Kapitel 86: durgāmantracatuṣṭayavarṇanam
Beschreibung der vier Mantras der Durgā
Kolophon (gemäß Vorgabe/Projektnummerierung): iti śrībṛhannāradīyapurāṇe pūrvabhāge bṛhadupākhyāne tṛtīyapāde durgāmantracatuṣṭayavarṇanaṃ nāma saptāśītitamo 'dhyāyaḥ. [Anm.: Dieser Kolophon (Sanskrit-Zählung: 87. Adhyāya) steht im Quellmaterial am Kopf der Datei des Folgekapitels (src_kap87_raw.txt) und markiert dort das Ende des hier übersetzten Kapitelinhalts (V1-V169: die vier Avatāras der Durgā — Chinnamastā, Tripurabhairavī, Mātaṅgī, Dhūmāvatī —, vgl. V1 'durgāyāścābhidhāsyāmi' und V168 'avatāracatuṣṭayam'). Der Kolophontitel 'durgāmantracatuṣṭayavarṇanam' entspricht hier, anders als in den bereits in Kap. 84/85 dokumentierten Fällen, inhaltlich dem tatsächlichen Kapitelgegenstand; lediglich die Zählung (87. statt 86. Adhyāya) zeigt den dort beschriebenen systematischen Versatz zwischen Kolophon-Position und Kapitelinhalt im Quellmaterial, der hier als philologische Beobachtung festgehalten, nicht redaktionell aufgelöst wird. Sprecher des gesamten Kapitels ist weiterhin Sanatkumāra. Der am Kopf von src_kap86_raw.txt stehende Kolophon des Kap. 85 ('yakṣiṇīmantrasādhananirūpaṇam') wurde bereits in kap85.json verarbeitet und hier nicht wiederholt.
avatāratrayaṃ lakṣmyāḥ kathita te dvijottama / durgāyāścābhidhāsyāmi sarvalokopakārakān
Die drei Avatāras der Lakṣmī sind dir bereits verkündet worden, o Bester der Zweifachgeborenen. Nun werde ich die Avatāras der Durgā verkünden, die allen Welten zum Nutzen gereichen.
Wort für Wort
avatāratrayaṃ lakṣmyāḥ
das Dreifach der Avatāras der Lakṣmī
kathitaṃ te dvijottama
ist dir verkündet, o Bester der Zweifachgeborenen
durgāyāḥ ca abhidhāsyāmi
und die [Avatāras] der Durgā werde ich verkünden
sarvalokopakārakān
die allen Welten nützlich sind
[Anm.: Die Redeeinleitung „sanatkumāra uvāca" steht im Quelltext unmittelbar vor V1, ist aber nicht Teil der Verszählung. Davor findet sich im Rohtext src_kap86_raw.txt zudem der Kolophon des vorangehenden Kapitels (85, „yakṣiṇīmantrasādhananirūpaṇam"), der bereits in kap85.json verarbeitet wurde und hier nicht erneut aufgeführt wird; vgl. dortige Anmerkung zur Kolophon-Verschiebung.]
Der Praṇava [oṃ], Śrī, das Paar der Śivā, das Wort von Vāṇī und Vairocanī, das mit Vajra beginnende, die 'Hungrige', die 'Feine', die 'Tote', verbunden mit dem eigenen Feuer und Mond —
Wort für Wort
praṇavaḥ śrīḥ
der Praṇava [oṃ], Śrī
śivāyugmaṃ vāṇīvairocanīpadam
das Paar der Śivā, das Wort von Vāṇī-Vairocanī
vajrādyaṃ kṣudhitā sūkṣmā
das mit Vajra beginnende, die 'Hungrige', die 'Feine'
mṛtā svāgnīndusaṃyutā
die 'Tote', verbunden mit dem eigenen Feuer und Mond
[Anm.: Dieser und die folgenden Verse (V2-V3) verschlüsseln den Wurzelmantra (mūlamantra) der Chinnamastā nach tantrischer mantroddhāra-Konvention in Decknamen für einzelne Silben/Laute (z. B. 'Feuer' = ra, 'Mond'/'Feine' = Bindu/Anusvāra, 'Hungrige'/'Tote' = weitere Lautkategorien); eine erzwungene phonetische Volldechiffrierung wird hier unterlassen, da die Kodierung selbst der in V31 ausdrücklich geforderten Geheimhaltung (gopanīya) dient.]
Nachdem man Śivā und Phaṭ eingesetzt hat, endend auf Svāhā, mit einer Silbenzahl jenseits des Aṣṭi-Maßes — Bhairava ist sein Weiser (Ṛṣi), Samrāṭ das Versmaß (Chandas), [Chinnamastā] die Gottheit des Mantras.
Wort für Wort
pratiṣṭhāpya śivā phaṭ ca
nachdem man Śivā und Phaṭ eingesetzt hat
svāhānto 'tyaṣṭivarṇavān
auf Svāhā endend, mit Silbenzahl jenseits des Aṣṭi-Maßes
bhairavo 'sya muniḥ
Bhairava ist sein Weiser (Ṛṣi)
samrāṭ chando mantrasya devatā
Samrāṭ das Versmaß; [die folgende] die Gottheit des Mantras
Chinnamastā [ist die Gottheit]; Ramā [Śrīṃ] ist das Bīja; Svāhā wird als die Śakti bezeichnet. 'Āṃ khaḍgāya' ist als Herz(-Mantra) bekannt, 'īṃ khaḍgāya' gilt als Haupt(-Mantra).
Wort für Wort
chinnamastā ramā bījaṃ
Chinnamastā [ist die Gottheit]; Ramā [Śrīṃ] ist das Bīja
'Oṃ vajrāya' wird als Śikhā (Scheitellocken-Mantra) verkündet; 'aiṃ pāśāya' ist die Körperhülle (Kavaca); 'oṃ aṅkuśāya' soll das Auge (Netra-Mantra) sein; der Visarga, verbunden mit Vasu und Rakṣā, [bildet das Astra].
Wort für Wort
oṃ vajrāya śikhā proktā
'oṃ vajrāya' wird als Śikhā verkündet
aiṃ pāśāya tanucchadam
'aiṃ pāśāya' ist die Körperhülle (Kavaca)
auṃ aṅkuśāya netraṃ syāt
'oṃ aṅkuśāya' soll das Auge (Netra) sein
visargo vasurakṣayuk
der Visarga, verbunden mit Vasu und Rakṣā [bildet das Astra]
[Anm.: V4–V5 legen die ṣaḍaṅga-Formel (Herz, Haupt, Śikhā, Kavaca, Netra, Astra) des Chinnamastā-Mantras in Decknamen fest.]
Und das Paar der Māyā bildet das Astra-Glied; die Glieder-Mantras beginnen mit dem Praṇava und enden ebenso auf Svāhā. Nachdem man so die Gliedmaßen-Nyāsa vollzogen hat, meditiere man sodann über die Mutter (Ambikā).
Wort für Wort
māyāyugmaṃ ca astram aṅgaṃ
und das Paar der Māyā bildet das Astra-Glied
manavaḥ praṇavādikāḥ
die Glieder-Mantras beginnen mit dem Praṇava
svāhāntāḥ ca evam aṅgāni
und enden ebenso auf Svāhā, die Glieder
kṛtvā dhyāyet athāṃbikām
nachdem man dies vollzogen hat, meditiere man dann über die Mutter
Man meditiere über die Mutter, die im Kreis der Sonnenscheibe thront, deren abgetrenntes, eigenes Haupt aufgelöste Locken [hat] und einen weit geöffneten Mund [?] [besitzt], während es ihr eigenes, aus dem Hals herabströmendes Blut trinkt,
Wort für Wort
bhānumaṇḍalasaṃsthānāṃ
die im Kreis der Sonnenscheibe weilt
pravikīrṇālakaṃ śiraḥ
[deren] Haupt mit aufgelösten Locken
chinnaṃ svakaṃ sphaāramukhaṃ [?]
abgetrennt, das eigene, mit weit geöffnetem Mund [?]
svaraktaṃ prapibadgalat
während es ihr eigenes, aus dem Hals strömendes Blut trinkt
[Anm.: 'sphaāramukhaṃ' im Quelltext unklar, vermutlich verderbt für 'sphāritamukham'/'sphāramukham' ('mit weit geöffnetem Mund'); mit [?] markiert. 'prapibadgalat' als 'prapibat' (trinkend) + 'galat' (aus dem Hals/herabfließend) gedeutet.]
die oberhalb des in Liebesvereinigung versunkenen eigenen Paares Rati und Manmatha (Kāma) steht, [begleitet] von den beiden Gefährtinnen Ḍākinī und Varṇinī, die [sie] betrachten, von der Fülle der Wonne erfüllt,
Wort für Wort
uparisthāṃ
die oberhalb stehende
ratāsaktaratimanmathayornije
auf dem in Liebesvereinigung versunkenen eigenen Paar Rati und Manmatha (Kāma)
ḍākinīvarṇinīsakhyau
die beiden Gefährtinnen Ḍākinī und Varṇinī
dṛṣṭvā modabharākulām
die [sie] betrachtend, von Wonnefülle erfüllt
[Anm.: Klassische Ikonographie der Chinnamastā: stehend auf dem in sexueller Vereinigung befindlichen Paar Kāma (Manmatha) und Rati, flankiert von den Yoginīs Ḍākinī und Varṇinī.]
Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man den Mantra viermal hunderttausendmal; ein Zehntel davon opfere man im Feuer mit Palāśa- oder Bilva-Blüten oder -Früchten.
Wort für Wort
dhyātvā evaṃ prajapet
nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [den Mantra]
lakṣacatuṣkaṃ
viermal hunderttausendmal
taddaśāṃśataḥ
ein Zehntel davon [als Opferzahl]
pālāśairvilvajairvāpi juhuyātkusumaiḥ phalaiḥ
opfere man mit Palāśa- oder Bilva-Blüten oder -Früchten
Auf dem Sitz (Pīṭha), der, beginnend mit der Ādhāra-Śakti bis hin zum höchsten Prinzip (Para-tattva), verehrt wird, [walten die Śaktis] namens Jayā, Vijayā, Jitā und auch Parājitā,
Wort für Wort
ādhāraśaktimārabhya
beginnend mit der Ādhāra-Śakti (Trägerkraft)
paratattvāntapūjite pīṭhe
auf dem bis zum höchsten Prinzip verehrten Sitz (Pīṭha)
nityā vilāsinī ṣaṣṭhī dogdhya ghorā ca maṅgalā / dikṣu madhye ca saṃpūjyā nava pīṭhasya śaktayaḥ
Nityā, Vilāsinī als sechste, Dogdhrī, Ghorā sowie Maṅgalā — dies sind, in den Himmelsrichtungen und in der Mitte zu verehren, die neun Śaktis des Sitzes (Pīṭha).
'O Verleiherin aller Weisheit', 'o Preisenswerte' — 'sarvabhṛguḥ' als Gleichlaut [?] —, 'o Verleiherin der Vollkommenheit (Siddhi)', 'o Ḍākinī': Tāra [oṃ], Vajra, zusammen mit dem Elementaren (Bhautika) [bilden die jeweiligen Mantren].
Wort für Wort
sarvabuddhiprade varṇanīye
'o Verleiherin aller Weisheit', 'o Preisenswerte'
sarvabhṛguḥ sadṛk
'sarvabhṛguḥ' als Gleichlaut [?]
siddhiprade ḍākinīye
'o Verleiherin der Vollkommenheit', 'o Ḍākinī'
tāro vajraḥ sabhautikaḥ
Tāra [oṃ], Vajra, mitsamt dem Elementaren (Bhautika)
[Anm.: Stark verdichteter mantroddhāra-Vers zur Kodierung der Einzelmantren der neun Pīṭha-Śaktis (vgl. Anm. zu V2); 'sarvabhṛguḥ sadṛk' bleibt in der wörtlichen Bedeutung unsicher und ist mit [?] markiert.]
'Khaḍgīśa', am Ende 'Rocanī', '[o Göttin,] verleihe Glück (bhaga)', 'namaḥ' als Schlusssilbe — dies ist, mit Tāra beginnend, der Pīṭha-Mantra, der als aus 'Veda-Rāma'-Silbenzahl bestehend gilt.
Wort für Wort
khaḍgīśo rocanīyente
'Khaḍgīśa', am Ende 'Rocanī'
bhagaṃ dhehi namontakaḥ
'verleihe Glück', 'namaḥ' als Schlusssilbe
tārādipīṭhamantro 'yaṃ
dies ist der mit Tāra beginnende Pīṭha-Mantra
vedarāmākṣaro mataḥ
der als aus 'Veda-Rāma'-Silbenzahl (wohl 34) bestehend gilt
[Anm.: 'vedarāmākṣaraḥ' vermutlich Zahlwort-Code (bhūtasaṃkhyā-Konvention: veda=4, rāma=3), also wohl '34 Silben'; Lesung unsicher und mit [?] zu verstehen.]
samarpyāsanametena tatra saṃpūjayecchivām / trikoṇamadhyaṣaṭkoṇapadmabhūpuramadhyataḥ
Nachdem man mit diesem [Mantra] den Sitz (Āsana) dargebracht hat, verehre man dort die Śivā (Göttin), inmitten von Dreieck, mittigem Sechseck, Lotus und Bhūpura (Umwallung), von der Mitte aus,
Wort für Wort
samarpyāsanametena
nachdem man mit diesem [Mantra] den Sitz dargebracht hat
beginnend mit der äußeren Umhüllung verehre man in umgekehrter Reihenfolge [von außen nach innen]; in den äußeren Bereichen des Bhūpura verehre man die Gottheiten, beginnend mit Vajrā.
Wort für Wort
bāhyāvaraṇamārabhya
beginnend mit der äußeren Umhüllung
pūjayetpratilomataḥ
verehre man in umgekehrter Reihenfolge (von außen nach innen)
Innerhalb davon verehre man die Herren der Himmelsrichtungen, beginnend mit dem König der Götter [Indra]; an den vier Toren des Bhūpura verehre man sodann die Torwächter.
Wort für Wort
tadantaḥ surarājādīn
innerhalb davon, beginnend mit dem König der Götter
Karāla und Vikarāla [sind die ersten beiden Torwächter], Atikāla der dritte, Mahākāla sei der vierte; sodann folgen auf dem Lotus die gewünschten [acht] Śaktis.
Wort für Wort
karālavikarālākhyā
die beiden genannt Karāla und Vikarāla
vatikālastṛtīyakaḥ
Atikāla der dritte
mahākālaścaturthaḥ syāt
Mahākāla sei der vierte
atha padmeṣṭaśaktayaḥ
sodann auf dem Lotus die gewünschten Śaktis
[Anm.: 'vatikālaḥ' vermutlich verlesen/verschliffen für 'atikālaḥ'.]
und Saṃhāriṇī als achte — so [die acht Yoginīs auf dem Lotus]; im Sechseck [befinden sich] die Glieder-Gottheiten; im Dreieck thront Chinnamastā, an ihren beiden Seiten aber das Gefährtinnenpaar [Ḍākinī und Varṇinī].
Wort für Wort
saṃhāriṇyaṣṭamī ceti
und Saṃhāriṇī als achte — so [die acht]
ṣaṭkoṇeṣvaṅgamūrtayaḥ
im Sechseck [befinden sich] die Glieder-Gottheiten
Die als Ḍākinī [und] Varṇinī bezeichneten [Gefährtinnen] verehre man mit Tāra und Vāgbhava [oṃ und aiṃ]. Wenn so durch Verehrung u. a. der Mantra vollkommen (siddha) geworden ist, [erlangt] der Mantra-Kundige [all seine] Herzenswünsche,
Wort für Wort
ḍākinīvarṇanīsaṃjñaṃ
die als Ḍākinī [und] Varṇinī bezeichneten [Gefährtinnen]
tārāvāgbhyāṃ prapūjayet
verehre man mit Tāra und Vāgbhava (oṃ, aiṃ)
evaṃ pūjādibhiḥ siddhe mantre
wenn so durch Verehrung u. a. der Mantra vollkommen geworden ist
mantrī manorathān
[erlangt] der Mantra-Kundige [seine] Herzenswünsche
— er erlange sogleich alle, auch schwer erreichbaren Wünsche, durch ihre Gnade. Mit Śrī-Blüten erlangt er Lakṣmī, und mit deren Früchten das Erwünschte.
Wort für Wort
prāpnuyānnikhilānsadyo
er erlange sogleich alle
durlabhāṃstatprasādataḥ
auch schwer erreichbaren [Wünsche], durch ihre Gnade
śrīpuṣpairlabhate lakṣmīṃ
mit Śrī-Blüten erlangt er Lakṣmī
tatphailaśca samīhitam
und mit deren Früchten das Erwünschte
[Anm.: 'tatphailaḥ' vermutlich für 'tatphalaiḥ' ('mit deren Früchten').]
vāksiddhiṃ mālatīpuṣpaiścaṃpakairhavanātsukham / ghṛtāktaṃ chāgamāṃsaṃ yo juhuyātpratyahaṃ śatam
Vollkommenheit der Rede erlangt man mit Mālatī-Blüten, mit Campaka-Blüten durch das Opfer Glück. Wer geghertes Ziegenfleisch täglich hundertmal darbringt,
— er überwindet die Krankheitsschar und lebt glücklich hundert Jahre. Wenn er mit roten [Blüten (?)] in ebendieser Zahl opfert, unterwirft der Mantra-Kundige die Könige seinem Willen.
Wort für Wort
rogajālaṃ parābhūya
die Krankheitsschar überwindend
sukhī jīvecchataṃ samāḥ
lebt er glücklich hundert Jahre
raktau statsaṃkhyayā hutvā
mit roten [Blüten?] in ebendieser Zahl opfernd [?]
vaśayenmantriṇo nṛpān
unterwirft der Mantra-Kundige die Könige
[Anm.: 'raktau' unklare Form, vermutlich für 'raktaiḥ' ('mit roten [Blüten]'); mit [?] markiert.]
Mit Früchten des Uduṃbara- oder Palāśa-Baumes geopfert, erlangt man Lakṣmī; mit Schakalfleisch eben diese Fülle; mit Reisbrei (Pāyasa) als Opferspeise Dichtkunst,
Wort für Wort
phalairhutvāmuyāllakṣmīm
mit Früchten geopfert erlangt man Lakṣmī
uduṃbarapalāśajaiḥ
die vom Uduṃbara- oder Palāśa-Baum stammen
gomāyumāṃsaistāmeva
mit Schakalfleisch eben diese [Fülle]
kavitāṃ pāyasāṃdhasā
Dichtkunst mit Reisbrei als Opferspeise
[Anm.: 'pāyasāṃdhasā' als 'pāyasa-andhasā' ('mit Reisbrei als Speiseopfer') gedeutet.]
Mit dem Rajas (Menstrualblut) von Frauen erreicht man Anziehung, mit Hirschfleisch das Gewünschte; Lähmung (Stambhana) bewirkt man mit Büffelfleisch, auch mit Lotusblüten samt Ghee.
Wort für Wort
nārīrajobhirākṛṣṭairmṛgamāṃsaiḥ
mit dem Rajas der Frauen erreicht man Anziehung, mit Hirschfleisch
Im Scheiterhaufenfeuer opfere man mit Kuckucksfedern zum Tod eines Feindes; im mit Unmatta-Holz (Datura) entfachten Feuer erzielt man dasselbe Ergebnis mit Krähenfedern.
Wort für Wort
citāgnau parabhṛtpakṣair
im Scheiterhaufenfeuer mit Kuckucksfedern
jurhuyādarimṛtyave
opfere man zum Tod eines Feindes
unmattakāṣṭhadīpte 'gnau
im mit Datura-Holz entfachten Feuer
tatphalaṃ vāyasacchadaiḥ
dasselbe Ergebnis mit Krähenfedern
[Anm.: 'jurhuyāt' Schreibvariante/Tippfehler für 'juhuyāt'.]
Beim Würfelspiel, im Wald, am Königstor, in der Schlacht, in Feindesnot — der Mantra-Kundige erlangt Sieg, indem er die Göttin meditiert und den Mantra rezitiert.
Wort für Wort
dyūte vane nṛpadvāre
beim Würfelspiel, im Wald, am Königstor
samare vairisaṃkaṭe
in der Schlacht, in Feindesnot
vijayaṃ labhate mantrī
erlangt der Mantra-Kundige Sieg
dhyāyandevīṃ japanmanum
indem er die Göttin meditiert und den Mantra rezitiert
Für Genuss und Erlösung meditiere man die Göttin als weiß; bei der Austreibung (Uccāṭana) als von blauem Glanz; bei der Unterwerfung (Vaśīkaraṇa) als rot, beim Tötungsritus als rauchfarben, bei der Lähmung (Stambhane) als goldglänzend.
Wort für Wort
bhuktyai muktyai sitāṃ dhyāyet
für Genuss und Erlösung meditiere man [sie] als weiß
uccāṭe nīlarociṣam
bei der Austreibung als blau glänzend
raktāṃ vaśye mṛtau dhūmrāṃ
rot bei der Unterwerfung, rauchfarben beim Tötungsritus
Bei Nacht bringe man ihr ein Opfer (Bali) dar, zum Erfolg mit Wein und anderem. Diese Anwendung ist geheim zu halten; sie wird als die Verleiherin aller Vollkommenheiten bezeichnet.
Wort für Wort
niśi dadyādbaliṃ tasyai
bei Nacht bringe man ihr ein Opfer dar
siddhaye madirādinā
zum Erfolg mit Wein und anderem
gopanīyaḥ prayogo 'yaṃ
diese Anwendung ist geheim zu halten
procyate sarvasiddhidaḥ
sie wird als Verleiherin aller Vollkommenheiten bezeichnet
An einem [bestimmten Tag (?)] der dunklen Monatshälfte, um Mitternacht, wenn dichte Finsternis herrscht, bade man, kleide sich in rote Gewänder, [schmücke sich] mit roten Girlanden und rotem Salböl,
Wort für Wort
bhūtāhe kṛṣṇapakṣasya
an [einem best. Tag (?)] der dunklen Monatshälfte
madhyarātre tamoghane
um Mitternacht, in dichter Finsternis
snāttvā raktāmbaradharo
gebadet, rote Gewänder tragend
raktamālyānulepanaḥ
mit roten Girlanden und Salböl
[Anm.: 'bhūtāhe' unklar, evtl. 'am Tag des Bhūta/Erdgeists' oder Bezeichnung eines Wochentags (Dienstag/Bhauma?); Lesung mit [?] markiert.]
— man führe eine Frau herbei und verehre sie als das eigentliche Wesen der Chinnamastā, schön, von Jugend erfüllt, die bereits mit fünf Männern verkehrt hat,
lieblich lächelnd, mit [gelöstem (?)] Haar, durch die Gabe von Schmuck zufriedengestellt; nachdem man sie unbekleidet verehrt hat, rezitiere man den Mantra zehntausendmal.
Wort für Wort
susmitāṃ muktakabīrīṃ
lieblich lächelnd, mit [gelöstem?] Haar
bhūṣādānapratoṣitām
durch die Gabe von Schmuck zufriedengestellt
vivastrāṃ pūjayitvaināṃ
nachdem man sie unbekleidet verehrt hat
ayutaṃ prajapenmanum
rezitiere man den Mantra zehntausendmal
[Anm.: 'muktakabīrīṃ' unklar, evtl. verderbt für 'muktakeśīṃ' ('mit gelöstem Haar'); Lesung mit [?] markiert.]
Nachdem man ihr ein Opfer dargebracht, die Nacht mit ihr verbracht und sie, durch Reichtum zufriedengestellt, entlassen hat, speise man Brahmanen mit mancherlei Speisen und anderem.
Wort für Wort
baliṃ dattvā niśāṃ nītvā
nachdem man ein Opfer dargebracht und die Nacht verbracht hat
saṃpreṣya dhanatoṣitām
nachdem man sie, durch Reichtum zufriedengestellt, entlassen hat
Durch dieses Verfahren erlangt man Reichtum (Lakṣmī), Söhne, Enkel, Vermögen, Ruhm, eine Gattin, langes Leben, Glück, Rechtschaffenheit (Dharma) und alles sonst Gewünschte.
Wort für Wort
anena vidhinā lakṣmīṃ
durch dieses Verfahren Reichtum
putrānpautrāndhanaṃ yaśaḥ
Söhne, Enkel, Vermögen, Ruhm
nārīmāyuḥ sukhaṃ dharmam
eine Gattin, Lebensdauer, Glück, Rechtschaffenheit
In jener Nacht ist von dem nach heiligem Wissen verlangenden Mantra-Kundigen ein Gelübde (Vrata) zu vollziehen; auch bei anderen Wünschen gehe man zu ihr, den Mantra rezitierend.
Nach dem Aufstehen in der Morgendämmerung, auf dem Bett sitzend, rezitiere man hundertmal; binnen sechs Monaten besiegt der Mantra-Kundige durch seine Dichterkunst jeden Dichter.
Wort für Wort
uṣasyutthāya śayyāyām
nach dem Aufstehen in der Morgendämmerung, auf dem Bett
Da dieser [Mantra] von Śiva 'verriegelt' (kīlita) worden ist, wird nun dessen Entriegelung (Utkīlana) verkündet: der Mantra-Kundige rezitiere Māyā [hrīṃ], eingefasst von Tāra [oṃ], hundertundacht Mal.
Wort für Wort
śivena kīlitā ceyaṃ
und dieser ist von Śiva verriegelt worden
tadutkīlanamucyate
seine Entriegelung wird [nun] verkündet
māyāṃ tārapuṭāṃ mantrī
Māyā [hrīṃ], eingefasst von Tāra [oṃ], der Mantra-Kundige
mantrasyādau tathaivānte bhavetsiddhipradā tu sā / uditā chinnamasteyaṃ kalau śīghramabhīṣṭadā
Am Anfang des Mantras und ebenso an dessen Ende platziert, wird sie zur Verleiherin der Vollkommenheit. So ist diese Chinnamastā verkündet worden, die im Kali-Zeitalter rasch die Wünsche erfüllt.
avatārāntaraṃ devyā vacmi te munisattama / jñānāmṛtāruṇā śvetākrodhinīndusamanvitā
Einen weiteren Avatāra der Göttin will ich dir verkünden, o Bester der Weisen: den 'Nektar des Wissens', 'die Rote', 'die Weiße', verbunden mit 'der Zornigen' (Krodhinī) und dem Mond (Bindu) —
Wort für Wort
avatārāntaraṃ devyā
einen weiteren Avatāra der Göttin
vacmi te munisattama
will ich dir verkünden, o Bester der Weisen
jñānāmṛtāruṇā śvetā
'Nektar des Wissens', 'die Rote', 'die Weiße'
krodhinīndusamanvitā
verbunden mit 'der Zornigen' und dem Mond (Bindu)
[Anm.: V41 leitet zur zweiten Avatāra (Tripurabhairavī, vgl. V43) über; die zweite Vershälfte kodiert erneut in Decknamen Bestandteile des Mantras (vgl. Anm. zu V2).]
'Friede', ebenso 'von solcher Art', auch mit 'niederer Schöpfung' verbunden, desgleichen — Vāgbhava, genannt Kāmarāja, ebenso das genannte Śakti-Bīja [werden verwendet],
Wort für Wort
śāntistathāvidhā cāpi
'Friede', ebenso 'von solcher Art' [?]
nīcasargānvitāstathā
auch mit 'niederer Schöpfung' [?] verbunden, desgleichen
vāgbhavaṃ kāmarājākhyaṃ
Vāgbhava [aiṃ], genannt Kāmarāja [klīṃ]
śaktibījāhvayaṃ tathā
ebenso das genannte Śakti-Bīja [hrīṃ]
[Anm.: Erste Verszeile in der wörtlichen Bedeutung unsicher (Deckbegriffe der mantroddhāra-Kodierung, vgl. Anm. zu V2), mit [?] markiert. Zweite Zeile nennt die drei klassischen Bīja der Tripurā-Vidyā-Tradition: vāgbhava (aiṃ), kāmarāja (klīṃ) und śaktibīja (hrīṃ).]
Aus den drei Bīja, aus fünf Kūṭas (Silbengruppen) bestehend, [ist der Mantra der] Tripurabhairavī; als Ṛṣi gilt Dakṣiṇāmūrti, als Versmaß wird Paṅkti verkündet,
als Gottheit haben die Lehrmeister die Göttin Tripurabhairavī genannt. Nachdem der Mantra-Kundige das Vāgbhava[-Bīja] vom Nabel bis zu den Füßen platziert hat, [platziere er] wiederum —
Wort für Wort
devatā deśikairuktā
als Gottheit haben die Lehrmeister genannt
devī tripurabhairavī
die Göttin Tripurabhairavī
nābherācaraṇaṃ nyasya
nachdem [das Bīja] vom Nabel bis zu den Füßen platziert wurde
Das erste und zweite [Bīja] platziere man auf den beiden Händen, das dritte auf beiden [zugleich]; nachdem man sie am Mūlādhāra und am Herzen platziert hat, [wiederhole man] wieder die drei Bīja der Reihe nach.
Wort für Wort
ādyaṃ dvitīyaṃ karayoḥ
das erste und zweite auf den beiden Händen
tārtīyamubhayaṃ nyaset
das dritte platziere man auf beiden [Händen]
mūlādhāre hṛdi nyasya
nachdem man sie am Mūlādhāra und am Herzen platziert hat
Die aus den neun Yonis bestehende Nyāsa führe man wiederum mit den drei Bīja aus; sodann vollziehe man, nach der bei Bālā genannten Art, die Mūrti-Nyāsa (Platzierung der Gestalten).
Wort für Wort
navayonyātmakaṃ nyāsaṃ
die aus den neun Yonis bestehende Nyāsa
kuryādbījaistribhiḥ punaḥ
führe man wiederum mit den drei Bīja aus
bāloditaprakāreṇa
nach der bei Bālā genannten Art
mūrtinyāsamathācaret
vollziehe man sodann die Mūrti-Nyāsa
[Anm.: Verweis auf ein andernorts (im Bālā-Abschnitt) bereits geschildertes Nyāsa-Verfahren, das hier analog angewandt wird.]
Der Selbstkundige platziere, jeweils mit dem eigenen Bīja voran, auf dem Haupt Īśāna [und] Manobhava (Kāma), auf dem Antlitz Tatpuruṣa [und] Makaradhvaja (Kāma),
Sadyojāta [und] Kāmadeva platziere man sodann auf den Füßen — sie [entsprechen den] Gesichtern [gewandt] nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen.
Wort für Wort
sadyojātaṃ kāmadevaṃ
Sadyojāta [und] Kāmadeva
pādayorvinyasettataḥ
platziere man sodann auf den Füßen
ūrddhvaṃprāgdakṣiṇodīcya-
[entsprechend den Gesichtern gewandt] nach oben, Osten, Süden, Norden
paścimeṣu mukheṣu tān
und Westen — diese [Gottheiten] in den Gesichtern
[Anm.: Korrelation der fünf Śiva-Gesichter (Īśāna, Tatpuruṣa, Aghora, Vāmadeva, Sadyojāta aus V48-50) mit den fünf Richtungen Zenit, Ost, Süd, Nord, West (Pañcabrahma-Schema).]
Man platziere [sie] wie zuvor; Bhṛgu, im Raum und im Feuer befindlich — das Bīja dieser fünf [Gestalten], beginnend mit Sadya[jāta] und mit den fünf Kurzvokalen beginnend, wird verkündet.
Wort für Wort
pravinyasedya dhāpūrva
man platziere [sie] wie zuvor [?]
bhṛgurvyomāgnisaṃsthitaḥ
Bhṛgu, im Raum und im Feuer befindlich [?]
sadyādipañcahrasvādyā
von diesen fünf, beginnend mit Sadya[jāta] und den Kurzvokalen
bījameṣāṃ prakīrtitam
wird das Bīja verkündet
[Anm.: Stark verdichteter und in der Lesung unsicherer Vers zur Bīja-Bildung der fünf Pañcabrahma-Mantren (Sadyojāta usw.); wörtliche Übersetzung versucht, phonetische Auflösung nicht erzwungen (vgl. Anm. zu V2); mehrere Wortfügungen mit [?] zu verstehen.]
Mit dem ersten Bīja, verbunden mit den sechs Langvokalen, gilt die Glieder-Handlung (Aṅga-Nyāsa) [als vollzogen]; sodann platziere der Mantra-Kundige die fünf [Liebes-]Pfeile, die die drei Welten bezaubern,
Wort für Wort
ṣaḍdīrghayuktenādyena
mit dem ersten, mit den sechs Langvokalen verbundenen
'Drāviṇī', beginnend mit Drāṃ, auf dem Haupt; 'Kṣobhaṇī', beginnend mit Drāṃ, an den Füßen; 'Vaśīkaraṇī' [mit] Klīṃ, im Gesicht; im Schambereich die mit dem Bīja Bḷṃ beginnende [Pfeilgottheit],
Wort für Wort
drāmādyāṃ drāviṇīṃ mūrdhniṃ
'Drāviṇī', beginnend mit Drāṃ, auf dem Haupt
drāmādyāṃ kṣobhaṇī pade
'Kṣobhaṇī', beginnend mit Drāṃ, an den Füßen
klīṃvaśīkaraṇīṃ vaktre
'Vaśīkaraṇī' [mit] Klīṃ, im Gesicht
guhye bḷṃ bījapūrvikām
im Schambereich die mit dem Bīja Bḷṃ beginnende [Pfeilgottheit]
[Anm.: Die zweite 'drāmādyāṃ' (bei Kṣobhaṇī) wiederholt wörtlich das Bīja der ersten Zeile; im Quelltext möglicherweise ein Abschreibfehler für ein anderes Bīja, hier unverändert wiedergegeben.]
'Ākarṣaṇī' wiederum auf dem Herzen, am Ende mit Bhṛgu stehend; ebenso, der Reihe nach, 'Saṃmohanī' — dies ist die verkündete Pfeil-Nyāsa (Anordnung der Pfeile).
Wort für Wort
ākarṣaṇīṃ hṛdi punaḥ
'Ākarṣaṇī' wiederum auf dem Herzen
sarvāntabhṛgusaṃsthitām
am Ende mit Bhṛgu stehend [?]
saṃmohanīṃ kramādevaṃ
ebenso der Reihe nach 'Saṃmohanī'
bāṇanyāso 'yamīritaḥ
dies ist die verkündete Pfeil-Nyāsa
[Anm.: 'sarvāntabhṛgusaṃsthitām' in der genauen Bīja-Zuordnung unklar; mit [?] markiert.]
bhālabhrūmadhyavadane ghaṇṭikākaṇṭhahṛtsu ca / nābhyadhiṣṭhānayoḥ pañca tārādyāḥ subhagādikāḥ
Auf Stirn, Augenbrauenmitte, Antlitz, am Zäpfchen (Ghaṇṭikā), an Kehle und Herz, sowie am Nabel und am unteren Sitz (Adhiṣṭhāna) [platziere man] die fünf, mit Tāra beginnenden, mit Subhagā beginnenden [Göttinnen],
Wort für Wort
bhālabhrūmadhyavadane
auf Stirn, Augenbrauenmitte, Antlitz
ghaṇṭikākaṇṭhahṛtsu ca
am Zäpfchen, an Kehle und Herz
nābhyadhiṣṭhānayoḥ
am Nabel und am unteren Sitz
pañca tārādyāḥ subhagādikāḥ
die fünf, mit Tāra beginnenden, mit Subhagā beginnenden [Göttinnen]
die Hauptgottheiten, geschmückt mit [eigener] Farbe, Zierde und anderem, deren Lotushände reich sind an Rosenkranz, Buch, sowie den Gesten der Furchtlosigkeit und Gabenspende,
Vāk [aiṃ], Kāma [klīṃ], Blūṃ, Strīṃ, [und] Sara am Ende — dies sind die verkündeten fünf [Bīja-]Silben. Sodann vollziehe man, o Weiser, auf die genannte Weise die 'Schmuck' (Bhūṣaṇa) genannte Nyāsa.
So, nachdem er den Mantra auf seinem Körper platziert hat, meditiere er über Tripurabhairavī, die dem Glanz von tausend Sonnen gleicht, in rotes Seidengewand gekleidet,
Wort für Wort
evaṃ nyastaśarīro 'sau
so, nachdem er [den Mantra] auf seinem Körper platziert hat
śiromālāmasṛgliptastanīṃ japavaṭīṃ karaiḥ / vidyāmabhītiṃ ca varaṃ dadhatīṃ trīkṣaṇānanām
mit einer Kopf(schädel)-Girlande [geschmückt], deren Brüste mit Blut benetzt sind, mit einer Gebetsschnur (Japamālā) in den Händen, das Wissen[sbuch], die Geste der Furchtlosigkeit und die Geste der Gabenspende haltend, mit dreiäugigem Antlitz.
Wort für Wort
śiromālāmasṛgliptastanīṃ
mit Kopf(schädel)-Girlande, deren Brüste mit Blut benetzt sind
japavaṭīṃ karaiḥ
mit einer Gebetsschnur in den Händen
vidyāmabhītiṃ ca varaṃ
das Wissen[sbuch], die Furchtlosigkeit und die Gabenspende
Nachdem man die Einweihung (Dīkṣā) erhalten hat, rezitiere man den Mantra, mit gezügelten Sinnen, [so oft wie] die Tattva-Zahl mal hunderttausend [2.500.000-mal]; mit Blüten des Brahma-Baumes (Palāśa) opfere man zwölftausendmal,
Wort für Wort
dīkṣāṃ prāpya japenmantraṃ
nachdem man die Einweihung erhalten hat, rezitiere man den Mantra
tattvalakṣaṃ jitendriyaḥ
[so oft wie] die Tattva-Zahl mal hunderttausend, mit gezügelten Sinnen
puṣpairbhānusahasrāṇi
mit Blüten zwölftausendmal
juhuyādbahmavṛkṣajaiḥ
opfere man, [Blüten] vom Brahma-Baum (Palāśa) stammend
[Anm.: 'tattvalakṣam' als Zahlwort-Code gedeutet (tattva=25 in der Sāṃkhya-Zählung × lakṣa=100.000 = 2.500.000); 'bhānusahasrāṇi' analog als '12 × 1000' (bhānu=12, Anzahl der Ādityas) gedeutet. Beide Lesungen mit [?] zu verstehen.]
— oder mit Blüten, die in den drei Süßigkeiten (Honig, Zucker, Ghee) getränkt sind, vom Karavīra-Strauch stammend. Man gestalte einen Lotus mit acht Blütenblättern, mit einer aus neun Yonis bestehenden, achtteiligen Blütenmitte (Karṇikā),
Wort für Wort
trimadhvaktaiḥ prasūnairvā
oder mit in den drei Süßigkeiten getränkten Blüten
karavīrasamudbhavaiḥ
vom Karavīra-Strauch stammend
padmaṃ vasudalopetaṃ
einen Lotus mit acht Blütenblättern
navayonyaṣṭakarṇikam
mit einer aus neun Yonis bestehenden achtteiligen Blütenmitte
ratipriyā madānandā navamī syānmanonmanī / varadābhayadhāriṇyaḥ saṃproktā nava śaktayaḥ
Ratipriyā, Madānandā, [und] die neunte sei Manonmanī — [alle] die Gesten der Gabenspende und Furchtlosigkeit tragend, so werden die neun Śaktis verkündet.
Wort für Wort
ratipriyā madānandā
Ratipriyā, Madānandā
navamī syānmanonmanī
die neunte sei Manonmanī
varadābhayadhāriṇyaḥ
die Gesten der Gabenspende und Furchtlosigkeit tragend
Vāgbhava [aiṃ], 'der Rote' für Rāyā, Śrīkaṇṭha, 'der Rote', 'das Feuer' (Analaḥ), das Langvokal-Element für eine andere, Parā, danach für Aparā, verbunden mit Ha [und] Sa —
Wort für Wort
vāgbhavaṃ lohito rāyai
Vāgbhava [aiṃ], 'der Rote' für Rāyā [?]
śrīkaṇṭho lohito 'nalaḥ
Śrīkaṇṭha, 'der Rote', 'das Feuer' (Analaḥ)
dīrghavānyai parā paścād
das Langvokal-Element für eine andere, Parā, danach
aparāyau hasau yutaḥ
für Aparā, verbunden mit Ha [und] Sa
[Anm.: Stark kodierter mantroddhāra-Vers (vgl. Anm. zu V2) zur Bildung des in V67 verwendeten Sitz-(Āsana-)Mantras; wörtliche, aber in der phonetischen Auflösung unsichere Wiedergabe, mit [?] markiert.]
'[Der Mantra] endend auf Sadāśiva, Mahāpreta, Aṅ [und] Eṃ, [gefolgt von] »padmāsanāya namaḥ«' — mit diesem Mantra bringe man den Sitz (Āsana) dar, gemäß der Überlieferung des ehrwürdigen Guru (Śrī-guru-krama).
Wort für Wort
sadāśivamahāpretaṅeṃtaṃ
endend auf Sadāśiva, Mahāpreta, Aṅ [und] Eṃ [?]
padmāsanaṃ namaḥ
'dem Lotossitz, Verehrung'
anena manunā dadyādāsanaṃ
mit diesem Mantra bringe man den Sitz dar
śrīgurukramam
gemäß der Überlieferung des ehrwürdigen Guru
[Anm.: 'aṅeṃtaṃ' Lesung unsicher; mit [?] markiert.]
Zunächst, im Innern der mittleren Yoni, verehre man [den Sitz] und forme sodann mit den fünf Praṇavas [oṃ] die göttliche Gestalt, nachdem man die Gottheit dorthin herbeigerufen (āvāhana) hat,
Wort für Wort
prāṅmadhyayonyantarāle
zunächst, im Innern der mittleren Yoni
pūjayetkalpayettataḥ
verehre man, forme sodann
pañcabhiḥ praṇavairmūrtiṃ
mit den fünf Praṇavas die göttliche Gestalt
tasyāmāvāhya devatām
nachdem man die Gottheit dorthin herbeigerufen hat
Man verehre, gesammelten Geistes, nach dem in den Āgamas verkündeten Verfahren: Tāra [oṃ], Vāk [aiṃ], Śakti [hrīṃ], Kamalā [śrīṃ] — sowie die Bīja 'Hasakhūphreṃ' und 'Hasauḥ' werden [dabei] überliefert.
Wort für Wort
pūjayedagamoktena
man verehre nach dem in den Āgamas verkündeten
vidhānena samāhitaḥ
Verfahren, gesammelten Geistes
tārāvākchaktikamalā
Tāra, Vāk, Śakti, Kamalā [oṃ aiṃ hrīṃ śrīṃ]
hasakhūphreṃ hasauḥ smṛtāḥ
die Bīja 'Hasakhūphreṃ' und 'Hasauḥ' werden überliefert
In der linken Ecke verehre man Rati, die Begleiterin der Göttin, deren Glanz dem Mond gleicht, die einen Elefantenstachel (Sṛṇi) und eine Schlinge (Pāśa) hält, sanft, überwältigt vom Taumel der Leidenschaft,
Wort für Wort
vāmakoṇe yajeddevyā
in der linken Ecke verehre man [die Begleiterin] der Göttin
Prīti, in der rechten Ecke stehend, dem geschmolzenen Gold gleichend, die einen gesenkten Elefantenstachel mit ihren beiden Armen hält, verehre man gebührend.
aṅgānyabhyarcayetpaścādyathāpūrvaṃ vidhānavit / dikṣvagre ca nijairmantraiḥ pūjayetbāṇadevatāḥ
Danach verehre der Kenner des Verfahrens die Glieder(-Gottheiten) wie zuvor; in den Himmelsrichtungen und vorn verehre man mit ihren jeweils eigenen Mantras die Pfeil-Gottheiten.
Wort für Wort
aṅgānyabhyarcayetpaścād
danach verehre man die Glieder(-Gottheiten)
yathāpūrvaṃ vidhānavit
wie zuvor, der Kenner des Verfahrens
dikṣvagre ca nijairmantraiḥ
in den Richtungen und vorn, mit den eigenen Mantras
In den acht Yonis verehre man die acht Śaktis, beginnend mit Subhagā, deren Lotushände Blütenpfeile halten, die Geste der Verehrung zeigen und von nektargleichem Glanz sind,
Wort für Wort
hastābjairdhṛtapuṣpeṣu-
deren Lotushände Blütenpfeile halten
praṇāmāmṛtasaprabhāḥ
[die Geste der] Verehrung [zeigen], von nektargleichem Glanz
Die Mütter (Mātṛs), im Schoß Bhairavas sitzend, vom Taumel der Leidenschaft überwältigt, sind auf den acht Lotusblättern gebührend mit Blumen und anderem zu verehren.
Sodann die Weltenhüter (Lokapālas) in den Himmelsrichtungen, ihre Waffen außerhalb davon. Durch in früheren Geburten erworbene Verdienste [gelangt man dazu], sie als höchste Gottheit zu erkennen —
yo bhajeduktamārgeṇa sa bhavetsaṃpadāṃ padam / evaṃ siddhamanurmantrī sādhayediṣṭamātmanaḥ
— wer auf die genannte Weise verehrt, der wird zur Stätte aller Reichtümer. So möge, wenn der Mantra vollkommen (siddha) geworden ist, der Mantra-Kundige sein eigenes Anliegen verwirklichen.
Wort für Wort
yo bhajeduktamārgeṇa
wer auf die genannte Weise verehrt
sa bhavetsaṃpadāṃ padam
der wird zur Stätte aller Reichtümer
evaṃ siddhamanurmantrī
so, wenn der Mantra vollkommen geworden ist, der Mantra-Kundige
Reizvolle, junge Frauen erfreue man, indem man sie als Verkörperung der Gottheit betrachtet; am Ende des Feueropfers stelle man den eigenen Guru mit Reichtum, Getreide und anderem zufrieden.
Wort für Wort
vanitā yuvatī ramyāḥ
reizvolle, junge Frauen
prīṇayeddevatādhiyā
erfreue man, mit dem Gedanken [an sie als] Gottheit
homānte dhanadhānyādyais
am Ende des Feueropfers, mit Reichtum, Getreide u. a.
Wenn dies vollzogen ist, wird die Welt [dem Mantra-Kundigen] untertan, [sein Haus] wird zur Wohnstatt der Ramā (Lakṣmī) — mit roten, in die drei Süßigkeiten getauchten Lotosblüten, oder mit roten, vom Hayāri[-Strauch] stammenden [Blüten],
Wort für Wort
evaṃ kṛte jagadvaśyo
wenn dies vollzogen ist, wird die Welt untertan
ramāyā bhavanaṃ bhavet
[sein Haus] wird zur Wohnstatt der Ramā
raktotpalaistrimadhvaktair
mit roten, in die drei Süßigkeiten getauchten Lotosblüten
aruṇairvā hayārijaiḥ
oder mit roten, vom Hayāri-[Strauch] stammenden [Blüten]
[Anm.: 'hayārijaiḥ' (wörtl. 'vom Pferdefeind stammend') vermutlich Bezeichnung einer bestimmten Pflanze; genaue botanische Identifikation unsicher.]
— mit Blüten, Milchreis samt Ghee, mit Gold bringe man die ganze Welt unter seine Macht. Vollkommenheit der Rede erlangt der Mantra-Kundige mit dargebrachten Palāśa-Blüten.
Wort für Wort
puṣpaiḥ payonnaiḥ saghṛtair
mit Blüten, Milchreis samt Ghee
hemādviśvaṃ vaśaṃ nayet
mit Gold bringe man die Welt unter seine Macht
vāksiddhaṃ labhate mantrī
Vollkommenheit der Rede erlangt der Mantra-Kundige
Mit milchgetränkten Amṛtā-Stücken, mit Gold, überwindet man jeden vorzeitigen Tod; ein Opfer von Dūrvā-Gras dient der Lebensverlängerung, mit milchgetränkten [Halmen], drei Tage lang.
Wort für Wort
kṣīrāktairamṛtākhaṇḍairhemaḥ
mit milchgetränkten Amṛtā-Stücken, mit Gold
sarvāpamṛtyujit
überwindet man jeden vorzeitigen Tod
dūrvābhaghirāyuṣe homaḥ
ein Opfer von Dūrvā-Gras [?] dient der Lebensverlängerung
kṣīrāktābhirdinatrayam
mit milchgetränkten [Halmen], drei Tage lang
[Anm.: 'dūrvābhaghiḥ' in der Wortform unklar, vermutlich Verschreibung im Zusammenhang mit 'dūrvā' (Hirschgras); mit [?] markiert.]
Nachdem man den Mantra vorwärts und rückwärts rezitiert, den Namen des zu Bezwingenden am Ende eingefügt, opfere der Mantra-Kundige mit in Süße getauchten [Blüten],
Wort für Wort
anulomāṃ vilomāntasthita-
vorwärts, rückwärts, am Ende eingefügt
sādhyāhvayānvitam
den Namen des zu Bezwingenden [enthaltend]
mantramuccārya juhuyān
nachdem er den Mantra ausgesprochen hat, opfere
mantrī madhuralolitaiḥ
der Mantra-Kundige mit in Süße getauchten [Blüten]
Mit Blüten des Jāti(-Jasmins) und des Bilva, verbunden mit den drei Süßigkeiten, unterwirft man durch das Feueropfer der Reihe nach Männer, Frauen und Fürsten.
Wort für Wort
jātibilvabhavaiḥ puṣpair
mit Blüten des Jāti(-Jasmins) und des Bilva
madhuratrayasaṃyutaiḥ
verbunden mit den drei Süßigkeiten
naranārīnarapatīn
Männer, Frauen und Fürsten
homena vaśayetkramāt
unterwirft man durch das Feueropfer der Reihe nach
Mit den drei Süßigkeiten verbundenen, vom Bilva-Baum stammenden Früchten opfere man — dadurch unterwirft man sich die Welt [und] erlangt das gewünschte Glück (Śrī).
einen Teil Gorocanā — diese drei Zutaten insgesamt; nachdem man sie mit kaltem Wasser zerrieben hat, trage man ein Tilaka-Zeichen auf der Stirn auf. Wen immer er ansieht, oder von wem er angesehen wird —
Vier Teile Jaṭāmāṃsī (Indische Narde), ebenso viel gilt Rocanā; Safran soll zu gleichem Teil [genommen werden]; Sandelholz gilt als [zehn (?)] Teile —
Wort für Wort
caturbhujā jaṭāmāṃsī
vier Teile [?] Jaṭāmāṃsī
tāvatī rocanā matā
ebenso viel gilt Rocanā
kuṅkumaṃ samabhāgaṃ syād
Safran soll zu gleichem Teil [genommen werden]
digbhātaṃ candanaṃ matam
Sandelholz gilt als [zehn (?)] Teile [?]
[Anm.: 'caturbhujā' vermutlich Verschreibung für 'caturbhāgā' ('vier Teile'); 'digbhātaṃ' unklar, evtl. Zahlwort-Code ('dig' = zehn Richtungen); beide mit [?] markiert.]
Nachdem man die Paste genommen und ein Tilaka auf der Stirn aufgetragen hat, macht man sich Könige und andere Männer untertan, selbst solche, die vor Stolz auf ihre Liebesleidenschaft übervoll, vor Rausch trunken sind wie tolle Elefanten,
Wort für Wort
ādāya tilakaṃ bhāle
nachdem man [die Paste] genommen und auf der Stirn aufgetragen hat
kuryyādbhūmipatīnnarān
macht man sich Könige [und andere] Männer untertan
vanitāmadagarvāḍhyā
die vor Stolz auf Liebesleidenschaft übervoll sind
madonmattānmatandajān
vor Rausch trunken, wie [tolle] Elefanten [?]
[Anm.: 'matandajān' vermutlich verderbt für 'mattagajān' ('wie brünstige/tolle Elefanten'); mit [?] markiert.]
Löwen, Tiger, große Schlangen, Bhūtas (Geister), Vetālas [und] Rākṣasas (Dämonen) unterwirft der Mann, der das Tilaka trägt, allein durch seinen Anblick.
So ist diese Bhairavī verkündet worden; höre nun von einem weiteren Avatāra: Vāk [aiṃ], Māyā [hrīṃ], Kamalā [śrīṃ], Tāra [oṃ], am Ende 'namaḥ', sodann '[o] Bhagavatī' —
Wort für Wort
ityeṣā bhairavī proktā
so ist diese Bhairavī verkündet
hyavatārāntaraṃ śṛṇu
höre nun von einem weiteren Avatāra
vāṅmāyā kamalā tāro
Vāk, Māyā, Kamalā, Tāra [aiṃ hrīṃ śrīṃ oṃ]
namonte bhagavatyatha
am Ende 'namaḥ', sodann '[o] Bhagavatī'
[Anm.: V100 leitet zur dritten Avatāra (Mātaṅgī) über.]
'O glorreiche Mātaṅgeśvarī' spreche man, '[o] Bezaubererin aller Menschenherzen', '[o Herrscherin] im Reich des uranfänglichen Glücks aller', '[o] Erfreuerin des uranfänglichen Glücks aller' —
Wort für Wort
śrīmātaṅgeśvari vadet
'o glorreiche Mātaṅgeśvarī' spreche man
sarvajanamanohari
'[o] Bezaubererin aller Menschenherzen'
sarvādisukharājyante
'[o Herrscherin] im Reich des uranfänglichen Glücks aller'
sarvādisukharañjanī
'[o] Erfreuerin des uranfänglichen Glücks aller'
[Anm.: V101-104 bilden in vokativischer Anrede den mantroddhāra der Mātaṅgī (vgl. Anm. zu V2); wörtliche Wiedergabe, phonetische Vollauflösung nicht erzwungen.]
'[Bringe] alle Könige unter [meine] Macht', danach spreche man das Wort 'kari-sarva', '[bringe] Frau und Mann unter [meine] Macht', verbunden mit Sṛṣṭi, Vidyā und Krodhinikā —
Wort für Wort
sarvarājavaśaṃ paścāt
'[bringe] alle Könige unter [meine] Macht', danach
'[Bringe] jedes wilde Tier unter [meine] Macht', dann das Wort 'kari-sarva', '[o] Bezwingerin aller Wesen', '[bringe] die ganze Welt' [unter meine Macht] — danach, weiter,
Wort für Wort
sarvaṃ duṣṭamṛgavaśaṃ
'[bringe] jedes wilde Tier unter [meine] Macht'
karisarvapadaṃ tataḥ
das Wort 'kari-sarva' [?], dann
sarvasattvavaśaṅkari
'[o] Bezwingerin aller Wesen'
sarvalokaṃ tataḥ param
'[bringe] die ganze Welt' [unter meine Macht] — danach, weiter
amukaṃ me vaśaṃ paścādānayānalasundarī / aṣṭāśītyakṣaro mantro munyādyā bhairavīgatāḥ
'[Bringe den] NN unter meine Macht', dann 'bring [ihn herbei], o Schöne des Feuers (Analasundarī)!' — der Mantra hat achtundachtzig Silben; der Ṛṣi und die übrigen [Bestandteile] sind dieselben wie bei der Bhairavī [genannt].
Wort für Wort
amukaṃ me vaśaṃ paścād
'[bringe den] NN unter meine Macht', dann
ānayānalasundarī
'bring [ihn herbei], o Schöne des Feuers!'
aṣṭāśītyakṣaro mantro
der Mantra hat achtundachtzig Silben
munyādyā bhairavīgatāḥ
der Ṛṣi und die übrigen [Bestandteile] sind wie bei der Bhairavī
Der Mantra-Kundige vollziehe am Körper die sogleich zu nennenden Nyāsas der Reihe nach: auf Haupt, Stirn, Augenbrauenmitte, Gaumen, Kehle, Hals und Brust,
auf dem Anāhata (Herz-Cakra), auf beiden Armen, auf dem Bauch, im Nabelbereich, auf dem Svādhiṣṭhāna, im verborgenen Bereich, und auf den beiden Füßen, dem rechten und dem linken,
Am Mūlādhāra, am After, platziere man der Reihe nach die achtzehn Wortglieder (Pada) — mit [den Silbenzahlen] Guṇa (3), Eins, Zwei, Vier, Sechs, Vasu (8), Parva, Neun, Acht —
Wort für Wort
mūlādhāre gude nyasyet
am Mūlādhāra, am After, platziere man
padānyaṣṭādaśa kramāt
die achtzehn Wortglieder, der Reihe nach
guṇaikadvicatuḥ ṣaḍbhir
mit [den Zahlen] Guṇa (3), Eins, Zwei, Vier, Sechs
vasuparvanavāṣṭabhiḥ
mit Vasu (8), Parva [?], Neun, Acht
[Anm.: Zahlwort-Code (bhūtasaṃkhyā) zur Angabe von Silben-/Lautzahlen der 18 Mantra-Glieder; 'parva' als Zahlwert unsicher, mit [?] markiert.]
mit Nanda (9), Paṅkti (10), Acht, Veda (4), Agni (3), Candra (1), dem Paar (2), [und wieder] Guṇa (3) [als Silbenzahlen] — so wird diese Anordnung durch die Mantra-Silben der Reihe nach verkündet.
Wort für Wort
nandapaṅktyaṣṭavedāgni-
mit Nanda (9), Paṅkti (10), Acht, Veda (4), Agni (3)
candrayugmaguṇā kṣibhiḥ
Candra (1), dem Paar (2), Guṇa (3) [als Silbenzahlen]
yadukḷptiriyaṃ proktā
so wird diese Anordnung verkündet
mantravarṇairyathākramam
durch die Mantra-Silben der Reihe nach
[Anm.: Fortsetzung des Zahlwort-Codes aus V107 zur Silbenzahl-Angabe der 18 Mantra-Glieder; Einzelwerte teils unsicher, mit [?] zu verstehen.]
Der Kundige platziere, [beginnend] mit den Göttinnen von Rati usw., auf den Stellen Mṛt, Herz und Augenbrauenmitte, [die Formeln] beginnend mit den Bīja Vāk, Śakti und Lakṣmī, endend auf 'Mātaṅgī',
Wort für Wort
ratyādyā mṛlahṛdayabhrumadhyeṣu
[die Göttinnen] beginnend mit Rati, auf Mṛt [?], Herz und Augenbrauenmitte
vicakṣaṇaḥ
der Kundige
vākśaktilakṣmībījādyā
beginnend mit den Bīja Vāk, Śakti, Lakṣmī
mātaṅgyantāḥ pravinyaset
endend auf 'Mātaṅgī', platziere man
[Anm.: 'mṛl-' unklare Lautfolge/Ortsangabe, evtl. verderbt; mit [?] markiert.]
Auf Haupt, Antlitz, Herz, Schambereich und Füßen platziere man nach der Vorschrift: die Hṛllekhā [hrīṃ], die 'Himmlische' (Gaganā), die 'Rote' — ferner platziere der Mantra-Kundige Karālikā,
und Mahocchuṣmā — [Formeln,] denen jeweils der Anfangslaut des eigenen Namens als Bīja vorangeht, endend auf 'Mātaṅgī'; sodann vollziehe der Sādhaka die sechs Glieder (Ṣaḍaṅga).
Wort für Wort
mahocchuṣmāṃ svanāmādi-
und Mahocchuṣmā — [denen] der Anfangslaut des eigenen Namens
Das Herz(-Glied) besteht aus vierundzwanzig Silben, das Haupt aus dreizehn; die Śikhā wird mit achtzehn [Silben] verkündet, die Rüstung (Kavaca/Varman) mit ebenso vielen Silben,
das Auge soll dreizehn [Silben] haben, das Astra wird mit zwei [Silben] verkündet; sodann vollziehe man die Pfeil-Nyāsa nach der bei der Bhairavī verkündeten Weise.
Mātaṅgī [platziere man] auf den beiden Füßen, ein anderer [Name des Kāma] — die Namen des Manmatha auf den Teilen des Antlitzes, auf den Seiten und Hüften, im Nabelbereich, und wiederum auf dem Hüft-Seiten-Bereich,
Wort für Wort
mātaṅgīpadayoścānyaṃ
Mātaṅgī auf den beiden Füßen, ein anderer [Name]
manmathānvadanāṃśayoḥ
die [Namen] des Manmatha auf den Teilen des Antlitzes
diese Göttinnen, vorangestellt mit dem Wort 'Anaṅga', endend auf 'Mātaṅgī', werden genannt und sind sodann an der Wurzel (Mūlādhāra), am Adhiṣṭhāna und am Maṇipūraka zu platzieren,
auf Herz, Kehle, Antlitz, zwischen den Augenbrauen und auch auf dem Haupt, durch den Mantra-Kundigen: zuerst Lakṣmī und Sarasvatī, dann Rati, Prīti und Kṛttikā,
Wort für Wort
hṛtkaṇṭhāsye bhruvormadhye
auf Herz, Kehle, Antlitz, zwischen den Augenbrauen
Śānti, Puṣṭi, wiederum Tuṣṭi, und die mit 'Mārtagaṃ'-Wort bekrönte — den Wurzel-Mantra platziere der Mantra-Kundige gesondert auf seinem eigenen Haupt.
Wort für Wort
śāntiḥ puṣṭiḥ punastuṣṭim
Śānti, Puṣṭi, wiederum Tuṣṭi
ārtagaṃpadaśekharā
und die mit 'Mārtagaṃ'-Wort bekrönte [?]
mūlamantraṃ pṛthaṅnyasyen
den Wurzel-Mantra platziere gesondert
nijamūrddhani mantravit
der Mantra-Kundige auf seinem eigenen Haupt
[Anm.: 'ārtagaṃpadaśekharā' Lesung unsicher/möglicherweise verderbt; mit [?] markiert.]
Am Ādhāra-Ort, am Adhiṣṭhāna, am Nabel, dann am Anāhata, am Kehlbereich, zwischen den Augenbrauen, am Bindu, ferner die Kalā an den Füßen [d. h. an der Spitze der Cakra-Reihe],
nirodhikāyāmarddhendunāde nādāntayoḥ punaḥ / unnatāṃseṣu vaktre ca dhruvamaṇḍalake śive
an der Nirodhikā, am Ardhendu (Halbmond) und am Nāda, wiederum an den beiden Enden des Nāda, auf den erhobenen Schultern und im Antlitz, sowie am Dhruvamaṇḍala (Polarstern-Kreis), o Erhabene,
Wort für Wort
nirodhikāyāmarddhendunāde
an der Nirodhikā, am Ardhendu (Halbmond) und am Nāda
Der beste Lehrmeister platziere gebührend die mit Mātaṅgī beginnenden Göttinnen: jene Mātaṅgī, beginnend mit 'Mahat', und beginnend mit dem Wort 'Mahālakṣmī',
Wort für Wort
mātaṅgyādyāḥ pravinyasyed
man platziere die mit Mātaṅgī beginnenden [Göttinnen]
siddhalakṣmīpadādyāṃ ca mūlamādhāramaṇḍalam / nyasettenaiva kurvīta vyāpakaṃ deśikottamaḥ
und jene beginnend mit dem Wort 'Siddhalakṣmī' — platziere man am Mūla, am Ādhāra-Kreis; mit eben diesem Mantra vollziehe der beste Lehrmeister die Durchdringung (Vyāpaka).
So, nachdem er den Mantra auf seinem Körper platziert hat, meditiere er über die Mantra-Gottheit: dunkel, der Rede eines Papageien lauschend, mit einem ruhenden Fuß und herabwallendem Haar,
Wort für Wort
evaṃ nyastaśarīro 'sau
so, nachdem er [den Mantra] auf seinem Körper platziert hat
śaśikhaṇḍadharāṃ vīṇāṃ vādayantīṃ madhūnmadām / raktāṃśukāṃ ca kahlāramālāśobhitacūlikām
mit einem Halbmond[-Schmuck], die Vīṇā spielend, trunken vom Wein, in rotes Gewand gekleidet, deren Haarschopf mit einer Kahlāra-Blütengirlande geschmückt ist,
śaṅkhapatrāṃ tu mātaṅgīṃ citrakodbhāsimastakām / ayutaṃ prajapenmantraṃ taddaśāṃśaṃ madhūkajaiḥ
die Mātaṅgī, mit muschelförmigen Ohrgehängen, deren Haupt von bunten Zierden erglänzt — man rezitiere den Mantra zehntausendmal; ein Zehntel davon opfere man mit Madhūka-Blüten,
mit Blüten, verbunden mit den drei Süßigkeiten, opfere man zur Vollkommenheit des Mantras. Man gestalte einen Lotus mit dreieckiger Blütenmitte und acht Blütenblättern,
Auf diesem Sitz (Pīṭha) verehre man diese neun Śaktis der Reihe nach, jeweils mit dem Wort 'Vibhūti' voran und, wie zuvor genannt, mit dem Wort 'Mātaṅgī' am Ende,
sarvānte śaktikamalāsanāya nama ityatha / vāksatyalakṣmī bījādya uktaḥ pīṭhārcane manuḥ
am Ende von allem [folgt]: '»śaktikamalāsanāya namaḥ«' — dies ist, mit den Bīja Vāk, Satya und Lakṣmī beginnend, der für die Verehrung des Pīṭha verkündete Mantra.
Wort für Wort
sarvānte śaktikamalāsanāya
am Ende von allem: 'dem Lotossitz der Śakti'
nama ityatha
'Verehrung' — so dann
vāksatyalakṣmī bījādya
beginnend mit den Bīja Vāk, Satya, Lakṣmī
uktaḥ pīṭhārcane manuḥ
ist dies der für die Pīṭha-Verehrung verkündete Mantra
Nachdem der Mantra-Kundige mit dem Wurzel-Mantra die göttliche Gestalt gebildet und die Gottheit dorthin herbeigerufen hat, verehre er sie nach dem sogleich zu beschreibenden Verfahren.
Wort für Wort
mūlena mūrtiṃ saṃkalpya
nachdem er mit dem Wurzel-Mantra die Gestalt gebildet hat
tasyāmāvāhya devatām
nachdem er die Gottheit dorthin herbeigerufen hat
arcayedvidhinānena
verehre er nach diesem Verfahren
vakṣyamāṇena mantravit
der Mantra-Kundige, dem sogleich zu beschreibenden
ratyādyāstriṣu koṇeṣu pūjayetpūrvavatsudhīḥ / hṛhṛllekhāḥ pañcapūjyā madhye dikṣu ca mantriṇā
Die mit Rati beginnenden Göttinnen verehre der Kluge in den drei Ecken, wie zuvor; die fünf Hṛllekhās sind vom Mantra-Kundigen in der Mitte und in den Himmelsrichtungen zu verehren,
Wort für Wort
ratyādyāstriṣu koṇeṣu
die mit Rati beginnenden [Göttinnen] in den drei Ecken
pūjayetpūrvavatsudhīḥ
verehre der Kluge, wie zuvor
hṛhṛllekhāḥ pañcapūjyā
die fünf Hṛllekhās sind zu verehren
madhye dikṣu ca mantriṇā
in der Mitte und in den Richtungen, durch den Mantra-Kundigen
[Anm.: 'hṛhṛllekhāḥ' vermutlich Verdopplung/Schreibfehler für 'hṛllekhāḥ'.]
die Schlinge, Elefantenstachel, Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung tragend, vom Glanz der [fünf] Elemente — danach verehre der Kenner des Verfahrens die Glieder(-Gottheiten) wie zuvor,
Die Pfeile verehre man in den Himmelsrichtungen, den fünften verehre man vorn; sodann sind inmitten der Blütenblätter die mit Anaṅgakusumā beginnenden Göttinnen zu verehren,
diese Göttinnen, Schlinge, Elefantenstachel, Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung tragend, rotleibig, sind wiederum an den Blattspitzen zu verehren: die mit Lakṣmī beginnenden, die Laute (Vallakī) in Händen haltenden Göttinnen,
Auf den äußeren acht Blütenblättern sind zu verehren die mit Manmatha beginnenden Götter, erhaben vor Leidenschaft, sowie ihre weiteren Glied(-Gottheiten), beginnend mit den Köcherträgern, die die Blütenwaffe, den Pfeilköcher und den Bogen halten,
Wort für Wort
bahiraṣṭadaleṣvarcyā
auf den äußeren acht Blütenblättern zu verehren
manmathādyā madoddhatāḥ
die mit Manmatha beginnenden, erhaben vor Leidenschaft
aparāṅgā niṣaṅgādyāḥ
ihre weiteren Glied(-Gottheiten), beginnend mit den Köcherträgern
Die auf den Blättern befindlichen Mütter (Mātṛs), beginnend mit Brāhmī, mit den bereits genannten Merkmalen, sind zu verehren; vor ihnen verehre der Gelehrte die mit Asitāṅga beginnenden Bhairavas.
Wort für Wort
patrasthā mātaraḥ pūjyā
die auf den Blättern befindlichen Mütter sind zu verehren
Wiederum sind auf den sechzehn Blütenblättern die sechzehn Śaktis zu verehren, beginnend mit Vāmā, mit lieblich klingenden Vīṇās singend, dunkelleibig.
Auf dem Quadrat, in den vier Himmelsrichtungen, verehre man wiederum vier Göttinnen, beginnend mit Mātaṅgī, vor Leidenschaft trunken, deren Hände mit der Vīṇā spielen.
lokapālā bahiḥ pūjyā vajrādyairāyudhaiḥ saha / mantre 'sminsaṃdhite mantrī sādhayediṣṭamātmanaḥ
Die Weltenhüter (Lokapālas) sind außerhalb zu verehren, zusammen mit ihren Waffen, beginnend mit dem Vajra. Wenn dieser Mantra [so] vervollständigt ist, möge der Mantra-Kundige sein eigenes Anliegen verwirklichen.
Wort für Wort
lokapālā bahiḥ pūjyā
die Weltenhüter sind außerhalb zu verehren
vajrādyairāyudhaiḥ saha
zusammen mit den Waffen, beginnend mit dem Vajra
mantre 'sminsaṃdhite mantrī
wenn dieser Mantra vervollständigt ist, der Mantra-Kundige
Mit Mallikā-, Jāti- und Punnāga-Blüten, mit Gold geopfert, wird man zur Stätte des Glücks; mit vom Bilva-Baum stammenden Früchten oder aus dessen Blättern geopfert, entsteht dasselbe Ergebnis.
Wort für Wort
mallikājātipunnāgair
mit Mallikā-, Jāti- und Punnāga-Blüten
hemādbhāgyālayo bhavet
mit Gold [geopfert] wird man zur Stätte des Glücks
phalaurbilyasamudbhūtais
mit vom Bilva-Baum stammenden Früchten
tatpatrairvā hutādbhavet
oder aus dessen Blättern geopfert entsteht [dasselbe]
Ein Königssohn erlangt damit sein Königreich; mit Lotosblüten erlangt man Glück (Śrī); mit blauen Lotosblüten (Utpala) unterwirft man sich die ganze Welt; mit salzigen, mit Honig verbundenen Substanzen eine Frau.
Wort für Wort
rājaputrasya rājyāptiḥ
ein Königssohn erlangt sein Königreich
paṅkajaiḥ śriyamāpnuyāt
mit Lotosblüten erlangt man Glück
utpalairvaśayedviśvaṃ
mit blauen Lotosblüten unterwirft man die Welt
kṣārairmadhvāśritaiḥ striyam
mit salzigen, mit Honig verbundenen [Stoffen] eine Frau
Mit Dūrvā-Gras erlangt man langes Leben, mit Reiskörnern wird man reich, mit Kadamba-Blüten erlangt man Unterwerfung [anderer] — alles dies, dargebracht in die drei Süßigkeiten getaucht.
Mit Blüten des Nandyāvarta, mit Gold dargebracht, verleiht dies Vollkommenheit der Rede; mit Nimba-Blüten opfere man zur Fülle des gewünschten Glücks (Śrī).
Wort für Wort
nandyāvartabhavaiḥ puṣpair
mit Blüten des Nandyāvarta
hemo vāksiddhidāyakaḥ
mit Gold [dargebracht], verleiht Vollkommenheit der Rede
vaśyāya ca priyatvāya hutāśca tilakīkṛtāḥ / nirguṇḍīmūlahomena nigaḍānmucyate naraḥ
— diese Ingredienzien, geopfert und zu einem Tilaka verarbeitet, dienen der Unterwerfung und der Erlangung von Zuneigung. Durch ein Feueropfer von Nirguṇḍī-Wurzel wird ein Mann von Fesseln befreit.
'Dīpakā', reich an Mond, der Prīti [zugehörig], zweifach, und wiederum 'die Gefärbte' (Rañjitā), dem Feuer teure — der Mantra der Dhūmāvatī [beginnt] mit der Elefanten-Silbe (Gajākṣara) —
Wort für Wort
dīpakāprīticandrāḍhyā
'Dīpakā', reich an Mond, der Prīti [zugehörig] [?]
dvidhā cedrañjitāpunaḥ
zweifach, und wiederum 'die Gefärbte' [?]
vativahnipriyāmantro
die dem Feuer teure [?] — der Mantra
dhūmāvatyā gajākṣaraḥ
der Dhūmāvatī [beginnt] mit der Elefanten-Silbe [?]
[Anm.: Stark verdichteter mantroddhāra-Vers zur Kodierung des Dhūmāvatī-Mantras (vgl. Anm. zu V2); Lesung in weiten Teilen unsicher und mit [?] zu verstehen.]
Pippalāda ist der Weise (Ṛṣi), Nivṛt das Versmaß, Dhūmāvatīśvarī [die Gottheit]; man gestalte [den Mantra] mit dem Bīja, verbunden mit der Klasse der sechs Langvokale.
Wort für Wort
pippalādo muniśchando
Pippalāda [ist] der Weise, [das] Versmaß
nivṛddhūmāvatīśvarī
Nivṛt, [die Gottheit ist] Dhūmāvatīśvarī
bījena ṣaḍdīrghajātiyuktena
mit dem Bīja, verbunden mit der Klasse der sechs Langvokale
sūryahastāṃ nirukṣāṅkadhṛtahastāṃbarānvitām / pravṛddhalomāṃ tu bhṛśaṃ kuṭilākuṭilekṣaṇām
mit einem Worfelkorb (?) in der Hand, deren Hand ein [zitterndes?] Gewand hält (?), mit überaus reichlich gewachsenem Körperhaar, mit schielenden (?) Augen,
Wort für Wort
sūryahastāṃ
mit einem Worfelkorb [?] in der Hand
nirukṣāṅkadhṛtahastāṃbarānvitām
[deren] Hand ein [zitterndes?] Gewand hält [?]
pravṛddhalomāṃ tu bhṛśaṃ
mit überaus reichlich gewachsenem Körperhaar
kuṭilākuṭilekṣaṇām
mit schielenden [?] Augen
[Anm.: Erste Vershälfte in der Lesung stark unsicher; 'sūryahastāṃ' vermutlich verderbt für 'sūrpahastāṃ' ('mit Worfelkorb in der Hand', klassisches Attribut der Dhūmāvatī); 'nirukṣāṅkadhṛtahastāṃbarānvitām' unklar. Beide Stellen mit [?] markiert.]
stets von Hunger und Durst gepeinigt, furchterregend, streitliebend — nachdem man sie, von solcher Gestalt, so meditiert hat, [rezitiere man den Mantra,] endend auf 'namaḥ svāhā phaṭ'.
Wort für Wort
kṣutpipāsārditāṃ nityaṃ
stets von Hunger und Durst gepeinigt
bhayadāṃ kalahapriyām
furchterregend, streitliebend
evaṃvidhāṃ tu saṃcintya
nachdem man sie, von solcher Gestalt, meditiert hat
Nachdem man das Bīja auf das [Abbild des] zu Bezwingenden gelegt hat, stelle man darauf einen Leichnam und rezitiere; nachdem man den Leichnam ergriffen hat, rezitiere man sodann, mit dem Namen des Feindes, den Mantra.
Wort für Wort
bījaṃ sādhyopari nyasya
nachdem man das Bīja auf den zu Bezwingenden gelegt hat
tasminsthāpya śavaṃ japet
nachdem man darauf einen Leichnam gestellt hat, rezitiere man
avaṣṭabhya śavaṃ śatrunāmnā
nachdem man den Leichnam ergriffen hat, mit dem Namen des Feindes
Der Gelehrte, Turban und Mantel tragend, in der dunklen Monatshälfte, zur Geisterstunde, Tag und Nacht fastend, im Leichenverbrennungsplatz, oder in der Wildnis, in einem verlassenen Haus,
Wort für Wort
soṣṇīṣakañcuko vidvān
der Gelehrte, Turban und Mantel tragend
kṛṣṇe bhūte divāniśam
in der dunklen [Monatshälfte], zur Geisterstunde, Tag und Nacht
zur Vollkommenheit des Mantras, mit gezügelter Rede, unablässig die Göttin meditierend — wenn man mehr als tausendmal [den Mantra rezitiert hat], wird der Feind von Fieber ergriffen.
Wort für Wort
mantrasya siddhyai yatavāg
zur Vollkommenheit des Mantras, mit gezügelter Rede
Durch die fünf Kuhprodukte (Pañcagavya) oder auch mit Milch tritt Besänftigung des Fiebers ein. Nachdem man die erste Silbe des Mantras aufgeschrieben hat, [schreibe man] danach, weiter, den Namen des Feindes,
Wort für Wort
pañcagavyena śāntiḥ syāj
durch die fünf Kuhprodukte tritt Besänftigung ein
jvarasya payasāpi vā
des Fiebers, oder auch mit Milch
mantrādyā kṣaramālikhya
nachdem man die erste Silbe des Mantras aufgeschrieben hat
dvitīyaṃ manuvarṇaṃ ca śatrunāmaivamālikhet / sarvaṃ manudiksahasrajapācchavamṛtirbhavet
und die zweite Silbe des Mantras, [gefolgt jeweils vom] Namen des Feindes, schreibe man ebenso auf. Durch tausendfache Rezitation des gesamten Mantras tritt der Tod [des Feindes] wie [der eines] Leichnams ein.
Wort für Wort
dvitīyaṃ manuvarṇaṃ ca
und die zweite Silbe des Mantras
śatrunāmaivamālikhet
[gefolgt vom] Namen des Feindes schreibe man ebenso auf
sarvaṃ manudiksahasrajapāc
durch tausendfache Rezitation des gesamten Mantras
chavamṛtirbhavet
tritt der Tod [des Feindes] wie [der eines] Leichnams ein
Nachdem man eine Krähe im Scheiterhaufenfeuer verbrannt hat, nehme der Mantra-Kundige deren Asche; hundertundachtmal, mit dem Namen des Widersachers rezitiert, bewirkt dies die Austreibung (Uccāṭana) des Feindes.
Wort für Wort
dagdhvā kaṅkaṃ śyaśānāgnau
nachdem man eine Krähe im Scheiterhaufenfeuer verbrannt hat
tadbhasmādāya mantravit
nehme der Mantra-Kundige deren Asche
virodhināmnāṣṭaśataṃ japtam
hundertundachtmal, mit dem Namen des Widersachers rezitiert
Nachdem man mit Scheiterhaufenasche [ein Abbild] geformt hat, lege man einen Leichnam [bzw. eine Leichnamsfigur] darauf; verschlossen/gebannt mit dem Namen des Widersachers, rezitiere man [den Mantra] in der dunklen Monatshälfte.
Wort für Wort
śmaśānabhasmanā kṛtvā
nachdem man mit Scheiterhaufenasche [ein Abbild] geformt hat
śavaṃ tasyopari nyaset
lege man einen Leichnam darauf
virodhināmasaṃruddhaṃ
verschlossen/gebannt mit dem Namen des Widersachers
Was willst du weiter bezüglich der Durgā, der Mutter der Welt, fragen?
Wort für Wort
durgāyā jagadaṃbāyāḥ
bezüglich der Durgā, der Mutter der Welt
kiṃ punaḥ praṣṭumicchasi
was willst du weiter fragen?
[Anm.: Der Vers bricht im Quelltext nach der ersten Vershälfte ab (keine zweite Pāda-Zeile vorhanden); die fehlende Fortsetzung leitet vermutlich unmittelbar zum folgenden Kapitel (87) über.]