Zerreißenden“, ist der urgöttliche Nṛkesarin; mit den vier Versfüßen und dem Ganzen vollziehe man die fünf Glieder.
Wort für Wort
devatā asya ragadārṇasya
die Gottheit dieses „Leidenschaft-Zerreißenden“
divyapūrvo nṛkesarī
ist der urgöttliche Nṛkesarin
pādaiścaturbhiḥ sarveṇa
mit den vier Versfüßen und dem Ganzen
pañcāṅgāni samācaret
vollziehe man die fünf Glieder
[?: "ragadārṇasya" ("des die Leidenschaft/Rāga Zerreißenden") ist unsicher gedeutet.]
tāro namo bhagavate narasiṃhāya hṛñca te /
jastejase āvirāvirbhava vajranakhāntataḥ
Der Praṇava, „namo bhagavate narasiṃhāya“ (Verehrung dem erhabenen Narasiṃha), und das Herz-[Bīja] – dein; „ja“, „tejase“ (der Leuchtkraft), „āvirāvirbhava“ (erscheine, erscheine!), bis „vajranakha“ (Donnerkeil-Kralle) reichend,
Wort für Wort
tāro namo bhagavate narasiṃhāya
der Praṇava, „namo bhagavate narasiṃhāya“
hṛt ca te
und das Herz-Bīja – dein
ja tejase āvirāvirbhava
„ja“, „tejase“, „āvirāvirbhava“
vajranakha-antataḥ
bis „vajranakha“ reichend
[Anm.: V149–227 legen den großen, „sahasrākṣara“ (tausendsilbigen) Nṛsiṃha-Mantra (vgl. V162, V205) mittels Mantroddhāra dar; der Wortlaut erinnert an das bekannte, überlieferte Nṛsiṃha-Tāpanīya-Mantra ("oṃ namo bhagavate narasiṃhāya... āvirāvirbhava... vajranakha..."). Wörtliche Wiedergabe der genannten Bestandteile, ohne Anspruch auf lückenlose Rekonstruktion der Gesamtlautfolge.]
vrajadaṃṣṭreti karmānte tvāsayākrandayadvayam /
tamo grasadvayaṃ paścātsvāhānte cābhayaṃ tataḥ
„vrajadaṃṣṭra“ (du mit den hervorbrechenden Fangzähnen) am Ende des Tatwortes; „āsaya“ (setze dich), „ākrandaya“ das Paar; „tamo grasa“ (verschlinge die Finsternis) das Paar, danach „svāhā“ am Ende, und darauf „abhayam“ (Furchtlosigkeit),
am Ende „ātmani“ (in mir selbst) und „bhūyiṣṭhā“ (überreichlich); „dhruva“ (fest), das letzte Samenwort – [so ist] der Mantra [vollständig]; zweiundsechzig Silben [umfasst] dieser; sein Seher usw., alles wird wie zuvor angegeben.
„[Matsya-]rūpāya“ (der [Fisch-]Gestalt), der Praṇava, das Svar-Samenwort; „kūrmarūpāya“ (der Schildkröten-Gestalt), der Praṇava; das Samenwort, „varāharūpāya“ (der Eber-Gestalt), der Praṇava, das Samenwort, von Nṛsiṃha her,
Wort für Wort
rūpāya tāraḥ svarbījaṃ
der [Fisch-]Gestalt, der Praṇava, das Svar-Samenwort
„[Vāmana-]rūpāya“, der Praṇava, das eigene Samenwort, am Ende „vāmana“ und „rūpataḥ“; die Dreiheit „pāpa-dhruva“, das Samenwort, „rāmāya“, vom Beginn der Veden her,
Wort für Wort
rūpāya tāra svaṃ bījaṃ
der [Vāmana-]Gestalt, der Praṇava, das eigene Samenwort
bījaṃ kṛṣṇāya tārānte bījaṃ ca kalkine tataḥ /
jayadvayaṃ tataḥ śālagrāmānte ca nivāsine
das Samenwort, „kṛṣṇāya“, am Ende der Praṇava; das Samenwort, und „kalkine“, sodann; das Paar „jaya“, sodann „śālagrāma“, am Ende „nivāsine“ (dem Wohnenden),
„divyasiṃhāya“, mit „ṅ“ endend, „svayambhūḥ“, „puruṣāya“, das Herz-[Bīja]; der Praṇava, das eigene Samenwort – so [vollständig], dieser [Mantra] verleiht große Universalherrschaft.
Wort für Wort
divyasiṃhāya ṅentaḥ syāt
„divyasiṃhāya“, mit „ṅ“ endend
svayaṃbhūḥ puruṣāya hṛt
„svayambhūḥ“, „puruṣāya“, das Herz-Bīja
tāraḥ svaṃ bījam iti eṣa
der Praṇava, das eigene Samenwort – so [vollständig] dieser
der Nṛsiṃha-Mantra, dessen Silbenzahl durch [die Zahlwörter] „kha“ [und] „aṅka“ [kodiert] ist, [hat] Atri als verkündeten Seher; als Versmaß wird Atijagatī genannt; die Gottheit des Mantra ist [bereits] mitgeteilt.
Wort für Wort
nṛsiṃhamantraḥ khāṅkārṇo
der Nṛsiṃha-Mantra, dessen Silbenzahl durch „kha-aṅka“ kodiert ist
muniratriḥ prakīrtitaḥ
Atri ist als Seher verkündet
chando 'tijagatī proktaṃ
als Versmaß wird Atijagatī genannt
devatā kathitā manoḥ
die Gottheit des Mantra ist mitgeteilt
[?: "khāṅkārṇaḥ" verwendet vermutlich die Bhūtasaṃkhyā-Zahlwortkodierung ("kha" = 0) zur Angabe der Silbenzahl; die genaue Zahl ist daraus nicht ohne Weiteres zu erschließen.]
[man meditiere über] Nṛhari [samt seinen] zehn Avatāras; das Samenwort ist „khaṃ“, die unvergängliche [Silbe] ist die Śakti; mit dem von den sechs langen [Vokalen] begleiteten Samenwort vollziehe man [den Nyāsa auf] die Glieder und stelle [ihn] sich vor,
Wort für Wort
daśāvatāro nṛhariṃ
man meditiere über Nṛhari samt seinen zehn Avatāras
bījaṃ khaṃ śaktiravyayaḥ
das Samenwort ist „khaṃ“, die unvergängliche Silbe die Śakti
ṣaḍūdīrghāḍhyena bījena
mit dem von den sechs langen Vokalen begleiteten Samenwort
kṛtvāṅgāni ca bhāvayet
vollziehe man [den Nyāsa auf] die Glieder und stelle [ihn] sich vor
die Rezitation [betrage] zehntausend Mal, und ein Zehntel davon sei der Opferguss mit Milchreis; auf dem zuvor genannten Sitz (Pīṭha) verehre man, nachdem man die [göttliche] Gestalt aus dem Grundmantra heraus gedanklich geformt hat,
Wort für Wort
japo 'yutaṃ daśāṃśena
die Rezitation zehntausend Mal, und ein Zehntel davon
homaḥ syātpāyasena tu
sei der Opferguss mit Milchreis
prāgukte pūjayetpīṭhe
auf dem zuvor genannten Sitz verehre man
mūrtisaṃkalpya mūlataḥ
nachdem man die Gestalt aus dem Grundmantra heraus gedanklich geformt hat
aṅgānyādau ca matsyādyāndigdaleṣu tator'cayet /
indrādyānapi vajrādyānsampūjyeṣṭamavāpnuyāt
zuerst die [Mantra-]Glieder, und dann Matsya und die anderen [Avatāras] auf den Richtungs-Blütenblättern verehre man; nachdem man auch Indra und die anderen [Weltenhüter] samt [ihren Waffen] Vajra usw. verehrt hat, erlangt man das Gewünschte.
Wort für Wort
aṅgāni ādau ca matsyādyān
zuerst die Glieder, und Matsya und die anderen
digdaleṣu tator'cayet
auf den Richtungs-Blütenblättern verehre man
indrādyānapi vajrādyān sampūjya
nachdem man auch Indra und die anderen samt Vajra usw. verehrt hat
Ich werde den großen, tausendsilbigen Mantra verkünden, der in den Tantras geheim gehalten wird: der Praṇava, das Māyā-[Bīja], das Ramā-[Bīja], das Kāma-[Bīja], das [Nṛsiṃha-]Samenwort, sodann das Wort „krodha“ (Zorn),
Wort für Wort
sahasrārṇaṃ mahāmantraṃ
den großen, tausendsilbigen Mantra
vakṣye tantreṣu gopitam
werde ich verkünden, der in den Tantras geheim gehalten wird
tāro māyā ramā kāmo
der Praṇava, das Māyā-, Ramā-, Kāma-Bīja
bījaṃ krodhapadaṃ tataḥ
das [Nṛsiṃha-]Samenwort, sodann das Wort „krodha“
[Anm.: V162–227 legen den großen „sahasrākṣara“ (tausendsilbigen) Nṛsiṃha-Mantra Silbenglied für Silbenglied dar (Mantroddhāra); die einzelnen Bestandteile werden möglichst wörtlich wiedergegeben, ohne dass eine durchgehend gesicherte Rekonstruktion des vollständigen Lautkörpers beansprucht wird (vgl. Anm. zu V100).]
„mūrte“ (o Gestalt), „nṛsiṃha“ – am Ende des Wortes spreche man „mahāpuruṣa“ (großer Puruṣa) aus; „pradhāna“, „dharma“, „adharma“ – am Ende sage man das Wort „nigaḍa“ (Fessel),
am Ende „nirmocana“ (Befreiung), „kāla“ (Zeit) – davon ausgehend spreche man „puruṣa“; „kālāntaka“ (der Zeit-Beender), gleich dem [Sonnen-]Wasser, am Ende „sveśvara“ (der eigene Herr), gleich dem Wasser,
Wort für Wort
nirmocanānte kāla iti
am Ende „nirmocana“, „kāla“
tatataḥ puruṣa īrayet
davon ausgehend spreche man „puruṣa“
kālāntakasadṛktoyaṃ
„kālāntaka“, gleich dem Wasser
sveśvarānte sadṛgjalam
am Ende „sveśvara“, gleich dem Wasser
[?: "kālāntakasadṛktoyaṃ" / "sadṛgjalam" sind lexikalisch schwierig; sinngemäß als bildliche Vergleiche ("gleich dem Wasser") gedeutet.]
śrāntānte tu niviṣṭeti caitanyacitsadā tataḥ /
bhāsakānte tu kālādyatītanityoditeti ca
am Ende von „śrānta“ (ermattet) [spreche man] „niviṣṭa“ (eingegangen); „caitanya-cit“ (Bewusstseinsgeist), stets, sodann; am Ende von „bhāsaka“ (dem Erleuchtenden) [spreche man] „kālādyatīta“ (die Zeit u.a. Übersteigend), „nityodita“ (ewig Aufgehend),
udayāstamayākrāntamahākāruṇiketi ca /
hṛdayābjacatuścoktā dalānte tu niviṣṭitaḥ
„udayāstamayākrānta“ (Aufgang und Untergang durchdringend), und „mahākāruṇika“ (der große Mitleidsvolle); das Herzlotos, als vierfach bezeichnet, am Ende des Blütenblattes [spreche man] „niviṣṭa“ (eingegangen),
caitanyātmaṃścaturāmandvādaśātmaṃstataḥ param /
caturviṃśātmannante tu pañcaviṃśātmannityapi
„caitanyātman“ (Bewusstseins-Selbst) der vier, dann ferner das zwölffache Selbst; am Ende des vierundzwanzigfachen Selbst aber auch das fünfundzwanzigfache Selbst ebenso,
Wort für Wort
caitanyātmaṃśca turāma
„caitanyātman“ der vier
dvādaśātmaṃstataḥ param
dann ferner das zwölffache Selbst
caturviṃśātmannante tu
am Ende des vierundzwanzigfachen Selbst
pañcaviṃśātmannityapi
auch das fünfundzwanzigfache Selbst ebenso
[Anm.: Die Zahlen (vier, zwölf, vierundzwanzig, fünfundzwanzig) scheinen auf die Sāṃkhya-Kategorien (tattvas) und den Puruṣa als 25. Prinzip anzuspielen.]
„baka“ [?], „hari“, am Ende von „sahasra“ (tausend), „mūrte“ (o Gestalt), mit dem Wort „ehyehi“ (komm, komm!); „bhagavan nṛsiṃha puruṣa“, „krodheśvara“ (Herr des Zorns), zusammen mit „rasā“ (der Erde),
Wort für Wort
bako hariḥ sahasrānte
„baka“, „hari“, am Ende von „sahasra“
mūrte ehyehi śabdataḥ
„mūrte“, mit dem Wort „ehyehi“
bhagavannṛsiṃhapuruṣa
„bhagavan nṛsiṃha puruṣa“
krodheśvara rasā saha
„krodheśvara“, zusammen mit „rasā“
[?: "bako" ist unklar; unverändert transliteriert.]
sravanditānte pādeti kalpāntāgnisahasra ca /
koṭyābhānte mahādeva nikāyadaśaśabdataḥ
am Ende von „sravandita“ [?] das Wort „pāda“; „kalpāntāgnisahasra“ (tausend Feuer der Weltzerstörung), und am Ende von „koṭyābha“ (mit dem Glanz von zehn Millionen) „mahādeva“, mit dem Wort „nikāyadaśa“ (zehn Scharen),
„śatayajñātala“ (der Grund der hundert Opfer) ist zu erkennen, und sodann das Paar „amala“ (makellos); „piṅgalekṣaṇa“ (bernsteinäugig), „saṭā“ (Mähne), „daṃṣṭra“ (Fangzahn), „daṃṣṭrāyudha“ (fangzahnbewaffnet), „nakhāyudha“ (krallenbewaffnet),
dānavendrāntakāvahniṇaśoṇitapadaṃ tataḥ /
saṃ saktivigrahānte tu bhūtāpasmārayātudhān
„dānavendrāntaka“ (Beender des Dānava-Herrn), „vahni“ (Feuer), das Wort „śoṇita“ (Blut), sodann; „saṃ“, am Ende von „śaktivigraha“ (Machtgestalt), [dann] „bhūta-apasmāra-yātudhān“ (Geisterwesen, Fallsucht-Dämonen, Zauberer-Dämonen),
surāsuravandyamānapādapaṅkajaśabdataḥ /
bhagavanvyomacakreśvarānte tu prabhavāpyaya
mit dem Wort „[dessen] Lotosfüße von Göttern und Dämonen verehrt werden“; „bhagavan“, „vyomacakreśvara“ (Herr des Himmelsrades), am Ende aber „prabhavāpyaya“ (Ursprung und Vergehen),
Wort für Wort
surāsuravandyamānapādapaṅkajaśabdataḥ
mit dem Wort „dessen Lotosfüße von Göttern und Dämonen verehrt werden“
rūpeṇottiṣṭa cottiṣṭa avidyānicayaṃ daha /
daha jñānaiśvaryamante prakāśayayugaṃ tataḥ
„rūpeṇa“ (in Gestalt), „erhebe dich, erhebe dich“, „verbrenne den Haufen der Unwissenheit“; „verbrenne“ [nochmals], am Ende von „jñānaiśvarya“ (Erkenntnis-Herrschaft) das Paar „erleuchte“, sodann
„oṃ sarvajña“ (o Allwissender), am Ende von „aroṣa“ (Nichtzorn), „zermalme, öffne dich weit, o Herabgestiegener“; „satyapuruṣa“ (wahrer Puruṣa) – am Ende des Wortes spreche man „sadasanmadhya“ (die Mitte von Sein und Nichtsein) aus,
niviṣṭaṃ mama duḥsvapnabhayaṃ nigaḍaśabdataḥ /
bhayaṃ kāntāraśabdānte bhayaṃ viṣapadāttataḥ
„eingegangen [ist] in mich die Furcht vor bösen Träumen“ – mit dem Wort „nigaḍa“ (Fessel); die Furcht am Ende des Wortes „kāntāra“ (Wildnis), die Furcht vom Wort „viṣa“ (Gift) her, sodann
Wort für Wort
niviṣṭaṃ mama duḥsvapnabhayaṃ
eingegangen ist in mich die Furcht vor bösen Träumen
am Ende von „jvara“ (Fieber) [die Furcht vor] Ḍākinī, Kṛtyā [und] Adhvarevatī [?], sodann; am Ende von „aśani“ (Blitzschlag) die Furcht, die Furcht vor Hungersnot, vom Wort „mārī“ (Seuche) her,
die Furcht am Ende des Wortes „mārīca“, die Furcht [vor] dem Wort „chāyā“ (Schatten), sodann; am Ende des Wortes „skandāpasmāra“ (Skanda-Fallsucht) die Furcht, die Furcht vor Dieben, sodann
die Furcht vor Wasser, Traum, Feuer, sowie die von Elefant, Löwe [und] Schlange ausgehende; am Ende von „Geburt [und] Alter“ spreche man das Wort „Tod“ und dergleichen aus,
Wort für Wort
jalasvapnāgnibhayaṃ
die Furcht vor Wasser, Traum, Feuer
gajasiṃhabhujaṅgagataḥ
sowie die von Elefant, Löwe und Schlange ausgehende
am Ende von „puruṣa“ das Wort „Abwehr aller Furcht“, sodann; achtmal acht, [also] vierundsechzig[fach], spreche man die Furcht vor den Ceṭikās (Dienerinnen-Geistern) aus,
Wort für Wort
puruṣānte sarvabhayanivāraṇapadaṃ
am Ende von „puruṣa“ das Wort „Abwehr aller Furcht“
umgeben von Wissen, mit dem Wort „dreiunddreißig Millionen Gottheiten“; am Ende von „namita“ (verneigt), von Wort zu Wort, spreche man „mit dem Lotos versehen“ aus,
saha sravadanānte tu sahasrodara saṃvadet /
sahasrekṣaṇaśabdānte sahasrapādamīrayet
zusammen [mit], am Ende von „sravadanana“ (fließend-antlitzig), aber spreche man „sahasrodara“ (tausendbäuchig) aus; am Ende des Wortes „sahasrekṣaṇa“ (tausendäugig) spreche man „sahasrapāda“ (tausendfüßig) aus,
nachdem man „sahasrabhuja“ (tausendarmig) verkündet hat, spreche man „sahasrajihva“ (tausendzüngig) aus; am Ende von „sahasra“ [spreche man] „lalāṭa“ (Stirn), von „sahasrāyudha“ (tausendbewaffnet) [und] von „dharā“ (Erde) her,
tamaḥprakāśaka puramathanānte tu sarva ca /
mantrerājeśvarapadādvihāyasagatiprada
„der Erleuchter der Finsternis“, am Ende von „puramathana“ (Städte-Zerstörer) aber [auch] „sarva“ (alles); vom Wort „mantrarājeśvara“ (Herr des Mantra-Königs) her, „der den Weg durch den Himmelsraum verleiht“,
Wort für Wort
tamaḥprakāśaka puramathanānte tu
„der Erleuchter der Finsternis“, am Ende von „puramathana“ aber
am Ende von „der den Gang zur Unterwelt verleiht“ spreche man „yantramardana“ (Zermalmer der [feindlichen] Vorrichtungen) aus; [dann] das Wort „mit furchtbarem, lautem Gelächter lachend, Wohnstatt des Weltalls“, sodann
vāsudeva tato 'krūra tato hayamukheti ca /
paramahaṃsa viśveśa viśvānte tu viḍaṃbana
„vāsudeva“, dann „akrūra“ (nicht grausam), dann auch „hayamukha“ (pferdeantlitzig); „paramahaṃsa“ (höchster Schwan), „viśveśa“ (Herr des Weltalls), am Ende von „viśva“ [das Wort] „viḍambana“ [?],
Wort für Wort
vāsudeva tato 'krūra
„vāsudeva“, dann „akrūra“
tato hayamukheti ca
dann auch „hayamukha“
paramahaṃsa viśveśa
„paramahaṃsa“, „viśveśa“
viśvānte tu viḍaṃbana
am Ende von „viśva“ [das Wort] „viḍambana“
[?: "viḍaṃbana" am Versende ist inhaltlich auffällig ("Nachahmung/Spott"); wörtlich transliteriert, Deutung unsicher.]
niviṣṭānte tataḥpradurbhāvakāraka īrayet /
hṛṣīkeśa ca svacchanda niḥśeṣajīva vinyaset
am Ende von „niviṣṭa“ spreche man sodann „pradurbhāvakāraka“ (Bewirker des Erscheinens) aus; „hṛṣīkeśa“, und „svacchanda“ (nach eigenem Willen), [das Wort] „niḥśeṣajīva“ (alle Lebewesen ohne Rest) setze man,
grāsakānte mahā paścātpiśitāsṛgitīrayet /
laṃpaṭānte khecarīti siddhyateṃ tu pradāyaka
am Ende von „grāsaka“ (Verschlinger), „mahā“ (groß), danach spreche man „piśitāsṛk“ (Fleisch und Blut) aus; am Ende von „lampaṭa“ (Gierigen) [spreche man] „khecarī“ (die Himmelswandlerin) aus – [dieser Mantra ist] der Geber der Vollendung,
ajeyāvyaya avyakta brahmāṇḍodara ityapi /
tato brahmasahasrānte koṭisragruṇḍaśabdataḥ
„ajeya“ (unbesiegbar), „avyaya“ (unvergänglich), „avyakta“ (unmanifest), auch „brahmāṇḍodara“ (Schoß des Weltenei); dann am Ende von „brahmasahasra“ (tausend Brahmās), mit dem Wort „koṭisragruṇḍa“ (Kranz von zehn Millionen Schädeln),
„māla“ (Kranz), „paṇḍitamuṇḍa“ [?]; „matsya“, „kūrma“, dann ferner; am Ende von „varāha“ [spreche man] „nṛsiṃha“ [aus], am Ende von „vāmana“ spreche man aus,
Wort für Wort
māla paṇḍitamuṇḍeti
„māla“, „paṇḍitamuṇḍa“
matsya kūrmaṃ tataḥ param
„matsya“, „kūrma“, dann ferner
varāhānte nṛsiṃheti
am Ende von „varāha“ „nṛsiṃha“
vāmanānte samīrayet
am Ende von „vāmana“ spreche man aus
[?: "paṇḍitamuṇḍa" ist inhaltlich unklar ("gelehrtes Haupt/Schädel"?); wörtlich wiedergegeben.]
trailokyākramaṇānte tu pādaśālika īrayet /
rāmatraya tato viṣṇurūpānte dhara eva ca
am Ende von „trailokyākramaṇa“ (Durchschreiten der drei Welten) aber spreche man „pādaśālika“ [?] aus; die Dreiheit der Rāmas, dann am Ende von „viṣṇurūpa“ auch „dhara“ (Träger),
tattvatrayānte praṇavādhāratastacchikhāṃ padam /
niviṣṭavahnijāyānte svadhā caiva tato vaṣaṭ
am Ende der Dreiheit der Prinzipien (Tattva), von der Grundlage des Praṇava her, das Wort „seine Flamme“; am Ende von „die im [Feuer] eingegangene Gattin des Feuers“ (Svāhā) auch „svadhā“, sodann „vaṣaṭ“,
Wort für Wort
tattvatrayānte praṇavādhārataḥ
am Ende der Dreiheit der Prinzipien, von der Grundlage des Praṇava her
„netra“ (Auge), die Panzer-Waffen[-Formel], „löse!“, „ārya“, „prāṇādhāra“ (Stütze des Atems) spreche man aus; vom Wort „ādideva“ (Urgott) her, „prāṇa“, „apāna“, danach „eingegangen“,
Wort für Wort
netra varmāstramuñcāryya
„netra“, die Panzer-Waffen-Formel, „löse!“, „ārya“
pāñcarātrika ditija vinidhanānte kareti ca /
mahāmāyā amoghānte daryaṃ daityandraśabdataḥ
„pāñcarātrika“ (dem Pañcarātra gemäß), „ditija“ (Sohn der Diti), am Ende von „vinidhana“ (Vernichtung) auch „kara“ (Bewirker); „mahāmāyā“, am Ende von „amogha“ (unfehlbar) „darya“ [?], vom Wort „daityendra“ (Herr der Daityas) her,
am Ende von „darya“ wird „dalana“ (Zermalmung) gesagt; „tejorāśi“ (Masse von Glanz), gewiss „smara“ [gedenke]; am Ende von „tejasvara“ (Herr des Glanzes), „puruṣa“, endend mit „ṅ“ [und] „ṃ“, „satyapuruṣa“ (wahrer Puruṣa),
das Waffen-[Bīja], der Praṇava, das Acyuta-Waffen[-Bīja], und der Praṇava, „durch das Wort, o guter Gott“, „phaṭ“; der Praṇava, das Māyā[-Bīja] der [göttlichen] Gestalt, „phaṭ“, „vaḥ“ [?], das Kāma[-Bīja], mit dem Vokal beginnend,
Wort für Wort
astratāro 'cyutāstraṃ ca
das Waffen-Bīja, der Praṇava, das Acyuta-Waffen-Bīja
tāro vācā sudeva phaṭ
der Praṇava, „durch das Wort, o guter Gott“, „phaṭ“
mūrtestramavyayobījaṃ viśvamūrtestrimavyayaḥ /
māyāviśvātmane ṣaṭ ca tāraḥ saucaṃ turātmane
das Waffen[-Bīja] der Gestalt, das unvergängliche Samenwort; der universalen Gestalt, das dreifach unvergängliche; das Māyā-[Bīja], dem universalen Selbst, sechs, und der Praṇava, „Reinheit“, dem vierten Selbst (Turīya),
Wort für Wort
mūrtestramavyayobījaṃ
das Waffen-Bīja der Gestalt, das unvergängliche Samenwort
viśvamūrtestrimavyayaḥ
der universalen Gestalt, das dreifach unvergängliche
phaṭ tārohaṃ viśvarūpinnastraṃ ca tadanantaram /
tārauhnaiparamānte tu hraṃsaphaṭpraṇavastataḥ
„phaṭ“, der Praṇava, „aham“ (ich), „o Allgestaltiger“, das Waffen[-Bīja], und unmittelbar danach; der Praṇava, „auhna“ [?], am Ende von „parama“ (höchst) aber „hraṃ“, „saḥ“, „phaṭ“, der Praṇava, sodann
hraḥ hiraṇaayagarbharūpa dhāraṇānte ca phaṭ dhruvaḥ /
hraiṃ anaupamyarūpadhāriṇāstraṃ dhruvastataḥ
„hraḥ“, „o [du] von der Gestalt des Hiraṇyagarbha“, am Ende von „dhāraṇa“ (Tragen) auch „phaṭ“, „dhruva“ (fest); „hraiṃ“, „o Träger unvergleichlicher Gestalt“, das Waffen[-Bīja], „dhruva“, sodann
„kṣaiṃ“, „o Nṛsiṃha-Gestalt-Träger“, „oṃ“, „klaṃ“, und „śla“, mit dem Vokal beginnend; die Sechsgliedersetzung, gesetzt, „der die Gestalt Tragende“, und sodann „phaṭ“,
„hrau“, „o Träger der von Natur aus vollendeten, einzigartigen Gestalt“, und sodann „phaṭ“; der Praṇava, die Dreiheit der Panzer[-Formel], „saṃkara“ [Śiva/Vermischung], „vaṃ“, und „das Haupt des [Feindes] Soundso“,
Wort für Wort
hrau nisargasiddhyaikarūpadhāriṃ
„hrau“, „o Träger der von Natur aus vollendeten, einzigartigen Gestalt“
tataśca phaṭ
und sodann „phaṭ“
tāro varmatrayaṃ saṃkaraṃ
der Praṇava, die Dreiheit der Panzer-Formel, „saṃkara“
khaṇḍadvayaṃ khāda yetidvayaṃ klīṃ sādhyamānaya /
dvayaṃ tato mahātmansyānsamyagdarśayayugmakam
das Paar „khaṇḍa“ (zerbrich), das Paar „khāda“ (verschlinge), „klīṃ“, „bringe den zu Bezwingenden herbei“; das Paar, sodann, o Großer, möge das Paar „zeige klar“ [erscheinen],
ṣaḍdīrghāḍyāṃ svabījaṃ ca kṣapitānte tu kalmaṣa /
uttarāyaṃ dvayaṃ pañcabāṇabījāni voñcaret
mit den sechs langen [Vokalen] versehen, das eigene Samenwort, und am Ende von „kṣapita“ (vernichtet) „kalmaṣa“ (Sünde); in „uttarā“ das Paar, die fünf Pfeil-[Kāma-]Samenwörter spreche man aus,
Wort für Wort
ṣaḍdīrghāḍyāṃ svabījaṃ ca
mit den sechs langen Vokalen versehen, das eigene Samenwort
am Ende von „nṛsiṃha“ spreche man sodann „dem Flammenseeligen“ [und] „svāhā“ aus; am Ende von „nṛsiṃha“ sodann „dem Zeitseeligen“ [und] „svāhā“, „dhruva“, sodann
Wort für Wort
nṛsiṃhānte tato jvālātmane
am Ende von „nṛsiṃha“ sodann „dem Flammenseeligen“
khabījaṃ kāmabījaṃ ca lakṣmībījadvayaṃ tataḥ /
māyātārāntimo mantraḥ sahasrākṣarasaṃmitaḥ
das Kha-Samenwort, das Kāma-Samenwort, und das Paar der Lakṣmī-Samenwörter, sodann; das Māyā-[Bīja], der Praṇava am Ende – [dies ist] der Mantra, gemessen an tausend Silben.
Kapila ist sein Seher, Jagatī das Versmaß, wiederum die Gottheit Śrī-Lakṣmī-Nṛhari; das Samenwort ist „kṣaiṃ“, die Śakti [heißt] „die Geliebte des Feuers“ (Svāhā),
śveto varṇa udāttaśca svaraḥ prokto manīṣibhiḥ /
kṣetraṃ ca paramātmā tu viniyogo 'khilāptaye
weiß ist [seine] Farbe, und Udātta wird von den Weisen als [sein] Tonakzent erklärt; das Feld (Kṣetra) [ist] das höchste Selbst; die Anwendung [dient] der Erlangung von allem.
Wort für Wort
śveto varṇa
weiß ist [seine] Farbe
udāttaśca svaraḥ prokto manīṣibhiḥ
und Udātta wird von den Weisen als Tonakzent erklärt
kṣaḥ sahasrabāhavente sahasrāyudhadharāya ca /
nṛsiṃhāntaṃ vahnijāyāstrāyaphaṭū mantra īritaḥ
„kṣaḥ“, am Ende von „sahasrabāhu“ (tausendarmig), und „dem Träger tausend Waffen“; mit „nṛsiṃha“ endend, „der Gattin des Feuers“ (Svāhā), das Waffen[-Bīja], „phaṭ“ – [dies ist] der genannte [Hilfs-]Mantra,
Wort für Wort
kṣaḥ sahasrabāhavente
„kṣaḥ“, am Ende von „sahasrabāhu“
sahasrāyudhadharāya ca
und „dem Träger tausend Waffen“
nṛsiṃhāntaṃ vahnijāyā
mit „nṛsiṃha“ endend, „der Gattin des Feuers“
astrāya phaṭū mantra īritaḥ
das Waffen-Bīja, „phaṭ“ – der genannte Mantra
[Anm.: V208–217 legen eine Reihe von Neben-(Aṅga-)Mantras (Karaśuddhi, Hṛdaya, Śiras, Śikhā, Kavaca, Netra, Astra) nach dem Muster des Hauptmantra dar.]
anena karaśuddhiṃ ca kṛtvāṅgāni samācaret /
tāraḥ kṣāṃ ca sahasrānte kṣaraśabdādvijṛṃbhitam
mit diesem vollziehe man die Reinigung der Hände (Karaśuddhi) und [dann] die [Nyāsa-Setzung der] Glieder; der Praṇava, „kṣāṃ“, und am Ende von „sahasra“ das vom Wort „kṣara“ Entfaltete,
nṛsiṃhāyāgnijāyānto hṛdaye manurīritaḥ /
māraḥ kṣīṃ ca mahātenuṃ prabhānte vikareti ca
„dem Nṛsiṃha“, „der Gattin des Feuers“ – so endend, ist der Mantra für das Herz genannt; das Kāma-[Bīja], „kṣīṃ“, und „großen Leib“, am Ende von „prabhā“ (Glanz) auch „vikara“ [?],
Wort für Wort
nṛsiṃhāyāgnijāyānto
„dem Nṛsiṃha“, „der Gattin des Feuers“ – so endend
„dem Nṛsiṃha“, „der Gattin des Feuers“ – so endend, wird der Kopf-Mantra (Śiromantra) verkündet; der Praṇava, „kṣūṃ“, „taptayaṃha“ [?], und man spreche, endend mit „dem Blick[-Glanz] der Haarpracht“, aus,
Wort für Wort
nṛsiṃhāyāgnijāyānte
„dem Nṛsiṃha“, „der Gattin des Feuers“ – so endend
śiromantraḥ prakīrtitaḥ
wird der Kopf-Mantra verkündet
tāraḥ kṣūṃ taptayaṃhāyaḥ
der Praṇava, „kṣūṃ“, „taptayaṃha“
ca ādṛkkeśānta īrayet
und man spreche, endend mit „dem Blick der Haarpracht“, aus
[?: "taptayaṃhāyaḥ" und "ādṛkkeśānta" sind lexikalisch unsicher.]
jvalatyāvakalo mūrmo dīrghā vajrādhiketi ca /
nakha sparśāddivyasiṃha namo 'stu bhagavan hariḥ
„es lodert“, „āvakala“ [?], „das Haupt“, „lang“, und „den Donnerkeil übertreffend“; „durch die Berührung der Kralle, o göttlicher Löwe, Verehrung sei [dir], o erhabener Hari“ –
Wort für Wort
jvalatyāvakalo mūrmo
„es lodert“, „āvakala“, „das Haupt“
dīrghā vajrādhiketi ca
„lang“, und „den Donnerkeil übertreffend“
nakha sparśāddivyasiṃha
„durch die Berührung der Kralle, o göttlicher Löwe“
„o [du] von der [Feind] gewaltig zerstört [hat, doch dessen eigene] Gestalt das Weltall [ist]“, „dem Nṛsiṃha“, Paar um Paar; hiermit wird der Haarschopf-Mantra (Śikhā) verkündet; der Panzer-Mantra (Kavaca) [folgt] unmittelbar danach,
Wort für Wort
mahādhvasta jagadrūpa
„o [du], der [den Feind] gewaltig zerstört hat, [dessen] Gestalt das Weltall [ist]“
tāraḥ kṣaiṃ ca suvarṇaṃ te madamattapadaṃ tataḥ /
vihvalitanṛsiṃhāya svāhāntaṃ kavacaṃ smṛtam
der Praṇava, „kṣaiṃ“, und „golden [ist] dein“, das Wort „rauschberauscht“, sodann; „dem überwältigenden Nṛsiṃha“, mit „svāhā“ endend – [dies ist] der überlieferte Panzer-Mantra.
Wort für Wort
tāraḥ kṣaiṃ ca suvarṇaṃ te
der Praṇava, „kṣaiṃ“, und „golden [ist] dein“
madamattapadaṃ tataḥ
das Wort „rauschberauscht“, sodann
vihvalitanṛsiṃhāya
„dem überwältigenden Nṛsiṃha“
svāhāntaṃ kavacaṃ smṛtam
mit „svāhā“ endend – der überlieferte Panzer-Mantra
der Praṇava, „rkṣau“ [?], und „o Tausendäugiger“, „o Allsehender“ [?], das Wort „viśvarūpa“ spreche man; „in [seinem] Bestehen dem Feuer lieb“ – so endend, wird dieser Augen-Mantra (Netramantra) verkündet.
Wort für Wort
tāraḥ rkṣau ca sahasrākṣa
der Praṇava, „rkṣau“, und „o Tausendäugiger“
viśvasrākṣa viśvarūpapadaṃ vadet
„o Allsehender“, das Wort „viśvarūpa“ spreche man
dhāraṇegni priyānto 'yaṃ
„in [seinem] Bestehen dem Feuer lieb“ – so endend
netramantraḥ prakīrtitaḥ
wird dieser Augen-Mantra verkündet
[?: "rkṣau" und "viśvasrākṣa" lexikalisch unsicher; sinngemäß gedeutet.]
der Praṇava, „kṣa“, und am Ende von „sahasra“ spreche man das Wort „vārāve“ [?] aus; am Ende von „sahasra“ [das Wort] „waffe“, sodann „dem Nṛsiṃha“, „die Feuerschöne“ (Svāhā),
[dies ist] der genannte Waffen-Mantra (Astramantra); sodann meditiere man über Nṛkesarin, vom Glanz tausend aufgehender Sonnen, dreiäugig, furchtbar geschmückt,
mit scharfspitzigen, stabgleichen Armen, den Daitya zerreißend – so gedenke man [seiner]. Nachdem man so meditiert hat, rezitiere der Mantra-Praktizierende tausend Mal, [und opfere] mit Milchreis –
Wort für Wort
sutīkṣṇāgrabhujo daṇḍaiḥ
mit scharfspitzigen, stabgleichen Armen
daityadāraṇakaṃ smaret
den Daitya zerreißend – so gedenke man
evaṃ dhyātvā japenmantrī
nachdem man so meditiert hat, rezitiere der Mantra-Praktizierende
sahasraṃ pāyena
tausend Mal, mit Milchreis
[?: "caga" am Versende unklar, vermutlich verderbt.]
in Ghee getränkt opfere man – der Mantra wird vollständig vollendet; auf dem zuvor genannten Viṣṇu-Sitz (Pīṭha) verehre man, nachdem man die [göttliche] Gestalt aus dem Grundmantra heraus gedanklich geformt hat,
Wort für Wort
ājyaplutena juhuyāt
in Ghee getränkt opfere man
samyaksiddho bhavenmanuḥ
der Mantra wird vollständig vollendet
prāgukte vaiṣṇave pīṭhe
auf dem zuvor genannten Viṣṇu-Sitz
mūrtiṃ saṃkalpya mūlataḥ
nachdem man die Gestalt aus dem Grundmantra heraus gedanklich geformt hat
saṃpūjya nṛhariṃ paścādādāvaṅgāni pūjayet /
cakra śaṅkhaṃ ca pāśaṃ vāṅkuśaṃ kuliśameva ca
nachdem man Nṛhari verehrt hat, verehre man danach zuerst die [Mantra-]Glieder; Diskus und Muschelhorn, Fangschlinge oder Elefantenstachel, und auch den Donnerkeil,
Keule, Schwert [und] Gift[-Waffen] verehre man gründlich auf den Blütenblättern; auch die Weltenhüter samt [ihren Waffen] Vajra usw. verehre man unmittelbar danach,
So, wenn der Mantra vollendet ist, ist der Mantra-Praktizierende berechtigt, [rituelle] Anwendungen zu vollziehen: nachdem man Asche mit dem Mantra besprochen hat, bestreiche man damit einen von einem [bösen] Planetendämon (Graha) Ergriffenen,
Wort für Wort
evaṃ siddhe manau mantrī
so, wenn der Mantra vollendet ist, der Mantra-Praktizierende
prayogānkartumarhati
ist berechtigt, Anwendungen zu vollziehen
bhasmābhimantritaṃ kṛtvā
nachdem man Asche mit dem Mantra besprochen hat
grahagrastaṃ vilepayet
bestreiche man damit einen von einem Graha Ergriffenen
durch das bloße Bestreichen mit Asche [erfolgt] die Vernichtung aller [bösen] Planetendämonen; durch eben dieses Verfahren [werden] Yakṣas, Rākṣasas, Kinnaras,
bhūtapretapiśācāśca naśyantyeva na saṃśayaḥ /
parābhicārakṛtyāni manunānena mantritam
und Bhūtas, Pretas, Piśācas fürwahr vernichtet – daran besteht kein Zweifel; von anderen [gegen einen] gerichtete Zauberwerke [werden vernichtet durch die mit] diesem Mantra besprochene [Asche] –
Wort für Wort
bhūtapretapiśācāśca
und Bhūtas, Pretas, Piśācas
naśyantyeva na saṃśayaḥ
werden fürwahr vernichtet – daran besteht kein Zweifel
man bestreiche sogleich mit Asche – der Mann wird unangreifbar; an einem günstigen Tag stelle man [geweihtes Wasser] in einem Krug innerhalb eines Sarvatobhadra-Maṇḍala auf,
Wort für Wort
bhasma saṃlepayetsadyo
man bestreiche sogleich mit Asche
durādharṣo bhavennaraḥ
der Mann wird unangreifbar
sudine sthāpayetkumbhe
an einem günstigen Tag stelle man in einem Krug auf
nachdem man [den Krug] mit Wasser von heiligen Furten gefüllt hat, rezitiere man hundertundacht Mal; der damit besprengte (geweihte) Mensch übersteht gewiss jedes Unglück.
Wort für Wort
tīrthatoyena saṃpūrya
nachdem man mit Wasser von heiligen Furten gefüllt hat
Was bedarf es vieler Worte? Dieser vortreffliche Mantra gewährt alle Wünsche: „Vajranakhāya vidmahe, tīkṣṇadaṃṣṭrāya dhīmahi“ (Wir wollen den mit den Donnerkeil-Krallen erkennen, über den mit scharfen Fangzähnen wollen wir meditieren) – am Ende des Wortes spreche man „tan naḥ Nṛsiṃhaḥ“ und ebenso „pracodayāt“ (er möge uns antreiben).
Wort für Wort
kiṃ bahūktena
was bedarf es vieler Worte
sarveṣṭadāyako 'yaṃ manūttamaḥ
dieser vortreffliche Mantra gewährt alle Wünsche
vajranakhāya vidmahe
„dem mit den Donnerkeil-Krallen wollen wir erkennen“
tīkṣṇadaṃṣṭrāya dhīmahi
„über den mit scharfen Fangzähnen wollen wir meditieren“
tanno nṛsiṃhaḥ
„der Nṛsiṃha uns [dazu]“
pracodayāt
„möge er antreiben“
[Anm.: Es handelt sich um die bekannte Nṛsiṃha-Gāyatrī nach dem klassischen Gāyatrī-Schema (vidmahe – dhīmahi – pracodayāt).]