Kapitel 58
Das Gespräch zwischen Śuka und König Janaka über die Erlösungslehre
Kolophon ohne Beschreibungstitel; Kapiteltitel daher aus dem Inhalt formuliert. [Anm.: Wie im gesamten Kapitelbereich 56–61 dieses Projekts steht auch hier der eigentliche Schlusskolophon dieses Kapitels nicht an dessen Ende, sondern am Kopf der folgenden Quelldatei (Kapitel 59), mit der gegenüber der Projektzählung um eins erhöhten Sanskrit-Ordnungszahl „ekonaṣaṣṭitama“ (59.); die im Kopf DIESER Datei stehende Kolophonzeile gehört spiegelbildlich zum vorangehenden 57. Kapitel („śukapralobhanam“).] Das Kapitel führt den feierlichen Empfang Śukas am Hof des Janaka aus (V.1–16) und gibt sodann in Frage-und-Antwort-Form die Unterweisung Janakas über die vier Lebensstadien (Āśramas), das Verhältnis von Wissen und Lehrer sowie die Kennzeichen des zum Brahman Gelangten wieder (V.17–48), bevor Śuka geläutert zu Vyāsa zurückkehrt (V.49–55).
Sanandana sprach: Darauf begab sich jener König, begleitet von seinen Ministern, o Bester der Zweimalgeborenen, indem er den Hofpriester vorausgehen ließ, sowie alle Frauen des Frauengemachs,
Wort für Wort
tataḥ sa rājā sahito mantribhir
darauf jener König, begleitet von den Ministern
dvijasattama
o Bester der Zweimalgeborenen
puraḥ purohitaṃ kṛtvā
indem er den Hofpriester vorausgehen ließ
sarvāṇy antaḥ purāṇi ca
und alle Frauen des Frauengemachs
[Anm.: Dem eigentlichen Vers 1 ist im Quelltext eine Kolophonzeile vorangestellt („iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne dvitīyabhāge śukapralobhanaṃ nāmāṣṭañcāśattamo 'dhyāyaḥ“), gefolgt von einer Trennlinie. Diese Zeile ist der versetzt überlieferte Schlusskolophon des vorangehenden 57. Kapitels (Titel „śukapralobhanam“, dort verwendet); sie wurde im sa-Feld dokumentiert, jedoch nicht in die Übersetzung einbezogen.]
und, das Ehrengeschenk (Arghya) mit dem Haupt ehrfurchtsvoll emporhaltend, ging er zum Sohn des Lehrers [Śuka] hin, indem er einen großen, mit allen Juwelen geschmückten Sitz mitbrachte,
und übergab ihn, den höchst würdigen Sitz, dem Sohn des Lehrers, Śuka. Ihm, der sich dort niedergesetzt hatte, erwies er mit einem im Kārṣṇa-Śāstra vorgeschriebenen Ritus
Wort für Wort
pradadau guruputrāya
er übergab ihn dem Sohn des Lehrers
śukāya paramocitam
Śuka, den höchst würdigen Sitz
tatropaviṣṭaṃ taṃ
ihm, der sich dort niedergesetzt hatte
kārṣṇiśāstradṛṣṭena karmaṇā
mit einem im Kārṣṇa-Śāstra vorgeschriebenen Ritus
[?: „kārṣṇiśāstra“ vermutlich Bezug auf ein von Kṛṣṇa(-Dvaipāyana, Vyāsa) verfasstes Ritualwerk bzw. auf die für die Ehrenbezeugung an Brahmanen geltenden Regeln; nicht sicher zu identifizieren.]
pādyaṃ nivedya prathamaṃ sārghyaṃ gāṃ ca nyavedayat / sa ca tāṃmantrataḥ pūjāṃ pratigṛhya dvijottamaḥ
– nachdem er zuerst Fußwasser dargebracht hatte, überreichte er auch das Ehrengeschenk und eine Kuh. Und er, der Beste der Zweimalgeborenen [Śuka], nahm jene mit Mantras dargebrachte Verehrung an
und erkundigte sich, von großem Glanz, nach dem unwandelbaren Wohlergehen des Königs. Auch der König, von edler Wesensart und edler Herkunft, erkundigte sich beim Sohn des Lehrers
– nachdem er sein eigenes Wohlergehen mitgeteilt hatte, setzte er sich auf dessen Geheiß zu Boden. Und er, der König, fragte, nachdem er wiederum den Sohn des Vyāsa nach dessen unwandelbarem Wohlergehen befragt hatte, ihn, der die rechten Regeln kannte, nach dem Grund seines Kommens.
Wort für Wort
āvedya kuśalaṃ bhūmau
nachdem er das Wohlergehen mitgeteilt hatte, zu Boden
niṣasāda tadājñayā
setzte er sich auf dessen Geheiß
so 'pi vaiyāsakiṃ bhūyaḥ
und er auch den Sohn des Vyāsa wiederum
pṛṣṭvā kuśalam avyayam
nachdem er nach dem unwandelbaren Wohlergehen gefragt hatte
Śuka sprach: Ich wurde vom Vater entsandt, Heil dir! Kundig im Sinn der Erlösungslehre ist, wie ich weiß, der König von Videha, mit Namen Janaka berühmt.
Wort für Wort
pitrāham ukto bhadraṃ te
ich wurde vom Vater entsandt, Heil dir
mokṣadharmārthakovidaḥ
kundig im Sinn der Erlösungslehre
videharājo hy adya me
der König von Videha ist mir heute bekannt
janako nāma viśrutaḥ
als Janaka mit Namen berühmt
[?: „videharājohyādyome“ unsicher segmentiert, gelesen als „videharājo hy adya me“ (der König von Videha ist mir heute bekannt).]
tatra tvaṃ gaccha tūrṇaṃ vai sa te hṛdayasaṃśayam / pravṛttau ca nivṛttau ca sarvaṃ chetsyatyasaṃśayam
‚Geh eilends dorthin; er wird deinen Herzenszweifel bezüglich der Weltzuwendung (pravṛtti) und der Weltabkehr (nivṛtti) gänzlich, ohne Zweifel, zerschneiden' – so sprach mein Vater.
so 'haṃ piturniyogāttvā mupapraṣṭumihāgataḥ / tanme dharmabhṛtāṃ śreṣṭha yathāvadvaktumarhasi
So bin ich, auf Geheiß meines Vaters, hierher gekommen, um dich zu befragen. Dies mögest du mir, o Bester der Dharma-Wahrer, der Wahrheit gemäß darlegen:
Was ist hier die rechte Aufgabe für einen Brahmanen, und was ist das Wesen des Erlösungszieles? Und wie ist die Erlösung zu erwirken – durch Wissen oder auch durch Askese?
Janaka sprach: Höre, was für einen Brahmanen von Geburt an hier die rechte Aufgabe ist: Nachdem die Initiation (Upanayana) vollzogen ist, soll er, mein Lieber, dem Veda ergeben sein,
vedānadhītya niyato dakṣiṇāmapavartya ca / abhyanujñāmanuprāpya samāvarteta vai dvijaḥ
Nachdem er, gezügelt, die Veden studiert und die Dakṣiṇā (Lehrergabe) entrichtet hat, soll der Zweimalgeborene, nachdem er die Erlaubnis des Lehrers erlangt hat, heimkehren.
Heimgekehrt aber soll er im Hausstand, mit Gattin, gezügelt wohnen, frei von Missgunst, gemäß der Regel, die heiligen Feuer errichtend, ohne den Gast zu missachten,
Nachdem er Söhne und Enkel gezeugt hat, soll er in der Stufe des Waldeinsiedler-Āśramas wohnen, eben jene Feuer gemäß der Regel verehrend, dem Gast zugetan,
Nachdem er, der Dharma-Kundige, alle Feuer gemäß der Regel in sich selbst aufgenommen hat, soll er, frei von den Gegensatzpaaren, seines Verlangens entledigten Sinnes, in der Stufe des Brahman-Āśramas wohnen.
Wort für Wort
sarvān agnīn yathānyāyam
alle Feuer gemäß der Regel
ātmany āropya dharmavit
in sich selbst aufnehmend, der Dharma-Kundige
nirdvandvo vītarāgātmā
frei von den Gegensatzpaaren, seines Verlangens entledigten Sinnes
Śuka sprach: Wenn Wissen und Erkenntnis, unmittelbar erfahrbar, im Herzen entstanden und beständig sind – dennoch gilt: ohne das Zusammenwohnen mit dem Lehrer wird das Erlangen des Wissens nicht für möglich gehalten.
Wort für Wort
utpanne jñānavijñāne
wenn Wissen und Erkenntnis entstanden sind
pratyakṣe hṛdi śaśvate
unmittelbar erfahrbar, im Herzen, beständig
na vinā gurusaṃvāsāj
nicht ohne das Zusammenwohnen mit dem Lehrer
jñānasyādhigamaḥ smṛtaḥ
wird das Erlangen des Wissens für möglich gehalten
janaka uvāca na vinā jñānavijñāne mokṣasyādhigamo bhavet /. na vinā gurusaṃbadhājjñānasyādhigamastathā
Janaka sprach: Ohne Wissen und Erkenntnis kann das Erlangen der Erlösung nicht stattfinden; ebenso kann ohne die Verbindung mit dem Lehrer das Erlangen des Wissens nicht stattfinden.
Der Lehrer ist gleichsam der Fährmann, das Wissen wird hier als Floß bezeichnet. Wer beides erkannt hat und sein Ziel erreicht hat, der soll, übergesetzt, beides dort zurücklassen.
Wort für Wort
ācāryaḥ plāvayitā tasya
der Lehrer ist dessen Fährmann
jñānaṃ plava ihocyate
das Wissen wird hier als Floß bezeichnet
vijñāya kṛtakṛtyas tu
wer erkannt hat und sein Ziel erreicht hat
tīrṇas tatrobhayaṃ tyajet
soll, übergesetzt, dort beides zurücklassen
[?: „plāvitā“ wohl für „plāvayitā“ (Übersetzer/Fährmann) stehend.]
Zum Nicht-Abreißen der Weltenordnung, zum Nicht-Abreißen der rituellen Handlungen – erst nachdem man gute und schlechte Handlungen gebührend vollzogen hat, wird das, was hier ‚Erlösung' heißt, erlangt.
Wort für Wort
anucchedāya lokānām
zum Nicht-Abreißen der Weltenordnung
anucchedāya karmaṇām
zum Nicht-Abreißen der Handlungen
kṛtvā śubhāśubhaṃ karma
nachdem man gute und schlechte Handlung vollzogen hat
bhāvitaiḥ kāraṇaiścāryaṃ bahusaṃsārayoniṣu / āsādayati śuddhātmā mokṣaṃ hi prathamāśrame
Durch geübte Verdienste, in den vielfachen Mutterschößen des Saṃsāra gereift, erlangt der reinen Sinnes gewordene Mensch das Edle – die Erlösung – bereits im ersten Āśrama.
tamāsādya tu muktasya dṛṣṭārthasya vipaścitaḥ / tridhāśrameṣu konvartho bhavetparamabhīpsataḥ
Für den aber, der, befreit, sein Ziel geschaut hat, den Weisen, der dies erlangt hat – welchen Sinn hätten dann noch die drei weiteren Āśramas für den, der nach dem Höchsten verlangt?
Die aus Rajas und ebenso die aus Tamas entstehenden Fehler soll er beständig aufgeben; indem er sich auf den Weg des Sattva stützt, soll er das Selbst durch das Selbst schauen,
Wie ein Vogel durch den Wind sich erhebt, so genießt er droben Unendlichkeit; nachdem er den Leib verlassen hat, befreit, frei von den Gegensatzpaaren, dem Guten verbunden.
Wort für Wort
pakṣīvat pavanād ūrdhvam
wie ein Vogel, durch den Wind, nach oben
amutrānantyam aśnute
genießt er dort Unendlichkeit
vihāya dehaṃ nirmukto
nachdem er den Leib verlassen hat, befreit
nirdvandvaḥ śubhasaṃgataḥ
frei von den Gegensatzpaaren, dem Guten verbunden
[?: „amutrānuntyaśnute“ unsicher segmentiert, wohl „amutrānantyam aśnute“ (er genießt dort die Unendlichkeit) gelesen.]
Höre hierzu die Verse (Gāthās), die einst von König Yayāti gesungen wurden – die von den in der Erlösungslehre bewanderten Zweimalgeborenen, mein Lieber, bewahrt werden.
Wort für Wort
atra gāthāḥ purā gītāḥ
hierzu die einst gesungenen Verse
śṛṇu rājñā yayātinā
höre, von König Yayāti
dhāryate yā dvijais tāta
die von den Zweimalgeborenen bewahrt werden, mein Lieber
rsuyojya tapasātmānamīrṣyāmutsṛjya mohinīm / tyaktva kāmaṃ ca lobhaṃ ca tato brahmatvamaśnute
Nachdem er das Selbst durch Askese recht eingesetzt und die verblendende Eifersucht aufgegeben hat, und nachdem er Begierde und Habsucht aufgegeben hat, erlangt er sodann den Zustand des Brahman.
Wort für Wort
niyojya tapasātmānam
nachdem er das Selbst durch Askese eingesetzt hat
īrṣyām utsṛjya mohinīm
und die verblendende Eifersucht aufgegeben hat
tyaktvā kāmaṃ ca lobhaṃ ca
und Begierde und Habsucht aufgegeben hat
tato brahmatvam aśnute
erlangt er sodann den Zustand des Brahman
[?: „rsuyojya“ unsicher, wohl „niyojya“ (einsetzend) verlesen.]
yadā śrāvye ca dṛśye ca sarvabhūteṣu cāvyayam / samo bhavati nirdvudvo brahma saṃpadyate tadā
Wenn er gegenüber dem Hörbaren und dem Sichtbaren sowie gegenüber allen Wesen unwandelbar gleichmütig und frei von den Gegensatzpaaren wird, dann gelangt er zum Brahman.
Wort für Wort
yadā śrāvye ca dṛśye ca
wenn gegenüber dem Hörbaren und dem Sichtbaren
sarvabhūteṣu cāvyayam
und gegenüber allen Wesen, unwandelbar
samo bhavati nirdvandvo
er gleichmütig und frei von den Gegensatzpaaren wird
Kälte und Hitze, ebenso Gewinn und Verlust, Angenehmes und Unangenehmes, Leben und Tod – wenn er all dies gleichmütig sieht, gelangt er dann zum Brahman.
Wie eine Schildkröte hier ihre Glieder ausstreckt und sie wieder einzieht, so sollen die Sinne vom wandernden Bettelmönch mit dem Denken gezügelt werden.
Wort für Wort
prasārya iha yathāṅgāni
wie sie hier die Glieder ausstreckt
kūrmaḥ saṃharate punaḥ
eine Schildkröte, sie wieder einzieht
tathendriyāṇi manasā
so auch die Sinne mit dem Denken
saṃyantavyāni bhikṣuṇā
sollen vom Bettelmönch gezügelt werden
[?: „tarthedriyāṇi“ wohl für „tathendriyāṇi“ (so auch die Sinne) verlesen.]
O Brahmarṣi, du bist als der Erkannte bekannt, da du zum Ende der Erkenntnis-Gegenstände gelangt bist – durch die Gnade des Lehrers sowie auch durch deine eigene innere Unterweisung.
Wort für Wort
brahmarṣe vidita evāsi
o Brahmarṣi, du bist wahrlich erkannt
viṣayāntam upāgataḥ
da du zum Ende der Erkenntnis-Gegenstände gelangt bist
Sei es aus Kindlichkeit, sei es aus Zweifel, sei es aus einer aus Unentschlossenheit entstandenen Furcht – selbst wenn Erkenntnis entstanden ist, erlangen manche jenen wahren Zustand nicht.
Wort für Wort
bālyād vā saṃśayād vāpi
sei es aus Kindlichkeit, sei es aus Zweifel
bhayād vāpi vimarśajāt
sei es aus einer aus Unentschlossenheit entstandenen Furcht
utpanne cāpi vijñāne
selbst wenn Erkenntnis entstanden ist
nādhigacchanti tāṅgatim
erlangen sie jenen Zustand nicht
[?: „vimeṣajāt“ unsicher, wohl „vimarśajāt“ (aus Zweifel/Unentschlossenheit entstanden) gelesen.]
vyavasāyena śuddhena madvidhaiśchinnasaṃśayāḥ / vimucya hṛdayagranthīnārtimāsādayanti tām
Durch reinen Entschluss lösen Menschen meiner Art, deren Zweifel geschwunden sind, die Herzensknoten und erlangen jenen leidfreien Zustand.
Wort für Wort
vyavasāyena śuddhena
durch reinen Entschluss
madvidhaiś chinnasaṃśayāḥ
Menschen meiner Art, deren Zweifel geschwunden sind
vimucya hṛdayagranthīn
die Herzensknoten lösend
ārtim āsādayanti tām
erlangen sie jenen leidfreien Zustand
[?: „ārtim“ hier möglicherweise entstellt überliefert (etwa für „śāntim“, den Zustand der Ruhe); sinngemäß als Erlangen des leidfreien Zustands übersetzt.]
Selbst wer, o Brahmane, wie ich, zu Erkenntnis gelangt, fester Einsicht und frei von Gier ist – ohne festen Entschluss erlangt er jenen höchsten Zustand nicht.
Wort für Wort
mad-vāṃś cotpannavijñānaḥ
auch wer wie ich, zu Erkenntnis gelangt
sthirabuddhir alolupaḥ
fester Einsicht, frei von Gier
vyavasāyād ṛte brahmann
ohne festen Entschluss, o Brahmane
nāsādayati tatpadam
erlangt er jenen Zustand nicht
[?: „mavāṃś“ wohl für „mad-vān“ i.S.v. „meinesgleichen“ gelesen; „sthirabaguddhiḥ“ für „sthirabuddhiḥ“ verlesen.]
nāsti te sukhaduḥkheṣu viśeṣo nāsti vastuṣu / nautsukyaṃ nṛtyagīteṣu na rāga upajāyate
Für dich gibt es keinen Unterschied in Freud und Leid, keinen in den äußeren Dingen; kein Verlangen entsteht in dir bei Tanz und Gesang, keine Leidenschaft.
Wort für Wort
nāsti te sukhaduḥkheṣu
für dich gibt es in Freud und Leid keinen
viśeṣo nāsti vastuṣu
Unterschied; keinen Unterschied gibt es in den Dingen
na bandhuṣu nibandhaste na bhayeṣvasti te bhayam / paśyāmitvāṃ mahābhāga tulyanindātmasaṃstutim
Keine Bindung hast du an Verwandte, keine Furcht hast du vor dem Furchtbaren; ich sehe dich, o Hochgesegneter, dem Tadel wie dem Eigenlob gleichmütig gegenüberstehend,
Wort für Wort
na bandhuṣu nibandhas te
keine Bindung hast du an Verwandte
na bhayeṣv asti te bhayam
keine Furcht hast du vor dem Furchtbaren
paśyāmi tvāṃ mahābhāga
ich sehe dich, o Hochgesegneter
tulyanindātmasaṃstutim
dem Tadel wie dem Eigenlob gleichmütig gegenüberstehend
In eben dem, was hier die Frucht des Brahmanen ist, im auf Erlösung gerichteten, makellosen Streben – darin, o Brahmane, verweilst du bereits; was fragst du noch anderes?
Sanandana sprach: Nachdem er diese Rede gehört hatte, wurde Śuka geläuterten Sinnes, zu festem Entschluss gelangt; nachdem er, durch das Selbst im Selbst verweilend, das Selbst durch das Selbst geschaut hatte,
Wort für Wort
etac chrutvā tu vacanaṃ
nachdem er diese Rede gehört hatte
kṛtātmā kṛtaniścayaḥ
geläuterten Sinnes, zu festem Entschluss gelangt
ātmanātmānam āsthāya
durch das Selbst im Selbst verweilend
dṛṣṭvā cātmānam ātmanā
und das Selbst durch das Selbst geschaut habend
[?: „katātmā“ unsicher, wohl „kṛtātmā“ (geläuterten Sinnes, vollendet) gelesen.]
kṛtakāryaḥ sukhī śāntastūṣṇīṃ prāyādudaṅmukhaḥ / śaiśiraṃ girimāsādya pārāśaryaṃ dadarśa ca
sein Werk vollendet, glückselig und friedvoll, zog er schweigend nordwärts gewandt fort; zum Śaiśira-Berg gelangend, erblickte er den Sohn des Parāśara [Vyāsa]
– Śuka berichtete das Gespräch mit König Janaka über die Mittel zur Erlösung. Nachdem er dies gehört hatte, freute sich jener Schöpfer des Veda [Vyāsa] in seinem Innersten, hocherfreut,
Wort für Wort
śuko janakarājena
Śuka [berichtete das Gespräch] mit König Janaka
saṃvādaṃ mokṣasādhanam
das Gespräch über die Mittel zur Erlösung
tac chrutvā vedakartāsau
nachdem er dies gehört hatte, jener Schöpfer des Veda
Darauf gelangten die Brahmanen, Paila und die anderen, nachdem sie die Veden von Vyāsa erlernt hatten, vom Berggipfel herab zur Erde, dem Opferdienst und dem Unterrichten hingegeben.